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Yo Rühmer arbeitet seit über 20 Jahren als Illustratorin für diverse Verlage
und Werbeagenturen. Sie illustriert ausschließlich digital.  Als Ausgleich dazu
hat sie 2012 das Pleinairmalen mit Ölfarben für sich entdeckt. Sie genießt es
sehr, ohne Briefings und frei von Termindruck draußen zu sein, sich nichts aus-
denken zu müssen, sondern einfach nur zu malen, was sie sieht, und dabei alle
Sinnes­eindrücke aufzunehmen, die sie vor Ort umgeben.

Die Freude, die sie beim Pleinairmalen empfindet, möchte sie unbedingt teilen
und hofft mit diesem Buch möglichst viele Menschen zu motivieren, einfach
mal draußen zu malen.

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Mal einfach draußen!


Yo  Rühmer

Praktische Anleitung für die Pleinairmalerei

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Yo Rühmer
www.yoruehmer.de

Lektorat: Barbara Lauer


Lektoratsassistenz:  Anja Weimer
Fachlektorat: Torsten Wolber
Copy-Editing: Friederike Daenecke, Zülpich
Layout, Satz & Umschlaggestaltung:  Yo Rühmer, Frankfurt
Herstellung: Stefanie Weidner, Frank Heidt
Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, 39240 Calbe (Saale)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; ­
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:
Print 978-3-86490-744-9
PDF 978-3-96088-962-5

1. Auflage 2020
Copyright © 2020 dpunkt.verlag GmbH
Wieblinger Weg 17
69123 Heidelberg
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Der Umwelt zuliebe verzichten wir auf die Einschweißfolie.

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Inhalt

Warum überhaupt draußen malen? . . . . . . . . . . . . . . . . . 9


Das Besondere am Pleinairmalen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Was ihr beim Pleinairmalen lernen könnt. . . . . . . . . . . . . . 12
Für wen ist das Buch?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

1 Schnelldurchgang für Ungeduldige. . . . . . . . . . . . . . . . 19


Der Ablauf beim Pleinairmalen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Beispielbild – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

2  Alles, was ich zum Malen brauche. . . . . . . . . . . . . . . . 27


Alles dabei. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Der Arbeitsplatz – Staffeleien und Pochadeboxen. . . . . . . . 30
Malplatten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Achtung, frische Farbe! Der Transport. . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Pinsel und Spachtel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Malmittel – es müssen gar nicht so viele sein!. . . . . . . . . . . 38
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - Sauber! So reinige ich meine Pinsel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Die Farben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Keine Angst vor Ölfarben! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

3  Alles, was ich über Farben weiß. . . . . . . . . . . . . . . . . . 43


Der Farbton . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Das Mischen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Meine Palette . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
Die Farbtemperatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Farbtemperaturen mischen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
Die Farbsättigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
Farbsättigung brechen – das Entsättigen . . . . . . . . . . . . . . . 56
Der Farbwert – die Helligkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .58
Farben aufhellen und abdunkeln. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Die Kontraste. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
Die Farbharmonie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
Kornfeld – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Malt, was ihr seht, nicht was ihr wisst! Das Bouncelight. . . 70

Inhalt · 5
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4 So male ich in Öl. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73


Der Farbauftrag. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
Öl-, Acryl- und Gouachefarben im Vergleich . . . . . . . . . . . . 75
Baumstudie – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Aller Anfang ist vereinfacht – der Bildanfang. . . . . . . . . . . . 78
Pochades – kleine Ölskizzen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
Malt nur, was ihr seht!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
Dünen – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
Waldweg – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
Scheune – Schritt für Schritt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
Klippen – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
Palmlilien – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Aufhören, wenn es am schönsten ist – das Bildende. . . . . . 92

5  Wo malen? Den richtigen Standort finden . . . . . . . . . 95


Wo soll ich malen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
Pleinairmalen für Schüchterne. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
Die Wahl des Standortes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
Der Vorteil eines schattigen Plätzchens. . . . . . . . . . . . . . . 100
6 Was malen? Die Suche nach dem passenden Motiv. 105
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - Besondere Orte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
Das Bild im Kopf. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
Malen, was man liebt?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
1000-mal gesehen … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
Statische Motive malen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
Gebäude halten still . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
Ups! Gebäude verändern sich doch! . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
Ganz nah dran. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
Sonnenblumen – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
Alles fließt – Gewässer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
Spiegelung – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
Ein einziges Kommen und Gehen – Wellen. . . . . . . . . . . . 134
Wellen – Schritt für Schritt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138
Weg isses! Gezeiten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140
Ebbe – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142
Flüchtige Gebilde – Wolken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144
Menschen als Bild. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148
Menschen im Bild. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
Zu schön zum Malen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152
Darf ich alles malen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153

6 · Inhalt
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7  Wann malen? Das Licht ändert alles. . . . . . . . . . . . . 155


Alles zu seiner Zeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
Die Tageszeiten – der Morgen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
High Noon – der Mittag. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
Wenn die Schatten länger werden – der Nachmittag. . . . 166
Die Goldene Stunde – der frühe Abend . . . . . . . . . . . . . . 170
Dämmerung – der Abend. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
Nocturnes – die Nacht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
Die Jahreszeiten – der Frühling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178
Grüner wird’s nicht! Der Sommer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
Endlich alle Farben – der Herbst. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186
Herbstlaub – Schritt für Schritt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
Alles weiß? Der Winter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192
Winterbach – Schritt für Schritt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198
Und nun zum Wetter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200 8 So erzählt mein Bild
Ebbe- und Regenpfützen – Schritt für Schritt . . . . . . . . . . 206 eine Geschichte – die Komposition. . . . . . . . . . . . . . 211
Warum malt ihr das eigentlich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
Hoch oder quer? Das Format . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213
Wohin mit dem Fokuspunkt? Die Bildeinteilung. . . . . . . . 214
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - Seid ungerecht – Symmetrien vermeiden. . . . . . . . . . . . . .215
Den Blick lenken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
Nur ein Held pro Bild. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218
Bildkorrekturen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
9 Einfach mal mit anderen malen . . . . . . . . . . . . . . . . . 229 Tiefe erzeugen – die Räumlichkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222
Art Retreat. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 Linearperspektive – die Theorie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224
Das Mal-Karussell. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234 Linearperspektive – die Praxis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226
Alfons Kiefer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236
Torsten Wolber. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238

Buch zu und ab nach draußen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241


Malt schlechte Bilder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242
Und wie malen die anderen so?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
Wir sehen uns draußen!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244
Danke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
Linkliste und Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246
Index. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247

Inhalt · 7
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Bild Nr. 507, 25 × 15 cm


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Warum überhaupt
Einleitung

draußen malen?
Klingt das nach- einem
- orderid merkwürdigen Anfang für ein -
exl42353123-3960889623 Ich selbst bin
transid so begeistert davon, unter freiem Himmel
- exl42353123-3960889623 - zu
Buch über Pleinairmalerei? Die Frage ist aber durchaus malen, dass ich nicht weiß, wo ich mit dem Begründen
berechtigt! Denn natürlich ist es viel komfortabler, drin- anfangen soll. Ich werde das ganze Buch brauchen, um all
nen zu malen: Da sind alle Materialien verfügbar, die ich das aufzuzählen, was ich beim Pleinairmalen so großartig
meine zu brauchen. Ich muss keine Ausrüstung schleppen finde. So viel sei aber schon verraten: Mir, ganz persönlich,
und aufbauen. Ich friere nicht, werde nicht nass oder von geht es in erster Linie um den reinen Malvorgang an der
Mücken gestochen, meine Leinwand fliegt nicht davon. frischen Luft, und – so bizarr das klingt – das Bild ist manch-
Es ist warm, den Kühlschrank, die Kaffeemaschine und mal sogar nur das Nebenprodukt. Ich bin nach dem Malen
eine Toilette habe ich auch in der Nähe. Ich werde nicht immer ganz beseelt, selbst wenn das Bild nicht so wurde,
von fremden Menschen angesprochen, gerate nicht in wie ich mir das vorgestellt habe. Und das passiert schnell
Verlegenheit, wenn mir beim halb fertigen Bild jemand mal, denn vor Ort sind einfach viel zu viele Faktoren, die
über die Schulter schaut – also: Warum sollte ich mir es Einfluss auf meine Malerei haben, sodass ich nicht immer in
extra schwer machen und draußen malen? der Hand habe, was für ein Bild am Ende entsteht.

Warum draußen malen? · 9


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Das Besondere am Pleinairmalen

Das Schönste am Pleinairmalen sind für mich die unter­ Ganz im Geiste der Impressionisten, die in der zweiten
schied­lichen Lichtstimmungen. Sie sind aber gleichzeitig Hälfte des 19. Jahrhunderts die Pleinair­malerei ­bekannt
auch das Gewöhnungsbedürftigste. Durch die wandern- gemacht haben, geht es mir vor allem darum, all die Ein-
de Sonne verändert sich das Motiv oft so sehr, dass ich drücke, die vor Ort auf mich einwirken, in mein Bild
meistens nur ca. eineinhalb Stunden Zeit habe, um das einfließen zu lassen. Und Eindrücke bekomme ich beim
Bild zu malen. In dieser Zeit richte ich meinen ganzen Pleinairmalen ausgesprochen viele: Ich sehe nicht nur die
Fokus d­ arauf. Dann ist nichts mehr in meinem Kopf außer unglaubliche Farbenvielfalt, die kein Referenzfoto wieder-
dem Motiv. Ich bin dann ganz im Hier und Jetzt. Tatsäch- geben kann; ich spüre mein Motiv, weil ich ja mittendrin
lich spüre ich, selbst wenn ich bei Minus­temperaturen stehe, ich höre und rieche es sogar. Selbst eine HD-
male, die Kälte nicht so richtig, male zum Teil sogar ohne Filmaufnahme hält da nicht mit. Seitdem ich male, knipse
Handschuhe. Aber, wehe, ich nähere mich dem Bildende ich im Urlaub fast keine Fotos mehr – beim Malen sauge
und verliere dadurch diesen Fokus: Manchmal kann ich ich den Ort regelrecht in mich auf, die Erinnerung an den
dann vor lauter Frostfingern noch nicht mal mehr zusam- Ort schaffe ich mir mit dem gemalten Bild.
menpacken! Ein Zustand, wie Kinder ihn beim vertieften
­Spielen erreichen: kein Hunger, Pipi, Durst. Das muss man Wenn ich es hinkriege, die Atmosphäre, die ich vor Ort
wohl mal selbst erlebt haben … empfinde, mit meinem Bild einzufangen und rüberzubrin-
gen, dann bin ich rundum zufrieden: Besser geht’s nicht.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Heute kaum vorstellbar, aber dass wir überhaupt draußen Meine kleinste und
malen können, verdanken wir einer kleinen, aber für Maler ganz meine größte Farbtube
entscheidenden Erfindung: Farbe in Tuben! Zu verdanken haben wir
sie dem amerikanischen Maler John Goffe Rand, der 1841 sein Patent
für Bleituben anmeldete. Für mich macht ihn das zu einem der
einflussreichsten Maler, obwohl ich nirgendwo ein von
ihm gemaltes Bild gefunden habe.

10 · Einleitung
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Warum draußen malen? · 11


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Was ihr beim Pleinairmalen lernen könnt

Ich habe 2012 mit dem Pleinairmalen mehr unbedingt kreativ sein und nach mit der Zeit nicht mehr das gleiche.
angefangen. Und obwohl ich damals guten Bildideen suchen zu müssen. Ich Wenn ich mein ursprüngliches Motiv
schon seit 15 Jahren als Illustratorin muss nichts über das, was ich male, dadurch nicht mehr vor mir sehe,
arbeitete, habe ich unfassbar viel ge- wissen. Ich muss nur genau hinschau- muss ich doch wieder etwas wissen,
lernt. Beim direkten Malen, ohne den en und darf das Vorhandene abmalen. nämlich wo die Schatten physikalisch
Umweg über ein Foto als Referenz, Das bedeutet natürlich, dass ich das sein müssten. So mache ich mir das
geht es vor allem um das Beobachten. Motiv dann möglichst während des Malen unnötig schwer. Je nach Tages-
Ich male, anders als bei Fantasiebil- ganzen Malprozesses vor mir haben zeit sollte ich mein Bild also innerhalb
dern, nicht aus dem Kopf, sondern sollte. Während ich male, wandert von eineinhalb Stunden fertig bekom-
einfach nur das, was ich sehe. Für die Sonne jedoch. Dadurch wandern men. Eine zügige Malweise ist somit
mich ist das extrem befreiend, nicht auch die Schatten und mein Motiv ist das Erste, was ihr draußen lernt.

Das Bild, das ihr links seht, nenne ich


liebevoll »Bild Nr. 65«. Ich gebe meinen
Bildern nämlich keine Titel, sondern
nummeriere sie seit meinem allerersten
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - Ölbild, das ich im Mai 2012 malte, durch.
Bei Drucklegung des Buches bin ich beim
749. Bild angelangt. Im Schnitt male ich
hundert Bilder im Jahr, ihr könnt also an der
Bildnummer immer erkennen, auf welchem
Erfahrungsstand ich beim Malen war.

Bild Nr. 65, 15 × 15 cm, gemalt 2013

12 · Einleitung
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Diese drei Strohballenbilder zeigen sehr


deutlich, wie ich mit den Jahren immer mehr
dazugelernt habe. Diese Entwicklung ist mir
selbst oft gar nicht wirklich bewusst – umso
schöner, dass ich sie hier zusammen zeigen kann.

Bild Nr. 340, 24 × 18 cm, gemalt 2016


Bild Nr. 621, 30 × 15 cm, gemalt 2018
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Warum draußen malen? · 13


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Das Nächste, was ihr lernen werdet, malen, was wir sehen, sondern was Wir müssen deswegen eigentlich auch
ist das ganz genaue Sehen. Und dann wir (nur vermeintlich) wissen. Dieses nichts über Farbtheorien wissen. Die
lernt ihr, nur das zu malen, was ihr Wissen außer Acht zu lassen ist mit Farben sind ja alle direkt vor uns,
seht. Das klingt viel einfacher, als es das Schwierigste beim Malen. Gleich­ und durch das genaue Betrachten
tatsächlich ist. Denn unser Kopf meint zeitig bedeutet es aber auch, dass wir entdecken wir, dass Gras niemals nur
oft zu schnell, zu »wissen«, was wir ohne große theoretische Vorkenntnis- grün ist und wie viele unterschiedliche
sehen. Außerdem ist unser Hirn so se losmalen können. Farben im Schatten auftauchen. Auch
verknüpft, dass es Eindrücke, die es theoretisches Wissen über Perspek-
nicht erwartet, oft gar nicht erst wahr- Einfach so loslegen zu können – ist tiven sind nicht unbedingt erforderlich.
nimmt. Das führt dazu, dass wir nicht das nicht großartig? Denn anders als Illustratoren, die
z. B. Häuser und auch Straßen­­ züge
konstruieren müssen, reicht es hier,
genau hinzugucken und die Winkel
möglichst exakt auf das Bild zu über-
tragen. Man muss nicht wissen, wo
die Treppe hinführt, zu welchem Haus
das Dach gehört – es reicht völlig, es
einfach dorthin zu malen, wo das
­
Auge es sieht.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
So manches Objekt im Motiv ist mit
bloßem Auge auch gar nicht klar zu
erkennen, es ist scheinbar nur ein
roter Fleck in der Landschaft. Und
nur weil wir wissen, dass es ein Auto
sein muss, neigen wir dazu, dort ein
Bild Nr. 38, 25 × 15 cm, 2012 gemalt

Bild Nr. 243, 15 × 8 cm, 2015 gemalt

14 · Einleitung
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Auto zu malen. Dabei reicht es, an dieser Stelle einfach


einen ebensolchen roten Fleck zu malen – und das Wun-
der geschieht: Die Betrachter erkennen in diesem Fleck
ein rotes Auto – ohne dass wir ein Auto gemalt haben!

Wie ihr seht: Beim Pleinairmalen ist es egal, ob man


Anfänger oder Profi ist, theoretische Vorkenntnisse sind
nicht erforderlich. Es genügt, einigermaßen mit seinen
Materialien vertraut zu sein, und ihr könnt sofort loslegen.
Damit ihr dennoch nicht so ganz unvorbereitet nach
draußen geht, habe ich euch neben ganz vielen praxis­
bezogenen Tipps und Step-by-Step-Anleitungen auch kurz
zusammengefasst, was ich über Farben weiß, was ihr bei der
Komposition beachten solltet, wie ihr Tiefe im Bild erzeugt
oder wie das mit der Perspektive funktioniert. Dieses Bild Nr. 77, 13 × 10 cm, 2013 gemalt
Wissen kann euch, egal wo und mit was ihr malt, grund-
sätzlich helfen. Ihr braucht das nicht auswendig lernen, es
soll euch nur beim genauen Sehen unterstützen, damit ihr
versteht, was ihr da draußen alles zu sehen bekommt.
Bild Nr. 602, 30 × 15 cm, 2018 gemalt
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Warum draußen malen? · 15


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© 2020 dpunkt. Alle Rechte vorbehalten. Keine unerlaubte Weitergabe oder Vervielfältigung.

Für wen ist das Buch?

Dieses Buch ist für alle, die gerne draußen malen wollen, seid: Da draußen werden sich viele von euch zu Beginn
es aber aus den unterschiedlichsten Gründen bisher einigermaßen als Anfänger fühlen. Zu sehr unterscheidet
noch nicht getan haben und noch einen Anstupser brau- sich der neue Arbeitsplatz vom gewohnten, man muss
chen. Und für diejenigen, die es bereits tun, eventuell beim Material oft Kompromisse eingehen, und dann be-
noch Fragen haben, noch tiefer einsteigen wollen – oder wegt sich auch noch alles ständig! Hinzu kommt, dass
einfach nur mal gucken wollen, wie es andere machen. man nicht mehr alle Zeit der Welt hat, um das Bild fertig
Auch für Urban Sketchers, die um sich herum mehr zu malen. Das alles ist aber (wie fast alles) reine Gewöh-
Farben als Linien sehen, ist das Pleinairmalen unter nungssache. Und mit der Zeit werdet ihr auch die Vor-
Umständen der nächste logische Schritt. teile hinter dem Zeitdruck und der Materialreduzierung
erkennen. Ihr werdet merken, wie das, was ihr draußen
Ich selbst male ausschließlich in Öl, viele meiner Heran­ lernt, euch auch beim Malen zu Hause hilft. Betrachtet
gehensweisen lassen sich aber auf andere deckenden Farben das Pleinairmalen ruhig als »Höhentraining«:
übertragen, wie Gouache oder Acryl. Wer noch nie mit
deckenden Farben gemalt hat, sollte sich am besten, bevor If you can make it there, you can make it anywhere.
es rausgeht, mit dem eigenen Material vertraut machen. (Frank Sinatra)
Doch egal ob ihr erst wenig gemalt habt oder schon Profi

Hier habe ich meinen Mann beim Malen gemalt.


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid -Erexl42353123-3960889623 -
war der Erste, den ich mit meiner Pleinairmalerei
Bild Nr. 680, 30 × 15 cm motivieren konnte, wieder mit dem Malen anzufangen.

16 · Einleitung
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Hier malte ich meinen Kollegen


Torsten Wolber. Seine Pleinairmalerei
hat mich dazu gebracht, draußen in Öl
zu malen. Ihr seht: Das Pleinairmalen
ist wirklich ansteckend.
Bild Nr. 653, 15 × 15 cm

Ich hoffe, dass ich mit diesem Buch all denjenigen Lust dem Buch alle zu motivieren, die eigentlich schon immer
aufs »Draußen« mache, die noch nicht wussten, wie es malen wollten, aber bisher nicht so richtig wussten, wie
möglich ist, außerhalb des Ateliers zu malen. Ich möchte und was oder wo.
zeigen, was es euch auch für das Ateliermalen bringt.
Denen unter euch, die schon draußen malen, will ich Kurz, ich hoffe, mit diesem Buch meine Begeisterung für
meine Herangehensweisen zeigen und euch Lust machen, das Pleinairmalen so teilen zu können, dass euch nichts
Neues auszuprobieren. Ich will allen die Ängste nehmen, mehr drinnen hält.
die sich (noch) nicht trauen, außerhalb des geschützten
Atelierraums zu malen. Außerdem wünsche ich mir, mit Ab an die frische Luft!

Warum draußen malen? · 17


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Bild Nr. 696, 24 × 18 cm


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Schnelldurchgang
Kapitel 1

für Ungeduldige
Ich- weiß nicht, wie
orderid - das bei euch ist, aber ich bin immer sehr -
exl42353123-3960889623 Deswegen kommt
transid nun, um euch einen schnellen Überblick
- exl42353123-3960889623 -
ungeduldig und möchte am liebsten sofort loslegen – ohne darüber zu verschaffen, was euch in diesem Buch erwartet,
zuerst ein ganzes Buch lesen zu müssen. Ich habe die eine Art Schnelldurchgang durch das Pleinairmalen. Dabei
­Reihenfolge der Kapitel zwar bewusst angeordnet, aber findet ihr Verweise auf die jeweiligen Kapitel, die ausführ-
jedes einzelne funktioniert auch für sich allein. So könnt licher auf das entsprechende Thema eingehen.
euch ihr euch auch nur einzelne Kapitel herauspicken, die
euch interessieren – ganz nach eurem Wissensstand, eurer Für all jene von euch, die noch nie draußen gemalt haben,
Erfahrung oder eurem bereits vorhandenen Material. ist es vielleicht auch ganz interessant, zu sehen, wie der
Ablauf beim Pleinairmalen ist.

Schnelldurchgang · 19
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Der Ablauf beim Pleinairmalen


Das Equipment
Das ist meine Malausrüstung: Ich be-
nutze eine leichte Feldstaffelei, eine
­sogenannte Pochadebox, mit integrier-
ter Palette und eine Malpappe.

Was ich alles mit nach draußen nehme


sowie viele Tipps, wie ihr selbst euer
Equipment zusammenstellen könnt,
beschreibe ich in Kapitel 2:  Alles, was
ich zum Malen brauche.

Die-Farben
orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
So ordne ich meine Ölfarben auf der
Palette an. In den beiden Döschen
befinden sich die Malmittel.

Mehr über Ölfarben, welche Malmittel


genau ich verwende, was für Pinsel
ich bevorzuge – das beschreibe ich
ebenfalls in Kapitel 2:  Alles, was ich
zum Malen brauche.

Wie ich meine Farbpalette zusam-


menstellte und wie ihr eure eigene
Auswahl an Farben findet, erkläre ich
in Kapitel 3:  Alles, was ich über Far-
ben weiß.

20 · Kapitel eins
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Das Motiv
Bevor ich anfange zu malen, muss ich
mich natürlich erst für ein Motiv
­entscheiden und auch den Bildaus-
schnitt bestimmen. Ich nutze dazu
oft das Display meines Smartphones.

Tipps zur Motivsuche findet ihr in


Kapitel 5: Wo malen?
Kapitel 6: Was malen?
Kapitel 7: Wann malen?

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Die Komposition -
Das Foto auf dem Display hilft mir,
den Ausschnitt für mein Bild zu be-
stimmen und dabei auch gleich die
Komposition festzulegen.

Welche Überlegungen ich genau da­


bei anstelle und worauf ihr außer-
dem achten solltet, lest ihr in Kapitel
8: Die Komposition.

Schnelldurchgang · 21
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Beispielbild

Schritt 1
Je nach Motiv fange ich mit dem Bild
ganz unterschiedlich an. Bei diesem
habe ich mich dafür entschieden, die
ganz groben Formen in der jeweili-
gen dunklen Schattenfarbe anzulegen.

In Kapitel 4: So male ich in Öl findet


ihr im Unterkapitel zum Bildanfang
die verschiedenen Optionen, wie ihr
je nach Motiv mit eurem eigenen Bild
anfangen könnt – und wie ihr dann
weitermacht.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Das Weitermachen hängt selbstver-
ständlich von meinem Bildanfang ab.
Da ich hier mit den Schattenfarben
angefangen habe, setze ich nun die
Lichter obendrauf. Hier habe ich mit
dem Streiflicht links auf der Hütte,
den hellen Zaunlatten, mit etwas von
dem Durchlichtgrün im Baum rechts
und vorne mit dem erleuchteten Bo-
den weiter gemacht. Das müsst ihr
auch unbedingt mal ausprobieren:
Ich ­liebe diesen Moment, wenn das
Bild plötzlich anfängt zu leuchten!

Viele solcher Step-by-Step-Beispiele


findet ihr über das ganze Buch ver-
teilt und vor allem in Kapitel 4: So
male ich in Öl.

22 · Kapitel eins
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Schritt 3
Nun geht es an die Mitteltöne, und
auch im Schatten habe ich noch wei-
tergemalt. Mir persönlich ist es ganz
wichtig, die Farben, die ich sehe, so
genau wie möglich zu treffen, um die
­Atmosphäre vor Ort e­ inzufangen. Da-
­bei spielen nicht nur die Farbtöne,
sondern vor allem die Farbwerte und
Farbtemperaturen eine große Rolle.

Auf was ihr dabei achten solltet und


wie ihr am einfachsten all die Farben
mischt, die ihr vor euch seht, beschrei-
be ich in Kapitel 3:  Alles, was ich ü­ ber
Farben weiß.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Schritt 4 -
Langsam arbeite ich mehr und mehr
Details ein. Ich habe ein paar »Him-
melslöcher« in die Bäume gesetzt,
darüber zum Teil die dunklen Äste
und Blätter, die das Durchlicht nun
wieder überlappen, sodass das Licht
langsam anfängt, durch sie h­indurch-
zuleuchten.

In Kapitel 7:  Wann malen? behandele


ich solche unterschiedlichen Licht­
effekte und Stimmungen. ich finde es
immer total spannend, wie sich alles
mit dem Licht verändert – und das
ist auch das Thema, das mich beim
Pleinairmalen am meisten fasziniert.

Schnelldurchgang · 23
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Das fertige Bild


Im letzten Step füge ich alle Details
ein, die das Bild nach meinem Gefühl
unbedingt noch braucht. Das ist die
Phase beim Malen, die dann ganz ent-
spannt wird – und in der ich deshalb
manchmal gar nicht mehr aufhören
will. Das ist übrigens ein Thema für
fast alle beim Malen: W
  ann ist das Bild
eigentlich fertig, wann solltet ihr bes-
ser auf­hören mit dem Malen?

Meine Überlegungen zum Bildende


sowie Beispiele, bei denen ich offen-
sichtlich den richtigen Zeitpunkt auf-
zuhören ­verpasst habe, findet ihr in
Kapitel 4: So male ich in Öl.

Der- Transport
orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Fertig! Jetzt muss ich nur noch das
fertige Bild heil nach Hause trans-
portieren. Das ist bei einem frisch
gemalten Ölbild ein bisschen tricky.
Eine meiner Lösungen für das Pro-
blem seht ihr hier: eine Mappe, deren
Deckel ich mit Reißzwecken als Ab-
standhalter präpariert habe.

Noch mehr Lösungen für den Bild-


transport der frisch gemalten Ölbil-
der und wie ihr sie zu Hause platz-
sparend trocknen lassen könnt, findet
ihr in Kapitel 2:  Alles, was ich zum
Malen brauche.

24 · Kapitel eins
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Auf dem Foto, das ich geknipst habe,


nachdem ich fertig war, erkennt ihr
ganz gut, was das Pleinairmalen so
besonders macht: Die Sonne ist den
70 Minuten, während ich dort malte,
weitergewandert – das Licht ist jetzt
gegen Ende des Bildes komplett an-
ders als zu Beginn, ich stehe also vor
einem total anderen Motiv.

Das zu händeln, lernt ihr unter an­


derem in Kapitel 7: W
  ann malen?

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Nun habt ihr einen ganz guten Über-
blick bekommen, was euch alles in
diesem Buch erwartet. Ich hoffe, das
hat euch Lust auf mehr gemacht!
Oder seid ihr etwa schon draußen?

Die Fotos, die meine Zwischenschritte


zeigen, knipse ich während des Malens
mit meiner Handykamera. Entschuldigt
bitte, dass deshalb die Bildqualität oft
nicht besonders gut ist oder dass häufig
Teile des Bildes glänzen. Das bekomme
ich im Malwahn einfach nicht besser hin.

Schnelldurchgang · 25
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 747, 40 × 30 cm


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Alles, was ich


Kapitel 2

zum Malen brauche


So- orderid
viel wird es -jaexl42353123-3960889623
wohl nicht sein: Farben, Pinsel und - Anderes als- im
transid Atelier oder zu Hause muss ich wirklich
exl42353123-3960889623 -
Leinwand sollten reichen, oder? Und das Malmittel. Und alles, was ich eventuell beim Malen benötigen werde,
irgendwas, woran ich das Bild befestigen kann.  Ach ja, die auch dabeihaben. Wenn ihr euch mal umschaut, was ihr
Mischpalette brauche ich noch. Tücher zum Pinselaus­ vielleicht alles auf dem Tisch stehen habt, ahnt ihr schon,
wischen. Vielleicht einen Kittel oder so was, damit ich dass das einiges ist. Wollt ihr nicht mit einem Schrank-
mich nicht so einsaue. Falls es regnet, wären ein Schirm koffer losziehen, heißt das, eine kluge Auswahl zu treffen:
praktisch und ein Regencape. Eine Schirmkappe, falls die Packt alles ein, was ihr wirklich braucht – aber eben nur
Sonne blendet, eventuell Insektenschutz? Ganz wichtig ist das. Ihr werdet erst mit der Zeit herausfinden, was genau
Sonnencreme. Was zu trinken darf ich nicht vergessen! ihr zum Pleinairmalen benötigt.
Ich pack mal lieber auch was zu essen ein. Und brauche
ich auch Spachtel? Die Aufzählung ließe sich beliebig Auf den nächsten Seiten zeige ich euch, welche Auswahl
hier fortsetzen. Es ist doch eine ganze Menge, was mit ich für mich getroffen habe und wie ich mein selbst ge-
nach draußen muss. basteltes Equipment mit den Jahren optimiert habe.

Eins vorneweg: Euer Material ist


letztendlich nicht das, worauf es an-
kommt.Viel wichtiger ist, was ihr damit
macht. Teures Profi-Equipment allein
malt noch keine guten Bilder.

Alles, was ich zum Malen brauche · 27


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Überschrift

Fließtext

Bildtext

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

28 · Schnellstartanleitung
28 · Kapitel zwei
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Alles dabei

Das ist der Inhalt meines Malerrucksacks – er variiert denen ich die Staffelei und den Schirm befestigen kann; so
nur wenig mit den Jahreszeiten (Handschuhe und Insek- habe ich die Hände frei. Das Solarpanel habe ich selbst
tenschutz habe ich z. B. nie gleichzeitig dabei). Obwohl ergänzt. Es ist superpraktisch, auch weit weg von der
ich versuche, mich auf das Wichtigste zu beschränken, nächsten Steckdose das Handy laden oder das LED-Licht
kommt doch einiges zusammen. Ohne das Wasser wiegt an den Akku anschließen zu können. Die Menge, die ich
er im Schnitt um die 7 Kilo – darum ist es wichtig, einen da immer mit mir herumschleppe, hat mich selbst aber
guten Rucksack zu finden, dessen Trageriemen nicht ein- auch ein bisschen erschreckt, als ich jetzt diese Liste für
schneiden. Meiner hat zudem seitlich noch Riemen, mit das Buch zusammenstellte:

1 Rucksack von Gregory – 22 Malerhut 42 Mappe mit Abstandhalter ​


Volumen 25 Liter, wasserdicht 23 Regencape für Bildtransport (Seite 35)
2 Solarpanel von Sunny-BAG 24 Daunenjacke 43 Malpappen (Seite 34)
zum Laden von: 25 Handschuhe 44 Pochadepappen (Seite 82)
3 Akku mit USB-Anschluss (klappbare Fäustlinge)
4 Pochadebox (Seite 32), darin: 26 Sohlenwärmer (Seite 192)
5 Ölfarben (Seite 40) 27 Zehenwärmer Kaum zu glauben:  Aber in
6 Farbdöschen (für Handschuhe) dem Rucksack ist tatsächlich
für Extra-Farbe 28 Sonnenmilch - transid - exl42353123-3960889623 alles drin und dran, was ihr
- orderid - exl42353123-3960889623 auf der linken Seiten-seht.
7 Leinöl (Seite 38) 29 Insektenzeug
8 Mohnöl (Seite 38) 30 Taschenmesser
9 Malmittel (Seite 38) 31 Klammern
10 Palettenstecker 32 Smartphone
für Malmittel (Seite 38) 33 Notenpultlicht (LED)
11 diverse Gummispachtel mit USB-Kabel (Seite 174)
(aus Backspatel) 34 Trinkflasche
12 Ersatzschrauben 35 Not-Müsliriegel gegen
(für Staffeleibefestigung) meinen Zuckersturz
13 Wattestäbchen 36 Schirm von Bestbrella mit
14 Teleskop-Zeigestab Verlängerungsstangen (Seite 101)
als Malstock (Seite 36) 37 Schirmhalterung
15 Pinsel (Seite 36) von Manfrotto
16 Gummischaber (Seite 36) 38 Feldstaffelei aus Alu (Seite 30)
17 Spachtel (Seite 36 + 188) 39 Stofftuch zum Händereinigen
18 Haken-Gummiband (Seite 32) (mit Sonnencreme) (Seite 39)
19 Mischpalette (Seite 49) 40 Küchenpapier mit Halter
20 Malerschürze (Kochschürze) aus Drahtkleiderbügel
21 Armstulpen (aus Kniestrümpfen) 41 S-Haken

Alles, was ich zum Malen brauche · 29


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Der Arbeitsplatz – Staffeleien und Pochadeboxen

Ich zeige euch hier mal verschiedene Die Feldstaffelei


Möglichkeiten, wie ihr euer »Pleinair- Die günstigsten Modelle sind soge-
Atelier« einrichten könnt. Wenn ihr nannte Feldstaffeleien. Es gibt sie aus
erst einmal keine größeren Anschaf- Holz und leichtem Alu. Bei der Alu­
fungen machen wollt, reicht es völlig, staffelei sind kleine Bildformate nur
euch irgendwo einen Sitzplatz zu su- provisorisch mit zwei Klammern zu
chen, ein Klemmbrett mit eurem befestigen, die Holzstaffelei ist da fle-
Bild auf den Schoß zu legen und die xibler. Beide Staffeleien sind ab­solut
Mischpalette in der Hand zu halten. empfehlenswert, und wenn es euch
Der Nachteil: Ihr saut euch auf diese nicht stört, die Mischpalette weiter-
­Weise ziemlich ein, habt nie die Hän- hin in der Hand zu halten, seid ihr
de frei und seid zudem immer auf damit bestens gerüstet, um mit dem
einen Sitzplatz angewiesen. Außer- Pleinairmalen loszulegen.
dem möchte ich euch aus diversen
Gründen sehr empfehlen, im Stehen
zu malen.Warum, erkläre ich im Buch Feldstaffelei
noch genauer. Das könnt ihr aber nur aus Alu und
aus Holz
mit -einer Staffelei.-Staffeleien
orderid gibt es
exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
in den unterschiedlichsten Varianten
und in allen Preisklassen. Die Kofferstaffelei
Nicht so günstig, dafür aber echt ro-
bust und sehr flexibel in der Bildbe­
festigung, ist eine Kofferstaffelei. Wie
der Name schon sagt, besteht sie aus
einem Koffer mit drei ausklappbaren
Beinen. Das macht sie sehr stabil und
bietet die Möglichkeit, Farben und
Pinsel zu transportieren. Das Beste
daran finde ich aber, dass die Misch-
palette hier vorne auf die geöffnete
Schublade gelegt werden kann. So
bleiben beim Malen die Hände frei,
um in der freien Hand ein Tuch zum
Pinsel­
abwischen zu halten. Ein toll
Die Basisausrüstung:
durchdachtes Patent, nur leider rela-
Mischpalette mit
Palettenstecker und Kofferstaffelei tiv schwer und noch dazu ein biss-
Bilderklemmbrett aus Bambus chen sperrig zu transportieren.

30 · Kapitel zwei
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Die Pochadebox Meine Pochadebox


Für alle, die ihre Hände frei haben Das ist mein »Patent Nr. 2«. Davon
wollen und es auch gerne leicht und baute ich schon so einige, jede ein
kompakt hätten, ist eine Pochadebox bisschen besser als die vorige. Unten
eine optimale Lösung. (»Pochade« ist seht ihr meine aktuelle Pochadebox,
das französische Wort für »Ölskiz- geknipst, als ich sie gerade ganz frisch
ze«. Die französischen Impressionis- fertig hatte (mittlerweile sieht sie
ten benutzten ähnliche Kisten.) Die natürlich nicht mehr so schön sauber
Grundidee ist eine Box, die an einer aus). Ich habe sie aus einer gekauften
leicht zu transportierenden Staffelei Holzkiste gebaut. Ich hake sie in zwei
befestigt wird. So eine Kiste besteht lange Schrauben ein, die ich in den
aus einem Deckel, der das Bild hält, Vorderbeinen einer Alustaffelei ver­­
und aus einer aufklapp­baren Misch- schraubte. Am aufgeklappten Deckel
palette. Im besten Fall dient sie auch kann ich die Malpappe mit Klammern
zum Transport der Farben und Pinsel, befestigen. Die Mischpalette lässt sich
eventuell sogar dem von Bildern. Die- seitlich aufschieben. Darunter, in der
se Boxen sind in Deutschland leider Die Klapp-Palette Kiste, befinden sich meine
noch eine Rarität, die Nachfrage ist Deswegen fing ich mit dem Basteln an. Farben und Pinsel. Wie
hier wohl einfach (noch?) zu gering. Oben seht ihr mein »Patent Nr. 1«, ich die gekaufte Kiste
- orderid - das mittlerweile mein Mann zum
exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 ganz genau verändert
-
Malen nutzt: eine aufgeklappte Holz- habe, was ich alles
kiste (Stiftebox) als Palette, die ich ergänzte, das zeige
in die V orderbeine einer normalen ich ausführlicher
Alustaffelei einhaken kann. Wie das auf der folgen-
im Detail von hinten aussieht, zeige den Seite, falls
ich euch auf Seite 33. Die Besonder- ihr sie nach-
heit hier ist, dass ich eine stabile Lö- bauen wollt.
sung gefunden habe, um die Malpap-
pe oben auf Augenhöhe anzubringen.
Die dafür notwendige Halterung, auf
der die Malpappe stehen kann, hat
mir ein Freund nach meinem Entwurf
mit dem 3D-Drucker ausgedruckt.

Links seht ihr eine gekaufte Pochadebox, die


es so hoffentlich bald auch bei einem deutschen
Händler gibt. Die meisten Pochadeboxen haben
ein Gewinde am Boden und werden damit auf
Fotostativen befestigt. Hersteller findet ihr in
meiner Linkliste am Ende des Buches.

Alles, was ich zum Malen brauche · 31


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1. Um meine Pochadebox von der vo- 2. Damit der Palettenschuber seitlich 3. In der Kiste habe ich, als Auflage
rigen Seite nachzubauen, braucht ihr herauszuziehen ist und einen Abstand für den Palettenschuber, innen an den
eine Holzkiste, diverse Holzleisten, zum Deckel bekommt, habe ich eine Seitenwänden dünne Holzbretter ver-
Magnete, Ösenverstärker sowie Stift­ Seitenwand gekürzt. Hinten habe ich leimt und außerdem eine Trennwand
halter.  Auf die passend zurechtgesägte passend zum Abstand der Schrauben, eingepasst. Damit der Schuber auch
Palette, die ich grau grundierte, kommt die ich den vorderen Beinen der Feld- von oben geführt wird, habe ich dün-
deckungsgleich eine dünne Kunststoff- staffelei verschraubte, Löcher gebohrt ne Kanthölzchen bündig mit der
platte. Die erleichtert das Reinigen. und Ösenverstärker verschraubt. Oberkante der Längsseiten verklebt.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Die Malpappe ist mit kleinen Häkchen, -
die
mit einem Gummiband verbunden sind, auf
dem Brett befestigt. W
  enn ich das Brett so
nach vorne drehe, kann ich darauf malen;
drehe ich es nach hinten, kann ich das
feuchte Bild im Deckel transportieren.
Das geht aber nur mit solchen recht
kleinen Formaten.

4. In die Ecken des Deckels habe ich


kleine Abstandhalter aus weichem
Balsaholz geklebt, in denen ich kleine
Stabmagnete versenkte. Das Brett, das
genau in den Deckel passt, hat dazu
passend auf Vorder- und Rückseite
kleine Metallecken bekommen. Seit-
lich habe ich zwei Schlitze gesägt, um So sieht das
die Malpappe mit einem Gummiband Haken-Gummiband aus.
auf dem Brett befestigen zu können.

32 · Kapitel zwei
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Die Holzbox hat die Maße


28 × 20 cm.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Das ist mein »Patent Nr. 3«, eine leichte Reisebox, eben-
Oben seht ihr, wie mein »Patent Nr. 1«, die Klapp-Palette, falls aus solch einer Stiftekiste gebaut. In den Deckel
die ich ebenfalls auf der vorigen Seite zeigte, an der Alu- schnitzte ich wieder Schlitze für das Hakengummiband,
staffelei eingehängt wird. Dadurch, dass die Beine schräg das die Malpappe hält. Meine Ölfarben füllte ich in kleine
auseinandergehen, kann sie nicht nach unten rutschen. Döschen. Zum Mischen nutze ich das Blatt eines Paletten­
Die Ursprungskiste ist eine Stiftebox, deren Scharniere blocks, das ich mit Magneten auf Metallecken befestige,
ich austauschte, damit sie stabiler sind, und in die ich eine die im Boden verklebt sind. Das farb­ver­schmierte Blatt
Aussparung als Halterung sägte. nehme ich nach dem Malen raus und kann das Bild in der
zugeklappten Kiste transportieren.

Die kleine Metalldose Es geht aber noch leichter (und kleiner): Mein »Patent
ist nur 16 × 11 cm groß. Nr. 4« – jetzt in einer Metalldose, was es etwas müh­
samer machte, die Schlitze für das Gummiband in den
Deckel zu bekommen. Dafür halten die Magnete, um das
Palettenblatt zu fixieren, leichter. Die Farben bringe ich
schon zu Hause auf die Palette. Diese Winzdose benutze
ich, wenn ich wandern gehe und es nicht ertragen könnte,
ein mögliches Motiv unterwegs nicht malen zu können.

