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Wasserdampf-Destillation

ätherischer Öle
aus frischen oder
angewelkten Pflanzen

Abbildung 1:
Neue Versuchsanlage zur Wasserdampf-Destillation „ätherischer Öle“

Marktsituation:
Ätherischen Ölen begegnen wir heute auf flüchtigen Stoffgemische aus einer Vielzahl von
Schritt und Tritt. Wir schnuppern sie im Super- Einzelsubstanzen, die meist leichter als Wasser
markt, in der Drogerie, auf dem Wochenmarkt, sind, stellen eine sehr wichtige Wirkstoffgruppe
im Krankenhaus genauso wie in der Wohnung bei Heil- und Gewürzpflanzen dar. Pharmakolo-
zu Hause. Neben der Verbreitung angenehmer gisch werden sie wegen der anregenden,
Düfte können sie, gezielt angewendet im Rah- durchblutungsfördernden, krampflösenden,
men der Aromatherapie, hormonelle, nervliche keimhemmenden oder entzündungswidrigen
und psychische Reaktionen verursachen. Ver- Wirkung in den verschiedensten Arzneimitteln
kaufspsychologen setzen sie mittlerweile sogar eingesetzt. Wegen ihres jeweiligen charakteri-
zur Beeinflussung des Kaufverhaltens von Per- stischen Geruchs und Geschmacks finden die
sonen ein. Die fettlöslichen, flüssigen und leicht ätherischen Öle auch vielseitige Verwendung im
Lebensmittel- und Kosmetiksektor.
Große Zukunft dürften diese Stoffe
im Pflanzen- und Vorratsschutz
sowie bei der Lebensmittelkonser-
vierung haben, da sie häufig sehr
spezifische Wirkungen gegen Bakte-
rien, Pilze oder Schädlinge besitzen.

Doch bei aller Euphorie sind die


Qualität und ihre Kontrolle vernach-
lässigt worden. Allzuhäufig sind Ver-
fälschungen im Handel, deren Aus-
maß kaum erfaßbar ist. Eine beson-
ders große Gefahr der Verfälschung
besteht bei Ölen mit hohem Markt-
wert, wie Zitronenmelissenöl, Angeli-
kaöl oder Kamillenöl. Selten findet
man Angaben über Herstellungswei-
se und Produktionsstandorte. Große Abbildung 3: Der Gehalt des angenehm duftenden ätherischen Öles in den Blättern
Anstrengungen werden dagegen von Zitronenmelisse ist sehr niedrig
unternommen, den Ursprungsnach-
weis nachträglich zu führen. Dabei ätherischen Ölen der Markt heiß sing in München und gefördert durch
gibt es die wirksame Methode und umkämpft und von großen Import- das Bayerische Landwirtschaftsmini-
zugleich Chance für einheimische mengen betroffen. Die Preise kön- sterium intensiv mit dieser Thematik
marktnahe Erzeuger, den lückenlo- nen je nach Qualität und Pflanzen- beschäftigt und ein neues Konzept
sen Nachweis von der verwendeten gattung zwischen 2.50 und 12.000.– zur Destillation ätherischer Öle in Hof-
Ausgangsware über die Herstel- DM (!) pro Liter Öl schwanken! Daher nähe entwickelt (s. Abb. 1). Die nach-
lungs- und Verarbeitungsweise bis heißt es, lange vor dem Bau einer folgenden Hinweise beruhen auf
zu genauen Wirkstoffuntersuchun- Anlage die Fühler nach Absatz- unseren umfangreichen Untersu-
gen selber zu erbringen. Schwierige möglichkeiten ausstrecken! Diese chungen, insbesondere mit Pfeffer-
und teure Identitätsprüfungen unbe- Arbeit kann dem potentiellen Ölde- minze und Zitronenmelisse (s. Abb. 2
kannter Provenienzen könnten da- stillateur niemand abnehmen! Nut- und 3) sowie auf Auswertungen der
durch für den Abnehmer entfallen. zen sollte er aber den Trend der internationalen Fachliteratur. Dem
Bevölkerung zu natürlichen Produk- Neueinsteiger in diese potentielle
Die Interessen aller Beteiligten liegen ten, die in der Region erzeugt wer- Marktnische soll damit weitgehend
dabei sehr nahe zusammen. Der den, und zu Produkten aus ökologi- das Lehrgeld erspart bleiben, das
Handel verlangt stabile Qualitäten schem Anbau. üblicherweise bei Investitionen dieser
und große Partien. Der Erzeuger Art zu zahlen ist.
Da die Marktchancen für die Gewin-
wünscht eine bessere Marktakzep-
nung ätherischer Öle nicht eindeutig
tanz der erzeugten Qualität, und der
Konsument honoriert nachvollzieh-
vorhersehbar sind, sollte die Destilla- Prinzip der Wasser-
tionsanlage möglichst kostengünstig dampf-Destillation:
bare Qualitätsmerkmale mit höheren
und vielseitig nutzbar sein sowie so
Preisen. Trotzdem ist auch bei den
geplant werden, daß sie ohne großen Das Prinzip der Wasserdampf-De-
Personalaufwand betrieben werden stillation ist schon lange kein Ge-
kann. Für einzelne innovationsfreudi- heimnis mehr. Es kommt aber bei der
ge Betriebe mit technischem Ver- Vielzahl von Einflüssen während der
ständnis, die auch beim Absatz neue Verarbeitung darauf an, wie schnell
Wege gehen wollen, und kooperati- und mit welcher Methode destilliert
onsbereit sind, könnte sich in der wird. Man versteht unter Destillieren
Destillation ätherischer Öle aus den Trennvorgang durch Verdampfen
Frischpflanzen eine neue Anbau- und und Kondensieren. Dabei werden
Absatznische innerhalb der Heil- und immer Lösungsmittel und Energie
Gewürzpflanzen ergeben. Dieser Pro- zum Verdampfen benötigt. Beides
duktionszweig ist aber in Deutsch- bietet in genialer Weise der Wasser-
land noch wenig bekannt. Deshalb dampf. Er enthält das bei der Kon-
gibt es hier noch keine praxisreife densation frei werdende Wasser und
Technik für die Destillation ätheri- die gleichzeitig frei werdende Kon-
scher Öle. Firmenangebote gehen densationswärme. Die ursprüngliche
nicht von den Anforderungen der Gewinnung der ätherischen Öle, das
Wasserdampf-Destillation bei Ver- Destillieren in Erdkesseln mit direkter
wendung frischer oder angewelkter Befeuerung, ist auch heute noch in
Pflanzen, sondern von denen der seiner einfachsten Form in vielen
Alkohol-Destillation aus. Die LBP hat Ländern der Erde weit verbreitet.
sich daher in mehrjährigen Versuchen Hoher Arbeitsaufwand und Verluste
Abbildung 2: Die Blätter der echten Pfef- in Zusammenarbeit mit der Staatli- an wertvollen Inhaltsstoffen durch
ferminze enthalten viel ätherisches Öl chen Versuchsgüterverwaltung Frei- lange, unkontrollierte Destillations-

