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Tipps & Tricks

Kurz, klar, hilfreich:


Nützliche Hinweise
aus der Zeichenpraxis
unserer Künstler

200412225753A6-01 am 12.04.2020 über http://www.united-kiosk.de


Tipps & Tricks

Inhalt
Erst die Grundform, dann die Details� � � � � � � � � � � � � 3
Objekte staffeln statt aufreihen � � � � � � � � � � � � � � � � � � 4
Zwischentöne mit Farbstift � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 5
Wie Perspektive wirkt:
Augenhöhe oder Frosch� � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 6
Urban Sketching: Seite 7
Nützliches zum Aquarellieren unterwegs � � � � � � � � 7
Gekonnt schattieren:
So geht das mit dem Papierwischer � � � � � � � � � � � � � � 8
Farbstifte lasieren � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 9
So bleibt Ihre Zeichnung sauber � � � � � � � � � � � � � � � � 10
Mehr sehen als zeichnen � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 11
Weiß auf Weiß, wie geht das? � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 12
Der Trick mit dem Blick � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 13
Mit einem Auge sieht man mehr� � � � � � � � � � � � � � � � 14
Spiegelungen erzeugen Wasserflächen � � � � � � � � � 15
Der Papierwischer als Zeichenwerkzeug � � � � � � � � 16
3D-Effekte in ornamentalen Tangle-Designs � � � � 17 Einfluss von außerhalb � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 29
Harmonisch mit Komplementärfarben � � � � � � � � � � 18 Ehrgeiz und Radierer beiseite! � � � � � � � � � � � � � � � � � � 30
Nicht gegen den Strich � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 19 Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte … � � � � � � � � � � � � 31
Verwischen und Radieren � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 20 Warmes Grau und kaltes Grau � � � � � � � � � � � � � � � � � � 32
Farbig vorzeichnen � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 21 Kleine Übung, klare Kante � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 33
Von der Scheibe zur Kugel� � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 22 Der Fisch in seinem Element� � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 34
Blütenform und Silberglanz � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 23 Schatten oder kein Schatten?� � � � � � � � � � � � � � � � � � � 35
Zwischendurch aufstellen! � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 24 Helles Motiv – dunkler Hintergrund � � � � � � � � � � � � � 36
Präzise radieren mit dem Radierstift � � � � � � � � � � � � 25 Gerade anspitzen!� � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 37
Malerisch mit Bleistift � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 26 Mürrische Katze, freundliche Katze � � � � � � � � � � � � � 38
Freiraum für die Landschaft � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 27 Der Weg durchs Bild � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 39
Den Blick übers Bild hinausführen � � � � � � � � � � � � � � 28 Kräftigere Töne � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 40
Luftperspektive extrem � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 41
Aus der Finsternis ans Licht … � � � � � � � � � � � � � � � � � � 42
Aus Farbstrichen wird ein Motiv � � � � � � � � � � � � � � � � 43
Kugel oder Tunnel? � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 44
Seite 11 Lieber ungerade! � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 45
Schattieren mit Bleistift � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 46
Texturen einfach abreiben � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 47
Raus aus der Mitte! � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 48
Lichtstimmung mit Schlagschatten � � � � � � � � � � � � � 49
Hoher Himmel, weites Land � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 50
Tiefenwirkung in platter Landschaft � � � � � � � � � � � � 51
Perfekt oder unvollkommen? � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 52
Papier zeichnet mit! � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 53
Lebendiges Fell � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 54

Impressum � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � 55

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Tipps & Tricks

Erst die Grundform, dann die Details


Glücklich ist, wer Stift und Zeichenblock nicht vergisst auf seinem Sommerspazier-
gang� Die zauberhafte Blüte der Klematis beispielsweise lädt sofort zum Zeichnen ein�
Und wie beginnen? Bitte nicht mit Details wie einem einzelnen Blütenblatt� Zunächst
brauchen Sie die Grundform, um die Einzelheiten in der richtigen Proportion und
Perspektive einpassen zu können� Mit dem Blick senkrecht von oben ist das einfach:
Die Blüte hat eine ungefähre Kreisform� Interessanter jedoch ist die Schrägansicht�

A B
In der perspektivischen Verkürzung wird die Blüten- Nach dem kräftigen Zeichnen der Konturen sind die Hilfslinien
mitte zum Oval (A). Wenn Sie nun die Blütenspitzen überflüssig. Wischen Sie einfach mit dem Knetgummiradierer
in einen groben Rahmen setzen, ist der erste Schritt über die gesamte Zeichnung (B). Die Umrisse bleiben sichtbar,
getan. Die „Strahlen“ sind unterschiedlich lang, und die schwächeren Hilfslinien verschwinden.
Sie wissen auch, wie sie platziert werden sollen.

Warum also von Grob zu Fein, von der


Und noch etwas: Wenn man ein Detail nach Grundgestalt zum Detail zeichnen?
dem anderen zeichnet, fast fertig ist und erst
dann bemerkt, dass etwas Grundlegendes • Weil Sie gleich am Anfang erkennen, ob
nicht ganz stimmt: Wer will dann schon wieder Proportionen und Perspektive stimmen;
ganz von vorne anfangen? • weil Sie die Sache mit ein paar Strichen
verbessern können;
Dieser Tipp gilt natürlich nicht nur für Blumen, • weil die Details ihren richtigen Platz finden;
sondern für jede Art von Motiv und ist auch für • weil Sie in jeder Phase den Überblick haben;
Kompositionen ganz wichtig� • weil Sie dann auch Licht und Schatten mit Blick
aufs Ganze verteilen können�

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Tipps & Tricks

Objekte staffeln statt aufreihen

In der natürlichen Landschaft stehen Bäume nur selten


in Reih und Glied nebeneinander. Selbst wenn das der
Fall sein sollte: In der Zeichnung würde die soldatische
Aufstellung langweilig wirken.

Alleine schon mit unterschiedlichen Abständen und Größen


bringen Sie mehr Leben und Spannung in das Grüppchen.
Doch immer noch fehlt Räumlichkeit.

Stellen Sie die Bäume deshalb gestaffelt auf. Die Platzierung


der Stämme und die Überschneidungen erzeugen zwingend
ein Davor und Dahinter und damit ein räumliches Bild.

Noch spannender wird alles mit einem Hügel im Gelände,


sofern dies nicht im Widerspruch zum Landschaftstyp steht.
Wenn Sie den einen oder anderen Baum dann noch hinter
die Kuppe stellen, haben Sie eine perfekte kleine Studie.

Wenn es sich nicht gerade um eine Allee handelt, sollten Sie die Bäume
in künstlerischer Freiheit so pflanzen, dass es der Zeichnung gut tut.
Dieser Tipp gilt natürlich nicht nur für Bäume, sondern für jede Art von
Motiv und ist auch für Kompositionen besonders wichtig.

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Tipps & Tricks

Zwischentöne mit Farbstift


Mit einer ganz einfachen Methode brin- mit einer dunkleren Farbe lasierend da- gen einen freundlichen Zwischenton�
gen Sie leuchtende Zwischentöne und rüber� Lasieren heißt, die Farbe nicht Das funktioniert allerdings nur auf einer
frische Farben in Ihre Farbstiftzeich- deckend, sondern so locker aufzutra- hellen Grundierung� Umgekehrt (hell
nung: Grundieren Sie den Bereich in ei- gen, dass der Untergrund durchschim- auf dunkel) stumpft die Farbe ab�
ner hellen Farbe und schraffieren Sie mert� Die beiden Farbschichten erzeu-

Eine gute Farbkombination ist beispiels- Das Grün wird heller und frischer – ideal für junge
weise Rot oder Grün auf Gelb. Dabei erhält Blätter. Schraffieren Sie zunächst schwach, dann
der Rotton eine orangefarbene Nuance. gegebenenfalls kräftiger. So nähern Sie sich dem
dem gewünschten Ton an.

Außerdem kann die Grundtönung auch die


Atmosphäre einer Zeichnung mitbestim-
A men. Auf Rosa oder Rot als Grundton wirken
die darüber liegenden Farben wärmer und
„näher“ (A), auf einer hellblauen Grundie-
rung kühler und distanzierter (B). Vorausset-
zung für ein schönes Ergebnis ist natürlich,
dass Grundton und Lasur miteinander har-
monieren. Einfach ausprobieren!

B
Warum also grundieren und lasieren?
• Sie bringen schöne Zwischentöne und
feine Abstufungen ins Bild�
• Je nach Grundton wird die Farbigkeit frischer,
wärmer oder kühler�

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Tipps & Tricks

Wie Perspektive wirkt: Augenhöhe oder Frosch


Spontan würde man ein Motiv immer aus der Perspektive Himmel die Erde berührt oder berühren würde, wenn die
zeichnen, die sich sozusagen auf den ersten Blick anbietet� Aussicht nicht verstellt wäre� Diese waagerechte Linie wird
Bisweilen wirkt ein Motiv jedoch viel spannender, wenn Sie Horizontlinie genannt� Die Festlegung hängt eng mit der
es von einem ungewöhnlichen Blickpunkt aus zeichnen� Wahl des Blickpunktes zusammen, jenem Punkt, von dem
Legen Sie zunächst fest, wo der Horizont verläuft, wo also der aus der Betrachter die Szene sieht�

Aus der Vogelperspektive betrachtet,


auch Obersicht genannt, verschiebt
sich die Horizontlinie nach oben (A1).
Der Himmel nimmt weniger Raum im
Bild ein. Dieser Blickpunkt nimmt die
ganze Szene in den Blick, gut zu sehen
an dieser Zeichnung der Kreidefelsen
auf Rügen (A2).
A1 A2

Betrachten Sie ein Objekt oder eine


Szene aus Augenhöhe, also aus der
Normalperspektive, liegen auf dieser
Höhe automatisch auch Fluchtpunkt
und Horizontlinie (B1).
Die Zeichnung zeigt die Landschaft
also genau so, wie der Wanderer die
Windmühlen erblicken würde (B2).
B1 B2

In der Froschperspektive - Fotografen


nennen das die Untersicht - befindet
sich das Auge weit unterhalb der
normalen Augenhöhe (C1).
Mit Blick von unten nach oben wirkt
ein Bergdorf zum Beispiel massiv,
mächtig oder auch bedrohlich (C2).

C1 C2

Die Wahl des Blickwinkels bestimmt also die Komposition


und die Atmosphäre einer Zeichnung� Ob klein oder haus-
hoch: Ein und dasselbe Motiv kann von unterschiedlichen
Blickpunkten aus betrachtet unterschiedlich wirken�

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Urban Sketching:
Nützliches zum Aquarellieren unterwegs
Eine interessante Szene, ein wenig Zeit, Block und
Stift – fertig ist die Skizze. Und fürs schnelle Kolorieren

Foto: Winsor & Newton


sind Aquarellfarben eine interessante Alternative zu
Farbmarkern. Dazu reicht ein Mini-Aquarellkasten und
ein kleiner Pinsel. Vielleicht finden Sie dann noch ein
Café mit Fensterplatz und Blick auf die Szenerie.

