Sie sind auf Seite 1von 17

MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT UND BILDUNG

DER RUSSISCHEN FÖDERATION


FÖDERALES STAATLICHES AUTONOMISCHES AMT DER
HOCHSCHULBILDUNG
"SÜDLICHE FÖDERALE UNIVERSITÄT"
INSTITUT FÜR PHILOLOGIE, JOURNALISTIK UND
INTERKULTURELLE KOMMUNIKATION
LEHRSTUHL DER DEUTSCHEN PHILOLOGIE

REFERAT

"ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND"

Zhibar Elena

Student(in) des 5. Studienjahres

des Fernstudiums

ROSTOW-AM-DON

2021
Einführung
Deutschland hat eine reiche und vielfältige Architekturgeschichte, deren
Traditionslinien von der karolingischen Renaissance bis in die zeitgenössische
Architektur reichen. Der Artikel gibt einen Überblick über Geschichte und
Gegenwart der Architektur in Deutschland, festgemacht an Bauwerken, die das
Bild des Landes prägen und an herausragenden Baumeistern, Architekten und
Ingenieuren, die in Deutschland gewirkt haben oder wirken.
Die deutsche Architektur ist durch ein großes Maß an regionaler Vielfalt
geprägt, bedingt durch die jahrhundertelange Aufgliederung des deutschen
Territoriums in Fürstentümer, Königreiche und andere Herrschaftsgebiete.
Dadurch entstand ein sehr heterogenes Bild, teilweise gibt es architektonische
Unterschiede von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Dies beschert dem heutigen
Deutschland ein besonders reichhaltiges historisches Bauerbe. Nicht zu übersehen
sind in vielen deutschen Städten allerdings die Folgen der Zerstörungen im
Zweiten Weltkrieg; gerade in den Stadtzentren größerer Städte sind die
historischen Bauten meist nur – rekonstruierte – Inseln inmitten der einfacheren
Architektur des Wiederaufbaus. Unter den kleineren und mittleren Städten gibt es
hingegen viele überwiegend gut erhaltene Altstädte, siehe Liste von Städten mit
historischem Stadtkern in Deutschland. Einige von ihnen sind durch bekannte
Themen- und Ferienrouten wie die Deutsche Fachwerkstraße und die Romantische
Straße miteinander verbunden.
Deutschlands Architektur ist naturgemäß auch eng mit der seiner
Nachbarstaaten und anderer europäischer Länder verwoben. Architekturstile
machen so gut wie nie an Staatsgrenzen halt, so dass man architekturgeschichtlich
von einer rein „deutschen“ Architektur nicht sprechen kann. Architektur ist immer
ein grenzüberschreitendes Medium, das einen Kulturkreis verbindet und zugleich
symbolisiert. So war es bei den durch Mitteleuropa wandernden Bauhütten im
Mittelalter, bei der Barock-Baukunst etwa an der Würzburger Residenz und so ist
es in verstärktem Maße auch in der eng vernetzten heutigen Welt, in der
Architekten häufig international tätig sind und Stilentwicklungen global prägen.
Als prägend für die deutsche Kultur- und Architekturlandschaft gelten unter
anderem Altstädte mit vielen Fachwerkhäusern und Schrägdächern,
Monumentalbauten der Romanik und Gotik, ein reichhaltiges Erbe an Burgen und
Schlössern, ausgedehnte Villen- und Blockrandviertel aus der Zeit der industriellen
Revolution (meist Historismus), im norddeutschen Raum Backsteingotik und
-expressionismus, die hier entstandene modernistische Bauhaus-Bewegung und
nachfolgende eher nüchtern gehaltene Stile sowie die Postmoderne.
Es gibt zahlreiche geschützte Bau- und Kulturdenkmale in Deutschland,
wobei längst nicht alle wertvollen Bauwerke und Ensembles auch eingetragene
Denkmalbauten sind. Zudem gibt es die weltweit drittgrößte Anzahl von Bauten
auf der UNESCO-Welterbeliste, siehe Welterbe in Deutschland. Zu den
symbolträchtigsten Bauwerken Deutschlands gehören das Brandenburger Tor, das
Reichstagsgebäude und der Fernsehturm in der Hauptstadt Berlin, der Kölner Dom
als größte Kathedrale, das Romantik-Symbol Schloss Neuschwanstein, sowie die
Wartburg, die Frankfurter Paulskirche und das Hambacher Schloss als wichtige
historische Schauplätze.

Architekturgeschichte
Antike
Die Porta Nigra in Trier ist eines der bekanntesten architektonischen Relikte
aus der Römerzeit auf deutschem Boden.
