Sie sind auf Seite 1von 297

Roberta Bergmann

Die Grundlagen
des Gestaltens
Roberta Bergmann

Die Grundlagen
des Gestaltens
E-Book-Ausgabe

Plus:
sc h e
50 prakti
Ü b u n ge n

Haupt Verlag
Gestaltung und Satz: Roberta Bergmann, www.robertabergmann.de, www.tatendrangshop.de
Lektorat: Claudia Huboi, D-Berlin
Covergestaltung: Roberta Bergmann, unter Verwendung von Bildern folgender
Personen: Rahul Narain (CC-BY-SA-2.0), Farina Hamann, Hannah Robold,
anonymer Zeichner, Jennifer Kupschis, Matthias Froböse und Roberta Bergmann
Haupttitel links: Fotografie von Simon Geistlinger

1. Auflage 2016
2. Auflage 2017, ISBN: 978-3-258-60185-4
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Daten sind im Internet über
http://dnb.dnb.de abrufbar.

E-Book-Ausgabe, 2020
ISBN: 978-3-258-40185-0
E-Book Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim

Wünschen Sie regelmäßig Informationen über unsere neuen Titel zum Gestalten? Möchten
Sie uns zu einem Buch ein Feedback geben? Haben Sie Anregungen für unser Programm?
Dann besuchen Sie uns im Internet auf www.haupt.ch.
Dort finden Sie aktuelle Informationen zu unseren Neuerscheinungen und können unseren
Newsletter abonnieren.

Alle Rechte vorbehalten.


Copyright © 2020 Haupt Bern
Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlags, der Autorin und der
restlichen Bildurheber ist unzulässig.
Wir haben uns bemüht, sämtliche Copyright-Inhaber ausfindig zu machen. Falls wir
etwas übersehen haben, wenden Sie sich bitte an den Verlag.

Der Haupt Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die
Jahre 2016–2020 unterstützt.

Anmerkung der Autorin:


Zusammen mit dem Verlagslektorat habe ich mich entschieden, auf die Form «Gestalterinnen
und Gestalter» bzw. Unterformen wie «GestalterInnen» oder «Gestalter*Innen» zugunsten der
Lesbarkeit des Textes zu verzichten. Wenn ich von «Gestaltern», «Illustratoren», «Typografen»,
«Fotografen» etc. schreibe, meine ich immer die Funktion und nicht das Geschlecht.

www.haupt.ch
Roberta Bergmann wurde 1979 in Nordhausen
geboren. Nach dem Abitur studierte sie Grafikdesign mit
den Schwerpunkten Illustration und Buchgestaltung
und schloss 2005 ihr Diplom mit Auszeichnung ab.
2003 gründete Roberta Bergmann mit vier weiteren
Gestalterinnen die Ateliergemeinschaft Tatendrang-
Design, mit der sie eigene illustrierte Produkte vertreibt.
2012 wurde sie mit Tatendrang zur Kultur- und Kreativ-
pilotin Deutschlands durch eine Initiative der Bundes-
regierung ausgezeichnet. Die Tatendrang-Gruppe zeigt
ihre Illustration und Malerei in Ausstellungen und
kuratiert Positionen anderer Illustrationskünstler im eigenen Ladenatelier in Braunschweig.
Einen weiteres Ladengeschäft hat die Gruppe in Hamburg.
Roberta Bergmann lehrt im Bereich Grundlagen des Gestaltens und im DIY-Kontext. Nach einigen
Jahren als Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie zwei Jahre als Gast-
professorin für Gestaltungsgrundlagen an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig
beschäftigt.
Neben ihrer Lehrtätigkeit ist Roberta Bergmann für verschiedene Verlage als freie Autorin,
Illustratorin und Buchgestalterin tätig. Außerdem hält sie Vorträge über das freiberufliche
Arbeiten als Kreative und bringt Nichtdesignern und Laien das Thema «Gestaltung» näher.
Sie erhielt Preise und Auszeichnungen und war unter anderem Finalistin beim European Design
Award 2015. Mehr über die Autorin erfährt man unter: www.robertabergmann.de.
I n h a lt
Vorwort 10

1. Sehen lernen 14
– Besonderheiten des Wahrnehmens als Gestalter 16

KOMPONIEREN 18
Theorie #1 Grundlegendes zur Komposition 20
– Die Grundelemente 20
– Die Gestaltgesetze 22
– Die Figur-Grund-Beziehungen 25
– Proportionen 28

Praxis Die Frottage 32


Aufgaben #1–3 Zwei Linien, eine Zahl 36
Der Wortwurm 40

ZEICHNEN 42
Theorie #2 Grundlegendes zum Zeichnen und druckgrafischen Arbeiten 44
– Zeichnen, Malen und Drucken 44
– Zeichenwerkzeuge 44
– Malwerkzeuge und -techniken 45
– Weitere bildgebende Techniken 46
– Handgemachte Drucktechniken 46
– Industrielle Drucktechniken 47
– Zeichenhilfen 50
– 15 einfache Zeichenübungen 53
– Die Relevanz von Skizzen 54

Praxis Das Skizzenbuch 56


Aufgaben #4–10 Die Ein-Strich-Zeichnung 60
Die Blindzeichnung 62
Im Spiegel – Selbstbildnis mit zwei Farben 64
Die Aktzeichnung 66
Das Stillleben: Umrisse, Negativ- und Weißraum 68
Formalisieren einer Zeichnung 70

MUSTER 72
Theorie #3 Grundlegendes zu Mustern 74
– Das Muster und seine Anwendung 74
– Muster und Psyche 75
– Kleine Geschichte des Musters 75
– Ableitungen aus der Natur 78
– Muster in Architektur, zeitgenössischer Kunst,
Gestaltung und Handarbeit 79
– Musterwirkung und Musterwahrnehmung 81
6
Praxis Praktische Musterrecherche 84
Aufgaben #11–15 Parameter ändern (Teil 1): 1 × 7 86
Parameter ändern (Teil 2): 5 × 5 88
Übung zum Rapport 90
Tapete aus eigenem Muster entwickeln 92

FOTOGRAFIEREN 96
Theorie #4 Grundlegendes zur Fotografie 98
– Analog und digital 98
– Experimentelle Fototechniken 100

Praxis Der Ausschnitt 104


Aufgaben #16–20 Das urbane Alphabet (Teil 1) 106
Licht- und Schattenspiele 108
Das inszenierte Portrait 110
Dokumentarisches 112

FORMFINDUNG 116
Theorie #5 Grundlegendes zur Form 118
– Formenvielfalt 118
– Die dritte Dimension 120

Praxis Die Büroklammer 124


Aufgaben #21–30 Knete und Papier 126
Die Holzstäbe-Figur 130
Materialrecherche: Drei Würfel – Papier, Karton, Pappe 132
Die Papierskulptur 134
Die Abwicklung eines Buchstabens 136
Das Pop-up 140
Materialrecherche: Verbindungen 144
Die Stuhlhusse als Hommage 146
Das Fullbodypack als Hommage 148

2. Begreifen, anwenden, kombinieren 152

FARBE & BILD 154


Theorie #6 Grundlegendes zur Farbe 156
– Farbwahrnehmung 156
– Farbmischung / Farbsysteme 157
– Farbordnungen / Farbtheorien 158
– Farbkontraste 161
– Farbwirkungen 162

Praxis Das Farbtheorie-Modell 166


Aufgaben #31–34 Die Farbkontrast-Malerei 168
7
I n h a lt

50 Arten einer violetten Maus auf einem gelben, runden Kissen 170
Die Fünf-Bilder-Geschichte 172

SCHRIFT 176
Theorie #7 Grundlegendes zur Schrift 178
– Was ist Typografie? 178
– Kleine Schriftgeschichte 178
– Maßsysteme 181
– Schrift wahrnehmen und lesen 182
– Kleines Typografie-Lexikon 183
– Schriftklassifikationen 1.0 186
– Schriftfamilien und -sippen 186
– Schriften erkennen 2.0 187

Praxis Das Typo-Ornament 188


Aufgaben #35–40 Rhythmus und Form von Schrift 190
Das urbane Alphabet (Teil 2) 192
Handlettering (Teil 1): Adjektiv 194
Handlettering (Teil 2): Zitat 196
Text nach Genre setzen 198

ZEICHEN, LOGO, MARKE 202


Theorie #8 Grundlegendes zu Zeichen & Corporate Identity 204
– Zeichentheorie 204
– Zeichendefinitionen und -arten 204
– Corporate Identity 206
– Corporate Behaviour 206
– Corporate Communication 207
– Corporate Design 207
– Parameter einer Logogestaltung 209
– Logos aus Grundelementen 210
– Die Zukunft des CI 211

Praxis Bedienungsanleitung mit Piktogrammen 212


Aufgaben #41–44 Wortbilder erfinden 214
Bildmarken–Ideen durch Kombinatorik 216
Erscheinungsbild und Identität eines Unternehmens (Teil 1):
Briefing und Wort-, Bild- und Wort-Bild-Marke 218
Erscheinungsbild und Identität eines Unternehmens (Teil 2):
Mediale Anwendung 220

TEXT & BILD 222


Theorie #9 Grundlegendes zum Layout 224
– Was ist ein Layout? 224
– Der Layoutprozess 224
8
– Formate, Raster und Satzspiegel 225
– Anordnung von Text und Bild 228
– Das Layoutkonzept anhand einer Publikation 229
– Layout in Verbindung mit Herstellung und Ausstattung 231

Praxis Gestaltung einer Plakatserie 232


Aufgaben #45–47 Gestaltung einer Zeitungsseite 236
Das Kurzgeschichtenheft 240

3. Bewusstes Gestalten mit Methode 244

SICH STRUKTURIEREN 246


Theorie #10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit 248
– Besser arbeiten mit Methode 248
– Lernen 248
– Konzentrations- und Gedächtnisübungen 249
– Kreativitätstechniken 250
– Designprozess und -methoden 254
– Wie präsentiere ich (mich)? 255
– Rhetorik 260
– Selbstmanagement und Projektplanung 261

Praxis Die Mindmap 268


Aufgaben #48–50 Die Zeittorte und der Zeitplan 270
Die Fünf-Finger-Methode 272

Anhang 274
Weiterlesen-Tipps 276
Dank 278
Abbildungs- und Bildnachweis 280
Stichwortverzeichnis 284

Fragebogen &
BONUS DER E-BOOK-AUSGABE
Diagramm
«Der Kreativtypentest» – Fragebogen 288
Auswertung & Diagramm 293

Hinweise zu weiteren Büchern der Autorin 296

9
Vo r w o r t

Gestaltungsgrundlagen sind ein Pflichtprogramm


für Auszubildende, Berufsschüler und Studie-
rende von künstlerischen und gestalterischen
Fachrichtungen. Sie bilden die Basis für die
gesamte Ausbildungszeit und den späteren Beruf.

