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Steuertricks: In diesem schäbigen Büro in Malta macht

XXX Lutz angeblich 45 Millionen Euro Gewinn


kontrast.at/xxx-lutz-steuern-malta/

12. Januar 2021 um 16:25

Von Marco Pühringer


Web Veröffentlicht am | Wirtschaft und Finanzen | Lesezeit: 5 Minuten
Die Möbelkette XXX Lutz ist mit seinem Steuersparmodell aufgeflogen. Das
Bundesverwaltungsgericht hat nun bestätigt: Tricks mit Lizenzgebühren an
eine Tochterfirma mit Sitz in Malta gelten nicht. Der Konzern muss
Millionen an Steuern zurückzahlen. Trotzdem hat die Möbelkette Anspruch
auf Staatshilfen und das, obwohl die Möbelbranche 2020 Rekordgewinne
erzielte.

XXX Lutz hat Millionen Euro an Steuern gespart, die Möbelhauskette hat seine Gewinne
einfach nach Malta verschoben. Schon 2014 deckte der Standard die XXX Lutz-Tricks
auf: Die Möbelhauskette transferiert ihre Markenrechte an die eigens dafür gegründete
XXX Lutz Marken GmbH mit Sitz in Malta und Wels. Das Unternehmen ist zu 99,5
Prozent im Besitz der XXX Lutz KG. Die zahlt dann an seine eigene Marken GmbH mehre
Millionen Euro an Lizenzgebühren zur Nutzung der eigenen Marken wie Mömax, XXX
Lutz oder Möbelix.

Das schmälerte die Gewinne und damit die Steuern in Österreich immens – statt 25
Prozent Steuern in Österreich, zahlt Lutz in Malta nur 5 % Steuern auf den Gewinn. Eben
diese Praxis erkannte das Finanzamt nicht an – ein XXX Lutz Unternehmen ging in
Revision. Der Fall ging bis zum Bundesverwaltungsgerichtshof und der entschied: Die
Lizenzzahlungen nach Malta dürfen nicht steuermindernd abgesetzt werden. XXX Lutz
muss damit mehrere Millionen Euro an Steuern nachzahlen. Das Urteil gilt für die Jahre
2008 und 2009. In diesen Jahren wurden 56 Millionen bzw. 68 Millionen Euro auf die
Mittelmeerinsel verschoben.
Bild: Google Maps

Teilzeitkräfte verwalten über 200 Millionen Euro Vermögen


Für das Bundesverfassungsgericht ist die Sache klar: Eigentümer der Marke ist in
Wirklichkeit die XXX Lutz KG. Das zeigt sich auch an der maltesischen Niederlassung:
Wichtige Entscheidungen zur Marke werden in Österreich getroffen. Im maltesischen
Büro sind nur neun Personen angestellt und das überwiegend in Teilzeit – trotzdem will
XXX Lutz dort auch noch 2019 über 295 Millionen Euro an Markenrechten verwalten.
Das Büro sieht zumindest von außen nicht nach einem hunderte Millionen Euro
schweren Unternehmen aus.
Bildquelle: Ö1, Twitter: https://twitter.com/oe1journale/status/930691739345735681

XXXL Trick auch noch 2019?


Blickt man in die Bilanz der XXX Lutz Marken GmbH, liegt der Verdacht nahe, dass noch
immer Gewinne nach Malta verschoben werden. Das Anlagevermögen der XXX Lutz
Marken GmbH beträgt 2019 laut Bilanz 295.415.017,08 davon entfallen 295.413.380,85
auf Markenlizenzen.
Das bedeutet das gesamte restliche Anlagevermögen, also ein mögliches Firmenauto,
Computer, die gesamte Betriebs- und Geschäftsausstattung sind nur rund 1.600 Euro
wert.