Das Römische Imperium erstreckte sich einst über weite Teile der heutigen
Bundesrepublik Deutschland. Überreste des um 100–150 n. Chr. entstandenen
Limes, der römischen Grenzbefestigung, sind heute noch erhalten. Neben den
Militärbauwerken wie Kastellen und Militärlagern errichteten die Römer z. B. auch
typische Thermen, Brücken und Amphitheater.
Eine bedeutende Metropole dieser Zeit war Trier, wo heute unter anderem
noch die Porta Nigra, das wohl am besten erhaltene Stadttor der Antike, die
Überreste von verschiedenen Thermen, eine Römerbrücke und die
Konstantinbasilika zu sehen sind.
Mit dem Abzug der Römer verschwand ihre städtische Kultur und auch ihre
Fortschritte in der Baukunst – von den Germanen gibt es kaum erhaltene
Bauwerke, da sie in Hüttensiedlungen lebten.
Vorromanik
Wichtige vorromanische Bauten sind die unter Karl dem Großen etwa um
800 errichtete Pfalzkapelle in Aachen, heute Teil des Aachener Doms, die nach
byzantinischen Vorbildern erbaut ist; weiterhin die Klosterkirchen der Insel
Reichenau und die Torhalle des Klosters von Lorsch aus dem frühen 9.
Jahrhundert, die ein besonders schönes Beispiel unter den wenigen erhaltenen
karolingischen Bauten in Deutschland ist. Die Kunstblüte dieser Zeit ist auch als
Karolingische Renaissance bekannt und gilt als erste klassische
Architekturbewegung, die Motive der Antike wiederaufgreift.
Ein Bauwerk, das nach Meinung mancher Architekturhistoriker die Romanik
vorbereitete, die in Deutschland ca. 1030 einsetzt, ist die Klosterkirche St. Michael
in Hildesheim.
Romanik
Das bedeutendste romanische Bauwerk der Bundesrepublik ist der Dom zu
Speyer. Er entstand in mehreren Bauphasen ab etwa 1030, war im 11. Jahrhundert
das größte Bauwerk der christlichen Welt und ein bauliches Machtsymbol der
Salier.
Der Wormser Dom und der Mainzer Dom sind ebenfalls oft zitierte
Beispiele der romanischen Baukunst.
Zeugnisse der Baukunst der Romanik finden sich im gesamten Land, denn
viele Kirchen und Klöster wurden in dieser Epoche gegründet. In Sachsen-Anhalt
findet man etwa die Straße der Romanik. Die rheinische Romanik, deren Bauwerke
wie z. B. der Dom zu Limburg oder die Stadtkirche zu Bacharach, brachte Bauten
hervor, die oftmals farbig gefasst sind. Von besonderer Bedeutung sind zudem die
Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg, aber auch der Lübecker Dom, der
Braunschweiger Dom, der Hildesheimer Dom, der Trierer Dom, sowie der
Bamberger Dom, dessen letzter Bauabschnitt in die Zeit der Gotik fällt.
Sehenswert ist auch das Kloster Maulbronn, das als bedeutendes Beispiel der
Baukunst der Zisterzienser gilt. Es entstand zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert
und besitzt daher gotische Bestandteile.
Im 11. Jahrhundert lag auch der Baubeginn zahlreicher Burgen, etwa der
Nürnberger Burg und der Wartburg, die beide später im gotischen Stil erweitert
wurden.
Gotik
Die Gotik hat ihren Ursprung in Frankreich; das erste gotische Bauwerk in
Deutschland, der Magdeburger Dom, wurde ab 1209 errichtet. In den Jahren darauf
folgten weitere Bauten, etwa die Liebfrauenkirche in Trier und die Elisabethkirche
in Marburg. Das Freiburger Münster, dessen Baubeginn um 1200 liegt, besitzt
einen authentisch gotischen Turmhelm, der etwa 1340 vollendet war; dieses
Münster zählt zu den bedeutenden Bauwerken der Gotik in Deutschland.
Wegen der langen Bauzeit der Kirchen und Dome, die von in Bauhütten
organisierten Handwerkern errichtet wurden, wurden etliche der bekanntesten
Bauwerke erst im 19. Jahrhundert vollendet, als der gotische Stil im Rahmen der
Romantik bzw. des Historismus wieder in Mode kam: Das gilt vor allem für den
Kölner Dom, der nach dem Mailänder Dom die größte gotische Kathedrale der
Welt ist und den man nach jahrhundertelangem Baustopp mit Hilfe von
wiederentdeckten gotischen Plänen schließlich 1880 vollendete. Auch das Ulmer
Münster stellte man nach einem sehr langen Baustopp erst Ende des 19.
Jahrhunderts fertig, sein 161,55 Meter hoher Turm war um 1890 vollendet – er ist
bis heute der höchste Kirchturm der Welt.