Ich habe diese Sammlung von grundlegenden,


theoretischen Überlegungen und praktischen
Grundlagenaufgaben geschrieben, weil mir genau
dieses Buch gefehlt hat, als ich selbst anfing, mich
für Gestaltung zu interessieren. Klar gab und gibt
es viele Theoriebücher, aber da fehlt(e) mir meist
der praktische Teil, eine Aufgabensammlung.
Ich fand auch vereinzelt Übungsbücher, aber da
fehlten mir wiederum Teilbereiche aus den
Gestaltungsgrundlagen oder ein Theorieanteil.
Alles zusammen in einem Buch, das suchte ich
vergebens. Durch Gespräche mit Gleichgesinnten
habe ich erfahren, dass es vielen so ging und geht
wie mir.

Mein Interesse für Gestaltung wurde schon in


der Schule geweckt, also noch weit vor meinem
Grafikdesign-Studium. Damals gab es weder
das Internet (kein Scherz!), noch kannte ich Leute,
die Gestalter waren, die ich hätte persönlich
befragen können. Bei der Berufsberatung des Ar-
beitsamtes hatte ich den Wunsch geäußert, gern
Bücher oder Zeitschriften layouten zu wollen,
und bekam Informationsmaterial von Kunsthoch-
schulen und Hefte mit Berufsbeschreibungen
(z. B. Was macht ein Grafikdesigner?) in die Hand
gedrückt. Ich wusste also nun, dass Grafikdesigner
in Agenturen arbeiten und Zeitschriften oder
Plakate layouten und dass man dafür studieren
muss. Das interessierte mich! Ich hatte aber we-
der Ahnung, wie es wäre, Gestaltung zu studieren
(und was da überhaupt genau vermittelt wird),
noch kannte ich die Möglichkeiten und die gestal-
terische, berufliche Vielfalt, die ein Designer nach
erfolgreicher Ausbildung zur Auswahl hat.

Also stellte ich, wie es in den Broschüren des


Arbeitsamtes stand, eine Mappe zusammen und
bewarb mich an drei Kunsthochschulen. Ich

10
wurde an allen drei Schulen abgelehnt. Im Nach- lehre, Grafikdesign, Zeichnen, Schrift, Fotografie,
hinein kein Wunder, aber woher sollte ich wissen, Naturstudium, Englisch und Mathematik waren
was eine gute Bewerbungsmappe ausmacht? unter anderem meine Fächer an der Berufsschule.
(Nochmal: Es gab keine Literatur darüber, wie Hier ging ich das erste Mal in eine Dunkelkammer
man sich bewirbt, eine Mappe zusammenstellt, und entwickelte Fotos, radierte oder schnitt Illus-
es gab kein Internet, keine Foren und ich kannte trationen in Linoleum, übte mich im Abzeichnen
keinen Designer, der das schon erlebt hatte und von Klassenkameraden oder Zootieren, konstru-
den ich hätte fragen können.) In meiner Mappe ierte Schatten an Würfeln und Kugeln und er-
hatte ich fast alles falsch gemacht, was man falsch rechnete, wie viel Punkt ein Cicero sind. Das alles
machen kann: Viele Arbeiten waren aus dem sollte mir nebenbei eine gute Bewerbungsmappe
Kunstunterricht; fast alle Arbeiten waren DIN A4 ermöglichen.
oder kleiner; ich zeigte Zeichnungen, die von Fo-
tos abgemalt waren, ich hatte auch keine Motto- Als ich mich ein Jahr später wieder an drei Kunst-
mappe (die braucht man nicht unbedingt, aber hochschulen bewarb, wurde ich an zweien davon
ein roter Faden ist schon hilfreich), sondern ganz angenommen. Ich brach meine Assistenten-Aus-
viele verschiedene und unzusammenhängende bildung ab und begann endlich das ersehnte
Themen und Techniken zusammengestellt. Es gab Grafikdesign-Studium.
keine verbündeten Mitschüler, die den gleichen
Weg hätten einschlagen wollen, und ich war nie Weder in der Ausbildung noch im Studium erhielt
bei einer Mappenberatung gewesen. ich ein Grundlagenlehrbuch. Okay, das stimmt
nicht ganz: In der Ausbildung hatte ich sogar
An der Volkshochschule besuchte ich etwa zur eins, da es auf der Lehrbücherliste stand. Aber
selben Zeit einen Kurs in Druckgrafik und einen wir haben es praktisch nie aufgeschlagen und ich
weiteren in Bildhauerei bei einem Künstler, der weiß auch warum: Es war einfach nicht gut – und
mir ein bisschen über sein Kunststudium erzäh- noch dazu war es auch nicht sehr ansprechend
len konnte. Immerhin, das half und zeigte mir: gestaltet. Nun gut, werden Sie sagen, dafür gibt es
Ich möchte mehr! ja die Berufsschullehrer bzw. Professoren, die das
Wissen vermitteln können. Aber ich hätte gern
Nachdem ich also erst einmal vergeblich versucht für mich zu Hause Übungen gemacht, in meiner
hatte, mich für ein Studium zu bewerben, ent- freien Zeit, im Selbststudium. Doch ich hatte keine
schied ich mich nach dem Abitur für eine zwei- Aufgaben und wusste nicht, wo und wie ich
jährige Ausbildung zur Gestaltungstechnischen anfangen sollte. Ich bin der Typ Mensch, der sich
Assistentin (GTA) für Grafik und Design. Es war gern etwas aus Büchern aneignet, sich an Aufga-
noch die Zeit, bevor alle Berufsschulen die ben abarbeitet. Auch im Grundlagen-Zeichenstu-
Mediengestalter-Ausbildungen ausriefen, alle dium fehlte mir so etwas wie ein Lehrbuch, ein
«was mit Medien» lernen oder studieren wollten Leitfaden oder einfach nur eine Verschriftlichung
und bald ein regelrechter Boom einsetzte. von Wissen – ein Unterrichts-Reader –, in dem
man die Grundlagen, Gestaltgesetze und Farb-
Durch die Assistenten-Ausbildung hatte ich un- theorien zusammengefasst hätte nachlesen kön-
verhofft etwas sehr Gutes erhalten, etwas, das mir nen, um Lehrinhalte zu reflektieren und damit
damals gar nicht bewusst war: Ich hatte die Mög- nachhaltiger zu lernen. Es hat mich etwas frus-
lichkeit bekommen, mich auf mein zukünftiges triert, dass es so etwas nicht zusammenfassend
Studium aktiv und praktisch vorzubereiten. Es in einem Buch gab.
war im Grunde wie ein Propädeutikum oder ein
Vorkurs für (m)ein Studium. Druckgrafik, Werbe-

11
Vo r w o r t

Zeitsprung: Nach meinem Studium war ich bereits anderen Lehrenden über Defizite im Unterricht
fünf Jahre freiberuflich als Grafikdesignerin tätig, gesprochen habe, und schon ist mir eine neue
als ich gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, an Aufgabe eingefallen, die ich mit den Studierenden
einer Kunsthochschule Grundlagen zu lehren. bearbeiten konnte.
Klar hatte ich das! Und so stand ich plötzlich wie-
der vor dem gleichen Problem, nur diesmal auf Was aber immer noch fehlte: Eine Sammlung
der anderen Seite: Welche Aufgaben kann man von Aufgaben, im Internet oder in einem Buch,
in der Grundlehre unterrichten? Welche Kompe- aus denen ich hätte einfach auswählen können.
tenzen müssen vermittelt werden? Natürlich gibt es Bücher über künstlerische oder
Zuerst griff ich natürlich auf die Aufgaben zu- gestalterische Grundlagen, nicht aber ein Kom-
rück, die ich selbst im Studium in den Grundlagen pendium mit vielen praktischen Übungen. So kam
gestellt bekommen hatte, und auf Übungen aus mir, als ich anfing zu lehren, das erste Mal der
der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kolle- Gedanke, dass ich so ein Buch schreiben könnte.
gen. → Dank, Seite 278 f. Doch irgendwann war
dieser Pool erschöpft und ich sah mich vor der Das ist das Buch, welches Sie gerade in den Hän-
Situation, mehr Aufgaben generieren zu müssen. den halten!
Ich wollte mich ja auch nicht selbst mit den im-
mer gleichen Aufgaben langweilen! Zwangsläu- Dieses Buch ist für alle, die sich für Gestaltung
fig habe ich mir dann die meisten praktischen interessieren: Lernende, wie Schüler, Abiturien-
Aufgaben selbst oder mit Kollegen zusammen ten, Berufsschüler, Studienanfänger (im Vorkurs,
ausgedacht. Die theoretische Unterfütterung, Propädeutikum), aber auch Lehrende, wie Gym-
d. h. den Theorieanteil (Gestaltungsgrundlagen, nasial-, Berufsschul- und Hochschullehrer. Es soll
künstlerischen Grundlagen) zu finden, war kein Anregungen für die vor allem zweidimensionale
Geheimnis, dazu gibt es jede Menge alte, neue Grundlagenvermittlung im Bereich Gestaltung,
sowie gute Bücher, die ich nutzen konnte. Design und Visuelle Kommunikation geben. Es
versteht sich als eine Sammlung von praktischen
Das Gute an theoretischen Grundlagen ist: Sie Anwendungs- und Übungsaufgaben zur Schulung
haben Bestand, verändern sich inzwischen kaum des Auges und (gleichzeitig) der händischen Fähig-
noch. Nehmen wir z. B. die Farbtheorie: Primär-, und Fertigkeiten. Es soll dazu beitragen, dass
Sekundär-, Tertiärfarben, Komplementärkon- seine Leser eine Haltung zum Thema «Gestaltung»
traste, Farbkreis, Farbpsychologie, das alles wird entwickeln und anhand der Praxisbeispiele Erfah-
nicht alle 100 Jahre neu erfunden oder ist irgend- rungen sammeln und nachvollziehen können.
wann veraltet. Dieses Wissen wird auch noch in
500 Jahren Verwendung finden und erweitert Das Buch spiegelt meinen Lehralltag wider und
werden. Das einzige, was sich immer wieder geän- gibt einen persönlichen, individuellen Einblick in
dert hat und weiter ändern wird, sind die Medien, das Grundlagenstudium von Grafikdesignern,
in denen Farbe Verwendung findet. Allgemein so wie ich es an der Hochschule für Bildende
gesprochen: Techniken veralten oder werden ge- Künste Braunschweig gelehrt habe.
gen fortschrittlichere ersetzt. Technologien
verändern sich schneller als Theorien. Theorien Zum Schluss noch der Hinweis, was dieses Buch
erfahren Erweiterungen. nicht leisten kann und möchte: Es war nicht mein
Anliegen, ein allumfassendes Grundlagen-Stan-
Zurück zur Aufgabenfindung für den praktischen dardwerk mit einer vollständigen theoretischen
Unterricht: Manchmal ergab es sich aus der Grundlagenhistorie von der Frühzeit über das
Situation heraus, dass ich mit Studierenden oder Bauhaus bis heute zu schreiben. Es gibt viele

