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2021 1Könige 3,1-5,14 Salomos Weisheit

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1Kön 3,1-5,14
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1Könige 3,1-5,14
Salomos Weisheit
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Salomo verschwägerte sich mit dem Pharao, dem König von Ägypten.
Er nahm eine Tochter des Pharao zur Frau und brachte sie in die
Davidstadt, bis er sein Haus, das Haus des Herrn und die Mauern rings
um Jerusalem vollendet hatte.
Das Volk opferte zu jener Zeit auf den Kulthöhen, weil dem Namen des
Herrn noch kein Haus gebaut war. Salomo aber liebte den Herrn und
befolgte die Gebote seines Vaters David; nur brachte er auf den
Kulthöhen Schlachtopfer und Rauchopfer dar. So ging der König nach
Gibeon, um dort zu opfern; denn hier war die angesehenste Kulthöhe.
Tausend Brandopfer legte Salomo auf ihren Altar. In Gibeon erschien
der Herr dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich
eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll. (1Kön 3,1-5)

König Salomo entwickelt sich zu einem mächtigen Herrscher. Sogar der


mächtige Pharao von Ägypten gibt ihm eine seiner Töchter zur Frau, was
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dessen Respekt für Salomo zum Ausdruck bringt. Obwohl sie andere
Götter verehrt, finden wir hier keine Kritik an diesem Verhalten des
Königs. Salomo bleibt dem Herrn treu. Erst gegen Ende seines Lebens
werden ihn die ausländischen Frauen zum Götzendienst verführen.
In Israel gab es zu Beginn der Herrschaft Salomos noch kein zentrales
Heiligtum. König David war es verwehrt, dem Herrn in Jerusalem einen
Tempel zu bauen. Erst sein Sohn und Nachfolger Salomo wird den
Tempel in Jerusalem errichten. Noch verehrt das Volk seinen Gott an
verschiedenen heiligen Orten. Einer dieser Kultorte ist in Gibeon. Dorthin
geht auch Salomo, um dem Herrn sein Opfer darzubringen. Dort
erscheint der Herr dem König, der ganz am Beginn seiner Regierungszeit
steht, im Traum. Träume sind seit alters her eine Form, wie Gott sich den
Menschen offenbart.
Salomo hatte sich vorbereitet. Frisch gewaschen, kein einziger Fleck auf
seiner Kleidung, ein Wohlgeruch umströmte ihn. So näherte er sich dem
besonderen Ort. Was dann geschah, übertraf alle seine Erwartungen. Es
kam zu einem traumhaften Gespräch zwischen ihm und Gott im Dunkel
der Nacht. Ein unsichtbares Band zwischen Bitten und Erfüllen, ein Bund,
zu Gottes Bedingungen, der gibt, worum du nicht gebeten hast, der aber
erwartet, dass du das erbittest, was er als erstes geben will, das was
hinter dem Vordergründigen steht und dieses übertrifft.

Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große


Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit
aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm
einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. So hast du
jetzt, Herr, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum
König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht, wie ich
mich als König verhalten soll. Dein Knecht steht aber mitten in deinem
Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner
Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. Verleih daher deinem
Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute
vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige
Volk regieren? (1Kön 3,6-9)

