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Dokumentation 589

Aufstockung des Stahl-Zentrums


in Düsseldorf

Stahl-Informations-Zentrum
Stahl-Informations-Zentrum Für die Aus- und Weiterbildung von Bau-
ingenieuren steht das Stahlbau-Lehrprogramm
Das Stahl-Informations-Zentrum ist eine mit Fachbeiträgen und Berechnungsbeispielen
Gemeinschaftsorganisation Stahl erzeugender auf CD-ROM zur Verfügung.
und verarbeitender Unternehmen. Markt- und Die Internet-Präsentation (www.stahl-
anwendungsorientiert werden firmenneutrale info.de) informiert u. a. über aktuelle Themen
Informationen über Verarbeitung und Einsatz und Veranstaltungen und bietet einen Über-
des Werkstoffs Stahl bereitgestellt. blick über die Veröffentlichungen des Stahl-
Verschiedene Schriftenreihen bieten ein Informations-Zentrums. Schriftenbestellungen
breites Spektrum praxisnaher Hinweise für sowie Kontaktaufnahme sind online möglich.
Konstrukteure, Entwickler, Planer und Verar-
beiter von Stahl. Sie finden auch Anwendung in
Ausbildung und Lehre.
Vortragsveranstaltungen schaffen ein Impressum
Forum für Erfahrungsberichte aus der Praxis.
Messebeteiligungen und Ausstellungen Dokumentation 589
dienen der Präsentation neuer Werkstoffent- „Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf“
wicklungen sowie innovativer, zukunftsweisen- Ausgabe 2005, ISSN 0175-2006
der Stahlanwendungen.
Als individueller Service werden auch Herausgeber:
Kontakte zu Instituten, Fachverbänden und Spe- Stahl-Informations-Zentrum,
zialisten aus Forschung und Industrie vermittelt. Postfach 10 48 42, 40039 Düsseldorf
Die Pressearbeit richtet sich an Fach-,
Tages- und Wirtschaftsmedien und informiert Manuskript und Redaktion:
kontinuierlich über neue Werkstoffentwicklun- 3L Architekten + Industriedesigner, Menden
gen und -anwendungen. Dipl.-Ing. Veronika Lenze,
Das Stahl-Informations-Zentrum zeichnet Dipl.-Ing. Klaus Th. Luig,
besonders innovative Anwendungen mit dem Dipl.-Ing. Ariane Walter
Stahl-Innovationspreis aus. Er ist einer der
bedeutendsten Wettbewerbe seiner Art und Ein Nachdruck dieser Veröffentlichung ist –
wird alle drei Jahre ausgelobt auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Ge-
(www.stahlinnovationspreis.de). nehmigung des Herausgebers und bei Quellen-
angabe gestattet. Die zugrunde liegenden Infor-
mationen wurden mit größter Sorgfalt recher-
Mitglieder des chiert und redaktionell bearbeitet. Eine Haftung
Stahl-Informations-Zentrums: ist jedoch ausgeschlossen.
• AG der Dillinger Hüttenwerke
• Agozal Oberflächenveredelung GmbH Fotos:
• Arcelor RPS Sàrl Karsten Rabas, Gelsenkirchen
• Benteler Stahl/Rohr GmbH VDEh (Seite 3)
• EKO Stahl GmbH, Gruppe Arcelor
• Gebr. Meiser GmbH
• Georgsmarienhütte GmbH
• Mittal Steel Germany GmbH Inhalt
Seite
• Rasselstein GmbH
• Remscheider Walz- und Hammerwerke Vorwort ........................................................ 3
Böllinghaus GmbH & Co. KG
• Saarstahl AG Einleitung ..................................................... 4
• Salzgitter AG Stahl und Technologie
• Stahlwerke Bremen GmbH, Planung und Konzeption .............................. 6
Gruppe Arcelor
• ThyssenKrupp Electrical Steel GmbH Architektur und Realisierung ....................... 10
• ThyssenKrupp GfT Bautechnik GmbH
• ThyssenKrupp Steel AG Baudaten ....................................................... 22
• ThyssenKrupp VDM GmbH
• Wickeder Westfalenstahl GmbH

