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Asthma bronchiale

Letzte Aktualisierung: 12.02.2021
FRAGEN
KLINIK

ARZT

GELERNT

Abstract
Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit
einer reversiblen bronchialen Obstruktion und/oder mit einem hyperreagiblen
Bronchialsystem einhergeht. Das klinische Bild ist variabel: Es reicht von leichten
Verläufen mit nur rezidivierendem Husten oder Räusperzwang bis hin zu intermittierend
(ggf. anfallsartig) auftretender Luftnot mit pfeifender Atmung und
auskultatorischem Giemen und Brummen. Anamnestisch sind oft bereits in der Kindheit
respiratorische Symptome eruierbar. Diagnostisch wegweisend sind v.a.
die Anamnese sowie die Befunde von Lungenfunktionsmessung und Allergiediagnostik.

Die Genese ist multifaktoriell, sodass es diverse Einteilungen gibt. Die wichtigste
Unterform ist das allergische Asthma bronchiale, das neben der rein symptomatischen
Therapie auch kausal mittels Allergenkarenz und Allergen-Immuntherapie (sog.
„Hyposensibilisierung“) behandelt werden kann. Bei einem allergischen
sowie eosinophilen Asthma können auch sog. Biologicals zum Einsatz kommen.

Die antientzündliche Dauertherapie erfolgt i.d.R. mit inhalativen Corticosteroiden (ICS)


und ggf. langwirksamen bronchienerweiternden Medikamenten. Die akute
Asthmasymptomatik wird mit schnellwirksamen β2-
Sympathikomimetika (insb. Salbutamol) und, wenn notwendig, mit
systemischen Corticosteroiden durchbrochen. Eine gute Patientenschulung ist essentiell,
insb. zur richtigen Applikation der Substanzen und zum Vorgehen im Notfall. Je nach
Verlauf ist eine Eskalation oder Deeskalation der Medikation anhand des Stufenschemas
sinnvoll. Bei einem akuten Asthmaanfall besteht Lebensgefahr, weshalb ein
notfallmäßiger Transport in die Klinik indiziert ist!

Für eine fokussierte Betrachtung pädiatrischer Aspekte des Asthma bronchiale


siehe Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen.
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Definition
Asthma bronchiale: Chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit
reversibler bronchialer Obstruktion und/oder hyperreagiblem
Bronchialsystem  [1][2]

Exazerbation des Asthma bronchiale (sog. akutes Asthma): Akute Phase mit


Symptomzunahme und/oder Abnahme der Lungenfunktion, die über das
gewohnte Maß hinausgeht
o Asthmaanfall: Akut einsetzende, schwere Asthmaexazerbation, die
sich fulminant innerhalb von wenigen Minuten entwickelt und schnell
lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann
o Status asthmaticus: Vital bedrohlicher Asthmaanfall mit Ortho-
und Tachypnoe, Tachykardie und Zyanose, der trotz adäquater
Therapie mind. 24 Stunden andauert 
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Epidemiologie
Prävalenz   
[1]

o ca. 10% aller Kinder


o ca. 5% aller Erwachsenen
Häufigkeit: Etwa 300 Millionen Menschen weltweit betroffen
Mortalität: Weltweit etwa 250.000 Todesfälle pro Jahr infolge
eines Asthma bronchiale 
Geschlecht: ♂ ≈ ♀ 
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf
Deutschland.
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Ätiologie
Risikofaktoren  [1]

Folgende Faktoren beeinflussen die Entstehung und den Verlauf des Asthma bronchiale.

Endogene Risikofaktoren
o Genetische Prädisposition 
o Erhöhtes Körpergewicht 
o Psychosoziale Belastungen 
Exogene Risikofaktoren
o Allergene 
o Infektionen 
o Umweltbedingungen 
o Berufliche Noxen 
o Chemisch-toxische Stoffe, bspw. Haarspray
o Tabakrauch 
o Kalte und/oder trockene Luft
o Ernährung 
o Medikamente 
Eine Tabakrauchexposition erhöht das Asthmarisiko im Kindesalter!

Komorbiditäten bei Asthma bronchiale  [1]

Aufgrund der Assoziation des Asthma bronchiale mit anderen Erkrankungen sollte


unbedingt daran gedacht werden, bei Hinweisen eine entsprechende Diagnostik
einzuleiten 
.

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) 
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) 
Vocal Cord Dysfunction (VCD)   
[3]

Gastro-ösophagealer Reflux (GERD)
Chronische Rhinosinusitis (CRS)
Allergische Rhinokonjunktivitis
Atopische Dermatitis
Vitamin-D-Mangel 
Angststörungen und Depressionen

Auslöser eines akuten Asthmaanfalls oder einer Exazerbation  [1][4]

Allergien
Infektionen
Körperliche Anstrengung (sog. Anstrengungs- oder Belastungsasthma)
Kalte Luft
Medikamente: ASS, Betablocker
Chemisch-toxische Stoffe 
Psychogene Auslösung durch Konditionierung
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Unterformen
Bei der Unterteilung in verschiedene Asthmaformen sind vor allem die multifaktoriellen
Ursachen zu beachten. Die Klassifizierung in verschiedene Subtypen ist daher als
fließend anzusehen.[1]

Allergisches vs. nicht-allergisches Asthma bronchiale


Die Identifizierung des allergischen Asthma bronchiale ist entscheidend, weil hier
spezifische Therapieoptionen wie die Allergenkarenz, die Allergen-Immuntherapie (AIT)
und Biologicals zur Verfügung stehen.
Allergisches Asthma bronchiale
Synonym: Extrinsisches Asthma
Kriterien: Nachweis spezifischer IgE-Antikörper (atopische
Diathese) plus Allergenbezug zur Asthmasymptomatik 
o Erhöhtes Gesamt-IgE im Serum: Vermutlich eigenständiger
Asthmaindikator, der nicht unbedingt auf eine Allergie hindeutet
(anders als erhöhte spezifische IgE-AK)
Prävalenz
o ca. 30% aller Asthmatiker
o Häufigste Form des Asthma bronchiale bei Kindern
Alter
o Meist im Kindesalter 
o Transiente Verlaufsform: Häufiges Verschwinden der Symptomatik in
der Pubertät, manchmal Wiederauftreten im Erwachsenenalter
Auslösende Allergene
o Saisonal: Pollen, Schimmelpilz 
o Nicht-saisonal (perennial=ganzjährig): Hausstaubmilben 
, Tierepithelien 
o Berufsbedingt: Bspw. Mehlstaub (Bäckerasthma)
Besonderheiten der Therapie
o Allergenkarenz: Hausstaubmilbensanierung, Expositionsvermeidung
bei Tierepithelallergie
o Allergen-Immuntherapie bei Asthma bronchiale (AIT)  [5]

 Applikationsformen: Subkutane Immuntherapie (SCIT)
oder sublinguale Immuntherapie (SLIT)
 Ziel
Gute Asthmakontrolle bei reduzierter

Medikamentendosis (bei bereits
manifestem allergischem Asthma bronchiale)
 Aufhalten der sequentiellen Entwicklung
verschiedener atopischer Erkrankungen (atopischer
Marsch) und damit der Entwicklung
eines Asthma bronchiale bei Patienten mit
allergischer Rhinokonjunktivitis, die bisher (noch)
kein Asthma haben (insb. Kinder)
 Kriterien für Therapieindikation
 Kausaler Zusammenhang des Asthma mit Allergie 
 Stabiles Asthma (und FEV  >70% bei Erwachsenen)
1

 Nur zusätzlich zur Allergenkarenz und


Pharmakotherapie 
 Wenn Allergenkarenz unmöglich oder wenn Karenz
nicht zur Asthmakontrolle führt
 Kontraindikation
 Unkontrolliertes, schwergradiges Asthma (oder bei
Erwachsenen mit FEV  ≤70%)
1

 Schlechtes Nutzen-Risiko-Profil bei


einer Allergie gegen Tierepithelien, daher hier nicht
empfohlen 
o ICS-Therapie
 Indikation: Bei rein saisonalem allergischen Asthma 
 Therapiezeitraum: Nur in der Allergiesaison, ab dem
Auftreten der ersten Symptome bis 4 Wochen nach
Saisonende
Nicht-allergisches Asthma bronchiale
Synonym: Intrinsisches Asthma 
Kriterien: Kein Nachweis spezifischer IgE-Antikörper und fehlende
Allergiesymptomatik
Prävalenz: ca. 30–50% aller erwachsenen Asthmatiker
Alter: Insb. >40 Jahre
Auslösender Faktor: Insb. Atemwegsinfekte
Mischform aus extrinsischem und intrinsischem Asthma
Prävalenz: ca. 40% aller Asthmatiker 

Anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion
Synonym: Belastungsasthma
Kriterien: Bronchiale Obstruktion nur oder insb. bei körperlicher Belastung,
siehe: Belastungs-Lungenfunktion
Ätiologie: Unklar, insb. bei Ausdauersportlern gehäuftes Auftreten von
anstrengungsinduziertem sowie belastungsunabhängigem Asthma 
Therapie
o Allgemein: Aufwärmphase vor körperlicher Belastung 
o Akuttherapie: Kurzwirksame inhalative β2-
Sympathomimetika (Salbutamol) nach Bedarf
o Langzeittherapie
Bei unbehandeltem Asthma bronchiale: Antiinflammatorische
Dauertherapie
mit ICS, ICS+LABA als Fixkombination oder Leukotrien-
Rezeptor-Antagonist 
 Bei möglicherweise unzureichender Asthmakontrolle oder
wenn anstrengungsunabhängig weiterhin Symptome
auftreten: Stufenweise Dosiserhöhung/Umstellung der
antiinflammatorischen Therapie 
 Bei ansonsten kontrolliertem,
behandeltem Asthma bronchiale: Kurzwirksame
inhalative β2-Sympathomimetika regulär vor körperlicher
Belastung 
Die Verwendung von β2-Sympathomimetika bei Leistungssportlern unterliegt den
Regularien der WADA (World Anti-Doping Association)!

