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Wohnungsbau mit Stahl 080

Reihenhäuser in Darmstadt

Stahl-Informations-Zentrum
Wohnungsbau mit Stahl 080

Reihenhäuser in Modulbauweise

In Darmstadt-Eberstadt entstand im Rahmen


des Programms „Kostengünstiges Wohnen
für junge Familien“ eine Reihenhauszeile mit
12 Häusern. Was auf den ersten Blick aussieht
wie ein konventioneller Massivbaukomplex,
entpuppt sich als Bausystem in Modulbauweise
mit unsichtbarer Stahlkonstruktion. Insgesamt
24 industriell vorgefertigte Raummodule fügen
sich, über- und nebeneinandergesetzt, zu der
Häuserzeile zusammen.
Die traufständig zur Straße stehenden Reihen- Lageplan Maßstab 1:1000
häuser sind jeweils in Vierergruppen zusam-
mengefaßt und gegeneinander versetzt ange-
ordnet. Sie wurden in zweieinhalbgeschossiger
Bauweise mit ausgebautem Dachgeschoß und
einem massiven Kellergeschoß errichtet. Die
Wohnfläche von jeweils 118 m2 verteilt sich
auf vier Räume, der Keller hat eine Nutzfläche
von 46 m2.
Der zeitliche Bauablauf verlief parallel auf der 6
Baustelle und im Werk. Während auf der Bau-
stelle mit der Erschließung der Grundstücke
und dem Bau der Keller aus massiven Beton-
fertigelementen begonnen wurde, entstanden
im Werk schon die ersten Raummodule.

Fertigung der Module


Jedes Modul ist ein in sich geschlossener Quader
mit einer Größe von 11,00 x 5,00 x 2,95 m. Er
besteht aus einer frei tragenden Stahl-Rahmen-
konstruktion aus warmgewalzten C bzw. U 200- 3
Profilen. Für die Boden- und Deckenkonstruk-
tion der Raummodule werden Querträger aus
IPE 160 bzw. C 160-Profilen im Abstand von 2
500 mm eingelegt und mit Wärmedämmung so-
wie einer Profilblecheinlage als Blindboden ver-
sehen. Schwimmend verlegter Zementestrich 1
und eine doppelte Lage Gipskartonplatten an
der Decke bilden die Grundlage für die indivi-
duelle Raumgestaltung.
Da sich die Zwischengeschoßdecken aus der
Raumabschlußdecke des unteren Geschosses 5
und der Bodenkonstruktion des darüberliegen-
den Geschosses zusammensetzt, werden schall-
technisch optimale Werte erreicht.
Die Innen- und Außenwände sind als Trocken- 4
bauwände ausgebildet. Die 100 bzw. 125 mm
tiefe Stahlständerkonstruktion ist mit Mineral-
wolle und einer PE-Folie als Dampfbremse ver-
sehen und beidseitig zweilagig mit nicht brenn-
baren Gipskartonplatten beplankt. An den Grundrisse Dachgeschoß, Obergeschoß, Erdgeschoß
Außenwänden ist zusätzlich ein 60 mm starkes Maßstab 1:400
Wärmedämmverbundsystem aufgebracht. 1 Eingang 4 Schlafen
2 Küche 5 Kind
3 Wohnen / Essen 6 Ausgebauter Dachraum

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Reihenhäuser in Darmstadt

Montage vor Ort


Die einzelnen, bis zu 22 Tonnen schweren
Raummodule wurden mit Tiefladern zur Bau-
stelle gebracht und mit Hilfe eines Autokranes
versetzt. Sie sind ab Werk schlüsselfertig aus-
gestattet: Wasser- und Abwasserrohre sowie
Stromkabel liegen in den Wänden, Boden- und
Wandbeläge sind angebracht, Sanitäreinrichtun-
gen und Heizung installiert, Türen, Fenster und
Treppen eingebaut.
Die Arbeit auf der Baustelle beschränkt sich
darauf, die einzelnen Module sowie die Ver- und
Entsorgungsleitungen zu verbinden, die Dach-
geschoßelemente zu montieren und das Dach
einzudecken. Zum Schluß wurden die Außen-
wände mit einem mineralischen Kratzputz
bzw. Glattputz versehen, so dass die Häuser
bereits vier Wochen nach Beginn der Montage
bezugsfertig waren.