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Vorwort

Vorwort
Dachaufstockungen, Umbau- und Erweite-
rungsmaßnahmen erfordern leichte, flexible
Konstruktionen, die kurze Bauzeiten, niedrige
Baukosten und große Gestaltungsfreiheit er-
möglichen. Bauelemente aus Stahl erfüllen diese
Anforderungen und eignen sich hervorragend
für derartige Bauaufgaben.
Das Stahlinstitut VDEh entschied sich bei
der Erweiterung seines Stahl-Zentrums – Sitz
verschiedener Organisationen der Stahl erzeu-
genden und verarbeitenden Industrie – für die
Aufstockung eines dreigeschossigen Bürotrakts.
Schon im Zuge der Vorplanung wurde deut-
lich, dass ein bloßes Aufsetzen eines weiteren
Geschosses auf die bestehende Stahlverbund-
konstruktion nicht als Lösung in Betracht kam.
Bauherr und Architekten beschlossen, ein Und so wird Stahl, der aus gestalterischen Grün-
gegenüber der vorhandenen Fassade zurück- den sichtbar belassen wurde, bei vielen Bau-
springendes Staffelgeschoss mit innenliegendem teilen verwendet: in der Tragkonstruktion, bei
Stahltragwerk zu realisieren. Architektonisch Dach und Fassade sowie beim Innenausbau.
sollte sich der neue Baukörper harmonisch in Die vorliegende Broschüre dokumentiert den
die vorhandene Bausubstanz einfügen, zugleich Bauablauf der Aufstockung von der Planung bis
aber seine gestalterische Eigenständigkeit mar- zur Realisierung und zeigt beispielhaft attrak-
kant herausstellen. Wichtigste Vorgabe des tive Lösungsansätze für das Bauen mit Stahl im
Bauherrn an die Planer war die kostengünstige Bestand.
Schaffung neuer Büroflächen von hoher Quali-
tät. Der Montageablauf war auf wenige Monate
zu begrenzen, um den laufenden Bürobetrieb
möglichst wenig zu beeinträchtigen. Eingesetzt
werden sollten die für jeden Anwendungszweck Prof. Dr.-Ing. Dieter Ameling
optimalen Baustoffe, Stahl überall dort, wo er Präsident Wirtschaftsvereinigung Stahl
eine effiziente und nachhaltige Lösung bietet. Vorsitzender Stahlinstitut VDEh

Hauptgebäude des Stahl-Zentrums nach Aufstockung des Ostflügels

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Einleitung Deutschland für Sanierung und Modernisierung


ausgegeben – mit weiter steigender Tendenz.
Unter dem Dach des Stahl-Zentrums arbei- Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig:
ten seit 1998 das Stahlinstitut VDEh, die Wirt- stagnierende Bevölkerungszahlen, fehlende
schaftsvereinigung Stahl und weitere Organisa- innerstädtische Grundstücke zu annehmbaren
tionen und Institute der Stahl erzeugenden und Preisen und ein in den letzten Jahrzehnten er-
verarbeitenden Industrie zusammen. richteter Gebäudebestand, dessen Bausubstanz
Sie bündeln im Stahl-Zentrum ihre Aufgaben zwar gut ist, aber dringend der Anpassung an
mit dem Ziel, die Stahlindustrie gegenüber Poli- moderne Anforderungen bedarf.
tik, Wirtschaft und Gesellschaft wirkungsvoll zu Die Auseinandersetzung mit der bestehen-
vertreten. den Substanz ist längst nicht mehr nur eine
Das 1986 in der Sohnstraße in Düsseldorf Frage der Stadtbild- oder Denkmalerhaltung. In
errichtete zweiflügelige Stahl-Zentrum befindet einer Zeit zunehmender Rohstoff- und Umwelt-
sich in direkter Nachbarschaft zum Max-Planck- problematik wird sie zusehends zur ökonomi-
Institut für Eisenforschung sowie weiterer Ins- schen wie ökologischen Notwendigkeit. Bauen
titute. im Bestand wird die Aufgabe der Zukunft sein.
Platzmangel und der damit verbundene Be- Platzmangel, sich schneller wandelnde und ver-
darf an neuen Büroflächen war der Grund für ändernde Nutzungs- und Anforderungsprozesse
die Aufstockung des östlichen dreigeschossigen sowie die gesamte wirtschaftliche Situation er-
Gebäudeteils des zweiflügeligen Stahl-Zentrums, fordern neue Überlegungen und Ausführungen
das nach Fertigstellung der Baumaßnahme über auch im Bereich der Büro- und Verwaltungsge-
rund 468 m2 zusätzliche Nutzfläche und damit bäude. Die Forderung nach großer Flexibilität,
über eine Gesamtnutzfläche von rund 6.216 m2 Ökonomie und Ökologie ist auch hier ein aus-
verfügt. schlaggebendes Kriterium.
Das Thema Bauen im Bestand beschäftigt Ökologisches Bauen heißt heute meist Nicht-
seit einigen Jahren in ganz Europa Architekten, bauen oder Umnutzen, Sanieren sowie Nutzen
Planer und Kommunen. Nahezu 60 Prozent der vorhandener Reserven, z. B. in Form einer Auf-
gesamten Bauinvestitionen werden heute in stockung wie beim Stahl-Zentrum.