Im Gebiet der Ostseeküste herrschte die so genannte Backsteingotik vor.
Städte wie Lübeck, Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald sind von dieser
regionalen Stilvariante geprägt. Da es in der Küstenregion nur geringe
Natursteinvorkommen gibt, musste man auch beim Bau großer Bauten auf den
Ziegelstein zurückgreifen. Durch die Entwicklung von Formziegeln entstand eine
eigene Formensprache, und der Ziegel verlieh den Bauten zudem eine besondere
Farbigkeit. Als Vorbild für den Baustil vieler norddeutscher Kirchen diente St.
Marien in Lübeck, die zwischen 1200 und 1350 entstand.
In der Gotik tritt neben den Kirchenbauten auch der Bau von Zunfthäusern
und vor allem von Rathäusern als Bauaufgabe auf – ein Zeichen für das
aufstrebende Bürgertum. Berühmt sind hier das Rathaus von Stralsund und das
Bremer Rathaus, dessen Fassade jedoch während der Renaissance-Zeit umgestaltet
wurde. Ein besonderes Beispiel für einen gotischen Profanbau ist auch das Rathaus
von Münster in Westfalen.
Die Wohnbauten dieser Zeit waren vor allem Fachwerkbauten, wie man sie
heute noch in Städten wie Goslar oder Quedlinburg sehen kann. In Quedlinburg
steht eines der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands; der Ständerbau aus dem 14.
Jahrhundert beherbergt heute das Fachwerkmuseum.
Renaissance
Da die deutschen Baumeister weder Italien noch die Bauten der Antike
gesehen haben, gerät im 16. Jahrhundert die italienische Renaissance-Architektur
unter den Händen deutscher Baumeister „zunächst zum reinen Mißverständnis“.
Aus Musterbüchern wird das Dekor der lombardisch und venezianischen
Frührenaissance übernommen. Damit werden die Fassaden verkleidet, die
gotischen Treppengiebel mit Voluten verschleift und „manieristisch-
antikisierendes Gekröse“ aus Stein verwendet. So entsteht in Deutschland des 16.
Jahrhunderts eine bürgerliche „Lego-Antike“ mit einer kleinteiligen Elemente-
Sammlung, deren Einzelförmchen angeklebt wirken. Der Anschluss an die
italienische Renaissance gelingt bei den Schlossbauten in Dresden, Berlin, Torgau,
Brieg und bei der Münchner Kirche St. Michael, wo jedoch oft nur das Ornament
überwiegt. In Deutschland entwickelt sich parallel zur italienischen
Spätrenaissance bis 1650 auch eine bewusst antiklassische Architektur, der
Manierismus. Manieristische Darstellungen, Labyrinth, Kugel, Ei, Würfel weisen
auf den Surrealismus des 20. Jahrhunderts hin. Merkmal des Manierismus in
Deutschland ist die Dekoration der nordischen Renaissance, geprägt durch den
nach den Niederländer Cornelis Floris benannten Florisstil. In Nordeuropa,
insbesondere in Deutschland, schmücken nun Beschlag-, Roll-, Knorpel- und
Ohrmuschelwerk, Obelisken und Voluten die Giebel der Gebäude und bilden das
„Schweifwerk“.
Als die Fugger 1509 ihre Familienkapelle in der Augsburger Kirche St.
Anna im „italienischen Stil“ gestalten ließen, bereiteten sie der italienischen
Renaissance in Deutschland den Boden. Augsburg, die Handelsstadt, war in dieser
Zeit eine der bedeutendsten Metropolen in Europa. Über die Handelsverbindungen
wurde auch ein Stück italienischer Kultur importiert. Allerdings konnte sich die
Renaissance, die dann um 1520 in Deutschland Fuß fasste, durch die politischen
Bedingungen der Zeit nicht wirklich gut im Lande ausbreiten. Deutschland war in
zahlreiche Fürstentümer zersplittert, die Bürger hatten meist wenige Rechte und
bewaffnete Konflikte, vor allem die Religionskonflikte im Zuge der Reformation,
sorgten dafür, dass weite Landstriche quasi unterentwickelt blieben. Manche
Fürsten förderten allerdings die „moderne Kunst“ verstandene Renaissance, etwa
in Torgau, Aschaffenburg oder Landshut. In Landshut steht mit der Landshuter
Stadtresidenz ein sehr authentischer, weil von italienischen Handwerksmeistern
erbauter Renaissance-Bau. Als bedeutender Renaissancebau nördlich der Alpen
gilt auch St. Michael in München. Das Augsburger Rathaus ist ebenfalls ein
bedeutender Renaissancebau, er wurde allerdings erst spät, zwischen 1614 und
1620, vom Augsburger Baumeister Elias Holl errichtet.
