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05.1.

Material: Eigenschaften EBB 09


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TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso


Baukonstruktion und Baustoffkunde

05.1 Material • Eigenschaften

Abb. 5.0.1 Druckversuch Beton


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10 EBB
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Baukonstruktion und Baustoffkunde

05.1 Material • Eigenschaften


05 Material
EBB 09
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TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso


Baukonstruktion und Baustoffkunde

05.1 Material • Eigenschaften


1 Eigenschaften 1.9 Umweltindikatoren
- Primärenergieinhalt
- Säurebildungspotential
1.1 Definition - Abiotischer Ressourcenverbrauch
- Treibhauspotential
1.2 Mechanische Eigenschaften - Ozonabbaupotential
- Festigkeit - Eutrophierungspotential
- Druckfestigkeit - Bodennahe Ozonbildung
- Biegefestigkeit/Biegezugfestigkeit
- Scherfestigkeit 1.10 Ökonomische Eigenschaften
- Zugfestigkeit - Baukosten
- Reißlänge - Alterung und Unterhalt
- Elastizitätsmodul - Nutzungsdauer von Bauteilen
- Härte, Verschleißwiderstand
- Dynamische Steifigkeit 1.11 Testfragen
- Rutschsicherheit
1.12 Literaturhinweise
1.3 Physikalische Eigenschaften
- Rohdichte, Schüttdichte 1.13 Bildnachweise
- Porosität
- Quellen und Schwinden

1.4 Wärmeschutztechnische Eigenschaften


- Wärmeleitfähigkeit
- Wärmedurchlasswiderstand R
- Wärmedurchgangskoeffizient U
- Spezifische Wärmekapazität
- Wärmeeindringkoeffizient
- Temperaturleitfähigkeit
- Wärmedehnung

1.5 Durchlässigkeit
- Gesamtenergiedurchlassgrad
- Lichttransmissionsgrad
- b-Faktor
- Farbwiedergabeindex
- Beleuchtungsstärke

1.6 Feuchteschutztechnische Eigenschaften


- Gleichgewichtsfeucht
- Wasseraufnahmekoeffizient
- Kapillare Leitfähigkeit
- Dampfdiffusionswiderstand

1.7 Beständigkeit
- UV-Beständigkeit
- Frost, Wasser, Tau
- Feuerbeständigkeit
- Korrosion
- pflanzliche und tierische Schädlinge
- Kristllisationsdruck von Salzen

1.8 Emissionen
- Holzschutzmittel
- Formaldeydemission
- Radioaktivität
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10 EBB 05.1 Eigenschaften ermitteln, mit welcher dieser Werkstoff im
Zugversuch belastet werden kann, sich aber
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Hinweis: Ein Teil der Texte ist aus Wikipedia, elastisch verhält.
Baukonstruktion und Baustoffkunde der freien Enzyklopädie, entnommen.
Druckfestigkeit (N/mm²)
05.1 Material • Eigenschaften
1.1 Definition Als Druckfestigkeit wird die Widerstandsfähig-
keit eines Werkstoffs bei der Einwirkung von
Für den Einsatz von Baustoffen im Bauwesen Druckkräften bezeichnet. Ist die Druckkraft
ist das Wissen um deren Eigenschaften für die größer als die Druckfestigkeit eines Körpers,
Dauerhaftigkeit des Bauwerkes von maßgeb- so wird dieser zerstört. Die meisten Materi-
licher Bedeutung. Neben den technischen, alien besitzen sowohl eine Zug- als auch eine
physikalischen, chemischen und den ökono- Druckfestigkeit, wie zum Beispiel Stahl. Ein
mischen Eigenschaften gewinnen auch die Beispiel für ein Material, das ausschließlich
ökologischen Eigenschaften zunehmend bei Druckkräfte aufnehmen kann, ist Sand.
der Auswahl an Gewicht.

1.2 Mechanische Eigenschaften

Festigkeit (N/mm²)
Die Festigkeit Rm beschreibt den mecha-
nischen Widerstand, den ein Werkstoff einer
plastischen Verformung oder Trennung ent-
gegensetzt. Dabei kann sich sowohl die geo-
metrische Form verändern (z.B. stauchen,
verlängern, biegen, verdrehen) als auch seine
Oberfläche (z.B. glätten, aufrauhen oder farb-
lich verändern). Bei Versagen des Zusammen-
Abb. 5.2.1 Druckfestigkeitsprüfung Betonzylinder
haltens seiner Bestandteile wird der Körper
zerstört. Je nach Werkstoff, Werkstoffzu- Baustoff (N/mm²)
stand, Temperatur, Belastung und Belastungs- Ziegel 2-60
geschwindigkeit können unterschiedliche Holz 40-62
Festigkeiten erreicht werden. Beton 8-100
Naturstein 20-400
In Abhängigkeit der Beanspruchung sind ver- Stahl 240-510
schiedene Festigkeitsarten zu unterscheiden. Glas 700-900
- statische und dynamische Festigkeit:
z.B. ruhende, ansteigende, Zeit- oder Biegezugfestigkeit (N/mm²)
Dauerfestigkeit, Die Biegezugfestigkeit bezeichnet die maxi-
- nach der Richtung der Last: male aufnehmbare Spannung eines Werk-
Zug- und Druckfestigkeit, aber auch stoffs bei der Beanspruchung auf Biegung.
Biege-, Knick- und Scherfestigkeit. Ist die aufgebrachte Biegespannung an einem
Bauteil größer als seine Biegezugfestigkeit, so
Aus Sicherheitsgründen setzt man bei der wird das Gefüge des Werkstoffs zerstört. Dies
Berechnung von Belastungen die Mindest- kann zum statischen Versagen der Konstruk-
streckgrenze (Re) ein. Dieser Wert beschreibt tion führen.
die Festigkeit eines Werkstoffs bis zur Grenze
der elastischen Verformung.

Ein Beispiel: Die Mindestzugfestigkeit bei


einem Stahl für den Stahlbau (S275JR), der
im Hausbau verwendung findet, liegt bei
370 N/mm², seine Streckgrenze hingegen
bei 275 N/mm². Würde man nun im Zugver-
such eine Probe dieses Stahls, welche einen
Querschnitt von 1 mm² hat, mit einer Kraft
belasten, müsste diese bei 370 N liegen, um
die Probe zu zerreissen. 370 N entsprechen
einer Masse von 37,717 kg. Daraus kann
Abb. 5.2.2 Biegezugfestigkeitsprüfung Beton
geschlossen werden, dass sich mit diesem
Stahldraht zwar eine Masse von 37,717 kg
heben lässt, aber der Werkstoff reissen wird. Scherfestigkeit (N/mm²)
Das heisst bei einer Zugkraft Fz von 275 N auf Die Scherfestigkeit ist der Widerstand, den
eine Probe mit einem Querschnitt von 1 mm², ein Festkörper tangentialen Scherkräften
dass sich diese Probe zwar denht, aber ohne entgegensetzt. Sie gibt die maximale Schub-
sich bleibend (plastisch) zu verformen in ihren spannung an, mit der ein Körper vor dem
Ursprungszustand zurück. Hier lässt sich eine Abscheren belastet werden kann, d. h. die auf
Masse von 28,033 kg (mit 275 N/9,81 m/s²) die Bruchfläche bezogene Tangentialkraft.
Form der Querschnittsfläche, da nicht nur die
Festigkeit linear mit der Querschnittsfläche
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wächst, sondern auch die Masse. Ein Rohr TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
und ein Zylinder gleichen Materials und glei- Baukonstruktion und Baustoffkunde

cher Querschnittsfläche haben die selbe Reiß- 05.1 Material • Eigenschaften


länge. Dieses Abreißen wird jedoch nicht als
eigener Versuch im Rahmen der Werkstoff-
prüfung realisiert; die Reißlänge kann aus der
im Zugversuch gemessenen Festigkeit und
der Dichte als abgeleitete Größe berechnet
werden.

Abb. 5.2.3 Scherfestigkeitsprüfung Die Länge wird meist in Kilometer angege-


ben. In der Textilindustrie hat sich dafür Reiß-
kilometer (Rkm) eingebürgert.
Zugfestigkeit (N/mm²)
Als Zugfestigkeit wird die Widerstandsfähig- Baustoff Faser (km) Kompakt (km)
keit eines Werkstoffs bei der Einwirkung von Aluminium 29 13,6
Zugkräften bezeichnet. Ist die Zugkraft größer Baustahl 51 5,4
als die Zugfestigkeit eines Körpers, so wird er Edelstahl 6,8
zerstört. Sie ist besonders bei den metallischen Beton 0,16
und einigen organischen Baustoffen von Holz 15-30 2
Bedeutung. Die meisten Materialien besitzen Glas 160 2,2
sowohl eine Zug- als auch eine Druckfestig- Titan 15
keit, wie zum Beispiel Stahl. Horn 31
Seide 50
Dyneema (Kunst) 300

Elastizitätsmodul (N/mm²)
Der Elastizitätsmodul (kurz E-Modul) ist ein
Materialkennwert aus der Werkstofftechnik,
der den Zusammenhang zwischen Spannung
und Verformung (meist Dehnung) bei der
mechanischen Beanspruchung eines festen
Körpers beschreibt.

Der Zahlenwert des Elastizitätsmoduls ist um


so größer, je mehr Widerstand ein Material
seiner Verformung entgegensetzt. Ein Mate-
rial mit hohem E-Modulist also steif, ein
Material mit niedrigem E-Modul ist weich.

Anschaulich kann man sich den Elastizitäts-


modul als die Zugspannung vorstellen, die das
Material auf seine doppelte Länge dehnen
würde.

Abb. 5.2.4 Zugversuch Stahl

Baustoff (N/mm²)
Glas 30-90
Holz 70-140
Aluminium 130
Kupfer 200-360
Stahl 330-610
GFK 750
CFK 1300

Abb. 5.2.5 E-Modulprüfung Beton


Reißlänge (km)
Die Reißlänge (Begriff erstmalig von Gali- Häufig wird der Elastizitätsmodul als Materi-
lei geprägt), auch spezifische Reißfestigkeit, alkonstante bezeichnet. Der Elastizitätsmodul
bezeichnet die gedachte Länge eines Stranges ist aber nicht im wörtlichen Sinne konstant,
von einheitlicher Beschaffenheit und Quer- sondern hängt von verschiedenen Umge-
schnittform, der bei vertikaler Aufhängung an bungsbedingungen wie z. B. dem Druck oder
einer Einspannstelle durch sein Eigengewicht der Temperatur ab, die auf die Materialeigen-
abreißt. Sie ist unabhängig von Größe und schaften Einfluss haben.
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10 EBB Material
Silikonkautschuk
N/mm²
10-100
Die Rockwellhärte HRC eines Werkstoffes
ergibt sich aus der Eindringtiefe eines kegel-
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso PVC-weich 20-40 förmigen Prüfkörpers aus Diamant: Mit einer
Baukonstruktion und Baustoffkunde Acrylglas 3000 festgelegten Prüfkraft wird dieser Kegel in die
Holz II 10000 Oberfläche des zu prüfenden Werkstückes
05.1 Material • Eigenschaften
GFK 25000 eingedrückt. Die Eindringtiefe des Diamant-
Beton 22000-39000 kegels, die durch eine mit dem Prüfgerät
Glas 70000 verbundene Messuhr festgestellt wird, ist ein
Aluminium 70000 Maß für die Härte des Werkstoffes. Auf der
Stahl 210000 Skala der Uhr kann man die Härtewerte in
CFK 130000-300000 Rockwelleinheiten (HRC) unmittelbar ablesen.
Dieses Prüfverfahren kommt vor allem bei
Härte sehr harten Werkstoffen zum Einsatz.
Härte ist der mechanische Widerstand, den
ein Werkstoff dem mechanischen Eindringen
eines härteren Prüfkörpers entgegensetzt. Je
nach Art der Einwirkung unterscheidet man
verschiedene Arten von Härte. So ist Härte
nicht nur der Widerstand gegen härtere
Körper, sondern auch gegen weichere und
gleich harte Körper. Härte wird von Festigkeit
unterschieden, die die Widerstandsfähigkeit
eines Materials gegenüber Verformung und
Trennung beteichnet.