Skizziert wird am besten mit dem Bleistift oder einem wasser- Das Papier hier ist ein Bristol-Karton, 250 Gramm, dünne-
festen Fineliner. Wenn Sie die Zeichnung später detailliert res Papier würde sich wellen. Für Ihre Aquarellfarben gibt
ausarbeiten wollen, empfehlen wir Ihnen ein zusätzliches es kleine Kästen mit acht bis zwölf kleinen Näpfen; einige
Foto, dem Sie Einzelheiten entnehmen können. Modelle verfügen sogar über einen kleinen Wassertank
(siehe oben). Ansonsten haben Sie einen Plastikbecher
und eine Wasserflasche dabei, oder bitten den freund-
lichen Kellner darum.

Urban Sketching macht Spaß, und wenn


das Wetter mitspielt, sollten Sie sich ruhi-
gen Gewissens ein bisschen Zeit nehmen,
um auch die farblichen Eindrücke aus Ihrer
Umgebung festzuhalten. Und scheuen Sie
sich nicht davor, Leute zu zeichnen!
Vielleicht kommen Sie dann auch mit an-
deren Sketchern ins interessante Gespräch.

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Tipps & Tricks

Gekonnt schattieren:
So geht das mit dem Papierwischer
Mit dem Papierwischer lassen sich Bleistiftschraffuren sehr nannt) ist eine gerollte, in sich verklebte Papierrolle mit einer
gezielt verwischen oder verdichten. Dabei reiben Sie den Spitze, die deshalb detailliertes Arbeiten ermöglicht.
Graphit druckvoll in die Poren des Papiers hinein: Die win­ Mit ihm fahren Sie mit gleichmäßigen Druck über die Schraf­
zigen, bisher unbedeckten Vertiefungen erhalten Farbe und fur. Für größere Flächen halten Sie den Papierwischer flach,
die Bereiche zwischen den Schraffurstrichen werden gleich­ so dass der Kegel vorne ganz aufliegt. Mit dem steil gehalte­
mäßig eingefärbt. Der Papierwischer (auch Estompe ge­ nen Papierwischer bearbeiten Sie Einzelheiten.

Das Verwischen funktioniert nur bei Schraffuren mit


weichen Stiften. Dafür können Sie auch den Finger,
ein Wattestäbchen oder ein weiches Papiertuch
nehmen. Wenn es z. B. um Details wie feine Ränder
geht, empfiehlt sich der steil gehaltene Papier­
wischer. Flach gehalten für Flächen.

Auf diese Weise können Sie beispiels­


weise einen Hintergrund vereinheit­
lichen, aber auch, mit sanfterem Druck,
einer Schraffur Fülle geben, so wie
dem Fell des Esels in der Ausgabe
Nr. 15 von Freude am Zeichnen.

Hier sehen Sie den Unterschied vor und


nach dem Verdichten: In Bild A wurde
das Motiv mit harten Strichen schraf­
fiert, in Bild B füllen sich die weißen
Zwischenräume der Fellschraffur mit
einem schwachen Grau.

Die Schwarz­Weiß­Kontraste werden ab­


gemildert und das Fell wirkt natürlicher.
A
Wenn Sie die Schraffuren in den Schatten­
bereichen stärker verdichten und im
Licht heller belassen, arbeiten Sie zu­
B gleich die Form plastisch heraus.

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Tipps & Tricks

Farbstifte lasieren
Beim realistischen Zeichnen mit Farbstiften werden Sie kaum jemals einen Bereich
mit nur einer einzigen Schraffurschicht färben, sondern mehrmals über die Grundie-
rung schraffieren� Wenn Sie dabei mit unterschiedlichen Farben arbeiten, kommt es
auf den richtigen Farbaufbau an� Die einfache Regel lautet: Beginnen Sie mit der
hellsten Farbe und zeichnen Sie immer mit einer dunkleren Farbe darüber�
Warum das wichtig ist, sehen Sie an diesen Beispielen.

Falsch: Richtig:
So sieht es aus, wenn Sie mit hellen auf dunk- Auf der gelben Farbfläche setzen sich die braunen
len Schraffuren zeichnen. Um das Gelb über- Schraffurstriche klar ab. Sie müssen gar nicht stark an-
haupt sichtbar zu machen, müssen sie stark drücken. Beim einmaligen Schraffieren hellen sich die
andrücken. Dann jedoch nimmt der gelbe braunen Striche auf und das Gelb blitzt dazwischen
Stift das Braun mit, die Farben verschmieren. durch. Auch beim mehrmaligen Schraffieren spielt das
Gelb noch mit und lässt das Braun wärmer erscheinen.

Richtig:
Im Übergang von der blauen Schraffur Und hier noch ein Beispiel dafür,
zu gelben Grundierung zeigt sich ein wie realistisch das Ergebnis aus-
zarter Grünton. sehen kann.

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Tipps & Tricks

So bleibt Ihre Zeichnung sauber


„Das Berühren von Papieren mit den Pfoten ist verboten!“ sagte be-
reits der Dichter Joachim Ringelnatz (oder war es Heinz Erhard?),
spricht im Original allerdings von „Figüren“ anstatt von Papieren,
doch fürs Zeichnen ist dieser kleine Merksatz von großer Bedeutung�

Bitte legen Sie die Hand nie direkt auf, sondern schieben
immer ein anderes Blatt Papier dazwischen (A).
Denn Zeichenpapier ist empfindlich. Auch auf der sau-
bersten und trockensten Haut liegt ein unsichtbarer Film
aus Feuchtigkeit und Hautfett, der schon bei leichter
Berührung und Bewegung auf dem Papier seine Spuren
hinterlässt.

Auf weißem Papier merkt man das erst später, wenn es


den Zeichenstrich ungleichmäßig annimmt. Noch be-
denklicher ist die Handauflage dort, wo schon gezeich-
net wurde und die Striche verschmieren.

Aus dem gleichen Grund sollten sie keine Radier-


krümel (oder gar Graphit- oder Kohlestaub) mit
der Hand wegwischen. Nehmen Sie dazu einen
sauberen, fülligen Pinsel, der immer griffbereit
sein sollte und den sie vorsichtshalber für nichts
anderes verwenden (B).

Wegpusten ist übrigens auch keine Lösung, Sie


könnten ihr Bild versehentlich befeuchten.
Beim Abklopfen schließlich bleiben oft feine Krü-
mel hängen, die später den feinen Strich stören.

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Tipps & Tricks

Mehr sehen als zeichnen


Ein genaues Hinsehen ist immer der erste Schritt� In der
Zeichnung selbst müssen Sie jedoch keineswegs alles
zeigen, was Sie im Motiv erblicken� Bei vielen Motiven
bietet es sich an, unwesentliche Elemente gezielt weg-
zulassen, also viel weniger zu zeichnen, als Sie sehen�
Damit setzen Sie erstens Schwerpunkte und zeigen,
worauf es Ihnen beim Motiv ankommt und was die
Zeichnung aussagen soll�

Mittelpunkt unseres Beispiels ist ein Steinbrunnen.


Die ihn umgebende Landschaft setzt ihn in Szene
und schafft Atmosphäre. Es reicht vollkommen
aus, die Elemente wie Weg und Bäume nur rings
um das Hauptmotiv auszuführen.
Alles andere darf sich allmählich verlieren.
Zweitens beziehen Sie den Betrachter in das Bild
ein, der das Fehlende intuitiv aus seiner eigenen
Vorstellungskraft heraus ergänzt und nun in der
Zeichnung wiederum mehr sehen kann, als Sie
gezeichnet haben. Das Bild wird interessanter.

Im Stillleben stehen die einzelnen Teile fürs


Ganze. Durchgezeichnet sind nur ein paar
Äpfel und der untere Korbrand. Die hinteren
Äpfel verblassen und bleiben nur als Umrisse
stehen, und auch der Korb verliert sich – ein
hübscher künstlerischer Effekt.
Drittens drückt das Unfertige, nicht zu Ende
Gezeichnete aus, dass Sie keine bloße Repro-
duktion der Realität anstreben, sondern ihre
persönliche Sicht zeigen. Dabei nehmen Sie
sich die Freiheit, dort aufzuhören, wo genug
gezeichnet ist.

Man kann das alles auch einfacher sagen:


Weniger ist mehr! Hören Sie deshalb recht-
zeitig mit dem Zeichnen auf� Füllen Sie die
Zeichnung nicht randvoll mit Einzelheiten;
lassen Sie das Motiv leben und atmen�

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Tipps & Tricks

Weiß auf Weiß, wie geht das?


Weiß ist das Papier, weiß sind auch manche Blüten oder andere Motive� Sie können
Figur und Hintergrund auf drei Arten voneinander absetzen: durch Konturen, durch
schwache Schattierungen und durch einen dunklen Hintergrund, beispielsweise als
Schlagschatten� In den meisten Fällen bietet es sich an, die verschiedenen Stilmittel
miteinander zu kombinieren – so wie hier am Beispiel der Klematis-Blüte�

B
A

Den Schatten zeichnen Sie am besten mit einem weichen … und verwischen Sie den äußeren Rand
Bleistift (4B oder 6B). Zeichnen Sie vom Motiv weg (A) … weich mit dem Papierwischer (B).

K onturen führen ein wenig von einer


realistischen Zeichnung weg� In der
Wirklichkeit nämlich sehen wir in der
In purem Weiß zeigen sich Motive au-
ßerdem nur direkt im Licht� Da sich die
Blütenblätter wölben, entstehen Eigen-
Den stärksten Gegensatz liefert der
Schlagschatten; das ist jener Schatten,
den das Motiv auf den Untergrund oder
weißen Blüte keine dunklen Konturen, schatten� Oder umgekehrt gesagt: Erst ein anders Objekt wirft� Dabei muss
sondern sie erscheint im farblichen durch die Schattenschraffuren entste- dieser Untergrund gar nicht konkret in
Kontrast zur Umgebung; in der hen die plastische Formen� Den Kont- Erscheinung treten� Ein sozusagen frei
Schwarz-Weiß-Zeichnung durch Ton- rast zwischen den schattierten Berei- schwebender Schatten tut es auch, und
wert-Kontraste� Starke Konturen kön- chen und dem weißen Hintergrund ist dort, wo nur das Motiv selbst im Fo-
nen ein spezielles Mittel sein, um die können Sie natürlich mit schwachen kus steht, oft das bessere Mittel� Durch
Zeichnung zu stilisieren� Ansonsten Konturen begleiten� den harten Dunkel-Hell-Kontrast tritt
sollten Sie die Konturen nur schwach die Blüte umso deutlicher aus der Zei-
ausführen� chenfläche� Das macht Konturstriche
komplett überflüssig�

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Tipps & Tricks

Der Trick mit dem Blick


Wenn Sie Ihr Motiv oder Ihre Skizze einmal ganz anders betrachten
als gewohnt, entdecken Sie darin Dinge, die Ihnen sonst vielleicht „Spieglein, Spieglein, zeige mir
gar nicht auffallen, die Ihnen beim Zeichnen weiterhelfen oder
den verflixten Fehler hier!“
Schwächen erkennen lassen� Heute empfehlen wir Ihnen Ihr Motiv,
am besten schon die Skizze, im Spiegelbild zu betrachten�

Manchmal steht man vor der Skizze oder


der fertigen Zeichnung und hat das Ge-
fühl, dass daran irgendetwas nicht ganz
stimmt; ohne sagen zu können, wo der
Fehler liegen könnte. Die Ziege im Bild
A1 beispielsweise sieht auf den ersten
Blick ganz ordentlich aus, auf den zwei-
ten Blick nicht mehr. Woran liegt das?