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zeiten sind die Folgen. Ein weiterer – Der in die Destillationsblase von zur Ruhe. Dabei trennen sich die
sehr energieaufwendiger – Verarbei- unten einströmende Wasserdampf leichteren ätherischen Öle von dem
tungsweg, der ebenfalls häufig prak- schlägt sich an den kälteren Pflan- schwereren Wasser und schwimmen
tiziert wird, ist die großindustrielle zenteilen in der Blase nieder, er kon- je nach Größe der Gefäßoberfläche
Destillation der getrockneten Ware (= densiert. Dabei werden Wasser als in einer dünneren oder dickeren,
Droge). Auch sie bringt Inhaltsstoff- Lösungsmittel und Wärmeenergie meist weiß-gelblichen Schicht auf
verluste, insbesondere der leicht freigesetzt. Das Wasser benetzt das dem Wasser. Von dort können sie, je
flüchtigen Bestandteile, mit sich. Pflanzenmaterial, das ätherische Öl nach Menge, von selbst abfließen
Außerdem muß der Erzeuger der diffundiert aus den Ölzellen heraus. oder vorsichtig von Hand abgesaugt
Rohware die Energie zum Trocknen Es entsteht eine Öl-Wassermi- werden. Dieser Trennvorgang hängt
aufbringen. Ihm bleibt nur wenig Ein- schung, die durch die Wärmeener- sehr von der destillierten Pflan-
fluß auf die Qualität des ätherischen gie des nachströmenden Dampfes zenmenge und dem Ölgehalt der
Öles und nur ein geringer Teil der wieder verdampft wird. Entschei- betreffenden Pflanzenart ab. So ent-
Wertschöpfung. Für die schonende dend für viele hitzeempfindliche hält zum Beispiel Pfefferminze zehn-
und rationelle Gewinnung ohne Bestandteile des ätherischen Öles mal mehr ätherisches Öl als Zitro-
große Energieverluste sind eine ist nun die Tatsache, daß sich die nenmelisse. Besteht kein Tempera-
getrennte Dampferzeugung, ein partiellen Dampfdrücke der Öl- turunterschied mehr zwischen Was-
schnelles Be- und Entladen der Anla- Wassermischung addieren und da- serdampf und Pflanzenmaterial in
ge und eine kurze Destillationszeit durch eine Verdampfung bereits der Blase, entsteht auch kein Kon-
des frischen Pflanzenmateriales not- knapp unter 10 0 °C erreicht wird. denswasser mehr an den Pflanzen-
wendig. Die Wasserdampf-Destillati- Die einzelnen Ölkomponenten wür- teilen, und der Destillationsvorgang
on ist zwar die älteste, aber zugleich den erst bei Temperaturen weit über ist beendet. Das nach der Destillati-
auch schonendste Art, die ätheri- 100 °C verdampfen mit negativen on verbleibende Pflanzenmaterial
schen Öle mit relativ einfacher Tech- Folgen für das Aroma. Die Mischung kann als Gründüngung breitwürfig
nik zu gewinnen. Aber nur bei richti- verdampft durch freie Wärmekon- auf abgeerntete Felder ausgebracht
ger Anwendung und zeitgemäßer vektion ohne Zwang nach oben in werden. Nach unseren Versuchser-
Technik im Hinblick auf eine gleich- Richtung Deckel, an dem ein Kühler fahrungen ist es bei Pfefferminze
mäßige Wärmeübertragung und ver- angeschlossen ist. In ihm trifft die und Zitronenmelisse sogar möglich,
lustarme Wärmeabgabe gewinnt Dampfmischung auf wassergekühlte die Pflanzenreste auf die soeben
man mit der Wasserdampf-Destillati- Flächen, an denen sie wieder kon- beernteten Flächen, ohne nachteili-
on unter atmosphärischem Druck densiert. In einem Gefäß, der soge- ge Folgen für den neuen Aufwuchs,
vollständige, qualitativ hochwertige nannten „Florentiner Vase“, wird das zu verteilen.
ätherische Öle. Kondensat aufgefangen und gelangt Das gewonnene ätherische Öl sollte

Abbildung 4

3
Abbildung 5

nun möglichst kühl, unter Lichtab- Vergleich Alkohol- und heizung. Das Füllgut (Wasser und
schluß (z. B. braune Glasgefäße), Alkohol) wird somit indirekt beheizt.
luftdicht verschlossen und möglichst
Wasserdampf-Destillation Leichtflüchtige Substanzen (Alkohol)
randvoll (Sauerstoff kann zu uner- (s. Abb. 4): werden von schwerflüchtigen Sub-
wünschten Ab- und Umbauerschei- stanzen (Wasser) getrennt, sie rei-
Alkohol-Destillation und Wasser-
nungen führen) aufbewahrt werden. chern sich im Dampfraum an, sie
dampf-Destillation werden oft mit-
Gut zu reinigende Gefäße, zum Bei- werden sozusagen verstärkt. Bei der
einander verwechselt. Bei der Alko-
spiel aus Glas oder V4A-Edelstahl, Wasserdampf-Destillation mit fri-
hol-Destillation erfolgt die Energie-
sind am besten geeignet. schen oder angewelkten Pflanzen
zufuhr in der Regel über eine Mantel-
und Dampfdirekteinspeisung tren-
nen sich die leichtflüchtigen nicht
von den schwerflüchtigen Substan-
zen. Das Lösungsmittel Wasser
bleibt als Begleitstoff bis zur Verflüs-
sigung im Kühler erhalten. Das Öl
trennt sich erst in der kalten Phase
durch das unterschiedliche spezifi-
sche Gewicht vom Wasser, nach-
dem der Kühler passiert wurde.