In der Werkstoffkunde werden vor allem


Prüfverfahren eingesetzt, welche die Ein-
dringhärte messen. Dabei werden jeweils
genormte Prüfkörper unter festgelegten
Bedingungen in das Werkstück gedrückt;
anschließend wird die Oberfläche oder Tiefe
des bleibenden Eindruckes gemessen.

Härteprüfung nach Brinell


Die Härteprüfung nach Brinell kommt bei
Abb. 5.2.7 Härteprüfung nach Rockwell
weichen bis mittelharten Metallen wie z. B.
unlegiertem Baustahl oder Aluminiumlegie-
rungen, bei Holz und bei Werkstoffen mit Härteprüfung nach Vickers
ungleichmäßigem Gefüge (wie z. B. Gußei- Sehr ähnlich ist die Härteprüfung nach Vickers,
sen) zur Anwendung. Dabei wird eine Stahl- die zur Prüfung harter und gleichmäßig aufge-
kugel oder eine Hartmetallkugel mit einer bauter Werkstoffe dient, aber auch zur Här-
festgelegten Prüfkraft in die Oberfläche des teprüfung an dünnwandigen Werkstücken
zu prüfenden Werkstückes gedrückt. und Randzonen eingesetzt wird. Wie auch bei
der Rockwellprüfung wird eine Diamantpyra-
Nach einer Belastungszeit von mindestens mide mit einer festgelegten Prüfkraft in das
Abb. 5.2.6 Härteprüfung nach 10 Sekunden wird der Durchmesser des blei- Werkstück eingedrückt. Aus dem diagonalen
Brinell
benden Eindrucks im Werkstück gemessen Durchmesser des bleibenden Eindrucks wird
und daraus die Oberfläche des Eindrucks dann die Eindruckoberfläche errechnet. Das
bestimmt. Das Verhältnis von Prüfkraft zur Verhältnis von Prüfkraft zur Eindruckoberflä-
Eindruckoberfläche, multipliziert mit dem che ergibt mit dem Faktor 0,102 multipliziert
Zahlenwert 0,102, bezeichnet man als die die Vickershärte (VH).
Brinellhärte. Bei Einsatz einer Hartmetallkugel
wird der Härtewert mit HBW, bei einer Stahl- Eine Sonderform der Vickers-Härteprüfung ist
kugel mit HBS gekennzeichnet. die Knoop-Härteprüfung. Die in der Vickers-
Prüfung gleichseitige Diamantspitze hat in der
Baustoff HB Knoop-Prüfung eine rhombische Form. Die
Aluminium 35 Knoop-Prüfung wird bei spröden Materialien
Stahl 215-400 wie z. B. Keramik oder Sinterwerkstoffen ein-
gesetzt.
Härteprüfung nach Rockwell
Es existieren mehrere Härteprüfverfahren Härteprüfung nach Shore
nach Rockwell, die für bestimmte Einsatzbe- Die Shore-Härte ist ein Werkstoffkennwert
reiche spezialistert sind. Die unterschiedlichen für Elastomere und Kunststoffe. Der Shore-
Verfahren werden mit HR und einer anschlie- Härte-Prüfer für Gummi und ähnliche Werk-
ßenden Kennung gekennzeichnet, z. B. HRB, stoffe besteht aus einem federbelasteten
HRC oder HR15N. Stift, dessen elastische Eindringtiefe ein Maß
für die entsprechende Shore-Härte des Mate-
rials ist, die auf einer Skala von 0 Sh bis 100
Sh gemessen wird. Eine hohe Zahl bedeutet
die ausschließlich stationär im Prüflabor an
Testbelägen ermittelt werden.
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eine große Härte. TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso


Die Beurteilung der rutschhemmenden Eigen- Baukonstruktion und Baustoffkunde

Shore-A wird angegeben bei Weichelastome- schaften erfolgt mit Hilfe einer in der Neigung
05.1 Material • Eigenschaften
ren nach Messung mit einer Nadel mit kleinem verstellbaren schiefen Ebene. R 9 ist dabei die-
Radius. Shore-D wird angegeben bei Zähela- jenige mit dem niedrigsten, R 13 diejenige mit
stomeren nach Messung mit einer Nadel mit dem höchsten Grad der Rutschhemmung für
größerem Radius. ebene Innenflächen.

Härteprüfung nach Mohs


Harte Werkstoffe ritzen weiche. Diese Einsicht
ist Grundlage der Härteprüfung nach Friedrich
Mohs. Mohs, ein Geologe, ritzte verschiedene
Mineralien gegeneinander und ordnete sie so
nach ihrer Härte an. Durch das exemplarische
Zuordnen von Zahlenwerten für ausgewählte
Minerale entstand eine relative Härteskala,
die Mohs-Skala:

Härte Mineral absolute Härte Bemerkungen


1 Talk 0,03 mit Fingernagel schabbar
2 Halit 1,25 mit Fingernagel ritzbar
3 Kalzit 4,50 mit Kupfermünze ritzbar
4 Fluorit 5,00 mit Messer leicht ritzbar
5 Apatit 6,50 mit Messer noch ritzbar
6 Orthoklas 37,00 mit Stahlfeile ritzbar
7 Quarz 120,00 ritzt Fensterglas
8 Topas 175,00
9 Korund 1000,00 Abb. 5.2.8 Prüfung der Rutschsicherheit an der schiefen
Ebene
10 Diamant 140.000,00 härtestes natürlich
vorkommendes Mineral;nur von sich selber ritzbar
Beispiele für die Bewertungsgruppen der Bewertungsgruppen nach BGR 181

Dynamische Steifigkeit (MN/m³) Rutschhemmung 3° bis 10° R9


Sie kennzeichnet das dynamisch-elastische 10° bis 19° R 10
19° bis 27° R 11
Verhalten einer Dämmschicht als Zwischen- R-Gruppe Gebäudebereich 27° bis 35° R 12
schicht in mehrschichtigen Konstruktionen. Je >35° R13

kleiner die dynamische Steifigkeit s´ ist, desto R 9 Eingangsbereiche


besser sind die schalldämmenden Eigen- Treppen
schaften einer mehrschichtigen Konstruktion Verkaufsräume
(z.B. höheres Trittschallverbesserungsmaß Lw Kundenräume
eines auf dieser Dämmschicht schwimmend
Schalterräume
verlegten Estrichs).
Flure, Pausenhallen
R 10 Toiletten
Trittschalldämmung MN/m³
Mineralwolle 7-20 Umkleide- und
Polystyrol-Paritkelschaum EPS 10-30 Waschräume
Kokosfaser 10-30 Kaffee- und Teeküchen
Holzweichfaser 30-50 R 11 Laborräume
Gastronomische Küchen
Rutschsicherheit bis 100 Gedecke/Tag
Bei Fußböden außen wie innen spielen Unfall- R 12 Fleischverarbeitungsraum
verhütung und Rutschsicherheit eine wichtige Gastronomische Küchen
Rolle. Dies gilt besonders für alle öffentliche über 100 Gedecke/Tag
Bereiche, für Verkehrsflächen und gewerb- R 13 Feinkostherstellung
liche Arbeitsflächen. Im privaten Bereich gibt Schlachthaus
es hingegen keine festgelegten Anforde-
rungen hinsichtlich der rutschhemmenden
Eigenschaften von Fußbodenbelägen. Erzeugung der Rutschsicherheit
Um die geforderte Rutschsicherheit R 9
Im Merkblatt für Fußböden in Arbeitsräumen eines Natursteinbodens im Innenbereich zu
und Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr (BGR erreichen, muss die Oberfläche eine ent-
181) der Berufsgenossenschaftlichen Regeln sprechende Rauhigkeit aufweisen. Dies wird
werden Nutzungsbereiche in Innenräumen mittels Schleifen, chemischer Behandlung,
definiert, die bestimmte R - Werte (R 9 bis R 13) Lasermikrostrukturierung, sowie mit den tra-
aufweisen müssen. Diese R-Werte charakteri- ditionellen Verfahren wie Schuren, Sandstrah-
sieren die rutschhemmenden Eigenschaften, len, Feinstocken und Beflammen erzeugt.
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10 EBB Die letztgenannten weisen aufgrund der
rauheren Oberfläche eine deutlich höhere
Porosität
Die Porosität ist eine physikalische Größe und
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Schmutzanfälligkeit und einen höheren Rei- stellt das Verhältnis von Hohlraumvolumen
Baukonstruktion und Baustoffkunde nigungsaufwand auf. Polierte bzw. feinge- zu Gesamtvolumen eines Stoffes oder Stoff-
05.1 Material • Eigenschaften
schliffene Oberflächen von Naturwerksteinen gemisches dar. Sie dient als klassifizierendes
können die Anforderungen an die Rutschsi- Maß für die tatsächlich vorliegenden Hohl-
cherheit nicht erfüllen. räume. Die Porosität hat großen Einfluss auf
die Dichte eines Materials.
Die Mindestanforderung R 9 wird erst mit
einem Schliff C 120 erreicht. Einzelne Natur- In der Werkstofftechnik erfolgt die Klassifi-
steinsorten erreichen dies sogar mit einem zierung poröser Materialien nach der Poren-
feineren Schliff. Ist R 10 oder höher zu erfül- größe:
len, so muß der Schliff auf C 60 oder noch mikroporös: Poren < 2 nm
gröber eingestellt werden. C steht dabei für mesoporös: Poren > 2 - 50 nm
Carborundum, die ehemalige Entwicklerfirma makroporös: Poren > 50 nm
von Schleifmitteln. Je höher die Schliffzahl,
desto glatter die Oberfläche und desto gerin- Gesteinstyp Porosität %
ger die Rutschhemmung. Magmatite 1-2
Metamorphite 1-2
1.3 Physikalische Eigenschaften Schieferton < 10
tektonisch beanspruchte, geklüftete
Rohdichte (g/cm³) Magmatite und Metamorphite bis 10
Die entscheidende physikalische Größe, um Kalkstein, Dolomit 5-25
die Eigenschaften von Massivbaustoffen zu Sandsteine 30
beschreiben, ist die Rohdichte. Sie ist der Quo- Lockere Sand- und Kiesschichten bis 40
tient zwischen der Masse eines Stoffes und Sanierputze > 40
dem von dieser Masse eingenommenen Volu-
men einschließlich Poren und Hohlräume. Quellen und Schwinden
Prinzipiell gilt: Je höher das Gewicht, also die Gibt Holz unterhalb seines Fasersättigungsbe-
Rohdichte eines Baumaterials, desto schlech- reiches Feuchtigkeit an seineUmgebung ab,
ter ist seine Wärmedämmung. Umgekehrt ist es schwindet. Umgekehrt quillt Holz, wenn
es bei der Tragfähigkeit, beim Schallschutz es unterhalb seines Fasersättigungsbereiches
und der Wärmespeicherfähigkeit: Je höher Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnimmt.
die Rohdichte, desto besser.