Städtebauliche Einbindung des Stahl-Zentrums in die angrenzende Umgebung des Stadtteils Düsseltal

4
Einleitung

Solche Maßnahmen sind durch geringere


Kosten meist ökonomisch sinnvoller als ein
Max-Plank-Straße
Neubau und vermeiden zudem neue Ober-
flächenversiegelungen. Die Reduzierung des
Energieverbrauchs durch intelligente Kon-
struktionen, insbesondere in Bezug auf die Hülle
eines Gebäudes, unter Berücksichtigung eines
geringen Flächenverbrauchs für Konstruktion
und Hülle ist heute unerlässlich.
Der Einsatz von Stahl stellt bei solchen Bau-
maßnahmen die optimale Lösung dar. Stahlkon-
struktionen erfüllen die bei einer Aufstockung
notwendigen Forderungen nach leichter Kon-
struktion, schneller Bauzeit – durch einen hohen
Vorfertigungsgrad – und flexibler Anpassung,
aber auch die spezifischen Anforderungen an das
nachhaltige Bauen durch die uneingeschränkte
Recyclingfähigkeit des Baustoffes.
e
straß

Niedrige Kosten, eine schnelle Realisierung


Sohn

der Baumaßnahme bei hoher architektonischer


Qualität sowie eine große Flexibilität unter
besonderer Berücksichtigung des Werkstoffes
Stahl, so lauteten die Zielsetzungen für das
Lageplan Stahl-Zentrum mit aufgestocktem Gebäudeteil Bauvorhaben und die Vorgaben des Bauherrn
(dunkelblau) an die planenden Architekten.

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Planung und Konzeption rungen gestellt. Daher wählten die Planer eine
leichte Stahlskelettkonstruktion aus vorgefertig-
Bereits beim Bau des Stahl-Zentrums im ten warmgewalzten Profilen, die das Gesamt-
Jahre 1986 wurde eine mögliche Aufstockung bild des Innenraumes prägt. Die ebenfalls in
des damals nur dreigeschossig ausgeführten Stahlleichtbauweise errichteten, nicht tragenden
Ostflügels berücksichtigt und eingeplant. Außenwände erfüllen den Wunsch nach einer
Das bestehende Gebäude wurde in einer leichten Konstruktion mit guten dämmtechni-
Stahlverbundbauweise mit massiven Decken, schen Eigenschaften und geringem Konstruk-
Außenwänden und massiven Erschließungsker- tionsgesamtaufbau. Eine solche Wandkonstruk-
nen errichtet. Außenliegende Stahlverbundstüt- tion ermöglicht zudem eine flexible Außenwand-
zen sowie eine aufwendige Fassade mit geboge- bzw. Fassadengestaltung, bei der Teile ohne
nen Stahlblechen prägen das Gesamtbild des größere statische Eingriffe ausgewechselt und
Gebäudes. z. B. gegen transparente Fassadenelemente aus-
Da es sich bei der geplanten Aufstockung getauscht werden können.
um das letzte Geschoss handelt, wurden an die Die leichten, ebenfalls nicht tragenden
Tragkonstruktion keine Brandschutzanforde- Innenwände können problemlos versetzt wer-
den. Eine flexible Grundrissgestaltung ist somit
auch nach der Fertigstellung noch gegeben.
Der hohe Vorfertigungsgrad aller Bauteile
und die Anwendung trockener Bauweisen
garantieren kurze Bauzeiten und reduzieren die
Kosten.
Die gewählte Gesamtkonzeption, bei der
der Werkstoff Stahl nicht nur für die Trag- und
Dachkonstruktion, sondern auch für die nicht
tragenden Außen- und Innenwandkonstruktio-
nen und beim technischen Ausbau eingesetzt
wird, verdeutlicht die vielfältigen Anwendungs-
möglichkeiten dieses Werkstoffes und zeigt
neue innovative Wege auch im Büro- und Ver-
waltungsbau.

