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02.6.

Tragwerk: Boden, Grube, Gründung EBB 09


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TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso


Baukonstruktion und Baustoffkunde

02.6 Tragwerk • Boden, Grube,


Gründung

Abb. 6.0.1 Spundwand in der Baugrube der Hochschule für Fernsehen und Film, München
2 09
10 EBB
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Baukonstruktion und Baustoffkunde

02.6 Tragwerk • Boden, Grube,


Gründung
02 Tragwerk
EBB 09
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TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso


Baukonstruktion und Baustoffkunde

02.6 Tragwerk • Boden, Grube,


6 Boden, Grube, Gründung Gründung

6.1 Definition Gründung 6.6 Wege, Straßen und Platzflächen


- Gründung als Basis eines Bauwerks - Oberbau
- Frostschutzschicht
6.2 Baugrund - Tragschicht
6.2.1 Untersuchung des Baugrundes - Deckschicht
- Untersuchungsvorgang
- Bodenprobe 6.7 Testfragen
- Schürfung
- Sondierung / Rammsondierung 6.8 Literaturhinweise
- Bohrung
6.2.2 Arten des Baugrundes 6.9 Bildnachweise
- Fels
- Nichtbindiger Boden
- Bindiger Boden
- Organischer Boden
- Gewachsener Boden
- Geschütteter Boden
6.2.3 Verhalten des Baugrundes
- Druckausbreitung
- Setzungen
- Bodenpressung
- Wasserdurchlässigkeit
- Bodenfrost
- Baugrundverbesserung

6.3 Baugrube
6.3.1 Aushub
- Geböschte Wände
- Massenermittlung im Erdbau
6.3.2 Baugrubenverbau
- Trägerbohlenwände
- Spundwände
- Bohrpfahlwände
- Schlitzwände
- Cassionbauweise
6.3.3 Wasserhaltung
- Trockenlegung der Baugrube
- Grundwasserabsenkung durch
Vakuumbrunnen
- Abdichtung der Baugrube

6.4. Gründungsarten
6.4.1 Flachgründung
- Streifenfundamente
- Einzelfundamente
- Plattenfundamente und
Fundamentroste
- Größe und Form der Fundamente
6.4.2 Tiefgründungen
- Pfahlgründung
- Rüttelpfähle
- Bohrpfähle
- Kombinierte Pfahl- und
Plattengründung
- Brunnengründung

6.5 Sicherungsmaßnahmen
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10 EBB 6.1 Definition Gründung

TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Die Gründung bzw. das Fundament [1] ist
Baukonstruktion und Baustoffkunde der Übergang vom Bauwerk zum Boden. Sie
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
hat die Aufgabe, alle auftretenden Lasten
Gründung aus Eigengewicht, Nutzung, Schnee und
Winddruck in den Baugrund abzuleiten. Die
Gründung soll die durch das Bauwerk und
dessen Nutzung verursachten Verformungen
des Baugrundes minimieren und diese in
[1] Fundament [lat.]
bis auf tragfähigen Untergund herab- einem für das Bauwerk verträglichen Rahmen
reichender Unterbau eines Bauwerks. Abb. 6.1.1 Parthenon, Akropolis, Athen (432 v. Chr.) halten.

Als Verbindung zwischen Bauwerk und Bau-


[2] DIN 1054 (Auszug) grund kommt der Gründung und dem Fun-
3.1.1 Allgemeine Begriffe
3.1.1.1 Baugrund dament neben seiner technischen Funktion
gewachsener, geschütteter oder auch eine wichtige gestalterische Aufgabe zu.
künstlich hergestellter Boden oder
Fels, auf dem eine bauliche Anlage In allen Epochen des Bauens finden sich Bei-
gegründet bzw. in dem eine bauliche spiele, bei denen die Gründung als Sockel zur
Anlage eingebettet wird.
Präsentation von Architektur und Gesellschaft
dient. Das Fundament als kräftige Basis des
Hauses (Abb. 6.1.1, 6.1.2), oder als unsicht-
[3] DIN 1054 (Auszug) bare Gründung unter einem schwebenden
5. Baugrund
5.1 Geotechnische Untersuchungen Gebäude (Abb. 6.1.3). Bauelemente der
5.1.1 Zweck der Untersuchungen: Abb. 6.1.2 Neue Nationalgalerie Berlin, Mies van der Rohe Gründung können auch als gestalterisches
Zur Durchführung der in dieser Norm
behandelten Sicherheitsnachweise Mittel eingesetzt werden (Abb. 6.1.4).
sind geotechnische Untersuchungen
erforderlich, die in einem Geotech-
nischen Bericht zur Baugrunduntersu-
chung nach DIN 4020 (geotechnischer 6.2 Baugrund
Untersuchungsbericht) darzustellen
sind und Aussagen
- zum Baugrundaufbau mit Schich- Die Voraussetzung zur Planung und Errichtung
ten, Verwerfungen, Störungen und
Einschlüssen; einer einwandfreien Gründung ist die genaue
- zu den Grundwasserverhältnissen; Kenntnis des Baugrundes [2]. Die Erstellung
- zu den boden- und felsmecha-
nischen Eigenschaften und Kenn- eines Bauwerks stört in der Regel den über
größen; lange Zeit gewachsenen Gleichgewichtszu-
- zu den Rändern der untersuchten
Baugrundbereiche und Randbe- stand des Grundes. Zur Einschätzung der
din gungen an diesen enthalten Wechselwirkungen zwischen Baugrund und
müssen.
Abb. 6.1.3 Farnsworth House 1951, Mies van der Rohe geplantem Bauwerk ist der Architekt auf die
Unterstützung von Tragwerksplaner, Boden-
gutachter und eventuell auf weitere Fachleute
(Sachverständiger für Böschungen) angewie-
sen. Deren qualifizierte Gutachten, basierend
auf sorgfältigen Baugrunduntersuchungen
(Probebohrungen, Schürfgruben etc.) geben
dem Architekten detailierte Informationen
über die Beschaffenheit des Baugrundes und
Empfehlungen zu nötigen Maßnahmen im
Bereich der Gründung, Drainage, Abdich-
tung usw. an die Hand. Die Gutachten zum
Baugrund sind Planungsgrundlagen. Deshalb
Abb. 6.1.4 Bohrpfähle als Gestaltungselemente, empfiehlt es sich diese möglichst frühzeitig
U-Bahnstation Basler Straße in München
einzuholen.

6.2.1 Untersuchung des Baugrundes

Die genaue Kenntnis über die Beschaffen-


heit des Baugrundes [3], die anstehenden
Bodenarten, Lagerungsdichte, Verhalten bei
Belastung, Durchlässigkeit, Kapillarität und
Frostempfindlichkeit sind die Voraussetzung
für die Festlegung der geeigneten Grün-
dungsart und Gründungstiefe. Diese haben
entscheidenden Einfluß auf die technische,
finanzielle und terminliche Abwicklung eines
Bauvorhabens. Es sollte deshalb schon vor
Planungsbeginn eine Bodenuntersuchung
durchgeführt werden [4]. EBB 09
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Untersuchungsvorgang Baukonstruktion und Baustoffkunde
Zur Untersuchung eines größeren Baugelän- 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
des werden Erkundungsbohrungen durchge- Gründung
führt (Abb. 6.2.1). Diese werden zunächst in
größeren Abständen und schachbrettartiger
Anordnung angelegt (Hauptbohrungen). Sie
müssen so tief geführt werden bis eine Trag-
schicht mit ausreichender Mächtigkeit nach- [4] Baugrunduntersuchung
Schürfung und Bohrung vermitteln
gewiesen ist. Zur genaueren Deutung werden direkte Kenntnis des Baugrundes
Zusatzbohrungen oder Sondierungen sowie und ermöglichen die Entnahme von
Bodenproben. Sondierungen können
zusätzliche Informationen aus geologischen nur in Verbindung mit Aufschlüssen
Karten, Grundwasserverhältnissen und oder bei bekannten geologischen
Verhältnissen eingesetzt werden, sind
Erfahrungen aus bestehenden Bauwerken in dann aber wirtschaftlicher.
direkter Nachbarschaft hinzugezogen. Die
Erkundungsbohrungen müssen unter Berück- Abb. 6.2.1 Aufschlußbohrung
sichtigung der DIN 1054 ausgeführt werden.

Bodenprobe
Bodenproben sind alle 1,0-1,50 m zu ent-
nehmen (Abb. 6.2.2). Hierbei sind Din 4021
und 4022 zu beachten. Während bei kleinen
Bauten die Tragfähigkeit der Bodenschichten
meistens mit den in der DIN 1054 angege-
benen Werten bestimmt werden können,
ist es bei größeren Bauten nötig, ungestörte
Proben zu entnehmen und deren Tragfähig-
keit mittels erdstoffphysikalischer Untersu-
chung zu bestimmen.
Abb. 6.2.2 Bodenprobe mit Stechzylinder
Schürfung
Das Ausheben einer Schürfgrube ist eine
einfache und wirkungsvolle Methode zur
Baugrunduntersuchung (Abb. 6.2.3). Wegen
evtl. nötiger Sicherung und Wasserhaltung
werden Schürfgruben in der Regel nur bis in
eine Tiefe von 2-3m geführt. Für Baugrund-
untersuchungen nach DIN 1054 genügt die
Schürfung wegen der geforderten Untersu-
chungstiefe von 6m nicht. Abb. 6.2.3 Schürfgrube / Entnahme ungestörter Boden-
proben

Sondierung / Rammsondierung
Als weiteres Verfahren für Voruntersuchungen
in geringen Tiefen eignen sich Schlagsondie-
rungen mit Sondiereisen oder Peilstangen
(Stahlstangen von 2-4 m Länge). Bei diesem
Verfahren wird aus Messungen des Vortriebs-
Verdrängungs- und Reibungswiderstandes
der gleichförmig in den Boden getriebenen
Prüfsonde die Scherfestigkeit und Tragfähig-
keit längs einer Vertikalen ermittelt und als
Rammdiagramm aufgezeichnet. Die Boden- Abb. 6.2.4 Bohrköpfe zur Entnahme von Bodenproben

schichten werden aus der Charakteristik der


Eindringwerte ermittelt.

Bohrung
Bohrungen sind im Vergleich zu Rammson-
dierungen aufwendiger. Sie liefern lückenlose
Bodenaufschlüsse mit ungestörten Bodenpro-
ben (Abb. 6.2.4, 6.2.5). Aus diesen können
im erdstoffphysikalischen Labor Tragfähig-
keit, Lagerung, Struktur und Wasserhaushalt
bestimmt werden.