Wie sollte eine funktionie-


rende Destillationsanlage
aussehen (s. Abb. 5)?
Folgende wesentliche Vorausset-
zungen für eine erfolgreiche Was-
serdampf-Destillation mit frischen
oder angewelkten Pflanzenteilen
muß die Anlage erfüllen:
1. Die Dampfmenge muß dem Quer-
Abbildung 6: Dampfverteiler an der Versuchsanlage schnitt von Blase und Zuleitungen

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und Phasentrenngefäß aufgefan-
gen. Die Blase kann auf Grund ihres
fahrbaren Untersatzes mit Dreh- und
Kippvorrichtung vor Ort auf dem
Feld befüllt und auch wieder entleert
werden. Für den Anschluß der Blase
an die Anlage sind nur wenige Hand-
griffe notwendig:
Der gefüllte Blasenwagen wird unter
den festmontierten, mit dem Kühler
verbundenen Blasendeckel gefah-
ren, mit Hilfe eines Gabelhubwagens
angehoben und dampfdicht unter
den Deckel gepreßt. Über einen fle-
xiblen Schlauch wird der Blasen-
sockel mit der Dampfleitung verbun-
den, und die Destillation beginnt.
Zum Destillationsende wird der Bla-
senwagen wieder abgelassen und
von der Dampfleitung getrennt. Auf
Abbildung 7: Genaue Temperatur- und Druckkontrolle des Dampfes sind unumgänglich diese Weise ist ein schneller Wechsel
verschiedener Blasenwagen mög-
lich.
entsprechen, damit eine stete den Dampf in seinem gesättigten
Dampfsättigung und eine ununter- Zustand zu erhalten.
brochene Dampfströmung ge- Dampferzeugertypen:
Das Herzstück einer Anlage besteht
währleistet sind. Nur ein gleich-
aus der fahrbaren V4A-Edelstahl- Der Schnelldampferzeuger hat eine
mäßig strömender, gesättigter,
Destillationsblase. Blase und Bla- Heizschlange, in der der Dampf
nicht überhitzter Wasserdampf
sensockel sind fest verschraubt, erzeugt wird. Das Speisewasser wird
garantiert einen konstant hohen
durch einen Siebboden getrennt und mit einer Kolbenpumpe zugeführt
Wärmeinhalt und eine gute Wär-
gemeinsam dreh- und kippbar auf und im Durchlauf in der Schlange
meübertragung beim Kondensie-
einem Wagen montiert. Der Sockel erhitzt und verdampft. Der Aufbau
ren an den kalten Pflanzenteilen.
(s. Abb. 8) enthält den Anschluß für des Schnelldampferzeugers ist ge-
Pro Quadratmeter Blasenquer-
die Zuleitung und die Verteileinrich- zielt auf kleinsten Wasserinhalt, ge-
schnittsfläche und pro Minute
tung für den Wasserdampf, der in ringe Baumaße und schnelle Dampf-
muß ein Dampffluß von 3–4 kg
einem externen Dampferzeuger bereitschaft ausgerichtet. Die An-
bei atmosphärischem Druck ge-
erzeugt wird. Ein luftdicht aufsteck- schaffungskosten liegen 20–30 %
geben sein. Der Dampfzustand
barer Deckel mit eingelassener Sili- günstiger als bei einem Großwasser-
und seine Sättigung sollten genau
kondichtung verbindet später bei der raumkessel. Eine separate Erlaubnis
durch Temperatur- und Druckan-
Destillation die Blase (s. Abb. 9) mit gemäß § 10 der Dampfkesselverord-
zeigen kontrollierbar sein (s. Abb.
dem Röhrenkühler. Das im Kühler nung (Dampf KV) ist für den Dampf-
7 und 17). Die Dampfmenge ent-
verflüssigte Öl-Wasser-Dampfge- kessel erforderlich. Es gelten die
spricht der Kondensatmenge am
misch, das Kondensat, wird in einem Aufstellbedingungen in Arbeits- und
Ende des Kühlers und läßt sich mit
individuell angepaßten Kondensat- neben Wohnräumen. Als Nachteile
Meßbechern gut kontrollieren.
2. Die Füllhöhe muß dem Feuchtezu-
stand des eingefüllten Materials
durch eine ausreichend hohe
Blase (mind. 1,8 m Höhe) ange-
paßt werden können.
3. Zwischen Blase und Kühler sind
große Rohrquerschnitte (mind.
5, besser 10 cm Durchmesser) zu
wählen, damit die zu Beginn einer
Destillation noch kalte Luft schnell
aus dem Kühler entweichen kann
und keinen Rückdruck erzeugt.
Ein Rückdruck im System würde
den Siedepunkt in der Blase
erhöhen und die Ausbeute ver-
schlechtern.
4. Die vorzeitige Kondensation an
Zuleitungen und Blase muß unbe-
dingt mit einer ausreichenden
Isolierung vermieden werden, um
Energieverluste zu vermeiden und Abbildung 8: Blasensockel der Versuchsanlage

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gelten schwankende Dampfqualität, Gewerbeaufsichtsamt ein Erlaubnis-
schwankende Drücke und eine kür- beziehungsweise Anzeigeverfahren
zere Nutzungsdauer. Diese Art der zu beantragen.
Dampferzeugung eignet sich beson-
ders für Betriebe ohne täglichen Destillationsblasentypen:
Dampfbedarf und mit regelmäßigen
Stillstandszeiten von länger als 36 Die Form der Blase (der Name
Stunden. stammt von der früher verwendeten
kugelartigen Form) wird von dem zu
Der Großwasserraumkessel liefert destillierenden Produkt bestimmt.
salzarmen Qualitätsdampf mit hoher Flüssige beziehungsweise überwie-
Druckkonstanz. Seine Nutzungsdau- gend flüssige Materialien werden in
er ist fast doppelt so lang wie die von der Regel in kugelförmigen Behältern
Schnelldampferzeugern, so daß der destilliert. Hier verteilt sich die von
Großwasserraumkessel trotz höhe- außen zugeführte Wärme schnell und
rer Anschaffungskosten – mehrheit- gleichmäßig. Konische, im Quer-
lich – als idealer Dampferzeuger schnitt sich verändernde Blasen wer-
beurteilt wird. Er ist besonders den zu speziellen Zwecken mit wech-
robust gegen Bedienfehler. Für klei- selnden Dampfströmen eingesetzt.
ne Kessel (Dampferzeuger), die der Grobstrukturiertes und frisches Pflan-
Produktformel (Produkt aus Wasser- zenmaterial kann mit Dampf – Direkt-
inhalt x Betriebsdruck kleiner einspeisung beheizt und destilliert
10.000) entsprechen, gibt es erleich- werden. Dabei lassen hohe, zylindri-
terte Aufstellbedingungen in Arbeits- sche Blasen durch ihre Kaminwir-
räumen und neben Wohnräumen. Abbildung 9: Destillationsblase der Ver- kung den Dampf ohne Zwang beson-
suchsanlage beim Befüllen
ders schnell und gleichmäßig in der
Sicherheit und Auflagen Füllung aufsteigen. Die Querschnitts-
ist ein „Betrieb ohne Beaufsichti- fläche der Blase muß entsprechend
für Dampfanlagen: gung“ (BoB) möglich. Dann sind nur der Leistung des Dampferzeugers so
Früher waren für den Betrieb von noch wenige Minuten pro Tag für die gewählt werden, daß ein Dampffluß
Dampfanlagen ständig anwesende Funktionskontrolle des Dampfkes- von 3–4 kg/m2 bei atmosphärischem
Kesselwärter vorgeschrieben. Wenn sels und die Überwachung der Spei- Druck gewährleistet ist.
heute die entsprechenden Sicher- sewasseraufbereitung erforderlich. Die Destillationsblase und die Ausrü-
heitseinrichtungen vorhanden sind, Für den Dampfkessel ist beim stung müssen nach der Druckbehäl-