Das Wirken des Kirchenfürsten Kardinal Albrecht von Brandenburg in Halle
von 1514 bis 1541 gilt als die größte planmäßig umgesetzte repräsentativ-
herrschaftliche Renaissancebebauung nördlich der Alpen. Mit der Moritzburg, der
Neuen Residenz, dem Dom und der Marktkirche ist ein beeindruckendes Ensemble
der Renaissance entstanden. Zusammen mit der Altstadt, insbesondere dem
Stadtgottesacker, gilt die hallesche Renaissance als sui generis.
Ein Beispiel für Renaissancebaukunst mit „niederländischen Einflüssen“ ist
das Heidelberger Schloss. Beispiele für die niederländische Renaissance sind in
Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu finden, wo im Bereich der Weser
zahlreiche Schlösser und Herrensitze im Stil der Weserrenaissance entstanden sind.
Ein hervorragendes Stadtbild im Stil der Renaissance haben die Städte Hameln und
Lemgo. In Wolfenbüttel sind das Schloss der Welfen sowie die evangelische
Stadtkirche Beatae-Maria-Virginis als besondere Beispiele der Renaissance
erwähnenswert.
In Thüringen und Sachsen sind viele Kirchen und Schlösser im Stil der
Renaissance erbaut worden. So zum Beispiel die Wilhelmsburg mit Schlosskapelle
in Schmalkalden, die Stadtkirche von Rudolstadt, das Schloss in Gotha, das
Rathaus in Leipzig, das Innere des Chorraums das Freiberger Domes, das Schloss
in Dresden oder der Schönhof in Görlitz. In Norddeutschland sind das Güstrower
Schloss sowie die besonders reiche Innenausstattung der Stralsunder Nikolaikirche
von Interesse.
Barock
Der Barock setzte in Deutschland wegen des Dreißigjährigen Krieges etwas
verzögert ein, etwa ab 1650.
Die barocke Herrschaftsarchitektur der deutschen Königs- und
Fürstenhäuser orientierte sich, ebenso wie das Hofzeremoniell, stets am Vorbild
Frankreich, vor allem am Hof des Sonnenkönigs in Versailles. So entstand der
Dresdner Zwinger in Dresden, den Matthäus Daniel Pöppelmann zwischen 1709
und 1728 errichtete, zunächst zur Abhaltung höfischer Feste, wie sie am Hofe des
Sonnenkönigs üblich waren. Die Architektur des Absolutismus stellte stets den
Herrscher in den Mittelpunkt, so erhöht z. B. die Raumkomposition die
Machtstellung des jeweiligen Herrschers – etwa in Form der prächtigen
Treppenhäuser, die zur Person des Herrschers führen – auch die Wand- und
Deckenmalerei und die Skulpturen an den plastisch geformten Wänden preisen mit
ihren Motiven meist den fürstlichen oder königlichen Bauherren.
Das Zusammenspiel von Architektur, Malerei und Plastik ist ein
wesentliches Merkmal der Barockarchitektur. Ein bedeutendes Beispiel ist die
Würzburger Residenz mit dem Kaisersaal und dem Treppenhaus, deren Bau, unter
Federführung von Johann Balthasar Neumann, im Jahr 1720 begann. Viele
verschiedene Architekten und Künstler aus ganz Europa haben an ihrem Bau
mitgewirkt, deshalb gilt die Würzburger Residenz als „Synthese des europäischen
Barock“. Die Fresken im Treppenhaus etwa schuf Giovanni Battista Tiepolo
zwischen 1751 und 1753.
Andere bekannte Barockschlösser sind das Neue Palais in Potsdam, das
Schloss Charlottenburg in Berlin, das Schloss Weißenstein bei Pommersfelden und
das Schloss Augustusburg in Brühl, dessen Innenräume zum Teil schon im Rokoko
gestaltet sind.
Rokoko ist die Spätphase des Barock, in der das Dekor noch weitaus üppiger
geriet und die verwendeten Farben meist hellere Töne zeigten. Bei Schloss
Sanssouci, das zwischen 1745 und 1747 entstand, spricht man gar von
„Friderizianischem Rokoko“, da der üppige Stil hier in einer gewissen Strenge
ausgeführt ist.
Die 1754 vollendete Wieskirche bei Steingaden ist ein überragendes Beispiel
des Rokoko und wegen seiner beiden Baumeister Dominikus Zimmermann und
Johann Baptist Zimmermann ein Höhepunkt der Sakralarchitektur im
Voralpenland. Durch die vielen Klöster und Kirchen in der Region, auch
Pfaffenwinkel genannt, konnten sich hier sehr versierte, auf Sakralbauten
spezialisierte Baumeister und Handwerker herausbilden, wie etwa die Brüder
Zimmermann.
