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Kulturanleitung für

Pfefferminze
(4. grundlegend überarbeitete Aufl. 2001)

H
eil- und Gewürzpflanzen gehören zu den sen 1984 ihren Niederschlag in einer ausführ-
Anbau- und Marktnischen innerhalb der lichen Kulturbeschreibung fanden. Da zwi-
Landwirtschaft. Für einzelne Betriebe kön- schenzeitlich viele neue Erkenntnisse gewonnen
nen sie realistische Anbaualternativen darstel- wurden, ist eine grundlegende Überarbeitung
len, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben notwendig geworden. Die nachfolgenden
sind. Dazu gehören neben der Absatzsicherung Anbau- und Ernteempfehlungen sollen dem
noch vor Beginn des Anbaues unter anderem Praktiker möglichst viele Hinweise für einen
Aufbereitungs- und Trocknungsanlagen, über- erfolgreichen Feldanbau qualitativ hochwertiger
durchschnittliches Können und Bereitschaft zu Rohware im Rahmen eines umweltverträglichen
hohem Arbeitseinsatz sowie nach Möglichkeit Anbaues liefern. Die Empfehlungen, die auf
gemeinschaftlicher An-
bau und Absatz. Gerade
was die Vermarktung
anbelangt, ist der An-
bauer ganz allein auf
sich selber gestellt. Übli-
cherweise kaufen die
Firmen auch nur nach
Mustervorlage ein. Die
Schwierigkeiten bei An-
bau, Ernte und Aufbe-
reitung werden außer-
dem noch durch stark
schwankende Preise in
Abhängigkeit vom Welt-
marktangebot verstärkt.
Die Pfefferminze (Men-
tha x piperita L.) ist eine
Heil- und Gewürzpflan-
ze, die bereits in den
dreißiger Jahren in
Deutschland auf größe-
ren Flächen im süddeut-
schen und thüringer
Raum angebaut wurde.
Auch in der Gegenwart
zählt sie zu den wichti-
gen bayerischen Heil-
und Gewürzpflanzenar-
ten, die vor allem in
Unter- und Mittelfran-
ken sowie in Ober- und
Niederbayern und der
Oberpfalz feldmäßig
kultiviert wird.
Wegen ihrer Bedeutung
für den bayerischen An-
bau wurden von der
LfL bereits Anfang der
achtziger Jahre Anbau-
und Sortenversuche mit
Pfefferminze angestellt,
deren Ergebnisse zu-
sammen mit internatio-
nalen Literaturhinwei- Pfefferminze, ein Lippenblütler, blüht von Juli bis September
jeden Fall noch an die speziellen
Betriebsverhältnisse angepasst werden
Die Stengel sind gering bis stark
behaart und wenig verzweigt, bei man-
Boden- und
müssen, basieren auf mehrjährigen chen Herkünften sind sie rötlich über- Klimaansprüche
Versuchen der LfL in Zusammenar- zogen. Die Laubblätter sind gegenstän- Die Anbaufläche sollte grundsätzlich
beit mit der Abteilung Versuchsstati- dig angeordnet, länglich-eiförmig bis frei von Schadstoffen und nicht mit
onen mit Sitz in Grub unter südbayer. lanzettlich, am Rand grob gezähnt und Klärschlamm gedüngt sein. Mit Aus-
Verhältnissen. häufig mit einer violetten Nervatur nahme von sehr schweren, staunassen
Ergänzt werden sie mit Angaben aus versehen. Die ab Juli bis September oder extrem trockenen Böden wächst
der internationalen Fachliteratur. erscheinenden, rosa bis lila blühenden Pfefferminze überall. Niedermoorstand-
Der Praktiker sollte auf jeden Fall Blüten stehen in endständigen Ähren. orte sind gut geeignet, allerdings soll-
immer bestrebt sein, im Rahmen eines Die Pfefferminze ist eine Langtags- ten keine zu unkrautwüchsigen Felder
umweltverträglichen Anbaues qualita- pflanze. Unter Kurztagsbedingungen Verwendung finden. Gegenüber dem
tiv hochwertige Rohware zu produzie- werden vorwiegend Ausläufer gebildet, Klima ist die Pfefferminze nicht sehr
ren. Massenware minderer Qualität ist unter Langtagsbedingungen über 14 anspruchsvoll. Hohe Ölgehalte werden
mit Sicherheit nicht konkurrenzfähig. Stunden wächst sie aufrecht und blüht. aber vor allem auf wärmeren Standor-
Im Herbst stirbt das Kraut ab, im Früh- ten gewonnen. Auf leichten Böden ist
jahr treibt die Pflanze erneut aus. generell eine Beregnungsmöglichkeit
Botanik, Wirkstoffe und Von der zur Familie der Lippenblütler vorzusehen. Nach der Pflanzung, in
(Lamiaceae) gehörenden Pfefferminze Trockenzeiten und nach den Schnitten
Verwendung werden die Blätter meist in getrockne- ist Pfefferminze auch auf schwereren
Pfefferminze ist ein Tripelbastard aus ter Form als sogenannte „Droge“ (= Böden für Beregnung dankbar.