Hauptgebäude des Stahl-Zentrums vor Beginn der Arbeiten

Haupteingangsbereich des Gebäudekomplexes

6
Planung und Konzeption

Ansicht des Ostflügels nach Fertigstellung der Baumaßnahme

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Raumprogramm Eine von der klaren Tragstruktur unabhän-


In Bezug auf das Raumprogramm legte der gige Ausbausituation gewährleistet eine flexible
Bauherr besonderen Wert auf eine flexible Ge- und variable Gestaltung der Arbeitsräume so-
staltung der neuen Räumlichkeiten. Da die Be- wie eine schnelle Veränderbarkeit der Raum-
reiche Arbeitsmarkt und Organisationsform von situation. Die in Trockenbauweise erstellten
Unternehmen einem ständigen Wandel unter- Raumteiler können ohne großen Aufwand wie-
worfen sind und sich demzufolge auch die An- der demontiert werden, um die Räume an die
forderungen an Arbeitsplätze ständig ändern, aktuellen Bedürfnisse anzupassen.
steht die Möglichkeit der flexiblen Nutzungs- Das durch die Aufstockung geschaffene
und Funktionsänderung heute mehr denn je im Raumprogramm mit Einzel- und Doppelbüros
Vordergrund. umfasst auch einen großen Besprechungsraum.
Um
bau

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Planung und Konzeption

Die im Bestand vorhandenen Sanitäreinrich- Vorteile der Stahlbauweise


tungen wurden erweitert und der gestiegenen Aufstockungen und Umbaumaßnahmen er-
Anzahl von Mitarbeitern angepasst. Abgesehen fordern immer die intensive Auseinandersetzung
davon gibt es im Umbaubereich eine Teeküche, des Planers mit dem vorgegebenen Bestand und
einen Technik- sowie einen Kopierraum. damit mit gewissen Zwängen. Planerische Kon-
Die neuen Büroräume sind mit dem beste- zeptionen müssen statische Vorgaben, die in
henden Gebäude über das ebenfalls aufgestockte der Regel nur leichte Konstruktionen zulassen,
Treppenhaus sowie über die bereits vorhande- berücksichtigen.
nen zentral gelegenen Aufzüge verbunden. Aus bauphysikalischen und gestalterischen
Gründen sollte bei der geplanten Aufstockung
Die geänderte Gesamtsituation des 3. Ober- des Stahl-Zentrums die Stahlkonstruktion auf die
geschosses erforderte eine Anpassung des Brand- Bestandsdecke und nicht auf die vorhandenen
schutzkonzeptes für dieses Geschoss. Durch die außenliegenden Stahlverbundstützen gestellt
Einteilung in drei Nutzungseinheiten konnte werden. Der Einsatz einer schweren Konstruk-
auf die sonst üblichen brandschutztechnischen tion war auf Grund der geringen Tragfähigkeit
Anforderungen an die Flure verzichtet werden. der Decke nicht möglich. Die Forderung des
Im Bestand hingegen mussten zusätzliche Wän- Bauherrn nach kurzer Bauzeit, kostengünstiger
de ausgebildet werden, die F90-Anforderungen Lösung und flexibler Gestaltung konnte durch
erfüllen. die Wahl einer Stahlrahmenkonstruktion erfüllt
Die neuen Räume wurden flächendeckend werden.
mit Rauchmeldern ausgestattet und an die vor- Die Montage der vorgefertigten und end-
handene Brandmelde- und Alarmierungsanlage beschichteten Stahlkonstruktion auf der beste-
angeschlossen. henden Decke des 2. Obergeschosses erfolgte
innerhalb von fünf Arbeitstagen. Die Wahl einer
Stahlrahmenkonstruktion als Primärtragwerk
ermöglichte eine Spannweite über die gesamte
Grundriss der Aufstockung Gebäudebreite von 12,00 m mit filigranen Trä-
ger- und Stützenprofilen und lediglich einer
1 Besprechungsraum Pendelstütze als zusätzlicher Unterstützung. Die
2–25 Büroräume statischen Gegebenheiten des bestehenden
26–27 Sanitäreinrichtungen Gebäudes bzw. der Decke über dem 2. Ober-
28 Teeküche geschoss erlaubten keine großen zusätzlichen
29 Server-/Computerraum Lasten eines weiteren Geschosses. Durch die
30 Kopierraum Wahl eines optimierten Tragwerks aus IPE-
Profilen und einer leichten Dachkonstruktion
konnte die Aufstockung ohne weitere umfas-
sende statische Maßnahmen durchgeführt
Aufstockung werden.
Die ebenfalls in Stahlleichtbauweise errich-
teten, nicht tragenden Außenwände erfüllen
ebenso wie die Tragkonstruktion die Forderun-
gen nach einer Gesamtkonstruktion mit gerin-
gem Gewicht.