Wenn Sie die Zeichnung im Spiegel


betrachten, erkennen Sie sogleich,
A1 A2 dass die Ziege den Kopf unnatürlich
schief hält (A2).

Also wird der Kopf richtiggestellt (B1).


Die Spiegelprobe zeigt: Jetzt sitzt er
richtig, und die Ziege hat endlich ihre
natürliche und richtige Statur (B2).

B1 B2

Wenn Sie das schon in der Skizze oder Vorzeichnung aus- Hilfreich sind Spiegelproben vor allem bei Motiven
probieren, sind Sie bei der Ausarbeitung auf der sicheren mit typischer Gestalt, bei denen Abweichungen als
Seite und ersparen sich spätere und damit aufwendigere Fehler auffallen; etwa bei Tieren, von denen man
Korrekturen; sofern solche je nach Zeichenwerkzeug über- weiß, wie sie aussehen müssen�
haupt noch möglich sind�

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Tipps & Tricks

Mit einem Auge sieht man mehr


Wenn Sie das Zeichenmotiv mit nur einem Auge betrachten, Mit nur einem Auge hingegen sieht man das Stillleben nur als
nehmen Sie das Motiv anders wahr, nämlich eher flächig als Mosaik von Flächen mit bestimmten Formen. Doch das merkt
dreidimensional. Das ist durchaus hilfreich, denn so sehen Sie man nicht gleich, weil das Gehirn, sozusagen aus Erfahrung
oft mehr. klug, die fehlende Tiefe automatisch ergänzt. Erst wenn Sie
Das klingt zunächst paradox. Denn erst beide Augen ermög- das Motiv bewusst und konzentriert betrachten, fällt die feh-
lichen räumliches Sehen: Jedes Auge sieht die Dinge aus ei- lende Tiefe auf. Sie sehen das Motiv als Zusammenspiel von
nem anderen Blickwinkel und daraus errechnet das Gehirn Flächen und Konturen.
automatisch die räumliche Tiefe. Wir erkennen die Welt als
räumliches Gebilde; das Stillleben als die dreidimensionale
Skulptur, die sie in der Realität auch ist.

Und das ist genau das, was Sie zunächst zeichnen: Erst in den nächsten Zeichenschritten tritt das
Konturen, welche die Flächen voneinander abgren- Motiv aus der Fläche. Dabei schaffen Schattie-
zen; alles so flach wie das Zeichenpapier. Dabei rungen, Formschraffuren und perspektivische
hilft Ihnen der einäugige Blick. Sie erkennen die Verkürzungen die Illusion von Räumlichkeit.
Komposition besser und können sie in der Skizze
oder Vorzeichnung sozusagen 1:1 abbilden. In ge-
wisser Weise „fotografieren“ Sie das Motiv mit
einem Kameraauge. Das Foto projiziert die Dreidi-
mensionalität auf die Fläche, sodass sich vom Foto
die Konturen sehr viel einfacher abnehmen lassen
als von der dreidimensionalen Form.

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Tipps & Tricks

Spiegelungen erzeugen Wasserflächen

Wenn Sie die Baumstümpfe und die un-


bestimmt schraffierte Fläche betrachten:
Ragen die Stämme aus dem Schnee, aus
Wüstensand, aus dem Wasser?
Noch weiß man es nicht (A).

Tatsächlich sind es oft nur die Spiege-


lungen, mit denen Sie eine ansonsten
undefinierte Zeichenfläche als Wasser-
fläche ausweisen (B).

Die Reflexionen schaffen Atmosphäre: Mehr


oder weniger starke Verzerrungen im Spiegel-
bild machen sozusagen mehr oder weniger
Wind: Im bewegten Wasser lösen sich Umrisse
fast auf; klare Spiegelbilder weisen auf vollkom-
mene Windstille hin – die es kaum jemals gibt� B
Selbst der leiseste Windhauch zeichnet Kräuse-
lungen ins Wasser, die sich in den Reflexionen
zeigen� Diese entstehen, wenn die wechseln-
den Erhebungen und Vertiefungen in der
Oberfläche das Licht in unterschiedliche Rich-
tungen zurückwerfen�

Durch die spiegelnde Wasserfläche erhalten die


Stämme auch von unten diffuses Licht und er-
scheinen deshalb an den Unterseiten heller als
an den Oberseiten (siehe Kreise)� Ein Detail, das
zunächst vielleicht gar nicht auffällt, aber viel
zur natürlichen Stimmung beiträgt�

Ein letzter Hinweis: Stellen Sie die Zeichnung auf den


Kopf� Falls etwas an der Form der Spiegelungen nicht
ganz stimmen sollte – so fällt es Ihnen leichter auf�

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Tipps & Tricks

Der Papierwischer als Zeichenwerkzeug


Beim realistischen Modellieren eines Objektes, wie hier des Knotens, lautet die Reihenfolge
stets: hell grundieren, dunkel schattieren� Nach der Vorzeichnung geht es also zunächst um
das Anlegen einer gleichmäßigen Farbfläche�
Der übliche Weg ist das Schummern� Dazu halten Sie beim Schraffieren den weichen Blei-
stift so flach, dass die Mine aufliegt und keine einzelnen Schraffurstriche stehen bleiben�

Eine gute und einfache Alternative für


das Anlegen von Flächen bietet der
Papierwischer, der dabei zum Zei-
chenwerkzeug, besser gesagt: zum
Pinsel wird. Die Farbe liefert eine kräf-
tige Schraffurfläche, die Sie auf einem
anderen Blatt anlegen. Ziehen Sie den
Papierwischer durch und färben Sie
den Kegel mit dem aufgenommenen
Graphitstaub ein (A).
A

Dann wischen und ziehen Sie die Farbe auf die


Vorzeichnung, ohne auf die Umrisse zu achten.
Mit dem aufliegenden Kegel ist der Knoten fein
und glatt grundiert (B).

Mit der Kante des Plastikradierers nehmen Sie


die überstehende Farbe bis zum Umriss hin ab.
Erst jetzt wird der Knoten mit dem Bleistift
nachbearbeitet. Nach dem Schattieren tritt er
plastisch aus der Zeichenfläche (C). C

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Tipps & Tricks

3D-Effekte in ornamentalen Tangle-Designs


Tangle Designs sind ornamentale Strichzeichnungen mit dem schwarzen Fineliner� Es geht
um das fantasievolle Füllen von Feldern mit Schnörkeln und Mustern innerhalb einer freien
Komposition� In aller Regel sind Tangle Designs flächig� Dennoch können Sie Ihr Bild mit
sparsam eingesetzten räumlichen Elementen interessanter gestalten�

Das beginnt mit den Mustern selbst.


Die Bleistiftskizze (A1) macht den
Effekt deutlich: das viergeteilte
Quadrat ragt als Pyramide aus der
A1 Fläche. Der Effekt entsteht durch
die unterschiedlichen Tonwerte zwi-
schen Weiß und Schwarz.

Im Tangle-Ornament werden die


Graustufen durch die unterschied-
lichen Strichstärken des Fineliners A3
(0,2 mm; 0,4 mm) dargestellt; für
A2 die schwarze Fläche wurde der Fine- Im Verbund und als Gesamtmuster (A3)
liner 0,8 mm benutzt (A unten). Um zeigt sich ein weiterer Effekt. Auf den
eine Fläche schwarz zu füllen, ver- ersten Blick treten die einzelnen Pyra-
wenden Sie einen dickeren Stift. miden heraus. Wenn Sie sich weiter,
und mit frischem Blick, auf das Muster
konzentrieren, kann es umspringen
und ein anderes Bild zeigen.

Auch die Form der Felder und deren Lage


zueinander erzeugt die Illusion von
Räumlichkeit. In diesem Beispiel ist es fast
unmöglich, alles auf einer Ebene zu se-
hen. Entweder wird das Gebilde zum Meist werden Sie solche paradoxen Faltungen eher un-
Würfel, oder man blickt in einen Raum auffällig einbauen, etwa wie in diesem Design aus un-
mit Boden und zwei Wänden. serem Sonderheft „Zauberhafte Tangle Designs“.

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Tipps & Tricks

Harmonisch mit Komplementärfarben


Für realistische Farbzeichnungen gibt die Natur die Farbtöne vor und scheint dabei
auch in den kühnsten Farbkombinationen zu stimmigen Ergebnissen zu kommen�
Die Farben von Blumen oder im Gefieder von Vögeln wirken, weil natürlich, auch
„richtig“� Anders liegt der Fall bei eigener Farbwahl, in diesem Beispiel in der formal
naturalistischen, farblich jedoch abstrakten Zeichnung eines abgefallenen Blattes�

Bild: Wikimedia
Der einfachste und sicherste Weg zu einer stimmigen Farbkombination ist die
Arbeit mit Komplementärfarben�

Komplementär nennt man Farben,


die sich im Farbkreis gegenüber
stehen. Sie ergeben einen harmo-
nischen Kontrast und verstärken
sich gegenseitig. Die klassischen
Paare sind Blau und Gelb, Rot und
Cyan und Grün und Magenta – mit
dieser Faustregel sind Sie stets auf
A der sicheren Seite. Doch gibt es
mehrere, voneinander leicht ab-
weichende Farbkreis-Modelle und
damit auch gewisse Variationen –
hier das technische Modell.
Jedenfalls erzeugen Sie mit
dem Blau und Orange in der Auch Nachbilder erscheinen übri-
Farbzeichnung (A) eine ruhige, gens im Komplementärkontrast.
wohltuende und dennoch be- Sie können das ausprobieren,
stimmte Wirkung. Dies gilt wenn Sie eine Farbfläche längere
ebenso für die Kombina- B Zeit in hellem Licht anstarren und
tionen (B) und (C). dann auf eine weiße Fläche bli-
cken oder die Augen schließen.

Es gibt eine Vielzahl spannender Farbkombinationen, die sich


nicht vom Farbkreis ableiten lassen. Und es gibt Zusammen-
stellungen, die auf die meisten Menschen ausgesprochen
unangenehm wirken, wie etwa im letzten Beispiel (E). Insofern
sind Sie mit Komplementärfarben immer auf der sicheren Seite.
D

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Tipps & Tricks

Nicht gegen den Strich


Die Faustregel beim Zeichnen von Fellhaaren lautet: von
vorne nach hinten und von oben nach unten; Sie zeichnen
das Fell so, wie Sie auch eine Katze streicheln würden�

Ausgangspunkt, beim frontal gezeichneten Gesicht, ist fast


immer die Stirn bzw. die Nasenwurzel, von wo aus der Fell-
strich zunächst in alle Richtungen und dann nach hinten
läuft, gut zu sehen hier in diesem Katzenporträt.