Abb. 6.2.5 Bohrkern


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10 EBB 6.2.2 Arten des Baugrundes

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Vegetation Als Boden bezeichnet man die Verwitterungs-
Baukonstruktion und Baustoffkunde rinde der Erdkruste. Seine Bildung beruht
02.6 Tragwerk • Boden, Grube, Oberboden auf der Verwitterung von Festgestein (Fels)
Gründung Mutterboden, Humus aufgrund physikalischer, chemischer und
biologischer Prozesse. Die dabei gelösten
mineralischen Bestandteile bilden Ablagerun-
gen mit mehr oder wenig großen Zwischen-
Unterboden
[5] Klassifizierung des Bodens
gewachsener Boden, Baugrund
räumen. Boden kann neben mineralischen
Um die Vielfalt der im Baugrund anzu-
treffenden Qualitäten genau bezeich-
auch organische Bestandteile enthalten. Als
nen zu können gibt es Klassifikationen “gewachsenen Boden” bezeichnet man
von:
Boden, welcher durch Verwitterung und
DIN 18196 Bodengruppen Ablagerung lokal entstanden ist und noch
DIN 18300 Bodenklassen
DIN 1054 Bodenarten
keine Veränderung erfahren hat. Man unter-
scheidet zwischen Erdstoffen auf primären
Grundgestein und Erdstoffen auf sekundären Lagerstätten.
Erdstoffe auf primären Lagerstätten ruhen
[6] DIN 18300 Bodenklassen über dem Gestein, aus welchem sie durch
Klasse 1
Oberboden (kein Baugrund)
Verwitterung selber entstanden sind. Erdst-
Mutterboden offe auf sekundären Lagerstätten sind durch
Klasse 2
fließende Bodenarten (kein Baugrund)
Abb. 6.2.6 Schematische Darstellung eines Bodenprofils ihre Verlagerung mehr oder weniger stark
Torfe, Schlick und Mudde entmischt. Eine exakte Trennung der diversen
Klasse 3
leicht lösbare Bodenarten
Gesteinsgruppen ist oft nicht möglich, weil
Sande und Kiese sich Durchmischungen und Einschlüsse ver-
Klasse 4
mittelschwer lösbare Bodenarten
schiedener Herkunft finden. In solchen Fällen
Schluffe, Tone, Lehme, ist die Heterogenität der Zusammensetzung
Klasse 5
schwer lösbare Bodenarten
maßgebend für die konstruktiven Maßnah-
plastische Tone, dicht gelagert, men.
Klasse 6
leicht lösbarer Fels
verwitterte, klüftige Felsgesteine, Im folgenden werden die Bodenbeschaffen-
Klasse 7
schwer lösbarer Fels
heiten als Baugrund in ihren typischen Kate-
unverwitterten Felsgesteine, gorien beschrieben (Abb. 6.2.6) [5].
Die EN ISO 14688-1 und -2 definiert Boden-
arten hinsichtlich ihrer Korngrößen und Korn-
größenverteilung.
Die DIN-Norm 8196 „Erd- und Grundbau”
definiert Bodenarten hinsichtlich ihrer bau-
technischen Eignung (Abb. 6.2.10, 6.2.11).
Die DIN-Norm 18300 „Erdarbeiten“ definiert
Abb. 6.2.7 Fels, Basaltsäule Bodenklassen hinsichtlich ihrer Lösbarkeit um
Art und Umfang von Bodenarbeiten beurteilen
zu können [6].

Fels
Er gilt als sehr guter Baugrund. Die zulässige
Bodenpressung ist in der DIN 1054 definiert.
Bei Gründungen auf wasserundurchlässigen
Gesteinsarten: Granit, Basalt, Kalkstein, kri-
stallienem Schiefer, feinkörnigem Sandstein
besteht keine Frostgefahr. Die wasserdurch-
lässigen, porösen Gesteinsarten: Tuff, Bims
und körniger Sandstein sind über der Frost-
Abb. 6.2.8 Kies (nichtbindiger Boden) grenze einer stetig fortschreitenden Verwitte-
rung ausgesetzt. Auf ihnen ist eine frostfreie
Gründung notwendig. (Abb. 6.2.7)

Nichtbindiger Boden
Geröll, Kies, Kiessand, Sand und ihre Misch-
ungen werden als nichtbindige (rollige) Böden
[7] Bindige und nichtbindige bezeichnet. Der Massenanteil der Bestandteile
Böden
Die physikalischen Eigenschaften der mit Korngrößen <0,06 mm ist weniger als 5%
Böden hängen maßgeblich von der bzw. liegt bei gemischtkörnigen Böden max.
Korngröße ab.
Plastische Böden mit innerem Zusam- bei 15%. Nichtbindige Böden zeichnen sich
menhalt werden als bindig, durch große bis sehr große Scherfestigkeit und
Böden ohne einen inneren Zusam-
menhalt werden als nichtbindig überwiegend gute Zusammendrückbarkeit
bezeichnet. Abb. 6.2.9 Lehm (bindiger Boden) aus. Sie besitzen keine Kohäsion (Verkittung
der Einzelkörner) und sind wasserdurchlässig.
Die Tragfähigkeit nimmt mit der Korngröße
miteinander beruht auf Kohäsion. Sie vergrö-
ßert sich mit zunehmenden Tongehalt. Die EBB 09
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7

und der Dichte der Lagerung zu. (Abb. 6.2.8), engen Poren bindiger Böden setzen dem Ein- TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
[7], [8] dringen und Entweichen von Wasser erheb- Baukonstruktion und Baustoffkunde
Geröll lichen Widerstand entgegen. Das Porenwasser 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
besteht aus groben Gesteinstrümmern mit im Boden kann nur langsam entweichen, dies Gründung
einem Durchmesser >70 mm. Geröll kann führt zu einer verminderten Zusammendrück-
je nach Lagerungsdichte, Entstehungs- und barkeit. Setzungen können so auch noch nach
Gesteinsart mit 300–800 kN/m² belastet Jahren auftreten. Zahlenmäßig wird die Volu-
werden. menänderung durch das Schrumpfmaß nach [8] Nichtbindiger Boden
Die Tragfähigkeit nichtbindiger Böden
Kies „Scheidig“ ausgedrückt. Es gibt Aufschluß ist abhängig von der inneren Reibung.
besteht aus Gesteinstrümmern mit 2-63mm über die Güte des Baugrundes. Je höher die innere Reibung, desto
höher die Tragfähigkeit. Die Größe der
Durchmesser. Man unterscheidet zwischen: Ton inneren Reibung ist von Korngröße,
Feinkies gilt als guter Baugrund, wenn er trocken ist Kornverteilung, Kornform, Kornober-
fläche und Wassergehalt abhängig.
mit 2–6,3 mm, Mittelkies 6,3–20 mm und und eine Schichtdicke von mindestens 3m
Grobkies 20–63 mm. Kies hat eine Tragfä- aufweist. In diesem Zustand kann Ton mit
higkeit von ca. 400 kN/m². Tieferliegende 300 kN/m² belastet werden. Die Tragfähigkeit
Schichten weisen in der Regel eine höhere von Tonböden wird durch Nässe, Frost und
Tragfähigkeit auf. große Austrocknung gemindert und sollte vor [9] Bindiger Boden
Bei bindigen Böden ist die Tragfähig-
Kiessand diesen Einflüssen geschützt werden. Ton ent- keit in erster Linie vom Wassergehalt
ist ein Gemisch aus Kies und Sand. Bei einer hält 50% - 80% Teilchen <0,01 mm Durch- abhängig. Hohe Wassergehalte ver-
mindern die Tragfähigkeit.
Mischung mit mindestens 1/3 Raumteilen Kies, messer. Ist der Gehalt an diesen Feinstoffen
kann Kiessand wie Kies belastet werden. geringer spricht man von magerem Ton oder
Sand Lehm.
besteht aus Gesteinsteilen <2 mm Durchmes- Lehm
ser. ist ein Gemenge aus Ton und Sand. Bei gerin-
Grobsand gem Tongehalt im Lehm spricht man von
zählt mit Korngrößen von 0,6–2 mm und magerem Lehm. In trockenem Zustand und
einer zulässigen Bodenpressung von 300kN/ genügender Mächtigkeit kann Lehm wie Ton
m² noch zum guten Baugrund. gepreßt werden. Mit zunehmendem Wasser-
Fein- und Mittelsand gehalt sinkt die zulässige Bodenpressung.
mit Korngrößen von 0,06–0,6 mm haben Schluff
eine Tragfähigkeit von 200 kN/m². Ach bei ist ein Gemenge aus unverfestigten Feinböden
den Sanden wächst die Tragfähigkeit bei und Sedimentgesteinen die zu mindestens
tieferliegenden Schichten. Das Verhältnis des 95% aus Komponenten mit einer Korngröße
Volumens der Festmasse zum Volumen der von 0,002 mm bis 0,063 mm bestehen.
Hohlräume wird als Porenvolumen bezeich- Schluff nimmt eine Mittelstellung zwischen
net. Bei gleichkörnigem Sand schwankt das Sand und Ton ein.
Porenvolumen zwischen 25% und 50%, bei Mergel
ungleichkörnigem Kiessand zwischen 15% ist ein Gemenge aus Ton, Lehm und 10%
und 30%. - 90% Kalk. In trockenem Zustand bietet
Mergel die gleiche Widerstandsfähigkeit
Bindiger Boden gegen Pressung wie trockener Ton und Lehm.
Ton, Lehm und Mergel sind bindige Erdstoffe. Mergel ist gegen Wasser empfindlich, da es
(Abb. 6.2.9), [9] Die Verkittung der Körner den Kalk auschwemmt.

Abb. 6.2.10 Bodengruppen eingeteilt nach den Korngrößen


8 09
10 EBB Organischer Boden
Die organischen Bodenarten setzen sich aus
Gewachsener Boden
Ein Boden wird als gewachsen bezeichnet,
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Resten von mehr oder wenig stark zerfal- wenn er durch einen abgeklungenen, erdge-
Baukonstruktion und Baustoffkunde lenen Pflanzen- und Tierresten zusammen. schichtlichen Vorgang entstanden ist. Diese
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
Je nach Grad der Zersetzung spricht man von Bodenschicht liegt in der Regel unter der
Gründung nicht zersetzten, mäßig zersetzten und stark oberen Deckschicht, dem Ober- oder Mutter-
zersetzten Torf. Böden mit nennenswertem boden.
organischem Anteil werden als „Mudden“
bezeichnet. Die humushaltige, durchlüftete, Geschütteter Boden
Kleinlebewesen enthaltende oberste Boden- Ein Boden wird als geschüttet bezeichnet,
schicht wird als Mutterboden bezeichnet. wenn er durch Aufschütten oder Aufspülen
Dieser ist aufgrund seiner organischen Anteile entstanden ist. Man unterscheidet unverdich-
als nicht tragfähig einzustufen. Nichtbindige tete und verdichtete Schüttungen. Bei allen
und bindige Böden mit organischen Beimen- geschütteten Böden ist mit mehr oder weni-
gungen tierischer oder pflanzlicher Herkunft ger starken Setzungen zu rechnen. Daher sind
mit mehr als 3 bzw. 5% werden anorgano- diese in der Regel als Baugrund kritisch bzw.
gen genannt. unbrauchbar. Ausgenommen sind einge-
schlemmter Sand oder Kies die eine Tragfähig-
keit von bis 250 kN/m² aufweisen können.

