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Phraseologie im Gemeinsamen Europäischen


r Sprachen
Referenzrahmen fü
- Zur Frage nach dem phraseologischen Minimum -

Jungk, Erik-Joachim (Sogang Univ.)

1. Einleitung

Unbestritten nimmt die Phraseologie einen ständig wachsenden Raum im


fremdsprachlichen Unterricht der meisten europäischen Länder ein. Dies hat mit
einem Umdenkungsprozess in der Fremdsprachendidaktik seit den achtziger Jahren
des vergangenen Jahrhunderts zu tun, der von einer grammatikorientierten
Sprachvermittlung zu einem Unterricht geführt hat, der stärker auf die gesprochene
Sprache ausgerichtet ist. Die Frage nach dem phraseologischen „warum‟ stellt sich
nicht mehr in der Fremdsprachendidaktik, diese Feststellung kann nicht nur auf
Grund der expliziten Nennung der Phraseologie im gemeinsamen europäischen
Referenzrahmen für Sprachen getroffen werden. Verschiedene Projekte wie
EPHRAS (http://www.ephras.org) - ein Projekt, bei dem ein mehrsprachiges
deutsch-slowenisch-slowakisch-ungarisches phraseologisches Lernmaterial auf
CD-Rom zusammengetragen wird - zeigen nicht nur allgemein das gesteigerte
Interesse für Phraseologie, sondern lassen auch eine Unzufriedenheit mit der
Behandlung der Phraseologie in herkömmlichen Fremdsprachen-Lehrwerken
sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht erkennen. Dies führt uns
zu der Frage nach dem phraseologischen „was‟ und „wie‟, also der Problematik
der Selektion und Didaktik von Phraseologismen im fremdsprachlichen Unterricht
im Allgemeinen und in Lehrwerken im Speziellen.
Die Teildisziplin in der Phraseologieforschung, die die Vermittlung von
Phraseologismen im mutter- und fremdsprachlichen Unterricht untersucht, wird als
Phraseodidaktik bezeichnet. (Ettinger 894). Obwohl „die Phraseologieforschung
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sich seit mehr als 20 Jahren „in einem kräftigen Aufwind‟ befindet und obwohl
die Zahl der linguistischen Untersuchungen seit Beginn der 80er Jahre geradezu
sprunghaft gestiegen ist ( ... ), sind phraseodidaktische Beiträge doch noch recht
selten. Man spricht daher vom phraseodidaktischen Dornröschenschlaf (Kühn
1987) oder vom „Stiefkind der Didaktik‟ (Wotjak 1996)‟ (Ettinger, 894). Versuche,
aus diesem „Dornröschenschlaf‟ zu erwachen, gibt es.
Die vorliegende Arbeit stellt sich zur Aufgabe, zuerst eine Übersicht über
die Behandlung von Phraseologismen im Referenzrahmen zu geben. Im
Anschluss daran soll auf Arbeiten eingegangen werden, die sich mit dem
phraseologischen Minimum bzw. Optimum für DaF beschäftigen.
In der Fremdsprachendidaktik dürfte Einigkeit über die Notwendigkeit einer
verstärkten und systematischen Einbeziehung der Phraseologie in den gesamten
Prozess des Sprachenlernens herrschen. Dass Phraseologismen aus unserem
täglichen Sprachgebrauch nicht wegzudenken sind, ist eine bekannte Tatsache.
Weniger bekannt ist, dass Kinder schon ab dem Kindergartenalter Phraseologismen
verstehen und verwenden können, was der These eines verstandesmäßigen
Nachvollziehens von metaphorischen Ausdrücken widerspricht. Phraseologismen
sind ein fester Bestandteil unseres Sprach-Gedächtnisses. Hieraus müssen
Folgerungen für die Fremdsprachendidaktik gezogen werden. Leider wissen wir
aber wenig darüber, wie Phraseologismen im Alltag des Fremdsprachenunterrichts
behandelt werden. Eine grundlegende Didaktik zur Behandlung von
Phraseologismen im DaF-Unterricht existiert nicht, bei der Betrachtung zumindest
der älteren DaF-Lehrwerke kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass
Phraseologismen in diesen Lehrwerken dem Zufall ihr Vorkommen verdanken.
Daher erscheint es sinnvoll, für die Fremdsprachendidaktik ein phraseologisches
Minimum bzw. Optimum zu erarbeiten, um die Behandlung dieses so wichtigen
Aspekts der menschlichen Kommunikation in der Unterrichtpraxis zu erleichtern.
Zum Schluss soll anhand einer Analyse der im Lehrwerk Tangram aktuell
gebrauchten Phraseologismen untersucht werden, ob und wie in einem Lehrwerk,
das nach den Richtlinien des Referenzrahmens erarbeitet wurde, den dortigen
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phraseologischen Kann-Beschreibungen entsprochen wurde und ob das


phraseologische Inventar des Lehrwerks phraseodidaktischen Mindestanforderungen
genügt.

2. Der gemeinsame europä


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Der gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen, der zwischen


1989 und 1996 erarbeitet wurde, ist 2001 vom Europarat als Hilfsmittel für
das Lehren und Lernen von Fremdsprachen sowie zur Feststellung von
Fremdsprachenkenntnissen anerkannt und als nicht-normatives Handbuch
publiziert worden.1) Die Bedeutung des Referenzrahmens kann in folgenden
Punkten zusammengefasst werden:

a) Er beschreibt die unterschiedlichen Stufen sprachlicher Kompetenz


b) Er ermöglicht eine auf für die europäischen Länder allgemein gültigen
Kriterien aufbauende Planung von Lehrmaterialien und Curriculae
c) Mit seiner Hilfe können Fremdsprachenkenntnisse und Sprachprüfungen
miteinander verglichen werden.

Im Folgenden soll besonders auf die verschiedenen Stufen sprachlicher


Kompetenz aus phraseologischer Sicht eingegangen werden. Der Referenzrahmen
unterscheidet in 6 Niveaustufen, die - bei ansteigendem Niveaugrad - mit A1, A2,
B1, B2, C1 und C2 bezeichnet werden. Die Stufe A1 (Breakthrough) ist somit
die niedrigste Stufe sprachlicher Kompetenz, C2 (Mastery) die höchste. Die
Phraseologie findet im GER und in der Publikation „Profile Deutsch‟, einem Werk,
das auf der Umsetzung der Grundideen des GER basiert, zahlreiche Erwähnung,

1) Bei der deutschen Fassung des Common European Framework of Reference for Language - im
Folgenden abgekürzt mit GER - handelt es sich nicht um eine autorisierte Übersetzung. Die deutsche
Übersetzung kann im Internet unter http://www.goethe.de/z/50/commeuro/deindex.html nachgelesen
werden, das englischsprachige Original unter http://www.coe.int/t/dg4/linguistic/CADRE_EN.asp
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damit wird ihrer Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht Rechnung getragen.

