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EmmBait: „arıkt Biichael, der steht schon dort (Bergmannslied.

Friedrich Doldinger) / Eduard Lenz: Der Wolkenf


. darchleuchter LE ilhelm Kelber: Die Sieger / Michaelische Motive: Vom michaelischen Geheimnis des Herbstes (No-
valis an Schiller); ichaelischer Ernst (Johannes Perthel); Auf Bergeshöhen (Dr. Erwin Schühle); Vom Zeitschicksal (Lie.
obert Goebel); Michaels Schwert (Dr. Eberhard Kurras); Über Persönlichkeit (Dr. Friedrich Rittelmeyer) / Dr. Johannes
Hemleben: Das Christentum im Zeitalter von Kohle und Eisen / Lic. Emil Bock: Michael einst und jetzt / Gerhard
Klein: Neubeginn / Umschau: Die Alten und die Jungen (Kurt von Wistinghausen); „Geistige und seelische Probleme
im jetzigen Krieg“ (Lic. Emil Bock); Der Michaelstag und das „Dynamische Jahr“ (Lic. Emil Bock) / Arthur Maximilian
Miller: Ruf an den Herbst / Gotischer Hymnus zum Fest des Erzengels Michael / Bildbeilage: Mittelportal uad
linkes Seitenportal der Kirche San Michele zu Pavia.
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Die Christengemeinschaft

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| Monatsschrift zur religiösen Erneuerung. Begründet von Friedrich Rittelmeyer


Im Auftrag der Christengemeinschaft herausgegeben von Lic. Emil Bock
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17. Jahrgang 7 ne . . KR Oktober 1940


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. : ‚Sankt Michael, der steht schon dort!“


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Die erste Strophe ist ein altes böhmisches Bergmannslied; .die.zweite und dritte eine
Neugestaltung. Entstanden aus dem Bedürfnis, das Lied mehrstrophig darzubringen, schließt sich die Fortdichtung
dem ihythmischen' und versmäßigen Bau der ersten Strophe genau .an.:-Diese erste Strophe, die ‘in der Christen-
gemeinschaft seit yielen- Jahren gepflegt wird; daff als einmalig großartiger Ausdruck ‘eines’ michaelischen Arheits-
bewußtseins bezeichnet: werden. Die Hinzufügungen 'sind. als fortwirkender Ausklang gemeint, .der-das Motiv der
geistigen Führung für die.Pflege des Schönen und Sinzigen und den Ausblick auf die seelisch-geistige Zukunft des
Menschen ausspricht. Ein’ mehrstimmig-harmonisches „Glückauf!“ ‘am, Ende jeder Strophe wird bei gesanglicher
Darbriügung das hier gemeinte Nachhall-Weckende der ersten Strophe noch "besonders ausgestalten können.
„Yor Ort kommen“ ist:ein Ausdruck der Bergmanüssprache und bedeutet so viel wie an seine Arbeitsstätte gelangen.
a . on . en : -FriedrichDoldinger

Wenn ich komm-vor meinen Ort, Fahr ich aus zur kurzen Rüh;
‚Sankt Michael, der steht schon dort. Sankt Michael, der hilft dazu.
'- Er tüt lehren wich und weisen, - Er gibt ‘uns Gesang und Zither,
"wieich 'soll ansetzen - daß uns nicht verletzen: .
meinen Schlägel und das Eisen. .. Satans’Zorn und Ungewitter.
Koram ich 'einst vor Gottes Thron,
-.. Sankt. Michael, der.kennt mich schon.
.Er_leiht-mir sein heilig Eisen,
daß von Todesnetzen -
frei ich kann zum Himmel reisen.

- 2 ©" Der Wolkendürchleuchter


Gesprochen bei der Eröffnung der Sommertagungen
Eduard Lenz
Das Lukasevangelium berichtet, wie Christus einmal das Volk auf die Notwendigkeit hinwies, die Zeit
zu verstehen. „Wenn im Westen eine Wolke aufsteigt, sagt ihr, es kommt Regen. Wenn vom Süden die
Winde wehen, sprecht ihr, es kommt die Glut. Das Antlitz der Erde und des Himmels kennt ihr, die
Zeichen der Zeit aber zu deuten versteht ihr nicht.“
Seit die Christengemeinschaft begründet worden ist, haben ihre Träger versucht, in den Zeichen der
Zeit zu lesen. Sie sahen, wie’ eine'bewünderungswürdige Forschung ‘die Geheimnisse der Natur, die
irdischen und himmlischen ‘Gesetze enträtselte: Aber diese Wissenschaft, die so- Gewaltiges enthüllen
kounte auf: dem Felde der Naturtatsachen, zeigte überall ihre Grenzen, wo sie versuchte, die Gesetze
‚des Menschenlebens zu entdecken oder gar Richtlinien :für das söziale:Handeln zu finden. Die. Dynamik
:des: geschichtlichen.Lebens der Völker, die Zeichen der Zeit: verstand sie nicht zu lesen: So konnte es
geschehen, daß; von ‘vielen wmbemerkt; eine Wolke des Unheils im: Westen aufstieg, eine. Wolke
materialistischen: Denkens und Empfindens,. die sichüber Mittel-: und Osteuropa herüberschob: und den
'Geisteshimmel dieser Länder verfinsterte. Heute:entlädt. sich diese Wolke, leider nicht in einem frucht-
baren Regen, sondern in'einem Sturme, aus dem Blitze der Vernichtung zucken und die Donner einander
‚ablösender Kriege grollen: ‘ =... 0.00 m. En olaal ieh
Gewitterstürme haben zweierlei Folgen: Zunächst bringen sie oft Vernichtung für Meüsch, Tier und
Erde. Sie fegen Altes; Überlebtes hinweg; zwingen 'aber'auch manches: Jugendliche ins Grab, damit es

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Keim für künftiges Leben werde. Auf.der anderen Seite aber reinigen sie::auch die. Atmosphäre. ‚Non
giftigen Dünsten. Die Luft ist nach ihrem Toben freier. Es ist besser zu atmen‘
In gewissen Gegenden Deutschlands haben die Bauern bis vor kurzem zu solchen Stürmen roch ein
religiöses Verhältnis gehabt. Bedrohte ein starkes Gewitter die Felder mit Überschwemmung oder Hagel-
schlag, versammelte sich jede Familie zu gemeinsamem Gebet: Man sprach laut die Anfangsworte des
Johannesevangeliums. Dieselben Worte, die der katholische Priester. am Ende der Messe liest, gleich als
ob er sagen wolle, daß die Weihehandlung am Altare an ihrem Ausgange zu den göttlichen Anfängen
des Daseins zurückführe. Wie eine heilige Handlung der himmlischen Mächte über dem Altar der Erde |
empfanden die Bauern die Gewitterstürme. Sie gaben ihnen den Sinn, die vergiftete Atmosphäre wieder
zu reinigen und die Herzen zum Gottesursprung der Welt zurückzurufen.
So nehmen wir auch das Weltgewitter des Krieges hin, der heute über die Erde hin tobt. Wir wollen
ihm nicht feige entlaufen. Wir wollen uns seinen Aufgaben und. Forderungen stellen. In dem Wissen,
daß seine Blitze nicht nur zerstören, sondern auch erleuchten können, daß seine Donner nicht nur
Gericht, sondern auch den Mahnruf enthalten: Ändert den Sinn.
Einer von denen, die sich auf die Zeichen der Zeit verstanden und unermüdlich an das Gewissen der
Zeitgenossen appellierten, war Friedrich: Nietzsche. Im „Zarathustra“ schildert er einen Zauberer, der
sich groß vorkam, aber erfroren war an seinem bösen: Wissen und Gewissen. Der Alte ist wie der Geist
unserer untergehenden materialistischen Kultur. Er schaut zur Wolke des Unheils auf, sieht aber zu
seinem Entsetzen, wie ihn aus der Wolke ein überirdisches Auge anblickt. „Unnennbarer! Verhüliter!
Entsetzlicher! / :Du- Jäger hinter Wolken! / Darniedergeblitzt von Dir, / Du höhnisch. Auge, das mich
aus Dunklem anblickt — so liege ich, / Biege mich, winde mich, nit / Von allen ewigen Martern, / Ge-
troffen von Dir, grausamster Jäger, / Du unbekannter — Gott!. ‚ Was hlickst. Du wieder, / Der Menschen-
qual nicht müde, / Mit schadenfrohen Götter-blig-augen?“*
Auf diese Anklage hin verschwindet die Erscheinung in der Wolke. Das Cottesange. schließt sich und
wendet seinen Blick vom Menschen ab. Da aber packt den, der mit Gott hadert; .die nackte Verzweiflung.
Er ruft dem Gotte, seine Sehnsucht nach:
„— Nein! Komm zurüc, / Mit allen deinen Martern! / Zum letzten aller Einsamen, o komm
zuriick! / All meine Tränenbäche laufen / Zu dir den Lauf! / Und: meine letzte Herzenslamme — / Dir
glüht sie auf! / O komm zurück, / Mein unbekannter Gött! Mein Schmerz — Mein letztes — Glück.“
Der Mensch kann nicht leben ohne das Bewußtseinzedaß! das Auge der Gottheit auf ihm ruht. In
Nietzsche erkob sich der Sehnsuchtschrei der modernen Seele uach der Wiederkehr des Herrn, der zum
unbekannten Gott geworden ist. Unsere eigene Sehnsucht ist es; die-da ruft: „O komm zurück, mein un-
bekannter Gott.“ Ist die schicksaltragende Wolke des Krieges ein Zeichen seiner Wiederkunft? Blickt
uns, wenn wir recht sehen, nicht aus ihr einer an mit „Götter-blitz-augen“? Ein Feuerantlitz, das durch.
finstere Wolken strahlt den Himmel:erhellend? ‚Unsere Erwartung gilt dem, von dem die Verheißung
sagt, daß er auf den Wolken wiederkehren wird.

Die Sieger
Gesprochen am, Schlußabend der Sommertagungen,

-" Wilhelm’ Kelber . .

- Über der griechischen Antike .lag wie ein verklärender Glanz.der Glaube, daß, die, Menschheit i im; ihren
besten und edelsten Vertretern über sich selbst hiriausragt und hinein. in das ;‚Reich der. unsterblichen
Götter. Dieser Glaube wurde gepflegt im Heroenkult, der von: der Anschauung lebte, ‘daß die, größten,
heldenhaftesten: Männer, daß. Herakles, Theseus erwürdigt wurden, nach ihrem: Tode unter den. Göttern
zu leben.-Sie fuhren nicht wie: die’anderen.-Sterhlichen iu den Hades, sondern genossen am Tische der
Götter Nektar und Ambrosia und.gewannen daraus Unsterblichkeit. Sie galten als Fürbitter und: Statt-
halter ihres Volkes im Olymp; ja sie fanden selbst ihren bleibenden Platz am Throne der Götter.
Man hat gegen das Christentum den: Vorwurf erhoben, es habe unter seinen .Gläubigen den Sinn für
Heroismus untergräben und verderben lassen, es habe dem Helden.-ein üntmännliches- Heiligenideal
gegemübergestellt. — Die Apokalypse’ des Johannes aber enthält.eine.Apotheose des Heroismus; .die ge-
waltiger ist als alle Heldenverehrung, die es je irgendwo bei den Völkern gegeben hat. Dort wird. den
Heroen, die siebenmal mit einem besonderen Worte hezeichnet sind, verheißen, daß: sie vom Baum. des
Lebens essen werden, daß der Tod keine Macht über sie hat, weil sie’essen von dem verborgenen Manna,