Abb. 6.2.11
Korngrößen-
Bodengruppen nach DIN 18196 Kurzzeichen
Massenanteil Gruppe Eignung als Baugrund
Hauptgruppe Gruppe (detailliert) Gruppen-
Kurzzeichen / Gruppensymbole: (allgemein) für Gründungen
≤ 0,05 mm ≤ 2 mm symbol
G Kies
S Sand
U Schluff Enggestufte Kiese GE gut geeignet
T Ton
K Kalk bis 60% Kies Weitgestufte Kies-Sand-Gemische GW sehr gut geeignet
O organische Beimengungen Intermittierend gestufte Kies-Sand-
H Torf / Humus GI sehr gut geeignet
grobkörnige Gemische
F Faulschlamm / Mudde bis 5%
Böden
Enggestufte Sande SE gut geeignet
Eigenschaften Korngrößenverteilung:
E enggestufte Korngrößenverteilung Weitgestufte Sand-Kies-Gemische SW sehr gut geeignet
über 60% Sand
W weitgestufte Korngrößenverteilung
I intermittierend gestufte Korn- Intermittierend gestufte Sand-Kies-
SI sehr gut geeignet
größenverteilung Gemische

plastischen Eigenschaften: 5 bis 15 Gew.-% ≤ 0,06 mm GU sehr gut geeignet


L leicht plastisch Kies-Schluff
M mittelplastisch 15 bis 40 Gew.-% ≤ 0,06 mm GŪ geeignet
A ausgeprägt plastisch bis 60%
5 bis 15 Gew.-% ≤ 0,06 mm GT sehr gut geeignet
Eigenschaften Zersetzungsgrad (Torf): Kies-Ton
N nicht bis kaum zersetzter Torf gemischtkörnig über 5 15 bis 40 Gew.-% ≤ 0,06 mm GŤ geeignet
Z zersetzter Torf e Böden bis 40%
5 bis 15 Gew.-% ≤ 0,06 mm SU sehr gut geeignet
Jede Bodengruppe wird durch Sand-Schluff
Zusammensetzen zweier Buchstaben 15 bis 40 Gew.-% ≤ 0,06 mm SŪ brauchbar
bezeichnet. über 60%
5 bis 15 Gew.-% ≤ 0,06 mm ST gut geeignet
Sand-Ton
15 bis 40 Gew.-% ≤ 0,06 mm SŤ brauchbar

Leicht plastische Schluffe WL≤35% UL geeignet

Schluff Mittelplastische Schluffe WL=35% bis 50% UM brauchbar

Ausgeprägt zusammendrückbare Schluffe


feinkörnige UA mäßig brauchbar
über 40% - WL>50%
Böden
Leicht plastische Tone WL≤35% TL brauchbar

Ton Mittelplastische Tone WL=35% bis 50% TM brauchbar

Ausgeprägt plastische Tone WL>50% TA mäßig brauchbar

Organogene Schluffe WL=35% bis 50% OU ungeeignet


über 40%
Organogene Tone WL>50% OT ungeeignet
organogene Nicht brenn-
Böden und schwelbar Grob bis gemischtkörnige Böden mit OH weniger geeignet
humosen Beimengungen
bis 40%
Grob bis gemischtkörnige Böden mit
OK mäßig brauchbar
kalkigen, kieseligen Bildungen

Nicht bis mäßig zersetzte Torfe HN ungeeignet


- -
organische Brenn- und
Zersetzte Torfe HZ ungeeignet
Böden schwelbar
Mudden (Faulschlamm) F ungeeignet
6.2.3 Verhalten des Baugrundes
EBB 09
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9

Entsprechend seiner Komprimierbarkeit und TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Scherfestigkeit verformt sich der gedrückte Baukonstruktion und Baustoffkunde
Boden unter der Last des Bauwerks. Die 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
Druckausbreitung im Erdreich ist bei zen- Gründung
trischer Belastung in der Fundamentachse
am größten und nimmt nach außen, sowie Abb. 6.2.12
mit zunehmender Tiefe ab (Abb. 6.2.12). Das Mögliche Druckausbreitung im Gefüge des Baugrundes

Verhalten des Baugrundes kann durch hydro- Kohasion und Reibung des Bodens verteilen und zerlegen die Span-
logische und thermische Einflüsse verändert nungen der Gründungssohle in Druck-, Zug-, Vertikal- und Horizon-
talkomponenten.
werden.

Druckausbreitung
Die Druckausbreitung unter der Fundament-
sohle erfolgt bei exakter Messung zwiebel-
förmig (Abb. 6.2.13). Mit den Isobaren lassen
sich die Spannungen im Erdreich bildlich
darstellen, indem beliebig viele Punkte mit
der gleichen Pressung verbunden werden.
Bodenmechanische Versuche ergeben, dass
bei gleicher spezifischer Bodenbelastung
die Druckzwiebeln mit zunehmender Fun-
damentfläche wesentlich tiefer reichen und
folglich auch das Setzmaß zunimmt. Darum
kann durch eine Probebelastung die spätere
Setzung des Bauwerks nur schwer festgestellt
werden. Vereinfacht kann angenommen
werden, dass sich der Druck in einem Winkel
von 45° gleichmäßig unter einem Gründungs-
körper ausbreitet und unterhalb des Schwer-
punktes am größten ist.

Setzungen Abb. 6.2.13 Abbau der Bodenpressung im Baugrund


Die Ursache für Setzungen sind vielfältig. (“Druckzwiebel”) [9] Setzungsverhalten
Bindige Böden setzen sich langsam
(Abb. 6.2.14 - 6.2.16) Neben der Zusammen- und um große Setzungsbeträge.
drückbarkeit des Bodens sind folgende äußere Nichtbindige Böden setzen sich schnell
und nur um kleine Setzungsberäge.
Einwirkungen zu bedenken:

- Seitliches Ausweichen des Bodens


1. 2.
- Verdichten der Bodenstruktur durch
Erschütterungen
- Veränderung des Feuchtigkeitsgehalts
durch Grundwasseranstieg / absenkung
- Abrutschen ganzer Schichten am Hang
- Heben / Senken durch Frost / Auftauen 3. 4.
Abb. 6.2.15 Gleichmäßige Set-
- Chemische Veränderungen des Grundes zungen
keine Drucküberlagerung in setzungs-
empfindlicher Bodenschicht
Während gleichmäßige Setzungen in der
Regel unbedenklich sind können ungleich-
mäßige Setzungen zu großen Schäden am
Bauwerk führen. Die Dauer von Setzungen 5. 6.
variiert stark. Während nichtbindige Böden
unter der Auflast rasch ins Gleichgewicht
kommen, kann sich die Konsolidierung eines
bindigen Baugrundes aufgrund des langsam
austretenden Porenwassers über Jahrzehnte
hinziehen [9]. Abb. 6.2.14 Ursachen für Setzungsrisse Abb. 6.2.16 Ungleichmäßige Set-
zungen
1. Gebäude zu lang, Gründungsmängel gegenseitige Beeinflussung benach-
2. ungleiche Gründungsverhältnisse barter Gebäude in setzungsempfind-
3. nachträgliche Belastung der Gründungssohle vorhandener lichemr Baugrund
Bauwerke durch Drucküberlastung
4. ungleiche Gründungstiefen, sehr unterschiedliche Baugrund
belastungen, evtl. auch Setzungen in aufgefüllten Bereichen
(Arbeitsräume)
5. Grundwasserabsenkung oder Austrocknen bindiger Boden
schichten
6. Belastung durch nachträgliche Auflasten
(Aufschüttungen, Anbauten)
10 09
10 EBB Bodenpressung
Nach Klärung der Bodenbeschaffenheit
wert ermöglichen die Ermittlung der Wasser-
abflußgeschwindigkeit [10]. (Abb. 6.2.18)
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso können die zulässigen Bodenpressungen der
Baukonstruktion und Baustoffkunde unter der Fundamentsohle liegenden Boden- Bodenfrost
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
schichten bestimmt werden. Die Ermittlung Unabhängig von den jahreszeitlichen
Gründung erfolgt nach DIN 1054 durch den Trag- Schwankungen ist die Temperatur des Erd-
werksplaner und den Bodenmechaniker. reichs wenige Meter unter Gelände konstant
1.
Die zulässige Pressung einer Bodenart darf ca. 7°C. In den obersten Bodenschichten
nur teilweise als Tragfähigkeit angenommen dringt bei Außenlufttemperaturen unter 0°C
werden. Wenn die eingeleitete Last die Trag- der Frost ein. (Abb. 6.2.19, 6.2.20) Die Ein-
fähigkeit des Bodens überschreitet kommt es dringtiefe des Frostes hängt ab von der Tiefe
zum Grundbruch (Abb. 6.2.17). Der Boden der Temperaturen, ihrer Dauer und von der
weicht seitlich aus und erfährt rings um das Wärmeleitfähigkeit des Bodens. Beim Gefrie-
Bauwerk einen Auftrieb. Bei kleinen Grund- ren vergrößert das Wasser im Erdreich sein
flächen weicht der Boden leichter aus als bei Volumen um 1/11 = 9%. Die Eisbildung und
2.
großen. Die zulässigen Bodenpressungen sind deren Auswirkungen sind in bindigen und
abhängig von der Gründungstiefe und der nichtbindigen Böden verschieden [9], [11].
Gründungsbreite. Mit zunehmender Funda- Während sich in bindigen, tonhaltigen Böden
mentbreite wächst bei gleicher Bodenpres- Eislinsen und Eisbänder senkrecht zur Rich-
sung das Setzungsmaß, da die Spannungen in tung der Frosteinwirkung bilden und dabei
größerer Tiefe wirken. Die zulässigen Boden- die Bodenschichten heben und schieben,
pressungen sind deshalb nicht nur abhängig werden in nichtbindigen Böden (Sand, Kies-
3. von der Beschaffenheit des Baugrundes, son- sand und Kies) die einzelnen Körner von Eis-
dern auch von der Setzungsempfindlichkeit kristallen umschlossen, wobei sich auch mit
des zu errichtenden Bauwerks sowie von der Wasser gesättigte Böden nicht heben und
Breite seiner Fundamente und deren Einbind- senken. Nach DIN 1054 muß die Gründungs-
tiefe. sohle frostfrei liegen. Dieser Wert ist regional
Abb. 6.2.17
unterschiedlich, in Deutschland beträgt die
Brucharten des Baugrundes Wasserdurchlässigkeit Frosttiefe 0,80 m -1,80 m.
1. Grundbruch
2. Böschungsbruch
Das Abflußvermögen des Wassers in den
3. Geländebruch verschiedenen Bodenarten bedingt die Wahl Baugrundverbesserung
des richtigen Wasserhaltungssystems. Die Mittels Baugrundverbesserung können die
[10] Kapillare Steighöhen Anzahl und Größe der Poren bestimmt die Eigenschaften des Baugrunds hinsichtlich der
- Kies bis 3 cm (Material für
kapillarbrechende Schicht) Wasserdurchlässigkeit des Bodens. Diese wird Tragfähigkeit, des Verformungsverhaltens
- Sand 20 - 80 cm beschrieben über den Durchlässigkeitsbeiwert und / oder der Wasserdurchlässigkeit positiv
- Lehm 1 bis mehrere Meter
- Ton bis 100m k. Durchlässigkeitsbeiwert und Druckgefälle- verändert werden. Hierzu stehen folgende
Verfahren zur Verfügung:
Oberflächenwasser - Bodenaustausch
[11] Frostempfindlichkeit
- Entwässerung des Bodens
Bindige Bodenarten sind stets frostge- - Injektionen
fährdet. Saubere, nichtbindige Boden-
arten sind frostsicher.
- Vermischen des Bodens mit Bindemitteln
Sickerwasser z.B. Bitumen, Kalk oder Zement
F1 nicht frostempfindlich
GW, GI, SW, SI, SE
- thermische Verfahren
- elektrochemische Verfahren
F2 gering bis mittel frostempfindlich
TA, OT, OH, OK,
Schichtenwechsel - Verdichtung durch Rüttelverfahren,
(ST, GT, SU, GU, abhängig von siehe hierzu 6.4.2 Tiefengründung
Korngrößen)
Schichtenwasser
F3 sehr frostempfindlich
TL, TM, UL, UM, UA, OU,
(ST, GT, SU, GU, abhängig von
Korngrößen)
Grundwasser Kappilarwasser