2.1. Zuordnung verschiedener Fähigkeiten im Bereich der Phraseologie zu


den einzelnen Skalen des Referenzrahmens

Die Fähigkeiten im Bereich der Phraseologie können nach produktiven und


rezeptiven, des Weiteren nach mündlichen und schriftlichen Fähigkeiten
unterschieden werden. In der Stufe A1 beherrscht der Lerner auf dem Gebiet der
mündlichen produktiven Aktivitäten einfache, häufig nicht-idiomatische
Wendungen wie Gruss-, Abschieds- und Glückwunschformeln (s. GER 36, 38).
Auf dieser Stufe können dem Lerner aber auch nicht-phraseologische freie
Wortverbindungen wie ,mit dem Auto fahren‘ als feste Wortverbindungen
erscheinen (PRO 158). Auch die schriftliche Produktion von Phraseologismen
beschränkt sich in dieser Stufe auf einfache Gruss- oder Abschiedsformeln. Im
Bereich der auditiven und schriftlichen rezeptiven Fähigkeiten verhält es sich in
der Stufe A1 ähnlich wie bei den produktiven Fähigkeiten: Der Lerner versteht
häufig gebrauchte Redeformeln. Das Niveau A2 führt im Vergleich zu A1 aus
phraseologischer Sicht wohl zu keinem grösseren Wissenszuwachs, immerhin
kann der Lerner im Bereich der auditiven rezeptiven Fähigkeiten „Wendungen
und Wörter verstehen, wenn es um Dinge von ganz unmittelbarer Bedeutung
geht (...), sofern deutlich und langsam gesprochen wird‟ (GER 72). Im
Referenzrahmen wird die Wichtigkeit von nicht- oder gering-idiomatischen
Phraseologismen wie Routineformeln einerseits und Idiomen andererseits
unterschiedlich bewertet: Während die ersteren in der Kommunikation die am
häufigsten auftretenden Phraseologismen sind und folglich mit Recht schon in
der Stufe A1 und in allen folgenden Kompetenzstufen erscheinen, tauchen die
letzteren erst in der Stufe B1 und dann verstärkt in den Stufen B2, C1 und C2
auf. Wie Pasi Pirttisaari feststellt, finden sich die ersten Kannbeschreibungen mit
Verweisen auf idiomatische Kenntnisse bei rezeptiven Aktivitäten auf der Stufe
B1 (Pirttisaari 254). Der Lerner versteht im Gespräch mit Freunden schon vieles,
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„sofern die Gesprächspartner deutlich sprechen und stark idiomatischen


Sprachgebrauch vermeiden‟ (GER 81). Auf dieser Stufe beherrscht der Sprecher
aktiv und passiv ein „Repertoire an oft gebrauchten Redefloskeln und
Wendungen‟ (PRO 99), mit dem er in der Lage ist, sich zu verständigen. Auf
der Stufe B2 beherrscht der Lerner bezüglich der schriftlichen Rezeption häufig
gebrauchte Wendungen (GER 74, PRO 126), er verfügt auch über ein
soziolinguistisches Bewusstsein. Während den Lernern der Stufen A2 - B2 eine
starke Idiomatik noch Verständnisschwierigkeiten bereitet, können die Lerner der
Stufe C1 bereits „ein breites Spektrum idiomatischer Redewendungen verstehen‟
(GER 71). Die Lerner können ab dieser Stufe auch schon „Spielfilme verstehen,
auch wenn ( ... ) viel idiomatischer Sprachgebrauch darin vorkommt‟ (GER 77).
Auf dem Niveau C2 verfügen die Lerner schließlich über „einen sehr reichen
Wortschatz einschließlich ( ... ) idiomatischer Wendungen und sind sich der
jeweiligen Konnotationen bewusst‟ (GER 111). Während das Niveau C1 an
erster Stelle die rezeptive Beherrschung eines breiten Spektrums der Idiomatik
beschreibt, kann auf der Stufe C2 auch von guten aktiven Fähigkeiten im
Bereich der Idiomatik ausgegangen werden.

2.2. Zur Begriffsbestimmung und Klassifikation

Wie Pasi Pirttisaari zu Recht betont, ist die im GER und im PRO gebrauchte
Terminologie häufig sehr verschwommen und folgt nicht den inzwischen in der
linguistischen Literatur gültigen Begriffen. So wird im GER und im PRO ein
Phraseologismus abwechselnd als Wendung, idiomatische Wendung, feste Wendung,
feststehende Wendung, Redewendung, idiomatischer Ausdruck usw. bezeichnet
(Pirttisaari 249). Ein weiterer Fall einer terminologischen Ungenauigkeit ist die
Verwendung des Wortes fest: Während an verschiedenen Stellen fest im
phraseologischen Sinn gebraucht wird,2) wird das Wort auch in dem Sinne

2) S. hierzu z. B. Burger 61 ff. und Fleischer 36ff.


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gebraucht, dass der Lerner eine freie Wortverbindung als eine feste Einheit
auswendig gelernt hat, ohne sie grammatisch analysieren zu können (vgl. PRO 157,
158). Man könnte nun vermuten, dass die Verschwommenheit der Terminologie aus
der mangelhaften Übersetzung des englischen Originals herrührt, dies ist aber nicht
der Fall. Wie Pirttisaari aufweist, bedienen sich auch die Verfasser des
Originaltextes einer Terminologie, die wir günstigstenfalls mit dem Wort „opak‟
umschreiben können. So listet er von familiar everyday expression (CEFR 24) bis
stock phrase (CEFR 124) insgesamt 40 Ausdrücke auf, die offensichtlich alle oder
zumindest zum grossen Teil das umschreiben, was man in der Sprachwissenschaft
mit dem Wort Phraseologismus (engl. phrase oder idiom) bezeichnet. Allerdings ist
der Terminus Phraseologismus, der als Oberbegriff für eine Vielzahl verschiedener
fester Wortverbindungen dient, selber mit einer gewissen Undeutlichkeit behaftet, da
ihm verschiedene Autoren nur bestimmte Wortverbindungen, beispielsweise aber
nicht Sprichwörter zurechnen. Wir sollten also von Phraseologismus im weiteren
Sinne und Phraseologismus im engeren Sinne sprechen, um Missverständnisse zu
vermeiden. Zu den Phraseologismen im weiteren Sinne werden nach der Ansicht
der meisten Sprachwissenschaftler im deutschsprachigen Raum folgende Klassen
von Wortverbindungen gezählt:

1) Wortidiome (auch Phraseme oder Phraseolexeme genannt): etwas im Keim


ersticken, aus dem Leim gehen
2) Satzidiome (auch satzwertige idiomatische Redewendungen oder Phrasen
genannt, sog. Routine-, Gruß- oder Paarformeln werden diesem Bereich
zugeordnet): Glück auf!, Du lieber Gott!
3) Kollokationen (d. h. feste Wortverbindungen, die nicht oder nur schwach
idiomatisch sind; eine Untergruppe bilden hier die sog. Funktionsverbgefüge,
die aus einem mehr oder minder bedeutungsentleeren Verb und einem Nomen
bestehen, das Träger der Kernbedeutung ist): sich die Zähne putzen,
jemandem Hilfe leisten
4) Sprichwörter: Alte Liebe rostet nicht, Das geht doch auf keine Kuhhaut
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5) Geflügelte Worte (Geflügelte Worte sind wie Maximen, Sentenzen und


Aphorismen autorenbezogen; sie stellen insofern eine Sondergruppe dar): Ein
Buch mit sieben Siegeln

Es gibt einige weitere Arten von festen Wortverbindungen wie onymische


Wortverbindungen (Das Rote Kreuz, Das Heilige Grab, Die Chinesische Mauer),
die die Funktion von Eigennamen haben, oder Klischees (Babyboom,
Rentnerschwemme), d. h. meist metaphorische Wortverbindungen, die durch
massenhaften Gebrauch „klischiert‟ werden. In der Forschung werden diese
Gruppen meist aus dem Bereich der Phraseologie ausgeschlossen und sollen hier
nicht zum Untersuchungsgegenstand werden. Zu den Phraseologismen im engeren
Sinne werden von der überwiegenden Zahl der Forscher die Klassen 1 und 2
gerechnet. Wir wollen im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit dieser
Unterteilung folgen. Vorausgreifend sei hier auch schon gesagt, dass die weiter
unten genannten Arbeiten zum phraseologischen Minimum bzw. Optimum
Phraseologismen im engeren Sinne zum Gegenstand haben. Dies schließt nicht
Überschneidungen aus, da Phraseologismen (im engeren Sinne) beispielsweise aus
Sprichwörtern entstehen können: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen
→ mit Kanonen auf Spatzen schießen.

3. Zum phraseologischen Minimum bzw. Optimum

Eines der Verdienste des GER besteht unbestritten darin, die Wichtigkeit der
Phraseologie in der menschlichen Kommunikation erkannt und ihr eine bedeutende
Rolle im fremdsprachlichen Unterricht zugewiesen zu haben. Im Referenzrahmen
werden durchaus auch phraseodidaktische Fragen angeschnitten, so wird z. B. kurz
auf die Problematik eingegangen, welche Arten von Phraseologismen für die
persönlichen Zwecke der L2-Lerner von Bedeutung sein können und ob
Phraseologismen passiv und/oder aktiv beherrscht werden müssen (GER 122).
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Deutliche Aussagen zu einem phraseologischen Minimum bzw. Optimum für


Fremdsprachen-Lehrwerke werden aber weder im GER noch im PRO getroffen.
Schon seit längerer Zeit wird in der Phraseologieforschung, aber auch in der
Fremdsprachendidaktik die Forderung nach verbindlichen phraseologischen und
parömiologischen Minima (Phraseologismen bzw. Sprichwörter, die ein
Fremdsprachenlerner unbedingt beherrschen sollte) gestellt. Im Folgenden sollen
Arbeiten kurz vorgestellt werden, die versuchen, diesem Forschungsdesiderat
abzuhelfen.
Bei einer unter der Leitung von Hallsteindottir 2002/2005 durchgeführten
Untersuchung handelt es sich um ein Forschungsvorhaben zur Feststellung der
Frequenz deutscher Phraseologismen. Das ursprüngliche Ziel dieser Untersuchung
bestand darin, eine Auswahl von Phraseologismen für eine zweisprachige
phraseologische Datenbank zu erstellen. Als Grundlage hierzu dienten die in dem
Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache von de Gruyter verzeichneten
Phraseologismen, ergänzt durch Material aus dem Langenscheidt Wörterbuch für
Deutsch als Fremdsprache, den phraseologischen Wörterbüchern von
Griesbach/Schulz und Hessky/Ettinger sowie einer Liste von Dobrovol’skij.
Insgesamt wurden so ca. 6000 Phraseologismen zusammengetragen, für etwa 5000
wurden Suchformen erstellt. 2002 wurde das Korpus des Wortschatzlexikons
Deutscher Wortschatz (www.wortschatz.uni-leipzig.de) zum ersten Mal auf das
Vorkommen dieser Phraseologismen hin untersucht. Das Korpus umfasste laut
Hallsteindottir im Jahre 2002 etwa 21 Millionen Sätze mit 230 Millionen Wörtern.
2005 wurde das Wortschatzlexikon erneut einer Untersuchung unterzogen und die
neuen Frequenzresultate wurden an die ersten Ergebnisse angeglichen (Halbierung
der Textbelege). Dies war erforderlich, da das Wortschatzlexikon rasant anwächst
und bereits im Jahre 2006 im Vergleich zu 2002 fast doppelt so viel Text umfasste
(35 Millionen Sätze mit 500 Millionen Wörtern). Hallsteindottir ist der Meinung,
dass derartige Frequenzuntersuchungen nur als erste Grundlage für ein
phraseologisches Minimum dienen können und weiterer Überprüfung bedürfen. Sie
führt dafür u. a. folgende Gründe an:
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- Das phraseologische Ausgangskorpus berücksichtigt - bedingt durch die


Auswahl auf der Basis von Wörterbüchern für Deutsch als Fremdsprache - nur
einen kleinen Teil der Phraseologie der deutschen Sprache.
- Die Frequenzangaben sind an die verwendeten Suchformen gebunden. ( ... ).
- Die Suchformen wurden manuell konstruiert, d. h. sie basieren auf der Intuition
eines Sprechers, und es könnten daher Suchformen fehlen ( ... ).
- Diese Untersuchung bezieht sich auf die geschriebene Sprache in dem
verwendeten Leipziger Korpus und berücksichtigt nicht die gesprochene
Sprache. Es können mit diesen Ergebnissen daher keine Angaben über den
mündlichen Gebrauch von Phraseologismen gemacht werden.‟ (Hallsteindottir
2006, 121).