Rossminze (Mentha longifolia) x getrocknete Pflanzenteile) verwendet. Die Anforderungen im Hinblick auf
Apfelminze (Mentha rotundifolia) = Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind das unerwünschte Stoffe im Erntegut von
Grüne Minze (M. spicata) x Bachminze ätherische Öl mit den Hauptkompo- Heil- und Gewürzpflanzen werden im-
(Mentha aquatica) und kann wegen nenten Menthol, Menthylacetat und mer strenger. Daher ist eine Bodenun-
starker Infertilität nur vegetativ ver- Menthofuran sowie Rosmarinsäure tersuchung, auf jeden Fall für Blei,
mehrt werden. Aus einzelnen fertilen und die Flavonoide. Auf der krampflö- Cadmium und Quecksilber, noch vor
Samen entstandene Pflanzen sind senden, blähungs- und galletreibenden der Pflanzung dringend zu empfehlen.
keine echte Pfefferminze mehr, son- Wirkung beruht das Haupteinsatzge- Heil- und Gewürzpflanzen sollten
dern sie spalten in die Ausgangsarten biet von Pfefferminzöl, Pfefferminz- generell nur an Standorten angebaut
auf. Im Handel manchmal angebotenes droge sowie ihren Zubereitungen (häu- werden, die unbelastet von Industrie-
Pfefferminzsaatgut ist daher wertlos fig als Tee) bei Magen-, Darm- und abgasen oder Siedlungsabfällen (auch
für die Produktion von Qualitätsware. Gallebeschwerden. Der Dauerge- Altlasten!) sind.
Pfefferminze ist im Anbau in Europa brauch von Pfefferminztee ist nicht
und Nordamerika weit verbreitet und empfehlenswert wegen eventuell auf-
teilweise ausgewildert. Ursprünglich tretender Magenbeschwerden. Das Fruchtfolge
kommt sie bei uns nicht wild vor. ätherische Öl wirkt leicht betäubend Pfefferminze wird ein- bis dreijährig in
Die 30 bis 90 cm hohe Pfefferminze ist und kühlend und wird bei Schnupfen der Praxis kultiviert. Um einer Anrei-
eine frostharte, ausdauernde Staude, und Juckreiz verwendet. In der Likör-, cherung von Krankheitserregern und
die flach wurzelt und zahlreiche unter- Süßwaren- und Kosmetikindustrie Schädlingen sowie einer einseitigen
und oberirdische Ausläufer entwickelt. wird Pfefferminzöl häufig eingesetzt. Bodenbelastung durch schwere Ernte-
maschinen vorzubeugen, sollte danach
unbedingt eine vier- bis fünfjährige
Anbaupause für alle Lippenblütler wie
zum Beispiel Salbei, Thymian oder
Zitronenmelisse eingehalten werden.
Als Vorfrüchte sind Leguminosen, Kar-
toffeln und Getreide geeignet. Kultu-
ren, bei denen mit Herbizidrückstän-
den im Boden gerechnet werden muss,
sind ungeeignet. Getreide sollte als
Nachfrucht angebaut werden, da durch
die dort einsetzbaren Herbizide auch
die Bekämpfung eines eventuellen
Durchwuchses einfacher ist. Durch den
meist mehrjährigen Anbau verhindert
Pfefferminze Erosion und Nährstoff-
auswaschung.