Zu den bekanntesten Beispielen für den bayerischen Barock zählen die
Benediktinerkirche in Ottobeuren, das Kloster Weltenburg, das Kloster Ettal und
die St. Johann-Nepomuk-Kirche, genannt Asamkirche, in München.
Weitere Beispiele für barocke Sakralarchitektur sind die Wallfahrtskirche
Vierzehnheiligen in Oberfranken und die wiederaufgebaute Dresdner
Frauenkirche, die George Bähr ursprünglich zwischen 1722 und 1743 schuf.
Klassizismus
Der Klassizismus kam in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts auf. Er orientierte sich, wie es der Name besagt, an der klassischen
Baukunst der Antike. Der Klassizismus ist als Gegenbewegung zum Barock zu
verstehen und grenzt sich auch ideell von dem Architekturstil des Absolutismus ab.
Dies galt nicht nur für die Architektur, sondern auch für die
Landschaftsarchitektur.
Beispielhaft sind hier die Wörlitzer Anlagen mit dem Wörlitzer Schloss, die
zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehören. Unter der Regie von Friedrich
Wilhelm von Erdmannsdorff entstand hier ab 1764 ein Landschaftsgarten, auch
Englischer Garten bzw. Landschaftspark genannt, der die aufgeklärte Haltung des
Fürsten Leopold III. spiegelte. Im Gegensatz zu den streng geometrischen
Barockgärten zelebrierte der naturnah gestaltete englische Landschaftsgarten die
Freiheit der Natur, die wiederum die in der Aufklärung erkannte Freiheit des
Menschen symbolisiert.
Die baulichen und theoretischen Impulse für diesen Stil kamen aus England;
so gleicht das Schloss Wörlitz auch einem englischen Landsitz, die englischen
Landsitze wiederum orientierten sich an der italienischen Renaissance, vor allem
an Palladio.
Das Brandenburger Tor, das Carl Gotthard Langhans 1791 fertigstellte, zählt
wohl zu den berühmtesten Bauwerken des Klassizismus in Deutschland.
Der bedeutendste Architekt dieser Stilrichtung in Deutschland war
zweifellos Karl Friedrich Schinkel. Er baute für das preußische Königshaus, u. a.
in Berlin: die Neue Wache, das Schloss Charlottenhof und das Alte Museum, mit
dem die Geschichte der Berliner Museumsinsel begann.
Am bayerischen Hof machte sich der Architekt Leo von Klenze einen
Namen. Der Königsplatz in München mit der Glyptothek, den Propyläen und der
letztlich von Georg Friedrich Ziebland erbauten Antikensammlung ist wohl sein
berühmtestes Werk; es ist einer griechischen Tempelanlage nachempfunden.
Zu den bedeutenden Bauten der Zeit gehört außerdem das Schloss
Wilhelmshöhe in Kassel, dessen Park aus der barocken Anlage des Karlsberg und
dem ab 1763 ausgebauten Landschaftsgarten besteht.
Historismus
Der erste Bau des Historismus auf dem europäischen Festland ist das
neogotische Nauener Tor in Potsdam von 1755. Diese Stilrichtung verbreitete sich
etwa ab 1810 in ganz Deutschland und nahm generell Bezug auf Stile der
Vergangenheit, neben der Antike und der italienischen Renaissance kamen nun
auch die Gotik und die Romanik wieder in Mode. Die entsprechenden
Stilrichtungen des Historismus bekamen jeweils das Präfix „Neo-“ bzw. „Neu-“,
siehe Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance, Neobarock und Neoklassizismus.
Daneben gab es noch regionale Ausprägungen, die verschiedene Stile
eklektizistisch kombinierten oder regionaltypische Motive aufgriffen. Beispiele
dafür sind die Bäderarchitektur, die Hannoversche Architekturschule, der
Nürnberger Stil, die Semper-Nicolai-Schule im Raum Dresden und der Johann-
Albrecht-Stil in Mecklenburg. Teilweise gab es schon stilistische Abweichungen
von Stadt zu Stadt.
Spezielle Repräsentationsbauten des Kaiserreiches wurden hingegen
deutschlandweit häufig in einem ähnlichen Stil geschaffen, die preußischen
Reichspostämter z. B. meist in neogotischer Klinkerbauweise, Museen und
Justizbauten oft im Stil des Neoklassizismus und Musentempel bzw. Opern nach
Vorgaben des Neobarock. Viele Rathäuser entstanden in neogotischer Architektur,
als Referenz auf die ersten Rathäuser im Mittelalter, bspw. das Münchner Rathaus.