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‚daß sie ibren.ewigen Namen erfahren werden, daß"sie auch‘ weiterhin zu Führern der Erdenmenschen
berufen sind, daß sie den Morgenstern empfangen, daß sie der Geheimnisse Gottes und des neuen
Jerusalem teilhaftig werden, ja, daß sie ihren Platz finden am Throne Gottes. Am Ende jedes der sieben
Sendschreiben stehen diese Verheißungen. Die Träger dieser ewigen Zukünfte werden dort genannt
„oE vıravreg“, also: „die Siegenden“. Wir sind gewohnt, an dieser Stelle die Übersetzung zu lesen: „Wer
überwindet“ . Dagegen wäre nichts einzuwenden; wenn diesem Worte nicht seit Jahrhunderten an-
klebte der säuerliche Geschmack des sich Herumbalgens mit den menschlichen Schwächen. Das griechische
Wort ‚hatte einen ganz anderen. Klang: es war das geflügelte Wort, mit dem der Läufer von Marathon
zusammenbrechend die Siegesbotschaft hinaufschrie zum Nike: Tempel auf der Akropolis: „verzijzanev*
(wir'haben gesiegt); ein Wort also, das an den jubelnden Mut, an das Mark appelliert.
Für unsre Zeit kann immer weniger Zweifel darüber bestehen,. was wir -brauchen, um zu den
„Siegenden“ zu gehören, zu denen, die stärker sind als die immer ‘vernichtenderen und zermalmenderen
Eindrücke aus der Welt, in der wir zu leben haben; um den Gewalten nicht zu erliegen, die immer mehr
alles in Frage stellen, was Menschen bisher zu denken, zu empfinden, zu wollen ‚gewohnt waren.
‚Unser Erkennen ist heute an eine Grenze gekommen. So wie in der Zeit, als die beginnende exakte
Naturerforschung zu Ergebnissen. führte, die in den gewohnten mittelalterlichen, aristotelischen und
thomistischen Gedankenformen keinen: Platz mehr fanden, ein gewaltiges Um-Denken: über.die Mensch-
heit kam, das.unser naturwissenschaftliches: Weltbild heraufführte, so scheitern heute, unsre gewohnten
mäaterialistisch-näturwissenschaftlichen Gedankenbahnen auf einer anderen Ebene, auf der Ebene: des
Menschlichen selbst: Was heute im Menschenreiche vor sich geht in. der. Weltgeschichte um uns herum,
das’gibt'sich uns’zw. erkennen als Gesetzen folgend, für die wir noch’ keine Gedankenformen ausgebildet
haben. Es gibt nicht allzuviele Menschen, die überhaupt den 'Versuch machen, eerkennend zu’ durch-
dringen,"was sich um sie, herum, ‚abspielt. Ändere stehen Händeringend vor: dem apokalyptischen Schau-
spiel und’ können es nicht fassen. Die Siegenden. in der Erkenntnis’ aber müssen sich Gedankenformen
erringen, die das Gesetz des Handelns von. Göttern und Dämonen mit umfassen. ‚Dazu gehört. der‘ Mut,
im Denken nicht-nur. mit totem Stoffe sich zu ‚befassen, mit einem Reiche, das den Menschen doch nur an
seiner Peripherie berührt; sondern im Erkennen lebendigen Wesenheiten standzuhalten,.die den Menschen
in seiner.Mitte.treffen.: Wer sich auf diese Bahn-begibt, dem wird die Siegerbinde an der Stirne leuchten.
‚In dieselbe Lage ist unser Menschenherz versetzt, wo es’noch den Versuch macht, zu. umfassen,.was in
der Welt'vorgeht. Wenn dies nur wenig bemerkt wird, so nur deshalb, weil die Menschen aus einer Art
Selbstschutz darauf verzichten, den Geschicken der Mitmenschen, ganzer Völker im Gemüte' zu folgen! ji
In einer Form’ aber tritt das Weltgeschehen an uns heran, wo es ünentrinnbar ist; das ist dort, wo'es ‚uns
persönlich trifft, wo Eltern, Frauen, Kinder. den "Tod der Gefallenen ‚zu erträgen, haben. Und, es ist eine
andere Aufgabe geworden, uns. verbundene‘ Menschen auf. den. Schlachtfelderz x zu verlieren, als es früher
gewesen war. Ganz gewiß kann Trost und Stolz aus dem Gedanken fließen, daß die Helden für ihr ‚Volk
und ‚Vaterland den..Opfertod gestorben- sind. :Aber zum. vollen. Bewältigen .dieser Schicksale .ist.noch
Anderes ‚vonnöten:.daß. wir die Herzen .der Ebene entheben,-auf der sienur Gegenstand des unnenn-
baren.Leides-sind; daß: wir unser Herz erheben lernen zu ‘den’ Gefühlen: der: gefallenen Helden selbst; in
‚denen sich: di& Strahlen: des. aufgekenden. Lichtes :der- Geistwelt--spiegeln. In den siegenden ‘Herzen wird
sich aber das Geheimnis der Perle- entfalten; dieses’ Wundergebildes, das aüs dem durchletichteten Schleier
der Wehmut die sieben Farben ‘des Bogens ‘wieder erstrahlen laßt, ‚der da gesetzt ist als Zeichen des
Friedens zwischen Gott und den Menschen.
Und wo wir bisher gewohnt waren, unsre Willenskräfte einzusetzen, in den Bezirken .des privaten
Daseins, der persönlichen Interessen, in den Grenzen der eigenen Erhaltung und Sicherung, da machen wir
die umwälzende Erfahrung, daß .dies.e Willensrichtung. „Voraussetzungen hat, die heute: nicht mehr
gegeb en sind. Nämlich. die Voraussetzung, daß die Grundlagen dieser privaten Bezirke in gut-bürgerlicher
Ruhe ‚verharrt wären.-Auf keinem Gebiete des-Daseins lohnt: es sich heute noch, irgendetwas nur: für: sich
selbst zu wollen: Das:'haben in diesen ‘Jahren: Abertausende'von‘:Menschen erfahren müssen,;: und: wie
Meltauw:! ‚legen sich Willenslethargien über die besiegten Seelen! Sieger wird nur bleiben, ‘wer’ ‚seinen
Willen in Beziehung‘ setzt zum „Werden'der Welt“, wer mit den güten Geistern im
i Bünde Seid eigenes?
Dasein’in die Schätze schlägt für die Weltenziele Gottes. ‚Dem' Sieger aber‘ wird Nike den Kranz reichen!
Man hat dem Christentum den Vorwurf gemacht, es habe den Sinn für Heroismus untergräben und
werdorben.. In Wahrheit ist das Christentum in seiner “ursprünglichen wie in seiner erneuerten Form die
Erfüllung und Bekrönung aller menschlichen Sehnsucht, ‚und Fähigkeit zum Heldentum.

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-Michaelische: Motive: -- BR
"Vom. michaelischen. ‚Geheimnis‘ des Herbstes . sie bald ihres eigentlichen. Charakters entkleidet und
Aus einem Brief von Novyalis an Schiller (7. Okt. 1791):
vergessen werden.
Demgegenüber ist es die Aufgabe des Zeitalters, den
2er .Ich leb und webe in der frischen Herbstluft, und “eigentümlichen Ernst zu spüren, der gerade mit dem
neue Ströme von Lebenslust fließen in mich mit jedem Heraufkommen des Herbstes verbunden ist. Den Ernst,
Atemzuge. Die schöne Gegend. und eine gutmütige der im Sterben und Dahinwelken der Natur den Men-
Harmlosigkeit, in die ich aufgelöst bin, zaubern mich in schen: in die Nähe des Übersinnlichen und der darin
die ‘blühenden Reiche. der Phantasie hinüber, die ein wirkenden ‘Welt der. Wahrheit rückt... Indem . er die
ebenso magischer, dünner Nebel umschwimmt als die äußere. Sinneswelt in. ihrer Erscheinungsform .auflöst,
ferne Landschaft unter meinen Füßen: Ich freue mich bringt er das Wesenhafte_der Welt zum Aufleuchten.
mit dem letzten Lächeln des scheidenden Lebens der Und im Aufleuchten des Geistig-Wesenhaften einer zu
Nätur -und dem milden Sonnenblick .des erkaltenden Ende gehenden Natur kann der Mensch sein eigentliches
Himmels. Die fruchtbare Reife beginnt in Verwesung übersinnliches .Wesen erahnen und ergreifen lernen.
überzugehn, und mir ist der Anblick der langsam hin- Auch das Frühjahr hat seinen, Ernst. Es’ist der Ernst
sterbenden Natur beinah reicher und größer als ihr Auf- der Passionszeit, mit dem der Mensch auf das Leiden
blühn "und Lebendigwerden im Frühling. Ich fühle mich und Sterben des ‘Gottes schaut, der in die Erde hinein-
mehr zu’ edelu und erhabenen Empfindungen’ jetzt ge stirbt. In Jahrhunderten hat: die Menschenseele schon
stimmt als im Frühjahr, wo die Seele im untätigen, den stillen Weg der Versenkung in die Pässion gehen
wollüstigen Empfangen schwimmt und, ..lernen und den subjektiven Ernst ‘ausbilden können, der
und Genießen
anstatt sich in sich ‚selbst zurückzuziehn, -von-'jedem an- die Seele. ergreift, wenn sie im ‚Blick.auf den leidenden
ziehenden ‚Gegenstande angezogen: ‚und. zerstreut wird. und.sterbenden Gott sich ihres: eigenen Unywertes, ihrer
Schon das Losreißen von so viel schönen, lieben Gegen-- Abtrennung. vom Göttlichen bewußt wird.“ ;
ständen macht die Empfindungen zusammengesetzter und Aber. noc- ‚kaum etwas weiß sie. von dem objektiven
interessanter. Daher fühl ich mich auch nie so. reinge- "Ernst, der. mit der Herbstzeit heraufzieht,. wo die Men-
stimmt und empfänglich für alle Eindrücke der höhere, "schenseele sich in eine Art Weltuntergang hineingesiellt
heiligern. Muse als im. Herbst.“ \ sieht. Dieser Erust gewinnt erst in unserem Zeitalter
"seine volle Wirklichkeit, indem 'die Menschheit eine Art
Untergang der bisherigen "Welt: "und Menschendaseins-
Michaelischer Ernst
::form erlebt. Der Weltkrieg, Oswald Spenglers: „Unter-
"Vor Jahren erschien ein Buch, in dem die Toteumas- gang des Abendlandes“ waren die ersten Signale. Ihnen
ken und'Antlitze berühmter Männer auf dem Totenbett sind gie gegenwärtigen Ereignisse gefolgt. Die Mensch-
abgebildet waren. So großartig‘ die Fülle dessen war, heit ist in eine Art Welten-Herbst eingetreten. Ein mate-
was da in- der Verschiedenartigkeit der Menschen- rialistisches. Zeitalter in all seinen Erscheinungsformen
antlitze. 'entgegentrat,- eines war ihnen allen, gemeinsam ‚zerbricht, zerfällt, wird zerstört, weil Mensch und- Welt
und. ging als Gesamtwirkung, von .Blatt, zu Blatt sich ihre geistige Existenz wieder ersehnen, weil sie bis ih
steigernd, durch das ganze Buch mit: der Ernst des den. letzten Grund derselben wieder ernst‘ genommien
Todes. “ nn sein wollen. ;
“"Untrennbar ist it dem Tode dieser Ernst verbunden. "Diesem letzten endgültigen Ernst seiner selbst - und
Er.ist: die Widerspiegelung jener Welt,:'der sich die- der ‘Welt sieht sich der‘ Mensch heute‘ gegenübergestellt.
Mentchenseele im Tode gegenübergestellt' sieht ‚als der:. Es.ist der Ernst einer neu. aufbrechenden “Überweltlich-
Welt der Wahrheit. Dieser.. Welt: gegenüber ist 'alles keit, die in den- Untergangformen des Zeitalters .in die
Erdensein in einem gewissen Sinne eine 'Unwahrheit, Seele strahlen :will: Michaels Ernst, der. das: Mehschen-
Wenn. der Mensch so tut..und lebt, als wenn .es nur die- ‚herz dem Licht, „bereiten, ll,
ses irdische Dasein gäbe, dann verwebt er sich in "Un- J ohannes Perthel
wahrheit, auch wenn er sonst ein persönlich wahrhaf-
tiger Mensch ist. Seine gesamte Existenz wird zu einer
Art objektiven Unwahrheit gegenüber dem Welten-
dasein. Und indem er nichts mehr: weiß vom Wesen des DI den, rheisten ‘Ländern Eiiöpas Andi man Michaels-
Menschen und der Welt, sie also’ auch nicht im. vollen‘ berge. “Wo einstmals uralte Heiligtümer auf Höhen und
Sinne ernst nehmen kann, muß er in’ einen eigentüm-' "Bergen standen, mahnt mit der Ankunft des Christen-
lichen. Unernst. geraten. Das ist die große. Gefahr, die “tums :der Michaelsname :eine in. Geistdämmerung ver-
allem Menschsein in. einem materialistischen Zeitalter sinkende Welt, innezuhalten und in "Andacht
der Nähe
droht.: Dieser Unernst muß sich wie eine Art Krankheit eines heilig-göttlichen Ortes zu gedenken. Michaelsberge.
der Gesinnung und der liebenshaltung der Menschen be- „Wer: kennt noch das hehre Mysterium der Berge? Wer
mächtigen. Und selbst wenn die Ereignisse und Schick- ahnt wieder etwas von ihrem Geheimnis? Wenige sind
sale Schwere und Gewicht gewinnen, wie im.gegenwärti- es. Viele sollen es werden. Wem die Berge wieder heilig
gen Zeitgeschehen, wird er vor ihnen nicht Halt machen. "erscheinen, ‘dem fängt im Innern die Michaelswelt‘ in
Schon im Auftauchen versteht er sie af das Gleis mo- ihrem ersten Lichte zu leuchten an.’
derner Technik und Zivilisationsgier abzuschieben, wo In altvergangenen Zeiten lenkte man nur mit scheuer

