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Martin Stankewitz lebt und arbeitet in Maulbronn. Der ausgebildete Forst-


wirt ist im Rohstoffhandel tätig. Neben seinem Brotberuf hat er sich künst-
lerisch aus- und fortgebildet durch ein dreijähriges Fernstudium Malerei
und Zeichnung, parallel dazu zwei Jahre Unterricht in Ölmalerei mit
Schwerpunkt Freilichtmalerei (Plein Air), Besuch von Sommerakademien,
Workshops in Malerei und Zeichnung, ebenfalls mit Schwerpunkt Land-
schaft und Architektur. Er hat seine Werke bereits in mehreren Ausstellun-
gen gezeigt und verschiedene Print-on-Demand-Bücher veröffentlicht. Mit
seinem Buch möchte er sowohl seine Begeisterung für das Zeichnen und
Malen als auch für Bäume und das Erleben von Landschaft weitergeben.
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Martin Stankewitz

Bäume
zeichnen und malen

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Lektorat: Barbara Lauer


Copy-Editing: Friederike Daenecke, Zülpich
Layout und Satz: Petra Strauch, Bonn
Herstellung: Susanne Bröckelmann
Umschlaggestaltung: Janine May, Entwurf Albrecht Rissler
Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, 39240 Calbe (Saale)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:
Print 978-3-86490-380-9
PDF 978-3-96088-267-1

1. Auflage 2017
Copyright © 2017 dpunkt.verlag GmbH
Wieblinger Weg 17, 69123 Heidelberg

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Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten.Die Verwendung der
Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags urheber-
rechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die
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liert. Weder Autor noch Herausgeber noch Verlag können jedoch für Schäden haftbar gemacht werden,
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Vorwort
»Es ist wohl keine Übertreibung, einen Baum das großartigste
und schönste Geschöpf auf Erden zu nennen.«
William Gilpin in »Anmerkungen über Forstlandschaften
und andere Waldansichten«, 1834

Mein Interesse an Bäumen und vor allem am Wald Über Jahre haben sich meine Skizzen- und Mal-
reicht zurück bis in die Jahre meiner Kindheit. Zum bücher mit Landschaftsbildern gefüllt, in denen immer
Ende der Schulzeit war es mein Wunsch, Förster zu wieder Bäume als wichtige Elemente zu sehen sind. Im
werden, und tatsächlich habe ich Forstwissenschaften Jahr 2009 begann ich, über mehrere Jahre ein Wald-
studiert. Die Arbeit im Wald ist aber dann doch nicht tagebuch zu führen. So intensiv wie kaum jemals zuvor
zum Beruf geworden. Die Kenntnisse über Bäume habe ich dadurch den Lauf in der Natur im Wechsel der
und das Verständnis für deren Gestalt bereichern und Jahreszeiten erlebt. Letztlich bin ich so zum Studium
begleiten mich jedoch auf meinen Wanderungen und der Bäume und Wälder mit anderen Mitteln zurück-
Spaziergängen durch Wald und Landschaft bis heute. gekehrt.
Beim Malen und Zeichnen kann ich Natur und Land- Ich hoffe, dass die technischen Tipps helfen und
schaft intensiv erleben und selbst aktiv werden. Dabei dass vor allem die Betrachtung der Bilder Sie anregen
entdecke ich immer wieder Neues an längst Vertrau- wird, selbst hinaus in die Landschaft und Wälder zu
tem, seien es einzelne Bäume oder Landschaftsansich- gehen, um den Zauber der Bäume auf sich wirken zu
ten. Der größte Teil meiner Bilder ist in einem Umkreis
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von nur fünf Kilometern um meinen Wohnort ent- Die Chance, dieses Buch zu veröffentlichen, ver-
standen. Immer wieder fallen mir bisher unbeachtete danke ich Albrecht Rissler. Dafür danke ich ihm sehr.
Dinge auf oder es zeigen sich Veränderungen, die zu Danken möchte ich auch dem dpunkt.verlag, insbe-
einem tieferen Verständnis von Natur und Landschaft sondere Frau Barbara Lauer, die mich unterstützend
beitragen. begleitet und das Buch lektoriert hat.

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Inhalt
KAPITEL 1
Wie sieht ein Baum eigentlich aus?  1
Proportionen und Wuchsformen  3
Wege zu naturgetreuen Proportionen in der Zeichnung  10
Wurzelanlauf 12
Stamm und Rinde  24
Eichen 25
Buchen 34
Obstbäume 46
Fichten 52
Kiefern 58
Baumkrone, Äste und Blätter  60
Kahle Bäume  62
Belaubte Baumkronen  72
Äste und Blätter  86
Nadelbäume 90

KAPITEL 2 - transid - exl37556431-396088267X -


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Baum und Landschaft  100
Einzelbäume 103
Baumgruppen 104
Streuobstwiesen 110
Wald 122
Schwarz-Weiß-Zeichnungen 123
Detailstudien 132
Ungewöhnliche Perspektiven  134
Jahreszeiten im Wald  136
Bäume im Dorf  148
Stadtlandschaft 154
Gärten und Parks  160

KAPITEL 3
Baumlandschaften und Komposition  169
Historische Vorbilder  172
Kompositionsstudien von Baumlandschaften  176
Rahmung und Kontrast  179
Balance 182
Die Darstellung des Raumes  184

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KAPITEL 4
Baumbilder gestalten  187
Abstraktion und Reduktion  188
Dekorativ 190
Experimentell 192
Fotografische Vorlagen nutzen  194

KAPITEL 5
Zeichnen in der Praxis  199
Umgang mit »Fehlern« und unschönen Details im Bild  201
Zeichenmodi und Zeichenübungen  202
Spontan und skizzenhaft  202
Kontrolliertes Zeichnen  205
Blindzeichnen 206
Umriss und Form  208
Textur und Schraffur  210
Licht und Schatten  216
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KAPITEL 6
Meine bevorzugten Materialien  225
Bildträger und Bilduntergrund  226
Zeichengeräte 230
Ölpastell 234
Gouachefarben 240
Ausrüstung 241
Ein Tipp für die Handhabung von Pinseln  242
Tipps für das Malen mit Gouachefarben  244

Linkliste und Bücher  246

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Obstwiese mit Hütte, Hamberg, Maulbronn


Ölpastellviii
im Malbuch, 32 x 22 cm
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KAPITEL 1

Wie sieht ein Baum


eigentlich aus?

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Die Frage, wie ein Baum aussieht, mag banal erscheinen. Aber bei dem Versuch, einen
Baum aus dem Gedächtnis zu zeichnen, stoßen die meisten von uns schnell an Grenzen,
und das Resultat der Bemühungen wirkt oft nicht überzeugend. Wir glauben häufig zu
wissen, wie etwas aussieht, nur weil wir dieses Objekt oft, vielleicht täglich sehen. Der
Versuch, das Gesehene aus dem Gedächtnis auf Papier darzustellen, zeigt dann schnell
die Erinnerungslücken auf.
Dinge, die man gezeichnet hat, kennt man sehr viel besser. Denn Zeichnen zwingt zu
genauer, geduldiger Beobachtung. Der beste Lehrmeister ist die Natur selbst. Man muss
sich nur die Zeit nehmen und mit Stift und Papier eigene Beobachtungen draußen in der
Natur notieren.
Sie können sich dem Motiv Baum in der Natur auf verschiedene Weisen und aus ver-
schiedenen Richtungen nähern. Zum einen können Sie mit kleinen Formstudien aus grö-
ßerer Entfernung sehr gut die Proportionen von Stamm und Krone studieren. Sie können
aber auch nahe an das Motiv heranrücken und immer wieder Detailstudien von Wurzel,
Stamm, Ästen und Blättern anfertigen. Am schwierigsten ist es, einen Baum vollständig
mit vielen Details in Stamm und Krone darzustellen. Hierbei können dann die Übersicht,
die Sie aus den Formstudien gewonnen haben, und die Erfahrungen aus Detailstudien zu
Stamm, Rinde, Ästen und Blättern zusammengeführt zur Anwendung kommen.
In diesem Kapitel studieren Sie zunächst die Proportionen von Bäumen. Anschließend
zeige ich Ihnen, wie Sie Wurzelanlauf, Stamm und Baumkrone darstellen.

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Die kleinen Studien eines
Birnbaums ohne Blätter
wurden mit Füllfederhalter
und Tusche gezeichnet, um
die Form und Ausdehnung
der Baumkrone und die
Proportionen von Stamm
und Hauptästen besser
kennenzulernen.

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Proportionen und Wuchsformen

Jeder Baum ist ein einzigartiges Individuum. Selbst Exemplare der gleichen Baumart
können ganz unterschiedliche Proportionen von Stamm und Baumkrone ausbilden, denn
diese hängen von den Standortbedingungen und Einflüssen ab, die Boden, Klima, be-
nachbarte Bäume oder die Tierwelt und meist auch der Mensch mit seinen Aktivitäten
ausüben.

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Obstbäume
Einfache Formstudien können Ihnen helfen, die wichtigsten Merkmale eines Baumes zu Formstudie in
erkennen. Diese Studien fertigen Sie am besten in ausreichender Entfernung zum Baum Ölpastell
an, sodass Sie den Baum vom Wurzelanlauf bis zur Baumspitze bequem im Blick haben
und die Zeichnung ausführen können, ohne ständig den Kopf bewegen zu müssen.
Dies war übrigens eine der »Regeln«, die die Meister der Landschaftsmalerei im
18. Jahrhundert festgelegt haben: der optimale Abstand zum Landschaftsmotiv. Das Bild
sollte mit einem feststehenden Blickwinkel gemalt werden – nicht nur, um ermüdende
Bewegungen des Kopfes zu vermeiden, sondern vor allem, um eine möglichst getreue
räumliche Darstellung zu erzielen, die den Regeln der Perspektive entspricht. Sobald man
ein Motiv nur mit Kopfbewegungen voll erfassen kann und dies zu Papier zu bringen
versucht, ergeben sich zwangsläufig Verzerrungen der Perspektive. Dieser Effekt kann aber
durchaus auch absichtlich als Stilmittel eingesetzt werden.
Bei größerer Distanz zum Motiv werden Sie zudem als Anfänger nicht von den vielen
Details der Äste und Blätter überfordert. Sie können mit zunehmender Übung und Sicher-
heit im Zeichnen dann immer näher an das Motiv heranrücken, um mehr und mehr Details
zu erfassen und zu studieren.

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Formstudien von Bäumen


in der Landschaft, Ölpastell,
Skizzenbuch 25 × 25 cm
(Seitengröße)

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Mit Ölpastellen lassen sich schnell Formstudien erstellen. Hierbei


sind kleinere Formate hilfreich. Sie verhindern, dass man sich in
Details der Darstellung verliert.
Freistehende Laubbäume können eine breite, ausladende
Baumkrone entwickeln, die tief am Stamm ansetzt. Im Wald ste-
hende Bäume sind dagegen gezwungen, ihre Äste im Wettbewerb
mit anderen Bäumen in größerer Höhe am Stamm zu entwickeln.
Unter den Nadelbäumen sind Kiefern schon von Weitem an den
typischen, oft gewundenen Hauptästen und der dichten, dunklen
Benadelung in Büscheln erkennbar.

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Formstudien in Tusche
Skizzenbuch mit schwerem
Aquarellpapier, 21 × 15 cm

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Arbeitet man mit größeren Pinseln, wird man automatisch zur Vereinfachung in der Darstellung gezwungen.
In diesen Zeichnungen habe ich einen mehrere Zentimeter breiten Pinsel aus dem Baumarkt verwendet. Aus
solchen Übungen können Sie wertvolle Anregungen technischer Art, aber auch für die Bildgestaltung gewinnen.

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Obstbäume
Acrylmarker, ca. A4

Experimente auf farbig


grundiertem Papier können
zu ungewöhnlichen Farb-
kombinationen anregen. Hier
habe ich zunächst die Baum-
stämme und die Hauptäste
skizziert, danach die Formen
der winterkahlen Baumkro-
nen mit Strichbündeln auf
dem farbigen Untergrund
dargestellt. Zuletzt habe ich
gut deckende Acrylmarker
verwendet. Der Himmel ist
mit hellen Blautönen aufge-
hellt, um die Baumgruppe
deutlich vom Hintergrund
abzuheben.

Acrylmarkerstifte gehören inzwischen auch zu meinen bevorzugten Zeichenwerkzeugen.


Mit einer etwas angetrockneten Spitze lassen sich auch Grautönungen darstellen. Skiz-
zen, die einen größeren Landschaftsausschnitt zeigen, sind auch als Kompositions- oder
Vorstudien zu genaueren Zeichnungen oder auch farbigen Darstellungen nützlich. In
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diesem Beispiel habe ich die Form der Baumkronen durch Umrisslinien begrenzt.
Obstbaumwiese
Acrylmarker, Skizzenbuch A5

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Blick auf den Burgberg bei Lienzingen aus unterschiedlicher Perspektive: zwei kleine Landschafts­
studien in Gouache, in denen die Formen der Baumkronen stark vereinfacht festgehalten sind
Skizzenbuch ca. 17 × 26 cm

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Wege zu naturgetreuen Proportionen in der


Zeichnung

Bäume oder andere Motive in den richtigen Proportionen zu zeich-


nen, lernt man durch Übung. Werden die Übungen durch Kontrolle
und Messungen der Proportionen unterstützt, stellt sich eine
möglichst präzise Koordination von Hand und Auge schneller ein.
Proportionen lassen sich mit einfachen Mittel messen oder
überprüfen. Als Messstab kann das Zeichengerät selbst dienen,
z. B. ein Bleistift, der Pinselstil oder auch ein kleiner Holzstab. Dazu
strecken Sie den Arm ganz aus und peilen über das Werkzeug die
Linie an, die Sie messen wollen. Wichtig ist, dass Sie die Messun-
gen immer mit voll ausgestrecktem Arm ausführen.
Durch diese immer gleiche Haltung lassen sich Messfehler
vermeiden. Würden Sie nämlich den Abstand des Messstabes
zum Auge variieren, würde sich natürlich auch das Messergeb-
nis ändern. Sobald Sie auf diese Art und Weise einmal eine Re-
ferenzgröße festgelegt haben, lassen sich Größe und Lage aller
weiteren Elemente im Bild in Relation dazu bestimmen. Mit einem
Messstab (z. B. einem kleinen Kantholz aus dem Baumarkt), der
der Höhe des gewählten Bildformats entspricht, können Sie die ge-
messenen Längen sogar direkt auf das Papier übertragen. Hilfreich
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ist es auch, auf solch einem Messstab Markierungen für Teilungen
im Verhältnis 1:1, 1:2, 1:3 und 1:5 anzubringen.
Mit solch einem Hilfsmittel lernen Sie schnell, Proportionen
recht genau einzuschätzen. Das Messen können Sie dann auf we-
nige markante Linien beschränken. Mit zunehmender Sicherheit
benötigen Sie die Hilfsmittel immer seltener.
Abgesehen von vertikalen oder horizontalen Messlinien kann
man auch geneigte Linien im Motiv als Konstruktionshilfen ver-
wenden. In diesem Bild trifft zum Beispiel die Verlängerung der
Dachschräge als gedachte Konstruktionslinie rechts oben auf
einen markanten Punkt einer Baumkrone und unten links auf den
Punkt, an dem sich der Dachfirst und die erste Zypresse berühren.
So konnte ich die Neigung des Daches leichter bestimmen.

Abbaye St. Hilaire, Provence

In dieser Zeichnung sind gedachte Messlinien mit rotem Stift markiert.


Ich habe diese Linien benutzt, um über markante Abstände im Motiv die
Proportionen möglichst naturgetreu zu erfassen.

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Wurzelanlauf
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Alle Bäume bilden für die jeweilige Baumart typische unterschiedlich sieht die Lebensgemeinschaft aus, die
Wurzelanläufe aus. Je schwieriger der Boden am den Stammfuß besiedelt. Zwischen den Wurzeln sieht
Standort für den Baum ist, desto stärker bildet er an man oft die blanke Erde, weil durch Schwankungen des
der Erdoberfläche sichtbare Wurzelanläufe, die auch Stammes im Wind der Wurzelteller im Boden mit be-
erahnen lassen, wie weit verzweigt das Wurzelsystem wegt wird. Die Erde zwischen den Hauptwurzeln kann
eines Baumes sein kann. dadurch immer wieder an die Oberfläche gedrückt
Auf felsigem Untergrund, in Hanglagen oder auf werden.
Bodenerhebungen bilden Bäume oft starke Wurzel- Am Beispiel der Wurzelanläufe möchte ich Ihnen
anläufe und -ausläufer, um die Standfestigkeit zu mit einfachen, schematischen Illustrationen grund-
erhöhen oder Zugang zu besserer Wasser- und Nähr- legende Möglichkeiten zeigen, Baumstämme in der
stoffversorgung zu finden. In windigen Höhenlagen Zeichnung als dreidimensionale Körper darzustellen.
reagieren Bäume mit starker Wurzelbildung entgegen Das Volumen von dreidimensionalen Körpern lässt
der Windrichtung. sich sehr gut mit Linien, die parallel auf der Oberfläche
Für ältere Buchen sind fingerartige Verzweigungen laufen, »beschreiben«.
der Wurzeln am Stammfuß typisch. In geneigtem Ge- Der italienische Barockkünstler Giovanni Battista
lände sind die talseitigen Wurzelanläufe meist stärker Piranesi hat diese Methode zur Meisterschaft ent-
ausgebildet als die bergseitigen. wickelt. In seinen Darstellungen des alten Rom
Am Wurzelanlauf herrscht ein anderes Mikroklima verwendet er fast ausschließlich parallele Linien in
als in anderen Teilen des Baumstamms. Entsprechend unterschiedlicher Dichte und Dicke so geschickt, dass

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nicht nur die Form und Oberflächentexturen des Mau-
erwerks dargestellt werden, sondern zugleich auch
Licht und Schatten.
Kombiniert man horizontale und vertikale Linien, so
erhält man ein Gitternetz aus sich kreuzenden Linien,
mit dem sich gewölbte Oberflächen noch deutlicher
darstellen lassen. Durch Variation der Strichstärke und
des Abstandes der Linien lässt sich die Wirkung noch
verstärken.

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Zur Darstellung von Volumen, d. h. Licht und Schatten,


werden meist Schraffuren von geraden, parallelen oder
sich überschneidenden Linien entlang der Oberfläche
des Körpers verwendet. Man kann aber auch ganz freie
Schraffuren oder Liniengewirre zur Darstellung benut-
zen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Beim
Zeichnen in der Natur bekommt man dazu sehr viele
Anregungen durch die Textur der Baumrinde.
In den einfachen Beispielen sind die Konturlinien
durchgezogen. Normalerweise wird man die Kontur-
linien deutlich zurückhaltender ausführen oder so
weit möglich eventuell ganz weglassen.

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Wurzelanläufe von Buchen
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Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Die Wurzelanläufe von Buchen an einem leicht geneig-


ten Hang sind hier mit einfachen Schraffuren darge-
stellt, die in eine Umrisszeichnung gesetzt wurden.
Die Bäume strecken ihre Wurzeln wie die Finger einer
Hand ins Erdreich. Keiner der Stämme steht lotrecht
gerade. Alle Bäume in der Natur neigen sich in irgend-
eine Richtung.

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Nachdem die grundlegenden Formen des Wurzelan-


laufes festgelegt sind, können Sie damit beginnen, die
Details von Rinde und deren Bewuchs zu kartieren.
Die grobe Borke der Eiche ist schwierig zu zeichnen:
Schnell verliert man sich im Laby­rinth der Rinnen und
Rillen, die überwiegend in Stammrichtung verlaufen.
Moose können sich auf Eichenborke nicht so üppig ent-
wickeln, da das am Stamm ablaufende Wasser schon
in größeren Höhen in den Rissen der Borke versickert
und verdunstet.

Konturlinien und erste Strichlagen zur Dar­stellung von


Rinde und Moos an einer Buche
Füllfederzeichung, Skizzenbuch A4

Wurzelanlauf einer Eiche


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Füllfeder, Skizzenbuch A4

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Am Wurzelanlauf von älte-


ren Buchen siedeln sich gerne
Feuchtigkeit liebende Moose
an. Sie profitieren von dem
Wasser, das von den Ästen
und am Stamm herabläuft.
Oftmals lässt sich am Moos-
und Algenbewuchs ablesen,
auf welchen Seiten des
Stammes das Regen- und
Tauwasser abläuft.

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Wurzelanlauf eine Buche


Füllfeder, Skizzenbuch A4

In der Studie sind die Texturen von Rinde und Moosbewuchs


mit kurzen Strichen dargestellt. Teilweise habe ich Schraffuren
verwendet, um Spalten und Vertiefungen hervorzuheben.

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Die Eiche hat eine große Wunde unten am Stamm davonge-


tragen, wahrscheinlich durch einen Blitz. Der Baum versucht,
sie durch Überwallung zu schließen. Leider ist die Wunde
wohl zu groß. Es hat sich schon eine Faulstelle an ihrem
unteren Ende entwickelt, wo sich das Wasser ansammelt.
Einzelne Bohrlöcher von Käfern sind im offen liegenden
Holzkörper zu sehen.
Auch in diesen Studien habe ich zunächst die größeren
Formen durch Umrisslinien und Umrissmarkierungen abge-
grenzt, um danach schrittweise mehr und mehr Details zu
erarbeiten. An alten Bäumen lassen sich viele interessante
Einzelheiten finden, die etwas über die Lebensgeschichte
eines Baumes erzählen können.

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Wurzelanläufe von Eiche und Buche


Füllfeder, Skizzenbuch A4

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Wurzeln einer Buche
Füllfeder und Bleistift,
Skizzenbuch A4

An manchen Stellen im Wald kann man das weitreichende Wurzelwerk der Bäume besonders gut studieren.
Diese Buche wächst auf einem Bodendenkmal, der Eppinger Linie bei Maulbronn. Die Wurzeln treten großflä-
chig auf der Grabenseite aus dem Erdwall hervor. Diese Zeichnung habe ich mit der Füllfeder ausgeführt und
zusätzlich Tonwerte mit Bleistift hinzugefügt.
Das gleiche Motiv ist farbig in Gouache und mit Acrylmarkerstiften umgesetzt. In mehreren Schritten
habe ich zunächst den Hintergrund angelegt, danach die Buchenstämme mit Wurzelwerk hinzugefügt und
schließlich Details mit Acrylmarker eingezeichnet.

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Buchenstämme mit Wurzelwerk an der Eppinger Linie, Maulbronn


Gouache, Acrylmarker, Skizzen­buch A3

Kiefernbaumstumpf
Ölpastell, ca. 25 × 25 cm

Diese Studie eines Kiefern­stumpen habe ich in Ölpastell­


farben auf einem mit Ölfarben grundierten Papier angelegt.
Der Hintergrund ist abgedunkelt, um den Baumstumpf
hervorzuheben.

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Baumstumpf einer Fichte


Gouache und Tusche, Skizzenbuch A3

Den Fichtenstumpen habe ich zunächst als einfache, kolorierte Federzeichnung (rechts)
dargestellt und anschließend detaillierter in einer Gouachemalerei, die ich mit Feder und
Tusche in den Details überarbeitet habe (links).

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Stamm und Rinde

Baumarten unterscheiden sich meistens deutlich durch ihre Rinde


und sind oft schon allein an diesem Merkmal erkennbar. Über De-
tailstudien, die sich ausschließlich mit der Baumrinde und einem
Abschnitt eines Baumstammes befassen, können Sie viel lernen,
was Ihnen das spätere Zeichnen von vollständigen Bäumen erheb-
lich erleichtern kann.
Stamm und Rinde erzählen viel über die Lebensgeschichte
eines Baumes. Zahlreiche Narben und Überwucherungen von
alten Ästen, der Bewuchs mit Moos und Algen sowie die Farbe
und die Oberflächenstruktur der Rinde verraten viel über das
mögliche Alter und den Gesundheitszustand des Baumes. Die der
Hauptwindrichtung zugewandte sogenannte Wetterseite eines
Baumstammes hat in der Regel eine andere Farbe und Textur als
die Rinde im Windschatten. Oft läuft das Regenwasser auch im
Windschatten am Stamm ab und hinterlässt dort eine dunkle
Spur. Höhere Feuchtigkeit begünstigt die Besiedelung der Rinde
mit Algen und Moosen. Besonders am Stammfuß entstehen oft so-
genannte Moosschürzen, die meistens asymmetrisch im Schatten
und der Feuchtigkeit folgend am Stamm hochwachsen.
Viele Baumarten sind empfindlich gegen Sonnenbrand. Werden
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Baumstämme sehr plötzlich der direkten Besonnung ausgesetzt,
kann sich die Rinde so stark erhitzen, dass die darunter liegenden
empfindlichen Gewebe absterben. Schließlich bekommt die Rinde
Risse und fällt vom Baum ab. Der offene Holzkörper ist somit der
Witterung und Fäulnis ausgesetzt.
Ungerade, gebogene oder gar gedrehte Stammformen sind nur
teilweise genetisch bedingt, sondern weisen auch auf die Wirkung
der Umwelteinflüsse hin. Ein völlig kerzengerader Stamm, der
auch noch senkrecht aus dem Boden wächst, mag das Ideal eines
ökonomisch denkenden Waldbesitzers sein, die Realität weicht
davon aber immer mehr oder weniger stark ab.

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Eichen
In der Rinde der Eichen finden Sie Spalten und Rindenrücken, die
entstehen, wenn die in der Jugend noch weitgehend geschlossene
Oberfläche der Rinde mit zunehmendem Alter und Dickenwachs-
tum aufbricht und rissiger wird, weil die toten Rindenbestandteile
dem Dickenwachstum und der damit verbundenen Vergrößerung
der Oberfläche nicht folgen können.
Bei jungen Eichen ist die Rinde daher wesentlich glatter als bei
alten Bäumen. Aber die vertikalen Kerben und Risse, die typisch für
alte Eichbäume sind, erkennen Sie schon als feine Linien und Rillen.

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Typische Texturen an Eichenrinde


Füllfeder

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Eichenrinde zu zeichnen, ist eine Herausforderung. In Detailstu-


dien können Sie versuchen, die verwirrenden Muster zu entschlüs-
seln und die Grundformen der Eichenrinde zu verstehen, die in
zahllosen Abwandlungen zu finden sind.
An alten Eichen können Sie interessante Unterschiede in der
Rindenstruktur finden. Anders als bei der grobborkigen Stieleiche
ist die Rinde der Traubeneiche eher fein gegliedert. Aber auch
zwischen einzelnen Bäumen derselben Art kann es auffällige Un-
terschiede geben.
Es gibt Eichen, die eher langgestreckte Rindenstränge ausbil-
den, während andere eine eher kurze, würfelförmige Rindenstruk-
tur aufweisen. Diese eigenartigen Unterschiede kann man aber
auch an verschiedenen Stellen an einem einzigen Stamm finden.

