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Der goldne Topf – Veronika

 Veronika Paulmann (16) , Schwester (12 Jahre), Wohnt in Pirnaer Vorstadt Dresden
 Älteste Tochter von Konrektor Paulmann
 Gegenfigur zu Serpentina, verkörpert bürgerliche Welt und ihre Ideale
 Verliebt sich in A., der Aussicht auf Stelle als Hofrat hat
 Hauptziel: Frau eines Mannes zu werden mit hohem gesellschaftlichen Status zu
werden
 Später mit Heerbrand zufrieden
 wird recht oft hübsch genannt
 Dunkelblaue Augen, schöne Stimme
 Versucht A. für sich zu gewinnen, interessiert sich nicht wirklich für Person
 Mögl. Standeserhöhung durch Heirat mit A., wenn dieser Hofrat wird
 Interesse wächst erst, als sie bei einem Gespräch von Konrektor Paulmann und
Registrator Heerbrand mithört
 Sieht ihn nur verändert in ihren Tagträumen = kein Interesse
 Ihrem Bestreben geht sie sehr konsequent, egoistisch und rücksichtlos nach
 Freundin Angelika schickte zur alten Frau (Hexe)
 Besucht Rauerin/Hexe und ist sich bewusst, dass sie mit unfairen Methoden
agiert.
 Bei Herstellung des Spiegels verschwindet Angst vor schwarzer Magie
 Kein schlechtes Gewissen, noch Hinterfragung des Handelns
 Nur Ziel vor Augen
 Während Beeinflussung A. nur auf eigenen Vorteil bedacht
 Für V. Kunst/musizieren nur eine Abwechslung im Alltag, die keinen höheren Zweck
erfüllt
 Mit der Einstellung wird sie A. nicht halten können, da dieser künstlerisch veranlagt ist
-> wird Teil dieser poetisch-magischer Welt

Veronikas Tagtraum:

Veronikas innerer  Sieht sich als Anselmus erscheint, Veronika träumt


Monolog geht in Anselmus‘ Veronika nimmt ihn „in erneut, nimmt aber
einen Tagtraum Ehefrau, der seinem ganzen Wesen eine feindselige
über Hofrat ist verändert“ wahr Gestalt wahr, die
 Träumt sie  Grenze gemein lacht und
lebe im zwischen mit ihr spricht.
teuersten Tagtraum und Sie meint Anselmus
Viertel Wirklichkeit liebe sie nicht und
Dresdens verschwimmt werde sie nicht
und trage die Veronika sieht ihn als heiraten.
teuerste angehenden Hofrat, er
Kleidung küsst ihre Hand und
 So im Traum verschwindet schnell
gefangen,
dass sie
meint es sei
real
Glück Wohlbefinden Emotionale Erregung Wohlbefinden
verschwindet „Ein
Eisstrom ergießt sich
 Vater meint sie habe Anfälle wie der Anselmus, reagiert nach dem zweiten Traum
zornig und verlässt das Haus
 V. zweifelt ersten Traum an, ihr begegnet die Gestalt aber weiter im Zimmer, sie ist
höhnisch und meint, Anselmus werde sie nicht heiraten. Nur Veronika nimmt sie
wahr.
 Tagtraum wird zum Alptraum
 Emotionen, Ängste, Zweifel beeinflussen ihr Bewusstsein und Wahrnehmung so
stark, dass ihre Selbstzweifel ihr als Gestalt erscheinen.
 Gestalt verschwindet erst mit Ankunft der Freundinnen -> V. interpretiert die Träume
und das Erlebnis und passt es den Bedingungen an

Illusionen und Wirklichkeit – Verwandlungsprozesse und Perspektivwechsel:

 „Der Herr ist wohl nicht recht bei Troste“ so oder so ähnlich ist die übliche Reaktion
der bürgerlichen Welt auf Anselmus‘ „Ausbrüche“
 Dies reicht, um ihm die gewohnte Realität zu vergegenwärtigen und ihn zu
ernüchtern
 War sich seines Tuns und Treibens nicht recht bewusst („A. war es, als würde er aus
einem tiefen Traum gerüttelt oder gar mit eiskalten Wasser begossen..“); wird durch
philisterhafte Stimme der Vernunft, mall verkörpert durch eine ehrbare
Bürgerfrau/Konrektor Paulmann, aus seinen Träumen gerissen
 Auf Ernüchterung folgt Desillusionierung: „nun sah er erst wieder deutlich, wo er
war…“
 Wahrnehmung bewegt sich zeitweise auf Grenze zw. Illusion und Wirklichkeit
 Wahrnehmungserlebnisse =Ergebnis von Interpretationen, Wahrnehmung kann sich
je nach Perspektive, die der Beobachter einnimmt ändern
 Bewusstseinsinhalte, unserer Erlebniswelt also unserem Geist hervorgebracht
wird
 Bei Interpretation von Sinneseindrücken spielen Faktoren wie Emotionen,
gesellschaftliche Determination (=Bestimmtheit) eine Rolle
 Starke Selektion im Wahrnehmungsprozess
 Evtl. rückwirkende Uminterpretationen des Wahrgenommenen

Veronikas Tagtraum:

 Nicht nur A. muss sich mit Existenz des Wunderbaren (Als Illusion o. faktische
Wirklichkeit) auseinandersetzen
 Auch Angehörige der bürgerlichen Sphäre
 U. a. Veronika
 Lässt sich von lebhaften Fantasien mitreißen, sodass diese schließlich real
erscheinen
 Als sie über die fantasierten Ohrringe, Geschenke in Verzückung gerät, dass sie lau
„ach die schönen, niedlichen Ohrringe“ ruft, sogar aufspringt um die erdachten
Schmuckstücke wirklich im Spiegel zu bewundern, reizt dies ihren Vater Konrektor
Paulmann zu dem Ausspruch „man hat ja Anfälle wie der Anselmus“
 So gefangen von Träumereien, dass sie in ihren Augen Wirklichkeit werden
 Und das, obwohl sie weder von Natur aus Halluzinationen neigt, im
Gegensatz zu Anselmus, dessen „poetisches Gemüt“ ihn dafür zu
prädestinieren (=in so hohem Maße für etwas geeignet, dass es
vorherbestimmt scheint) scheint, noch unter dem Einfluss halluzinogender
Stoffe steht
 Nach heutigen Erkenntnissen nicht weiter verwunderlich, denn sogar vollständig
halluzinierte Zustände werden körperlich erlebt -> kein Bedarf an psychischer
Störung, halluzinogener Drogen o. Traumerlebnisse
 Neurobiologische Versuche können belegen, dass bei imaginären Vorgängen der
gesamte sensorische Apparat in Gang gesetzt wird, der die Analyse des
ursprünglichen Sinnesreizes vorgenommen hat
 Bewusstsein greift auf eine Art Erinnerung zurück, ein im Gedächtnis bereits
gespeichertes Modell, was vom Gehirn abgerufen werden kann und sich bei seiner
Aktivierung kaum von einem unmittelbaren Wahrnehmungsprozess unterscheidet.
 V. erlebt ihre Träumerei als wirklich real und ist sogar in der Lage „halluzinierte“
Ohrringe zu sehen.
 Im nächsten Moment: Anselmus tritt durch Tür, V. sieht ihn in seinem ganzen Wesen
verändert
 Verwischung d. Grenze zwischen (Tag-)Traum und Wirklichkeit
 In A. Verhalten erkennt V. bereits den angehenden Hofrat, auch er scheint Interesse
an ihr zu zeigen
 In ihren Hoffnungen bestätigt und durch A. galantes Verhalten und zärtlichen Blick,
befindet sich V. in einem Zustand emotionaler Erregung
 Folgender Abschnitt: Verwandlung des Tagtraums in Alptraum
 Starken Emotionen, die sich in ihr regen, beeinflussen ihre Wahrnehmung so, dass
ihre Selbstzweifel, die zuerst bildhaft in Form einer weißen Gestalt, die in ihrem
Inneren zu ihr spricht, auftauchen, sich schließlich in ebendieser manifestieren,
materialisieren und Veronika aus allen Ecken des Zimmers verspottet/verhöhnt
 Hinter jedem Ding, das V. wegrückte, sprang die Gestalt wie ein Alräunchen hervor
und lachte höhnisch und schlug mit den kleinen Spinnenfingern Schnippchen und
schrie „Er wird doch nicht dein Mann!“…
 Verflüchtigt sich erst, als durch Ankunft der Freundinnen unterbrochen wird