Bodenvorbereitung und
Düngung
Das Feld muss locker hergerichtet wer-
den. Gerade als Maßnahme zur
Die Ölzellen der Pfefferminze liegen vorwiegend auf der Blattunterseite und können Unkrautbekämpfung ist Pflügen ein
bei der Ernte leicht beschädigt werden wichtiges Instrument. Je nach dem
gewählten Anbauverfahren kann dann Pflanzung oder dem Austrieb (Anfang (Pfefferminze) gibt es zwei Formen:
danach noch im Herbst oder im späten März bis Anfang April) und ein bis 1. forma rubescens = dunkelgrüne,
Frühjahr auf abgetrocknetem Boden zwei weitere Gaben bis zum Schließen „black mint“-Sorten mit dunkelgrü-
der Einsatz von Grubber, Kreiselegge, des Bestandes (je nach Anbauverfah- nen, eiförmigen Blättern und vio-
Saatbettkombination oder Egge erfol- ren und Standjahr zwischen Ende Mai lett-rötlicher Nervatur, die auch
gen. Zur vorbeugenden Unkraut- und Anfang Juni). Für einen guten und ‚Mitcham‘-Typ genannt werden,
bekämpfung ist ein mehrmaliger schnellen Austrieb nach den Schnitten 2. forma pallescens = hellgrüne „white
Eggen- oder Striegeleinsatz bis zur ist die gesamte zu verabreichende mint“-Sorten mit rein hellgrünen,
Pflanzung empfehlenswert. Menge außerdem so aufzuteilen, dass lanzettlichen Blättern, die auch als
Im Sinne eines umweltverträglichen nach jedem Schnitt mit Ausnahme des ‚Pfälzer Pfefferminz‘-Typ bezeich-
Anbaues muss sich die Nährstoffzufuhr letzten 20 bis 30 kg N/ha gegeben wer- net werden.
nach der Abfuhr durch die Pflanzen den können. Welche Sorte für den Anbau verwen-
(Entzüge s. Tabelle 1) und nach der det wird, hängt sehr stark vom Abneh-
Bodenuntersuchung richten. Da die mer und vom Verwendungszweck ab.
individuelle Ertragshöhe den tatsächli- Anbau Reich an Menthol sind insbesondere
chen Entzug bestimmt, können die in Jungpflanzen oder Stolonen (unterirdi- die BLBP-Herkünfte 02, 04, 31, 32, 56
der Tabelle angegebenen Durch- sche weiße Ausläufer) verschiedener und 75.
schnittswerte pro Hektar aber nur als Sorten, die allerdings keinen Sorten- Wie schon erwähnt, ist eine generative
Anhaltspunkt dienen. Auf optimal ver- schutz besitzen, werden im Handel Vermehrung der Pfefferminze nicht
sorgten Böden sollte die Düngung bei angeboten (zum Beispiel ‘Multimen- möglich. Die Bestandesetablierung
Phosphat, Kalium und Magnesium tha‘, ‘Mitcham‘, ‘Nr. 36A‘, ‘Nr. 541‘, kann daher nur über das Ausbringen
durch organische oder anorganische ‘Pfälzer Minze‘). In der Praxis traten von bewurzelten Kopfstecklingen oder
Düngemittel in Höhe der Abfuhr erfol- allerdings bei diesem Material zuneh- geteilten Stolonen erfolgen.