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Stamm einer alten Eiche


Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Bei dieser alten Eiche haben sich markante Rillen und Rindenbän-
der gebildet. Die Zeichnung gibt nur die wesentlichen Texturen
wieder. Eine besondere Schwierigkeit beim Zeichnen von Eichen-
rinde besteht darin, dass sich die Perspektive auf die Rindenrücken
und -rillen von der Stammmitte zu den Rändern hin von der Auf-
sicht in eine Seitenansicht ändert.

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Eichenstamm, Totholz
Ölfarbstifte auf Papier, 55 × 29,5 cm

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Mit Ölfarbstiften kann man spontan in kräftigen Farben zeichnen oder malen. Details
lassen sich mit Kunstoffspateln oder auch mit einem kleinen Holzstück formen oder in
die Farbschichten kratzen. Ich benutze die Ölfarbstifte ähnlich wie Ölpastelle. Hier habe
ich mich auf wenige Erdfarbtöne sowie Schwarz, Moosgrün und Hellblau beschränkt.
Beim Malen ziehe ich Einweg-Kunstoffhandschuhe an. Ein kleines Taschenmesser habe
ich dabei, um die Umhüllungen der Stifte nach Bedarf entfernen zu können.

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Eichen-Buchen-Wald
Gouache, Acrylmarker, Skizzenbuch A5

In dieser kleinen Farbskizze in einer Mischtechnik aus


Gouachefarben und Acrylmarker habe ich den Blick
in einen Eichen-Buchen-Mischwald mit Buchenunter­
wuchs festgehalten. Die raue Rinde der Eichen im
Vordergrund ist durch schwarze Linien und Farbflecken
in Grautönen und hellem Ocker dargestellt. Auf der
sonnenbeschienenen Seite ist ein hellgrauer Farbton
gewählt und Punkte in hellem Ocker darüber gesetzt.
Für die Bereiche im Schatten habe ich einen dunkel-
grauen Farbton verwendet, auf dem ich mit schwarzen
Strichen die Rindentextur betont habe.

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Diese Federzeichnung mit farbigem Hintergrund ist an mehre-


ren Tagen im Winter 2009 entstanden. Aus größerer Entfernung
betrachtet, verschmilzt die verwirrende Vielfalt an Oberflächen-
texturen der Eichenrinde zu feinen, parallel verlaufenden Linien-
bündeln.
Bei Temperaturen unter 0° Celsius friert auch Tusche recht
schnell ein. Daher waren insgesamt sechs Besuche nötig. Damals
notierte ich vor dem Zeichnen Eindrücke zu Wetter, Wildtieren, Ge-
räuschen und Gerüchen, manchmal aber auch zu meiner persön-
lichen Stimmung im Skizzenbuch. Später habe ich diese Notizen
reduziert und auch teilweise übermalt, was ich im Rückblick be-
dauere. Die Aufzeichnungen erschienen mir damals zu banal und
unbedeutend. Aber sie können die Erinnerung an das Naturerleb-
nis sehr unterstützen. Das Aufschreiben von Sinneswahrnehmun-
gen und Gedanken hilft sehr, sich auf einen Ort einzulassen und
zur Ruhe zu kommen. Oft taucht nach zehn bis fünfzehn Minuten
ruhigen Verweilens plötzlich auch eine schöne Bildidee oder ein
geeigneter Einstieg in ein Bild auf. In Jahreszeiten, in denen un-
sere Singvögel aktiv sind, werden Sie feststellen, dass auch andere
Lebewesen sich erst einmal mit der Anwesenheit eines Menschen
anfreunden müssen.
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Eichenmischwald im Frühjahr
Tusche und Gouache, Skizzenbuch A3

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Buchen
Die Rinde am Stamm der jungen Buche weist an vielen Stellen
bis in einige Meter Höhe eine grünliche Färbung durch Algen und
Moosbewuchs auf. Zunächst habe ich nur mit schwarzer Farbe
gezeichnet und untermalt, um die starken Grüntöne der dann
folgenden farbigen Schichten zu brechen.

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Buchenstamm mit Ästen


Wachsmalstifte, 35 × 50 cm

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Buchenstamm
Füllfeder, Skizzenbuch ca. A5

Das Volumen des Buchenstammes habe


ich mit Schraffuren modelliert. Im oberen
Stammbereich erkennen Sie überwachsene
Bruchstellen von alten Ästen noch als
Beulen.

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Um zu lernen, wie die verwirrende Vielfalt von Tex-


turen auf der Rinde eines Baumstammes zu erfassen
ist, hat sich für mich eine einfache Kartierungsübung
bewährt. Zunächst lege ich in einer Art Zeichenka-
talog fest, mit welchen Zeichen und Markierungen
sich bestimmte Merkmale der Rinde und die auf ihr
siedelnden Organismen darstellen lassen. Anschlie-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - ßend wende ich diese Zeichen in der Baumzeichnung
an den entsprechenden Stellen an. Dabei ergeben
sich Abwandlungen und Ergänzungen des Zeichen-
kataloges. Auf diese Weise gelange ich zu einer
immer weiter entwickelten Darstellung.

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Buchenstamm
Füllfeder, Skizzenbuch A4

Der Stamm weist zahlreiche Verletzungen nahe am Wurzelanlauf auf. Diese Wunden wurden
sicher durch den Abtransport von Baumstämmen verursacht. Die Zeichnung habe ich mit der
Füllfeder angelegt, mit Bleistift überarbeitet und mit Buntstiften zusätzlich koloriert.

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Detailstudien von Buchenrinde


Füllfeder, Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Die Rinde der Buche ist etwas Besonderes. Buchen bilden keine
Borke, die aus abgestorbenem Zellgewebe besteht. Die Rinde der
Buche bleibt immer lebendig und verändert sich im Laufe der Zeit.
Astnarben sind daher lange Zeit sichtbar und verändern ihr Aus­
sehen mit dem fortlaufenden Wachstum der Rinde.
Der Bewuchs mit Moosen, Algen und Flechten verändert seine
Farben je nach Witterung und Jahreszeit. Flechten sind Symbiosen
aus Algen und Pilzen, die arbeitsteilig organisiert sind. Die Algen
betreiben Photosynthese, während die Pilze für die Verankerung
und die Wasserversorgung des Organismus sorgen. Von Grün
Buchenstamm: Studie zu den Grün- und
abweichende Färbungen wie braune oder weiße Flecken sind von
Grauschattierungen eines Buchenstammes
parasitierenden Pilzen verursacht, die den Flechten und Moosen mit Moosbewuchs
im Herbst die Farbe entziehen. Ölpastellstudie, Malbuch 32 × 23 cm

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Buchenstämme
Gouache, Skizzenbuch A3

Als Erstes habe ich die Seiten des Skizzenbuches mit weißer Acrylfarbe grundiert. Ich
wollte sehen, ob die Gouachefarben auf diesem Untergrund besser zur Geltung kommen,
und gleichzeitig wollte ich eine etwas rauere Oberfläche schaffen. Das Experiment glückte
nur teilweise: Auf einer geschlossenen Grundierung mit Acrylfarbe haften Gouachefarben
nur schlecht, denn das Papier ist nicht mehr saugfähig. Die Farbtöne erscheinen jedoch er-
wartungsgemäß etwas leuchtender auf dem hellen Weiß als auf unbehandeltem Papier.
Diese Art der Grundierung habe ich nicht weiter verfolgt, weil eine gewisse Saugfähigkeit
des Papiers für das Arbeiten mit Gouachefarben vorteilhaft ist.

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Buchenstamm, Wurzelanlauf
Gouache, Tusche, Skizzenbuch A3

Neben der Gouacheskizze habe ich die


be­obachteten Besonderheiten der Rinde
notiert. Die Beschreibung in Worten hilft,
genauer hinzusehen, und spornt an, das
Gesehene in der Malerei darzustellen.

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Obstbäume
In der Nähe meines Wohnortes gibt es
noch zahlreiche Streuobstwiesen, die ich
häufig zum Zeichnen und Malen besuche.
Immer wieder finde ich interessante Mo-
tive; manche Bäume habe ich schon viele
Male gezeichnet und skizziert. Wird ein
alter Baum einmal vom Sturm gebrochen
oder von seinem Eigentümer entfernt,
bin ich froh, das Exemplar in meinen
Skizzenbüchern bewahrt zu haben.
Mit zunehmendem Alter bilden sich
an Birnbäumen unregelmäßige, läng-
liche, leicht rechteckig oder auch quad-
ratisch geformte Schuppen mit rauem
Rand (Würfelborke). Die dunklen Rillen
bilden ein gut sichtbares Gitter. In den
Achseln der Äste wird die Rinde auf der
Innenseite oftmals gestaucht und bildet
dann auch Querrillen aus. Hier habe ich
einen Birnbaum mit den typischen Ast-
löchern gezeichnet, die viele Vogelarten
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
als Bruthöhlen nutzen. Koloriert ist die
Zeichnung mit trockenen Pastellfarben,
die ich ins Papier gerieben habe.

Birnbaum
Tusche, Pastell, A4

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Birnbaumrinde
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Detailstudie von Birnbaumrinde mit knotigen Ausbuchtungen, die auf


überwachsene Aststummel hinweisen. An vielen Birnbäumen hat der
untere Stammbereich eine auffällige Form. Der Stamm ist in Bodennähe
etwas schmaler als weiter oben. Auf Höhe des größten Stammumfanges
verläuft oft eine gut sichtbare Querrille.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Apfelbäume bilden längliche, dünne, oft auch gewölbte Rinden-


schuppen mit abgerundeten Rändern. Man kann sich tagelang
mit dem Mikrokosmos der Rindenoberfläche beschäftigen. Diese
Baumgruppe habe ich über mehrere Monate immer wieder be-
sucht.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Studien von Apfelbäumen


Tuschezeichnungen,
Skizzenbuch A3, rechts
Ausschnitt

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Baumstamm eines alten Apfelbaumes am Rand einer Viehweide


Federzeichnung in Tusche, Zeichenbuch ca. A4

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Stamm eines Apfelbaumes


Ölpastell, A5

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Fichten
Die Rinde von Fichten zeichnet sich durch dünne, oft gewölbte,
ovale oder längliche Schuppen aus. Die dunklen Ränder bzw.
die Risse in der Rinde bilden ein Geflecht von dunklen Linien,
die den Stamm überziehen. Mit zunehmendem Alter blättert
die alte Rinde ab und wird durch eine nachkommende Schicht
mit gröberen Rindenschuppen abgelöst.

Abgestorbener Fichtenstamm
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Diese abgestorbene Fichte war fast vollständig


- orderid - exl37556431-396088267X
mit Moosen bewachsen. Die Struktur der-Rinde
transid - exl37556431-396088267X -
ist nur noch zu erahnen.

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Fichtenstangenholz, Ölpastell, Skizzenbuch A3

Rinde von Fichtenstämmen


Skizzenbuch A4

Diese Skizze ist in einem Fichtenstangen-


holz (Alter ca. 50 Jahre) entstanden. Die
Rillen in der Rinde habe ich phasenweise
»blind« gezeichnet, d. h., ohne auf das
Papier zu schauen, jedoch mit Unter­
brechungen zur Kontrolle und Korrektur
des Ansatzpunktes. 53
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Fichtenstudie
Federzeichnung, Tusche,
Skizzenbuch A3

In einer mehrteiligen Zeich-


nung habe ich die Merkmale
von Stamm und Krone einer
großen Fichte festgehalten.
Die Umrisslinie des Stammes
ist nicht vollkommen gerade,
sondern leicht gewellt,
die Totäste stehen nahezu
waagerecht. Die Benadelung
der Krone ist nicht vollständig
gezeichnet.

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Typisch für Fichten sind ihre Astquirle, die in regelmä-


ßigen Abständen angeordnet sind. In Abhängigkeit
von Witterung und Alter des Baumes verändert sich
das jährliche Höhenwachstum. Durch Abzählen der
Aststockwerke kann man das Alter eines Baumes ab-
schätzen.

Fichtenstangenholz
Tusche und Gouache, Skizzenbuch A3

Diese kolorierte Tuschezeichnung ist an einem nebeligen


Novembertag entstanden. Zunächst habe ich den Hinter-
grund mit Gouachefarbe nass in nass angelegt, danach den
zentralen Baumstamm hinzugefügt und die Details des
Fichtenstammes mit einer Tuschefeder ergänzt.

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Kiefern
Kiefernrinde wird am Stammfuß und im
unteren Stammbereich mit zunehmendem
Alter der Bäume zu einer sehr groben, stark
rissigen Borke. Borke besteht aus totem
Zellgewebe. Mit zunehmendem Dicken-
wachstum entstehen die tiefen Risse in
der Borke der Kiefern. Unter der rissigen
Borkenschicht bildet der Baum daher kon-
tinuierlich neues Gewebe als dichten Ab-
schluss nach außen. Dadurch bekommen
die Borkenstücke, die aus vielen Schichten
bestehen, ihr typisches Aussehen.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Kiefernstamm
Kohlezeichnung, ca. 35 × 50 cm

In dieser Kohlezeichnung sind die Risse tief-


schwarz dargestellt. Die helleren Partien habe
ich entweder ganz freigelassen oder das leicht
aufgetragene Pigment an bestimmten Stellen
nachträglich mit einem weichen, formbaren
Radiergummi wieder abgehoben.

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Kiefernstamm
farbige Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Mit farbigen, deckenden Acrylmarkerstiften habe ich


diesen Wurzelanlauf einer Kiefer gezeichnet. Die Umrisse
der Borkenstücke sind in Linienbündeln gezeichnet, um
die Schichtenstruktur der Borke anzudeuten. Die schöne
Farbe von Kiefernrinde variiert je nach Lichteinfall zwischen
Rotbraun, Rostrot und Grau-Rosa.

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Baumkrone, Äste und Blätter

Die Baumkrone ist vermutlich der schwierigste Teil einer Baum-


zeichnung. Die Blattmassen eines Baumes, diese unüberschaubare
Anzahl von Blättern ist schon eine Herausforderung. Wechselnde
Beleuchtungsverhältnisse, aber auch Bewegungen durch Wind
können die Aufgabe noch schwieriger machen.
Es gibt nur wenige Beispiele von wirklich komplett gezeich-
neten Bäumen in der Kunstgeschichte. Mir ist nur ein einziges
Beispiel bekannt. Frederick Lord Leighton (1830–1896) fertigte
im Jahre 1859 während eines Ferienaufenthaltes auf Capri eine
ca. 40 × 50 cm große, genaue Zeichnung eines jungen Zitronen­
baumes an. Es heißt, dass er vom Morgengrauen bis zum Abend
jeden Tag einer ganzen Woche an dieser Bleistiftzeichnung arbei-
tete (siehe James Gurneys Weblog in der Linkliste).
Für diejenigen, die Freude an der Betrachtung von Bäumen
haben, sind Baumkronen ein immer wieder faszinierendes
Studien­objekt. Jeder Baum ist anders, ein besonderes Exemplar,
Langeweile kommt daher nicht auf. Im Winter können Sie die typi-
sche Architektur der Baumkronen von Laubbäumen studieren. Die
wahre Größe der Baumkronen wird sich Ihnen nun auch im Wald
offenbaren.
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Streuobst
Pastellskizze, Tonpapier A4

Eine schnelle Zeichnung mit schwarzem Marker­


stift habe ich mit trockenen Pastellkreiden kolo-
riert. Die Baumkronen sind stark vereinfacht
durch Umrisslinien begrenzt.

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Kahle Bäume
Das Verzweigungssystem der Äste eines Baumes bildet Ganz in der Nähe unseres Wohnortes gibt es eine
ein Grundgerüst, das die räumliche Ausdehnung und beeindruckende, alte freistehende Eiche am Feld­rand.
Form der Baumkrone bestimmt. Die Art, wie ein Baum Ich habe versucht, von diesem Baum in kahlem Zu-
seine Äste verzweigt, ist ein wichtiges Erkennungszei- stand eine möglichst genaue Zeichnung anzufertigen.
chen für die Baumarten. Im Winter zeigen kahle Laub- Je feiner die Verästelungen werden, desto schwieri-
bäume eine besondere Schönheit, denn nur in dieser ger wird es, das Motiv naturgetreu wiederzugeben.
Jahreszeit können Sie alle Äste einer Baumkrone als Die feinsten Verästelungen waren mit dem bloßen
dekoratives Geflecht von dunklen Linien gegen den Auge nur als feine Liniengewirre zu erkennen. Die
Himmel betrachten. Dimension des Baumes ist gewaltig. Ein Mensch von
1,80  Meter Größe reicht mit ausgestrecktem Arm ge-
Eichen • Man spricht nicht ohne Grund von rade an die unterste Astabzweigung heran!
»knorrigen Eichen«, denn häufig sieht man an diesen Bei dieser freistehenden Eiche sind die teilweise
Bäumen stark gedrehte und gewundene Äste. Die stark gebogenen oder gewellten Äste gut zu sehen,
Eiche zählt zu den sogenannten Lichtbaumarten, die in die sich der jeweiligen Lichtsituation in der Baumkrone
der Ausrichtung ihres Wachstums stark auf Lichtreize angepasst haben. Im Freiland wird die Baumkrone viel
reagieren. Beschattete Äste ändern die Wuchsrich- breiter und der Kronenansatz liegt deutlich tiefer als
tung, um mehr Licht für die Blätter zu bekommen. So bei Bäumen im Wald.
reagiert der Baum nicht nur auf die Beschattung durch
Nachbarbäume, sondern auch auf die Beschattung
eigener Äste untereinander. Äste im unteren Teil des
Stammes können auf dem Weg zum Licht so beträcht-
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liche Dimensionen annehmen.

Studie einer alten Eiche, Skizzenbuch A4

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Eiche
Pentel Gelschreiber, Skizzenbuch A4

Eine am Forstweg stehende Eiche hat eine weit


verzweigte Krone mit den typischen gekrümmten
und gedrehten Ästen entwickelt. Zuerst zeichne
ich die Umrisslinien der Äste und anschließend
die Details der Rinde.

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Eiche
Füllfeder, Skizzenbuch A4

Stamm und Äste einer in Mischung mit Buche


stehenden Eiche im Wald. Einer der unteren Äste
hat eine Lücke im Blätterdach der Nachbarbäume
gefunden. Dieser Ast hat ein enormes Längen-
wachstum entwickelt und streckt sich auf der
linken Seite von unten bis weit in den oberen
Kronenbereich hinein.

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Eichenast
Acrylmarker, Skizzenbuch
15 × 15 cm

Ein abgestorbener Eichen-


ast mit einem sogenannten
Abschiedskragen. Äste, die
nicht genug Licht bekom-
men, sterben langsam ab.
An der Astbasis bildet sich
ein Wulst, der Abschieds-
kragen. Dort bricht der tote
Ast schließlich ab und die
Wunde wird langsam von
Rinde überwachsen.

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Kahle Krone einer Eiche Das Bild ist nach einer Fotografie gezeichnet. Die verzerrte
Acrylmarker, A4 Perspektive mit dem Blick von unten in die Baumkronen
lässt dies ahnen. Im Winter stehen die Äste der Bäume wie
Zeichnungen gegen den hellen Himmel.

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Kahle Buchen  •  Eine Buche am Waldrand habe


ich an mehreren Tagen besucht, um Stamm und
Baumkrone zu zeichnen. Am letzten Tag der Auf-
zeichnungen, Anfang April, waren schon viele Blätter
als kleine dunkle Punkte gegen den hellen Himmel
sichtbar – der Laubaustrieb hatte begonnen. Am Wald­
rand entwickeln Bäume viele starke, teilweise tief
ansetzende Äste in Richtung der freien Landschaft,
zum Waldinneren hin wachsen dagegen weniger und
schwächere Äste.
Die gewundenen Äste im Waldinneren wurden
im kahlen Winterzustand deutlich sichtbar. Buchen
können Beschattung sehr gut ertragen. Im unteren
Stammbereich findet man bei ihnen häufig stark ge-
wundene lange Äste, die die unteren Stockwerke des
Waldes mit schwacher Beleuchtung optimal zu nutzen
versuchen.

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Gewundene Äste an einer Buche Winterkahle Buche


Acrylmarker, Skizzenbuch A4 Füllfeder, Skizzenbuch A4

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Obstbäume • Je nachdem, wie ein Obstbaum ge-


pflegt wird, können recht eigenartige Baumkronen entste-
hen. Dieser alte Apfelbaum hat eine stark asymme­trische
Krone entwickelt.

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Apfelbaum, rechts in winterkahlem


Zustand, links mit Frühjahrslaub
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

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Die Zeichnung in Tusche auf Packpapier (ca. A3), die


ich mit weißem Kreidestift »gehöht« habe, zeigt
den gleichen Apfelbaum aus anderer Perspektive.

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Birnbaum
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Bei der Zeichnung dieses Birnbaums


habe ich den Stamm und die Hauptäste
zunächst als Umrisszeichnung mit
Füllfeder angelegt und danach mehr
und mehr Details bis hin zu den feinen
Verästelungen am äußersten Rand der
Baumkrone hinzugefügt.

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Alte Kopfweiden sind besonders interessante Zeichen-


objekte. Ihre Lebensgeschichte scheint in die Stamm-
form und -oberfläche eingeschrieben zu sein. Auch
hier habe ich mit den Umrisslinien begonnen und dann
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schrittweise die Binnenformen gezeichnet.

Kopfweide
Tusche, ca. A4

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Belaubte Baumkronen
In belaubtem Zustand sind Äste meist nicht sichtbar, aber die Blatt-
massen werden durch die Architektur der Äste in einer geordneten
Weise dem Licht ausgesetzt, um eine optimale Energieausbeute zu
erzielen. Dadurch ergibt sich das typische Erscheinungsbild einer
jeden Baumart in belaubtem Zustand.
Freistehende Bäume entwickeln eher breit ausladende Kro-
nen bei mäßigem Höhenwachstum. In dichtem Wald hingegen
bedarf es in Konkurrenz mit anderen Bäumen eines stärkeren
Höhenwachstums. Jeder Baum versucht gleichzeitig, seine Äste
auf Kosten des anderen auszudehnen. Dabei entstehen oft unre-
gelmäßige, asymmetrische Kronen.
In einem ersten Schritt können Sie die Umrisse der Baumkrone
festlegen und danach die Strukturen in der Krone von großen
Formen hin zu immer kleineren Einheiten erarbeiten. Nach dieser
Methode sind viele berühmte Künstler der Vergangenheit vorge-
gangen. Speziell im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Darstellung
von Bäumen meisterhaft weiterentwickelt.
Zur Darstellung von belaubten Baumkronen, die nicht bis in
alle Einzelheiten gezeichnet oder gemalt werden können, müssen
Sie beim Zeichnen mit Vereinfachungen arbeiten. Es geht also
darum, Kürzel, sprich Stricharten zu finden, die – sofern man ein
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
realistisches Bild zeichnen will  – dem visuellen Eindruck einer
Baumkrone möglichst nahe kommen. Dem Erfindungsreichtum
sind hier keine Grenzen gesetzt. Je nach Ausführungsgrad und
Zeichengeschwindigkeit kann hierfür eine spontane oder eher
Feldgehölze im Sommer
kontrollierte Linienführung besser geeignet sein. Am besten wir- Öl auf Papier, 35 × 70 cm
ken natürlich Zeichen, die dem Charakter der jeweiligen Baumart
entsprechen. So sind die Unterschiede zwischen einem Birnbaum
und einer Linde schon von weitem erkennbar.
An den Haupt- und Nebenästen, bis in die feinsten Veräste-
lungen hinein, sind die Blattmassen in mehr oder weniger großen
Büscheln angeordnet. Aus größerer Entfernung kann man gut
erkennen, wie die Blattmassen entlang der Hauptäste in größeren
Gruppen gegliedert sind. Diese lassen sich immer weiter unter-
gliedern bis zu den kleinen Gruppen von Blättern an den feinen
Verzweigungen am Ende der Hauptäste. Zwar gibt es nur eine
begrenzte Anzahl von Verzweigungstypen, aber in Kombination
mit der Form und Länge der Astabschnitte zwischen zwei Ast­
knotenpunkten ergibt sich doch eine große Vielfalt.

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Mit etwas Übung in der Betrachtung lassen sich ver-


schiedene Bereiche in einer Baumkrone voneinander
unterscheiden. Beim Zeichnen können Sie diese Berei-
che entweder durch eine Umrisslinie oder aber durch
die Hervorhebung der Licht- und Schattenkontraste
trennen.
Dort, wo Blätter und Äste in den hellen Himmel
ragen, nämlich am Rand der Baumkrone und an man-
chen Stellen im Inneren der Baumkrone, erscheinen sie
sehr dunkel, fast schwarz, weil sie in starkem Kontrast
zum hellen Licht des Himmels stehen.

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Baumallee nach Christian Mali


Bleistift, Skizzenbuch A4

Der Maler Christian Mali (1832–1906) hat sich des Öfte- Auch in der Bleistiftzeichnung müssen Sie behut-
ren in meinem Heimatort Maulbronn aufgehalten und sam die hellen Teile der Zeichnung von Anfang an
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Gemälde und Zeichnungen vom Kloster Maulbronn im Auge behalten und bewahren. Die dunklen und
angefertigt. Aus einem Bildband zu diesem Thema dunkelsten Bildteile können Sie am Ende des Zeichen-
habe ich eine Zeichnung des Künstlers von einer prozesses verstärken, um den gewünschten Kontrast
Baumallee zu Übungs- und Demonstrationszwecken zu den Lichtern zu erzielen.
mit Bleistift kopiert. Solche Kopierübungen sind keine Am besten beginnen Sie mit der Zeichnung am
Zeitverschwendung, sondern sie können Ihnen helfen, Stammfuß und arbeiten dann weiter aufwärts entlang
Ihr Repertoire an zeichnerischen Ausdrucksmöglichkei- der sichtbaren Anteile der Baumstämme und Äste.
ten zu erweitern. Durch Abstands- und Längenmessungen können Sie
Für diese Zeichnung kamen Bleistifte in den Härte- den Stammdurchmesser an der Basis und die Höhe
graden 3B und 6B zum Einsatz. Diese weichen Bleistifte des Baumes im Verhältnis zur Zeichenblattgröße fest-
muss man während des Zeichnens häufiger anspitzen. legen.
Es ist ratsam, den Bleistift zunächst mit leichter Hand Nachdem Sie die Positionierung der Baumstämme
zu führen, denn zu starker Druck erzeugt eine sehr festgelegt haben, können Sie den Umriss der Baum-
dunkle Linie, die später nicht mehr aufgehellt werden krone darüber zeichnen. Danach können Sie Schritt
kann. für Schritt die kleineren Formen im Inneren der Baum-
krone anlegen, bis schließlich die gesamte Baumkrone
vollendet ist.

