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Herzgeräusche 

1 Definition
Herzgeräusche sind meist pathologische, d.h. krankhafte, Strömungs- bzw. Klappengeräusche, die
vom Herzen ausgehen. Sie stehen damit im Gegensatz zu den normalen physiologischen Herztönen.

2 Pathophysiologie
Ursachen für Herzgeräusche sind in der Regel Defekte der Herzklappen (so genannte Herzklappenfehler)
oder Stenosen der angeschlossenen Blutgefäße, die durch die Veränderung der Hämodynamik zu
Strömungsgeräuschen führen.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen können Herzgeräusche - vor allem bei Anstrengung oder Aufregung - auch
physiologisch sein. Man spricht dann von akzidentellen Herzgeräuschen.

3 Einteilung
Man kann Herzgeräusche nach ihrem Auftreten während der verschiedenen Herzaktionen differenzieren. Man
unterscheidet:

 Systolische Herzgeräusche (Systolikum)


 Diastolische Herzgeräusche (Diastolikum)
 Sonstige Herzgeräusche (z.B. akzidentelles Herzgeräusch)

4 Charakterisierung von Herzgeräuschen

4.1 Lautstärke
Zur genaueren Lautstärkedifferenzierung wird eine Sechstelskala verwendet. Dabei gilt:

 1/6 - nur mit Mühe bei der Auskultation hörbar


 2/6 - leise, jedoch bei Auskultation immer hörbar
 3/6 - laut, jedoch ohne Schwirren
 4/6 - lautes Geräusch mit Schwirren
 5/6 - hörbares Geräusch auch ohne vollständiges Auflegen des Stethoskops
 6/6 - ohne Stethoskop hörbares maximal lautes Geräusch

4.2 Punctum maximum
Die Auskultationsstelle, an der ein Herzgeräusch am lautesten und deutlichsten zu hören ist, wird als das Punctum
maximum bezeichnet.
4.3 Fortleitung
Sind am Herzen hörbare Geräusche auch über anderen Gefäßen bzw. Körperregionen zu hören, spricht man von
einer Fortleitung, beispielsweise wird das Geräusch einer Aortenstenose in die Arteria carotis
communis fortgeleitet.

4.4 Geräuschentwicklung
Die Geräuschentwicklung mit Leiserwerden, Lauterwerden oder gleichbleibender Lautstärke wird bei der genauen
Dokumentation mit berücksichtigt. Gängige Beschreibungen sind:

 spindelförmig - Geräusch fängt leise an, erreicht ein Maximum und wird zum Ende leiser
 bandförmig - die Lautstärke des Geräusches ist durchgehend gleich
 crescendoform - ein zunächst leiseres Geräusch wird lauter
 decrescendoform - ein zunächst lauteres Geräusch wird leiser

Atemgeräusche 

1 Definition
Atemgeräusche sind alle Geräusche, die bei der Auskultation der Lunge während der In-
oder Exspiration wahrnehmbar sind.

2 Einteilung
Man unterscheidet:
 Atemgeräusche
o Normale Atemgeräusche
o Abnorme bzw. pathologische Atemgeräusche
 Atemnebengeräusche

2.1 Normale Atemgeräusche
Die normalen Atemgeräusche entstehen durch turbulente Luftströmungen innerhalb der Atemwege.
Eine gleichmässige, laminare Luftströmung würde keine Geräusche verursachen. Die Schallübertragung
der Atemgeräusche hängt von der Distanz zwischen der Geräuschquelle und dem Stethoskopkopf, sowie
von der Schallleitung des dazwischen liegenden Gewebes ab. Man unterscheidet:
 zentrales Atemgeräusch (auch: Bronchialatmen)
 peripheres Atemgeräusch (auch: Vesikuläratmen)
Beiden Formen liegen die gleichen Entstehungsmechanismen zugrunde. Sie unterscheiden sich jedoch in
ihrer Frequenz, was durch die unterschiedliche Schallübertragung bedingt ist.
2.1.1  Zentrales Atemgeräusch
Das zentrale Atemgeräusch kommt durch Turbulenzen in den größeren Atemwegen
(Trachea, Bronchien) zustande. Es ist ein lautes, mittel- bis hochfrequentes Geräusch, das in- und
exspiratorisch über den zentralen Atemwegen hörbar ist.
2.1.2  Peripheres Atemgeräusch
Das periphere Atemgeräusch ensteht nicht, wie es der Name vermuten lassen würde, in der Peripherie
der Lunge, also den Alveolen. Es ist vielmehr der Anteil des zentralen Atemgeräuschs, der durch das
Lungengewebe, die Pleura und die Brustwand gedämpft wird. Es kann über den peripheren
Lungenfeldern abgehört werden. Das zwischen Geräuschquelle und Stethoskop liegende Gewebe
verringert die Schallamplitude und filtert die hohen Frequenzen weg. Es handelt sich um
ein leises und tieffrequentes Geräusch, das während der Inspiration und zu Beginn der Exspiration gehört
werden kann.