gen. Dabei ist die Nährstoffnachliefe- mend Probleme mit Ertragsdepres-
rung aus Ernterückständen zu beach- sionen, Rostbefall und nicht ausrei-
ten. Frischer Stallmist oder Gülle soll- chendem Ölgehalt sowie mangelhaften Stolonen
ten nicht eingesetzt werden, da sie sensorischen Eigenschaften auf. Nach Die benötigten Stolonen können aus
eventuell zu überhöhten Keimzahlen mehrjährigen Qualitäts- und Lei- vorhandenen Beständen gewonnen
im Erntegut führen können. Minerali- stungsprüfungen der LfL mit einem werden. Dazu werden ab Anfang
sche Dünger mit Phosphat, Kalium und sehr großen, weltweit zusammenge- Oktober die Wurzeln zum Beispiel mit
Magnesium sind zur Vermeidung tragenen Sortiment konnten drei Schwingsieb- oder Siebkettenrodern
hoher Salzgehalte im Boden während Herkünfte (BLBP 35, BLBP 47 und gerodet, von Hand verholzte Teile ent-
der Jugendphase bereits längere Zeit BLBP 56) ermittelt werden, die sich fernt und die Stolonen in 10-20 cm
vor dem Anbau zu verabreichen. durch deutlich bessere Inhaltsstoff- lange Stücke zerteilt, wobei mindestens
Neben dem zur Abfuhr hinzu zu rech- gehalte bei gutem Ertragsverhalten 3 bewurzelte Knoten vorhanden sein
nenden Puffer von etwa 30 kg Rein- auszeichnen. Jungpflanzen dieser und müssen. Ein mechanisches Zerkleinern
stickstoff (N) pro Hektar ist der Nmin- weiterer BLBP-Herkünfte können (Häckseln) hat sich wegen vieler Ver-
Gehalt des Bodens in 0 bis 60 cm Tiefe von speziellen Vermehrungsbetrieben letzungen nicht bewährt. Das gewon-
vor Anbau- oder Vegetationsbeginn in bezogen werden (Kontaktadresse: nene Pflanzenmaterial sollte noch im
Abzug zu bringen. Weiterhin muss die Paul und Elis Lechner, Frimmers- Herbst ausgebracht werden. Der
gesamte Stickstoffmenge in mehrere dorf 1, 91487 Vestenbergsgreuth, Tel. Herbstanbau erbringt höhere Erträge,
Gaben aufgeteilt werden: die erste 0 91 93 /13 24, Fax 0 91 93 /45 00). da der Bestand im Frühjahr früher und
Gabe etwa drei Wochen nach der Von Mentha piperita var. piperita stärker austreibt, der erste Schnitt
früher erfolgt und bei bestimmten Sor-
ten sogar drei Schnitte ermöglicht. Die
Stolonen werden in 10 cm tiefe Fur-
chen lückenlos mit einem Reihenab-
stand von 62,5 cm bis 75 cm abgelegt,
mit Erde bedeckt und angewalzt. Pro
Hektar werden 80.000 – 120.000 Stolo-
nen benötigt (ca. 1 t/ha). Aus einem
Hektar Anbaufläche wird das Stolo-
nenmaterial für drei bis fünf Hektar
gewonnen, je nach Herkunft. Es sollten
nur die weißen, unterirdischen Ausläu-
fer verwendet werden, da diese besser
bewurzeln.

Stecklinge
Die benötigten Stecklinge können aus
Mutterbeständen im Gewächshaus, aus
eben ausgetriebenen Freilandbestän-
den oder aus ständigen Freilandquar-
tieren gewonnen werden. Entspre-
chend den vorhandenen Möglichkeiten
Spezieller Grünguternter für Heil- und Gewürzpflanzen kann die Stecklingsgewinnung von
Mitte April bis spätestens Anfang töpfchen oder auch in Frühbeete feuchtete Wurzelballen aufweisen.
August (um ein sicheres Einwurzeln gesteckt. Als Substrat ist feuchter Sand Nach der Pflanzung ist bei trockener
der Jungpflanzen auf dem Feld vor oder besser noch ein Gemisch aus TKS Witterung unbedingt zu bewässern.
dem Winter sicherzustellen) erfolgen. 1 und feuchtem Sand (1:1) geeignet. Im Hinblick auf die spätere maschinel-
Pro Mutterpflanze und Schnitt ist von Bis zur Bewurzelung müssen die Steck- le Ernte ist auch an einen Beetanbau
10 bis 20 Stecklingen auszugehen. Vier linge mit Folie oder Glas (ohne Pflan- mit breiteren Fahrspuren und mehre-
bis fünf Mal im Jahr können Stecklinge zenkontakt!) abgedeckt werden, um ren Reihen pro Beet in Abhängigkeit
geschnitten werden, wobei natürlich hohe Luftfeuchte und Temperatur hal- von der Schnittbreite der Erntemaschi-
auf die Pflanztermine Rücksicht ge- ten zu können. Der Einsatz einer ne zu denken. Vorverfestigte Fahrspu-
nommen werden muss. Da Pfeffer- Bodenheizung mit 20 °Celsius ist eben- ren sichern die Befahrbarkeit auch bei
minzstecklinge relativ leicht bewur- so anzuraten wie die Schattierung bei schlechteren Wetterbedingungen und
zeln, empfiehlt sich diese Anzuchtsme- Sonneneinstrahlung. verringern die Bodenverdichtung zwi-
thode insbesondere für den Aufbau schen den Fahrspuren.