12
Bücher über Farbtheorie, (Detail-)Typografie, in diesem Werk beantworten, es hieße außerdem
Grafikdesign, Industriedesign, Designgeschichte, zu orakeln. Ich verweise deshalb auf spezifischere
Formlehre, Fotodesign, Zeichenschulen, Sket- Publikationen zu dem Thema auf der Empfeh-
chingbücher oder How-To-Do-…-Ratgeber. Hier lungsliste im Anhang. → Weiterlesen-Tipps,
auf Vollständigkeit zu bestehen, hieße, ein meh- Die zukünftigen Aufgaben für das Berufsbild
rere tausend Seiten starkes Buch zu schreiben. des Gestalters, Seite 277
Vielmehr möchte ich mich auf eine praktische
Aufgabensammlung konzentrieren, welche die Viele Wege führen zu einer guten Gestaltung!
Wahrnehmung des Gestalters schult. Sie wird ein- Vor allem, wenn man weiß, welche Kompetenzen,
geleitet durch kurze, theoretische Einführungen Methoden und Techniken man dafür braucht.
in die einzelnen Teilbereiche von Gestaltung.
Ich hoffe, ich mache Ihnen mit diesem Buch (noch
Dieses Buch ist kein Anleitungsbuch. Wenn Sie mehr) Lust auf Gestaltung, und wünsche Ihnen
sich erhoffen, eine Anwendungsaufgabe in ein- viel Spaß beim Lesen, Blättern, Entdecken und
zelnen Schritten von 1 bis 10 vorgearbeitet zu Ausprobieren!
bekommen, muss ich Sie enttäuschen. Dass ich in
dem Buch Aufgaben nur vorstellen möchte und Roberta Bergmann
exemplarische Ergebnisse zeige, liegt vor allem
daran, dass die ausgewählten Anwendungsauf-
gaben nicht nur die eine Lösung zulassen. Im
Gegenteil: Es gibt wahrscheinlich so viele Lösun-
gen, wie es Gestalter gibt. Denn die Aufgaben
verlangen individuelle Herangehensweisen und
den Einsatz von Köpfchen in Verbindung mit dem
Handwerklichen = Kreativität. Man könnte hier
höchstens zwischen gelungenen und weniger ge-
lungenen Lösungen differenzieren. Dazu werden
im Unterricht oft heiße Diskussionen zwischen
den Studierenden geführt.

Dieses Buch zeigt demnach vor allem Ergebnisse


aus meinem Unterricht, gibt aber keine Lösun-
gen oder Handlungsanweisungen vor – eigene
Erfahrungen zu sammeln und zu individuellen
Ergebnissen zu kommen, überlasse ich Ihnen,
den Lesern, und Ihrer eigenen Kreativität und
Entdeckungslust!

Mir ist bewusst, dass sich die Gestaltungsberufe


gerade rasant verändern und Gestalter zukünftig
mit dem, was sie leisten, noch mehr gesellschaft-
liche, (umwelt-)politische und technologische
Verantwortung übernehmen werden (müssen).
Die Frage, wohin es mit den Gestaltungsberufen
geht, kann ich aus Platzgründen nur schwerlich

13
14
Sehen lernen

1
. 15
Sehen lernen

Besonderheiten des Wahrneh- Die Tagesschau interessierte mich plötzlich gestal-


mens als Gestalter terisch: Warum hatten sie diese Farben gewählt,
warum diese Schriftfamilie? Wie wurde beides
Die Selbsterkenntnis, dass man als Gestalter oder wann und wie eingesetzt? Ich sah Typofehler in
Kreativer anders wahrnimmt, erlangte ich zu Be- den Überschriften oder Untertitelungen und war
ginn meiner Ausbildung. Ich erfuhr eine deutliche regelrecht empört darüber, wenn im Versalsatz
Wahrnehmungsveränderung, -verschiebung ein «ß» auftauchte oder ein zu kleiner Bindestrich
und -erweiterung, je mehr ich damit beschäftigt in einer Nachrichteneinblendung verwendet
war, Dinge zu gestalten. Mit fortlaufendem wurde. Wie konnte eine so wichtige Institution
Studium nahm ich meine Umwelt anders wahr: wie die Tagesschau grundlegende, typografische
Ich lernte, anders zu sehen! Auf Basis der Grund- Fehler machen? Dinge, die einem normalerweise
lagen, die mir im ersten Jahr meines Studiums wahrscheinlich nie ins Auge fallen würden, weil
vermittelt wurden, begegnete ich meiner Umwelt sie nicht grundsätzlich hinterfragt werden.
fortan mit neuen Augen: Egal ob beim Warten
auf den Bus, im Supermarkt, beim Lesen in Ich sah plötzlich, ob eine Zeitschrift formal gut ge-
Büchern oder Zeitschriften, beim Fernsehen, bei setzt und gelayoutet war, und hatte eine Meinung
einem Kinobesuch oder beim Spazierengehen – zu dem Corporate Design des Friseursalons oder
ich schaute mir die Dinge an (die Bushaltestelle, des Dönerimbisses. Egal, was ich sah, mein Gehirn
ein Supermarktregal, die Bildunterschriften der versuchte, es auch gestalterisch abzutasten und
Tagesschau, den Vorspann eines Films, die einzuordnen.
Reihungen von Birken in einer Allee) und plötz-
lich sah ich, neben der allgemeinen visuellen Der Eindruck, dass sich meine Wahrnehmung
Information, gestalterische Zusammenhänge. schärfte oder veränderte, wurde bestätigt durch
Ich zählte die Streben der Bushaltestelle und Gespräche mit Kommilitonen, die Ähnliches
vermaß mit dem Auge die Abstände von Glas bei sich beobachteten. Jeder entwickelte eigene
und Stahlkonstruktion, suchte Ausschnitte oder Spleens: Eine Kommilitonin maß gedanklich die
komponierte mit dem Auge neue Zusammen- Abstände zwischen den Fenstern einer Häuser-
hänge in dem, was ich sah. Welches Raster lag fassade und hatte das Bedürfnis, hier und da
dem Bau des Wartehäuschens zugrunde und gedanklich Abstände zu korrigieren oder Risse
warum war es genau so geplant und gebaut in der Oberfläche zu schließen. Ein anderer sah
worden? Ich sortierte im Supermarktregal gedank- eine Skulptur im Park und fing gedanklich an,
lich die Lebensmittelverpackungen formal neu, so sie an einigen Stellen abzuschleifen oder
wie es auf mich harmonischer wirkte, z. B. nach an anderen Stellen Teile mit dem «Gedanken-
Farben, Formen oder Größen. Ich ließ Lücken oder Spachtel» anzufügen.
füllte gedanklich Leerstände im Regal auf.
Heute weiß ich, auch aus Sicht einer Lehrenden,
Ich trainierte, ohne es bewusst zu bemerken, mein dass sich die Wahrnehmung von Lernenden
1
Augenmaß. Das Augenmaß ist, neben klassischen verändert – dies kann man sicherlich auf jeden
Maßstäben wie dem Lineal oder Zollstock, ein Fachbereich übertragen: Je intensiver und tiefer
wichtiges Werkzeug des Gestalters und sehr prak- man in ein Thema hineinfindet, desto sensibler
tisch, weil man es immer dabei hat! nehmen die eigenen Antennen Bruchstücke,