Analgetika-Asthma
Synonym: Aspirin-Exacerbated Airway Disease 
Kriterien: Sog. Samter-Trias
o Asthma bronchiale (meist intrinsisch)
o Chronische Sinusitis und Polyposis nasi
o Intoleranz gegenüber COX-1-Hemmern (wie Aspirin oder Ibuprofen)
Therapie
o Adaptive Desaktivierung: ASS-Dauertherapie 
o Langzeit- und Akuttherapie: siehe Therapie des Asthma bronchiale

GERD-assoziiertes Asthma  [6]

Kriterien: Asthmasymptomatik bei Patienten mit gastroösophagealem


Reflux (GERD), siehe: Gastroösophageale Refluxkrankheit
Ätiologie
o Refluxinduzierte Vagusreizung → Bronchokonstriktion
o Mikroaspirationen → Bronchiale Hyperreagibilität und
Bronchospasmen
Diagnostik   
[6]

o 24-Stunden-pH-Metrie (Goldstandard)
o Ösophagogastroduodenoskopie 
Therapie
o Symptomlinderung: Protonenpumpeninhibitoren, bspw. Omeprazol 
 
o Langzeit- und Akuttherapie: siehe Therapie des Asthma bronchiale

Eosinophiles Asthma bronchiale  [1]

Kriterien: Nachweis der eosinophilen bronchialen Entzündung mittels


Sputumuntersuchung und Differentialblutbild (siehe auch: Diagnostik des
Asthma bronchiale) 
Ätiologie: Eosinophilie der Atemwege sowohl bei allergischem als auch
bei nicht-allergischem Asthma möglich
Identifizierung wichtig!
o Besseres Ansprechen auf ICS
o Indikationskriterium für Biologikatherapie

Weitere Unterformen  [1]

Cough-variant Asthma
o Kriterien: Chronisch persistierender
trockener Husten und unspezifische bronchiale
Hyperreagibilität (ohne weitere typische Asthmasymptome)
o Besonderheiten
 Häufig verspätete Diagnosestellung und damit verzögerter
Therapiebeginn 
 Etwa ein Drittel der Patienten entwickelt im Verlauf die
komplette Symptomatik des Asthma bronchiale, was durch
einen frühzeitigen Therapiebeginn verhindert werden kann
o Differentialdiagnosen
 Husten bei gastroösophagealem Reflux (GERD)
 Husten bei Einnahme von ACE-Hemmern
 Husten bei oberen Atemwegserkrankungen
o Langzeit- und Akuttherapie: siehe Therapie des Asthma bronchiale
Isocyanat-Asthma [7]

o Anamnese
Arbeitsplatzbedingte Asthmaanfälle,
pfeifende Atmung, Husten
 In Karenzphasen (Wochenende, Urlaub) Besserung oder
Beschwerdefreiheit
o Diagnostik
 Lungenfunktion und Methacholin-Provokationstest können
negativ sein
 Unspezifische Atemwegsempfindlichkeit (Methacholin-
Provokationstest) ggf. nach Arbeitswoche auffälliger als nach
Karenzzeit
o Zur Abklärung 
 Spirometrisches Monitoring
 Alle 2 Stunden Lungenfunktionsmessung mittels
mobiler elektronischer Kleinspirometer durch den
Patienten
 Vor, während und nach der Exposition über 3
Wochen sowie in Karenzphasen
 Dokumentation des Lungenfunktionsverlaufs
 Spezifische (arbeitsplatzbezogene) inhalative Provokation mit
dem wahrscheinlich ursächlichen Arbeitsstoff (Isocyanat) 
 Positivbefund: FEV -Abfall ≥20% bzw. Verdopplung
1

des spezifischen Atemwegswiderstandes (≥2,0
kPa×s )
o Prozedere
 Medikamentöse Langzeit- und Akuttherapie: siehe Therapie
des Asthma bronchiale 
Meldung des V.a. Berufskrankheit an

die Berufsgenossenschaft
 Nach Diagnosesicherung: Arbeitsplatzwechsel anstreben
Type-2-High Asthma vs. Type-2-Low Asthma 
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Klassifikation
Grad der Asthmakontrolle  [1][8]

Bedeutung: Bei allen Patienten sollte wenn möglich ein kontrolliertes


Asthma angestrebt werden (siehe auch: Therapie des Asthma bronchiale)
o Unbehandelte Patienten: Beginn der medikamentösen Behandlung
nach dem Grad der Asthmakontrolle
o Bereits behandelte Patienten: Therapieanpassung (Eskalation oder
Deeskalation) unter Berücksichtigung des Grades der Asthmakontrolle
Pädiatrische Asthmakontrolle, siehe auch: Grad der Asthmakontrolle im Kindes-
und Jugendalter
VOLLBILDTABELLEN-QUIZ

Nächtliche
Notwendigkeit von
Einschränkung Symptome
Grad der Symptome Bedarfsmedikation
von oder ≤2×
Asthmakontrolle tagsüber oder Kontrolliertes
Alltagsaktivitäten nächtliches pro
Notfallbehandlung  Asthma 
Erwachen Woche

Kontrolliertes

Asthma bei Nein Nein Nein Nein

Kindern 

Teilweise

kontrolliertes

Asthma:

1–2 Kriterien >2× pro


Ja Ja >2× pro Woche
Woche
Unkontrolliertes

Asthma:

≥3 Kriterien
Nächtliche
Notwendigkeit von
Einschränkung Symptome
Grad der Symptome
Prognosebestimmung bzgl. zukünftiger Verschlechterung: Bedarfsmedikation
von oder
Asthmakontrolle tagsüber  Lungenfunktion: Atemwegsobstruktion  oder
Alltagsaktivitäten nächtliches
 Exazerbationen  Notfallbehandlung 
Erwachen
: Keine / ≥1 pro Jahr / in der aktuellen Woche

Asthma-Schweregrad
Der Asthma-Schweregrad wird im Verlauf bei bereits therapierten Patienten bestimmt,
nicht bei Erstdiagnose. Er richtet sich danach, auf welcher Stufe der Patient behandelt
wird (siehe Stufentherapie des Asthma bronchiale) und wie der Grad der
Asthmakontrolle ist.

Leichtes Asthma: Kontrolliertes Asthma auf Therapiestufe 1 oder 2


Mittelgradiges Asthma: Kontrolliertes Asthma auf Therapiestufe 3 oder 4
Schweres Asthma  [2]

o Kriterien: Therapie mit ICS in Höchstdosis und mind. 1 zusätzlichen


Langzeitmedikament (LABA oder LTRA) oder OCS >6
Monate/Jahr plus mind. 1 der folgenden Punkte 
 Teilweise kontrolliertes oder unkontrolliertes Asthma
 Schwere Exazerbationen: ≥1 Exazerbation mit stationärer
Behandlung oder Beatmung in den letzten 12 Monaten
 Häufige Exazerbationen: ≥2 corticosteroidpflichtige
Exazerbationen in den letzten 12 Monaten
 Atemwegsobstruktion: FEV  <80% des Sollwertes (FEV /FVC <
1 1

LLN)
o Zusätzlich wird unterschieden:
 Untreated Severe Asthma: Durch fehlende Therapie
 Difficult-to-treat severe Asthma: Durch Incompliance,
Komorbiditäten oder Triggerpersistenz
 Treatment-resistant severe Asthma: Trotz korrekter Einnahme
der empfohlenen Medikamente in höheren Dosen

Klassifikation der Asthmaschweregrade bei Erstdiagnose


Diese Tabelle wird nicht mehr verwendet. Die Therapie richtet sich nach dem Grad der
Asthmakontrolle und nicht nach dem Schweregrad.
VOLLBILDTABELLEN-QUIZ

Symptomatik bei Erstdiagnose

Asthmaschweregrad FEV
In der
Am Tag Exazerbationen P
Nacht
 vo

Kurz (Stunden bis Tage anhaltend), kaum


≤2× pro
I = Intermittierend <1× pro Woche Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher ≥80%
Monat
Aktivität

II = Geringgradig- <1× pro Tag; >1× >2× pro Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher
≥80%
persistierend pro Woche Monat Aktivität

III = Mittelgradig- >1× pro Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher


Täglich 60–8
persistierend Woche Aktivität

IV = Schwergradig- Täglich mit hoher


Häufig Sehr häufig, ständige Beeinträchtigung des Alltags <60%
persistierend Intensität

Bei Vorhandensein eines der Kriterien wird der Patient in die entsprechende Kategorie eingeordnet.

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Pathophysiologie
Pathophysiologische Ursachen  [1]

Die folgenden zellulären Systeme können unterschiedlich stark betroffen sein und sich
gegenseitig bedingen, wodurch ein variables Krankheitsbild entsteht und sich
verschiedene Diagnostik- und Therapieoptionen beim einzelnen Patienten ergeben.
Allen Patienten gemein ist i.d.R. jedoch die bronchiale Hyperreagibilität.

Epitheliale und subepitheliale Veränderungen


o Allergenexposition und/oder Viren-/Bakterienexposition →
Freisetzung proinflammatorischer Zytokine und Wachstumsfaktoren
o Folgen
 Zunehmende Produktion von zähem Schleim durch
das respiratorische Epithel
Veränderte Produktion von Bindegewebsbestandteilen und

veränderte Beschaffenheit der subepithelialen Matrix
Immunologische Veränderungen
o Dendritische Zellen: Sensibilisierung gegenüber Allergenen und
Bildung von u.a. proinflammatorischen Th -Zellen
2

o Antigen-spezifische T-Lymphozyten und Antigen-unspezifische
lymphoide Zellen 
: Erhöhte Anzahl im Respirationstrakt → Vermehrte Bildung
von Zytokinen wie IL-4, IL-5, IL-9, IL-13 → Erhöhung der
Eosinophilenzahl und IgE-Produktion
o Mastzellen: Erhöhte Anzahl im Respirationstrakt, Freisetzung
proinflammatorischer Mediatoren
o Eosinophile Granulozyten: Erhöhte Anzahl im Respirationstrakt,
Freisetzung von Mediatoren und Wachstumsfaktoren
o Allergische Reaktionen 
IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp auf ein

spezifisches Allergen mit Mastzelldegranulation und
Histaminfreisetzung nach einer vorangegangenen
Sensibilisierungsphase
 IgG-vermittelte Spätreaktion nach 6–12 Stunden
Neuromuskuläre Veränderungen
o Hypertrophie und -plasie der glatten Muskulatur
o Erhöhte Sensibilität und Reflexaktivität des
sensorischen Nervensystems
o Erhöhte Neurotransmitterfreisetzung im parasympathischen
Nervensystem
Vaskuläre Veränderungen: Vermehrte Blutgefäßbildung
in Mucosa und Submucosa
Eine allergische Sensibilisierung ist der häufigste Auslöser des Asthma bronchiale!

Pathogenetische Folgen
Bronchiale Hyperreagibilität (bei allen Asthmasubtypen) und/oder reversible
Bronchialobstruktion 
Chronische bronchiale Entzündung
Klinik: Giemen, Brummen, Husten, Luftnot
Atemflusslimitierung durch vier Mechanismen
1. Bronchospasmus
2. Schleimhautödem und entzündliche Schleimhautinfiltration
mit Hyperplasie der Becherzellen und Verdickung der Basalmembran
3. Remodeling der Bronchialwände mit Hypertrophie der glatten Muskulatur
4. Vermehrte Produktion zähen Schleims

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Symptome/Klinik
Allgemeine Symptomatik
Chronischer Husten oder Räusperzwang, teilweise auch als primär einziges
Symptom
Kurzatmigkeit/Dyspnoe 
Häufig atopische Komorbiditäten, bspw. atopisches Ekzem

Exazerbation und Asthmaanfall
(Anfallsartig auftretende) Luftnot und
exspiratorische Atemgeräusche mit Giemen, Brummen und
pfeifender Atmung
Brustenge, Erstickungsangst
Thorakale Einziehungen
Trockener Husten
Auftreten insb. nachts und früh morgens 
Häufig nur episodenhafte Beschwerden, bspw. bei
o Saisonal auftretenden Allergenen
o Infekten (bevorzugt im Winter)
o Körperlicher Anstrengung
Bei einer Exazerbation oder einem Asthmaanfall ist eine Therapieintensivierung
notwendig!
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Diagnostik
Diagnose-Kriterien des Asthma bronchiale  [1]
Diagnose Asthma bronchiale gesichert
Typische Klinik und Anamnese
plus Nachweis einer Bronchialobstruktion (FEV /FVC (Tiffeneau-Index) < LLN 
1

)
plus komplette Reversibilität in
der Lungenfunktion (durch Bronchospasmolysetest oder antiasthmatische
Stufentherapie)
Die Diagnose Asthma bronchiale gilt als gesichert bei charakteristischer Symptomatik +
Nachweis einer Obstruktion + Reversibilität!