Alles, was ich zum Malen brauche · 33


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Malplatten

Es gibt viele Malgründe, auf die ihr malen könnt. Ich per-
sönlich nutze ausschließlich Malplatten oder Mal­pappen.
Sie sind nicht teuer, es gibt sie in allen Formaten, und sie
lassen sich auch einfach mit dem Cutter zurechtschneiden.
Es gibt sie aus Karton, mit unterschiedlichen Leinwänden
kaschiert (weiß oder in Natur) oder als unkaschierte Holz-
faserplatten ohne Struktur mit glatter Oberfläche. Alle
­diese Malplatten sind bereits malfertig vorgrundiert, ihr Neben dem
klassischen Grundier-
könnt also sofort darauf losmalen. Ich persönlich empfinde weiß (Gesso) könnt
diese Grundierung aber meistens als zu saugend und mag ihr auch mit Acryl
es lieber, wenn die Farbe nicht so eindringt. Deswegen oder Untermalweiß (Ölgrundierung) grundieren.
grundiere ich sie meist noch mal selbst. Hier seht ihr Ich verwende aber am liebsten frische Farbreste, die nach
dem Malen auf der Palette zurückbleiben. Die ergeben,
­meine verschiedenen Grundierarten. vermischt mit etwas Gamsol, oft schöne Schmuddeltöne,
auch abgetönt mit dem Untermalweiß.  Aber Achtung!
Dass diese Grundierung für die Ewigkeit taugt, kann ich auf
keinen Fall garantieren!
So sehen die Mal­pappen
im Original aus. Wenn ich
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
sie mit Grundierweiß oder
Acrylfarbe grundiere, sind
sie weniger saugend. Je
Bilder, die ich nicht
nach Schichtdicke wird
mehr mag, schleife ich mit
auch die Leinwandstruktur
500er-Schmiergelpapier ab.
weniger deutlich.
Danach kann ich diese Mal-
pappen wieder grundieren
und erneut bemalen.

Ich mag es, meine Malpappen mit den


unterschiedlichsten Farbtönen zu grundieren.
So blitzt nirgendwo mehr die Leinwand
durch und ich muss nicht vollflächig
malen. Die dunklen eignen sich
hervorragend für Nachtbilder;
helle Farben helfen, die Farben
zum Leuchten zu bringen. Durch die
Übermalung alter Malpappen ergeben
sich oft besonders schöne Strukturen.
Probiert ruhig mal herum – auch wenn
sich manch ein Farbton später beim
Malen als Schnapsidee herausstellt.

34 · Kapitel zwei
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Achtung, frische Farbe! Der Transport

Viele schrecken davor zurück, draußen mit Ölfarben zu


malen, da die Bilder so langsam trocknen. Eine der mir am
häufigsten gestellten Fragen ist: »Kann man solche feuch-
ten Bilder überhaupt transportieren, ohne dass die ganze Reißzwecken, die
mit Klebeband auf
Oberfläche verschmiert?« Klar, kann man! Das Bild muss
einer Pappe
natürlich abgedeckt werden, um es heil nach Hause zu angebracht sind,
bekommen. Der Trick besteht darin, dass sich Abdeckung dienen als
und frische Farbe nicht berühren. Solche Abstandhalter Abstandhalter.
lassen sich prima mit Reißzwecken basteln. Entweder
ihr bestückt eine Pappe damit und legt diese auf das Bild, Gerade nach einer solchen Malreise bekomme ich dann
bevor ihr es in einer Mappe verstaut, oder ihr befestigt zu Hause, wenn all die Bilder mehrere Wochen trocknen
die Nadeln direkt auf der Innenseite des Mappendeckels. müssen, ein echtes Platzproblem. Dafür habe ich mir extra
Druck sollte dann natürlich nicht auf den Deckel kom- einen Ständer gebaut. Ihr könnt auch einen CD-Ständer
men, und er sollte auch nicht ver­rutschen können. Ab nehmen. Um die Bilder nach dem oberflächlichen Trocken
und an passiert es, dass im frischen Bild danach doch möglichst im Stehen aufzubewahren, habe ich, damit sie
ganz kleine Pikser zu sehen sind: Die kann ich mit der nicht aneinanderkleben, Topfdeckelhalter eines schwe­
noch feuchten Ölfarbe aber einfach wieder zuziehen. dischen Möbelhauses gekauft: Die kann ich sogar ganz
Wenn ich auf Reisen
- orderid male, stehe ich vor dem Problem, -
- exl42353123-3960889623 nach Bedarf- teleskopartig
transid auseinanderziehen.
exl42353123-3960889623 -
dass ich gleich einen ganzen Koffer voll frischer Ölbilder
transportieren muss. Dafür habe ich Schiebeleisten aus

Holz in einem Zeichenkoffer montiert: Als Abstandhalter
In diesem Ständer lasse
ich die noch feuchten Bilder
dienen hier halbe Rundhölzer, die die Berührungspunkte einige Wochen trocknen.
von Bild und Schiene minimieren.

So lose aneinander­
gelehnt, können die Bilder
im Topfdeckelhalter in
Ruhe weitertrocknen.

Solche Koffer habe ich


mir für verschiedene
Bildformate gebaut.
Am platzsparendsten ist es,
wenn immer zwei Bilder
Rücken an Rücken
in eine Lücke passen.

Alles, was ich zum Malen brauche · 35


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Pinsel und Spachtel

Bildtext

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Das sind die Pinsel, die ich zurzeit regelmäßig verwende. vor allem um harte Kanten bzw. feine gerade Linien zu
Sie variieren ab und an, grundsätzlich sind es aber nie be­ setzen oder um zufällige Strukturen zu erzielen. Die drei
sonders teure Pinsel, eher günstige Hobbypinsel.  Anfangs Gummipinsel (6, 7), auch Colorshaper genannt, verwende
wollte ich keine teuren Pinsel kaufen, da ich meine Pinsel ich, um bei Bedarf die Farbe wieder von der Malpappe zu
nicht immer sofort nach dem Malen sauber mache – ich schaben: um zu korrigieren oder um Akzente zu setzen,
hatte Angst, sie zu ruinieren. Ich stellte zudem schnell fest, wo die Grundierung der Malpappe durch den Farbauftrag
dass meine günstigen Pinsel alles machen, was sie sollen durchblitzen soll. Mit dem kleinsten kann ich ganz feine
– und noch dazu erstaunlich lange halten! Sie haben alle Zeichnungen in die noch feuchte Farben kratzen.  Aus
Kunsthaarborsten. Meine bevorzugte Form sind Flach- einem Teigschaber habe ich einen Schaber (8) geschnitzt,
pinsel (1) mit langen, weichen Borsten, die oben eine um die Palette zu reinigen. Daraus schnitt ich auch kleine
scharfe Kante bilden. So kann ich, wenn ich sie senkrecht Stücke für zufällige Akzente (9). Mit den Wattestäbchen
ansetze, feine Linien setzen. Ganz feine Linien ziehe ich (10) kann ich die Farbe ganz auswischen, z.  B. um hellere
mit dem 0er-Pinsel (2) – die Farbe muss dafür relativ flüs- Farbe über die Stelle malen zu können, ohne dass die Farbe
sig sein! Seltener nutze ich einen Katzenzungenpinsel (3) verschmutzt. Ganz unten waagerecht liegt ein Teleskop-
und einen Fächerpinsel (4). Dessen Stiel habe ich hinten Zeigestab (11), den ich als Malstock benutze. Ich lege ihn
angespitzt, damit kratze ich meine Signatur in die feuchte oben auf dem Malplattenrand auf, um meine Hand darauf
Farbe.  Außer Pinseln benutze ich noch Malspachtel (5), ab­stützen, wenn ich mal ein ruhiges Händchen brauche.

36 · Kapitel zwei
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Hier seht ihr eine blöde Angewohnheit von


mir: Ich halte den Pinsel wie einen Stift, sehr
fest und weit vorne. Bei anderen (sehr guten
meine relativ kleinen Bildformate eher große Pinsel, um nicht zu frickelig zu malen.

Malern!) habe ich jedoch beobachtet, dass


Die Pinsel sind hier alle in Originalgröße abgebildet. Wie ihr seht, benutze ich für

sie ihn weit hinten und ganz locker halten,


sie benutzen dann oft sogar die langstieligen
Modelle. Die Pinselführung wird dadurch
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - lockerer, weniger akkurat, das macht das
Bild lebendiger. Seit Jahren versuche ich
mir das ebenfalls anzutrainieren. Wenn ihr
gerade erst anfangt, gewöhnt euch am
besten gleich eine lockere Pinselhaltung
an und haltet den Pinsel weiter hinten!

Alles, was ich zum Malen brauche · 37


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Malmittel – es müssen gar nicht so viele sein!

Für die Ölmalerei werden (leider) immer auch Malmittel trocknende Mohnöl verwende ich, wenn ich meine Pinsel
benötigt. Sie verändern die Eigenschaften der Ölfarben, zwischen zwei Bildern nicht komplett reinigen will – die
machen sie flüssiger,
- orderid geschmeidiger, lassen sie schneller
- exl42353123-3960889623 -damit
transidbenetzten Pinsel bleiben über eine Woche
- exl42353123-3960889623 -
oder langsamer trocknen etc. Es gibt eine unüber­sichtliche geschmeidig.Wenn ich weiß, dass ich meine Pinsel längere
Anzahl verschiedener Substanzen. Viele von ihnen sind Zeit nicht benutzen werde, wasche ich sie gründlich mit
sehr gesundheitsschädlich und riechen (selbst draußen!) Pinselreiniger aus (siehe rechte Seite).
wirklich unangenehm. Ich habe über die Jahre einige
ausprobiert und die meisten wieder verworfen (oben im Für das fertige Bild verwende ich noch einen Firnis. Der
Bild abgesoftet dargestellt). Meine persönlichen Favoriten bringt die Farben schön zum Leuchten und gleicht matte
möchte ich euch hier vorstellen. und glänzende Stellen aus, die durch den Einsatz vom Mal-
mittel entstehen können. Für einen normalen Schlussfirnis
Beim Malen selbst beschränke ich mich jetzt auf nur noch müssen laut Hersteller die Farben komplett durchgetrock-
zwei verschiedene Mittel, die mir auch am wenigsten un- net sein – auf der Flasche steht was von 8 bis 12 Monaten!
gesund erscheinen. Zum Verdünnen der Farbe (vor allem Deswegen benutze ich den Firnis Gamvar (ebenfalls von
für die Untermalung) und zum Auswaschen der Pinsel Gamblin). Er kann bereits aufgetragen werden, wenn nur die
während des Malens verwende ich Gamsol von Gamblin. oberen Schichten handtrocken sind, denn diese können
Es entspricht in seiner Wirkung dem Terpentin, Terpin unter diesem speziellen Firnis weiter durchtrocknen.
oder Balsamterpentinöl, riecht aber nach gar nichts und Meine Auswahl ist nicht
ist laut Hersteller nicht gesundheitsschädlich (deshalb ist allgemeingültig, zeigt je­-
es auch nicht mit einem X markiert). Um meine Farben doch, dass ihr nicht so
geschmeidiger zu machen, benutze ich Leinöl. Zur Pinsel- viele Malmittel benöti-
pflege habe ich zwei weitere Mittel: Das sehr langsam gen werdet.
Palettenstecker für das Gamsol und das Leinöl

38 · Kapitel zwei
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Sauber! So reinige ich meine Pinsel

Ich benutze einen tensidfreien Pinsel­ in den Reiniger und schäume ihn mit- nicht einfach so trocknen, weil die
reiniger, er ist öko­logisch abbaubar. hilfe einer Legoplatte auf. Nun w
­ asche Borsten sonst vorne nach einiger Zeit
Nachdem ich die restliche Farbe mit ich den Pinsel mit warmem Wasser auseinanderfächern. Deshalb klemme
einem Tuch aus dem Pinsel gedrückt aus. Wenn er danach noch Ölfarb- ich die Pinselspitzen zwischen gefal-
habe, wasche ich ihn kurz mit Gam- schlieren auf der weißen Legoplatte tete saugfähige Pappe in kleine Me-
sol aus. (In einem Schraubdeckelglas hinterlässt, mache ich das Ganze ein- tallklammern. So bleiben die Kanten,
aufbewahrt, kann ich es immer wie- fach noch mal. Da ich (wie bereits auch bei günstigen Pinseln, sehr lange
der benutzen, so schone ich die Um- erwähnt) gern scharfkantige
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 Pinsel fast wie neu. -
welt.) Danach tauche ich den Pinsel benutze, lasse ich meine Flachpinsel

Bitte benutzt möglichst kein Terpentin


oder Ähnliches zum Reinigen eurer Hände!
Beim Malen im Urlaub machte ich folgende
Entdeckung: Mit Sonnencreme sind die
ölfarbverschmierten Hände am leichtesten
und vor allem am hautschonendsten
zu reinigen.

Alles, was ich zum Malen brauche · 39


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Die Farben Diese Farben packe ich in der Regel ein.


Wie ich auf diese Auswahl kam und auf was ihr
achten solltet, wenn ihr eure eigene Auswahl trefft,
erkläre ich ab Seite 46, im Kapitel über das Mischen.

Nachdem ich meine ersten Versuche, draußen zu malen, mehr mischen, dabei lernt ihr eure eigenen Farben aber
mit Gouachefarben unternommen hatte, bin ich – erst auch am besten kennen. Wenn ihr mit eurer Auswahl
zögerlich, dann immer begeisterter – auf Ölfarben um- unzufrieden seid, tauscht die Farben nur sehr behutsam
gestiegen.  Was mich
- orderid bei den Gouachebildern am meisten
- exl42353123-3960889623 -und nicht alle- auf
transid einmal aus. Schon der gleiche Farbton
exl42353123-3960889623 -
enttäuschte, war das Verblassen der Farben, nachdem sie nur von einer anderen Marke verhält sich oft total anders
getrocknet sind.  Wie schön schmatzig glänzend sahen beim Mischen – er ist z.  B. stärker pigmentiert oder hat
dagegen die Ölbilder meines Kollegen aus, mit dem ich eine andere Deckkraft. Hier werdet ihr bestimmt ein
die ersten Bilder draußen malte. Das wollte ich auch! bisschen herumprobieren müssen.

Ich hatte noch alte, angebrochene Ölfarbtuben in der Angefangen habe ich mit Norma-Ölfarben von Schmincke.
Schublade und probierte sie einfach aus. Nicht nur, dass Mit denen kam ich auf Anhieb super zurecht. Zurzeit
die Farben noch gut waren – das Malen machte mir damit benutze ich die tollen Farben von Old Holland (sie sind
auf Anhieb viel Spaß. Die Farben haben so geleuchtet und besonders hoch pigmentiert und dadurch recht teuer).
geglänzt, auch nach dem Trocknen, dass ich ab diesem Dafür haben sie die kleinsten, also leichtesten Tuben, die
Zeitpunkt nie wieder mit anderen Farben losgezogen bin. erhältlich sind. Es müssen nicht gleich teure Profifarben
Mein allerstes Ölbild zeige ich übrigens auf Seite 244. sein, aber je besser ihr werdet, umso mehr Freude
werdet ihr an guter Qualität haben. Im Handel gibt es oft
Hier seht ihr die Farben, die ich (meistens) benutze. Ich Starterpacks mit einer festgelegten Auswahl von Farben.
habe versucht, mich auf möglichst wenige zu beschrän- Bevor ihr wegen des günstigeren Preises zuschlagt, lest
ken. Zum einen ist es eine Frage des Gewichts, zum bitte erst im Kapitel über die Farben, auf was ihr bei
anderen erleichtert euch eine reduzierte Palette erstaun­ der Zusammenstellung eurer persönlichen Farbpalette
licherweise das Mischen. Wenn ihr immer nur die glei- achten solltet. Nur ein, zwei »unnötige« Farben im Paket,
chen (gut ausgewählten) Farben benutzt, müsst ihr zwar die ihr nicht benutzt, machen den Preisvorteil zunichte.

40 · Kapitel zwei
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Keine Angst vor Ölfarben!

All denen unter euch, die sich bisher nicht an Ölfarben Nachteile: Das sind der Bildertransport und das Reinigen
herangetraut haben, kann ich versichern, dass die als alla der Pinsel. Lösungen dafür habe ich euch ja auf den vori-
prima (mehr dazu ab Seite 74) bezeichnete Maltechnik gen Seiten gezeigt – so bleiben in meinen Augen also nur
nicht nur keine schwere Maltechnik ist, sondern ganz im noch Vorteile übrig. Viele haben vielleicht, so wie ich da-
Gegenteil: Sie ist gerade für Anfänger gut geeignet. Fehler mals, noch ein paar Ölfarben in der Schublade, die sie
lassen sich jederzeit korrigieren, da die Ölfarben nur sehr nach ersten Versuchen ewig nicht benutzt ­haben, aber zu
langsam trocknen. Das erlaubt ein sehr intuitives Arbei- schade zum Wegwerfen fanden: Testet mal, ob sie noch
ten. Man kann sowohl softe Übergänge als auch harte gut sind. (Ölfarben halten zum Teil unglaublich lange!)
Kanten malen. Die Farben verändern sich beim Trocknen
fast gar nicht, und die Leuchtkraft und Pastosität von Öl- Auf Seite 75 habe ich getestet, ob meine Malweise auch
farben ist großartig! Klar, gegenüber der Gouache- oder auf Gouache und Acryl übertragbar ist: Bis auf wenige
Acrylmalerei, deren Farben schnell trocknen und vor ­allem Ausnahmen ist sie es.
wasserlöslich sind, ergeben sich zwei organisatorische

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Ein Haufen alter Ölfarben – sie sind oft noch nach Jahren benutzbar!

Alles, was ich zum Malen brauche · 41


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 700, 24 × 18 cm


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Alles, was ich


Kapitel 3

über Farben weiß


Die Farben sind- natürlich
- orderid beim Malen das Allerbeste! -
exl42353123-3960889623 Falls ihr also
transid nicht selbst auf Entdeckungsreise gehen
- exl42353123-3960889623 -
Nachdem ich probiert habe, draußen ins Skizzenbuch zu wollt oder sich euch beim Malen Fragen auftun, habe
zeichnen, war ich schnell frustriert, da ich nicht ansatz- ich mein praktisch erworbenes Wissen über Farben für
weise einfangen konnte, was für eine Farbenvielfalt mich euch gebündelt.
bei den wechselnden Lichtstimmungen umgab. Die Far-
ben sind der Grund, warum ich einfach malen musste. Ich habe versucht, das für euch zu sortieren, und es in
folgende Unterthemen geteilt:
Als ich damit anfing, wusste ich nahezu nichts über Farb- O Farbton

theorien. Und um zu malen, muss ich eigentlich auch O Farbtemperatur

nichts über Farben wissen. Denn wir alle sehen in Farbe; O Farbsättigung

Farben sind überall und kein theoretisches Konzept. O Farbwert

All diese Farben, diese feinen Nuancen, wie sich Farben O Kontraste

mit dem Licht verändern, sind unglaublich spannend – da O Farbharmonie

habe ich schon echte Überraschungen erlebt (und erlebe


sie immer noch)! Aber mit der Zeit habe ich beim Plein- Damit das Ganze nicht zu theoretisch wird, erkläre ich
airmalen doch einiges darüber gelernt, entweder durch auch gleich, wie ihr das ganz praktisch beim Mischen der
Herumprobieren oder bei Kollegen abgeschaut. Farben umsetzen könnt.

Alles, was ich über Farben weiß · 43


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Der Farbton

Den Farbton zu bestimmen ist simpel: Alle Farben ge- sich diese unglaubliche Farbenvielfalt ganz wunderbar
hören einer Farbfamilie an. So gehören z.  B. alle Farben, entdecken. Schaut mal genau hin, wie viele verschiedene
die Rot enthalten (wie Orange, Rosa,Violett etc.) zu den Töne ihr schon nur im Laub eines Baumes entdeckt! Da
Rottönen. Doch nichts hat einfach nur seine Farbe. Über- ist nicht nur das helle Grün im Licht und das dunkle Grün
all, wo Licht ist, hat dieses direkt oder indirekt Einfluss auf im Schatten: Da ist das fast weiße Licht, wo das Blatt die
die Farbe, die wir sehen. Wenn ihr sagt: »Ah, die Blume Sonne reflektiert, das Gelb, wo die S­ onne durch die Blatt-
ist rot«, so nennt ihr nur deren sogenannte Lokalfarbe. adern scheint das Blau, das ihr im Schatten seht. Wenn
Diese rote Blume kann im Sonnenschein rosa, orange, ihr erst mal eure Sinne darauf eingestellt habt, werdet
violette und fast blaue Blütenblätter haben, je nachdem, ihr aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen! Und
ob sie gerade im Schatten oder in der Sonne sind. Vor glaubt nicht, dass ihr sowieso genau wisst, wie grün ein
allem unter freiem Himmel, bei natürlichem Licht, lässt Blatt zu sein hat.

Malt nicht, was ihr wisst – malt, was ihr seht! Erst wenn
ihr ignoriert, was ihr wisst, wenn ihr aufhört zu denken:
»Ah, Blätter, weiß ich: grün!«, erst dann seid ihr offen, um
all die Farbnuancen im Laub zu erkennen. Und erst dann
könnt ihr sie auch malen.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 479, 20 × 20 cm

Bild Nr. 630, 20 × 20 cm

44 · Kapitel drei
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Wie sich die grüne Lokalfarbe


der Bananenblätter durch das Licht
verändert, seht ihr hier: Im Schatten
wird das Grün bläulicher, in der
Sonne gelblicher. Am meisten
leuchtet das Grün dort, wo die
Sonne durch das Blatt hindurch-
strahlt. Da, wo das glänzende Blatt
die Sonne reflektiert, ist es fast
weiß. Im Schatten reflektiert die
Blattoberseite den blauen Himmel.
Wie ich all diese unterschiedlichen
Grüntöne gemischt habe (ohne auch
nur eine grüne Farbtube dabeizu-
haben), zeige ich euch auf Seite 53.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 748, 18 × 24 cm

Alles, was ich über Farben weiß · 45


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Das Mischen

Jetzt kommt das Tollste am Malen: Für all die vielen ver- welche Komplementärfarbe gehört, fällt euch das Mi-
schiedenen Farbtöne, die ihr draußen entdecken werdet, schen um einiges leichter. Ihr werdet dann viel weniger
braucht ihr nämlich nicht ebenso viele Farbtuben mit herumprobieren müssen – warum, erkläre ich auf den
euch herumzuschleppen. Denn ihr könnt sie mit relativ nächsten Seiten noch ausführlich.Wie genau die gemisch-
wenigen Farben fast alle mischen! Hier seht ihr einen ten Sekundärfarben und später die daraus gemischten
klassischen Farbkreis. Er zeigt, wie durch das Mischen der Tertiärfarben aussehen, hängt von der Wahl der Primär-
drei Primärfarben Gelb, Rot und Blau mit einer (!) ihrer farben ab. Bei diesem Farbkreis ist gut zu erkennen, dass
jeweiligen Nachbarfarben die drei Sekundärfarben ent- die Violetttöne nicht besonders leuchtend geworden sind.
stehen: Das sind Grün, Orange und Violett. Die Die Grüntöne sind eher gelblich, nur die Orange-
Sekundärfarben bestehen immer aus zwei Farben. töne leuchten so richtig. Das hat mit der Farbtem-
Die Farbe, die eine Sekundärfarbe nicht enthält, liegt peratur der hier verwendeten Primärfarben zu tun.
ihr im Farbkreis immer genau gegenüber. Das sind Da sie hier alle eher warm (also ein wenig rot­stichig)
die Komplementärfarben. Diese würden also die feh- sind, werden alle Farben dadurch warm ­gemischt,
lende dritte Farbe hinzumischen – sie würden diese was die warmen Orangetöne leuchten lässt. Zu den
somit komplettieren. W  enn ihr wisst, zu welcher Farbe Farbtemperaturen schreibe ich später noch mehr.

Dieser Farbkreis wurde aus relativ warmen


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 --
Primärfarben gemischt: einem eher orange­
farbenen Gelb, einem gelb­stichigen
Rot und einem rötlichen Blau.

46 · Kapitel drei
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Ich habe deswegen noch einen weiteren Farbkreis ange-


legt, dieses Mal mit eher kühlen (blaustichigen) Primär­
farben.  Alle daraus gemischten Sekundärfarben sind nun
Für diesen Farbkreis ebenfalls kühler. Das lässt vor allem das Grün und Violett
habe ich drei mehr leuchten, das Orange verliert dabei aber an Leucht-
kühlere Primärfarben kraft. Um alle Farben möglichst leuchtend mischen zu
miteinander vermischt:
können – ganz unabhängig davon, ob es eher warme oder
ein zitroniges Gelb, ein
Magenta und ein Cyan. ­kühle Töne sind –, wäre also eine Mischung aus beiden
Farbkreisen das Beste. Das Er-
gebnis davon seht ihr hier:

Es gibt verschiedene Theorien Das ist eine Kombination aus beiden


mit unterschiedlichen Farbkreisen. Farbkreisen, die die Farben jeweils
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Vor allem, wenn es um die Tertiär- am meisten leuchten lässt:
farben geht, driften sie auseinander. Jede Primärfarbe verwende
Johannes Itten benennt so die ich in einer warmen und
Farben zwischen den Primär- und einer kühlen Variante.
Sekundärfarben, die ich im Farbkreis
auf der linken Seite unbeschriftet
ließ. Denn ich halte mich an Goethe,
bei dem die Tertiärfarben immer
aus drei Farben gemischt sind
(siehe Seite 56).

Alles, was ich über Farben weiß · 47


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Meine Palette

Meine Auswahl, welche Farben ich mit nach draußen So eine reduzierte Palette zwingt euch natürlich zum Mi-
nehme, ergibt sich aus den Mischversuchen auf der vori- schen. Das wird euch am Anfang vielleicht etwas mühsam
gen Seite. Ich verwende die drei Primärfarben in beiden vorkommen, aber ihr werdet dadurch, dass ihr immerzu
Temperaturvarianten. Dazu verwende ich dann noch mischen müsst, auch schnell sicherer.  Außerdem lernt ihr
zwei unterschiedliche Weißtöne: Zink- und Titanweiß. die wenigen Farben viel besser kennen, da ihr sie ja stän-
Schwarz verwende ich gar nicht, denn pur erzeugt es auf dig verwendet. Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass durch
dem Bild tote schwarze Löcher, und beim Mischen tut es die Beschränkung auf wenige Farben automatisch eine
auch keiner Farbe so richtig gut. Es macht sie zwar dunk- gewisse Farbharmonie innerhalb des Bildes entsteht, da
ler, aber immer auch schmutzig. Deswegen habe ich statt ja jede gemischte Farbe nur diese wenigen Grundfarben
Schwarz zwei sehr dunkle Farbtöne auf meiner Palette: enthält. Ich habe das anfangs gar nicht wahrgenommen:
­Van-Dyck-Braun und Paynes-Grau. Diese beiden Töne Erst als ich mal eine ganz neue, »fremde« Farbe ins Spiel
habe ich nach der gleichen Logik wie meine Primärfarben brachte, merkte ich, dass ich richtig Mühe mit ihr hatte;
ausgesucht: Das Braun ist ein wärmerer, gelbstichigerer sie stach überall dort im Bild, wo ich sie einsetzte, sehr
Ton, das Grau ist blaustichig und somit kühler. Dadurch auffällig hervor.
ergänzen sich diese beiden Töne ebenfalls.

Insgesamt komme ich so auf zehn Tuben, die ich immer


dabeihabe. Ganz selten,
- orderid wenn ich weiß, dass ich eine be-
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
stimmte Farbe sehr oft brauchen werde (z. B. ein helles
Permanentgelbgrün, wenn ich im Frühling losziehe), dann Manche Sonderfarben, die ich
»gönne« ich sie mir als Extra-Tube. zum Mischen nicht brauche, die aber
doch mal im Motiv vor mir auftauchen,
nehme ich in ein luftdichtes
Döschen abgefüllt mit.

Das sind zurzeit »meine Farben«:


Zinkweiß (halbdeckend)
Titanweiß (deckend)
Scheveningen Gelb Zitrone (kalt)
Scheveningen Gelb hell (warm)
Scheveningen Rot hell (warm)
Magenta (kalt)
Cyan-Blau (kalt)
Ultramarin-Blau (warm)
Van-Dyck-Braun (warm)
Paynes-Grau (kalt)

48 · Kapitel drei
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Das ist meine Mischpalette. Sie besteht aus einer


dünnen Plexiglasplatte auf einer fertig gekauften weißen
Palette. Diese habe ich mit einem neutralen mittleren Grau
grundiert. Das erleichtert es, die Helligkeit des gemischten
Farbtons zu beurteilen.  Auf Weiß wirken selbst ganz helle
Töne oft zu dunkel. Ihr seht hier auch, wie ich meine
Farben anordne. Egal für welche Anordnung ihr euch
entscheidet – behaltet diese möglichst immer bei, damit
ihr eure Farben auf der Palette nicht suchen müsst.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Ich habe hier alle meine Farben relativ wild unter­einander sauber wischen kann. So verschmutzen meine Farben
gemischt, um zu zeigen, wie vielfältig ich mit meiner Aus- nicht beim Mischen. Beim Malen, im Eifer des Gefechts,
wahl mischen kann. Macht das am besten auch mal mit vergesse ich das leider ganz oft.  Anstatt den Farbton erst
euren Farben. Ihr lernt sie so besser kennen und könnt mit dem Spachtel zu mischen und ihn dann mit dem
dabei feststellen, ob eventuell weitere Farben überflüssig Pinsel aufzunehmen, stupse ich mit dem Pinsel direkt in
sind, da ihr sie selbst mischen könnt. V  ielleicht müsst ihr die frischen Farben und mische mit ihm. Dadurch muss
auch Farben ergänzen, da sie mit eurer Farbauswahl nicht ich den Pinsel viel öfter sauber machen und meine F­ arben
mischbar sind. werden schnell schmuddelig.  Andererseits passieren auf
dem Pinsel auch öfter so wunderschöne Farbzufälle, die
Die Farben habe ich bei dieser Übung alle mit dem Spach- dann auf dem Bild supergut passen – das hätte ich mit
tel gemischt. Der hat den Vorteil, dass ich ihn immer ganz sauber vorgemischten Farben nicht erreicht.

Alles, was ich über Farben weiß · 49


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Die Farbtemperatur

Bei der Zusammenstellung meiner Denn diesen Temperaturunterschied Doch dort, wo die Sonne reflektiert
Farbpalette ist die Farbtemperatur ja erkennt man nur in der Relation der wird, ist dieses Blau vom warm ge-
schon Thema gewesen. Jede Farbe beiden Blau zueinander. Ihr seht, es färbten Licht der Sonne überstrahlt.
hat eine eigene Farbtemperatur: Sie geht hier nicht um die absolute Farb- Deswegen ist das Blau nur im Schat-
kann kühl oder warm sein.  Als war- temperatur, das warme Gelb oder ten sichtbar. So also kommt es, dass
me Farbe gelten allgemein alle Rot- das kalte Blau, sondern um das Ver- wir blaue (kühle) Farben im Schatten
und Gelbtöne, als kalt werden Blau- hältnis der Farben zueinander. sehen und warme Farben dort, wo
und Grüntöne bezeichnet. Das ist die Sonne hinscheint.
­allerdings viel zu pauschal, wenn es Die Temperatur einer Farbe verändert
um die vielen Farbnuancen und ihre sich vor allem durch den Einfluss des
jeweilige Temperatur geht, die wir Lichtes.  An sonnigen Tagen gibt es
beim Pleinairmalen vor uns sehen. zwei Lichtquellen: die Sonne und den
Ein Blau kann sowohl kühl als auch Himmel. Diese beiden beeinflussen Beispiele für
warm sein oder genauer gesagt – die Farbtemperatur. Das Blau des warmes Blau:
und das ist der Knackpunkt – es Himmels wird überall reflektiert, vor Ultramarin
kann kühler oder wärmer sein. allem von waagerechten Flächen. Kobaltblau

Bild Nr. 447, 24 × 18 cm


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Beispiele für
kaltes Blau:
Cyan
Coelinblau

Bei meinem Bild vom Pumpwerk in


Darmstadt seht ihr, wie die (wenigen)
sonnenbeschienenen Wände gegenüber
denen, die im Schatten liegen, heraus­
stechen. Das hat weniger mit der Farbe
an sich zu tun, sondern vor allem mit
ihrer Temperatur.

50 · Kapitel drei
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Auch die Atmosphäre hat Einfluss


auf die Temperatur der Farbe. Denn
je w
­ eiter etwas von euch entfernt ist,
umso mehr Luft ist zwischen euch
und dem Objekt und desto bläu­
licher (und auch heller) werden die
Farben. Sie werden dadurch kühler.
Diesen Effekt könnt ihr euch ganz
wunderbar beim Pleinairmalen zu­
nutze machen, um Tiefe zu erzeugen.
Mehr dazu schreibe ich auf Seite 223.

Auch wenn es durch meine Beispiele


hier auf der Doppelseite so scheint:
Die Farbtemperatur hat überhaupt
nichts mit der Lufttemperatur und
Celsius zu tun! Es gibt auch kühles
Licht.  An bedeckten
- orderid Tagen dominiert
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
das wolkige Grau des Himmels und
verschiebt so die Farbtempera­turen.
Besonders künstliches Licht ist oft
kühl.  Auf Glühbirnenpackungen z.  B.
wird die Farbtemperatur in Kelvin
angegeben: je höher, desto kühler. Bei
»kalt-weißem« Licht werden dann die
Schatten in der Relation zu den kühl
beleuchteten Stellen im Bild warm.

Bild Nr. 589 18 × 24 cm Durch das Blau des Himmels, das im
Schatten sichtbar reflektiert wird, wird das
Um die Farbtemperatur des Lichtes zu testen, könnt ihr ein warme Orange der Wand im Schatten
weißes Blatt Papier ins Licht halten. Durch das neutrale Weiß kühler, ebenso das warme Grün der Blätter.
erkennt ihr schnell, ob das Licht das Weiß eher gelblich oder bläulich Dieser Effekt ist auf dem waagerechten
färbt. Dann schaut euch an, wie ein Schatten, der auf das Papier fällt, Boden deut­licher zu erkennen als auf
gefärbt ist: Warmes Licht erzeugt kühle Schatten, kühles Licht der senkrechten Wand.
erzeugt warme Schatten.

Alles, was ich über Farben weiß · 51


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Farbtemperaturen mischen

Die Sache mit den Farbtemperaturen Wenn wir davon ausgehen, dass das Denn am Schluss geht es niemals um
ist manchmal nicht auf Anhieb zu orange Rot in diesem Farbkreis die die absolute Temperatur, sondern,
verstehen. Da sie aber so eine große wärmste Farbe ist, befindet sich die wie ich bereits erklärt habe, immer
Rolle beim Pleinairmalen spielt, ist es kühlste Farbe am weitesten von ihr um die Relation der Farben zueinan-
mir wichtig, dass da keine offenen entfernt, also gegenüber. Das wäre der. Mein Beispiel auf der vorigen
Fragen bleiben. Ich höre oft, dass das hier dann ein blaues Grün. Je nach­ Seite war ein warmes und ein kaltes
ja eine subjektive Einschätzung sei, dem, ob eine Farbe sich näher am Blau, Ultramarin und Cyan. Wenn ihr
als wie warm oder kalt eine Farbe Orange-Rot oder am Blau-Grün be- jetzt im Farbkreis schaut, wo diese
empfunden werden. So verbinden findet, ist sie wärmer oder kühler. platziert sind, könnt ihr erkennen,
einige Grün mit  Wärme, da sie dabei Ich nutze dafür auch gern die Ad- dass das Ultra­marin weiter weg vom
an den Frühling denken. Oder aber jektive »blau-« oder »rotstichig«, kühlen Blau-Grün ist als das Cyan.
sie verbinden Gelb mit Frische und um für mich zu beurteilen, wie warm Deswegen bezeichnet man dieses
somit Kühle (weil sie dabei an Bier oder kühl eine Farbe ist. Beißt euch Blau als wärmer.
denken?). Damit wir hier also nicht nicht zu sehr an diesen Begriffen fest,
an­einander vorbeireden, möchte ich sie sollen euch nur helfen, die Farb­ Diese Unterscheidung in »kühler«
das objektivieren. temperatur objektiver einzuschätzen. und »wärmer« hilft euch dann auch
beim Mischen dieser Abstufungen:
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - Ihr könnt der Farbe einfach eine
exl42353123-3960889623 -
wärmere Farbe hinzufügen oder
einen kühleren Ton beimischen, um
deren Temperatur anzupassen oder
­zu verändern.

Dieser Farbkreis soll


euch helfen, die Temperatur
einer Farbe objektiver einzuschätzen.

52 · Kapitel drei
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Kühles Gelb Warmes Gelb


und kühles Blau und warmes Blau
ergeben ergeben
ein kühles Grün. ein warmes Grün.

Kühle Grüntöne, Warme Grüntöne,


mit Titanweiß Kühle Farben, mit dem kühlem Das warme Grün, gemischt mit mit Zinkweiß
aufgehellt Grün gemischt warmen Farben aufgehellt

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Am Beispiel von Grün zeige ich euch, wie das am leich- Natürlich könnt ihr auch nachträglich die F­ arbtemperatur
testen geht. Um kühle Grüntöne zu mischen, ist es am noch korrigieren, auch wenn eure Grüns dann nicht mehr
einfachsten, das Grün, von dem ihr ausgeht, direkt aus ganz so leuchtend werden. Um ein warmes Grün wieder
einem kühlen Gelb und einem kühlen Blau zu mischen. kühler zu bekommen, mischt ihr am besten ein kühles
Wenn ihr dieses kühle Grün nun weiterhin mit kühlen Blau dazu. Ein kühles Grün wärmt ihr dann entsprechend
Farben mischt, bleibt ihr bei der Temperatur durchge- mit einem warmen Ton, wie Gelb oder Orange auf. Eine
hend im kühlen Bereich.  Analog dazu verfahrt ihr bei den ­Besonderheit ist das Aufhellen. Titanweiß mischt beim
warmen Grüntönen: Basis ist hier ein warmes Grün, ge- Aufhellen alle Farben etwas kühler. Dem könnt ihr durch
mischt aus einem warmen Gelb und einem warmen Blau, Beigabe von ein bisschen Gelb entgegenwirken. Zinkweiß
das ihr nun weiter mit warmen Farben mischt. verändert eure Farbtemperatur nicht.

Alles, was ich über Farben weiß · 53


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Die Farbsättigung

Mit Farbsättigung ist gemeint, wie farbig eine Farbe ist. begegnen wir in der Natur aber eher selten. Das Laub im
Also wie rot das Rot ist. Es kommt so aus der Tube und Herbst oder auch Blüten können im Sonnenlicht sehr
ist noch mit keiner anderen Farbe gemischt.  Aber auch leuchtend sein. Der Rest ist, ja nun … eher naturfarben.
ein bereits gemischtes Orange ist voll gesättigt, wenn es Doch menschengemachte Dinge, wie Kleidung, Autos
einfach »nur« orange ist, also nur Rot und Gelb enthält. und vor allem Lichter, sind sehr oft ganz besonders bunt
Diese Farben sind immer Primär- oder Sekundärfarben. und ergeben schöne Farbakzente im Bild.
Sie enthalten nur eine oder zwei Farben, niemals einen
beigemischten Weißton, ebenso ­wenig Schwarz (respek-
tive Braun oder Grau). Sie sind pur oder rein. Sie werden
auch als »leuchtend« bezeichnet. Voll gesättigten Farben Bei Sonne – vor allem bei Durchlicht, wenn man
gegen das Licht schaut – sind die Farben
sehr gesättigt und fangen dadurch an zu leuchten.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 622, 25 × 15 cm

54 · Kapitel drei
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 549, 24 × 18 cm Ohne Sonne fehlt das Licht, um die Farben
zum Leuchten zu bringen.

Je trüber das Wetter ist, desto unbunter werden dann die rückzuhalten. Deswegen schien auf all meinen Pleinair-
­Farben. Die Farbsättigung bzw. deren Abnahme richtig zu bildern immer die Sonne, unabhängig vom echten Wetter.
erkennen ist ganz wichtig, um die Stimmung vor Ort ein- Es reicht dann auch nicht, einfach »dreckiger« zu mischen.
zufangen. Als Kinderbuchillustratorin bin ich es gewohnt, Wie ihr das Entsättigen der Farben beim Mischen mithilfe
immer sehr bunt zu kolorieren, deshalb war es für mich von Komplementärfarben steuern könnt, zeige ich euch
am Anfang recht schwierig, mich beim Farben­mischen zu- auf der nächsten Seite.

Alles, was ich über Farben weiß · 55


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Farbsättigung brechen – das Entsättigen

Die äußeren Farben des Farbkreises sind alle absolut ge- Wenn ich die jeweilige Komplementärfarbe dazumische,
sättigt. Sie bestehen nur aus einer oder zwei Farben. Die besteht die neue Farbe immer aus drei Farben. Sobald
Primärfarben sind pur, sie enthalten nur eine Farbe. Die diese dritte Farbe ins Spiel kommt, wird die Farbe nicht
Sekundärfarben werden aus zwei Nachbarfarben ge- mehr so leuchtend, sie wird entsättigt – die Farbe wird
mischt, sie enthalten immer nur zwei Farben. »gebrochen«. Dabei entstehen all die anderen Farbtöne:
die Tertiärfarben. Je gleicher der Anteil der drei Farben
zueinander ist, umso mehr nähert sich dieser Farbton
einem schmuddeligen Braun. Es ist, als würden die drei
Farben sich gegenseitig in ihrer Farbigkeit aufheben.

Wenn eine Farbe erst einmal gebrochen wurde, könnt


ihr sie nachträglich nicht mehr so richtig zum Leuchten
bringen. Die dritte Farbe in der Mischung bekommt ihr
nicht mehr raus. Nachträglich entsättigen lässt sich jede
Farbe dagegen natürlich sehr leicht.

Im Farbkreis links habe ich jede Farbe mit ihrer gegen-


- orderid - exl42353123-3960889623 -überliegenden Komplementärfarbe gemischt. Die Farbe
transid - exl42353123-3960889623 -
in der Mitte enthält alle Farben im gleichen Anteil.