Die venezianische Renaissance hingegen war Vorbild für viele private Gebäude
des Handels, etwa die Hamburger Alsterarkaden. Diese Tendenz der Zuweisung
von Baustilen zu einem bestimmten Zweck ist später im gesamten Deutschen
Kaiserreich zu beobachten, entsprechend ihrer „moralisch-assoziativen
Bedeutung“.
Ein bedeutender Architekt dieser Zeit ist Gottfried Semper, der die
Gemäldegalerie am Dresdner Zwinger und die erste und auch die zweite, heutige
Dresdner Oper, die Semperoper, baute. Auch an den ersten Plänen für das
romantische Schweriner Schloss wirkte er mit, das 1857 unter Georg Adolf
Demmler, Ernst Friedrich Zwirner und dem Schinkel-Schüler Friedrich August
Stüler vollendet wurde.
Die Vorliebe für mittelalterliche Bauten, die aus der Kunst der Romantik
hervorging, findet sich auch im weltbekannten Schloss Neuschwanstein wieder,
das Ludwig II. ab 1869 errichten ließ. In der Gotikbegeisterung dieser Epoche
wurden auch der Kölner Dom und das Ulmer Münster vollendet und Neubauten
wie die Wiesbadener Marktkirche begonnen. Später entstanden auch große
neobarocke Sakralbauten wie der Berliner Dom.
Die Neurenaissance nach italienischen Vorbildern begann in Deutschland
1816 mit dem Palais Leuchtenberg in München von Leo von Klenze und
Erweiterungsbauten der Münchner Residenz ab 1826. Nach dem Vorbild der
Loggia dei Lanzi entstand 1841 bis 1844 die Feldherrnhalle von Friedrich von
Gärtner.
Nach dem Krieg 1870/71 fand das „vaterländische Bewusstsein zur
sogenannten Deutschen Renaissance zurück“, worunter hauptsächlich deren
manieristische Phase verstanden wird. Ein Beispiel dafür ist das Rathaus in
Bielefeld. Auch dank französischer Reparationsleistungen infolge des Krieges
wächst der Wohlstand im Reich, es entstehen noch viele historistische Neubauten
in der Phase nach der eigentlichen Gründerzeit. Um viele bedeutende Städte
wachsen Villenkolonien, teilweise werden auch ganze Stadtteile in urbaner
Blockrandbauweise neu geschaffen bzw. komplett überformt, z. B. Berlin-
Charlottenburg und die Leipziger Südvorstadt.
Ein bekanntes Bauwerk der Spätphase des Historismus ist das
Reichstagsgebäude von Paul Wallot, dessen Fassade die Stilsuche und den daraus
resultierenden Stilmix seiner Zeit spiegelt.
Moderne
Die Anfangsimpulse erhielt die Architektur der Moderne in Deutschland im
Wesentlichen durch den Industriebau, in dem die architektonische Gestaltung nicht
so sehr dem vorherrschenden Historismus unterworfen war. Hier sind zu nennen:
Die AEG-Turbinenhalle in Berlin von Peter Behrens und insbesondere das Fagus-
Werk von Walter Gropius in Alfeld an der Leine. In dieser Zeit entstand mit dem
Bau 15 auch das erste solitäre Hochhaus Deutschlands in Jena.
Die so genannte Klassische Moderne in Deutschland ist im Wesentlichen
deckungsgleich mit dem Neuen Bauen, d. h. vornehmlich mit den Bauten des
Funktionalismus wie ihn das Bauhaus und das Neue Frankfurt geprägt haben.
Walter Gropius gründete das Bauhaus 1919, kurz nachdem er die Nachfolge
Henry van de Veldes in Weimar als Leiter der Kunstgewerbeschule angetreten
hatte. Das Bauhaus sollte sich zur einflussreichsten Kunst- und Architekturschule
des 20. Jahrhunderts entwickeln. Zwar hatte das Bauhaus zunächst keine
Architekturabteilung, doch Gropius sah in der Architektur das „Endziel aller
bildnerischen Tätigkeit“. Anfänglich waren manche Bauhäusler der
expressionistischen Architektur zugeneigt – Bauwerke wie der Einsteinturm von
Erich Mendelsohn oder das Hamburger Chilehaus von Fritz Höger hatten eine
visionäre, Aufsehen erregend neue Formensprache und prägten damit für kurze
Zeit das Architekturgeschehen. Dies ist ein für Deutschland spezifischer moderner
Stil mit teils regionalen Ausprägungen.
In Zeiten der Inflation und wirtschaftlicher Not war man am Bauhaus
schließlich bestrebt, kostengünstige, modern gestaltete und funktionale
Wohnhäuser zu entwickeln. So entstand 1923 in Weimar das Musterhaus Am Horn
von Georg Muche und Adolf Meyer. 1925, ein Jahr nachdem die nationalistischen
Parteien im Thüringer Landtag die Mehrheit erlangt hatten, musste das Bauhaus in
Weimar schließen. Noch im selben Jahr begann Gropius in Dessau eine neue
Schule zu bauen, die 1926 fertiggestellt wurde. Das Bauhaus Dessau ist das mit
Abstand berühmteste Bauwerk der Klassischen Moderne in Deutschland.