„und in dem Augenblick wurde nun auch Veronika gewahr, dass sie den Ofenaufsatz für eine Gestalt und das
Knarren der übel verschlossenen Ofentür für die feindseligen Worte gehalten hatte.“

 Passt Erlebtes Rahmenbedingungen an, Umgebung verliert Schrecken und alles


nimmt normale Gestalt an
 Veronikas Emotionen, ihre Ängste und Zweifel sind es, die ihr Bewusstsein derart
beeinflussen, dass ihre Wahrnehmung sich an der Grenze zur Illusion bewegen. Als
ihre Aufmerksamkeit von der Selbstwahrnehmung und dem Blick nach innen auf
einen äußeren Reiz gelenkt wird, ändert sich auch ihre Stimmungslage, wenn auch
langsam, und ihre veränderte Wahrnehmung führt zu einer neuen Interpretation des
Wahrgenommenen. Die scheinbare Verwandlung der Gegenstände resultiert also
aus einem Wechsel der Perspektive.

Serapionistisches Prinzip

 Der Terminus serapiontisches Prinzip lässt sich auf den Einsiedler Serapion
zurückführen, der im vierten Jahrhundert in Ägypten lebte.
 Hoffmann erwähnt ihn im Eingangsgespräch; Er konstruiert sogar eine Geschichte
um einen Einsiedler, der sich für Serapion hält, die allerdings zunächst ohne Titel
bleibt. Die Gründe, sich gerade diesem Prinzip zu verpflichten, sind in seinem
eigenen Leben und dem Zeitgeist der Romantik verankert.
 Das serapiontische Prinzip gibt sowohl formale Richtlinien an als auch inhaltliche
Anforderungen, die damals aber wohl nicht als Formkatalog oder Vorschrift zu sehen
waren; die meisten literarischen Werke der Romantik aber können im Nachhinein
dem Prinzip untergeordnet werden.
 Die zwei vordergründigsten Postulate sind die Vorrangigkeit des Visuellen und die
Einflechtung des Phantastischen.
 Die sechs Freunde des Erzählzirkels diskutieren an ihren gemütlichen Abenden die
Einzelerzählungen der Serapionsbrüder auch nach solchen Gesichtspunkten. In
dieser Funktion stellt das serapiontische Prinzip also auch den Ausdruck einer
speziellen Welt- und Kunstanschauung dar.

Das serapiontische Prinzip umfasst einen Katalog von Einzelaspekten, die zum Teil in der
Sekundärliteratur, die durch die sechs Freunde in der Erzählung angesprochen werden:

(1) Der gestaltungsästhetisch-formale Aspekt: Formal sollte eine Erzählung aus einer
Einheit bestehen, ein übergeordnetes Thema haben; Man soll sich über das Detail einen
Gesamteindruck verschaffen, der wichtiger ist als jede Einzelheit für sich. Als Antwort darauf
kann man die große Beliebtheit von Sammelbänden gerade in der Romantik zurückführen.
Diese Forderung nach Einheit basiert auch auf der Idee der Gleichgewichtung von Sprache
und erlebter Geschichte, von innerer und äußerer Welt, die eben nur so möglich ist. Aus
diesem Grund sollte an einem Werk auch immer nur ein Künstler arbeiten, wie E.T.A.
Hoffmann Cyprian, einen der Freunde erklären lässt.