Im Inneren
dieses Farbkreises Hier habe ich jeden der sieben recht dunklen
habe ich jede der äußeren Farbtöne aus dem Inneren des Farbkreises
Farben mit ihrer gegenüberliegenden mit Zinkweiß aufgehellt. So wird die schöne
Komplementärfarbe gemischt. Dabei entstehen Farbigkeit dieser Tertiärfarben erst sichtbar.
Tertiärfarben (sie bestehen aus drei Farben). Es ist, als würden die Pigmente erst durch das
Weiß wieder herausgekitzelt.

Wenn ich diese Farben weiter


untereinander mische, nähern sie
sich immer deutlicher einem Grau.

56 · Kapitel drei
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 469, 20 × 20 cm Da bei diesem Beet nur ein Teil der Blumen
Sonne abbekam und der Rest im Schatten lag,
leuchten durch den Kontrast zwischen Licht
Licht bringt die Farben am meisten zum Leuchten. Im
und Schatten die Farben so richtig knallig.
Schatten werden die Farben nicht nur dunkler, sondern
auch entsättigter. W
  ie bei der Farbtemperatur könnt ihr
euch diesen Kontrast schön zunutze machen: Neben un­
gesättigten Farben leuchten gesättigte Farben noch mehr.

Alles, was ich über Farben weiß · 57


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Der Farbwert – die Helligkeit

Der Farbwert sagt aus, wie hell oder dunkel eine Farbe Um die Beurteilung der Farbwerte zu üben, könnt ihr
ist. Dabei geht es auch wieder um die Relation der mal nur in Grautönen malen. Manche machen das vorab
Farben zueinander. Um die Helligkeit der zu mischenden als Skizze, bevor sie mit dem eigentlichen Bild anfangen.
Farbe zu beurteilen, muss ich die anderen Farben im Mo- Das kann eine Bleistift- oder Kohlezeichnung sein oder
tiv mit betrachten. Ist die Farbe heller oder dunkler als eine kleine Ölskizze. Es hilft sehr, das Motiv für sich sor-
die anderen Farben? tiert zu bekommen, es zu vereinfachen. Leider bin ich zu
ungeduldig, um mir Zeit für eine Graustufenskizze zu
Das Fiese bei der Beurteilung ist, dass das Auge sich nehmen, obwohl ich weiß, wie sinnvoll das ist. Ich kürze
blitzschnell anpassen kann. Das bedeutet: Je länger ihr das deshalb für mich ab: Ich lege die Helligkeiten in der
ins Dunkle guckt, umso heller erscheint es euch. Ihr Untermalung schon in Farbe an, damit ich einen Plan für
verliert dann schnell die richtige Relation der Farbwerte das Bild bekomme. So fixiere ich, wo die hellste und wo
zueinander. Um die absolut hellsten und dunkelsten die dunkelste Stelle im Bild ist.
Stellen in eurem Motiv zu bestimmen, gibt es folgenden
Trick: W  enn ihr eure Augen zusammenkneift, also blin-
zelt, reduziert sich das, was ihr seht, auf die Hell-Dunkel-
Kontraste. Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn ihr das
Motiv mit eurem Smartphone knipst und es auf dessen
Display betrachtet.
- orderid Die Kameraoptik, die viel weniger
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
ausgewogen belichtet als euer Auge, sowie die kleine An-
sichtsgröße ziehen das Motiv zusammen.

Das ist die Grauskizze des Bildes rechts, stark vereinfacht


in drei Graustufen: hell, mittel und dunkel. Sie ist ganz klein:
Das ist die Originalgröße. Ich habe sie jetzt erst
nachträglich zur Verdeutlichung gemalt und festgestellt,
dass das wirklich eine gute Übung ist!

Das ist mein »echter« Bildanfang, den ich


nach ca. 15 Minuten knipste: Ich lege
aus Ungeduld die Farbwerte meistens
in meiner farbigen Untermalung fest.

58 · Kapitel drei
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 691, 24 × 18 cm

Um das Motiv zu vereinfachen, ziehe ich die großen For- Ihr könnt euer Bild auch mit einer grauen Untermalung
men zusammen, verbinde viele kleine Schattenflächen zu beginnen, einer sogenannten Grisaille. Das bietet sich vor
einer großen. Wenn ihr euch über den Hell-Dunkel-Auf- allem bei Nocturnes an, das sind Bilder, die bei Nacht ge-
bau im Bild noch nicht ganz klar seid, malt ihr am besten malt werden. Denn je weniger Licht da ist, umso weniger
das Dunkle noch nicht ganz dunkel, das Helle noch nicht Farben werdet ihr sehen. Nachts sind tatsächlich alle
ganz hell. So könnt ihr bis zum Schluss noch ganz dunkle Katzen grau. Denen habe ich später noch ein eigenes Unter-
und helle Akzente setzen. kapitel gewidmet (den Nocturnes, nicht den Katzen).

Alles, was ich über Farben weiß · 59


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Farben aufhellen und abdunkeln

Primär- und Sekundärfarben pur

Mit Zinkweiß aufgehellt,


sind sie heller, aber noch leuchtend.

Mit Titanweiß gebrochen,


werden sie pastelliger und kühler.

Möchte ich eine Farbe aufhellen, mische ich eine hellere Um eine Farbe dunkler zu bekommen, mische ich sie mit
Farbe oder Weiß dazu. Ich benutze dazu vor allem Zink- einer dunkleren Farbe. Ich benutze kein Schwarz, habe
weiß. Das macht die Farbe heller, ohne sie zu sehr ins aber mit Van-Dyck-Braun und Paynes-Grau zwei sehr
Pastellige brechen zu lassen. Zinkweiß ist aber nicht so dunkle Farben auf meiner Palette. Beide machen die
deckend wie Titanweiß. Das verwende ich meist erst Farben beim Mischen zwar dunkler, aber pur gleichzeitig
gegen Ende des Bildes für die hellsten Stellen. Denn eine auch schmutziger. Um eine gesättigte Farbe sauber ab­
mit -Zinkweiß
orderid aufgehellte Farbe bekomme ich zur Not
- exl42353123-3960889623 -zudunkeln,
transidsollte nur wenig von der »fehlenden« dritten
- exl42353123-3960889623 -
wieder dunkler. Wenn aber erst mal Titanweiß mit im Farbe ins Spiel kommen. Wenn ihr euch den Farbkreis
Spiel ist, habe ich keine Chance mehr – alle Farben, die noch mal anseht: Ein kühles Rot mit Blau dunkler zu
damit in Kontakt kommen, werden »milchig« (wie das mischen ist eine gute Idee. Wenn euch das noch nicht
aussieht, seht ihr auf Seite 12 bei Bild Nr. 65). Doch das dunkel genug ist, könnt ihr ein wenig Paynes-Grau dazu
Tolle an der Deckkraft von Titanweiß ist, dass ihr es auch mischen. Da das eher blaustichig ist, wird das Rot nicht so
noch auf ganz dunkle Farben setzen könnt.  Achtet dabei sehr gebrochen. Um Gelb dunkler zu mischen, bietet sich
nur darauf, dass die dunklere Farbe darunter nicht zu ein Rot an. Damit das Ganze nicht zu orange wird, könnt
dick aufgetragen ist und euch in den Pinsel schmiert. ihr ein wenig Van-Dyck-Braun dazumischen. Das ist gelb-
Nehmt sie zur Not vorher mit einem Gummipinsel weg. stichig und ihr bekommt so ein warmes dunkles Braun.
Was ihr außerdem beachten solltet: Titanweiß verändert
immer auch die Temperatur der Farbe, es mischt sie kühler. Zum Abdunkeln der Farben, ohne sie zu sehr zu
brechen, gibt es kein Patentrezept. Der Farbkreis hilft
Eine weitere Eigenheit von Titanweiß ist, dass es im Ver- euch, die jeweils richtige Farbe zum Abdunkeln zu finden.
gleich zu den anderen Farben deutlich langsamer trocknet.

Fangt beim Mischen immer mit der helleren Farbe an, in


die ihr dann die dunklere Farbe mischt. Denn die dunkle-
re ist oft die höher pigmentierte, sie »schlägt« deswegen
mehr durch. So habt ihr mehr Kontrolle, wie viel ihr da-
von hineinmischt.

60 · Kapitel drei
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 707, 24 × 18 cm Der fast weiße Sand an der französischen
Atlantikküste lässt die Schatten, bedingt durch die
Reflexion des Himmelblaus, besonders knallig blau
leuchten. Wäre der Sand farbiger, würde diese Farbe
Die Farben werden im Schatten nicht einfach nur dunkler, sich mit in das Blau mischen und es entsprechend
sondern ändern auch, wie bereits erklärt, ihre Tempera- brechen. Noch reinblauer als auf dem hellen Sand
tur. In der Regel hat das Sonnenlicht eine warme Farb- werden die Schatten nur auf ganz weißem Schnee.
temperatur, im Schatten werden die Farben dadurch
blaustichiger. Das ist ganz praktisch, denn so könnt ihr
eine Farbe einfach mit einem Blauton dunkler mischen.
Das ist (an sonnigen Tagen) fast schon ein Patentrezept.

Alles, was ich über Farben weiß · 61


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Um eine Farbe nachzumischen, ist es Falls ihr eine schon mal gemischte
wichtig, ihr Umfeld zu berücksichtigen. Farbe, von der ihr später noch mehr
Eine Farbe für sich allein zu beurtei- braucht, nicht mehr ganz genauso
len ist fast unmöglich – und brächte hin­bekommt: Solche Farbvariationen
euch auch nicht viel. Denn auf eurem können eine Farbfläche ­wunderschön
Bild wird diese Farbe ja ebenfalls in beleben. Nutzt einfach solche »happy
ihrem Umfeld betrachtet. accidents« – nichts ist langweiliger als
ein perfekt gemaltes Bild!
Hier seht ihr, wie unterschiedlich ein
und derselbe Farbton abhängig von
seinem jeweiligen Umfeld wirkt.
Bild Nr. 607, 24 × 18 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Manchmal kann ich mich nicht zwischen
zwei Farben entscheiden: Ist das eher Cyan?
Oder doch mehr ein violettes Blau? Ist da
nicht auch Orange zu sehen? So ging es mir
bei dem Schatten dieser Düne: Ich setze dann
die Farben einfach nebeneinander –
damit treffe ich oft genau den Farbton.
Das Auge setzt diese drei Farben nämlich
wieder genauso zusammen, wie ich sie
gesehen habe. W   ürde ich die Farben, die ich
sehe, alle in einen Ton mischen, käme
etwas ganz anderes dabei heraus.
In diesem Fall ein grünliches Grau.

Wenn meine Mischpalette zu voll wird oder ich mehrere


Bilder hintereinander male, mache ich dazwischen meine
Mischpalette sauber, indem ich die gemischten Farben in der
Mitte mit einem Spachtel zusammenschabe. Die Schmuddel-
farbe, die sich dabei ergibt, hebe ich auf und schmiere sie an
den Rand meiner Palette. Mit ihr lassen sich ganz wunderbar
Farben brechen – ein bisschen wie mit einem Zufalls-
generator. Haltet eure Palette möglichst sauber, damit ihr bei
Bedarf jederzeit noch saubere Farben mischen könnt.

62 · Kapitel drei
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»Mischen completed« – das war jetzt alles, was ich Stimmung vor Ort möglichst genau einzufangen, meinen
euch über das Farbenmischen erzählen kann. Es wurde Eindruck wiederzugeben, ganz im Sinne der Impressionis-
zwar ein bisschen theoretisch, ich hoffe aber, alles so ten. Doch vielleicht seid ihr eher Expressionisten? Dann
gebündelt zu haben, dass das Prinzip dahinter klar wird. wollt ihr lieber bunte, ausdrucksstarke Bilder malen und
Denn das Mischen ist kein Hexenwerk, es hat eher seht die Farben vor Ort nur als Anregung. Doch auch,
was vom Kochen: Erfahrung hilft, und immer wieder wenn ihr eure Farben total frei wählt, hilft euch das hier
»abschmecken«, also mit der Originalfarbe in eurem Motiv Gezeigte, diese Farben genau so mischen zu können, wie
vergleichen, ob der Farbton so stimmt. Es ist ganz normal, ihr sie haben wollt, und dadurch ungewollte Schmuddel-
dass am Anfang einiges noch nicht klappt.  Auch ich mische töne zu vermeiden.
noch ganz oft nach dem Trial-and-Error-Prinzip.
Ich hoffe, ihr könnt nun auch besser nachvollziehen, nach
Apropos Kochen: Auch wenn ich hier Beispiele zeige, wie welchen Kriterien ich meine Farben ausgewählt habe, die
ich meine Farben mische, gibt es keine genaue ­Anleitung, ich nach draußen mitnehme. Denn so könnt ihr euch
kein Rezept, wie: »Nimm dieses und jenes, und du be- eure eigene Farbpalette zusammenstellen. Und zwar un-
kommst das.« Zum einen bräuchte man dazu e­xakte abhängig von der Marke oder den Farbnamen (die jeder
Mengenangaben (0,23 mg?) sowie exakt die ­gleichen Far- Hersteller einigermaßen frei wählt). Im besten Fall müsst
ben von derselben Marke. Zum anderen – und das ist das ihr nicht alle Farben neu kaufen.  Achtet einfach auf die
Entscheidende – sind Farben ja nie ­absolut, sondern im- Farbtemperaturen eurer Primärfarben – und mischt sie
mer relativ, abhängig von ihrer Umgebung. Ich kann ja untereinander, um zu sehen, ob sie sich ergänzen.
nicht wissen, zu -welcher
- orderid Tageszeit ihr malen werdet, bei -
exl42353123-3960889623 transid - exl42353123-3960889623 -
welchem Licht und welche Farben ihr vor euch haben
werdet. Es führt kein Weg daran vorbei, selbst zu üben,
Farben zu erkennen und nachzumischen.

Ob ihr ganz exakt den richtigen Farbton, den ihr vor Um »abzuschmecken«, ob mein
euch seht, gemischt bekommt, ist erstaunlicherweise gemischter Farbton stimmt, halte ich den
mit Farbe gefüllten Pinsel vor mein Motiv.
gar nicht so entscheidend dafür, ob euer Bild am Ende Oft funktioniert das ganz gut. Beides, Motiv
»stimmt«.Viel wichtiger sind die korrekte Farb­temperatur und Pinsel, sollte aber im gleichen Licht sein.
und vor allem der Farbwert. Wenn innerhalb dieser Denn wenn ich im Schatten stehe, mein
beiden die Relationen zueinander stimmen, stimmt auch Motiv aber Sonne abbekommt, funktioniert
dieser Trick leider nicht.
euer Bild. Hier dürft ihr nicht mogeln: Haltet euch mög-
lichst genau an das, was ihr vor euch seht.  Aber das ist ja
das Gute am Draußenmalen: Die Vorlage ist direkt vor
euch – ihr dürft einfach abmalen!

Unsere Farbwahrnehmung und vor allem ihre Deutung


ist so individuell wie unsere Geschmäcker. Mir persönlich
ist es sehr wichtig, die Farben, die ich sehe, so exakt,
wie ich kann, nachzumischen. Das hilft mir sehr dabei, die

Alles, was ich über Farben weiß · 63


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Die Kontraste

Nachdem ich nun so viel über Farb­­­


töne, Farbtemperaturen, Sättigung und
Farbwerte geschrieben habe, ist es
nun an der Zeit, das alles zusammen­
zuführen. Denn darum geht es ja bei
dem Ganzen:  Wie wirkt nun alles zu-
sammen in meinem Bild? Die hier
erwähnten Farbmerkmale sind alle
relativ: Farben sind dunkler oder ­hel-
ler, kühler oder wärmer, gesättigter
oder gebrochener gegenüber den an-
deren. Dadurch entstehen Kontraste,
durch die das Bild erst lebendig wird.
Sonst wird es im wahrsten Sinne des
Wortes eintönig. Kontraste bringen
Stimmung und Spannung ins Bild, sie
erzeugen auch erst Tiefe.
Bild Nr. 278, 24 × 18 cm
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Das ist ein früheres Ölbild von mir, als ich


das Erkennen von Farben noch nicht so
draufhatte. Obwohl ich vermeintlich alle
Farben ganz genau gemischt habe, ist das
Bild … nun ja, man könnte »beruhigend«
sagen – oder es einfach langweilig nennen.
Das Originalbild oben hat, bis auf Hell-Dunkel,
fast keine Kontraste. Zur Verdeutlichung habe
ich es im Photoshop grob übermalt und dabei
die Farbtemperaturen angepasst und das Grün
im Schatten viel bläulicher und somit kühler
gemacht. Ohne dass ich das helle Grün vorne
verändert habe, fängt es jetzt an zu leuchten.
 Außerdem habe ich die Sättigung der Farben
nach hinten reduziert, sie heller gemacht und
auch die Farbtöne mehr variiert, damit das
Bild nicht mehr ganz so grün-in-grün ist.
Seht ihr, wie das Bild nun interessanter wird,
und vor allem auch mehr Tiefe bekommt?

64 · Kapitel drei
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Damit eine Farbe zum Leuchten gebracht wird, hilft es, gelenkt, denn die kontrastreichste Stelle im Bild zieht den
sie mit dunkleren oder ungesättigteren Farben zu umge- Blick automatisch auf sich. Deswegen ist es gut, wenn ihr
ben. Das Licht scheint erst warm im Bild, wenn ihm ein die Kontraste in eurem Bild bewusst steuern könnt.
kühler Schatten entgegengesetzt wird.  Außerdem helfen Mehr darüber schreibe ich später noch im Kapitel über
die Kontraste, das Bild zu lesen: Das Auge wird durch sie die Komposition ab Seite 211.

Dieses Bild ist per se kontrastärmer, da ohne


das Sonnenlicht die Kontraste mehr und mehr
verschwinden. Der Blick wird automatisch auf die
»spannendste« Stelle im Bild gelenkt, hier erzeugt
Bild Nr. 497, 24 × 18 cm durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Alternativtext (oder später zur Räumlichkeit?)

Alles, was ich über Farben weiß · 65


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Die Farbharmonie

Farben werden immer von ihrem Umfeld beeinflusst. Di- konsequent durchzieht. Es fällt sonst aus­einander und
rekt, durch die Beleuchtung, das Licht, abhängig von der wirkt, als wären unterschiedliche Tageszeiten zur gleichen
Tageszeit und dem Wetter. Und indirekt durch reflektier- Zeit in eurem Bild.
tes Licht, durch das Umfeld und die Farbe des Himmels.
Wenn ihr das berücksichtigt und ganz genau guckt, wird Der Farbton des Himmels, bedingt durch Wetter und/oder
das Bild fast von alleine harmonisch, denn ihr mischt alle Tageszeit, spielt bei der Farbharmonie immer eine große
Farben unter den gleichenVoraussetzungen. Das ­bedeutet, Rolle: Er beeinflusst indirekt alle Farben im Bild dadurch,
ein warmes Licht taucht sämtliche beleuchteten Stellen dass er an vielen Stellen reflektiert wird. Er taucht also
des Motivs in die gleiche Farbtemperatur, ebenso werden immer wieder im Bild auf. Besonders deutlich wird das
eure Schatten eine konstante Temperatur haben.  Achtet natürlich in Wasseroberflächen, aber auch auf Blattober-
darauf, dass ihr die eine Farbstimmung im ganzen Bild seiten oder insgesamt eher waagrechten Flächen.

Die Farbe des


Himmels spiegelt sich
in den Ebbe-Pfützen.
Da sonst auch nicht
viele verschiedene
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Farbtöne im Motiv
auftauchen, wirkt es
insgesamt schön
harmonisch.

Bild Nr. 595, 24 × 18 cm

66 · Kapitel drei
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 685, 24 × 18 cm Hier blitzt überall die rotbraune Grundierung durch und erzeugt so
eine Farbharmonie im Bild. Die einzelnen Zwischenschritte des
Bildes zeige ich auf der nächsten Doppelseite.

Die Farbharmonie kann auch ganz simpel erzeugt wer- Wenn ihr mit eurer reduzierten Farbpalette alle Farben
den, wenn ihr den Farbton, mit dem ihr eure Malpappe selbst mischt, enthält jede Farbe immer die Farben, mit
grundiert habt, beim Malen überall ein bisschen durch- denen ihr das restliche Bild gemalt habt. Dadurch habt ihr
blitzen lasst, sodass diese Farbe im ganzen Bild immer auch von vornherein eine durchgehende Farbharmonie.
wieder auftaucht. Wählt deswegen eure Grundierung Würdet ihr mischbare Farbtöne aus der Tube nehmen,
oder Untermalung passend zum Motiv. Mehr dazu schrei- könnte es sein, dass sie zu sehr herausstechen, unange-
be ich bei den Bildanfängen ab Seite 78. nehm auffallen oder irgendwie nicht ins Bild passen.

Alles, was ich über Farben weiß · 67


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Kornfeld

Schritt 1
Die Malpappe war schon vorab mit
rotbraunen Farbresten grundiert. Ich
legte die Silhouette der Bäume im
Hintergrund im dunklen Grün des
Schattens an und malte den Himmel.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Auf dieses dunkle Schattengrün der
Bäume setzte ich überall dort unter-
schiedliche Lichtgrüns, wo die Sonne
die Bäume beschien. Darauf setzte
ich »Himmelslöcher«, um die Fläche
aufzulockern. In diese malte ich ein
paar Linien als Baumstämme.
Nun kommt mein Lieblingsmoment
beim Malen: Mit Titanweiß mischte
ich einen deckenden Goldgelb-Ton,
den ich flächig auf die dunkle Fläche
des Kornfeldes setzte. Seht ihr, wie
die Sonne über das Feld fließt und es
sofort anfängt zu leuchten?

68 · Kapitel drei
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Schritt 3
Den hellen Lichtton des Kornfeldes
veränderte ich im Farbton, sodass er
zum Schatten hin oranger wird. Ich
ergänzte die Hochstände im Hinter-
grund und variierte die Baumkante
zum Himmel hin, damit dort nicht
eine Reihe sich gleichender Formen
nebeneinandersteht.
Außerdem fing ich im Vordergrund
mit den Details an. Um Tiefe zu er-
zeugen, fügte ich Überlappungen ein:
Schattige Halme ragen über die helle
Lichtfläche, sonnenbeschienene Hal-
me überlappen die Schattenfläche.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Das fertige Bild -
Im letzten Schritt musste ich jetzt
nur noch den Vordergrund lebendi-
ger gestalten. Ich entschied mich,
vorne noch mehr Sonnenflecke zu
setzen, damit dort mehr »passiert«.
Die vordersten Halme arbeitete ich
am detailliertesten aus, um das Ge-
fühl von Räumlichkeit zu vermitteln.

Alles, was ich über Farben weiß · 69


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Malt, was ihr seht, nicht was ihr wisst! Das Bouncelight

Auch wenn ich viel Theoretisches So kann es vorkommen, dass ihr im Schöne beim Pleinairmalen: Ihr müsst
über die Farben geschrieben habe – Schatten plötzlich Licht seht, wo ihr nämlich nicht wissen, wo das Licht
ihr müsst das alles nicht auswendig gar keins erwartet hättet. Das ist das rein physikalisch auftauchen müsste.
lernen! Es soll euch dabei helfen, ge-
nau hinzusehen, zu erkennen, was ihr
seht. Diesen Wahrnehmungsprozess
habe ich auch noch lange nicht ab-
geschlossen: Immer wieder entdecke
ich Farben an Stellen, an denen ich
niemals mit ihnen gerechnet hätte,
und kann nicht fassen, wie lange ich
sie wohl ignoriert habe – einfach,
weil ich sie nicht erkannte und nicht
verstand, was ich da sehe.

Ein sehr schönes Beispiel dafür ist


das Bouncelight (das indirekte Licht).
Alle- Flächen
orderidin der Sonne reflektie-
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
ren das Licht in viele Richtungen, es
hüpft sozusagen umher (deswegen
»bounce«, zu Deutsch »hüpfen«).

Hier wird das Licht der Spiegelung auf


der Wasseroberfläche unter den Torbogen
reflektiert und beleuchtet diesen von unten.

Bild Nr. 547, 18 × 24 cm

70 · Kapitel drei
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 423, 24 × 18 cm


Bouncelight – so hüpft das Licht.
Das warme Licht der Sonne wird vom
gelblichen Sand auf den bräunlichen Felsen
reflektiert, dadurch entsteht dieser
leuchtende Orangeton. Im Schatten
reflektiert das Blau des Himmels.

Es reicht, wenn ihr es durch genaues lich wärmer als die sie umgebende
Hinsehen entdeckt. Es ist ja alles vor Schattenfarbe. Dieser Kontrast lässt
euch! Die Farbe des Bouncelight ist sie immer wunderbar leuchten.  Auch
immer durch die Farbe des warmen die Sättigung ist dadurch, dass farbi-
Lichts auf der reflektierenden Fläche ges Licht auf eine farbige Fläche trifft,
bestimmt. Sie ist deswegen oft deut- immer sehr hoch.

Alles, was ich über Farben weiß · 71


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 682, 24 × 18 cm


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So male ich in Öl
Kapitel 4

Die Überschrift habe ich absichtlich sehr subjektiv ge- Den Anfängern unter euch hoffe ich den Respekt vor der
wählt. Es gibt so viele unterschiedliche Arten zu malen, Ölmalerei als angebliche »Königsdisziplin« zu nehmen.
und ich zeige euch hier nur eine der Möglichkeiten, wie Denn ich finde das Ölmalen nicht nur nicht besonders
ihr das, was ihr vor euch seht, mit dem Pinsel auf eure kompliziert, sondern ganz im Gegenteil ausgesprochen
Leinwand bekommt. Meine Art zu malen habe ich auch ­»bedienfreundlich«, da man das Bild während des Malens
nicht erfunden, sondern
- orderid mir über die Jahre bei anderen -
- exl42353123-3960889623 jederzeit korrigieren
transid kann. Doch auch für erfahrene-Öl-
- exl42353123-3960889623
Pleinairmalern abgeguckt.  Auch habe ich sehr viel herum­ maler kann das Pleinairmalen eine echte Herausforde-
probiert, übernommen, was ich gut finde, und verworfen, rung sein – zum einen weil man wegen des Zeitdrucks,
was für mich nicht funktioniert. der durch die Lichtveränderung entsteht, schnell auf den
Punkt kommen sollte; zum anderen durch das reduzierte
Natürlich sind mir am Anfang viele merkwürdige Sachen Material vor Ort.
passiert, vieles war für mich unerklärlich: W
  arum ich
eine bestimmte Stelle nicht noch mal deckend übermalen In diesem Kapitel zeige ich euch mit vielen Step-by-Step-
konnte, wie manchmal alles so ineinander ver­schmierte Beispielen, wie ich meine Bilder anfange und aufbaue. Da-
oder wieso ich Unmengen an Farbe brauchte, weil alles bei geht es nicht darum, V  orlagen zu liefern, um sie Schritt
im Untergrund versickerte.  Aber nach und nach kam ich für Schritt nachzumalen.Vielmehr will ich euch Wege zei-
immer besser zurecht. gen, wie ihr das, was ihr draußen vor euch haben werdet,
vereinfachen und in möglichst kurzer Zeit malen könnt.

So male ich in Öl · 73
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Der Farbauftrag

Für die Untermalung verdünne ich die Ölfarbe Für weitere Schichten nehme ich weniger In der letzten Schicht nehme ich die Farbe
mit Malmittel. Sie deckt dann zwar weniger, Malmittel. So werden die Farben immer dann oft ganz pur. Sie wird dann schön
trocknet aber zügig und bleibt übermalbar. deckender und bleiben relativ gut übermalbar. schmatzig, ist aber kaum noch zu übermalen.

Ich male alla prima, was bedeutet, dass ich das ganze Bild vom Gamsol. So wird meine Farbe immer deckender und
in nur einer einzigen
- orderid -gleichzeitig
Sitzung, also auf einmal, fertig male.
- exl42353123-3960889623 transid auch pastoser, also fester in ihrer Konsis-
- exl42353123-3960889623 -
Im Vergleich zur klassischen Ölmalerei gibt es nur wenig tenz. Wird sie zu pastos, um z. B. feine Linien damit zu
Technisches zu beachten. ziehen, kann ich sie wieder geschmeidiger mischen. In
den oberen Schichten verwende ich dafür aber kein
Wenn ich am Anfang die Farbe zu fett und zu satt auf die Gamsol mehr, sondern nehme Leinöl, damit die Farben
Leinwand setze, kann ich später nicht mehr drübermalen, nach oben hin fetter werden. Das Leinöl kann ich bei Be-
ohne die noch nasse Farbschicht beim erneuten Farbauf- darf als Übergang auch mit dem Gamsol mischen. W   ie ihr
trag mit dem Pinsel aufzunehmen. Das Ergebnis ist ziem- seht, kann ich auf diese Weise sogar sehr helle Farben
liches Gemansche, und das lässt die Farben schmuddelig deckend auf den dunklen Untergrund setzen.
wirken. Um mich an mein Motiv heranzutasten und nach
und nach weitere Farben auf die ersten Pinselstriche set- Richtig pastos solltet ihr erst gegen Ende des Bildes wer-
zen zu können, trage ich deswegen die Farbe am Anfang den. Denn die toll schmatzigen Pinselstriche, die das Ma-
verdünnt auf. Dazu benutze ich Gamsol als Malmittel, das len in Öl so schön lecker machen, werdet ihr nicht noch
ich in Kapitel 2 genauer beschrieben habe. Die Farbe mal übermalen können. Solltet ihr zu früh »in die Vollen«
wird dadurch dünner und auch weniger deckend – und gegangen sein, nehmt ihr einfach mit einem Spachtel oder
vor allem trocknet sie durch das Flüchtige im Malmittel Gummipinsel die Ölfarbe wieder vom Bild. So könnt ihr
relativ schnell. Wenn ich keine Vorzeichnung mache (die erneut über die betreffende Stelle malen. Der Farb­auftrag
ich mir bei einfachen Landschaftsmotiven schenke), lege ist auch hilfreich bei der Komposition: Dick aufgetragene
ich in dieser Schicht mein Motiv fest. Das ist dann meine Farben wirken weiter vorne, dünn gemalte (oder auch
Untermalung. Beim Weitermalen nehme ich immer weniger lasierende) Farbschichten treten optisch zurück.

74 · Kapitel vier
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Öl-, Acryl- und Gouachefarben im Vergleich

Um zu testen, ob das, was ich hier über meine Pleinair- die noch feuchte Ölfarbe für Korrekturen wieder vom
malerei in Öl schreibe, so auch auf andere deckende Bild zu nehmen, stoßen die beiden anderen Maltechniken
Farben übertragen werden kann, habe ich das kleine, ein- an ihre Grenzen.  Allerdings trocknen Acryl und Gouache
fache Motiv von der linken Seite noch mal Schritt für so schnell, dass das Übermalen jederzeit – egal in ­welcher
Schritt mit Acryl und Gouache nachgemalt. Da beide Schicht – viel leichter möglich ist.
Farbsorten wasserlöslich sind, habe ich hier als Malmittel
einfach Wasser genommen. V   on der Deckkraft her ist mei- Entscheidet einfach selbst, mit was ihr draußen malen wollt.
ne Arbeitsweise gut übertragbar, nur wenn es um das in Öl Meine Anleitungen beziehen sich zwar alle auf das Malen
typische Nass-in-Nass-Malen geht oder um die M­ öglichkeit, mit Ölfarben, vieles ist aber eins zu eins übertragbar.

Mit Gouache gemalt

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Das Ganze noch mal mit Acryl gemalt – seht ihr, wie die Farben sich beim Trocknen verändern?

So male ich in Öl · 75
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Baumstudie

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Schritt 1 Schritt 2
Mit dieser schnellen Studie zeige ich euch noch mal das Dann mische ich mir ein helles und ein dunkles Grün, das
Prinzip meines Bildaufbaus. Für den ersten Auftrag ver- ich nun mit viel weniger Malmittel verdünne. So werden
dünne ich die Farbe immer mit Malmittel. Sie ist dann fast die Farben gleich deckender. Das helle Grün setze ich auf
so dünn wie Wasserfarbe, sehr flüssig und nicht b­ esonders die Sonnenseite des Baumes, das dunklere Grün auf die
deckend. Bei einer weißen Grundierung lege ich diese Schattenseite. Einen mittleren Grünton mische ich aus
allererste Schicht immer flächig über die ganze Leinwand diesen beiden Grüntönen. Den setze ich zwischen die
an, um das Weiß zu »tilgen«. Hier habe ich mich auf einen anderen beiden Grüns. Ich versuche dabei, die Farben mit
Sepiafarbton beschränkt. Sonst nehme ich meist schon dem Pinsel nicht zu sehr ineinanderzuwischen, damit
die verschiedenen Farbtöne, die ich vor mir sehe. Um noch einzelne Pinselstriche erkennbar bleiben. Der Baum
mein Motiv zu vereinfachen, lege in dieser Unter­malung fängt nun langsam an, plastisch zu wirken. Wenn ihr euch
die dunklen und hellen Stellen fest. Dazu trage ich erneut einen Baum erst mal vereinfacht als Kugel vorstellt, fällt
Farbe auf, um die Deckkraft zu erhöhen, oder nehme sie es euch leichter, diese Plastizität auszuarbeiten.
mit dem Gummispatel wieder weg.

76 · Kapitel vier
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Schritt 3 Das fertige Bild


Da ein Baum aber keine Kugel ist, sondern oft Lücken im Im letzten Schritt arbeite ich die Details aus. Ich setze die
Blattwerk aufweist, wo der Himmel und die Äste durch­ Äste in die Himmelslöcher, male die Stämme und deute
blitzen, durchbreche ich die große Form, indem ich das Laub an. Das ist auch der Zeitpunkt für Korrekturen.
­»Himmelslöcher« male. Wenn das Grün sich dabei in das Ich habe die Farbtemperatur des dunklen Grüns um
hellere Blau mischen sollte und es verschmutzt, nehme einiges kühler gemacht, indem ich noch mal mit einem
ich mit dem Gummispatel die dunklere Farbe weg, bevor Blau drübergemalt habe. Das vermischt sich beim Auftrag
ich die hellere draufsetze. So bleibt sie ganz sauber. Ein mit dem Pinsel mit dem darunterliegenden Grün zu
Himmel ist übrigens nie einfach nur blau. Er hat immer einem dunklen Blaugrün.  Wenn ihr den Himmel, so wie
einen Verlauf, wird nach oben oft dunkler und wärmer, hier, erst später ergänzt: Malt ihn nie mit einem fetteren
nach unten heller und kühler. Ich nehme nach oben mehr Farbauftrag als den Rest (in diesem Falle den Baum).
Ultramarin, nach unten mehr Cyan. Schaut genau hin, Es wirkt sonst, als säße der Himmel vor dem Baum.
wenn ihr den Himmel malt.  Achtet auf seinen Helligkeits-
wert: Das ist wichtig für die Atmosphäre auf eurem Bild.

So male ich in Öl · 77
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Aller Anfang ist vereinfacht – der Bildanfang

Bevor ihr mit dem Malen anfangt, schaut euch euer Motiv Wie ich meine Untermalung anlege, hängt natürlich vom
erst mal in Ruhe an. Wenn ihr aus Ungeduld zu schnell Motiv ab – aber auch von der Grundierung. Ich male am
loslegt, rächt sich das später beim Malen. Nehmt euch liebsten auf farbig grundierten Malpappen. Das hat den
Zeit, um euren Bildausschnitt und auch die Komposition Vorteil, dass ich nicht alles zumalen muss (was ich trotz-
dem oft noch tue), und vor allem irritiert mich so das
­festzulegen. Dabei solltet ihr euch zuallererst mal fragen:
»Warum will ich genau dieses Motiv malen?« Mir fällt strahlende Weiß der Leinwand nicht. Solange Teile des
fast immer irgendwas Spezielles ins Auge (die schöne Bildes ganz weiß sind, sind diese immer die hellsten
­Spiegelung, ein besonderer Kontrast, wie der Schatten Stellen im Bild und überstrahlen die hellste Stelle des
Motivs. Das lenkt ungemein ab, denn die Relation der
fällt …). Das ist dann der Fokus: das, was mich interessiert
und was ich zeigen will.  Alles andere ist nur Kulisse. Hell-Dunkel-Werte zueinander wird dadurch verfälscht.
Darüber schreibe ich ausführlich ab Seite 212 im Kapitel Einen Nachteil haben farbige Grundierungen allerdings:
über die Komposition. Manchmal stehe ich etwas ratlos vor dem Bildanfang,
wenn die Farbe vermeintlich so gar nicht passt.  Aber ab
Das gründliche Betrachten eures Motivs hilft euch auch, und an ergibt sich gerade daraus ein schöner Farbeffekt,
es zu verstehen und es vor allem zu vereinfachen, auf den ich so niemals gezielt hinbekommen hätte. Es hat
das Wesentliche zu beschränken. Viele Pleinairmaler also durchaus auch Vorteile, mit weißen Malpappen los­
empfehlen, die Augen zusammenzukneifen, um das Motiv zuziehen und die Farbe erst vor Ort als Untermalung
- orderid - exl42353123-3960889623 -anzulegen:
besser erkennen zu können.  Als ich das am Anfang hörte, transidSo-könnt ihr sie gleich passend zu eurem Mo-
exl42353123-3960889623 -
dachte ich noch: »Hä? Dann seh ich doch weniger.« Aber tiv wählen. Achtet wie gesagt dann nur darauf, gleich im
genau darum geht’s! W   enn ihr die Augen so zusammen- ersten Schritt alles Weiß auf der Malpappe mit einer ganz
kneift, verschwinden sämtliche überflüssigen Details, die dünn flächig aufgetragenen Farbe zu tilgen, damit es euch
Kontraste werden deutlicher und viele kleine Flächen beim Malen nicht irritiert.
werden zu größeren Formen zusammengezogen. Es ist,
als würde man ein bereits (sehr reduziert) gemaltes Bild
­betrachten. Einen ähnlichen Effekt hat es, das Motiv mit
einem Smartphone zu fotografieren und dann auf dem
Display an­ zusehen. Erkennbar bleibt nur das große
Ganze. Und genau nur das zu malen, ist das Ziel. Macht
das während des ganzen Malprozesses: Malt am besten
nur, was ihr auch beim Blinzeln seht, nur das »braucht«
euer Bild. Der Rest sind (meistens) überflüssige Details.

So fange ich am häufigsten an: Ich male zuerst den


Hintergrund (Himmel, Horizont, Rasen etc.) und lege so die
komplette Farbigkeit fest. Das ist die Bühne für mein Motiv,
die ich möglichst einfach halte. (Bild von Seite 65)

78 · Kapitel vier
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Bei so kontrastreichen Motiven male ich zuerst den hellen


Lichtton und setze darauf nur die dunkelsten Farbtöne.
Die Pappe war weiß grundiert, das bringt das lasierende
Lichtgrün schön zum Strahlen. (Bild von Seite 160)

Auf bereits dunkel grundierten Malpappen


kann ich sofort mit den beleuchteten Stellen
im Bild anfangen. Das bietet sich besonders an,
wenn nur wenig beleuchtet ist und das Licht
sich schnell ändern wird. (Bild von Seite 122)

Verwendet für die Untermalung die größten Pinsel, die


ihr dabeihabt. So vermeidet ihr, zu früh schon zu genau zu
werden. Entscheidet euch auch später beim Weitermalen
im Zweifelsfall immer für den größeren Pinsel – nur wenn
ich ganz detailliert
- orderid werde und nur dort, wohin ich den -
- exl42353123-3960889623 transid - exl42353123-3960889623 -
Blick lenken will, greife ich zu meinen feineren Pinseln.
Gröbere, gut sichtbare Pinselstriche machen ein Bild viel
lebendiger und interessanter.

Um Verwechslungen auszuschließen:
Die Grundierung ist die Schicht, die ich bereits zu
Hause auf die Malpappe auftrage und die schon
trocken ist. Die Untermalung lege ich erst vor
Ort mit verdünnter Farbe an.

Wenn das Motiv vor allem aus dem Zusammenspiel von Licht und
Schatten besteht, lege ich die groben Formen in der jeweiligen
dunklen Schattenfarbe an, auf die ich später die Lichter setze. Dabei
ist es wichtig, die Untermalung wirklich nur ganz dünn aufzutragen,
sonst schmiert die dunkle Farbe später in die hellen Lichttöne.
Der Orangeton war hier die Grundierung. (Bild von Seite 232)

So male ich in Öl · 79
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Überschrift Wenn Perspektive ins Spiel kommt,


mache ich meistens lineare Vorzeichnungen.
So kann ich schneller beurteilen, ob die
Fließtext Komposition hinhaut, ob die Winkel stimmen
oder ob Gebäude »kippen«. Benutzt dafür
keinen Bleistift, der schlägt später durch die
Ölfarbe durch! Nehmt entweder Kohle
oder Buntstifte. Oder benutzt, wie ich hier,
einen dünnen Pinsel mit verdünnter Ölfarbe.
(Bild von Seite 225)

Vorzeichnungen könnt ihr auch mit


dem feinen Gummipinsel in die noch
feuchte Untermalung ritzen. So kommt
die (hier grüne) Grundierung wieder
zum Vorschein. (Bild von Seite 212)

Nachdem ich das Gröbste angelegt habe, ist der richtige


Zeitpunkt, um einen Schritt weg vom Bild zu gehen und
zu gucken, ob das alles so funktioniert. Mit etwas  ­Abstand
- orderid - exl42353123-3960889623 -werdet ihr Fehler
transid erkennen, die sich in eure Untermalung
- exl42353123-3960889623 -
eingeschlichen haben. Wenn ihr die jetzt nicht korrigiert,
schleppt ihr sie bis ins fertige Bild mit.

Dieses Zurücktreten solltet ihr beim Malen während des


ganzen Prozesses in regelmäßigen Abständen machen. Ihr
könnt die Proportionen oder Hell-Dunkel-Kontraste auf
einem Bild nur mit etwas Distanz richtig beurteilen.
Nur so seht ihr euer Motiv und das Gemalte nebenein-
ander und könnt es viel besser abgleichen. Außerdem
hilft euch dieses Innehalten, konzentriert zu bleiben. Und
auch ganz wichtig: Das fertige Bild wird später auch nicht
im Leseabstand betrachtet, sondern hängt wahrscheinlich
irgendwo an der Wand. Deswegen sollte es auch aus der
Distanz funktionieren und eine gute Fernwirkung haben.