Doch auch in Dessau machten die Nationalsozialisten den Bauhäuslern das
Leben schwer. Seit 1930 leitete Mies van der Rohe das Bauhaus, der versuchte, das
Bauhaus so unpolitisch wie möglich zu halten; doch als die Nationalsozialisten
1932 auch hier die Macht im Landtag errangen, musste das Bauhaus schließen. Der
versuchten Übersiedlung nach Berlin folgte schließlich die Selbstauflösung 1933.
Nach der Machtergreifung emigrierten viele Meister und Schüler des Bauhauses in
die USA oder in andere Länder, wurden dort Lehrer oder auch Architekten und
verbreiteten den Bauhaus-Stil in alle Welt, so dass er später im International Style,
dem Internationalen Stil aufging.
Eine besondere Rolle für die Architekturmoderne spielte auch der Deutsche
Werkbund, er veranstaltete 1927 unter Leitung von Mies van der Rohe eine
Ausstellung zum zeitgemäßen Wohnen in Stuttgart, und errichtete die
Weißenhofsiedlung. Hier sind heute noch Wohnhäuser der berühmtesten
Architekten der europäischen Moderne wie Le Corbusier, Mies van der Rohe,
Hans Scharoun, Mart Stam oder J.J.P. Oud zu sehen.
Wohnungsbau war in der Weimarer Republik eine vorherrschende
Bauaufgabe. In Berlin entstanden in dieser Zeit etliche Wohnsiedlungen, die heute
zu den bedeutenden Bauensembles der klassischen Moderne zählen: etwa die
Hufeisensiedlung Britz von Bruno Taut und Martin Wagner, die Großsiedlung
„Onkel Toms Hütte“ von Bruno Taut, Martin Wagner, Hugo Häring, Otto Rudolf
Salvisberg und Alfred Grenander und die Siemensstadt von Hans Scharoun, Walter
Gropius, Hugo Häring, Otto Bartning, Fred Forbát und Paul Henning. Ebenfalls zu
erwähnen ist die Wohnsiedlung Dammerstock in Karlsruhe von Walter Gropius,
Otto Haesler u. a.
Als ein besonderes Werk der Moderne gilt außerdem die Zeche Zollverein in
Essen; sie wurde zwischen 1927 und 1932 von Fritz Schupp und Martin Kremmer
errichtet. Hervorzuheben ist auch, dass zwischen 1926 und 1940 die meisten
Sendetürme in Deutschland aus Holz gebaut wurden. Diese Türme waren die
höchsten Holzbauwerke, die je errichtet wurden. Heute ist von ihnen nur noch der
Sendeturm Gleiwitz im seit 1945 polnischen Gleiwitz erhalten.
Eine Begleitbewegung zur in Europa und vor allem Deutschland
entstehenden modernistischen Bewegung war ab 1904 bis in die frühen 1960er
Jahre die Heimatschutzarchitektur, welche die regionaltypische Architektur vieler
Orte pflegte und dabei weiter entwickelte, ohne generell an einem Konflikt mit
anderen zeitgenössischen Bewegungen interessiert zu sein. Alle neuen Bauwerke
sollten sich harmonisch in die sie umgebende Kulturlandschaft einfügen.
Nachkriegszeit
Großen Einfluss auf die Nachkriegsarchitektur hatte der Generalsekretär der
SED Walter Ulbricht, den man als Gegner moderner Architektur beschreiben kann
und der durch seine Machtstellung mehr Einfluss auf den Architekturstil hatte als
seinerzeit die Architekten. Zum Vorbild der frühen Bauten wurde zum einen die
mitunter monumentale sozialistisch-klassizistische Architektur der UdSSR, und
zum anderen war es die traditionell preußische Baukultur im Geiste Karl Friedrich
Schinkels.
Die Herrschaftsarchitektur Preußens inspirierte auch die erste große
Bauaufgabe der DDR, das deutsche Prestigeprojekt des Sozialistischen
Klassizismus: die Stalinallee, heute Karl-Marx-Allee. Es war ein gewaltiges
Wiederaufbauprojekt, mit dem die Parteiführung darüber hinaus die Stärke des
Sozialismus demonstrieren wollte, hier sollten Arbeiter in Palastarchitektur
wohnen. Zu den federführenden Architekten des ersten Bauabschnitts (1951–1958)
zählte Hermann Henselmann, weiterhin sind zu nennen: Egon Hartmann, Richard
Paulick, Kurt Leucht, Hanns Hopp und Karl Souradny. Im Übrigen waren es
Bauarbeiter der Stalinallee, die den Aufstand vom 17. Juni 1953 mit einem
Protestmarsch am Vortag einläuteten.