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Bei diesen Birnbäumen bin ich ganz ähnlich vorgegan-


gen wie in der zuvor gezeigten Kopie einer historischen
Zeichnung. Zunächst habe ich die Baumstämme und
die unteren Äste festgelegt. Danach wurde der Um-
riss der Baumkrone durch lockere Andeutungen von
Blättern skizziert, um noch ausreichend Möglichkeiten
für spätere Korrekturen zu behalten. Anschließend
konnten die Formen und Texturen im Inneren der Um-
risszeichnung gestaltet werden.
Besonderes Augenmerk verdienen die sichtbaren
Anteile von Ästen. Es ist von Vorteil, diese Partien in
Ruhe zu studieren, um dann die sichtbaren Aststücke
möglichst an der richtigen Stelle und im richtigen
Zusammenhang darstellen zu können.
Zur Darstellung der Blätter müssen Sie typische
Kürzel oder Zeichen erfinden, die den Anblick der
zahllosen Blätter überzeugend suggerieren. Eine
schematische Wiederholung der Strichmuster
ohne Beobachtung des Motivs sollten Sie eher
vermeiden. Zum einen leidet die Qualität der
Darstellung, zum anderen verpassen Sie inte-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - ressante Details und damit Möglichkei-
ten, das Motiv besser zu verstehen und
damit auch zukünftige Zeichnungen
lebendiger zu gestalten.

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Birnbäume
Pentel Gelschreiber, Skizzenbuch A4

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Obstbaumgruppe
Skizze in Füllfeder, A5 und Monotypie in Ölfarben 50 × 35 cm (oben und gegenüberliegende Seite oben)

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -


Die Blattmassen der Streuobstbäume habe ich in einer Skizze mit Füllfederhalter in Liniengewirren »modelliert«,
die der Textur des Blattwerks ähneln. Im Atelier wurde dieses Motiv in einer monochromen Monotypie in Ölfarben
umgesetzt. Ähnlich wie in einer lavierten Zeichnung habe ich die Bäume zunächst in schwarzer Farbe gezeichnet und
anschließend die Texturen in den Baumkronen mit einem angespitzten Pinselstil herausgekratzt. Danach erfolgte
der erste Abdruck im Handreibeverfahren. Zum Schluss habe ich die auf der Druckplatte verbliebene Farbe an einigen
Stellen ganz leicht mit Leinöl bestrichen und dann erneut einen ganz leichten Abdruck erstellt, um diese leichte,
flächige Tönung zu erhalten.

Maulbronn-Schmie:
Skizze mit Bäumen
Füllfeder, Skizzenbuch
15 × 15 cm

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Der untere Rand einer Baumkrone  – dort,


wo der Baumstamm sichtbar wird  – ver-
dient besondere Aufmerksamkeit beim
Zeichnen. Hier gibt es viele Details zu
sehen wie herabhängende kleine Äste,
Zweige und Blätter und, je nach Beleuch-
tung, interessante Schatten auf Blättern
und auf dem Baumstamm. Hier sind auch
meistens die größten Kontraste zwischen
hellen, von der Sonne beschienenen Par-
tien und tief im Baumschatten liegenden
Bereichen zu finden. Je genauer Sie diesen
Bereich darstellen, desto plastischer kann
eine Baumzeichnung werden.
Apfelbäume
Füllfeder, Skizzenbuch A5

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Das Bild eines großen Ahorngehölzes, das von einigen


niedrigen Obstbäumen und zwei Nadelbäumen um-
geben ist, wurde in Gouachefarben ausgeführt. Nach
dem Himmel habe ich schrittweise vom Hintergrund
zum Vordergrund weitere Bildelemente hinzugefügt.
Gouache bleibt auch in getrocknetem Zustand was-
serlöslich. Daher müssen Sie nachfolgende Farbschich-
ten vorsichtig und mit wenig Druck auftragen, wenn Sie
eine Vermischung mit den bereits angetrockneten Farb-
schichten vermeiden wollen. Mit einem Lappen oder
einem Papiertaschentuch können Sie nicht nur über-
schüssige Flüssigkeit vom Papier abnehmen, sondern
auch lebendige Texturen in der noch feuchten Farbe
schaffen.

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Feldgehölz, Ahorn, Obstbäume


Gouache, Skizzenbuch A5

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Weidengebüsch im Feld
Tusche, ca. 20 × 22 cm

Federzeichnung eines Weidengebüsches in der Feldflur. Beschattete


Partien der Baumkrone sind durch zusätzliche Schraffuren angedeutet.

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Pappelgehölz
Federzeichnung, Tusche, ca. 20 × 25 cm

Das Blattwerk ist durch gekrümmte, kurze Linien nachgeahmt. Die Schattenpartien sind durch Schraffuren be-
tont und überdecken dort die Textur der Blätter. In den lichten Partien habe ich Schraffuren nur zurückhaltend
eingesetzt, um die Textur des Blattwerkes nicht zu beeinträchtigen.

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Feldgehölz (rechts)
Tuschezeichnung, A5

Hier ist nicht nachträglich mit Tusche laviert, sondern zunächst wurden
mit dem Tuschepinsel die Hauptformen in unterschiedlichen Tonwerten
angelegt und erst in einem zweiten Schritt die Linien mit der Feder
hinzugefügt. Auf diese Weise bleiben die Linien frischer und man kann
zufällig entstandene Formen aus der lockeren Pinselzeichnung über
Linien in das Motiv integrieren.

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Große Weide
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

In einer schematischen Skizze habe ich zunächst die Gliederung der


Blattmassen in wenige Hauptgruppen untersucht. Die unzähligen
schmalen Blättchen einer großen Weide sind in der Zeichnung stark
vereinfacht nur durch kurze Linien dargestellt, die der Ausrichtung des
Blätterdaches folgen. In der Landschaft im Hintergrund wurde auf die
Darstellung von Details weitgehend verzichtet. Die Strichdichte ist deut-
lich geringer. Dadurch wird der Hintergrund heller und das Hauptmotiv,
die Weide, hebt sich deutlicher von der umgebenden Landschaft ab. 85
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Buchenäste mit Blättern


Füllfeder und farbige Acryl­
marker, Skizzenbuch A4

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Äste und Blätter


Auch wenn in der Regel einzelne Blätter in Baumzeichnungen meist nicht bis in
Detail ausgeführt werden können oder müssen, lohnt es dennoch immer wieder,
Blattstudien aus verschiedenen Perspektiven zu betreiben. Die genauere Kenntnis
der Blattform hilft sehr, die später für die summarische Darstellung von Blattmas-
sen benötigten Vereinfachungen und typischen Zeichen für eine Baumart zu finden.
Unter dem Blätterdach einer großen Buche habe ich ein Büschel tief am Stamm
sitzender Äste mit Blättern gezeichnet. Die Blätter sind teilweise mit einem Acryl-
marker koloriert. Sie finden solche Astknäuel häufig im unteren Stammbereich von
Buchen. Wenn ausreichend Licht vorhanden ist, können auch bei älteren Bäumen
noch Astknospen ganz unten am Stamm austreiben.
Bei solch einer Studie kommt man schnell an die Grenzen des Möglichen. Nur ein
Bruchteil der tatsächlich vorhandenen Blätter ist in der Zeichnung zu finden. Auch

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gelingt es nach einer Unterbrechung nicht immer, genau an der richtigen Stelle die
Zeichnung fortzusetzen. Mit der Zeit durchschauen Sie aber das wiederkehrende
Muster der Verzweigungen und Formen. Wenn Sie sich im grünen Labyrinth »ver-
laufen« haben, können Sie sich mit dieser Kenntnis und etwas Improvisation aus
der Affäre ziehen.
Schatten am Stamm und Blätter im Schatten sind in der Zeichnung teilweise
schraffiert, um dunklere Tonwerte zu erzeugen. In diesem Beispiel können Sie sehen,
dass Schraffuren nicht immer das beste Mittel sind, um Tonwerte abzustufen. Zu-
mindest in den Buchenblättern erscheinen mir die farbigen, mit hellen und dunklen
Grüntönen farbig erzeugten Tonwerte vorteilhafter.

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Für diese Füllfederzeichnungen habe ich Blätter im Wald gesammelt und zu Hause
als Schablonen verwendet. So lassen sich die Umrisse sehr einfach nachzeichnen.
Diese Übung vermittelt Ihnen ein Gefühl für die Form und Proportionen der Blätter.
Die zur Darstellung der Blattadern notwendige genaue Betrachtung der Blattflächen
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ist sehr lehrreich. Unwillkürlich beginnt man Parallelen zwischen dem Blattaufbau Blattstudien
und der Geometrie von Baumstamm und Ästen zu sehen. In der Tat kann sich über Füllfeder, ca. A5
die Betrachtung eines einzelnen Blattes ein Sinn und Verständnis für das harmoni-
sche Ganze eines Baumes erschließen.
An Buchen findet man häufig kurze Ästchen, die am Rand von Astnarben von
älteren abgestorbenen Ästen – dem sogenannten Abschiedskragen – austreiben.

Buchenäste
Acrylmarker, Skizzenbuch ca. A5

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Blattstudien im Wald
Gouache, Skizzenbuch A3

In dieser Studie habe ich Äste und Blätter von Buchen aus verschiedenen Blickwinkeln und in
unterschiedlicher Entfernung von meinem Sitzplatz im Wald gemalt bzw. skizziert und wie in
einer Collage auf dem Blatt angeordnet. Durch unterschiedliche Pinselhaltung und -führung
habe ich versucht, die Blätter in einer einzigen Pinselbewegung auf das Papier zu bringen.
Teilweise wurden anschließend Umrisse und Blattnerven mit Acrylmarker ergänzt.

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Nadelbäume
Bei den Nadelbaumarten ist das Verzweigungssys-
tem der Äste strenger geometrisch geordnet als
bei Laubbäumen. Fichte, Tanne und andere Nadel-
baumarten entwickeln eine regelmäßige, kegelför-
mige Baumkrone, in der die Äste wie in Stockwerken
angeordnet sind. Jedes Jahr wird ein Spitzentrieb ge-
bildet und an den Astspitzen treiben im folgenden
Jahr neue Seitentriebe aus. Dadurch sind die älteren
Äste immer etwas länger als die jüngeren Äste an
der Baumspitze. Die Nadeln, die eigentlichen Blätter
der Nadelbäume, werden nicht jedes Jahr abgewor-
fen, sondern meist erst nach mehreren Jahren.
Trotz der prinzipiell einfacheren Struktur der
Baumkrone kann es recht schwierig sein, die Baum-
krone zu zeichnen. Da sich die Äste in alle Richtun-
gen ausstrecken, sind räumliche Verkürzungen in
vielen Variationen zu berücksichtigen. Auch kann
es schwierig sein, die Anordnung und Masse der
Nadeln überzeugend abzubilden.

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Fichte
Füllfeder, Skizzenbuch A5

Die Füllfederskizze einer Fichte zeigt


die Krone mit ihren vom Gewicht
der Nadeln gebogenen Ästen. Die
Umrisse der Zweige mit den typischen
Vorhängen aus dünnen Ästen habe ich
phasenweise »blind« gezeichnet, um
schneller zeichnen zu können und um
eine allzu schematische Vorgehens-
weise zu vermeiden.

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Fichtenkrone
Füllfeder, Skizzenbuch A4

Fichten • An die Gestalt einer Fichten-


krone kann man sich mit einer Kartierung der
äußeren und inneren Formen heranarbeiten.
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Den Umriss und die Binnenformen habe ich in
kurzen Sequenzen blind gezeichnet.
Wachsmalstifte und Ölpastelle sind viel­
seitig nutzbar. Durch vorsichtiges Ritzen und
Schaben in übereinanderliegenden Farbschich-
ten kann man Texturen sehr gut darstellen.
Gebrochene, natürliche Grüntöne erhält man
durch Untermalen mit Schwarz, Erdfarben
oder anderen dunklen Farbtönen.

Fichte
Wachsmalstifte, Skizzenbuch A4

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Fichtengehölz
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

In einer Serie von kleinen Zeichnungen habe ich typische Merkmale


von jungen Fichtenstämmen dargestellt. Bei starkem Seitenlicht
entsteht in jungen Fichtenwäldern ein reizvolles Wechselspiel
von Licht und Schatten auf den Stämmen und den vielen kleinen
dürren Zweigen im unteren Stammbereich.

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Baumkrone einer älteren Fichte mit ihren feinen Ästen,


die wie Vorhänge herabhängen
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

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Kiefern • Kiefern sind malerische Bäume mit ausgeprägten


Merkmalen in Rinde und Baumkrone. In einem Jungbestand habe
ich in einer Skizze die typischen Merkmale der hiesigen Kiefern
(Pinus sylvestris) studiert und dokumentiert:

❶  Die Form und Begrenzung der Baumkrone ist in einer Umriss-


linie skizziert.

❷ Die Nadelbüschel, durch kurze Strichbündel dargestellt,


können eingefüllt und die Umrisslinie so aufgelöst bzw. verdeckt
werden.

❸  Die Nadelbüschel variieren im Aussehen je nach Blickwinkel.


Wenn Sie dies in der Zeichnung berücksichtigen, werden Sie ein
realistischeres und lebendigeres Bild zeichnen.

❹  An manchen Stellen hängen Nadelbüschel an dünnen Ästchen


wie an Schnüren aufgereiht herab.

❺  Kiefern entwickeln häufig stark verkrümmte, bogige Äste.

❻  In der Nachbarschaft zu anderen Bäumen erhalten Kiefernäste


oft nicht genügend Licht und sterben ab. Zurück bleiben kurze,
dunkle, vertrocknete Aststücke. Oft sind mehrere dieser Äste in
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
gleicher Stammhöhe zu finden, da Kiefern wie alle Nadelbäume
jedes Jahr mehrere neue Seitentriebe entwickeln.

❼ An der Basis von absterbenden Ästen entwickelt sich ein


sogenannter Abschiedskragen. Dies ist ein Rindenwulst, an dem
der tote Ast abbrechen und der Baum in den folgenden Jahren die
Wunde mit Rinde überziehen kann.

❽  In größeren Höhen am Stamm findet man eine helle, schup-


pige Rinde.

❾ und ❿ Im unteren Stammbereich und am Wurzelanlauf wird


die Rinde immer gröber und entwickelt sich zu der schönen, typi-
schen rissigen Borke, die aus vielen Schichten besteht.

⓫  Im Vergleich zur Anordnung der Nadeln bei einer Kiefer ist hier
der Ast einer benachbarten Fichte mit ihren hängenden Trieben Waldkiefer
dargestellt. Füllfeder, Skizzenbuch A5

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Waldkiefer
Füllfeder, Skizzenbuch A5
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Studien von Kiefern


Kohle, ca. 35 × 50 cm

In Kohlezeichnungen lege ich die wichtigsten Bildteile und Haupt-


formen zunächst mit ganz leichten Strichen über die gesamte
Bildfläche an, um das Bild für Korrekturen offen zu halten. Danach
arbeite ich mich Schritt für Schritt durch die Details bis hin zu den
dunkelsten Bildteilen, die ich zuletzt setze.

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Detaillierte Zeichnung einer im Wald


stehenden Kiefer
Füllfederhalter, Skizzenbuch A4

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Tannen • Die Baumkronen der Tannen habe ich zunächst mit schwar-


zer Gouachefarbe angelegt. Anschließend wurden die helleren Partien in
verschiedenen Grüntönen darüber gelegt. Die Benadelung von Nadelbäu-
men, aber auch Rillen in Rinde sowie Gräser lassen sich gut darstellen,
indem Sie mit den in Farbe getauchten abstehenden Borsten eines alten
Pinsels leicht auf das Papier tupfen oder darüber streichen.

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Tannen
Gouache, Tusche, Skizzenbuch A5 97
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Zypressen • Zypressen sind bei uns


beliebte Zierbäume. In südlichen Land-
schaften wie der Toskana und Provence
sind sie zum Markenzeichen geworden. Die
schlanke Form der geschlossenen, walzen-
förmigen Krone macht die Mittelmeerzy­
presse zu einem sehr dekorativen Baum.
Weltberühmt sind die Zypressen in den
Gemälden von Vincent van Gogh. Insbeson-
dere durch sein Gemälde »Sternennacht«
ist die Zypresse als landschaftsprägendes
Element der Provence bekannt geworden.
Heutzutage werden Zypressen in der
Provence als Zierbäume oder als ausge-
dehnte Windschutzstreifen für Obstplan- »In der Provence«, Pastellzeichnung einer Landschaft in der Provence,
tagen angebaut. Unter den Zypressen gibt nahe Pont du Gard, 40 × 60 cm
es zahlreiche verschiedene Arten, darunter
auch solche mit eher breiten oder lockeren
Kronenformen.

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Typische Umfriedung und Gartengestaltung mit Zypressen und Thujahecken in Wohngebieten


im Stil der 70er-Jahre, Gelschreiber, ca. 15 × 15 cm

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Landschaften mit Zypressen und Schirmkiefern bei Saint Remy de Provence


und Lourmarin (Schloss)
Monotypie in Ölfarben, 35 × 50 cm, Zeichnung, Skizzenbuch A5

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KAPITEL 2

Baum und Landschaft

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Großer Nussbaum
Öl auf Papier, 50 × 70 cm

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Seit jeher sind Bäume Gestaltungselement in den


unterschiedlichsten Arten von Landschaftsdarstel-
lungen in vielen Kulturkreisen. Wird der Baum in
der Landschaft zum Bildthema gemacht, kann ein
einzelner Baum oder eine Baumgruppe den Bildraum
dominieren. Daneben gibt es Bilder vom Inneren des
Waldes als Sonderform eines Landschaftsbildes. In
vom Menschen gestalteten Park- und Stadtlandschaf-
ten wurden Bäume schon immer als wirkungsvolle
Gestaltungselemente eingesetzt.
Oft sind Bilder von bestimmten Landschaften zu
Stereotypen geworden, die ganz direkt mit bestimmten
Baumarten verbunden werden. So erkennt man Bilder
der Toskana an den typischen Umrissen der Zypressen.
Die Schirmpinien oder italienische Pinien sind ein
weiteres Wahrzeichen italienischer Landschaften. Der
Olivenbaum ist neben der Zypresse ein Symbol für den
Süden Frankreichs geworden, und in noch südlicheren
Landschaften sind exotisch anmutende Palmen zum
Markenzeichen geworden.

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Mammutbaum
Füllfederhalter, Skizzenbuch A4

Dieser große Mammutbaum steht in der Nähe der Stourdza-­


Kapelle im Kurpark Baden-Baden. Die Zeichnung habe ich
mit dem Füllfederhalter ausgeführt. Ich habe sie am Wur-
zelanlauf begonnen und dann nach oben weiterentwickelt.
Der Baum ist ohne die umgebende Landschaft dargestellt.
Mit dem Versuch, ein formatfüllendes Porträt eines Baumes
zu zeichnen, können Sie dem Bildklischee des »einsamen
Baumes« entgehen.

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Einzelbäume

Bilder vom urigen, einsamen Baum sind


auch heute noch beliebt, aber leider auch
vielfach zum Klischee geworden. Originelle
Varianten dieses Motivs in der Natur zu
finden oder im Atelier zu erfinden ist eine
echte Herausforderung.

Saint-Pierre de Pierrerue
Monotypie in Ölfarben, 35 × 50 cm

Von einer Reise in die Haute-Provence zur


Kapelle Saint-Pierre de Pierrerue habe ich Skiz-
zen und Fotografien mitgebracht und daraus
eine farbige Monotypie in Ölfarben auf Papier
entwickelt. Die Ölfarbe wurde in Handabrei-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
bung ohne Presse von einer Glasplatte auf das
Papier übertragen. Vor der Kapelle steht eine
uralte imposante Linde, die wesentlich zu dem
reizvollen Anblick beiträgt.

Hier kontrastiert die dominierende dunkle Form des Baumes mit den hellen,
besonnten Gebäuden und Sonnenschirmen.
Acrylmarker, 10 × 24,5 cm

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Baumgruppen

In den Höhenlagen des Südschwarzwalds gibt es noch vereinzelt sehr alte Weidbuchen.
Dies sind Buchen, deren Stämme und Kronen sich in Folge von Weideverbiss durch Kühe
aus einer Vielzahl von zusammengewachsenen Buchenstämmen entwickelt haben. Im
Alter von etwa 250 Jahren beginnt meistens der Zerfall dieser Baumriesen. Eine der be-
rühmtesten Baumgruppen dieser Art ist am Schauinsland im Schwarzwald bei Freiburg zu
sehen. Diese Bäume haben als »Windbuchen« Eingang in unzählige Fotobände gefunden.
Leider erweist sich die Erhaltung und vor allem die »Nachzüchtung« dieser wunderschö-
nen Bäume als schwierig.

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Mittlere Schafbuchen, Wiedener Eck, Schwarzwald


Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Die Zeichnung in Acrylmarker wurde mit der fallenden Hanglinie begonnen. Entlang der Hanglinie
sind dann die Baumstämme platziert. Die Abstände und die Kronendurchmesser wurden durch
Messung kontrolliert. Dabei habe ich die Baumhöhe und Kronendurchmesser in Relation zu den
Abständen zwischen den Baumstämmen gesetzt. Die Form und Höhe der Baumkronen habe ich
durch Markierungen entlang der Umrisse skizziert und danach schrittweise die Binnentextur
entwickelt. Durch höhere Strichdichte und die damit verbundenen dunkleren Tonwerte sind die
Hauptgruppen der Blattmassen abgegrenzt.

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Eichen, Jungviehweide, Die Gruppe von Eichen ist auf der sogenannten Jungviehweide in der Nähe von
Maulbronn Zaisersweiher Maulbronn in Baden-­Württemberg zu finden. Die historische Weide war von
Tuschezeichnung, ca. 20 × 30 cm alters her den Jungrindern vorbehalten. Sie ist heute noch mit einem Rest von
locker verteilten, alten Eichen bewachsen, die dem Vieh Schatten und wohl auch
in Form von Eicheln etwas Kraftfutter spenden sollten. Über viele Jahre hinweg
haben sich sehr breite Kronen ausgebildet, die sich in der gewählten Perspektive
überlappen.

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Baumgruppe, Gehölz Mergeläcker In einem idyllischen Landschaftsausschnitt in der Nähe des Elfingerhofs,
Tuschezeichnung, ca. 20 × 30 cm Maulbronn, sind die durch den Weideverbiss typischen geraden Unterkanten der
Baumkronen zu sehen, die teilweise wie mit einem Lineal gezogen wirken. Blät-
ter wurden als kurze Striche oder Punkte dargestellt. Dunklere Schatten habe ich
durch Verdichtung der Linien oder Schraffuren erzeugt.

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In einem kleinen Skizzenbuch mit dem


Seitenformat A5 sammle ich vor Ort in
Gouache gemalte Landschaftsstudien.
Blattwerk lässt sich bei dieser Formatgröße
schön mit Borstenpinseln der Stärke 10, 12
und 14 darstellen. Durch vorsichtiges Tup-
fen oder Spritzen mit den Borstenspitzen
können Sie Flecken erzeugen, die den un-
regelmäßigen Texturen von Blattgruppen
sehr ähnlich sehen.

Landschaftsstudien in Gouache
Skizzenbuch A5

Eichengehölz
Tuschezeichnung, A4
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Erlen an einem Bachlauf


Kohle, ca. 40 × 60 cm An Bächen findet man manchmal noch malerische Baumreihen. Im
Schmietal bei Maulbronn stehen diese schönen Erlen. Für die Bildwir-
kung sind Stellen des höchsten Kontrastes sehr wichtig. Diese sind in den
schwarzen Baumstämmen vor weißem Hintergrund und in den hellen
Zaunpfählen vor dunklem Hintergrund zu finden. In den Baumkronen
und im Vordergrund habe ich das mit wenig Druck aufgetragene Kohlepig-
ment immer wieder mit einem knetbaren Radiergummi abgehoben, um
bestimmte Stellen im Schatten wieder aufzuhellen. Die geschwungene
Linie des Feldweges führt den Blick ins Zentrum des Bildes.

Zu Beginn einer Tuschezeichnung versuche ich, die Proportionen der Hauptbestandteile


der Komposition in einem Liniengerüst festzuhalten. Alles Weitere fällt dann sehr viel
leichter, weil nur noch die Binnenflächen der Formen ausgestaltet werden müssen.

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Streuobstwiesen

Streuobstwiesen mit alten Hochstammobstsorten


sind wunderbare, schützenswerte Lebensräume für
Tiere und Pflanzen. Die Formenvielfalt in Streuobstbe-
ständen ist ein Eldorado für Baumzeichnungen.
Die Pflege der Obstbäume, der wiederkehrende
Rückschnitt, verändert die Form der Baumkrone.
So entstehen im Laufe der Jahre sehr interessante
Baumkronen, die die Geschichte eines Baumes über
viele Jahre erzählen. Manche der Bäume recken ihre
Äste wie Arme in die Luft und scheinen sich mit ihren
Nachbarn gestikulierend zu verständigen. Typisch für
Obstbäume sind die vielen Löcher in Stamm und Ästen,
die als Nisthöhlen bei Vögeln so beliebt sind.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Birnbaum
Acrylmarker, A4

Diese Skizze habe ich


mit Acrylmarkerstiften
in verschiedener Stärke
ausgeführt. Wenn die Spitze
etwas angetrocknet ist,
kann man auch sogenannte
Halbtöne, d. h. Tonwerte, die
nicht tiefschwarz sind, mit
diesen Markern anlegen.

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Apfelbäume
Pentel Gelschreiber, Skizzenbuch,
ca. 25 × 25 cm

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Die schwarzen Linien in dieser


Zeichnung sind mit einem
Gelschreiber gezeichnet. An-
schließend habe ich, mit einer
leeren Kugelschreibermine
Vertiefungen in das Papier ge-
drückt, um »Lichter« und helle
Texturen zu markieren. Zuletzt
wurde das Papier leicht mit ei-
nem Stück schwarzer Ölkreide
überstrichen. Dabei blieben
die vorher angelegten Vertie-
fungen im Papier weiß, und an
anderen Stellen ergeben sich
zusätzliche Tonwerte.

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Skizzen einer Gruppe von


Obstbäumen aus unter-
schiedlicher Perspektive
Füllfederhalter mit einer
Tinte in Sepia, ca. A5

Der Weg entlang dieser


Baumgruppe ist bei Rad­
fahrern und Wanderern
sehr beliebt. Es dauert
meist nicht lange, bis man
Gelegenheit bekommt, eine
Figur unter den Bäumen zu
skizzieren.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Skizzen von Streuobstwiesen mit


Füllfederhalter
Skizzenbuch 25 × 25 cm

In diesen Zeichnungen habe ich die


Proportionen von Stämmen, Astwerk
und belaubten Baumkronen sowie
die Verteilung von Schatten auf den
Baumstämmen studiert.