Um bei einfachen Motiven die Komposition anzudeuten,


wische ich die Untermalung mit einem Wattestäbchen aus.
Bei diesem Motiv hat das noch dazu den Vorteil, dass sich das
Blau nicht mit in die Blüten mischt, wenn ich deren hellere
Farbe auf den Himmel setze. (Bild von Seite 181)

80 · Kapitel vier
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Völklinger Hütte, Bildanfang links von mir, rechts von Torsten Wolber In der Untermalung geht es immer darum, die großen Formen
vereinfacht anzulegen. Hier seht ihr, wie unterschiedlich solche
Bildanfänge aussehen können. So verschieden sie auch sind:
Völklinger Hütte,Torsten Wolber Beide legen die Komposition und Formen fest. Erstaunlicher­
weise sind die fertigen Bilder dann recht ähnlich geworden.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bei sehr schnell


flüchtigen Licht­
stimmungen fange ich
Bild Nr. 481, 20 × 10 cm
oft mit der Stelle des
Bildes an, die es »am
eiligsten« hat. Hier
war es das Licht auf
dem Paar. Diese
Stellen arbeite ich
gleich nach dem
Bildanfang schon
detailliert aus, bevor
sie verschwinden.
(Bild von Seite 217)

So male ich in Öl · 81
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Pochades – kleine Ölskizzen

Um ein Motiv besser in den Griff zu Manchmal bleibt es auch bei der
bekommen, hilft es mir auch sehr, Pochade und ich male das große Bild
wenn ich vorab kleine Ölskizzen, so- gar nicht mehr. Entweder weil ich
genannte Pochades, male. Durch das sehe, dass das Motiv so nicht funk-
winzige Format beschränke ich mich tioniert, oder ich habe so lange an
auf die großen Formen. Ich taste der Pochade gemalt, dass es ein fer-
mich dabei auch an die Farbigkeit tiges kleines Bild wurde. Ver­wendet
des Motivs heran und teste, ob mein zum Malen der Pochades am besten
Bildausschnitt funktioniert. Das Tolle trotz des kleinen Formats keine zu
dabei ist, dass ich die meisten Fehler kleinen Pinsel, nur so bewahrt ihr
schon auf dem kleinen Bild mache – euch das Skizzenhafte.
das große Bild entsteht danach ohne
diese Irrwege.

Diese kleinen Studien sind auch sehr


hilfreich, um ganz schnell »Schatten-
notizen« zu machen: Ich kann mich
dann beim großen-Bild,
- orderid während die
exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Schatten immer weiterwandern, an
der Pochade orientieren.

Pochade zu Bild von Seite 126

Diverse Pochades, je 9,5 × 8 cm

82 · Kapitel vier
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Malt nur, was ihr seht!

Was ich am Pleinairmalen so befreiend finde, ist, dass ich


mir nichts ausdenken muss. Ich habe alles vor mir und
muss nur malen, was ich sehe. Ein Kollege vereinfachte
das mal so: »Es geht nur darum, die richtige Farbe an ge-
nau die richtige Stelle im Bild zu setzen.«

Das Allerwichtigste dabei ist, genau hinzuschauen. Nicht


in dem Sinne, jedes Detail wahrzunehmen, sondern her-
auszufinden, was ihr wirklich seht. Denn erstaunlicher-
weise seht ihr gar nicht alles, was ihr glaubt zu sehen. Das Hier habe ich kein einziges Haus
kleine Dorf, das in den Dünen weit weg erkennbar ist, gemalt. (Bild von Seite 66)
besteht nur in eurem Kopf aus Häusern. Ihr wisst nur,
dass die roten Flecken Dächer sind, die weißen Flächen Und dasTempo  ist entscheidend:  Denn dieses ­vereinfachte
also die Hauswände sein müssen.  Aber sehen tut ihr vor Abmalen geht natürlich nur, wenn ihr euer Motiv beim
euch nur rote und weiße Flecken. Jetzt kommt das Tolle: Malen die ganze Zeit vor euch habt: V   iele sind am Anfang
Ihr müsst deswegen auch gar keine Häuser malen noch zu langsam, malen zu genau, verwenden zu kleine
können und nichts über Perspektive und Fluchtpunkte Pinsel. Dann sitzen sie so lange vor ihrem Motiv, bis es
wissen. Ihr braucht
- orderid einfach nur rote und weiße Flecken -
- exl42353123-3960889623 eigentlich gar
transid nicht mehr da ist (die Schatten sind- alle
- exl42353123-3960889623
malen. Denn alle werden später beim fertigen Bild die ge­wandert, plötzlich ist es bewölkt o.  Ä.). Nun müssen
Flecken in der Ferne als Häuser identifizieren und gleich sie also vieles malen, ohne es noch zu sehen. Das geht un-
denken: »Ah, ein Dorf!« weigerlich schief. Beeilt euch also beim Malen; kürzt ab, wo
es geht. Oder macht euch vorab Pochades als Notiz, wie
Unterfordert eure Betrachter bitte nicht. Euer Bild wird die Schatten fallen, wenn ihr wisst, dass sie sich zu schnell
dadurch interessanter und es gibt mehr darauf zu ent­ verändern. So habt ihr einen guten »Spickzettel«.
decken. Und das Beste: Diese Kürzel sind auch eine enorme
Zeitersparnis und helfen euch, schneller zu werden. Unnötig schwer macht ihr es euch auch, wenn ihr etwas
ins Bild malt, was nicht da ist. Obwohl ich es als Illustra-
torin durchaus gewohnt bin, so einiges aus dem Kopf zu
zeichnen, geht das auch bei mir beim Pleinairmalen fast
immer schief: Erfundene Sachen im Bild fallen immer auf,
denn ich male sie viel akkurater, da ich nicht mehr nur die
Farbflecken setze, die ich sehe. Ich male dann zu viele
Details, die ich nur weiß, im Motiv aber nie mit bloßem
Auge erkannt hätte.

Und hier malte ich weder Menschen


noch Autos. (Bild von Seite 224)

So male ich in Öl · 83
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Dünen

Schritt 1
Ich fing auf einer grau grundierten
Malpappe an und legte erst mal ganz
grob mit sehr verdünnter Farbe die
Umrissform der Düne in einem dunk-
len Schattenton an. Hinten fügte ich
den Horizont des Meeres hinzu.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Schritt 2
Darauf setzte ich den mit Titanweiß
gemischten hellen Lichtton des fast
weißen Sandes. Dabei ließ ich den
Schatten als Negativform stehen. Ist
das nicht irre, wie mit nur diesen
zwei Schritten die Düne entsteht?
Das ist, finde ich nachträglich, schon
ein richtig schönes Bild. Eigentlich
hätte ich hier schon gut aufhören
können. Da es mir aber gar nicht so
sehr (nur) um ein schönes Bild geht,
sondern darum, die Atmosphäre vor
Ort einzufangen, reichte mir das so
noch nicht und ich malte weiter.

84 · Kapitel vier
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Schritt 3
Nun malte ich den Himmel. So ein
Himmel hat nicht nur einen Verlauf
von oben zum Horizont hin, sondern
wird immer auch zur Sonne hin hel-
ler. So deute ich die Lichtquelle an,
ohne sie zu malen.
Das Blau des Himmels wird im Schat-
ten der Düne reflektiert. In den fast
senkrechten Flächen reflektierte zum
Teil das Licht des hellen Sandes. Dort,
im Bouncelight, mischte sich auch ein
Orange in den blauen Schatten.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Das fertige Bild
Im letzten Schritt ergänzte ich die
ganzen Details: das Dünengras, Äste
und die Brandung des Meeres. Nach
hinten legte ich das Gras flächiger
und auch kontrastärmer in einem
deutlich dünneren Farbauftrag an,
um Tiefe zu erzeugen.
Während ich malte, schrumpften die
Schatten zusehends:  Als ich nach ca.
60 Minuten mit dem Bild fertig war,
waren nahezu keine Schatten mehr
zu sehen (siehe kleines Foto links).
Da dieses Bild aktuell eines meiner
Lieblingsbilder ist, habe ich es auf
Seite 240 noch mal groß abgebildet.

Bild von Seite 240

So male ich in Öl · 85
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Waldweg

Schritt 1
Bei diesem Bild ging es mir um die
Sonnenstreifen im schattigen Kiefern-
wald hinter der Düne. Um sie durch
einen großen Hell-Dunkel-Kontrast
später richtig zum Leuchten zu brin-
gen, begann ich das Bild mit einer sehr
dunklen Untermalung.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Auf diese dunklen Farben setzte ich
nun die ersten Lichter. Wie schön die
rausknallen, oder? In diesem Schritt
könnt ihr schön sehen, wie viel mehr
Aufmerksamkeit eine Stelle im Bild
bekommt, wenn sie wie hier der ein-
zige »Held« im Bild ist. Der einzelne
Sonnen­streifen auf dem Sand zieht
den Blick total auf sich – ab da, wo
ich im 3. Schritt weitere Sonnen-
streifen ergänze, bekommt er sofort
Konkurrenz und verliert an Wichtig-
keit. Über diesen Effekt schreibe ich
später noch mehr im Kapitel über die
Komposition, wenn es um den Fokus
im Bild geht.

86 · Kapitel vier
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Schritt 3
Hier setze ich noch weitere Sonnen­
streifen, um diese schöne Lichtstim-
mung e­ inzufangen, und ergänzte die
Mitteltöne.
Außerdem machte ich mich an den
Hintergrund. Hier ging es mir vor
allem darum, ihn nicht zu wichtig
werden zu lassen – er sollte nur an-
deuten, dass die Szene im Wald liegt,
lediglich die Kulisse bilden.
Je weiter vorne und je heller eine
Stelle im Bild ist, desto dicker trage
ich dort die Farbe auf. Denn auch
der Farbauftrag erzeugt räumliche
Tiefe. Dunklere Stellen im Bild, mit
dünner, oder auch durchscheinender
Farbe aufgetragen, treten optisch
ganz zurück.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623
Das fertige Bild -
Der Kontrast zwischen dem Licht
und dem Schatten auf dem sandigen
Boden war mir dann doch zu stark.
Ich habe das Blau des Schattens des-
wegen nachträglich noch aufgehellt
und den Kontrast vor allem nach
hinten hin abgeschwächt. Die Grün-
töne auf der rechten Seite machte
ich deutlich kühler, damit die Grün-
töne links im Licht wärmer wirken.
Außerdem ergänzte ich den Rotton,
der sich durch die überall herumlie-
genden Kiefernnadeln im Sand ergab.
Das Bild wurde dadurch vielfarbiger
und lebendiger.
Im Vergleich zum Bild aus Schritt 2
hat das Bild zwar weniger Drama,
wirkt aber stimmungsvoller.
Bild von Seite 42

So male ich in Öl · 87
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Scheune
Schritt 1
Hier begann ich ausnahmsweise mit
einer linearen Vorzeichnung. Wenn
das Motiv bis fast unter meine Füße
reicht, neige ich dazu, zu »aufsichtig«
zu malen, als stünde ich auf einer Lei-
ter. Die Fluchtlinien helfen mir, die fla-
che Perspektive korrekt einzufangen.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Bei der Komposition habe ich ganz
bewusst darauf geachtet, dass die
Scheune nicht in der Mitte platziert ist
und die Bäume nicht im gleichen Ab-
stand zueinanderstehen. Denn solche
Symmetrien machen ein Bild schnell
langweilig.
In diesem Schritt legte ich die gro-
ßen Farbflächen an, um die Farbigkeit
zu definieren. Ich habe mich wegen
der Scheune für dieses Motiv ent-
schieden: Darauf legte ich meinen
Fokus, dorthin wollte ich den Blick
lenken. Der Rest des Bildes durfte
also nicht zu wichtig werden.

88 · Kapitel vier
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Schritt 3
Deswegen malte ich nun die Details
der Scheune. Um die Aufmerk­sam­
keit anzuziehen, arbeitete ich die vor-
dere Hausecke am kontrastreichsten
heraus. Das erreichte ich durch den
relativ großen Hell-Dunkel-Kontrast
sowie durch die harten Kanten zwi-
schen den Farbflächen.
Beim Malen des Himmels setzte ich
dessen Blaugrau auch in die Bäume,
um deren Form aufzubrechen.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Das fertige Bild -
Zum Schluss ergänzte ich wie immer
die Details. Hier besteht schnell die
Gefahr, zu viele Details in den Vor-
dergrund zu malen, da man dort ja
durch die Nähe die meisten D ­ etails
erkennt. Mehr Details und allzu spe-
zifische Formen würden aber nur
den Blick von der Scheune ablenken.
Vor allem zu den Rändern des Bild-
formats hin vermeide ich zu starke
Kontraste, die den Blick auf sich und
somit aus dem Bild herausziehen
würden. Die Kanten sollten also für
das  Auge so langweilig wie möglich
werden.

Bild von Seite 159

So male ich in Öl · 89
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Klippen
Schritt 1
Das war das erste Bild, das ich in der
Normandie (oberhalb von Fécamp)
malte – und ich war total hingerissen
von den Farben dort! Die Farbigkeit
legte ich in der Untermalung in groß-
zügigen Pinselstrichen fest.

Schritt 2
Nachdem ich den Himmel angelegt
hatte, verfeinerte ich
- orderid die Farbgebung
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
des Meeres. Ich definierte die Klip-
penformen noch genauer und malte
die sonnenbeschienenen W   iesen über
der Steilküste. Um Tiefe zu erzeugen,
wurde ich bei den Klippen nach hinten
immer heller.
Das fertige Bild
Gegen Ende erst fiel mir auf, dass
der Himmel im Vergleich zum Meer
viel heller ist. Da eigentlich die weni-
gen Lichtblitzer die hellsten Stellen im
Bild sind, habe ich ihn nun fast ein
bisschen zu hell gemalt. Doch durch
den Temperaturunterschied zwischen
dem hellen Blau des Himmels und den
gelblichen Lichtkanten ist der Kontrast
noch groß genug. Im Vordergrund blieb
ich bewusst dunkel und vage.
Bild Nr. 712, 30 × 15 cm

90 · Kapitel vier
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Palmlilien
Schritt 1
Hier war mein Motiv die Rückseite
der Düne im letzten Licht. Ich legte
die Komposition ganz grob in den
dunklen Schattenfarben an.

Schritt 2
Ich setzte die Lichtflächen und die
blauen Schatten. Dort, wo die Düne
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - zum Vordergrund hin ausläuft, reflek-
exl42353123-3960889623 -
tiert das Licht des kleinen Hügels
davor und wirft ein warmes oranges
Bouncelight in den sonst bläulichen
Schatten.  Außerdem ergänzte ich hier
die Gräser, vorerst ebenfalls relativ
dunkel.

Das fertige Bild


Auf diese dunklen Gräser setzte ich
nun die Lichter, ergänzte Details und
malte endlich das, was mein Auge so
gefesselt hatte: die vom Gegenlicht
beleuchteten Blüten der Kerzen-Palm-
lilien. Dafür legte ich sie erst in ihren
jeweils schattigen Farben an, um dann
die ganz hellen Töne drauf­zusetzen.
Der starke Kontrast der hellen Blü-
ten vor dem dunklen Dünenschatten
lässt sie so richtig leuchten.
Bild von Seite 154

So male ich in Öl · 91
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Aufhören, wenn es am schönsten ist – das Bildende

Hier kommen wir zu einem Thema, mit dem fast alle, die irgendwas Interessantes im Motiv, von dem ich glaube,
malen, kämpfen: die Kunst des rechtzeitigen Aufhörens. dass mein Bild das unbedingt noch braucht (was nur in
Wann ist mein Bild eigentlich fertig? Je weiter ich mit den seltensten Fällen stimmt). Zum Bildende hin wäre es
dem Bild bin, umso mehr Spaß macht mir das Malen. Die gut, immer langsamer zu malen. Vor jedem Pinselstrich
größten Probleme habe ich gelöst, das ­Schwierigste habe abzuchecken, ob er genau so, genau da noch nötig ist.
ich jetzt zum Glück hinter mir. Das Bild ist schon so weit Allerdings erfordert das eine Menge Konzentration, und
­fortgeschritten, dass auch Passanten nicht mehr denken genau die geht nach und nach verloren. Ich merke das oft
können: »Das wird doch nix.« Ich fühle mich ­ immer daran, dass ich anfange, meinen Körper wieder zu spüren:
­sicherer bei dem, was ich tue. Jetzt kommen die Details, die kalten Füße, Durst etc. Das ist ein deutliches Zeichen,
und das macht unglaublich Spaß! Doch gerade, wenn es besser nicht mehr so lange weiterzumalen.
am schönsten ist, solltet ihr aufhören!
Dieses Zu-viel-Malen passiert mir leider immer mal wie-
Tatsächlich kann ein Bild auch kaputtgemalt werden. Ich der. Seit ich meine Bilder zwischendrin für meine Step-
ergänze dann manchmal unnötige Details, gehe selbst über by-Step-Beispiele knipse, erkenne ich immer öfter, wo ich
»gute« Stellen noch mal drüber – meistens, weil ich sie den richtigen Zeitpunkt des Aufhörens verpasst habe. Das
nicht als solche erkenne. Oder ich entdecke jetzt noch ist zwar ärgerlich – aber ich lerne dadurch enorm dazu!

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


So sah dieser Maronenast nach ca. 45 Minuten Und dann malte ich noch 45 Minuten weiter.
aus. Den Hintergrund habe ich nur ganz grob Warum? Weil es so viel Spaß machte. Und weil ich den
angedeutet. Im Gegenlicht leuchten die Blätter Hintergrund doch nicht einfach ignorieren konnte! Und
und die Maronen haben einen schönen »Glow« da waren ja eigentlich mehr Blätter … Ein gutes Beispiel
vor der dunklen Fläche. dafür, dass ich nicht rechtzeitig aufgehört habe.

92 · Kapitel vier
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So sah der Höchster Markt nach ca. 30 Minuten aus. Und so nach eineinhalb Stunden. Irgendwo dazwischen wäre ein
guter Zeitpunkt zum Aufhören gewesen.

Wenn ich mit meinem Mann oder Kollegen male, ergibt unangenehm auffällt, wird mich für immer an diesem
sich oft folgender
- orderid Dialog: »Ich bin gleich fertig, und du?« -
- exl42353123-3960889623 Bild stören.- Jetzt
transid sind alle Farben noch gemischt auf-der
exl42353123-3960889623
– »Hab’s auch gleich, will nur noch schnell das und das Palette, sind noch feucht genug, um Korrekturen vor­
fertigmachen.« Dreißig (!) Minuten später: »Jetzt aber: zunehmen. Also genau der richtige Zeitpunkt, um
fertig! Obwohl, warte, hier hab’ ich noch was entdeckt«. vermeintliche Fehler zu korrigieren. Ich persönlich gehe
Gerade wenn man gemeinsam malt, gibt es aber auch die nur ungern zu Hause noch mal ans draußen gemalte Bild
großartige Möglichkeit, kurz innezuhalten und sich die – und nur in Fällen, in denen ich wirklich sicher bin, dass
Bilder gegenseitig zu zeigen. Dann kann man sich ich das Bild verbessere. Denn zu Hause neige ich durch
vielleicht kurz sagen, was vermeintlich noch getan den fehlenden Zeitdruck dazu, mein Bild totzumalen.
werden muss – um dann auch tatsächlich nur noch das zu
ergänzen. Wenn ich alleine male, versuche ich dieses Ge- Viele nehmen ihre Pleinairbilder als Basis und beenden
spräch mit mir selbst zu führen. Das hat erstaun­ sie entweder in aller Ruhe zu Hause – oder verwenden
licherweise einen ähnlichen Effekt. Ein ganz guter Trick, sie als Vorlage für größere Atelierbilder. Diese selbst
um sein eigenes Bild noch mal mit fremden Augen zu se- gemalten Vorlagen haben einen viel größeren Infor­
hen, ist es, es seitenverkehrt zu betrachten. Da ich mationswert als vor Ort geknipste Fotos, vor allem, was
draußen nie einen Spiegel dabeihabe, knipse ich es mit die Farbigkeit betrifft.
meinem Smartphone und kontere es digital.  Auf dem
Display fallen mir Fehler eher auf. Wenn euch die Zeit nicht reicht, um vor Ort fertig
zu werden, dann könnt ihr das Bild zur Not auch am
So oder so lohnt es sich, das Bild vor dem Einpacken nächsten Tag, zur gleichen Zeit am gleichen Platz in Ruhe
noch mal in aller Ruhe zu betrachten.  Alles, was mir jetzt beenden oder Fehler korrigieren.

So male ich in Öl · 93
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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 531, 25 × 15 cm


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Wo malen?
Kapitel 5

Den richtigen
Standort finden
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Ich habe schon an den unterschiedlichsten Stellen gemalt: d. h. meine Palette anpassen muss. Es ist schön, wenn ich
an Skihütten auf 2000 Meter über dem  Meer ebenso wie mir einen Ort dann »ermalen« kann und merke, wie ich
am Strand; allein in der Natur, im Trubel von Fußgänger- die Motive nach und »knacke«.
zonen; 1300 km von zu Hause entfernt und direkt vor
der Haustür.  Auf manche Orte war ich schon lange scharf Beim Malen sauge ich die Umgebung wie ein Schwamm in
und konnte kaum erwarten, dort zu malen; andere erga- mich auf. Obwohl ich ganz auf mein Motiv fokussiert bin,
ben sich fast zufällig. Und an einigen Locations kostete es nehme ich die ganze Atmosphäre um mich herum sehr
mich Überwindung, dort zu malen. Bei den ersten Bildern intensiv wahr. Meine Sinne scheinen besonders auf Emp-
an einem mir fremden Ort fremdele ich oft ein wenig: fang zu gestellt zu sein.Wenn ich später das dort entstan-
Das Licht und die Farben unterscheiden sich so sehr von dene Bild ansehe, weiß ich exakt, wie es sich an diesem
den mir bekannten, dass ich mich erst mal »einmischen«, Ort anfühlte, wie es sich anhörte, sogar, wie es roch.

Ich ziehe am liebsten mit dem Fahrrad los: So entfällt die


Schlepperei, und vor allem kann ich bei der Motivsuche innerhalb
von wenigen Minuten noch mal zurück an die Stelle, wo ich meine,
doch den besseren Blick zu haben.

Wo malen? · 95
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Wo soll ich malen?

Angefangen mit dem Pleinairmalen habe ich damals auf den höflich zurück, kommen nur zögernd näher und versuchen,
Streuobstwiesen rund um Frankfurt. Zum einen, weil ich möglichst nicht zu stören. Ihre Neugier ist ja auch nach-
es dort richtig schön finde, zum anderen, weil reine vollziehbar. Ich habe zum Teil schon sehr nette (aber auch
Natur auch leichter zu malen ist als Architektur. Und vor sehr schräge) Gespräche mit Passanten geführt. Einige
allem: weil ich dort ganz allein war. Denn eines wollte ich waren sogar ernsthaft an der Pleinairmalerei interessiert.
am Anfang auf keinen Fall: dass mich fremde Menschen Doch wohler fühle ich mich natürlich, wenn ich in Ruhe
sehen oder gar ansprechen. Dass jemand mein erst gelassen werde. Und wenn das schon mir so geht, die
angefangenes Bild sieht (oder auch das fertige) und denkt ich mich eher als extrovertiert bezeichnen würde, dann
oder sogar laut ausspricht, dass ich das ja gar nicht kann. kann die Aufmerksamkeit Fremder für introvertierte
Damals hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich Menschen durchaus ein Problem beim Pleinairmalen sein.
eines Tages an einem Sonntagnachmittag auf dem Platz
vor der alten Oper mitten in Frankfurt male. Irgendwann
bekam ich wohl eine Art Maler-Hornhaut.

Außerdem habe ich festgestellt, dass ich mir das Malen in


der Öffentlichkeit oft viel schlimmer vorstellte, als es
dann tatsächlich war. Die meisten Menschen halten sich
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Im  Alltag ziehe ich meistens spontan alleine los.  Ab und an, vor allem
im Urlaub, begleitet mich mein mittlerweile ebenfalls malender Mann.
Seltener treffe ich mich mit Kollegen. Einmal im Jahr verbringe ich mit
ihnen sogar eine ganze Malwoche (unseren Art Retreat, mehr dazu ab
Seite 228). Da ich in meiner Nähe keine anderen Pleinairmaler kenne,
habe ich mich den hiesigen Urban Sketchers angeschlossen. Das ist
eine große Community von Skizzenbuchzeichnern, die sich regelmäßig
zum Sketchen treffen. Unter ihnen bin ich zwar mit meiner Ölmalerei
ein Exot, habe mich aber mit ihnen schon an Orte getraut, an denen
ich allein niemals gemalt hätte. Urban-Sketchers-Gruppen finden sich
in jeder größeren Stadt, und sie sind immer über das Internet zu
finden (siehe Linkliste am Ende des Buches).

96 · Kapitel fünf
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Bild Nr. 684, 25 × 15 cm

Pleinairmalen für Schüchterne

Damit eure Schüchternheit euch nicht davon abhält, drau­ Mit der Zeit werdet ihr euch an die Öffentlichkeit ge-
ßen zu malen, gibt es einige Lösungen: wöhnen, schon aus der Erfahrung heraus, dass es nie so
O Sucht euch abgeschiedene Orte, an denen ihr euch wohl- schlimm war, wie ihr es euch vorher ausgemalt habt. Be-
fühlt.  Wählt Uhrzeiten, zu denen wenig los ist. ruhigt euch wieder selbst, arbeitet an eurer ­Einstellung.
O Ihr traut euch vielleicht eher, wenn ihr euch mit an- Denn die könnt ihr, im Gegensatz zu der Situation da
deren zusammentut, um gemeinsam zu malen. draußen, ändern. Bei mir ist es auch tagesformabhängig:
O Am  Anfang kann es helfen, im Rücken eine Hecke oder Mal fällt es mir leichter, mal schwerer, in der Öffentlich-
Mauer als Sichtschutz zu haben. So kann euch niemand keit zu malen.
unbemerkt über die Schulter schauen.
O Im Sitzen fallt ihr weniger auf als im Stehen. Aber es wäre doch echt schade, wenn wir uns in unserer
O Wenn ihr so gar nicht angesprochen werden wollt, setzt Motivwahl dadurch einschränken lassen. Und wie bei fast
euch Kopfhörer auf oder in die Ohren – egal ob diese allem, was Überwindung kostet, ist das Gefühl, sich doch
angeschlossen sind. getraut zu haben, ein durch und durch gutes!

Wo malen? · 97
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Die Wahl des Standortes

Ein guter Standort ist schon das halbe Bild – zumindest


fast. Wenn ihr abseits des Trubels malt oder bereits eure
Schüchternheit abgelegt habt, solltet ihr unbedingt im
Stehen malen. Ihr habt so einen höheren Blickwinkel und
seht den Schattenwurf auf dem Boden besser. V  iele Motive
eignen sich auch nicht so sehr für die Froschperspektive,
die ihr beim Sitzen einnehmt.

Doch ihr solltet vor allem im Stehen malen, weil ihr nur so
beweglich genug seid, um immer wieder ein paar Schritte
zurückzugehen. Erst wenn ihr euer Bild mit Abstand
betrachtet, könnt ihr das große Ganze besser beurteilen
(der Tipp mit der Mauer im Rücken ist also nur bedingt
zu empfehlen). Das Zurücktreten während des Malens ist
unglaublich hilfreich – mehr dazu habe ich bereits auf
Seite 80 geschrieben.  Ab und an, wenn ich müde bin oder
tatsächlich einen flacheren Blickwinkel malen möchte, setze
ich -mich auch. Ich musste
orderid aber feststellen, dass diese Bilder
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
dann nicht zu meinen besten gehören. Ich klebe zu sehr an
meinem Bild – und es ist so gemütlich und bequem, dass ich
oft zu lange daran male, was meiner Malerei selten guttut.
Diese vier bis fünf Schritte gehe ich beim
Malen immer wieder vom Bild weg. Ich
bekomme so das große Ganze in den Blick.
Das fertige Bild ist das von Seite 8.

Als ich das Bild von Seite 121


malte, habe ich gemütlich auf
dem Boden gesessen. Es wurde
deswegen für meine Verhältnisse
sehr detailliert.

98 · Kapitel fünf
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Sollte es gar nicht anders gehen und könnt ihr keinen


Abstand zu eurem Bild gewinnen – weil ihr im Sitzen
malt, eine Wand im Rücken habt oder das Gelände euch
nicht erlaubt, gefahrlos zurückzutreten –, dann ist mein
Tipp, dass ihr euch ein kleines Format vornehmt. Dann
reicht es auch, dass ihr euch sehr weit zurücklehnt, um
das große, äh, kleine Ganze besser beurteilen zu können.
Das Bild unten habe ich so im Sitzen gemalt. Es ist hier
fast in Originalgröße abgebildet.

Das war weit und breit der einzige


Schattenplatz mit einem guten Blick,
aber leider zu schräg zum Stehen. Mir
blieb also nur, mich zu setzen.

Bild Nr. 560, 20 × 10 cm


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Wo malen? · 99
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Der Vorteil eines schattigen Plätzchens

Achtet bei der Standortwahl darauf, dass die Sonne nicht


direkt auf eure Leinwand und die Mischpalette scheint.
Im prallen Sonnenlicht könnt ihr eure Farben nicht rich-
tig beurteilen, denn die Sonne mischt die Farben mit: Ihr
werdet alle Farben, ganz ohne es zu merken, so dunkel
mischen, dass sie nicht mehr richtig gesättigt sind und
dadurch an Leuchtkraft verlieren.
Dieses »leuchtende«
Auch wenn ihr dann eure Staffelei dreht, kann es sein, Herbstbild malte ich
in der prallen Sonne.
dass nun zwar eure Leinwand im Schatten steht, die Pa- Seht ihr, wie die Son­-
lette aber weiterhin in der Sonne ist. Dann werdet ihr ne sich beim Malen
beim Mischen ebenfalls merken, wie die Sonne mitmischt, »einmischte«?

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 620, 24 × 18 cm

100 · Kapitel fünf


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es auf der Leinwand aber direkt erkennen und bei Bedarf


korrigieren können. Das geht zur Not also. Total ver­
wirrend ist es, unter einem Baum zu malen. Sein Laub
spendet zwar Schatten, aber die Sonne wirft kleine Licht-
flecken auf Leinwand und Palette. Da werdet ihr beim
Mischen echt irre!

Den Schirm, den ich beim Malen nutze, habe ich folglich
nicht, damit ich keinen Sonnenbrand bekomme oder weil
es so pittoresk aussieht. Er soll vor allem meine Staffelei
schattieren. Und selbst wenn ihr einen schönen Schatten-
platz gefunden habt, achtet auf euer Umfeld: So kann eine
farbige Hauswand in der Nähe, die das Sonnenlicht auf
eure Leinwand reflektiert, eure Farben sehr verfälschen.
Das ist auch der Grund, warum ihr beim Pleinairmalen
möglichst dunkel angezogen sein solltet: Das Licht wird
von hellen Farben mehr reflektiert und landet so eben-
falls auf der Leinwand.  Außerdem kann es passieren, dass
sie sich in den feucht glänzenden Ölfarben spiegeln.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Hier male ich gemeinsam mit meinem Kollegen Torsten Wolber auf dem
Brandenburger Pleinairfestival.Wir benutzen zwei unterschiedliche
Schirme der Marke Bestbrella: Seiner, links im Bild, ist weiß und
schattiert nur leicht; meiner ist außen silbern und innen schwarz,
schattiert stärker (und macht es bei Regen deswegen schnell zu dunkel).

Die Sonnenflecken sind beim Bild von


Seite 72 nicht nur mein Motiv gewesen,
sondern waren auch beim Malen sehr
irritierend, weil sie über meine Leinwand
und die Palette flackerten.

Und noch etwas könnt ihr auf dem Bild


sehen: Torstens Pochadebox lässt sich sehr
weit öffnen, sodass das Bild und die
Mischpalette fast im gleichen Winkel sind.
Dadurch bekommen beide das gleiche Licht
ab, was beim Beurteilen der Farben hilft.

Wo malen? · 101
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Besondere Orte

Ein weiterer Vorteil, den das Malen


mit anderen hat: Besonders mit den
Urban Sketchers konnte ich schon
an ganz besonderen Orten malen. In
der Gruppe lässt es sich manchmal
viel einfacher organisieren, sogar dort
zu malen, wo es sonst vielleicht gar
nicht erlaubt wäre, wie in Weltkul­
tur­erbestätten oder auch in ­Museen.
Allein hätte ich mich nie getraut, ein-
fach mal zu fragen, ob das Malen dort
möglich ist.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Mit den Urban Sketchers habe ich schon


zweimal in der Völklinger Hütte gemalt –
und werde es bestimmt wieder tun!
Dort ist es einfach unglaublich, da werde ich
noch für Jahre tolle Motive entdecken!

Bild Nr. 521, 15 × 25 cm

102 · Kapitel fünf


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Das ist der Blick vom Skigebiet auf der


Seegrube, 2000 m über Innsbruck. Das ist
definitiv die bisher spektakulärste Location,
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - an der ich je malte.

Bild Nr. 261, 18 × 24 cm


Einige Orte sind schwerer zu errei- den lang bergauf schleppen. Mit einem
chen als andere: In Südtirol hätte ich Skilift habe ich es dann aber doch ein
so gerne mal auf einer dieser Hoch- anderes Mal auf einen echten Berg
almen gemalt. Ich wollte aber nicht geschafft – es war wirklich etwas ganz
mein ganzes Malgeraffel zwei Stun- Besonderes, dort zu malen!

Wo malen? · 103
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Bild Nr. 695, 24 × 18 cm


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Was malen?
Kapitel 6

Die Suche nach dem


passenden Motiv
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Wenn ihr mit offenen Augen durch die Welt geht, werdet macht genau das Alltägliche, vermeintlich Uninteressante,
ihr überall interessante Motive finden, auch in der un­ ein Bild erst interessant. Sehr oft fällt mir spontan irgend-
mittelbaren Umgebung. Ihr müsst gar nicht weit reisen. etwas ins Auge, was mich auf besondere Art und Weise
Vielleicht werdet ihr auch schon direkt vor der Haustür, anspricht und unbedingt von mir gemalt werden will.
im eigenen Garten fündig. Seitdem ich pleinair male, habe Sei es der schöne Schatten, den ein Baum gerade wirft,
ich einen ganz anderen Blick auf meine Umwelt, kann ein toller Ausblick in die Landschaft, die wie komponiert
manchmal gar nicht fassen, wie viel Schönes mich umgibt wirkt, oder auch mal etwas ganz Kleines, wie ein Licht­
– und das muss gar nichts Spektakuläres sein. Manchmal reflex auf einem Gartenzaun.

Was malen? · 105


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Das Bild im Kopf

Mein Anfängerfehler früher war, dass immer vergebens. Dabei rauschte ich finde dies zu schwer und das zu lang-
ich irgendein ganz bestimmtes Motiv dann an all den anderen tollen Sujets weilig. Das liegt dann aber nur in den
im Kopf hatte, eine exakte Vorstel- vorbei, für die mein Blick leider nicht seltensten Fällen an der Umgebung,
lung dessen, was ich malen wollte. So auf Empfang gestellt war. Heute ver- sondern fast immer an mir selbst.
habe ich vielleicht ein ganz tolles Bild suche ich möglichst komplett ohne
einer Pfütze gesehen: »Ach, wie schön ­Erwartungen, dafür aber mit offenen Wenn ihr sonst das Gefühl kennt,
die Spiegelung und auch deren Hell-­ An­tennen loszuziehen. Nur selten ist nicht zu wissen, was ihr malen sollt:
Dunkel-Kontrast ist! Das will ich es mal mühsam, ein geeignetes Motiv Das wird euch beim Pleinairmalen
auch unbedingt malen!« Dann bin ich zu finden. Dann bin ich furchtbar un- nur ganz selten passieren!
los und habe Pfützen gesucht – fast entschieden und zensiere mich selbst,

Das hier ist eigentlich gar kein richtiges Motiv.


Gemalt habe ich es nur wegen des Lichtstreifens. Dafür habe
Bild Nr. 660, 24 × 15 cm ich in dem Bild einen Pleinairmaler versteckt. Findet ihr ihn?

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106 · Kapitel sechs


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Bild Nr. 604, 19 × 19 cm Obwohl ich vom tosenden Atlantik und
wunderschönen Dünen umgeben war,
entschied ich mich, diese Buhnen zu malen
Wenn euch vermeintlich so überhaupt nichts malenswert – das Moos leuchtete einfach zu grün!
erscheint, hilft es, euch einfach mal umzudrehen. Ein Weg
kann in die eine Richtung total nichtssagend und langweilig
sein, aber hinter euch befindet sich das perfekte Motiv (das
ich leider oft genug erst auf den Rückweg entdeckt habe).

Was malen? · 107


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Malen, was man liebt?

Ich habe öfter den Tipp gehört, dass man malen solle, was Eine gute Gelegenheit dafür ist, nach einem ersten Motiv,
man liebt. Tatsächlich zieht es mich immer wieder an das ihr an einem Ort gemalt habt, nicht gleich zusammen-
Orte, die ich besonders mag. Ob es mir aber leichter fällt, zupacken um nach dem nächsten schönen Ort zu suchen.
diese zu malen, kann ich nicht sagen. Natürlich male ich Bleibt einfach dort, dreht euch ein wenig, und malt, was
dort öfter, übe also mehr, und dadurch gelingt mir das ihr sonst dort seht. Das spart nicht nur die Zeit, die ihr
Motiv irgendwann besser. Doch oft steht mir bei solchen für eine erneute Motivsuche bräuchtet, sondern solche
Motiven auch im Wege, dass ich ihnen unbedingt gerecht Motive zweiter Wahl ergeben oft verblüffend gute Bilder.
werden will. Ich bin dann schneller unzufrieden mit dem
Ergebnis als bei Motiven, die mir nicht so sehr am Herzen Auch mit anderen zu malen hilft, eure Umgebung mit an-
liegen. Setzt euch also nicht zu sehr dadurch unter Druck, deren Augen zu sehen und Motive zu entdecken, auf die
dass ihr Motive wählt, die euch besonders wichtig sind. ihr selbst nie gekommen wärt.
Malt zur Abwechslung Motive, die euch egal sind.

Das ist so ein typisches Nicht-gesucht-aber-gefunden-Motiv,


das ich beim ersten Bild vor Ort im Rücken hatte.
Ich hatte null Erwartung, und nun mag ich es ganz gerne. Bild Nr. 517, 30 × 15 cm
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108 · Kapitel sechs


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Natürlich könnt ihr euch auch ganz auf ein bestimmtes


Sujet konzentrieren. Es gibt einige Maler, die sich richtig-
gehend spezialisieren und immer wieder ein und dasselbe
Motiv in Abwandlungen malen. Wenn ihr da dann richtig
dranbleibt, werdet ihr dieses Motiv mit der Zeit wahr-
scheinlich nahezu perfekt malen können. Ein wenig kann
ich das nachvollziehen, denn ich liebe es, Seestücke zu
malen. Ich denke manchmal, wenn ich am Meer lebte,
würde ich nichts mehr anderes tun und irgendwann die
perfekte Welle malen.  Allerdings vermute ich, selbst
­
wenn mir das gelänge, wäre es mir persönlich wohl zu
eintönig, immer nur das eine zu malen.

Ich ertappe mich nämlich dabei, dass ich beim Betrachten


solcher Spezialisten-Portfolios nach anfänglicher Begeis-
terung, zu welcher Meisterschaft sie es gebracht haben,­

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Wellen, Wellen und …

schnell das Interesse verliere. »Ah, noch eine Welle. Ge-


nauso schön wie die davor.  Aber irgendwie auch ganz
genau so wie die davor.«

Ich weiß nicht, woran es liegt, dass mich manche Motive


so viel mehr ansprechen als andere. Und manchmal ist
es genau richtig, das zu malen, was normalerweise nicht
ins eigene »Beuteschema« passt. Daher hilft es mir sehr,
mit anderen zu malen und deren Motivauswahl einfach
zu übernehmen.

… noch mehr Wellen

Was malen? · 109


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1000-mal gesehen …

Immer wieder erlebe ich, dass ich Überhaupt habe ich festgestellt, dass
eine bestimmte Stelle oft passiere ich, seit ich male, ganz anders gucke.
oder betrachte, immer mit dem Es ist gar nicht mal, dass ich ständig
­Gedanken: »Das müsste ich eigent- nach möglichen Motiven Ausschau
lich mal malen«, das aber aus ver- halte. Es ist eher eine Verschiebung
schiedenen Gründen nicht tue. Zum der Wahrnehmung: Ich sehe Farben
Beispiel weil man dort nicht so gut statt Gegenständen, Schatten und
steht, weil es irgendwie die »falsche« Licht anstelle von Landschaften.
­Tageszeit ist oder weil es der Blick
aus der Hängematte ist (und ich dort
gerade so schön herumlungere).
Bild Nr. 580, 20 × 20 cm
Wenn ich dieses Motiv endlich doch
male, geschieht oft Erstaunliches: Als
hätte ich das Bild in meinem Kopf
schon hundertmal gemalt, sitzt plötz-
lich jeder Strich, weiß ich i­rgendwie
genau, was ich tue.
- orderid Das Gefühl ist
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
dann total irre!

Diese Cocktailtomaten habe ich über


mehrere Stunden, in der Hängematte liegend,
betrachtet, bevor ich sie dann in einer knappen
halben Stunde auf die Leinwand brachte –
als hätte ich sie im Kopf bereits gemalt.