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Ebrfurcht den Schritt ins Gebirge. Ruhend 'auf dem geistigen Höhen des Daseins beschreitet. Hochgebirge zu
granitenen Felsgrund der Welt, vom "Wogen und: Weben ‚suchen, ist nicht mehr vonnöten. Der Altar und alles
weißer Wolken umweht, die ‘räuschenden Wasser unab- echte’ geistige Mühäf"ist schon.” die licht beschienene
lässig in lebenerweckendem Überfluß in die Täler schüt- Gipfelwelt der Gebirge. Todesabgründe haben sich aller-
tend; wirken. und.raten.auf lichtbeschienenen Gipfeln die 'orts aufgetan.: Man muß sie nur sehen. Es kann für
Götter. S6 fühlte man einstmals.."Und Vermessenheit jeden in jedem Momente die Stunde anbrechen, wo im
wär es, in die :hochragende Gipfelwelt .aufzusteigen. äußeren oder inneren Sinn Todesprüfungen kommen.
Oder — göttlicher Auftrag, Wenigen gegeben. Sendung Vergesse man nie, daß -Todeserleben aus michaelischem
der geistigen Führer der Menschen, ‘auf einsamsten, von Geiste ein Sprengen der Pforten zu Geistoffenbarungen
Menschenfüßen nicht‘ betretenen Höhen. die goldenen ist. Den gefahrvollen, mühsamen Pfad in den Gebirgen
Tafeln göttlicher Offenbarung entgegenzunehmen. Keiner der Zeit wird: sicheren Fußes bis zu den schweigenden
betrat diese Welt, es sei denn, er kannte den Tod. Um Höhen, wo sich’ Himmel und Erde berühren, derjenige
Erkenntnis‘und Leben zu finden, trat er dem Tod gegen- gehen; der in Andacht, Ehrfurcht und geistoffenem Sinn
über. Anders fand -er'sie nicht.: Urmächtig sprach das in seinem Herzen die Kraft findet; das irdisch Notwen-
Göttergesetz ‘der. Gebirge in Runen von dem ehernen dige zu tun und zu tragen und es,.durchglüht von Läu-
ewig Notwendigen. Verbiudung mit Göttern ‘und Engeln terungswillen, zum Gefäße zu bilden, darin ‚der Geist
war Lohn dafür, däß man die Todesprüfung bestand. 'empfangen- werden kann: '
Die Zeit jenes. uralten: Wissens :ist lange versunken, Erwin Schühle
Eine andre Zeit, eine andre. Menschheit: ist da. Wenig
weiß sie mehr von: dem verborgenen göttlichen Wesen, Vom Zeitschicksal*
das überall, aber. am. ’gewaltigsten‘in den’ Bergen’ von
Unser Schicksalsgang führt uns so’ manchesmal an den
seinen Geheimnissen :spricht. Eines:ist unserer Zeit von
Rand eines Abgrundes. Wir wissen nicht: wie kommen
der Offenbarung :der. Berge geblieben. Ein Letztes, das
wir hinüber? Das bloße Gehen, so wie wir bisher in un-
wieder .ein Erstes werden will Das Wissen vom Tode.
serem Leben geschritten sind, genügt nicht -mehr. Die
Die Jugend’ der: Völker kat es-immer gesucht, so. oft’ sie
alten. Kräfte, wie.sie uns bisher zur Verfügung gestan-
die Berge bestieg. Sie fühlte, daß-es ihre Bestimmung
den haben, helfen uns nicht weiter. Hier muß etwas ganz
sei, die Nähe des Todes zu empfiriden. Darin war sie dem
anderes einsetzen,’ wenn es überhaupt weitergehen soll.
aufdämmerxden -Michaelslicht einer neuen Zeit nahege-
Es gibt-nur eins: Wir müssen ganz neue Kräfte be-
kommen. Dem 'Geist, der zum Versteken der Lebens-
todestat Christi hinführt. Sie war ihr nahe,. ohne daß sie
tätigen lernen. Unser eigenes höheres Wesen lerne —
Flügel bekommen. Damit wachsen wir in ein'neues Ele-
es wußte. Sie suchte ihn: und gab ihm einen anderen
ment hinein. Wir können das Land jenseits des Ab-
Namen. Mehr wie von Ferne ahnte sie, wie hinter dem
grundes betreten, und der Schicksalsgang geht wieder ein
Tode, wenn er geistig erlebt und besiegt‘ wi?d, eiff& heit
Stück weiter.
‚Welt .stekt. Ofenbarungspforten wöllten sich leise auf- *
tun.
Wer könnte den Tod als äußere Gefahr. erleben, der .: Gewiß haben sich die weiter ausschauenden Menschen
nicht -im gleichen. Augenblick erschauernd die Zwangs- schon im voraus auf. die schweren Schicksalsereignisse
gewalten des Todes im Innern empfände? Dem Tod im vorbereitet, die am. Horizonte seit geraumer. Zeit be-
Äußeren begegnen, heißt ‘für ‘den geistsuchenden: Men- mexrkbar waren. Jedoch, _es- ist- ein Unterschied, ob wir
schen den Tod in..der Seele erkennen. Erkenne den Tod die Ereignisse erst in ihrer Vorbereitung oder in ihrer
in dir selbst. Erkenne den Geist der Zerstörung in deinen vollen Auswirkung erleben. Nachdem sich nun die
Gedanken. Suche die Sphäre, die den Tod überwindet. Schicksale in der Form der kriegerischen Auseinander-
Erlebe dein Herz. setzungen abspielen, genügt es nicht, an den Geistes-
So raunen und reden die.einsarnen Höhen der Berge. gütern, die bisher gepflegt wurden, bloß festzuhalten.
Unter uns der gähnende Abgrund des Todes, über uns Jetzt, wo auch die ‘Widerstands- und Zerstörungsmächte
und um uns göttliches Wesen, dem. wir uns in Ehrfurcht, so offen am Werke sind, will die Situation noch etwas
Vertrauen und Liebe des Herzens hingeben. Als Men- anderes aus dem Menschen hervorlocken. Jetzt geht es
schen, die im Angesicht des zwangwirkenden Todes in um .ein Erkraften. Jetzt will das Göttlich-Geistige im
Liebe die Freiheit .erleben.: Michaelsgeist. . Angesichte des „Bösen“ durchgetragen werden. Das ist
: Was die Jugend der Völker in den Gebirgen suchte, eine Steigerung gegenüber dem reinen Festhalten: wir
hat sie weltschicksalhaft im Kriege wiedergefunden. Urd durchleben augenblicklich die Stufe der Bewährung.
xicht nur die : Jugend. Sollte die Menschheit die Sehn-
*
sucht nach. der Begegnung ‘mit Todesgewalten als Fer-
ment in sich tragen? Sollten geistsuchende Kämpfer im Nicht allein das, was im lauten Lärm der Schlacht-
Kriege die Höhe des Todes als dasjenige spüren, das felder geschieht, ist wichtig an den Kriegsereignissen,
Geisttore öffnet? Was den Menschen aus der Verschüt- sondern auch das, was zu den „süllsten Dingen“ gehört:
tung toddurchdrungener Gedanken heraushebt in die der Dienst an den „Toten“.
freie Luft der Berührung mit göttlichkem Wesen. Durch Vielleicht will der Krieg ‚wit seinen Schrecken neben
die Macht eines vom Geist befeuerten Herzens. Dann ist
*Aus der soeben erscheinenden neuen Schrift von Lic. Robert
das Michaelslicht im Aufgang geschaut. Goebel: „Begegnung mit dem Schicksalsengel* (Betrachtungen zum
Michaelsberge sind überall, wo man die Wege zu den menschlichen Leben), RM: 1.—.

101
vielem anderen auch :den Seelenboden. der Menschen den. Wie ein "Weltereignigö$teht.sie da..Sie hat ihren
umpflügen; auf daß er empfänglich werde für diese stil- ‚ganz bestimmten Klang, den’man. auf. sich wirken: lassen
len Dinge, Wer sollte .denu besser_ die Zukunft.:der kaun und wirken lassen muß. Und —..das ist.der erste
Menschheit im geistigen Sinne garantieren als die, welche Gegensatz .— während sonst: der . Einklang: leicht ein-
— mit:der Ahnung für das. Geistig-Göttliche schon anf tönig ‚wirkt,. breitet sich der eine. Klang : einer‘ Persön-
der Erde begabt — durch den Opfertod geschritten sind lichkeit. in einer. großartigen Vielstimmigkeit: vor .uns
und nunmehr von drüben mitwirken können'.an .der Ge- aus.-NMan glaubt immer, im::voraus zu wissen, wie eine
staltugig- der Erdendinge? Das aber. erfordert, daß auf solche: Persönlichkeit handelt, . und ist: doch immer wie-
Erden Menschen für dieses neue Wirken ‘der :Gefalle- der überrascht von .:einem.: Neuartigen, . unausdenklich
‚ven innerlich offen sind, Die Witwen, welche den Mann, Reichen und. Reizvollen....: Und. dazu kommt. ‚ein: zwei-
die Mütter, welche. den. Sohn,’ die Geschwister, elche ier Gegensatz. Jede echte Persönlichkeit hätetwvas. wohl-
den Brüder, die Freunde, welche den Freund verloren, tuend Klares. Das Auge ‚kann in ihr ruhen, wie. es. ruht
haben -eine wichtige Mission. im; Kulturleben der Zu- ira blauen Himmel und im !durchsichtigen :See. Ebenso
kunft: Sie.kaben den: Totendienst nicht bloß in der. Er- aber ‘wie der blaue Himmel und der durchsichtige See,
innerung an Vergangenes zu pflegen, sondern die Auf- ja noch viel mehr, hat: eine echte: Persönlichkeit trotz
gäbe, zu leben in der Offenheit für die Geistkräfte, die ihrer. Klarheit etwas. ganz Uhnergründliches: :Und: das
von der Welt der Entkörperten her der Menschen- und Merkwürdige ist'gerade: je klarer die Persönlichkeit ist
Erdenwelt von nun ab geistes-gegenwärtig zuströmen in ihrem Wesen, um :so mehr: steigert sich eben dieser
wollen. Eindruck ‚des Unergründlichen...:Und noch eines kön-
Robert Goebel nen wir nennen. Jede echte Persönlichkeit macht den
Eindruck des ganz Festen, in sich Geschlossenen. Es ist,
Michaels Schwert wenn man es mit ihr zu'tun hat, wie wenn man in eine
.. Im Klingsohr-Märchen des Novalis, das: tiefe .Geheim- Burg eintritt.:In dieser. Burg gelten ganz bestimmte Ge-
nisse. der. Geschichte. spiegelt, spricht in einem :Wende- setze, die man, wenn man feinempfindlich .ist, : sofort
punkt des. Geschehens der „Sternenkönig”“ zum „alten spürt, denen man sich unwillkürlich beugt. Man braucht
Helden“: „Eisen, wirf.du dein Schwert‘in die Welt, daß nichts. von seiner. Selbständigkeit zu verlieren, wenn
sie erfahren, wo der Friede. ruht!“ Da reißt der Held man es bei einem. rechten. Menschen sofort fühlt: Das
das Schwert von der Hüfte und wirft es über die Stadt ist seine Welt, in der er lebt; so darf ich mit ihm reden
und..das Eismeer. Es fliegt wie ein Komet durch die und so nicht! Aber: das Merkwürdige ist nur: hier ist
Luft, zersplittert am, segemüberliegenden Berssirtel und es der Schöpfung einmal gelungen, etwas Festes zu
fällt in.lauter Funken: herunter. schaffen, das doch zugleich nichts Starres ansich zu
In. der. gegenwärtigen’ Menschheitszeit, in’ der es um habey, „braucht, sondern das vielmehr sich’ in- den. äller-
wichtigste Entscheidungen geht, wird der innere Friede feinsten und allerfestesten Formen fortwährend aus sich
durch Ergreifen des „Schwertes“, durch Aufnahme des selbst lebendig: erschafft. Die Burg, in die wir. eingetre-
großen Kampfes errungen, der zuerst in der geistigen ten sind, fängt zu leben an, so etwa wie im „Parsifal“
Welt entbranut ist, und der die ganze Menschheit‘ durch- auf der Bühne die ganze Szenerie der Gralsburg vor
dringen will.-Das Schwert, das wie zersprühendes Eisen uns lebendig zu werden beginnt... — Hinter dem allen
aus höheren Daseinsbereichen in unsere Welt gewärfen blickt uns erst das eigentliche Rätsel an, das eigentliche
wurde, ist das des welt-durchdringenden Geistes. Wunder, das eigentliche Geheimnis, das Ich, die wunder-
Geistes-Kämpfe müssen durchgefochten, inuerste "Auf: samste Blüte, die das Weltall: hervorgetrieben hat.
gaben müssen erfüllt werden, wenn solcher Friede ent- Da wird man geweiht wie von: einem großen Gedanken
steken soll. Der Kampf, der auf diesem Gebiet unser Gottes. Da weiß man, daß keine Kunst und keine Wis-
wartet, ist ‘die “Fortsetzung des michaelischen Geistes- senschaft so unvergleichliche Freuden. bietet, ‘wie der
streites, die Auseinandersetzung mit dem apokalypti- Anblick einer Persönlichkeit, ja selbst wie die Ahnung
schen Drachen, die Überwindung der miaterialistischen einer Persönlichkeit, die sich erst: ganz dämmernd in
Gesinnung; die‘ den Aufbau unserer mienschlichen Exi- uns zu regen beginnt. : _
stenz nur aus’ den Gegebenheiten der Erde vollziehen Wo alles, was man sagt und tut,’ geboren ist aus einer
will, ‘und die das Leben des Einzelnen wie der Völker einheitlichen Gott 'hingegebenen Lebensstimmung, da ist
der Unfruchtbarkeit entgegenführt. es, als ob ein wundersamer Glockenton- in allem mit-
Eberhard Kurras klingt, von hehrerem Erust und hehrerer. Freude als
Menschen sie sonst: kennen — ein -heimliches, heiliges
Über Persönlichkeit Erlebnis. Wer schenkt der Welt solche Menschen? —
Die Glocke. Das Christentum wird nach unserer
Was wir an einer wirklichen. Persönlichkeit so: be- Meinung die Glocke bleiben, die .die Menschheit zur
rauschend herrlich empfinden, läßt sich schlicht in. drei Ewigkeit ruft,. aber. diese Glocke muß immer von Zeit
Gegensätzen ausdrücken. Einmal ist es der Eindruck des zu’ Zeit umgeschmolzen werden, damit 'sie der Mensch-
Einzigartigen, den jede rechte Persönlichkeit macht. Sie heit neue Dienste:tun kann, umgeschmolzen im Seelen-
sagt uns gleichsam: Da bin ich und.kann nie wiederholt feuer. tief empändender Menschen.
werden, nie nachgemacht werden, nie verwechselt iver- a "Worte von Friedrich Rirtelmeyer