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- orderid - exl37556431-396088267X
Gouache eignet - transid
sich hervorragend für kleine Studien. Details - exl37556431-396088267X
in den Baum- Streuobstwiese im Herbst -
kronen lassen sich durch Tupfen und Spritzen der Farbe mit Borstenpinseln Gouache, Skizzenbuch A3

unterschiedlicher Größe darstellen. Gelegentlich ritze ich mit dem Pinselstiel


Streuobstwiese in Gouache
Texturen in die noch feuchte Farbe.
12 × 32 cm

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Monotypie Die Monotypie wurde als Pinselzeichnung auf einer Glasplatte angelegt. In Stamm
Ölfarbe auf Papier 35 × 50 cm und Ästen habe ich die Farbe mit einem alten Pinsel wieder so entfernt, dass nur die
Ränder der ursprünglichen Farbspur als Konturen stehen blieben. Danach habe ich die
Zeichnung in mehreren Druckvorgängen schrittweise koloriert.

Kleine Studie von Obstbaumstämmen


Tusche, A5

Hier heben sich die Stämme im Vordergrund


durch einen etwas helleren Tonwert im
Vergleich zum Hintergrund ab (»Hell vor
Dunkel«).

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Streuobstwiese
Tuschezeichnung, 40 × 60 cm

Die detailreiche Zeichnung mit der Feder habe ich im Laufe einer Woche vor Ort angefertigt.
Schraffuren sind nur zurückhaltend verwendet, um die Texturen von Rinde und Blattwerk
besser sichtbar zu halten.

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Aus Stämmen und Ästen von Obstbäumen


lassen sich viele Kompositionen entwi-
ckeln. Auf meinen Spaziergängen entdecke
ich an mir wohlvertrauten Baumgruppen
immer noch neue Motive. Es lohnt sich,
unterschiedlichste Blickwinkel auszupro-
bieren, um die interessanteste Perspektive
zu finden.

Apfelbäume
Acrylmarker sowie Aquarell und Tusche,
Skizzenbuch 15 × 15 cm

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Streuobstwiese
Aquarell und Tusche, A5

Landschaft mit Obstbäumen


Pastellzeichnung, 50 × 60 cm

In der Pastellzeichnung einer Sommerland-


schaft mit Streuobstwiesen habe ich trockene
Pastellstifte verwendet. Die Farben sind in
expressiven Strichlagen übereinandergelegt.

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(Unten) Ölpastell, Skizzenbuch 44 × 32 cm

Das Skizzenbuch ist ein Kunstbuch, das


ich antiquarisch günstig erwerben konnte.
Mich beeindruckten das starke Papier und
die hervorragende Bindung. So kam mir die
Idee, die Seiten mit Ölfarbe zu grundieren
und das Buch für die Ölpastellmalerei
zu verwenden. Je nach Motiv und Bild-
stimmung kann ich nun einen farbigen
Untergrund wählen und mich von den
Farbflecken beim Malen inspirieren lassen.
An den Motiven in diesem Buch arbeite ich
über längere Zeiträume. In Zeitabständen
von Wochen oder manchmal Monaten wer-
den die Bilder immer wieder mit Ölpastell
oder auch einmal mit Ölfarbe überarbeitet.
Um meine Arbeiten zu schützen, lege ich
ein Stück Seidenpapier zwischen die Seiten. Aquarellstudie auf rauem Papier
31 × 45 cm

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Landschaft mit Streuobst


Wachspastell, 35 × 50 cm

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Der Blick von einem nahegelegenen Weinberghügel oder in einem Grauton grundieren. Alternativ können
auf Streuobstwiesen ist mit Ölpastellen gemalt. Zu- Sie aber auch die weißen Stellen durch Verreiben der
nächst habe ich mit Schwarz eine lockere Vorzeichnung Farben entfernen.
angelegt, indem ich das Papier nur leicht berührt habe. Einfache, kostengünstige Ölpastelle enthalten
Danach wurde das Bild farbig weiter ausgeführt. Der mehr Bindemittel und sind daher härter als hochwer-
Malgrund war nicht getönt. Sie können daher in die- tige Künstlerfarben. Daher muss man deutlich mehr
sem Beispiel sehen, wie an vielen Stellen noch das Kraft aufwenden, um eine Fläche mit Farbe abzu-
weiße Papier »durchblitzt«. Sofern dieser Effekt un- decken.
erwünscht ist, sollten Sie den Malgrund vorher farbig

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Wald

Im Wald gibt es oft überraschende Begegnungen mit


Wildtieren oder man entdeckt Neues in der Pflanzen-
welt. Regelmäßige Besuche im Laufe des Jahres lassen
den Wechsel der Jahreszeiten intensiv spürbar werden.
Wer zum ersten Mal im Wald zeichnet oder malt,
fragt sich natürlich, wie das überhaupt zu schaffen sein
soll, so viele Gräser, Baumstämme, Äste und Blätter
darzustellen. Lassen Sie sich dadurch nicht abschrecken,
sondern beginnen Sie einfach. Sie werden dann schnell
bemerken, dass Sie gar nicht alles zeichnen oder malen
müssen, um eine Waldlandschaft darzustellen.
Mehrere Jahre lang habe ich unter anderem ein groß-
formatiges Waldtagebuch geführt und versucht, den
Wald auf möglichst viele verschiedene Arten darzustel-
len. Mit zunehmender Übung ergaben sich verschiedene
Strategien zum Malen und Zeichnen von Waldbildern.
Vor allem durch die zeitweilige Beschränkung der be-
nutzten Materialien oder durch Konzentration auf De-
tails konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln.
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Pinselzeichnung
Tusche, Skizzenbuch A3

Schwarz-Weiß-Zeichnungen
Mit einem einfachen Flachpinsel der Stärke 16 habe ich dünnter Tusche markiert. Danach habe ich mit stark
die Tusche mehr oder weniger stark verdünnt aufgetra- verdünnter Tusche weitergearbeitet. Die verdünnte
gen. Ich wollte das Bild gänzlich, ohne Konturlinien zu Tusche ist an vielen Stellen mehrfach aufgetragen,
zeichnen, aufbauen. Die Baumstämme sollten allein um Tonwerte zwischen der verdünnten und der unver-
aus dem Kontrast heller und dunkler Flecken sichtbar dünnten Tusche zu erzeugen.
werden. Die dunkelsten Bildpartien sind mit unver-

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Tuschezeichnung, Aquarell-
pinsel, Skizzenbuch A3

Hier wurde die Tusche un-


verdünnt in tiefem Schwarz
mit einem Aquarellpinsel
mit spitz zulaufender Pin-
selspitze auf das Papier
gebracht. Im Bereich der Text-
box habe ich mit verdünnter
Tusche gemalt und dann den
Text mit unverdünnter Tusche
und Feder in das Feld gesetzt.

Waldinneres
Kohlezeichnung, 40 × 60 cm

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Maulbronn Zaisersweiher
Tusche, 20 × 19 cm

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Die hellsten Stellen im Bild sollte man bei einer Kohle- Hinter dem Dorf ragt ein bewaldeter Hügel empor.
zeichnung sorgfältig planen und von Pigment freihal- Hier habe ich versucht, die Luftperspektive zu erhalten
ten, wenn das Papierweiß die hellsten Stellen im Bild und doch gleichzeitig Details der Textur in den belaub-
zeigen soll. Da auch Kohlepigment nur unvollständig ten Baumkronen zu zeigen, indem ich große Teile des
mit einem Radiergummi wieder vom Papier entfernt Hügels leer gelassen und nur an ausgewählten Stellen
werden kann, habe ich die hellsten Stellen im Bild Texturen angedeutet habe. Betrachter solcher unvoll-
frühzeitig mit leicht skizzierten Umrissen im Bild ab- ständigen Darstellungen übertragen in der Regel ganz
gegrenzt. Normalerweise zeichnet man mit Kohle von automatisch und unbewusst nur angedeutete Texturen
Hell nach Dunkel. Das bedeutet, die helleren Tonwerte in die entsprechenden Leerstellen im Bild. Auf diese
werden zuerst angelegt. Danach folgen die dunkleren Weise können Sie zum Beispiel auch die Illusion einer
Tonwerte bis hin zum tiefen Schwarz, das am besten Wiese durch einige wenige Striche im Bild erzeugen.
erst ganz zum Schluss gesetzt wird.

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Fernsicht auf einen


bewaldeten Berg
Tuschezeichnung,
22 × 32 cm

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

In der Fernsicht gehen zwar viele Details von Bäumen (Das ist die sogenannte Luftperspektive.) Wenn Sie nun
verloren. Dennoch kann das menschliche Auge auch die auch auf größere Distanz sichtbaren Äste als dichte
auf größere Distanz die Textur von kahlen oder be- Linienbündel darstellen, ergibt sich automatisch ein
laubten Baumkronen erkennen. Daraus ergibt sich bei dunkler Tonwert, der eigentlich für Objekte im Vorder-
Linienzeichnungen eine besondere Schwierigkeit. Ob- grund typisch ist. Verzichten Sie auf die Darstellung der
jekte in weiter Entfernung erscheinen dem Betrachter Textur, so bekommen Sie zwar eine hellere Abbildung,
heller und kontrastärmer als Objekte im Vordergrund. die der Luftperspektive besser entspricht – allerdings

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Schwarzwald
Füller, Skizzenbuch 25 × 25 cm

In schneller Skizze habe ich mit einem Füller Waldlandschaften im Nord-Schwarzwald notiert.

auf Kosten des Informationsgehaltes der Darstellung. pen oder größere Waldstücke können anhand der
Im Extremfall reduziert man einen Wald im Hinter- Abschattungen an den Rändern der Baumkronen un-
grund einer Zeichnung auf eine wellige Umrisslinie, terschieden werden. Die räumliche Gliederung ist nach
die aber auch z. B. mit Bergen oder Wiesen verwechselt dem Prinzip »hell vor dunkel« geordnet. Das bedeutet,
werden könnte. vom dunkleren Hintergrund aus wird das Bild zum
In der Zeichnung links habe ich mich entschieden, Vordergrund hin heller. Am unteren Bildrand wurde
Details in den Baumkronen darzustellen. Baumgrup- »dunkel vor hell« gezeichnet.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Waldrand
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Diese Zeichnung habe ich gewissermaßen am Waldboden begonnen.


Nachdem ich die Position der sichtbaren Baumstämme und die Umrisse
der Baumkronen markiert hatte, konnte das Blattwerk in den Baumkro-
nen mit kurzen Strichen und Punkten folgen. Die Blattmassen sind nicht
durch schematische Strichlagen oder freie Liniengewirre dargestellt,
sondern jeder Strich ist so gesetzt, dass er den tatsächlichen Texturen
in den Baumkronen folgt. Auf diese Weise erhält man sehr lebendige
Zeichnungen.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Douglasien- und Fichtenstangenholz


Gouache, Skizzenbuch A3

Um dem Nieselregen zu entgehen, hatte ich mich unter das


dichte Nadeldach eines Douglasien- und Fichtenstangenholzes
zurückgezogen. Dennoch fielen Wassertropfen auf die feuchten
Gouachefarben und der Regen wurde immer stärker. Zuletzt
schwamm ein großer Teil der Farben regelrecht auf dem Papier. Es
sollten noch weitere Tage kommen, an denen ich eine unfreiwil-
lige Lektion im Nass-in-Nass-Malen erteilt bekam. Den Heimweg
musste ich mit geöffnetem Skizzenbuch in einer Hand und Regen-
schirm in der anderen gehen.

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Kleinformatige Skizzen
Gouache, Skizzenbuch A3

Detailstudien
Eine Möglichkeit, der überwältigenden Detailflut im entwickeln. Denkbar wäre z. B. auch, eine Serie von
Wald zu begegnen, kann die Beschränkung auf Aus- Ausschnitten mit nur einem speziellen Thema zu ma-
schnitte im Blickfeld sein. Wenn Sie zusätzlich noch len oder zu zeichnen.
das Format der Bilder reduzieren, sind Sie gezwun- In dem gewählten Bildbeispiel habe ich meinen
gen, sich auf die wesentlichen Elemente im Bild zu Sitzplatz im Wald nicht verändert, sondern eine 360°-
beschränken. Dies schärft den Blick für interessante Drehung um die eigene Achse vollzogen und jeweils
Bildausschnitte. Anstatt ein zusammenhängendes Ausschnitte gewählt, die mich interessierten. Diese
großes Bild mit vielen Details zu malen, habe ich ein habe ich nach dem Malen auch durch Texte beschrie-
Mosaik mit kleinen Ausschnitten entworfen, die recht ben. Wenn Sie Ihre Gedanken zu einem Motiv nieder-
schnell mit wenig Aufwand gemalt oder gezeichnet schreiben, wird der visuelle Eindruck besser im Be-
werden können. wusstsein und Gedächtnis verankert. Auf diese Weise
Obwohl ich ganz unterschiedliche Blickrichtungen machen Sie sich Abweichungen von dem, was Sie mit
und Perspektiven gewählt habe, ist in der Summe dem Pinsel zu Papier bringen konnten, und dem, was
doch wieder ein Waldbild entstanden. Von diesem Sie gesehen haben und vielleicht zu Papier bringen
Gestaltungsansatz aus lassen sich weitere Bildideen wollten, bewusst.

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Der Waldboden bietet unzählige Studienobjekte, die


Sie einzeln oder in Sammlungen darstellen können.
In der Sammlung von Totholz- und Rindenstückchen
taucht der Schatten des Zeichners in der Farbe des
Waldbodens zusammen mit dem Grün des Blatt-
werks und einem Flecken des blauen Himmels als
Hintergrund auf.

Waldbodenstudie
Tusche, Gouache, Skizzenbuch A3

In der Collage habe ich Beobachtungen am Rande


einer Waldlichtung festgehalten: das Blau des
Himmels, den Stamm einer Fichte, verschiedene Tot­
holzstücke, Buchenblätter als Farbabdrücke in Origi-
nalgröße, einen Baumstumpf und schließlich die Sil-
houette eines Rehbocks, der überraschend aus dem
angrenzenden dichten Jungwuchs auftauchte. Mit
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
dieser Bildstrategie können Sie sich der Konvention
eines komponierten Landschaftsbildes entziehen.

Waldlichtung als Collage


Gouache und Tusche, Skizzenbuch A3

Die Zeichnung in Ölfarbe auf Aquarellpapier wurde


in der Natur vor dem Motiv ausgeführt. Dazu habe
ich einen Bogen Aquarellpapier auf eine Sperrholz-
platte aufgezogen, danach ein Backpapier mit einer
dünnen Schicht Ölfarbe bestrichen und es mit der
bestrichenen Seite vorsichtig auf das Aquarellpapier
gelegt und mit Klebeband befestigt. Darüber kam
ein dünnes Zeichenpapier, ebenfalls mit Klebeband
befestigt. Auf diesem Papier habe ich dann mit einem
Kugelschreiber gezeichnet und durch den Druck der
Kugelschreibermine die Ölfarbe auf das Aquarell­
papier übertragen. Dies bringt überraschende, nicht
vorhersehbare Ergebnisse.
Totholz
Monotypie, Öl auf Papier, 40 × 60 cm

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Ungewöhnliche Perspektiven
Oft verharrt man in Routinen, die einem selbst so nicht
bewusst sind. Jemand, der im Stehen oder Sitzen malt,
neigt dazu, diese Position, die die Perspektive mitbe-
stimmt, immer wieder zum Ausgangspunkt für seine
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
Bildsuche zu machen.
Als mir dies bewusst wurde, habe ich einen klei-
nen Spiegel mit zum Malen in den Wald genommen.
Den Spiegel legte ich so vor mir auf den Waldboden,
dass ich aus meiner gewohnten sitzenden Position
mit dem Blick in den am Boden liegenden Spiegel in
die Baumkronen sehen konnte, so als ob ich auf dem
Rücken läge.

Baumkronen und Himmel


Gouache, Skizzenbuch A3

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ub
hjahrslaub, Herbstla
rbenen Baumes, Frü
Farben eines abgesto
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
Skizzenbuch A3

Farbtafel mit 40 Grüntönen eines Buchenwaldes im Frühjahr


Jahreszeiten im Wald Gouache, Skizzenbuch A3
Die Idee, Farbtafeln anzulegen, entstand,
als ich versuchte, einen abgestorbenen,
umgestürzten Baumstamm zu zeichnen,
und nicht mehr die nötige Konzentration
aufbrachte, um die komplizierten Formen
und Texturen des Stammes zu zeichnen.
Da kam mir der Gedanke, mich zunächst
nur auf die Farben zu konzentrieren, diese
zu mischen und in einer Farbtafel mit klei-
nen quadratischen Flächen festzuhalten.
Die Farben habe ich nummeriert und auf
der gegenüberliegenden Seite schrieb ich
auf, wo die Farbe zu finden war. Nachdem
die Anstrengung, ein komplettes Bild zu
malen oder zu zeichnen entfallen war,
merkte ich plötzlich, wie viel Freude das
einfache Mischen der Farben machen

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Buchen- und Eiche


n-Mischwald im Frü
Linolschnittfarben hjahr
, A3
In diesem Bild ha
be ich
einmal mit Linolsc
- orderidW-asexl37556431-396088267X
ser gut verdünne
n. Gut gefällt m - extransid
hnittfarben perimentiert.-Diexl37556431-396088267X
ese Farben
-
ir auch die Leucht lassen sich wie Go
kraft dieser Farben uache mit
, die es allerdings
nur in Tuben gibt.

kann. Diese Übung macht nicht nur viel Spaß, sondern ist
auch lehrreich, was das Mischen von Farben angeht. Gleich-
zeitig wurde mir viel mehr bewusst, wie groß der Farben-
reichtum selbst auf einem einzigen Stück Holz ist.
Später legte ich weitere Farbtafeln zu den Jahreszeiten
im Wald an. Jedes Mal, wenn ich diese Farbtafeln in meinem
Skizzenbuch aufschlage, wird die Erinnerung an den inten-
siven Farbrausch im Wald im Frühjahr und Herbst wieder
lebendig.
Die Farbtafel habe ich im Mai erstellt, zu einem Zeit-
punkt, an dem die gesamte Bandbreite von Zartgrün bis zu
gesättigtem Grün zu sehen ist. Ab Mitte bis Ende April zeigt
sich das frische Grün der neuen Blätter und taucht die Wäl-
der in einen regelrechten Farbrausch. Dann ist es Zeit, den
Farbkasten in die Natur mitzunehmen.

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Eichenmischwald im Juni
Gouache, Skizzenbuch A3

Ein typischer Erdweg im Wald mit Brennholz-


stapel. Unvergessen ist mir der Lärm der nach
Futter schreienden Jungspechte an diesem
Morgen.

Fichtengehölz im Sommer
Gouache, Skizzenbuch A3

Am Rande eines Fichtengehölzes treten die in


prallem Licht stehenden Stämme mit ihrer in
der Sonne gebleichten Rinde in sehr hellem
Grau hervor und werfen lange Schatten ins
Wald­innere. Die gebogenen Schattenlinien der
dünnen Äste sind ein wichtiges Detail. Die Krüm-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - mung der Schatten vermittelt den Betrachtern
die Rundung der Baumstämme.

Farbtafel mit Farben im Sommerwald


Gouache und Tusche, Skizzenbuch A3

Die Farben von Himmel, Laub, Baumstämmen


und Waldboden sind hier mit einer Beschreibung
dokumentiert.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -


Eichenmischwald im Spätsommer
Gouache, Skizzenbuch A3, linke Bildhälfte in Farbe, rechte Bildhälfte digital in Schwarz-Weiß umgewandelt

Im Sommer hat sich die Belaubung voll entfaltet, und fällt, schafft ein faszinierendes Mosaik aus Farbflecken
das zarte Frühjahrsgrün in vielen verschiedenen Nuan- in unterschiedlichsten Helligkeiten. In dieser Arbeit
cen ist einem oft recht eintönigen gesättigten Grün ge- habe ich versucht, ausschließlich zu malen, das heißt,
wichen. Jetzt kann man das Laub in den Baumkronen das Bild aus Flecken mit unterschiedlicher Farbe und
studieren. Das helle Sommerlicht sorgt für starke Kon- Helligkeit zusammenzusetzen, anstatt wie sonst das
traste im Wald. Das ist ideal für Tonwertstudien. Ange- Bild mit Formen und Konturen vom Hintergrund begin-
nehme Temperaturen und langes Tageslicht machen es nend aufzubauen. In der Schwarz-Weiß-Version, die ich
zudem leichter, sich mit Ausdauer dem Zeichnen und am Computer mit einem Bildbearbeitungsprogramm
Malen in der Natur zu widmen. erstellt habe, sind die unterschiedlichen Helligkeiten
Im Spätsommer erscheint die Farbe des Laubes deutlicher zu erkennen. Dabei ist mir aufgefallen, dass
satt in einer Mischung aus Grün und Grautönen. Das ich die Kontraste an manchen Stellen durchaus noch
Sonnenlicht, das durch das Blätterdach am Wegrand stärker hätte betonen können.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Im Hochsommer sieht das Laub der Bäume schon fast monoton


aus. Es gibt nur eine sehr eingeschränkte Farbigkeit im Wald. Weiß
und Blau für den Himmel sowie Schwarz und Grün für die Vege-
tation. Das Licht der Sonne dringt nur an einzelnen Stellen durch
das Blätterdach bis auf den Boden. In der Mittagszeit glitzert die
besonnte Oberfläche von Buchenblättern fast schon metallisch. In
den Grüntönen ist viel Grau enthalten.

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Buchenwald im Sommer
Gouache, Skizzenbuch A3

Die Gouachestudie ist auf Schwarz, Weiß und


einige Grüntöne beschränkt, um die extremen
Lichtkontraste im Sommerwald einzufangen.
Zuerst habe ich den Hintergrund mit lockeren
Pinselstrichen und Farbspritzern in schwarzer
Farbe angelegt und dabei weiße Flecken für
die »Durchblicke« links zwischen den Bäumen
und rechts in der Baumkrone frei gelassen.
Danach habe ich das Gerüst der Baumstämme
in tiefem Schwarz in den Hintergrund gesetzt
und die Untermalung des hell beleuchteten
Vordergrunds hinzugefügt, anschließend mit
Farbspritzern und Pinseltupfern das Laub der
Bäume ergänzt. Erst ganz zum Schluss habe ich
den Baumstamm im Vordergrund hinzugefügt.
Baumstämme versuche ich in einem Zug mit
dem Pinsel von der Wurzel bis zur Spitze zu
ziehen. Dabei beginne ich mit stärkerem Druck
auf den Pinsel an der Stammbasis und lasse
langsam in der Bewegung nach oben nach. So
ergibt sich eine schmalere Pinselspur. Manch-
mal drehe ich auch den Pinsel in der Bewegung
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
von der Breitseite auf die schmale Seite um
eine noch weitergehende Verschmälerung
des Baumstammes oder Astes darstellen zu
können.

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Die lebhafte Herbstfärbung der Blätter ist ein Fest für das Auge.
Je nach Region und Höhenlage kann man den Höhepunkt der
Laubverfärbung von Mitte Oktober bis Anfang November beob-
achten.
Wie im Frühjahr lohnt es sich jetzt, Farbtafeln anzulegen, um
sich im Farbenmischen zu üben. In Farbtafeln können Sie das Er-
lebnis der wunderbaren Herbstfarben festhalten, ohne sich auf
Formen und Proportionen konzentrieren zu müssen. Zu malen,
ohne ein »Bild« zu erstellen, kann sehr befreiend sein. Danach ist
es umso leichter, in einem Landschaftsbild die richtigen Farben
an die richtige Stelle zu setzen.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Tuschezeichnung über Herbstfarben


Gouache, Skizzenbuch A3

Hier wurde bewusst darauf verzichtet, die Textur des Herbstlaubes


naturgetreu darzustellen. Vielmehr habe ich die Herbstfarben sehr frei
als farbigen Hintergrund aufgetragen und die Baumstämme in Tusche-
linien darüber gesetzt. Die Betrachter werden angeregt, das Herbstbild
in ihrer Fantasie zu vervollständigen.

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Herbstfarben
Gouache, Skizzenbuch A3

In dieser Farbtafel sind 46 unterschiedliche Farbtöne von Buchenblät-


tern im Herbst festgehalten. Die Herbstfärbung ist in unserer Region
meist erst in den ersten Novembertagen voll ausgeprägt. Aber selbst zu
diesem späten Zeitpunkt findet man immer noch Blätter mit leichtem
Grünton. Die vielen rötlichen Brauntöne der schon am Boden liegenden
alten und der neu hinzugekommenen Blätter zu unterscheiden und zu
mischen erschien mir die schwierigste Aufgabe.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Totholz im Herbst
Gouache, Skizzenbuch A3

Moose haben den Stamm und die Äste einer zusammengebro-


chenen Eiche besiedelt. Die grünen Moose kontrastieren mit der
leuchtend roten Färbung der Blätter im Herbst.
Totholz ist ein wichtiger Bestandteil von Waldökosystemen.
Viele Vogelarten, die für die Eindämmung von Schädlingen und
zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts nützlich sind, be-
nötigen absterbende Baumstämme für Bruthöhlen. Totholz bietet
aber auch Lebensraum für viele nützliche Insektenarten.

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Fichtenstamm im Buchenwald, Schneefall


Gouache, Skizzenbuch A3

An diesem Bild habe ich an mehreren Tagen Der Winter mit seinen niedrigen Temperaturen und Schnee ist
Ende Januar und Anfang Februar 2010 ge-
natürlich eine Herausforderung für das Zeichnen. Wer die Win-
arbeitet. Das Wetter war sehr unbeständig.
tersaison wegen der manchmal widrigen Witterung meidet, weiß
Immer wieder wechselten Tage mit Tauwetter,
Regenschauern und Schneefall einander ab. allerdings nicht, was er verpasst.
Zur Darstellung des Schnees mischte ich weiße Funktions- oder Wintersportbekleidung schützt sehr gut vor
Gouachefarbe mit kleinen Mengen von Grau Kälte, sodass man selbst bei geringen Minusgraden einige Zeit
oder Ocker. Je nach Lichtverhältnissen, insbe- draußen zeichnen kann. Allerdings läuft die Tinte oder Tusche
sondere je nach Himmelsfarbe, kann man im
bei Frost nicht so gut, und nach gewisser Zeit kann sie zähflüssig
Schnee bläuliche oder graue Schattierungen
werden oder sogar gefrieren. Sie werden daher manchmal nur
sehen.
20 bis 30  Minuten zeichnend vor dem Motiv verbringen können
und somit für detaillierte Studien mehrmals an denselben Ort
zurückkehren müssen.