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Salomo darf vor Gott eine Bitte aussprechen. Zunächst aber dankt er Gott
für das, was er an ihm getan hat. Gott hat seinem Vater David seine Huld
erwiesen und ein Zeichen dieser Huld ist es, dass nun Davids Sohn
Salomo auf dem Thron Israels sitzen darf. David galt als weiser und
vorbildlicher Herrscher, der zwar nicht ohne Fehler war, aber doch
immer wieder zu Reue und Umkehr bereit war. Die von der Tradition
dem König David zugeschriebenen Psalmen geben Einblick in dessen
tiefen Glauben an den Gott Israels.
Salomo will seinem Vater ähnlich sein. Er ist noch sehr jung, ihm fehlt es
an Erfahrung. Er weiß, dass er nur dann vor Gott und für das Volk ein
guter Herrscher sein kann, wenn er Weisheit besitzt, wenn er das Gute
vom Bösen zu unterscheiden vermag. Um diese Weisheit zu erlangen,
benötig er ein hörendes Herz. Er muss dazu bereit sein, zu lernen, darf
sich nicht gleich mit seinem jugendlichen Elan und Tatendrang in die
Regierungsgeschäfte stürzen. Er muss den Rat erfahrener Männer prüfen
und er muss bereit sein, auf das zu hören, was Gott zu ihm sagt.
Salomo hat ein offenes Ohr und Herz für Gott, das zeigt sich bereits
darin, dass Gott zu ihm im Traum sprechen kann. Diese Offenheit für
Gott muss er sich bewahren und sie vertiefen. Er darf sich nicht von
Macht, Reichtum und Erfolg blenden lassen. Er muss sich immer dessen
bewusst sein, dass er dies nicht durch eigene Kraft erwerben und
bewahren kann, sondern dass alles ein Geschenk Gottes ist, das er auch
im Namen Gottes verwalten soll.
König Salomo wird hier zu einem idealen Herrscher stilisiert, zugleich
aber zeigt die Bibel von Salomo ein ambivalentes Bild. Er macht Israel
mächtig, aber nach seinem Tod zerfällt das Reich, der unermessliche
Reichtum Salomos, von dem die Bibel berichtet, war nicht nur durch
Weisheit, sondern zu einem großen Teil auch durch Ausbeutung
erworben. Salomo besaß eine Autorität und Machtfülle, an die seine
Nachfolger nie mehr herankamen.
Sicher wussten die Verfasser dieses Textes um diese Ambivalenz.
Vielleicht sind die Worte, die sie Salomo in den Mund legen, eher Wunsch
als Wirklichkeit, ein Wunsch an spätere Könige, dass sie so handeln
mögen, wie es hier von Salomo heißt. Doch nicht nur Könige, sondern
jeder Mensch sollte so vor Gott sein, wie dieser idealisierte König
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Salomo.
In Märchen und anderen Geschichten begegnet uns oft das Bild vom
einen freien Wunsch oder den drei freien Wünschen. Nicht immer
können die Menschen damit klug umgehen. Manche Wünsche erweisen
sich, wenn sie in Erfüllung gehen, eher als Fluch denn als Segen. So wäre
König Midas fast verhungert, weil sein Wunsch in Erfüllung ging, dass
alles, was er berührt, zu Gold wird. Wenn wir wirklich sehnsüchtige
Wünsche haben, gilt es tiefer zu blicken und die Folgen zu bedenken.
Was kann uns wirklich glücklich machen?
Das hörende Herz, das sich König Salomo wünscht, kann ihn glücklich
machen. Ein hörendes Herz, das bedeutet, dass er nicht von Anfang an
alles weiß. Aber wenn er hören kann, zeigt ihm Gott durch seine innere
Stimme stets das, was in einer Situation wichtig ist. Wir kennen diese
innere Stimme. Plötzlich haben wir einen Geistesblitz und entdecken,
wonach wir lange gesucht haben, oder wir werden vor einer Gefahr
gewarnt, oder bei einer Entscheidung zeigt sich ein Weg. Doch da sind
noch die vielen anderen Stimmen. Die Weisheit besteht darin, aus den
vielen Stimmen die eine richtige zu hören und auch zu verstehen, was
diese Stimme uns sagen will.
Ein hörendes Herz, das bezieht sich nicht nur auf unseren Umgang mit
Gott, sondern auf den Umgang mit der Wirklichkeit überhaupt und mit
anderen Menschen. Ein hörendes Herz heißt im Umgang mit anderen
Menschen achtsame Liebe. Das bedeutet, die Andersheit des Anderen
wirklich wahrzunehmen und ihn so zu verstehen, wie er ist. Nicht
einfach nur gute Ratschläge zu erteilen, sondern zu erkennen, was ein
anderer Mensch wirklich braucht. Ein hörendes Herz sieht die Welt nicht
als Ziel der Ausbeutung des Menschen, sondern als Gottes gute
Schöpfung, die es zu pflegen und zu bewahren gilt.

Herr, schenke auch mir ein hörendes Herz, das auf deine Stimme
achtet. Lass mich nicht auf die Stimmen hören, die mich dazu drängen,
immer mehr zu besitzen, lass mich nicht auf die Stimmen hören, die
über andere lästern, lass mich nicht auf die Stimmen hören, die mir
Angst machen wollen, vor dem was kommt. Lass mich auf deine Stimme
hören, die mir zeigt, was wirklich wichtig ist im Leben, lass mich mit
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deinem Blick der Liebe auf die Menschen schauen und gib mir die
Zuversicht, dass du in allem, was geschieht, zu mir sprichst und du
alles zum Guten führen wirst, wenn ich auf dich vertraue. Amen.

Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. Daher


antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und
nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde,
sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde
ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges
Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der
dir gleicht. Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben:
Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den
Königen dir gleicht. Wenn du auf meinen Wegen gehst, meine Gesetze
und Gebote befolgst wie dein Vater David, dann schenke ich dir ein
langes Leben. Da erwachte Salomo und merkte, dass es ein Traum war.
Als er nach Jerusalem kam, trat er vor die Bundeslade des Herrn,
brachte Brand- und Heilsopfer dar und gab ein Festmahl für alle seine
Diener. (1Kön 3,10-15)

Gott gefällt es, dass Salomo diesen Wunsch geäußert hat. Er wird ihm die
Weisheit, um die er gebeten hat, schenken. Doch Gott wird ihm auch all
das andere geben, das er nicht erbeten hat, Reichtum und Ehre und die
Macht, ein großes Reich zu regieren.
Die Weisheit Salomos ist sprichwörtlich geworden. Die Bücher Weisheit,
Sprichwörter und Kohelet werden Salomo zugeschrieben, auch wenn
man heute weiß, dass sie wahrscheinlich erst viel später entstanden sind.
Die Wendung "salomonisches Urteil" meint bis heute ein "kluges, von viel
Einsicht zeugendes, durch seine Ausgewogenheit verblüffendes Urteil".
Man brachte zwei Dirnen vor König Salomo. Beide lebten im gleichen
Haus und gebaren zur gleichen Zeit ein Kind. Eines der Kinder aber starb
und nun behauptete jede der beiden Frauen, dass das lebende Kind ihres
ist. Da es keine Zeugen gab, war es schwierig zu entscheiden, welche
Frau nun die Mutter des lebenden Kindes ist. König Salomo findet aber
dennoch die rechtmäßige Mutter heraus:

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Und der König fuhr fort: Holt mir ein Schwert! Man brachte es vor den
König. Nun entschied er: Schneidet das lebende Kind entzwei und gebt
eine Hälfte der einen und eine Hälfte der anderen! Doch nun bat die
Mutter des lebenden Kindes den König - es regte sich nämlich in ihr die
mütterliche Liebe zu ihrem Kind: Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind
und tötet es nicht! Doch die andere rief: Es soll weder mir noch dir
gehören. Zerteilt es! Da befahl der König: Gebt jener das lebende Kind
und tötet es nicht; denn sie ist seine Mutter.
Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie
schauten mit Ehrfurcht zu ihm auf; denn sie erkannten, dass die
Weisheit Gottes in ihm war, wenn er Recht sprach. (1Kön 3,24-28)

Neben seiner Urteilsfähigkeit gehörte auch das Wissen um eine effektive


Herrschaft zur Weisheit Salomos. Die Bibel übertrifft sich in
Superlativen, um den Überfluss zu beschreiben, in dem das Land unter
König Salomo lebte. Doch auch die schönen Künste verachtete er nicht.
Er schrieb selbst Lieder und auch naturkundliches Wissen gehörte zu
seiner Weisheit.

Gott gab Salomo Weisheit und Einsicht in hohem Maß und Weite des
Herzens - wie Sand am Strand des Meeres. Die Weisheit Salomos war
größer als die Weisheit aller Söhne des Ostens und alle Weisheit
Ägyptens. Er war weiser als alle Menschen, weiser als Etan, der
Esrachiter, als Heman, Kalkol und Darda, die Söhne Mahols. Sein Name
war bekannt bei allen Völkern ringsum. Er verfasste dreitausend
Sprichwörter und die Zahl seiner Lieder betrug tausendundfünf. Er
redete über die Bäume, von der Zeder auf dem Libanon bis zum Ysop,
der an der Mauer wächst. Er redete über das Vieh, die Vögel, das
Gewürm und die Fische. Von allen Völkern kamen Leute, um die
Weisheit Salomos zu hören, Abgesandte von allen Königen der Erde, die
von seiner Weisheit vernommen hatten. (1Kön 5,9-14)

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