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Vor Lindhorsts Hautür

Abi Box, S.102, Nr.2: Ordnen Sie diesen Deutungsversuch auf der „Himmelsleiter“
ein und leiten Sie aus Ihrer Voraussagen über weitere Entwicklungsnotwendigkeiten
der Märchenerzählung ab.

Himmelsleiter: „Es kann aber auch sein“, sprach der Student Anselmus zu sich selbst,
„dass der superfeine starke Magenlikör, den ich bei dem Monsieur
Romantiker Conradi etwas begierig genossen, alle die tollen Phantasmata
(Traumbilder)geschaffen, die mich vor der Haustür des Archivarius
Lindhorst ängsteten.“ (Z.1196-1199)

Diesen Deutungsversuch kann man der zweiten Sprosse von unten


zuordnen, welche näher an der Welt der Philister dran ist, denn aus
diesem Deutungsversuch wird deutlich, dass der Protagonist,
Anselmus, an der magisch-fantastischen Welt zweifelt, denn er sagt,
dass der Magenlikör von Monsieur Conradi an seinen „Phantasmata“
schuld sei. Dementsprechend verhält er sich in dieser Situation so, wie
es in dem Fragment „Blüthenstaub 77“ von Novalis beschrieben wird.
Somit liegt der Fokus der Philister auf der wahrnehmbaren Welt und
alles, was über das Natürliche hinausgeht, wird von den Philistern nicht
wahrgenommen. Dazu gehört ebenso der übermäßige Alkoholkonsum.
Er möchte sein Erlebnis also nicht wahrhaben und wendet sich von dem
Fantastischen ab. Allerdings lässt sich sagen, dass Anselmus einer
Ambivalenz der beiden Bereiche unterlegen ist, weshalb immer wieder
Dinge im Laufe der Handlung vorkommen, die ihn um ein bis zwei
Sprossen nach oben verleihen. Betrachtet man allerdings nur diese
Textstelle, lässt sich daraus schließen, dass der Student Anselmus sich
nun Richtung der Welt der Philister begibt, denn er schiebt die Schuld
Philister auf andere Dinge und möchte es nicht wahrhaben, dass er so etwas
erlebt hat.

Da es sich allerdings bei der Novelle „Der goldne Topf“ um ein


(Wirklichkeits- o.a. Kunst-) Märchen handelt, behandelt es Themen des
Wunderbaren, Zauberhaften und Fantastischen und ist satirisch und
sozialkritisch/gesellschaftskritisch. Und gerade, weil die Gesellschaft in
dieser Novelle voll mit Philistern und wenig mit „Romantikern“ besetzt
ist, ist die Entwicklungsnotwendigkeit der Märchenerzählung die, dass
der Protagonist, der beiden Welten/Bereichen angehören kann, die
„Leiter hinauf steigt“. Denn wenn es sich anders entwickeln würde und
er die Sprossen nach und nach runter gehen würde, dann wäre es keine
Entwicklung und ebenso wäre es nicht
gesellschaftskritisch/sozialkritisch.

Wenn man die ganze Novelle in Betracht zieht, dann kann man sagen,
dass Anselmus immer wieder zwischen den Sprossen springt, zum
Schluss allerdings den Sprung der höchsten Sprosse erlangt, sodass
man ihn dann der Welt der Romantiker zuordnen kann.