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Architektur und Realisierung Die sichtbare Konstruktion wirkt bestim-


mend und ordnend, die erkennbare Untersicht
Bauherrn und Planern war es wichtig, die des Dachtragwerks und die sichtbar verlegten
Affinität des Stahl-Zentrums zur Stahlindustrie Installationen verleihen dem Gesamtbild einen
und damit auch zum Werkstoff Stahl in der technischen Charakter.
neuen Aufstockung zu demonstrieren.
Deshalb spielt hier der Werkstoff Stahl nicht
nur als tragendes Element eine wichtige Rolle, Tragkonstruktion
sondern auch in den Ausbaubereichen, wie etwa Da an die Tragkonstruktion des neuen Ge-
für Installationsleitungen, sowie bei Dachtrag- schosses keine brandschutztechnischen Anfor-
werk und -eindeckung wird die Vielseitigkeit derungen gestellt wurden, konnte eine unge-
des Einsatzes von Stahl dokumentiert. schützte Stahlrahmenkonstruktion als Tragwerk

Tragkonstruktion aus endbeschichteten Stützen- und


Dachträgerprofilen

Montage der Stahltragkonstruktion

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Architektur und Realisierung

Anbindung der Primär-Stahltragkonstruktion an die Betonfer- Rahmeneckausbildung mit Anschluss der


tigteilwand des aufgestockten massiven Treppenhauskerns Attikakonstruktion

eingesetzt werden. Die Konstruktion übernimmt Die Aussteifung der Gesamtkonstruktion


hier nicht nur die tragende Funktion, sondern erfolgt über die Anbindung an den ebenfalls
ist zugleich gliederndes und optisches Element. aufgestockten massiven Treppenhauskern aus
Bei der Festlegung des Achsmaßes haben Stahlbetonfertigteilen sowie über Portale aus
sich die Architekten an der bestehenden Raster- IPE-Profilen, die in drei Feldern in die Außen-
struktur der darunterliegenden Geschosse orien- wand gestellt wurden.
tiert. Hieraus ergibt sich ein Konstruktionsraster Die gesamte Tragkonstruktion liegt im
von 3,60 m x 12,00 m. Innern des Gebäudes. Dadurch gibt es im
Das Stahlrahmensystem besteht aus warm- Gegensatz zum übrigen Gebäude, bei dem die
gewalzten und farbbeschichteten IPE-Profilen, Tragkonstruktion zum Teil außen liegt, keine
die mittels Schraubverbindungen zusammen- Wärmebrücken.
gefügt sind. Die über eine Gesamtlänge von Die Lastabtragung in die vorhandene Kon-
12,00 m durchlaufenden Deckenträger werden struktion erfolgt über die Decke.
durch Pendelstützen aus Rundrohrprofilen mit
einem Durchmesser von 114,3 mm gestützt.

Maßgenaue Anbindung der neuen Tragkonstruktion an die Eingerüstete Bestandsfassade mit Stahlkonstruktion
Bestandsstützen der Aufstockung

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Montage der Außenwandkonstruktion aus Stahlleicht- Detail des Anschlusses der Außenwandtragkonstruktion
profilen und außenseitiger Beplankung aus Gipsfaserplatten an die Primär-Stahltragkonstruktion

Außenwand und Fassade


Die nicht tragende Außenwandkonstruk-
tion wurde in Stahlleichtbauweise errichtet.
Die Wandkonstruktion aus kaltgeformten Stahl-
leichtprofilen, einer 100 mm dicken Dämmung
aus Mineralwolle, mit Dampfsperre und einer
Beplankung aus Faserzementplatten sowie einer
zusätzlichen, 40 mm dicken außenliegenden
Dämmung aus Steinwolle ermöglicht einen bes-
seren Dämmwert als eine Massivkonstruktion
bei gleicher Wandstärke und geringerem Ge-
samtgewicht der Wand. Dies ist vor allem bei
Aufstockungen interessant, da auf Grund stati-
scher Zwänge schwere Konstruktionen nicht
eingesetzt werden können.

Die vorgehängte hinterlüftete Stahlblech-


fassade besteht aus bandverzinkten und farb-
beschichteten großformatigen 2,0 mm dicken
Stahlblechkassetten. Aus konstruktiven und ge-
stalterischen Gründen wurde die Außenwand-
konstruktion und Fassade um die Stärke der be-
stehenden Attika gegenüber der Bestandsfassa-
de zurückgesetzt. So blieb die bestehende Atti-
kakonstruktion weitestgehend erhalten. Durch
die Montage eines gekanteten Blechs wurde ein
konstruktiver Übergang der neuen Blechfassade
zur Bestandsfassade hergestellt.