Abb. 6.2.18 Wasser in Abhängigkeit von Bodenschichten

Frosthebung Schnitt durch Frostboden Wassergehalt

Eislinsen binden umgebendes Wasser

Frostzone über Frostgrenze

Austrocknungszone unter Frostgrenze Frostgrenze

natürlicher Wassergehalt in Kapilar-


system Frosteinwirkungszone I Frosttiefe 0,80 m
Frosteinwirkungszone II Frosttiefe 1,20 m
Grundwasserspiegel Frosteinwirkungszone III Frosttiefe 1,80 m

Abb. 6.2.19 Bodenfrost in bindigen Boden (nach Breskow) Abb. 6.2.20 Frosteinwirkungszonen (RStO)
6.3 Baugrube
EBB 09
10
11

Nach Freimachen des Baugeländes werden die TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Grundfläche und Höhenlage der geplanten Baukonstruktion und Baustoffkunde
baulichen Anlage abgesteckt (§68 Abs.3 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
BbgBO). Die Absteckung führt ein öffent- Gründung
lich bestellter Vermessungsingenieur anhand
der genehmigten Projektunterlagen durch.
Er überträgt das geplante Vorhaben in die
Örtlichkeit, die Eckpunkte des Bauwerks
werden mit Pfählen markiert und auf dem
Schnurgerüst gesichert (Abb. 6.3.1). Der Ver-
messungsingenieur garantiert eine mit der Abb. 6.3.1 Schnurgerüst für dem Aushub
Baugenehmigung übereinstimmende Lage
des zu errichtenden Bauwerks und beugt
so späteren Auseinandersetzungen mit den
Nachbarn oder der Bauordnungsbehörde
vor. Nach dem Abstecken des Bauwerks kann
mit dem Aushub der Baugrube begonnen
werden. Für die Abrechnung der Erdarbeiten
ist die Boden- bzw. Felsklassifizierung nach
DIN 18300 zu berücksichtigen. (Abb. 6.3.6)

Abb. 6.3.2 Legende


6.3.1 Aushub
1 Mutterboden
2 Brett für genaues Messen
Die Humusschicht wird abgeschoben und 3 Schnurkerbe
separat gelagert. Nach Möglichkeit wird auch 4 Fluchtschnur
5 Lot
das für die spätere Hinterfüllung notwendige 6 Baugrubensohle
Material auf dem Grundstück gelagert. Der 7 Fundamentgraben
Abb. 6.3.2 Schnitt durch Baugrube mit Schnurgerüst
An- und Abtransport von Aushubmaterial ist
aufwendig, erzeugt Kosten und wird nach
Möglichkeit vermieden. Die Aushubarbeiten
erfolgen in der Regel mit Maschineneinsatz.
[12] Böschungswinkel DIN
Lediglich Nacharbeiten und schmale Funda- 4124
mentschlitze werden von Hand ausgeführt. 45° nichtbindiger oder
weicher bindiger Boden
Nach Verdichtung der Gründungssohle mit 60° steifer oder
dem Rüttler wird eine Sauberkeitsschicht halbfester bindiger Boden
80° leichter Fels
von ca. 5cm Stärke aus Sand und Kies aufge- 90° schwerer Fels
bracht. (Abb. 6.3.2)
Abb. 6.3.3 Baugrube ohne Verbau mit abgeböschten
Kanten in standfestem, gewachsenem Boden DIN 4124
Geböschte Wände [13] Berme
Eine Berme ist ein horizontales Stück
Sind die Platzverhältnisse ausreichend, kann oder ein Absatz in der Böschung eines
eine geböschte Baugrube ausgeführt werden. Dammes, eines Walls, einer Baugrube
oder an einem Hang. Sie unterteilt
Diese Methode ist einfach und günstig. Es die Böschung in zwei oder mehrere
gelten je nach Bodenart verschiedene Bösch- Abschnitte. Eine Berme soll den Erd-
druck auf den Fuß der Böschung ver-
ungswinkel. Die zulässigen Böschungswinkel mindern. Eine Böschung mit steilem
sind in der DIN 4124 aufgeführt [12]. Hang und Bermen ist standsicherer als
eine durchgehende Böschung ohne
45° nichtbindiger oder Bermen. Ein Böschungsbruch wird so
weicher bindiger Boden vermiedenl.
60° steifer oder
halbfester bindiger Boden
80° leichter Fels
90° schwerer Fels Abb. 6.3.4 Schnitt durch abgeböschte Baugrube und
Fundamentgraben
Grundsätzlich müssen die Grubenränder
ab einer Tiefe von 1,25 m abgeböscht und
an den Rändern in einer Breite von 0,60 m
von Lasten freigehalten werden (Abb. 6.3.3,
6.3.4). Bei Baugruben mit größeren Tiefen
müssen Berme [13] eingebaut werden (Abb.
6.3.5). Bei der Dimensionierung der Bau-
grube ist ein zusätzlicher Arbeitsraum von
0,50 m zwischen Außenkante Schalung für
die Kellerwände und dem Böschungsfuß zu
berücksichtigen. Bei Aushubtiefen über 5 m
und Kranstellungen direkt am Baugrubenrand
sind statische Böschungsnachweise nötig. Abb. 6.3.5 Baugrubenböschung mit Berme
12 09
10 EBB Bodenklasse Bezeichnung Beschreibung Bodengruppen

Oberboden Oberste Schicht des Bodens. Besteht aus Humus mit Bodenlebewesen sowie
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso BK 1
(Mutterboden) aus Kies-, Sand-, Schluff- und Tongemisch.
Baukonstruktion und Baustoffkunde
OU, OT, OH, SW, SU*,
02.6 Tragwerk • Boden, Grube, Fließende
BK 2 Flüssige bis breiige Böden, die Wasser nur schwer abgeben. GU*, GT*, HZ, HN, F, UL,
Gründung Bodenarten
UM, TL, TM, TA

Leicht lösbare Nichtbindige bis schwachbindige Sande, Kiese und Sand-Kies-Gemische mit GE, GW, GI, SE, SW, SI,
BK 3
Bodenarten bis zu 15% Beimengungen an Schluff und Ton. GU, SU, GT, ST, HN

Mittelschwer Gemische von Sand, Kies, Schluff und Ton. Bindige Bodenarten von leichter GU*, SU*, GT*, ST*, UL,
Abb. 6.3.6 Bodenklassen nach BK 4
lösbare Bodenarten bis mittlerer Plastizität sind je nach Wassergehalt weich bis fest. UM,TL, TM, OU
DIN 18300
Nach dem zum Lösen eforderlichen
Arbeitsaufwand werden die Boden- Schwer lösbare Bodenarten nach den Klassen 3 und 4, jedoch mit mehr als 30% Steinen Wie Klasse 3 oder 4, TA,
BK 5
und Felsarten in sieben Klassen ein- Bodenarten von über 63 mm Korngröße. Steife und halbfeste bindige Böden. OT
geteilt.
Leicht lösbarer Fels
Unterschied zwischen SU und SU*, ST Felsarten, die einen inneren, mineralisch gebundenen Zusammenhalt haben,
BK 6 und vergleichbare
und ST* usw. : Bei SU bzw. ST beträgt jedoch stark klüftig, brüchig, weich oder verwittert sind.
Bodenarten
der Anteil von Schluff (U) bzw. Ton (T)
5% bis 15%. Bei SU* bzw. ST* erhöht
sich der Anteil von U bzw. T auf 15% Felsarten, die eine hohe Festigkeit haben und nur wenig klüftig oder
BK 7 Schwer lösbarer Fels
bis 40%. verwittert sind.

Massenermittlung im Erdbau Mittelwert zweier benachbarter Querprofile


Bei der Planung von Baugruben und Zwi- und dem Abstand der jeweiligen Querprofile
schenlagern für den Aushub ist zu beachten, zueinander. Berechnung als Prismatoid nach
dass Boden und Fels beim Lösen aufgelockert der Simpson´schen Regel:
werden. Auch beim Einbau mit Verdichtung
lässt sich der Boden nicht mehr in seine Vs = h/6 (G1 + G2 + 4 x GM)
ursprüngliche Dichte bringen. In den ZTVE- Vs Volumen
StB sind Anhaltswerte für die Auflockerung h Höhe
und Überverdichtung von Boden- und Fels- G1 große Grundfläche
arten aufgeführt. Der Auflockerungsfaktor αL G2 kleine Grundfläche
wird aus dem Volumen des Materials vor dem GM Grundfläche bei h/2
Lösen und dem Volumen des Materials nach Berechnung nach Näherungsformel 1:
dem Lösen ermittelt (Abb. 6.3.7, 6.3.8).

Bei der Massenermittlung von Erdbauwerken


ist zwischen ausgehobenen (Graben, Bau- Berechnung nach Näherungsformel 2:
grube) und aufgeschütteten (Damm, Wall) V2 = h x GM
Bauwerken zu unterscheiden. Sofern Erdkör-
per abzurechnen sind, die sich nur mit einem Die Ergebnisse der einzelnen Berechnungsver-
erheblichen Rechenaufwand mathematisch fahren weichen voneinander ab. Mit größer
exakt erfassen lassen, werden Näherungsver- werdendem Verhältnis zwischen oberer
fahren angewandt. Als Beispiele sind hier lang- Grundfläche (G1) und unterer Grundfläche
gestreckte, gewundene und unregelmäßig (G2) nehmen die Abweichungen zu. Bei kom-
geformte Erdkörper zu nennen, wie Dämme plexen Baugruben erfolgt die Ermittlung des
und Einschnitte im Verkehrswegebau. Die gesamten Volumens durch die Berechnung
Ermittlung des Rauminhaltes erfolgt aus dem von Teilvolumina.

a1

a2

G1 = a1 x b1
G2 = a2 x b2
b2 b1

Abb. 6.3.7 Massenermittlung einer Baugrube Abb. 6.3.8 Massenermittlung einer Baugrube
6.3.2 Baugrubenverbau
EBB 09
10
13

Durch einen Verbau werden Baugruben mit TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
großen Tiefen, in beengten Situationen, an Baukonstruktion und Baustoffkunde
Straßen und im Stadtbereich gesichert. Es 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
gibt eine Vielzahl verschiedener Verbauar- Gründung
ten. Im Folgenden werden einige vorgestellt.
Man unterscheidet waagerechten und senk-
rechten Verbau. Beim waagerechten Verbau
werden mit fortschreitenden Aushub Bohlen
horizontal untereinander gefügt. Der Verbau
darf höchstens 1-2 Bohlenbreiten hinter dem
Aushub zurückbleiben und ist durch Brusthöl-
zer zu sichern. Bei locker gelagerten, weichen
Böden ist ein senkrechter Verbau auszuführen.
Hierzu werden Holzbohlen oder Kanaldielen
dem Aushub voraus senkrecht eingetrieben.
Die Einbindtiefe muß dabei mindestens 30 cm
betragen.