Weitere Großprojekte der Zeit in diesem Stil waren die Russische Botschaft
in Berlin, die Stadtgründung und der Neubau von Eisenhüttenstadt, Teile der
Magdeburger Innenstadt, das Leipziger Ring-Café und Sportforum und die
Hochschule für Verkehrswesen in Dresden. Eine Besonderheit stellen einige an
konkrete regionale Stile angelehnte Projekte dar, dazu gehören die von der
Backsteingotik inspirierte Lange Straße in Rostock, Bauten am Dresdner Altmarkt
im Stil des örtlichen Barock, sowie die lose an der mecklenburgischen
Vorkriegsarchitektur von Neubrandenburg orientierte Neubebauung der hiesigen
Innenstadt (bis auf den Marktplatz).
Ab 1955 fiel der sozialistische Klassizismus und Regionalismus jedoch bei
der SED-Parteiführung in Ungnade (in einem späteren DDR-Architekturführer
wird der erste Abschnitt der ehemaligen Stalinallee gar nicht erwähnt), und die Zeit
der uniformen industrialisierten Bauweisen wie der Plattenbauten begann. Durch
diese Systembauweise mit massenweise einfachen, vorgefertigten Bauteilen, sollte
ein effizienteres, kostengünstigeres Bauen möglich sein, so dass der Bedarf an
Wohnungen schneller gedeckt werden konnte. Bereits der zweite Abschnitt der
Karl-Marx-Allee ist in Plattenbauweise errichtet.
Zu den bekannten offiziellen Bauten der DDR zählte der mittlerweile
abgerissene Palast der Republik, sowie das erhaltene Staatsratsgebäude mit einem
abgewandelt integrierten Portal des Berliner Stadtschlosses, welches 1950 auf
SED-Befehl abgerissen wurde.
Besonders zu erwähnen ist der Ingenieur-Architekt Ulrich Müther, dessen
Schalenbauten, wie etwa der 1968 fertiggestellte Teepott in Warnemünde und das
Café Seerose in Potsdam, bemerkenswerte Einzelbauten sind.
Große städtebauliche Projekte neben Eisenhüttenstadt waren auch der
spätere Siedlungsbau in Hoyerswerda und Halle-Neustadt.
Das auf tragische Weise berühmteste Bauwerk der DDR ist zweifellos die ab
13. August 1961 errichtete Berliner Mauer. Nicht vergessen werden sollte zudem
der zunehmende Verfall der Bausubstanz vieler Stadtkerne und Wohnbauten
während des real existierenden Sozialismus.
Der bekannteste erhaltene Einzelbau aus der DDR-Zeit ist der Berliner
Fernsehturm, der das höchste Bauwerk Deutschlands ist und nach der
Wiedervereinigung ab 1990 einen Wandel vom politisch vereinnahmten Symbol
des Sozialismus zum ideologiefreien Gesamt-Berliner Symbol und zu einer
deutschen Erkennungsmarke durchlebte. Er besitzt durch seine markante
Gestaltung und seinen „Retro-Charme“ einen Wiedererkennungswert von globaler
Tragweite und ist heute eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Literatur
1. Mathias Wallner und Heike Werner: Architektur und Geschichte in
Deutschland. Verlag Werner, München 2006.
2. Michael Imhof, Christoph Winterer: Karl der Große. Leben und Wirkung,
Kunst und Architektur. Edition Winterer, Petersberg 2005.
3. Gottfried Kiesow: Wege zur Backsteingotik. Deutsche Stiftung
Denkmalschutz, Bonn 2003.
4. Stephan Hoppe: Was ist Barock. Architektur und Städtebau Europas 1580–
1770. 2. Aufl. Primus-Verlag, Darmstadt 2010.
5. Andreas Butter, Ulrich Hartung (Hrsg.): Ostmoderne. Architektur in Berlin
1945–1965. JOVIS Verlag, Berlin 2004
6. Werner Durth, Jörn Düwel, Niels Gutschow: Architektur und Städtebau der
DDR. Die frühen Jahre. JOVIS Verlag, Berlin 2007.
7. Ingeborg Flagge und Romana Schneider (Hrsg.): Die Revision der
Postmoderne. Post-Modernism Revisited. Junius-Verlag, Hamburg 2004.
8. Statusbericht Langfassung, Bestandsaufnahme, Tendenzen, Empfehlungen.
2002.
9. Prozeßkommunikation, Umfragen, Interviews. 2002.