Montage der innenseitigen Beplankung

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Architektur und Realisierung

Montage der außenseitigen Beplankung Montage der in der Außenwand liegenden Dämmung

Detail des Anschlusses der


neuen Außenwandkonstruktion
an die Bestandsattika

Fußbodenaufbau
Teppichboden
50,0 mm Estrich auf Trennlage
Stahlverbunddecke (Bestand)

Bestandsattika Außenwand
Farbbeschichtetes Stahlblech
t = 2,0 mm
80,0 mm Luftschicht
40,0 mm Dämmung WLG 035
12,5 mm Gipsfaserplatte F30
100,0 mm Ständerwerk (C-Profile)
Dämmung WLG 035
Dampfsperre (PE-Folie)
12,5 mm Gipsfaserplatte
50,0 mm C-Profil/Installationsebene/
Akustikplatte 55P, 60,0 mm,
abschnittsweise
12,5 mm Gipskartonplatte

Detail des Anschlusses


der neuen Fassadenbleche
an die Bestandsattika

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Fassadenausschnitt

Die Fenstergrößen sowie das Fugenbild der Die Farbgebung der neuen Fassade wurde
neuen Fassade wurden auf die Bestandsfassade nach langen Diskussionen mit der Bauaufsichts-
abgestimmt. behörde festgelegt. Die gewählten Farbtöne
Zur Betonung der Horizontalen im Bereich ordnen sich der Farbgebung der Bestandsfassade
der Aufstockung wurden die Fenster mit einem unter, die Aufstockung erscheint so eher zu-
gegenüber der restlichen Fassade vorspringen- rückhaltend als dominant. Die sehr strikten
den und farblich abgesetzten Rahmen aus ge- Vorgaben des Bauamtes hinsichtlich der Fassa-
kanteten Blechen eingefasst. Hierdurch erschei- dengestaltung wurden eingehalten, ohne je-
nen die Fenster optisch als Gesamtfensterband. doch die Bestandsfassade 1 : 1 zu übernehmen.
Der außenliegende Sonnenschutz aus Blech-
lamellen wurde in die Rahmenkonstruktion
integriert.

Fassadendetail der Fensterrahmenkonstruktion Fassadendetail der horizontalen Fenster-


rahmenkonstruktion

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Architektur und Realisierung

Gesamtbild der Fassade nach erfolgter Aufstockung


mit außenliegender Verschattung

Gebäuderückseite nach Fertigstellung


der Baumaßnahme

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Verlegung der gelochten Stahltrapezprofile als Dachtragschale auf der Rahmentragkonstruktion

Dachkonstruktion Der aus einer Dampfsperre, einer zwei-


Aus gestalterischen und vor allem stati- lagigen Dämmung sowie einer bituminösen
schen Gründen wurde auch für die Dachaus- Abdichtungsbahn bestehende Flachdachauf-
bildung eine leichte Konstruktion gewählt. Die bau ist mit einer rollnahtgeschweißten Blech-
Tragschale aus beschichteten, gelochten Stahl- eindeckung aus 0,5 mm dickem walzmattiertem
trapezprofilen bleibt zum Innenraum hin sicht- Edelstahl der Güte 1.4404 eingedeckt. Diese
bar. In die Stege wurden zur Verbesserung der Ausführung erfordert keine kostenintensive
Raumakustik Rieselschutz und Mineralfaser- zusätzliche Gefälledämmung, der Flachdach-
dämmstoff eingelegt. aufbau kann so als Null-Grad-Dach ausgebildet
werden. Aus optischen Gründen erfolgte die
Befestigung der Haften mittels sichtbarer Nie-
tung von unten. Der Einsatz der Edelstahlblech-
eindeckung gewährleistet eine wartungsarme
Flachdachausführung mit hoher Lebensdauer.

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Architektur und Realisierung

Ausführungsdetail der neuen Attikakonstruktion

Dachaufbau
Blecheindeckung aus Edelstahl
t = 0,5 mm (rollnahtgeschweißt)
Abdichtungsbahn G200 S4
60,0 mm Dämmung WLG 040
100,0 mm Flachdachdämmung WLG 035
Dampfsperre
103,0 mm Trapezprofil gelocht mit Dämmung,
Rieselschutz

Attikaaufbau
Farbbeschichtetes Stahlblech t = 2,0 mm
80,0 mm Luftschicht
40,0 mm Dämmung WLG 035
12,5 mm Gipsfaserplatte F30
100,0 mm Quadrat-Hohlprofil 60 x 60 x 4 mm
C-Profile
Dämmung WLG 035
IPE 270 Abdichtung G200 S4
Blecheindeckung aus Edelstahl
t = 0,5 mm