Die einzelnen
Module werden
im Werk ein-
schließlich aller
Ausbaugewerke
vorgefertigt

Der Transport
der Raummodule
zur Baustelle er-
folgt mit speziel-
len Tiefladern

Wie bei einem


Baukastensystem
werden die
Einzelelemente
über- und neben-
einander gesta-
pelt

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Wohnungsbau mit Stahl 080

Die Reihenhaus-
zeile vor dem
Aufsetzen der
Dachelemente

Auch die Giebel-


wände und
Dachelemente
werden als vor-
gefertigte Ele-
mente geliefert
und montiert

Die Eindeckung
mit Dachpfannen
und die Speng-
lerarbeiten er-
Die Giebelwände bestehen aus Fertigelementen
folgten vor Ort
in Holzständerkonstruktion mit den gleichen
Abmessungen wie die Seitenwände der Raum-
module. Auch sie sind aus brandschutztechni-
schen Gründen mit nicht brennbaren Gips-
werkstoffplatten beplankt. Auf bauseits ange-
brachten Pfetten werden in 35° Neigung die
vorgefertigten Dachelemente mit 200 mm Voll-
sparrendämmung montiert.

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Reihenhäuser in Darmstadt

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7 6 Nach dem Ver-


putzen sind die
Reihenhäuser
nicht von her-
kömmlichen
Bauweisen zu
unterscheiden

3 Vertikalschnitt · Horizontalschnitt Fassade 11 Knagge 24 / 200 mm


Maßstab 1:20 12 Dachelement:
1 Stahlrahmenprofil U 200 Lattung 40 / 60 mm
2 Stahlrahmenprofil 2 x U 200 Konterlattung 40 / 60 mm
3 Bodenaufbau EG / OG: Unterspannbahn
Belag Dämmung 200 mm
schwimmender Estrich 65 mm PE-Folie
1 Spanplatte 19 mm Spanplatte 19 mm
PE-Folie 13 Gipskartonplatte 12,5 mm auf
Dämmung 160 mm Konterlattung 24 / 48 mm
5 Blindboden Stahlblech verzinkt 0,63 mm 14 Dachpfannen
7 6 4 Kunststoff-Fenster mit Isolierverglasung 15 Stellbrett Sperrholz 19 mm
5 Außenwandaufbau: 16 Gesimsschalung 19 mm
Außenputz 3 mm 17 Haustrennwand:
Dämmung 60 mm Gipskartonplatten 2 x 12,5 mm
4 Gipsfaserplatte 15 mm PE-Folie
Ständerprofil CW 125 mit Ständerprofil CW 100 mit
Dämmung 120 mm Dämmung 100 mm
PE-Folie Gipskartonplatten
Gipskartonplatten 2 x 12,5 mm 12,5 mm und 2 x 18 mm
6 Raumabschlußdecke: Luftraum 15 mm
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Spanplatte 19 mm Gipskartonplatten
Dämmung 160 mm 12,5 mm und 2 x 18 mm
Gipskartonplatten 2 x 12,5 mm Ständerprofil C 100
7 Querträger Stahlprofil IPE 160 mit Dämmung 100 mm
2 8 Bodenaufbau DG: PE-Folie
Belag Gipskartonplatten 2 x 12,5 mm
Trockenestrich 65 mm 18 Stahleckprofil L 180 / 180 mm
9 Pfette 120 / 200 mm, abgeschrägt mit angeschweißten Flanschen
10 L-Profil 70 / 100 mm