102
u » Das Ehristentum im Zeitalter von Kohle und Eisen
Das Schicksalsmetall unserer Zeit ist das. Eisen. Durch Triumphgefühle heraufziehender Selbstheit durt&r.ä--en
nichts wird -die äußere Entwicklung der gegenwärtigen den Meister, der das gelungene scharfe Schwert in Hi--
Zivilisation derart eindeutig gekennzeichnet wie. durch den. hielt, iu, das. die ganze Kraft der eigenen Seele im
den geradezu unvorstellbaren. Mehrverbrauch an. Eisen, Schmieden. eingeflossen war. .Thors Hammerschläge in
der in dem letzten Jahrhundert eingesetzt hat. Indu- den Höhen der Götterwelt fanden ihr Echo in der Men-
strie, Technik und insbesondere: die Auswirkungen der- schentat am :Amboß. ‘So half die Zunft der Schmiede
selben im Verkehrsleben sind in ihrem gesamten: Aus- durch ‚Jahrtausende kräftig mit, dem starken Erden-Ich
breitungsprozeß untrennbar mit der Gewinnung und Ver- den Weg zu bereiten. Doch früh empfand man die Zwie-
arbeitung des Eisens verknüpft. Doch es wäre die spältigkeit, die im Gebrauch des’ Eisens gegeben war.
Menschheit außerstande gewesen, die. Eisenschätze ‚der Kein Metall. hat bis heute dem Menschen einen gleich
Erde in der. entsprechenden Weise'zu nützen, wenn nicht großen Nutzen gebracht, keines hat soviel Unheil an-
gleichzeitig eine ungeheure ‘Steigerung in der Förderung gerichtet und Tränen ausgelöst, wie das Eisen. Und auch
der.Kohle eingetreten wäre.. Alles Eisenwerk: setzt: den die ursprünglich Ich-weckende Kraft der Schmiedekunst
Hochofen voraus, in dem durch das Entfacheri gewalti- ist heute von vielen anderen gegensätzlichen ‘Wirkungen
ger. Feuergluten das 'Schmelzen des Eisens bewirkt: wird. begleitet. Der am Hochofen, im Walzwerk, im Rüstungs-
Eisen ohne Kohle. bleibt: wertlos. Eisen und Kokle aber: betriebe tätige Industriearbeiter wird schwerlich noch
zusammen setzten die heute lebende Menschheit in den von den Triumphgefühlen werdender: Ichheit ergriffen.
Stand, unserem Zeitalter bis in das religiöse Leben hin- Der Gefolgsmann eines modernen Riesenbetriebes er-
ein die ihm eigentümliche Prägung zu geben. lebt in erster. Linie, daß es auf seine persönlichen Ge-
In der. Gottlosen-Bewegung: Sowjetrußlands. hat man fühle absolut nicht ankommt. Er hat einen .ständigen .
diese Zusammenhänge früh erkannt: Wollte in einem Kampf um die Selbständigkeit und: Behauptung. eines
Dorfe der Bauer trotz aller intellektuellen Aufklärungs- eigenen inneren Lebens zu führen, will .er nicht über-
propaganda doch von dem Glauben seinier Väter nicht haupt auf ein solches. verzichten... Zu gewaltig sind die
lassen, blieb er dabei, 'in seinem Wohnraum eine Ecke Anforderungen. des. Ganzen. an den Einzelnen, als daß
mit: dem Mutter-Gottesbild und der ewigen Lampe zu auf. die. innere Situation des Einzelnen wesentliche Rüc-
bewahren, um‘ dort alltäglich unter Bekreuzigungen. sicht ‘genommen werden.kann. Das gehört :zu den wich-
knieend. seine Gebete .zu verrichten, dann gingen die tigen Vorgängen unseres Jahrhunderts, die es zu ver-
Vertreter der antireligiösen Lehre zw einer anderen Me- stehen gilt. -
thode über Das Dörf wurde nun mit den modernen . Ein.großer Chemiker. des: vorigen Jahrhunderts hat
Landwirtschaftsmaschinen beglückt und dementsprechend, den Ausspruch getan: „Kohle und Eisen regieren die
mußten Pferde abgeschafft werden. Man hafte die’ Er-" Welt“ Soll dieser Satz nicht zur fürchterlichen, dem
fahrung gemacht: ein Bauer, der in- der durch Jahrhun- Menschen. verhöhnenden Wahrheit werden, so muß die
derte geübten Weise sein Feld bestellt und erntet, hat. Frage beantwortet werden:. Was sind denn Kohle und.
auch &in konservatives Herz in religiösen Dingen. ‚Ist er Eisen: ‚ihrem wabren Wesen nach? Nur durchschaute
erst einmal gewohnt, anstatt mit Heu,-Hafer und Pfer- Tyrannen können entthront werden!
den, mit Öl, Benzin und Motören umzugehen, ‘dann ist “_
er auch aüf allen anderen Gebieteri für modernere Ge-
danken. zugänglich. . Die Kohlenvorräte der Erde verdanken wir der in
Diese Tatsachen sind :nicht zu leugnen. Wir stehen ferner. Vergangenheit wirksam: gewesenen Sonnentätig-
mitten in einem Prozeß, der vielleicht von manchem be- keit: Licht, das .in unermeßlicher Fülle zur Erde nieder-
dauert werden mag, der aber unwiderruflich ‘und un: fioß, bildete einst..den Leib von Pfauzen, in einer Zeit,
aufhaltsam fortschreitet. - Ein‘ Hochofexarbeiter, _ein- da der.Leib der Erde noch in Bewegung war. So gerie-.
Chauffeur, — sie sind .andere Menschen’ als die alten: ten die 'mächtigen Stämme. einstiger Baumriesen in die
Schmiede und Kutscher. Sie‘ vermögen nicht mehr mit Tiefenschichten der Erde und wurden dort bis zum heu-
dem Weltbilde des Mittelalters: zu leben. Sie- können tigen. Tage. bewahrt. Indem wir. nun dem dunklen Schoß
nicht mehr im’ alten Sinne fromm sein. Viel wird: für das der Erde .diese schwarzen Lebensreste wieder entreißen
zukünftige religiöse Leben darauf aukominen, daß ‘dieser und zutage fördern, entbinden wir aus ihnen, was einst
7

Tatbeständ' yon -:Gründ- auf ‘verstanden und durchschaut das. Sonnenlicht in sie hineingebettet hat: Licht, Wärme
wird. In alten Völkern galt die’ Schmiedekunst noch als und Leben. Indem der Mensch. durch die Kohle die Ver-
heilige Kunst, die der Tempelweisheit' entstammte.. Ein- dichtungen.. einstiger Sonnentaten, die durch Jahrtau-
geweihte'waren es, die sie verstanden — man- denke an sende in .der Verborgenheit ruhten, wieder entbindet,
Prometheüs, der den’ Göttern das Feuwer-raubte, an- die umgibt. er sich real mit den Restwirkungen ‘einer Hnest
germanischen- Schwertschmiede-- Mimir, -Siegfried :- und versunkenen Götterwelt.
Wieland! Als Halbgötter wurden sie verehrt, als Prophe- Die Speicherung- von Sonnenenergien in der Kohle ist.
ten einer heraufkommenden- Ichheit. Sie lebten einen im themischen Sinne an. das Element Kohlenstoff ge-
Typus Mensch ‘dar, der sich nicht mehr nur von. den bunden. Holz enthält 50%,-Steinkohle 83%. Kohlenstoff.
Göttern abhängig weiß, sondern der die Fähigkeit er- In Holz und Kohle erscheint der Kohlenstoff in gefessel-
langt hat, Schmied des eigenen Werkes zü - sein. ter Form, gleichsam als-Leichnam. Wie aber ist er wirk-

103
_

sam, wenn er frei ist oder durch. die Feuerflamme zu sam: sein: Der -Kohlenstoff. als Träger
neuem Dienst im Erdenleben entbunden wurde? - der’ Gestaltung’im-Dienste der Sonne,
Man. ist berechtigt, in bezug „auf. die Lebensvorgänge das Eisen als Erkrafter im Dienste des
der Bude von einer "Allgegenwart des Koblenstoffes zu Leb&öns der Erde. Dieselben- Elemente, welche
sprechen. Es- gibt kein Leben auf Erden, das nicht durch heute dutch den Menschen in so gewaltiger und eigen-
den Kohlenstoff die’gestältete Form erhält. Jedes Kraut, williger Weise in den Dienst der Zivilisation hineinge-

sone
jeder Baum, jedes Tier — kurz, jede Zelle eines leben- rissen worden sind, werden seit Utzeiten im Dienste des
digen Organismus ist mit Hilfe dieses Elementes gebil- schaffenden Weltengeistes im Zusammenwirken von
det.:Meuschlich gesprochen: der Weltengeist bedient sich Sonne und Erde zum’ Aufbau des Löibes ‘und Blutes
des Kohlenstoffes zur Gestältbildung des lebendigen des Menschen verwandt:
. "x
Leibes.. Es gibt keinen organischen Leib,
im großen wie im kleinen, ohne Köhlenstoff. Er
ist unter den Elementen der eigentliche Baumeister. Auch Erfaßt man diese Tatsachen in ihrer vollen Bedeutung,
der Leib des Menschen besteht seinem Grundgerüst nach so steht man Yor. einem 'der. tiefsten Probleme der
aus Kohlenstoff. Nur 'daß bei ihm im Gegensatz zu den Menschheit. Niemand versteht in Wahrheit'den mensch-
Pflanzen im Stöffwechsel fortgesetzt ein Überschuß an lichen Atmüngsvorgang, den. menschlichen Blutkreislauf,
Kohlenstoff entsteht, der mit der Ausatmung der Welt der in denselben nur physiologische Vorgänge ‘sieht.
zurückgegeben wird. Dies weist auf bedeutsame Zusam- Man mag noch so genau wissen, wie im Einatmen. das
menhänge hin. Wir "begnügen: üns mit’ der Tatsache: iu Eisen den- Sauerstoff bindet und: wie im: Ausatmen Koh-
aller Leibeskildung wirkt. ein Kohlen- lenstoff als Kohlensäure’ ausgeschieden wird, man hat
stoffprozeß. damit doch nur die eine Seite der. Wirklichkeit durch-
Auch das Eisen ist allgegenwärtig. ie gibt Orte auf schaut. Denn es darf nicht übersehen werden, daß beim
unserer'Erde, an denen das Eisen in ‚gewaltiger Konzen- wachenden Menschen diese Prozesse sich jederzeit .so
tration vorhanden ist. Man denke an die Magnetberge abspielen; daß in ihnen gleichzeitig ‘alle seelischen Re-
am Ural und in Österteich- oder an die schwedischen Erz- guüigen 'auf--und :nieder schwingen. Durch die Brust des
gruben; die kürzlich durch den Kampf um Narvik. im Menschen, durdi Atem’ und Herzschlag wogt nicht nur
Mittelpunkt mönschlicher Interessengegensätze standen. das ' eisenhaltige, : kohlenstoffgesättigte oder‘ befreite
Zu ‚solchem massiven Erscheinen kommt über den gau- Blut, sondern zugleich alles, wozu ein Mensch an Ge-
zen Erdball feinst verteiltes Eisen kinzu, das in: jeder: fühlen’ und Empfindungen fähig ist. Furcht und Schrek-
Erdscholle vorhanden -und gleich dem Kohlenstoff für ken lassen: den Menschen jäh erbleichen, Scham treibt
alle Lebewesen zur Existenz unerläßlich ist. Mar’ mag ihm die Blutröte: ins Antlitz. Doch das sind nur die
einer Pflanze diesen oder jenen wichtigen Stoff entzie- sinnfälligsten Äußerungen der auf den Bahnen des Blu-
hen, — man wird beobachten, daß' sie daraufhin ver- tes, ‚his. in die Leibesgestaltung hinein wirksamen Seele.
kümmert, klein bleibt oder dergl. Doch sie wird er- Jede Sehnsucht, jede Hoffnung, jedes Freudeerlebnis
bildet ebenso an der Substanz des Blutes wie jede Ent-
grünen und den Mangel‘ durch andere Lebenstätigkeit zu
ersetzen suchen. Wird aber das Eisen der Pflanze völlig täuschung und Niedergeschlagenheit, jede Entbehrung,
entzogen, so wird sie selbst im hellsten Sonnenlichte die ein Menschenherz auf sich nehmen 'muß, jede Trauer
bleich werden wie die Kartoffelschosse im Keller und und jeder Schmerz. Im Herzen des Menschen begegaen
kraftlos dahinsiechen. Daraus wird deutlich, daß das unaufhörlich einander beide Welten: die dynamischen
Eisen jene Kraft in sich birgt, durch die der Pflanzen- Kräfte der Stoffeswelt (= alles, was durch Nahrung und
leib sich von- der Erde erheben und des Lebens der Sinneswahrnehmung aufgenommen wurde) und die Re-
Sonne teilhaftig werden kann. Mit Hilfe des Eisens er- gungen der Geistseele des Menschen. Das Blut ist der
grünt die Pflanze und entreißt sich der Unterwerfung Schauplatz dieser ständigen Begegnung. Ein Schauplatz,
der Erdenschwere. Der grüne Pflanzensaft ist der in diesem Aufeinanderstoßen zweier Welten selbst:
ein Gebeimnis des Eisens. Hiermit wird schon unausgesetzt der Veränderung unterliegt. Denn anders: -
deutlich, welche unermeßliche Bedeutung das Eisen für ist das Blut’ eines Menschen beschaffen, der fortgesetzt
den Stoffwechsel von Tier und Mensch hat, der sich bei getrieben und gepeitscht wird von unbeherrschter Lei-
denschaft, anders das Blut eines Menschen, durch den
beiden Reichen auf der Grundlage der ergrünenden
tagtäglich große und reine Gedanken ziehen und ihre
Pflanzendecke vollzieht. Noch eindringlicher tritt uns die
Bedeutung des Eisens entgegen, wenn wir beachten, daß überwindende Kraft betätigen. .
es keinen Tropfen roten Blutes bei Tier und Mensch Nicht umsonst bestand ein wesentlicher Teil des vor-
gibt, in dem nicht das Eisen die entscheidende Rolle christlichen Frömmigkeitlebens i in der Übung des
Atems.
spielt. Ein Mensch, in dessen Blut der Eisenprozeß zu Bis in unsere Zeit, wenn auch heute zumeist in sehr
schwach ist, wird zur- Ohnmacht verdammt. Auch er ver- dekadenter Form, haben sich die Lehren der alten indi-
mag sich nicht mehr genügend der Erdenschwere zu ent- schen Yogis erhalten, die durch die Atmungskunst .die
reißen. Von der Blutarmut bis zur perniziösen Anämie Verbindung der Seele des Menschen mit dem Geiste des
gibt es alle Übergänge der Gefährdungen des Menschen- Gottes herbeizuführen suchten. Das können und dürfen
lebens durch den Mangel an: Eisenvorgängen im Blute. nicht mehr die Wege des Gegenwartsmenschen sein. Für
Wie die Bildung eines gesundem Leibes ihn: gilt. die umgekehrte Erfahrung: nicht durch den
letzten Endesanden Kohlenstoff gebun- Atem'die Seele zu erheben, sondern durch die Tätigkeit
denist, so muß im Blute das Eisen wirk- der Seele bis in den :Atmungsvorgang 'und Blutkreislauf