Trotzdem wurde dort 2019 ein Gewinn von 45,6 Millionen Euro erzielt. Der gesamte
Gewinn bis auf 7.000 Euro wird direkt an die Gesellschafter ausgeschüttet. Das Geld
landet damit über eine zwischengeschaltete Gesellschaft wieder bei der XXX Lutz KG in
Österreich. Die Steuern zahlt die XXX Lutz Marken GmbH aber auch 2019 in Malta – und
auf den ersten Blick bezahlt sie gar nicht so wenig: 24,6 Millionen Euro. Doch das muss
dank einer Besonderheit des maltesischen Rechts nicht so bleiben: Ausländische
Gesellschafter müssen zwar die übliche Körperschaftssteuer von 35 Prozent in Malta
bezahlen, können sich aber nach zwei Wochen 85 Prozent rückerstatten lassen – übrig
bleibt ein effektiver Steuersatz von 5 Prozent. XXX Lutz kann sich damit von ihren 24,6
Millionen Euro Steuern 20,9 Millionen zurückerstatten lassen.
Trotz Steuertricks hat XXX Lutz Anspruch auf XXXL-Staatshilfen
Trotz diese Steuertickserein hat die Möbelhauskette Anspruch auf Staatshilfen. Die
Regierung hat zwar angekündigt, dass Konzerne mit Sitz in Steueroasen keine Corona-
Hilfen erhalten sollen, doch die Regelung ist viel zu löchrig. So werden etwa nicht
Konzerne als Ganzes betrachtet, sondern nur antragsstellende Unternehmen. Die XXX
Lutz KG hat ihren Sitz in Österreich – auch wenn die XXX Lutz Marken GmbH von Malta
aus agiert. Abgesehen davon finden sich ohnehin keine EU-Staaten auf der schwarzen
Liste der Regierung. Malta ist also was Steueroasen anbelangt für die Regierung kein
Problem.

Möbelhäuser bekommen trotz Rekordgewinnen Steuergeld


Ob XXX Lutz Staatshilfen bekommt bzw. wie hoch diese sind, lässt sich nicht
herausfinden. Die Hilfen werden über die Covid 19 Finanzierungsagentur GmbH (Cofag)
abgewickelt, wer wieviel bekommt, bleibt für die Öffentlichkeit ein Geheimnis. Prinzipiell
hatte XXX Lutz Anspruch auf Kurzarbeit für seine Mitarbeiter, den Ersatz von 20 Prozent
des Umsatzes aus Möbelverkäufen und 80 Prozent des Umsatzes aus den Restaurants.
Zusätzlich konnte das Unternehmen Fixkostenzuschuss etwa für seine Mietausgaben
beantragen. Diese großzügigen Hilfen aus Steuergeld konnte die gesamte Möbelbranche
in Anspruch nehmen, obwohl das Krisenjahr für sie alles andere als schlecht lief. Die
Möbelbranche machte 2020 um 5 Prozent mehr Umsatz als 2019 – jetzt kommt der
Umsatz-Ersatz oben drauf. Hinzu kommt, dass Möbel im Gegensatz zu Lebensmittel oder
Dienstleistungen nachkonsumiert werden: Nach dem Lockdown lässt man sich nur
einmal die Haare schneiden, ein Schnitzel, das nicht verkauft wurde, wird nicht später
gegessen, aber eine Couch, die im November nicht gekauft wurde, wird sehr wohl später
verkauft.

ÖVP schützt Steuertrickser auf EU-Ebene


Ein Unternehmen, das den Staat aufwändig austrickst und seine Steuern drückt, hat jetzt
also Anspruch auf Steuergeld. Noch dazu ein Unternehmen aus einer der wenigen
Branchen, die trotz Krise bessere Umsätze macht. Gleichzeitig darf die Öffentlichkeit
nicht erfahren, wie viel genau XXX Lutz bekommt. Nicht das erste Mal, dass ein ÖVP-
Finanzminister XXX Lutz zur Seite springt. So stemmten sie sich gegen das sogenannten
„Country-by-Country-Reporting“ auf EU-Ebene

Konzerne mit einem Umsatz von über 750 Millionen Euro müssen der EU-Kommission
melden, wie viele Steuern sie in jedem Land zahlen. Die Kommission wollte diese
Information für alle Bürger zugänglich machen. Es ging dabei nicht einmal um höhere
Steuern oder das Schließen von Steuerschlupflöchern, sondern lediglich um Transparenz.
Doch das ging der ÖVP zu weit. Einer der ÖVP-Finanzminister, die das blockierten: Hans
Jörg Schelling, seines Zeichens ehemaliger Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzender
von XXX Lutz.
Das Thema "Steuern" im Parlament

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