Sie führt weiter aus, dass es ergänzend anderer Verfahren bedürfe, um die
obengenannten Nachteile auszugleichen.
An der Universität Bratislava wurde 2005 eine Geläufigkeitsuntersuchung
deutscher Phraseologismen durchgeführt (Šajankova 2005). Eine Liste mit 1179
Phraseologismen - zu 1112 davon sind Daten aus der Frequenzuntersuchung
vorhanden - wurde an deutsche Muttersprachler verschickt, um auf diesem Wege die
Geläufigkeit von Phraseologismen festzustellen. Insbesondere stand bei dieser
Untersuchung die Ermittlung des Bekanntheitsgrades von Phraseologismen und die
Frage des aktiven Gebrauchs von Phraseologismen im täglichen Leben im
Vordergrund. Phraseologismen aus fünf phraseologischen Wörterbüchern
(Hessky/Ettinger 1997, Wotjak/Richter 1993, Griesbach/Uhlich 1993, Herzog 1993,
Dobrovol’skij 1997) bildeten das Korpus, in das nur Phraseologismen aufgenommen
wurden, die in zumindest zwei der fünf Wörterbücher verzeichnet waren.
Bedauerlicherweise wurden die Fragebogen nur von 102 Personen beantwortet
zurückgeschickt, so dass die Aussagekraft dieser Untersuchung sehr in Frage gestellt
werden muss. Das Ergebnis der Geläufigkeitsuntersuchung sah wie folgt aus:

76 - 101 Testpersonen gaben an, 624 Phraseologismen aktiv zu verwenden.


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51 - 75 Testpersonen gaben an, 335 Phraseologismen aktiv zu verwenden.


26 - 50 Testpersonen gaben an, 113 Phraseologismen aktiv zu verwenden.
0 - 25 Testpersonen gaben an, 40 Phraseologismen aktiv zu verwenden.

Bekanntermaßen können empirische Daten, die von bestimmten Testpersonen


gewonnen werden, dazu dienen, Rückschlüsse auf eine Gruppe zu ziehen, in diesem
konkreten Fall auf die Phraseologismenkenntnisse der Gesamtgruppe der deutschen
Muttersprachler. Wie aber z. B. Juska-Bacher hervorhebt, müssen die Testpersonen
im Hinblick auf die Gesamtgruppe repräsentativ sein, d. h. sie müssen die
Zusammensetzung der Gesamtgruppe widerspiegeln (Juska-Bacher 2006). Um eine
Repräsentivität zu gewährleisten, müssen die Probanden weit gestreut sein, d. h. es
müssen möglichst verschiedene Altersgruppen und Regionen berücksichtigt werden.
Andere Faktoren wie Geschlecht, Beruf oder Bildung spielen auch eine wichtige
Rolle. Bei einer derart geringen Zahl an Testpersonen kann die Repräsentativität der
Untersuchuchung bestritten werden.
Für die Bestimmung des phraseologischen Minimums dürfte die Liste aber doch
allein auf Grund der Tatsache, dass in ihr rund 1200 frequente Phraseologismen
verzeichnet sind von Wert sein. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass bei einer
Gesamtzahl von 5000 - 6000 frequenten Phraseologismen (s. Frequenzuntersuchung)
nur wenige Phraseologismen in allen fünf phraseologischen Wörterbüchern
verzeichnet sind (Hallensteindottir 2006, 121) und das (zumindest) zweifache
Vorkommen als Kriterium für die Aufnahme in die Liste zur
Geläufigkeitsuntersuchung war, können wir vermuten, dass ca. 1000 Phraseologismen
den Kernbereich der deutschen Phraseologismen bilden. Diese Vermutung äußert
auch Dobrovol’skij: „Die Anzahl geläufiger deutscher Idiome bewegt sich um 1000.
Dies zeugt davon, daß in der Idiomatik ein intersubjektiv gültiger Kernbereich
existiert, der auf empirischen Wegen ermittelt und mit verschiedenen Methoden
verifiziert werden kann‟ (Dobrovol’skij 1997, 50). Mit Sicherheit bedarf es noch
weiterer Forschung, um zu einem im DaF-Bereich anerkannten phraseologischen
Minimum zu kommen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung könnten natürlich
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umfangreiche(re) Untersuchungen mit Fragebögen oder auch Umfragen sein.


Meistens scheitern derartig ambitionierte Untersuchungen allerdings an der geringen
Bereitschaft von Muttersprachlern, sich als „Testpersonen‟ zur Verfügung zu stellen
bzw. an der mangelnden Finanzierung durch Universitäten oder Institute. Bei der
Bestimmung eines parömischen Minimums ist die Forschung schon etwas weiter, in
diesem Bereich hat es z. B. 1983 schon eine von einem Meinungsforschungsinstitut
durchgeführte Untersuchung zur Bekanntheit deutscher Sprichwörter gegeben (Mieder
1992, 16). Es bleibt allerdings die grundlegende Frage, ob angesichts der großen
Zahl deutscher Phraseologismen empirische Untersuchungen überhaupt verlässlich bei
der Bestimmung eines phraseologischen Minimums weiterhelfen können. Neben dem
Wortschatzlexikon Deutscher Wortschatz stehen uns im Internet Suchmaschinen wie
Yahoo oder Google zur Verfügung, mit deren Hilfe wir die Frequenz deutscher
Wörter oder Wortverbindungen relativ genau feststellen können. Untersuchungen zur
Geläufigkeit können auf Grund der bekannten Hindernisse, die wirklich
„flächendeckenden‟ Untersuchungen im Wege stehen, nicht annähernd so genau wie
Frequenzuntersuchungen sein.
Aus diesem Grund muss auch die letzte Arbeit, auf die hier eingegangen werden
soll, mit Vorbehalten betrachtet werden. Bei dieser Untersuchung, die sich allerdings
nur auf die 1112 Phraseologismen aus der Frequenzuntersuchung bezog, für die Daten
vorlagen, hat Hallensteindottir die Ergebnisse der Frequenzuntersuchung und
Geläufigkeitsuntersuchung miteinander abgeglichen und einen Kern von 143
hochfrequenten und - laut dem Ergebnis der Geläufigkeitsuntersuchung - sehr
geläufigen Phraseologismen herausgefiltert (Hallensteindottir 2006). Sie stellt fest,
dass es „eine Korrelation zwischen Geläufigkeit und Frequenz (gibt), in dem Sinne,
dass der Großteil der Phraseologismen, die im Korpus eine hohe oder mittlere
Frequenz haben (über 100 Belegstellen), auch von vielen Probanden aktiv verwendet
wird. Außerdem weisen nur 30 der 153 Phraseologismen, die von weniger als der
Hälfte der Probanden aktiv verwendet werden, eine höhere Frequenz als 100
Belegstellen auf‟ (Hallensteindottir 2006, 125). Wir wollen uns hier nicht
grundsätzlich dem Gedanken verschließen, dass es nicht zufälligerweise als Ergebnis
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der Untersuchung eine Korrelation bei der Frequenz und Geläufigkeit von
Phraseologismen gegeben hat, doch erscheint das Ergebnis auf Grund des
Zustandekommens der Geläufigkeitsuntersuchung zumindest fraglich. Auf jeden Fall
hat Hallensteindottir mit ihrer verdienstvollen Arbeit eine Grundlage für weitere
Forschung geschaffen.