Außenwand
Farbbeschichtetes Stahlblech t = 2,0 mm
80,0 mm Luftschicht
40,0 mm Dämmung WLG 035
12,5 mm Gipsfaserplatte F30
IPE 220 100,0 mm Ständerwerk (C-Profile)
Dämmung WLG 035
Dampfsperre (PE-Folie)
12,5 mm Gipsfaserplatte
50,0 mm C-Profil/Installationsebene/
Akustikplatte 55P, 60,0 mm,
abschnittsweise
12,0 mm Gipsfaserplatte

Anlieferung der zugeschnittenen Edelstahlbleche für die Falzverbindung der Längs- und Quernähte
Dacheindeckung

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Rollnahtschweißen der
Edelstahlscharen

Kanten der Edelstahlscharen

Das innenliegende Entwässerungssystem Leitungen gegenüber herkömmlichen Systemen


der neuen Dachfläche mit vier Flachdachein- geringer dimensioniert werden. Die neuen
läufen wurde an das bestehende Unterdruck- Leitungen sind verzinkte, doppelschalig ge-
system angeschlossen. Dadurch können die dämmte Rohre, die sichtbar unter der Decke
horizontalen Entwässerungsleitungen der Dach- verlegt wurden.
entwässerung ohne Gefälle verlegt und die

Fertig gestellte Dachfläche

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Architektur und Realisierung

Innenausbau
Die sichtbare Stahltragkonstruktion prägt
den Innenraum. Die wie die Außenwände in
Trockenbauweise errichteten Flur- und Büro-
trennwände bestehen aus kaltgeformten ver-
zinkten C50- bis C75-Stahlleichtprofilen mit einer
beidseitig doppelten Beplankung aus 12,5 mm
dicken Gipskartonplatten und einer 40 mm
dicken Dämmung aus Mineralfaser. Sie bieten
durch die Möglichkeit der schnellen Montage
und Demontage eine große Flexibilität bei
der Innenraumgestaltung. Alle Anschlüsse der
Trennwände an die Stahltragkonstruktion wur-
den mit Schattenfugen ausgebildet. Hierdurch
wird die Linearität und Leichtigkeit der Kon-
struktion hervorgehoben.

Variabler Innenausbau mit Stahlleichtprofilen in Ständerbauweise

Stütze IPE 220

Draufsicht Attika

Horizontalschnitt Anschluss
Bestehende Stahlverbundstütze
Bürotrennwand an Außenwand

12,5 mm Gipskartonplatte
12,5 mm Gipskartonplatte
50,0 mm Profile UW 50/CW 50
Mineralfaserdämmung, 40,0 mm
12,5 mm Gipskartonplatte
12,5 mm Gipskartonplatte

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Helle Räume und eine zurückhaltende Farbgestaltung schaffen eine freundliche Atmosphäre

Vergeblich sucht man die in Büro- und In den Büroräumen und Flurbereichen liegt
Verwaltungsgebäuden üblichen abgehängten Teppichboden, der zur deutlichen Reduzierung
Decken. Die sichtbare Unterseite der Stahltra- des Trittschalls beiträgt. Die umgebauten und
pezdachprofile und die überall sichtbar verleg- neu gestalteten Sanitärräume erhielten einen
ten Installationsleitungen verleihen den Räu- auf den Bestand abgestimmten Fliesenbelag,
men einen gewissen technischen Charakter, der die Teeküche und der EDV-Raum einen funk-
jedoch nicht die Räumlichkeiten dominiert. tionalen Kautschukbelag.
Zudem gewährleisten die offenen Leitungsfüh- Elektroinstallationen, inkl. EDV-Verkabelung
rungen eine einfache und unkomplizierte War- der Büroräume, wurden in Brüstungskanälen
tung und Reparatur. Lediglich in den Umbau- unterhalb der Fenster verlegt. Die Zuleitung zu
bereichen gibt es abgehängte Decken. diesen Kabelkanälen erfolgt auch hier über
Zur Verbesserung der Flurbelichtung wur- sichtbar verlegte Kabelbühnen unterhalb der
den die Stahlzargen der Türen mit Oberlicht- Decke.
bändern ausgeführt. Alle Büro- und Besprechungsräume werden
natürlich be- und entlüftet. Auf eine Klimatisie-
rung, selbst im großen Besprechungsraum,

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Architektur und Realisierung