110 · Kapitel sechs


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

An diesem Gatter bin ich einen Sommer lang immer wieder vorbeigeradelt – bis ich es endlich malte. Bild Nr. 338, 24 × 24 cm

Was malen? · 111


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Statische Motive malen

Wenn ihr es euch am Anfang leichter Verlasst euch am Anfang ruhig auf
machen wollt – was ich euch unbe- euer Gefühl. Wenn ihr denkt: »Puh!
dingt ans Herz legen will, damit ihr Das schaff ich doch nie!«, dann hebt
Spaß habt und auch Erfolgserlebnisse euch das Motiv lieber für später auf.
bekommt –, sucht euch zunächst sta-
tische Motive aus. Der Blick in eine
weite Landschaft bietet sich an. So
könnt ihr auch gleich üben zu verein-
fachen: nicht jedes Bäumchen und
Steinchen zu malen und euch auf die
großen Formen zu konzentrieren.
Das ist eines meiner allerersten Landschaftsbilder.
Obwohl ich es mittlerweile total anders malen
würde, mag ich es noch immer richtig gern.
Was ich anders malen würde? Ich würde definitiv
mehr auf die Farbtemperatur achten. Nach hinten
Bild Nr. 36, 24 × 15 cm würde ich deutlich heller und kühler werden.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

112 · Kapitel sechs


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Ein Baum von Nahem ist auch ein


schöner Anfang: Er hat eine klare,
deutliche Form, und die Veränderung
der Lokalfarbe in Licht und Schatten
ist gut zu beobachten. Außerdem
haben solche organischen Objekte
den Vorteil, dass es bei der Form kein
Richtig oder Falsch gibt: Ihr könnt
ganz unbeschwert drauflosmalen.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 433, 18 × 24 cm

Was malen? · 113


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Ihr könnt auch im Garten oder auf dem Balkon Blumen


malen oder euch kleine Stillleben und Arrangements bauen.
Solche Ensembles sind aber nur dann statisch, wenn sie
sich nicht im öffentlichen Raum befinden: Wie oft schon
wurde mir mein Motiv vor der Nase weg geklaut – das
Fahrrad weggefahren, Kistenstapel aufgeräumt, Fahnen am
Strand zum Feierabend von Rettungsschwimmern ein­
gesammelt. Oder ein Lieferwagen stoppte direkt davor.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 574, 15 × 15 cm

114 · Kapitel sechs


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Als ich diese Boote in Yport in der Normandie Bild Nr. 718, 24 × 18 cm
malte, musste ich die ganze Zeit befürchten,
dass der Fischer, der sich am mittleren Boot
zu schaffen machte, gleich damit rausfährt.
Zum Glück ließ er es aber, wo es war, und Gruppen von gleichen Objekten bieten auch ein dank-
versperrte mir nur ein bisschen die Sicht. bares Motiv. Manchmal sind sie so perfekt angeordnet, als
seien sie extra arrangiert worden, um gemalt zu werden.
Je ähnlicher sich solche Objekte sind, umso wichtiger ist
es, Wiederholungen zu vermeiden: Variiert die Größe,
Abstände oder Winkel zueinander. Sonst wird das Bild
schnell langweilig. Im Kapitel über die Komposition
schreibe ich dazu noch mehr.

Was malen? · 115


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Gebäude halten still

Am unbeweglichsten sind natürlich ergeben. Bei solchen Nahaufnahmen


Gebäude. Von denen könnt ihr erst spielt die Perspektive noch keine so
mal nur Close-ups malen, um euch große Rolle und ihr müsst auch kei-
heranzutasten.Vor allem alte Häuser ne so langen Geraden malen, was am
haben oft sehr liebevoll gestaltete Anfang etwas Übung erfordert.
Details, die besonders schöne Motive

Diese kleine Pochade habe ich ein ganzes


Jahr vor dem großen Bild gemalt. Ich wollte
sie eigentlich ganz »rough« halten, um gleich
im Anschluss das Motiv in Groß zu malen.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - Doch dann habe ich so detailverliebt auf das
winzige Format gemalt und so lange dafür
gebraucht, dass das Licht weg war.

Bild Nr. 557, 20 × 20 cm

116 · Kapitel sechs


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Das ist der spanische Turm in Darmstadt auf der


Rosenhöhe. Er steht seit Jahren leer. Ich malte
nicht nur das Haus, sondern mir auch die ganz
Zeit aus, wie es wohl wäre, darin zu wohnen.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Je frontaler ihr vor einem Gebäude


steht, desto leichter ist es für euch
sie zu malen, da die seitlichen Wän-
de, die perspektivisch nach hinten
fluchten, nicht zu sehen sind. Das
könnt ihr euch am Anfang bei der
Standortwahl zunutze machen. Auch
große organische Formen, die Teile
des Gebäudes verdecken, helfen zu
Beginn. Bei so spezi­fischen Formen
neige ich dazu, ein bisschen krampfig
zu malen.Wackler empfinde ich dann Bild Nr. 579, 18 × 24 cm
als Fehler. Doch mittlerweile habe ich
für mich herausgefunden, dass ein zu
akkurat gemaltes Bild sehr schnell ein
wenig »tot« wirkt.

Was malen? · 117


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Ups! Gebäude verändern sich doch!

Durch das Wandern der Sonne wan-


dern logischerweise auch die Schat-
ten. Gerade Gebäude können sich
dadurch sehr schnell verändern. Mal
verändert sich nur der Schattenwurf
von Simsen oder Erkern, mal liegt
eine komplette Hausseite plötzlich
im Schatten. Ganz statisch wird also
auch ein so unbewegtes Motiv wie
ein Haus (an sonnigen Tagen) nie sein.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Die Schattenkanten all der Verzierungen


bei diesem Altbau im Frankfurter
Nordend wurden minütlich länger.
Bild Nr. 448, 18 × 12 cm

118 · Kapitel sechs


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Und auch sonst sind Häuser, obwohl unbeweglich, kein


leichtes Motiv:  Anders als in der Natur, wo alles organisch
schief und krumm wächst, gibt es bei Häusern viele
Geraden. Diese fluchten perspektivisch. Da gibt es dann
ein Richtig oder Falsch, wenn ein Haus plötzlich seitlich
wegzukippen droht oder scheinbar schwebt. Mehr über
die Perspektive und vor allem, wie sie ganz einfach gemalt
werden kann, schreibe ich noch ausführlich ab Seite 222.

Je älter Häuser sind, umso windschiefer stehen sie da.


Das hilft ungemein, sie etwas freier und lockerer zu
malen. Nicht nur in Wirklichkeit, auch auf einem Bild
bekommen Gebäude mehr Charakter, wenn nicht alles
ganz gerade und parallel ist.

Das ist eines meiner allerersten Häuser­bilder.


Gemalt habe ich es im wunderschönen Riquewihr
im Elsass. Das war sehr herausfordernd für mich, an
so einem Touristenort zu malen. Denn so leer, wie
ich die Gasse malte, war sie natürlich nicht.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Dieser alte Wasserturm steht in Bild Nr. 611, 25 × 15 cm


Darmstadt am Hauptbahnhof.
In ihm befinden sich mittlerweile
Künstlerateliers. Das Licht, das durch
die Toreinfahrt fiel, war der Grund,
warum ich das Motiv malte.

Bild Nr. 133, 15 × 15 cm

Was malen? · 119


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Ganz nah dran

Wenn ihr irgendwie so gar kein schönes Motiv findet, genau ausgearbeitet. Es wurde dadurch für meine Ver-
dann geht doch einfach mal ganz nah ran: Close-ups sind hältnisse erstaunlich realistisch und wirkt ein bisschen
toll zu malen! Es fühlt sich dann manchmal so an, als steif. Das unten abgebildete Mohnblumenbild ist dagegen
würdet ihr geradezu in einen Mikrokosmos eintauchen. viel lebendiger und interessanter. Denn hier habe ich nur
Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, nicht jeden wenige der Blüten ausgearbeitet und den Rest bloß grob
einzelnen Halm zu malen, sondern das Gesehene stark zu angedeutet. Das Bild zeigt mehr den Gesamt­eindruck als
vereinfachen. Bei dem Wiesenbild auf der gegenüberlie- ein exaktes Porträt der Blumenwiese. Die Unschärfe so-
genden Seite habe ich das noch nicht so gut gehandhabt wie die Detailarmut weiter hinten erzeugen bei beiden
und habe im Vordergrund jede Blüte und jeden Grashalm Bildern eine räumliche Tiefe.

Bild Nr. 681, 30 × 20 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

120 · Kapitel sechs


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Bevor ich diese Wiese malte, habe


ich sie stundenlang, gemütlich im
Schatten auf einer Picknickdecke
liegend, betrachtet – deswegen
auch der extrem flache Blickwinkel.
Wie bei den Tomaten einige Seiten
vorher, ging das Malen selbst dann
erstaunlich schnell und einfach.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 182, 18 × 24 cm

Was malen? · 121


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Da ich solche Close-ups nicht oft male, überrasche ich besteht die Gefahr, dass ich zu spezifisch werde, nicht
mich manchmal selbst mit dem Ergebnis. Die Tricks und mehr so locker male wie sonst. Wahrscheinlich liegt es
Kniffe, die ich mir bei meinen üblichen Motiven mit den auch am geringen Abstand zum Objekt, dass mir schnell
Jahren erarbeitet habe, bringen mich hier meistens nicht alles gleich wichtig vorkommt und ich nicht mehr so gut
weiter, und ich muss viel mehr herumprobieren. Dann vereinfachen kann.

Dieses Bild wurde irgendwie so ganz anders


als meine bisherigen. Das meine ich mit
»Selbst-Überraschung«.  Auf jeden Fall habe
ich für Passanten ein sehr kurioses Bild
abgegeben, als ich es malte.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 730, 18 × 24 cm

122 · Kapitel sechs


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Sonnenblumen – Schritt für Schritt

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 694, 30 × 24 cm

Sonnenblumen sind natürlich das Pleinair-Motiv schlecht-


hin! Deswegen musste ich auch die ganze Zeit gegen all die
Sonnenblumenklischees in meinem Kopf anmalen. Den
Malprozess zeige ich euch auf der nächsten Doppelseite.

Was malen? · 123


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Schritt 1
Ich habe auf einer weißen Malpappe
ohne Leinwandstruktur angefangen,
indem ich erst mal grob die Unter-
malung mit verdünnter Farbe auftrug.
Bei der Farbwahl habe ich mich an
der jeweils dunkelsten Farbe, die ich
dort sah, orientiert.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Bei solchen Gruppenmotiven male
ich nicht jede Blüte, die da ist, und
auch nicht dorthin, wo ich sie sehe,
sondern arrangiere sie so, dass ich
das Gefühl habe, dass das komposito-
risch passt. Damit ich mir das besser
vorstellen kann, ohne sie bereits zu
malen, wische ich die Platzierung in
die noch feuchte Untermalung. Das
hat auch den Vorteil, dass sich die
dunkle Untermalung später nicht mit
ins helle Gelb mischt. Damit sie spä-
ter schön leuchten, achte ich darauf,
die Blüten möglichst vor etwas Dunk-
lem und nicht vor dem hellen Himmel
zu platzieren. Für das Wirrwarr aus
Halmen und Stängeln unterlegte ich
einfach eine grobe Struktur.

124 · Kapitel sechs


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Schritt 3
Endlich kamen die Blüten dran! Sie
bewegten sich ständig im Wind. Das
versuchte ich durch die Richtung der
Blütenblätter einzufangen. Ich mag
an diesem Stadium, dass die Blüten
noch so locker und mit nur ganz we-
nigen Pinselstrichen gemalt sind. Sie
bekommen dadurch so schön klare
Kanten. Je öfter ich dann später drü-
bermale, umso mehr gehen diese
Kanten leider wieder verloren.
Damit die Blüten nicht wie das Mus-
ter einer Blumentapete wirken, hilft
es, hier möglichst viele Variationen in
Form, Richtung und Größe zu malen.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Schritt 4 -
Die Bäume im Hintergrund ließ ich so
unscharf wie möglich, sie dienen ja
nur als Kulisse. Das Gelb der Blüten
war mir erst noch zu kühl, ich bin
deswegen fast überall noch einmal
drübergegangen. Danach setzte ich
die Glanzlichter, die vor allem das
Laub schön plastisch wirken lassen.
Hier, nach ungefähr eineinhalb Stun-
den, hätte ich eigentlich schon auf­
hören können: Es ist alles da, was das
Bild braucht. Doch diese magenta­
farbenen kleinen Blüten, die wollte ich
dann doch noch mit drin haben.
Dafür habe ich dann fast noch mal
eine Stunde gebraucht Ob das Bild sie
auch gebraucht hat? Urteilt selbst:
Das fertige Bild seht ihr auf Seite 123.

Was malen? · 125


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Alles fließt – Gewässer

Schon herausfordernder sind bewegte Motive, und am Beim Wasser-Malen kommt dieses wunderbare Nass-in-
wenigsten still hält wohl Wasser. Selbst ein ruhiger See Nass-Malen, das mit Ölfarben möglich ist, ganz besonders
kann sich minütlich verändern: W
  ie oft habe ich ein Motiv zur Geltung. Diese soften Übergänge in der Spiegelung,
wegen der schönen Spiegelung auf der Wasseroberfläche das nachträgliche Verwischen der harten Kanten macht
ausgewählt, um dann festzustellen, dass schon ein kleiner dann richtig Spaß! Wie ich das mache, zeige ich euch auf
Windhauch (oder ein badender Hund) diese so kräuselt, den folgenden Seiten.
dass nichts mehr davon zu sehen ist.

Bild Nr. 509, 24 × 18 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

126 · Kapitel sechs


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Spiegelung – Schritt für Schritt

Bild fertig – Spiegelung


vom Winde verweht
Bild Nr. 735, 40 × 30 cm

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Was malen? · 127


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Schritt 1
Diese Malpappe war vorab dunkel-
grün grundiert. Ich setzte zuerst mit
verdünnter Farbe die groben For-
men als Blöcke ein, um die Komposi-
tion anzulegen. Da es die Spiegelung
war, die mich interessierte, gab ich
der Wasserfläche den größten Raum.
Während ich oben die Farbe für die
Bäume und den Himmel malte, setz-
te ich immer zeitgleich die dazuge-
hörige Spiegelung ins Wasser, solan-
ge ich diesen Farbton noch auf dem
Pinsel hatte. Wenn ihr diese Pinsel-
striche senkrecht nach unten zieht,
habt ihr die Spiegelung schon ganz
einfach angedeutet.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Um die Spiegelung nicht zu frickelig
zu malen, hilft es, die Augen zusam-
menzukneifen, damit nur noch die
grobe Form sichtbar ist. Damit ich
die Farben der Spiegelung später so
schön ineinanderziehen konnte, ver-
dünnte ich die Ölfarbe weiterhin mit
Malmittel, malte das Wasser also tat-
sächlich nass in nass.
Dort wo der Himmel sich durch die
Baumstämme auf dem Wasser spie-
gelt, setzte ich das helle Blau auf das
Dunkle und ließ nur die Reflexion
der Stämme frei. Ich malte diese so-
mit als Negativform.

128 · Kapitel sechs


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Schritt 3
Dann machte ich mich an die Bäume,
in­klusive ihrer jeweiligen ­Spiegelung.
Außerdem ergänzte ich die helle
Lichtkante an der Uferbefestigung so-
wie das vordere Ufer. Das gelbe Laub
setzte ich auf den dunklen Hinter-
grund und brachte parallel dazu das
Gelb ebenfalls in die Spiegelung. Die
Kante, wo die Spiegelung der Bäume
und die des Himmels sich berühren,
bekam hier eine waagerechte wellige
»Verzahnung«, dadurch deute ich die
Wellen­bewegung an. Hier bemerkte
ich dann, dass der K­ ontrast an dieser
Kante nicht hoch genug war. Das än-
derte ich im nächsten Schritt, indem
ich die Baumspiegelung noch mal
deutlich dunkler malte.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623
Das fertige Bild -
Im letzten Schritt fügte ich sämtliche
Details ein, ebenso die Reflexion der
Stämme auf dem Wasser. Nach vor-
ne wird das Wasser dunkler und der
Farbton ändert sich, da ich hier stei-
ler und mehr in das Wasser hinein-
gucke: Dort wird der Himmel nicht
mehr reflektiert. Und jetzt kommt
der ultimative, aber ganz simple Mal-
trick in Sachen Spiegelungen: Wenn
ihr einige wenige Striche waagerecht
über die Wasseroberfläche zieht, je-
weils vom Hellen ins Dunkle, fängt es
plötzlich an zu spiegeln. Das geht in
Öl ganz besonders gut! Falls ihr es
hier noch nicht ausreichend deutlich
erklärt findet, schaut mal auf die
nächste Seite.

Was malen? · 129


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Die Spiegelungen sind meistens etwas wurden. Deswegen hilft es sehr, die
u­n­­gesättigter in der Farbe und fast Spiegelung unschärfer zu malen und
immer detailärmer als das Original. mit nur ganz wenigen senkrechten
Diese Detailreduktion ist manchmal Strichen anzudeuten. Wenn ihr dann
nur schwer darzustellen, da ja schon waagerechte Wischer darauf setzt,
das Original (hier die Bäume) verein- habt ihr die ebenfalls waagerechte
facht und mit wenigen Details gemalt Wasseroberfläche sehr schnell erklärt.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 693, 20 × 20 cm

130 · Kapitel sechs


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Dazu könnt ihr entweder ganz dünn Dunklen ansetzen und diese Farbe Bei stehenden Gewässern sind die
lasierend mit dem helleren Farbton dann mit einem sauberen Pinsel ins Spiegelungen oft exakt, genau wie in
der Himmelreflexion über die dunk- Helle ziehen. Das ist zwar pure einem … Spiegel. Dann ist dieser
le Baumspiegelung wischen, oder ihr ­Effekthascherei – erzielt aber immer Verwisch-Effekt so nicht anwendbar.
zieht die noch feuchte Ölfarbe mit seine Wirkung. Doch auch ohne diesen könnt ihr
einem leeren Pinsel vom Hellen ins Wasser relativ einfach darstellen.
Dunkle.  Alternativ könnt ihr auch im Schon allein dadurch, dass plötzlich
der Himmel auf dem Boden auf-
taucht und durch den Hell-Dunkel-
Kontrast, der sich ergibt, erkennt das
Hirn: »Ah, Wasser!«

Ein weiterer Effekt, der hilft, Wasser


zu erklären, sind diese kleinen, fast
weißen Lichtkanten, die direkt am
Ufer auftauchen, wenn ihr gegen das
Licht schaut.  Achtet darauf, dass die
Spiegelung fast immer nach vorne
abnimmt: Das ist zum einen Physik
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - (Einfallswinkel = Ausfallswinkel),- so
exl42353123-3960889623
wird weiter vorne der Himmel nicht
mehr reflektiert. Zum anderen gilt: Je
steiler ihr auf eine Wasser­­ober­fläche
guckt, umso mehr schimmert dort
bei klaren Gewässern der jeweilige
Untergrund durch.

Bild Nr. 586, 16 × 24 cm

Was malen? · 131


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Der nächste Schwierigkeitsgrad sind


fließende Gewässer. Doch wenn ihr
lange genug beobachtet, wie der
Bach über die Felsen rauscht, dann
ist das gar nicht mehr so kompliziert
zu malen: Er fließt ja ganz kontinuier-
lich. Und es gibt in dem Motiv, außer
dem Wasser, noch viel Statisches, wie
die Steine oder das Ufer.

Das Fließen und Rauschen, die Un-


schärfen, die im Wasser zu sehen
sind, lassen sich auch hier ganz toll
mit dem Nass-in-Nass-Malen erzie-
len, das mit Ölfarben möglich ist.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Diesen Bach habe ich gemeinsam


mit Kollegen gemalt.
Auf Seite 231 könnt ihr sehen,
wie deren Bilder geworden sind.
Bild Nr. 577, 30 × 20 cm

132 · Kapitel sechs


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 312, 15 × 15 cm

Was malen? · 133


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Ein einziges Kommen und Gehen – Wellen

Noch etwas schwieriger wird es bei Wellen: Da bewegt Da ihr sowieso keine Welle genau dorthin malen könnt,
sich dann wirklich alles. Die Regelmäßigkeit ist zwar auch wo sie ist, habt ihr freie Wahl, wo ihr welche Welle
gegeben, aber mit Unterbrechungen. Hier kann ich nicht hinmalt.  Achtet dabei auf möglichst viele Variationen:
einfach nur abmalen, was ich sehe, denn dazu verändert Malt sie verschieden groß, nicht alle in der gleichen Form,
sich das Motiv viel zu sehr. Ich muss also versuchen, das malt unterschiedliche Stadien des Brechens. Komponiert
Prinzip der Welle, ihr Wesen, zu malen. Wenn ich vorne eure Wellen bewusst.
eine sich gerade brechende Welle male, muss ich immer
wieder auf diesen Zeitpunkt warten, an dem eine Welle
sich genauso bricht, um mir zu merken, wo ich das Licht
setzen muss, welche Farbe unter dem Schaum ist, in wel- Wie ich bereits schrieb, ist das Meer, Wellen ganz
cher Form das Wasser abläuft. Das sind sehr meditative besonders, eines meiner Lieblingsmotive. Nicht nur, weil
ich einfach sehr gerne am Meer bin; dieses Meditative beim
Momente, wenn ich für jeden Pinselstrich, den ich setze, genauen Beobachten finde ich unglaublich schön! Ich werde
mehrere Minuten aufs Meer gucken muss. Mit der Zeit dann ganz ruhig und achtsam. Deswegen ist dieses Buch
werdet ihr anfangen, die Wellen zu »verstehen«. (inklusive des Covers) ein bisschen meerlastig geworden.

Bild Nr. 666, 30 × 15 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

134 · Kapitel sechs


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Bild Nr. 418, 24 × 18 cm

Die Farben im Wasser sind immer total spannend. Ich Die Wellen selbst – oder auch Felsen, wie im oberen
entdecke oft so viele verschiedene Blau-, Grün- oder Bild – werfen natürlich in der Sonne auch Schatten.
Grautöne, dass ich mich oft gar nicht entscheiden kann, Besonders auf der fast weißen Gischt färbt die Farbe des
welcher Ton denn nun stimmt. Bei Wellen gilt absolut: Himmels den Schatten schön blau.
Die Farben, die ihr seht, sind auch tatsächlich alle da, zum
Teil gleichzeitig, zum Teil nacheinander. Hier passt es dann
wunderbar, all diese Farben nebeneinanderzusetzen.

Was malen? · 135


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Bild Nr. 455, 30 × 15 cm
Um euch ein wenig zu helfen, Wellen zu verstehen, versu-
che ich an einem Beispielbild näher zu beschreiben, was
ich in Wellen bisher alles entdecken konnte. Das Bild auf
der rechten Seite ist mit Sicherheit nicht mein bestes,
aber es zeigt das »Prinzip« der Wellen recht deutlich.
Wahrscheinlich zu deutlich: Sie wirken fast schon grafisch.
Aber vielleicht hilft es euch ja, etwas Ordnung in das
wogende Wellenwirrwarr zu bekommen.

Dennoch werdet ihr beim Wellenmalen sehr geduldig sein


müssen: Den Großteil der Zeit verbringe ich damit, den
richtigen Zeitpunkt abzuwarten, zu dem sich eine Welle
genau so bricht wie die, die ich gerade malen will. Je länger
ihr guckt, umso mehr Details werden euch auffallen. Ihr
werdet mit der Zeit auch selbst eine Regel dahinter
erkennen, sodass immer einfacher wird, was euch anfangs
vielleicht noch zu schwer erschien. Vielleicht entdeckt ihr
ja auch noch etwas, was mit bisher entgangen ist?

136 · Kapitel sechs


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Die Wellen türmen sich auf und werden


nach oben dünner. Je nach Sonnenstand kann
Das Meer hat von ganz hinten bis nach dann das Licht durch die Welle scheinen, Der Schaum der Gischt oder dort
vorne fast immer einen Verlauf, dessen sie fängt manchmal richtig an zu leuchten. oben, wo die Welle bricht, ist nie nur ganz
Farbigkeit vom Wetter und natürlich Nach unten, wo die Welle dicker ist, wird sie weiß.  Abhängig vom Sonnenstand sieht
vom Wasser selbst abhängt. dunkler, weil sie weniger Licht durchlässt. man dort sehr oft auch einen Schattenwurf.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Zwischen den Wellen, wo das Wasser Diese Spiegelung der Gischt Bild Nr. 147, 24 × 18 cm
waagerecht ist, spiegelt sich das Blau des sieht man auch vorne in den Pfützen
Himmels. Auf diese Fläche wirft die Welle des auslaufenden Wassers. Nach vorne, wo das Wasser flacher wird,
ihren Schatten und die Gischt ihre Spiegelung. scheint immer mehr die Sandfarbe durch.

Was malen? · 137


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Wellen – Schritt für Schritt

Das ist ein ganz typisches Atlantikwellenbild von mir, das


ich an der französischen Côte d’Argent malte. Leider fehlt
hier ein Größenmaßstab, wie hoch die Wellen dort oft
sind. Stünde in der vordersten Pfütze ein Mensch, so
wäre er auf dem Bild unten ca. 2,5 cm hoch.

Hier seht ihr meine leichte


Reise-Pochadebox von Seite 33 im
Einsatz. Um Gewicht zu sparen, habe
ich die Farben in kleine luftdicht
verschließbare Döschen umgefüllt.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 708, 30 × 15 cm

138 · Kapitel sechs


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Schritt 1
Der Anfang ist leicht: Himmel, Meer,
Strand. Im Meer male ich schon den
Verlauf, hier von Ultramarinblau zu
einem eher gelblichen Türkis, wo
die Farbe des Sandes durchschim-
mert. Dort oben drauf setzte ich mit
Titanweiß die ersten Wellenkämme.
Bei sich so verändernden Motiven
seid ihr ganz frei in der Komposition.
Ihr entscheidet, wo genau ihr welche
Welle wie groß malt.
Schritt 2
Damit nun nicht alle drei Weißflä-
chen langweilig, weil gleich groß sind,
malte ich die vorderste Gischt um
einiges größer. Direkt unterhalb des
Wellenkamms der mittleren Welle
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - setzte ich das durchscheinende Licht.
exl42353123-3960889623 -
Dieses Grün ergänzte ich auch da-
vor im  Wasser. V  orne in der Pfütze
reflektiert das Blau des Himmels.
Den nassen Sand malte ich an der
Pfützenkante dunkel.

Schritt 3
Nun malte ich die Schaumstrukturen
auf dem Wasser und die Wolken, die
ich im vorigen Step nur angedeutet
hatte. Die Spiegelung der Gischt in
der vorderen Pfütze setzte ich (wie
beim See) mit senkrechten Strichen
auf das Himmelblau. Im fertigen Bild
(linke Seite) kamen dann nur noch
links ein paar Wellen dazu. Zudem
korrigierte ich noch den Wellen-
kamm der mittleren Welle.

Was malen? · 139


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Weg isses! Gezeiten

Ein weiter Knackpunkt beim Meer-Malen, der schnell plötzlich schwappt euch die Flut um die Knöchel. Damit
zum Verhängnis werden kann, sind die Gezeiten. Das ihr diese Überschwemmung etwas entspannter nehmen
Motiv kann während des Malens einfach verschwinden! könnt, solltet ihr nie etwas auf dem Boden liegen lassen.
Oder, noch schlimmer, ihr befindet euch plötzlich selbst Hängt entweder euren Rucksack an die Staffelei oder
mitten im Motiv! Die Zeit verstreicht beim konzentrier- setzt ihn einfach auf. (Er dürfte, während ihr malt, ja rela-
ten Pinseln nämlich oft viel schneller, als ihr denkt – und tiv leer und leicht sein.)

Das Glitzern im ablaufenden Wasser malte ich an


Bild Nr. 411, 24 × 18 cm der Felsküste der Bucht von Concarneau.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

140 · Kapitel sechs


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 669, 40 × 30 cm Diese leergelaufene Bucht malte ich in der
Bretagne, genauer in Plozévet.

Mein Tipp: Wenn ihr Ebbe malen wollt, fangt eine


Stunde vor dem tiefsten Wasserstand an. Dann habt ihr
ca. zwei Stunden ohne zu große Veränderungen (und ohne
die Gefahr, überschwemmt zu werden). Genauso malt ihr
die Flut am besten eine Stunde vor ihrem Höchststand.
(Unterschätzt dabei nicht, wie hoch einzelne Wellenaus-
Trotz all dieser Risiken ist die Ebbe eines meiner Lieblings­
reißer werden können!) Gezeitenkalender der einzelnen motive: So viele Pfützen auf einmal findet man sonst
Orte findet ihr im Netz. nirgendwo. Und wie schön sich alles darin spiegelt!

Was malen? · 141


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Ebbe – Schritt für Schritt

Wenn das Meer weg ist, bewegt es sich natürlich nicht


mehr so sehr. Es macht nur noch irre glucksende und
gurgelnde Geräusche. Bei so einem sehr sanft abfallenden
Strand bleibt das Wasser auch richtig lange weit weg – so
eine Ebbe lässt sich also ganz gemütlich malen. Der Look
der Priele verändert sich sehr mit eurer Blickrichtung:
Gegen die Sonne glitzert das Wasser; mit der Sonne
spiegelt sich der Himmel mehr.

An der französischen
Atlantikküste ist der
Tidenhub enorm, da ist das
Meer richtig weit weg!

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 702, 30 × 20 cm

142 · Kapitel sechs


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Schritt 1
Der Anfang ist wie gehabt: Zuerst
setze ich die großen Formen auf die
Leinwand, hier erneut mit jeweils
der schattierten, dunkleren Lokalfar-
be von Sand und Dünen, sodass ich
später das Licht draufsetzen kann.
Damit lege ich die Komposition fest.
Da es mir hier in erster Linie um die
Pfützen ging, habe ich den Horizont
ganz nach oben verschoben.

Schritt 2
Die helle Farbe des Sandes und des
Dünengrases malte ich nun oben auf
diese dunkle Untermalung. Ich mi-
sche diese hellen Töne mit Titanweiß,
wenn ich weiß, dass ich dort nicht
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - mehr dunkler werden möchte. -
exl42353123-3960889623
Die Pfütze legte ich komplett flächig
an, inklusive des  Verlaufs von hinten
(Cyan – Himmelsspiegelung) nach
vorne (Violett – da sehe ich durchs
Wasser den nassen Sand).

Schritt 3
Auf die Wasserfläche malte ich die
Sandinseln. Zuerst das Dunkle des
Schattens, darauf wieder den hellen
Lichtton des Sandes. Im allerletzten
Schritt setzte ich noch ein paar helle
Wellenkanten ins Meer.
Die weißen Glitzerreflexe, die ihr im
Gegenlicht-Foto seht, habe ich, da
ich mit der Sonne guckte, nicht ge-
sehen – und deshalb natürlich auch
nicht gemalt.

Was malen? · 143


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Flüchtige Gebilde – Wolken

Wolken sind ein wunderbares Motiv.


Je nach Wetter ziehen sie auch ganz
gemächlich, sodass sie dann relativ
entspannt zu malen sind. Gerade
aufziehende Gewitterwolken bauen
sich oft recht langsam auf – um dann
aber doch plötzlich loszuregnen.

Am schönsten finde ich aber leider


die stürmischen Wolken, die sich
im Wind ballen, zum Teil in Fetzen
reißen. Die sind aber immer etwas
zu schnell unterwegs. Dann ist das
Malen nicht mehr so entspannt mög-
lich. Hier gilt es, wie bei den Wellen,
das Typische an ihnen zu erfassen
und die Regel im Chaos zu erkennen.
Denn so willkürlich
- orderid und zufällig, wie
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
sie wirken, ist ihre Form am Himmel
überhaupt nicht. Nicht umsonst gibt
es für sie meteorologische Wolken-
klassifizierungen.

Hier gilt es auch wieder, dass ihr die


Komposition ganz frei wählen könnt
(oder, besser gesagt, wählen müsst):
Ihr legt fest, wo ihr welche Wolke
wie groß und in welcher Form malt.
Ich schreibe »müsst«, weil das, wie ich
finde, gar nicht so einfach ist, wenn
das Original so wenig vorschreibt.

Wolkenstudien, je 10 × 10 cm

144 · Kapitel sechs


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Diese Wolken sausten nur


so über den Himmel. Ich habe
es irgendwann aufgegeben,
die genaue Form zu bestimmen,
und wurde mit den Pinselstrichen
immer freier. Das war zwar
eher Verzweiflung als Plan,
genau das hat aber erst dieses
»Windige« eingefangen.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 668, 18 × 24 cm

Was malen? · 145


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Ich habe die Freiheit beim Wolken-
Malen lange zu wörtlich genommen
und sie ganz wild und zufällig gemalt.
Was aber schnell vergessen wird: So,
wie sich eine horizontale Fläche in
Das ist ein recht früher Bild Nr. 212, 15 × 15 cm der Landschaft nach hinten perspek-
Versuch von mir, ein reines tivisch verjüngt, tun das die Wolken
Wolkenbild zu malen.
am Himmel: Wie alles andere fluch-
Obwohl ich ganz genau
guckte, sehen die Wolken ten auch sie und werden nach hinten
irgendwie »betoniert« aus. immer kleiner.

Oft befinden sich Wolken auch nicht


auf der gleichen Höhe. Sie über­lappen
sich manchmal so, dass sie dieser Per-
spektive widersprechen. Und auch
deren Farbe verändert sich: Die Farb-
temperatur variiert. W
  ie bereits im
Kapitel zu den Farben erklärt, wird
sie in der Ferne immer kühler.

146 · Kapitel sechs


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Bild Nr. 709, 24 × 18 cm


Auf dem kleinen Bild, das ich draußen malte, seht
ihr, wie die Wolkenanordnung vor Ort manchmal
der Perspektive widerspricht: Die vorderste Wolke
sollte eigentlich größer als die dahinterliegende
sein. Ich habe das Bild zur Verdeutlichung fürs Buch
noch mal ganz neu gemalt:  Auf dem großen Bild
unten haben die Wolken jetzt eine viel deutlichere
Perspektive, und auch die Farbtemperatur habe ich
angepasst. Die vorderen Wolken sind wärmer, nach
hinten werden sie immer kühler. Seht ihr, wie der
Himmel nun mehr Tiefe bekommt?
Was ihr aber vielleicht auch seht: Das kleine Bild, das
ich draußen gemalt habe, ist vom Pinselduktus her
um einiges lockerer (weil spontaner.)

Bild Nr. 743, 40 × 30 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Was malen? · 147


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Menschen als Bild

Falls ihr in eurer Umgebung so gar nichts findet, was euch ich bei der Landschaft gelernt habe, komplett über­tragbar
zum Malen reizt, wie wäre es dann, eure Begleitung zu ist: Wenn ich nur male, was ich sehe, muss ich gar nicht
malen? Die könnt ihr auch bitten, stillzuhalten. Auch viel über die Anatomie wissen. Ich male keinen Fuß,
Mitmalende sind ein gutes Motiv – sie sind ja auch eine sondern nur Licht und Schatten, kein Gesicht, sondern
Weile beschäftigt und laufen euch nicht weg. Ich habe nur die Lichtkante, die ich an der Stelle sehe.
mich erst nach vielen Landschaftsbildern an Menschen
getraut. Erfreut habe ich dann festgestellt, dass alles, was

Mein Mann begleitet mich öfter auf meinen


Maltouren, sogar wenn er selbst keine Lust hat,
seine Farben auszupacken. Es ist schön, wenn ich
beim Malen nicht immer allein bin – und oft auch
Bild Nr. 644, 25 × 15 cm praktisch, wenn ich mein Motiv gleich dabeihabe.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

148 · Kapitel sechs


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Bild Nr. 410, 24 × 18 cm

Menschen sind auch in Rudeln ein schönes Motiv: Diese Freiheit, nicht jede einzelne Person malen zu müssen, ihr
Farbenvielfalt findet ihr in der Natur sonst nicht so leicht. nicht genau das anzuziehen, was sie ­w irklich trägt –
Und sie müssen auch nicht wissen, dass sie ­gerade gemalt und sie auch nicht genau dorthin zu platzieren, wo sie
werden. Denn das Dankbare an solchen Gruppen ist, in Wirklichkeit sitzt. Komponiert die Farben und deren
dass irgendwer immer gerade stillhält oder genau die Anordnung so, wie es auf eurem Bild am besten a­ ussieht.
Pose eingenommen hat, die ihr malen wollt. Nutzt die Mehr dazu schreibe ich im Kompositionskapitel.

Was malen? · 149


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Menschen im Bild

Menschen müssen nicht unbedingt selbst das Motiv, son- werdende Silhouette? Achtet außerdem auf die korrek-
dern können auch nur Mittel zum Zweck sein. V   or allem ten Größenverhältnisse. Ich neige dazu, die Menschen zu
Straßenszenen wirken ohne Menschen schnell tot. Wenn groß ins Motiv zu malen. Das ist wohl eine Art kindliche
ihr diese »Statisten« malt, versucht sie nicht zu genau zu Bedeutungsperspektive, weil ich die Menschen so wichtig
malen. Kneift immer wieder die Augen zusammen, um zu finde. Drei Meter Körpergröße glaubt mir aber niemand.
kontrollieren, was ihr eigentlich seht. Denn oft ist das
viel weniger, als ihr denkt: Seht ihr wirklich zwei Beine
und Arme? Oder ist das nur eine nach unten dünner Das ist der Blick vom Weltkulturerbe-Kloster in die Fußgängerzone
von Lorsch. Die fand ich irgendwie spannender. Die beiden Menschen
vorne ziehen leider die Aufmerksamkeit auf sich, weil sie mittig ange­-
Bild Nr. 613, 30 × 20 cm ordnet sind. Und, ja, sie sind tatsächlich ein bisschen zu groß geraten!

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

150 · Kapitel sechs


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Das ist eines der zahlreichen


Wasserhäuschen in Frankfurt.
Es heißt »Fein« und ist ein extrem
pittoreskes Motiv.  Auch hier habe
ich lange gezögert, die Menschen
zu ergänzen, doch ohne sie hätte es
so gar nicht gemütlich ausgesehen.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 539, 24 × 18 cm

Weil wir aber alle genau wissen, wie


Bild Nr. 598, 15 × 8 cm
groß Menschen so im Durchschnitt
sind, können sie in einem Bild sehr
hilfreich sein, um einen Maßstab für
die Größenverhältnisse abzugeben.
Vor allem bei Felsen oder Wellen, die
ja keine spezifische Größe haben,
macht erst die Relation zu Menschen
klar, wie gigantisch diese sein können.

Ich male Menschen immer als Letz-


tes und habe dabei jedes Mal ein
bisschen Angst, mein Bild auf der
Zielgerade zu versauen.

Was malen? · 151


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Zu schön zum Malen?

Ihr seht: Die Liste dessen, was ihr alles malen könnt, ist Die schöneren Bilder entstehen oft von unspektakulären
unendlich lang – und hier im Buch natürlich nicht ansatz- Motiven, in denen nur ihr die Schönheit entdeckt habt
weise vollständig! Es gibt eigentlich nichts, was ihr nicht und sie den anderen mit eurem Bild zeigt.
malen könnt. Und doch gibt es eine klitzekleine Ein-
schränkung:  Wenn irgendetwas schon in echt »wie ge-
malt« aussieht, wird es gemalt dann ganz oft »zu« schön, Da bin ich in die Falle getappt:
kitschig oder langweilig. Diese »Gottestrahlen« sahen in echt
so schön aus – aber gemalt … puh!
Doch Spaß hat’s gemacht!

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 699, 24 × 18 cm

152 · Kapitel sechs


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Darf ich alles malen?

Das Gute beim Pleinairmalen ist, dass es in Deutschland Laut § 59 UrhG ist es erlaubt, »Werke, die sich
eigentlich überall erlaubt ist zu malen – erst wenn es bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen
befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild
nach drinnen oder auf Privatbesitz geht, gilt das Haus-
oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich
recht. So kann euch der Cafébetreiber durchaus verbie- wiederzugeben«. Dies ist die sogenannte Panoramafreiheit
ten, im Café zu malen. Und an manchen Fabriken (oder (auch »Straßenbildfreiheit« genannt). Ihr dürft also urheber-
Militäranlagen) sind Schilder angebracht, dass das Foto- rechtlich geschützte Werke, wie Gebäude und Kunstwerke,
grafieren verboten ist. Das gilt dann natürlich auch fürs die vom öffentlichen Raum aus zu sehen sind, ohne
Erlaubnis von Urheber oder Besitzer malen.
Malen.  Auch wenn ihr das Recht habt, etwas zu malen,
kann es sein, dass es nicht erwünscht ist. Bevor ihr dann
anfangt zu diskutieren, respektiert den Wunsch einfach.
Denn es ist bestimmt nicht schön, wenn nicht gar unmög-
lich, unter diesen Umständen in Ruhe zu malen. Sonst gilt:
Alles, was ihr von öffentlichen V
  erkehrswegen aus (ohne
Hilfsmittel wie Leitern o.  Ä.) sehen könnt ist, dürft ihr
auch malen.  Aber Achtung! Das gilt nur für Deutschland; Das ist der Blick vom Völklinger
schon bei unseren Nachbarn im europäischen Ausland Bahnhof auf die stillgelegte Völklinger
Hütte. Ob die Bahn mir hätte verbieten
gibt es andere Gesetze!
dürfen, auf ihrem Gelände zu malen?
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 523, 30 × 15 cm

Was malen? · 153


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Bild Nr. 703, 30 × 20 cm


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Wann malen?
Kapitel 7

Das Licht ändert alles


Es- gibt bessere und
orderid schlechtere Zeiten zum Malen. Ganz -
- exl42353123-3960889623 Ich habe zwar
transid schon oft das Gefühl gehabt, ein Motiv
- exl42353123-3960889623 -
generell gilt: Plant ausreichend Zeit für das Malen ein! genau zum richtigen Moment erwischt zu haben, aber ich
Nichts ist schlimmer, als sich unnötig hetzen zu müssen denke, es gibt nicht nur den einen perfekten Zeitpunkt
oder ein Bild nicht beenden zu können, weil ein Folge- pro Motiv: Ein und derselbe Ort verändert sich je nach
termin drängt. Selbst wenn ich sehr zügig male, um das Tages- oder Jahreszeit, auch abhängig vom Wetter, enorm.
schnell wechselnde Licht einzufangen, mit  Auf- und Ab- Beobachtet euer Umfeld, wie es sich mit dem Licht ver-
bau brauche ich ca. zwei Stunden, dazu kommt eventuell ändert, und knipst es mit einem Smartphone. Datum und
die Anreise und Zeit für die Motivsuche. Uhrzeit sind dann im Foto gespeichert, und ihr müsst
euch nicht merken, was wann wie aussieht.

Wann malen? · 155


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Bild Nr. 193, 24 × 18 cm


Bild Nr. 184, 20 × 10 cm

Jedes Motiv wirkt bei unterschied­


lichen Lichtstimmungen vollständig
­anders, sodass es auch spannend sein
kann, immer wieder mal an der
gleichen Stelle zu malen – entweder
zu verschiedenen Tageszeiten, unter-
schiedlichen Jahreszeiten oder bei
anderem Wetter.  An dieser Bucht in
der Bretagne mache ich seit Jahren
Urlaub und male sie immer wieder.
Noch habe ich keine zwei gleichen
Bilder von ihr.