Trägerbohlenwände
Diese Verbauweise wird auch „Berliner
Verbau“ bezeichnet. Hierbei werden Holz- Abb. 6.3.9 “Berliner Verbau” Abb. 6.3.10 horizontaler Verbau
bohlen oder Kanthölzer waagerecht zwischen
eingerammte oder in Bohrlöcher eingebrachte
Stahlträger gelegt (Abb. 6.3.9, 6.3.10).

Spundwände
Spundwände sind widerstandsfähige, mehr-
fach verwendbare Stahlprofile zum Verbau
von Baugruben. Aufgrund ihres geringen
Querschnitts lassen sie sich gut rammen und
ziehen. Die Koppelung der Elemente mit-
tels Profilschlösser gewährleistet hohe Dich-
tigkeit und gute Kraftübertragung. Mittels
Einspannung der Spundwände im Erdreich
und möglichen Profillängen bis zu 25m sind Einbindtiefe > 30cm

große Baugrubentiefen möglich. Nachdem


die Spundwände ihre Aufgabe als vorüber- Abb. 6.3.11 Spundwände Abb. 6.3.12 vertikaler Verbau
gehende Stützkonstruktion erfüllt haben
werden sie wieder gezogen und können
anderenorts wieder verwendet werden. Aus
der großen Varianz an verschiedenen Profilar-
ten, Profilgrößen und Wandungsstärken kann
der für die jeweilige Situation geeignetste Typ
gewählt werden. Mit ihrem geringen Volu-
men und ihrer guten Stapelbarkeit lassen sich Abb. 6.3.14 Spundwandprofil
Spundwände gut lagern und transportieren
(Abb. 6.3.11, - 6.3.14).

Bohrpfahlwände
Bohrpfahlwände bestehen aus Betonpfählen,
die so dicht gesetzt werden, dass sich ihre Abb. 6.3.13 Spundwandschloß
Querschnitte überschneiden. Zuerst stellt man
eine Reihe unbewehrter Pfähle auf Lücke. Im
zweiten Arbeitsgang werden in den Lücken
weitere Löcher gebohrt, welche in die beste-
henden Pfähle an den Rändern einschneiden.
Diese werden dann ggf. bewehrt ausgeführt.
Es entsteht eine steife, deformierungsarme
Palisadenwand (Abb. 6.3.15, 6.3.16). In der
Regel werden anschließend nach dem Prinzip
der Funktionstrennung dicht vor die Bohr-
pfähle die Außenwände des Neubaus gesetzt.
Bohrpfahlwände können aber auch als tra-
gende und sichtbare Bauteile in die Konstruk-
tion eines Neubaus einbezogen werden. Abb. 6.3.15 Bohrpfähle Abb. 6.3.16 Bohrpfähle
14 09
10 EBB Caissonbauweise
Diese Bauweise wird auch als Senkkastenbau-
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso weise bezeichnet und wird für Gründungen
Baukonstruktion und Baustoffkunde unter Wasser angewand. Hierzu wird ein
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
unten offener, aber sonst dichter Betonkasten
Gründung hergestellt. Dieser bildet den Arbeitsraum,
welcher innen mittels Überdruck wasserfrei
gehalten wird. Über eine Druckluftschleuse
und Schachtrohre gelangt man in den Arbeits-
Abb. 6.3.17 Herstellung von Schlitzwänden
raum. Dort wird der Boden bis auf den trag-
fähigen Untergrund abgegraben und dadurch
der Kasten abgesenkt. Die Entsorgung erfolgt
über Schachtrohre. Nach der Absenkung wird
die Arbeitskammer ausbetoniert und bildet
dann das fertige Fundament für den darüber
geplanten Bau.

6.3.3 Wasserhaltung

Unter Wasserhaltung versteht man das Tro-


ckenhalten einer Baugrube während der
Abb. 6.3.18 Schlitzwand
Bauzeit. Für gewöhnlich ist hierzu nur nötig,
das anfallende Oberflächenwasser, wie z.B.
Regenwasser von der Baugrube abzuhalten
Schlitzwände bzw. abzuleiten. Dies geschieht entweder
Bei dieser Bauweise wird das Erdreich beim durch Entwässerungsmulden, Dränung oder
Aushub des Erdschlitzes und während des durch Abdecken mit Planen (Abb. 6.3.19).
Betoniervorgangs durch eine Stützflüssigkeit Wesentlich schwieriger ist es, wenn die Bau-
abgestützt. Aufwändige Schalungen können grubensohle unter dem Grundwasserspiegel
somit eingespart werden. Schlitzwände haben liegt. Dann tritt seitlich und von unten Wasser
mindestens eine Dicke von 0,5 m. Mit diesem in die Baugrube ein und macht das Arbeiten
Verfahren kann praktisch jede gewünschte schwierig bis unmöglich. Außerdem bewirkt
Baugrubentiefe hergestellt werden. (Abb. das einströmende Wasser einen Auftrieb, der
6.3.17, 6.3.18) zum Aufschwemmen der Baugrubensohle
führen kann.

Abb. 6.3.19 Offene Wasserhal-


tung (Profil und schematischer
Grundriss einer Baugrube)

1. Pumpensumpf
2. Drainage in Kiesbett
3. Arbeitsraum
4. Baugrubenböschung
5. Bauwerksrand
Trockenlegung der Baugrube
Hierzu stehen je nach Grundwasserstand und
kann von einer Absenkung des Grundwassers
negativ betroffen sein. EBB 09
10
15

Wasserandrang verschiedene Methoden zur TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Verfügung. Vakuumbrunnen Baukonstruktion und Baustoffkunde
In Feinsand und Schluff anstehendes Grund- 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
Offene Wasserhaltung durch Pumpensumpf. wasser fließt durch die Schwerkraft allein Gründung
Hierzu wird an der tiefsten Stelle der Baugrube nicht mehr aus, sondern wird durch Adhäsion
ein offener Schacht (Pumpensumpf) angelegt, in den Hohlräumen zwischen den Körnern
dessen Boden ca. 1,00 m unter der tiefsten festgehalten. Es bedarf ein Vakuum, welches
Fundamentsohle liegt. Über offene Gräben das Grundwasser mittels Saugpumpe an
oder Drainageleitungen wird das anfallende das Filterrohr zieht. Dabei wird der Feinsand
Wasser aus der Baugrube gesammelt und in weiter verdichtet deshalb, beschränkt sich der
den Schacht geleitet. Von dort wird es mittels Wirkungskreis eines Vakuumbrunnens auf ca.
Pumpe in Gräben oder Rohrleitungen zu tiefer 1,00 m. [14] [14] Einbau eines
gelegenen Wasserläufen (Vorfluter) abgeleitet Filterbrunnes:
1. Einbohren eines Mantelrohrs
(Abb. 6.3.20). Abdichtung der Baugrube 2. Einführen eines Filterrohrs
Spund-, Bohrpfahl oder Schlitzwände bilden 3. Aufschrauben eines über das
Gelände reichendes Aufsatzrohr
Grundwasserabsenkung durch Rohrfilterbrun- um die Baugruben einen dichten Verbau 4. Bei tonhaltigem Boden muß der
nen. Liegt der höchste Grundwasserstand mehr gegen seitlichen Wasserandrang. Bei kleinen Zwischenraum zwischen Mantel- -
und Filterrohr mit Kies gefüllt
als etwa 30 cm über der Baugrubensohle ist in Baugruben kann die Sohle durch Einbringung werden
der Regel eine Grundwasserabsenkung nötig. eine Betonschicht abgedichtet werden. Bei 5. Ziehen des Mantelrohrs
6. Einhängen des Saugrohrs mit
Hierzu werden rings um die Baugrube herum rolligen und feinkörnigen Böden mit großem Rückschlagklappe
Rohrfilterbrunnen angeordnet über die das Grundwasserandrang ist eine Bodenverfesti- 7. Anschließen der Saugpumpe

anfallende Wasser abgepumpt wird (geschlos- gung der Baugrubensohle sinnvoll. Dabei wird
sene Wasserhaltung). Mit dieser Methode durch Hochdruckinjektion der gewachsene
sind Grundwasserabsenkungen bis etwa Boden unterhalb der Fundamentsohle mit
4,00 m Tiefe möglich. Bei tieferen Baugruben Zementmilch verpreßt und damit eine Beton-
müssen die Pumpen staffelförmig, höhenver- schicht hergestellt. Damit diese „Betonplatte“
setzt werden. Bei Grundwasserabsenkungen dem Druck des Grundwassers von unten
besteht die Gefahr der Ausschwemmung von standhalten kann, muß sie soweit unter der
Feinsand aus dem Untergrund und damit ver- Gründungssohle liegen, daß die Auflast des
bunden die Gefahr von Setzungen und Set- verbleibenden Bodens und der Gründungs-
zungsschäden an benachbarten Gebäuden. sohle höher ist als der Druck des Grundwas-
Um dies auszuschließen muss vorher geprüft sers. Wo solche Tiefen nicht machbar sind,
werden, ob durch zusätzliche Maßnahmen z. muß die Injektions-Schicht mit Bodenan-
B. chemische Injektionen der Grund verfestigt kern nach unten in den Baugrund verankert
werden muss. Auch die Vegetation im Umfeld werden um dem Grundwasserdruck stand zu
halten.

Abb. 6.3.20 Grundwasserabsen-


kung (Profil und schematischer
Grundriss einer Baugrube)

1. Pumpe mit Sandfang


2. Reservepumpe
3. Ringleitung mit Absperrschieber
4. Saugrohre (“Brunnen”)
5. Sichtkontrolle
6. Baugrubenverbau (Spundwand)
7. Arbeitsraum
8. Bauwerksrand
9. Absenkungskurve

Vorfluter
16 09
10 EBB Fundamentmaterial, der Belastung und der
zulässigen Bodenpressung. Bei bestehenden
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Gebäuden findet man häufig Fundamente
Baukonstruktion und Baustoffkunde aus Bruch-, Natur-, und Ziegelsteinen. Heute
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
werden Streifenfundamente fast ausschließ-
Gründung lich aus Beton oder Stahlbeton hergestellt.
Der Lastverteilungswinkel liegt bei 50 bis 60°.
Bewehrte Fundamente werden auf einer Sau-
berkeitsschicht aus Magerbeton (C8) von 5cm
ausgeführt.