eines neuen Bestandes. Mit diesem Kurz vor der Pflanzung sollte eine 0,3- Obwohl es sich bei Pfefferminze um
Verfahren wird auch einer Nemato- prozentige Startdüngung mit einem eine ausdauernde Pflanze handelt, soll-
denausbreitung Einhalt geboten, da in stickstoffbetonten Volldünger verab- te der Anbau nicht länger als zwei
Stolonenmaterial aus normalen Er- reicht werden. Sobald die Stecklinge Jahre auf dem selben Feld durchge-
tragsbeständen in gefährdeten Gebie- bewurzelt sind (7-10 Tage), wird die führt werden. Durch diese Anbauweise
ten bereits ein Befall vorhanden sein Folie entfernt, beziehungsweise die werden die Qualität des Erntegutes
könnte. Zu diesem Zweck werden etwa Fenster gelüftet, die Bodenheizung verbessert, Pflege und Unkrautbe-
fünf Zentimeter lange Kopfstecklinge abgestellt und die Temperaturen im kämpfung erleichtert (bereits im zwei-
(Triebspitzen) oder auch noch nicht Haus kontinuierlich bis auf 16 °Celsius ten Jahr kaum noch Reihen sichtbar
verholzte Stengelabschnitte mit zwei Tag und Nacht abgesenkt. Wenn die durch starke Ausläuferbildung), die
Blattpaaren mit einem scharfen Messer Pflanzen gut entwickelt sind, müssen Rostausbreitung vermindert und ein
von den Mutterpflanzen abgeschnitten. sie vor der Pflanzung noch etwa eine Degenerieren des Pflanzenbestandes
Anschließend werden sie in ein Bewur- Woche lang einer kalten und luftigen durch vereinzelte wilde Sämlinge aus
zelungshormon, zum Beispiel Wurzel- aber frostfreien Abhärtungsphase stehengebliebenen Blütentrieben wei-
dip, getaucht und in Anzuchtkisten mit unterzogen werden. Diese Abhärtung testgehend vermieden.
zwei Zentimeter Abstand, in Contai- ist für einen schnellen Wachstumsstart
nerplatten, vorgefertigten Substrat- auf dem Feld von großer Bedeutung.
Pflegemaßnahmen
Während der Jugendphase bis zum
Pflanzung Bestandesschluss Ende Mai/Anfang
Die Pflanzung erfolgt Juni muss mehrmals Unkraut in der
maschinell etwa vier Reihe gejätet und zwischen den Rei-
Wochen nach dem hen zum Beispiel mit Reihenhacken,
Stecklingsschnitt in Reihenhackbürsten oder der Weihen-
einem Reihenabstand stephaner Trennhacke gehackt werden.
von 62,5 cm bis 75 cm Wegen der hohen Reinheitsanforde-
und einem Abstand in rungen an das Erntegut dürfen zum
der Reihe zwischen 20 Erntezeitpunkt keine Fremdpflanzen
cm und 25 cm (53.000 mehr im Bestand stehen, so dass gege-
– 80.000 Pflanzen / benenfalls vor dem Schnitt Beikraut
Hektar). Bei frühem nochmals von Hand entfernt werden
Stecklingsschnitt und muss. Nach den Schnitten werden die
Pflanzung Mitte Mai Zwischenreihen mit Striegeln oder
kann noch mit zwei Hacken gelockert. Im Frühjahr noch
Ernten im selben Jahr vor dem Austrieb im März ist ebenfalls
gerechnet werden. Striegeln empfehlenswert. Versuche
Eine Pflanzung in der zum selektiven Abflammen des Un-
zweiten Junihälfte krautes schädigten die Pfefferminze so
ermöglicht nur noch stark, dass dieses Verfahren bei ihr
einen Schnitt, während nicht anwendbar ist.