«Denn Augen haben und Betrachten ist nicht dasselbe.» 2


Augustinus von Hippo

16
«Es
ist
nic
hts
Ver- im
satzteile und Ve r
sta
Informationsschnipsel nd,
wa
zu dem betreffenden Sujet wahr. sn
ich
Diese werden in einen eigenen (virtuel- t vo
len) «Datenspeicher» aufgenommen und ergeben rhe
r in
so einen wachsenden Pool, aus dem man zukünf- die den
tig schöpfen kann. «Erfahrung ist verstandene Fähigkeit, auf Sin
nen
Wahrnehmung.» – sagte schon Immanuel Kant.4 ungewöhnliche Weise wa
wahrzunehmen.»7
Joh r. » 3
Nichts anderes bedeutet, dass wir lernen. n Lo c
ke
Bei Gestaltern könnte man von einem Kreativi- Dieses Kapitel heißt «Sehen lernen» und
tätspool sprechen, aus dem sie vorhandene beschäftigt sich mit der eingangs beschriebenen
Elemente herausgreifen, neu kombinieren und Wahrnehmungsveränderung, die jeder werdende
abwandeln.5 Und: «(…) man kann davon aus- Gestalter durchläuft. Durch das Kennenlernen
gehen, dass diejenigen Designer am erfolg- von Gestaltgesetzen, Kompositionslehren, Darstel-
reichsten sind, die über den umfangreichsten lungstechniken und Formwirkungen, verknüpft
Kreativitätspool verfügen und das größte mit den praktischen Aufgaben in diesem Kapitel,
Talent haben, aus vorhandenen Konzepten und wird Ihre Wahrnehmung geschult und trainiert
Bildern frische Kreationen zu schaffen. (...)»6 werden. Und wenn die Auseinandersetzung tief
genug stattfindet, wird es höchstwahrscheinlich
Doch die Wahrnehmung eines Gestalters, von der zu einer sehr individuellen Wahrnehmungsver-
ich hier spreche, geht über eine reine selektive änderung kommen – oder, wie Fernando Pessoa
Wahrnehmung und das «Datensammeln» hinaus. es ausgedrückt hat: «Was wir sehen, ist nicht,
In der Natur des Gestalters liegt der Wunsch, was wir sehen, sondern was wir sind.»8
seine Umwelt mit Hilfe seines Designs zu verbes-
sern, zu optimieren. So sieht er die Welt immer
1 vgl.: Christian Büning, Augenmaß für Designer: 50
auch mit der Gestalter-Brille: Er betrachtet seine
praktische Übungen, Werkstoff-Verlag, Münster 2012
Umwelt und alles, was darin vorkommt und
gestaltet werden kann. Dann hinterfragt der Ge- 2 zitiert nach: www.aphorismen.de/zitat/2919,
stalter den Ist-Zustand (Visualisierung / Kommu- Stand 25.05.2016

nikation mit der Gesellschaft) und überlegt seine


3 zitiert nach: www.philolex.de/wahrnehm.htm,
eigene Position, seinen eigenen Standpunkt dazu. Stand 25.05.2016
Diese ergibt sich aus der Summe seiner (Aus-)Bil-
dung, seiner (Lebens-)Erfahrung, seiner Gefühle 4 zitiert nach: www.aphorismen.de/zitat/5369,
Stand 25.05.2016
und seiner gestalterischen und gesellschaftlichen
Haltung. Wenn er dann noch zu einem heraus- 5 vgl.: Jim Krause, Index Idee, Verlagsgr uppe
ragenden, die Gesellschaft bereichernden Ergeb- Hüthig-Jehle-Rehm, Heidelberg 2003, Seite 8
nis kommt, einen Soll-Zustand visualisiert, könn-
6 wie Fußnote 5, Seite 8
ten die Worte von William James Wirklichkeit
werden: «Genie ist in Wahrheit kaum mehr als

7 zitiert nach: https://de.wikiquote.org/wiki/


Wahrnehmung, Stand 25.05.2016

8 zitiert nach: www.sander.arch.ethz.ch/


wahlfach-fotografie2.html,
Stand 25.05.2016

17
KOMPONIEREN
Dieses Kapitel erklärt im theoretischen Teil In der Gruppenübung → Aufgabe #3 geht es um
→ #1 Grundlegendes zur Komposition die Grund- die abstrahierte Visualisierung von Begriffen. Nur
elemente einer kompositorischen Gestaltung, mit Hilfe von schwarzem Tonpapier sollen Adjek-
benennt einige Gestaltgesetze, Proportionslehren tive dargestellt werden.
und -definitionen. Mit diesem Wissen im Hinter-
kopf können Sie anschließend beginnen, selbst Wenn ich unterrichte, geht es mir bei der Kom-
Kompositionen zu entwickeln. positionslehre immer darum, das Auge der Ler-
nenden zu schulen und ihre Sicht zu erweitern,
Das Kapitel bietet drei leichte Beispielaufgaben, ihre Gestaltungskompetenz herauszuarbeiten:
um angehende Gestalter an das Thema «eine Durch tatsächliche, sinnlich erfahrene Vorgänge
Gestaltung bewusst komponieren» heranzuführen im Alltag des Lernenden hat dieser sich einen
und das Sehen weiter zu schulen. Anhand von Katalog an visuellen Reizen und Erfahrungen
→ Aufgabe #1 lernen Designstudierende im ers- angelegt. Dieser Katalog wird nun beim Betrach-
ten Semester, was es bedeutet, eine Komposition ten und Deuten von Bildkompositionen bewusst
bewusst zu beeinflussen, eine bestimmte Wir- oder unbewusst auf das Gesehene angewendet.
kung in einem Bild zu erzeugen und diese ggf. Den Erfahrungskatalog gilt es zu erweitern, zu
noch zu verstärken, sie auf die Spitze zu treiben. verfeinern und zu strukturieren. Damit wird ein
Was kann ein Gestalter mit nur drei vorgegebe- Gestalter im späteren beruflichen Leben tagtäg-
nen Elementen komponieren? Das veranschau- lich arbeiten, denn dieser gehört nun zu seinem
licht → Aufgabe #2. Es wird Sie in Erstaunen Handwerkszeug.
versetzen, wie viele Möglichkeiten existieren,
wenn Sie es selbst einmal ausprobieren!

18
19
# 1 G r u n d l e g e n d e s z u r Ko m p o s i t i o n

Die Grundelemente Kulturkreis), und natürlich umgekehrt. Das hat


etwas mit den Leserichtungen zu tun (westlich:
Alles beginnt mit einem weißen Blatt Papier, von links nach rechts, östlich: von rechts nach
einer weißen Fläche. Es gibt viele Gestalter, die links), die sich auf unsere Sehgewohnheiten
Angst vor dem weißen Blatt Papier haben. Sie übertragen.
können nur schwer etwas Neues anfangen. Ein Alle drei Linien zusammen können kombiniert
ähnliches Phänomen gibt es in der Bildenden ganz simpel Räumlichkeit vermitteln (Abb. 9).
Kunst: Dort nennt man die Abscheu vor der Linien sind die vielseitigsten Elemente in Ge-
Leere «Horror Vacui». Wer diese besitzt, muss staltungen: Sie können Dinge näher benennen
jede freie Fläche zumalen. bei Schaubildern oder Grafiken, z. B. als Pfeil
Füllt man eine leere Fläche, ist das wenigste, was (Abb. 10). Sie können Punkte miteinander ver-
man ihr hinzufügen kann, ein Punkt. Weniger binden (Abb. 11), sich krümmen (Abb. 12) oder
geht nicht! Kurven darstellen (Abb. 13). Sie können Formen
Man unterscheidet drei Grundelemente bei umreißen als Umrisslinien (Abb. 14), durch Ver-
einer zweidimensionalen Gestaltung (Komposi- dichtung Strukturen (Abb. 15), Texturen oder
tion): den Punkt, die Linie und die Fläche. Eine Schraffuren (Abb. 16) bilden und damit Räum-
Komposition kann nur aus diesen drei Grund- lichkeiten, z. B. Licht und Schatten visualisieren
elementen bestehen: Nicht mehr. (Abb. 17). Dem entgegen steht der Strich (Abb.
Hier die wichtigsten Aspekte zu den Grundele- 18), er ist eine meist kurze, unregelmäßige Linie.
menten: Der Punkt (Abb. 1) ist ein nulldimensio- Der Strich wird eher zeichnerisch eingesetzt
nales Objekt. Er hat keinerlei Ausdehnung. Wo und ist so individuell, dass die Möglichkeiten,
exakt der Punkt in einer Komposition sitzt, ist ihn zu erzeugen, schier unendlich sind.
entscheidend für die Aussage des Bildes. Im Das dritte Grundelement, die Fläche (Abb. 19),
Zentrum sitzend kann er Ruhe vermitteln finden wir zum einen auf dem weißen Blatt
(Abb. 1), verschiebt man ihn, kann damit Span- Papier, unserer Bühne (der leeren Gestaltungs-
nung erzeugt werden (Abb. 2). Wiederholt man fläche), zum anderen ist sie eine geschlossene
den Punkt, können sich Texturen (Abb. 3) oder geometrische, zweidimensionale Figur, die man
ein Raster (Abb. 4) ergeben. Mit Texturen sind über zwei Koordinaten (im Koordinatensystem)
hier allgemein Gewebestrukturen von Oberflä- definieren kann. Formen von Flächen sind:
chen gemeint, ein Raster ist z. B. ein regelmäßi- Der Kreis (Abb. 20), die Ellipse (Abb. 21), das
ges Punktmuster. Unterschiedlich große Punkte Quadrat (Abb. 22), das Dreieck (Abb. 23), das
in einer Komposition lassen diese räumlich Rechteck (Abb. 24), das Vieleck (Abb. 25).
erscheinen (Abb. 5). Viele Punkte ganz dicht Der Kreis hat keinen Anfangs- oder Endpunkt,
nebeneinander gereiht, ergeben das Grund- daher steht er für Unendlichkeit und Ruhe. Er
element Linie (Abb. 6). Bei ihr unterscheidet strebt keine Richtung an. Im Vergleich zum
man verschiedene Formen. Die Gerade ist die Rechteck oder Dreieck vermittelt er daher weni-
einfachste Form der Linie. Ebenso wie beim ger Spannung. Dies kann man sich in Komposi-
Punkt entscheidet auch bei der Geraden die tionen zunutze machen! Für die Darstellung von
Positionierung auf der Fläche über die Aussage Harmonie, Vollkommenheit oder Unendlichkeit
der Komposition: Eine waagerechte Linie wirkt ist der Kreis besonders gut geeignet.
passiv, ausgeglichen und schwer (Abb. 7), eine Die Ellipse wirkt dynamischer als der Kreis, da
senkrechte Linie dagegen aktiv, verändernd und sie durch ihre gedrungene Kreisform weniger
leicht (Abb. 6). Eine diagonale Gerade (Abb. 8) gleichförmig daherkommt. Stehend wirkt sie,
wirkt je nach Kulturkreis von links unten nach ähnlich wie die Linie, aufstrebend, aber wa-
rechts oben positiv, da aufstrebend (westlicher ckelig (Abb. 26). Es scheint, die Ellipse könnte
Kulturkreis) oder negativ und fallend (östlicher das Gleichgewicht verlieren (auch etwas, dass