Material g/cm³
Mineralwolle 0,015
Holz (einheimisch) 0,45-0,8
Wasser 1
CFK Kohlenstoffverstärkter Kunstst. 1,5
GFK Glasfaserverstärkter Kunstst. 2
Beton, Naturstein 2,0-2,6
Glas 2,5
Aluminium 2,7
Stahl 7,85
Blei 11,3

Abb. 5.3.1 Schwindriß und -verformungen an Kantholz


Die Reindichte, auch Skelettdichte, absolute
oder wahre Dichte genannt, bezeichnet die
Dichte des stofflichen Teils eines Körpers Feuchtigkeitsabgabe aus bzw. Feuchtigkeits-
beliebigen Aggregatzustandes. Reindichte aufnahme in Holz kann nur erfolgen, wenn
und Rohdichte unporöser Körper sind gleich. die Luftfeuchtigkeit von der dazu gehörenden
Der Quotient aus Roh- und Reindichte ist die Holzfeuchte abweicht. Es muss also ein Feuch-
Porosität (die relative Dichte). tigkeitsgefälle zwischen dem Holz und der
Umgebung herrschen. Das axiale Schwinden/
Schüttdichte Quellen ist mit ca. 0,3% vom Fasersättigungs-
Als Schüttdichte, umgangssprachlich auch bereich bis Darrtrocken sehr gering, weshalb
Schüttgewicht, bezeichnet man die Dichte es idR. vernachlässigt wird, im Gegensatz zum
eines Gemenge aus einem körnigen Feststoff radialen und tangentialen Schwinden und
und einem kontinuierlichen Fluid, welches die Quellen.
Hohlräume zwischen den Partikeln ausfüllt. Die Verhältnisse von Tangential-, Radial- und
Dabei dürfen sich die einzelnen Komponen- Longitunalschwund beträgt rund 20 : 10 : 1.
ten nicht ineinander lösen. Das Fluid kann
auch Luft sein. Rechenwerte der Schwind- und Quellmaße
für Änderungen der Holzfeuchte um 1 %
unterhalb des Fasersättigungsbereiches:
Holzart %
Teak, Afzelia, Merbau 0,20
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10
9

Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Douglasie, Southern Pine, Baukonstruktion und Baustoffkunde

Western Hemlock, BSH, Eiche 0,24


05.1 Material • Eigenschaften
Buche, Keruing, Angelique, Greenheart 0,30
Azobé (Bongossi) 0,36

1.4 Wärmeschutztechnische Eigenschaften

Wärmeleitfähigkeit ‫( ג‬W/mK)
Sie gibt diejenige Wärmemenge in Joule an,
die in einer Sekunde durch 1m² einer 1 m
dicken Baustoffschicht hindurchgeht, wenn
der Temperaturunterschied zwischen den
beiden Oberflächen 1 K beträgt.
Sie hängt ab von der Art des Stoffes allgemein
(Dichte) dem Gehalt an eingeschlossener Luft,
Abb.5.4.1 Messung des Wärmedurchlasswiderstandes
der Verteilung und Größe der Luftporen und
dem Gehalt an Feuchtigkeit.
Je kleiner dieser Wert ist umso besser die Wärmedurchgangskoeff. U (W/(m²·K)
Dämmeigenschaft des Stoffes. Der Wärmedurchgangskoeffizient ist die
wichtigste Größe zur Beschreibung und Beur-
Baustoffe W/(m K) teilung des energetischen Verhaltens eines
Vakuumdämmplatte (VIP) 0,004…0,006 Bauteils. Er gibt den Wärmestrom in Watt an,
Aerogel 0,02 der 1 m² große Fläche bei einer Temperatur-
Kork 0,035…0,046 differenz von 1 Kelvin zwischen Innen- und
Perlit (Gestein) 0,04…0,07 Außenluft durchströmt. Schlecht gedämmte
Poroton (Lochziegel) 0,07…0,45 Bauteile weisen einen hohen, gut gedämmte
Porenbeton 0,08…0,25 Bauteile einen niedrigen U-Wert auf. Unter
Holz senkrecht zur Faser 0,13 dem früher als k- Wert bekannten Wert ver-
PVC 0,16 steht man den Umkehrwert aus Wärmedurch-
Vollziegel 0,5…1,4 laß- und Wärmeübergangswiderständen.
Glas 0,76
Kalkzement-Putz 1,0 U = 1/(R+Rsi+Rse)
Zementestrich 1,4 Rsi = Wärmeübergangswiderstand
Beton 2,1 Bauteilinnenseite (0,13 m²K/W)
Granit 2,8 Rse = Wärmeübergangswiderstand Bauteil-
Stahl hochlegiert 15 außenseite (0,04 m²K/W)
Stahl unlegiert 48…58
Zink 121 Je höher der Wärmedurchgangskoeffizient,
Aluminium 200 desto schlechter ist die Wärmedämmeigen-
Kupfer 385 schaft des Baustoffs/Bauteils Je höher der
Wärmedurchgangswiderstand, desto besser
Wärmedurchlasswiderstand R (m²K/W) ist die Wärmedämmeigenschaft.
Der Wärmedurchlasswiderstand R ist der
Widerstand, den ein homogenes Bauteil oder Spezifische Wärmekapazität c (J/kgK)
bei mehrschichtigen Bauteilen eine homo- Es handelt sich dabei um die Wärmemenge,
gene Bauteilschicht dem Wärmestrom bei die erforderlich ist, um die Temperatur der
einer Temperaturdifferenz von 1 Kelvin auf Masse von 1 kg eines Stoffes um 1 Kelvin zu
einer Fläche von 1 m² zwischen seinen Ober- erhöhen.
Dämmstoff Wärmeleitfähigkeit
flächen entgegensetzt. Er ist der Kehrwert (W/mK)
des Wärmedurchlasskoeffizienten. Das Wärmespeichervermögen der raumun- Baumwolle 0,040
Blähperlit 0,045 - 0,065
Je höher der Wärmedurchlasswiderstand, schließenden Bauteile spielt insbesondere Blähton 0,10 - 0,160
desto besser ist die Wärmedämmeigenschaft bei instationären Verhältnissen, z.B. bei nicht Flachs 0,040
Hanf 0,065
des Bauteils oder einer Schicht. ständiger Beheizung im Winter oder bei Son- Holzfaser 0,045 - 0,060
neneinstrahlung im Sommer eine Rolle, weil Holzwolleleichtbauplatten 0,09
Kokosfaser 0,045 - 0,050
durch die Wärmespeicherung der Bauteile Korkplatten 0,035 - 0,060
ein gewisser Ausgleich der Innentemperatur Mineralfaser 0,030 - 0,040
Mineralfaser-Granulat 0,045
stattfindet. Kenngröße für das Speicherver- Perlite 0,045 - 0,055
mögen ist die spezifische Wärmekapzität c EPS 0,020 - 0,040
XPS 0,030 - 0,040
eines Baustoffs. Durch Multiplikation mit der PUR 0,020 - 0,035
Stoffdichte kann das Speichervermögen je m³ Schafwolle 0,040
Schaumglas 0,040 - 0,060
ermittelt werden. Wärmespeichernde Schich- Schilfrohr-Matten 0,060
ten auf der Raumseite könnnen die Speicher- Zellulosefaser 0,030 - 0,040
10 09
10 EBB fähigkeit der dahinter liegenden Schichten
verringern oder aufheben.
einer Außenwand wird dadurch nur unwe-
sentlich verbessert, jedoch empfindet man
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso nach Anbringen dieser Untertapete die Wand-
Baukonstruktion und Baustoffkunde oberfläche als warm.
05.1 Material • Eigenschaften
Wärmeeindringkoeffizient b J/m²Ks0,5
Luft 14
Mineralfasern 30
Aluminium 20785
Stahl 13735
Beton 2240
Leichtbeton 930
Zementestrich 1670
Kalkputz 1250
Kalksandstein 990
Mauerziegel 900
Leichthochlochziegel 510
Hohlblocksteine 380
Gasbeton 340
Kork 160
Schaumkunststoffe 35
Holz 400
Holzwerkstoffe 400
Wasser 1630

Temperaturleitfähigkeit a (m²/s)
Abb. 5.4.2 Unterschiedliche Wärmekapazität von Stahl (r)
und Alu in Paraffin
Sie ist eine Materialeigenschaft, die zur
Beschreibung der zeitlichen Veränderung der
Wärmekapazität J/kgK räumlichen Verteilung der Temperatur durch
Stahl 400 Wärmeleitung als Folge eines Temperaturge-
Aluminium, Glas 800 fälles dient. Sie beschreibt das Verhalten der
Luft, Beton, Leichtbeton, Zementestrich, Temperatur an einem Punkt im Inneren des
Kalkputz, Mineralfasern, Kalksandstein, Materials bei einer Temperaturänderung an
Mauerziegel, Porenbeton, 1000 der Oberfläche. Die Temperaturleitfähigkeit a
Schaumkunststoffe 1500 steht in enger Beziehung zur Wärmeleitfähig-
Kork 1700 keit: (a = λ / (ρ· cp)) .
Holz, Holzwerkstoffe 2100
Wasser 4200 Eine Temperaturänderung pflanzt sich um so
rascher fort, je größer das Wärmeleitvermö-
Wärmeeindringkoeffizient b gen ist und je kleiner die spezifische Wärme-
Der Wärmeeindringkoeffizient ergibt sich kapazität und die Dichte sind. Sie ist die Basis
aus der Wurzel der Mutiplikation von Wär- zur Ermittlung der Phasenverschiebung.
meleitfähigkeit, der Dichte und der spezi-
fischen Wärmekapazität. Berührt man eine Baustoff Temperaturleitfähigkeit 10-6m²/s
Stahlplatte und einen Wärmedämmstoff (z.B. Polytetrafluorethylen (Teflon® ) 0,10
Styrodur) mit der bloßen Hand, dann ist die Plexiglas 0,108
empfundende Temperatur der Stahlplatte PVC 0,11
viel niedriger als die des Wärmedämmstoffes, Kork 0,115
auch wenn beide Gegenstände die gleiche Papier 0,14
Temperatur aufweisen. Der Grund dafür liegt Asphalt 0,36
in den unterschiedlichen Wärmeeindringko- Gips 0,47
effizienten b dieser Stoffe. Besonders Wär- Beton 0,54
medämmstoffe und andere Materialien mit Glaswolle 0,58
einer kleinen Wärmeleitfähigkeit zeichnen Granit 1,18
sich durch einen kleinen Wärmeeindringkoef- Marmor 1,35
fizienten aus. Blei 23,9
Zink 44
Ein Baustoff mit einem kleinen b-Wert der Kupfer 117
Wandoberfläche läßt diese Wand bei Berüh-
rung als warm empfinden. Es ist deshalb emp- Therm. Längenausdehnungkoeffizient
fehlenswert, im Wohnbereich Betonwände a (mm/mK)
z.B. mit Holzpaneelen zu verkeiden. Wärmeausdehnungskoeffizient ist ein Kenn-
wert, der das Verhalten eines Stoffes bezüg-
Auf dem Effekt der Berührungswärme beruht lich Veränderungen seiner Abmessungen bei
auch die vermeintliche Wärmedämmwirkung Temperaturveränderungen beschreibt - des-
von Untertapeten aus nur einigen Millimeter wegen oft auch thermischer Ausdehnungsko-
dicken Hartschaum. Die Wärmedämmung effizient genannt. Der hierfür verantwortliche
Effekt ist die Wärmeausdehnung. Da die Wär-
meausdehnung bei vielen Stoffen nicht gleich-
Sonneneinstrahlung erwärmt und nun seiner-
seits Wärme gegen innen und außen abgibt.
EBB 09
10
11

mäßig über alle Temperaturbereiche erfolgt, TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
ist auch der Wärmeausdehnungskoeffizient Baukonstruktion und Baustoffkunde

selbst temperaturabhängig und wird deshalb


05.1 Material • Eigenschaften
für eine Bezugstemperatur oder einen Tem-
peraturbereich angegeben.

Fast alle Materialien dehnen sich bei Erwär-


mung aus, allerdings unterschiedlich stark.
Dies führt z. B. zu Knackgeräuschen in Hei-
zungsanlagen, zum Fugenabriss an Fenster-
rahmen und metallischen Fensterbänken oder
zu Rissbildungen an der Oberfläche eines
Wärmedämmverbundsystems.
Abb. 5.5.1 Gesamtenergiedurchlassgrad 60%