Einzelfundamente
Abb. 6.4.1 Flachgründung mit Anschlussbewehrung Einzelfundamente werden wegen der
höheren Belastung fast immer aus Stahlbeton
6.4 Gründungsarten hergestellt. Nach Beanspruchung werden Ort-
betonstützen mittels Bewehrung direkt in die
Fundamente übertragen die Lasten eines Bodenplatte eingebunden oder eingespannt.
Bauwerks in den Baugrund und sind damit Fertigteilstützen werden in Köcherfunda-
für die Standsicherheit von maßgeblicher mente gestellt und vergossen. Eine weitere
Bedeutung. In der Regel ist die Belastbar- Form ist das Blockfundament, bei dem die
keit des Baugrundes aber nicht ausreichend Kraftübertragung über die aufgerauten Wan-
für die auftretenden Lasten aus Decken-, dungen der Aussparungen optimiert wird, so
Wand- und Stützenlasten, so daß die direkt dass auf Ausbildung eines Köchers verzichtet
mit dem Boden in Kontakt stehenden Teile werden kann.
des Fundaments verbreitert oder vergrößert
werden müssen. Diesen Teil des Fundaments Größe und Form der Fundamente
nennt man Gründung und Gründungskör- Die erforderliche Fundamentfläche (A) ergibt
per. Die Art der Gründung ist wesentlich von sich aus den auftretenden Lasten (F) und dem
der Tragstruktur, den auftretenden Lasten aufnehmbaren Sohldruck ( ơzul.) [15]:
und der Lage und Qualität einer tragfähigen A (m²) = F (kN) / ơzul. (kN/m²)
Bodenschicht abhängig. Es werden Flach- und Die Fundamenthöhe ist vom Druckvertei-
Tiefgründungen unterschieden (DIN 1054). lungswinkel im Fundament abhängig. Dieser
hängt wesentlich vom Fundamentmaterial ab.
Betonfundamente haben heute im ungün-
6.4.1 Flachgründungen

Flachgründungen werden gewählt, wenn


unter dem Bauwerk tragfähiger Boden
ansteht und keine Einspannwirkung in den
Baugrund erforderlich ist. Es wird im Wesent-
lichen unterschieden zwischen Streifen-,
Einzel- und Plattenfundamenten. Streifen-,
Abb. 6.4.2 Zeichnerische und
Einzelfundamente sind durch eine Verbreite-
rechnerische Ermittlung der rung des Gründungskörpers gekennzeichnet,
Fundamenthöhe so daß die Lasten auf eine größere Fläche
[15] Sohldruck verteilt werden (Abb. 6.4.2, 6.4.4). Dient die
Druck, der durch Vertikalspannungen Bodenplatte auf der gesamten Bauwerksflä- Abb. 6.4.4 Berechnung der Fundamentbreite
hervorgerufen wird und als Gegen-
wirkung vom Baugrund auf die Sohle che als Gründungskörper, spricht man auch
eines Gebäudes wirkt. von Plattengründungen (Abb. 6.4.1). Gemischtkörniger Boden
Einbindtiefe
[16] Fundamentgröße Flachgründungen können senkrechte, in m steif halbfest fest
Die Fundamentbreite ist von den vor- geneigte, mittige und ausmittige Kräfte 0,50 150 220 330
handenen Lasten und der zulässigen
Belastung des Baugrundes abhängig. abtragen (Abb. 6.4.3). Alle Teile der Grün- 1,00 180 280 380
Die Fundamenthöhe ergibt sich aus dung müssen in frostfreier Tiefe zwischen 0,8 1,50 220 330 440
der Fundamentbreite und dem Druck- Ton
verteilungswinkel. bis 1,50m unter Gelände liegen (Abb. 6.4.6).
Folgende Arten von Flachgründungen werden steif halbfest fest
0,50 90 140 200
unterschieden:
1,00 110 180 240
- Streifenfundamente unter Wänden 1,50 130 210 270
- Einzelfundamente unter Stützen, Pfeilern Toniger Schluff
- Plattenfundamente und Fundamentroste steif halbfest fest
unter der Bodenplatte 0,50 120 170 280
1,00 140 210 320
1,50 160 250 360
Streifenfundamente Schluff
Streifenfundamente werden im Hochbau 0,50 130
am häufigsten eingesetzt. In der Regel 1,00 180
Abb. 6.4.3 Bei ausmittiger
Fundamentbelastung biege-
werden Sie als bewehrte oder unbewehrte 1,50 220

steife Verbindung mit aufge- Konstruktionen unter Wänden angeord- Abb. 6.4.5 Aufnehmbarer Sohldruck (zul.) bei bindigen
hender Wand
net. Die Fundamentbreite ist abhängig vom Bodenarten in kN/m2
stigsten Fall eine Druckverteilung mit einer
Neigung von 1:2, damit einen Druckvertei- EBB 09
10
17

lungswinkel von 63,5° zur Waagerechten. Bei TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
mittig belasteten Fundamenten entspricht die Baukonstruktion und Baustoffkunde
Fundamenthöhe h dem Zweifachen des Fun- 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
damentvorsprungs. (Abb. 6.4.2, 6.4.5), [16] a Gründung
a
Plattenfundamente u. Fundamentroste a
Plattenfundamente verteilen die Lasten auf
die gesamte Gründungsfläche, so daß eine Abb. 6.4.6 Frostfreie Gründungstiefe unabhängig von
Baugrund und Geländeformation
sehr gleichmäßige und verminderte Bela-
stung des Baugrundes erfolgt (Abb. 6.4.1).
Plattenfundamente werden auf einer Sauber-
keitsschicht von 5 cm ausgeführt. Plattenfun-
damente bieten sich aus wirtschaftlichen und
herstellungstechnischen Gründen an, wenn
- zahlreiche Einzel- und Streifenfundamente
dicht nebeneinander und ggf. in verschie-
denen Höhenlagen liegen,
- infolge wechselnder oder schlechter
Bodenverhältnisse unter dem Bauwerk
und / oder wegen stark unterschiedlicher
Lasten innerhalb des Gebäudes unregelmä-
ßige Setzungen der Einzelbauteile be-
fürchtet werden müssen, Abb. 6.4.7 Venedig
- eine wasserdichte Bodenplatte gegen Alte Gebäude stehen seit Jahrhun-
derten noch heute auf gerammten
drückendes Wasser erforderlich ist, die Holzpfahlgründungen. Ein besonders
dann in Verbindung mit dem aufgehen prominentes Beispiel hierfür ist die
Stadt Venedig. Ihre Häuser sind auf ca.
den Betonwänden eine wasserdichte 20m lange Holzstämme gegründet. So
„Weiße Wanne“ bildet. Die Mindestdicke lange die Hölzer unter Wasser stehen,
verfaulen sie nicht. Die Absenkung des
der Bodenplatte beträgt dann 25cm. Meeresspiegels birgt für diese Bauten
Alternativ zu einer durchgehenden Platte allerdings eine elementare Gefähr-
dung. Heute werden Tiefengrün-
kann unter Umständen auch ein Fundament- dungen fast nur noch mit Pfählen aus
rost als tragender Rahmen für die gebündelte Stahlbeton hergestellt.

Abtragung einzelner Lasten dienen.

Frostschürze
Eine Frostschürze kommt bei Flachgründungen
von nicht unterkellerten Bauwerken zum Ein-
satz. Die Bodenplatte wird ringsum mit dieser
Schürze versehen um zu verhindern, dass
Oberflächenwasser unter das Bauwerk läuft
und im Winter zu Frostschäden führt. Eine
Frostschürze sollte bis zum frostfreien Boden
hinab reichen und wird in der Regel wie die
Bodenplatte aus Stahlbeton hergestellt.

6.4.2 Tiefgründungen

Wenn tragfähiger Baugrund erst in größerer Abb. 6.4.8 Stehende Gründung

Tiefe vorhanden ist und Bodenverbesserungen


nicht möglich sind, werden Tiefgründungen
ausgeführt (Abb. 6.4.7). Die häufigste Art ist
hierbei die Pfahlgründung, daneben gibt es
noch eine Vielzahl anderer Verfahren z.B. die
Brunnen- und die Senkkastengründung.

Pfahlgründung
Man unterscheidet “stehende” Pfahlgrün-
dungen mit Einbindung in tragfähigen Boden
(Abb. 6.4.8) und “schwebende, bzw. schwim-
mende” Pfahlgründungen ohne Einbindung
in tragfähigen Boden (Abb. 6.4.9). Die Art
der Pfahlgründung hängt davon ab, ob mit
der Pfahlspitze eine tragfähige Bodenschicht
erreicht werden kann. Die sicherste Pfahl- Abb. 6.4.9 Schwebende Gründung
18 09
10 EBB gründungsart ist die “stehende” Gründung
bei der die Pfahlspitzen auf einer tragfähigen
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Bodenschicht z.B. auf Fels oder festgelager-
Baukonstruktion und Baustoffkunde tem Kies stehen. Dabei werden die Kräfte
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
hauptsächlich über den Pfahlfuß übertragen.
Gründung
“Schwebende” Pfahlgründungen übertragen
die Lasten hauptsächlich durch Reibung auf
die umliegenden Erdstoffe (Mantelreibung).
Diese Methode wird angewendet, wenn
tragfähige Bodenschichten in so großer Tiefe
liegen, daß sie nicht mehr erreicht werden
können und wenn die darüberliegenden bin-
Abb. 6.4.11 Rüttel-Druck-Verfahren digen und zusammendrückbaren Schichten
nach unten fester, d.h. weniger zusammen-
drückbar werden. Bei dieser Gründung ist
mit längeren Phasen der Setzung zu rech-
nen. Pfahlgründungen können aus Holz,
Stahl, Stahlbeton oder Spannbeton ausgefüht
werden. Holzpfähle historischer Gründungen
reichen bis in eine Tiefe von 20m. Heute
werden fast ausschließlich Betonpfähle ver-
Abb. 6.4.10 Tiefenrüttler wendet. Sie werden gerammt, gerüttelt oder
gebohrt.

Rammpfähle
Als Rammpfähle kommen massive Spannbe-
tonpfähle (Länge bis zu 25m, Durchmesser 30
Abb. 6.4.12 Rüttel-Stopf-Verfahren bis 35cm) sowie Schleuderbetonpfähle (Länge
bis zu 50m, Durchmesser bis 100cm) zum Ein-
satz. Stahlpfähle werden fast ausschließlich
im See- und Hafenbau eingesetzt.