Abbildung 10

6
Abbildung 11

terverordnung geprüft sein. Auskünf- nigung nicht möglich, da die Rohr- derliche Speisewasseraufbereitung
te hierzu erteilt die TÜV Anlagen- schlange nicht frei zugänglich ist. In und Dampferzeugung sollten
und Umwelttechnik GmbH, Unter- der Regel ist die Schlange aus Kup- grundsätzlich in einem separaten
nehmensgruppe TÜV Süddeutsch- fer, wobei sich Kupferverbindungen Raum (zweckmäßigerweise in
land, Westendstr. 199, 80686 Mün- bilden, die in das Destillat übergehen einem Versorgungs-Container)
chen, Tel. 0 89 / 57 91 – 18 89 und es verderben können. Gerade untergebracht werden. Für zusätzli-
nach längeren Stillstandszeiten lau- che Stromverbraucher ist hier ein
fen die ersten Destillate blaugrün ab. Stromanschluß mit Schaltkasten
Kühlertypen: Entsprechende Trübungen weisen ebenfalls leicht und sicher unterzu-
Kühler werden im Gegenstromver- auf Kupferspuren im Destillat hin. bringen. Dieser Versorgungs-Con-
fahren betrieben. Den abwärts- tainer kann fertig montiert und ein-
fließenden Dämpfen beziehungswei- In Brennereien setzen sich heutzutage gerichtet, zentral und ebenerdig zu
se dem Kondensat wird ein aufwärts immer stärker Röhrenkühler aus den Destillationsblasen aufgestellt
gerichteter Kühlwasserstrom entge- Edelstahl durch. Röhrenkühler setzen und in Betrieb genommen werden.
gen geschickt. Dadurch wird eine sich aus mehreren vertikal angeord- Von diesem Container führt ein
bessere Kühlung erreicht als bei glei- neten Röhren zusammen, die oben Unterflurversorgungsschacht die
cher Strömungsrichtung. Das Kühl- und unten jeweils in eine Rohrkammer Dampfleitungen zu den mobilen
wasser sollte bei einem effizienten münden. Die Rohrkammern mit dem Blaseneinheiten. Außerdem ist es
Kühler oben am Auslauf über 70 °C, Rohrbündel sind in Wasserbehälter zweckmäßig, ebenerdig zentral zu
unten am Einlauf ein wenig kälter als eingelassen, so daß das Kühlwasser den Destillationsblasen den Kühler
das auslaufende Kondensat sein. In die Rohre von außen umspülen kann. mit der Kondensat- und Phasen-
Brennereien sind zahlreiche Kühler- Die Vorteile dieses Kühlertyps liegen trennvorrichtung aufzustellen. In
typen in Gebrauch. Am häufigsten in der leichten Säuberung und den einem weiteren, separaten, zentral
vertreten sind Schlangenkühler und klaren sauberen Destillaten. angeordneten Lagercontainer kön-
Röhrenkühler. nen die gewonnenen ätherischen
Öle sicher und dunkel unterge-
Bauliche und technische bracht werden. Für die Reinigung
Schlangenkühler bestehen aus
einem zylindrischen Wasserbehälter Voraussetzungen für eine der Blasen ist ein Waschplatz mit
mit einer spiralig gewundenen Rohr- Destillationsanlage Wasseranschlüssen, Hochdruckrei-
schlange im Inneren. Sie haben eine niger und Abwassertrennung (Ölab-
(s. Abb. 10 und 11): scheider) in unmittelbarer Nähe zur
gute Kühlwirkung. Eine gründliche
Reinigung ist hier allerdings sehr Die zum Betreiben einer Wasser- Anlage günstig, damit die Arbeits-
schwierig und eine mechanische Rei- dampf-Destillationsanlage erfor- wege kurz bleiben.