20
Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 6

Abb. 7 Abb. 8 Abb. 9 Abb. 10 Abb. 11 Abb. 12

Abb. 13 Abb. 14 Abb. 15 Abb. 16 Abb. 17 Abb. 18

Abb. 19 Abb. 20 Abb. 21 Abb. 22 Abb. 23 Abb. 24

Abb. 25 Abb. 26 Abb. 27 Abb. 28

man sich in einer Komposition zunutze machen schenkliges (zwei Seiten sind gleich lang) und
kann). Liegend wirkt sie passiv, schwerfällig und unregelmäßiges (alle Seiten sind unterschiedlich
träge, wie ein Autoreifen, der auf der Seite liegt lang) Dreieck. Bei einer Unterscheidung nach
(Abb. 21). Winkeln gibt es spitzwinklige (alle Winkel
Das Quadrat ist absolut regelmäßig (ähnlich wie kleiner als 90°), stumpfwinklige (ein Winkel hat
der Kreis), alle Seiten des Quadrats sind gleich zwischen 90° und 180°) und rechtwinklige (ein
lang und rechtwinklig. Liegt es auf einer der vier Winkel hat 90°) Dreiecke. Ein Dreieck ist immer
Seiten, wirkt es stabil, ruhig und statisch. Steht ein richtungsweisendes Element in einer Kom-
es auf einer seiner vier Ecken und wird damit position, es wirkt dynamisch und lenkt das Auge
zur Raute (Abb. 27), wirkt es aktiv, verspielt und des Betrachters durch seine spitze Form. Richtig
ungewöhnlich. Es erregt Aufmerksamkeit. eingesetzt, hat es weisenden Charakter, ähnlich
Das Dreieck hat drei Seiten und drei Ecken. Man wie ein Pfeil.
unterscheidet nach Seitenlängen ein gleich- Das Rechteck hat je zwei unterschiedlich lange
seitiges (alle Seiten sind gleich lang), gleich- Seiten (vier insgesamt), ist rechtwinklig wie das

21
# 1 G r u n d l e g e n d e s z u r Ko m p o s i t i o n
Quadrat, die beiden gleich langen Seiten liegen Die Gedanken zur Gestalttheorie waren damals
sich gegenüber und sind parallel. Mit den langen fern von Gestaltungslehre, es ging nicht um
Seiten in der Waagerechte macht es den Ein- Designforschung, sondern um Lern-, Gedächt-
druck, als würde es liegen. Es wirkt stabil und nis- und Denkforschung. Die Erkenntnisse
breit (Abb. 24, Seite 21). Mit den kurzen Seiten Wertheimers hatten vor allem wichtige Folgen
in der Waagerechte macht es den Eindruck, als für die Erziehungswissenschaft und Sozialpsy-
würde es stehen. Es wirkt aktiv, leicht und chologie. Dennoch kann man diese Forschungs-
schmal (Abb. 28, Seite 21). Es kann natürlich ergebnisse und Theorien auch auf das Design
ebenso auf einer der Ecken stehen, wie das übertragen.
Quadrat. Wertheimer leitete aus seinen Erkenntnissen
Dem Kreis, dem Dreieck und dem Quadrat wer- verschiedene Gestaltgesetze ab, die auf jede
den außerdem affektive Eigenschaften zuge- Gestaltung anwendbar sind.
ordnet, die bei bestimmten Entscheidungen in
Kompositionen durchaus relevant sein können. Das Gesetz der Prägnanz wird auch das Gesetz
So werden dem Kreis die Eigenschaften un- der guten Gestalt genannt. Es werden bevor-
bestimmt, weiblich, weich und gefühlsbetont zugt einzelne Teile einer Gesamtkomposition
zugeschrieben. Das Dreieck hat einen wandel- wahrgenommen, die sich von anderen durch ein
baren, spannungsvollen, konstruktiven und bestimmtes Merkmal abheben (Prägnanz), nach
problematischen Charakter und das Quadrat gilt dem Motto «der Stärkere gewinnt». In Abb. 29
als verstandesbetont, männlich, hart, bestimmt. sieht man eine Figur, die uns durch ihre Form
und Größe prägnanter erscheint als der (Hinter-)
Die Gestaltgesetze Grund. Das ändert sich auch nicht, invertiert
man das Bild wie in Abb. 30 (Umkehren der
Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Theo- Schwarz-Weiß-Färbung). Man nimmt trotzdem
rie der Gestaltpsychologie, auch Gestalttheorie dieselbe Figur wahr. Wenn allerdings Figur
genannt, die von Wolfgang Köhler, Kurt und Grund nicht klar zu unterscheiden sind,
Koffka und Max Wertheimer in Deutschland weil kein Element Prägnanz hat, kommt es zu
begründet wurde und dann schnell internatio- Fehlern in der Figur-Grund-Unterscheidung
nalen Raum eroberte. Unter dem Einfluss von und zu Kippbildern in unserer Wahrnehmung.
Christian von Ehrenfels, einem Philosophen, → Seite 25
der 1890 in einer Arbeit schrieb, dass die Wahr-
nehmung Qualitäten enthielte, die sich nicht aus Dem Gesetz der Prägnanz lassen sich die folgen-
der Anordnung einfacher Sinnesqualitäten den sieben Gesetze unterordnen:
ergäben, definierten Köhler, Koffka und Wert- Das Gesetz der Nähe besagt, dass wenn mehrere
heimer die menschliche Wahrnehmung als Elemente einer Komposition mit geringeren Ab-
Fähigkeit, Strukturen und Ordnungsprinzipien ständen zueinander stehen als andere Elemente
in Sinneseindrücken auszumachen. derselben Komposition, die enger stehenden
als zusammengehörig wahrgenommen werden

Abb. 29 Abb. 30 Abb. 31 Abb. 32

22
Andreas Feininger
(Abb. 31). Dieses Gesetz ist auch elementar für durchgehende Linien. Wenn man jetzt aber das
unsere Art zu lesen. Nichts anderes macht man, Gesetz der Gleichheit auf dieselbe Komposition
wenn man einzelne Buchstaben aufgrund von anwendet und eine Linie orange, die andere
Abständen zu Wörtern gruppiert und diese schwarz einfärbt, sieht der Betrachter plötzlich
Wörter als Text wahrnimmt. So können Absätze nicht mehr sich kreuzende, sondern abgeknickte
in Texten unterschieden oder Überschriften Linien (Abb. 34).
optisch vom Fließtext getrennt werden.
Das Gesetz der Geschlossenheit besagt, dass

«Komposition ist ein Werkzeug, um den Eindruck des Bildes zu steigern.» 9


Das Gesetz der Ähnlichkeit, das auch das Elemente in einer Komposition, die nicht oder
Gesetz der Gleichheit genannt wird, besagt, nicht vollständig geschlossen sind, uns aber
dass einander ähnliche Elemente oder gleich- prägnant und bekannt in ihrer Form vorkom-
artige Objekte in einer Komposition eher als men, in der Wahrnehmung ergänzt, kom-
zusammengehörig erlebt werden als einander plettiert, geschlossen und als vollständige
unähnliche. So können sie z. B. dieselbe Farbe, Elemente wahrgenommen werden. Voraus-
Größe oder Form haben und werden dadurch setzung ist, dass die Elemente eher geschlossen
vom Betrachter als eine Einheit wahrgenommen als offen wirken. Diese geschlossene Wirkung
(Abb. 32). Die menschliche Wahrnehmung ist kann durch tatsächlich vorhandene Linienzüge
bestrebt, viele einzelne Elemente zu gruppieren, oder durch die Vorstellung von rein kognitiv
zu sortieren oder zu clustern, um sie schneller vorhandenen Scheinkonturen erreicht werden.
verarbeiten zu können. Das Gesetz der Ähnlich- Dies hat auch Gaetano Kanizsa, italienischer
keit ist so elementar, dass wenn es mit anderen Psychologe und bedeutender Repäsentant der
Gesetzen kombiniert wird, die anderen Gesetze Gestalttheorie, erkannt, der das nach ihm be-
sich diesem unterordnen müssen. nannte Dreieck entwickelte (Abb. 35).

Das Gesetz der Kontinuität, auch der guten Das Gesetz der guten Kurve oder des gemeinsa-
Fortsetzung, besagt, dass Elemente einer Kom- men Schicksals besagt, dass diejenigen Elemente
position, die räumlich oder zeitlich fortlaufend in einer Komposition, die eine gute Kurve bilden
miteinander verbunden sind, sich aneinan- oder ein gemeinsames Schicksal durchlaufen,
derreihen, zusammengehörig erscheinen. Sie sich gleichförmig verändern, als Einheit wahr-
werden vom Betrachter als Einheit wahrgenom- genommen werden (Abb. 36).
men. Der Betrachter nimmt eine scheinbare «(...) Als Beispiel kann man sich eine Horde
Fortsetzung an und führt diese im Kopf fort. Als Fußballfans vorstellen, die in den Vereinsfar-
Beispiel sieht man zwei sich kreuzende Linien ben gekleidet auf einer Tribüne eines Fuß-
(Abb. 33). Linien werden immer so gesehen, als ballstadions steht. Jeder einzelne Fußballfan
folgten sie dem einfachsten Weg. Wenn sie sich bewegt sich eigenständig und wird aufgrund
also kreuzen, so gehen wir nicht davon aus, dass des Gesetzes des gemeinsamen Schicksals von
der Verlauf der Linien an dieser Stelle einen unserem visuellen System trotz der Ähnlich-
Knick macht, sondern wir sehen zwei gerade keit und Nähe zueinander als eigenständiges

Abb. 33 Abb. 34 Abb. 35 Abb. 36

23
# 1 G r u n d l e g e n d e s z u r Ko m p o s i t i o n
Objekt wahrgenommen. In dem Moment, in der auf seine Sprache und Schriftzeichen be-
dem die Zuschauermenge die Laola-Welle schränkt ist, wird er das X nicht erkennen, son-
vorführt, kann unser visuelles System die dern eher die kantigen Einzellinien beschreiben.
einzelnen Fans nicht mehr allzu gut trennen: Stephen Palmer ergänzte die Gesetze Werthei-
Man sieht die Welle als eigenständiges Objekt, mers in den 1990er-Jahren um drei weitere:
nicht mehr die einzelnen Elemente, in diesem
Fall die Fußballfans. Die Fußballfans bewegen Das Gesetz der gemeinsamen Region besagt,
sich gemeinsam in eine Richtung und haben dass Elemente in abgegrenzten Gebieten als
damit ein gemeinsames Schicksal. (...)»10 zusammengehörig empfunden werden. Man
könnte es vielleicht auch Abfärbe-Gesetz nen-
Das Gesetz der Symmetrie besagt, dass symme- nen: Nur weil zwei eigentlich unterschiedliche
trisch angeordnete Elemente als zusammenge- Elemente einen gemeinsamen Standort (z. B. die
hörig wahrgenommen werden, asymmetrisch Platzierung) haben, geht der Betrachter davon
angeordnete Elemente dagegen nicht. Es können aus, dass sie eine Gemeinsamkeit besitzen.
auch mehrere Gesetze gleichzeitig wirken. So Betrachtet man dazu Abb. 39, erschließt sich
zeigt Abb. 37 das Gesetz der Symmetrie und das das Gesetz: Das Dreieck und der orangene Punkt
Gesetz der Ähnlichkeit. haben offensichtlich nichts gemeinsam: Sie sind
nicht gleich groß, nur eins ist umrissen, nur eins
Das Gesetz der Erfahrung besagt, dass man von beiden ist eingefärbt, beide haben nicht
durch das angeeignete Wissen und eigene dieselbe Form oder Farbe. Dennoch haben sie
Erfahrung seine Wahrnehmung steuern und eine Gemeinsamkeit, sie sind beide in dieser
Gesehenes für sich subjektiv deuten kann. Es ist einen Abbildung!