104
erneuernd zu wirken. Es ist:eine häufig zu. beobächtende unterliegen der unerbittlichen Fordermg: von sich
Tatsache, daß die Unruhe'der Seele eine unrythmische selber abzusehen. Und einem Geschlect. das in
Atmung zur Folge hat, daß saber auch die. Ruhe der einer. solchen grandiösen „Schule zur Objektivität und
Seele unendlich viel Heilsames im Blutstrom zu voll- Sachlichkeit“ lebt, kann auf religiösem Felde nicht mehr
bringen vermag. Jede stille Stunde, die ein Mensch be- durch ein Christentum geholfen werden, das sich vor-
nme Se

wußt in sein Leben einbaut, ist auch von Bedeutung für nehmlich. an die subjektiven Empfindungen und Bedürf-
seinen Leib und sein Blut. Damit haben wir den Gegen- wisse des Einzelnen wendet. Die Zeit des nur gemüt-
pol des Kohle- und -Eisenproblemes berührt. Auch vollen Christentums ist endgültig abgelaufen. Heute
der beteade Mensch geht mit Kohle und muß das Christentum selber die Fortsetzung und Er-
Eisen um. Auch er bedient sich im realsten — wenn füllung- der’ Lebensschule werden. Eine solche Schule ist
auch zumeist völlig .unbewußten — Sinne dieser beiden der rechtverstandene, christliche. Kultus. In ihm wird
Elemente zum Aufbau seines Leibes. und'.Blutes. In .dem jene ‘Fähigkeit ‘geübt, ohne die .das Menschenleben auf
Maße, ‘wie die Substanz ünd Kraft des Gebetes zu- die Dauer seelisch verödet und leer wird: die überper-
nimmt, greift sie verwandelnd, transsubstaäntüerend. in sönliche- Liebe als. Gestaltungskraft des Lebens. Es ist
den im Leibe wirksamen feinen ‘Kohlenstoff; in den im jene .sonnenhäfte, von Weisheit geleükte Liebe, von der
Blute'. wellenden Eisenprözeß ein. Alles Gerede vom der Apostel Paulus im Uüterschiede von aller nur sub-
neuen Menschen bleibt Phrase und. trägt- nur dazu .bei, jektiven. Liebesleidenschaft sagt:
. „sie suchet nicht das
daß der neue -Meäsch nicht verwirklicht wird, wenn nicht Ihre“. Indem der Mensch gelernt hat, von sich selber
dieser „neue Mensch“-.eine solche Inneikraft entwickelt, abzusehen und :trotzdem Willensstärke im - Tageswerk
daß durch diese nach und.nach, sicher zunächst im Stillen zu entfalten, ist er vorbereitet, diesen Willen geistig zu
ünd UnYernierkten, aber doch. real bis in Leib: und Blut wenden und sich zum persönlichen Träger der überper-
hinein, eine Verwandlung stattfindet. Hier wird die Auf- sönlichen. Gestaltungskraft der Christusliebe zu machen.
gabe des Christentums in unserem : Zeitalter deutlich. In :einer‘ solchen Willenswendung- wird zugleich tiefste
Nur wenn zu dem äußeren, groben Umgang mit Kohle Bejabung unseres Zeitalters. gefunden, einschließlich all
und Eisen auch die feine innere: Hardhabung derselben des Schwereh, ‚das es birgt. Bislang’ sind gewältige Wil-
Elemente hinzukommt,’so daß der Mensch wirklich als lensenergien tätig im’ Abbruch der Erde und im Schaffen
ein verwandelider Meister über seinen eigenen feinen des eisernen Mehschenwerkes. Zum’ däuernden Heil und
Leib- (Kohle). und Blut- (Eisen) prozeß angesprochen wer- Segen kann dieser Prozeß werden, wenn die gewonnene
den kann, wird er auch „Herr über. die Maschine“ sein Willessstärke ihre Verwandlung findet und bereit wird,
können. Nur, der sein Innenleben regelmäßig stärkende zur Erdentat die Geistestat hinzuzufügen. Zu einem
Mensch wird aüch’ den sich ständig steigernden Änforde- Solchen Handeln "aus dem "Geistwillen Heraus ‘ist im
rungen unseres Zeitalters auf die Dauer gewachsen sein. sakramentalen Umgang wit Brot und’ Wein der Mensch
So wichtig wie Siedlungswohnungen;, Urlaub"und Preis’ aufgerufen. Der kreätürliche Mensch iöt so veranlagt,
zeitgestaltung als Gegengewichte zur Berufsarbeit auch daß er um seiner Existenz willen wnmausgesetzt an der
sind, so viel auch Erleichterndes durch planmäfige und Erde Raubbau treibt und. sie ihrem Ende, wenn auch in
Schönheit anstrebende Organisation der Arbeit geschaf- fernerer Zukunft, entgegentreibt. Der zum Geiste, für
fen werden kann, das alles genügt nicht, um dem Ein- den Geist. erwachte Mensch sucht zu diesen „Nehmen“
‘zelnen -auf der Höhe seines wahren Menschtums zu hal- das „Geben“ hinzuzufügen. Und was kann in diesem
ten. Zu stark sind die Kräfte der Ermüdung, die so Sinne der Mensch geben? Das Reich der Liebe! Weis-
leicht das individuelle, geistig-seelische Leben zur Ohn- heit, Schönheit und Macht sind sowohl in der Natur wie
macht verdammen. Allein der besinnliche Mensch, der ivı Menschen vorhanden. -Daß aber die Erde zum Plane-
dem Rhythmus der Berufsarbeit den Rhythmus der täg- ten der Liebe wird, das allein liegt am Menschen. Am
lichen, imeditativ-gebetsartigen Innenarbeit hinzufüst, freien Willen des Menschen, ‘der sich zum objektiven
wird im vollen Sinne seine Menschenwürde bewahren Träger der Christus:Liebe macht. Einst wird wahr wer-
können, Daß dies noch nicht allseitig empfunden und den: „Himmel und Erde werden vergehen“ — und mit
eingesehen wird, rührt. u.a. davon her, daß viele ‚heute ihnen die’aus dem Abbau der Erde geschaffenen Eisen:
lebende Menschen 'noch von dem religiösen Erbgut ihrer werke der Menschen. Aber ‘nicht vergehen wird, was in
Väter zehren. Doch’ ist deutlich, daß dieser: Erbbesitz der Stille des Gebetes, was auf den Altären durch die
räpide dahinschwindet. Ist er verbraucht, wird entweder Kraft .der Transsubstäntiation inmitten einer zerbrök-
das Bild vom Menschen bis .zur- Verkehrung in sein kelnden Erde zu wachsen begonnen hat.
Gegeüteil entstellt werden, das heißt, es wird das Leben Draußen 'auf der Erde Aammen die Hochöfen. Feuer-
unter dem Niveau des dem Geiste dienenden Menschen gluten der alten, äußeren Sonne schmelzen das Eisen
geführt, oder aber es wird der Entschluß gefaßt, in dem zum’ Menschenwerke. Drinnen in den Weiheräumien
bier angedeuteten Sinne, der äußeren die innere .ener- handeln an’ den Altären am Zeitalter erwachte Menschen.
gische Betätigung hinzuzufügen. Ihr Wille ist es, die Flammen des Feuers zu schüren,
Die .beüte lebende Generation geht dürch eine herbe das aus der neuen, inneren Sonne, der Christus-Sonne,
Schule.- In dieser wird nicht ‘nach. dem persönlichen stamint. Sie schmieden eine Welt, die nicht vergeht. —
Woblbefinden, sondern allein’ nach der 'sachlicien. Lei- Schmiede Michaels im Dienste des Christus, so möchte
stung gefragt. Ob es die Millionen zu’ den Waffen geru- man diese Menschen nennen.
fenen Kämpfer sind, die Rüstungsarbeiter in den Werk- ! . Johannes Hemleben °
stätten oder die Techniker in den Büros — sie alle

105
Michael: einst und jetzt. „8 he

ee (Hierzu die Biläbeilage)

Ich bin durch die stillen, staubigen Straßen eines den. Davon allerdings. wird ı man in- dem Maße abkom-
oberitalienischen - Städtchens gegangen; das einmal der men, ‚als man einen Überblick über die uns "erhaltenen
Brennpunkt ‘wichtiger historischer Entwicklungen ge- romanischen "Tierplastiken gewinnt. Insbesondere an den
wesen ist: Pavia. Vor einer: Kirche stehe‘ ich gebannt romanischen -- Kirchen Oberitaliens ‘begegnen wir den
still, deren .grüngelbe, stark - verwitterte‘ - Sandstein- „Bestiarien“ -in einem ‘solchen Reichtum, daß man er-
fassade imposant aufgetürmt ist und au -dem stillen, kennen muß: hier’ sprudelt einfach die unerschöpfliche
fast vereinsamten Rande der Stadt’ eine -fast geister- Quelle eines bestimmten älten :Bilder-Erlebens- spiele-
haft-dröhnende :Sprache spricht: Es ist San- Michele di risch-verschwenderisch ihre Fülle hervor. Die Michaels-
Pavia, :die Kirche des Erzengels Michael. kirche zu Pavia ist in dem-Ganzen der ‚Höhepunkt und
Die breite Giebelwand ist in drei ‘Portalfelder geglie- das 'ausstiahlende Zentrum: "
dert und oben durch Fenster und eine Giebelgalerie mit :Es ist: selten, daß, wie in Pavia, die Gestalt Michaels
Säulen und Rundbögen durchbrochen. ‘Was aber :insbe- mit’ den Tierfiguren unmittelbar verbunden erscheint.
sondere. an ihr auffallen muß, ist die Fülle von mythi- Aber es kann uns vor der Fassade von San Michele klar
schen Relieffiguren, die’ in vielen breiten Bandstreifen werden, daß auch.da, wo ‘.die Erzengelgestalt fehlt; die
in den Sandstein der Fassade. gemeißelt sind :ünd -von mythologische. Plastik im Zusammenhang mit" den
“ denen, wie wir bald entdecken, der Bau ringsum über- Michaels-Mysterien steht: hinter dem’ Tiergewimmel
sät ist. Tiergestalten ohne Zahl, phantastisch geformt, schreitet irmmer, sichtbar. oder unsichtbar, der Erzengel
teils drachenähnlich, teils auch an solche Tiere anklin- Michael einher. - |
gend, die es in der physischen Wirklichkeit gibt; wim- Durch die vielen feierlichen Michaels- Gestalten steht
meln uns .aus- dem verwitternden Gestein entgegen. die Kirche San Michele in Pavia in der breiten Strö-
In und über den Rundbogen sämtlicher Portale und mung und Geschichte eines Bildmotivs darin, das von
Türen der Kirche erblicken wir -das zweite plastische den . Ausgängen der Völkerwanderung an eine -außer-
Motiv: überall erhebt sich majestätisch, in feierlicher ordentliche Rolle gespielt hat: Seit dem Eintritt der ger-
Ruhe, scharf’ kontrastierend mit dem kriechenden - und manischen Völkerschaften in den Bereich des "Christen-
sich windenden. Getier und Gewürm, die hehre Gestalt tums "gibt es, zur Zeit der Kreuzzüge ganz besonders
des Erzengels Michael mit Reichsapfel und Szepter in anschwellend, eine Fülle von Bilddarstellungen des. den
den Händen. An einigen wichtigen Stellen ist er dar- Drachen besiegenden Erzengels. Das geht bis in das Zeit-
gestellt, wie er den Fuß auf den. besiegten Drachen alter der Reformation. Danach, vom Barock an, hören
setzt. Weitaus die meisten der vielen Erzengelbilder je- die, Michaeldarstellungen zwar nicht auf, werden aber
doch zeigen ihn allein, ‘über jeden Kampf und alle traditionell und spielerisch-leer. Welches Erlebnis tut
Feindgewalten bereits weit hinausgehoben. Ist hier. der sich in den mittelalterlichen Michael-Bildern kund? Die
Drache, den Michael besiegt, in das ganze Reich von Jahrhunderte, in denen diese Bilder entstanden, 'lagen
Fabel- und Erdentieren aufgelöst und ausgebreitet, das in keinem solchen Zeitalter, das geistig unter der Erz
die Hände der Steinmetzen auf alle Außenwände der engelführung Michaels stand. Sie bilden vielmehr eine
Kirche hingezaubert haben? : Mitte zwischen zwei. Michael-Zeitaltern: Die letzte f
Als ich so in den Anblick des Bauwerkes vertieft war, w Michael-Zeit hatte sich bereits in den Tagen Alexanders
war ‘es mir, als täten sich mir verborgene Hintergründe des Großen ihrem Ende zugeneigt. Und die nächstfol-
des. geschichtlichen Werdens auf. Mit einem Male sah gende, in der wir heute leben, begann erst im. letzten
ich die Lösung einiger historischer Fragen, die mich Drittel. des 19. Jahrhunderts. Vor der Fassade in Pavia
lange beschäftigt hatten, klar vor mir stehen. bietet sich uns von einer bestimmten Seite her eine
Unter den romanischen Kirchen gibt es überall solche, Antwort dar auf die Frage nach dem inneren Ursprung
deren Säulenkapitäle, Portale und Außenwände. mit der mittelalterlichen Michaels-Darstellungen.
seltsamen, oft ganz phantastischen mythologischen Tier- Pavia war, machdem schon Theoderich der Große
figuren geschmückt sind. Dieser Zweig der romanischen gerne dort xesidiert und öfters seinen Königssitz von
Plastik stellt ein schwieriges Rätsel dar. Was sollen diese Ravenna dorthin verlegt hatte, bis auf. die Zeit Karls
„heidnischen“ Bilder an christlichen Kirchen? In den: des Großen. die Hauptstadt. des großen langobardischen
letzten Zeiten ist man auf die mythologischen Relief- Reiches. Die. Michaelskirche - in ihrer ursprünglichen
skulpturen besonders aufmerksam geworden; es hat sich Bauform — sie wurde erst nach 1100 neu erbaut und
vielerorts eine Vorliebe dafür. entwickelt, da man darin erhielt ihre heutige. Gestalt. —.:war die National- und
Dokumente eines „nordischen Christentums“, Beispiele Krönungskirche :der "Langobarden,:. des. den - Schwaben
für den Zusammenfluß der germanischen Mythologie mit nahe verwandten germanischen. Stammes. Nach dem
dem -Christentum sah, Im deutschen Gebiet gibt es Sturz: der langobardischen Könige ließen sich die Könige
solche Bilder z.B. an der Schottenkirche zu Regensburg, von Italien in San Michele zu Pavia krönen, und es
im Dom: zu Quedlinburg, an der Johanniskirche in haben sich. dort schließlick noch die großen deutschen
Schwäbisch-Gmünd, in Schwärzloch. bei Tübingen, in Kaiser wie Otto der Große, Heinrich II. und Friedrich
Andlau:und Rosheim im Elsaß usw. Vielfach sind mytho- Barbarossa die italienische oder.lombardische Königs-
logische oder astrologische Ausdeutungen versucht wor- krone auf das: Haupt setzen lassen: Oberitalien ist ja,