156 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 420, 30 × 20 cm

Bild Nr. 303, 40 × 30 cm

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Wann malen? · 157


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Alles zu seiner Zeit

Egal was wir malen, wir malen immer Ohne das Spiel von Licht und
nur das Licht.  Alles, was wir sehen, Schatten auf der Wand wäre
ist das Licht, das von Objekten reflek- dieses Motiv eher keines gewesen.
tiert wird, bzw. dessen Abwesenheit.

Wie sich alles mit dem Wechsel von


Beleuchtung, also auch durch die
Tageszeit verändert, ist für mich mit
das Spannendste überhaupt beim
Pleinairmalen. Die richtige Tageszeit
kann euch die Motivsuche sehr ver-
einfachen, denn ich finde, das Licht
malt die schönsten Bilder. So ist die
flach stehende Sonne am Morgen und
am Nachmittag schon fast ein Garant
dafür, eine besonders i­nteressant be-
leuchtete Szenerie zu entdecken. Die
Schatten sind schön
- orderid - lang, das Licht ist
exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
ausgesprochen warm und färbend. So
ist dann (fast) alles malenswert. Des-
wegen bieten das frühe Frühjahr und
der Herbst auch so besonders schö-
nes Mallicht, denn zu dieser Zeit steht
die Sonne fast den ganzen Tag niedrig
am Himmel. Außerdem gewinnen
durch diese Kontraste von Licht und
Schatten selbst die unscheinbarsten
Motive. Deshalb finde ich es auch bei
­Sonnenschein sehr viel leichter, ­etwas
Malenswertes zu finden.

Bild Nr. 587, 18 × 24 cm

158 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 729, 30 × 20 cm

Ohne die Hilfe des Lichts wird es etwas schwieriger mit stabile Lichtverhältnisse: Ihr könnt euch beim Malen
der Suche, da deutliche Kontraste fehlen, die das Motiv mal so richtig Zeit lassen, weil ihr dem Licht nicht mehr
leichter lesbar oder interessant machen. Das Licht selbst hinterhermalen müsst. Oft haben auch gerade diese
bietet an bedeckten Tagen kein besonderes Motiv. Dann trüben Bilder eine besondere Ausstrahlung: Das ist
geht es noch mehr darum, was ihr malt, wie ihr die wohl der gleiche Effekt wie bei den bereits erwähnten
Komposition anlegt, um das Bild nicht langweilig werden alltäglichen »unschönen« Ecken, die gemalt erst ihre
zu lassen. Dafür habt ihr an solchen Tagen aber extrem Schönheit entwickeln.

Wann malen? · 159


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Die Tageszeiten – der Morgen

Am Morgen steht die Sonne noch sehr tief, die Schatten


sind lang und das Licht ist sehr warm in seiner Farb­
temperatur. Dadurch sind die Schatten sehr bläulich-kühl.
Vor allem, wenn ihr contre-jour (französisch für »gegen
den Tag«), also in die Sonne schauend malt, ergeben sich Diesen Wassertrog malte ich in Südtirol.
sehr schöne Überstrahlungseffekte. Diese Gegenlicht- Dort war, vor allem am Morgen, das Licht
Effekte mag ich sehr gern: Das durchscheinende Licht besonders strahlend.Vielleicht liegt dieser
Eindruck aber auch an der sauberen Luft,
lässt die Farben so schön leuchten.
die ich als Frankfurterin nicht gewohnt bin?

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 567, 24 × 18 cm

160 · Kapitel sieben


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Seht ihr, wie das Sonnenlicht vom Boden reflektiert wird Bild Nr. 339, 25 × 15 cm
und die Äste zum Teil von unten beleuchtet? Ich freue mich
jedes Mal, wenn ich irgendwo ein Bouncelight entdecke!

Zum Leuchten bringt ihr die Farben, indem ihr in ihrer Ohne würdet ihr sonst eh nichts erkennen, und es wäre
direkten Umgebung deutlich dunkler werdet. Hier leuchtet auch sehr ungesund für eure Augen. Denn die leisten,
das Grün der Blätter, durch die die Sonne scheint, gerade wenn ihr ins Licht guckt, tolle Arbeit: Eine Kamera
dadurch, dass sowohl der Hintergrund als auch die ande- kann da definitiv nicht mithalten, solche Contre-jour-
ren Blätter in der Nachbarschaft viel dunkler sind – erst Bilder kann man überhaupt nur malen! Eine Sonnenbrille
der Hell-Dunkel-Kontrast bewirkt das Leuchten. kann, wenn ihr mit dem Bild anfangt und die groben
Formen anlegt, noch helfen, denn sie schützt nicht nur die
Wenn ihr so direkt in die Sonne guckt, müsst ihr Augen, sondern zieht auch schön die Kontraste an.Wenn es
unbedingt eure Augen schattieren. Das geht am besten aber ans Bestimmen der Farben und ans Mischen geht, wür-
mit einer Schirmkappe, die ihr euch tief ins Gesicht zieht. de die Tönung ihrer Gläser den Farbeindruck verfälschen.

Wann malen? · 161


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Wenn ihr morgens gegen das Licht als einheitliches Graublau erschei- deren Farben hinzu und bleibt schön
auf eine Wasserfläche schaut, reflek- nen. Ich darf deswegen also nicht zu ungesättigt. V
  ermeidet dabei zu star-
tiert diese die Sonne so, dass alles farbig werden. ke Kontraste – so wirkt alles mehr
glitzert. Nur das menschliche Auge wie eine Silhouette. Denn mehr seht
kann das richtig sehen, fotografieren Am besten legt ihr erst einen mitt­ ihr contre-jour eigentlich auch nicht.
lässt sich dieser wunderschöne Ef- leren Ton an, auf einer Hell-Dunkel-
fekt eigentlich nicht. Solche Glitzer­ Skala also 50 %.  Versucht, alles außer Was aber selbst ein perfekt gemaltes
bilder probiere ich schon seit ­Jahren dem Glitzern nur ein bisschen heller Bild nie wiedergeben kann, ist diese
richtig hinzubekommen. Damit ihr oder dunkler als diesen Farbton ­zu schöne Bewegung des Glitzerns.
nicht denkt, dass mir alles immer mischen. Nehmt möglichst keine an-
auf ­Anhieb gelingt, und damit ihr
seht, dass es ganz normal ist, wenn
ihr mal lange herumprobieren müsst,
um ein Motiv »geknackt zu kriegen«,
zeige ich hier meine Versuche.

Um es auf einem Bild glitzern zu


lassen, ist das Wichtigste, insgesamt
nicht zu hell zu werden, damit die
Sonnenreflexionen am Ende das
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Hellste im Bild sind. Die Farben wer-
den beim direkten Blick in die Sonne
so überstrahlt, dass sie oft nur noch
Bild Nr. 299, 20 × 10 cm

Alle drei Bilder zeigen den Blick


über die Bucht auf Concarneau.
Bei den ersten beiden Versuchen
malte ich noch zu farbig bzw. zu
kontrastreich. Das Licht auf dem
Wasser glitzert dadurch nicht richtig.

Bild Nr. 421, 25 × 15 cm

162 · Kapitel sieben


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Es glitzert
einfach zu schön!

Bei diesem Bild bin ich am nächsten am


mittleren Ton geblieben, sowohl im Tonwert
als auch in der Farbigkeit (auch wenn ich
innerhalb der Boote noch ein bisschen zu
kontrastreich malte). Seht ihr’s schon glitzern? Bild Nr. 551, 24 × 18 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Wann malen? · 163


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High Noon – der Mittag

In der Mittagssonne sind die Hell-Dunkel-Kontraste am Schatten nicht sichtbar sind. Stellt ihr euch aber seitlich
größten, und auch die Kanten zwischen ihnen sind sehr zum Licht, könnt ihr auch bei diesem steilen Lichtwinkel
scharf sichtbar. Der Kontrast der Farbtemperaturen wird schöne Motive finden.
durch das neutrale Mittagslicht deutlich kleiner. Die
Schatten sind eher kurz, dafür steil und besonders auf Viele meiden die Mittagszeit zum Malen, da ihnen bei
Senkrechten (unter Dachvorsprüngen o.  Ä.) zu sehen. ­diesem Licht das Spiel der Farbtemperaturen fehlt. Doch
Zudem wandern sie relativ langsam.  Wenn ihr mit dem dafür verändert sich der Schattenwurf nur langsam, was
Licht guckt, kann es sein, dass alles ganz flach wirkt, da den Zeitdruck angenehm mindert. Und ihr werdet mit
ihr dann nur die sonnenbeschienene Seite seht und die ganz besonders knackigen Motiven belohnt.

Bild Nr. 575, 18 × 13 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

164 · Kapitel sieben


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Dieses wunderschöne bretonische Fischerhäuschen steht in Plozévet. Bild Nr. 667, 24 × 18 cm
Der Schattenwurf ist ganz steil – das Licht kann mittags richtig gleißend sein.

Wann malen? · 165


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Wenn die Schatten länger werden – der Nachmittag

Die mir liebste Tageszeit zum Malen mittags mit jeder Minute schöner. Beobachtet mal, wie lang gezogene
ist der späte Nachmittag. Die Sonne Die Hell-Dunkel-Formen, die sich Schatten eine Landschaft modellie-
scheint schon sehr flach und wirft durch die Beleuchtung ergeben, sind ren können. Auch kompositorisch
wunde­ rschön lange Schatten. Das schon für sich allein genommen ein sorgt der Schattenwurf für ganz
Licht wird wärmer, der Schatten wunderschönes Motiv. großartige Effekte in einem Bild.
wirkt dadurch deutlich kühler in der
Farbtemperatur. Seht ihr, wie unten
An solchen
im Bild das Blau des Himmels im Touristenspots ist es
Schatten reflektiert wird? Dieser immer gut, nicht allein
Temperaturkontrast zwischen den malen zu müssen.
Licht- und Schattenflächen wird nach-

Das ist der Brunhildefelsen auf dem großen Feldberg im Taunus.


Diese großen Licht- und Schattenformen, die ihr deutlicher seht, wenn ihr die
Augen beim Betrachten zusammenkneift, waren der Grund, warum ich ihn malte.
Ob ich die Menschen hätte reinsetzen sollen? Um zu zeigen, wie groß der Felsen ist,
schon.­ Aber dadurch wurde das Bild auch gleich etwas zu romantisch. Caspar David
Friedrich lässt grüßen (nur, dass die Wanderer damals weniger bunt waren).
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 641, 30 × 15 cm

166 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 698, 18 × 24 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Hier stand ein riesiger


Baum in meinem Rücken,
warf den Schatten auf den
Vordergrund und schattierte
fast den ganzen Baum vor mir.
Irgendwie sieht es nun aber
so aus, als würde ich in die
Sonne gucken. Dann dürfte
allerdings der Hintergrund
nicht so beleuchtet sein –
irgendetwas stimmt hier also
nicht. Da die Farben aber so
schön leuchten, beschloss ich,
dass ich das Bild trotzdem mag.

Wann malen? · 167


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Je länger die Schatten später werden, desto weniger Zeit


habt ihr allerdings, um sie zu malen. Lange Zeit habe ich
sogar gedacht, man könnte solche flüchtigen Licht­
stimmungen überhaupt nur vom Foto abmalen! Doch mit
der Zeit habe ich einen Weg gefunden, den Entwurf vor
Ort so zu verkürzen, dass ich dieses Streiflicht in den
zehn Minuten, in denen es noch sichtbar ist, ganz schnell
auf die Leinwand bringen kann. Verwendet dafür unbe-
dingt eine dunkel grundierte Malpappe. Dadurch habt ihr
die Möglichkeit, zuerst nur das Licht zu malen.  Alles, was
bereits im Schatten liegt, ignoriert ihr zunächst. Je weni-
ger noch beleuchtet ist, desto weniger müsst ihr malen,
und das geht deswegen richtig schnell.  Wenn dann die
Sonne so weit gewandert ist, dass alles im Schatten liegt,
habt ihr noch genug Zeit, alles andere zu malen, denn das
wird sich jetzt bis zum Sonnenuntergang nicht mehr so
dramatisch verändern.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 661, 15 × 10 cm

168 · Kapitel sieben


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Mein Mann
beim Malen des
leuchtenden
Herbstlaubs.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 625, 24 × 18 cm

Je nachdem, mit welchem Farbton


die Malpappe vorab grundiert wurde,
ändert sich die Farb­harmonie des Bildes.
Das Bild links wirkt wegen des kühlen
Grüntons insgesamt kühler als das rechte
mit seiner warmbraunen Grundierung.

Wann malen? · 169


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Die Goldene Stunde – der frühe Abend

Die größte Veränderung der Farben bewirkt wohl ein ich dann gleich noch ein zweites.  Allerdings besteht dabei
Sonnenauf- oder - untergang: Die orangerote Sonne taucht die Gefahr, dass ich dem Licht nur noch hinterhermale:
alles in warmes Licht, erst nur ein wenig, dann wird alles Es verändert sich einfach zu schnell.
immer goldener, bis die einzelnen Farben nicht mehr
voneinander zu unterscheiden sind. Die Kanten sind nicht Diesen Effekt kennen wohl alle: Beim Fotografieren eines
mehr so hart wie beim Mittagslicht und werden ­außerdem Sonnenuntergangs denke ich immer: »Wow, das sieht ja
beim Blick in die Sonne überstrahlt. Da ich kein früher toll aus! Und jetzt erst … Hui! Jetzt ist es aber am aller-
Vogel bin, habe ich leider erst selten Sonnenaufgänge schönsten!« Und schon knipse ich zig Fotos vom glei-
gemalt.  Aber jedes Mal, wenn ich einen sehe, denke ich, chen Sonnenuntergang.
dass es sich lohnen würde, ihn zu malen. Aber Sonnen-
untergänge, die verschlafe ich nicht! Wie bei den Bildern
auf dieser Seite ergibt es sich manchmal erst vor Ort,
dass ich beim Malen eines ersten Bildes bemerke, wie
wundervoll sich das Licht verändert. Manchmal beginne
Dieses Bild malte ich bei schon sehr flach
stehender Herbstsonne. Diese färbte schon
alle Farben wärmer, sie waren aber noch
Bild Nr. 733, 30 × 15 cm deutlich voneinander zu unterscheiden.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

170 · Kapitel sieben


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Als ich mit dem ersten Bild gerade fertig


war, wurde das Licht erst so richtig schön!
Ich habe auf einer leuchtend orange
grundierten Malpappe angefangen und dann
dem Licht immer mehr hinterhergemalt,
bis ich das schöne Orange mehr und mehr
zugemalt hatte. Zwischendrin habe ich ein
Foto geknipst – und denke jetzt, ich hätte
besser zu diesem Zeitpunkt aufhören sollen.

Bild Nr. 734, 30 × 15 cm


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Wann malen? · 171


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Dämmerung – der Abend

Wenn die Sonne untergegangen, es aber noch nicht ganz seid. Dadurch wird euch der Kontrast fehlen, um sie
dunkel ist, verschiebt sich die Farbtemperatur schlagartig zum Leuchten zu bringen. Mein Tipp ist deshalb:  Wenn ihr
von warm zu kühl. Ihr habt es leichter, wenn euer Motiv so spät malt, dass es sehr wahrscheinlich dämmern wird,
schon beim Bildanfang im Schatten lag, denn dort ist die malt von vornherein etwas dunkler, als ihr es zu Beginn
Veränderung des Lichtes nicht so groß und ihr könnt des Bildes seht. Denn später fehlt euch schlichtweg die
schon früher mit dem Malen anfangen, damit ihr mehr Zeit, alles nachträglich noch mal dunkler zu übermalen.
Zeit habt, bis es dunkel ist. Ich mag diesen Moment sehr Sonst geht es euch wie mir schon so oft: Ihr steht
gern, wenn die Lichter angehen, schon leuchten, aber noch im Gelände und malt ein Dämmerungsbild, wärend
trotzdem noch alles andere gut zu sehen ist. Leider ist er es um euch herum bereits stockdunkle Nacht ist.
oft viel zu kurz. Manchmal tauchen solche Lichter mit der Das macht es definitiv nicht leichter, wenn ihr euer
Dämmerung völlig überraschend in der Szenerie auf. Es Motiv beim Malen nicht mehr seht. Oder eure Leinwand.
kann dann sein, dass ihr sie nachträglich nicht einfach auf Oder die Farben …
eurem Bild ergänzen könnt, da ihr insgesamt noch zu hell
Bild Nr. 508, 25 × 15 cm

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172 · Kapitel sieben


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Auf dem Frankfurter Weih-


nachtsmarkt gingen die Lichter
natürlich nicht überraschend an.
Ich konnte schon im Hellen mit
dem Bild beginnen und habe
den Himmel von Anfang an um
einiges dunkler angelegt. Ich
fand diesen Kontrast zwischen
den warmen Lichtern und dem
kühlen Hintergrund so schön,
dass ich dafür sogar in Kauf
nahm, im größten Trubel zu
malen. Eigentlich ist es auch für
mich eine ziemliche Mutprobe,
an so einem Ort zu malen,
aber erstaunlicherweise wurde
ich kaum angesprochen und
insgesamt nur wenig beachtet.
Wahrscheinlich waren die
Menschen von all den Lichtern,
dem Gedudel und den vielen
Essens­gerüchen reizüberflutet
und nahmen mich deswegen
nicht mehr richtig wahr.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 738, 18 × 24 cm

Wann malen? · 173


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Nocturnes – die Nacht

Sogar nachts könnt ihr malen. Das ist total reizvoll, wenn Außer an den beleuchteten Stellen werdet ihr nicht mehr
vieles nur noch als Silhouette erkennbar ist und überall viel Farbe im Motiv haben. Ihr könnt euch daher beim
die Lichter angehen! Um eine sogenannte Nocturne zu Mischen ganz auf die Farbwerte, also die Hell-Dunkel-
malen, benötigt ihr natürlich künstliches Licht. Manchmal Kontraste konzentrieren. Wenn ihr bereits im Hellen
reicht dazu das Licht einer Straßenlaterne oder ihr stellt bzw. in der Dämmerung anfangt, habt ihr Zeit, euer Motiv
euch vor ein erleuchtetes Schaufenster. Unabhängiger kennenzulernen, die Komposition festzulegen und eure
seid ihr jedoch mit einem eigenen Licht. Es gibt Leselam- Vorzeichnung zu machen, z.  B. als Graustufenbild. Beach-
pen mit sehr hellen LED-Leuchten in allen Variationen; tet unbedingt, dass alles, was ihr jetzt noch an Details
ich empfehle euch ein sogenanntes Notenpultlicht: An- seht, später sehr wahrscheinlich im Dunkel der Nacht
ders als die Leselampe besitzt dieses zwei Lampen, die verschwindet: Versucht die Details deswegen möglichst
unabhängig voneinander ausgerichtet werden können. So zu ignorieren, sonst habt ihr sie ganz umsonst gemalt.
könnt ihr eine der Lampen auf eure Palette zum Mischen Wartet mit den Farbflächen, bis es richtig dunkel ist, denn
richten und die andere auf euer Bild. Mit nur einer Lampe sonst müsst ihr später überall noch mal drübergehen, um
bliebe eines von beidem im Dunklen, und glaubt mir, das dunkel genug zu werden.  Am einfachsten ist es des­wegen,
macht es ganz schön schwer, eure Farben dann noch rich- eine bereits dunkel grundierte Malpappe zu nehmen:
tig zu beurteilen. So blitzt später nirgendwo etwas Helles durch, und ihr
könnt euch ganz auf das Wenige konzentrieren, das
- orderid - exl42353123-3960889623 -erleuchtet
transidist,- exl42353123-3960889623
und müsst nur dieses Wenige abbilden. -
Dank der Deckkraft, vor allem wenn ihr ein Titanweiß
mit einmischt, ist es auch kein Problem, Lichter auf das
Dunkle zu setzen – vor allem, da die dunkle Grundierung
bereits trocken ist und nichts durchsuppt. So kann das Helle
der Lichter nicht vom dunklen Farbton verdreckt werden.

Hier seht ihr mein Notenpultlicht


im Einsatz: Eine der Lampen
beleuchtet die Leinwand,
die andere die Palette.

174 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 745, 20 × 20 cm

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Hier könnt ihr gut sehen, wie einfach eine


Nocturne auf einer dunkel grundierten
Malpappe zu malen ist: Ihr malt erst
einmal nur die Stellen, wo Licht ist – und
viel mehr ist ja eh nicht zu sehen.

Wann malen? · 175


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Dieses Bild vom Yachtclub am Frankfurter Mainufer ist ganz klein;Bild Nr. 618, 20 × 10 -cm
das ist fast die Originalgröße. Ich hatte nur weiße Malpappen dabei,
und kurz entschlossen habe ich mit einem geliehenen Acrylmarker
die kleinste der Pappen komplett geschwärzt. Der Marker war
danach allerdings leer.

Das Allerbeste an Nocturnes ist: Das Licht verändert sich Das wird jedoch allein durch den großen Hell-Dunkel-
irgendwann über Stunden nicht mehr. Der Zeitdruck, der Kontrast erreicht. Und ganz toll ist es natürlich, wenn eine
einen sonst immer ein bisschen hetzt, fällt dann endlich Wasserfläche im Motiv ist, auf der sich die Lichter spiegeln!
weg. (Öffnungszeiten von beleuchteten Tankstellen und
Kneipen beachten!) In der Stadt wird der Himmel selbst Dies gehört eigentlich gar nicht hier hin, aber ihr seht,
in mondlosen Nächten nie ganz dunkel sein, was beim wie viel leichter ein Leuchten in Nocturnes zu malen
Malen sehr dankbar ist. So habt ihr mit der Silhouette der ist als bei Tag: Unsere hellste Lichtquelle, die Sonne,
Häuser wenigstens noch Formen im Bild. finde ich am schwierigsten zum Leuchten zu bringen.
Obwohl sie so strahlt, kann man das beim Malen kaum
Richtig Spaß macht es, wenn ihr bunte Lichter im Motiv durch den Kontrast einfangen, denn der sie umgebene
habt. W
  ie wunderschön diese Farbtupfer durch das dunkle Himmel ist ja selbst schon sehr hell.Wie wunderbar kann
Drumherum auf eurem Bild anfangen zu leuchten! Es ist man Leuchtendes dagegen nachts malen, wenn alles
fast, als würdet ihr selbstleuchtende Farben benutzen. Umfeld schön dunkel ist.

176 · Kapitel sieben


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Diese Nocturne war ein bisschen abenteuerlich: Ich


beschloss, das Martinsfeuer bei mir im Park zu malen.
Ich baute bei Dämmerung auf, legte schon mal grob den
Bildausschnitt fest – und wurde dann total von der
Größe und Leuchtkraft des Feuers überrascht!

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Bild Nr. 627, 24 × 18 cm

Wann malen? · 177


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Die Jahreszeiten – der Frühling

Neben den Tageszeiten verändern natürlich auch die Die Sonne scheint im Frühjahr den ganzen Tag über noch
Jahreszeiten die Motivauswahl enorm! Das ist gut so, relativ flach, und das ist ja, wie ihr nun wisst, ganz beson-
denn dadurch kommt immer eine schöne Abwechslung in ders schönes Mallicht und hilft bei der Motivsuche!
eure Pleinairmalerei. Wie alle zieht es mich im Frühjahr,
wenn die Tage wieder heller werden und das neue Grün Jedes Frühjahr stürze ich mich auf die allerersten Blüten.
zu sehen ist, nach draußen. Wie schön, beim Malen nicht Das sind meistens Sträucher oder Obstbäume. Während
mehr so zu frieren! Die Natur erwacht, und endlich kann über den restlichen Pflanzen erst ein leichter grüner
ich wieder mehr Farben malen – nach der doch sehr Schimmer liegt, strahlen sie oft schon in Weiß und Rosa.
­reduzierten Farbpalette im Winter.

Im Vergleich zum Sommer, in dem das Grün viel satter


und auch wärmer ist, hat dieses frischgeschlüpfte Grün
noch eine kühlere Farbtemperatur.  Alle Frühlingsfarben
sind relativ kühl und pastellig – achtet beim Malen darauf,
noch nicht zu bunt zu werden.

Bild Nr. 642, 30 × 15 cm


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178 · Kapitel sieben


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Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich den weiten Bild Nr. 379, 24 × 18 cm
Blick über den Park auf die Frankfurter Skyline oder
doch lieber die Kirschblüten ganz nah malen sollte.
Weil ich beides unbedingt im Bild haben wollte, ein
Bild aber eigentlich keine zwei Ideen verträgt (mehr
dazu folgt im Kapitel über die Komposition), habe ich
die Kontraste nach hinten verringert, damit die
Blütenäste vorne wichtiger werden.

Wann malen? · 179


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Bild Nr. 647, 24 × 18 cm

Blüten-Close-ups von Apfel und Kirsche haben es mir


sehr angetan; ich male sie jedes Frühjahr aufs Neue. Doch
so richtig »geknackt« habe ich sie noch nicht. Denn das,
was ich so gern einfangen würde, ist dieses ganz Leichte,
fast Durchsichtige der feinen Blütenblätter. Da das Zeit-
fenster, in dem Obstbäume blühen, immer so klein ist, dass
ich nur wenige Blütenbilder pro Saison schaffe, erstreckt
sich mein Lernprozess mittlerweile schon über mehrere
Jahre, wie ihr an den Bildnummern erkennen könnt.
Apfelblüten, in Acryl von meinem Mann gemalt, 24 × 18 cm

180 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 382, 18 × 13 cm

Bild Nr. 519, 24 × 18 cm

Bild Nr. 518, 24 × 18 cm

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Bild Nr. 646, 24 x 18 cm

Bild Nr. 277, 15 × 15 cm

Bild Nr. 646, 24 × 18 cm

Wann malen? · 181


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Grüner wird’s nicht! Der Sommer

Der Sommer ist natürlich Hochsaison fürs Pleinairmalen: heraussuppen kann. Das macht sich besonders auf einer
Alles ist grün und blüht, es bleibt so lange hell, dass sich Mischpalette bemerkbar, die nicht ganz waagerecht steht:
fast immer ein Zeitfenster finden lässt, um noch mal Die Farben rutschen dann auf einem Ölfilm nach unten.
draußen malen zu gehen. Die Sonne scheint (hoffentlich)
oft und lange. Das macht euch die Motivsuche durch die Solltet ihr mit Acryl oder Gouache malen: Diese Farben
deutlichen Kontraste von Licht und Schatten sehr ein- trocknen durch das Verdunsten des enthaltenen Wassers
fach. Im Sommer habe ich auch herausgefunden, wie gut schon auf der Palette ein. Ihr könnt euch helfen, indem
sich Sonnencreme zum Reinigen der ölfarb­verschmierten ihr die Farben regelmäßig mit Wasser aus einer Pump-
Hände nutzen lässt. Deswegen habe ich nun das ganze sprayflasche oder einem Vaporisateur besprüht (gibt’s
Jahr über Sonnencreme im Malgepäck. ­extra dafür im Künstlerbedarf zu kaufen).

Austrocknen werden eure Ölfarben bei Hitze nicht: Sie


trocknen durch Oxidation, nicht durch Verdunstung. Sie
werden bei hohen Temperaturen sogar noch ein bisschen
geschmeidiger bzw. flüssiger, da das Öl in den Farben

Bild Nr. 585, 18 × 13 cm


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Wenn es so richtig heiß wird, ist es ganz


besonders schön, im schattigen, kühlen Wald
zu malen. Oder ihr malt in der Nähe eines
Gewässers. Oder gleich in einem …

Durch die dunklen Farben


fangen die Blätter im Gegenlicht
so richtig an zu leuchten.

182 · Kapitel sieben


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Bei diesem Motiv bildet der dunkle Bild Nr. 612, 30 × 24 cm
Schatten nicht nur den Rahmen,
sondern machte das Malen an diesem
unglaublich heißen Tag erst erträglich. Das ist kein Bild, sondern eine Fliegenfalle!

Bis letzten Sommer nutzte ich ein Balsamterpentinöl als


Malmittel. Das riecht sehr intensiv – was anscheinend
diese klitzekleinen Fliegen, die im Sommer unterwegs
sind, gut finden: Schon manch ein Bild wurde so zu
einer richtigen Fliegenfalle!

Wann malen? · 183


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Dieses Château in
der Bretagne nennen
die Besitzer »La
Grande Maison«.
Ein Weg im Bild hat
immer etwas schön
Erzählerisches.

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Bild Nr. 554, 24 × 18 cm

Dieser Brunnen im
Frankfurter Günthersburgpark ist
extra als Wasserspielplatz für Kinder
angelegt worden. Mein Fokus lag
hier auf der im Gegenlicht hell
erleuchteten Wasserfontäne.
Bild Nr. 337, 24 × 15 cm

184 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 564, 20 × 20 cm

Die Motive, die ich hier zeige, habe ich alle an sehr heißen
Tagen gemalt. Die Hitze selbst zu malen, ist mir leider
noch nicht gelungen.  Aber ich hoffe, diese sommerliche
­Atmosphäre mit meinen Bildern rüberzubringen. Und ich
weiß ja, wie heiß es dort jeweils war … Meine Erinnerung
wird beim Betrachten total lebendig. Das würden Fotos
niemals schaffen.

Diesen Sonnenuntergang malte ich an den Gleisen in


der Darmstädter Weststadt. Die Gleise reflektierten
die letzten Sonnenstrahlen fast wie das Meer. Die
Silhouetten der Oberleitungen setzte ich im letzten
Schritt mit einem Spachtel auf das Bild.  Auch wenn
nicht alle Linien komplett durchgezogen sind, setzt
das Auge sie wieder zusammen.
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Bild Nr. 583, 30 × 15 cm

Wann malen? · 185


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Endlich alle Farben – der Herbst

Im Herbst geht es bei den Farben ganz in die Vollen! Gelbtöne, dazu die flach stehende Sonne wirken zusam-
Ich kann es oft gar nicht erwarten, dass das Laub sich ver- men, als wären sie extra nur fürs Pleinairmalen erfunden
färbt. Meistens geht es mir auch nicht schnell genug und worden! So viele so gesättigte Orange- und Rottöne gibt
ich stürze mich auf den ersten bunten Farbfleck im Park. es draußen nur in dieser Jahreszeit zu mischen – nutzt
Aber irgendwann, meist erst Mitte November, explodiert das unbedingt aus!
die Farbpalette dann. Diese total irren Rot-, Orange- und

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Bild Nr. 473, 24 × 18 cm

186 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 626, 18 × 24 cm

Wann malen? · 187


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Bild Nr. 89, 30 × 12 cm


Die Herbstbilder hier und auf der vorigen Doppelseite
habe ich mit dem Spachtel gemalt. Dabei ergeben sich oft
überraschend schöne Strukturen. Außerdem wirken
Bild Nr. 233, 15 × 15 cm
- orderid - exl42353123-3960889623 -diese Bilder häufig
transid auch lockerer als meine anderen, was
- exl42353123-3960889623 -
damit zu tun hat, dass ich den Spachtel nicht so genau
steuern kann wie einen Pinsel. Es passieren dann mehr
Zufälle und »happy accidents«.

Gerade bei Herbstbildern mit ihren leuchtenden Farben


setze ich die Spachtel sehr gerne ein, denn der Farbauf-
trag mit einem Spachtel ermöglicht es mir, ganz saubere
gesättigte Farben auf bereits dick gemalte Farbschichten
zu setzen, ohne dass sich diese (wie mit dem Pinsel)
vermischen. Und auch harte Kanten, wie bei Baumstämmen
oder Ästen, lassen sich damit ganz wunderbar erzeugen.

Grundsätzlich gilt: Farben, die mit dem Spachtel pastos


aufgetragen werden, treten nach vorne. Im Hintergrund
oder im Himmel solltet ihr deswegen die Farbe
dünner (mit einem Pinsel) auftragen.

188 · Kapitel sieben


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Herbstlaub – Schritt für Schritt

Dieses wunderschöne Baumpaar aus einem Ahorn und


einer Platane wächst im Günthersburgpark in Frankfurt,
in meiner Nachbarschaft. Das ist auch so eine Stelle, an
der ich, bevor ich sie malte, tausendmal vorbeigekommen
bin. Und als das Laub im Herbstlicht so schön leuchtete,
konnte ich nicht mehr widerstehen! Wie ich dieses Bild
aufgebaut habe, zeige ich auf der nächsten Doppelseite.

Bild Nr. 732, 24 × 18 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Wann malen? · 189


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Schritt 1
Begonnen habe ich dieses Bild auf
einer hellgrün grundierten Malpap-
pe. Wie immer legte ich im ersten
Schritt die Komposition fest. Hier
achtete ich vor allem darauf, dass die
beiden Stämme nicht den gleichen
Abstand zum Bildrand haben. Ihre
unterschiedlichen Winkel habe ich
den Originalen abgeschaut, denn die
wachsen einfach perfekt so!

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Hier legte ich den Schattenwurf der
Bäume und das Licht zwischen ihnen
fest. Mit dem Gummipinsel, den ich
euch mit meinem Material vorstellte,
schabte ich die noch feuchte Ölfarbe
ab, um dort die helleren Blätter zu
malen, ohne dass sich dunkle Farbe
in sie mischt. Das ist sehr praktisch,
gerade wenn ich wie hier leuchtende
Durchlicht-Blätter vor den dunklen
Stamm setzen möchte.

190 · Kapitel sieben


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Schritt 3
Hier malte ich die Blätter über die
freigelegten Stellen. Das helle Grün
der Untermalung konnte ich ganz
wunderbar für die durchscheinende
Sonne gebrauchen. Außerdem habe
ich mich an die Stämme gemacht. Be-
sonders der Stamm der Platane mit
seiner glatten Rinde hatte durch die
verschiedenen Reflexionen ganz tolle
Farben – das muss ich mir merken:
Platanen sind tolle Motive!

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623


Schritt 4 -
Nun malte ich das Laub auf dem
Boden. Dabei hat mich vor allem
interessiert, wie die warmorangenen
Blätter im Schatten fast lila wurden.
Außerdem modellierte ich das noch
am Baum hängende Laub aus.
Da ich dabei ganz rechts die Farben
immer mehr ineinander verschmierte,
nahm ich kurz entschlossen dort die
Farbe mit dem Gummipinsel wieder
ab, um diese Stelle noch mal neu zu
malen. Tabula rasa zu machen und
eine Bildpartie noch mal ganz frisch
anzugehen ist oft die bessere Lösung,
als ewig am Bild herumzufummeln.

Wann malen? · 191


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Alles weiß? Der Winter

Eines meiner liebsten Wettermotive packen. Ich habe es erst mit norma-
ist Schnee. Wie sich alles verändert, len Fäustlingen versucht, aber darin
wenn es eingeschneit wurde! Und habe ich definitiv zu wenig Gefühl für
nein: Es ist nicht alles weiß! Das Licht meinen Pinsel beim Malen.
moduliert das Weiß. Bei Sonne lässt
der Himmel die Schatten knallblau Erstaunlicherweise ist die Kälte,
leuchten. Das ist es mir wert, auch während ich male, oft gar nicht so
bei M­ inustemperaturen loszuziehen, ein Thema und ich kann sogar ohne
mich wie ein Michelin-Männchen Handschuhe malen. Ich blende sie
einzupacken, denn solche Schnee- total aus, wenn ich richtig konzent-
landschaften kann ich eben nur malen, riert bin, als hätte ich in meinem
wenn es richtig kalt ist. Kopf keinen Platz mehr für meine
körperlichen Befindlichkeiten. Aber,
Meine Füße sind dadurch, dass ich wehe, ich komme zum Ende des Bil-
mich so wenig bewege, beim Malen des und die Konzentration lässt nach! Manchmal bin ich so
das größte Problem. Dann helfen Das Zusammenpacken kann dann oft eingepackt, dass ich mich
kaum noch bewegen kann –
Heizsohlen, deren Aktivkohle sich nicht schnell genug gehen, und die aber selbst dann kann ich oft
bei -Kontakt
orderidmit der Luft erwärmt. klammen Finger und
- exl42353123-3960889623 tauben Füße
- transid - exl42353123-3960889623
die Handschuhe weglassen!-
Diese Sohlen habe ich auf Seite 28 werden mir ganz plötzlich bewusst.
bei meinem Mal-Equipment schon Deswegen: Nehmt Tee mit, und be-
gezeigt. Keine Ahnung, wie sie das wegt euch nach dem Malen erst ein
machen, und sie halten auch keine bisschen, um wieder gut durchblutet
acht Stunden, wie versprochen, aber zu werden. Danach könnt ihr in aller
für zwei Stunden frieren mir meine Ruhe einpacken.
Zehen nicht ab. Der Trick ist, keine
zu engen Schuhe zu tragen (oder zu
dicke Socken), denn dann fehlt den
Sohlen wohl die nötige Luft im Schuh.
Ich trage auch kombinierte fingerlo-
se Fäustlinge, deren Kappen aufzu-
klappen sind – in die Kappen kann
ich bei Bedarf noch Zehen­wärmer

Auch Raureif verändert die


Farben der Landschaft und
kann sehr malenswert sein.

192 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 746, 24 × 18 cm

Da es in Frankfurt
nur selten schneit
und der Schnee meist
nicht liegen bleibt,
bin ich sehr froh
über den Taunus mit
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - seinem 880 Meter
hohen Feldberg.
Dort malte ich alle
Schneebilder, die
ich hier zeige.

Die Kälte wirkt sich auch auf die Öl- Sicherheit auch Probleme bekom-
farben aus:  Vielleicht habt ihr schon men, da sie ja mit Wasser vermalt
mal gesehen, wie Olivenöl in der Fla- werden. Das wird nicht einfach nur
sche eindickt, wenn es kalt wird – so zäh, sondern friert ein. Ich könnte
passiert es wohl auch mit dem Öl in mir aber vor­stellen, dass ihr diesem
den Farben. Ich benutze dann mehr Problem mit heißem Wasser aus
von meinem Malmittel, um die Far- einer Thermoskanne ganz ­ gut ent-
ben so geschmeidiger zu halten. Ihr gegenwirken könnt.
könnt das Gamsol auch direkt in das
Leinöl mischen. Doch aus­gerechnet
das Titanweiß, das ich für den Schnee Hier rieselte ständig ein
bisschen Pulverschnee von einem Baum
brauche, wird unangenehm: Es zieht
auf meine Palette und mischte sich in die
bei Kälte fast Fäden! Mit Acryl- oder Farben. Dadurch hatte ich plötzlich nicht
Gouachefarben werdet ihr dann mit nur zähe, sondern krümelige Ölfarben.

Wann malen? · 193


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Bild Nr. 511, 30 × 15 cm


Da der weiße Schnee ja selbst keine
Farbe hat, mischt sich
- orderid dann weder in
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
das Licht noch in den Schatten eine
fremde Farbe ein. So wird vor allem
die Farbe des Himmels im Schatten
ganz ungebrochen reflektiert und
leuchtet in einem voll gesättigten
Blau. Vergleicht das mal mit dem
gebrocheneren Blau des Schattens
auf dem gelblich-weißen Sand in
Bild Nr. 707 von Seite 61!

An trüben Tagen, wenn der Himmel


nur noch grau ist, ist der Schatten,
der über allem liegt, dementspre-
chend nicht mehr blau, sondern grau.

Bild Nr. 506, 24 × 18 cm

194 · Kapitel sieben


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Okay, ich gebe zu, solche schönen Am kniffeligsten finde ich im Winter, sie sind oft nur noch ein bräunlicher
Schneelandschaften sind in einem die laublosen Bäume zu malen. Hier Schimmer. Und auch Äste sind oft
ganz normalen deutschen Durch- müsst ihr Kürzel für die Äste finden, lediglich ein Wirrwarr. Gemalte Äste
schnittswinter nur schwer zu finden. denn wenn ihr jeden Ast und jeden müssen nicht zwangsläufig einen An-
Ohne den Schnee, der dem Frieren Zweig einzeln malt, braucht ihr zum fang und ein Ende haben oder ganz
beim Malen erst Sinn gibt, zieht es einen zu lange, zum anderen wirkt durchgängig sein. Das Auge setzt sie
mich auch nur bei ziemlich mildem das Bild schnell naiv. Ihr malt dann später beim Betrachten wieder zu-
Winterwetter hinaus. Doch gerade nämlich wieder nur, was ihr wisst, sammen. Je weiter entfernt ihr die
die flach stehende Wintersonne, die nicht was ihr seht: Denn die ganz Bäume seht, umso weniger Details
im besten Fall schon ein bisschen feinen Zweige sind mit bloßem Auge solltet ihr malen – richtig weit weg
wärmt, erzeugt schöne Motive. nicht mehr als solche zu erkennen, wirken sogar laublose Bäume flächig.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 740, 40 × 30 cm

Wann malen? · 195


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Die beiden Bilder auf


dieser Doppelseite malte
ich vom gleichen Bach,
dem Weilbach bei
Schmitten im Taunus:
Einmal dort, wo er über
die Felder fließt, ein
anderes Mal im Wald.
Dazwischen lagen nur
wenige Tage – irre wie
die Sonne die ganze
Stimmung verändert!

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 638, 18 × 24 cm

196 · Kapitel sieben


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Wenn Schnee liegt, habt ihr durch das viele Weiß, auch
ohne dass die Sonne scheint, immer ganz tolle Kontraste.
Am deutlichsten wird der Kontrast vor dem fast schwarzen
Braun des nicht gefrorenen Wassers wie bei diesem Bach.
Die Reduktion der Farben und Details durch den Schnee
und der klare Kontrast vereinfachen das Malen sehr, was
gut ist, denn so seid ihr schneller fertig. Denn ohne Sonne
wird es natürlich sehr viel früher richtig kalt, wenn ihr
euch länger nicht bewegt.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 637, 24 × 18 cm

Wann malen? · 197


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Winterbach
Schritt 1
Zuerst legte ich auf einer dunkelgrün
grundierten Malpappe die ganz gro-
ben Formen mit verdünnter Farbe
fest. Bei der Komposition lag mein
Fokus auf der S-Kurve des Baches.

- orderid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Hier habe ich die Silhouette des Ba-
ches durch den Schnee noch mehr
definiert. Ich mischte die Ölfarbe
nun pastoser, also mit weniger Ver-
dünnung, an, um dadurch die nötige
Deckkraft des Weiß auf der dunklen
Grundierung zu erreichen.
Da ich wusste, dass ich im Schnee
an keiner Stelle richtig dunkel wer-
den muss, konnte ich beim Mischen
von Anfang an Titanweiß einsetzen.