Fluransicht im aufgestockten Gebäudeteil

wurde bewusst verzichtet. Der außenliegende Realisierung


und individuell fahrbare Sonnenschutz trägt Die Planungs- und Realisierungsphase star-
an heißen Sonnentagen zur Verbesserung des tete im März 2003 mit der Erarbeitung einer
Raumklimas bei und schützt die Räume vor Machbarkeitsstudie über eine Aufstockung in
Überhitzung. Stahlbauweise durch die Architekten und endete
Auf Grund der guten Dämmwerte der mit der Fertigstellung der neuen Büroräume im
Außenwand- und Dachkonstruktion ist der zu- Dezember 2004.
sätzliche Wärmebedarf für die Aufstockung Der Bauantrag wurde im September 2003
relativ gering. So konnten die neuen Flächen gestellt. Bereits während der Genehmigungs-
ohne Probleme an das bestehende Heizsystem phase begannen die Architekten mit der Erstel-
angeschlossen werden. Für die Anbindung lung der Ausführungsplanung, so dass nach
wurde der bereits vorhandene Installations- erfolgter Baugenehmigung zeitnah die Aus-
schacht genutzt. Der Anschluss der einzelnen schreibungen und die Vergabe der Bauleistun-
Flachheizkörper erfolgt unsichtbar in der vor der gen stattfanden.
Außenwandkonstruktion angeordneten Installa-
tionsebene.

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Aufstockung des Stahl-Zentrums in Düsseldorf

Baudaten
Gebäudekenndaten
Bauort:
Sohnstraße 65, 40237 Düsseldorf

Grundstückgröße:
31.045 m2

Nutzfläche der Aufstockung:


468 m2

Nutzfläche 3. OG gesamt, inkl. Aufstockung:


990 m2

Umbauter Raum
Flur, sichtbare Tragkonstruktion und Deckenuntersicht (beide Flügel Hauptgebäude Stahl-Zentrum):
29.590,75 m3
(davon nur Aufstockung: 2.151,67 m3)
Die Aufstockung und der damit verbundene
Eingriff in den Bestand wurden parallel zum Gebäudeart:
laufenden Geschäftsverkehr ohne größere Aus- Aufstockung in Stahlbauweise
wirkungen und Einschränkungen realisiert. Eine
durch verwaltungsinterne Umstrukturierungen Bauzeit:
bedingte lange Genehmigungsdauer und die für 4 Monate
die Öffnung der Dachflächen erforderlichen sta-
bilen Wetterverhältnisse bestimmten den Start Fertigstellung:
der Arbeiten. So konnte im August 2004 mit Dezember 2004
den Baumaßnahmen begonnen werden. Bereits
im Dezember 2004 war die Aufstockung fertig Baukosten:
gestellt, und die neuen Räume wurden dem ca. 665.000 Euro
Bauherrn übergeben.
Das zu Beginn der Planung vom Bauherrn
bewilligte Budget konnte unter Einhaltung aller
Vorgaben um rund 6 bis 7 Prozent unterschrit- Bauherr und Planungsbeteiligte
ten werden.
Bauherr:
Stahl-Institut VDEh, Düsseldorf

Generalplanung:
3L Architekten und Industriedesigner, Menden
Dipl.-Ing. Veronika Lenze,
Dipl.-Ing. Klaus Th. Luig

Projektleitung:
Dipl.-Ing. Ariane Walter,
Dipl.-Ing. Marco Jaschke

Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Krause, Menden

Gebäudetechnik:
Ingenieurbüro Heering, Menden

Prüfingenieur:
Detail Installationsführung Ingenieurbüro v. Spiess, Schäfer, Dortmund

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Baudaten

Beteiligte Firmen (Auswahl)

Gerüstbau: Trockenbau:
Gerüstbau Kaiser, Neuss Benzel, Düsseldorf

Rohbauarbeiten: Türen:
Bauunternehmung Roos + Weber, Düsseldorf Nagel Baupart GmbH, Essen

Stahlbau: Elektroinstallationen:
Temme Stahl- und Industriebau GmbH, Elomech Elektroanlagen GmbH,
Schafstädt Mülheim an der Ruhr

Fassade: Heizung/Sanitär/Lüftung:
Hoesch Contecna Systembau GmbH, Leipzig Walbrück GmbH, Bonn

Dacharbeiten: Malerarbeiten:
Kentzler GmbH & Co. KG, Dortmund Westerfeld GmbH & Co. KG, Düsseldorf

Lieferant Edelstahlblech:
ThyssenKrupp Nirosta GmbH, Krefeld

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Stahl-Informations-Zentrum

Postfach 10 48 42
40039 Düsseldorf
E-Mail: siz@stahl-info.de
Stahl-Zentrum Internet: www.stahl-info.de