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Wohnungsbau mit Stahl 080

Vorteile der Raummodulbauweise


Die freitragende Stahlrahmenkonstruktion er-
möglicht eine hohe Flexibilität bei der Grund-
rißgestaltung. Auch ein einheitliches, system-
bedingtes Breitenraster bei Wohnanlagen läßt
individuelle Lösungen zu. Durch die Kombina-
tion unterschiedlicher Modulgrößen, die bis zu
20 m lang und 6 m breit sein können, werden
die Variationsmöglichkeiten noch erhöht. Be-
züglich der Dachform sowie der verwendeten
Materialien für Dach und Fassade besteht ein
weiter Spielraum, ohne dabei auf zertifizierte
Qualitätssicherung verzichten zu müssen. Hin-
zu kommt eine große Auswahl an Fenstern und
Türen sowie zusätzlicher Bauelemente wie Bal-
kone, Erker oder Wintergärten.
Vordächer aus
Die witterungsunabhängige industrielle Vor-
Metall und Glas
fertigung und der hohe Vorfertigungsgrad
schützen den
(etwa 90% der schlüsselfertigen Leistung) ge-
Eingangsbereich
währen extrem kurze Bauzeiten und vor allem
Terminsicherheit zu garantierten Festpreisen.
Die bei herkömmlicher Bauweise oftmals ent-
stehende Doppelbelastung für die Finanzierung
des alten und neuen Wohnraums wird so auf
ein Minimum reduziert.

Farblich abge-
setzter Glattputz
mit horizontaler
Bossierung
lockert die
Fassade an der
Gartenseite auf

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Reihenhäuser in Darmstadt

Durch die Anwendung von Fixmaßen bei der Die Zeitersparnis


Produktion und durch maßgenaue Zuschnitte durch Vorferti-
werden Abfälle weitestgehend vermieden. Der gung der Module
Einsatz von wiederverwendbaren Baustoffen, beträgt bis zu
das energie- und rohstoffsparende Bauen sowie 80 % gegenüber
die systembedingte Minimierung von Lärm und herkömmlichen
Schmutz auf der Baustelle sind weitere Beiträge Bauweisen
zum Umweltschutz.
Hervorragende Ergebnisse werden beim Schall-
und Wärmeschutz erzielt. Dies bewirken ent-
koppelte Bauteile wie die Zwischengeschoß-
decken und zweischalige Wände zwischen
den Gebäuden. Durch das außen angebrachte
Wärmedämmverbundsystem und entsprechen-
de Isolierglas-Fenster erreichen die Häuser
Niedrigenergiestandard. Ein k-Wert von 0,23
wird mit einer Wanddicke von 22 cm erreicht.
Gegenüber herkömmlichen Bauweisen bedeu-
tet das für ein Reihenhaus mit 100 m2 Wohn-
fläche einen Zugewinn von 9 m2.

Bauherr: Impressum
Die Bauverein AG, Darmstadt Wohnungsbau mit Stahl 080
Reihenhäuser in Darmstadt
Architekt: 1. Auflage 2001
Michael Lauer, ALHO Systembau GmbH, ISSN 0175-2006
Morsbach
Herausgeber:
Tragwerksplanung und Stahlbau: Stahl-Informations-Zentrum,
ALHO Systembau GmbH, Morsbach Sohnstr. 65, 40237 Düsseldorf

Redaktion:
Gebäudedaten Dipl.-Ing. Martina Helzel,
Wohnfläche: circa drei, München
118 m2 (mit ausgebautem Dachgeschoss)
Nutzfläche: 46 m2 Ein Nachdruck dieser Veröffentlichung ist –
umbauter Raum: 628 m3 je Haus auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Ge-
nehmigung des Herausgebers und bei Quellen-
Jährlicher Energieverbrauch Reihenmittelhaus angabe gestattet. Die zugrunde liegenden
(Heizung): ca. 50,5 kWh / m2 Informationen wurden mit größter Sorgfalt
recherchiert und redaktionell bearbeitet. Eine
Kosten pro Reihenmittelhaus (ab OK Keller): Haftung ist jedoch ausgeschlossen.
1.850 DM / m2 Wfl.
Fotos: Werkfotos (2)
Bauzeit: Dezember 2000 bis April 2001 Fotostudio Richard Smith, Darmstadt (10)

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Überreicht durch:

Stahl-Informations-Zentrum
Postfach 10 48 42
40039 Düsseldorf
E-Mail: siz@stahl-info.de · Internet: www.stahl-info.de