198 · Kapitel sieben


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Schritt 3
Jetzt malte ich den querliegenden
Stamm, den Wasserfall und andere
Details, wie die kleinen Schneeinseln
im Wasser, und nur ganz vorne ein
paar Steine, da ich nur dort auf den
Grund des Baches schauen konnte.
Was ich mit dem Astwirrwarr im Bild-
hintergrund machen sollte, wusste
ich noch nicht. Ich beließ es erst mal
bei dieser Unschärfe.

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Das fertige Bild -
Diese Unschärfe war es aber irgend-
wie noch nicht. Ich versuchte dann,
den Hintergrund deutlich zu verein-
fachen, damit er nicht zu wichtig wird.
So richtig gelang mir das nicht:  Mir
fehlt für die schnee­bedeckten Äste
noch ein Kürzel – ohne einzelne Äste
zu malen.
Die Farbtemperatur des braunen
Wassers war mir bis dahin noch zu
warm. Erst als ich den kühlen Ton,
den die ­Spiegelung des Schnees auf
der ­Wasseroberfläche bewirkt, darü-
ber malte, stimmte sie für mich. Es
wurde auch Zeit, fertig zu werden –
denn wie ihr auf der Leinwand seht,
fing es an zu schneien und ich fühlte
meine Füße fast nicht mehr.

Wann malen? · 199


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Und nun zum Wetter

Das Wetter ist eine weitere Kompo- bei Sonne. Doch auch ohne Sonne fehlenden Kontraste jedoch etwas
nente, die Motive ganz grundsätzlich ist natürlich noch genug Licht zum schwieriger. Licht und Schatten geben
verändert, unabhängig von der Tages- Malen da. Wie ich bereits im vorigen nicht mehr so viel her, und die einzigen
oder Jahreszeit. Bisher ging es fast Kapitel schrieb, macht ein bewölkter erkennbaren Kontraste werden nur
immer um das Licht und die Farben Himmel die Motivsuche durch die durch die Lokalfarben erzeugt.

Solche ganz ungesättigten Schlecht-


wetterbilder finde ich – auch bei an-
deren Malern – immer etwas interes-
santer, einfach weil sie seltener zu
sehen sind. Sie wirken auch nicht so
kitschig wie Schönwetter­motive, die
sehr schnell an eine Postkartenidylle
erinnern. Leider male ich sie viel zu
selten – einfach, weil es mich bei
schlechtem Wetter nicht so richtig
nach draußen zieht.  Aber, wenn ich
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - es dann doch mal getan habe, war ich
exl42353123-3960889623 -
eigentlich immer ganz glücklich mit
dem Ergebnis.

Also: Es gibt kein schlechtes Wetter,


nur schwieriger zu findende Motive,
die es aber durchaus wert sind, von
euch entdeckt zu werden!

Dieses Bild malte ich oberhalb von Innsbruck


bei sehr trübem Wetter. Da ich nicht wusste,
wie ich dieses Nicht-Vorhandensein von Licht
und Schatten so auf die Leinwand bringen
konnte, dass es nicht langweilig wirkt, habe ich
es mit dem Spachtel gemalt, um wenigstens
interessante Strukturen zu bekommen.
Bild Nr. 260, 18 × 14 cm

200 · Kapitel sieben


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Bild Nr. 215, 17 × 15 cm Es war total schön, wie das noch sonnen­
beschienene Wasser und die Dünen vor
dem dramatisch dunklen Himmel leuchte-
ten. Und dann noch dieser Sonnenschirm!
Besonders schön wird es bei aufziehendem Unwetter, Die beiden packten dann aber sehr zügig
zusammen – und haben es im Gegensatz zu
wenn die Sonne zwar noch scheint, der Himmel sich aber
mir wohl geschafft, nicht nass zu werden!
schon so sehr verdunkelt, dass davor alles strahlend hell
leuchtet. Da ziehen die Kontraste noch mal so richtig an.
In so einer Situation jedoch solltet ihr euch mit dem
Malen wirklich beeilen!

Wann malen? · 201


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Bild Nr. 569, 24 × 18 cm

Diese Hütte in Südtirol


habe ich mal in der Sonne,
mal im Regen gemalt.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Was bei Sonne eventuell langweilig
(oder vielleicht sogar kitschig) aus-
sieht, bekommt im Regen oft einen
so anderen Look, dass es gleich viel
interessanter wirkt. Durch die redu-
zierte Palette empfinde ich solche
Bilder als irgendwie ernsthafter und
auch weniger dekorativ.

Bild Nr. 578, 24 × 18 cm

202 · Kapitel sieben


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Auch wenn es nicht besonders komfortabel ist, im Regen


zu malen: Es lohnt sich! Durch das Nasse verändern
sich die Oberflächen: Sie fangen an zu glänzen und zu
reflektieren. Ihr habt dadurch auch ohne Sonne wieder
Kontraste im Bild. Es gibt einige Motive, die ich ohne
diesen Effekt niemals gemalt hätte. Vor allem Alltägliches
kann dadurch gewinnen.

Das ist der Altkleidercontainer direkt


gegenüber unserer Wohnung.
Erst die Spiegelung in der regennassen
Straße machte ihn für mich malenswert.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 629, 19 × 19 cm

Wann malen? · 203


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Das Tolle an Ölfarben ist, dass ihr mit ihnen auch im


(leichten) Regen malen könnt! Da das Öl in den Farben
wasserabweisend ist, perlt der Regen einfach ab. Nur
ganz am Anfang sollte eure Leinwand nicht nass werden.
Denn die Ölfarbe wird von einer nassen Oberfläche
nicht mehr angenommen.  Am einfachsten macht ihr es
euch, für Regenbilder eine bereits mit Ölfarben g­ rundierte
Malpappe zu nehmen. Einzelne Tropfen könnt ihr vor dem
Farbauftrag einfach wegpusten.

Wenn es so richtig schüttet, werdet ihr allerdings immer


einen Wasserfilm auf dem Bild haben, auf dem die Farben
dann nicht mehr halten. Dann benutze ich den Schirm,
den ich euch mit meiner Ausrüstung vorstellte. Leider
ist er mir bei ganz trübem Regenwetter oft zu dunkel.
Deswegen habe ich mir noch einen durchsichtigen Schirm
zugelegt. Ihn habe ich aber
nur dabei, wenn ich ganz
gezielt im Regen losziehe,
da er größer und -unhand-
- orderid exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
licher ist. Diesen Schirm
könnt ihr auf der vorigen
Seite im Einsatz sehen.

Bild Nr. 203, 10 x 5 cm


Als ich dieses bretonische Fischer-
häuschen in Plozévet malte, begann es
zum Glück erst nach den ersten
Farbschichten zu regnen und die
Regentropfen perlten auf dem öligen
Untergrund ab – ich konnte also ganz
entspannt weitermalen.

Bei diesem Ardennenbild erwischte mich


der Regen zu früh: Die weiße Leinwand
wurde schon vor dem ersten Farbauftrag
feucht. Die tieferen Leinwandporen
bekam ich nicht mehr mit Farbe bedeckt.

204 · Kapitel sieben


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Auch nach dem Regen lohnt es sich, auf Motivsuche


zu gehen. Wenn die Straßen noch nass sind, es aber
langsam aufklart, findet ihr sehr schön knackige Farben
und Kontraste Vor allem die Pfützen, die der Regen
zurücklässt, liefern mit ihren kontrastreichen ­Spiegelungen
malenswerte Motive.

Bild Nr. 471, 18 × 24 cm

Bild Nr. 495, 24 × 18 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Wann malen? · 205


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Ebbe- und Regenpfützen – Schritt für Schritt

Bei diesem Bild, das ich in der Bucht von Concarneau in


der Bretagne malte, vermischten sich die Regen- mit den
Ebbepfützen. Der Schirm ist hier fast nur Deko, denn der
Regen war so fein und leicht, dass er eigentlich überall
in der Luft war.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 556, 20 × 20 cm

206 · Kapitel sieben


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Schritt 1
Dieses Bild begann ich auf einer weißen, ungrundierten
Malpappe. Da es schon zu Beginn regnete, habe ich
die noch trockene Malpappe komplett mit ein bisschen
Leinöl bedeckt, damit sie wasserabweisend wird. Trotz-
dem verband sich die Ölfarbe nicht überall mit dem
Untergrund. Das erkennt ihr vor allem an diesem etwas
krisseligen Farbauftrag in den dunklen Felsen in der
Mitte. Wenn ihr genau guckt, seht ihr an dieser Stelle
sogar noch im fertigen Bild, dass die Farbe dort nicht
so richtig haftet.
Das Bild teilt sich in drei deutlich voneinander abgestufte
Ebenen: Mehr als die Hälfte des Raums nimmt der kon-
trastreiche Vordergrund ein; dann kommt ein blasserer
Mittelgrund, und der Hintergrund ist schließlich ganz
kontrastarm. Die Tiefe wird hier nicht nur durch diese
Überschneidungen, sondern vor allem durch diese soge-
nannte atmosphärische Perspektive erzeugt – mehr dazu
schreibe ich auf Seite 223.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid
Schritt 2 - exl42353123-3960889623 -
Der Kontrastunterschied zwischen Vorder- und Mittel-
grund war oben noch zu schwach: Vor allem hinter den
dunklen Bäumen rechts in der Ecke musste ich die Fläche
deutlich aufhellen. Gleichzeitig machte ich die Felsen­
kante zum Mittelgrund hin noch dunkler, damit sich die
beiden Ebenen besser trennen.
Bei diesem Schritt finde ich den Vordergrund viel besser
als später im fertigen Bild: Dadurch, dass ich dort im
letzten Schritt (auf der genüberliegenden Seite) noch
zu viele Details ergänzte, zieht er den Blick am Ende
zu sehr auf sich.
Ganz zum Schluss malte ich die hellblauen Himmelsrefle-
xionen auf die Felsen: Erst dadurch wirken die Steine nass
und glänzen. Zusammen mit der Diesigkeit vermittle ich
so die Atmosphäre des Regentages.

Wann malen? · 207


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Bild Nr. 194, 19 × 19 cm

Bildtext

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Im Nebel habe ich bisher erst selten gemalt. Doch diese nach hinten werden. Kontraste innerhalb der Formen
gedämpfte und ruhige Atmosphäre, wenn man im Dunst werdet ihr nach hinten kaum noch sehen. Malt nichts, von
steht, ist etwas Besonderes. Es ist auch total schön, wie dem ihr lediglich wisst, dass es da (irgendwo im Nebel)
sich die Landschaft dadurch verändert – und vor allem sein muss.
vereinfacht. Die Farben werden alle ganz entsättigt, und
es macht Spaß, die allerfeinsten Abstufungen in den Farb- Nebel ist wirklich die komplette Abwesenheit der Sonne
werten zu mischen. Es ist außerdem toll, wie sich durch und all ihrer Beleuchtungseffekte: keine Kanten, keine
das so deutliche Verblassen nach hinten Tiefe erzeugen Kontraste, weder in Hell-Dunkel noch in der Farbtempe-
lässt.  Achtet beim Mischen darauf, dass ihr nicht zu früh ratur – alles ist ganz weich und soft, auch Schlagschatten
zu hell werdet: So könnt ihr bis zum Schluss noch heller sind keine mehr zu sehen.

208 · Kapitel sieben


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Ein Wetterphänomen, für das ich Am Meer werden euch auch immer Wegen des Windes habe ich meinen
mich so gar nicht begeistern kann ­ ieder Sandkörner auf die Leinwand
w Rucksack an die Staffelei gehängt.
Das macht sie schwerer und sie wird
und mit dem ich schon sehr oft wehen und in der feuchten Ölfarbe nicht ganz so schnell umgepustet.
kämpfte, ist der Wind. Vor allem am hängen bleiben. Das ist nervig, aber
Meer bläst er fast immer. Und anders nicht weiter schlimm: Ihr könnt ­diese
als bei Schnee oder Regen, wo ich Körnchen, nachdem die Ölfarbe so
das unbequeme Wetter in Kauf neh- trocken ist, dass ihr sie anfassen
me, weil es so schöne Motive er- könnt, ganz vorsichtig mit den Fin-
zeugt, sieht man den Wind auf den gern vom Bild rubbeln. Und sollten
meisten Bildern noch nicht einmal! es nur ganz wenige sein: Lasst sie
Egal ob es regnet oder die Sonne doch einfach drauf. Sie machen eure
­direkt auf meine Leinwand scheint, Erinnerung an den schönen Mal- und
meinen Schirm kann ich im Wind Strandtag erst perfekt.
auch nicht benutzen. Der Wind kann
ungeheuer nerven. Gegen ihn habe
ich noch kein Mittel gefunden.

Aber einen Tipp habe ich dann doch:


Macht eure Staffelei so schwer wie
möglich, damit sie
- orderid nicht leicht umge-
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
blasen werden kann. Ich habe immer
einen kleinen S-Haken dabei, mit
dem ich meinen Rucksack oben in
der Basis des Dreibeins der Staffelei
aufhängen kann. Im Internet habe ich
auch schon Bilder von Staffeleien mit
Zeltschnüren und Heringen gese-
hen! Einige sehr schöne Motive
konnte ich wegen des Windes gar
nicht erst malen, weil es mich sonst
– wie in der Normandie – von den
Klippen gepustet hätte.

Bild Nr. 462, 24 × 18 cm

Wann malen? · 209


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Bild Nr. 720, 24 × 15 cm


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So erzählt mein Bild


Kapitel 8

eine Geschichte –
die Komposition
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Ich habe die Komposition beim Pleinairmalen sehr lange zu verstehen. Betrachtet das Folgende als Empfehlungen,
unterschätzt. Dachte ich doch: »Ich male ja nur ab, was nicht als Regeln! Wenn ich hier von meinen kompositori-
ich sehe, da ist dann eben alles genau so, wie es ist.« schen »Fehlern« berichte, dann meine ich damit lediglich,
Doch schon die Wahl meines Standortes und vor allem dass ich meinen eigenen Empfehlungen nicht gefolgt bin.
die meines Bildausschnitts verändert die Bildaussage
­komplett. Ihr dokumentiert mit eurem Bild nicht objektiv, Vieles bei der Komposition ist aber auch Gefühlssache.
was ihr seht, sondern interpretiert es ganz subjektiv und Ich kann oft nicht begründen, warum das eine Bild
teilt euren Eindruck, den ihr vor Ort hattet. Ihr hattet ja ­»funktioniert« und ein anderes nicht. Oft erkenne ich
einen Grund, warum ihr genau dieses Motiv gemalt habt auch erst mit großem zeitlichen Abstand, wie ich ein Bild
– und diese Geschichte erzählt ihr mit eurem Bild. hätte besser komponieren können. Schaut euch am
besten viele Bilder von verschiedenen Malern an. Wenn
Ich will euch nicht den Spaß am Malen nehmen, indem ich euch ein Bild besonders gut gefällt: Findet heraus, warum.
Verbote oder Tabus in der Komposition aufzähle: Ihr dürft Es ist nie einfach nur die schöne Malweise, die Farben
alles so malen, wie ihr wollt.  Aber auf ein paar Sachen, die oder der Duktus; sehr oft wird es an der gelungenen
ein Bild leichter lesbar machen, möchte ich doch e­ ingehen. Komposition liegen, die euer Auge an die richtigen Stellen
Sie helfen allen, die eure Bilder anschauen, eure Erzählung lenkt und das Bild eine Geschichte erzählen lässt.

Die Komposition · 211


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Warum malt ihr das eigentlich?

Irgendetwas wird es ja gewesen sein, was euren Blick Anders als beim Fotografieren habt ihr beim Malen die
­gefangen hat und warum ihr euch dann entschieden habt, Möglichkeit, euer Motiv zu verändern. Ihr könnt nicht nur
­dieses Motiv zu malen. Genau dessen solltet ihr euch weglassen, was euch stört (wie Zäune, durch die ihr auf
bewusst werden, bevor ihr mit dem Malen anfangt. Denn euer Motiv gucken müsst). Ihr könnt auch Elemente an-
um genau das mit eurem Bild zu erzählen, ist die Kompo- ders ­platzieren, sogar ganze Berge versetzen, wenn es
sition das wichtigste Werkzeug. Also: Was exakt hat euch eurer Geschichte hilft. Geht dabei aber behutsam vor:
angesprochen, wo liegt euer Fokus? Jeder Eingriff verändert euer Motiv. Und im schlimmsten
Fall geht das, was euer Auge ursprünglich anzog, dabei
Nachdem ihr diese grundsätzliche Entscheidung ­getroffen ­verloren. Denn oft war es ja genau diese Komposition des
habt, folgen daraus alle weiteren Entscheidungen: Motivs vor euch, warum ihr es eigentlich malen wolltet.
O Welches Format?

O Welche Bildeinteilung?

O Wohin lenke ich den Blick?

O Was kommt mit aufs Bild, was lasse ich weg?

O Was muss ich für die Komposition anpassen?

Verliert das, was ihr euch vorab vorgenommen habt, beim


Malen nicht aus den
- orderid Augen – auch wenn ihr, je länger ihr
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
euer Motiv betrachtet, immer mehr Details entdecken
werdet. Malt euer Bild so reduziert, wie es geht. Lasst
alles weg, was eurer Erzählung nicht dient. Und ergänzt
während des Malens nur, was wirklich nötig ist.

Diese Reduzierung auf das Wesentliche hilft später den


Betrachtern, das Bild zu lesen, und sie hilft auch euch, schnell
genug zu sein, um euer Bild vor Ort fertig zu malen.

Hier lag mein Fokus auf dem Licht, das den Rost so
irre zum Leuchten brachte. Ich habe also bewusst
alles andere dunkel gehalten, damit die hellen
Stellen durch den Kontrast mehr strahlen. So, wie
das Licht meinen Blick vor Ort anzog, so zieht ihn
nun auch die hellste Stelle auf dem Bild auf sich.
Bild Nr. 529, 10 × 15 cm

212 · Kapitel acht


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Hoch oder quer? Das Format


Dieses Motiv wirkt in
jedem Format komplett
Es gibt kein falsches oder richtiges Format. Es hängt anders. Die Wahl des
­immer davon ab, was ihr mit dem Bild sagen wollt. Wenn »richtigen« Formats hängt
euer Fokus auf der Weite der Landschaft liegt, passt davon ab, was ich mit dem
Bild erzählen will.
am besten ein Querformat. Verwendet ein Hochformat,
um zu zeigen, wie hoch sich die Wolken auftürmen.
Das Format eurer Malpappe unterstützt euer Motiv und
bestimmt die Komposition ausschlaggebend.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Habt ihr das passende Format mal nicht dabei
Hier habe ich mich für ein Hochformat (benötigt ihr z. B. ein Querformat und habt nur
entschieden, da mein Fokus auf dem Weg ein Quadrat dabei), dann bemalt nur einen Teil
bzw. auf der Lücke zwischen den Bäumen lag. der Malpappe. Den freigelassenen Streifen könnt
Ein Hochformat hat immer etwas Dynamisches. ihr dann zu Hause mit dem Cutter abschneiden.

Um den Blick trotz des Efeu-Gewusels


Um zu zeigen, dass der Sonnenuntergang an den auf das Fenster zu lenken, wählte ich hier
Gleisen dem am Meer ähnelt, wählte ich das für mit dem Quadrat ein Format, das die
Seestücke klassische Querformat. Form des Fensters aufnahm.

Bild Nr. 663, 15 × 30 cm Bild von Seite 185 Bild von Seite 116

Die Komposition · 213


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Wohin mit dem Fokuspunkt? Die Bildeinteilung

Wo ist der richtige Platz für meinen Fokuspunkt, also die (Wichtig: Es muss eine ungerade Zahl sein!) Hier reicht
wichtigste Stelle in meinem Bild?  Angeblich darf man nie das Augenmaß. Sitzt dann der Horizont und/oder der
irgendetwas genau in die Mitte des Bildes malen – es gibt Fokus auf einer der gedachten Linien, wirkt das Bild in
dafür im Englischen den Begriff »dead center«. Und doch der Regel interessanter.
sehen Bilder, die genauso symmetrisch aufgebaut sind,
nicht unbedingt »falsch« aus. Aber es ist tatsächlich Überall dort, wo sich diese Linien kreuzen, ist ein guter
meistens (!) ein ganz guter Tipp, nicht symmetrisch zu Platz, um den Fokuspunkt oder andere wichtige Elemente
malen, den Fokuspunkt nicht genau in die Mitte zu setzen im Bild zu platzieren. Je nachdem, welchen dieser gedach-
oder die Horizontlinie nicht das Bild exakt halbieren zu ten Kreuzungspunkte ihr nun als euren Fokuspunkt wählt,
lassen. Da es darum geht, den Blick zu führen, würde er verändert sich das Bild in seiner Erzählung.
sofort in der Mitte landen, ohne vorher oder nachher
Bild von Seite 114
weiter über das Bild zu wandern. Das macht die Kompo-
sition schnell langweilig.

Um solche Halbierungen zu vermeiden, könnt ihr ein Bild


in Höhe und Breite jeweils dritteln oder auch fünfteln.
Das Bild unten habe ich
bewusst symmetrisch
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - aufgebaut, um den Baum
in den Mittelpunkt zu
rücken. Es ist nämlich
auch nicht verboten,
symmetrisch zu malen!
Hier habe ich überall ein
Drittel- bzw. Fünftelraster über
meine Bilder gelegt, um zu zeigen,
wie ich die einzelnen Elemente im
Bild positioniert habe.

Bild von Seite 119 Bild von Seite 159 Bild von Seite 167

214 · Kapitel acht


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Seid ungerecht – Symmetrien vermeiden

Die Position der Horizontlinie zeigt


besonders deutlich, wie die Komposi-
tion die Aussage des Bildes beeinflusst.
Vermeidet es, die Horizontlinie genau
mittig zu setzen. Entscheidet euch
stattdessen, ob ihr dem Himmel oder
der Erde mehr Raum gebt, je nachdem,
was eurer Erzählung mehr hilft.

Beachtet auch, dass ihr den Schatten-


und Lichtanteil eines Bildes nicht
symmetrisch malt. Ein Bild wird nicht
nur spannender, wenn ihr hier ein
Ungleichgewicht schafft, die Licht-
stimmung wird auch deutlicher und
dadurch wichtiger. In einer über­
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - wiegend dunklen Umgebung leuchtet
exl42353123-3960889623 -
das wenige Licht immer intensiver.

Muster sind natürlich auch eine Form der Symmetrie. Sie positionieren, Blumen gleichmäßig über die Fläche zu
entstehen, wenn ihr Bildelemente im gleichen Abstand verteilen. Doch das Auge hat dadurch viel weniger zu
zueinander oder gleich groß malt. Das menschliche Hirn ­entdecken, da es auch sofort die Muster scannt und nicht
neigt dazu, in allem Muster zu erkennen, um sich die daran festhalten mag. Jegliche Art von Wiederholungen
Arbeit zu erleichtern. Hinzu kommt wahrscheinlich noch machen eure Komposition nicht spannender:  Achtet des-
ein Harmoniebedürfnis, das nach Symmetrie strebt: Ich wegen auf Variationen in Formen, Abständen und Größe
ertappe mich immer wieder dabei, gleich große Wolken – malt nicht überall gleich.  Werdet ruhig ungerecht bei
oder Bäume zu malen, Menschen im gleichen Abstand zu der Verteilung auf dem Bild!

Die Komposition · 215


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Den Blick lenken

Nachdem ihr euren Fokuspunkt platziert habt, gilt es Auf euer Bild übertragen, steht das Gartentor für den
jetzt, den Blick auf ihn zu lenken. Stellt euch euer Bild Bildeinstieg. Den Blick könnt ihr schön über Diagonalen
wie einen angelegten Garten vor. Das Auge betritt ihn lenken, die wie Wege auf euren Fokuspunkt hinsteuern.
durch das Tor, wird eingeladen, herumzuwandern, und Um euren Fokuspunkt so interessant wie möglich zu
von der schönsten und interessantesten Blume magisch gestalten, malt ihr genau dort die kontrastreichste Stelle
angezogen. Legt Wege an, die zu dieser Blume führen, ins Bild. Solche Kontraste erzeugt ihr unter anderem, in-
über die der Blick wandern kann. Positioniert die Blume dem ihr helle und dunkle Farben, sowie unterschiedliche
nicht plump in der Mitte, damit das Auge auf dem Weg Farb­temperaturen oder Sättigungen nebeneinandersetzt.
dorthin euren Garten bewundern kann. Pflanzt nicht zu Kontraste wirken stärker, wenn die Kanten zwischen den
viele andere schöne Blumen in euren Garten: Sie stehlen Farben scharf begrenzt sind. Auch wenn ihr dort eure
der wichtigen Blume nur die Schau. Damit der Blick die gesättigtste oder hellste Farbe ins Bild setzt, zieht ihr den
Szenerie nicht zu früh verlässt, legt euren Garten zum Blick dorthin. Malt zu den Bildrändern hin weniger Details
Rand hin so uninteressant wie möglich an. So verweilt und kontrastärmer, lasst das Bild ruhig »auslaufen«.
der Blick länger im Inneren eures Gartens. ­Unterstützend wirken dabei eure Pinselstriche: Je weiter
ihr vom Fokus wegrückt, um so gröber dürfen diese sein;
verwendet kleinere Pinsel nur für die Details eures Fokus.

Bild von Seite 111 Bild von Seite 185


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Hier ist mein Fokuspunkt tatsächlich


die schönste Blume im Garten.
Die Diagonalen in diesem Bild
weisen alle auf die kontrast-
reichste Stelle im Bild. Genau
dort wollte ich den Fokus haben.

216 · Kapitel acht


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Bild Nr. 683, 19 × 19 cm

Auch das Licht kann den Blick sehr schön lenken. Nicht
nur, dass der Lichteinfall oft diagonal durchs Bild läuft,
hinzu kommt, dass das Licht Schatten erzeugt. Und
überall dort, wo Licht und Schatten direkt nebeneinan-
dersitzen, entsteht der größtmögliche Kontrast.

Ein guter Weg, um das Auge zu steuern, kann auch … ein


gemalter Weg sein. Er führt den Blick im wahrsten Sinne
des Wortes ins Bild.

Mein Fokus lag bei diesem Bild auf dem Paar, weil es
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - nur
so schön im Licht saß. Der Blick wird nicht
vom Kontrast und den Details angezogen, sondern
nimmt auch den Weg über die Treppe dorthin.

Bild von Seite 94 Auch hier leiten alle Diagonalen das Auge
zu meinem Fokuspunkt (den ich doch
prompt haarscharf neben die Mitte setzte!).

Nicht nur Diagonalen, auch gebogene


Linien können den Blick lenken.

Bild von Seite 13 Diagonalen können


den Blick auch im Zickzack
durch das Bild führen.

Bild von Seite 55

Die Komposition · 217


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Bild Nr. 737, 30 × 20 cm


Nur ein Held pro Bild

Wie ich am Anfang des Kapitels schon erwähnte, besteht


die Gefahr, beim Malen den eigenen Fokus aus dem Auge
zu verlieren. Je länger ich auf mein Motiv schaue, desto
mehr Details und andere schöne Stellen entdecke ich.
Wenn ich diese nun aber alle mit in mein Bild male, wird
meine ursprüngliche Bildaussage undeutlich oder geht
sogar ganz verloren.

So ein Fokuspunkt ist nicht nur beim Betrachten, son-


dern auch beim Malen die interessanteste Stelle im Bild:
Es macht mir immer unglaublich viel Spaß, diese eine Stel-
le im Bild auszuarbeiten. Wenn ich so einen »Helden« in
meinem Bild etabliert habe und sehe, wie schön er wirkt,
dann verleitet mich das oft, diesen Effekt noch einmal zu
­bemühen. Und noch mal … Doch jeder einzelne dieser
Helden im Bild stiehlt dem anderen die Schau: Dessen
Wirkung verpufft, das Auge wird nicht mehr geleitet.
Hier- gilt immer: Weniger
orderid ist mehr.
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Mein Fokus war bei diesem Bild der
wunderschöne Wolkenhimmel.
Doch irgendwann entschied ich
mich, den Baum ins Bild zu malen.
Das Bild ist dadurch nicht schlechter
geworden, hat aber seine ursprüng-
liche Bildaussage verloren. Ihr seht,
es gibt bei der Komposition kein
Richtig oder Falsch, es kommt nur
darauf an, was euch wichtiger ist.

Ich hatte mich für dieses Motiv entschieden, da


die Wasserfontäne so schön vor dem dunklen
Himmel leuchtete. Die Alte Oper wurde dann
aber fast wichtiger als der Brunnen, da ich sie
so detailliert und auch zu leuchtend malte.
Ich habe, nachdem das Bild getrocknet war, das
Gebäude zu Hause mit einem dunklen Blauton
lasierend übermalt. Merkt ihr, wie euer Blick
nun vorne beim Brunnen bleibt?
Bild Nr. 689, 18 × 24 cm

218 · Kapitel acht


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Bild Nr. 220, 30 × 15 cm Bild von Seite 147

Bei diesen beiden Strandbildern könnt ihr gut erkennen,


wie das Bild spannender wird, wenn ich mich beherrsche
und mich auf nur einen Sonnenstreifen beschränke.

Bleibt bei eurer Ursprungsidee, haltet an


eurer vorab getroffenen Entscheidung fest, Während ich dieses Bild malte, war es fast die ganze Zeit bewölkt,
und versucht nicht, zu viel in euer Bild zu weswegen ich das ganze Bild recht dunkel anlegte.  Als dann gegen
packen.  Auf einem Bild ist nicht genug Ende immer mal wieder die Sonne herauskam, setzte ich nur ganz
Platz für zwei Ideen! wenig von dem Licht ins Bild. Der Lichtstreifen auf der Gischt zieht
dadurch den Blick komplett auf sich. Und ihr seht, auch mir passiert
es immer mal wieder, dass ich den Fokuspunkt genau mittig platziere.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 727, 30 × 15 cm

Die Komposition · 219


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Bild Nr. 654, 15 × 24 cm


Bildkorrekturen

Um euch zu zeigen, wie die Kompo-


sition hilft, ein Bild leichter lesbar
oder auch ­interessanter zu machen,
habe ich hier mal eine Auswahl von
Bildern zusammen­ gestellt, die ich
noch verbesserungswürdig fand. Den
Grundaufbau der Bilder habe ich bei
der Über­malung in Photoshop bei-
behalten, um so möglichst nah am
Originalmotiv zu bleiben. Doch auch
schon solche kleinen Korrekturen
machen einen großen Unterschied
aus. Erkennt ihr,  wie die Bildaussagen
nun viel klarer werden?

Bei diesem Bild habe ich das Licht nur


minimal verändert und die Häuser vom Bei diesem Motiv lag mein Fokus auf dem vorderen Boot. Das hatte so ein schönes
- orderid - exl42353123-3960889623
oberen Bildrand gerückt.  Am meisten - transid
Licht. Doch das erzählt - exl42353123-3960889623
das Bild nicht. -
In der Übermalung setzte ich deswegen das Licht
störte mich aber der Bildeinstieg. deutlicher und erhöhte die Kontraste im vordersten Boot. Und vor allem machte ich
Der Weg, der den Blick ins Bild führen die anderen Boote viel unwichtiger, indem ich sie dunkler und detailärmer gestaltete.
sollte, gabelte sich und führte rechts
optisch unter die Felsen, da die räumliche
Überlappung nicht deutlich genug war.

Bild Nr. 676, 24 × 18 cm

220 · Kapitel acht


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Bild Nr. 721, 30 × 20 cm

Hier reichte es, die große dunkle Form des Daches zu


Da es mich nun doch selbst erstaunt hat, wie wesentlich übermalen. Sie hatte fast die gleiche Größe wie das Boot
sich selbst kleine Veränderungen in der Komposition und wurde einfach zu wichtig. Das Format lediglich rechts
zu beschneiden, hätte nicht den gleichen Effekt gehabt,
auswirken, werde ich in Zukunft noch ein bisschen ge-
sondern das Boot genau in die Bildmitte gerückt.
nauer hingucken, wo ich was wie hinmale – bzw. öfter mal
solche eigenen Bildkorrekturen machen.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Um die Symmetrie dieses


Bildes zu durchbrechen,
habe ich die Bäume so
angeordnet, dass nirgend-
wo ein gleicher Abstand
entsteht. Obwohl die
Blume noch immer fast
mittig sitzt, wirkt die
Komposition nun viel
weniger langweilig.
Bild Nr. 576, 18 × 24 cm

Die Komposition · 221


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Tiefe erzeugen – die Räumlichkeit

Damit Betrachter überhaupt den Eindruck bekommen, unserer Erfahrung nach weiter weg sein. Und wenn etwas
mit eurem Bild eine Landschaft oder einen Raum zu vor etwas anderem steht, dann verdeckt es den weiter
betreten, müsst ihr in eurem Bild den Eindruck von Tiefe entfernten Gegenstand zum Teil. Vor allem solche Über-
entstehen lassen. Dazu dient die Perspektive (sowohl die schneidungen sorgen für unsere Wahrnehmung von Raum.
lineare als auch die atmosphärische). Bitte habt keine
Angst vor der Perspektive, und versucht nicht, sie zu Achtet deswegen besonders auf die Tangenten: Das sind
vermeiden, weil ihr denkt, ihr könnt das nicht, oder weil Kanten oder Geraden im Bild, die haarscharf andere
euch das alles zu theoretisch und zu kompliziert ­berühren. Beispiele sind ein Strommast, der exakt auf der
erscheint. Zum einen ist Perspektive überall vorhanden, Hauskante sitzt und oben an der Dachkante endet; ein
auch in Landschaften, wenn sie auch selten so deutlich zu Baum, der genau mit der Horizontlinie abschließt, und
sehen ist wie bei Gebäuden. Zum anderen würdet ihr euch alles, was irgendwie aneinanderklebt. Das ist beim
durch diese Vermeidungshaltung bei eurer Motivwahl zu ­Betrachten kaum lesbar, und euer Bild verliert dadurch
sehr einschränken – und das wäre doch sehr schade. an räumlicher Tiefe. Selbst wenn der Mast vor euch genau
so vor der Hauskante steht, solltet ihr hier nicht einfach
Ich versuche euch das Thema so praxisnah und a­ nwendbar dokumentieren, sondern bewusst komponieren. Es ist ein
wie möglich zu erklären, auch wenn wir um ein bisschen Klacks für euch, den Mast zu verschieben oder ganz
Theorie nicht herumkommen werden. Wie bei allen wegzulassen, den Baum etwas größer zu malen, die
­
bisherigen Themen kommt es vor allem auf das
- orderid - exl42353123-3960889623 -­Btransid genaue üsche sich ganz deutlich überlappen zu lassen: Ihr führt
- exl42353123-3960889623 -
Sehen an. Die Theorie bildet hierfür nur die Basis, um in eurem Bild schließlich die Regie und dürft alles ­ver-
euch zu zeigen, worauf ihr achten solltet. ändern, was euch stört. Wenn etwas eurem Bild nicht
­guttut, dann lasst es weg. Nur weil es da ist, ist das nicht
Dass wir Räumlichkeit in einem zweidimensionalen Bild Grund genug, es auch ins Bild zu malen. Durch solche
erkennen können, liegt an unseren Erfahrungen.  Alles, was deutlichen Überschneidungen erzeugt ihr perspektivisch
nah bei uns ist, ist größer, und wir erkennen viele Details. das Gefühl von Dreidimensionalität. Es ist ganz deutlich
Was kleiner und weniger deutlich zu erkennen ist, muss zu erkennen, dass das eine vor dem anderen steht.

Auf dem linken Bild habe ich möglichst viele Tangenten gemalt. Seht
ihr, wie das überall »knirscht«? Das tat mir beim Malen richtig weh!

222 · Kapitel acht


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Bild Nr. 672, 30 × 15 cm


Nach hinten wird nicht nur
alles kleiner, sondern auch
blasser und kühler bzw. blauer.
Wenn ich die verschiedenen
Ebenen sich dann noch
überlappen lasse, wird der
Eindruck von Tiefe erzeugt.

Nicht nur die geometrische Per­ spektive. Abhängig vom Wetter, dem ebenfalls deutlich ab. Das liegt an den
spektive, bei der nach hinten alles li- Sonnenstand und der Luftatmosphä- Schwebeteilchen in der Luft, bedingt
near kleiner wird, erzeugt den Ein- re kann man grob zusammenfassen, durch die Luftfeuchtigkeit und/oder
druck von Räumlichkeit in eurem dass nach hinten alles blauer (oder Luftverschmutzung, die alles, was in
Bild, sondern auch die Veränderung kühler) und auch heller (also blas- weiter Entfernung liegt, die­siger ma-
der Farben von vorne nach hinten, ser) wird. Der Hell-Dunkel-Kontrast
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 chen, und das selbst an sonnigen-und
die sogenannte atmosphärische Per- und die Schärfe nehmen nach hinten klaren Tagen.

Am deutlichsten wird dieser Effekt,


wenn ihr in die Sonne guckt: Dann
wird es nach hinten ganz hell und
dunstig. Habt ihr die Sonne im Rü-
cken, ist der Effekt nicht ganz so
stark, aber immer noch ganz gut zu
erkennen. An trüben und bedeckten
Tagen ist die »Verblauung« ohne den
blauen Himmel dann eher eine Ver-
grauung. Besonders deutlich wird
das bei Nebel, wenn in der Tiefe fast
keine Farben mehr zu erkennen sind.

Hier wird die Räumlichkeit des Vordergrundes


durch die Verjüngung nach hinten erreicht.
Wenn ich so wie hier in die Sonne schaue, ist
der Hintergrund ganz besonders diesig.
Bild Nr. 516, 24 × 18 cm

Die Komposition · 223


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Linearperspektive – die Theorie

Alle Geraden, die parallel verlaufen, verjüngen sich nach immer auf der Horizontlinie liegen – aber oft außerhalb
hinten und treffen sich in einem zentralen Punkt, dem eures Bildes. Dann ist es nicht mehr so einfach möglich,
Fluchtpunkt. Die waagerechte Horizontlinie, auf der ein Hilfslinien ins Bild zu malen. Und das müsst ihr auch nicht!
Fluchtpunkt liegt, ist immer (!) genau auf Höhe eurer Denn anders als Architekten müsst ihr Gebäude ja nicht
Augen. Haltet einen Stift waagerecht direkt vor eure konstruieren. Das würde nicht nur viel zu lange dauern,
Augen und streckt euren Arm auf exakt dieser Höhe aus: sondern wäre auch völlig übertrieben: Ihr baut die Häuser
Nun habt ihr die Horizontlinie im Bild. ja nicht! Es reicht vollkommen, wenn die Winkel in etwa
stimmen, wenn das Gebäude nicht falsch aussieht oder
Steht ihr zufällig zwischen nur parallelen Geraden, treffen irgendwie kippt. Und ihr steht ja direkt davor und könnt
sich alle in nur einem zentralen Fluchtpunkt. Deswegen sehen, in welchem Winkel seine Geraden fluchten.
heißt diese Perspektive Zentralperspektive. Da der
Fluchtpunkt hier innerhalb des Bildes liegt, könntet ihr
euch Hilfslinien strahlenförmig zum Fluchtpunkt ein-
zeichnen. Doch nicht immer ist die Straße ­schnurgerade
und nicht immer steht ihr frontal vor so gleichmäßig
angeordneten Häusern. Gebäude stehen oft schräg vor
euch, keins ist wie das andere ausgerichtet, oder die S­ traße
verläuft in einer Kurve.
- orderid Dann »fluchten« die Linien zu zwei
- exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
oder sogar zu mehreren Fluchtpunkten, die zwar auch
Die Ränder des
Gehwegs, die
Häuserzeile, die
Straße mit den Autos:
All diese Geraden
sind in diesem Motiv
parallel. Nur dann
seht ihr alles in der
(recht simplen)
Zentralperspektive.

Das ist die Hafen­


promenade in Fécamp
in der Normandie.
Das Licht dort ist was
ganz Besonderes –
und erzeugt hier
eine schöne atmo-
sphärische Tiefe.
Bild Nr. 720, 26 × 15 cm

224 · Kapitel acht


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Wenn die Gebäude sich


nicht genau parallel gegen-
über stehen, fluchten deren
Geraden in verschiedene
Fluchpunkte auf der
Horizontlinie – diese liegen
oft außerhalb der Leinwand.
So wäre es defintiv zu
mühsam, die Perpektive
konstruieren zu wollen.

Die Übertragung
- orderid der korrekten Winkel auf euer Bild -
- exl42353123-3960889623 transid - exl42353123-3960889623 -
ist also das Geheimnis, das es zu knacken gilt. Ich habe
mich immer wieder verschätzt: Die Winkel waren in
Wirklichkeit oft viel steiler, als ich sie malte – beim Über-
tragen des  korrekten Winkels (gemessen mit dem am
ausgestreckten Arm hingehaltenen Pinsel) bin ich immer
wieder verrutscht.

Bis ich irgendwo einen ganz simplen, aber fast schon


genialen Trick aufschnappte … (bitte umblättern!).

Wenn ihr euer Smartphone nutzt, um den


Bildausschnitt zu bestimmen, müsst ihr beachten, dass die
Kamera-Optik nicht dem menschlichen Auge entspricht.
Sie ist um einiges weitwinkliger eingestellt. Das heißt, die
Perspektiven werden übertriebener dargestellt, als ihr sie
seht. Wenn ihr nun abwechselnd das Foto und die
Realität als Referenz nehmt, widersprechen sie sich
ständig, sodass ihr dauernd das Gefühl habt, im Bild
etwas korrigieren zu müssen.
Bild Nr. 736, 15 × 26 cm

Die Komposition · 225


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Linearperspektive – die Praxis

Könnt ihr aus dem Kopf einen 150°-Winkel malen? Aber


ihr könnt die Uhr lesen, oder? Dieser Winkel entspricht
in etwa dem, den der große Zeiger bei 25 Minuten ein-
nimmt. Und wie die Zeigerposition aussieht, haben wir
alle komplett verinnerlicht. Diesen Winkel erkennen wir
sofort – und noch besser: Den können wir auch genau so
malen! Da ihr vor eurem Motiv steht und alle Winkel vor
euch habt, müsst ihr sie nur noch in Minuten übersetzen.
So könnt ihr sie dann ziemlich genau und vor allem ganz Malt Gebäude nicht zu
einfach auf euer Bild übertragen. akkurat, nur weil sie so eine klar
definierte Form haben. Ich habe für mich festgestellt, dass
Um euch bei all den Winkeln nicht zu verirren, hilft es, die Bilder, bei denen ich alles absolut richtig und die
wenn ihr euch Gebäude erst einmal als einfache Quader Linien alle grade und exakt malte, nicht so lebendig
vorstellt. Ihr könnt dann vorab die grobe Form malen wirken wie die, bei denen ich ungenauer war. So fallen
und euch nach und nach an die Details herantasten. kleinere perspektivische Fehler auch weniger auf.