Abb. 37 Abb. 38 Abb. 39 Abb. 40

dem Gesetz der Prägnanz nicht untergeordnet, Das Gesetz der Gleichzeitigkeit bedeutet,
sondern steht für sich. Es hat Ähnlichkeit mit dass Elemente, die sich in einer Komposition
dem Gesetz der Geschlossenheit, da es auch mit gleichzeitig verändern, als zusammengehörig
rein kognitiv vorhandenen Scheinkonturen empfunden werden (Abb. 40).
oder Formen in Verbindung gebracht wird. Ent- Dieses Gesetz eignet sich z. B. gut für den Einsatz
scheidend ist hier aber das Wort «Erfahrung». in zeitbasierten oder interaktiven Medien, also
Wie Johann Wolfgang von Goethe sagte: «Man zur Anwendung in Animationen, Filmen oder
weiß nur, was man sieht, und man sieht nur, auf Webseiten.
was man weiß.»11
In Abb. 38 wird nur der Betrachter den lateini- Das Gesetz der verbundenen Elemente besagt,
schen Buchstaben X erkennen, der die lateini- dass verbundene Elemente in einer Komposition
schen Buchstaben beherrscht. Fragt man als ein Objekt empfunden werden (Abb. 41).
aber z. B. einen asiatisch stämmigen Menschen, Als ein praktisches Beispiel aus dem Arbeitsall-

24
tag eines Gestalters könnte man den Laptop nen- und her, es kommt zu spontanen Wahrneh-
nen. Er besteht zumeist aus dem eigentlichen mungswechseln. Diese unentschiedenen
Rechner, der Maus, vielleicht einem Mauspad, Kompositionen werden als Inversions- oder
dem Akku, der Schnur und evtl. noch einer Kippfiguren bezeichnet. Sie können bewusst
Schutzhülle oder einer Tasche für alle genann- vom Gestalter hervorgerufen werden, um visu-
ten Utensilien. Der Besitzer empfindet diese elle Irritationen und Illusionen zu provozieren.
Einzelteile dennoch alle als seinem Rechner
zugehörig. Die Künstler der Op-Art (engl. für optical art:
«optische Kunst») machten sich diese ambiva-
Die Figur-Grund-Beziehungen lente Wirkung in ihren Bildern zunutze. Victor
Vasarely nannte dies den «kinetischen Effekt»
Im Zusammenhang mit den Gestaltgesetzen (Abb. 44).
ist die bereits erwähnte Figur–Grund–Unter- Eine der bekanntesten, weil auch einfachsten
scheidung näher zu definieren. Wie schon am Kippfiguren, ist der Necker-Würfel, benannt
Gesetz der Prägnanz erläutert, haben wir es bei nach dem Schweizer Geologen Louis Albert
grafischen Kompositionen immer auch mit der Necker. Der Würfel ist gitterförmig aufgezeich-
Einteilung in Figur und Grund zu tun. Dabei net und scheint im Raum zu schweben. Die
entscheidet zum einen die Prägnanz der Form Wahrnehmung wechselt zwischen Auf- und
und Größe darüber, ob wir ein Element als Figur Untersicht, d. h. man schaut einmal auf die
(Vordergrund) oder als Grund (Hintergrund) waagerechte obere Fläche, dann schaut man
wahrnehmen. Zum anderen spielt aber auch die unter die untere waagerechte Fläche. Man kann
Ton- beziehungsweise Farbgebung eine nicht also die Vorder- und Rückseite jeweils als Vor-

Abb. 41 Abb. 42 Abb. 43 Abb. 44

immer untergeordnete Rolle. In Abb. 42 haben der- oder als Rückseite wahrnehmen (Abb. 45,
wir eine klare Unterscheidung in Figur und Seite 26) . Man hat demnach zwei einnehmbare
Grund durch die Größe der Form, während in Perspektiven zur Auswahl, welche die Augen
Abb. 43 die Unterscheidung in Figur und Grund, ziemlich beanspruchen. Der Würfel ist ein
also in Vorder- und Hintergrund sehr unent- Beispiel für die perspektivische Ambivalenz und
schieden beziehungsweise ganz ausgesetzt ist. multistabile Wahrnehmung. Dabei bestimmt
Hier gibt es weder Vorder- noch Hintergrund. die Erfahrung die Lage, in welcher der Würfel
Des Weiteren gibt es Kompositionen, bei denen vorzugsweise wahrgenommen wird.
unsere Wahrnehmung nicht entscheiden kann, Doch Kippbilder machen sich auch heute noch
ob sie ein Element als Figur oder Grund ein- Bildgestalter zunutze: So veröffentlichte der Bra-
ordnet. Beide Interpretationen sind gleichzeitig silianer Baika BK 2014 ein Foto im Internet, das
möglich. So wechselt das Auge beim Betrachten durch Photoshop zu einem raffinierten Doppel-
immer wieder zwischen Figur und Grund hin portrait eines Mannes zusammengefügt wurde

25
# 1 G r u n d l e g e n d e s z u r Ko m p o s i t i o n
(Abb. 46). Diese Bildidee wiederum wurde von Menschen finden optische Täuschungen seit
anderen Werbegrafikern kopiert und mit ande- jeher spannend, sie üben eine ähnliche Faszina-
ren Personen umgesetzt und für kommerzielle tion aus wie die Zauberei, da sie mit der Trägheit
Produkte (Anzeigenwerbung, Plattencover etc.) unserer visuellen Wahrnehmung spielen und
genutzt. die Fähigkeit haben, uns zu verblüffen.
Ein weiterer Klassiker mit uneindeutiger Figur- Visuelle Illusionen können nahezu alle Aspekte
Grund-Beziehung ist die Illustration Ente- oder des Sehens ansprechen und werden von Ge-
Hasenkopf des US-amerikanischen Psychologen staltern bewusst eingesetzt, um den Blick des
Joseph Jastrow, die wahlweise einen Ente mit Betrachters zu lenken.

Abb. 45 Abb. 46 Abb. 47 Abb. 48

Abb. 49 Abb. 50 Abb. 51 Abb. 52

Schnabel oder einen Hasen mit langen Ohren Es gibt viele verschiedene Kategorien von visu-
zeigt (Abb. 47). Diese Art von Rätselbildern ellen Illusionen:
werden auch als Vexierbilder bezeichnet. Sie – geometrische Illusionen
verstecken eine zweite Bedeutung, ein zweites – Größenillusionen
Bild im Bild. – Tiefenillusionen
– Helligkeitsillusionen
Mit dem Thema «Visuelle Illusionen», auch – Blickwinkel-Illusionen
optische Täuschungen genannt, wurden bereits – Farbillusionen
ganze Bücher gefüllt. – Bewegungsillusionen
In den 1980er-Jahren erklärte die Psychologie- – Überbetonung von Kontrasten
Professorin Barbara Gillam das Phänomen der (z. B. Flimmer- bzw. Flackerbilder)
optischen Täuschungen so: «(...) Die Täuschung
betrifft nicht das Denken, sondern die Wahr- Die Wahrnehmung scheint dem Betrachter
nehmung. Denn selbst wenn man weiß, dass einen Streich zu spielen: Bei Betrachtung einer
der Eindruck falsch ist, sieht man weiterhin optischen Illusion, bildet man sich eine Mei-
die Täuschung. (...)»12 nung, die unter Zuhilfenahme weiterer Sinne
oder durch Entfernen der auslösenden Faktoren,

26
sofort zu widerrufen ist. Man muss erkennen, stattfindet. Die beiden Flächen haben nur an
dass man getäuscht wurde. Betrachtet man der Schnittkante in der Mitte unterschiedliche
beispielsweise das Bild der beiden Linien von Farben, in der Mitte haben beide den gleichen
F.C. Müller-Lyer von 1889 (Abb. 48), auch Grauwert. Dies kann man überprüfen, indem
Müller-Lyer’sche Täuschung genannt, glaubt man mit einem Finger die Schnittkante abdeckt.
man eine kürzere und eine längere Linie zu Eine ähnliche Helligkeitskontrast-Irritation
sehen, tatsächlich sind aber beide Linien gleich, entsteht in den Abb. 53 und 54. Der Kreis hat
nur die Pfeilspitzen an ihren Enden täuschen in beiden Bildern denselben Grauwert. Warum
eine unterschiedliche Länge vor. Denn stumpfe wirkt er dennoch in Abb. 53 heller als in Abb.
Winkel verlängern die Linie scheinbar, spitze 54? Das liegt an der grauen Hintergrundfarbe.