106
indem .es im Ausgang der Völkerwanderung die Basis des mit ihm-streitenden Engels erschlaffte.“ (Mexrumenta
für die Gründung der ersten großen germanischen Germ. hist., Seriptores Tom. IV.)
Reiche bildete, die Wiege des sich allmählich zu einer. Die. germanischen Stämme wurden Christen Tem
einbeitlichen Wesenheit zusammenfindenden deutschen sie zugleich ein Volk wurden. Kein Wunder, daß sie
Volkes gewesen.-In dieser Volkwerdung des ‘Deutsch- Christus und das Christentum ganz im Zeichen Michaels,
tums spielt Pavia und speziell die dortige Kirche ‚des des: Erzengels ihres werdenden Volkes, sahen und er-
Erzengels Michael eine. wichtige Rolle. lebten: Von ‘daher sind all die Kämpfe zwischen den
‚Als die verschiedenartigen:'germanischen Stämme zu Kaisern und den Päpsten innerlich zu verstehen, in
einem Volk und Reich: zusammenwuchsen, geschah nicht denen Pavia stets eine Burg der Kaiser war. Schließlich
nur: etwas auf dem Felde der. äußerlich:sichtbaren : Er- fällt von daher auch ein Licht auf alle die Anläufe zur
eignisse: es spielte sich. damals ‘vor allem ein. grund- Reformation, die aus dem 'christlich-deutschen Geistes-
!legender übersinnlicher Vorgang ab. Eins hohe Führer- leben hervorgegangen sind. Das Christentum der Päpste
/wesenheit aus der Hierarchie der Erzengel senkte‘ sich war den volksbewußten Deutschen nicht michaelisch ge-
herab, um die Seele und der Geist-in. dem Leibe der sich nug. Die Päpste auf der anderen Seite, in ihrem Be-
! bildenden: Volkheit zu werden: ‘der Erzengel Michael mühen, allen ‘christlichen Völkern. gerecht zu werden,
| wurde zum Volksgeist der Deutschen. So ist es kein Zu- hätten, selbst wenn sie gewollt hätten, der speziell
fall, sondern es entspricht genau :dem geistigen Tat- michaelischen Prägung des Christentums keine beson-
bestand, daß eine Kirche, in welcher die Frommen zu deren Vorrechte einräumen können, da diese damals
dem streitbaren Erzengel beteten, bis in die äußeren an ein einzelnes Volk gebunden war. mn
historischen Geschehnisse hinein ein Zentrum in: diesem Michael "wirkte in der Zeit it der Kreuzzüge und noch
Volkswerdungsprozeß bildete. ' Jahrhunderte darüber hinaus in der‘ Blutsströmung des
Zwischen zwei michaelischen: Zeitaltern, in welchen deutschen Volkes. Ein: Ausdruck der: geistigen Selbst-
der Erzengel als Zeitgeist: die ganze fortschreitende findung der Deutschen sind die vielen .mittelalterlichen
Menschheit zu führen hat, übernimmt Michael als Volks- Michaelsdarstellungen und auch die vielen mythischen
geist die Bildung und Führung einer ganz. bestimmten Tierskulpturen an den Kirchen, die man, ‘obwohl zu
Volkheit. Durch die aktive Hingabe an eine Volksauf- ihrer Bauzeit äußerlich das Laugobardentum bereits
gabe bereitete sich: Michael auf seine‘ neue Menschheits- uptergegangen war, „langobardisch-romanische Kirchen“
aufgabe vor. nennt. Der Gegensatz zu dem als kalt und erstarrt emp-
Auch in: den Jahrhunderten vor dem letzten vorchrist- fundenen Christentum des europäischen Südens läßt aus
lichen Michaelzeitalter übernahm der Erzengel zur Vor- den - germanisch-nordischen - Seelen das alte mythische
bereitung auf seine Zeitgeist-Aufgabe ‘und: zugleich zur Bilderbewußtsein noch einmal. hervorsprühen, und all-
Wegbereitung der. Christus-Inkarnation eine Volksfüh- überall schlägt sich als christliche Fortsetzung der ger-
rung: er wurde zum Volksgeist des alttestafientlifheii manischen Mythologie der Mythos vom Siege Michaels
Volkes. Michaels damaliger Eintritt in die seelische über das Drachengewimmel in künstlerischen Darstel:
Sphäre des sich bildenden Volkes, sein Antritt der’ gei- lungen nieder. Michael ist in seiner hehren Gestalt das
stigen Herrschaft über dieses Volk ist im Alten: Testa- Ideal des wahren Menschen; der sich über alles Gewürm
ment dramatisch geschildert in der Szene des nächtlichen des Tierischen siegreich 'erhebi: Deshalb steht der Erz-
Prüfungskampfes, den der Erzvater Jakob an .der engel des neuen ‘wahren Menscheniums unsichtbar auch
Jabok-Furt mit dem Erzengel zu bestehen hatte. Es ist I
da über den Tierplastiken an romanischen Kirchen, wo errlain
&
innerlich aufschlußreich, daß uns aus der :Zeit, wo man ihn selbst nicht dargestellt hat..An San Michele in
Michael zum Erzengel des deutschen Volkes geworden Pavia ist in aller Vollständigkeit und Breite der
war, 'eine Szene berichtet wird, die eine Art mitteleuro- Michaels-Mythos des in das Christentum eingemündeten
päischer Parallele zu dem Jakobskampf ist. Heinrich IL, Germanentums sichtbar.
der letzte Sachsenkaiser (1002-1024), hatte einmal auf Unterdes ist am Ende des 19. Jahrhunderts, als das
dem Monte Gargano, dem Michaelsberg in’ Apulien, nach neue Michael-Zeitalter begann, Michael vom Volksgeist
langem Gebet eine großartige Vision. Er schaute die zum Zeitgeist aufgestiegen und hat menschheitlich zu
strahlenden Hierarchien ‘der Engel zum himmlischen wirken begonnen. Schon 'erzittert die Welt im ganzen.
Gottesdienst versammelt und an ihrer. Spitze, von zuk- unter dem mächtigen Rütteln, durch das der Erzengel
kenden . Blitzen umleuchtet, Michael, den’ Fürsten der’ die Menschheit aus dem Schlafe reißen will. Über die
Engel, der ihm eine Evangelienrolle reichen ließ. Der alten Michaels-Darstellungen hinaus bedürfen wir heute
Kaiser 6rzitterte.” „Als dies der Engel sah, rührte er völlig neuer Vorstellungno und Bilder von Michaels
leise an seine Seite und sprach: ‚Fürchte dich nicht, du Wesen ‘und ‘Wirken, das selber auf eine höhere und
Auserwählter Gottes; steh auf und nimm .das Zeichen umfassendere Ebene emporgestiegen ist. Nur wenn wirf
des "göttlichen: Friedens freudig‘ an.‘ "Und sogleich. er- innerlich gewillt und bereit sind, den Schritt Michaels!
schlaffte sein Scherikel, und von da ab war er sein gan- mitzumachen, können uns darin auch die Zeugnisse der
zes Leben lang lahm.“ Der zeitgenössische Berichterstat- vergangenen, blutsgebundenen Michaels- Wirksamkeit eine
ter fügt hinzu: „Ein in allem ähnliches Ereignis wird Hilfe sein.
vom hl. Jakob erzählt, dessen Seite bei der Berührung Emil Bock
“ Neubeginn
de rolf in
Aus der Begründungszeit

Der "Weltkrieg wär zu Ende gegangen. Der Tod war gewühlteun Seelen, der sozialen Wunderdoktoren mit
über die Erde geschritten und hatte die Menschen aus- ihren Allbeilmitteln, .der: alten Gemeinschaften mit
einandergörissen. Die gemeinsame Not hatte zuerst zu- ihrem bewußten .oder unbewußten Totalitätsanspruch
sammengeführt. Nun war sie zu groß geworden und zer- fand sich eine ‚kleine Gruppe .von Merischen zusammen
Sprengte die Seelen, die riurr Sinnlosigkeit in
i ibr schauen im Bewüßtsein: Hier. ist eine Aufgabe, die sonst nie-
konnten. mand. ergreift: Den heimatlos gewordenen Seelen eine
Der junge ‚Mensch war in einer lebendigen Gemein- Begegnung mit der geistigen Gegenwart des Christus in
schaft aufgewachsen. Die. Gemeinschaft jener Jugend, sich zu vermitteln, und da du rch neue Gemeinschaft zu
die um die‘ Jahrkundertwende aufgebrochen war, das begründen.
neüe Reich zu suchen. Ihre gemeinsame geistige Her- ‚Diesem Erneuerungswillen wurde das Geschenk des
kunft war jedem. offenbar, ‘der ihnen begegnete. Aus erneuerten. Abendwmahles, die Menschenweihehandlung,
ihr schöpften sie, was die Zeitgenossen verloren hatten: zuteil.
Unmittelbares Erleben eines Geistig-Wesenhaften in der Und. trotz unahgeschlossener Ausbildung ind mien-
Natur; Erahnen der Wurzelkräfte des Volkstums und geluder Lebenserfahrung wägte der junge Mensch den
Liebe zur geistigen .Weltaufgabe des Deutschen; Wissen Schritt zur freien Gemeindebildung, weil er wußte: durch
um die unbedingte.. Verpflichtung -der selbständigen und mich wirkt die Gemeinschaft;! der das Christusopfer an-
selbstverantwortlichen Persönlichkeit: zur Gemeinschaft. vertraut ist. Es ist niemand anders da..So muß ich mich
Der Tod: hatte viele weggerufen. Die Not. riß deh zur Verfügung stellen. Es muß gelingen. -
Rest auseinander in den‘ sözialen Kämpfen der Nach- So ging .er in eine Stadt und suchte Menschen, zu
kriegszeit. ; denen er. von diesem: Christusopfer im. Menschehherzen
In der: Seele brannte der verzweifelte Ruf: Es muß sprechen ‚konnte.
döch etwas geschehen. Aus allen’ Augen schaute man den Ein. freundlicher hilfsbereiter Mensch gah ihm ein
jungen Menschen überall’ die bange Frage an nach dem Zimmer.. Andere nahmen ihn zum Essen auf. Und es
Siun des- Lebens angesichts der 12 Millionen Toten. begannen jene kleinen Zusammenkünfte in der Kantine
Die Kirchen schwiegen. Sie konnten über den Tod der Eisenbahnwerkstätte bei. Bier und Zigarettenrauch,
nichts sagen, was ‘an die. tiefen seelischenErfahrungen im Künstleratelier, im Wohnzimmer der Offizierswitwe,
des Krieges hätte anknüpfen könven. So blieb die Auf- im Nebenzimmer der „Goldtante“, überall saßen Men-
erstehung eine bloße Lelire. Auch gegenüber der Not schen zusammen und hörten von dem großen Vierklang
mußten sie verstummen. -Sie konnten den Menschen kei- de! Opfers, von dem Grundgesetz alles Weltgeschehens
nen Weg weisen, die hatten zerstören müssen und nun und Menschenstrebens: Verkündigung, Opferung, Wand-
aufbauen wollten. "Die 'sich’der 'Weltenordnuig gegen- lung und Vereinigung. Bald durfte der junge Mensch
über mitverantwortlich fühlten’ für. das Erdgeschehen. spüren, wie diese Seelen offen waren, wie sie eine neue
Die’ einen Hinweis auf ein besseres Jenseits als zu be- Gottverbundenheit und einen neuen Gottesdienst such-
guem, ja als gotteslästerlich ablehnen mußten. So blieb ten. Es war wohl nicht die Beweiskraft seiner Gedan-
die Forderung der Bruderliebe ein bloßes Gesetz. _ kenführung oder die Gewalt des Wortes, denn oft war
Der junge Mensch fühlte: Eines muß vor allem ver- es nur ein armes Gestammel des im Reden Ungeübten —
sucht werden: . Wege zu bahnen, daß der Mensch’ das was die Menschen aufhorchen ließ. Es war die Verwun-
Göttliche in sich selbst findet und so in Verbindung tre- derung darüber, daß es in dieser Zeit so etwas gab: hei-
ten kann in täglickem Umgang mit dem Geistig-Gött- ligen Erhst und eine fammende Begeisterung für das
lichen in der Welt. Dann wird der Tod wirklich über- Göttliche ohne Forderung der Gefolgschaft, ohne An-
wüunden, und der Suchende wird mit den Einsichten. be- spruch auf Glauben an Bekenntnissätze. Nur ein Hin--
gnadet, ‘die ihm auf der Erde neue NMenschengemein- weisen auf die Seele selbst und ihren Erfahrüngsbereich.
schaft.zu verwirklichen erlauben. Es muß .eine religiöse Oft bricht auch Mißtrauen auf. In lebendiger Eiinne-
Erneuerung erstrebt werden. rung steht ein Abend im Wartezimmer eines Vorstadt-
Die Begegnung mit demi großeri Lehrer der Geistes- volksbades, noch erfüllt vom Dunst der Tagesgäste.
wissenschaft brachte Befreiung. Hier war das exakte Meist Arbeiter und ihre Frauen waren da, und es wurde
Forschen weitergeführt bis zu einer Erkenntnis der Ge- über Kindererziehung und Religion gesprochen. Vieles
samtwesenheit des Menschen, auch seiner übersinnlichen, ward gut aufgenommen, und doch sagte ein verschloös-
geistigen Wesensglieder. Harmonisch fügten sich die vie- sener Arbeiter am Ende: „Das ist sehr schön, aber wer
len Einzelerkenntnisse aller Naturreiche zusammen. Es sagt mir, daß sie nicht von den Jesuiten geschickt sind?“
entstand ein Ausblick in eine Naturkunde; gleichsam Der junge Mensch konnte nur antworten: „Niemand,
eine Physik, Chemie und Physiologie, die von Christus das müssen Sie selbst spüren!“
sprechen kann. Eines Abends tritt er durch eine offene Kirchenpforte,
Nun konäte man wieder auf Grund einer im Erkennt- aus der Gebet ertönt. Maiandacht. Der Priester auf der
nisstreben ehrlichen Theologie sprechen. Kanzel betet vor, die Menge fällt ein. Rhythmisch
Die Begegnung mit den Freunden brachte den Neu- schwingt die Litanei durch den Raum. Das Wogen stei-
begion. In jener Zeit der großen Experimente: der auf- gert sich und nimmt alle Besinnung fort. Ein anderer