Je höher der g-Wert liegt, desto mehr Son-


neneinstrahlung wird über die Verglasung
als Strahlungswärme nach innen abgegeben.
Ein hoher g-Wert bedeutet hohen Wärmege-
winn.

Für ein ideal strahlungsdurchlässiges Fenster


beträgt der g-Wert 1,00 oder 100%. Bei Nor-
malglas liegen die Werte bei 0,7 bis 0,9.
Abb. 5.4.3 Verformung infolge Thermischer Längenände-
rung
Ein hoher Gesamtenergiedurchlassgrad be-
Baustoff Längenausdehnungs- deutet einen hohen Strahlungsdurchgang
koeffizient 10-6 K-1 bei 20 °C durch das Glas und damit verbunden, eine
Diamant 1,3 hohe Wärmebelastung des Innenraumes.
Porzellan 3,0 Hochwärmedämmende Fensterscheiben sind
Granit 3,0 in der Lage, mehr Wärme zu produzieren, als
Mauerwerk 5,0 durch sie verloren geht. Die einfallenden Son-
Glas (Fensterglas) 7,6 nenstrahlen werden von den innenliegenden
Beton 12 Bauteilen absorbiert und in Form von Wärme-
Stahl 12 strahlung an den Innenraum abgegeben, die
Stahl hochlegiert 16 dann aufgrund der Dämmeigenschaften des
Kupfer 16,5 Fensters zurückgehalten wird. Sinnvoll und
Bronze 17,5 energetisch nutzbar bleibt dieser Wärmefal-
Acryl 90,0 len-Effekt im Winter, extrem belastend kann
Aluminium, rein 23,8 er sich im Sommer auswirken.
Zink 29
Blei 29,3 Je besser der g-Wert und die Dämmeigen-
Polyvinylchlorid, steif (PVC) 50,0 schaften der Fenster sind, desto eher kann
Eis, 0 °C 51,0 es bei großen Fensterflächen zu einer Über-
Polycarbonat 70,0 hitzung des dahinterliegenden Raumes
Polystyrol 70,0 kommen. Bei großer Verglasung ist deshalb
Polyester 80,0 meist ein entsprechender Sonnenschutz (z.B.:
Polymethylmethacrylat (PMMA) 85,0 Jalousie, Rollladen) erforderlich.
Polyethylen 100,0 bis 250,0
Polyoxymethylen (POM) 110,0 Bauteil g-wert %
Polytetrafluorethylen, (PTFE) 200,0 Sonnenschutzglas 27-45
Polyvinylchlorid, biegsam (PVC) 240,0 Wärmeschutzverglasung beschichtet 42-65
Stegvierfachplatte 55
1.5 Durchlässigkeit Isolierverglasung 75-80
Glasbausteine 75
Gesamtenergiedurchlaßgrad g (%) Profilbauglas einschalig 83-85
Der g-Wert gibt an, wie viel Energie von der Einfachscheibe 85
auftreffenden Sonneneinstrahlung durch die Polycarbonat PC 88
Verglasung ins Rauminnere gelangt. Er bezieht Acrylglas PMMA 90
sich auf den Wellenlängenbereich von 300
nm bis 2500 nm. Er setzt sich aus zwei Teilen Lichttransmissionsgrad tL
zusammen, aus der direkten Strahlungstrans- Der Lichttransmissionsgrad einer Verglasung
mission und der sekundären Wärmeabgabe. drückt den senkrecht direkt durchgelas-
Die sekundäre Wärmeabgabe ergibt sich aus senen, sichtbaren Strahlungsanteil im Bereich
der Tatsache, das sich das Glas als Folge der der Wellenlänge des sichtbaren Lichts von
12 09
10 EBB 380 nm bis 780 nm, bezogen auf die Hell-
empfindlichkeit des menschlichen Auges,
Der Farbwiedergabeindex einer OP-Feldbe-
leuchtung soll mindestens 85 betragen. Auch
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso aus. Die Lichtdurchlässigkeit wird in Prozent hier gilt die Regel, daß ein weitgehend kon-
Baukonstruktion und Baustoffkunde angegeben und wird unter anderem von tinuierliches Lichtspektrum, bestehend aus
05.1 Material • Eigenschaften
der Glasdicke beeinflusst. Bedingt durch den allen Farbanteilen, eine Voraussetzung für
unterschiedlichen Eisenoxidgehalt des Glases gute Farbeigenschaften darstellt.
sind geringfügige Schwankungen möglich.
Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass Der Farbwiedergabeindex hängt in keiner
der tL-Wert umso höher ist, desto mehr Licht Weise von der jeweiligen Farbtemperatur
von außen nach innen dringt und nicht durch des Lichtes ab. Hohe Farbtemperatur ist nicht
Glasdicken, Glasreflektion und Glasbeschich- automatisch mit guten Farbwiedergabeeigen-
tungen verringert wird. schaften verknüpft.

Baustoff % Beleuchtungsstärke E (lx)


Wärmeschutzisolierglas 73-77 Die Beleuchtungsstärke E ist definiert als der
Isolierglas unbeschichtet 82 auf die Fläche A auftreffende Lichtstrom. Eine
Floatglas 90 Beleuchtungsstärke von 1 lx entsteht, wenn
unverglaste Maueröffnung 100 ein Lichtstrom von 1 Lumen (lm) auf eine
Fläche von 1m² auftrifft.
I b-Faktor
Der b-Faktor (Shading Coeffizient) ist der Bei der Beleuchtungsstärke handelt es sich
Quotient aus dem Gesamtenergiedurchlass- also um eine empfängerseitige, photome-
grad einer Verglasung und dem Gesamte- trische Meßgröße. In dem von einer Leuchte
nergiedurchlassgrad eines unbeschichteten erzeugten Lichtstrom ist bereits berücksich-
Isolierglases. Er ist ein Maß für die Sonnen- tigt, daß die spektrale Empfindlichkeit des
schutzwirkung. menschlichen Auges nicht für jede Wellen-
b = g (Verglasung ): 0,80 länge, also Farbe, gleich gut ist, sondern im
Der g-Wert der Isolierglasscheibe wird gene- grünen Bereich um 555 nm ein ausgeprägtes
rell mit 80 % angesetzt. Der mittlere Durch- Maximum aufweist.
lassfaktor b ist die entscheidende Grösse zur Dieser physiologische Tatbestand spiegelt sich
Berechnung der Kühllast. (g = 0,80) : SC = g: in der spektralen Augenempfindlichkeitskurve
0,80. Der Beschattungskoeffizient ist also ein wieder. Blaues Licht von ca. 400 bis 500 nm
Mass der Sonnenschutzwirkung, verglichen oder rotes Licht größer 600 nm benötigen
mit derjenigen einer normalen unbeschichte- eine höhere Dosis gegenüber grünem Licht,
ten Isolierglasscheibe um wahrgenommen zu werden.

Farbwiedergabeindex Ra Beispiel lx
Mit dem Farbwiedergabeindex werden Farb- Heller Sonnentag 100.000
veränderungen von Gegenständen, die sich Bedeckter Sommertag 20.000
hinter einem beschichteten Wärmeschutzglas Im Schatten im Sommer 10.000
befinden, verglichen. Die Skala für Ra reicht Operationssaal 10.000
bis 100. Der maximal mit einer Verglasung Bedeckter Wintertag 3.500
erreichbare Ra-Wert ist 99. Elite-Fußballstadion 1.400
Beleuchtung TV-Studio 1.000
Fällt Licht auf eine farbige Oberfläche, so wird Büro-/Zimmerbeleuchtung 800
das reflektierte Licht, abhängig von der spek- Flurbeleuchtung 100
tralen Zusammensetzung des Lichtes und den Straßenbeleuchtung 10
optischen Eigenschaften des Objekts, verän- Kerze ca. 1 Meter entfernt 1
dert. Vollmondnacht 0,25

Der Farbwiedergabeindex ist ein Maß für die 1.6 Feuchteschutztechnische Eigenschaften
Veränderungen in der Lichtzusammenset-
zung. Er wird an genormten Oberflächen mit Gleichgewichtsfeuchte
genau festgelegter Farbzusammensetzung In Abhängigkeit von der relativen Luftfeuch-
durch Vergleich des zu untersuchenden Lichts tigkeit, die ein Bauteil umgibt, stellt sich in
mit der vorgegebenen idealen Lichtquelle jedem Baustoff eine stoffspezifische Mate-
ermittelt. Je weniger sich die Farbkomposition rialfeuchte, die Gleichgewichtsfeuchte, ein.
der Testfarben im reflektierten Licht verän- Die Vorgaben an Materialeinbaufeuchten in
dert, umso besser sind die Farbwiedergabeei- Bezug auf die zu erwartende Gleichgewichts-
genschaften der Prüflichtquelle. feuchte in verschiedenen Einsatzbereichen
regelt teilweise die DIN. Die Gleichgewichts-
Jeder kennt aus dem täglichen Leben die feuchten sind relevant für alle Baustoffe da
Situation, daß sich ein Kleidungsstück unter sie Einfluss nehmen auf bestimmte Materialei-
freiem Himmel in einer etwas anderen Farb- genschaften wie: Wärmedämmwirkung, Pilz-
gebung wie unter dem künstlichen Licht im anfälligkeit, Formstabilität und Festigkeiten.
Kaufhaus präsentiert. Holz ist erst ab einer Gleichgewichtsfeuchte
von über 20% (bei ca. 65% relativer Luft-
feuchte) von Schädlingsbefall bedroht. Außenputz
Innenputz
1-7
1 - 10 EBB 09
10
13