4. Phraseologismen in Tangram aktuell

Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sprechen, speziell das Lehrwerk Tangram
aktuell im Hinblick auf die Phraseodidaktik und das Problem des phraseologischen
Minimums einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Zum einen gehört es als
Nachfolger von Tangram zu der Reihe von in den letzten Jahren erschienenen
DaF-Lehrwerken wie Lagune und Delfin, die sich die Umsetzung der im
gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen erarbeiteten Richtlinien zur
Aufgabe gestellt haben. Zum anderen wird mit Tangram aktuell an den meisten
Goethe-Instituten im Ausland und in den deutschsprachigen Ländern sowie an
Volkshochschulen und Fremdsprachen-Instituten in sehr vielen Ländern gearbeitet,
es dürfte derzeit eines der am meisten verwendeten Deutsch-Lehrwerke überhaupt
sein. Das Lehrwerk ist 2004 in sechs Bänden erschienen und entspricht somit dem
Raster der Kompetenzniveaus des Referenzrahmens. Tangram aktuell erreicht nach
Einschätzung der Verfasser „wesentliche Ziele des Gemeinsamen Europäischen
Referenzrahmens ( ... ): Kommunikative Kompetenz und sprachliche
Handlungsfähigkeit der Sprachlernenden‟ (Tangram aktuell A1/1, III). Auf Grund
der obengenannten Tatsachen und auch im Hinblick auf die Beurteilung der
Verfasser von Tangram aktuell erscheint es sinnvoll, gerade bei diesem Lehrwerk
nachzuprüfen, ob und wie die Richtlinien des Referenzrahmens im Hinblick auf die
Phraseologie umgesetzt wurden und inwieweit der phraseologische Bestand von
Tangram aktuell dem phraseologischen Kernbereich von etwa 1000 Phraseologismen
(s. oben) nahe kommt.
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4.1. Der phraseologische Bestand von Tangram aktuell

Alle hier aufgeführten Phraseologismen sind den Kursbuch-Teilen der sechs


Bände von Tangram aktuell entnommen. Es gab vielfältige Gründe, bei der
Untersuchung des phraseologischen Bestandes von Tangram aktuell auf die
Arbeitsbuch-Teile zu verzichten: 1) Im Unterricht wird primär mit dem Kursbuch
gearbeitet, das Arbeitsbuch mit seinen Struktur- und Wortschatzübungen wird von
vielen Lernenden nur als ergänzendes Lernmittel wahrgenommen 2) Ein grosser
Teil des Wortschatzes ist identisch mit dem Wortschatz des Kursbuches 3) Der
Hueber-Verlag bietet zu Tangram aktuell ergänzend Unterrichtmaterialien wie
Übungshefte und Glossare an, die bei einer umfassenden Untersuchung genau wie
die Arbeitsbücher einbezogen werden müssten. Eine gewisse Selbstbeschränkung
war hier erforderlich.
Es wurden alle Wort- und Satzidiome erfasst, wobei bei den Satzidiomen
Grußformeln wie Guten Morgen! oder Routineformeln wie Du lieber Himmel!
ausgegrenzt wurden. Auch Kollokationen wurden aufgenommen, sofern sie
Idiomatizizät aufweisen. Auf komparative Phraseologismen wurde gänzlich
verzichtet, da bei ihnen teilweise nur sehr schwer zu bestimmen ist, ob sie eher
den (nicht-idiomatischen) Kollokationen oder Teil-Idiomen zuzurechnen sind.
Sprichwörter findet man in den meisten Deutsch-Lehrwerken nur vereinzelt, obwohl
sie in der geschriebenen und gesprochenen Sprache eine wichtige Rolle spielen.
Um die Behandlung dieses in der Phraseologie sehr wichtigen Bereiches in
Tangram aktuell näher zu beleuchten, wurden auch sie erfasst. Obwohl die Arbeit
von Hallsteindottir (Hallsteindottir 2006) mit Vorbehalt betrachtet wurde, stellt die
in dieser Arbeit als Anhang aufgeführte Liste „143 Phraseologismen im Kernbereich
des phraseologischen Optimums‟ eine wichtige Hilfe bei der Bestimmung eines
phraseologischen Minimums dar. Phraseologismen, die sowohl auf dieser Liste als
auch in Tangram aktuell erscheinen, wurden mit einem * versehen Die in
Klammern beigefügte Seitenzahl bezieht sich auf die erste Nennung eines
Phraseologismus im laufenden Text. Auf Mehrfachnennungen eines Phraseologismus
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wurde verzichtet. Bei Variationen eines Phraseologismus (rund um die Uhr


arbeiten, Rund-um-die-Uhr-Service) wurde nur die erste Nennung der
Kernkomponenten im laufenden Text berücksichtigt. Ausnahmen bilden Variationen,
bei denen die Bedeutung sich voneinander unterscheidet, z. B. antonymische
Variationen (auf dem aufsteigenden/absteigenden Ast sitzen). Sprichwörter
erscheinen fett gedruckt.