Diagnose Asthma bronchiale wahrscheinlich
Typische Klinik und Anamnese
plus Nachweis einer Bronchialobstruktion (FEV /FVC (Tiffeneau-Index) < LLN 
1

) und Teilreversibilität
plus eines der folgenden Merkmale:
o Ansprechen auf antiinflammatorische Therapie, spätestens nach 4
Wochen (Lungenfunktion und Klinik)
o oder Ansprechen auf antiinflammatorische Therapie, spätestens nach
4 Wochen (nur Klinik)
o oder signifikanter FEV -Abfall während oder innerhalb von 30 Minuten
1

nach körperlicher Belastung 


, ggf. Zunahme des spezifischen Atemwegswiderstandes (erfasst den
Grad der Atemwegsobstruktion und der Überblähung) um mind.
100% auf >2 kPa×sec
o oder keine oder irreversible Bronchialobstruktion in
der Lungenfunktion, aber Nachweis einer bronchialen
Hyperreagibilität im Methacholin-Provokationstest oder PEF-
Variabilität >10%
Diagnose Asthma bronchiale unwahrscheinlich
Asthma-untypische Anamnese und Klinik
plus fehlende Bronchialobstruktion und fehlende bronchiale
Hyperreagibilität trotz vorhandener Klinik
o oder fehlende Reversibilität der Bronchialobstruktion

Erstdiagnostik bei Asthma bronchiale


Pädiatrische Aspekte siehe auch pädiatrische Asthmadiagnostik
Anamnese
Eigenanamnese
o Asthmatypische Symptomatik (insb. nachts und früh morgens)
o Bekannte Allergie oder allergietypische Symptome
o Triggerfaktoren, die die Symptomatik begünstigen oder auslösen
(bspw. Allergene, Infekte)
Familienanamnese: Atopie (Allergie, atopisches Ekzem oder Asthma bronchiale)
Sozial- und Berufsanamnese
o Raucherhaushalt
o Haustiere
o Allergenexposition am Arbeitsplatz (bspw. Bäcker, Schreiner)

Labor [2]

Indikation: Rezidivierende Bronchialinfekte, Lungeninfiltrate, fehlender


Therapieerfolg oder Vorliegen eines schweren Asthma bronchiale
Parameter
o Differentialblutbild, insb. mit der Fragestellung „Eosinophilie“ 
o CRP
o Allergiediagnostik bei Asthma bronchiale
o Ggf. Sputumbakteriologie

Allergiediagnostik bei Asthma bronchiale


Indikation: Alle Patienten bei Erstdiagnose Asthma (jedes Alter)
Methoden
o Allergie-Anamnese (s.o.) 
o Prick-Test oder spezifische IgE-AK 
 im Serum (z.B. durch CAP (Carrier-Polymer-System)-Test) 
o Gesamt-IgE im Serum 
o Molekulare Allergiediagnostik 
o Im Einzelfall: Nasale oder bronchiale Provokationstests mit
bestimmten Allergenen 
o Expositionskarenz (zu diagnostischen Zwecken) 

Lungenfunktionsdiagnostik bei Asthma bronchiale


Spirometrie: FEV ↓ <80% des Sollwertes, Tiffeneau-
1

Index (FEV /FVC)↓ <70% = Obstruktive Ventilationsstörung mit Erhöhung


1

des Atemwegswiderstandes 
o Schweregrade der Obstruktion: FEV1 >60-80% leichtgradig; >40–60%
mittelgradig; <40% schwergradig 
[1]

Bodyplethysmographie (wenn möglich) 
: Zusätzliche Parameter zur Spirometrie
o Erhöhung des Atemwegswiderstands (als Äquivalent der Obstruktion
der oberen Atemwege)
 sR  [kPa*s] 1,2–2,0 leichtgradig; 2,0–4,0 mittelgradig; >4
tot

schwergradig
 R  [kPa*s/L] 0,3–0,5 leichtgradig; 0,5–1,0 mittelgradig; >1,0
tot

schwergradig
o Lungenüberblähung
RV%Soll >125% leichtgradige Überblähung; >140%

mittelgradige Überblähung; >170% schwergradige
Überblähung
 RV/TLC%Soll >125% leichtgradige Überblähung; >140%
mittelgradige Überblähung; >170% schwergradige
Überblähung
Bronchospasmolysetest 
o Komplette Reversibilität der Obstruktion durch
Bronchodilatatoren: Nachweis eines Asthma bronchiale 
 Im Gegensatz zur COPD ist bei Asthma die bronchiale
Obstruktion durch Bronchospasmolyse deutlich reversibel:
Anstieg des FEV  um mindestens 12% UND um 200 mL
1

o Teilreversibilität: Therapieversuch mit hochdosierten ICS ± weiteren


Antiasthmatika für 4 Wochen und anschließender
Reversibilitätsprüfung 
 Alternativ: Reversibilitätstest nach Therapieversuch mit
systemischen Glucocorticosteroiden über 7–14 Tage 
Bei fehlendem oder nur geringem Ansprechen von Lungenfunktionsbefund und Klinik
auf Salbutamol oder inhalative Glucocorticoide ist die
Diagnose Asthma unwahrscheinlich!
Provokationstest zum Nachweis eines hyperreagiblen Bronchialsystems  [1]

[9][10]

Indikation
o Verdacht auf Asthma bei aktuell fehlender Klinik und fehlender
bronchialer Obstruktion in der Lungenfunktion 
o Verlaufskontrolle 
Kontraindikationen
o Obstruktive Ventilationsstörung bereits in Ruhe
o Herzrhythmusstörungen
o Nicht-kontrollierter arterieller Hypertonus
Voraussetzungen
o Infektfreies Intervall
o Möglichst nicht nach oraler/inhalativer Medikation
(bspw. ICS, LTRA, Salbutamol, Antihistaminika) 
Direkte Stimulation: Methacholin-Provokationstest 
o Zulassung: Ab 6 Jahren
o Durchführung
1. Initiale Lungenfunktionsprüfung
2. Inhalation von Methacholin
3. Lungenfunktionskontrolle nach Inhalationsende
4. Immer Bronchodilatation mit Salbutamol im Anschluss 
o Positivbefund: FEV -Abfall ≥20% bzw. Verdopplung des
1

spezifischen Atemwegswiderstandes (≥2,0 kPa×sec)
Indirekte Stimulation: Belastungs-Lungenfunktionstest 
o Hintergrund: Körperliche Belastung, Inhalation von Kaltluft, Mannitol,
hyper- und hypotoner NaCl-Lösung oder Adenosin → Freisetzung
entzündlicher Mediatoren → Bronchokonstriktion
o Durchführung
1. Lungenfunktionsprüfung vor körperlicher Belastung
2. Körperliche Anstrengung (freies Laufen oder Laufband) über
7–10 Minuten
 Zielherzfrequenz: Ca. 180–190/min über ≥4
Minuten 
3. Lungenfunktionskontrolle direkt nach Belastung sowie im
Abstand von 5, 10 und 15 Minuten 
o Positivbefund: Signifikanter FEV -Abfall um ≥10% bei Erwachsenen; bei
1

Kindern FEV -Abfall ≥10–15% bzw. Verdopplung des


1

spezifischen Atemwegswiderstandes (≥2,0 kPa×sec)
o Bei uneindeutigem Befund (trotz anamnestischen Verdachts):
Wiederholte Peak-Flow-Messung vor und nach Belastung 
1. Positivbefund: PEF-Abfall ≥20%
Bronchiale Hyperreagibilität ist typisch beim Asthma – aber auch bei allergischer
Rhinitis, CF, COPD, Sarkoidose und bei Gesunden (unspezifischer Befund)!

Der Methacholin-Provokationstest kann einen
lebensbedrohlichen Asthmaanfall auslösen! Deshalb muss immer(!)
eine Bronchodilatation im Anschluss erfolgen!

Peak-Flow-Messung
Indikation: Objektive Verlaufsbeurteilung zusätzlich zur Klinik (bei
jedem Asthma-Patienten) 
Methode: Eigenmessung mittels Peak-Flow-Meters, das den exspiratorischen
Spitzenfluss (PEF) misst
Durchführung
1. Maximale Einatmung in Ruhe (ohne Gerät)
2. Umschließen des Mundstücks mit den Lippen
3. Forciertes Ausatmen in das Gerät (so schnell und kräftig wie möglich)
Messung zu diagnostischen Zwecken
1. Durchführung
 Einschätzung der PEF-Variabilität = (höchster - niedrigster
Wert pro Woche)/höchster Wert ×100 [%]
 Alternativ: Messen des PEF vor und jeweils 10 Minuten
nach Salbutamol-Inhalation
2. Auswertung: PEF-Variabilität ≥10% spricht für Asthma
o Messung zur Asthma-Kontrolle
1. Initial morgens und abends (vor Inhalationstherapie) zur Ermittlung
des persönlichen Bestwertes 
2. Im Verlauf
 Vor und während einer geplanten Deeskalation/Eskalation
der Medikamente zur Einschätzung des Therapieerfolgs
 Bei (drohender) Exazerbation 
Die Diagnosestellung sollte nicht ausschließlich infolge auffälliger PEF-Werte gestellt
werden! Diese dient eher der Verlaufsbeurteilung.

Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid
Synonyme: D  (Diffusionskapazität für CO), T  (Transferfaktor von CO)
LCO LCO

Indikation: Differentialdiagnostik Asthma bronchiale und COPD


Methode: Messung des intrapulmonalen Gasaustausches
Durchführung
1. Forcierte Inspiration eines Gasgemisches aus CO, Helium und
Raumluft
2. 10 Sekunden Atempause
3. Langsame Exspiration
4. Analyse der Ausatemluft 
Auswertung
1. Normalbefund ≥80%: Bspw. bei Asthma bronchiale
2. Erniedrigt <80%: Bspw. bei COPD 
Die TLCO eignet sich insb. zur Differenzierung zwischen COPD und Asthma!