Hygroskopische Materialien (wie z. B. Bau- Korkdämmstoffe (massenbezogen) 10


TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
stoffe, Holz, Papier) nehmen aufgrund ihres Holz, Sperrholz, Spanplatten, Holzfa- Baukonstruktion und Baustoffkunde

inneren Aufbaus (Art, Zahl, Größe und Ver- serplatten, Holzwolle-Leichtbauplatten,


05.1 Material Eigenschaften
teilung der Hohlräume) abhängig von der Schilfrohrplatten und -matten, organische •

relative Luftfeuchtigkeit und Temperatur Faserdämmstoffe 15


der Umgebungsluft einen ganz bestimmten Pflanzliche Faserdämmstoffe aus Seegras,
Feuchtigkeitsgehalt an, der sich nach genü- Holz-, Torf- und Kokosfasern und sonstigen
gend langer Lagerung des Stoffes in der Luft Fasern (massenbezogen) 15
einstellt.
Wasseraufnahmekoeffizient
Die Bewegung der Feuchtigkeit zwischen Die Wasseraufnahme ist eine physikalische
dem Material und Umgebung besteht bis der Kenngröße eines Stoffes, Stoffgemisches
Wasserdampfpartialdruck (im Material und in oder Materials. Sie ist ein wichtiges Merkmal
der Umgebung) ausgeglichen ist. Diese Sorp- für die Eignung und Dauerhaftigkeit der ver-
tion erfolgt hauptsächlich in den ersten ein bis wendeten Baustoffe.
zwei Zentimeter der Wandoberfläche.
Deren Eigenschaft zur Wasseraufnahme ist
Der Feuchtigkeitsaustausch zwischen einem abhängig von der Oberflächenbeschaffenheit
Bauwerksteil und seiner Umgebung geht auf und Porosität und entscheidend für ihre Frost-
drei Arten vor sich: sicherheit. So sind bestimmte Materialien mit
- Durch Aufnahme und Abgabe von hoher Wasseraufnahme nur für den Innenbe-
Wasser über makroskopische Hohl- reich geeignet. Ihre Wasseraufnahmefähig-
räume (Kapillare und Poren), die Trans- keit kann hier sogar erwünscht sein, um die
portmechanismen sind der Kapillarsog relative Feuchtigkeit der Raumluft zu puffern.
und die Sickerströmung. Die Wasseraufnahme ist auch eine wichtige
- Durch Wasserdampfdiffusion, die durch Kenngröße von Isolierstoffen; hier ist sie nicht
eine unterschiedliche Wasserdampf- erwünscht. Bei Trockenmitteln (z. B. Zeolithe
konzentration der durch das Bauteil oder Silicagel) ist sie wiederum erwünscht.
getrennten Räume verursacht wird.
- Durch Aufnahme und Abgabe von
Wasserdampf aus der Umgebung des
Bauteils (Hygroskopizität). Dadurch
ändert sich der Feuchtegehalt des Bau-
teils mit der relativen Feuchte der Luft,
in der er sich befindet.

Übliche Baustoffe wie Ziegel, Kalksandstein,


Sandstein, Mörtel, Putze usw. stellen kapillar-
poröse Stoffe dar, die auch im trockenen
Zustand einen gewissen Feuchtegehalt auf-
weisen. Dabei handelt es sich zum einen um
Abb. 5.6.1 Überprüfung der Wasseraufnahme
chemisch im Baustoff gebundenes Wasser
(z.B. Hydrate) mit der höchsten Bindungsener- Baustoff Wasseraufnahme Vol.%
gie, zum andern um monomolekular an d e n Vollziegel 21
Porenoberflächen adsorbiertes Wasser mit Hochlochziegel 24
hoher Bindungsenergie (physikalisch-che- Kalksandstein 25
mische Bindung). Beton 22
Gasbeton 39
Stoff Praktischer Feuchtegehalt [Vol %] Granit 0,4-1,4
Schaumglas 0 Quarzsandstein 0,5-24
Ziegel ca. 1-1,5 Marmor 0,4-1,8
Hohlziegel 1,5 ... 4,0
Gips, Anhydrit ca. 2,0 Kapillare Leitfähigkeit
Beton mit geschlossenem Gefüge mit Diese hat ihren Ursprung im porigen Gefüge
dichten oder porigen Zuschlägen ca. 2-5,0 des Stoffes. Taucht man eine enge Röhre
Kalksandstein ca. 3-5,0 (Kapillare) in ein Wassergefäß, so steigt in der
Porenbeton 3,5-6,5 Röhre der Wasserspiegel an. Dieses Phäno-
Leichtbeton mit haufwerksporigem Gefüge men wird als Kapillarität bezeichnet. Kommt
mit porigen Zuschlägen ca. 4,0 ein Baustoff mit einem anderen, feuchteren
Leichtbeton mit haufwerksporigen Gefüge Baustoff in Berührung und nimmt dabei
mit dichten Zuschlägen ca. 5,0 Wasser auf, so ist er kapillar leitfähig.
Blähperlit) 5,0
Mineralische Faserdämmstoffe 5,0 Ein Kapillarsystem besteht aus einer Vielzahl
Schaumkunststoffe aus Polystyrol, Polyure- von Kanälen oder Löchern, die mehr oder
than (hart) (massenbezogen) 5,0 weniger miteinander verbunden sind. In was-
14 09
10 EBB sergefüllten Kapillaren entsteht durch Druck-
unterschiede eine Bewegung des Wassers. In
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso einem gut ausgebildeten Kapillarsystem kann
Baukonstruktion und Baustoffkunde Wasser leicht in den Baustoff eindringen und
05.1 Material • Eigenschaften
ebenso schnell aus dem Baustoffinnern zur
Oberfläche zurücktransportiert werden.
Durch Kapillareinwirkung wird zehnmal so
viel Feuchtigkeit aus einem Baustoff abtrans-
portiert wie durch Wasserdampfdiffusion.
Kapillarwasser wandert immer zur trockenen
Seite des Bauteils, auch gegen den Diffusions-
strom, um an der Oberfläche zu verdunsten.

Diese Eigenschaft macht Dampfsperren so


problematisch, weil bei ungünstigen Tempe-
ratur- und Feuchtigkeitssituationen Wasser
an der inneren Seite der Dampfsperre gestaut
Abb. 5.6.3 Dampfdiffusion durch ein Holzweichfaserplatte
wird, in der Wand verbleibt und diese nach- (diffusionsoffen)
haltig schädigen kann. Der kritische Feuch-
tigkeitsgehalt ist die Grenze des kapillaren Baustoff µ-Wert
Wassertransports, z.B. Ziegel 2,5 Vol. %, Luft 1
Porenbeton 18%. Faserdämmstoffe 1
Ziegel, Porenbeton, Putz 5
Gipskartonplatte 10
Holz 50
Beton 70-150
Polystyrol EPS 200
Glas 10000
PE-Folie 100000
Metall ∞

Diffusionsadäquivalente Luftschichtdi-
cke sd
Sie ist die Kenngröße für die Diffusionseigen-
schaft einer Stoffschicht bestimmter Dicke.

sd = µ·s in m
Diffusionsoffen sd < 0,5 m
Diffusionshemmend 0,5 < sd < 1500 m
Abb. 5.6.2 Unterschiedliche Kapilarität Diffusionsdicht sd > 1500 m

Wasserdampf-Diffusionswiderstands- 1.7 Beständigkeit


zahl µ
Besonders im Winter besteht zwischen UV-Beständigkeit
beheitzten Innenräumen und der Außenluft UV-Strahlung vermag organische Bindungen
ein Dampfdruckgefälle, d.h. der Wasser- zu spalten, aber auch zu schaffen. Es kann die
dampf diffundiert von innen nach außen. Der Vernetzung von Monomeren initiieren oder
Widerstand, den ein Baustoff der Diffuson des organische Bindungen zerstören. Viele Kunst-
Wasserdampfes entgegensetzt, wird durch stoffe werden durch Ultraviolettstrahlung
die Wasserdampf-Diffusionwiderstandszahl µ geschädigt (Trübung, Versprödung, Zerfall).
ausgedrückt. Ebenso werden ungeschüzte Bitumenbahnen
von der UV-Strahlung angegriffen und mit
Sie ist dimensionlos und gibt an, um wie- der Dauer zersetzt.
vielmal der Diffusionswiderstand einer Stoff-
schicht größer ist als der einer gleich dicken Gewöhnliches Fensterglas ist für einen großen
Luftschicht unter sonst gleichen Bedingungen Teil der ultravioletten Strahlen undurchlässig.
und hängt im wesentlichen von der Dichte des Das gilt besonders für UV-Strahlen mit kurzen
Stoffes und der Art und Struktur der Poren Wellenlängen (UV-B und UV-C), für UV-A ist
bzw. Luftzwischenräume ab. Fensterglas jedoch durchlässig.

Frost, Wasser, Tau


Der Frost-Tau-Wechsel bezeichnet den kli-
matischen Wechsel von Temperaturen um
den Gefrierpunkt von Wasser. Insbesondere
bei mineralisch gebundenen Baustoffen wie
Beton ist der Frost-Tau-Wechsel ein Schä-
digungsmechanismus. Diese Werkstoffe
besitzen eine poröse, kapillare Struktur und
sind nicht wasserdicht. Wird eine solche mit
A nicht brennbare Baustoffe
EBB 09
10
15

Wasser getränkte Struktur Temperaturen A1 ohne organische Bestandteile TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
unter 0°C ausgesetzt, so gefriert das Wasser Nachweis nicht erforderlich (z. B. Sand, Baukonstruktion und Baustoffkunde