Rüttelpfähle
Zur Einbringung von Rüttelpfählen stehen
unterschiedliche Verfahren zur Verfügung
(Abb. 6.4.10, - 6.4.12). Alle sind mit Erschüt-
terungen des Baugrundes verbunden. Das
Rüttel-Druck-Verfahren ist setzungsarm und
zur Aufnahme von großen Lasten geeignet.
Es ist in nicht bindigen und schwach bindigen
Böden wie Sand und Kies anwendbar. Hierbei
wird durch das von einem Rüttler erzeugte
Loch tragfähiger Kies oder Beton gefüllt. Das
Abb. 6.4.14 Herstellung von Bohrpfählen Rüttel-Stopf-Verfahren ist sehr setzungsarm
1. Bohren bzw. Eintreiben der Mantelrohre, Ausbaggern
2. Einstampfen des Pfahlfußes
aber nur zur Aufnahme von leichten und mit-
3. Einbringen der Bewehrung, Betonieren, Ziehen der Mantelrohre telschweren Lasten geeignet. Es ist auch für
4. Zusammenfassen Bohrpfähle zu Pfahlrost
bindigere Böden wie sandigen Schluff und
Schluff geeignet. Hierbei wird das mittels Rüt-
tler eingebrachte, tragfähige Material durch
wiederholtes absenken des Rüttlers verdich-
tet. Rüttel-Ortbetonsäulen sind sehr setzung-
sarm aber nur zur Aufnahme von leichten und
mittelschweren Lasten geeignet. Dieses Ver-
fahren ist auch bei weichen und organischen
Schichten über tragfähigem Grund anwend-
bar.

Bohrpfähle
Wenn Erschütterungen im Erdreich nicht
erwünscht sind kommen Bohrpfähle zum
Einsatz (Abb. 6.4.13, 6.4.14). Mit speziellen
Geräten können Bohrpfähle auch in unmit-
Abb. 6.4.13 Rammpfähle telbarer Nähe zu bestehenden Gebäuden für
Unterfangungen oder in beengten Raumver-
hältnissen gesetzt werden. Das Bohrloch wird
Abb. 6.4.15 Pfahlrost für zwei Pfähle während des Bauvorgangs mit einem Man-
telrohr oder einer Stützflüssigkeit gesichert.
Nach Einbringung der Bewehrung und des EBB 09
10
19

Betons werden die Mantelrohre wieder gezo- TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
gen. Die Pfähle unterscheiden sich durch die Baukonstruktion und Baustoffkunde
Rauhigkeit ihrer Flanken (Mantelreibung) und 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
die Verbreiterung ihres Pfahlfußes (Spitzen- Gründung
druck). Sie haben in der Regel Durchmesser
von 30 bis 100 cm. Großbohrpfähle können
mit Durchmessern mit bis zu 250 cm aus-
geführt werden.

Kombinierte Pfahl- u. Plattengründung


Ramm- und Bohrpfähle können in Bündeln
mit Stahlbetonüberzügen oder -platten zu
Pfahlgruppen und “Pfahlrosten” zusammen-
gefaßt werden. (Abb. 6.4.15)

Bunnengründung
Hierbei werden Rohre in der Regel aus Stahl-
beton in den Baugrund eingebracht, indem Abb. 6.4.16 Brunnengründung
man den Innenberech ausbaggert. Durch ihr
Eigengewicht sinken dann die Hohlkörper in
den Baugrund ein. Ist die tragfähige Boden-
schicht erreicht, wird der Hohlraum ganz
oder, wenn er genutzt werden soll teilweise
mit Sand, Kies oder Beton ausgefüllt. Brun-
nengründungen sind bei weichen Boden-
schichten und hohen Traglasten sinnvoll.
(Abb. 6.4.16)

6.5 Sicherungsmaßnahmen

Werden neue Gründungsbauwerke neben


bestehenden Gebäuden errichtet und liegen
dabei die neuen Fundamente tiefer als die
bestehenden, ist die Gefahr von nachträg-
lichen Setzungen an den Bestandsgebäu- Abb. 6.5.1 Herstellung von Unterfangungen
nach DIN 1423
den gegeben. Diese können zu Rissbildung senkrechter Schnitt / Aufsicht, Bauabschnitte
und sogar zum Einsturz führen. Um dies zu
verhindern, müssen die bestehenden Funda-
mente unterfangen werden (DIN 4123) [17].
Schon beim Aushub der Baugrube sind Siche-
rungsmaßnahmen zu ergreifen. Die Sohle der [17] Unterfangungen
Arbeiten unterhalb der Fundament-
Baugrube darf nur bis 0,50 m über der Unter- sohle bestehender Bauwerke sind
kante der bestehenden Fundamente abgegra- besonders schaden- und unfallträchtig.
Deshalb müssen solche Fundamente
ben werden. Weitere Abgrabungen dürfen in sorgfälltig unterfangen werden.
höchstens 1,25 m breiten Abschnitten erfol-
Unterfangungen müssen abschnitts-
gen. Zwischen den 1,25 m breiten Abschnit- weise und mit dichter Fuge gegen
ten müssen Zwischenräume von dreifacher den anstehenden Boden ausgeführt
werden! Vor der Wand versetzte
Länge bestehen bleiben bis die neuen Unter- Pfähle können eine kostengünstige
fangungen tragfähig sind. Zusätzlich kann Alternative sein.
eine Hilfs-konstruktion gegen Kippen und Ein-
stürzen der Altbauten nötig sein. Maßnahmen Abb. 6.5.2 Herstellung von Unterfangungen
nach DIN 1423
zur Bodenverfestigung unter den Bestandsge- horizontaler Schnitt, Bauabschnitte
bäuden wie z.B. Hochdruckinjektionen (HDI)
oder Gefrierverfahren können sinnvoll sein.
Alle Maßnahmen benötigen die Zustimmung
der betroffenen Nachbarn und müssen gut
dokumentiert werden. (Abb. 6.5.1, - 6.5.2) Abb. 6.5.2 Sicherung durch abschnittsweise Unter-
fangung bei geringfügiger Tiefergründung
von Lückenbauten
20 09
10 EBB 6.6 Wege, Straßen und Platzflächen Oberbau
Der Oberbau besteht aus der Frostschutz-
TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Wege, Straßen und Plätze sind ein wesent- schicht, der Tragschicht und der Deck-
Baukonstruktion und Baustoffkunde licher Teil des öffentlichen Raumes. Sie tragen schicht.Die Deckschicht bildet die sichtbare
02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
mit Ihren Belägen maßgeblich zum Erschei- Nutzfläche. Durch einen ordnungsgemäß
Gründung nungsbild eines Ortes bei. Neben der Qualität dimensionierten Oberbau werden Schäden
der Oberflächen sind die zu tragenden Lasten, verhindert, die durch Last- und Frostein-
vom Fußgänger bis zum Schwerlastverkehr, wirkungen entstehen können.
[19] Mineralgemisch
Schotter, Splitt und Brechsande aus wichtige Parameter für den konstruktiven
natürlichem Gestein und aus minera- Aufbau. Frostschutzschicht
lischen Recyclingmaterial werden als
Mineralgemisch bezeichnet. Neben der Lastabtragung verhindert die Frost-
Befestigte Flächen werden nach gebundener schutzschicht die Verformung des Wegebe-
und ungebundener Bauweise unterschieden. lags während der Frost- und Auftauperiode.
Die gebundenen Bauweisen bestehen aus Sie ist nötig wenn frostempfindliche Böden
Trag- und Deckschichten, die durch ein Bin- (Schluffe und Tone) vorhanden sind und die
demittel, zum Beispiel Bitumen, Zement oder geografische Lage des Baugebietes als auch
Kunststoff ein starres Gefüge bilden (Abb. hohe Niederschläge die Frostgefahr erhöhen.
6.6.1). Hierzu gehören hauptsächlich Asphalt- Frostschutzschichten können aus frostsich-
und Betonbeläge sowie kunstharzgebundene erem Boden, Schotter, Kies und Sandge-
Decken. Flächen in gebundener Bauweise mischen oder Recyclingstoffen bestehen.
können aufgrund ihrer hohen Steifigkeit
große Lasten abtragen. Unter den ungebun- Tragschicht
denen Bauweisen werden Pflaster- und Plat- Die Tragschicht bildet den stabilisierenden
tenbeläge sowie wassergebundene Decken Unterbau für die Deckschicht. Zur Herstel-
zusammengefasst, die auf verdichteten lung werden gebrochene, wasserdurchläs-
Tragschichten konstruiert sind (Abb. 6.6.2). sige und korngestufte Gesteinskörnungen
Ungebundenen Bauweisen können aufgrund (Schottertragschicht) der Korngruppen von
Abb. 6.6.3 Rechteckpflaster
ihrer Elastizität, Scherkräfte kompensieren. So 0/22 bis 0/45 bevorzugt, da diese eine hohe
Läufer- und Parkettverband werden Pflasterflächen in der Regel in unge- Gefügestabilität erreichen. Das Material muß
bundener Bauweise realisiert. Regenwasser druckfest, frostsicher, scherfest und frei von
kann teilweise in ungebundenen Flächen ver- organischen Bestandteilen sein.
sickern.
Deckschichten
Die Deckschicht bildet den sichtbaren Belag
der Wege- und Platzflächen.

Gebundene Deckschichten werden in der


Abb. 6.6.4 Quarderpflaster
Regel aus Beton oder Asphalt hergestellt. Sie
Segmentbögen bilden homogene, durchgängige Oberflächen.
Zur Gestaltung stehen dem Planer verschie-
dene Oberflächenstrukturen und Farbtöne
zur Verfügung. Bei Betondecken müssen
zur Vermeidung unkontrollierter Rissbildung
und zum Ausgleich von Längenausdehnung
Fugen oder Scheinfugen als Sollbruchstellen
Abb. 6.6.1 Gebundene Bauweise mit Asphalt eingeplant werden. In besonderen Fällen,
1. Asphaltdeckschicht wenn besondere Belastungen oder Wasser-
2. Asphaltbinderschicht
3. Asphalttragschicht undurchlässigkeit hergestellt werden soll,
4. Frostschutzschicht 0/45 können auch Pflaster- und Plattenflächen in
5. Baugrund als Untergrund oder Unterbau
gebundener Ausgeführung sinnvoll sein.