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Für Schäden durch Baumängel an nur erreicht wird, wenn die Pflanzen-
Gebäuden und Maschinen haften bestände noch nicht überständig, zu
die ausführenden Firmen. Daher ist stengelreich oder bereits stark mit
es wichtig, genaue Leistungsver- Krankheiten befallen sind. Gute Aus-
zeichnisse zu erstellen und diese beuten bei gleichzeitiger arznei-
bestätigen zu lassen. Auftretende buchkonformer Zusammensetzung
Schäden müssen von den aus- wurden bei Pfefferminze zu Blühbe-
führenden Firmen im Rahmen der ginn in der ersten Augustdekade ge-
Gewährleistung und in der Garantie- funden.
zeit behoben werden. Mängel muß
der Bauherr fristgerecht schriftlich Gute Ölerträge mit hohen Citralge-
melden, damit sich die Gewährlei- halten bei Zitronenmelisse ergaben
stung bis zur endgültigen Mängelab- sich jeweils bei Pflanzenhöhen von
stellung verlängert. Nach Fertigstel- 30 bis 40 cm noch vor Knospenan-
lung des Bauvorhabens sollte der satz und vor deutlich beginnender
Betreiber einer Anlage eine Feuer- Blattvergilbung im unteren Bereich.
versicherung für Gebäude, Maschi- In diesem Stadium sind die Blätter
nen und Lagervorräte abschließen. groß, und der Stengelanteil ist relativ
gering.
Die vorgenannten Hinweise erhe-
Zur Vermeidung von Ölverlusten,
ben allerdings keinen Anspruch
besonders bei Arten mit auf der
Abbildung 12: Die Ölzellen der Pfeffer- auf Vollständigkeit, sondern die-
Blattoberfläche liegenden Ölzellen
minze liegen auf der Blattoberfläche und nen nur als Anhaltspunkte. Jeder
können bei der Ernte leicht beschädigt (s. Abb. 12) (z.B. Pfefferminze, Zitro-
Betreiber ist allein verantwortlich
werden nenmelisse), ist es notwendig, das
für die Einhaltung aller einschlägi-
Erntegut möglichst quetschungs-
gen Vorschriften!
arm zu ernten und mit speziellen
Vorschriften, Unfall- und Einflußfaktoren auf den
Schneidemaschinen auf 10 bis
15 cm lange Krautteile zu zerklei-
Brandschutz: Erfolg der Destillation: nern.
Die ausführende Firma sollte Erfah- Fehlen in der Anfangsphase speziel-
rungen mit Dampfanlagen besitzen Die Erfüllung der technischen Vor- le Schneidemaschinen, so kann
und über einen geprüften Schweiß- aussetzungen stellt eine wesentli- auch mit dem Grünguternter (s. Abb.
facharbeiter verfügen. Sie sollte che Grundlage für die Produktion 14) mehrfach über den Bestand
außerdem die sicherheitstechni- qualitativ hochwertiger ätherischer gefahren werden, wobei die Pflanzen
schen und genehmigungsrechtli- Öle dar. Aber auch das zu destillie- „etagenweise“ in 10–15 cm-Ab-
chen Prüf- und Anmeldeverfahren rende Pflanzenmaterial hat noch schnitten abgeerntet werden. Eine
für Dampferzeuger, Dampfanlagen, ganz erheblichen Einfluß auf Qualität nachfolgende Zerkleinerung ist dann
Destillationsblasen und Kühler noch und Ausbeute des ätherischen Öles. nicht mehr notwendig.
vor der Installation übernehmen. Nur Pflanzen, die optimale Stand-
Hierzu zählen die Zollanmeldung für ort- und Wachstumsbedingun- Entscheidend für den Erfolg der
Blase und Kühler sowie die TÜV- gen vorfinden, können auch hohe Destillation ist die gleichmäßige
Prüfungen des Dampfkessels und Ölkonzentrationen bilden. So finden schichtweise Befüllung der Blase.
der Destillationsblase (Druckbehäl- Lavendel oder Basilikum bei uns
ter). Die Unfallverhütungsvorschrif- sicherlich weniger gute Bedingun-
ten der Berufsgenossenschaften gen als etwa Pfefferminze, Baldrian
und Gewerbeaufsichtsämter sind oder Zitronenmelisse. Das geneti-
bei der Erstellung und beim Betrieb sche Ausgangsmaterial ist eben-
von Destillationsanlagen zu beach- falls entscheidend für die Ausbeute
ten. Diese Behörden haben die Auf- und Zusammensetzung der ätheri-
sicht über den Betrieb der Anlage schen Öle. Aus diesem Grunde wur-
und sollten vor der Errichtung in den von der LBP in mehrjährigen
Kenntnis gesetzt werden. Wird ein Versuchen eine Vielzahl von Her-
neues Betriebsgebäude erstellt, so künften von Baldrian, Engelwurz,
ist beim zuständigen Landratsamt Pfefferminze und Zitronenmelisse
beziehungsweise Baureferat nach- unter südbayerischen Verhältnissen
zufragen und entsprechende Anträ- beurteilt und besonders gute Her-
ge zu stellen. Bei großen Anlagen künfte an Vermehrungsbetriebe ab-
können Umweltauflagen nach dem gegeben.
Bundesemissionsschutzgesetz an-
geordnet werden. Bei der Entnahme Das Entwicklungsstadium der
größerer Mengen an Grundwasser Pflanzen ist ebenfalls sehr wichtig
ist das Wasserwirtschaftsamt zu für die Gewinnung hoher Ölmengen
fragen. Die Einleitung von belaste- in der gewünschten Zusammenset-
tem Abwasser ist mit dem Betreiber zung. Aus Untersuchungen der LBP
der örtlichen Kläranlage abzuspre- an Pfefferminze und Zitronenme- Abbildung 14: Pfefferminzernte mit einem
chen. lisse wird deutlich, daß dieses Ziel speziellen Grünguternter

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15). Solche Rückflußverluste kön-
nen auch bei einer unzureichend iso-
lierten Blase durch Kondensatent-
stehung an den Blasenwänden auf-
treten.