in den Poren. Durch die Dichteanomalie des Kies, Naturbims, Zement, Kalk, Schaumglas,
05.1 Material • Eigenschaften
Wassers dehnt sich das Eis nun aus. Dadurch Mörtel, (Stahl-)Beton, Steine, Bauplatten aus
kommt es zu einer Schädigung des Baustoffs. mineralischen Bestandteilen, reine Mineralfa-
Das Gefrieren von Wasser ist mit einer Volu- sen, Ziegel, Glas, Eisen und Stahl, aber kein
menzunahme von etwa 9% verbunden. Metallstaub)
A2 mit organischen Bestandteilen,
Bei –22°C übt H2O einen Druck von ~ 200 Nachweis erforderlich (z. B. Gipskartonplatten
N/mm² aus. Damit die Frostsprengung wirken mit geschlossener Oberfläche).
kann, muß der Poren- und Kapillarraum eines
Baustoffes mindestens zu 91% mit Wasser B brennbare Baustoffe
gefüllt sein. In den sehr feinen Poren kommt
es aufgrund von Oberflächeneffekten zu B1 - schwer entflammbar
einer Erniedrigung des Gefrierpunktes. In (z. B. Holzwolle-Leichtbauplatten, Gipskarton-
Mikroporen gefriert Wasser erst unter -17°C. platten mit gelochter Oberfläche, Kunstharz-
Da sich durch Frost-Tau-Wechsel auch der putz, wenn er aus mineralischen Zuschlägen
Werkstoff selbst ausdehnt und zusammen- hergestellt wird und auf massivem und mine-
zieht, kommt es zusätzlich zu einem kapillaren ralischen Untergrund aufgebracht wird, ver-
Pumpeffekt, der die Wasseraufnahme, und schiedene Bodenbeläge wie Eichenparkett,
damit indirekt die Schädigung weiter steigert. Guß- oder Walzasphalt-Estrich).
Für die Schädigung ist somit die Anzahl der B2 - normal entflammbar
Frost-Tau-Wechsel entscheidend. Der Frost- (z. B. Holz ab bestimmten Abmessungen,
Tausalz-Schaden wird wesentlich durch die Gipskarton-Verbundplatten, verschiedene
Randbedingungen wie Feuchtegehalt und Kunststoffe und daraus hergestellte Tafeln
Temperaturverlauf beeinflusst. Ein künstlich oder Formstücke, elektrische Leitungen und
herbeigeführter Frost-Tau-Wechsel wird als verschiedene Bitumenbahnen sowie Dach-
Prüfverfahren für Natursteine oder Baustoffe und Dichtungsbahnen. Bei den letzten drei ist
eingesetzt und soll darüber Auskunft geben, ggf. durch Versuche nachzuweisen, dass sie
welche Frostbeständigkeit ein Stoff besitzt. nicht brennend abfallen.)
B3 leicht entflammbar
Die bei Atmosphärendruck wassergetränkten (alles, was nicht in B1 oder B2 eingruppiert
Proben werden mindestens zehn Frost-Tau- werden kann) Ein leichtentflammbarer Bau-
Wechseln ausgesetzt, wobei sie an der Luft stoff darf in ein Gebäude nur eingebaut
oder in Wasser auf eine Temperatur von etwa werden, wenn er mit einem anderen Baustoff
-20°C abgekühlt und anschließend in einem so verbunden wird, dass der Verbundwerk-
Wasserbad (+20°C) aufgetaut werden. Nach stoff nicht mehr leichtentflammbar ist.
Beendigung der festgelegten Anzahl von
Frost-Tau-Wechseln werden die Verände- Bis hin zur Baustoffklasse B1 gelten die Bau-
rungen der Proben wie beispielsweise Rissbil- stoffe als selbstverlöschend. Ab Baustoffklasse
dung, Gewichtsverlust, Absplitterungen und B2 unterhält der Brand sich selbst, auch wenn
gegebenenfalls Festigkeitsveränderungen die Brandursache entfällt.
festgestellt.
Übliche Feuerwiderstandsklassen:
Feuerhemmend F30
Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens 30
Minuten seine Funktion.
Hochfeuerhemmend F60:
Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens 60
Minuten seine Funktion
Feuerbeständig F90
Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens 90
Minuten seine Funktion
Hoch feuerbeständig F120
Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens
Abb. 5.7.1 Prüfvorrichtung für den Frost-Tau-Wechsel
120 Minuten seine Funktion
Höchstfeuerbeständig F180:
Feuerbeständigkeit Das Bauteil erfüllt im Brandfall mindestens
Der Feuerwiderstand eines Bauteils ist Teil des 180 Minuten seine Funktion
Brandverhaltens eines Stoffes. Er wird an der
Dauer, für die ein Bauteil im Brandfall seine
Funktion behält, bemessen.
Die Baustoffe werden nach ihrer Brennbar-
keit, dem Brandverhalten in zwei Baustoff-
klassen unterteilt:
16 09
10 EBB

Bauteilspezifische Kennbuchstaben:
F
Zusammbau von verschied. Metallen
Durch den Einfluss von Wasser als Elektro-
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Wände, Decken, Gebäudestützen und -unter- lyten wird aus den zusammengebauten
Baukonstruktion und Baustoffkunde züge, Treppen Brandschutzverglasung. Schutz unterschiedlichen Metallen ein elektrisches
05.1 Material • Eigenschaften
vor Hitzestrahlung auf der brandabgewandten Element: die von der Kathode ausgesand-
Seite. ten Ionen lagern sich an der Anode an. Das
T unedlere Element wird zerstört. Für Bauteile
Türen und Klappen im Freien ist zudem noch die Fließrichtung der
G: Niederschläge zu beachten. In Fließrichtung ist
Brandschutzverglasung oder Fensterele- immer das unedlere vor dem edleren Metall
ment. Jedoch kein Hitzestrahlungsschutz oder der edleren Legierung einzubauen.
auf der brandabgewandten Seite. Ein Watte-
bausch wird entzündet. Das gilt unter anderem für den Zusammenbau
L: von anderen, unedleren Metallen mit dem
Lüftungskanäle und -leitungen edlen Kupfer. In abfließendem Wasser ent-
E: haltene Kupferionen können die Flächenkor-
Elektroinstallationskanal oder Installationslei- rosion von Aluminium, Zink und verzinktem
tungen mit zugelassenem Normtragsystem Stahl hervorrufen, insbesondere wenn es sich
z. B. Elektroleitung auf Kabelpritsche (Brand- um größere Kupferflächen handelt. Deshalb
beanspruchung von Außen nach Innen, mit sollten diese Metalle in Fließrichtung nicht
zwingendem Funktionserhalt) unterhalb von Kupfer-Werkstoffen verwen-
I: det werden.
Elektroinstallationskanal für Installationslei-
tungen (Brandbeanspruchung von Innen nach pflanzliche und tierische Schädlinge
Außen, kein zwingender Funktionserhalt) Als Holzschädlinge werden Organismen
K: bezeichnet, die aufgrund ihrer biologischen
Absperrvorrichtungen in Lüftungsleitungen Eigenschaften in der Lage sind, Holz zu
R: schädigen oder zu zerstören. In der Regel
Rohrabschottung, Rohrdurchführungen geschieht dieses im Rahmen der Nahrungs-
S: aufnahme oder der Anlage einer Wohn- oder
Schott, Kabelbrandschott Brutstätte. Die Bezeichnung als „Schädling“
W: erfolgt, wenn bei dieser Tätigkeit vom Men-
Nichttragende Außenwände schen genutztes Holz betroffen ist, welches
dadurch seine Funktionsfähigkeit oder seinen
Durch Anhängen der Brennbarkeitsklasse Wert verliert.
kann ein Baustoff weiter spezifiziert werden.
So bezeichnet zum Beispiel die Klasse F30-B Die größte Bedeutung als Holzschädlinge
einen Baustoff der Feuerwiderstandsklasse haben bestimmte Insekten- und Pilzarten.
F30, der aus brennbaren Stoffen hergestellt Zu den tierischen Holzschädlingen gehören
ist. in unseren Breiten einige Vertreter der Bock-
käfer, wie der Hausbock, oder aber auch der
Korrosion gemeine Nagekäfer, besser bekannt unter der
Korrosion ist die Reaktion eines metallischen Bezeichnung „Holzwurm“. Es gibt Frisch- und
Werkstoffes mit seiner Umgebung, die eine Trockenholzinsekten. Erstere können sich nur
messbare Veränderung des Werkstoffes im Frischholz, also lebenden Baum oder im
bewirkt und zu einer Beeinträchtigung der frisch gefällten Holz entwickeln, während Tro-
Funktion eines metallischen Bauteils oder ckenholzinsekten in der Regel trockenes Holz
eines ganzen Systems führen kann. In den befallen, z. B. Möbel oder verbautes Holz in
meisten Fällen ist die Reaktion elektroche- Dachkonstruktionen und Fachwerkhäusern.
mischer Natur, in einigen Fällen kann sie che-
mischer oder metallphysikalischer Natur sein.
Die wohl bekannteste Art von Korrosion ist
das Rosten, also die Oxidierung von Metal-
len. Als Sauerstoffkorrosion bezeichnet man
einen Korrosionsvorgang, bei dem ein Metall
in Gegenwart von Wasser (Luftfeuchtigkeit)
durch Sauerstoff oxidiert wird.

Abb.5.7.3 Holzzerstörung durch Insekten

Zu den pilzlichen Holzschädlingen zählen


unter anderem der Echte Hausschwamm,
der Braune Kellerschwamm und der Weiße
Abb. 5.7.2 Korrosion (Rost) an einer Stahloberfläche
Porenschwamm.
Der Befall durch einige Holzschädlinge ist in
manchen Bundesländern meldepflichtig und
1.8 Emissionen
EBB 09
10
17

kann durchaus einen schweren Baumangel Holzschutzmittel TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
darstellen. Die jeweils gültige Landesbauord- Wasserlösliche Holzschutzmittel enthalten Baukonstruktion und Baustoffkunde

nung (LBO) regelt Näheres über den Umgang als Wirkstoffe biozid wirkende anorganische 05.1 Material • Eigenschaften
und die Meldepflicht beim Befall von Holz in oder oganische Salze.
und an Gebäuden.
Bei Anorganische wasserlöslichen Holzschutz-
Neben Holzschädlingen können auch Nage- salzen ist ein Problem die Auswaschung der
tiere in ungenügend gesicherte Lüftungs- Salze durch Feuchtigkeit z.B. Regen. Salze
schlitze und Öffnungen in Fassaden, Dächer für die Gefährdungsklassen 1 und 2 bleiben
eindringen und dort an Dämmstoffen Schä- stets auswaschbar und müssen auch auf der
den verursachen. Die Grün- bzw. Schwarz- Baustelle gegen Nässe abgedeckt werden.
färbung von Wärmedämmverbundsystemen Nichtauswaschbare Salze für die Gefähr-
kann durch Algen hervorgerufen werden. dungsklassen 3 und 4 enthalten Chromate
Dabei sind Algen auf dem Putz nicht nur ein (Chrom-VI- Verbindungen) und benötigen
ästhetisches Problem: Die Organismen schei- eine Fixierzeit von mehreren Wochen im Holz.
den Säuren aus, die das Material auf Dauer Sie müssen während dieser Zeit vor Regen
zerfressen und schädigen können. geschützt gelagert werden, um nicht ausge-
waschen zu werden.
Kristallisationsdruck von Salzen
Die Hauptschadenswirkung der Salze beruht Organische wasserlösliche Salze sind für die
darauf, dass beim Übergang von der gelösten Gefährdungsklassen 3 und 4 zugelassen und
Form in die kristallisierte Form eine Volumen- fixieren ohne den Zusatz von Chromaten im
vergrößerung stattfindet. Dabei entsteht der Holz.
sogenannte Kristallisationsdruck. Dieser Kri-
stallisationsdruck kann verglichen werden Lösemittelhaltige Holzschutzmittel bestehen
mit dem Druck, der entsteht, wenn Wasser aus organischen Lösungsmitteln und biozid
gefriert. Wasser dehnt sein Volumen wäh- wirkenden organischen Verbindungen. Einige
rend des Grfriervorganges um ca. 10% aus. der verwendeten Fungizide und Insektizide
Sind die Poren im Mauerwerk oder im Mörtel werden in der Öffentlichkeit kontrovers dis-
zu mehr als 90% mit Wasser gefüllt, entwi- kutiert (z.B. Pyrethroide). Besondere Probleme
ckelt sich beim Gefriervorgang des Wassers entstehen durch Pentachlorphenol (PCP) und
ein hoher Druck auf die Porenwandung. Salze lindanhaltige Mittel in Innenräumen. PCP ist
verhalten sich beim Auskristallisieren wie deshalb in Deutschland seit 1990 verboten.
gefrierendes Wasser.

Befinden sich in den Kapillarräumen in Wasser


gelöste Salze, so kommt es beim Verdunsten
des Wassers zur Kristallisation. Die dabei ent-
stehende Volumengröße kann Baustoffe zer-
stören. Üblicherweise kann ein Baustoff die
Kristallisation von Salzen mehrmals überste-
hen. Der Baustoff wird allerdings nach und
Abb. 5.8.1 Beschichtung mit Holzschutzlasur
nach zermürbt und dabei zerstört.