108
Priester schreitet zum Schluß mit der NMonstranz durch wächst. Ein Altwarenhändler stellt ein fensterloses Hof-
die Kirche, die Menschen in die Knie zwingend. Der zimmer, sonst Aufbewahrungsort für Bilderrahmen. zur
junge Mensch steht wieder auf der Straße und gelobt Verfügung. Gegenüber im „Rontor“” die Sakristei. Eine
sich: So nicht. So nie. Lieber nur ganz wenige Nen- richtige Katakombe.
u

schen. zu 'einem wirklich wachen Christuserlebnis führen, Die Jugend spielt die alten Volksspiele. Vor vielen
als diese Massen mit den Mitteln alter magischer Seelen- Menschen. Wie aufgeschlossen waren doch die Seelen in
führung zusammenzubinden und an die Kirche zu fes- jener Zeit. Die erste Adventsfeier mit der Jugend.
seln. Wie soll diese Art Gottverbundenheit in das Leben Jeder sitzt still mit seinem Licht im Apfel und schaut
eingreifen, das draußen mit Maschinen vorbeirast und auf das große Licht auf dem Kranz, an dem er es ent-
Wachheit fordert, wenn diese Wachheit : aus der Andacht zündet hat. Und mancher war schon Soldat gewesen!
ausgeschlossen wird? Andere . Jugend, dem Namen nach „Anarchisten”.
Der exste Vortrag im’ größeren Kreis fand zur Voll glühenden Erkenntnisdranges. Viele Abende im
Pfingstzeit statt: Im Nebenraum Tellergeklapper und Elinterzinimer einer Kneipe. Einmal Höhepunkt des Ge-
‘Lärm. Der junge Mensch knüpft an die Jugendbewe- 'spräches: Das Urphänomen des Lebendigen — was war
:gung an; erzäblt vom Gelöbnis auf dem hohen Meißner, ‚eher, das Ei oder die Henne; erhitzte Köpfe über Welt-
das im Krieg mit Blut besiegelt ward, und weist hin rätselfragen. Die Türe fliegt auf: Hände hoch! An die
auf die Gemeinschaft der Zukunft, die alle umfassen Wand gedrängt und Taschen :geleert sind Eines. Die
‚kann, die guten ‘Willens sind, dem Geist zu vertrauen, „Grünen“ voll Freude über den gelungenen Fang einer
den’ der Christus schenkt. Nach 35 Minuten ist er fertig. „verdächtigen“ Jugendgruppe. Fahrt im offenen Wagen
Trotz einiger Verwunderung der Zuhörer schließt er, zum Polizeipräsidium. Stundenlanges -Einzelverhör. Der
weil er nichts mehr zu sagen hat. Herrliche Unbefangen- junge Assessor will sich :Sporen verdienen und kuniet
heit der Jugend, die aufhört, wenn nichts mehr zu sagen ‘dem Leiter des Abends auf der Seele, um am Ende
ist. Nicht immer konnte .er sie bewahren. etwas verdutzt zugeben zu müssen, daß er nur "einen
"Dazwischen die vielen'einzelnen Gespräche. Oft bef- Priester gefangen hatte, der jungen Arbeitern auf neue
tige Auseinandersetzungen. Immer wieder das erschüt- Weise das Evangeliim verkündigte.
'ternde Erlebnis, wenn ihm alte leidgezeichnete, lebens- Im vornehmen Nebenzimmer eines Hotels andere
‚erfahrene. Menschen sagen:: Ein Leben lang haben wir Abende mit Bankbeamteri. Der’ schwerkriegsverletzte
gesucht, und nun bringst du uns; was wir brauchen. Am Gewerkschaftsführer hatte den jungen. Menschen ge-
liebsten sitzt er in. der Küche des Arbeiterfreundes mit beten, mit ihnen über die sozialen Fragen vom Reli-
‚seinen prächtigen Kindern. Da kann er viel erfahren giösen her zu sprechen. Er ‘ist ein guter ‚Freund gewor-
und lernen. ‚den. Auch da war viel zu lernen.
Der ältere Priesterfreund tritt mit in die Arbeit ein. AN das viele Versuchen, häufige Mißlingen und auch
Eitie neue Aufgabe ist damit gegeben, die geistige Ge- .das ‘oft erschütternde, wenn auch ‚seltene Gelingen wäre
meinschaft im Alltage zu verwirklichen. Die Reife und kaum so zu tragen gewesen, wäre nicht draußen am See
Güte des Älteren hilft über manche Schwierigkeit bin- der stille große kranke Freund gewesen in seinem Gar-
weg. Der Tatendrang und die Stoßkraft der Jugend ver- ten. Wenn es: gar nicht mehr ‚ging, fuhr der junge
sucht weiter den äußeren Weg zu bahnen. Mensch zu ‘Michael Bauer. und seiner getreuen gastlichen
Zu Advent dann die erste Weihehandlung im Künstler- Pflegerin'"hinaus,:und oft war es gar nicht mehr nötig
atelier vor dem vorbereiteten Kreis. Ein kleiner Raum. ‘zu fragen; wenn er ‘in -diese gütigen, ‘weisen Augen
Aber die Andacht der ersten Liebe. Soviel stille dank- schauen durfte, oder es genügte‘ .das’ Erzählen, wenn er
bare Beglückung: . Wir dürfen wieder beten. Und nun so liebevoll’ jede kleinste Einzelheit ‘der Arbeit wissen
von Fest zu Fest die Zeitengebete, das überwältigend wöllte, um: zur Klarbeit zu kommen.
Neue im christlichen Kultus. Die ganze Natur drinnen Ein Wort ‘oft erhellte einen. Menschen, oder eine
und doch erhöht. und gewandelt -zum Seelenjahr. Alles ‚schwierige Lage. Und: das‘ Vertrauen dieses Weisen gab
zum. erstenmal erlebt! \ . immer 'wieder'Mut.
Ion.

"Welche 'Verschlungenen Wege gingen oft die Menschen Wie geduldig und treu und hilfreich waren jene ersten
worker;’ ‘die -sich ‘hier zusammenfanden. Die: Lebens- Menschen; die den: Ruf: vernahmen. Unter ihnen ent-
reform, politische Betätigung, örtliche Geistigkeit und standen die ersten Gemeinden, die nicht auf einer neuen
anderes waren’ "Vorbereitungsstufen gewesen. ‘oder alten Lehre; nicht auf einem neuen oder alten Be-
- Immer ‘wieder äber konnte der junge, Mensch spüren: kenntnis, nur auf dem Erleben des Christusopfers im
Die vielen Toten des Weltkrieges sind die eigentlichen 1Menschenherzen gegründet sind. Sie werden ihre Auf-
Erschließer der:-Herzen. gabe finden und- erfüllen “in der Gegenwart bis in eine
"Das Atelier wird zu eng.’ Die Not der- Inflationszeit weite Zukunft hinein. \ Gerhard Klein‘

Umschau
Die-Alten und die Jungen worden sind. ‘Als glülender Bewunderer der Dynamik
In‘ der Deutschen Allgemeinen Zeitung hat Jakob und Leistung deutscher Jugend kann er — ein Vertre-
Schaffner, der ‘deutsche schweizer Dichter, eine ter der älteren Generation — seine Sorge nicht ver-
Reihe von Aufsätzen veröffentlicht, die viel: beachtet hehlen, ob. man über den vielen Taten und dem Lärm

109
.der Technik: nicht die- wahre Kultur vergißt, die ‘uns in Tritt. ‚Aber er. gestattet, nicht, darin. etwas Mystisches,
‚den. Kunstwerken früherer. Zeiten überliefert ist und über. dem _verstandesmäßigen „Erkennen Liegendes zu
für’ unsere Zeit, erst. gestaltet werden muß. Freundlich sehen. Er verbietet -den Glauben-
an eine reale Geist-
und behutsam mahnt er die Jungen, „des inneren Lich- welt. „Die ganze Spekuliererei muß :man psychologisch
tes nicht. zu vergessen und der heimlichen Stille. im ‚erklären. . In’ der. materialistischen Zeit waren ..die. er-
Herzen“ ...: „weil Ihr vor lauter Geschichte und politi- lösungsucheniden Jenseitsgläubigen die Kranken, in der
scher Dynamik kaum zur Besinnung und zum freien kommenden Zeit werden: es die ‚Okkult-Mystiker sein.
geistigen Erleben kommt“. Er empfiehlt, den unschöpfe- Daß sie nicht
so. zahlreich sein: swerden, dafür werden
rischen „Rulturismus“ ‘der verflossenen. bürgerlichen wir sorgen. Der Feind ist. erkaünt.: Wir: werden ihn
Bildungsepoche zwar über Bord zu werfen, die: vielfach ärztlich behandeln...“ „Zugepackt wird‘ gleich.“ „Ein
aber 'dahinterstehende wahre Kultur von der älteren Leben ohne Sturm ist i kein Leben.“ “
Generation zu-übernehmen. Er findet es nicht. nur be- Wir dürfen: in solchen: Äußerungen. allerdings "echte
denklich, sondern auch falsch,. wenn so geredet wird, als ‚Kennzeichen unserer Zeit‘sehen. Da. bricht allenthalben
bedürfe der moderne !technisch orientierte. Mensch der ‚ein Wille hervor, der seinen menschlichen ‚Trägern selbst
Ehrfurcht nicht mehr, 'weil-ja.so gut wie alles erforsch- rätselhaft. ist. und ihnen weit über-den Köpf wächst. In
lich und’ lenkbar geworden 'sei. Nein: Ehrfurcht sei auch diesem Willen .ist viel reine: Hingabe, viel. Kraft zur
heute .da, und zwar: ganz. elementar,, nur: daß: sie sich ‚Gestaltung einer’ neuen und berechtigte Ablehnung der
nicht :an-“ein Jenseits wendet, wie früher, sondern an alten, morsch : gewordenen : Welt. 'Michaelisches: Eisen.
‚das. Diesseits, an die bewunderte, vom tiefsten ‚Glauben Dahinein mischt sich aber- ein Denken, :das weitgehend
‚getragene menschliche. Persönlichkeit. : doch aus’ dem Naterialiimus ‘stammt — aus ‘Mangel. an
Ia der gleichen Zeitung - antwortet ihm ein, Soldat geistgemäßen Begriffen für (die wuchtigen Vorgänge‘ des
vom Felde.aus. Einer, der.:sich ‚begeistert. als Vertreter Zeiterlebens.: Schlacke: im Eisen... 'Jawohl: jede Jen-
‚der jungen: Kämpfergerieration :weiß. Aus -dessen: Aus- seitssehnsucht .is:t heute’ falsch. :.Es genügt weder ein
führungen, die Jakob ‚Schaffner ‚sozusagen. freundschaft- Rückblick auf. verflossene Kultur,.’noch das bloße Er-
lich auf die Schulter-.'klopfen, ist:’eines wichtig. .-Ihr -gänzen der Technik durch eine: von außen hinzugefügte
Alten, sagt .er, wollt eine--Kultur ‘bewahren trotz und Seelenkultur (die sogenannte „geistige Betreuung“). Und
neben der: Technik, Radio, Auto; Motorschiff und: -Flüg- ‚doch wird aus’ bloßer Liebe:zur Technik und: der :Be-
zeug. sind. Dinge, die Ihr zwar: ertragen, aber‘nicht mit rauschung.am Erfolg nie: eine Zukunftskultur erwachsen.
-Wärme - umhegen: könnt. : Und. insofern. Ihr ‚Euch eben Es: handelt sich in "Wirklichkeit darum, daß die ‚gleiche
‚doch zurücksehnt zu der „reinen. Kultur‘ v.or allen die- Hingabe ünd Exaktheit, die der Teckzik gilt, auch den den
sen harten maschinellen... Erfindüngen,.. seid Ihr. rück. inneren Aufgaben ‚gewidmet werde, Modern "verst verstanden,
‚schrittlich.. Wir: Juuigen’aber fürchten diese: Dinge nicht, Führen Seeletpflege und Religion nicht ins Jensäts, son-i
-wir bangen.bei der’ Hingabe an- die-materielle Welt nicht demm zum. echten Ergreifen der: Erdentatsachen :-selbst.:
um unsere. Seele, sondern wir-lieben- die Welt der Das Eisen will als geistig e..Hochgewalt erfaßt :wer-
Technik... „Seele-.und. -Freiheit: sind: überaltertz::Dinge, ‚den. Wenn: der: junge Flieger meint, verschwömniene
Charakter sind alles.“. Die Jugend. schaffe..auf lange Mystik‘ energisch: bekämpfen zu müssen, so ist däs nur
Sicht für kommende: Jahrtausend«! Da ıiüsse :man hart gut. Aber er kanrite noch nicht dasjenige Denken,- das in
sein. „Das- Reich muß ein- einziges’Sparta werden.“ .,Ich aller- Klarheit über- sich selbst hinaus fortgesetät: Zum
sehe die schönen, lichten, warmen: ‚Abendhügel nirgends Ergreifen einer. geistigen Wirlichkeit hinführt: Zum! Er-
in dieser Wirklichkeit.“ > kenüen des Lichtes des wiederkommenden. Gottes. .
: Ähnliche: Töne kann 'man in einem Buch finden: „Der 2: - : Kutv von Wistinighausen
Sieg des Lebens ist der .Sion der‘ Welt“ von Rüdiger :
‚von Steinbach - (Leipzig.1940)..
Es enthält auf 250 Seiten : bleme B , a .
und seelische > Prö
„Geistige
©
Am jetzigen Kriege
‚eine-ungeheure Fülle lebensphilosophischer: Bemerkün-
gen und geistreicher Thesen und wird’ einem. allerdings
bemerkenswert, werin: man: ‘erfährt, daß der Verfasser ist der ‚Titel einer vom Oberkommando-: der. Wehrmacht
als. achtzehnjähriger--Elieger unlängst- wahrscheinlich.
den herausgegebenen ‘Schrift ‘von ‚Generalleutnant; ‚Dr. .E..c.
Heldentod erlitten hat:’Auch!hier nehmen. die: Gedanken von Rabenau :(Zentralverlag der _NSD.AP):::Der Verfas-
eine--außerordentlich willensbafte. Prägung. an. Sie sind ser geht, um auf .das. große Rätsel übexsinnlicher. Fakto-
nur ein aphoristisch übergeworfenes Kleid: des erstaun- ren im Kriegsverlauf hinzuweisen,.von der. Schlacht auf
lich zielbewußten. Willens.zur Formung der Welt durch den Ratalaunischen' Feldern aus; in. welcher im. Jahre 451
Lebenshingabe, technische -. Wissenschaft - und Macht. die Hunnen durch die Römer besiegt wurden: -„Geheim-
Andere Geisteshaltungen haben da keinen Platz.‘ Wenn nisse ‚umweben '.die Schlacht... .Die...Legende: will, die
heute jemand unser Gegner ist, dann nicht weil er da Wut des Kampfes sei derart gewesen, daß die Seelen
ist oder im Wege, sondern weil er sich der größeren und, Geister der Erschlagenen noch während des
Einheit nicht einordnet.“ „Das Christentum ist erfüllt.‘ Kampfes auf der Erde und nach diesem Kampfe auf
Das jüngste Gericht ist über die Erde gekommen. Und dem Wege zum Himmel und zur Hölle weitergekämpft
Gott ist wiedergekehrt;-im- Lichte seiner Heerschären: hätten. Der Kampf der 'Geister"ünd ‘Seelen im Kriege,
Nein! Als Licht !selbst!’ Das” Erfüllte aber das-ist das Katalaunische: Problem.“;-General v. Rabenau
stirbt...“ Die Phänomene des Übersinnlichen. beobach- glaubt nicht;"daß diese Legende unmittelbare Wahrheit
tet und anerkeunt der junge Verfasser auf Schritt und enthält.: Er: erklärt. sie: sich: vielmehr. aus- einem; Gefühl