FeNO-Messung
Erklärung: Fraktion des exhalierten Stickstoffmonoxids
Indikation: Diagnosestellung bzw. Überprüfen der Asthmakontrolle (in jedem
Alter)
Methode: Non-invasiver Biomarker der Atemwegsinflammation
Durchführung: Schnell, einfach und reproduzierbar
1. Tiefe Exspiration
2. Tiefe Inspiration NO-freier Luft über das Gerät
3. Langsame, gleichmäßige Exspiration über 10 Sekunden
4. Analyse der Ausatemluft
Auswertung
1. Hohe FeNO-Werte
 Grenzwerte: >50 ppb bei Erwachsenen, >35 ppb bei Kindern
 Bei Diagnosestellung (vor Therapiebeginn): Erhöhte
Wahrscheinlichkeit für ein Asthma bronchiale, das
auf Steroide anspricht 
 Unter laufender inhalativer Glucocorticoidtherapie
 Symptompersistenz: Prüfen von Compliance,
Inhalationstechnik und Allergenexposition; ggf.
Dosiserhöhung
 Symptomfreiheit: Fortführung der Therapie (keine
Dosisreduktion)
2. Niedrige FeNO-Werte
 Grenzwerte: <25 ppb bei Erwachsenen, <20 ppb bei Kindern
 Bei Diagnosestellung (vor Therapiebeginn): Erwägen von
Differentialdiagnosen; reduzierte Wahrscheinlichkeit für
Steroidsensibilität des Asthmas
 Unter laufender inhalativer Glucocorticoidtherapie
 Symptompersistenz: Erwägen von
Differentialdiagnosen
 Symptomfreiheit: Ggf. Dosisreduktion 
Eine niedrige FeNO-Messung allein schließt ein Asthma nicht aus!

Bildgebung
Röntgen-Thorax
o Indikation: Bei Erstdiagnose Asthma und Vorliegen atypischer
Symptome, sowie Husten, Auswurf, Dyspnoe (zum Ausschluss anderer
Erkrankungen)
 Erwachsene: Röntgen-Thorax in 2 Ebenen
 Kinder: Röntgen-Thorax (postero-anteriore Ebene)
o Befunde bei Asthma: Zeichen der Lungenüberblähung
 Tiefstehendes, abgeflachtes Zwerchfell
 Verbreiterte Interkostalräume
 Bei längerem Bestehen: Ggf. Fassthorax
In Einzelfällen
o CT-Nasennebenhöhlen: Bei entsprechender Symptomatik zum
Nachweis einer Nasennebenhöhlen-Beteiligung, insb. bei nicht-
allergischem Asthma
o CT-Thorax mit Low-dose-Protokoll: Insb. bei starker, anhaltender
Klinik mit Husten, Auswurf und Dyspnoe zur Differentialdiagnostik
Im Kindesalter erfolgt die Röntgenaufnahme des Thorax nur in einer Ebene!
Flexible Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage (BAL)
Indikation: Ausschluss anatomischer Ursachen
oder Infektionen (bspw. Tuberkulose)

Diagnostik bei akuter Asthma-Exazerbation


Anamnese
Auslöser der akuten Symptomatik
Anzahl der Exazerbationen 
Klinische Untersuchung
Inspektion
o Thorakale Einziehungen
o Bei längerem Verlauf: Ggf. Fassthorax
Auskultation
o Verlängertes Exspirium mit Giemen und Brummen
o Abgeschwächtes Atemgeräusch, ggf. "Silent Lung"
o Tachypnoe
Perkussion
o Hypersonorer Klopfschall 
o Tiefstehendes, wenig verschiebliches Zwerchfell

Pulsoxymetrie
Indikation: Klinische Dyspnoe
Auswertung: Sauerstoffsättigung (s O ) <94% in Raumluft → BGA und
p 2

Sauerstoffvorlage indiziert!
Labor
Arterielle Blutgasanalyse (BGA)
o Indikation: Schwere Exazerbation mit:
 FEV  <50% des Sollwertes
1

 Peak-Flow-Werten <50% des Bestwertes


 Klinischer Verschlechterung mit klinischer Dyspnoe
 Sauerstoffsättigung (s O ) <94%p 2

o Auswertung
 Nur pO ↓ = Hypoxämische respiratorische Insuffizienz
2

 pO ↓ und pCO ↑ = Hyperkapnische respiratorische


2 2

Insuffizienz
Differentialblutbild und CRP: Bei infektbedingter Exazerbation (zum Ausschluss
eines bakteriellen Infektes)
NOTIZEN
FEEDBACK

Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose COPD
Häufigste Differentialdiagnose des Asthma bronchiale bei Erwachsenen
(Unterscheidungsmerkmale siehe Tabelle unten)
Asthma-COPD-Overlap (ACO): Eine klare Abgrenzung
zwischen Asthma und COPD ist nicht immer möglich 
o Definition: Inkomplett reversible Atemwegsobstruktion (Zeichen
der COPD) in Kombination mit einer Symptombesserung durch
Bronchospasmolyse oder Nachweis einer bronchialen
Hyperreagibilität oder neu diagnostizierte COPD bei Patienten mit
einem vorbekannten Asthma 
o Epidemiologie: 10–50% der COPD-Patienten, 10–60% der Asthma-
Patienten 
 Höhere Exazerbationsraten und mehr
Krankenhausaufenthalte im Vergleich zu den
Einzelerkrankungen
o Typischer Patient: Allergisches Asthma bronchiale seit der Kindheit,
jahrzehntelanger Raucher mit Lungenemphysem,
Bronchialobstruktion nicht mehr reversibel
o Therapie
 Initial nach Alter und Raucherstatus
 Im Verlauf Anpassung je nach Ansprechen
VOLLBILDTABELLEN-QUIZ

Differentialdiagnostische Gegenüberstellung von Asthma bronchiale und COPD

Asthma bronchiale COPD

 Häufig im Kindes- und


Erstdiagnose  Meist in der 2. Lebenshälfte (ab dem
Jugendalter

Ätiologie  Häufig allergische Genese  Fast ausschließlich Raucher


Differentialdiagnostische Gegenüberstellung von Asthma bronchiale und COPD

Asthma bronchiale COPD

 Häufig episodisch mit


 Schleichender Beginn und chronisc
Klinik symptomfreien Phasen
 Dyspnoe bei Belastung
 Anfallsartige Dyspnoe

 (Teil-)Reversible
Obstruktion 
Lungenfunktion  Persistierende Obstruktion ohne Re
 Obstruktion nicht zu jeder
Zeit nachweisbar

Bronchiale Hyperreagibilität  (Fast) Immer vorhanden  Häufig vorhanden 

Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DL  Nicht pathologisch
 Häufig vermindert, insb. bei Emphy
CO) verändert

FeNO  Häufig erhöht  Normal bis erniedrigt

Eosinophilie  Häufig erhöht  Normal

Medikamentöse Besonderheiten  Langzeittherapie: Gutes  Langzeittherapie


Ansprechen o Gutes Ansprechen

auf inhalative auf Parasympatholy

Glucocorticoide  langwirksame β2-S

 Akuttherapie bei o Roflumilast: Bei Ex

Exazerbation: Gutes mit LABA+ICS od

Ansprechen nation

auf kurzwirksame β2-  Akuttherapie bei Exazerbation: Gut


Sympathomimetika und systemische Glucocorticoide 

systemische Glucocortico
Differentialdiagnostische Gegenüberstellung von Asthma bronchiale und COPD

Asthma bronchiale COPD

ide

Weitere Differentialdiagnosen
Postinfektiöse bronchiale Hyperreagibilität: Im Anschluss an einen
Atemwegsinfekt 
Asthma cardiale: Atemnot durch Linksherzinsuffizienz und pulmonalvenöse
Stauung 
Lungenembolie mit plötzlich einsetzender Atemnot 
(Spannungs-)Pneumothorax mit plötzlich einsetzender Atemnot 
Vocal Cord Dysfunction (VCD)
Churg-Strauss-Syndrom
Invasive pulmonale Aspergillose

Differentialdiagnosen bei Kindern


Siehe Pädiatrische Differentialdiagnosen bei Asthma bronchiale
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf
Vollständigkeit.
NOTIZEN
FEEDBACK

Therapie
Allgemeine Maßnahmen und Besonderheiten
Meidung anfallsauslösender Faktoren 
o Allergene bei allergischem Asthma
o ASS bzw. NSAR bei Analgetikaasthma
o Stress, kalte Luft, Tabakrauch
Bei infektassoziiertem Asthma: Frühzeitige Infekttherapie
Bei allergischem Asthma: Allergen-Immuntherapie 
Bei Belastungsasthma: Aufwärmphase, gute Langzeiteinstellung, SABA vor
Belastung 

Antiasthmatische Therapie
Ziel: Symptomfreiheit unter möglichst niedrig dosierter Therapie mit möglichst
wenigen Medikamenten
Initialtherapie bei Erstdiagnose
Initialtherapie entsprechend der Asthmakontrolle (bei unbehandelten
Patienten)
o Teilweise kontrolliertes Asthma: Therapiebeginn mit Therapiestufe 2
o Unkontrolliertes Asthma: Therapiebeginn mit mind. Therapiestufe 3
2 mögliche Vorgehensweisen 
o Step-up-Therapie: Therapiebeginn auf der wahrscheinlich
notwendigen Therapiestufe 
; Eskalation nach Bedarf
o Step-down-Therapie: Therapiebeginn eine Stufe über der
wahrscheinlich notwendigen Therapiestufe 
; Deeskalation bei erreichter Asthmakontrolle
Therapieanpassung im Verlauf
Bei der regelmäßigen ärztlichen Überprüfung der Asthmakontrolle sollte immer eine
Therapieanpassung erwogen werden.

Nicht- oder teilkontrolliertes Asthma: Ggf. Therapie-Eskalation 


Gute Asthmakontrolle über ≥3 Monate: Therapie-Deeskalation 
; bei klinischer Verschlechterung sofortige Re-Eskalation
Bei der Deeskalation einer Therapie mit ICS+LABA als Fixkombination sollte immer
zuerst die ICS-Dosis halbiert werden. Bei Erreichen einer niedrigen ICS-Dosis unter
stabiler Klinik kann zusätzlich das LABA abgesetzt werden!

Bei einer reinen ICS-Therapie sollte eine Deeskalation auch bei Kindern erst bei
guter Asthmakontrolle über mind. 3 Monate versucht werden!

Jeder Patient nach Exazerbation mit systemischem Glucocorticoid-Bedarf sollte eine


antiinflammatorische Dauertherapie erhalten!

Stufentherapie bei Asthma bronchiale  [11][12]

Für die pädiatrische Therapie bei Kindern und Jugendlichen beachte Stufentherapie bei
Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter

VOLLBILDTABELLEN-QUIZ
Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020)  [11]

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4

Dauerthe  Keine   ICS: Niedrige  ICS + LABA als  ICS + LA


rapie
Dosis Fixkombination : 1
Fixkom
(1. Wahl)
oder Niedrige Dosis n : Mit
1

 Keine hohe D
Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020)  [11]

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4

Alternati  ICS: Niedrige  LTRA (insb. im  ICS: Mittlere Dosis  ICS + LA


ven 
Dosis  Kindesalter,  In Ausnahmefällen  Fixkom

ansonsten nur o ICS +  n : Mit


1

in LAM hohe D

Ausnahmefäll A als  + LAM

en)  Fixko  In
Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020)  [11]

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4

 [13]
mbina Ausnah

tion :2

Niedr

ige

Dosis 

oder

o ICS:

Niedr

ige

Dosis 

+ LT

RA
Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020)  [11]

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4


Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020)  [11]

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4

Akutther  ICS + Formotero  ICS+Formoterol   ICS + Formoterol als  ICS + For


apie bei
l als Fixkombi als Fixkombin Fixkombination 5
l als
Bedarf (S
nation (Off- ation (Off-  oder SABA Fixkom
iehe

auch: Label Use) Label Use) n5

akuter As oder SABA  oder SABA   oder S


Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020)  [11]

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4

thmaanfa

ll)

* Langwirksame β -Sympathomimetika sind keine Monotherapeutika und werden nur in Kombination mit inhalativen Glucocorticoiden eingesetzt



2

nächtlichen Asthmasymptomatik.