Tangram aktuell A 1/1

jnd. mit jmd. per du sein (20), etw. Quatsch sein (27), kurz und bündig
(28), jnd. hart bleiben (46), etw. Mist sein (51), jnd. Platz nehmen (54),
jmd. einen Tipp geben (54)

Tangram aktuell A 1/2

jnd. rund um die Uhr arbeiten (2), jnd./etw. viel Betrieb haben (11), jnd.
kaputt sein (13), Hals- und Beinbruch (15), jmd. schon lange stinken (24),
Tag für Tag (24), jnd. alles liegen und stehen lassen (24), jnd. etw. satt
haben (24), jnd. etw. deutlich vor Augen sehen (25), etw. nicht
gehen/weitergehen (25), jnd. bei etw. hängen bleiben (25), jnd. bei etw.
abrutschen (25), jnd. den ganzen Tag herumsitzen (27), jnd. gespannt sein
auf (34), jnd. nichts Richtiges essen (34), jnd. den ganzen Tag durch die
Stadt laufen (34), jnd. schön essen gehen (34), etw. absoluter Höhepunkt
sein (36), jmd. klar sein (36), in- und auswendig (36), jnd. keine Ahnung
haben * (37), jnd. auf der Lauer liegen (38), etw. das Letzte sein (39)

Tangram aktuell A 2/1

junge Leute von heute (1), (immer) etw. los sein (1), jnd. still sitzen (6),
jnd. sauer sein (8), (hier/da/dort) die Hölle los sein (10), fix und fertig (15),
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er etwas erzählen (23), etw. (noch)
nicht checken, (einfach mal) nichts tun (26), (keine) festen Zeiten geben
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(35), jnd. (richtig) down sein (36), jnd. blau sein (36), jmd. (ganz) flau
werden (36), jmd. gut stehen (43), etw. den Typ betonen (43), jnd. rot
werden (50), jnd. blau machen (50), jnd. schwarz arbeiten (50), jmd. nicht
grün sein (50), jnd. schwarz fahren (50), jnd. rot sehen (50), jnd. sich
schwarz ärgern (50), jnd. schwarz sehen (50), jnd. mit einem blauen Auge
davonkommen, dasselbe in grün sein (50)

Tangram aktuell A 2/2

jmd. egal sein (4), etw. (so) zum Spaß (lesen) (5), jmd. eigen sein (5), etw.
dran haben (5), jmd. den Schlaf rauben (5), jmd. recht sein (5), jnd. fest
angestellt sein (5), etw./jnd. (keinen) Stil haben (8), koste es, was es wolle
(8), etw. mit Blick auf (das Wasser) (8), jnd. verrückt sein (8), sich mit
jmd. (gut) verstehen (8), etw./jmd. aus dem Weg gehen (8), jnd. auf dem ...
- Trip sein (9), jnd. den (eigenen) Weg (nicht) finden (9), etw./jnd.
durcheinander sein (9), jmd. (völlig) freie Hand lassen * (9), jnd. sich bei
etw. einmischen (9), jnd. etw. losmachen (9), alles ganz anders kommen
(9), jnd. unter einem Dach leben (9), etw. in sein (9), etw. für (das Alter)
zurücklegen (10), etw. (gern) um sich haben (12), jnd. einen (richtigen)
Brotberuf erlernen (19), jnd. etw. aus der Erinnerung machen (21), jnd. sich
hinter der Erinnerung verstecken (21), etw./jnd. bei jmd. die Erinnerung
wachrufen (21), jnd. (kein/e) Gesicht/er vor Augen haben (22), etw./jmd. die
Stirn bieten (23), zu etw./jmd. (den/die) Kontakt/e abschneiden (24), jnd.
mit (seinen) eigenen Augen sehen (24), etw. eine erste Adresse sein (33),
etw. eine Affenhitze sein (38), etw. ein Sauwetter sein (38), da/bei diesem
Wetter treibt/jagt man ja/doch keinen Hund vor die Tür (38), Wenn der
Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie‘s ist
(38), Auf Regen folgt Sonnenschein (38), etw. ein Reinfall sein (39), aus
dem Leben gegriffen (41)

Tangram aktuell B 1/1

Gleich und gleich gesellt sich gern (1), Gegensätze ziehen sich an (1), mal
258 독어학 제16집

wieder so richtig (2), jnd. genug haben von (2), jnd. die schönen Seiten des
Lebens genießen (2), von jmd. geschieden sein (5), jnd in einer festen
Beziehung leben (5), js. Blicke treffen sich (5), etw. klick machen (5), jnd.
etw. in der Fantasie leben (5), sich bis über beide Ohren verlieben (7), jnd.
von etw. die Nase voll haben * (7), Man muss die Feste feiern, wie sie
fallen (11), jnd. im Mittelpunkt stehen (wollen) (11), jnd. in der Ecke
stehen (13), sich zusammenreißen (13), js. Programm laufen (13), hier/bei/in
... geht doch voll die Post ab (13), jnd./etw. verstopft sein 16), sich durch
etwas quälen (16), die halbe Familie (16), Der Ton macht die Musik (21),
jmd. die Karten legen (21), klipp und klar (21), jnd. etw. mit scharfem
Blick sehen (21), etw. danebengehen (21), etw. in Mode kommen (23), jnd.
einen langen Leidensweg hinter sich haben (25), etw./jnd. von jmd. (nicht)
ernst genommen werden (25), jnd. zur Ruhe kommen (25), eine/n ... nach
der/dem anderen (26), jnd. (auf) zu neuen Ufern (aufbrechen) (27), Andere
Länder, andere Sitten (27), jnd. etw. nicht mehr hören können (30), jnd.
etw. mitkriegen (30), jmd. etw. erspart bleiben (30), jnd. etw. (einfach)
nachplappern, sich (nicht) festlegen (30), etw. jnd. gefangen nehmen (34),
alles aus etw. rausholen (34), sich einen Traum erfüllen (34), etw.
wegfallen (34), ein Leben lang (34), jnd. den Sinn verdrehen (37), jnd.
einen Riegel vorlegen/vorschieben (37), jnd. etw. ausmalen (37), etw. ein
Muss sein (38), jnd. einen Floh im Ohr haben (38), jnd. mit etw. wachsen
(43), jnd. etw. bis zum Umfallen (tun/machen) (44), js. Schattenseiten sehen
(46), jnd. aus der Enge von etw. fliehen (46), weit und breit (46), etw.
abgehen (46), jnd. Feierabend haben/machen (46), jnd. etw. hinter sich
haben (47), etw. zu kurz kommen (50), jnd. über die Runden kommen *
(50), rauf und runter (51)

Tangram aktuell B 1/2

Der Klügere gibt nach (1), Wie du mir, so ich dir (1), jnd. mit Konflikten
umgehen (4), jnd. jnd. einschalten (4), jnd. Nein sagen (4), jnd. zu Wort
melden (5), jnd. seine Zeit (nicht) richtig einteilen (5), sich Zeit nehmen für
(5), jnd. einen Fürsprecher haben (5), etw. gut laufen (6), etw. für jnd. ein
Phraseologie im Gemeinsamen Europä
ischen Referenzrahmen fü
r Sprachen 259