Streusalz, das im Winter auf Straßen und Formaldehydemission


Wegen ausgestreut wird, führt zu beacht- Formaldehyd spielt bei Schadstoffbelastungen
lichem Zerfall des bodennahen Bereichs von von Innenräumen eine wichtige Rolle, und hat
Stein- und Betonbauten. schon oft zu gesundheitlichen Problemen der
Benutzerinnen und Benutzer, vor allem in
neuen Büroräumen mit geringem Luftwech-
sel, geführt. Die Emission von Formaldehyd
aus den Bindemitteln richtet sich nach der Art
des Bindemittels und ist ein wichtiger Teila-
spekt bei der ökologischen Bewertung von
Holzwerkstoffen.

Formaldehyd ist ein sog. Sensibilisator, der


häufig zu Überempfindlichkeiten (allergische
Reaktionen) führt. Bei Formaldehyd reagie-
ren empfindliche Personen (MCS-kranke =
Multiple chemische Sensibilität) bereits bei
Konzentrationen, die 10mal unter dem Innen-
Abb. 5.7.4 Abplatzungen an Granitsockel TUM raumgrenzwert von 0,1 ppm liegen, während
andere auch bei Konzentrationen wesent-
lich über diesem Grenzwert noch keine Wir-
18 09
10 EBB kungen verspüren. Aus diesen Gründen ist
eine gewisse Vorsicht im Umgang mit form-
alle wichtigen Prozesse vom Rohstoffabbau
bis zum Ort der Bereitstellung des Produktes
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso aldehydhaltigen Produkten im Innenausbau oder der Leistung. 100 MJ entsprechen einem
Baukonstruktion und Baustoffkunde geboten. Heizwert von 2,8 l Öl.
05.1 Material • Eigenschaften
Nach der Chemikalienverbotsverordnung Baustoff PEI (MJ/kg)
dürfen beschichtete und unbeschichtete Beton C 50/60 0,68
Holzwerkstoffe nicht in den Verkehr gebracht Fichte 0,78
werden, wenn sie durch den Holzwerkstoff Leichtziegel 2,18
verursachte Ausgleichskonzentrationen des Granit 3,63
Formaldehyds in der Luft eines Prüfraums 0,1 Sperrholz 7,16
ml/m³ (=ppm) = 0,12 mg/m³ überschreitet. Floatglas 21,9
Stahl 24
Holzwerkstoff Bindemittelgehalt Gehalt an freiem Formaldhyd Schaumglas 28,9
Bauholz (natürlich getrocknet) 0 % kein freies Formaldehyd Aluminium 220
Massivholz (techn. getrocknet) 0 % kein freies Formaldehyd
Brettschichtholz (3-Schicht), Treibhauspotential GWP (kg CO2/Gas)
Stabsperrholz 2 - 4 % < 0,05 ppm (E1) Das Treibhauspotenztial eines Gases gibt an,
Furniersperrholz bis 12 % je nach Bindemittelart in welchem Umfang das Gas zur Absorption
möglich, < 0,05 ppm von Infrarotstrahlen in der Atmosphäre, d.h.
Hartfaserplatten 0 % kein freies Formaldehyd zur Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt.
Weichfaserplatten 0 % kein freies Formaldehyd Für die häufigsten treibhauswirksamen Sub-
Spanplatten: stanzen ist relativ zur Leitsubstanz Kohlen-
UF-Harz (nicht wasserfest) 8 - 10 % vorhanden, < 0,05 ppm (E1 dioxid (CO2) ein Parameter in der Form des
PF-Harz (wasserfest) 8 - 10 % praktisch ausgeschlossen Treibhauspotentials GWP (Global Warming
Isocyanat-Harz (PMDI, wasserfest) 5-8% Potential) definiert. Der GWP-Wert wird
Mischharze (z.B. MUPF, wasserfest 8 - 10 % berechnet als die Absorption, die aus der
MDF 8 - 10 % vorhanden, < 0,05 ppm (E1) Emission von 1kg eines Gases im Verhältnis
zur Emission von 1 kg Kohlendioxid bezogen
Radioaktivität auf einen Zeitraum von 100 Jahren entstehen
Zu einer Strahlenbelastung in Innenräumen würde.
kommtes auf zwei Arten: einmal durch die
externe Bestrahlung, und zum anderen durch Treibhausgas Treibhauspotential
die interne Bestrahlung nach Einatmen radi- Kohlendioxid 1
oaktiver Substanzen Mehr als die Hälfte der Methan 25
natürlichen Strahlenbelastung wird durch N2O 270
Einatmen des radioaktiven Edelgases Radon Tetrachlormethan 1400
verursacht, das beim Zerfall von Radium-226 HFKW R134a (PU-Schaum) 1300
entsteht und direkt auf das Lungengewebe HFKW R152a (XPS-Platten) 150
einwirkt, wo es zur Krebsentstehung beiträgt. HFCKW R141b 630
Von den Naturstoffen weisen die Granite die HFCKW R142b 2000
höchste Eigenradioaktivität auf, wobei große Schwefelhexafluorid (SF6) 25000
Schwankungen bei den unterschiedlichen (früher in Schallschutzfenstern)
Gesteinsproben festzustellen sind.

1.9 Umweltindikatoren Säurebildungspotential AP


Versäuerung wird hauptsächlich durch die
Primärenergieinhalt (PEI) (MJ/kg o. m³) Wechselwirkung von Stickoxid- (NOx) und
Energie zur Gewinnung der Rohstoffe und Schwefeldioxidgasen (SO2) mit anderen
Herstellung eines Produktes einschließlich Bestandteilen der Luft wie dem Hydroxyl-
des Wärmewertes (Heiz- bzw. Brennwertes) Radikal verursacht. Das Maß für die Tendenz
der Rohstoffe. Er wird aufgeschlüsselt nach einer Komponente, säurewirksam zu werden,
erneuerbaren (PEI e) und nicht erneuerbaren ist das Säurebildungspotential AP (Acidifica-
(PEI ne) Energieträgern angegeben. Als nicht tion Potential). Es wird für jede säurebildende
erneuerbare Energieträger gelten Erdöl, Substanz relativ zum Säurebildungspotential
Erdgas, Braun- und Steinkohle sowie Uran. von Schwefeldioxid angegeben.
Als erneuerbar gelten Holz, Wasserkraft,
Sonnenenergie und Windenergie. Der PEI ne Stoff AP (kg SO2 ‚ qu.)
berechnet sich aus dem oberen Heizwert all Schwefeldioxid SO2 1,00
jener nicht erneuerbaren energetischen Res- NO 1,07
sourcen, der PEI e entsprechend aus erneuer- N2O 0,70
baren Ressourcen, die in der Herstellungskette Stickoxide NOx 0,70
des Produkts verwendet wurden. Ammoniak NH3 1,88
Salzsäure HCI 0,88
Wichtig zur Abschätzung und zum Vergleich Fluorwasserstoff HF 1,60
ist, daß die Systemgrenzen einheitlich defi-
niert sind. Das System umfasst in der Regel
Eutrophierungspotential EP
Im Eutrophierungspotential EP wird der Bei-
Ozonabbaupotenzials des Stoffes R 11 (Tri-
chlorfluormethan) angegeben, dessen ODP-
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10
19

trag einer Substanz, die Stickstoff oder Phos- Wert =1 gesetzt wird TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
phor enthält, zur Produktion von Biomasse Baukonstruktion und Baustoffkunde

angegeben. ODP(Stoff)=Ozonabbau(Stoff)/Ozonabbau
05.1 Material • Eigenschaften
(R11)
Photooxidantien (POCP)
Reaktionsfreudige Gase können unter Einfluss Die ODP-Werte sind Ausdruck des aktu-
von Sonnenstrahlung Photooxidantien bilden ellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes
und so Sommersmog in Städten und ihrer über den Beitrag der einzelnen Stoffe zum
näheren Umgebung verursachen. Stoffe, die stratosphärischen Ozonabbau. Es ist kein
durch diese Reaktion Ozon bilden, sind z.B. die feststehender Wert und kann durch neuere
flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Forschungsergebnisse geändert werden.
Ozon ist das wichtigste Produkt dieser photo-
chemischen Reaktion und auch die Hauptur- 1.10 Ökonomische Eigenschaften
sache für smogbedingte Augenreizungen und
Atemprobleme sowie für Schäden an Bäumen Baukosten
und Feldfrüchten. Baukosten sind Aufwendungen für Güter,
Leistungen und Abgaben, die für die Planung
Der POCP wird berechnet als die Veränderung, (Architektur und Statik) und die Ausführung
die durch die Emission von 1kg eines Gases im von Baumaßnahmen erforderlich sind. Sie
Verhältnis zur Emission von 1kg Ethen entste- setzen sich zusammen aus den Kosten für das
hen würde. Dabei wird der POCP-Wert von Bauwerk (reine Baukosten genannt) sowie den
Ethen = 100 gesetzt. Kosten für Außenanlagen und den sonstigen
Kosten (auch Baunebenkosten genannt). Die
Je höher der POCP-Wert eines Stoffes, desto Baukosten teilen sich nach DIN 276 (Koste-
höher ist sein Beitrag zur Ozonbildung. POCP- nermittlung im Hochbau) in verschiedene
Werte sind nicht konstant, sie variieren je Kostengruppen.
nach Ort und Zeit aufgrund meteorologischen
Bedingungen. Die photochemische Ozon- Bauwerkskosten sind die Herstellungskosten
bildung kann bestimmt werden durch pho- eines Gewerks, abzüglich der Kosten für Auf-
tochemische Modellrechnungen oder durch schließung, Außenanlagen und Einrichtung.
Laborversuche. Gegenwärtig gibt es für ganz Die Herstellungskosten setzen sich demnach
Europa keine einheitliche Methode und keine aus den Kosten der allgemeinen Bauarbei-
einheitlichen Informationen. ten, der Rohbauarbeiten und Ausbauarbeiten
zusammen. Zu den allgemeinen Bauarbeiten
Abiotischer Ressourcenverbrauch gehört die Baustelleneinrichtung, Abbruchar-
(ADP) [kg Sb-Äqv.] beiten, Trümmer- und Schuttabfuhr, Außerge-
Sie sind alle unmittelbar der Natur entnom- wöhnliche Gründungen, Arbeiten außerhalb
menen, nicht nachwachsenden und noch des Gebäudes, Außenanlagen, Aufschlie-
nicht bearbeiteten Materialien, einschließ- ßungsarbeiten, sowie behördliche Gebüh-
lich nicht verwerteter Förderung (wie etwa ren. Rohbauarbeiten sind alle konstruktiven
Abräume, Bodenaushub für die Herstellung Arbeiten, wie z. B. die Erd-, Maurer-, Beton-,
eines Kellers/Hauses, Ausschachtungen etc.). Zimmerer- und Isolierarbeiten, sowie die
Deckung, Blitzschutzanlagen und Innenkana-
Ozonabbaupotenzial (ODP) lisation. Als Ausbauarbeiten bezeichnet man
Die ozonschichtschädigenden Stoffe besitzen alle übrigen Arbeiten bis zur Fertigstellung,
jeweils ein bestimmtes Ozonabbaupoten- das sind Schalungen, Verputz, Verkleidungs-
zial (ODP, Ozon Depletion Potential), das die arbeiten, Innenwände, Böden und Bodenauf-
potenzielle Auswirkung eines jeden geregel- bauten, sowie Haustechnik.
ten Stoffes auf die Ozonschicht angibt. Die
Ausdünnung der stratosphärischen Ozon- Bauteil €/ Einheit (m²)
schicht wird durch die Katalysatorwirkung Innenputz Maschinenputz 19,00
von Halogenen unter speziellen klimatischen Perimeterdämmung XPS 23,00
Bedingungen verursacht. In erster Linie sind Außenputz Zementputz 2-lagig 39,00
dafür Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) Fassadenbekleidung Wellblech 74,00
verantwortlich. Da Katalysatoren chemische WDVS 80 mm Mineralfaser 75,00
Reaktionen beschleunigen, selbst aber unver- Fassadenbekleidung Faserzement 130,00
ändert wieder daraus hervorgehen, kann ein (Stand 2004)
einziges Chloratom schließlich viele tausend
Ozonmoleküle zerstören. Alterung und Unterhalt
Jedes Material und und im besonderen der
Der ODP-Wert wird berechnet als die Verän- Witterung ausgesetzte Bauteile unterliegen
derung, die durch die Emission von 1kg eines einem Alterungsprozess. Außenbauteile sind in
Stoffes im Verhältnis zur Emission von 1 kg besonderem Maße der Witterung ausgesetzt.
FCKW R11 entstehen würde. Das Ozonab- Chemische und biologische Umwelteinflüsse,
baupotenzial von Stoffen wird bezüglich des begünstigt durch Staub und Schmutzabla-
20 09
10 EBB gerungen, die wiederum Pflanzenbewuchs,
Moosbildung und sonstige schädliche Mikro-
aussagefähiger Kostenvergleich ist nur mög-
lich, wenn Baukosten und Lebensdauer in
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso organismen fördern, beschleunigen die Bezug gesetzt werden.
Baukonstruktion und Baustoffkunde natürliche Alterung. Temperaturwechsel
(Frost-Tau-Wechsel im Winter, Kälteschock in
05.1 Material • Eigenschaften
anderen Jahreszeiten) greifen Oberfläche und
Material in der Substanz an, mit der mögli-
chern Folge von Rissbildung und Abspren-
gungen. Speziell Beschichtungen müssen
gewartet und instandgesetzt werden, sonst
wird das Eindringen von Wasser, Feuchtigkeit
und eventuell Vereisung begünstigt. Bauphysi-
kalische Beanspruchung aus der Gebäudenut-
zung belasten zusätzlich die Gebäudehülle.