Abb. 53 Abb. 54 Abb. 55

Winkel verkleinern sie dagegen. Eine weitere Diese ist in Abb. 53 dunkler als in Abb. 54. Eine
Annahme ist, dass man sich die beiden Strecken solche Kontrastverstärkung kann man als
räumlich vorstellt und sie der eigenen Realität Gestalter bewusst einsetzen, um Bildaussagen
entlehnt, d. h. man sieht eine Raumecke oder zu beeinflussen und zu verstärken (oder,
eine Hausecke. Die einzelne Raumecke erscheint bei schwächerem Kontrast, abzuschwächen).
einem logisch größer als eine Häuserkante → Bezold-Effekt, Seite 162
(Abb. 49), da man in einem Raum näher an der Das Herrmann’sche Gitter von 1870 (Abb. 55)
Raumecke steht als im Freien vor einer Haus- von Ludimar Herrmann besteht aus schwarzen
ecke. Dies kann man auch in Abb. 50, der Judd- Quadraten, die in genau gleichen Abständen in
Täuschung, erkennen: Der Punkt auf der Linie einem Raster angeordnet sind. Der Betrachter
scheint deutlich näher in Richtung Pfeilspitze glaubt, im Schnittpunkt der weißen Linien
(spitzer Winkel) zu liegen. Tatsächlich liegt er zwischen den Kreuzpunkten der Quadrate
aber genau auf der Mitte der Linie. Der Einfluss schwarze, kreisförmige Flecken zu sehen. Sie
von spitzen und stumpfen Winkeln zeigt sich flackern und sind nur wahrzunehmen, solange
auch bei der Sander’schen Täuschung (1926): Die man seinen Blick nicht darauf konzentriert,
Diagonale im großen Parallelogramm wirkt um denn dann verschwinden sie. Anders gesagt, sie
einiges länger als die Diagonale im kleinen Paral- entstehen, weil unsere Augen nie sehr lange auf
lelogramm. Beide Diagonalen sind aber genau genau denselben Punkt blicken, sondern einer
gleich lang (Abb. 51). ständigen Eigenbewegung unterliegen. Diese
Genau gleich, diesmal vom Grauwert, sind auch leichte Eigenbewegung der Augen kann auch
die beiden Flächen in Abb. 52, der Craik-O‘Brien- eine Erklärung sein für den Effekt der Irradia-
Cornsweet-Täuschung: Sie beweist, dass in tion (lat. Bestrahlung), d. h. die Streuung von
naher Umgebung von Randlinien zwischen ver- Licht im Auge oder hier die Überstrahlung der
schiedenen Flächen eine Kontrastverstärkung schwarzen Fläche durch die weiße. Denn weiße

27
# 1 G r u n d l e g e n d e s z u r Ko m p o s i t i o n

Abb. 56 Abb. 57 Abb. 58

Abb. 59 Abb. 60 Abb. 61 Abb. 62

Flächen auf schwarzem Grund wirken größer in der Komposition proportional zu einander?)
als schwarze Flächen auf weißem Grund (Abb. oder im Großen (Festlegung eines Formates für
56 & 57). Ein Alltagsbeispiel für diesen Effekt das entsprechende Medium: Papier, Buch, digi-
ist unsere Kleidung: Ein Mensch wirkt in heller tales Dokument, Film & Animation, Webseite,
Kleidung dicker als in schwarzer. Weiße Schrift App etc.). Proportion ist in allen Formen der Ge-
auf schwarzem Grund wirkt größer als schwarze staltung von Belang: sei es in der Fotografie beim
Schrift auf weißem Grund. Man kann sie aber Bildaufbau und -ausschnitt; in der Zeichnung
trotzdem nicht unbedingt besser lesen. bei der Darstellung von Mensch und Tier; in der
Optische Täuschungen beruhen grundsätzlich Malerei bei der Darstellung eines Stilllebens; in
auf der Tatsache, dass die Wahrnehmung subjek- der Illustration bei der Überhöhung von Propor-
tiv ist und vom Gehirn beeinflusst wird. tionen zur Charakterisierung von Figuren oder
Gestalter können sich diese kleinen Tricks zur in In- und Exterieurs; in der Printgestaltung und
«Wahrnehmungsverwirrung» zunutze machen! dem Grafikdesign bei der Erstellung von Layouts
oder Erscheinungsbildern wie einem Logo oder
Proportionen einem ganzen Corporate Design; in der Typo-
grafie bei der Konstruktion einer neuen Schrift
Neben den Gestaltgesetzen gibt es eine weitere oder im Industriedesign bei der Formfindung
Komponente, welche die Wahrnehmung des für ein neues Produkt.
Rezipienten unbewusst beeinflusst: Die Propor- Dabei können viele verschiedene Proportions-
tion (in) einer Gestaltung. Ohne eine Größenein- regeln und -theorien zum Einsatz kommen.
ordnung (Proportion: lat. proportio: «das Im Folgenden zeige ich einige, die das Format
entsprechende Verhältnis»; «Ebenmaß», zu- genauer definieren können und die man kennen
sammengesetzt aus: pro: «im Verhältnis zu» sollte: Der Goldene Schnitt ist in der Mathema-
und portio: «Portion») kann ein Gestalter nicht tik seit der Zeit der griechischen Antike bekannt
arbeiten. Er ist es gewohnt, alle Gestaltungsele- und wird ab dem 19. Jahrhundert auch in der
mente ins Verhältnis miteinander zu setzen. Bildenden Kunst als ein ideales Prinzip ästheti-
Sei es die Proportion im Kleinen (auf der Gestal- scher Proportionierung gesehen und eingesetzt.
tungsfläche: Wie stehen die einzelnen Elemente Man redet vom Goldenen Schnitt, wenn das

28
Abb. 63 Abb. 64 Abb. 65

Abb. 66 Abb. 67

Teilungsverhältnis einer Strecke oder einer an- Der Architekt und Maler Le Corbusier entwi-
deren Größe so beschaffen ist, dass das Verhält- ckelte ab 1942 unter dem Namen Der Modulor
nis des Ganzen zu seinem größeren Teil (Major) (Abb. 64) ein einheitliches Maßsystem basierend
dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil auf den menschlichen Maßen und dem Golde-
(Minor) entspricht (Abb. 58). nen Schnitt. Die Entwicklung dieses Propor-
In einer Formel sieht das so aus: tionssystems war ein Versuch, die Architektur
Aus dem Goldenen Schnitt kann man das Gol- am Maß des Menschen zu orientieren und ihr
dene Rechteck und die Goldene Spirale ent- eine mathematische Ordnung zu unterstellen.14
wickeln (Abb. 59). Stellt man dieser den Quer- Im Buchdruck wurde und wird der Goldene
schnitt des Gemeinen Perlboots (einer Meeres- Schnitt ebenfalls eingesetzt. → Seite 225
schnecke) gegenüber, erkennt man dasselbe Für Papierformate mit Goldenem Schnitt kann
Prinzip (Abb. 60). Das natürliche Wachstum man sich das Schema des Goldenen Rechtecks
von Pflanzen lässt das Verhältnis des Goldenen genauer ansehen (Abb. 65 & 66). Ausgehend von
Schnittes erkennen: Das sind z. B. die Sonnen- einer quadratischen Anfangsform entwickelt
blume (Abb. 61)13, die Rose, verschiedene Kohl- man nun kleinere Folgeformate nach dem
arten und viele verschiedene Zapfen von Nadel- Goldenen Schnitt. Oder man geht von einem lie-
bäumen (Abb. 62). Ihre Blätter wachsen im genden Rechteck mit dem Verhältnis 1: 2,618034
Goldenen Winkel, dieser beträgt 137,5°. Ihr aus und entwickelt daraus kleiner werdende
Strukturwachstum wird als selbstähnlich be- Formate. Diese Papierformate unterscheiden
zeichnet und zeichnet sich durch eine spiralför- sich in ihrer Proportion deutlich von unseren ge-
mige Anordnung der Fruchtstände und Blätter bräuchlichen DIN-Formaten (Abb. 67) und sind
aus (so ist garantiert, dass jedes Element Licht daher eine gute Alternative.
bekommt und nicht von einem darüberliegen- Ob der Goldene Schnitt tatsächlich eine derart
den verdeckt wird). besondere ästhetischen Wirkung hat, wie oft
Ein bekanntes Beispiel in der Malerei, dessen behauptet wird, ist umstritten. Dennoch sollte
Bildaufbau sich am Goldenen Schnitt orientiert, jeder, der sich mit Kunst oder Design beschäf-
ist Leonardo da Vincis Abendmahl von 1494 bis tigt, schon einmal von ihm gehört haben.
1498 (Abb. 63).