Die Destillation wird solange durch-


geführt, bis kein Öl mehr im Konden-
sat- und Phasentrenngefäß er-
scheint. Bei Pfefferminze und
Zitronenmelisse ist die Destillation
nach 30 Minuten beendet. Längere
Destillationszeiten aufgrund unsach-
gemäßer Voraussetzungen erhöhen
nicht nur die Kosten, sondern führen
auch zu einer deutlichen Qualitäts-
minderung des Öles durch thermi-
sche Belastungen. Für die ersten
Versuche sollte der angehende De-
Abbildung 13: So sieht eine Ölzelle unter dem Elektronenmikroskop aus stillateur Meßbecher unter den Küh-
lerauslauf stellen, um das abgekühl-
te Öl-Wasser-Kondensat aufzufan-
Die Füllung darf weder Hohlräume ruch mehr wahrnehmbar ist. Am gen und zu trennen. Wenn eine
aufweisen noch zu dicht sein. Für sichersten ist es, die richtige Füll- Reihe von Meßbechern mit Inhalts-
eine erschöpfende und zügige höhe durch eine Probedestillation angabe vorhanden ist, können diese
Destillation müssen die vorher zu bestimmen. für die ersten Schritte mit der neuen
beschriebenen Prozesse der Was-
Anlage verwendet werden, um in
serdampfkondensation an den
Feuchtes Erntegut kann höher, verschiedenen Zeitabständen die
Pflanzenteilen, die Bildung des Öl-
trockenes niedriger eingefüllt wer- Ausbeute sowie das Ende der Destil-
Wassergemisches und die Ver-
den. Wird zum Beispiel angewelktes lation beurteilen zu können (s. Abb.
dampfung des Gemisches gleich-
Material zu hoch eingefüllt, kann es 16). Später, wenn genügend Erfah-
mäßig von unten nach oben an
vorkommen, daß nicht mehr genü- rung vorliegt und kontinuierlich
allen Pflanzenteilen ablaufen kön-
gend Wasserdampf im oberen Füll- destilliert wird, lohnt die Anschaffung
nen. Zu große oder im Verhältnis
bereich kondensiert. Dadurch kön- einer speziellen Kondensat- und
zur Querschnittsfläche zu niedrige
nen die Öle nicht aus ihren Zellen dif- Phasentrennvorrichtung aus Glas
Blasen können hier wegen Hohl-
fundieren, es bildet sich somit auch (Florentiner Vase) für ein bestimmtes
raumbildung und ungleichmäßiger
kein die Verdampfung bei 100° C för- ätherisches Öl.
Befüllung Probleme bereiten. Das
Verhältnis von Blasenhöhe zu -quer- derndes Öl-Wassergemisch mehr.
Diese Pflanzenteile gehen dann für Bei den Destillationsläufen in den
schnitt sollte nicht kleiner als 2 : 1
die Ölgewinnung verloren. Abhilfe Versuchen der LBP wurden aus 50
sein.
schafft in diesem Fall nur eine niedri- Kilogramm geschnittener Pfeffer-
gere Füllhöhe. Frisches Kraut enthält minze (Schnittlänge 9 cm) bei zirka
Ein mehrstündiges Anwelken der
genügend Feuchtigkeit, so daß die 50 Kilogramm Dampfbedarf in 30
Pflanzenteile auf dem Feld oder in
breiter Schüttung, zum Beispiel auf Blase möglichst hoch gefüllt werden
einem Hallenboden, führt zu einer kann. Tropfnasses Erntegut hinge-
erhöhten Wasseraufnahme (Kon- gen sollte nicht destilliert werden,
denswasser) während der Destillati- da hierbei das an den Pflanzen haf-
on, wodurch eine bessere Wärme- tende Wasser zusätzlich erwärmt
übertragung gegeben ist. Das und verdampft werden muß. Das zu
gewelkte Material erwärmt sich in viel vorliegende Kondenswasser
der Blase schneller. Es ergeben sich löst zwar das Öl aus den Zellen,
höhere Ölausbeuten durch ein bes- tropft meistens aber wegen zu
seres Herausdiffundieren des äthe- geringer Erwärmung als Kondensat
rischen Öles aus dem Pflanzenma- in den Sockel ab und reißt dabei
terial. Der Erfolg der Destillation wertvolle Öle mit, die unwieder-
wird weiterhin von der Füllhöhe bringlich verloren sind. Diese Rück-
des Erntegutes in der Blase in flußverluste gilt es generell während
Abhängigkeit vom Feuchtegehalt der Destillation zu reduzieren. Aus
bestimmt. Für frische Pfefferminze diesem Grunde haben wir an unse-
oder Zitronenmelisse liegt die Füll- rer Anlage eine Rückfluß-Ablaufkon-
höhe bei etwa 170 cm, für ange- trolle in Form eines seitlich an der
welktes Material bei 130 cm. Die Blase angebrachten Kondensat-
Füllhöhe wurde richtig gewählt, ableiters mit Meßbecher vorgesehen,
wenn das Füllgut nach der Destilla- mit der die vorhandene Rückfluß-
tion bis oben feucht und aus- kondensatmenge und -farbe genau Abbildung 15: Kondensat-Rückfluß-Kon-
gelaugt, d. h. kein intensiver Ölge- erfaßt werden können (s. Abb. 5 und trolle an der Versuchsanlage