bei späterer Pflanzung
keine Ernte mehr im
selben Jahr möglich Pflanzenschutz
ist. Später als Ende Wegen der relativ kleinen Anbau-
August sollte we- flächen gibt es für Heil- und Gewürz-
gen einer eventuell pflanzen nur wenige für die einzelnen
schlechten Einwurze- Arten zugelassene Pflanzenschutzmit-
lung im Boden und tel. Genehmigungen im Rahmen der
daraus folgender Aus- Lückenindikation sind ebenfalls nicht
fälle nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden.
gepflanzt werden. Für Seit 01. Juli 2001 dürfen chemische
einen guten Anwachs- Pflanzenschutzmittel nur dann einge-
Optimierte Versuchs-Destillationsanlage mit karussellförmi- erfolg müssen die setzt werden, wenn für sie bei der
ger Kondensaterfassung Pflanzen gut durch- Zulassung oder im Rahmen eines amt-
lichen Genehmigungsverfahrens ein
Anwendungsgebiet (Kultur-Schaderre-
Tabelle 1: Nährstoffentzüge von Pfefferminze*
ger) ausgewiesen ist. Rechtzeitig vor Nährstoffentzug… N P2O5 K2O Mg O Ca O
einem eventuell notwendigen Einsatz
chemischer Pflanzenschutzmittel muss …je 100 dt frisches Kraut 42 kg 11 kg 55 kg 8 kg 27 kg
daher grundsätzlich die amtliche Pflan- …bei durchschnittlichem Ertrag von:
zenschutzberatung befragt werden,
400 dt/ha frisches Kraut 168 kg 44 kg 220 kg 32 kg 108 kg
welche Pflanzenschutzmittel zum Ein-
satz kommen können. Vor einem even- * nach Untersuchungen der LfL
tuellen Mitteleinsatz sind außerdem
die Abnehmerseite zu informieren und
rechtzeitig vor der Ernte Rückstands-
untersuchungen vorzunehmen. Nur Tabelle 2: Erträge bei Pfefferminze*
durch äußerst sorgfältigen Umgang mit
dem chemischen Pflanzenschutz im Erträge in dt/ha
Heil- und Gewürzpflanzenanbau kann Frisches Kraut Frische Blätter Blattdroge
sich die inländische Produktion positiv
von den Importen abheben und eine Pflanzjahr Folgejahr Pflanzjahr Folgejahr Pflanzjahr Folgejahr
rückstandsmäßig unbedenkliche Roh- 1. Aufwuchs 65-120 350-475 35-65 125-175 8-13 27-33
ware, wie sie heute allgemein verlangt
2. Aufwuchs 90-160 195-255 55-80 80-115 10-18 17-26
wird, auf den Markt bringen.
Die wichtigste Krankheit der Pfeffer- Gesamtertrag 135-230 575-725 75-120 230-280 15-26 45-59
minze ist der Pfefferminzrost. Zuerst * nach Feldversuchen der LfL
erscheinen orangerote Sporenlager an
der Blattunterseite, später entwickeln sen Stadien geschnitten. Bei späterer und zur Verwendung geeigneter Her-
sich beulenartige, rötlich-gelbe Wuche- Ernte nimmt der Stengelanteil gegen- künfte liegen spezielle Veröffentli-
rungen. Rhizoctonia, Phoma, Altern- über den erwünschten Blättern deut- chungen der LfL vor.
aria, Fusarium und Verticillium-Welke lich zu. Außerdem vergilben die unte- In den Versuchen konnten die in Tabel-
treten besonders bei feuchtwarmer ren Blätter, so dass höher geschnitten le 2 dargestellten Erträge ermittelt
Witterung und ungenügendem Frucht- werden muss. Dies macht zusätzliches werden. Das Eintrocknungsverhältnis
wechsel auf. Weiterhin treten die Nachmähen der Stengel auf etwa zehn (EV) zwischen frischen Blättern und
Pfefferminzanthraknose (punktartige Zentimeter Höhe für einen guten Blattdroge schwankte zwischen 4,3 und
Nekrosen, gekräuselte Blätter), Blatt- Neuaustrieb notwendig. Durch eine 6,2. Der Anteil der frischen marktfähi-
fleckenkrankheit und Echter Mehltau Ernte im beschriebenen Pflanzenstadi- gen Blätter am Krautertrag bewegte
(weißliche Flecken auf Blattober- und um werden gute Drogenqualitäten mit sich zwischen 51 und 64 Prozent im
Unterseite) auf. Saugschäden am Blatt hohen Ölgehalten erzielt. Im Pflanz- ersten und zwischen 32 und 52 Prozent
werden durch Zikaden verursacht, der jahr liegen die Schnitttermine in der im zweiten Standjahr.