Ungebundene Deckschichten bieten ein hohes


Maß an individueller Gestaltungsfreiheit. Als
Pflaster bzw. Plattenflächen ermöglichen sie
eine Vielzahl an Materialien und Verlege-
mustern. So zum Beispiel aus Betonstein,
Naturstein, Klinker und Kiesel. Sie sind war-
tungsfreundlich und mit überschaubarem
Aufwand herstellbar. Die wassergebundene
Wegedecke ist eine traditionelle und kos-
tengünstige Bauweise für Geh- und Radwege.
Sie besteht aus durchgestuftem, gebrochenen
Gesteinsmaretial, welches Lageweise verdich-
Abb. 6.6.2 Ungebundene Bauweise mit Pflasterklinker
1. Pflasterklinker mit dynamischer Ausgleichsschicht tet wird (Abb. 6.6.3 - 6.6.5).
Abb. 6.6.5 Plattenbeläge
aus Brechsand 0/5
Polygonalverband
2. Mineralgemisch 0/32
Römischer Verband
3. Frostschutzschicht 0/45
Quadratverband, diagonal
4. Baugrund als Untergrund oder Unterbau
6.7. Testfragen 09. Wann spricht man von gewachsenem
Boden? EBB 09
10
21

01. Welche Bodenarten gehören zu den a wenn dieser durch einen abgeklun- TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
nichtbindigen Böden? genen, erdgeschichtlichen Vorgang Baukonstruktion und Baustoffkunde
a Kiessand entstanden ist 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
b Schluff b wenn dieser frisch aufgeschüttet ist Gründung
c Geröll c wenn dieser stark mit Wurzeln durch-
d Ton wachsen ist
d wenn dieser mit Pflanzen bewachsen
02. Welche Eigenschaften von Böden ist
werden in der DIN-Norm 18300
„Erdarbeiten“ definiert? 10. Warum ist mindestens 80 cm unter
a Korngrößen Geländeoberkante zu gründen?
b Lösbarkeit a um horizontale Kräfte in den Baugr-
c Tragfähigkeit und einzuleiten
d Versickerungsfähigkeit b um eine frostfreie Gründung zu er-
reichen
03. Wann kommt es zum Grundbruch? c um eine tieferliegende, tragende
a Wenn horizontale Kräfte in den Bau- Bodenschicht zu erreichen
grund eingeleitet werden d um das Untergraben der Bodenplatte
b Wenn eine Böschung abrutscht durch Maulwürfe zu verhindern
c Wenn die eingeleiteten Lasten eines
Bauwerks die Tragfähigkeit des 11. Ab welcher Grubentiefe müssen die
Bodens überschreiten Ränder abgeböscht werden?
d Wenn Maulwürfe das Fundamet un- a Grubenränder müssen nie abge-
tergraben böscht werden
b Grubentiefe >1,25m
04. Welcher maximale Böschungswinkel c Grubenränder müssen immer abge-
ist bei Baugruben in nichtbindigen böscht werden
Böden nach DIN-Norm 4124 zulässig? d Grubentiefe >2,50m
a 45°
b 60° 12. Was versteht man unter
c 80° Wasserhaltung?
d 90° a Vorhaltung von genügend Bauwasser
b Trockenhalten der Baugrube während
05. Was versteht man unter Mergel? der Bauzeit
a Ein Gemisch aus Sand, Kies und Gips c Einbau von Wasserleitungen
b Ein Gemisch aus Ton, Lehm und Kalk d Feuchthalten des Grubenränder
c Ein Gemisch aus Ton und Sand
d Ein Gemisch aus Gesteinstrümmern 13. Wodurch zeichnen sich gebundene
Wegeflächen aus?
06. Was versteht man unter dem Setzungs a durch ihr starres Gefüge aufgrund der
verhalten von Boden? Verwendung von Bindemitteln
a Seine Lösbarkeit b durch ihre große Elastizität
b Seine Zusammendrückbarkeit c durch ihre sehr guten Versickerungs-
c Seinen Wassergehalt eigenschaften
d Seine Frostsicherheit d durch ihre Rutschsicherheit

07. Welches Setzungsverhalten ist charak- 14. Welche Materialien eignen sich zur
teristisch für bindige Böden? Herstellung von Frostschutzschichten?
a Bindige Böden setzen sich schnell und a Ton
nur um kleine Setzungsbeträge b Schotter und Kies
b Bindige Böden setzen sich nicht c organisches Bodenmaterial
c Bindige Böden setzen sich langsam d Torf
und um große Setzungsbeträge
d Bindige Böden setzen sich wenig 15. Wie werden bei einer “schwebenden”
Pfahlgründung die Lasten an das Erd-
08. Welcher Untersuchungsvorgang liefert reich übertragen?
lückenlose Bodenaufschlüsse mit un- a ausschließlich durch Spitzendruck
gestörten Bodenproben? b ausschließlich durch Mantelreibung
a Rammsondierung c durch Spitzendruck und Mantelrei-
b Bohrung bung
c Wünschelrute d durch Auftrieb
d Schürfung
22 09
10 EBB 6.8 Literaturhinweise 6.9 Bildnachweise

[1] U. Hestermann, L. Rongen (2010) 6.0.1 Giers Stefan, München


TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso Frick/Knöll Baukonstruktionslehre1 (35. Aufl.)
Baukonstruktion und Baustoffkunde Wiesbaden: Vieweg+Teubner 6.1.1-4 Quelle nicht bekannt

02.6 Tragwerk • Boden, Grube, [2] Heinrich Schmitt, Andreas Heene (2001) 6.2.1 Quelle nicht bekannt
Gründung Hochbaukonstruktion (15. Aufl.)
Braunschweig: Vieweg & Sohn 6.2.2 Quelle nicht bekannt

[3] Institut für Baukonstruktion (2006) 6.2.3 Schmitt/Heene


Prof. Peter Cheret, Prof. Peter Hübner aus Hochbauonstruktionen, S. 6
Baukohandbuch (2. Aufl.)
Stuttgart: Universität Stuttgart 6.2.4 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 6
[4] Andrea Deplazes (2005)
Achitektur Konstruieren (3. Aufl.) 6.2.5 Quelle nicht bekannt
Basel: Birkhäuser
6.2.6 Quelle nicht bekannt
[5] Uta Pottgiesser (2008)
Prinzipien der Baukonstruktion 6.2.7 Quelle nicht bekannt
München: Wilhelm Fink
6.2.8 EBB, Prof. Musso, F., München
[6] Batran, Bläsi, Eichner, Erdmann, Frey, Köhler (2004)
Fachwissen Bau (9. Aufl.) 6.2.9 EBB, Prof. Musso, F., München
Hamburg: Handwerk und Technik
6.2.10 Universität Stuttgart
[7] Astrid Zimmermann (2009) Baukohandbuch, S. 216
Landschaft Konstruieren
Basel: Birkhäuser 6.2.11 EBB, Prof. Musso, F., München

[8] K. Simmer (1985) 6.2.12 Schmitt/Heene


Grundbau 2 (16. Aufl.) aus Hochbauonstruktionen, S. 7
Stuttgart:
6.2.13 Frick/Knöll
[9] Ruedi Hungerbühler (1979) aus Baukonstruktionslehre 1, S. 48
Konstruktion im Hochbau
Zürich: Birkhäuser 6.2.14 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 46
[10] Joachim und Martina Lorenz
Das Baustellenhandbuch für den Tiefbau 6.2.15 Pottgiesser, Uta
Merching: Forum Verlag Herkert GmbH aus Prinzipien der Baukonstruktion

[11] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2005) 6.2.16 Pottgiesser, Uta
DIN 1054 Baugrund, Sicherheitsnachweise im Erdbau aus Prinzipien der Baukonstruktion
Berlin: Beuth Verlag GmbH
6.2.17 Universität Stuttgart
[12] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2002) Baukohandbuch, S. 217
DIN 1055-1 Einwirkungen auf Tragwerke, Teil 1
Berlin: Beuth Verlag GmbH 6.2.18 Universität Stuttgart
Baukohandbuch, S. 220
[13] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2007)
DIN 1055-2 Einwirkungen auf Tragwerke, Teil 2 6.2.19 Schmitt/Heene
Berlin: Beuth Verlag GmbH aus Hochbauonstruktionen, S. 9

[14] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2006) 6.2.20 Zimmermann, Astrid
DIN 18300 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für aus Landschaft Konstruieren, S. 217
Bauleistungen, Teil C: Allgemeine Technische Vertrags-
bedingungen für Bauleistungen (ATV)-Erdarbeiten 6.3.1 Quelle nicht bekannt
Berlin: Beuth Verlag GmbH
6.3.2 Frick/Knöll
[15] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2006) aus Baukonstruktionslehre 1, S. 33
DIN 18196 Erd- und Grundbau - Bodenklassifikation für
bautechnische Zwecke 6.3.3 Frick/Knöll
Berlin: Beuth Verlag GmbH aus Baukonstruktionslehre 1, S. 35

[16] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2008) 6.3.4 Frick/Knöll
E DIN 4123 Ausschachtungen, Gründungen und aus Baukonstruktionslehre 1, S. 35
Unterfangungen im Bereich bestehender Gebäude
Berlin: Beuth Verlag GmbH 6.3.5 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 36
Links:
[17] Deutsches Institut für Normung e.V. (Hrsg.) (2002)
www.archifee.de
DIN 4124 Baugruben und Gräben, Böschungen, Verbau, 6.3.6 EBB, Prof. Musso, F., München
www.bauzentrale.com
Arbeitsraumbreiten nach DIN 18300
www.heinzebauoffice.de
Berlin: Beuth Verlag GmbH
6.3.7 Lorenz, Joachim und Martina
Firmen, Verbände
Baustellenhandbuch f. d. Tiefbau, S. 76
Spundwände: www.stahl-info.de/
6.3.8 Lorenz, Joachim und Martina
Baustellenhandbuch f. d. Tiefbau, S. 78

6.3.9 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 11

Nur für Lehrzwecke © 6.3.10 EBB, Prof. Musso, F., München

Verfasser: 6.3.11 Schmitt/Heene


aus Hochbauonstruktionen, S. 11
TUM - Fakultät für Architektur
Lehrstuhl EBB 6.3.12 EBB, Prof. Musso, F., München
Arcisstr.21
80333 München 6.3.13 EBB, Prof. Musso, F., München

Univ. Prof. Florian Musso 6.3.14 Quelle nicht bekannt


Dipl. - Ing. Stefan Giers
6.3.15 EBB, Prof. Musso, F., München
Stand: 15.06.2010
6.3.16 EBB, Prof. Musso, F., München
6.3.17 Quelle nicht bekannt
EBB 09
10
23

6.3.18 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 41 TUM EBB Univ. Prof. Florian Musso
Baukonstruktion und Baustoffkunde
6.3.19 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 42 02.6 Tragwerk • Boden, Grube,
Gründung
6.4.1 Quelle nicht bekannt

6.4.2 Batran, Bläsi, Eichner, ...


Fachwissen Bau, S. 26

6.4.3 Batran, Bläsi, Eichner, ...


Fachwissen Bau, S. 26

6.4.4 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 17

6.4.5 Batran, Bläsi, Eichner, ...


Fachwissen Bau, S. 304

6.4.6 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 17

6.4.7 Alvise Zorzi


aus Venedig, S. 82

6.4.8 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 20

6.4.9 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 20

6.4.10 Quelle nicht bekannt

6.4.11 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 19

6.4.12 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 19

6.4.13 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 22

6.4.14 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 54

6.4.15 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 53

6.4.16 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 26

6.5.1 Frick/Knöll
aus Baukonstruktionslehre 1, S. 57

6.5.2 Schmitt/Heene
aus Hochbauonstruktionen, S. 27

6.6.1 Zimmermann, Astrid


aus Landschaft Konstruieren, S. 216

6.6.2 Zimmermann, Astrid


aus Landschaft Konstruieren, S. 216

6.6.3 Zimmermann, Astrid


aus Landschaft Konstruieren, S. 224

6.6.4 Zimmermann, Astrid


aus Landschaft Konstruieren, S. 224

6.6.5 Zimmermann, Astrid


aus Landschaft Konstruieren, S. 226