Vom Rücken her zieht sich der Fellstrich nach


unten. Die Richtung bleibt auch bei ge-
locktem oder gewelltem Fell bestehen. Was
sich hier schon andeutet (A), zeigt sich in der
Ausführung mit dem Fineliner besonders
deutlich (B).
Diese generelle Ausrichtung hat natürlich
Sinn. Zum einen legen sich die Haare beim
Laufen an, anstatt sich zu sträuben. Das ver-
mindert den Luftwiderstand. Zum anderen
A B läuft das Regenwasser in Richtung des Fell-
strichs, also von oben nach unten besser ab.

Beim Zeichnen von Pferden und anderen


Tieren mit sehr kurzem und glattem Fell
spielt der Fellstrich in der Regel keine Rolle.
Hier sollten Sie das Fell schummern oder
mit Kreuzschraffuren zeichnen (D). Übliche
Schraffurstriche in eine Richtung könnten
als Fellhaare interpretiert werden. Die Kör-
perhaftigkeit zeigt sich durch Licht und
Schatten.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne kuriose Ausnahmen:


Der Maulwurf beispielsweise hat kurze, aufrecht stehende
Haare, die sich in beide Richtungen streichen lassen� Also geht
ihm beim Rückwärtslaufen in engen Röhren nichts gegen den
Strich� Und beim Faultier, das sein Leben lang mit dem Bauch
nach oben im Geäst hängt, teilt sich der Fellstrich am Bauch
und läuft dem Rücken zu�

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Tipps & Tricks

Verwischen und Radieren


Beim üblichen „positiven“ Zeichnen entsteht das Bild durch den Auftrag von
Farbe auf das Papier� Der gegensätzliche Weg besteht darin, Farbe abzutragen,
sodass sich das Motiv als Negativform hell vom dunklen Untergrund abhebt�
Das Zusammenspiel von Auftrag und Radierung erzeugt schöne Effekte, wie
hier das stilisierte Birkenwäldchen mit seinen weiß herausradierten Stämmen
zeigt, auf die anschließend die Rindenstrukturen gezeichnet wurden�

Der erste Schritt besteht darin, den Hintergrund


einzufärben. Mit Bleistift oder Kohle geht das
besonders leicht und gleichmäßig, wenn Sie den In diesen Hintergrund ziehen Sie nun mit dem
Farbstaub mit einem Papiertaschentuch auf Kunststoffradierer weiße Striche für die Stämme.
dem Papier verteilen. Die Krümel wischen Sie mit einem fülligen Pinsel
weg, nicht mit der Hand! Das Motiv können Sie
Fertigen Graphitstaub können Sie kaufen; oder nach Belieben weiter bearbeiten.
Sie stellen ihn selbst her: Spitzen Sie einen wei-
chen 8B-Bleistift über einem Papier und lassen Der Vorteil dieser Methode: Sie erhalten einen viel
Sie nur den Farbstaub auf das Zeichenblatt rie- gleichmäßigeren Hintergrund als beim positiven
seln. Verteilen Sie diesen nun. Das Ergebnis ist Zeichnen bzw. Schummern des Hintergrundes
eine gleichmäßig graue Fläche. zwischen weiß ausgesparten Bildbereichen.

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Tipps & Tricks

Farbig vorzeichnen
Eigentlich ist für Vorzeichnungen der Bleistift zuständig; vor allem dann, wenn man
das Motiv aus Skizzen und Grundformen entwickelt und folglich überflüssige Striche
wieder entfernen muss. Das gilt auch für das Vorzeichnen von Farbstiftzeichnungen.
Allerdings kann der Farbstift auf dem Bleistiftstrich recht leicht verschmieren.

1
Deshalb bietet es sich bei einfachen Formen an,
gleich mit dem Farbstift vorzuzeichnen. Dazu
nehmen Sie einen zur Hauptfarbe des Motivs
passenden Farbton, so wie hier ein dunkles Rot­
braun beim vertrockneten Blatt.

2
Dann stört kein Bleistiftstrich die Aus­
führung. Die Vorzeichnung bildet zu­
gleich die Umrisse und Innenkonturen
ab, in diesem Fall die Blattadern.

3
Schließlich können Sie die Linien der
Vorzeichnung noch weiter verstärken
und in das Bild integrieren.

Nicht ganz so sauber geht es hingegen zu, wenn Sie


den Farbstrich direkt auf den Bleistiftstrich setzen.
Wenn Sie also mit Bleistift vorzeichnen, was bei
einem komplexen Motiv unumgänglich sein kann,
dann dürfen das nur schwache, zarte Striche sein.

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Tipps & Tricks

Von der Scheibe zur Kugel


Beim Zeichnen ist das täglich Brot, bei näherer Betrachtung jedoch immer wieder erstaun-
lich, wie leicht sich die Wahrnehmung täuschen lässt. Auf bestimmte Weise angeordnet,
werden Striche und Flächen zu einem dreidimensionalen Gebilde.
In diesem einfachen Beispiel zeigt sich, wie gut das durch die Verteilung von dunklen
(schattigen, tiefer liegenden) und hellen (beleuchteten, erhabenen) Bereichen funktioniert.

Die gleichmäßige Einfärbung mit Mit einseitigen Schraffuren bleibt es bei


Parallelschraffuren macht den der Scheibe; die dunklen Bereiche werden
Kreis zur flachen Scheibe. als Farbe, nicht als Schatten empfunden.

Durch die sichelförmige Form des Erst durch die präzisere Lichtführung, hier mit
schraffierten Bereichs deutet sich be­ Kreuzschraffuren, erscheint unzweifelhaft eine
reits die Kugelform an; ganz eindeutig Kugel. Selbst beim besten Willen fällt es schwer,
ist das jedoch noch nicht. darin noch eine Scheibe zu erblicken.

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Tipps & Tricks

Blütenform und Silberglanz


Formschraffuren sind das einfachste Mittel, um eine Form
zu modellieren. Doch nehmen wir die Schraffurstriche auch
als Textur wahr. Das heißt, sie zeigen uns zugleich die Be-
schaffenheit der Oberfläche, so wie in diesem Beispiel die
Wölbung und Maserung des Blütenblattes der Klematis.

1
Diese Maserung folgt natürlich der Form, wie
sie sich schon in der Vorzeichnung andeutet.
Mit dichteren Schraffuren schattieren Sie den
jeweiligen Bereich ab. So entsteht auch die
Staffelung im Raum. Das eine Blatt wirft sei­
nen Schlagschatten auf das andere, liegt also
darüber und nicht auf gleicher Ebene.

2
Hellere Schraffuren in ein und demselben Blatt nehmen
wir als beleuchteten Bereich wahr, demnach als Erhebung.
Umgekehrt erscheinen dunklere, mit dem Papierwischer
verdichtete Schraffuren als Einbuchtungen. Beim Verwi­
schen füllen Sie die bisher weißen Bereiche zwischen den
Schraffurstrichen, die Fläche wird dunkler und glatter.
Durch die fehlenden Kontraste verschwimmt im Dunkeln
auch die Maserung.

3
Jetzt fehlt uns noch der Glanz, der auf den Blüten­
blättern liegt. Für diesen silbrigen Effekt nehmen
Sie den Knetgummiradierer und wischen sanft
über die ohnehin schon helleren Bereiche, die als
Glanzlichter erscheinen sollen. Schon erhält die
Klematis einen schönen Schimmer.

Übrigens ist es überhaupt nicht nötig, ein Motiv fertig


zu zeichnen; auch Teilstudien haben ihren Reiz!

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Tipps & Tricks

Zwischendurch aufstellen!
Es ist beim Zeichnen natürlich praktischer und angenehmer, das Zeichenblatt
vor sich auf dem Tisch liegen zu haben, anstatt auf einer Staffelei zu arbeiten.
Allerdings erscheint das Zeichenblatt – und damit auch das Motiv – auf dem
Tisch perspektivisch verkürzt, was mit Blick auf die Staffelei nicht der Fall ist.

Während des Zeichnens aus dem gewohnten


schrägen Blickwinkel fallen einem diese Ver­
kürzungen nicht sonderlich auf; wir gleichen
sie automatisch weitgehend aus. Aber eben
nicht vollständig.

Erst der volle, direkte Blick zeigt, ob Komposi­


tion und Proportionen stimmen. Das ist auch
der Grund, weshalb Sie die Zeichnung aus ge­
radem Blickwinkel betrachten sollten. Machen
Sie das zwischendurch immer wieder. Dann
fallen Ihnen Fehler nicht erst auf, wenn es
schon zu spät ist.

Lehnen Sie das Zeichenblatt so an, dass


Sie es voll im Blick haben; eine Buch­
stütze leistet gute Dienste. So können Sie
auch einen Schritt zurücktreten, um die
Wirkung im üblichen Blickabstand zu
prüfen. Und es schadet überhaupt nicht,
zwischendurch immer mal aufzustehen.

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Tipps & Tricks

Präzise radieren mit dem Radierstift


Für feine, präzise Radierarbeiten eignet sich der Radierstift
besser als die gewohnten Knetgummi- und Plastikradierer.

Er liegt als Stift gut in der Hand und man


kann ihn ähnlich bequem und genau führen
wie einen Bleistift; nur dass in der Ummante­
lung eben keine Graphitmine steckt, sondern
ein Radiergummikern. Auch kann man den
Radierstift ebenso einfach anspitzen wie
einen Bleistift.

Mit dem Knetgummiradierer kommen Sie


beim Radieren von Details nicht weit.
Fest andrücken geht nicht, die Spitze würde
sich sogleich verformen. Stark ist der Knet­
gummi beim Abtupfen von Graphit, beim
Verwischen und Abschwächen von Linien.

Kräftig radieren lässt es sich auch mit dem


harten Plastikradierer, den Sie für Feinar­
beiten allerdings immer wieder zum spitzen
Keil zurecht schnitzen müssten; eine ver­
schwenderische Angelegenheit.

Noch etwas ist beim Radieren wichtig: Wischen


Sie die Krümel immer mit einem fülligen Pinsel
zur Seite. Nicht wegpusten, weil mit der Atem­
luft auch ein feuchter Sprühnebel aufs Papier
kommen könnte; weniger vornehm gesagt:
Spucke. Ebenso wenig sollten Sie die Krümel
mit der Hand wegwischen. Nicht nur wegen
des Hautfettes, sondern auch, weil Sie damit
die Zeichnung verwischen würden.