110
für-:die- geistesgeschichtliche Bedeutung der strategisch Der Michaelstag und das „dynamische Jahr“
Bm

an.und für sich ficht’so wesentlichen Schlacht: Europa


In den letzten Jahren brachte die wissenschaftliche
wurde dadurch - vor der Gefah der Asiatisierung -er- Zeitschrift , ‚Forschungen und Fortschritte“ gelezentlich
rettet. Es heißt dann weiter: „Sehen wir zu, wie es um
(20.4. 1936 und 20. 4. 1939) Berichte des Münchener
die Frage heute steht. Das Katalaunische Problem ist: Meteorologen Prof. Schmauß über „Kalendermäßize Bin-
in unerbittlicher Härte beute und in diesem Kriege da. dungen im Wettergeschehen“. Die Forscher rersuchen
Es ist da, ob uns das lieb oder leid ist, ob wir es an-
durch langjährige Beobachtungen, Statistiken und Yer-
erkennen oder nicht... Einmal müssen wir uns bewußt -
gleichungen in der scheinbar völlig unberechenbaren und
sein, daß Deutschland in diesem Kriege nicht für seine
regellosen Großwetterlage Europas „einer im Ünter-
Sache allein kämpft. Tatsächlich will eine neue Zeit an-
grunde vorhandenen Struktur‘ und Gesetzmäßigkeit auf
brechen, und ihr Vorkämpfer ist für ganz Europa ein die Spur zu kommen, derzufolge bestimmte Kalender-
neues Deutschland. Damit. ‚ist. aber etwas. sehr, ‚sehr:
tage‘ bleibende Kuotenpunkte im Wellengang des
Wichtiges angedeutet: Dieser Krieg hat als Problem. den :Wetterwechsels sind. ‚Interessant ist an den noch recht
Frieden. Vielleicht stellt dieser Frieden vor noch viel tastenden. Ergebnissen, . daß ‘durch sie dem Michaelstag
größere Aufgaben als dieser Krieg. Ein Volk muß sehr eine, besondere Rolle zugewiesen wird. „Das dynamische
m

viel können, wenn es so raumweite Aufgaben des kom- Jahr, wie wir es nennen können, beginnt im Durch-
menden Friedens erfüllen will... Man wacht uns -im:
schnitt am 29. September :.. mit einem Minimum in der
Auslande den Vorwurf der Ungeistigkeit. Prüfen wir Atmosphäre, das’ auch ‚weiteren Kreisen als Nachsommer
ehrlich, wie weit das zutrifft. Zunächst wolleu wir uns
geläufig. ist.“ Um das Michaelsfest herum .hält also der
nicht darüber täuschen, daß die Gefahr der Ungeistig-
Wettergott Europas inne, um sich für die Wogen und
keit tatsächlich für uns besteht, und zwar nicht .erst: seit
Stürme zu sammeln, die er von da an durch den Wechsel
estern... Die reinen Geisteswissenschaften traten zu-
der. Jahreszeiten hindurch zu erregen hat..
rück vor den nützlichen... Wir müssen eine starke Be- Die wunderbare, alle Völker der Erde umspannende
vorzugung aller Technik und der mit ihr mittelbar zu’
Gleichgewichtslage, die zu Michaelis an der Herbst-Tag-
sammenhbängenden Disziplinen feststellen... . Ich. be- -und-Nachtgleiche dadurch eintritt, daß überall, im höch-
haupte auf Grund persönlicher Feststellungen, daß bis
sten Norden und am -Äquator, die Soune 12 Stunden am
zu Vierzigjährigen wenige auch nur den Faust seit ihrer
Himmel bleibt und daß sie für alle Orte; die auf einem
Priwanerzeit je wieder gelesen haben. Das ist schade.
Längengrad liegen, sei es am Pol. oder in den Tropen,
Sie hätten darin die Worte-des Mephisto gefunden:.
zur gleichen Stunde auf- und untergeht — während der
‚Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, des Menschen
Sommer für die Polargegenden die langen und für die
allerhöchste Kraft, dann hab ich dich schon unbedingt.‘“*
‚Äqwatorialgegenden . die verhältnismäßig ' kurzen Tage
Der Verfasser begründet zum Schluß ausführlich seine
brachte — hat. also auch im europäischen Großwetter
Forderung nach einer Religion, die er insbesönderwfür
eine Entsprechung. Ist es nicht, als winke Michael am
den Soldaten für unerläßlich erklärt. ‚Er läßt erkennen, :
Herbstbegiun, die Waage in der Hand, allen Völkern
daß er im Christentum — solange nichts besseres da ‚der. Menschheit::zu,. das_ sie. yerbindende Geistige zu_
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ist — diese Religion sieht: „Unsere Gegner bebaupten,
suchen? z meeriniBack
sie führten den Krieg gegen Antichristen. Diese: Be-
hauptung ist nichts als eine Behauptung. Sie kann ‚aber... ln
rn
ein Problem sein.“ Ruf an den Herbst.
Man kann nur dankbar. begrüßen, daß: solche Stimmen Arthur Maximilian Miller
der Innerlichkeit mitten im Kriegsgetöse laut werden.“
Aber müßten nicht doch aus den durchaus. richtig: ge- ‘. Heimat '— Herbst! Verklärte Stille!
sehenen Problemen ganz andere Schlüsse und Ent- Weckst du mich zu echtem Sein, _
schlüsse gezogen werden? Daß das Christentuni,. wenn daß ich aus geträumter Fülle
es nicht mehr Kraft und Erkenntnisfähigkeit ent-= .- in die Armut kehre ein?
wickelt, vor der modernen Welt der. Technik versagen .
muß, ist längst klar. Erst recht versagt es angesichts - u In die Armut reiner Lüfte;
der unerhörten Steigerung und Erregung, die das mo- die kein dumpfes Schwellen regt,
derne Leben durch die heutige. Art des. Krieges erfährt. "die in Zauberstrom der Düfte
Wenn schon das „Katalaunische Problem“ wieder da: * kein betraufter. Flügel schlägt. :
ist — und es ist in. potenzierter Art: wieder .da —.so
kann sich, insbesondere für den auf den Schlachtfeldern “ In die Armut reinster Bilder,
von irdischen und übersinnlicheii‘ 'Gewittern umtosten die so-malinend um wich stehn
Soldaten, nur ein Christentum bewähren, das ins. Echt--- . und mit:leiser, stolzer, wilder
| Apokalyptische und Michaelische gesteigert. ist, so daß: Stimme reden vom Vergeh’n.
:es auf den Schlachtfeldern und,in der Heimat. zu einem
realen Umgang mit den übersinnlichen Mächten und Heimat — Herbst! Du langvertraute
‚ Wesenheiten erzieht. Nur ein solches Christentum führt “wahre 'Wohristatt meines Ichs:
"zu einer Geistigkeit, die den „raumweiten Aufgaben des Jenes Wort, das sternbetaute,
kommenden Friedens“ ‘gewachsen ist., Emil Bock heil’ge, gottentsproß’ne — sprichs!

111
'Gotischer Hymnus zum Fest des Erzengels Michael
(Der in Spanien überlieferte lateinische Wortlaut ist abgedruckt in Tamayo-de Salazar, Johannes: Anamnesis sive
Commemoratio Sanctorum- Hispanorum, Tom. II; Lugduni. 1653. Weggelassen ist das: Bittgebet, in welches der
Hymaus einmündet. Die lateinischen Namen der Engelshierarchien haben wir durch die urchristlich-griechischen,
die auch im Neuen Testament verwendet werden, wiedergegeh en: Archai, Exusial, Dymameis, Kyriotetes, Throne usw.
Aus dem Lateinischen übersetzt von E. B.)

Michael, spendender Himmelsfürst, Gewaltiger,


Christus, des höchsten Königs ‚höchster, ‚goldenglänzender Träger,
Feierlich-heilig ist dein Name, Michael: Wer ist wie Gott!
Du bist als Genosse der Throne des weiten Himmelsgewölbes Grundstein;
Du blitzest,. der Bogen der Kyriotetes, aus der Dynameis Mitte hervör;. \
Unter den Archai, den Exusiai, bist du ein schimmerndes Licht;
Ja, als ein wehrendes Feuer schützest du der Cherubim heiligen ‚Chor;
Und unter den Seraphim stehst du voll Kraft, auf deine hehre Lanze gestützt.
-Du führest den Reigen der himmlischen Heere, denn du verdienst, ihr Erster und Rater zu sein.
Du überstrahblest die vierfältige Ordnung .der Geister, die den Zeitlauf regieren:
Priester bist du unter den:zweimal zwei Lenkern der vierten Runde.
Am Throne des Schöpfers stehst du; sein Helfer zu ; sein ist dein Auftrag und: Recht...
Das Antlitz bist du der ‚heilig- geordneten dreimal drei Reiche der Engel "
Und in dem edelen Aufbau der tausendmaltausend Heerscharen im Himmel.
Du bist das nieverstummende Lied der dreimal heiligen Dreiheit. u
:Du-bist:es ohn Unterlaß, der des höchsten. Gottes Antlitz. und Füße bedeckt;
Und vor den drei Gestalten der Gottheit neigest du dich im Wechsel...
Du bist der Gefährte Uriels-und Gabriels und Raphaels,
Die brausend mit ihren zweimal drei lodernden Flügeln aus Flammen .
Das höchste Geheimnis bedecken, das vor den Beginnen der Welt war,
Und die, wenn des Weltendes Schrecken sich nahn, auch das Notwendige tun.
Das Amt des Schöpfers erfüllst du gehorsam als Schöpfung;
Und als Erhöhter verlässest du doch nicht den niederen Himmel,
Während der frevelnde Feind, der feige entfloh,'im finsteren Abgrund bestraft wird.
Der höchsten Tugend Glanz errangst du dir so, ruhmreich gewaltig ist deine Kraft.
Gebieter bist du der finstern dämonischen Scharen;
Dein richterlich Urteil gilt über Satan und all seine Engel.
Du wurdest vom Himmel gesandt als Richter der Menschen
Und doch zugleich als ihr Anwalt und Retter.
Lichtvoll erfüllst du des Propheten Daniel verheißende Worte:
Den Helden nannte er dich, der für das Volk des Glaubens den Kampf führt.
Und so bitten wir dich, hehrer und leuchtender Streiter und: Sieger,
Gewähre auch uns, die wir. zur Neugeburt die Taufe empfingen,
Die helfende Kraft, die den Frommen der alten Mysterien einst du gespendet:
Wehre von uns der Geschosse Hagel, den unreinen Zorn der Dämonen; Ze
Schließe die. Wunden, verjage die Seuchen und wende das Unheil;
Durch Frieden und Heil, durch glühenden Glauben schütze die Seelen. .
Siehe, wir alle vereinigen uns, da im Schreiten der.Zeit. wieder ein. J ähr ist vergangen,
Daß deiner Größe unseren Weihegesang preisend wir singen, . .

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anzeigen wie Stellengesuche usw.: 1/3 Seite RM 4.—, 1lsa Seite RM 3.—.) Druck: Hoffmannsche Buchdruckerei Felix Krais,
i12 Stuttgart. Verlag Urachhaus, Stuttgart 13
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Mittelportal und linkes Seitenportal der Kirche San Michele zu Pavia Foto Marbürg
(Zu dem Aufsatz „Michael einst und jetzt‘)