Aus der Gruppe der LAMA ist Tiotropiumbromid bei Asthma bronchiale zugelassen (ab dem Alter von 6 Jahren).
*2 

Anti-IL-5(R)- oder Anti-IL-4R-Antikörper werden bei schwergradigem eosinophilem Asthma (ab dem Alter von 18 Jahren) in Stufe 5 zusätzlich
*3 

Anti-IgE-Antikörper werden bei allergischem Asthma (ab dem Alter von 6 Jahren) in Stufe 5 zusätzlich empfohlen.
*4 

*5 Die Bedarfstherapie mit ICS + Formoterol erfolgt im Rahmen des sog. SMART-Konzepts, bei dem eine fixe Kombination aus ICS + LABA sow

Bedarfstherapie verwendet wird. Im Vordergrund steht bei der Akuttherapie der schnelle Wirkungseintritt des Formoterol.

 SABA = Kurzwirksame β -Mimetika: Salbutamol, Fenoterol, Terbutalin


2

 ICS = Inhalative Corticosteroide: Budesonid, Fluticason 

 LTRA = Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten: Montelukast 

 LABA = Langwirksame β -Sympathomimetika: Formoterol, Salmeterol


2

 LAMA = Langwirksame Muscarinrezeptor-Antagonisten (Anticholinergika): Insb. Tiotropiumbromid

 Kombinationspräparate ICS + LABA: Budesonid + Formoterol, Beclometason +

Formoterol, Fluticason propionat + Formoterol, Fluticason propionat + Salmeterol, Fluticason furoat + Vilanterol

 Biologicals

o Anti-IL-5-Antikörper: Mepolizumab und Reslizumab

o Anti-IL-5R-Antikörper: Benralizumab

o Anti-IL-4R-Antikörper: Dupilumab

o Anti-IgE-Antikörper: Omalizumab

In begründeten Ausnahmefällen


o Cromone (bspw. Nedocromil und Cromoglycinsäure):
Nebenwirkungsarm, aber auch wirkungsarm; ab Stufe 2 einsetzbar 
o Alternativ zu SABA: Schnell wirksame Anticholinergika inhalativ
(bspw. Ipratropium), Salbutamol p.o. (bspw. Salbubronch Elixier ) oder
®

unretardiertes Theophyllin p.o.
Nicht mehr empfohlen: Retardiertes Theophyllin 
Die vollständige Wirkung von inhalativen Glucocorticoiden (ICS) wird erst nach 2–4
Wochen regelmäßiger Anwendung erreicht!

Seit dem GINA-Update 2019 und in der NVL 2020 wird ICS +


LABA als Fixkombination bedarfsorientiert bereits ab Stufe 1 empfohlen. Laut GINA
soll SABA als einziges Bedarfsmedikament nicht mehr angewandt werden, in der NVL ist
dies hingegen als Alternative zu ICS + LABA als Fixkombination noch möglich. Beide
Leitlinien erlauben eine Kombination von SABA mit ICS in höheren Stufen.

Vor der Verschreibung von LTRA (Montelukast) sollte eine genaue Nutzen-Risiko-


Abwägung erfolgen, da es unter der Therapie zu psychischen Nebenwirkungen kommen
kann, bspw. zu Schlaf- und Verhaltensstörungen bis hin zu suizidalen Gedanken! Die
FDA hat hierzu ein Boxed Warning herausgegeben.  [13]

NOTIZEN
FEEDBACK

Klinische Anwendung
Allgemeine Maßnahmen
Körperliche Aktivität 
Normales Körpergewicht halten bzw. Gewichtsabnahme
Tabakkarenz und Vermeidung von Passivrauchen 
Asthmaschulung zur Verbesserung der Selbstmanagementfähigkeiten 
Ggf. zusätzlich Yoga, Hypnose und Entspannungstechniken
Bei schweren Verläufen
o Atemphysiotherapie 
o Pneumologische Rehabilitationsmaßnahmen bei Asthma bronchiale
Bei respiratorischer Insuffizienz im Endstadium: O -Langzeittherapie
2

Ultima ratio: Thermoplastie 
Jeder Patient mit Asthma bronchiale sollte (altersentsprechend) Sport treiben und ein
normales Körpergewicht anstreben!

Optimierungsmöglichkeiten der inhalativen Therapie


Auswahl eines passenden Inhalationssystems 
Anpassung der Anzahl an täglichen Inhalationen, bspw. durch Umstellen auf ein
fixes Kombinationspräparat 
Anleitung zur optimalen Inhalationstechnik mit dem individuellen Präparat 
SMART-Konzept
Abkürzung: Single Inhaler Maintenance And Reliever Therapy
Erklärung: Fixe ICS+Formoterol-Kombination zur Langzeit- und Bedarfstherapie
Vorteile
o Reduzierung der Exazerbationsfrequenz bei Risikopatienten
o Niedrigere ICS-Dosen 
o Bessere Asthmakontrolle bei Kindern und Jugendlichen
o Keine (versehentliche) LABA-Monotherapie möglich
Nachteil: Keine flexible Dosierung der einzelnen Wirkstoffe möglich
Schriftlicher Therapieplan
Bei jeder Neueinstellung/Umstellung: Angaben zu Medikament, Dosierung und
Einnahmezeitpunkt
Therapieintensivierung: Vorgehen bei Verschlechterung der Asthma-Kontrolle
Notfallplan: Vorgehen bei Exazerbation/Asthmaanfall

Applikationsformen und -techniken der inhalativen Therapie


Anwendung eines Dosieraerosols ohne Inhalierhilfe
Indikationen
o Akuttherapie mit kurzwirksamen β2-Sympathomimetika (gleichwertig
zur Inhalation mit Feuchtvernebler)
o Langzeittherapie des Asthma bronchiale (ICS, ICS+LABA)
Vorteile: Kein Mindest-Inspirationsfluss notwendig – Inhalation immer möglich! 
Kontraindikation oder Nachteile: Keine
Durchführung 
o Abnehmen des Deckels und Schütteln des Dosieraerosols 
o Halten des Behälters mit Daumen und Mundstück unten
o Tiefes Ausatmen
o Festes Umschließen des Mundstücks mit den Lippen (nicht auf das
Mundstück beißen)
o Schnelles, festes und tiefes Einatmen durch den Mund bei
gleichzeitigem Auslösen des Sprühstoßes 
o Nach vollständiger Einatmung: Anhalten des Atems, Absetzen des
Dosieraerosols und zügiges Schließen des Mundes
o Anhalten des Atmens für 5–10 Sekunden (Kindern sagt man: „Zähle an
deinen Fingern bis 10“) 
o Langsames Ausatmen durch die Nase
o Nach frühestens 1 Minute ggf. Wiederholen des Vorgangs für einen
zweiten Sprühstoß
Anwendung eines Dosieraerosols mit Inhalierhilfe
Die klinische Erfahrung hat gezeigt, dass (nicht nur bei Kindern) die Inhalation eines
Dosieraerosols am besten über eine Inhalierhilfe (sog. Spacer) erfolgt.

Indikationen für eine Inhalierhilfe


o Bei Kindern <5 Jahren: Immer! 
o Bei Kindern ≥5 Jahren und Erwachsenen: Zur Verbesserung der
Inhalationstechnik
 Bei ineffektiver Inhalation mit Dosieraerosol, bspw. durch
Koordinationsschwierigkeiten 
 Bei Nebenwirkungen des inhalativen Glucocorticoids, insb.
Heiserkeit und Mundsoor 
Vorteile
o Einfache Inhalation in jedem Alter 
o Erleichterte Koordination zwischen Einatmung und Sprühen
o Reduzierte Wirkstoffmenge an Gaumen und Rachenhinterwand
(anstelle der Bronchien)
 Geringerer Reiz im Rachenraum
 Verbesserung der pulmonalen Wirkstoff-Deposition
 Bei cortisonhaltigen Aerosolen zusätzlich: Geringere lokale
Nebenwirkungen wie Mundsoor oder Heiserkeit
Nachteil: Evtl. Kosten 
Durchführung 
o Abnehmen des Deckels und Schütteln des Dosieraerosols
o Einstecken des Mundstück des Dosieraerosols in die Inhalierhilfe
o Entfernen der Schutzkappe vom Mundstück der Inhalierhilfe
o Tiefe Ausatmung
o Festes Umschließen des Mundstücks der Inhalierhilfe mit den Lippen
o Auslösen des Sprühstoßes durch Herunterdrücken des Behälters
o Langsames, tiefes Einatmen des Aerosols aus der Inhalierhilfe (durch
den Mund)
o Kinder >5 J.: Nach vollständiger Einatmung, Anhalten des Atems,
Absetzen des Dosieraerosols und zügiges Schließen des Mundes
o Kinder <5 J.: 5–10-maliges normales Ein- und Ausatmen aus der bzw.
in die Inhalierhilfe mit dem Aerosol 
o Anhalten des Atmens für 5–10 Sekunden (Kindern sagt man: „Zähle an
deinen Fingern bis 10“) 
o Langsames Ausatmen durch die Nase
o Nach frühestens 1 Minute ggf. Wiederholen des Vorgangs für einen
zweiten Sprühstoß

Pulverinhalator
Methode 
1. Kappe abnehmen/Gerät aufklappen, ggf. Dosierfenster laden 
2. Tiefe Ausatmung
3. Mundstück des Gerätes mit den Lippen umschließen
4. Schnelle tiefe Einatmung des Wirkstoffs 
5. Atempause (ca. 10 Sekunden)
Indikation: Langzeittherapie mit antiinflammatorischen Medikamenten
(ICS, ICS+LABA) bei Patienten mit ausreichendem Inspirationsfluss
Kontraindikationen
1. Akuttherapie 
2. Unzureichender Inspirationsfluss 
o Vorteile: Automatisches Auslösen der Inhalation
o Nachteile
1. Schwer auslösbar, insb. bei schwerer Erkrankung
2. Häufig verbleibt das Medikament im Mundraum
Inhalationslösung über Feuchtvernebler
Methode
1. Inhalationslösung vorbereiten und in das Gerät einfüllen, Gerät
einschalten
2. Mundstück des Gerätes mit den Lippen umschließen bzw. Maske fest
auf das Gesicht aufsetzen 
3. Wiederholte gleichmäßige, langsame tiefe Einatmung des Wirkstoffs
Indikation: Akuttherapie mit kurzwirksamen β2-
Sympathomimetika (Gleichwertigkeit zum Dosieraerosol mit Spacer)
Kontraindikation: Langzeittherapie mit antiinflammatorischen Medikamenten 
Vorteile: Gleichzeitige Befeuchtung der Atemwege und ggf. schleimlösende
Wirkung im Infekt
Nachteile
1. Dauer der Anwendung (ca. 10 Minuten), daher
schlechtere Integration in den Alltag
2. Kosten (ca. 200 €) 

Keine Pulverinhalation beim Asthmaanfall! Vielmehr sind Dosieraerosole über Spacer


indiziert!

Bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD soll eine


Therapie mit Inhalatoren nicht begonnen oder geändert werden, ohne dass der Patient
im Gebrauch des Inhalationssystems geschult ist und die korrekte Anwendung der
Inhalatoren überprüft wurde. (DGIM - Klug entscheiden in der Pneumologie)

Anwendungsvideos zu den verschiedenen Inhalationsmethoden finden sich unter Tipps


& Links!
NOTIZEN
FEEDBACK

Dosierung der Medikamente


Akutmedikamente bei Asthma bronchiale (sog. „Reliever“)
Kurzwirksame β -Sympathomimetika (SABA)
2

Inhalative kurzwirksame β -Sympathomimetika (SABA)
2
o Wirkweise: Bronchodilatation, Wirkungseintritt nach 20–30 Sekunden,
Wirkungsdauer 3–6 Stunden
o Indikation: In allen Stufen zur kurzwirksamen Bedarfstherapie
o Applikation: Inhalativ
o Wirkstoffe und Dosierungen
 Salbutamol z.B. Sultanol  (zugelassen ab
®

dem Säuglingsalter)
 Standarddosierung (jedes Alter) 
 Fenoterol z.B. Berotec  (zugelassen ab 6 J.)
®

 Standarddosierung (jedes Alter) 


 Für weitere Informationen zur Anwendung bei Kindern und
Jugendlichen siehe auch: Kurzwirksame β2-
Sympathomimetika und Anticholinergika im Kindes- und
Jugendalter
Systemische kurzwirksame β -Sympathomimetika (SABA)
2

o Wirkweise: Bronchodilatation, Wirkungseintritt innerhalb von


Minuten, Wirkungsdauer 2–6 Stunden
o Indikationen
 Akuter Asthmaanfall
 Bei Exazerbationen, wenn Inhalation nicht möglich
o Applikation: p.o., i.v. oder s.c.
o Wirkstoffe oral 
 Bambuterol p.o. – zugelassen ab 2 J.
 Dosierung ab 2 J. 
 Salbutamol p.o. – zugelassen ab 2 Monaten
 Dosierung ab 13 J. 
o Wirkstoff intravenös
 Reproterol i.v. – zugelassen ab 2 Monaten
 Bolusinjektion: Dosierung ab 18 J. 
 Dauerinfusion: Dosierung ab 18 J. 
o Wirkstoff subkutan
 Terbutalin s.c. – zugelassen ab 12 J.
 Dosierung ab 12 J. 
 
Kombinationspräparate (SABA + SAMA) 
Zulassung: Ab 6 J.
Wirkweise: Bronchodilatation, Wirkungseintritt nach 20–30 Sekunden,
Wirkungsdauer 2–6 Stunden
Indikation: Als Alternative in allen Stufen zur kurzwirksamen Bedarfstherapie
Applikation: Inhalativ
Wirkstoffe und Dosierungen
o Fenoterol + Ipratropiumbromid z.B. Berodual : Standarddosierung
®

(jedes Alter) 
o Für weitere Informationen zur Anwendung bei Kindern und
Jugendlichen siehe auch: Kurzwirksame β2-Sympathomimetika und
Anticholinergika im Kindes- und Jugendalter
Kurzwirksame Anticholinergika (SAMA) 
Zulassung: Ab 6 J.
Wirkweise: Bronchodilatation, Wirkungseintritt nach 20–30 Sekunden,
Wirkungsdauer 2–6 Stunden
Indikation: In Stufe 1 als zusätzliches/alternatives Bedarfsmedikament (nur in
Ausnahmefällen) 
Applikation: Inhalativ
Wirkstoff und Dosierung
o Ipratropiumbromid z.B. Atrovent : Standarddosierung (jedes Alter) 
®

Für weitere Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen siehe
auch: Kurzwirksame β2-Sympathomimetika und Anticholinergika im Kindes-
und Jugendalter
Systemische Glucocorticoide bei Asthma bronchiale (akut)
Zulassung: Ab Geburt
Wirkweise: Reduktion von Entzündung und Exazerbation, Abschwellen
der Schleimhäute, Wirkungseintritt innerhalb 1 Stunde
Indikationen
o Akuter Asthmaanfall
o Bei Exazerbation, wenn inhalative Therapie nicht ausreicht
Applikation: p.o. oder i.v. 
Wirkstoff und Dosierung
o Prednisolon (äquivalent), z.B. Decortin  H (Dosierungen ab 18 J.)
®

 p.o. 
 i.v. . 
o Für Dosierung zur Langzeittherapie siehe: Systemische
Glucocorticoide bei Asthma bronchiale (langfristig)

Langzeitmedikamente bei Asthma bronchiale (sog. „Controller“)


Inhalative Glucocorticoide (ICS)
Wirkweise: Reduktion der Entzündung und von
Exazerbationen, Prävention bronchialer Hyperreaktivität, Wirkungseintritt nach
Wochen regelmäßiger Anwendung
Indikation: Ab Stufe 2 zur Dauertherapie (1. Wahl), ggf. schon ab Stufe 1
Applikation: Inhalativ
Wirkstoffe und Dosierungen 
o Budesonid inhalativ (1. Wahl)
 Budesonid als Dosieraerosol (z.B. Budiair  Druckgasinhalation)
®

– zugelassen ab 6 Jahren, Off-Label-Use auch bei


Kleinkindern möglich
 Erhältliche Dosierungen: 200 μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
 Budesonid als
Pulverinhalator (z.B. Novopulmon  Novolizer) – zugelassen
®

ab 6 J.
 Erhältliche Dosierungen: 200 und 400 μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
o Fluticason inhalativ 
Fluticason als Dosieraerosol (z.B. Flutide  Dosieraerosol) –
 ®

zugelassen ab 2 J.
 Erhältliche Dosierungen: 50, 125 und 250 μg/Hub
 Dosierung ab 16 J. 
 Fluticason als Pulverinhalator (z.B. Flutide  Diskus ) – zugelassen ab
® ®

4 J.
 Erhältliche Dosierungen: 50, 100, 250 und 500
μg/Hub
 Dosierung ab 16 J. 
o Beclometason inhalativ
 Beclometason als Dosieraerosol (z.B. Junik ) – zugelassen ab 5
®

J.
 Erhältliche Dosierungen: 100 μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
o Ciclesonid inhalativ
Ciclesonid als Dosieraerosol (z.B. Alvesco ) – zugelassen ab 12 J.
 ®

 Erhältliche Dosierungen: 80 und 160 μg/Hub


 Dosierung ab 12 J. 
o Mometason inhalativ
 Mometason als Pulverinhalator (z.B. Asmanex ) – zugelassen ab
®

12 J.
 Erhältliche Dosierungen: 200 und 400 μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
Zu beachten
o Das Medikament muss regelmäßig angewendet werden, um seine
Wirkung zu entfalten 
o Nach der Anwendung immer essen, trinken, Zähne putzen, da
dies Pilzinfektionen (Soor) der Mundschleimhaut sowie
Zahnschmelzschäden vorbeugt
o Keine relevanten systemischen Effekte oder Nebenwirkungen 
o Ist eine stabile Situation erreicht, kann die Dosis schrittweise reduziert
werden 
o Kann die bronchiale Situation trotz regelmäßiger Anwendung in
adäquater Dosis nicht stabilisiert werden, ist eine
Kombinationstherapie mit einem langwirksamen β - 2

Sympathomimetikum (LABA) indiziert. 
o Hochdosis-ICS-Therapie: Neue Leitlinien orientieren sich an den
Grenzwerten, die vom ERS/ATS-Konsensus vorgeschlagenen wurden 
VOLLBILDTABELLEN-QUIZ

Inhalative Glucocorticosteroide bei Erwachsenen: Tagesdosen in μg 


[2]

Niedrige Dosis Mittlere Dosis Hohe Do

Budesonid 200–400 >400–800 >800

Fluticasonpropionat 100–250 >250–500 >500


Inhalative Glucocorticosteroide bei Erwachsenen: Tagesdosen in μg 
[2]

Niedrige Dosis Mittlere Dosis Hohe Do

Beclometason (extrafeine Partikel) 100–200 >200–400 >400

Ciclesonid 80 160–320 ≥320

Mometasonfuroat 200 400 >400

Systemische Glucocorticoide bei Asthma bronchiale (langfristig)


Zulassung: Ab Geburt
Wirkweise: Reduktion von Entzündung und Exazerbation, Abschwellen
der Schleimhäute, Wirkungseintritt innerhalb 1 Stunde
Indikationen: Additiv in Stufe 5 
Applikation: p.o.
Wirkstoff und Dosierung
o Prednisolon (äquivalent): Dosierung zur Langzeittherapie 
 
o Für Dosierung zur Akuttherapie siehe: Systemische Glucocorticoide
bei Asthma bronchiale (akut)
Anwendung
o Einnahme morgens
o Immer in der niedrigsten effektiven Dosis
o Patientenaufklärung über typische, möglicherweise schwere
Nebenwirkungen
o Osteoporose-Prophylaxe mit Calcium und Vitamin D
o Bei schwer kontrollierbaren nächtlichen Symptomen: Tagesdosis ⅔
morgens, ⅓ abends
o Kinder und Jugendliche: Ultima ratio; i.d.R. nach frustranem
Therapieversuch mit Omalizumab
Beim Absetzen einer Therapie mit oralen Glucocorticoiden (bzw. Wechsel auf ICS):
Engmaschige Überwachung, es besteht das Risiko einer Nebenniereninsuffizienz!

Langwirksame β -Sympathomimetika (LABA)
2

Wirkweise: Bronchodilatation, Wirkungseintritt variabel, Wirkungsdauer 6–12


Stunden
Indikationen
o Bei Asthma bronchiale nur noch in Fixkombination mit ICS empfohlen
(siehe auch: ICS + LABA)
Applikation: Inhalativ
Wirkstoffe und Dosierungen
o Formoterol: Rascher Wirkungseintritt (wie SABA), Wirkungsdauer 6–
12 Stunden
 Formoterol als Dosieraerosol (z.B. Forair  Dosieraerosol) –
®

zugelassen ab 12 J.
 Erhältliche Dosierung: 6 μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
 Formoterol als Pulverinhalator (z.B. Formatris  Novolizer) –
®

zugelassen ab 6 J.
 Erhältliche Dosierungen: 6 und 12 μg/Hub
 Dosierung ab 6 J. 
o Salmeterol: Verzögerter Wirkungseintritt nach 10–20 min,
Wirkungsdauer 6–12 Stunden
 Salmeterol als Dosieraerosol (z.B. Serevent  Dosieraerosol) –
®

zugelassen ab 4 J.
 Erhältliche Dosierung: 25 μg/Hub
 Dosierung ab 4 J. 
 Salmeterol als Pulverinhalator (z.B. Serevent  Diskus) –
®

zugelassen ab 4 J.
 Erhältliche Dosierung: 50 μg/Hub
 Dosierung ab 4 J. 
Besonderheit: Keine Anwendung als Monotherapeutikum, stets in Kombination
mit ICS!
Als Monotherapeutikum haben LABA eine erhöhte Sterblichkeit gezeigt! Eine
fixe ICS+LABA-Kombination verbessert die Anwendersicherheit!