(2) Der Aspekt der Gleichgewichtung: Grundsätzlich gehen die Serapiontiker von einer
Dichotomie von „Innenwelt“ und „Außenwelt“ aus, die es gleich zu gewichten gilt, wie im
Freundeskreis diskutiert wird. Die Innenwelt ist eine Welt reiner Fantasie und Imagination,
die den Dichter / Schriftsteller aber auch in sich gefangen hält und letzten Endes wahnsinnig
macht, ein Schicksal, das auch den antiken Namensgeber traf.

Die Außenwelt ist pure Realität. Lebt man ausschließlich in ihr, verkümmert der Geist, das
Leben schrumpft zur Banalität.

Die Gratwanderung dazwischen ist also der Anspruch des serapiontischen Prinzips. Die
frühromantische Vorstellung der Duplizität von Alltag und Fantasie erweitert Hoffmann in den
Serapionsbrüdern noch um eine Dimension, indem er immer wieder Alltag und historische
Fakten der Fantasie gegenüberstellt. Imagination ist also lebensnotwendig, aber ebenso die
rationale Kontrollfunktion.

(3) Der kreative, schöpferische Aspekt: Inhaltlich ist die oberste Devise der Serapiontiker
das Prinzip des „wahren Schauens“. Bilder müssen so verinnerlicht werden, dass sie
innerhalb des Erzählrahmens nicht mehr bloße Reproduktion sind, sondern wirklich vor dem
inneren Auge des Erzählenden aufgegangen sind.

(4) Der Modus des Schaffens: Grundlage jeder serapiontischen Erzählung ist primär und
bevorzugt ein visueller Reiz in allen Farben und Formen. Die Bilder vor dem inneren Auge
sind dann Fantasieprodukte basierend auf den aufgenommenen Eindrücken. Hoffmann
selbst bezeichnet diesen Prozess als „bildkräftige, imaginierende Fantasie“, welche die
Königsdisziplin der Serapiontiker darstellt.
(5) Serapiontische Verarbeitung von Historie: Als Grundlage der „visionären Imagination“,
wie sie Hoffmann selbst bezeichnet, kann auch eine andere Grundlage als ein visueller Reiz,
etwa eine historisch-literarische Vorlage, dienen. Diese farbenprächtige Schilderung mit viel
Liebe zum Detail, die imaginierten Dimensionen und die grenzwertige Gewichtung von
innerer und äußerer Welt sind typisch serapiontisch.

(6) Aspekt der Wahrhaftigkeit: „Erleben“ bedeutet für Serapiontiker nicht notwendigerweise
das persönliche Erfahren, sondern die Fähigkeit zur Imagination. Jedoch soll der Dichter nur
das äußern, was er „wahrhaftig“ geschaut hat.

(7) Der Glaubensaspekt: Was der Dichter innerlich gesehen hat und erzählt, sollte er auch
glauben. Er sollte also nicht entgegen seiner inneren Einstellung schreiben. Wenn sich der
Glaube nicht mit den Erfahrungen der Realität vereinbaren lässt, sollten sich Charaktere
wiederfinden, die beides in sich tragen, damit man zumindest die Möglichkeit des Glaubens
hat. Hoffmanns Protagonisten sind in der Tat oft zwischen Glaube und Zweifel hin- und
hergerissen.

(8) Detailtreue: Hoffmann als vielseitiger Künstler betont, dass man ein Kunsthandwerk nur
dann gut ausüben kann, wenn man die Technik dazu beherrscht. Wenn man das Imaginierte
nun einem Gegenüber näher bringen will, so muss man äußerste Genauigkeit und Detailfülle
anwenden und viele Einzelheiten ausführen. Die Beschreibung von Gerüchen, Formen,
Farben, Empfindungen, Licht, Schatten und Geräuschen dient zur Schaffung eines
Einzelbildes. Insofern kann das serapiontische Prinzip durchaus auch als synästhetisches
Prinzip gewertet werden.