9
Minuten etwa 150 Milliliter ätheri- Sehr nützlich für die Qualitätssiche- sche der einzelnen Nutzer können
sches Pfefferminzöl gewonnen. Die rung ist, daß im eigenen Betrieb berücksichtigt werden. Findet man
Ausbeute aus einem Kilogramm fri- eine individuelle Kontrolle jederzeit jedes Jahr genügend Auftraggeber,
schen Pflanzenmaterial mit einem durchgeführt werden kann, und das so bietet sich diese Lösung für
Kilogramm Dampf betrug also in 30 Endprodukt dann auch dem Kun- besonders anspruchsvolle hochwer-
Minuten drei Milliliter Pfefferminzöl. denwunsch entspricht. Außerdem tige und somit teure Destillationsan-
Besonders gute Destillationen erga- kann die Anlage dem Kunden im lagen an.
ben Ausbeuten von 4 bis 5 Milliliter. Betrieb direkt vorgestellt werden.
Bei Zitronenmelisse erhielten wir aus Meist ist jedoch ein Produktionsbe- Die Größe einer Destillationsanlage
50 kg grob geschnittenem Kraut trieb nicht in der Lage, eine Destilla- ist für die spätere Kostenbelastung
(Schnittlänge 17 cm) bei zirka 50 kg tionsanlage in einer Größenordnung des Endproduktes von entscheiden-
Dampfbedarf in 30 Minuten etwa 15 zu bauen, wie sie für einen rationel- der Bedeutung. Dabei muß sich die
Milliliter sauberes, reines ätherisches len Ablauf von Ernte-Verarbeitung- Größe des Dampferzeugers nach
Zitronenmelissenöl. Die Ausbeute Lagerung notwendig wäre. Dadurch der Größe (Querschnittsfläche) der
aus einem Kilogramm frischen Pflan- ergeben sich im Vergleich zu größe- verwendeten Destillationsblasen rich-
zenmaterial mit einem Kilogramm ren Gemeinschaftsanlagen höhere ten. Die einzelnen Blasen sind auf
Dampf betrug also in 30 Minuten 0,3 Produktionskosten. Außerdem ist die zu verarbeitenden Erntemengen
Milliliter Öl. Spitzenwerte können eine gleichmäßige Auslastung der in einem bestimmten Zeitraum aus-
hier bei 0,5 Milliliter liegen. Anlage über einen längeren Ernte- gerichtet. Die Größe (Kühlfläche) des
zeitraum häufig nicht gegeben, wenn Röhrenkühlers mit angeschlosse-
nur wenige Kulturarten destilliert nem Kondensat- und Phasentrenn-
werden sollen. Inwieweit diese gefäß richtet sich nach der zu
Mehrkosten durch bessere Preise kühlenden Dampfmenge, der ge-
ausgeglichen werden können, hängt wünschten Kondensattemperatur,
vom Einzelfall ab. Andererseits be- der Kühlwassertemperatur und der
steht in vielen Betrieben die Mög- zur Verfügung stehenden Kühlwas-
lichkeit, leerstehende Gebäude oder sermenge. In unserer Versuchsanla-
vorhandene Dampferzeuger so ko- ge ist ein Röhrenkühler mit einer
stengünstig umzubauen, daß sie für Kühlfläche von 3,2 m2 installiert. Um
eine Frischpflanzen-Destillation ge- 100 kg Dampf in einer Stunde auf
eignet sind. 20 °C Kondensattemperatur zu küh-
len, benötigt er 300 l Kühlwasser von
15 °C. Das abgeführte Kühlwasser
Die zweite Möglichkeit ist eine zen- hat dann eine Temperatur von
trale, genossenschaftliche Destil- 80–90 °C.
lationsanlage, meist in Verbindung
mit großen rationellen Ernte- und Neben der Anbaufläche und der Pro-
Aufbereitungseinrichtungen. Zahlrei- duktpalette ist auch die Entfernung
che Brennereien sind so organisiert. zum Feld für die Größe der Blasen
Solche großen Anlagen sind immer ausschlaggebend. Transportmöglich-
dann gefragt, wenn große Erntemen- keiten und Transportgeschwindig-
Abbildung 16: Kondensat-Meßrohre an
der Versuchsanlage zur zeitlichen Erfas- gen und eine große Anzahl Kulturar- keiten sind wichtige Parameter für
sung der Ölausbeute ten zu großhandelsfähigen Einheiten die Schlagkraft und Logistik einer
zusammengefaßt werden sollen. Destillationsanlage. Gleichmäßiges
Eine zentrale Station ermöglicht eine und schnelles Be- und Entladen der
Standort und Größe einer bessere Position gegenüber den Blase entscheiden über die Qualität
Marktpartnern und erlaubt durch den des Produktes und die Produktivität
Destillationsanlage: optimierten Einsatz von Arbeitskraft einer Anlage, weil dadurch die
Bei der Standortwahl ist die und größeren Maschinen eine höhere Destillation optimiert, Energieverlu-
betriebseigene Destillation im Pro- Arbeitsproduktivität. Bei der Planung ste reduziert und der Arbeitsanfall
duktionsbetrieb eine von drei Mög- einer großen genossenschaftlichen minimiert werden. Zu große Blasen
lichkeiten. Sie ist vor allem in selbst- Anlage kommt der Kostenkalkulation (über 1 m Durchmesser) erfordern
vermarktenden Betrieben von Vor- besonders große Bedeutung zu. Hier sehr hohe Dampfmengen, die vorge-
teil, da hier der Betriebsleiter den sind Löhne, Energie und Kapitalko- halten werden müssen, und stellen
Zeitpunkt der Destillationen und die sten der Folgejahre ebenso zu hohe Anforderungen an die Gleich-
jeweilige Destillationsmethode frei berücksichtigen wie die technische mäßigkeit des Erntegutes und der
wählen kann. Nutzungsdauer und die Zukunft- Befüllung. Kleine Einheiten (unter
Für die betriebseigene Anlage schancen des Anbaugebietes. 0.3 m Durchmesser) sind sehr ar-
spricht auch der kürzere Transport- beitsintensiv und erlauben nur einen
weg und die schnelle qualitätsscho- Eine dritte Möglichkeit der Anlagen- Testmaßstab. Zum Testen von neuen
nende Verarbeitung nach der Ernte. nutzung ist die Lohndestillation, Produktarten oder zur Beurteilung
Außerdem ist die eigene Anlage dort wie es in ähnlicher Weise bei Trock- der zu erwartenden Ölqualitäten sind
zu empfehlen, wo das Destilliergut nungsanlagen praktiziert wird. Die Testanlagen aus Glas mit einer Bla-
hohe spezifische Anforderungen an Anlage ist so über einen größeren sengröße von 0.1 m Durchmesser
die Destillationsbedingungen stellt Zeitraum ausgelastet, bei Mißernten und einem elektrischen Dampferzeu-
und deshalb vorteilhaft in kleineren oder Strukturänderungen sind die ger hervorragend geeignet. Für
Blasen verarbeitet wird. Kosten geringer, individuelle Wün- Erzeugerbetriebe mit vielen Einzel-

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flächen empfiehlt sich die Anschaf- onsverfahren durch Meßmöglichkei- le detaillierte Kostenvoranschläge
fung mehrerer kleiner fahrbarer Bla- ten von Temperatur, Druck und Kon- aufzustellen. Die Ermittlung der Ko-
sen in einer Größe von 0.5 m bis 1 m densatmengen kontrolliert werden. sten für eine individuelle Anlage muß
Durchmesser. Sie können mobil auf vor Ort aktuell geschehen. Ausge-
dem Feld direkt ohne Zwischenlage- In der Anfangsphase wird man sich hend von der stationären Pilotanlage
rung befüllt und dann an der Anlage eher an die örtlichen Verhältnisse auf dem Staatlichen Versuchsgut
schnell ausgetauscht werden. Diese anpassen, vorhandene beziehungs- Baumannshof und anhand unserer
Größe ist auch dort erforderlich, wo weise leerstehende Räume nutzen, Erfahrungen ergibt sich nachfolgen-
Kulturarten mit unterschiedlichen arbeitswirtschaftliche Nachteile in de Modellkalkulation (s. Abb. 18)
Abnehmeransprüchen verarbeitet Kauf nehmen und kostengünstig für eine einfache betriebseigene
werden müssen. Wurde der Dampf- eine Destillationsanlage im kleinen Destillationsanlage mit zwei mobilen
erzeuger ausreichend groß dimen- Maßstab oder sogar nur eine Testde- zylinderförmigen Blasen. Es wird
sioniert (500–1000 KW Leistung ent- stillation erstellen. Ist bereits ein davon ausgegangen, daß diese klei-
sprechend 800–1600 kg Dampf/h), Dampferzeuger, der Sattdampf lie- ne Wasserdampf-Destillationsanlage
können die mobilen Blaseneinheiten fert, vorhanden, wird nur noch eine zwei Raumcontainer (2 m x 4 m x 3
den wachsenden betrieblichen An- zylindrische Blase benötigt und ein m), einen Dampferzeuger von
forderungen beliebig angepaßt wer- günstiger Edelstahl-Röhrenkühler an- 100 kW (entsprechend 150 kg
den, indem ihre Anzahl erhöht wird. geschlossen. Liegen die ersten Dampf pro Stunde bei 5 bar Druck)
Eine größere Zahl mehrerer leicht zu Ergebnisse vor, kann an Hand eige- und 2 Blasen-Einheiten von 0.5 m
bedienender kleiner Blasen läßt sich ner Erfahrungen eine Optimierung Durchmesser und 1,8 m Füllhöhe
den jeweiligen Anforderungen an der Anlage erfolgen. Zu den einfach sowie einen Röhrenkühler mit 3,2 m2
Dampfdosierung, Blasenfüllung und zu destillierenden ätherischen Ölen Kühlfläche besitzt. Die Befüllung der
Pflanzenart besonders einfach, ohne zählen Pfefferminzöl, Majoranöl, Blasen erfolgt auf dem Feld. Zwei
großen Aufwand anpassen. Die sta- Salbeiöl oder Thymianöl. Blasen können nacheinander ange-
tionären Anschlußmöglichkeiten der schlossen und betrieben werden.
Blasen für den Dampf und die Kon- Kosten: Dadurch wird ein nahezu kontinuier-
densatableitung sowie der Raumbe- licher Betrieb möglich.
darf für das Handling sollten aus- Wegen der Vielfalt der Anlagentypen,
baufähig abgestimmt sein. Baumethoden, verwendeten Mate-
rialien, Bauvorschriften und örtlichen
Chancen:
Je höher die Ansprüche an die Qua- Verhältnisse lassen sich die Kosten Die Destillation ätherischer Öle aus
lität sind, um so hochwertiger (Edel- einer Anlage nur innerhalb großer frischem oder angewelktem Pflan-
stahl) sollte eine Anlage erstellt, und Spannen angeben. Es erscheint zenmaterial könnte für die heimische
um so besser sollte das Destillati- daher wenig sinnvoll, an dieser Stel- Landwirtschaft eine kleine weitere