Salmeterol ist aufgrund des langsamen Wirkungseintritts nicht als Bedarfstherapeutikum


geeignet!

Kombinationspräparate (ICS + LABA)
Wirkweise: Bronchodilatation und Entzündungshemmung
Applikation: Inhalativ
Indikationen
o Als Bedarfsmedikation (nur ICS+Formoterol)
In Stufe 1 und 2 sofern keine antiasthmatische
Dauermedikation vorliegt
 Ab Stufe 3 sofern ICS+Formoterol als Fixkombination auch
als Dauermedikation verwendet wird
o Als Dauermedikation: Ab Stufe 3 als Fixkombination
Wirkstoffe und Dosierungen
o Budesonid + Formoterol als Pulverinhalator (z.B. Symbicort )–
® Turbohaler®

zugelassen ab 6 J.
 Erhältliche Dosierungen: 80/4,5, 160/4,5 und 320/9 μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
o Beclometason + Formoterol als
Dosieraerosol (z.B. Foster  Dosieraerosol) – zugelassen ab 18 J.
®

 Erhältliche Dosierungen: 100/6 und 200/6 μg/Hub


 Dosierung ab 18 J. 
o Fluticason + Formoterol als
Dosieraerosol (z.B. Flutiform  Dosieraerosol) – zugelassen ab 12 J.
®

 Erhältliche Dosierungen: 50/5, 125/5 und 250/10 μg/Hub


 Dosierung ab 12 J. 
o Fluticason + Salmeterol inhalativ (z.B. Viani , Atmadisc ) – zugelassen ab 4
® ®

J.
 Fluticason + Salmeterol als
Dosieraerosol (z.B. Viani  Dosieraerosol, Atmadisc  Dosieraer
® ®

osol)
 Erhältliche Dosierungen: 50/25, 125/25 und 250/25
μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
 Fluticason + Salmeterol als
Pulverinhalator (z.B. Viani  Diskus, Atmadisc  Diskus)
® ®

 Erhältliche Dosierungen: 100/50, 250/50 und 500/50


μg/Hub
 Dosierung ab 12 J. 
o Fluticason + Vilanterol als Pulverinhalator (z.B. Relvar  Ellipta  92/22) 
® ®

 
Besonderheit: SMART-Konzept (Single Maintenance And Reliever Therapy)
o Verschiedene Applikationssysteme (z.B. Pulver-Inhalator,
Dosieraerosol)
o Vereinfachung der Compliance: Mit einer Inhalation werden beide
Wirkstoffe aufgenommen
o Erhöhte Anwendersicherheit (versehentliche LABA-Monotherapie
nicht möglich)
Zu beachten
o Mit Vorsicht anzuwenden bei schweren kardiovaskulären
Erkrankungen, HRST, Diabetes mellitus, Thyreotoxikose, Hypokaliämie
o Nach dem Inhalieren von Steroiden: Möglichst essen, trinken
und Zähne putzen, um die Steroide abzuspülen und
damit Mundsoor und Zahnschmelzschäden zu vermeiden!
o Nebenwirkungen und Hinweise bzgl.
systemischer Glucocorticoide gelten auch hier, wenn die
Dosierungsangaben überschritten werden!
o Inhalative Glucocorticoide als Dosieraerosol oder Inhalationspulver
müssen regelmäßig verwendet werden, um einen Effekt zu erzielen
Die Dosis wird niedrig gewählt, um mögliche systemische
Nebenwirkungen weitestgehend zu vermeiden.
o Entsprechend wird der volle Behandlungseffekt erst nach 2–4 Wochen
regelmäßiger Anwendung erreicht
o Ziel ist es, eine möglichst stabile bronchiale Situation zu schaffen Im
Idealfall bleiben Exazerbationen komplett aus. Wenn es doch zu
Exazerbationen kommt, sind diese i.d.R. leichterer Ausprägung.
o Ist eine stabile Situation erreicht, kann die Dosis schrittweise reduziert
werden Verschlechtert sich der Zustand, sollte die Dosis wieder erhöht
werden. Die Therapie wird dann auf einer stabilen Dosis fortgesetzt.
Kombinationen aus ICS + LABA mit ICS+Salmeterol (z.B. Viani ) dürfen aufgrund des
®

langsamen Wirkungseintritts von Salmeterol nicht als Bedarfstherapeutikum eingesetzt


werden!

Langwirksame Anticholinergika (Long Acting Muscarinic


Antagonist, LAMA)
Zulassung: Ab 6 Jahren
Wirkweise: Bronchodilatation (Blockade von m-Cholinozeptoren)
Applikation: Inhalativ
Indikation: Additiv in Stufe 4 und 5 
Wirkstoff und Dosierung: Tiotropiumbromid 
 
Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten
Zulassung: Ab 6 Monaten, siehe auch Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten im
Kindes- und Jugendalter
Wirkweise: Binden an Leukotrienrezeptoren des Bronchialsystems → Kompetitive
Bindungshemmung von Leukotrienen → Hemmung der bronchialen
Entzündungsreaktion
Indikation: Additiv in Stufe 3 und 4 (2. Wahl) 
Off-label: LTRA-Monotherapie sinnvoll bei
o Unerwünschter oder unmöglicher ICS-Therapie
o Patienten mit zusätzlicher allergischer Rhinokonjunktivitis
Applikation: p.o.
Wirkstoff und Dosierung: Montelukast 
o Für Angaben zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen
siehe: Montelukast (pädiatrisch)
Besonderheiten
o Tritt innerhalb von 2–4 Wochen keine Besserung ein, soll die Therapie
beendet werden
o FDA-Warnung 2020 zu Montelukast („Boxed Warning“)  [13]

 Auftreten psychischer Nebenwirkungen, inkl. suizidaler


Gedanken oder Handlungen möglich!
 Insb. bei milden Formen sollten zunächst andere
Therapieoptionen versucht werden.
Der Einsatz von Montelukast sollte bei Asthma und allergischer Rhinitis nur unter strikter
Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen!

Biologicals bei Asthma bronchiale


Keine ausreichende Asthmakontrollen trotz 3-monatiger Therapie mit ICS in
Höchstdosis plus LABA und LAMA
Anti-IgE-Antikörper
Zulassung: Ab 6 Jahren
Wirkweise: Binden zirkulierendes freies IgE und senken die IgE-Rezeptor-
Expression auf Effektorzellen → Selektive Hemmung IgE-vermittelter
Reaktionen → Rückgang von Symptomen, Exazerbationen und
Medikamentenverbrauch sowie Lebensqualitätssteigerung
Indikation
o Additiv in Stufe 5 bei schwerem allergischem Asthma
o Kriterien
 Schweres IgE-vermitteltes allergisches Asthma plus
 Allergie gegen perenniale Aeroallergene und Eliminierung
vermeidbarer Allergenexposition plus
 IgE-Serumkonzentration im therapierbaren Bereich
Applikation: s.c.
Wirkstoff und Dosierung: Omalizumab 
Besonderheiten
o Nicht alle Patienten sprechen auf die Therapie an, daher
Erfolgskontrolle über mind. 4 Monate, danach jährlich
o Wirksamkeit auch bei Patienten ohne Allergienachweis möglich, aber
nicht zugelassen
o In begründeten Einzelfällen bei fehlenden Therapie-Alternativen:
Therapieversuch off-label in speziellen Zentren möglich
Anti-IL5-Antikörper
Zulassung: Mepolizumab ab 6 Jahren; Reslizumab ab 18 Jahren
Wirkweise: Binden zirkulierendes freies Interleukin-5 → Hemmung von Reifung
und Aktivierung eosinophiler Granulozyten → Reduktion der Eosinophilenzahl
in peripherem Blut und der Lunge → Rückgang von Symptomen,
Exazerbationen und Medikamentenverbrauch sowie Verbesserung
von Lungenfunktion und Lebensqualität
Indikation
o Additiv in Stufe 5 und schwerem eosinophilem Asthma
o Kriterien
 Schweres eosinophiles Asthma plus
 Zweimaliger Nachweis einer Konzentration von >
300 Eosinophilen pro μl Blut außerhalb von Exazerbationen
in den vergangenen zwei Jahren
Applikation: s.c. oder i.v.
Wirkstoffe und Dosierungen
o Mepolizumab 
o Reslizumab 
Besonderheiten
o Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
o Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
o Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
o Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach
Therapiebeginn!
Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die
Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Anti-IL5R-Antikörper
Zulassung: Ab 18 Jahren
Indikation
o Additiv in Stufe 5 und schwerem eosinophilem Asthma
 Kriterien
 Schweres eosinophiles Asthma plus
 Zweimaliger Nachweis einer Konzentration von
>300 Eosinophilen pro μL Blut außerhalb von
Exazerbationen in den vergangenen zwei Jahren
Applikation: s.c.
Wirkstoffe und Dosierungen
o Benralizumab 
Besonderheiten
o Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
o Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
o Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
o Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach
Therapiebeginn!
Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die
Eosinophilenzahl im Blut reduziert!
Anti-IL4R-Antikörper
Zulassung: Ab 12 Jahren
Indikation
o Additiv in Stufe 5 und schwerem eosinophilem Asthma
 Kriterien
 Schweres eosinophiles Asthma plus
 Zweimaliger Nachweis einer Konzentration von
>300 Eosinophilen pro μL Blut außerhalb von
Exazerbationen in den vergangenen zwei Jahren
Applikation: s.c.
Wirkstoffe und Dosierungen
o Dupilumab 
Besonderheiten
o Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
o Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
o Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
o Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach
Therapiebeginn!
Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die
Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Retardiertes Theophyllin
Wirkweise: Bronchospasmolyse
Indikation: Nicht mehr empfohlen 
Applikation: p.o.
Wirkstoffe und Dosierungen
o Retardiertes Theophyllin (z.B. Euphylong  retard) – zugelassen ab 6
®

J.
 Erhältliche Dosierungen: 125, 200, 250, 300 und 375 mg
 Dosierung ab 16 J. 
 Zielkonzentration im Serum 5–20 μg/L (zur
Langzeitbehandlung mit retardiertem Theophyllin-Präparat) 
Bei den hier genannten Indikationen handelt es sich jeweils nur um Indikationen im
Rahmen des Asthma bronchiale. Viele Medikamente werden auch bei der Therapie
anderer Krankheitsbilder eingesetzt.
NOTIZEN
FEEDBACK