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Als ich dieses


Konstrukt in der
Völklinger Hütte
malte, habe ich gar
nicht kapiert, was ich
sah. Ich habe es dann
einfach Winkel für
Winkel abgemalt.
Bild Nr. 484, 26 × 16 cm

226 · Kapitel acht


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Bild Nr. 594, 20 × 20 cm

Die Burg Eltz wurde bestimmt auch in


echt nie konstruiert – da gibt es weder
Geraden noch Parallelen! Ich habe dort
gemeinsam mit einigen Urban Sketchers
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
gemalt. Die wirkten für mich wie ein
Schutzschild vor den Touristenmassen.

Hier seht ihr, wie ich die Winkel alle


ohne Hilfslinien setzen konnte – einfach
dadurch, dass ich die Uhr lesen kann.

Die Komposition · 227


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 726, 30 × 24 cm


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Einfach mal
Kapitel 9

mit anderen malen


Es- ist nicht nur netter,
orderid mit anderen zusammen zu malen -
- exl42353123-3960889623 kann, die mir
transid kluge Sachen zu meinen Bildern sagen-und
- exl42353123-3960889623
– es ist vor allem unglaublich lehrreich! Ich habe zwar das die mich vor allem mit ihren Bildern motivieren, Neues
meiste, was ich über das Malen gelernt habe, beim Malen auszuprobieren und mich weiterzuentwickeln.
selbst gelernt, indem ich viel ausprobierte, Fehler machte,
dranblieb – und es immer wieder aufs Neue versuchte. Ich möchte euch deswegen unbedingt ans Herz legen:
Aber die größten Erkenntnisse, die entscheidenden Tipps Malt nicht immer nur für euch allein! Sucht euch
bekam ich von anderen Malern. Ich schaute mir natürlich ­Gleichgesinnte, möglichst auf eurem Level – oder einen
auch im Netz so einiges bei anderen ab, doch selbst Tick besser: Das motiviert! Schaut bei den anderen ruhig
Online-Tutorials haben mir keine solchen Aha-Erlebnisse ab, stellt Fragen. Und vor allem: Teilt auch euer Wissen
beschert wie die Malexkursionen mit meinen Kollegen. mit anderen. Sprecht gemeinsam über eure Bilder, nehmt
Ich habe das große Glück, dass ich erfahrenere Maler an auch Kritik an. Das Malen ist kein Contest, sondern wird,
meiner Seite habe, bei denen ich mir vieles abschauen wie so vieles, durch Teilen immer schöner!

Mit anderen malen · 229


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Art Retreat

Dass ich überhaupt mit dem Pleinairmalen angefangen unglaublich befruchtend, da wir drei sehr ­unterschiedlich
habe, verdanke ich einer kleinen Gruppe von Illustratoren­ malen. Wie verschieden unsere ­Bildanfänge und Ergeb-
kollegen, die sich regelmäßig zum Zeichnen und Malen nisse sind, zeigt sich vor allem, wenn wir alle drei das
trafen. Bei den ersten Treffen saß ich mit einem Skizzen- gleiche Motiv malen. Das finde ich immer total spannend,
buch da und zeichnete (was man heute Urban Sketching aber das seht ihr gleich selbst auf den nächsten Seiten.
nennt). Doch da war dann dieser eine Kollege ­(Torsten
Wolber), der mit einer Staffelei dastand – und er malte Einmal im Jahr fahren wir zusammen eine ganze Woche
tatsächlich in Öl! Das wollte ich auch! Seitdem male auch irgendwohin und malen dort von früh morgens, zum Teil
ich draußen in Öl. noch vor dem Kaffee, bis spät abends, wenn das Licht weg
ist. Das hat immer ein bisschen was von Trainingslager.
Diese bunt gemischte Truppe aus Zeichnern und Malern Wir nennen das unseren Art Retreat.
veränderte sich mit den Jahren; mit Alfons Kiefer bilden
wir seit fünf Jahren den festen Kern der Gruppe. Das ist

Drei Maler – ein Motiv (von rechts nach links:


Alfons Kiefer, Torsten Wolber und ich)

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

230 · Kapitel neun


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So sieht es aus, wenn


wir drei so richtig im
Malwahn sind. Diese Bilder
haben wir in Südtirol im
Val di Funes gemalt.

Alfons’ Bach, 25 × 35 cm

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -


Torstens Bach, 20 × 30 cm Mein Bach, 20 × 30 cm

Mit anderen malen · 231


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Dies sind die berühmten Klippen von Étretat. Torsten


wählte seinen Bildausschnitt so, dass die Klippen nicht mittig
im Motiv sitzen. Sein Fokus lag auf dem Loch in den Felsen.
Dorthin legte er den größten Kontrast und dort malte
er am detailliertesten. Den Rest ließ er bewusst flächig.
Die Menschen setzte er nur wegen des Maßstabs in Bild.

Er verlor seinen Fokus auch nicht aus den Augen, als die
Sonne langsam herumkam und immer mehr Lichtkanten
in die Felsen setzte.

Torsten Wolber, 40 × 30 cm


Ich wählte den Ausschnitt so, dass ich den beleuchteten
Klippenanfang auch mit aufs Bild bekam. Das Felsloch war
zwar auch bei mir der Grund, warum ich diesen Blick
malte, doch beim Malen fand ich dann viel spannender,
wie die Klippen, die vormittags noch im Schatten lagen,
allererste kleine Lichtkanten bekamen, als die Sonne
- orderid - exl42353123-3960889623 -­langsam
transid weiterwanderte. Ich änderte deshalb meinen Fo-
- exl42353123-3960889623 -
kus, ­anders als Torsten, nachträglich (machte also genau
das, wovor ich euch die ganze Zeit gewarnt habe).

Meine Komposition ist weniger dynamisch. Das liegt wohl


an der fast mittig liegenden Horizontlinie und daran, dass
noch dazu die Bucht exakt bis zur Hälfte des Bildes reicht.
Bild Nr. 717, 30 × 24 cm
Alfons fing erst nach uns mit dem Malen an und e­ rwischte
die Felsen schon im warmen Sonnenlicht. Durch den
veränderten Sonnenwinkel wurden die Licht- und
Schattenkanten schön sichtbar. Seht ihr, wie sich gegen
Mittag die Farbtemperaturen veränderten?

Die Flut war mittlerweile auch da und veränderte die


Bucht total. Zusammen mit den deutlich gestaffelteren
Klippen und dem hohen Wasserstand ist es fast so, als
hätte er ein komplett anderes Motiv gemalt.

Alfons Kiefer, 35 × 25 cm

232 · Kapitel neun


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Es gibt manchmal Motive,


die so aussehen, als seien sie
extra arrangiert worden, um
gemalt zu werden, wie diese
Boote in Yport in der
Normandie. Ich habe den
Hintergrund zuerst angelegt,
wahrscheinlich, weil ich mich noch nicht so an die Boote traute.
Wenn ich den Hintergrund gleich zu Beginn male, bleibe ich
aus Ungeduld oft schön »rough«. Dadurch bildet er dann wirklich
nur die Kulisse.

Bild Nr. 716, 24 × 18 cm


Da Torsten hier auf einer
imprägnierten Graupappe
malte, die bereits den Sandton
gut rüber­brachte, konzent-
rierte er sich in diesem Fall
besonders auf die Komposition
und das Arrangieren der
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Boote innerhalb der Malfläche.
Dazu gehörte auch, alles wegzulassen, was im Bild gestört hätte.
Bei ihm finde ich es immer wieder toll, wie er selbst solche
konkreten Objekte vereinfacht, indem er nicht das Boot selbst malt,
sondern nur die Farbe an die Stelle setzt, wo er sie sieht.
Er malt von uns dreien am lockersten.
Torsten Wolber, 30 × 20 cm

Da Alfons im Sitzen malt,


hatte er eine andere
Perspektive. Bei ihm ragen
die Boote über den Horizont
hinaus.  Allerdings hat er das
Bild (seiner Meinung nach) zu spät angefangen. Die Sonne kam um
die Boote herum und das schöne Licht (in den anderen beiden
Bildern) war schon verschwunden. Er hat das Bild dann auch nicht
beendet (sagt er – ich finde, er hätte eh nicht mehr ergänzen dürfen.
In meinen Augen ist es fertig). Solche Diskussionen führen wir oft,
wenn wir nach dem Malen über unsere Bilder sprechen.
Alfons Kiefer, 30 × 20 cm

Mit anderen malen · 233


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Das Mal-Karussell

Unser Art Retreat 2019 in der Normandie war bereits Idee: das Mal-Karussell.Wir bauten unsere drei ­Staffeleien
das fünfte Mal, dass wir drei zusammen malten. Trotzdem ganz eng zusammen auf, Rücken an Rücken. Jeder fing
waren wir noch immer neugierig auf die Ausrüstung der ganz normal mit seinem Bild und seinem Material an –
jeweils anderen bzw. deren genaue Malweise. Denn und nach 15 Minuten rückte jeder von uns eine Staffelei
­meistens malt man ja gerade selbst, während die anderen nach rechts. So malte ich dann an der Vorzeichnung von
malen, und hat gar keine Zeit, ihnen in Ruhe über die Alfons weiter, Torsten übernahm meinen Bildanfang und
Schulter zu schauen. Wir überlegten dann, ob wir einfach Alfons malte Torstens Bild weiter. Bis wir nach einer
mal unser komplettes Malzeug tauschen sollten. Dann ­Viertelstunde wieder weiterrückten.  Am Ende hat jeder
müssten wir aber eng beisammen malen, damit man von uns an jedem Bild drei- oder viermal gemalt. Das war
­jederzeit den anderen fragen kann, wenn etwas nicht total irre – und unglaublich lehrreich! Was dabei heraus-
klappt. Irgendwie kamen wir dann auf diese verrückte kam, seht ihr auf der rechten Seite.

Hier sitze ich gerade an der


Feldstaffelei von Alfons.
Der wiederum steht an Torstens
Staffelei. Und Torsten an meiner.

- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

234 · Kapitel neun


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Torsten Wolber (und wir), 30 × 20 cm


Dies ist das Bild, das Torsten
angefangen hat. Er legt bei
der Untermalung immer
schon den Fokuspunkt fest,
den Rest malt er ganz
bewusst ziemlich wild, um
dann beim Weitermalen zu
entscheiden, was er bis zum
Schluss davon noch stehen
lässt.  Als Alfons und ich an
seinem Bild weitermalten, haben wir bestimmt einiges davon
übermalt, was er hätte stehen lassen wollen.

Alfons fängt meistens mit


einer Zeichnung an. Dieses
genaue Anlegen sieht man
seinen Bildern bis zum
Schluss an: Sie sind immer
ganz nah an der Realität.
Erstaunlicherweise merkt
man das dem Bild sogar an,
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
nachdem Torsten und ich
mit an ihm gemalt haben!
Ich hatte direkt nach Alfons’
Vorzeichnung an dem Bild weitergemacht und mich nicht getraut,
über die vorgegebenen Linien hinauszumalen.
Dieses genaue Arbeiten wurde dann auch von Torsten fortgesetzt.
Wie entscheidend doch der Bildanfang sein kann!
Alfons Kiefer (und wir), 25 × 20 cm

Meinen Bildanfang kennt ihr


ja mittlerweile. Wie immer
habe ich zuerst die großen
Formen flächig angelegt.
Beim fertigen Bild ist aber
ganz klar zu erkennen, dass
ich es nicht allein gemalt
habe – es unterscheidet
sich deutlich von meinen
normalen Bildern. Die
lockeren, frei gesetzten Pinselstriche sind von Torsten – und von
Alfons stammen die feinen Details, zum Beispiel die Möwen vorne,
die er jeweils mit nur einem perfekten Pinselstrich gemalt hat.
Yo Rühmer (und die anderen), 30 × 24 cm

Mit anderen malen · 235


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Alfons Kiefer

Seit wann malst du in Öl, und hast du boten, noch länger an meinen Skiz-
das richtig gelernt? zen zu arbeiten. Ich solle auch mal Öl
Also, malen tu ich schon seit mehr ausprobieren. Da wäre ich schneller.
als 30 Jahren. Meistens in Acryl, aber Aber das funktionierte bei mir nicht.
auch in Öl. Und ich hab’ mal gedacht, Ich war es gewohnt, in mehreren
ich kann alles malen, wenn ich nur Schichten (und Tagen) zu arbeiten.
genügend Zeit dafür habe. Dann kam Hier sollte ich nun in ein bis zwei
das Pleinairmalen, und da ich bin Stunden ein Ergebnis haben. Aber
grandios gescheitert. die Farbe trocknete zu langsam und
Wann hast du mit dem Pleinairmalen schmierte ineinander. Ich m ­ usste ler- selber über Ausschnitt, Perspektive
angefangen – und warum? nen, mich hier und jetzt für einen und Farbe entscheiden. Das ist ein
Es fing damit an, dass Yo und Torsten Farbauftrag zu entscheiden, und den großartiges Training für jeden Maler.
mich zu ihrem Art Retreat eingela- dann möglichst bis zum Ende stehen Was ist das Schönste daran (und gibt
den hatten. Im ersten Jahr hab’ ich da lassen. Auch musste ich mich damit es etwas dabei, was du nicht magst)?
nur gezeichnet. Während die beiden anfreunden, dass in dem Zeitfenster Es ist immer wieder total spannend,
anderen ihre Staffeleien und Ölfar- kein Fotorealismus erwartet wurde, sich in der Hoffnung hinzusetzen (ich
ben a­uspackten, habe ich mich zum sondern »lediglich« eine Studie. male im Sitzen), das Motiv ­tatsächlich
Zeichnen hingesetzt. Und ich war so Was bedeutet dir das Pleinairmalen?
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 auf den Malgrund zu bekommen. -
schrecklich langsam. Ob Landschaft, Nimmst du dabei was mit für­ Was ich weniger mag, ist, wenn mir
Kirchen oder auch Lastwagen, ich deine Atelierbilder? das nicht gelingt.
­verzettelte mich immer. Das ein oder Beim Pleinairmalen hat man keine Wo bzw. was würdest du gerne
andere Mal haben sie mir sogar ver- Fotoreferenzen. Man muss (kann) mal malen?
Eine Schneelandschaft wäre mal eine
Herausforderung.
Was würdest du Pleinair-Anfängern
mit auf den Weg geben?
Geduld ist sicher sehr wichtig. Die
ersten Versuche können durchaus
unbefriedigend ausfallen. Unbedingt
weitermachen! Mit der Zeit sammelt
man Erfahrungswerte. Die Unsicher-
heit lässt dann nach. Malen ist ein
sehr persönlicher Prozess. Tipps von
­Kollegen und Ratschläge aus ­Büchern
Das Verhältniss
sind hier sicher sehr hilfreich.  Aber
von Licht und
Schatten schien letztendlich zählt doch nur die ­eigene
Alfons hier ideal. Erfahrung.  Also:  Ausprobieren!
Küste in Étretat, Normandie, 30 × 19 cm

236 · Kapitel neun


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Aus Zeitmangel
hat Alfons die
Wiesen und Wälder
gleich weggelassen.

Die Geislergruppe in den Dolomiten, 35 × 25 cm


Den dunklen, unscharfen
Hintergrund fand Alfons
perfekt für die filigranen
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Gräser und Halme.
Ein Boot im Hafen von Fécamp, 25 × 20 cm

Graseck in den Dolomiten, 18 × 24 cm

Mit anderen malen · 237


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Torsten Wolber

Seit wann malst du in Öl, und hast du Was bedeutet dir das Pleinairmalen?
das richtig gelernt? Nimmst du dabei etwas mit für
Als Illustrator benutzte ich die Air- deine Atelierbilder?
brush, kombiniert mit Acryltusche. Absolut. Mein Anfangsplan, durch
Der Wunsch, mit Öl zu malen, war Pleinairmalen das Malen an sich zu
aber schon immer da, wird wohl am lernen, ging nicht nur bestens auf,
MAD-Magazin gelegen haben. Da- sondern erweiterte und beschleu-
mals war es noch schwer, überhaupt nigte meine Auffassungsgabe, meine
an Infos zu kommen, geschweige denn Spontanität und Konzentration auf
an ge­eignete Lehrer. Ich bin also im das Wesentliche. Auch die Art des Was ist das Schönste daran (und gibt
­Wesentlichen Autodidakt. Pinselstrichs und die Behandlung es etwas dabei, was du nicht magst)?
Wann hast du mit dem Pleinairmalen von kalt-warm, hell-dunkel, weich- Ich liebe es, beim Malen alleine mit
angefangen – und warum? hart, fett-mager usw. erlauben mir der Natur einen privaten Dialog zu
Leider haben meine Jobs als Illustra- gezielter, eine bestimmte Wirkung führen. Deswegen bin ich auch noch
tor, anders als bei Alfons, das Malen in den Studiobildern zu erzeugen. Ich nach Jahren wenig begeistert über
mit Öl nie hergegeben. Ab und zu sehe das Pleinairmalen – mehr als andere Menschen (außer Kollegen)
bin ich dann mit Kollegen raus in die ganz klassischen Maler – als das um mich herum und meide belebte
Wald und Flur und beschloss, wenn Fundament, um Inspiration und
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 Of- Orte, wenn es irgendwie geht. -
ich wirklich malen lernen will, dann fenheit ins Atelier zu holen. Ohne Wo bzw. was würdest du gerne
am besten direkt auf die ­schwierigste das Malen dort draußen wäre die mal malen?
Art, die ich kenne. Denn wer plein- Arbeit im Atelier so für mich auch Schnee mit Sonne wäre mal toll, aber
air malen kann, kann alles malen! gar nicht möglich. hier in Köln schneit’s so gut wie nie,
und ich mag mir auch nicht die
Zehen abfrieren.
Was würdest du Pleinair-Anfängern
mit auf den Weg geben?
Dranblieben ist natürlich wichtig,
die Qualität kommt dann mit der
Als Torsten Zeit automatisch. Aber vor allem
dieses Bild würde ich ihnen sagen, dass es beim
im frühen
Morgenlicht
Pleinairmalen um die Erfahrung
malte, lag sein geht, nicht um das Bild. Die ersten
Fokus auf der Ergebnisse werden das nicht wider-
Staffelung der spiegeln, aber die Präsenz und der
Tonwerte und
Vorgang des Malens bleiben im
der Entsättigung
der Farben Bewusstsein. Ich wünschte, ich hätte
nach hinten. das früher gewusst.
Blick über das Zillertal, 24 × 18 cm

238 · Kapitel neun


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Stampfhaus in der Völklinger Hütte, 30 × 22 cm Das Rettungsboot »Gesina«, 20 × 18 cm

Hier ging es Torsten um das Dach und den


Schatten darunter.  Alles andere hat er eher
locker und diffus gehalten, um nicht abzulenken.

Nachdem er diese abendliche Szene am Strand relativ schnell


- orderid - exl42353123-3960889623 - transid
draußen-notiert
exl42353123-3960889623 -
hatte, hat Torsten noch ziemlich lange zu Hause
damit verbracht, die Wolken neu zu arrangieren, bis er zufrieden war.

Strandkörbe auf Wangerooge, 20 × 30 cm Wangerooge,Wolkenhimmel, 30 × 21 cm

Mit anderen malen · 239


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- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -

Bild Nr. 706, 30 × 20 cm


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Buch zu und
Schlusskapitel

ab nach draußen !
Puh, geschafft! Jetzt
- orderid habe ich für euch wirklich alles ge- -
- exl42353123-3960889623 Alle, die malen
transid (es noch lernen oder schon können),
- exl42353123-3960889623 -
sammelt, was ich über das Pleinairmalen weiß. Den Rest haben aber tatsächlich eines gemeinsam: Sie alle wollen
müsst ihr jetzt selbst herausfinden.  Aber ich kann’s nicht malen! Und daraus resultiert die Bereitschaft, Zeit zu
lassen, euch auf den letzten Seiten doch noch ein paar investieren und dranzubleiben, auch dann nicht frustriert
Überlegungen mit auf den Weg zu geben. aufzugeben, wenn es (natürlich) nicht gleich auf Anhieb
klappt. Es ist kein Glück oder Talent, malen zu können:
Wenn ich draußen male, führe ich öfter Gespräche mit Es ist das Dranbleiben (und eine gewisse Frusttoleranz).
Passanten. Einige Sätze höre ich dabei immer wieder. Und das ist gut so: Denn Glück und Talent, darauf hätten
Ganz häufig werde ich mit einer Art »Neid« auf mein wir keinen Einfluss, die liegen außerhalb unserer ­Kontrolle.
angebliches Talent konfrontiert: »Ach, so talentiert wäre Aber Dranbleiben, das können wir uns vornehmen,
ich ja auch gerne!« Als wäre es mir einfach gegeben, das haben wir selbst in der Hand!
malen zu können. Wenn das so wäre: »Tschä, Pech
gehabt!« Dann kann man’s entweder oder eben nicht. Oft werde ich auch gefragt, seit wann ich male: Ich ant-
Dann gäbe es aber auch keine Mal- und Kunstschulen worte dann immer: »Seit dem Kindergarten«. Denn da
und keine Lehrbücher. Und auch dieses Buch hätte ich fangen alle mit dem Malen an – und die, die es wirklich
völlig umsonst geschrieben. wollen, hören entweder nie mehr damit auf oder fangen
irgendwann später wieder damit an.

Buch zu! · 241


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Bild Nr. 12, 15 × 14 cm


Malt schlechte Bilder!

Leider weiß ich nicht mehr, wo ich diesen wunderbaren


Satz aufgeschnappt habe: »In jedem Maler stecken 1000
schlechte Bilder.« Und wenn die erst einmal alle gemalt
sind – dann kommen die guten! Das finde ich so simpel
und befreiend, denn es bedeutet nichts anderes, als dass
wir einfach nur viele Bilder malen müssen, um malen zu
lernen. Lasst euch nicht von der (wohl beliebig g­ ewählten)
Zahl abschrecken: Es zählen alle Bilder, ab dem ersten, das
ihr im Kindergarten gemalt habt! Und natürlich werden
auch schon unter den ersten 1000 gute Bilder sein – so
wie bestimmt nach dem 1000. Bild noch mal ein schlech-
tes entstehen wird. Es zeigt einfach, dass durch Quantität
mit der Zeit die Qualität immer wahrscheinlicher wird.
Ich bin mittlerweile bei meinen Pleinair-Ölbildern bei
Dieses Bild malte ich zwei Monate nach
Bild-Nr. 749, und ihr könnt im Buch selbst ­erkennen, dass, meinem ersten Ölbild (siehe nächste Seite).
je höher die Bildnummer wird, die Bilder nicht schlechter Es war ein wunderschöner Sommertag im Park,
werden. Seid bitte nicht frustriert, wenn a­ndere ver- an den ich mich gerne erinnere – obwohl ich
meintlich besser malen. Sie haben wohl einfach schon noch sehr mit dem Material zu kämpfen hatte.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
mehr Bilder gemalt als ihr.
Auch wenn ich hier im Buch geschrieben habe, worauf
Nachdem ich das für mich so eingeordnet hatte, konnte ihr achten solltet, wie ihr Fehler vermeidet: Versucht
ich ganz befreit losziehen und malen: Ich muss ja kein nicht, alles »richtig« zu malen, und traut euch, Fehler zu
gutes Bild malen, ich muss nur … malen. Diese ergebnis- machen! Denn durch sie könnt ihr am meisten lernen:
offene Herangehensweise half mir schon zu Beginn, Schaut euch mal eure bisherigen Bilder an (die, die ihr
­dranzubleiben und auch dann glücklich vom Malen heim- nicht so gelungen findet, aber auch die, die ihr gut findet),
zukommen, wenn das Bild nicht so wurde, wie ich das und kontrolliert, wie ihr es da mit den Farbtemperaturen
wollte. Es geht beim Pleinairmalen nicht um das Ergebnis, und Farbwerten gehalten habt. Unterstützt die Kompo­
sondern um das Erlebnis. Und so kann ich den reinen sition euren Fokus, hat euer Bild die gewünschte Tiefe?
Malprozess noch viel mehr genießen, ganz ohne den Wenn mein Buch funktioniert, werdet ihr hoffentlich
Druck, dass am Ende etwas dabei herauskommen muss. erkennen, was ihr bisher schon alles richtig macht.
Hauptsache, ich male draußen. Der Vorgang selbst macht Aber auch, wo die Fehler liegen könnten, um diese dann
mich glücklich. Das ist das Beste überhaupt dabei: Selbst in Zukunft im besten Fall nicht mehr zu wiederholen.
die vermeintlich schlechten Bilder werden euch an den
schönen Moment des Malens erinnern; ihr werdet mit Am allerwichtigsten ist, dass ihr überhaupt rausgeht und
dem Bild immer verbinden, wie es sich anfühlte, dort zu malt und euch über das Malen freuen könnt – alles
malen. Es ist deswegen auch total unwichtig, ob das Bild andere kommt dann von ganz alleine, im besten Fall sogar
richtig oder falsch ist – und vor allem, ob es anderen gefällt. ganz ohne, dass ihr es merkt.

242 · Schlusskapitel
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Und wie malen die anderen so?

Es gibt unendlich viele Arten des Obwohl ich stundenlang im Internet ebenfalls draußen malen, zu finden,
­Pleinairmalens. Dass ich euch in d­ ie- Pleinairbilder von anderen angucken habe ich auf Instagram ebenfalls
sem Buch (fast) nur meine Art des könnte, finde ich es noch schöner, im einen Account unter dem Namen
Malens zeige, liegt daran, dass ich ja echten Austausch mit anderen zu pleinairmalerei eingerichtet, auf dem
nur erklären kann, wie ich selbst sein. Bisher kenne ich leider noch ich eine Auswahl von Pleinair­bildern
male. Dass ich so male, wie ich male, nicht so viele Pleinairmaler, die auch reposte, die in Deutschland gemalt
ist auch nicht aus dem Nichts ent- hier in Deutschland malen, und noch werden.Wenn wir es so schaffen, den
standen: Selbstverständlich habe ich weniger von ihnen kenne ich auch Hashtag #pleinaimalerei zu etablie-
mich inspirieren lassen (und natürlich persönlich. Deswegen möchte ich
­ ren, entsteht daraus hoffentlich eine
auch ganz viel abgeguckt). Bewusst versuchen, gemeinsam mit meinem ähnlich lebendige und offene Com-
ausgesucht habe ich mir »meinen Stil« Kollegen Torsten Wolber eine Art munity wie die Urban Sketchers.
nicht, er hat sich vielmehr entwickelt, Pleinair-Gemeinschaft aufzubauen.  Auf
so, wie die eigene Handschrift. Ich einer gemeinsamen Website (siehe Wie schön wäre es, wenn sich alle,
bin selbst ganz neugierig, wie er sich Linkliste) möchten wir eine Plattform die draußen malen, ganz u­ nkompliziert
in Zukunft noch verändern wird. Ich für ­Pleinairmaler und -malerinnen gegenseitig finden und sich spontan
befinde mich also auf einem span- bieten, und wir hoffen, auf ihr in Zu- miteinander zum g­emeinsamen Ma-
nenden Weg, der (zum Glück!) wohl kunft noch viele andere präsentieren len verabreden könnten!
nie zu Ende sein wird. zu können. Um all die anderen,
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - die

Ich bin immer total beeindruckt, wenn


ich mal mit anderen male, wie unter­
schiedlich unsere Bilder werden. Ich
habe zwar versucht, im vorigen Kapi-
tel ein bisschen von dieser Vielfalt zu
zeigen – aber was sind da schon nur
drei Malende! Sucht im Netz doch mal
nach den Begriffen »Pleinairmalerei«,
»Freilichtmalerei« oder »pleinairpain-
ting« (in England und den USA gibt
es die meisten ­ Pleinairmaler): Das
wird euch bestimmt umhauen! Es ist
unglaublich, wie vielfältig die Maltech-
niken und Stile beim Draußenmalen
sind. (Und das sind nur die Bilder, die
ins Netz hochgeladen wurden!)

Bild Nr. 540, 24 × 18 cm

Buch zu! · 243


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Wir sehen uns draußen!

Mit diesem Buch will ich nicht nur meine Freude am klar zusammenzufassen. Dazu musste ich passende Bilder
Pleinairmalen, sondern auch mein Wissen darüber auswählen (oder knipsen), die genau das beweisen, was
weitergeben. Denn das habe ich mir nur zum Teil selbst ich erklären wollte. Ich habe meiner Lektorin ausführlich
erarbeitet. Ich verdanke es auch all den Malern, die ihr erklärt, was ich rüberbringen will, mit meinem Mann
Wissen großzügig mit mir teilten – und ich reiche es nun ­diskutiert, ob ich so verstanden werde, und mit meinen
an euch weiter. Ich hoffe, ihr konntet mit meinem Buch Kollegen gefachsimpelt, ob das alles so stimmt. Bei all
Neues entdecken und habt noch einiges dazugelernt. dem habe ich mehr über das Malen gelernt, als hätte ich
Am allermeisten habe aber bestimmt ich durch das Buch die ganze Zeit nur gemalt. (Das war ein bisschen so, wie
gelernt! Und zwar nicht nur, wie es ist, ein Buch zu wenn man einen Spickzettel geschrieben hat – den man
­schreiben (anstrengend, aber auch sehr spannend). Ich anschließend gar nicht mehr braucht!) Gemalt habe ich
musste alles, was ich beim Malen (oft nur intuitiv) mache, dadurch in den letzten Monaten definitiv viel zu selten!
auseinandernehmen und analysieren und vieles infrage Deswegen: Buch zu und ab nach draußen zum Malen!
stellen. Ich habe in Büchern und im Netz recherchiert, ob
ich damit richtigliege, und versucht, das dann möglichst Vielleicht sehen wir uns?

Das ist mein allerallererstes


Ölbild, das ich draußen gemalt
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 - habe. Das war vor acht Jahren,
im Mai 2012. Ich hatte ganz
schön Dusel, dass es mir so
viel Spaß machte und auch
gut gefiel – wer weiß, ob ich
sonst drangeblieben wäre?

Bild Nr. 1, 24 × 18 cm

244 · Schlusskapitel
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Danke!

Auch wenn ich erstaunlich vieles in diesem Buch selbst Mein größter Dank gilt jedoch meinen Mann: Er musste
machen konnte (da hat sich mein Grafikdesign-Studium nicht nur ein halbes Jahr mit einer furchtbar aufgeregten
am Ende doch noch gelohnt!), hätte ich das ohne die Hilfe Neu-Autorin zusammenleben, die teilweise von nichts
von besonderen Menschen niemals so hinbekommen. anderem als der Pleinairmalerei sprach. Er war es auch,
der jedes Kapitel als Erster zu sehen bekam. Dass er sich
Da ist zuallererst meine wunderbare Lektorin Barbara trotz zum Teil sehr emotionaler Widerstände immer
Lauer, der ich ein fettes Danke sagen möchte. Nach wieder traute, seine oft recht kritischen Anmerkungen zu
unserem allerersten Gespräch, als ich sie fragte, ob es im äußern, bewahrte mich davor, beim Schreiben ins Faseln
dpunkt.verlag ein Buch über die Pleinairmalerei gebe, zu geraten, und euch davor, im Buch zu verquaste Anlei-
dachte ich noch, ich würde so ein Buch gern kaufen. tungen lesen zu müssen.
Dass ich dieses Buch nun tatsächlich selbst geschrieben
habe, verdanke ich nicht nur ihrer tollen Arbeit und Doch vor allem danke ich ihm für all die ungezählten
Unter­stützung und ihrer empathischen Art. Sondern vor Stunden, die er in den letzten Jahren geduldig an meiner
allem, dass sie etwas in mir sah, von dem ich selbst nicht Seite ausharrte, während ich irgendwo in der Landschaft
wusste, dass es in mir steckt. stand und malte.

Außerdem danke ich meinem Kollegen Torsten Wolber,


der mein Buch fachlektoriert
- orderid hat und kontrollierte, dass -
- exl42353123-3960889623 transid - exl42353123-3960889623 -
ich keine falschen Tipps weitergebe. Er half mir auch zu
erkennen, ob das, was ich für mich beim Malen heraus-
gefunden habe, überhaupt allgemeingültig ist, und, falls
nicht, meine Erkenntnisse zu v­ erallgemeinern. Doch am
meisten möchte ich ihm dafür danken, dass er mich vor
acht Jahren mit seinen schönen Ölbildern überhaupt erst
zum Pleinairmalen gebracht hat!

Ich danke auch Birgit, die mir ein riesiges Paket voller
Motivation schenkte, von dem ich jeden Tag zehrte.

Und bei Nina bedanke ich mich dafür, dass sie sich
geduldig alle Selbstzweifel anhörte und mir bei meinen
diversen InDesign-Problemen half.

Buch zu! · 245


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Linkliste
Zur Inspiration und Motivation finde ich Instagram am besten. und könnt mir Fragen stellen und Anmerkungen posten, die
Ihr müsst keinen eigenen Account anmelden, wenn ihr nur ich dann für alle sichtbar beantworten werde.
Bilder gucken wollt: www.instagram.com
Unter #pleinairpainting findet ihr die meisten Pleinairbilder, da Das ist die Website, mit der wir eine Plattform für die
besonders im englischsprachigen Raum sehr viel draußen Pleinairmalerei schaffen wollen: www.pleinairmalerei.de
gemalt wird. Der dazugehörige Instagram-Account heißt @pleinairmalerei.
Wenn ihr auf Instagram für eure Bilder
Da das Pleinairmalen vor allem in den USA so verbreitet ist, den Hashtag #pleinairmalerei verwendet, dann sehe ich eure
gibt es dort einen großen Markt für Zubehör. Bilder und kann sie dort reposten.
Hier gibt es meinen speziellen Malerschirm zu bestellen: Wenn euch mein Buch zum Pleinairmalen motiviert hat,
www.greatarttools.com würde ich mich auch freuen, wenn ihr
Das sind diverse Hersteller von Pochadeboxen: den Hashtag #maleinfachdraussen nutzt.
www.allaprimapochade.com
www.siennapleinair.com Bisher gibt es leider noch nicht so viele organisierte Treffen
www.guerrillapainter.com zum gemeinsamen Pleinairmalen. Das ist ein kleineres Festival,
www.stradaeasel.com an dem ich letztes Jahr teilgenommen habe:
Das ist die Box, die ich auf Seite 31 zeigte (sie heißt u.go): www.pleinair-brandenburg.de
www.newwaveart.com Und dieses größere Festival werde ich als Nächstes besuchen:
Als ich auf der Creativeworld-Messe mit dem Hersteller www.ostsee-pleinair.de
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
sprach, kündigte er an, dass es sie bald bei einem deutschen Regionale Urban-Sketchers-Gruppen, die sich regelmäßig
Künstlerbedarf-Onlineshop geben wird: Endlich kommt das zum Zeichnen (und Malen!) treffen, findet ihr hier:
Pleinair-Zubehör auch nach Deutschland! http://germany.urbansketchers.org/p/regionale-gruppen.html

Diese Messe, wo alles ausgestellt wird, was das Malerherz Diese Linkliste werde ich auch auf meine Website
erfreut, empfehle ich euch unbedingt. Sie findet jedes Jahr im übernehmen und dort aktualisieren und ergänzen.
Januar in Frankfurt statt:
www.creativeworld.messefrankfurt.com
Bildernachweis
Mehr Bilder von Alfons und Torsten findet ihr hier:
www.alfons-kiefer.de Alle Bilder im Buch sind bis auf wenige Ausnahmen von mir
www.allaprima.de gemalt oder geknipst worden. Die Fotos, auf denen ich zu
Und das ist unser gemeinsamer Art-Retreat-Blog : sehen bin, hat fast alle mein Mann Peter Steger gemacht.
www.pleinairartretreat.blogspot.de
Vielen Dank für die restlichen Bilder an:
Meine frischgemalten Bilder poste ich auf Instagram Stephan Lindner (Foto unten links Seite 11)
unter dem Namen @yomalt Steffen Mahler (kleines Foto Seite 37)
und blogge sie unter: www.yomalt.blogspot.com Christine Faust (Foto Seite 101)
Meine Website ist: www.yoruehmer.de Torsten Wolber (Seite 81, 231ff.)
Dort findet ihr auch alle Zusatzinfos zu diesem Buch Alfons Kiefer (Seite 231ff.)

246 · Linkliste
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Index
Abend 170 ff.
Acrylfarben 34, 75, 182, 193
Alla prima 41, 74
Anfängerfehler 106
Art Retreat 96, 229 ff.
Aufhören 92 f.
Augen zusammenkneifen 58, 78, 128,
150, 166
Bach 132 f., 196, 231
Bäume 76, 113, 167, 189 ff., 194 f.
Bildanfang 78 ff., 235
Bildausschnitt 21, 212 ff.
Bildeinteilung 212 ff.
Bildende 92 f.
Bildformat 213
Bildfehler 64,147, 218, 220 ff. Entsättigen 56 f., 202 Grundierung 34, 67, 78 ff., 168 f.
Blick lenken 216 f., siehe auch Kontrast Farbauftrag 74 ff.,188 Hände reinigen 39
Blumen 57, 120 f., 185 Farben 40 f., 43 ff. Helligkeit 58 ff., 161, 172
Blüten180 f. Farbharmonie 66 f. Herbst 186 ff.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Maisfeld 122 Farbkreis 46 f., 52, 56 Himmel 77, 194
Bouncelight 70 f., 85, 91, 161 Farbpalette 40, 48 f. Hitze 182 f., 185
Close-up 110, 116, 120 ff., 180 f. Farbton 44 ff., 135 Klippen 90, 232
Contre-jour siehe Gegenlicht Farbsättigung 54 ff., 57, 64, 71, 186 ff. Kälte 192 f.
Dämmerung 172 f. Farbtemperatur 46 f., 50 ff., 64, 146 f., 223 Komplementärfarbe 46 f., 56
Düne 61 f., 84 f., 91, 154, 240 Farbwert siehe Helligkeit Komposition 149, 211 ff., 218,
Ebbe 66, 140 ff., 206 f. Fehler machen 242 siehe auch Bildausschnitt,
Fluchtpunkt 224 f. Bildeinteilung, Bildformat,
Fokus 78, 212 ff., 218 Blick lenken
Format siehe Bildformat Kontrast 64 f.
Vereinfachen 78 Glitzern 162 f.
Frühling 178 ff. Hell-Dunkel-Kontrast 58 f., 65, 80,
Gebäude 80, 116 ff., 172 f., 224 ff. 164, 176
Gegenlicht 91, 160 ff., 184 Licht/Schatten 158, 182
Gezeiten 140 f. Nebel 208
Gleichförmigkeit vermeiden Sättigung 57, 58, 64 f., 158, 162 ff.,
siehe Komposition,Variieren 197, 208
Glitzern (Wasser) 140, 162 f. Schnee 197
Gouachefarben 34, 75, 182, 193 Licht 50 f., 156 ff.
Grautöne 56, 58 f. Lampen 172 ff.

Index · 247
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Pinsel 28 f., 36 f. Staffelei 28 f., 30 f.


Farbauftrag 74 ff., 83 Standort 95 ff.
Pinselstriche 216 Symmetrie 215
reinigen 39, 49, 63 Tageszeit 156 ff.
Pochade 58, 82, 116 Tangenten 222
Pochadebox 20, 28 f., 31 ff. Tertiärfarbe 47, 56
Bauanleitung 32 Tiefe 51, 64, 120, 147, 208, 222 ff.
Primärfarbe 46 ff. Transport der Bilder 24, 28 f., 35
Räumlichkeit siehe Perspektive Überschneidung/Überlappung 222 f.
Regen 202 ff. Untermalung 58, 74, 76, 78 ff.
Schatten 50 f., 61 f., 70, 100 f., 118, Urban Sketchers 96, 102, 246
164 ff., 182 f., 194, 215, Variieren 115, 134, 215,
Lokalfarbe 44 f. siehe auch Helligkeit siehe auch Komposition
Malmittel 38, 74, 183 Schirm 28 f., 101, 203, 204, 206 Verblassen 64, 208, 223
Malpappe/Malplatte 28 f., 34, 78 ff. Schnee 103, 192 ff. Verblauung 64, 223
Meer 90, 109, 134 ff., 156 f., 162 f., 219, 232 Schritt für Schritt 22, 68, 76, 84 ff., 123, Weiß, Zink-/Titanweiß 43, 48, 60, 193
Menschen 148 ff., 168 f. 127, 138, 142, 190,198, 206 Wellen 134 ff.
Mittag 164 ff. See 126 ff., 170 f. Wetter 200 ff.
Mischen Sekundärfarbe 46 f. Wind 209
Farben 46 ff. Smartphone nutzen 21, 28 f., 56, 225 Winkel 226
Farbtemperaturen 53 Sommer 182 ff. Winter 192 ff.
- orderid - exl42353123-3960889623 - transid - exl42353123-3960889623 -
Farbton »abschmecken« 63 Sonnenlicht 50 f., 54 f., 70 f., 100 f., 158 ff. Wissen versus Sehen 44, 70, 83, 195
mit Pinsel/Spachtel 49 Spachtel 28 f., 36 f.,188 Wolken 144 ff., 201
und Farbharmonie 67 Spiegelung 126 ff., 137, 188, 205 Zurücktreten 80, 98 f.
und Sonne 100
zum Aufhellen/Abdunkeln 60 ff.
zum Entsättigen 56
Mischpalette 20, 29 ff., 49, 100 f., 193
Morgen 160 ff.
Motiv 105 ff., 202 f.
Muster vermeiden 215
Nachmittag 166 ff.
Nebel 208, 223
Nocturne 59, 174 ff.
Ölfarben 40 f., 48, 73 ff., 182
Panoramafreiheit 153
Perspektive siehe auch Tiefe
atmosphärische 223
Gebäude 119
lineare 222, 224 ff.
Wolken 146 f.

248 · Index