Fremdwort sein (8), sich vor etw. drücken (8), sich etw. gefallen lassen (8),
etw. schief gehen (8), jnd. in Tränen ausbrechen (10), jnd. etw.
zurückgehen lassen (10), jmd. etw. reichen (10), jnd. den ersten Schritt
machen/tun (11), jnd. etw. nicht mitmachen (11), ein für alle Mal (11), etw.
festgefahren sein (12), jnd. eine ruhige Kugel schieben (12), jnd. bis über
beide Ohren in etw. stecken (12), jmd. (gar) nicht in den Kram passen
(12), Jeder ist sich selbst der Nächste (13), Liebe deinen Nächsten wie dich
selbst (13), jmd. etw. gutschreiben (15), etw. eine/keine Rolle spielen *
(16), jnd. flüssig sein (16), jnd. etw. in Anspruch nehmen (16), jmd.
Ratschläge geben (18), sich um jnd./etw. drehen (19), jnd./etw. (ganz oben)
auf der Liste stehen (19), jnd. nicht still halten (19), etw. in js. Augen
brennen (19), bei etw. durchblicken (21), sich etw. (nicht) leisten (können)
(23), Kleider machen Leute (23), jnd. die Kurve kriegen (24), jnd. etwas
durchziehen (24), jnd. jmd. Halt geben (24), etw. glatt laufen (24), ein
schwarzes Schaf sein (24), ohne einen Pfennig (Geld) (24), jnd. aus dem
Haus sein (24), jnd. mit etw. nicht zurechtkommen (24), jnd. blind sein für
(26), jnd. in etwas versinken (30), sich etw. vorstellen (31), etw. viel
versprechend sein (31), jmd. etw. an den Kopf hauen (werfen) * (32), jnd.
zu etw. da sein (33), jnd. (immer) schön ruhig bleiben (33), jnd. jnd. an
der Strippe haben (33), etw. sich nicht lohnen (33), jnd. in Gedanken
verloren sein (33), jmd. etw. schwermachen (33), jnd. mit etw. allein
dastehen (34), hin und her * (35), jnd. jnd. sitzen lassen (42), jnd. mit etw.
(einfach) loslegen (42), jnd. etw. wieder gutmachen (43), etw. der Reihe
nach (44), etw. (einfach) zu viel sein (44)

4.2. Bewertung des phraseologischen Bestandes von Tangram aktuell

Als Ergebnis einer vorsichtigen Durchsicht konnten 202 in Tangram aktuell


gebrauchte Phraseologismen (Wort- und Satzidiome der oben beschriebenen
Kategorien) festgestellt werden, hinzu kommen 13 Sprichwörter. Je nach Auslegung
des Phraseologismusbegriffes kann das Ergebnis aber geringfügig variieren, auch ist
nicht auszuschließen, dass trotz genauer Überprüfung der eine oder andere
260 독어학 제16집

Phraseologismus übersehen wurde. Der phraseologische Bestand teilt sich im


Einzelnen wie folgt auf:

Tangram aktuell A 1/1: 7 Phraseologismen


Tangram aktuell A 1/2: 23 Phraseologismen
Tangram aktuell A 2/1: 22 Phraseologismen, 1 Sprichwort
Tangram aktuell A 2/2: 38 Phraseologismen, 2 Sprichwörter
Tangram aktuell B 1/1: 53 Phraseologismen, 5 Sprichwörter
Tangram aktuell B 1/2: 59 Phraseologismen, 5 Sprichwörter

Trotz der geringen Zahl an idiomatischen Phraseologismen speziell in Tangram


aktuell A 1/1 entspricht das phraseologische Wissen, das in den ersten vier Bänden
von Tangram aktuell vermittelt wird, durchaus den Kannbeschreibungen des
Referenzrahmens für die Niveaustufen A1 und A2. Im Band A 1/1 werden vor
allem häufig gebrauchte Gruss- oder Abschiedsformeln (Hallo!, Guten Morgen!,
Willkommen!, Wie geht es Ihnen?) eingeübt, auch erscheinen erste Kollokationen
(zum Kaffetrinken kommen). Nicht nur auf dieser Stufe sondern generell stellen
Routineformeln für den Lerner den wichtigsten Teilbereich der Phraseologie dar.
Die in den folgenden Bänden Tangram aktuell A 1/2, A 2/1 und A 2/2 neu
eingeführten Phraseologismen beziehen sich vor allem auf persönliche Informationen
oder Dinge des alltäglichen Lebens und können vom Lerner relativ leicht
verstanden und eingeübt werden. Der phraseodidaktische Ansatz der Verfasser,
Phraseologismen in verschiedenen Texten mehrmals zu präsentieren und sie durch
die Einbindung in verschiedene Wortschatz- und Strukturübungen (speziell auch im
Arbeitsbuch) einüben zu lassen, ermöglicht in der Tat eine dem Anfänger mögliche
„kommunikative Kompetenz‟. Dies kommt der Forderung in der Phraseodidaktik
entgegen, Phraseologismen nicht nur in isolierten Strukturübungen gewissermaßen
kontextlos einüben zu lassen. Allerdings fallen auch negative Aspekte in der
Behandlung der Phraseologie ins Auge, die sich durch das ganze Lehrwerk ziehen:
1) Kulturkontrastive Übungen zu bestimmten Phraseologismen fehlen, es wird nicht
Phraseologie im Gemeinsamen Europä
ischen Referenzrahmen fü
r Sprachen 261

auf Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zur Phraseologie anderer Sprachen