Akuttherapie bei Exazerbation und Asthmaanfall


VOLLBILDTABELLEN-QUIZ
Schwere der Exazerbation 

Ablauf
Leichte bis mittelschwere
Schwere Exazerbation Lebensbe
Exazerbation

 Kein Atem

 Sprechen unbeeinträchtigt  Frustrane A


 Sprechen
 Atemfrequenz (AF)  Zyanose
Klinische Zeichen durch Dyspnoe beeinträchtigt
<25/min  Bradykard
und diagnostische  AF ≥25/min
 Herzfrequenz (HF)  Erschöpfun
Parameter
 HF ≥110/min
<110/min  PEF <33%
 PEF <50% des PBW 
 PEF ≥50% des PBW   SaO  <92% 2

 PaCO >45 2 

 Atemerleichternde Manöver (bspw. Lippenbremse) und Körperposition (sitzende Position mit aufgestützten


der Atemhilfsmuskulatur)

 Inhalative kurzwirksame β -Sympathomimetika, bspw. Salbutamol 


2

Initialtherapie
 Ziel: Normalisierung von AF und HF sowie PEF >70%

 Glucocorticoide p.o. oder i.v. (bei Kindern ggf. rektal) 

 Sauerstoffgabe 
 Glucocorticoide p.o. 
 Ggf. Ipratropiumbromid inhalativ 

Zusätzliche  β -Sympath
2

Maßnahmen 

 Magnesium
 

 Bei metabo
Schwere der Exazerbation 

Ablauf
Leichte bis mittelschwere
Schwere Exazerbation Lebensbe
Exazerbation

Azidos

 Im Ausnah
(CAVE

 Je nach Kl
invasiv

 Ambulante Versorgung  Stationäre Aufnahme erwägen


 Umgehend
Versorgung
 Bei unzureichendem Therapieansprechen nach 30–60 min: Stationäre intensiv
Aufnahme, ggf. mit intensivmedizinischer Betreuung

Bei einem akuten Asthmaanfall stehen inhalative β2-Sympathomimetika im


Vordergrund! Da Glucocorticoide bei inhalativer(!) Applikation einen verzögerten
Wirkungseintritt aufweisen, sollten diese immer oral oder i.v. gegeben werden!

Bei jedweder Form eines Asthmaanfalls dürfen keine Beta-Blocker gegeben werden!

Jeder Patient mit einem schweren bis lebensbedrohlichen Asthmaanfall sollte unter


Notarztbegleitung ins Krankenhaus gebracht werden!
Besonderheiten und Dosierungen bei Kindern und Jugendlichen
Bei schweren Asthmaanfällen: Kontinuierliche Inhalation von Salbutamol 
Bei Kleinkindern mit fehlendem Ansprechen auf Salbutamol: Adrenalin inhalativ 
Parenterales Betamimetikum: Reproterol i.v. 
 
Magnesium 
Theophyllin 

Nicht empfohlene Maßnahmen im akuten Asthmaanfall


Sedative/Anxiolytika → Atemdepression und Verminderung des Dyspnoe-
Empfindens; Anwendung höchstens unter Intubationsbereitschaft!
Mukolytika → Übermäßige Schleimlösung/Verlegung der Atemwege
Verabreichung großer Flüssigkeitsmengen → Zusätzliche kardiale Belastung
Antibiotika: Nur bei begründetem Verdacht auf eine bakterielle Infektion
NOTIZEN
FEEDBACK

Prognose
Transiente Verlaufsform möglich: Häufig Verschwinden der Asthma-
Symptomatik nach Pubertät (insb. beim extrinsischen Asthma); Wiederauftreten
im Erwachsenenalter möglich 
Bei persistierendem Verlauf
o Bei adäquater Therapie: Normale Lebenserwartung
o Bei insuffizienter Therapie: Zunehmende irreversible bronchiale
Obstruktion und Abfall der Lungenfunktion mit dauerhaften Asthma-
Symptomen und verminderter Lebenserwartung
Mortalitätsrate: Tendentiell sinkend (1500 Tote durch Asthma in 2008 in
Deutschland)
NOTIZEN
FEEDBACK

Prävention
Primärprävention  [1]

Während Schwangerschaft und Stillzeit
o Vermeiden von Aktiv-/Passivrauchen
o Substitution von Pro- und Präbiotika, ungesättigten
Fettsäuren sowie Vitamin D und E
o Wenn möglich Meiden von Breitspektrum-
Antibiotika und Paracetamol
o NICHT nachgewiesen: Diätetische Ernährungsrestriktionen der
Mutter
Geburt und Säuglingsalter
o Wenn möglich vaginale Entbindung 
o Wenn möglich Meiden von Breitspektrum-
Antibiotika und Paracetamol in den ersten Lebensmonaten
o Durchführen von Impfungen nach STIKO-Empfehlung
o Adipositas verhindern
Ernährung
o Geburt – 4 Monate: Ausschließliches Stillen
o Ab 4 Monaten: Beikosteinführung (parallel zum Stillen)
o NICHT nachgewiesene präventive Effekte haben
 Hydrolisierte Säuglingsnahrung (sog. hypoallergene oder
HA-Nahrung) bei Kindern mit Allergierisiko 
 Späte Beikosteinführung
Umwelt (bei Kindern mit Allergierisiko)
o Vermeiden von fell- oder federtragenden Haustieren (insb. Katzen
und Nagetiere) 
o Vermeiden von feuchter Raumluft, Schimmel, Exposition ggü.
schädlichen Haushaltsgasen, Tabakrauch und Kfz-Abgasen
o Günstige Auswirkung durch Kontakt zu anderen Kindern (Geschwister,
Kita-Besuch), Aufwachsen auf einem Bauernhof sowie
Wurminfektionen 

Sekundärprävention und Tertiärprävention
Allergenkarenz bei Allergienachweis
Hausstaubmilbensanierung 
Meiden von Kontakt zu entsprechenden Tieren 
Allergen-Immuntherapie (AIT)
Synonym: Hyposensibilisierung, spezifische Immuntherapie
Sekundärprävention: Bei allergischer Rhinoconjunctivitis, ohne Asthma (insb. bei
Kindern) 
Tertiärprävention 
: Bei bereits manifestem allergischem Asthma bronchiale 
Insb. bei der Pollenallergie ist eine Allergen-Immuntherapie essentiell, da eine Karenz
nicht möglich ist!

Pneumologische Rehabilitationsmaßnahmen bei Asthma bronchiale


Indikation
Bei nur teilweise kontrolliertem oder unkontrolliertem Asthma bronchiale
Bei Ausschöpfung der regulären Therapieoptionen
Ziele
Normale soziale Teilhabe 
Erhaltung/Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit
Inhalte
Asthmadiagnostik inkl. Allergietestung
Therapieoptimierung
Multimodales Therapiekonzept
o Patientenschulung und sozialmedizinische bzw. psychotherapeutische
Beratung
o Eliminierung von Triggerfaktoren, bspw. Raucherentwöhnung,
Ernährungsberatung
o Körperliche Aktivität, Atemphysiotherapie, Ergotherapie
Klimatische Besonderheiten (wie bspw. das Hochseereizklima) können vorteilhaft
sein, sind aber nicht zwingend erforderlich
Eine Rehabilitationsmaßnahme ist keine Kur! Medizinische und/oder therapeutische
Inhalte zur Erhaltung/Wiederherstellung der normalen sozialen Teilhabe sind das Ziel!
Kostenübernahme
Gesetzliche Rentenversicherung (GRV), bspw. DRV
o Zum Abwenden der Erwerbsunfähigkeit oder deren Verschlechterung
o Zur Besserung/Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), bspw. Ersatzkassen
o Zum Abwenden einer drohenden Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit oder deren Verschlechterung
o Zur Besserung bzw. Beseitigung von Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit
Gesetzliche Unfallversicherung (GUV), bspw. Berufsgenossenschaften
o Nur bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit
o Zur Besserung bzw. Beseitigung des Gesundheitsschadens
o Zum Abwenden einer Verschlechterung
Besonderheiten bei pneumologischen Rehamaßnahmen im Kindes- und
Jugendalter
Eine Kinder-Rehabilitation ist nicht zu verwechseln mit einer Eltern-Kind-Kur! 

Ziele
o Normale soziale Teilhabe
o Erhaltung/Wiederherstellung der Schul- und Ausbildungsfähigkeit
(zusätzlich zur späteren Erwerbsfähigkeit)
Kostenübernahme: Gleichrangige Zuständigkeit GKV und DRV 
Stärkung der Rehabilitation im Kindes- und Jugendalter durch
Flexirentengesetz (seit Ende 2016)
o Pflichtleistung bei der DRV, inkl. Nachsorge
o Durchführung ambulant oder stationär möglich
o Altersunabhängig Genehmigung einer Begleitperson 
o Keine Ausgabenbegrenzung
o Keine Indikationsbeschränkung
o Keine Vierjahresfrist 
NOTIZEN
FEEDBACK

Besondere Patientengruppen
Asthma bronchiale bei Schwangeren
Während der Schwangerschaft zeigt sich bei ⅓ der Fälle eine Verbesserung, bei ⅓ eine
Verschlechterung und bei ⅓ bleibt die Symptomatik unverändert.

Engmaschige Kontrollen: Zu Beginn und während der Schwangerschaft 


Dauertherapie: Gleiche Stufentherapie wie für alle Patienten
o Keine Änderung der bisherigen Basistherapie 
o Möglichst kein Beginn einer Montelukast-Therapie
o Keine Empfehlung zur Anwendung
monoklonaler Antikörper (aufgrund fehlender Daten)
Allergen-Immuntherapie bei Asthma bronchiale
o Beginn einer AIT in der Schwangerschaft kontraindiziert 
o Fortführen einer bereits begonnenen AIT bei guter Verträglichkeit
möglich
Bei Asthmaanfall: Immer notfallmäßige stationäre Aufnahme
mit obligater Sauerstoffgabe und fetalem Monitoring!
o Frühzeitiger Einsatz von SABA und systemischen Glucocorticoiden
o Bei schwerem Verlauf: Inhalation mit Ipratropiumbromid und
systemischem Reproterol
Bei pulmonalen Infekten: Meist viral, Antibiotikatherapie nur nach strenger
Indikationsstellung mit Penicillinen oder Cephalosporinen 
Während der Geburt
o Bei präpartaler Medikation
Bei ≥7,5 mg Prednisolon pro Tag präpartal über mind. 2

Wochen: Peripartal alle 6–8 Stunden 100
mg Hydrocortison i.v.
 Bei hochdosierter SABA-Gabe ≤48 Stunden präpartal: Risiko
für neonatale Hypoglykämie 
o Zur Geburtseinleitung: Bei Verwendung von Prostaglandinen ggf.
bronchokonstriktive Wirkung 
o Bei postpartaler Uterusatonie: Oxytocin (1. Wahl)
o Zur Wehenhemmung
 Intrapartal: β2-Sympathomimetika
 Vorzeitige Wehen: Atosiban (Oxytocinantagonist)
o Bei Narkosenotwendigkeit: Wenn
möglich Regionalanästhesie statt Vollnarkose 
Eine gute Asthma-Kontrolle in der Schwangerschaft beugt Exazerbationen und K