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Buchenwald und Fichten im Winter


Gouache, Skizzenbuch A3

Eingemummt in Thermohose und


Daunenjacke habe ich diese Skizze
im tiefen Winter bei viel Schnee am
Silvestervormittag 2010 angefertigt.
Das sanfte Licht unter dem hellgrauen
Himmel an diesem Tag mit Tauwetter
war wunderschön. Indem ich sie nass
in nass gemalt habe, versuchte ich, die
Färbung der Buchenstämme zwischen
Grau und Grün nachzuahmen.

Totholz unter Schnee


Gouache, Skizzenbuch A3

Auch dieses Bild ist an mehreren


Tagen über einen längeren Zeitraum
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
von Ende November bis Anfang
Dezember 2010 entstanden. Je nach
den Wetterveränderungen musste ich
einige Partien des Bildes überarbeiten.
So ist im Bild eine Mischung der Wit-
terung an drei verschiedenen Tagen
festgehalten.

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Bäume im Dorf

Ländliche Dorfansichten sind auch heute noch oft vom Obstbäume, aufgereiht am Horizont auf einer flachen
Dreiklang aus Kirche, Häusern und Bäumen geprägt. Kuppe, binden die Bebauung und den Kirchturm in die
Diese drei Elemente in vielen unterschiedlichen Vari-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - Landschaft ein. In den weiteren Ansichten des Ortes
ationen charakterisieren Dorfansichten von der Nord- Schmie in verschiedenen Techniken sind Bäume ein
seeküste bis zum Alpenrand. ganz wichtiger Bildbestandteil.
Besonders schön finde ich Dörfer, in denen die Für die Zeichnung oben habe ich einen Füllfeder-
ursprüngliche Gliederung der Nutzung im Anschluss halter mit blauer Tinte und einen blauen Buntstift
an die Bebauung noch erhalten ist. In Süddeutschland, verwendet. Den blauen Stift habe ich von einer Türkei-
wo ich lebe, grenzte an die Häuser oft ein Scheunen- reise mitgebracht. In Istanbul wurden diese Art Stifte
gürtel, der mit Nutzgärten verbunden war. Danach damals noch von Kellnern in Restaurants verwendet.
folgten Obstbaumwiesen und daran anschließend die Leider sind weder blaue Tinte noch die blauen Bunt-
Ackerflur. Im Zentrum des Dorfes, meist am Kirchplatz, stifte besonders lichtecht. Sie sollten sie daher nur in
waren in der Regel auch große, alte Bäume wie Linden Skizzenbüchern bzw. für Zeichnungen verwenden, die
und Eichen zu finden. Teilweise sind davon noch Frag- nicht permanent dem Licht ausgesetzt sind.
mente erhalten. Einige Jahre lang bin ich daher gerne
zu den Nachbardörfern gewandert, um noch erhaltene,
nicht verschandelte Dorfansichten zu zeichnen oder
zu malen, auch wenn sie vielleicht etwas nostalgisch Ortsrand Maulbronn-Schmie
Linoldruckfarben, 20 × 30 cm
anmuten.
Den Ortsrand von Schmie, eines nahen Nachbar-
In dieser vor Ort gemalten Arbeit ist die verdünnte Farbe in
dorfs, habe ich im Laufe der Jahre in verschiedenen zahlreichen Schichten übereinandergelegt. Dabei habe ich
Perspektiven und Techniken gezeichnet und gemalt. sowohl helle Farben auf dunkle Farben als auch dunkle auf
Die hohen Zypressen auf dem Friedhof und einige helle Farben gesetzt.

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Ortsrand Maulbronn-Schmie
blauer Buntstift, Skizzenbuch 25 × 25 cm

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Obstbäume am Ortsrand von Schmie


Kohle und Pastellfarben, 40 × 60 cm

Kirche und Scheune in Schmie


Aquarell, A5

Hier sind nur die Farben Paynesgrau


und etwas Grün verwendet. Mit
einem kleinen Flachpinsel habe ich
Bildteile in Paynesgrau gezeichnet
und diese danach mit reichlich Wasser
wieder auf dem Papier aufgelöst und
teilweise abgetupft. Anschließend
ist an bestimmten Stellen wieder mit
dem Pinsel nachgearbeitet. Diese
Schritte habe ich einige Male wie-
derholt, bis mir das Resultat zusagte.
Zum Schluss wurde eine geringe
Menge Grün und Violett hinzugefügt.

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Kirschbaum am Ortsrand von Schmie


Ölpastell auf Papier, 17 × 30 cm

An diesem Motiv hat mich der Form- und Farb-


kontrast zwischen dem blühenden Kirschbaum
und den geschlossenen Dachflächen gereizt.
Das kleine Bild ist mit Sennelier-Ölpastellen
auf einem mit Ölfarben grundierten Papier
gemalt.

Ortsrand Schmie
Öl auf Papier, A4

Ortsrand Schmie, Streuobstwiesen


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Tuschezeichnung, 22 × 31 cm

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Brachfläche, Füllfeder, Skizzenbuch 25 × 25 cm

Blick über eine Brachfläche auf die Rückseite älterer Gebäude in Maulbronn. Die großen Fichten und Laubbäume beleben
die ansonsten eher triste Szenerie.

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Hohenklingen
Füllfederhalter, Skizzenbuch 25 × 25 cm

Hinter den Gebäuden ragt eine Kastanie auf, die das Ortsbild prägt. Auch hier fand ich die Mischung aus geraden Linien der
Architektur mit Fachwerk und den organischen Linien von Bäumen und Büschen reizvoll.

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Den historischen Ortsrand im Westen des Etterdor-


fes Lienzingen habe ich immer wieder gezeichnet
und gemalt. Der historische Scheunengürtel ist
noch weitgehend vorhanden, vereinzelte Gärten
ebenfalls. Die Gebäude sind von Büschen und alten
Bäumen umgeben.

Wehrkirche Lienzingen
Tuschezeichnung,
20 × 30 cm

Ortsrand Lienzingen
Aquarell auf Papier, 35 × 50 cm

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Baumschatten in Avignon
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

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Stadtlandschaft

Bäume, die gelegentlich auch verächtlich Architekten- Menschen zu einem angenehmen Erlebnis werden
petersilie genannt werden, spielen eine herausragende zu lassen, anstatt eine öde Betonwüste zu schaffen.
Rolle in Städten und Siedlungsgebieten – nicht nur als Bäume und Architektur bilden einen lebhaften
rein optische Dekoration oder wie zur Zeit der Pferde- Kontrast in Form, Textur und Farbe. Jahreszeiten wer-
kutschen als schattenspendende Alleebäume. In Zeiten den durch Bäume in der Stadt stärker sichtbar und
hoher Feinstaubbelastung sind Bäume und städtische erlebbar. Eintönig wirkende Baukörper und Fassaden
Parks inzwischen hochgeschätzt, weil sie durch ihre werden durch Baumpflanzungen aufgelockert.
luftreinigende Wirkung das Klima in unseren Städten Schatten von Bäumen sind nicht nur eine Wohltat
verbessern. für die Bewohner einer Stadt in der heißen Jahreszeit,
Wie öde sähen unsere Städte ohne Bäume aus! Gute sie schaffen – vor allem in südlichen Ländern – um die
Architekten setzen heute Bäume und Baumgruppen Mittagszeit eine besondere Atmosphäre in Straßen und
geschickt ein, um die Schönheit einer Stadt zu beto- Gassen. In dieser Zeichnung ist der Baum vor allem
nen und um den Aufenthalt im städtischen Raum für durch seinen Schatten im Bild gegenwärtig.

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Carpentras, Skizze in Acrylmarker, ca. 20 × 20 cm Skizze von Architektur und Bäumen in Paris
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Die monotone geometrische Fassade eines Bürokomplexes kontrastiert


mit den organischen Formen der Silhouetten von Baumstämmen.

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Promenade in Izmir
Füllfederzeichnung, Skizzenbuch 25 × 25 cm

An der Strandpromenade in Izmir stehen Palmen, die das mediterrane Flair betonen.

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Stadtlandschaft Valencia, Ölpastell, 22 × 30 cm

Die Silhouetten der Palmen bestimmen die Komposition. Sie dienen als Rahmung für das farbige
Herbstlaub der Bäume und die Architektur im Hintergrund.

Filderstadt
Skizze mit Füllfederhalter, 15 × 30 cm

Hier ist der mit Bäumen und Gebüschen in die Landschaft eingebundene
Ortsrand von Filderstadt bei Stuttgart zu sehen.

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Stuttgart-Plieningen Ein Flugzeug im Steigflug über Stuttgart-Plieningen. Die Fernsicht auf


Füllfederhalter, Skizzenbuch 18 × 26 cm eine durch rasantes Wachstum verunstaltete Kleinstadt wird durch
Baumpflanzungen freundlicher.

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Hinterhof in Dresden mit Bäumen, Füllfederhalter, Skizzenbuch 15 × 30 cm

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Elbufer, Dresden Ein Blick auf die schönste Seite Dresdens, das Elbufer mit dem Turm der
Acrylmarker, Skizzenbuch 15 x 30 cm Frauenkirche und Staatsministerium im Hintergrund.

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Am Neckarufer
in Stuttgart
Skizze mit Füll­
federhalter,
Skizzenbuch
18 × 26 cm

Die städtischen
Grünpflanzungen
dominieren in dieser
Stadtansicht vom
Neckarufer in der
Nähe der Wilhelma.

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Plattenbausiedlung in Dresden, In den Plattenbausiedlungen sind Bäume im wahrsten Sinne des


Skizze mit Füllfederhalter, 15 × 30 cm Wortes ein belebendes Element.

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Gärten und Parks

In Gärten und Parks können Sie nicht nur schöne ein- damalige Landschaftsmalerei beeinflusst. So können
zelne Baumexemplare, sondern auch die Bildwirkung wir zum Beispiel in den wunderbaren Landschafts-
von Baumgruppen bestens studieren und zahlreiche gärten in Bad Muskau und Wörlitz noch heute die
Anregungen aus der Gartenarchitektur für die eigene Ideale der romantischen Landschaftsmalerei in natura
Bildgestaltung gewinnen. illustriert erleben.
Die Gestaltung von Landschaftsgärten des 18. und
19. Jahrhunderts war in Europa maßgeblich durch die
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Proportionen lassen sich einfach mit dem Zeichenstift in der Hand und
ausgestrecktem Arm schätzen. Sie können auch ein kleines Kantholz
verwenden, dessen Länge mit der Papiergröße abgestimmt ist. Damit
können Sie Proportionen messen und diese direkt auf das Papier
übertragen.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Farbige Skizze im Schlosspark Schwetzingen


bunte Acrylmarker auf mit Gouachefarben grundiertem Papier, Skizzenbuch A3

Malen auf farbigem Untergrund ist anregend. Man lernt dabei sehr viel über Farbklänge. Man kann gut verfolgen,
wie sich der Farbklang mit zunehmendem Fortschritt des Bildes auf dem farbigen Untergrund verändert. Die
Dominanz des Untergrundes schwindet immer mehr bis zu einem Punkt, an dem der Untergrund und das neue
Bild im Gleichgewicht sind. Arbeitet man von hier weiter, kippt das Gleichgewicht zugunsten der Übermalung,
und man muss achtgeben, die Spannung, die durch den farbigen Untergrund hervorgerufen werden kann, nicht
zu verlieren. In einer weiteren Studie würde ich jedenfalls versuchen die Übermalung offener zu halten. Das Bild
habe ich, nachdem die Farbe durchgetrocknet war, mit einem farblosen Acrylfirnis überzogen. Die Oberfläche
der Arbeit wird dadurch etwas besser geschützt. Die Farben sehen nach der Behandlung etwas frischer und
leuchtender aus. Allerdings wird auch bei Verwendung einer matten Firnis die Oberfläche glänzend.

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Goethes Gartenhaus in Weimar


Tuschezeichnung mit Pentel Brush Pen in Leporello-Zeichenbuch,
24,5 × 33 cm
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
Man braucht etwas Übung, um mit der sehr weichen Spitze des Tusche­
pinsels von Pentel kontrolliert zeichnen zu können.

Parkanlage am Schloss Solitude


schnelle Skizze mit Füllfederhalter, Skizzenbuch 18 × 26 cm

Diese Skizzen sind im Rahmen eines Projekts mit über 40 Skizzen zur
Stadtlandschaft Stuttgart entstanden.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Parklandschaft im Garten von


Bad Muskau
Pentel Brush Pen, Tusche, Leporello-­
Skizzenbuch 33 × 24,5 cm

Zunächst habe ich die wichtigsten


Umrisslinien von Bäumen und Brücke
mit senkrecht gehaltenem Pinsel
festgelegt. Danach folgten die Details.
Zuletzt wurden mit flach gehaltenem
Pinsel die Schattenpartien im Vorder-
grund und in den Bäumen angelegt.

Eine Baumgruppe im Schlossgarten Stuttgart


Füllfederhalter mit sepia getönter und schwarzer Tinte, A4

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Skizze von der Parklandschaft im Schlossgarten Stuttgart


Füllfederhalter, Skizzenbuch 18 × 26 cm

Kloster Hirsau, Acrylmarker und Ölpastell, Skizzenbuch A4

In der alten Klosteranlage Hirsau im Schwarzwald findet man einige wunderschöne Linden und Buchen,
die zwischen den ehemaligen Klostermauern wie in einer Parkanlage wachsen. Die große Buche neben
der imposanten Ruinenwand ist etwa 120 Jahre alt. An diesem Tag hatte ich nur ein kleines Set von
Wachsmalstiften (Neocolor) und schwarze Acrylmarker zum Skizzieren mitgenommen.

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Bärenwiese in Ludwigsburg
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

In dieser Skizze sind die Blattmassen der Bäume im sommerlichen


Stadtpark Ludwigsburg durch Liniengewirre dargestellt.

Alter Friedhof Maulbronn mit Hexenturm


Tusche, 20 × 30 cm

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Teich mit Bäumen im Kurpark Baden-Baden


Acrylmarkerzeichnung mit Ölkreiden koloriert, Skizzenbuch A4

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Blick auf die Klosteranlage Saint Hilaire nahe Menerbes in Südfrankreich


Acrylmarker, Skizzenbuch 15 × 20 cm

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Garten des Klosters Silvacane, Provence


Monotypie, Ölfarbe, 50 × 70 cm

Zypressen und Olivenbäume im Garten des


Fort Saint-André in Villeneuve-lez-Avignon, Frankreich
Acrylmarker, Leporello-Skizzenbuch, 33 × 24,5 cm

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Sommerlandschaft, in der Tradition der


Impressionisten vor dem Motiv gemalt
Öl auf Papier, 35 × 50 cm

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

KAPITEL 3

Baumlandschaften
und Komposition

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Auch wenn Sie draußen vor dem Motiv zeichnen und was den Blick des Betrachters aus dem Bildraum
sich stark an den tatsächlichen Gegebenheiten orien­ hinausleiten könnte. Besondere Bedeutung in dieser
tieren, sind Sie doch von Anfang an mit Fragen rund um Hinsicht haben die Bildpartien mit den stärksten Kont­
Bildaufbau und Bildentwicklung konfrontiert. rasten, denn sie ziehen den Blick wie ein Magnet auf
In der Regel umkreist man das Motiv auf der Suche sich. Wenn Sie sich in der Bildbetrachtung üben und
nach dem besten Blickwinkel. Es lohnt sich immer, ein Kompositionen besser verstehen möchten, sollten Sie
Motiv vor dem Zeichnen genauer zu untersuchen, auch einmal versuchen, den Gang Ihres eigenen Blickes über
wenn man glaubt, das Bild beim Herangehen schon ein Bild bewusst zu beobachten.
gefunden zu haben. Oftmals entdeckt man buchstäb­ Wie bewegt sich Ihr Blick über das Bild? Geschieht
lich unbekannte Seiten. Gelegentlich kann man sogar dies in einer flüssigen Bewegung oder in Sprüngen?
mit dem Rücken zum Motiv etwas noch Interessante­ Verweilt der Blick bevorzugt an bestimmten Stellen
res entdecken. oder nicht? Welche Stelle im Bild zieht die größte Auf­
Steht die Perspektive fest, kann es hilfreich sein, merksamkeit auf sich? Gibt es Bildbereiche, die wenig
vor Beginn der eigentlichen Arbeit eine kleine Skizze oder gar nicht betrachtet werden? Wird der Blick sogar
mit Tonwerten der wichtigsten Bildteile anzulegen, entlang eines dominierenden Elements aus dem Bild
um das Motiv mit seinen Stärken und Schwächen heraus geführt? Die Beantwortung solch einfacher
besser kennenzulernen. In einer vorbereitenden Skizze Fragen kann sehr aufschlussreich sein.
können Sie eventuelle Schwierigkeiten früh erkennen. Menschen, die sich für Bilder interessieren oder
Auch können Sie den Bildausschnitt gründlich überprü­ auch selbst bildnerisch tätig sind, bringen ein Gespür
fen und den optimalen Einstieg ins Motiv erkunden, für interessante, fesselnde Bildkompositionen mit, das
denn jeder hat persönliche Vorlieben, wie und wo er sich durch die Betrachtung von vielen Bildern ausge­
mit der Zeichnung anfängt und von dort das Bild dann
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - bildet hat. Um selbst gelungene Kompositionen zu
weiterentwickelt. Unerwünschte, unschöne Aspekte entwerfen oder Fehler in Kompositionen zu erkennen,
im Motiv können früh erkannt und in der endgültigen braucht man daher oft nur einen Anstoß, um sich die­
Zeichnung weggelassen oder korrigiert werden. ses Gespürs bewusst zu werden. Anschließend kann
Eine gelungene Bildkomposition hält den Blick und man durch systematische Überlegung die Gründe für
das Interesse des Betrachters innerhalb des Bildes. die Anziehungskraft bestimmter Bilder benennen, die
Daher versucht man, möglichst alles zu vermeiden, man zunächst nur intuitiv wahrgenommen hat.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Obstbäume am Hang Auf dem Heimweg vom Skizzieren in der Landschaft fiel mir diese Baumgruppe auf, die zu ande­
Kohle, 40 × 60 cm ren Tages­zeiten eher uninteressant wirkte. Die Schatten der Obstbäume und der von rechts ins
Bild fallende lange Schatten eines nahen Gehölzes auf den Wiesen faszinierten mich. Ich machte
eine schnelle Skizze und notierte die Uhrzeit. Einige Tage später kehrte ich zurück und begann die
Zeichnung in Kohle, etwa eine Stunde, bevor das magische Abendlicht zu erwarten war. So war ich
vorbereitet und konnte die schnell wandernden Schatten in die Zeichnung setzen.
Der Blick wird in diesem Bild von der Baumgruppe links oben über die Schatten und den Weg
in die linke untere Bildecke geführt. Dort leitet der dunkle Schatten wieder hinauf zur rechten
Bildkante, von wo der Blick über die Hütte und die Silhouette eines vorbeifahrenden Lkw wieder
zur Baumgruppe geleitet wird. So wird der Blick beim Betrachten im Bildraum gehalten.

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Historische Vorbilder

Bäume wurden in der Landschaftsmalerei


schon frühzeitig benutzt, um den Blick
des Bildbetrachters zu lenken und um in
Bildern die Illusion räumlicher Tiefe zu
erzeugen. Die klassische Gliederung eines
Landschaftsbildes in Vorder-, Mittel- und
Hintergrund wurde häufig mithilfe von
Baumdarstellungen unterstützt. Allein
durch die unterschiedliche Größe von Bäu­
men bei gleichbleibenden Proportionen
entsteht beim Betrachter die Illusion eines
dreidimensionalen Raumes. Bäume am lin­
ken und rechten Bildrand dienten als Rah­
mung für das Geschehen in der Bildmitte.
Auch heute kann man noch viel von
den alten Meistern über die Bildgestaltung
mit Bäumen lernen. Durch den einfachen
Zugang zu digitalen Archiven großer, öf­
fentlicher Sammlungen ist das Studium
sehr erleichtert. Ich kann Ihnen nur emp­
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
fehlen, Werke hervorragender Künstler
immer wieder zu betrachten und auch zu
kopieren.
Als Beispiele nenne ich nur die Archive
der Tate Gallery und des Victoria and Albert
Museums in London oder des Rijksmuseum
in Amsterdam sowie der Albertina in Wien.
In diesen digitalen Archiven finden Sie eine
Fülle von Studienmaterial aus vielen Epo­
chen der Kunstgeschichte.

Temple of Clitumnus, Ölpastellstudie


nach Richard Wilson (1713/14–1782),
Skizzenbuch 20 × 20 cm

Bäume spielen in dem Gemälde von Richard


Wilson eine tragende Rolle. Das titelgebende
Motiv des Tempels ist an den linken Bildrand
gerückt, während das Bildzentrum von einem
großen Baum eingenommen wird. Links und
rechts ist das Bild von Bäumen begrenzt.

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Ölpastell, Studie nach


Constable, 20 × 20 cm

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Eine sehr interessante Landschaftsskizze von John Constable befindet sich in der Tate
­Gallery in London. Das Werk, für das Constable Ölfarben verwendete, heißt »Stoke-by-­
Nayland«. Das Hauptmotiv, die Kirche St. Mary, ist an den linken Bildrand gerückt, und der
Blick wird über eine Baumgruppe, die die rechte Bildhälfte dominiert, zum Hauptmotiv
geleitet.
Die von mir erfundene Landschaft (rechts oben) mit See, Bergen, Schloss und Ruine ist
stark an historische Vorbilder angelehnt. Es handelt sich um eine Monotypie in Ölfarbe.
Typisch für die Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts ist die Staffelung des Bild­
raums in Vorder-, Mittel- und Hintergrund. In historischen Landschaftsbildern wurden
häufig menschliche Figuren, sogenannte Figurenstaffagen, eingefügt, um die Dimensio­
nen der umgebenden Landschaft hervorzuheben. Je winziger der Mensch in den Bildern
dargestellt ist, desto mächtiger und erhabener erscheint dem Betrachter die Natur. Bäume
nehmen in diesem Bild zwar nur wenig Fläche ein, aber sie definieren den Raum und leiten
oder halten den Blick des Betrachters an bestimmten Punkten im Bild.

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Romantisches Seestück
Öl auf Papier, Monotypie, 35 × 50 cm

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Ölpastellstudie nach dem Gemälde »Windsor Castle from Salt Hill« von William Turner (1775–1851)
Skizzenbuch ca. 12 × 20 cm

In dieser kleinen Studie ist zu sehen, wie Bäume nicht nur als Rahmung für den Bildgegenstand be­
nutzt werden können, sondern auch als Mittel, um räumliche Tiefe zu schaffen. Gleichzeitig wird für
die Betrachter die Größe der Gebäude durch die Dimension der umgebenden Bäume verdeutlicht.

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Kompositionsstudien von
Baumlandschaften

In kleinen Miniskizzen können Sie spielerisch mit we­


nig Zeitaufwand Bildkompositionen entwerfen. Der
Start fällt leichter, wenn Sie zu Beginn eine Serie von
kleinen Skizzen nach Vorlagen, zum Beispiel Fotos,
anfertigen.
In den Skizzen habe ich eigene Entwürfe mit Skizzen
nach Bildern von Meistern der Kompositionstechnik
wie William Turner, John Constable und Joseph Anton
Koch gemischt. Die geringe Größe der Skizzen zwingt
dazu, sich auf die wichtigen Elemente im Bildraum zu
konzentrieren. Beim Abzeichnen oder Nachempfinden
guter Kompositionen im Miniaturformat lernt man
meiner Erfahrung nach sehr gut, welche Wirkung be­
stimmte Bildelemente entfalten.

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Skizze nach William Turner


Laserdruck A4, gepaust, und mit schwarzer und farbiger Ölkreide überarbeitet

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Eine der kleinen Skizzen habe ich mit dem Computer im DIN-A4-Format ausgedruckt. Dann wurde
die Rückseite des Blattes mit schwarzer Ölkreide bestrichen, um das Bild auf ein separates Blatt
durchzupausen, indem ich das Motiv mit einem Kugelschreiber überzeichnet habe. Mit schwarzer
und bunter Ölkreide wurde das Bild dann weiter bearbeitet. Mit dieser einfachen Technik können
Sie kleine Skizzen schnell in ein größeres Format übertragen.

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Kompositionsstudien
Füllfederhalter, Skizzenbuch 25 × 25 cm

Haus in der Provence


Monotypie, Öl auf Papier, 35 × 50 cm

Von den kleinen Kompositionsentwürfen aus meinem Skiz­


zenbuch mit provenzalischen Landschaften ist der Entwurf
links in einer Monotypie verwendet. In den Entwürfen habe
ich die Wirkung von Bildelementen spielerisch erkundet.
Dabei wurden Kompositionselemente hauptsächlich in
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
Konturlinien dargestellt und verschiedene Varianten durch­
gespielt, deren Linien sich überschneiden.

Sonnenuntergang
Monotypie, Ölfarbe auf Papier, 35 × 50 cm

Die Monotypie habe ich nach einer Skizze (rechts) entwor­


fen und anschließend mit Ölkreide überarbeitet. Bäume
verengen hier den Blick des Betrachters auf die unterge­
hende Sonne und den Spaziergänger am rechten Rand.

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Rahmung und Kontrast

Kontraste sind im Bild gewissermaßen das Salz in


der Suppe. Ohne Kontraste wirken Bilder oft fade.
Kontraste sind aber nicht nur in Tonwerten und
Farbe wirksam, sondern auch als Formkontrast
und Texturkontraste. Bäume eignen sich ganz be­
sonders als Bildelemente, die mit ihrer durchbro­
chenen organischen Form und der reichen Textur
einen reizvollen Kontrast zu ruhigen, geschlosse­
nen Flächen von Architektur bilden können. Aus
diesem Grund werden Bäume in Parks und Gärten
ganz gezielt ausgewählt und an bestimmte Stel­
len gepflanzt.
Am linken und rechten Bildrand von Gemäl­
den finden Sie häufig Bäume, die oftmals auch Parklandschaft Bad Muskau
Monotypie, Öl auf Papier, 50 × 60 cm
durch den Bildrand angeschnitten sind. Auf diese
Weise wird der Blick des Betrachters im Zentrum Die Monotypie habe ich anhand eines Handyfotos entworfen.
des Bildraums gehalten. In dieser Ölpastellstudie Die großen Bäume kontrastieren hier in Form, Tonwert und
wird das Bild an beiden Seiten durch Bäume be­ Größe mit der Architektur, die sie gleichzeitig rahmen. Den klei­
grenzt. Gleichzeitig bildet die organische, runde nen Tempel gibt es im Landschaftsgarten Bad Muskau nicht; ich
habe dieses Detail hinzugefügt, um den Effekt zu verstärken.
Form der Baumkronen einen belebenden Kontrast
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
zur Architektur, die von geraden Konturen und
geometrischen Formen bestimmt ist.