Minzenblattkäfer und der Grüne zweiten Julihälfte und im September, Versuche zur Wasserdampf-Destillati-
Schildkäfer schädigen durch Loch- und im zweiten Standjahr Ende Juni, Mitte on ätherischer Öle erbrachten Ölaus-
Blattrandfraß, vereinzelt wurde ein August und Ende September. beuten aus dem gesamten frischen
starker Befall von Erdflöhen auf jun- Die Gehalte an ätherischem Öl werden Kraut zwischen 0,2 und 0,4 Volumen-
gen Blättern beobachtet. Der Befall maßgeblich von der verwendeten Her- prozent. Bei einem Krautertrag von
mit verschiedenen Nematodenarten – kunft oder Sorte bestimmt. Ölreiche 400 dt/ha aus zwei Schnitten sind dies
häufig durch eine zu enge Fruchtfolge – Herkünfte, wie sie von der LfL selek- 80 bis 160 Liter beziehungsweise 72 bis
führt zu Kümmerwuchs, Verfärbungen tiert worden sind, erreichten im mehr- 144 Kilogramm Öl pro Hektar. Werden
sowie Vermorschung der Stolonen. jährigen Durchschnitt im Pflanzjahr die richtige Destillationstechnik und
Wirkungsvolle Gegenmaßnahmen sind 2,0 Volumenprozent beim ersten und geeignete Herkünfte verwendet, so
eine aufgelockerte Fruchtfolge, die 2,3 Volumenprozent ätherisches Öl in können 150 bis 200 Liter ätherisches Öl
Vermeidung des Anbaus junger und der Blattdroge beim 2. Schnitt. Im pro Hektar gewonnen werden.
alter Bestände nebeneinander, eine zweiten Standjahr lagen die Werte mit Geerntet werden sollten nach Möglich-
maximal zweijährige Kulturdauer, die 2,6 beziehungsweise 3,0 Volumenpro- keit nur trockene Bestände. Dies kann
Verwendung krankheitstoleranter zent noch höher. mit der Sense, dem Balkenmäher,
Herkünfte und eventuell ein vorzeiti- Wird die Gewinnung des ätherischen einem umgebauten Mähdrescher
ger Schnitt. Öls aus frischen Pflanzen anstatt der (Drescheinrichtung entfernt; zusätz-
Blattdrogenproduktion angestrebt, liche Transportbänder, eventuell Bun-
muss die Ernte im Stadium „Blühbe- ker für Erntegut) oder einem speziel-
Ernte ginn bis Vollblüte“ erfolgen. Dies gilt len Grünguternter, der das Kraut nicht
Die Ernte des gesamten Krautes insbesondere, wenn mentholreiches quetschen darf, erfolgen.
erfolgt je nach Herkunft, Pflanztermin oder arzneibuchkonformes Öl verlangt
und Standjahr in zwei bis drei Schnit- wird, dessen Hauptölkomponenten
ten zirka 10 cm über dem Boden. Die bestimmte Prozentbereiche aufweisen Aufbereitung
günstigste Tageszeit für den Schnitt ist müssen. Bei dieser Nutzungsform Da nur selten das gesamte frische
der späte Vormittag. Für die Blattdro- erfolgen die Schnitte unter südbayeri- Kraut vermarktet werden kann, muss
gengewinnung wird bei Knospenan- schen Verhältnissen Anfang August das Erntegut möglichst rasch nach der
satz, spätestens zu Blühbeginn, oder und Ende September. Zur Gewin- Ernte weiterverarbeitet werden. Zur
bei verstärkter Blattvergilbung im nung aus frischen Pflanzen mit Vermeidung von Ölverlusten, Verfär-
unteren Pflanzenbereich auch vor die Hilfe der Wasserdampf-Destillation bungen und Ausbreitung von Mikroor-
ganismen sind Quetschungen und Kunststoffsäcken, aufzubewahren. Da Die zuvor genannten Werte sind Mini-
Erwärmung unbedingt zu verhindern! ätherisches Öl aus der Droge in be- malanforderungen an die Qualität, die
Mit Hilfe von Häckslern, besser noch stimmte Kunststoffe auswandern kann, in der Praxis durchaus auch strenger
mit speziellen Schneidemaschinen, sollen Säcke aus Polyethylen oder von den Abnehmerfirmen gehandhabt
wird das Kraut in ein bis sechs Zenti- PVC nicht in direkten Kontakt mit der werden können.
meter lange Stücke geschnitten, mit Droge treten.