Abbildung 17

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Anbau- und Absatzalternative dar- und dasselbe Produkt je nach Ver- Wissen bei der Produktion ätheri-
stellen, wenn die beschriebenen Vor- wendungszweck sehr unterschied- scher Öle sowie Adressen von Anla-
aussetzungen erfüllt werden können. lich sind und von totaler Ablehnung genfirmen bekannt zu geben.
Dazu sollten auch neue Absatzwege bis zu höchster Akzeptanz reichen
gefunden, potentielle Nachfrager können! Pfefferminzöl zum Beispiel Literatur:
gesucht und vom Nutzen und Wert nach Arzneibuchqualität muß andere
der neuen Ware und Leistung über- Ansprüche erfüllen als für Kosmetik- Denny, E. F. K., 1991: Field Distilla-
zeugt werden. Bei der Suche nach artikel. Es ist daher sinnvoll, Ölmu- tion for Herbaceous Oils. Denny,
neuen Märkten kommt der Produkt- ster an verschiedene Abnehmer zu McKenzie Associates, Lilydale, Tas-
gestaltung in Form der Verpackung schicken und beurteilen zu lassen. mania 7268, P.O. Box 42, Australia.
besondere Bedeutung zu. Qualität Neueinsteiger in diese interessante 2. Auflage.
muß für den Kunden und Konsu- Materie müssen sich bewußt sein, Eichlinger, A. und Kriener A., 1998:
menten nachvollziehbar präsentiert daß für den Erfolg sowohl bei der Pro- Schriftliche Mitteilung TÜV Anlagen-
werden. Der Quellennachweis ge- duktion als auch bei der Vermarktung und Umwelttechnik GmbH Mün-
hört ebenso dazu wie die genaue erst längere Zeit Erfahrung gesam- chen.
Deklaration und Bemusterung. Ge- melt werden muß. Von bereits prakti-
meinsame Vertriebswege führen zu zierenden Destillationsbetrieben ist Ernst, H., 1996: Hochdruckdampfer-
neuen Markterfahrungen. Problem aus Wettbewerbsgründen kaum Hilfe zeugung – Schnelldampferzeuger
und Chance zugleich stellt die Tatsa- zu erwarten. Die LBP dagegen ist oder Großwasserraumkessel. Flüssi-
che dar, daß die Ansprüche an ein gerne bereit, ihre Erfahrung und ihr ges Obst 3, 1, 26-28.

Kosten der wichtigsten Anlagenteile:


Container für Versorgungstechnik inklusive Dampferzeuger,
Frischwasseraufbereitung und Dampf-Reguliereinrichtungen 100.000,- DM
2 Destillationsblasen, mobil auf Rädern mit Dreh-
und Kippvorrichtung: 40.000,- DM
Kühler mit Kondensat- und Phasentrennvorrichtung: 15.000,- DM
Container für Aufbereitungstechnik und Lager mit Glasbehältnissen: 15.000,- DM
Gesamtkosten inklusive Projektierung und Nebenkosten ca. 200.000 DM.
Die Kosten einer kleinen Testdestillationsanlage liegen bei etwa 10.000.- DM.

Berechnungsgrundlage für die jährlichen Betriebskosten


(Nutzungsdauer 20 Jahre):
Fixkosten
Abschreibung und Zinsen: 8%
Reparaturen/Instandhaltung: 5%
Versicherung: 1%

Betriebsmittel
Heizöl: 7l pro 100 kg Dampf beziehungsweise 100 kg frisches Kraut
Wasser: 300 l pro 100 kg Dampf beziehungsweise 100 kg frisches Kraut
Strom: 500 W pro 100 kg Dampf beziehungsweise 100 kg frisches Kraut
Arbeitszeit: 100 Minuten pro 100 kg Dampf beziehungsweise 100 kg frisches Kraut
(Ernte, Aufbereitung, Einfüllen, Entleeren und Reinigen)
Abbildung 18: Kosten
Impressum:
Herausgeber: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising-Weihenstephan, Vöttinger Straße 38,
85354 Freising, Internet: http://www.LfL.bayern.de
Redaktion: Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Am Gereuth 8, 85354 Freising, Tel. (0 81 61) 71-3637
Text: R. Rinder, U. Bomme, LBP
Fotos: R. Rinder (8), U. Bomme (1), LBP (1), J. Rintelen (1), G. Wanner (1)
Grafiken: R. Rinder (5)
1. Auflage August 1998 · Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier

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