Haus in der Provence


Ölpastell, Skizzenbuch 20 × 20 cm

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Haus in der Haute-Provence, Baumschatten


Ölpastell auf Papier, 25 × 17 cm

Das Motiv der hellen Fassade wird in diesem Bild in besonderer Weise durch einen Baum
gerahmt, nämlich an drei Seiten: durch den Stamm auf der linken Seite, durch seine Blätter
am oberen Bildrand und durch seinen Schatten am Boden.

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- orderid - exl37556431-396088267X
Provenzalische Landschaft - transid - exl37556431-396088267X -
Ölpastell, 50 × 70 cm

Bäume links und rechts des Weges leiten beim Betrachten in die Mitte des Bildes.

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Balance

Bäume sind ideale Elemente, um die Balance in einem


Bild herzustellen. Die Größe und Form eines Baumes
können Sie auch beim Zeichnen oder Malen in der Na­
tur anpassen, wenn sich dadurch die Bildwirkung ver­
bessern lässt. Meistens sind extreme Veränderungen
gar nicht notwendig, sondern es genügen oft geringe
Veränderungen in der Position oder Größe.

Lienzingen Ortsrand Maulbronn-Schmie


Füllfederhalter, Skizzenbuch 25 × 25 cm Kohle auf Papier, 40 × 60 cm

In dieser Studie ist das Gebüsch am oberen rechten Der Baum am linken Bildrand zieht durch seine Größe und
Bildrand für die Bildwirkung sehr wichtig. Der Blick wird den Kontrast zur helleren Umgebung den Blick auf sich.
durch das Gebüsch immer wieder vom Hauptmotiv des Dadurch wird verhindert, dass der Blick entlang der schräg
Kirchturms von links nach rechts oben gelenkt, um von dort nach rechts unten verlaufenden Trennlinie zwischen Acker­
wieder auf den Schwerpunkt des Bildes am linken Rand boden und Wiese aus dem Bild hinausgleitet. Vielmehr
zurückzufallen. Der Blick des Betrachters wandert somit wird der Blick eher von rechts unten nach links oben gezo­
beständig auf der Horizontlinie auf und ab. Das Gebüsch gen. Dazu trägt auch die von rechts unten nach links oben
wirkt wie ein Anker, der das Abrutschen der linken Bild­ führende dunkle Linie der Ackerfurche bei. Die Baumgruppe
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
hälfte verhindert. Ich habe diesen Bildausschnitt intuitiv am rechten Rand im Bild fängt den Blick auf und sorgt für
gewählt. Später bei der Lektüre von Paul Klees Beiträgen mehr Gleichgewicht in der Komposition.
zur bildnerischen Formenlehre am Bauhaus ist mir der
Zusammenhang erst richtig bewusst geworden.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Landschaft in Ölpastell auf Papier, mit Ölfarbe grundiert, 22 × 32 cm

Die Balance in dieser spontan vor Ort angefertigten Ölpastellstudie ist nicht vollkommen. Durch
den Baum am rechten Rand und die Schatten unter den Bäumen in der Mitte des Bildes liegt das
Schwergewicht der Komposition auf der rechten Seite. Am Ende des Malprozesses habe ich lange
überlegt, ob ich ein Bildelement als Gegengewicht links unten in die Freifläche der Wiese einfü­
gen soll. Letztlich habe ich darauf verzichtet, weil es mir für die Bildwirkung wichtiger schien, den
Farbwechsel auf der Wiese und den Akzent des braunen Untergrundes ungestört zu erhalten.

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Die Darstellung des Raumes

Über die Größe bzw. die Höhe von Bäumen


können Sie sehr wirkungsvoll räumliche
Tiefe in Bildern darstellen. Diesen Effekt
können Sie durch Figuren im Bild noch
unterstützen, indem Sie die Größe der
Bäume sichtbar in Relation zur Größe des
menschlichen Körpers setzen.

Streuobstwiese
Acrylmarker, Skizzenbuch 25 × 25 cm

Die kleine Figur des Spaziergängers


unterstützt die Illusion räumlicher
Tiefe, die durch die zum Hintergrund
abnehmende Baumgröße erzeugt wird.
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Im Gewann »Fundgrube«, Maulbronn


Tusche, ca. 20 × 30 cm

Die kleinen Bäume am Horizont im Kontrast


zum breiten Baumstamm im Vordergrund
vermitteln den Eindruck von räumlicher Tiefe
durch extreme Größenunterschiede.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Landschaft im Frühjahr
Ölpastellstudie, 22 × 30 cm

Der räumliche Eindruck wird hier durch die Staffelung von Bäumen mit
abnehmender Größe im Bild verstärkt. Gleichzeitig lenken die Bäume
den Blick über den Weg vom Vordergrund in den Hintergrund mit der
Silhouette eines Kirchturms.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

???

Landschaft mit Bäumen


Ölpastell auf mit Ölfarben
grundiertem Papier, 35 × 50 cm

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KAPITEL 4

Baumbilder gestalten

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Abstraktion und Reduktion

Beim Zeichnen und Malen von Bäumen in der Natur wird man je nach Perspektive und
Entfernung zum Motiv zur Abstraktion, d. h. zur Vereinfachung, gezwungen. Man muss
Details weglassen und Zeichen erfinden, mit denen zum Beispiel die Illusion von Blättern
beim Betrachten hervorgerufen wird.
Mit zunehmender Fertigkeit in diesem Bereich entwickelt sich auch ein Sinn für die
mehr oder weniger freie Gestaltung von Baumbildern, sei es aus der Fantasie oder in
Anlehnung an die in der Natur gemachten Beobachtungen.
Schnelle Skizzen, die immer ein hohes Maß an Abstraktion und Reduktion von Details
aufweisen, sind geeignet, den Weg zu einer eigenen abstrahierenden Formensprache zu
weisen.

Der Wanderer
Monotypie, Öl auf Papier,
50 × 70 cm

Bei diesem einfachen


Reliefdruck wurde die
Druckform aus einem
stabilen Wellpappen­
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - karton ausgeschnitten.
Dann habe ich verschie­
dene Farbtöne über­
einander von Hand auf
das Papier abgerieben.
Die Figur wurde separat
ausgeschnitten und
nachträglich ins Bild
gesetzt.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Provence, Ölpastell, 20 × 20 cm

In diesem kleinen quadratischen Ölpastell sind die Baumkronen zu


grünen Flächen mit nur angedeuteten Details reduziert. Räumliche Tiefe
wird durch die perspektivische Verkürzung des Weges mit zusammen­
laufenden Rändern und durch die Farb- und Tonwertabstufung der
Baumkronen suggeriert.

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Dekorativ

Wer sich entschließt, dekorative Baumbilder oder


-landschaften zu schaffen, hat viele Möglichkeiten,
mit unterschiedlichsten Materialien zu experimen­
tieren und zu gestalten. In dekorativen Darstellungen
von Bäumen werden oft wiederkehrende Techniken
und Stilmittel verwendet, z. B. Vereinfachungen von
Formen, eine freie, von der Natur abweichende Wahl
der Farben oder in der Natur nicht vorkommende Mus­
ter und Texturen für das Blattwerk oder die Äste. Der
Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt – unzählige
Varianten mit verschiedensten Kombinationen sind
möglich.

Gebirgslandschaft mit Bäumen


Gelschreiber und Ölkreide, 20 × 20 cm

Zunächst habe ich mit schwarzem Gelschreiber eine Zeich­


nung frei entworfen und anschließend mit einer leeren
Kugelschreibermine leichte Vertiefungen in das Papier
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - geritzt, die nach der Übermalung mit schwarzer Ölkreide
als weiße Linien sichtbar wurden. Die schwarze Ölkreide
wurde vorsichtig mit ganz geringem Druck auf das Papier
gebracht.

Bonnieux
Monotypie in Ölfarben, 35 × 50 cm

Diese Gruppe aus Zypressen und einer Kiefer entdeckte ich


in Bonnieux in der Provence. Die Silhouetten der Bäume
wurden zuerst als Farbflächen angelegt. Danach habe ich
mit schwarzer Farbe zusätzliche Texturen in den Stämmen
und Kronen angelegt. Die hellen Linien sind mit einem
Pinselstil in die schwarze Farbe geritzt.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Baumlandschaft
Ölpastell, Skizzenbuch 31 × 46 cm

Diese Landschaft in Ölpastell, gemalt nach einer Fotografie, wirkt durch


die dekorative Farbwahl. Ich habe für sie eine sogenannte homologe
Farbskala verwendet. Das sind Farben, die im Farbspektrum nebenein­
anderliegen.

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Experimentell

Immer wieder reizt es mich, bekannte


Pfade zu verlassen und etwas anderes
auszuprobieren. Regelmäßig versuche
ich, Materialien auf ungewohnte Weise
zu verwenden oder zu kombinieren. Da­
bei besteht immer das Risiko, dass ein
Bild misslingt. Allerdings kann man aus
solchen Fehlversuchen auch sehr viel
lernen.

Kühler Sommer
Mischtechnik, Ölfarbe und Tusche auf Papier, 35 × 50 cm

Wässrige und ölige Materialien passen eigentlich nicht zueinander.


Trotzdem habe ich einmal versucht, verdünnte Ölfarbe und Tusche in
einem Bild zu verarbeiten, um zu sehen, welche Effekte entstehen, wenn
man eine Monotypie in Ölfarben mit verdünnter Tusche überarbeitet.
Ich denke, hier liegt noch viel Potenzial verborgen, das ich in Zukunft
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
weiter erkunden möchte.

Im Wald
Monotypie, Ölfarbe auf
Papier, 40 × 60 cm

Die Bäume sind nur


schemen­haft, wie im Ne­
bel, erkennbar. Hier habe
ich eine Monotypie mit
einem weiteren Abklatsch
eines frischen Ölbildes
überdruckt. Manch einer
würde das Bild als miss­
lungen bezeichnen. Für
mich ist dieser unfertige
Zustand jedoch so reizvoll,
dass ich dieses Bild trotz
aller Schwächen aufbe­
wahrt habe.

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Angeregt durch ein statistisches Zählver­


fahren zur Bestimmung der Holzmasse
habe ich im Wald eine Serie von Tusche­
zeichnungen im Panoramaformat gezeich­
net und diese zu einem Buch im Format
18,5 × 34 cm gebunden. Anstatt die Baum­
stämme ab einem bestimmten Durchmes­
ser zu zählen, habe ich Baumstämme in
meinem Blickfeld mit dem Pinsel in einer
Art visueller Bestandsaufnahme aufge­
schrieben. Blätter und Zweige fehlen zwar,
aber trotzdem wird beim Betrachten der
Eindruck eines Waldes hervorgerufen. Viel­
leicht besteht der Reiz dieser stark redu­
zierten Darstellung gerade darin, dass die
Fantasie der Betrachter angeregt wird, den
Wald mit Ästen, Blättern und der Jahres­
zeit in der eigenen Vorstellung zu erfinden.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Baumstämme
Tusche, Pinselzeichnungen, 60 × 21 cm

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Fotografische Vorlagen nutzen

Bereits die Impressionisten haben Fotografien im


Malprozess verwendet, sei es als Kompositionsgrund­
lage oder als Erinnerungsstütze für die Fertigstellung
eines im Freien begonnenen Bildes. Digitale Fotos sind
heutzutage in weit größerem Umfang zum schnell und
einfach verfügbaren Hilfsmittel beim Zeichnen und
Malen geworden. Digitale, manipulierte Fotografie hat
eine deutlich erkennbare Spur in der zeitgenössischen
bildenden Kunst hinterlassen. Es gibt genügend Bei­
spiele von Werken zeitgenössischer Malerei, die ohne
Kenntnisse in digitaler Bildbearbeitung nicht möglich
erscheinen.
Mit digitalen Fotos können Sie sich schnell die Ver­
teilung der Tonwerte in Graustufen in einem Bildbe­
arbeitungsprogramm anzeigen lassen. Ebenso können
Sie über Ausschnittvergrößerungen in das Bild hinein­
zoomen und so Details erkennen, die Sie draußen in
der Landschaft unter Umständen nicht sehen konnten.
Fotografische Vorlagen haben aber auch Nachteile.
Dresden, Elbufer
Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Arbeit wie eine
- orderid - exl37556431-396088267X - Ölpastell,
transid - exl37556431-396088267X
Skizzenbuch 20 × 20 cm -
kopierte Fotografie aussieht, müssen Sie sich entspre­
chende Freiheiten der Gestaltung vorbehalten und Im Vorübergehen habe ich die Szenerie am Elbufer in
nutzen. Bei zu genauer Übertragung von Fotoinhalten Dresden fotografiert. Die morgendliche Lichtstimmung, die
Silhouette der bekannten Canaletto-Ansicht von Dresden
besteht die Gefahr, störende Elemente ins Bild zu über­
und der starke Kontrast zu den Alleebäumen schienen mir
nehmen. Ebenso ist auf eventuelle Schwächen in der
ein geeignetes Motiv für ein Bild.
Komposition von Fotografien zu achten. Für die Bildstudie in Ölpastell habe ich eine Doppelseite
Die Perspektive der Kamera und die Art und Weise, in meinem Skizzenbuch gewählt, deren farbige Grundie­
wie ein Fotoapparat die Realität abbildet, unterschei­ rung mit Ölfarben der Farbe des roten Sandes unter den
det sich immer von der Perspektive des menschlichen Bäumen nahekommt. Der Farbklang der Grundierung hatte
großen Einfluss auf die weitere Farbgestaltung des Bildes.
Auges und dem visuellen Eindruck beim Betrachter.
Der untere Rand des Fotos ist beschnitten, um ein Pano­
Letztlich sehen wir nicht mit dem Auge, das im We­
ramaformat zu erhalten. Zusätzlich habe ich die aus meiner
sentlichen nur ein optischer Apparat ist, sondern mit Sicht zu dominierende Balustrade am rechten Bildrand
dem Gehirn, das die vom Auge gelieferten Daten nicht vereinfacht und verkleinert. Dadurch werden die Wiesen
nur zum Bild zusammenfügt, sondern gleichzeitig am Elbufer etwas besser sichtbar und setzen mit ihrem
auch die Bedeutung des Bildes mitliefert. hellen Grün einen weiteren Farbakzent.

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Im Gegensatz
- orderid zur Kamera, die das Bild einer Landschaft - dokumentarische
- exl37556431-396088267X Fotos machen, sondern eben auch
transid - exl37556431-396088267X -
zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit definierter versuchen, die ästhetischen Gestaltungsmöglichkei­
Schärfe über die ganze Bildebene festschreibt, tastet ten der Fotografie zu nutzen, um die Resultate dann in
das menschliche Auge die Landschaft ununterbrochen seine gezeichneten oder gemalten Bilder einfließen zu
ab. Dabei wird der Punkt des scharfen Sehens, der nur lassen. Umgekehrt beeinflussen auch Erfahrungen aus
einen relativ kleinen Bereich des Sehfeldes umfasst, dem Umgang mit Farbe und Pinsel die Art, wie man
wie ein Scheinwerferkegel über die Szenerie bewegt. fotografiert. Beide bildgebenden Verfahren können
Der Eindruck eines statischen Landschaftsbildes wird eine Inspiration füreinander sein.
im Gehirn des Menschen aus der Vielzahl von kurzen
Augenblicken des Schauens zusammengesetzt. Daher
unterscheiden sich vor dem Motiv gemalte oder ge­
zeichnete Bilder immer von einer Fotografie.
Wenn Fotografien nicht sklavisch als Bildvorla­
gen genutzt werden, können sie die Entwicklung der
Ausdrucksmöglichkeiten für einen bildenden Künstler
unterstützen. Dabei wird der Künstler nicht nur rein

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Das Foto habe ich an einer eher hässlichen Stelle in der


Stadt, am Rand eines Parkplatzes, aufgenommen. Das harte
Licht der Mittagssonne, die grafische Wirkung des kahlen
Baumes mit seinem Schatten zusammen mit dem Fenster
fielen mir als mögliches Material für eine Zeichnung auf.
An diesem Beispiel wird deutlich, dass Fotografieren eben
auch ein grafisches Handwerk ist und der Weg von der
Fotografie zur Zeichnung manchmal nicht sehr weit ist.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Baumschatten
Acrylmarker, A4

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Mit Blick auf einen großen Computermonitor habe ich


ein Ölpastell nach dieser Fotografie gemalt. Den für mich
interessanten Ausschnitt im Hintergrund konnte ich nach
Bedarf vergrößern. Mit einem Plastikmesser wurden die
Fenster und andere Details geformt bzw. nachgezeichnet
und etwas Textur in die Bäume und Büsche gesetzt. Den
Vordergrund habe ich einfach durch eine Mauer ersetzt, in
die ich Titel und Signatur ritzen konnte.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Villa mit Garten


Ölpastell auf Papier, 17 × 26 cm

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Baumgruppe bei Maulbronn-Schmie


Füllfederhalter, ca. 10 × 15 cm
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KAPITEL 5

Zeichnen in der Praxis

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Zeichnen ist eine Fähigkeit, die wie das Schreiben er- Motiv stimmt man sich auf das Zeichnen ein und kann
lernbar ist. Die Koordination von Hand und Auge, die den Alltag schon etwas hinter sich lassen. Vor dem
zum Schreiben erforderlich ist, ist die gleiche wie beim Motiv lege ich gerne eine Ruhepause von einigen Mi-
Zeichnen. Zeichnen heißt demnach auch schreiben, und nuten ein, um mir über die Zeichnung klarer zu werden.
gut zeichnen könnte bedeuten, lesbar und verständlich Gelegentlich mache ich einige handschriftliche Notizen
zu schreiben – im Gegensatz zu unverständlichen, wir- zur Situation. Danach versuche ich mich auf das Sehen
ren und unleserlichen Worten oder Buchstaben. und Schreiben der Zeichnung zu konzentrieren.
Gute Zeichnerinnen und Zeichner verfügen sicher Nach Abschluss der Zeichnung fühle ich mich geis-
auch über ein besonderes Talent, aber ohne ständige tig erfrischt und entspannt. Auf dem Rückweg vom
Übung nützt das beste Talent nichts. Übung und Aus- Motiv kehrt der normale Gang der Gedanken zurück.
dauer sind der »Preis« für die Fertigkeit im Zeichnen. Oft zeigen sich dann neue Sichten auf Bekanntes, und
Wenn Sie mehr üben und damit bereit sind, einen neue Einfälle und Ideen haben plötzlich die Möglich-
höheren Preis zu zahlen, werden Sie mit entsprechend keit, sich zu entfalten.
besseren Zeichnungen belohnt. Doch vielleicht bereitet
Ihnen das Zeichnen eh so viel Freude, dass Sie es nicht
als Belastung, sondern als Bereicherung empfinden.
Zeichnen schult uns im geduldigen Beobachten.
Die Konzentration auf das Schauen hilft, den inne-
ren Monolog an Gedanken abzuschalten. Der Geist
kommt beim Zeichnen zur Ruhe und kann sich dadurch
paradoxerweise bei hoher Konzentration erholen. Bei
intensiver Versenkung in den Zeichenvorgang  – d. h.
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
während des gedankenlosen Aufschreibens dessen,
was man vor sich sieht – kann man in den Zustand des
sogenannten Flow gelangen. In diesem Zustand ist
alles im Gleichgewicht, die Zeichnung schreitet schein-
bar mühelos voran, man verliert das Zeitgefühl. Diese
Phasen können nur Minuten oder auch einmal für eine
halbe Stunde oder länger anhalten. Danach fühlt sich
der Zeichner erholt und geistig erfrischt. Dieses Erleb-
nis ist weitgehend unabhängig von den technischen
Fertigkeiten der zeichnenden Person.
Gute Erfahrungen habe ich mit einem Wechsel von
Spaziergängen von 30 bis 45 Minuten und Zeichenpha-
sen von 45 bis 60 Minuten gemacht. Auf dem Weg zum

200
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Umgang mit »Fehlern« und unschönen Details im Bild

Beim Zeichnen von Bäumen in der Natur werden Sie Um was geht es konkret?
immer wieder auf ästhetisch weniger vorteilhafte und
im Bild störende Elemente oder Eigenschaften eines 1. unschöne »optische« Verlängerungen von Ästen
Motivs stoßen. Nehmen Sie sich die künstlerische Frei- 2. unverhältnismäßig lange, aus der Baumkrone her-
heit, diese Elemente zu korrigieren. ausragende Äste
Manchmal fallen diese störenden Elemente nicht
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - 3. eng parallel verlaufende Äste
sofort ins Auge. Es ist deshalb ratsam, schon vor Be- 4. unschöne atypische Deformationen der Baum­
ginn der Zeichen- oder Malarbeit das Studienobjekt kri- kronen
tisch nach »Fehlern« abzusuchen. Oft können Sie das 5. störende Berührungspunkte und Überschneidungen
Problem beheben, indem Sie ein wenig die Perspektive von Ästen
wechseln. Manchmal ist auch das Weglassen das Mit- 6. störende Stamm- und Astverläufe im Hintergrund
tel der Wahl, um ein besseres Bild zu erhalten.

201
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Zeichenmodi und Zeichenübungen

Als Zeichenmodus bezeichnet man die Art und Weise,


wie das Zeichengerät geführt wird. Das kann schnell
oder langsam, genau oder eher spontan sein. In einer
Zeichnung können verschiedene Zeichenmodi zur An-
wendung kommen. Je nach Zeichenprojekt, Stimmung
oder zur Verfügung stehender Zeit wählt man unter
Umständen einen andern Zeichenmodus. Zeichen-
übungen wie das sogenannte Blindzeichnen, das hier
noch vorgestellt wird, helfen, die Zeichenfähigkeiten
weiterzuentwickeln.
Abgesehen vom Zeichenmodus hat auch die Art
und Weise, wie das Zeichen- oder Malgerät gehalten
wird, einen großen Einfluss auf das Bild. Bei kontrol-
liertem, genauem Arbeiten hält man den Stift fester
als beim lockeren, schnellen Skizzieren.

Spontan und skizzenhaft


Spontanes und skizzenhaftes Zeichnen sollten Sie nicht
als minderwertig oder als Notlösung unter Zeitdruck
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
betrachten. Beim lockeren Führen des Zeichengerätes
können Sie Neues entdecken und sich aus festgefah-
renen Gewohnheiten lösen. Bei dieser Arbeitsweise
liegt der Schwerpunkt des Sehens auf dem Motiv, die
exakte Darstellung auf dem Papier tritt eher in den
Hintergrund.
Regelmäßiges lockeres Skizzieren erweitert die
Ausdrucksmöglichkeiten beim Zeichnen. Paradoxer-
weise verdirbt lockeres Skizzieren nicht den Zeichenstil
oder die Fähigkeit zur genauen Darstellung – vielmehr
ist gerade das Gegenteil der Fall.

Jungviehweide bei Maulbronn-Zaisersweiher, Eichen


Füllfederhalter, Skizzenbuch 25 × 25 cm

Die sogenannte Jungviehweide in der Nähe des Ortes Zaisersweiher ist etwas Besonderes. Die Wiesen,
auf denen früher vorzugsweise junge Rinder grasen durften, sind locker mit alten Eichen bestanden.
Die Anordnung der Bäume erinnert an einen Landschaftsgarten aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Auf
einer Doppelseite sind in lockerer Strichführung die Umrisse der Bäume und die größeren Schatten­
partien festgehalten. Hier ging es darum, möglichst rasch die wesentlichen Formen festzuhalten.

202
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Obstwiesen bei Hohenklingen


Füllfederhalter, Skizzenbuch 25 × 25 cm

Diese Skizze habe ich in großer Eile gezeichnet: Es war später Nachmittag und ich
hätte längst zu Hause sein sollen. Im Vorübergehen gefiel mir die Lichtstimmung am
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
Waldrand mit den Obstbäumen. Also holte ich das Skizzenbuch noch mal hervor und
zeichnete schnell im Stehen. Später entwickelte ich aus der Skizze eine Monotypie.

203
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Totholz, Füllfederhalter, A4

Ein größeres Stück Totholz war zwischen junge Bäume gefallen und
dort in schräger Lage stecken geblieben. Diese Zeichnung wurde
mit kontrollierter Hand in mehreren Sitzungen vor Ort mit der
Füllerfeder ausgeführt. Dabei ging es mir darum, Formen, Volumen
und Texturen möglichst realistisch abzubilden. Die Strichstärke
des Füllfederhalters habe ich durch unterschiedliche Haltung und
unterschiedlichen Druck auf die Feder variiert.

204
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Kontrolliertes Zeichnen
Je nach Motiv und beabsichtigter Bildwirkung ist kontrol-
liertes, genaues Zeichnen das Mittel der Wahl. Hierbei geht
es darum, die Markierungen möglichst genau nach Ihren
Vorstellungen in Lage, Dicke und Länge auf das Papier zu
setzen. Die Geschwindigkeit ist eher langsam und bedäch-
tig. Das Arbeiten erfordert hohe Konzentration und das
Zeichenpapier wird häufig in den Blick genommen.
Bei dieser Art des Zeichnens besteht die Gefahr, dass die
Darstellung zwar sehr genau wird und durch viele Details
beeindrucken mag, die Gesamtwirkung des Bildes aber lei-
det. So kann mitunter der Eindruck von virtuoser Langeweile
entstehen.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Blindzeichnen
Blindzeichnen ist wohl die wichtigste und nützlichste Zeichen-
übung für alle, die nach der Natur zeichnen wollen. Dabei schauen
Sie nicht auf das Zeichenpapier, sondern wenden Ihren Blick über
eine bestimmte Zeit ausschließlich dem Motiv zu und versuchen,
dieses so genau wie möglich darzustellen.
Diese Art des Zeichnens werden Sie später in ernsthaften Zei-
chenprojekten meistens nur für kurze Sequenzen von einigen
Dutzend Sekunden anwenden. In länger anhaltenden Übungen,
bei denen das Blindzeichnen konsequent für ein Motiv durch-
gehalten wird, entstehen in der Regel keine vorzeigbaren Zeich-
nungen, aber diese Übungen haben einen besonders starken
Trainingseffekt. Dabei üben Sie nicht nur das genaue Beobachten,
sondern auch das Zeichnen in korrekten Proportionen ohne jede
Hilfsmittel  – gewissermaßen in direkter, intuitiver Umsetzung.
Blindzeichnen ist zunächst vielleicht ungewohnt und unbe-
quem, aber es lohnt sich, diesen Zeichenmodus zu üben. Insbe-
sondere bei der Darstellung von detailreichem Blatt- oder Astwerk
an Bäumen kann es in der Zeichenpraxis geradezu notwendig sein,
den Blick nicht ständig zwischen Motiv und Zeichenblatt hin- und
her zu bewegen, sondern mehr oder weniger große Bereiche in
Blindzeichnung zu Papier zu bringen. Dadurch ermüden Sie nicht
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
so schnell und die Darstellung gelingt lebendiger, frischer und
»naturnaher«, weil der kontrollierende Blick auf das Papier nicht in
die Zeichnung eingreifen und die Zeichnung nicht an vorhandene
Vorstellungen und Stereotypen anpassen kann.