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Tipps & Tricks

Malerisch mit Bleistift


So wie bei Farbstiften gibt es bei Bleistiften neben den übli- malen; die Pigmente lösen sich ähnlich wie beim Aquarell-
chen wasserfesten Sorten auch wasserlösliche Bleistifte oder Farbstift an. Wenn Sie den Abrieb auf Papier mit Pinsel und
Graphitstifte. Sie unterscheiden sich durch die dicke, ledig- Wasser übermalen, entsteht so etwas wie ein hauchdün-
lich lackierte oder mit Papier ummantelte Mine vom Bleistift. ner Schlick, den Sie mit dem Pinsel verziehen können.
Wasserlöslicher Graphit lässt sich nach dem Auftrag ver- Zugleich wird der Auftrag dunkler.

Die Amsel sieht zunächst aus wie mit üblichem


wasserfestem Blei­ oder Graphitstift gezeichnet.
Das bisschen Orange für Schnabel und Augen
trägt sie hier der Schönheit wegen.
Wichtig: wasserfesten Farbstift verwenden, der
nicht versehentlich mit angelöst werden kann.

Hier sehen Sie, was passiert, wenn Sie mit dem nassen
Pinsel darüber malen. An der betreffenden Stelle
bleibt ein dunkler Farbstrich stehen.

Auf diese Weise können Sie mit gezielten


Malstrichen die Gefiederstruktur herausar­
beiten und dunklere Schatten setzen. Dann
sitzt vor Ihnen eine Amsel als aquarellierte
Bleistiftzeichnung oder, je nach Betrachtung,
Aquarell mit graphischer Anmutung.

Wenn Sie also daran denken, Ihre Zeichnung später


mit malerischen Zügen auszustatten, nehmen Sie
den vermalbaren Stift. Dann steht es Ihnen frei, mit
Pinsel und Wasser weiterzumachen – oder das Er-
gebnis „trocken“ stehen zu lassen.

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Tipps & Tricks

Freiraum für die Landschaft


So selbstverständlich es klingt, so soll- Dafür gibt es zwei einfache Möglichkei- Rand hin zeichnen. Die Striche und
ten Sie doch beim Zeichnen immer be- ten: Entweder sie lassen der Szene Schraffuren laufen frei aus und der Be-
herzigen: Die Landschaft ist kein abge- ringsum Freiraum oder Sie führen den trachter ergänzt intutiv das nicht Ge-
schlossenes Objekt, sie setzt sich Blick des Betrachters über die Zeich- zeigte. Davon macht er sich im Kopf
natürlich über die Grenzen des gewähl- nung hinaus. sein eigenes Bild. Und weil Sie ihm da-
ten Ausschnittes hinaus fort. Genau Füllen Sie das Zeichenblatt nicht aus. für keine starre Grenze gesetzt haben,
das, diese Weite und Größe, soll die Lassen Sie die Szene atmen, indem Sie wirkt die Zeichnung umso lebendiger.
Landschaftszeichnung auch andeuten. zumindest an einer Seite nicht bis zum

In diesem Beispiel fließt der Blick allmählich über


das Dorf und die Hügellandschaft; alles, was ganz
vorne und dem Zeichner sozusagen vor den Füßen
liegt, wird mit wenigen Strichen angedeutet (A).

Auch die Ferne läuft frei und vage aus; was übrigens A
auch und nebenbei den Effekt hat, die Hügelkette in
dunstige Ferne zu rücken (B).

Diese absichtliche Unfertigkeit ist außerdem ein effektvolles Stil-


mittel. Sie werfen Ihren persönlichen Blick in die Welt und zeigen,
was Ihnen in der Landschaft wichtig und charakteristisch erscheint.

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Tipps & Tricks

Den Blick übers Bild hinausführen


Bei voll bis zum Bildrand ausgeführten, sozusagen einge- Dafür braucht der Betrachter einen Anhalt: große Blickpfade
grenzten Zeichnungen, kommt es noch viel mehr auf die in der Komposition, die den Blick leiten und weiter schweifen
Blickführung an. Auch wenn der Ausschnitt klar definiert ist, lassen. Von Wegen, Bächen, Baumreihen, die durch das Bild
soll der Betrachter die Szene als Teil einer weiten Welt emp- führen, erwartet man, dass sie jenseits des Ausschnittes wei-
finden. Das Bild soll über sich hinausweisen. terlaufen.

Im Bleistift­Wald ist es die linke Baumreihe, die


den Blick mitnimmt und in die Ferne zieht; wenn
es das Motiv zulässt, besser in Leserichtung,
also nach rechts außen.

Der gewundene Weg in der Farbmarker­


Zeichnung geleitet den Betrachter in den
Wald. Als Blickstopper dient der große
Baum. Dann gleitet der Blick durch die
Szene und führt aus ihr hinaus.

Beide Beispiele zeigen eine Waldszene, in


denen der Fernblick natürlich von Bäumen
verstellt ist. Doch so weit wir sehen können,
brauchen wir Fernwirkung. In der Bleistift-
zeichnung lässt sich das durch Verläufe ins
Blasse, Helle gut machen. Beim Marker hin-
Bild: Julia Gerdt

gegen kommen nach hinten hin immer hel-


lere, kühlere Farben ins Spiel.

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Tipps & Tricks

Einfluss von außerhalb


Jedes Landschaftsbild kann nur einen Ausschnitt zeigen, soll gezeichneten Bild ergänzt der Betrachter intuitiv das Weitere.
aber auch die weitere Umgebung in irgendeiner Weise mit- In der bis zum Rand hin ausgeführten Zeichnung schweift
spielen lassen. Das geht recht einfach, indem Sie ein geeigne- der Blick dank entsprechender Führung über diesen Rand
tes Objekt, etwa einen Baum, von außerhalb in die Zeichnung hinaus.
hereinragen lassen. Die dritte Möglichkeit besteht darin, die Umgebung in den
In den letzten beiden Tipps haben wir zwei andere komposi- Ausschnitt hineinwirken zu lassen. Dieser Einfluss von außer-
torische Mittel kennengelernt: In einem nicht bis zum Rand halb bestimmt die Bildwirkung direkt oder indirekt mit.

Hier sind nur der angeschnittene


Stamm und der ausladende Ast
sichtbar. Die Teile stehen für den
ganzen Baum, der als solcher voll in
die Szene hineinwirkt. In diesem Bei­
spiel deuten Stamm und Äste außer­
dem einen Vordergrund an, der als
Kulisse viel mehr Tiefe ins Bild bringt.

Etwas subtiler ist die Wirkung, wenn der Baum


selbst überhaupt nicht sichtbar ist, sondern
nur der Schatten, den er in die Szene wirft.
Das Licht fällt von rechts ein und beleuchtet
den Brunnenrand.
Der Ursprung der bläulichen Schatten muss
außerhalb des Bildausschnittes liegen.
Die fließenden Formen weisen auf das luftige
Laub eines schattenspendenden Baumes hin.
Bild: Gilbert Declercq

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Tipps & Tricks

Ehrgeiz und Radierer beiseite!


Skizzen können, müssen aber nicht Vorstufen für eine „richti- Erinnern Sie sich immer daran: Skizzen sind schnell und sie
ge“ Zeichnung sein. Es macht Spaß, sich locker und frei einem müssen keineswegs auf Anhieb gelingen. Lassen Sie den Ra-
Motiv zu nähern, das Motiv sozusagen immer besser kennen- diergummi liegen und korrigieren Sie nichts. Nehmen Sie
zulernen. Und auch bei Vorskizzen sollten Sie sich vom fal- stattdessen ein neues Blatt Papier, und fangen Sie frisch an.
schen Ehrgeiz lösen, gleich alles richtig zu machen.

A
B

Lassen Sie den Skizzen Luft und ringsum Freiheit (A und B);
zeichnen Sie in der Mitte des Zeichenblattes und drängen
Sie Ihre Skizzen nicht zusammen, wie im Beispiel C.
Arbeiten Sie keine Details aus.
C

Das sind gute Vorsätze, und mit der Zeit wird Ihnen
dieses großzügige Verfahren in Fleisch und Blut über-
gehen. Dabei helfen Ihnen zwei praktische Dinge:

• Skizzieren Sie zunächst auf billigem Schreibpapier


oder, noch besser, auf der Rückseite von beschrie-
benem Papier, das Sie ohnehin entsorgen wollten.
Dafür reicht die Qualität allemal. So können Sie guten
Gewissens verschwenderisch damit umgehen; beim
besseren, jedoch teureren Skizzenpapier würde man
weniger großzügig sein.

• Nehmen Sie einen weicheren Bleistift wie 2B oder 4B.


Dann hinterlässt auch der skizzenhafte Strich genug
dunklen Abrieb. Vor allem aber kommen Sie gar nicht
in Versuchung, sich in Details zu verlieren. Denn mit
einem weichen Stift geht das ohnehin nicht.

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Tipps & Tricks

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte …


Der Jahresbeginn ist immer die beste Zeit, um ein Vorhaben frisch und guten
Mutes anzupacken. Zum Beispiel ein gezeichnetes Tagebuch, oder, besser ge-
sagt, eine datierte und kommentierte Sammlung von kleinen Zeichnungen,
Skizzen und Übungen.

Auf den ersten Blick bietet es sich an, direkt in ein Skizzenbüchlein zu zeichnen.
Aber hat man das auch immer zur Hand? Und fühlt man sich dann nicht auch
verpflichtet, auf Anhieb etwas von bleibendem Wert zu zeichnen? Zumal man
keine Seiten verschwenden will?

Viel einfacher und entspannter können Monate immer mal die originellsten, dazu bewogen hat. Mit solchen
Sie die Sache angehen, wenn Sie sich für Sie persönlich bedeutsamsten oder zwanglosen, sporadischen Einträgen
vom Skizzenbuch unabhängig ma- mit bestimmten Ereignissen verbunde- entsteht das Jahr über ein Jahresal-
chen. Zeichnen Sie, wie und wo Sie nen Zeichnungen für einen Eintrag bum, an dem Sie später noch viel Freu-
wollen, schneiden Sie Ihre kleinen Wer- auswählen und festhalten. de haben können. Denn wie es so
ke aus und kleben Sie die Zeichnungen Am besten notieren Sie zum Datum schön heißt:
beispielsweise in ein Notizbuch ein. So noch, wo und bei welcher Gelegenheit Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte …
können Sie im Laufe der Wochen und Sie dies gezeichnet haben und was Sie

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Tipps & Tricks

Warmes Grau und kaltes Grau


Anders als beim farblich neutralen oder, besser gesagt, farblosen
Bleistift gibt es bei Farbstiften unterschiedliche Grautöne, von den
meisten Herstellern Warmgrau und Kaltgrau genannt. Es lohnt sich,
darauf zu achten, denn der Gelbstich im Warmgrau schafft eine an-
dere Atmosphäre als das kühle Blau im Kaltgrau.

Für das verwitterte Ästchen beispielsweise nehme


ich ein Warmgrau, das den silbrigen Schimmer
recht natürlich erscheinen lässt.

Ein Gegenbeispiel zum Warmgrau ist dieser Löffel, dessen metallischer Glanz
am besten im bläulichen Kaltgrau zur Geltung kommt. In diesem Fall spiegelt
sich kein farbiger Gegenstand darin, der den Spiegelton verändern könnte.