Abb. 5.10.2 Verfall einer Holzhütte


Pflege- und Wartungsintervalle müssen auf
die verschiedensten Bauteile abgestimmt sein
um so eine möglichst lange Lebensdauer zu Sie ist keine exakte Größe, sondern vielmehr
erreichen. abhängig von:
• Der Stoff- und Schichtqualität
• Den Bauteileigenschaften
• Der Ausführungsqualität
• Den Konkreten Beanspruchungen
• Der Komplexität des Bauteils
• Der Verarbeitung
• Den Umwelteinflüßen
• Der Nutzung
• Der Schadensanfälligkeit
• Der Wartung und Pflege sowie den regel-
mäßigen Instandsetzungen.

Wenn ein Bauteil stark schadhaft ist und


nicht mehr instandgesetzt werden kann und
so seine Funktion nicht mehr erfüllen kann,
dann hat er gemäss Definition seine Lebens-
dauer erreicht. Die tatsächliche Lebenserwar-
tung kann von den angegebenen Werten
abweichen.

Bauteil Mittlere Lebenser-


wartung (Jahre)
Kalkfarbe außen 7
Abb. 5.10.1 Mangelnder Unterhalt Kunststoffdispersionsfarbe 20
Kunstharzputz außen 30
Unterhalt: Zement/Kalkzementputz außen 40
Wahren bzw. Wiederherstellen der Substanz Fassadenbekleidung Aluminium 45
ohne wesentliche Veränderung der Nutzung Dachdeckung Ziegel/Beton 50
und des ursprünglichen Wertes. Stahl außen 60
Instandhaltung: Beton frei bewittert 70
Wahren der Funktionstüchtigkeit durch ein- Fassadenbekleidung Naturstein 80
fache und regelmäßige Massnahmen. Fassadenbekleidung Glas 100
Instandsetzung:
Wiederherstellen der Funktions- und
Gebrauchstauglichkeit mit ausreichender
Sicherheit und vereinbarter Dauerhauftigkeit.
Restaurierung:
Wiederherstellen eines früherern Zustandes
unter Wahrung vorhandener Bausubstanz.

Nutzungsdauer von Bauteilen


Die Lebens- bzw. besser Nutzungsdauer eines
Baustoffs/Bauteils wird von vielen Faktoren
beeinflusst. Bei der ökonomischen und öko-
logischen Bewertung von Konstruktionen
und Materialien von Gebäuden über ihren
Lebenszyklus ist es erforderlich, die Lebens-
dauer der Bauteile zu berücksichtigen. Ein
EBB 09
10
21

TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso


Baukonstruktion und Baustoffkunde

05.1 Material • Eigenschaften


22 09
10 EBB 1.11 Testfragen 9.

Welcher der nachfolgenden Baustoffe
weist die höchste Reißlänge (km) auf?
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso 1. Welcher der nachfolgenden Baustoffe a Stahl
Baukonstruktion und Baustoffkunde weist die höchste Druckfestigkeit auf? b Holz
05.1 Material • Eigenschaften
a Holz c Aluminium
b Glas d Keramik
c Beton
d Stahl 10. Welche Aussage ist richtig:
a Je größer der E-Modul, desto größer
2. Welcher der nachfolgenden Baustoffe die Formänderung.
weist den geringsten E-Modul auf? b Je kleiner der E-Modul, desto kleiner
a Stahl die Formänderung.
b Glas c Die Formänderung hängt logaritmisch
c PVC-weich vom E-Modul ab.
d Aluminium d Je größer der E-Modul, desto kleiner
die Formänderung.
3. Welcher der nachfolgenden Baustoffe
weist die höchste Zugfestigkeit auf? 11. Welcher der nachfolgenden Baustoffe
a Holz weist den höchsten E-Modul auf?
b Glas a Stahl
c Aluminium b Aluminium
d Stahl c Beton
d Glas
4. Trittschalldämmstoffe unter schwim-
menden Estrichen sollen: 12. Welche Rutschfestigkeitsklasse ist für
a möglichst hart sein. Eingangsbereiche, Treppen, Verkaufs-
b eine möglichst hohe Dynamische räume erforderlich?
Steifigkeit aufweisen. a H8
c eine möglichst geringe Dynamische b R9
Steifigkeit aufweisen. c E 10
d möglichst gering sein. d W 12

5. Welche Oberflächenbehandlung von 13. Was besagt der Begriff Dynamische


Naturwerkstein ist nicht geeignet für Steifigkeit?
eine hohe Rutschfestigkeitsklasse? a Er kennzeichnet das Federungsvermö-
a Polieren gen eines Dachtragwerks.
b Stocken b Er kennzeichnet das Federungsvermö-
c Laserbehandlung gen einer Dämmschicht.
d Sägen c Er kennzeichnet das Federungsvermö-
gen der Streifenfundamente.
6. Die Druckfestigkeit von Beton ist d Er kennzeichnet das Elastische Verhal-
a 15 mal größer als die Zugfestigkeit. ten einer Isolierglasscheibe.
b geringer als die Zugfestigkeit.
c doppelt so hoch wie die Zugfestig- 14. Welcher der angegeben Baustoffe
keit. besitzt die höchste Rohdichte?
d 30 mal größer als die Zugfestigkeit. a Naturstein
b Stahl
7. Welcher der nachfolgenden Baustoffe c Aluminium
weist die geringste Druckfestigkeit d Blei
auf?
a Holz 15. Welcher der nachfolgenden Baustoffe
b Glas weist den größten Wärmeausdeh-
c Stahl nungskoeffizienten auf?
d Beton a Aluminium
b Beton
8. Welcher der nachfolgenden Baustoffe c Stahl
weist die geringste Zugfestigkeit auf? d Holz
a Stahl
b Holz 16. Den höchsten Wasserdampfdiffusions-
c Aluminium widerstand weist auf?
d Glas a Aluminium
b Holz
c Beton
d Ziegel

Je Fragestellung ist eine Antwort richtig


1.12 Literaturhinweise 1.13 Bildnachweise
EBB 09
10
23

5.0.1 http://www.vmpa.de
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Material Eigenschaften: 5.2.1 http://www.ki-smile.de/ Baukonstruktion und Baustoffkunde

[1]  Backe H., Hiese W., 5.2.2 http://www.ki-smile.de/ 05.1 Material • Eigenschaften
Baustoffkunde für Ausbildung und Praxis,
Werner Verlag, Düsseldorf 5.2.3 http://www.bau.htw-dresden.de

[2]  Baukosteniformationszentrum Deutscher Architekten 5.2.4 http://www.unibw.de/


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BKI Baukosten 2004 Statistische Kosten für Bauele- 5.2.6 http://www.hs-weingarten.de/
mente,
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[3]  Bundesamt für Bauwesen (2009) 5.3.1 http://www.bauversuche.de


Lebensdauer von Bauteilen und Bauteilschichten,
Info-Blatt Nr. 4.2 Berlin 5.4.1 http://www.mpa.uni-stuttgart.de/

[4]  Glücklich, D., (2005) 5.4.2 http://www.physnet.uni-hamburg.de/


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Deutsche VerlagsAnstalt, München 5.4.3 Herkunft Internet

[5]  Hegger, M., Auch-Schwelk, V., Fuch, M., Rosenkranz,T., 5.5.1 http://www.interpane.com/
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[7]  Keller, B., Rutz, S., (2006)
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[8]  Lohmeyer, C.O., Bergmann, H., Post, M. (2005)
Praktische Bauphysik 5.7.4 EBB, Prof. Musso, F., München
GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden
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Baustoffe. 5.10.1 http://www.bauwacht.de/
Kohlhammer - Verlag. Stuttgart.
5.10.2 http://www.anisa.at/
[10]  Schäffler H., Bruy E., Schelling G.,
Baustoffkunde,
Vogel Verlag, Würzburg

[11]  Schneider K-J.,


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Werner Verlag, Düsseldorf

[12]  Scholz W., Hiese W.,


Baustoffkenntnis,
Werner Verlag, Düsseldorf

[13] Volland K. (1999)


Einblicke in die Baustoffkunde
Werner Verlag, Neuwied
http://www.lrz-muenchen.de/~volland/vhb/einblicke/

[14]  Wendehorst R.,


Baustoffkunde,
Vincentz Verlag, Düsseldorf

[15]  Wesche K.,


Baustoffe für tragende Bauteile Band 1 bis 4,
Bauverlag, Wiesbaden

Nur für Lehrzwecke ©

Verfasser:

TUM - Fakultät für Architektur


Lehrstuhl EBB
Arcisstr.21
80333 München

Univ. Prof. Florian Musso


Dipl.-Ing. Johann Weber

Stand: 06.2010