Stamm und Äste einer Eiche


Füllfederhalter, A4

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Obstbäume
Füllfeder, A4

Bei diesen schnellen Blindzeichnungen von Bäumen in einer Streu­


obstwiese habe ich versucht, die Feder möglichst nicht vom Papier zu
nehmen, sondern in einer durchgehenden Linie zu zeichnen.
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Rindenstück einer Kiefer


Füllfederhalter, ca. A5

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Umriss und Form

In der Natur gibt es keine Umrisslinien, sondern nur Markierungen entlang der gedachten Umrisslinie
Flächen in unterschiedlicher Farbe und Helligkeit, die setzen, um mehr Flexibilität für später eventuell
sich berühren. Die Abgrenzung von Motivbereichen notwendige Korrekturen der Zeichnung zu behalten.
durch Umrisslinien ist aber häufig sehr hilfreich. Viele Einzelne Punkte lassen sich leichter »kaschieren« als
Zeichnungen werden daher mit Umrissen begonnen, eine deutlich sichtbare Linie.
auch wenn die Umrisslinie nicht unbedingt als durch- Allerdings hat das Setzen von nicht korrigierbaren
gehende Linie ausgeführt wird. Oft werden die Haupt- Linien auch seine Vorteile: Sie können Linien, die sich
formen des Motivs durch Markierung der Umrisse von- später als »falsch« herausstellen, durchaus stehen
einander abgegrenzt, um ihre Lage und Dimension und lassen und die neuen Linien darüber setzen. Dies
damit die wichtigen Proportionen im Bild festzulegen. verleiht einer Zeichnung Lebendigkeit und macht den
Die Umrisse von Baumstamm und Ästen werden Zeichenprozess sichtbar. Gleichzeitig ergibt sich ein
Sie eher mit einer geschlossenen Linie darstellen als Übungseffekt. Durch die unmittelbare Anschauung
die Baumkrone und das Blattwerk. Anstatt die Umrisse und Korrektur von Linien gewinnt man mit der Zeit eine
einer Baumkrone in einer durchgehenden, starren größere Sicherheit in der Linienführung.
Linien festzuhalten, die eventuell später nicht mehr Das Zeichnen von Umrisslinien als Übung oder als
zu korrigieren ist, können Sie auch Punkte oder kurze vorbereitende Skizze ist aber auf jeden Fall sinnvoll, um

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Baumstudie
Acrylmarker und Füllfederhalter, A4

Die Umrisse von Stamm und Ästen eines Obstbaums teilen den Bild­raum auf. Durch
feine Schraffuren wird die Form des Baumstamms besser sichtbar und deutlicher vom
Hintergrund getrennt. Die Linien erzeugen Grauwerte, mit denen Schattenpartien dar-
gestellt werden können, ohne dass die Darstellung der Texturen von Rinde und Moos
auf dem Stamm gestört wird.

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die Proportionen zu studieren. Zur Vorbereitung einer


detaillierten Tuschezeichnung kann solch eine Um-
rissstudie in leichten Bleistiftstrichen wertvoll sein. Je
weiter Sie sich ein Motiv mit Umrisslinien erschließen
und gliedern, desto leichter wird es später auch, den
Wechsel von Licht und Schatten darzustellen.
Joseph Anton Koch (1768–1839), ein bekannter
Tiroler Landschaftsmaler und Zeichner, hat Umriss-
linien in seinen Arbeiten intensiv genutzt. In seinen
vorbereitenden Zeichnungen für Gemälde ist teilweise
auch ein quadratisches Raster aus Gitternetzlinien in
Bleistift zu sehen, das der Künstler verwendete, um
den Bildaufbau später maßstabsgetreu auf eine grö-
ßere Leinwand übertragen zu können (siehe Albertina
Wien, Online-Sammlung).

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Textur und Schraffur

Eine besondere Schwierigkeit beim Zeichnen besteht


darin, Texturen eines Körpers nicht durch übertriebene
Schraffuren zur Darstellung von Schatten zu beein-
trächtigen. Daher ist es sinnvoll, sich schon vor Aus-
führung der Zeichnung zu überlegen, wie man Licht
und Schatten in einer Zeichnung abbilden will.
Am häufigsten werden Parallelschraffuren verwen-
det, um Schatten darzustellen. In der Parallelschraffur
werden parallele Linienbündel eingesetzt, während
sich bei der Kreuzschraffur Linien überkreuzen, um
Park Sanssouci, Potsdam
dunklere Tonwerte zu erzielen. Je geringer die Ab-
Acrylmarker, A4
stände zwischen den Linien sind, desto dunkler wird
der Tonwert. Folgen Parallelschraffuren den Oberflä- Die Abgrenzung von Baumkronen mithilfe von Umriss-
chen der gezeichneten Objekte, wird die Form noch linien kann bei der Darstellung von komplexen Baum-
plastischer sichtbar. gruppen oder Waldrändern sehr nützlich sein.
Schraffuren, die in der gleichen Strichstärke ange-
legt werden wie die Linien, die zur Darstellung der Tex-
turen verwendet werden, beeinträchtigen jedoch die
Klarheit der Darstellung der Texturlinien – besonders
dann, wenn die Schraffuren die Linien der Texturen im
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
rechten Winkel kreuzen.
Diesen unerwünschten Effekt können Sie reduzie-
ren, wenn Sie Schraffuren in einer deutlich feineren Hier habe ich mit Parallelschraffuren systematisch
verschiedene Tonwerte erzeugt. Durch unterschiedliche
Strichstärke als die Linien ausführen, die Texturen
Richtung und Länge der Strichlagen können Tonwerte
darstellen. Sie können auch Schraffuren und Texturen variiert und gleichzeitig die Struktur der Baumkronen
in getrennte Bereiche einer Zeichnung setzen, sodass nachempfunden werden. Auf eine naturgetreue Darstel-
es gar keine Überschneidungen gibt. lung der Textur der Blätter habe ich bewusst verzichtet.

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An dem schematischen Bildbeispiel können Sie


beobachten, wie Schraffuren die Wirkung von
Texturen in einer Zeichnung beeinflussen kön-
nen. Die beste Variante scheint mir der mit Nr. 3
Eichen-Buchen-Wald
markierte Bereich zu sein. Hier unterscheiden Tusche, ca. A4
sich die Schraffuren deutlich in der Strichstärke
von den Linien, die die Rindenstücke darstellen. Schraffuren dienen in dieser Tuschezeichnung zur Darstel-
Dadurch lassen sich »transparente« Grauwerte lung von Schatten und dunklen Flecken auf der Baumrinde
erzeugen, die die Texturen weniger beeinträch- und sind somit teilweise »mehrdeutig«. Zusätzlich habe
tigen. Allerdings ist es schwierig, auf diese Art ich versucht, Schattenschraffuren in schräger Neigung und
und Weise sehr dunkle Schatten anzulegen. Je in dünneren Linien auszuführen als in der Darstellung
dichter die Linien gelegt werden, um dunklere von dunklen Rindenpartien, die teilweise mit einer Linie
Tonwerte zu erzeugen, desto mehr werden umrandet sind.
allerdings auch Texturlinien überdeckt.

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Astloch
Füllfederhalter, ca. 15 × 12 cm

In der Detailstudie eines Astloches an einem


Obstbaum wird mit Parallelschraffuren an
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
bestimmten Stellen ein starker Wechsel von
Licht und Schatten erreicht. Die Texturen
werden dadurch teilweise stark überdeckt. An
den lichten Stellen treten sie jedoch ungestört
und damit für das gesamte Bild sehr wirksam
hervor.

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Aststudien
Füllfederhalter, ca. A5

Auch in diesen Zeichnungen habe ich Schraffurlagen in verschiedener Richtung


eingesetzt, um das Volumen von Stamm und Ästen zu beschreiben. Texturen sind
teilweise erkennbar, manchmal durch dickere Linien verstärkt dargestellt.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Obstbäume
Skizze mit Füllfederhalter,
Skizzenbuch 25 × 25 cm

Hier sind die Rinde der Baumstämme aus-


schließlich mit Schraffuren dargestellt. Aus
größerer Distanz sind Details der Baumrinde
kaum zu erkennen. Daher habe ich in dieser
Skizze auf Texturlinien verzichtet.

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- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Bäume und Garten


Füllfederhalter, A4

In der Zeichnung habe ich Schraffuren weitgehend vermieden.


Unterschiedliche Tonwerte sind möglichst nur durch die Darstellung
der Textur des Blätterwerks in mehr oder weniger verdichteten
Linien entstanden. Wenn alle Linien die gleiche Stärke besitzen,
erscheinen Bäume im Hintergrund, bei denen viel mehr Blätter auf
kleinerem Raum gezeichnet werden, durch die höhere Dichte an
Linien automatisch dunkler als die Bäume im Vordergrund. Es ergibt
sich eine »Hell vor dunkel«-Staffelung des Bildraums. Normaler-
weise erscheinen jedoch Gegenstände in kurzer Entfernung zum
Betrachter dunkler als die Gegenstände im Hintergrund (»dunkel
vor hell«).

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Begleitgrün an einer Straße


Tuschezeichnung, A4

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

In der natürlichen Luftperspektive im Freien erschei- dichtere Linienbündel abzudunkeln, anstatt einen
nen Körper gleicher Helligkeit in kurzer Distanz zum sorgfältig ausgearbeiteten Vordergrund durch den
Betrachter dunkler als solche in weiterer Entfernung Versuch zu ruinieren, dunklere Tonwerte mit heftigen
vom Betrachter. Eine Baumgruppe im Vordergrund Schraffuren zu erzielen.
wäre somit in kräftigem Schwarz, mit dicken Linien In dieser Tuschezeichnung sind Schraffuren und
oder in dunklen Farben abzubilden und Bäume im Linien­gewirre eingesetzt, um unterschiedliche Ton-
Hintergrund in hellem Grau, mit dünnen Linien oder werte zu erzeugen, sodass sich Baum- und Straucharten
aufgehellten Farben. unterscheiden lassen. Mit zunehmender Entfernung
Sie können diese »Regel« aber auch umkehren und vom Betrachter sind die Zeichen vereinfacht. Im Vorder-
nicht »dunkel vor hell« setzen, sondern auch nach dem grund habe ich hell vor dunkel gezeichnet, während ich
Motto »hell vor dunkel« arbeiten. Manchmal ist es im Hintergrund nach dem Grundsatz dunkel vor hell
einfacher und zweckmäßiger, den Hintergrund durch gearbeitet habe.

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Licht und Schatten

Je nach Lichtverhältnissen sind unterschiedliche Schatten


an Bäumen zu beobachten. Die Wiedergabe der Schatten
oder eine besondere Betonung der Schatten kann die Bild-
wirkung enorm steigern.
Draußen vor dem Motiv werden Sie normalerweise je
nach Sonnenstand drei verschiedene Beleuchtungssitua-
tionen vorfinden: Rückenlicht, Seitenlicht oder Gegenlicht.
Bei Rückenlicht steht die Sonne im Rücken des Zeichners
und beleuchtet das Motiv frontal. Bei dieser Beleuchtung
erscheinen nur die Ränder der Baumkrone dunkler als die
hell beleuchteten Blattmassen in der Mitte. Der sichtbare Rückenlicht
Baumstamm ist je nach Kronenumfang beschattet und oft
nur am unteren Ende voll von der Sonne beschienen. Eine
Abschattung ist auch nur an den Seiten des Baumstam-
mes zu erkennen. Rückenlicht kann monoton wirken, weil
Unterschiede in der Helligkeit auf kleine schmale Bereiche
beschränkt sind.
Seitenlicht, bei dem das Sonnenlicht von einer Seite auf
das Motiv fällt, ist im Vergleich viel attraktiver, weil größere
Bereiche der Baumkrone im Schatten liegen und innerhalb
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
der Baumkrone je nach Beleuchtung und Beschattung in-
teressante abgestufte Tonwerte zu beobachten sind. Die
Abstufungen der Beschattung sind bei Seitenlicht besser
erkennbar. Form und Volumen der Baumkrone kommen
deutlich besser zur Geltung. Besonders schönes Seitenlicht
findet man am Morgen oder am Abend, wenn die Sonne
tief am Himmel steht.
Bei Gegenlicht scheint die Sonne in das Gesicht des
Zeichners. Gegenlicht kann dramatische Bildwirkungen
durch starke Kontraste hervorrufen. Bäume erscheinen im
Gegenlicht als dunkle Silhouetten, deren Ränder aber hell
erleuchtet sind.
Natürlich gibt es auch die grauen Tage, an denen die
Sonne hinter einer Wolkendecke versteckt ist. An manchen
Tagen ist das Licht dann so diffus, d. h. ohne eindeutige
Richtung, dass kaum noch Schatten zu sehen sind. Dann
kann man sich voll auf die Darstellung von Oberflächen-
texturen konzentrieren.

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Seitenlicht Gegenlicht

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Waldrand im Gegenlicht
Acrylmarker, A4

Unterschiedliche Helligkeiten
habe ich in dieser Zeichnung mit
mehr oder weniger dichten Lagen
von kurzen Strichen dargestellt.
Umrisslinien sind hier teilweise
als Hilfslinien eingesetzt. Sie sind
kaum noch zu erkennen, denn
ich habe die Linienbündel bis auf
die Umrisslinien gezogen und
teilweise auch darüber hinaus.

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Bäume werfen charakteristische Schatten. Manche Künstler rufen


die Vorstellung eines Baumes indirekt hervor, indem sie nur we-
nige Details des Baumes im Bild zeigen, aber den Baumschatten
in den Vordergrund rücken oder gar zum Bildgegenstand machen.
Schatten zu malen oder zu zeichnen, ist nicht ganz einfach, weil
sich das menschliche Auge an unterschiedliche Lichtsituationen
anpasst. Schwenken Sie Ihren Blick von der Baumkrone, die dem
vollen Sonnenlicht ausgesetzt ist, auf den Schatten am Boden, so
erscheint der Schatten zunächst sehr dunkel. Er hellt sich dann
aber schnell auf, weil sich Ihr Auge an die schwächere Beleuchtung
gewöhnt.
Wenn Sie dann den Blick nach der Gewöhnung an den Schatten
wieder an den Rand des Schattens zur besonnten Fläche hin be-
wegen, scheint der Schatten wieder dunkler zu werden. Dies liegt
an dem immer stärker werdenden Kontrast zwischen besonnter
Fläche und Schatten. Das Auge passt sich an die hell beleuchteten
Flächen an, wenn diese wieder einen größeren Bereich des Blick-
feldes ausmachen, und lässt den Schatten dadurch erneut dunkler
erscheinen.
Mit einem Belichtungsmesser oder mit einer Kamera könnten
Sie die Beleuchtung messen und so »objektiv« feststellen, wo der
Schatten am dunkelsten ist. Denn es gibt in der Tat im Schatten ei-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
nes Baumes hellere und dunklere Bereiche, die durch unterschied-
liche Lichtdurchlässigkeit an bestimmten Stellen der Baumkrone
und Lichtreflexe bedingt sind.
Sie können sich diesen Effekt zunutze machen und die unter-
schiedlichen Tonwerte im Schatten auch im Bild darstellen. Da-
durch wird der Schatten »lebendiger«.

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Baumschatten im Wald,
Füllfederhalter, Skizzenbuch ca. 10 × 15 cm

Licht wirkt umso stärker in einer Zeichnung,


je dunkler die Schatten gezeichnet werden.
Ich habe absichtlich unterschiedliche Schraf-
furen und kein bestimmtes Schema zur
Abdunkelung der Schatten verwendet, um
die Wirkungen vergleichen zu können. Die
Schatten von Ästen oder Blättern zeichnen
sich auf den hell beleuchteten Baumstäm-
men deutlich als Silhouetten ab, die der
Stammkrümmung folgen, und betonen den
schrägen Lichteinfall.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Baumschatten
Acrylmarker, Skizzenbuch A4

Hier habe ich versucht, die unterschiedlichen


Tonwerte im Schatten des Baumes durch
Variation der Strichlagen und Strichdichte
wiederzugegeben.

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Tonwertkartierung
Füllfederhalter, ca. 15 × 25 cm

Die grobe Verteilung von Licht und Schatten


auf Obstbäumen bei Seitenlicht habe ich in
dieser Tonwertskizze mit einfachen, schnellen
Schraffuren aus größerer Distanz festgehal-
ten. In solchen Tonwertstudien können Sie die
Gliederung der Blattmassen untersuchen und
lernen, wie sich das Laub je nach Baumart in
unterschiedlich ausprägten Gruppierungen
gliedert.

Waldstudie
Acrylmarker, A4

In dieser Waldstudie ging es mir darum,


unterschiedliche Tonwerte auf den Blättern
im Eichen- und Buchenwald festzuhalten.
Zuerst habe ich die hellen Partien durch
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - Umrisslinien kartiert. Danach wurden die
Liniengewirre in den dunkleren, schattigen
Partien angelegt.

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Obstbäume
Acrylmarker, A4

In diesen Zeichnungen habe ich die Kartierung von Ton- Mit zunehmender Linienstärke wird eine Zeichnung
werten mit Liniengewirren in zwei unterschiedlichen gröber. Allerdings kann es mit sehr feinen Zeichenge-
Strichstärken geübt. Anstatt die Bereiche unterschied- räten nicht nur mühevoll und zeitaufwendig sein,
licher Helligkeit mit Linien zu begrenzen, habe ich mich ein größeres Format zu bearbeiten, unter Umständen
durch Überschreiben der Linien kontinuierlich an die wirkt die Zeichnung nicht so kraftvoll. Mit der Zeit ent-
unterschiedlichen Tonwerte herangetastet. Ein alter wickelt man ein Gespür für die zum jeweiligen Format
Trick ist es, dabei mit den Augen zu blinzeln. Dann sieht gut passende Strichstärke.
man wenig Details, aber die Helligkeitsunterschiede
treten deutlicher hervor.

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Barockgarten Schwetzingen
Füllfederhalter, 15 × 30 cm

Das Spiel von Licht und Schatten lässt sich in Gartenanlagen besonders gut studieren. Dort
finden Sie zu jeder Tageszeit Motive mit attraktiver Beleuchtung. An dieser Stelle habe ich
den Effekt von Seitenlicht studiert.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Waldrand mit Baumstumpf


Acrylmarker, A4

Eine starke Wirkung entfalten Zeichnungen, bei denen größere, tief dunkle Flächen in
Kontrast mit dem hellen Licht des unbeschriebenen Papiers stehen.

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Baumlandschaft
Kohlezeichnung, A4

Die Anzahl der Tonwertabstufungen und


der Kontrastumfang zwischen den hellsten
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und den dunkelsten Bildteilen sowie deren
Anteile an der Gesamtbildfläche und deren
Verteilung sind außerordentlich wichtig für
die Bildwirkung. Mit Zeichenkohle können
Sie recht schnell kleine Tonwertskizzen
oder Zeichnungen anfertigen, um die Ver-
teilung und den Kontrast von Tonwerten
im Motiv zu studieren und zu prüfen, ob es
eventuell sinnvoll ist, den Tonwertumfang
zu verändern, Tonwerte zu verstärken oder
je nach gewünschter Bildwirkung auch
abzuschwächen. Mit Kohle können Sie ein
Teich im Schlosspark Schwetzingen tiefes Schwarz und weiche Übergänge zum
Acylmarker, A4 weißen Papier schaffen.

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KAPITEL 6

Meine bevorzugten
Materialien
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Ich verwende kaum moderne, neuartige Zeichen-


geräte oder Materialien. Die traditionellen Ma-
terialien wie Tusche, Tinte und Kohle erscheinen
mir für Arbeiten in Schwarz-Weiß nach wie vor die
beste und günstigste Wahl zu sein. An farbigen
Materialien verwende ich Ölfarbe, Ölpastelle und
Gouache. In letzter Zeit arbeite ich auch gern mit
hochwertigen Acrylmarkerstiften, die für Graffiti-
arbeiten entwickelt wurden.

Bildträger und Bilduntergrund

Für jede Zeichen- oder Maltechnik und die dafür


benutzten Materialien gibt es mehr oder weniger
geeignete Bildträger. Ein Bild wird maßgeblich
durch die Eigenschaften des verwendeten Unter-
grundes bestimmt. Daher ist die Auswahl eines
geeigneten Bildträgers eine bedeutsame Entschei-
dung.
Die heute für das Malen und Zeichnen ange-
botenen Papiere sind um vieles besser als noch
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
vor ein bis zwei Jahrzehnten, ganz zu schwiegen
von den Papieren früherer Zeiten. Dennoch sollten
Sie darauf achten, alterungsbeständiges Papier zu
kaufen. Im Preis ist der Unterschied kaum zu mer-
ken, und es wäre töricht, hier zu sparen, denn Ihre
Arbeiten sollen ja viele Jahre überdauern können.
Bei Papieren ist ein dickeres Papier eigentlich
immer einem dünneren vorzuziehen, insbeson-
dere wenn Sie mit wässrigen Medien arbeiten
wollen. Ich arbeite am liebsten mit Papieren mit
einem Flächengewicht von ca. 150 g pro Quadrat-
meter (g/m2) oder höher.
Besonders wichtig ist mir die Oberflächen-
struktur von Mal- und Zeichengründen und deren
Fähigkeit, Farbe aufzunehmen bzw. zu halten.
Finden Sie heraus, welche Papiere Ihnen am bes-
ten zusagen. Die Hersteller von teuren Aquarell-
papieren bieten häufig ein Mustersortiment für
Testzwecke an.

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Für Tuschezeichnungen sind Papiere mit glatter


Oberfläche von Vorteil, weil die Zeichenfeder
leichter gleiten kann als auf rauem Paper. Für tro-
ckene Pastelle oder Kohlezeichnungen benötigen
Sie Papiere mit offener Oberflächenstruktur, auf
der die Pigmente besser haften.
Für Ölpastelle sind viele Papiere geeignet,
allerdings würde ich immer Papiere mit einem Ge-
wicht ab mindestens 170 g/m2 vorziehen, weil man
bei der Arbeit mit Ölpastellen Farbe teilweise mit
höherem Kraftaufwand aufträgt und dünne Pa-
piere dann leicht knittern. Für Korrekturen bleibt
oft nur das Abkratzen von Farbe, und daher sollte
die Oberfläche des Papiers auch ausreichende Wi-
derstandskraft aufweisen.
Für Arbeiten mit Ölpastell grundiere ich das
Papier gerne farbig mit Öl- oder Acrylfarbe. Manch-
mal verwende ich Stücke von Probe- oder Fehldru-
cken von Monotypien. Durch die Grundierung wird
die Oberfläche strapazierfähiger, und gleichzeitig
bleiben keine weißen, von Farbe unbedeckten Fle-
cken zurück. Ein farbiger Untergrund wirkt inspi­
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
rierend auf die Farbwahl für die jeweilige Arbeit.
Vielfach tragen dann die farbig grundierten, von
Ölpastellfarbe nicht bedeckten Flächen entschei-
dend zur Bildwirkung bei. Außerdem kann man
mit Ölfarben dem Papier zusätzliche Texturen
geben, die später in der Arbeit sichtbar bleiben.

Mit Ölfarbe grundierte Papiere

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Auch bei Skizzenbüchern sollten Sie keine Kompro-


misse in der Qualität machen. Skizzenbücher müssen
über die Jahre des Gebrauchs und der Lagerung einiges
an Belastungen aushalten, mal ganz abgesehen vom
hohen ideellen Wert, den Skizzenbücher für die meis-
ten Künstler haben.
Inzwischen gibt es eine große Auswahl an guten
Skizzenbüchern mit unterschiedlichen Papierstärken
und -eigenschaften. Ich bevorzuge stabile, fadengebun-
dene Skizzenbücher, die sich dauerhaft im Gebrauch in
freier Natur auch unter schlechten Wetterbedingun-
gen bewährt haben. Wenn Sie Ihre Skizzen nicht auf
losen Blättern haben, aber dennoch Ihre Arbeiten mit
einem Scanner digital archivieren möchten, benötigen
Sie Skizzenbücher mit einem stabilen Rückeneinband,
der nicht unter mechanischer Belastung zerbricht.
Das Papier in den meisten meiner Skizzenbücher
ist ein 170 g/m2 schweres Zeichenpapier, das ich auch
Leporello, Skizzenbuch
für Arbeiten auf Bögen, insbesondere für Monotypien
verwende. In DIN A3 großen Skizzenbüchern bevorzuge
ich ausnahmsweise ein leichteres, dünnes Papier mit
ca. 140  g/m2, damit das Skizzenbuch nicht zu schwer
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
wird.
Ich bin auch immer auf der Suche nach billigen
Kunstbüchern mit guter Bindung und festem Papier.
Diese Bücher übermale ich gern mit Öl- oder Acrylfarbe
und gestalte sie zu einem Skizzen- oder Malbuch für
Ölpastelle um.
Inzwischen habe ich auch eine kleine Sammlung
von Fotoalben aus Indien, die ich als Mal- und Zei-
chenbücher verwende. Das Papier ist ein sehr schönes
handgeschöpftes Papier, das ich für Tuschezeichnun-
gen und Gouacheskizzen verwende.