Interessant auch, wie sehr die Form der grauen Spiegelungen von den Gegen­
ständen der Umgebung abhängt. Probieren Sie es mit einem Löffel auf dem
Zeichentisch aus und sehen Sie, wie sich die Spiegelungen bei unterschied­
licher Nachbarschaft ändern. Eine schöne Übung!

Und noch ein Hinweis: Schatten sind niemals farblos grau oder
gar schwarz, sondern werden immer auch von der Farbumge-
bung und der Lichtstimmung beeinflusst. In der Regel passt
eine bläuliche Schattenfarbe; wenn sie farblich dezent sein soll,
nehmen Sie dafür am besten ein Kaltgrau.

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Tipps & Tricks

Kleine Übung, klare Kante


Kleinere Schraffurübungen zwischendurch und nebenbei
machen locker, bringen Routine in die Bewegungsabläufe –
und entspannen. Ein konkretes, mit Schattenschraffuren aus-
gearbeitetes Motiv kann die Sache noch interessanter ma-
chen. Bei geometrischen Objekten kommt es dann auch auf
klare, saubere Kanten an.

Bei solchen Übungen, am Beispiel dieser


Kiste, empfehle ich Ihnen, mit schwachen
Schraffuren zu beginnen, um erst mit wei­
teren Schichten an den entsprechenden
Stellen dunkler zu werden, also Schatten
und Texturen zu erzeugen.

Mit einem einfachen Hilfsmittel,


das man im Eifer des Zeichnens
bisweilen vergisst, erhalten Sie
klare Kanten. Legen Sie einfach
ein gefaltetes Blatt Papier am
Rand an, der den zügigen Strich
stoppt.
Der abgedeckte Bereich bleibt
sauber, und Sie gehen zur näch­
sten Kante und die Kiste wird zu­
nehmend ansehnlicher.

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Tipps & Tricks

Der Fisch in seinem Element


Wenn Sie Farbstiftflächen nachträglich verwischen, entstehen
glatte, geschlossene Flächen und die Kontraste verschwimmen.
Ein schöner Effekt, passend zum klaren Wasser, aus dem der
Fisch herausleuchtet.

So sieht die Farbstiftzeichnung


zunächst aus. Im Wasser ver­
schmelzen die übereinander
schraffierten Blau­ und Grün­
töne schon etwas. Doch die
Papierstruktur bleibt ebenso
sichtbar wie die Einzelstriche.

Das ist gut für den Fisch. Das


Wasser hingegen hat eine an­
dere Konsistenz: transparent,
fließend, weich. Das erreiche
ich einfach, indem ich den
Wasserbereich mit dem Kos­
metiktuch verwische; um nicht
an den Fisch zu stoßen, nehme
ich für die Ränder ein Watte­
stäbchen. Die Wirkung ist ver­
blüffend. Der Fisch steckt nicht
mehr in der Umgebung fest,
sondern schwebt in seinem
wässrigen Element.

Der Effekt lässt sich leicht erklären. Erstens zieht man beim Verwischen
die Farben ineinander und erhält weiche Verläufe. Zweitens hat Zeichen-
papier immer seine (winzigen) Höhen und Tiefen. Wenn der Farbauftrag
nicht tief in die Poren reicht, bleibt die Farbfläche weiß gesprenkelt.
Beim Verwischen jedoch dringt die Farbe in die Vertiefungen ein und es
entstehen geschlossene Flächen.

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Tipps & Tricks

Schatten oder kein Schatten?


Das ist die Frage beim Zeichnen beispielsweise einer Blüte, die für sich
alleine auf dem Papier stehen soll. Denn schon ein bloßer Schatten er-
zeugt einen Hintergrund und bringt Tiefe ins Bild. Der Charakter der
Zeichnung verändert sich deutlich. Das sehen Sie gut an diesem Beispiel.

In der schattenfreien Version wirkt die


mit Farbstift gezeichnete Klematis nur
durch sich selbst. Die Umgebung ist
ausgeblendet. Die Blüte selbst wirkt
plastisch dank der Überschneidungen
und der Eigenschatten. Das ganze Bild
jedoch hat keine Tiefe – und braucht
sie auch nicht. Hier kommt es nur auf
das Erscheinungsbild der Klematis
selbst an: Form, Textur, Farbigkeit.

Nun wollen Sie dem Motiv einen bestimmten


Platz im Raum zuweisen. Dafür reicht schon
ein Schlagschatten. Denn der Schlagschatten
kann sich ja nur auf einem anderen Gegen­
stand zeigen. In diesem Beispiel erzeugt der
Schatten erst die Wand, auf die er fällt.
Die Wand liegt hinter der Blüte, und schon gibt
es eine räumliche Beziehung. In diesem Fall
sind die Schattenfläche sehr dunkel und mit
klaren Rändern gezeichnet – die Klematis
blüht im grellen Sonnenlicht.

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Tipps & Tricks

Helles Motiv – dunkler Hintergrund


Jede Zeichnung lebt von Kontrasten. Je stärker die Hell-Dunkel-Gegensätze,
desto präsenter wirkt das Motiv. Dabei spielt der Hintergrund oft eine ent-
scheidende Rolle, so wie hier am Beispiel des blühenden Apfelzweiges.

Vor dem Weiß des Papiers kommen die wei­


ßen Blüten und die hellen Blätter kaum zur
Wirkung; der Kontrast ist zu gering. In sich
passt alles: Licht, Schatten und Überschnei­
dungen lassen den Zweig räumlich erschei­
nen, Formschraffuren bilden die Texturen
ab und modellieren die einzelnen Blätter
und Zweiglein weiter aus und die nur zart
geschummerten Blüten zeigen sich (fast) in
Weiß. Lediglich die abgeschatteten Blätter
heben sich hinreichend ab, und so wirkt das
ganze Motiv etwas flau.

Ganz anders der blühende Zweig vor


einem dunkel eingefärbten Hintergrund.
Letzterer rückt nicht nur die hellen Blüten
deutlicher nach vorne, sondern verstärkt
auch die Kontraste im Zweig selbst. Des­
halb wirkt alles präsenter, plastischer und
fast schon dominant; im Vergleich mit
dem auf Weiß stehenden Zweig allerdings
auch weniger filigran.

Der dunkle Hintergrund wird nachträglich


mit weichem Bleistift 6B schraffiert und
mit dem Papierwischer verdichtet. Er darf
zur Ecke hin hell auslaufen – ein effekt­
volles Stilmittel, das die schwarze Fläche
aufbricht.

Wenn Sie also ein einzelnes Objekt gezeichnet haben und


Sie das Gefühl haben, dass es sich auf dem weißen Papier
verliert: Probieren Sie es mit einem dunklen Hintergrund!

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Tipps & Tricks

Gerade anspitzen!
Immer eine ärgerliche Sache: Beim Anspitzen bricht die Mine des
Blei- oder Farbstiftes, der dann fortschreitend kürzer wird. Grund
dafür kann eine stumpfe Klinge im Anspitzer sein. Oder aber der
Stift dreht sich nicht gerade im Anspitzer, sondern sitzt schief.

Das kann schnell passieren, wenn


Sie den Stift weit hinten halten.
Durch den langen Hebelarm beim
kraftvollen Drehen spürt man es
nicht, wenn der Stift schräg steht.
Durch den einseitigen Druck kann
die Mine vorne im Kegel abbrechen.

Das lässt sich leicht vermeiden:


Fassen Sie den Stift knapp am
Anspitzer an. Dann bleibt er
eher in gleicher Lage stabil

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Tipps & Tricks

Mürrische Katze, freundliche Katze


So verschmust und menschenfreundlich eine Katze auch sein mag: Der katzen-
typische Gesichtsausdruck hat von Natur aus meistens etwas Grimmiges,
Beleidigtes – auch wenn Katzenfreunde das nicht so sehen mögen.

Das zeigt sich besonders deutlich im Foto oder in der


naturalistischen Zeichnung: Nicht gerade freundlich,
wie einem die Katze entgegenblickt. Das liegt weniger
am starren (Katzenfreunde sagen: unergründlichen)
Blick als vielmehr an den abwärts gerichteten Mund­
winkeln der Katze.

Doch mit einem kleinen Trick können Sie Ihre


Katze sehr viel freundlicher in die Welt blicken
lassen. Ziehen Sie die Mundwinkel etwas weiter
und nach oben. Dafür reichen Schattierungen.
Sie sehen, wie fröhlich die Katze nun in die Welt
schaut; ein angenehmer Anblick.

Im menschlichen Gesichtsausdruck spiegeln sich bestimmte


Emotionen: Hochgezogene Mundwinkel, also ein lächelnder
Mund signalisiert Freundlichkeit, tiefe Mundwinkel wirken
abweisend. Wir können gar nicht anders, als solche Merkma- Dass die Wirkung eines Tiergesichtes auf uns mit dessen
le, so klein sie sein mögen, auch in Tiergesichtern zu suchen Innenleben nichts zu tun hat, zeigt sich am besten beim
und zu entdecken. Nichts sollte uns also daran hindern, der Delfin. Selbst in Gefangenschaft scheint er immer zu froh-
Katze einen etwas netteren Gesichtsausdruck zu verleihen. gemut zu grinsen; doch nichts liegt ihm ferner …

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Tipps & Tricks

Der Weg durchs Bild


Bei einem Stillleben mit mehreren Ele- fangen nehmen. Anders, als man vermuten würde, nehmen wir
menten ist es wichtig, die Dinge gut zu ein Bild zunächst nicht als Ganzes wahr. Der Blick springt von ei-
arrangieren, damit sie ein interessantes nem Bereich zum anderen, stoppt hier und wird dort weitergelei-
Bild abgeben. Die Anordnung soll na- tet und gleitet wieder zurück; so fügt sich alles zum Gesamtbild.
türlich und nicht künstlich wirken und Eine gelungene Komposition bietet deshalb Schwerpunkte und
zugleich den Blick des Betrachters ge- imaginäre Linien an, denen der Blick gerne folgt.

Wenn die Muscheln einfach nebeneinander liegen,


sind zwar die einzelnen Elemente für sich interessant.
Die Komposition jedoch ist langweilig. Sie hat keine
Spannung. Der Blick springt irgendwie hin und her.
Man glaubt, gleich auf einmal alles gesehen zu haben.

Ganz anders im arrangierten Still­


leben. Die rote Linie zeigt die Blick­
führung. Blickfang sind die beiden
äußeren Muscheln, was auch der
Lesegewohnheit von links nach
rechts entspricht. Der Blick läuft
diagonal weiter und wendet sich
schließlich nach rechts.

In der ausgearbeiteten Zeich­


nung sorgen auch die unter­
schiedlichen Formen und Ton­
werte dafür, dass der Blick nicht
darüber huscht, sondern immer
kurz hängenbleibt, um schließ­
lich das ganze Bild zu erfassen.