Hilfe von Windsichtern und Sieben von
den Stengeln befreit und anschließend Qualitätsanforderungen Droge „Ment- Literatur
zügig bei Temperaturen von 45 °C am hae piperitae folium“ (Europäisches
Erntegut zur Schonung der ätherischen Arzneibuch 1997) Bomme, U., Feicht, E. und Schilling, W.
Öle getrocknet. Ein Waschen des Ern- Die Droge umfasst die getrockneten (2001): Ergebnisse aus mehrjährigen
tegutes ist nur bei starker Verschmut- ganzen oder geschnittenen Blätter. Leistungsprüfungen mit ausgewählten
zung notwendig. Die erwünschten acht Neben den allgemein gültigen Qua- Herkünften von Pfefferminze (Mentha
bis zehn Prozent Restfeuchte sind litätskriterien, auf die hier nicht einge- x piperita L.). Im Druck.
erreicht, wenn das Erntegut raschel- gangen wird, etwa zur mikrobiologi-
trocken ist. Je nach Trocknungssystem schen Qualität, zum zulässigen maxi- Bomme, U., Hillenmeyer, G., Reiter H.
dauert dieser Vorgang vier bis 48 Stun- malen Schwermetallgehalt oder zu und Rinder, R. (2000): Optimiertes
den. Die Trocknung kann in Kasten- Pflanzenschutzmittel-Höchstmengen, Verfahren zur praxisnahen Wasser-
oder Etagentrocknern, am besten auf – gelten die nachfolgenden spezifischen dampf-Destillation ätherischer Öle aus
allerdings sehr teuren – Mehrband- Qualitätskriterien: frischen Pflanzenteilen. 1. und 2. Mitt.
trocknungsanlagen, durchgeführt wer- Mindestens 1,2 Volumenprozent äthe- Z. Arzn. Gew. Pfl. 5, 2, 71-79 und 5, 3/4,
den. Eine Lufttrocknung kleinerer risches Öl in der ganzen beziehungs- 132-144.
Mengen im Schatten bei guter Belüf- weise 0,9 Vol. % in der geschnittenen
tung auf Rosten oder Jutedarren in Ware. Höchstens 5 % Stengel-Anteil PH. EUR. (1997): Europäisches Arz-
einer etwa fünf Zentimeter starken mit maximal 1,5 mm Durchmesser, neibuch. Amtliche Deutsche Ausgabe,
Schicht ist ebenfalls möglich. Die höchstens 2 % andere fremde Bestand- 1997, 1466 – 1467. Deutscher Apothe-
Trocknungsdauer beträgt hierbei aber teile und höchstens 8 Prozent durch ker Verlag Stuttgart.
mehrere Tage. Rostbefall braun gefleckte Blätter.
Nach der Trocknung ist die Droge Höchstens 11% Trocknungsverlust Wichtl, M. (1997): Teedrogen und
geschützt vor Feuchtigkeit (auch Luft- (Feuchtegehalt), maximal 15 % Asche Phytopharmaka, 3. Aufl., 391-394. Wiss.
feuchte!), Licht und Lagerschädlingen, und maximal 1,5 % salzsäureunlösliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
zum Beispiel in Papier-, Jute- oder Asche.

Herausgeber: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising, Vöttinger Straße 38, 85354 Freising

4. grundlegend überarbeitete Auflage November 2001


Redaktion: Abt. Information, Wissensmanagement, SG Öffentlichkeitsarbeit, Vöttinger Straße 38, 85354 Freising, Tel. (0 81 61) 71 40 92
Text: U. Bomme
Fotos: W. Seemann, U. Bomme, R. Rinder