eingegangen 2) Es wird nicht näher auf regionale Differenzen in der
deutschsprachigen Phraseologie eingegangen 3) Die Texte und Übungen orientieren
sich zu stark an der geschriebenen Sprache, obwohl dies wohl ein aus
fremdsprachendidaktischer Sicht notwendiges Übel ist. 4) Modifikationen von
Phraseologismen (Schlechter Rat ist teuer) sind kaum zu finden, obwohl gerade
diese ein lebendiges Bild der Phraseologie und des Sprachgebrauchs in den
deutschsprachigen Ländern vermitteln.
Die Stufe B1 stellt mit Sicherheit eine Schnittstelle in der Behandlung der
Phraseologie in Tangram aktuell dar. Während in den Bänden Tangram aktuell A
1/1 bis A 2/2 besonders Routineformeln und gering-idiomatische Phraseologismen
erscheinen, tauchen in den Bänden Tangram aktuell B 1/1 und B 1/2 vermehrt
stark-idiomatische Phraseologismen auf, auch nimmt die Zahl der behandelten
Phraseologismen stark zu. Dies kann in Einklang mit den Richtlinien des
Referenzrahmens und Profile gesehen werden, in denen sich die ersten
Kannbeschreibungen idiomatischer Phraseologismen bei rezeptiven Fähigkeiten auf
der Stufe B 1 finden. Wenn wir berücksichtigen, dass nach den
Kannbeschreibungen des Referenzrahmens der größte Wissenszuwachs an
idiomatischen Phraseologismen ab etwa der Stufe B2 geschieht und erst auf dem
Niveau C2 „gute aktive idiomatische Fertigkeiten dokumentiert werden sowie das
Wissen um die Konnotationen der gebrauchten Idiome‟ (Pirttisaari 255), können wir
zumindest in quantitativer Hinsicht den phraseologischen Bestand von Tangram
aktuell als befriedigend bezeichnen.

5. Schlussbemerkungen

Die Frage nach dem phraseologischen Minimum, auf die bedauerlicherweise im


Referenzrahmen nicht explizit eingegangen wurde, beinhaltet nicht nur die Frage
nach dem phraseologischen „wie viel‟, sondern auch die Frage nach dem
262 독어학 제16집

phraseologischen „was‟. Leider illustriert der Umstand, dass nur 7 Phraseologismen


aus der Liste hochfrequenter Phraseologismen von Hallsteindottir im
phraseologischen Bestand von Tangram aktuell zu finden sind die Tatsache, dass
Verfasser von Lehrwerken nicht in ausreichendem Maß die Frequenz von
Phraseologismen bei der Gestaltung des Lehrmaterials berücksichtigen. Auch wenn
die Texte in Tangram aktuell die Kannbeschreibungen im Referenzrahmen erfüllen
und die gesprochene und geschriebene Sprache in den deutschsprachigen Ländern
einigermaßen gut widerspiegeln, sollte bei zukünftigen Lehrwerksprojekten die
Frequenz von Wörtern und Wendungen ein stärkerer Faktor als bisher bei der
Frage sein, was in das Lehrwerk kommt. Im Bereich der Phraseologismen können
wir in den meisten Deutsch-Lehrwerken - so leider auch bei Tangram aktuell -
besonders beim Gebrauch von Parömien ein Sprachverständnis erleben, das mit der
Sprachwirklichkeit in den deutschsprachigen Ländern nicht in Einklang steht.
Während in Tangram aktuell gerade 13 Sprichwörter zu finden sind, die meist ohne
Textbezug isoliert dastehen, übernehmen auch in der modernen Sprache
Sprichwörter wichtige Funktionen und sind aus der deutschen Sprache nicht
wegzudenken. In der Suchmaschine Yahoo wird bspw. das Sprichwort Erst die
Arbeit, dann das Vergnügen 1770000 genannt (grobe Suche ohne genaue
Einstellung der Wortfolge) und liegt damit in der Frequenz weit vor vielen
frequenten Wortidiomen. Sicher weisen die meisten Untersuchungen zu
phraseologischen und parämiologischen Minima noch Mängel auf, es wäre aber
wünschenswert, wenn sie stärker als bisher bei den Verfassern von Lehrwerken
Beachtung fänden.

Literaturverzeichnis

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http://www.goethe.de/z/50/commeuro/deindex.html
http://www.coe.int/t/dg4/linguistic/CADRE_EN.asp
http://www.wortschatz.uni-leipzig.de
264 독어학 제16집

국문요약

‘유럽언어 공통 참조기준’에서의 성구론 취급


- 성구론적 최소량에 대한 탐구 -

융크 에릭-요아킴(서강대)

‘유럽언어 공통 참조기준’이 2001년에 외국어 학습, 외국어 교수법, 외국어 평가의


방법으로써 유럽평의회(Europarat)에서 발표되었다. 여기서 여러 가지 외국어 학습자가
반드시 갖춰야할 성구론적 능력들이 단계별로 기술된다. 예를 들어, A1 단계의 학습자
도 인사말과 같이 관용성은 없지만 자주 쓰이는 숙어들을 구사할 수 있다. 그러나 B1
단계가 되어서야 학습자는 관용성이 강한 숙어들을 학습하게 된다. 또 C1 단계의 학습
자는 이미 넓은 폭의 관용적 성구들을 이해하고 C2 단계에 와서는 관용적 성구들을 아
주 풍부하게 구사하고 관용적 성구에 따른 연상을 두루 이해할 수 있다. 하지만 아쉽게
도 유럽언어 공통 참조기준에서 성구론적 최소량에 대한 뚜렷한 언급이 없다는 것은
유감스러울 따름이다. 그러나 외국어 학습자에게 필요한 성구론적 기초지식을 확립하
는 데에는 성구론적 최소량이 꼭 필요하다. 본 논문에서는 성구론적 최소량에 대해서
기술한 몇 가지 연구가 소개되었다. 성구론적 최소량에 대한 연구는 크게 성구의 '빈도
율'을 알아보는 것과, 성구의 '인지도'를 알아보는 것으로 나누어 볼 수 있다. 성구적 최
소량을 확립하는 데 있어서 이 두 개의 연구 방법들을 결합시키는 것이 바람직하다. 그
러나 특히 성구의 인지도를 알아내는 일에 필요한 설문조사에 있어서 여러 가지 어려
움들이 있다. 본 논문의 끝 부분에서는 독일어 교재인 ‘Tangram aktuell’의 성구적 자료
가 고찰되었다. ‘Tangram aktuell’의 성구적 자료는 양적인 면에서 만족할 만한 수준에
있으나 미래의 독일어 교재를 편찬함에 있어 어휘와 관련해서도 성구의 빈도율 조사를
포함하는 것이 바람직하다.

[검색어] 유럽언어 공통 참조기준, 성구적 최소량, 빈도율 조사, 인지도 조사


Gemeinsamer europäischen Referenzrahmen für Sprachen, Phraseologisches
Minimum,, Frequenzuntersuchung, Geläufigkeitsuntersuchung

Jungk, Erik-Joachim
121-741
서울시 마포구 신수동 서강대학교 독어독문학과
jungkeri@hotmail.com

논문 투고일: 2007. 10. 31


논문 심사일: 2007. 11. 30