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Tipps & Tricks

Kräftigere Töne
Mit dem wasserlöslichen Farbstift (Aquarellstift) zeichnet man zunächst genauso wie
mit dem üblichen wasserfesten Farbstift. Formen und feinste Details lassen sich mit
Linien und Schraffuren präzise herausholen, wie das Beispiel der Mohnblüte zeigt.

Das Besondere am Aquarellstift ist der malerische


A Effekt, der sich nachträglich beim Vermalen der
Schraffur mit Pinsel und Wasser erzielen lässt.
Die Schraffurstriche (A) lösen sich auf, gehen
weich ineinander über und die Farben werden
dunkler und intensiver (B). Vermalt werden gezielt
nur einzelne Partien, sodass der zeichnerische
Charakter teilweise erhalten bleibt.

Beim Übermalen mit Wasser werden die Farben


des Aquarellstiftes nicht nur dunkler und kräftiger.
Es entstehen auch andere, oft feinere Farbnuancen.

Bei diesen Beispielen sehen Sie, wie sich die Farben beim
Übermalen mit Wasser verändern: Links jeweils die trockene
Schraffur, rechts der vermalte Bereich. Jedes der Felder ist in
einem anderen Farbton gezeichnet. Im vermalten Bereich
rechts zeigen sich die Unterschiede und die Farbnuancen viel
deutlicher. Auch kann man die Farben schön ins Weiß aus­
laufen lassen (unten).

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Tipps & Tricks

Luftperspektive extrem
Die Bäume im Nebel zeigen einen Extremfall der Luftpers­ entfernt sind, desto blasser und verschwommener erschei­
pektive. Deutlicher als das gleiche Motiv in klarer Luft zeigt nen sie. Von fernen Objekten treffen die Lichtstrahlen nicht
das Beispiel, wie wichtig die unterschiedlichen Helligkeits­ so klar und ungefiltert ein wie von nahen Objekten. Wenn wir
werte sind, um Tiefe in die Landschaft zu bringen. beim Zeichnen diese Erfahrung abbilden, bekommt das Bild
Nahe Objekte erscheinen in klarer Luft stets dunkler und Tiefe. Was darin blass und verschwommen erscheint, rückt in
deutlicher als ferne, weil weniger Luft mit Staub und Dunst unserer Wahrnehmung in die Ferne. Dies nennt man die Luft­
zwischen Betrachter und Objekt liegt. Je weiter die Dinge perspektive.

Bei Nebel trüben besonders viele


Wassertröpfchen den Blick. Deshalb
wirkt sich die Luftperspektive schon
in der Nähe extrem aus, was sich an
diesem Beispiel besonders gut ver­
deutlichen lässt:

Wenn die Bäume alle gleiche Helligkeits­


werte haben, wirkt das Bild trotz der ge­
staffelten Aufstellung merkwürdig flach.
Es fehlt Räumlichkeit (A).

Und nun das gleiche Motiv mit den unterschied­


lichen Tonwerten nach den Regeln der Luft­
perspektive: Der Raum weitet sich, die vorderen,
dunklen Bäume rücken in den Vordergrund, die
hinteren verblassen im Hintergrund (B).

B
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Tipps & Tricks

Aus der Finsternis ans Licht …


Mit entsprechend starken Kontrasten können Sie eine Zeichnung stark aufwerten:
sie wirkt plastischer und zugleich spannender. Diese Effekte lassen sich an diesem
Motiv gut zeigen. Dabei geht es um die gezielte Lichtführung, die das Ensemble
von Bambusstäben sozusagen bühnenreif in Szene setzt.

In dieser Ausführung wirkt das Bild


merkwürdig flach und kraftlos. Zwar
liegen die Bambusstäbe teilweise
übereinander, sind also in die Tiefe
gestaffelt. Doch dieses augenschein­
liche Davor und Dahinter reicht nicht,
um der Zeichnung Substanz und Tiefe
zu geben. Dafür sind die Kontraste
einfach zu schwach.

Ganz anders das selbe Motiv mit einem


schwarzen Hintergrund. Am Bambus hat
sich objektiv gar nichts geändert, die
Grauwerte sind identisch. Doch weil es
dahinter so finster ist, scheinen die vor­
deren Stäbe voll im Licht zu stehen. Sie
treten effektvoll aus dem Hintergrund
heraus und wirken nun auch selbst pla­
stischer. Bei den dunkleren Stäben hin­
gegen nimmt der Kontrast ab, sie ziehen
sich nach und nach in die Schwärze des
Hintergrundes zurück und gehen fast
darin auf.
So entstehen, von der Staffelung der
Bambusstäbe unterstützt, mehrere Bil­
debenen: vorne das helle Licht, dahinter
ein abgeschattetes Zwischenreich und
ganz tief hinten die vom Licht gar nicht
nicht mehr erreichte Finsternis.

Wenn Sie also eine ausdrucksstarke, dreidimensionale


Zeichnung haben wollen: Sparen Sie nicht an Kontrasten.
Sie sind das Salz in der Suppe.
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Tipps & Tricks

Aus Farbstrichen wird ein Motiv


Unsere visuelle Wahrnehmung will alles, was wir sehen, als etwas Sinnvolles
begreifen. Ohne dass wir uns dessen bewusst sind, hat das Gehirn aus ganz
wenigen Informationen etwas Verständliches konstruiert. Der Vorgang selbst
ist unbewusst; wir sehen immer nur das Ergebnis dieser Wahrnehmungs­
leistung, wie dieses einfache Beispiel mit Farbmarkern zeigt.

Wenn Sie das Durcheinander der gelben


Striche betrachten, bleibt es noch bei
bedeutungslosen Farbfeldern.

Die grünen Striche darüber lassen schon ein


Davor und Dahinter erkennen. Der Hintergrund
scheint dank des lasierenden Auftrags durch.
Oben liegen die dunkleren Farben, und die
Felder erinnern an Laub.

Dann die letzte Schicht mit dunkel­


grünen Strichen, die dem Gebilde
das Volumen einer Laubgruppe
geben. Nun ist es kaum mehr
möglich, darin ein bloßes Gewirr
von Farbstrichen zu sehen.

Entscheidend für diesen Eindruck ist der schichtweise Aufbau


Bilder: Julia Gerdt

bei lasierenden Farben wie den Markern oder Aquarellfarben.


Die Form der Striche liefert die Struktur, die Schichtung von
Dunkel auf Hell schafft Räumlichkeit.

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Tipps & Tricks

Kugel oder Tunnel?


Schraffurübungen machen mehr Spaß, wenn man damit optische
Illusionen erzeugt. Ausgehend von einer Scheibe, formen Licht und
Schatten in diesen Beispielen zwei unterschiedliche Objekte.

Eine einheitlich schraffierte Scheibe bleibt


eine Scheibe. Als Kugel erscheint sie erst
durch die Aufhellung.
Wir interpretieren sie als im Licht liegenden
Bereich, der sich dem entsprechend nach
außen wölbt, keinesfalls nach innen.

Hier sehen wir eine ganz andere Lichtführung.


Zwar gibt es auch hier einen hellen Bereich,
doch mit dem großen Unterschied, dass die
Helligkeit nur nach links unten ins Dunkle ver­
läuft. Nach rechts oben grenzt sich das Licht
hart gegen die dunklen Schraffuren ab.
Wie soll man das verstehen?

Die visuelle Wahrnehmung hat sich schon für


die einzig logische Möglichkeit entscheiden:
Das Licht scheint von hinten durch das Objekt,
das durch den Hell­Dunkel­Verlauf keine
Scheibe sein kann. Also blicken wir in eine
Art Tunnel. Unterstützt wird dieser Eindruck
durch die Art der Schraffur.

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Tipps & Tricks

Lieber ungerade!
Drei, fünf, gegebenenfalls auch sieben: Das sind gute Zahlen, wenn es um die An­
zahl gleichartiger Elemente in einem Bild geht. Eine ungerade Anzahl von Blumen
ist spannender als ein Duo, ein Quartett oder ein Sextett. Das gilt natürlich für alle
Arten von Objekten: für Baumgrüppchen, Boote am Strand, Schäfchen auf der
Weide oder Stühle um den Tisch. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Warum das so ist, warum die drei Blumen


(A) den Blick eher gefangen nehmen als
deren vier (B), weiß man nicht. Aber sehen
Sie selbst in diesem Arrangement, wo die
drei Anemonen in ungleichmäßigen Ab­
ständen arrangiert wurden.

Übrigens erfassen wir auf einen Blick nur bis B


zu sieben Elemente. Wenn es mehr sind,
müssen wir die Dinge schon zählen. Ob es
also um acht, neun oder zehn Blumen geht,
spielt in der Zeichnung keine Rolle; sehr
wohl jedoch in „echten“ Blumensträußen,
dort allerdings aus Gründen der Konvention.

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Tipps & Tricks

Schattieren mit Bleistift


Den harten Bleistift (H) brauchen Sie nur selten, und dann in der Regel für sehr
feine Schraffuren; die noch härteren Stifte von 1H aufwärts sind eher etwas für
technische Bleistiftzeichnungen. Gute künstlerische Hilfsdienste können die
harten Stifte jedoch beim Schattieren in Farbstiftzeichnungen leisten, zum
Beispiel hier bei den Vogelbeeren.

In der reinen Farbstiftzeichnung erhalten die


kleinen Beeren – die Früchte der Eberesche – ihre
Schatten und damit ihre Kugelform durch die
schichtweisen Schraffuren von dunkleren auf
helleren Farben.

Grundiert wird in Gelb. Darüber kommen Schraf­


furen in einem hellen Orange. Das ergibt einen
lebendigen, sozusagen von innen her leuchten­
den Farbton.

Schattiert wird zuletzt mit einem dunkleren


Orange; das mehrmalige Schraffieren verdichtet
und intensiviert die Farbe und deckt dabei die
gelben Sprenkel fast komplett ab.

Sehr viel präsenter und auch plastischer


wirkt das Vogelbeer­Büschel, wenn Sie
die Beeren zuletzt noch mit dem harten
Bleistift H (falls vorhanden, besser noch
mit dem 1H) schattieren.

Mit dem gut angespitzten Stift können


Sie – im Gegensatz zum Farbstift –
äußerst fein schraffieren. Anders als
bei weichen Bleistiften verschmiert
auch nichts.

Die Beeren erhalten eine zarte Textur,


auch die tiefsten Schatten behalten ihre
Leichtigkeit und Transparenz. Das
ganze Motiv wirkt nobler und dezenter,
ohne dabei an Ausdruck zu verlieren.