Gebundenes Skizzenbuch, Papier 170 g/m2, 25 × 25 cm

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Mal- und Skizzenbuch,


übermaltes Kunstbuch

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Fotoalben aus Indien mit Saristoffeinband

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Zeichengeräte

Ich habe zwar viele Schreibgeräte ausprobiert und tue Situationen oder um bestimmte Wirkungen zu erzie-
das von Zeit zu Zeit auch noch, aber letztlich komme len, kann es sehr hilfreich sein, das Zeichengerät locker
ich immer wieder auf bestimmte, mir vertraute Geräte am Ende zu halten, um mit möglichst geringem Druck
zurück. Für Schwarz-Weiß-Zeichnungen verwende ich eine zarte Linie zu ziehen, oder auch mal den Stift mit
am liebsten einen kleinen Füllfederhalter, einen soge- der Faust zu umschließen, um energische Schraffuren
nannten Gelschreiber, Acrylmarker oder eine Feder mit oder eine andere, lebendigere Art der Linienführung
Tusche. zu erreichen.
Zeichenkohle in verschiedenen Stärken benutze Mein bevorzugter Füller ist ein robuster, kleiner
ich kaum noch, da ich nicht ausreichend Platz für eine Füller mit nicht zu breiter Feder (Jean-Pierre Lepine).
sachgerechte Aufbewahrung von weiteren Kohlezeich- Ich benutze fast ausschließlich schwarze wasserlösli-
nungen habe. Diese sollten eigentlich in schützenden che Tinte in handelsüblichen Patronen (Pelikan). Mit
Passepartouts, flach liegend in Grafikschränken auf- diesem Füller, der eine recht feine Linie zieht, kann
bewahrt werden. man sehr gut Skizzen und Zeichnungen bis zu einem
Das Zeichengerät wähle ich je nach Aufgabenstel- Format von ca. DIN A4 erstellen. Für Arbeiten in grö-
lung und geplantem Zeitaufwand aus. Für schnelle ßerem Format ziehe ich Pinsel oder Acrylmarker mit
Zeichnungen und Skizzen sind der Füllfederhalter stärkerem Strich vor.
oder Gelschreiber meine bevorzugte Wahl, während Mit einem Füller kann man Linien in beliebiger
mir für größere Formate oder durchgearbeitete Länge zeichnen und sich frei auf dem Papier in alle
Bilder Tusche geeigneter erscheint. Schwarze Richtungen bewegen. Auch kann man mit einem
Acrylmarker eignen sich eigentlich für alle
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - Füllfederhalter sehr schnell zeichnen oder
Arten von Aufgaben. Allerdings ist die Linie skizzieren. Allerdings sind die üblichen
der Acrylmarker nicht so lebendig wie die ei- Tinten nicht wasserfest und auch nicht
nes Füllfederhalters oder einer Feder. lichtecht. Füllfederhalter verwende
Es lohnt sich, das Potenzial eines Zeichen- ich daher für Entwurfsskizzen
geräts mit spielerischen, kleinen Übungen oder für Arbeiten in Skizzen-
auszuloten. Dabei sollten Sie nicht vergessen, büchern.
dass es nicht nur eine »richtige« Art gibt, das Gerät
zu halten. Das größte Maß an Kontrolle hat man sicher
mit der typischen Schreibhaltung. Aber in bestimmten

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Zum Zeichnen und Malen mit Tusche


und Gouache verwende ich ganz
verschiedene Pinsel.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -


Meine bevorzugten Zeichengeräte:
Feder, Füllfederhalter, Acrylmarker
und Gelschreiber

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Federzeichnungen in Tusche sind begehrte Samm-


lerobjekte wegen ihrer hohen Lichtechtheit und der
darin begründeten außerordentlichen Langlebigkeit.
Ein weiterer Vorteil von wasserfesten Tuschezeich-
nungen besteht darin, dass diese leicht koloriert
werden können, da trockene Linien beim Übermalen
nicht verschmieren. Eine Tuschezeichnung kann ohne
Qualitätseinbußen und mit geringem Aufwand bei der
Aufbewahrung oder Präsentation über Generationen
weitergereicht werden.
Federn gibt es in unzähligen verschiedenen Aus-
führungen, die alle einen mehr oder weniger unter-
schiedlichen Charakter der Zeichnung bewirken. Durch
Kombination verschiedener Federtypen bzw. Feder-
stärken in einer Zeichnung lassen sich differenzierte,
komplexe Arbeiten erstellen. In vielen Fällen mag aber
auch die Einheitlichkeit des Erscheinungsbildes wich-
tig sein und die Beschränkung auf einen einzigen
Federtyp gerade die richtige Wahl sein.
Im Vergleich zu den modernen Schreibge-
räten ist die Zeichengeschwindigkeit mit der
Feder langsamer und bedächtiger, da man
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
ja immer wieder Tusche mit der Feder
aufnehmen muss. Auch kann man nicht
unbegrenzt lange Linien führen. Je nach
verwendeter Papiersorte und Federtyp
Das Ende der üblicherweise sehr langen
gleitet eine Feder nicht so leicht in alle Richtungen.
Federhalter schneide ich gern ab. So
Viele zum Zeichnen verwendete Federn mit schmaler wird der Federhalter für mich hand­
Spitze lassen sich kaum vom Körper weg zur Oberkante licher und ist einfacher in einer Tasche
des Papieres in Richtung der Federspitze schieben. Ver- zu transportieren.
tikale Linien müssen daher meist von oben nach unten
geführt werden.
Am einfachsten ist es, fertige Tusche in Flaschen zu
kaufen. Diese Tusche ist lange haltbar und man kann
sie je nach Bedarf in kleinere Behältnisse abfüllen und
bei Bedarf auch mit Wasser verdünnen.

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Liebhaber der Tuschezeichnung beschaffen sich


Reibetusche in Blöcken oder Stiften, die dann auf
einem speziellen Reibestein vor der Zeichnung frisch
angerieben wird. Man braucht allerdings einiges an
Übung und Geduld, um ansprechende Resultate in der
Zeichnung mit dieser Methode zu erzielen. Ich fand
es immer recht schwierig, ein wirklich sattes Schwarz
mit selbst geriebener Tusche zu erzielen. Reibetusche
ist jedoch auf längeren Reisen praktisch, da man nicht
unbedingt mit einer größeren Menge Flüssigkeit un-
terwegs sein muss. Das benötige Wasser kann meist
auch vor Ort besorgt werden.
Wenn Sie Tusche mit in die Natur nehmen wollen,
sollten Sie sich einen sehr gut verschließbaren, dich-
ten Transportbehälter beschaffen. Tusche hat meiner
Erfahrung nach die unangenehme Eigenschaft, nahezu
alle Verschlüsse früher oder später zu durchdringen.
Daher transportiere ich Tusche in einem Kunststoffbe-
hälter mit Schraubverschluss, den ich im Laborbedarf
gekauft habe. Dieser Behälter hat einen doppelten
Verschluss, nämlich einen gewölbten Plastikdeckel,
der in die Öffnung gesteckt wird und zusätzlich einen
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
starken Schraubdeckel, der das Gefäß nach außen ab-
schließt. Den Deckel des Gefäßes benutze ich als klei-
nes Vorratsgefäß während des Zeichnens. Zusätzlich
bringe ich diesen Behälter in einer Plastiktüte unter,
um meine Tasche und andere Zeichenutensilien vor
auslaufender Tusche zu schützen.

Chemikalienbehälter aus Kunststoff


für den Transport von Tusche

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Acrylmarkerstifte habe ich erst vor kurzem entdeckt


und ausführlich ausprobiert. Die nachfüllbaren Stifte
können eine gute Alternative zu Tusche sein, sofern Sie
nichts gegen den im Vergleich zur Feder recht glatten,
monotonen Strich einzuwenden haben. Man kann mit
der schwarzen Tinte sehr zügig zeichnen. Eine Füllung
reicht geraume Zeit. Die nach kurzer Zeit getrocknete
Farbe ist wasserunlöslich.
Zeichenkohle ist ein wunderbares und kosten-
günstiges Zeichenmaterial. Man kann mit Kohle sehr
schnell arbeiten, und es lassen sich mit wenig Aufwand
viele Tonwertabstufungen erreichen. Mit Zeichenkohle
können Sie geradezu malerisch zeichnen, da sowohl in
Linien als auch flächig gearbeitet werden kann. Kohle- Acrylmarker und Zeichenkohle, knetbarer Radierer
und elektrischer Radierer
zeichnungen können Sie nach Abschluss der Arbeit mit
einem speziellen Fixativspray oder auch mit Haarspray
leicht und mit ausreichend Abstand besprühen, um die
Pigmente stärker auf dem Papier zu binden. Allerdings Ölpastelle, Farbset mit 48 Farben
bleibt die Oberfläche einer Kohlezeichnung auch nach
einer solchen Behandlung empfindlich. Eine gute Lage-
rung oder Archivierung von Kohlezeichnungen ist daher
relativ aufwendig. Lange Zeit habe ich bei Kohlezeich-
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
nungen nur einen knetbaren Radiergummi benutzt.
Inzwischen habe ich aber auch einen elektrischen
Radierer ausprobiert, bei dem ein schmaler Radierstift
durch einen batteriebetriebenen Elektromotor wie in
einem Akkubohrer in schnelle Rotation versetzt wird.
Als Ergänzung zum knetbaren Radierer ist dieses Werk-
zeug recht nützlich, vor allem, wenn man nachträglich
noch deutliche Lichter setzen will.

Ölpastell

Ich bin begeistert von den leuchtenden Farben von Öl-


pastellen. Diese Stifte kann ich leicht in einer Schach-
tel mit hinaus in die Natur nehmen. Für anspruchsvolle
Arbeiten, die auch als Bild an der Wand hängen sollen,
sollten Sie hochpigmentierte Künstlerfarben verwen-
den, die höchste Ansprüche an Lichtechtheit erfüllen.

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In Skizzenbüchern, die wenig dem Tageslicht aus- trocknet allerdings nie vollständig ab und bleibt be-
gesetzt sind, oder für Studienzwecke können Sie auch rührungsempfindlich. Eine Rahmung mit Passepartout
kostengünstige Ölpastelle oder Wachsmalstifte ver- unter Glas ist daher die beste Art der Präsentation von
wenden, die den Ölpastellen sehr ähnlich sind. Diese Ölpastellen.
können vor allem deshalb interessant sein, weil es in Der deutlich höhere Preis für Künstlerqualitäten ist
preisgünstigen, weniger lichtechten Sortimenten häu- aus meiner Sicht durchaus gerechtfertigt. Abgesehen
fig Farbtöne gibt, die im Sortiment der Künstlerfarben von der hervorragenden Haltbarkeit und Leuchtkraft
nicht zu finden sind, weil die verwendeten Pigmente der Farben, halten die Stifte durch die hohe Pigmentla-
nicht die bei Künstlerfarben üblichen Ansprüche an dung auch deutlich länger als billige Farbstifte.
Lichtechtheit erfüllen können. Mit Ölpastellen kann man auf vielen unterschied-
Ölpastelle bestehen aus Pigmenten, die, mit lichen Untergründen malen. Am liebsten verwende ich
Bindemitteln vermischt, zu stabilen Stiften geformt ein mit Ölfarbe grundiertes, starkes Papier. Möglich
und gepresst werden. Bei hochwertigen Ölpastel- sind auch viele andere Grundierungen, zum Beispiel
len werden beste Pigmente in hoher Konzentration mit Acrylfarbe oder Gouache. Entweder bereite ich
mit Bindemitteln versetzt, die das Pigment wie eine den Untergrund mit freien, groben Pinselstrichen in
Schutzhülle umgeben. Hochwertige Ölpastelle stehen verschiedenen Farben vor oder ich skizziere das Motiv
der Lichtechtheit von hochwertigen Öl- oder Aquarell- ganz grob in Ölfarbe, um dann nach dem Trocknen der
farben in nichts nach. Die Oberfläche von Ölpastellen Ölfarben mit Ölpastellen weiter daran zu arbeiten.
Ungleichmäßigkeiten im Farbauftrag sind mir dabei
erwünscht, weil diese später als interessante Texturen
die Darstellung bereichern können.
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - Ölpastelle erscheinen mir für kleine bis mittlere
Formate (A5 bis A3) am besten geeignet. Zur Bearbei-
tung von Ölpastellen gibt es Werkzeuge, mit denen

Werkzeuge zum Bearbeiten von Ölpastellen: »Shaper« und


Plastikspachtel

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man die Farben auf dem Untergrund ritzen, verreiben


oder wie mit einem Spachtel bewegen kann.
Mit Ölpastellen können Sie interessante Texturen
und kleine Impastos schaffen, ähnlich wie in der Öl­
malerei. Als Impasto bezeichnet man eine Technik in
der Ölmalerei, bei der die Farbe so dick aufgetragen
wird, dass man die Pinselstriche deutlich als Relief auf
dem Bildträger erkennt.
Das Mischen von Ölpastellen ist nicht ganz einfach.
Wenn Sie verschiedene Ölpastellfarben übereinander
auftragen, erhalten Sie eine gewisse Farbmischung al-
lein durch den Druck und die reibende Bewegung des
Pastellstiftes beim Auftragen der oberen Farbschicht.
Sofern dieses Resultat Ihnen nicht zusagt, können Sie
die Farben auch mit einem »Shaper« oder mit den Fin-
gern stärker verreiben.
Sie können Ölpastelle auch mit Ölen oder anderen
Verdünnern, die für Ölfarbe geeignet sind (Terpentin
etc.), verarbeiten und die verdünnten Farben mit
dem Pinsel wie Ölfarben mischen. Wegen der Ge-
ruchsbelästigung und den Gesundheitsgefahren, die
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - von zyklischen Kohlenwasserstoffen beim Einatmen
ausgehen, habe ich jedoch schon vor Jahren aufge-
hört, Farbverdünner (Balsamterpentinöl oder auch
geruchslose Varianten) mit dem Xn-Kennzeichen auf
der Verpackung zu verwenden. Ich benutze gebleichtes
Mohnöl. Wenn ich ein Vergilben des Papiers wünsche,
verdünne ich Ölfarbe und Ölpastelle gelegentlich mit
einem kostengünstigen Salatöl.
Ich verwende Ölpastelle am liebsten für kleine »En
plein air«-Bilder, die draußen in der Natur entstehen.
Mir gefällt die Möglichkeit, mit Ölpastellen Bilder in
der impressionistischen Pleinairtradition zu malen, die
Ölpastellstudie »Dedham lock and mill« nach John Constable
(1776–1837), Vorlage aus dem Online-Archiv des Victoria and einer Ölmalerei sehr ähnlich sehen können.
Albert Museum, London, ca. 35 × 20 cm

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»Dedham lock and


mill« – Detail mit
kleinen Impastos

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Eine kleine Pleinair-


Landschaftsstudie
Ölpastell, ca. A5

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Meistens nehme ich eine Schachtel mit


48  Farben, die ich um einige Grau- und
Beigetöne erweitert habe, mit ins Gelände.
Dazu kommen einige Plastikschaber und
zwei sogenannte Shaper (in der Abbildung
auf Seite 235 links neben den Plastik-
messern auf dem Baumwolltuch). Diese
sehen auf den ersten Blick wie Pinsel aus.
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
Anstelle der Borsten befindet sich aber
eine biegsame Kunststoffspitze, mit der
man Farben verreiben und in Form bringen
kann.
Ölpastellfarben sind zwar deckend,
aber beim Malen in Schichten vermischt
man stets die oberste Farbschicht mit den
vorherigen Farbaufträgen, was dazu führt,

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dass die zuletzt aufgetragene Farbe durch


die darunterliegende verändert wird. Man
muss sich an diese Eigenheit gewöhnen und
versuchen, sie zu nutzen. Das Auftragen von
Farbschichten mit Ölpastellen sollten Sie
eher als Möglichkeit zum Mischen oder »Bre-
chen« von Farbtönen verstehen. Für dunkle
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X - Bildpartien trage ich daher gerne einen
dunklen Violettton oder Schwarz als erste
Schicht auf und erst daran anschließend den
Farbton, den ich in einer abgedunkelten Va-
riante im Bild sehen möchte. Für Korrekturen
kratze ich Farbe mit einem Plastikschaber an
den entsprechenden Stellen vom Bildträger
ab und beginne an dieser Stelle von Neuem.

Ölpastellstudie Wald
Malbuch 32 × 23 cm 239
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Gouachefarben

Gouachefarben, auch Deckfarben genannt, sind was- Die Oberfläche von Gouachefarben wirkt nach dem
servermalbare Farben, die im Gegensatz zu Acrylfarben Trocken im Vergleich zu Acrylfarben matter. Auch die
auch nach der Trocknung jederzeit wieder mit Wasser Farbtöne von Gouachefarben erscheinen mir in der
angelöst werden können. Eine abgeschlossene Arbeit Regel nicht ganz so aggressiv wie die von vielen Acryl-
sollten Sie daher vor Feuchtigkeit schützen. Sie kön- farben. Daher ziehe ich Gouachefarben den Acrylfar-
nen einfache Farben für Schul- oder Studienzwecke in ben vor, obwohl Acrylfarben auch ihre Vorteile haben:
Näpfchen bekommen. Für anspruchsvolle Aufgaben in Acrylfarben trocknen schnell und lassen sich daher
Illustration oder Malerei gibt es sehr gute Qualitäten auch schnell deckend übermalen. Manchmal kann
in Tuben. Wenn Sie Farbe in Tuben verwenden, sollten dieser Effekt aber auch unerwünscht sein.
Sie darauf achten, die Gewinde des Verschlusses stets
sauber zu halten, damit Sie die Schraubdeckel später
wieder ohne große Mühe öffnen können.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

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Ausrüstung
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
In einer großen Tasche transportiere ich: Zwei Vliestücher, zurechtgeschnitten auf die Seiten-
Gouachefarbkasten mit Farben in Näpfchen größe des Skizzenbuches, lege ich links und rechts un-
eine Tube Mischweiß, Gouache oder Acryl ter die Seiten, die neu bemalt werden sollen. So wer-
Tusche in einem Kunststoffgefäß mit Schraubver- den die vorherige Arbeit und die nachfolgende Seite
schluss geschützt. Ist die neue Arbeit fertig, aber noch nicht
ein Sortiment an Flach-, Borsten- und Rundpinseln, ganz trocken, lege ich zum Transport ein Vliestuch zwi-
die ich zum Transport in ein altes Baumwolltuch schen die bemalten Seiten. Auf diese Weise verhindere
einwickle ich, dass gegenüberliegende Seiten miteinander ver-
eine Wasserflasche (0,5 Liter) mit Wasserbecher kleben.
eine Kunststoffpalette zum Mischen der Farben, Eine Staffelei benutze ich nicht, sondern ich lege
ebenfalls eingewickelt in ein Baumwolltuch, das das große Skizzenbuch (A3-Seitengröße) vor mir auf
zum Abstreifen von überschüssiger Farbe, zum den Boden.
Reinigen oder zum Abtupfen von Farbe auf dem In der Tasche habe ich auch immer eine große Plas-
Papier verwendet wird tikfolie, die ich auf dem Boden ausbreiten kann, wenn
eine Packung Papiertaschentücher der Boden feucht oder nass ist. Dazu kommen noch ein
zwei starke Klammern zum Fixieren der Skizzen- Falthocker und manchmal auch ein Regenschirm.
buchblätter
ein Skizzenbuch mit Papier möglichst ab 150 g/m2
Flächengewicht oder höher

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Ein Tipp für die Handhabung von Pinseln


Der beste Tipp, den ich in Bezug auf den Gebrauch
von Pinseln geben kann, ist, das Potenzial der Pinsel,
wie bei allen Materialien, die Sie haben, so weit wie
möglich zu erkunden. Mit einfachen Pinselübungen
können Sie versuchen, so viel unterschiedliche Farb-
spuren wie möglich auf dem Papier zu hinterlassen.
Es sind verschiedene Variationen in der Pinselführung
hinsichtlich Druck und Kontrolle, Richtung der Bewe-
gung und Sättigung mit verdünnter oder fast trockener
Farbe möglich. Insbesondere bei der Darstellung von
Texturen können die Erfahrungen, die Sie in solchen
Übungen gewinnen, sehr nützlich sein.

- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -

Pinselspuren eines flachen Borstenpinsels Pinselspuren eines Aquarellpinsels

Es ist auch ein großer Unterschied, wie man den Pinsel oder Ästen setzt man am besten am »dicken« Ende an
hält. Probieren Sie einmal andere Haltungen als den und führt den Pinsel mit nachlassendem Druck zum
Standardgriff (Schreibhaltung). Versuchen Sie auch dünnen Ende.
den Druck auf den Pinsel zu verändern. Besonders beim Das Blattwerk von Laubbäumen können Sie zum
Übermalen oder Arbeiten nass in nass ist eine leichte Beispiel durch vorsichtiges Tupfen mit einem alten
Pinselführung von großem Vorteil. Wenn Sie wirklich Borstenpinsel darstellen. Rillen in der Rinde von Bäu-
wissen, was alles mit dem Pinsel möglich ist, den Sie men lassen sich mit fast trockener Farbe auf einem
benutzen, dann können Sie viel lebendigere Bilder ge- Borstenpinsel nachahmen, den Sie vorsichtig in flacher
stalten. Beim Zeichnen oder Malen von Baumstämmen Stellung über das Papier ziehen.

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Tipps für das Malen mit Gouachefarben


Gouachefarben bleiben zwar im Prinzip immer wasser-
löslich, sie sind aber auch deckende Farben. Dadurch
wird das Arbeiten mit diesen Farben im Vergleich zu
Aquarellfarben einfacher. Es ist möglich getrocknete
Farbschichten vorsichtig zu übermalen. Helle und
dunkle Stellen im Bild können noch nachträglich über
vorhandene Farbschichten gesetzt werden. Allerdings
gibt es hier doch auch Einschränkungen. Es lassen
sich nicht beliebig viele Farbschichten übereinander-
legen, ohne dass die Farben beim Trocknen dunkler
und grauer werden. Auch bekommen sehr dicke Farb-
schichten eventuell Risse und blättern dann teilweise
ab. Abgesehen davon, ist Gouache aber ein vielseitiges
Medium, mit dem man wunderbar arbeiten kann.
Im Gegensatz zu Aquarellfarben kann man aber
auch bereits getrocknete Farbschichten später wieder
mit Wasser anlösen und dann teilweise wieder abhe-
ben oder erneut mit weiteren Farben auf dem Bildträ-
ger mischen.
Die Entstehung von Bildern im Waldtagebuch
habe ich teilweise mit dem Mobiltelefon oder mit
- orderid - exl37556431-396088267X - transid - exl37556431-396088267X -
einer Kompaktkamera im Gelände dokumentiert. Ein
Beispiel soll verdeutlichen, wie ich ein Gouachebild
aufbaue.
Natürlich können Sie spontan irgendwo im Bild mit
dem Malen anfangen und sich dann immer weiter vor-
arbeiten. Allerdings ist es schwierig und führt auch oft
zu unbefriedigenden Ergebnissen, wenn man zum Bei-
spiel mit der Darstellung von Bäumen im Vordergrund
beginnt und erst danach den Hintergrund und den
Himmel zwischen die Baumstämme und Baumkronen
setzen muss. Daher beginne ich ein Bild meistens mit
dem Hintergrund und arbeite mich dann von dort
Schritt für Schritt in den Vordergrund vor.

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Buchenstamm und Totholz


Skizzenbuch A3

In dieser Studie habe ich zunächst den Hintergrund


mit stark verdünnter Farbe vorbereitet, bevor ich den
Vordergrund schrittweise weiterentwickelt habe.
Um zu vermeiden, dass Farbe durch den Bundsteg
in der Mitte des Skizzenbuches dringt und unschöne
Flecken auf anderen Seiten verursacht, habe ich den
Bundsteg mit einem Papierstreifen zugeklebt.

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Linkliste und Bücher

Das Internet ist zu einer schier unerschöpflichen Quelle von Anschauungsmaterial für Bildschaf-
fende geworden. Die nachfolgende Linkliste enthält meine Favoriten. Auf den Webseiten der großen
Museen und Kunstsammlungen kann man über einfache Suchfunktionen schnell Werke bestimm-
ter Künstler, Genres und Motive finden.

Albertina, Wien:
www.albertina.at/home

Louvre, Paris:
www.louvre.fr

Rijksmuseum Amsterdam:
www.rijksmuseum.nl/en

Tate Gallery, London:


www.tate.org.uk

Victoria and Albert Museum, London:


www.vam.ac.uk

Gurney Journey, Beitrag über Leightons Zitronenbaum:


http://gurneyjourney.blogspot.de/2008/04/leightons-lemon-tree.html
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Ian Sidaway, Blog mit Baumzeichnungen:
http://iansidawaydrawing.blogspot.de

Sammlung von Kunstwerken mit Bäumen:


http://wetreesinart.tumblr.com

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Ergänzend kann ich Ihnen folgende Bücher als Lektüre zum Thema Zeichnen und Malen
empfehlen. Ich mag vor allem Titel mit anregenden, interessanten Bildern, die ich intensiv
und oft betrachte, um daraus zu lernen.
In den Büchern von Albrecht Rissler wird hervorragendes Anschauungsmaterial von
sehr guten Texten begleitet. Die »Meisterschule« von Bert Dodson, im angloamerikani-
schen Raum als »Keys to drawing« sehr bekannt und beliebt geworden, ist ein Klassiker.
Für mich nach wie vor eines der besten Zeichenlehrbücher zum Selbststudium. Knaurs
Mal- und Zeichenbuch ist ein sehr schön gestaltetes Buch, das sich mit den verschiedensten
Materialen befasst und tolle Tipps zu Auswahl und Anwendung hat. Dazu gibt es viele anre-
gende Bildbeispiele. Beide Bücher bekommt man heute nur noch antiquarisch. Die übrigen
sind keine Lehrbücher. Ich habe sie in die Liste aufgenommen, weil sie sehr originelles und
inspirierendes Bildmaterial enthalten.

Zeichnen: Tipps für Kreative, Albrecht Rissler, dpunkt.verlag 2015.


ISBN: 978-3-86490-239-0

Zeichnen in der Natur, Albrecht Rissler, Edition Michael Fischer 2012.


ISBN: 978-3-86355-098-1

Zeichnen unterwegs mit Stift und Skizzenbuch, Albrecht Rissler, dpunkt.verlag 2017.
ISBN: 978-3-86490-420-2

Meisterschule Zeichnen. 48 Lektionen zum Selbststudium, Bert Dodson, Bechtermünz


1999. ISBN: 978-3-8289-2327-0
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Knaurs neues Mal- und Zeichenbuch, Droemer Knaur 1996. ISBN: 978-3-426-26927-5
(Lizenzausgabe: Area 2004. ISBN: 978-3-89996-038-9)

Tauchfahrten: Zeichnung als Reportage/Diving Trips: Drawing as Reportage, Stephan Berg


et al. (Hrsg.), Richter 2004. ISBN: 978-3-937572-17-8 (Museumsausgabe: 3-937572-15-5)
Deutsch/Englisch

Sketches from Japan, Francis D. K. Ching, Wiley 2000. ISBN: 0-471-36360-x
Englisch

Picnic: Pop-Folk Contemporary Illustration, promopress 2011. ISBN: 978-84-92810-17-8


Englisch, Französisch, Spanisch

Souvenir d‘une journée parfaite, Dominique Goblet, Fremok 2017. ISBN: 978-2-390220022
Französisch

Beiträge zur bildnerischen Formlehre, Paul Klee, Faksimileausgabe des Originalmanu-


skripts (1921/22), Schwabe 1979. ISBN: 978-3-7965-0741-0

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