2.2 Abnorme Atemgeräusche
Abnorme bzw. pathologische Atemgeräusche werden entweder durch eine
abnorme Schallentstehung oder eine abnorme Schallleitung verursacht.
2.2.1  ...durch Schallentstehung
Abnormer Schall ist entweder zu leise oder zu laut. Man unterscheidet deshalb:
 leises Atemgeräusch
 lautes Atemgeräusch
Ein zu leises Atemgeräusch findet man z.B. bei einer Dyspnoe in Form einer Hypoventilation. Das
Gegenteil, ein zu lautes Atemgeräusch, entsteht, wenn in den Atemwegen
durch Stenosen, Entzündungen der Bronchien oder Hyperventilation mehr Turbulenzen als normal
entstehen.
2.2.2  ...durch Schalleitung
Auch eine abnorme Schallleitung kann zu einer Veränderung der Atemgeräusche führen. Man
differenziert entsprechend:
 abgeschwächtes Atemgeräusch
 verstärktes Atemgeräusch
Ein abgeschwächtes Atemgeräusch kann auf zwei Weisen entstehen:
 durch eine Vergrößerung der Übertragungsdistanz des Schalls, z.B. bei einer Überblähung der
Lunge (Lungenemphysem).
 durch eine größere Dämpfung des Schalls auf seinem Weg zum Stethoskopkopf, z.B. durch
einen Pleuraerguss
Eine extreme Abschwächung (fehlendes Atemgeräusch) weist auf einen Pneumothorax hin.
Demgegenüber tritt ein verstärktes Atemgeräusch auf, wenn der Schall besser geleitet wird als normal,
z.B. durch die Infiltration des Lungengewebes bei einer Pneumonie.
Bei Veränderungen der Schalleitung werden nicht nur die Atemgeräusche, sondern auch
die Sprechgeräusche und Sprechvibrationen anders übertragen. Die Schallleitung hochfrequenter
Sprechgeräusche wird durch die Bronchophonie bestimmt, die Schallleitung tieffrequenter
Sprechvibrationen durch Palpation des Stimmfremitus.

2.3 Atemnebengeräusche
Atemnebengeräusche werden nicht durch turbulente Luftströmungen, sondern durch Fremdkörper,
Flüssigkeiten oder Sekrete in den Atemwegen verursacht. Zu ihnen zählen zum Beispiel
die Rasselgeräusche.

Rasselgeräusche

1 Definition
Rasselgeräusche, kurz RG oder RGs, sind bei der Auskultation der Lungen wahrnehmbare
Geräuschphänomene, die durch Bewegung von Flüssigkeiten bzw. Sekreten in den Atemwegen während
der In- und Exspiration entstehen. Sie zählen zu den Atemnebengeräuschen, welche die
normalen Atemgeräusche überlagern, und weisen in der Regel auf pathologische Veränderung der
Lunge hin.

2 Einteilung
Man kann Rasselgeräusche nach den verschiedenen Aspekten ihres akustischen Charakters unterteilen.
Neuere Unterteilungen basieren auf dem Begriff "Atemnebengeräusch" und ordnen unter
"Rasselgeräusch" nur die feuchten Rasselgeräusche ein.

2.1 Feuchte Rasselgeräusche
Feuchte RG werden durch dünnflüssige Sekrete erzeugt (z.B. Ödemflüssigkeit) - vor allem während des
Einatmens (Inspiration). Man kann sie in drei Klassen gliedern:
 grobblasig (auch: großblasig)
 mittelblasig
 feinblasig (auch: kleinblasig)
Der Geräuschcharakter weist darauf hin, welcher Abschnitt der Atemwege betroffen ist. Grobblasige RG
entstehen in Abschnitten mit größerem Lumen, feinblasige RG in kleinlumigen Abschnitten. Grobblasige
RG findet man dementsprechend vor allem bei Lungenödem oder Bronchiektasen. Gelegentlich sind sie
so deutlich, dass man sie auch ohne Stethoskop hört. Mittelblasige RG treten zum Beispiel im Rahmen
einer Bronchitis auf. Feinblasige RG sind typisch für ein Problem in der Nähe der Alveolen, z.B. im
Rahmen einer Pneumonie.
Der Klangaspekt feuchter RG ist auch von den Gewebeschichten abhängig, die sich zwischen dem
Stethoskop und dem erkrankten Gewebebezirk befinden. Man unterscheidet daher drei weitere
Geräuscheigenschaften:
 klingend
 nicht-klingend
 metallisch
Klingende RG besitzen eine höhere Tonlage und sprechen für einen "ohrnahen" Befund. Bei nicht-
klingenden RG liegt der Befund eher im "ohrfern", d.h. im Inneren der Lunge, nahe den Bronchien. Einen
metallischen Klang der RG verzeichnet man beim Pneumothorax.

2.2 Trockene Rasselgeräusche
Trockene RG - nach neuerer Nomenklatur "trockene Atemnebengeräusche" - werden
durch zähflüssige Sekrete meist in Verbindung mit Schleimhautschwellungen in den Atemwegen
verursacht. Sie klingen melodischer als feuchte RG und machen sich
als Pfeifen, Giemen oder Brummen bemerkbar. Diese Geräusche entstehen durch Schwingungen des
zähflüssigen Schleims im Luftstrom und sind typisch für COPD und Asthma bronchiale.

2.3 Knisterrasseln
Knisterrasseln, auch als Sklerophonie bezeichnet, ist ein endinspiratorisches (am Ende der Einatmung
auftretendes) Geräuschphänomen. Im Gegensatz zu anderen Rasselgeräuschen wird das Knisterrasseln
während der Inspiration lauter. Es tritt vor allem in den unteren Lungenabschnitten auf und kann auf
eine Lungenfibrose hinweisen.