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Tipps & Tricks

Texturen einfach abreiben


Wenn Sie dem glatten Zeichenpapier Glattes Zeichenpapier nimmt keinen Anstatt direkt auf Packpapier zu zeich­
strukturiertes Papier unterlegen und Einfluss auf den Strich oder die schraf­ nen, können Sie für bestimmte Bildteile
dessen Erhebungen mit Bleistift abrei­ fierte Fläche und verhält sich sozusa­ auch nur dessen Struktur übernehmen.
ben, erhalten Sie auf ganz einfache Wei­ gen neutral. Papier mit einer bestimm­ Dazu spitzen Sie den weichen Bleistift
se interessante und regelmäßige Flä­ ten Oberflächenstruktur hingegen, 2B gut an, sodass das blanke Stück der
chen. Diese einfache Abreibe­Technik beispielsweise Packpapier, verändert Mine möglichst lang ist. Halten Sie den
nennt sich Frottage, vom Französischen das Erscheinungsbild, weil die Vertie­ Stift flach. Beim Schraffieren werden
für „reiben“. fungen weniger Farbe abbekommen die Vertiefungen überbrückt und nur
als die Erhöhungen. die erhabenen Bereiche eingefärbt.

Dieses einfache Stillleben wird zunächst


in Tisch und Vasenform eingeteilt.
Das Packpapier kommt mit der rauen
Seite nach oben unter das Zeichenpapier
und wird mit dem Bleistift abgerieben.
Zum Vorschein kommt die Packpapier­
Textur. Vorsicht: Die Unterlage darf dabei
nicht verschoben werden, sonst gibt es
Brüche in der Textur.

Für die Wand bietet sich eine senk­


rechte Laufrichtung des Musters an,
entsprechend wird das Packpapier
gedreht. Schatten entstehen durch
wiederholtes Abreiben. Die Vase hin­
gegen bleibt im Kontrast zum Hinter­
grund glatt und kann mit sachten,
sodann verwischten Schraffuren
ebenso glatt schattiert werden.

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Tipps & Tricks

Raus aus der Mitte!


Was soll der Schwerpunkt einer Zeichnung sein, der Blickfang? Sobald Sie sich darüber
im Klaren sind, kommt es darauf an, diesen „Eyecatcher“ auf interessante Weise in
Szene zu setzen. Dies geschieht durch die Wahl des Bildausschnittes im passenden
Bildformat. Am wichtigsten dabei: Der Bildschwerpunkt soll raus aus der Mitte.

In dieser Landschaftszeichnung
ist der Blickfang die auf der Alm­
wiese frei stehende Baumgruppe,
mit dem höchsten Gipfel im Hin­
tergrund und im linken unteren
Bilddrittel platziert. Von hier aus
kann der Blick durch die gesamte
Szene wandern, wofür der quer­
formatige Bildausschnitt die
Voraussetzungen schafft.

Vergleichen Sie die Wirkung mit dem Hochformat, wo


Ihnen Bäume und Gipfel zentral vorgesetzt werden.
Alles wird mit einem Blick erfasst – und das wär’s
dann auch schon. Spannung, Neugier, Wanderlust
kommen jedenfalls nicht auf; der Betrachter hat
schon alles gesehen.

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Tipps & Tricks

Lichtstimmung mit Schlagschatten


Wo viel und grelles Licht ist, dort sind die Schatten kontrast­ verlaufenden Rändern zeichnen sich die Schatten ab. Das be­
reich und scharf umrandet; vorausgesetzt, man hat es mit deutet, dass Sie alleine durch die Art der Schatten strahlen­
einer punktförmigen Lichtquelle zu tun: im Haus vielleicht den Sonnenschein oder aber eine trübe Wolkenstimmung
eine Lampe, draußen die Sonne. Diffuses Licht hingegen über die Landschaft legen können. Die Sonne als solche kann
strahlt von allen Seiten ein; entsprechend schwach und mit natürlich außer Betracht bleiben, wie dieses Beispiel zeigt.

Die harten und dunklen Schlagschatten


der Baumstümpfe auf dem lichten Sand
verweisen auf eine ungetrübt einstrah­
lende Sonne. Die Rede vom „tiefen“
Schatten drückt das Phänomen gut aus.
Die Landschaft liegt in grellen Licht.
Allerdings sollten Sie auch die tiefsten
Schatten niemals schwarz zeichnen, da
sie sonst wie ein Loch in der Zeichnung
wirken würden. In der Farbzeichnung
bietet sich ein dunkles Blau an.

Zum Vergleich die identische Szene,


hier jedoch mit schwachen, nur in der
Mitte dunklen und dann ins Helle ver­
laufenden Schlagschatten: Irgendwo
links im Himmel scheinen Wolken das
Sonnenlicht zu trüben, die klare, hit­
zige Atmosphäre weicht einer
diffusen Lichtstimmung.

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Tipps & Tricks

Hoher Himmel, weites Land


Auch eine weite, einförmig flache Landschaft hat durchaus tief setzen und dem weiten Himmel genügend Raum ge­
seinen Reiz. Der Blick schweift ungehindert in die Ferne, und ben. Als Faustregel gilt, dem Himmel die oberen beiden
manch einer freut sich, wenn ihm keine Berge die Aussicht Bilddrittel einzuräumen. Dann nämlich betrachtet man die
verstellen. Diese Stimmung von Weite und Freiheit kommt in Szene aus der Augenhöhe einer stehenden Person, also aus
der Zeichnung dann zum Ausdruck, wenn Sie den Horizont dem Blickwinkel des Wanderers.

Vergleichen Sie die beiden


Bildausschnitte:

In der Version links liegt die Hori­


zontlinie in der Bildmitte. Nicht nur
hat der Betrachter keinen natür­
lichen Standplatz, sondern scheint
ein paar Meter über der Szene zu
schweben. Hinzu kommt, dass der
für große Ebenen typische weite
Himmel nicht genug Raum hat,
um zur Wirkung zu kommen.

Ganz anders wirkt dieselbe


Szene, wenn das Land nur das
untere Bilddrittel einnimmt.
Man steht gelassen auf wohl­
tuend fester Erde, der Himmel
öffnet sich weit und gibt zu­
dem reichlich Gelegenheit, ihn
mit Wolkenschleiern interes­
sant zu gestalten.

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Tipps & Tricks

Tiefenwirkung in platter Landschaft


Diese Zeichnung kennen Sie vom letzten Tipp, in dem es um die Platzierung der
Horizontlinie ging: Diese bestimmt, aus welchem Blickwinkel man in die flache
Landschaft blickt; in diesem Beispiel in der Perspektive des Wanderers. Wie aber
kann ich die Ebene interessant und spannend gestalten und zugleich Fernwirkung
erzeugen? Alles eine Frage der Bildkomposition.

Zunächst brauchen Sie Elemente, die das Bild


beleben. Strohrollen passen zum Landschafts­
thema. Schon zwei im Vordergrund gestaffelt
angeordnete Rollen – der vordere natürlich
größer gezeichnet – bringen Tiefe ins Bild.
Und die ganz kleinen im Hintergrund scheinen
sehr weit entfernt.

Die beiden Ballen bilden zugleich den Schwer­


punkt oder Blickfang; sie sind so angeordnet,
dass sie den Blick weiter und quer durch das
Bild führen. Auch ihre Schatten weisen unge­
fähr in diese Richtung. Rechts hinten wird dann
der Blick von den weißen Wolken sozusagen
abgeholt und in weitem Bogen hoch in den
Himmel geführt.

Und dann gibt es noch einen einfachen Trick,


die Zeichnung auch nach vorne hin zu öffnen …

A B

… lassen Sie einfach Schatten hineinragen. Welches Objekt diese Schatten wirft, Vergleichen Sie die
bleibt unbekannt und spielt auch keine Rolle. Natürlich fallen hier die Schatten in beiden Versionen:
die gleiche Richtung wie bei den Strohballen. Und weil sie so dunkel sind, bilden sie A ohne Schatten
einen starken Kontrast zur hellen Ferne, was wiederum der Bildtiefe zu Gute kommt. B mit Schatten

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Tipps & Tricks

Perfekt oder unvollkommen?


Niemand zwingt Sie, ein Bild fertig zu zeichnen, und diese Freiheit können Sie
auch dokumentieren: Das Unvollendete ist Ausdruck künstlerischer Freiheit.
Vergleichen Sie die beiden Versionen der Magnolie.

In dieser Version bleibt die rechte


Blüte unfertig stehen, und weil sie
deshalb so kontrastarm ausfällt,
scheint sie gerade erst zu entstehen.
Zugleich scheint sie, eben wegen
ihrer Blässe, zurückzuweichen.
Damit erhält das Bild Tiefe.
Umso präsenter zeigen sich die
beiden anderen Blüten.

In diesem Bild wirkt die Magnolie


ein bisschen langweilig. Dem Bild
fehlt Spannung, alles ist fertig und
sozusagen gesagt. Dem Betrachter
bleibt kein Spielraum.

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Tipps & Tricks

Papier zeichnet mit!


Weißes Papier empfinden wir als farbneutral, obwohl es indirekt natürlich immer mitwirkt:
In Schwarz­Weiß­Zeichnungen als (ausgesparte) Farbe, in Farbzeichnungen, indem es
nicht deckende Farben sozusagen von unten her aufhellt. Getöntes Papier hingegen hat
als Grundfarbe einen direkten, unmittelbaren Einfluss auf die Bildwirkung.

In diesem Beispiel liefert das rötliche Braun


des Papiers den Grundton für die kleine Pilz­
Studie. Dazu passt der Strich des Rötelstiftes.
Die Zeichnung ist monochrom, wirkt jedoch
„farbiger“, als sie eigentlich ist. Naturgemäß
zeigen sich die Glanzlichter nicht weiß,
sondern im helleren Papierton.

Die Zeichnung mit einem weißen Stift (Weißkreide


oder Pastellstift) auf schwarzem Zeichengrund hat
eine wiederum andere Wirkung: Erstens sind die
Kontraste viel stärker, und zweitens kehrt sich die
Wahrnehmung sozusagen um – ähnlich wie auf
einem Foto­Negativ: Die weiß gezeichneten Kon­
turen und Schraffuren erscheinen als das Positive,
und entgegen aller Sehgewohnheit interpretiert
man die weißen Schraffuren als Schattierungen.

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Tipps & Tricks

Lebendiges Fell
Das Fell von Tieren ist alles andere als eine einheitliche Umkleidung des Körpers.
Das Haarkleid verändert sich mit jeder Bewegung, es spielen darin Licht und
Schatten und, so wie bei unserer Katze, zeigen sich darin auch Muster. Genauso
lebendig soll auch die Zeichnung wirken. Grundlage sind Formschraffuren, das
heißt, die Haare schmiegen sich an die Körperform an.

Der erste Schritt: Zeichnen Sie die Körperkontur in


einem Strich durch. Diesem Schwung folgen Sie auch
mit kürzeren und längeren Schraffurstrichen, bei
denen Sie mal stärker, mal schwächer andrücken.
Das ist sozusagen die Grundierung des Fells.

Dann verdichten Sie manche Bereiche mit weiteren Schraffuren.


Dazu setzen Sie im dunkelsten Bereich an und lassen die Striche
weich und hell auslaufen. Machen Sie das in beide Richtungen.
Dabei führen Sie die Striche auch über die Körperkontur hinaus.
Darunter verschwindet die bisher glatte Umrandung, und das
Fell wirkt natürlich.

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Tipps & Tricks

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Herausgeber:
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Redaktionsleitung:
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Redaktion:
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