29
# 1 G r u n d l e g e n d e s z u r Ko m p o s i t i o n

Abb. 68 Abb. 69 Abb. 70 Abb. 71

In einem engen Zusammenhang zum Goldenen steht zur größeren im Verhältnis 1 zur Wurzel
Schnitt steht die unendliche Zahlenfolge der aus 2 (1,414...). Jedes Format ist demnach doppelt
Fibonacci-Reihe: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, beziehungsweise halb so groß wie das benach-
144, 233, … Die jeweils nächste Zahl in dieser barte Format in der Reihe. Das nächstkleinere
Folge erhält man als Summe der beiden vor- Format entsteht jeweils durch das Halbieren der
angehenden (Abb. 68). Das Verhältnis zweier langen Seite des nächstgrößeren Formats. Die
aufeinanderfolgender Zahlen der Fibonacci- Zahlen «0» bis «8» (DIN A0 bis DIN A8) geben
Reihe strebt gegen den Goldenen Schnitt. Die an, wie oft das Referenzformat DIN A0 geteilt
Fibonacci-Reihe ist unendlich und wurde nach wurde.→ Seite 225
Leonardo Fibonacci benannt, der damit im
Jahr 1202 das Wachstum einer Kaninchenpopu- Im Zusammenhang mit den Themen «Komposi-
lation beschrieb. Die Zahlenfolge ist allerdings tion, Proportion und Formataufteilungen» ist
auch schon in der griechischen Antike bekannt kurz noch der Unterschied von mathemati-
gewesen. Wie schon beim Goldenen Schnitt scher und optischer Mitte zu erklären (Abb.
beschrieben, findet man die Reihe im Wachstum 71): Wenn man sich ein Blatt Papier vorstellt
von Pflanzen wieder. und dieses einmal in der Mitte horizontal faltet,
Gestalter lassen sich von der Fibonacci-Reihe spricht man von mathematischer Mitte. Der
kreativ angeregen, wie z. B. der Grafikdesigner Knick entspricht der Teilung des Blattes in
David Cuesta, der das Cover des Albums Grab genau zwei Hälften. Will man nun ein Element
That Gun (2004) für die Band The Organ ent- (z. B. eine Horizontlinie) genau auf der Mitte
warf (Abb. 69). Einer meiner Studenten hat sich des Blattes anordnen, setzt man es zuerst in den
übrigens im ersten Semester aus Liebe zur Knick. Schaut man sich nun die Platzierung der
Gestaltung die Goldene Spirale auf den Unter- Horizontlinie an, wird diese als zu tief empfun-
arm tätowiert (Abb. 70). den. Um ein optisch befriedigendes Maß und die
Empfindung der Mitte zu erreichen, schiebt
Wenn man von Proportionen spricht, so sind man nun die Linie ein Stück nach oben. Dort
auch die DIN-Formate für Papier zu erwähnen. befindet sich die optische Mitte – etwas ober-
Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat halb der mathematischen.
Standardgrößen für Papierformate festgelegt.
Die A- und B-Reihe der ISO/DIN-Norm sind in Ähnlich wie die optische Mitte gibt es eine
nahezu allen Länder adaptiert worden. Trotz- weitere, gefühlt wahrgenommene Größe in
dem haben andere Länder (z. B. USA, Japan) grafischen Kompositionen: Die Wirkung der
weitere, meist weniger systematische und nicht Schwerkraft auf die visuelle Wahrnehmung,
metrische Papierformate. Das Referenzformat auch das visuelle Gleichgewicht oder die Oben-
der A-Reihe ist DIN A0 und dessen Fläche ist Unten-Erfahrung genannt. Als Kleinkind fehlt
ein Quadratmeter. Die kleinere Seite des Bogens uns noch die Erfahrung mit der Schwerkraft,

30
Abb. 72 Abb. 73

9 zitiert nach: www.lewitzgalerie.de/datenbanken/


z. B. wenn wir versuchen, laufen zu lernen und
fotozitate/fotozitate.php?zitat_id=86, Stand
hinfallen oder einen Turm aus Bauklötzen bau- 25.05.2016
en, der plötzlich umfällt, ohne dass wir schon
verstünden, warum. Doch mit der Zeit kommt 10 aus: www.flow-usability.de/gestaltgesetze,
die Erfahrung und das Wissen, dass wir egal, Webseite zur Magisterarbeit von Marco Wurzler
und Philipp Stenger, Heinrich Heine Universität
was passiert, an der Erde «haften». Dieses Wis-
Düsseldorf, Stand 17.04.2015
sen übertragen wir in vieler Hinsicht auf das
Sehen von Bildern. So ist die Oben-Unten-Ord- 11 zitiert nach: Der kleine Besserwisser: Grundwissen
nung einer Komposition konstant, egal ob wir es für Gestalter, hrsg. von Robert Klanten, Mika
Mischler, Silja Bilz, erweiterte und aktualisierte
vertikal oder horizontal betrachten, wir legen
Neuauflage, Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG,
uns immer fest: Das ist momentan das Oben, das Berlin 2015, Seite 35
ist jetzt das Unten. Der Gleichgewichtssinn, der
uns aufrecht hält, verleiht unserem Sehsinn die 12 aus: Barbara Gillam, Geometrisch-optische
erforderliche Stabilität. Jede Störung unseres Täuschungen. Wahrnehmung und visuelles
System, 1986, in: Spektr um der Wissenschaft:
visuellen Gleichgewichts wird als beunruhi-
Wahrnehmung und visuelles System, 2. Auflage.
gend empfunden (z. B. ein schief hängendes Bild
Spektr um der Wissenschaften, Heidelberg 1987,
an der Wand). Die Existenz unseres visuellen Seite 104–112
Gleichgewichts kann man anhand von verschie-
denen Beispielbildern belegen, die schon Paul 13 Matthias Froböse, Keramische Abformung einer
Klee und György Kepes nutzten.15 So zeigt Sonnenblume, keramisches Kunsthandwerk,

Abb. 72 abstrahierte Wippen, auf der verschie- Berlin 2005, w w w.froboese.info

dene Formgewichte abgelegt sind: Alle vier


14 Le Corbusier veröffentlichte 1948 die Schrift Der
Wippen vermitteln trotz unterschiedlicher Modulor, die zu den bedeutendsten Theorien der
Formen ein Gleichgewicht, sie sind für unser Architekturtheorie gezählt. In Modulor 2 (erschie-
Empfinden in Waage. Die Abb. 73 zeigt die nen 1955) erläutert er die Anwendung der Maß-
Wippen mit verschiedenen Formgewichten im lehre, die er seinem gesamten architektonischen
Ungleichgewicht. Die Wippen müssten nach Schaffen zugr unde gelegt hat.
vgl.: Le Corbusier, Der Modulor. Darstellung eines
unserer Empfindung kippen.
in Architektur und Technik allgemein anwend-
baren harmonischen Maßes im menschlichen
Alle genannten Gesetzmäßigkeiten lassen sich Maßstab, Cotta, Stuttgart 1953 & 1958
auch auf die dritte Dimension, d. h. den Körper
im Raum übertragen. → Seite 120 f. 15 Didaktisches Modell der Waage, vgl.: Paul Klee,
Das bildnerische Denken, Schwabe Verlag,
Basel/Stuttgart 1956, S. 197 ff. und Györg y Kepes,
Sprache des Sehens, Florian Kupferberg Verlag,
Mainz/Berlin 1970, Seite 29

31
P r a x i s : KO M P O N I E R E N

Die Frottage

Aufgabenstellung:
Übertragen Sie durch Abreiben (franz. frotter:
«reiben»; von Max Ernst ab 1925 als bildne-
risches Mittel wiederentdeckt und weiter-
entwickelt) mit einem Blei- oder Graphitstift
Oberflächen und Strukturen aus Architektur,
Natur, von Objekten, Fußböden, Wänden etc.
auf weißes DIN-A3-Papier. Sie können mehrere
Papiere vollreiben. Sammeln Sie so verschiedene
Oberflächen (Materialsammlung). Sie brauchen
dabei noch nicht auf die Anordnung zu achten.
Sie können auch mit dem Übereinanderreiben
mehrerer Strukturen experimentieren.

Ordnen Sie im zweiten Schritt mit dem Kopierer


oder Scanner einzelne oder mehrere Strukturen
so auf einem neuen DIN-A3-Blatt an, dass eine
(nicht-figürliche) Komposition entsteht. Denken
Sie bei der Erstellung der Komposition an die
→ Gestaltgesetze, Seite 22 ff. und behalten Sie
den Weiß- bzw. beim Invertieren den Schwarz-
raum im Auge. Vergrößern, verkleinern, invertie-
ren (d. h. negativ kopieren) oder duplizieren Sie im
letzten Schritt das Motiv s/w am Kopierer/Scan-
ner. Verdecken Sie nicht gewünschte Teile mit
Tipp-Ex oder weißem Papier, kopieren Sie erneut –
bis Sie interessante und gelungene Kompositionen
und Varianten entwickelt haben.

#1 Frottage

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
Kompositionsgefühl

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Bleistift/Graphitstift, Papier,
Kopierer, Tipp-Ex/Deckweiß, oben: Mit dem Kopierer invertierte Kompositionen
Kleber, Kopierer
rechts: Frottierte und dann kopierte Bindfäden

Dauer:
3–6 Stunden

32
Diese drei Bildbeispiele zeigen sehr
schön den Umgang mit den verschiede-
nen → Grundelementen, Seite 20 ff.
Rechteck, Dreieck und Linie wie auch
die Anwendung der → Gestaltgesetze,
Seite 22 ff. Prägnanz, Ähnlichkeit,
Kontinuität, Geschlossenheit, Sym-
metrie und Gleichzeitigkeit. Die Figur-
Grund-Unterscheidung kommt
ebenfalls gut heraus und die Bilder
wirken dreidimensional, auch wegen
der Größenunterschiede der Elemente
und des Hell-Dunkel-Kontrastes.

33
P r a x i s : KO M P O N I E R E N

Viermal dasselbe Bild, vier verschiedene Wirkungen:


oben: Aufsteigende Formen wirken luftig und leicht, die verschiedenen Formen
sausen waagerecht auf das hellere Formzentrum zu.

unten: Hier sieht man waagerechte, nach unten rechts sausende Formen.
Dadurch wirkt das Bild eher fallend und schwer, aber dennoch dynamisch
und in unserer gewohnten Leserichtung.

Man beachte: Querformate wirken meist ruhiger und weniger eindringlich als
Hochformate, deshalb sind sie auch unüblicher (bei Plakaten, Büchern etc.).

34
Die Entscheidung, wie man die Frottage am Ende nochmals gemeinsam und besprechen, wie die
präsentiert – Hoch- oder Querformat, Drehung Komposition und war um sie wie am besten wirkt.
um 90° oder um 180° – führt bei den Studierenden
jedes Mal wieder zu Diskussionen und schließlich Je nach Anordnung von Flächen und Elementen
zu einem Aha-Erlebnis. auf den Flächen erhöht sich die Spannung einer
Komposition oder verringert sich, wirkt das Bild
Bei der Präsentation der Arbeiten an der Pinn- aufstrebend luftig oder schwerer, dynamischer
wand drehen wir im Unterricht einige Bilder oder statischer.

rechts: Hier wirken die Formen eher aufsteigend und dyna-


mischer als im linken Bild, da diese Bildrichtung die Kompo-
sition insgesamt leerer erscheinen lässt. Außerdem wurde
die optische Mitte → Seite 30 gut eingesetzt: Der Schwer-
punkt des Bildes liegt genau oberhalb dieser, was auf den
links: Das Format wirkt voller, aufsteigend,
Betrachter positiv/«richtig» wirkt. Ebenso positiv auf den
weniger dreidimensional und hat demnach eine
Gesamteindruck wirkt sich die Dynamik des Bildes aus:
schwächere Räumlichkeit.
Durch die sich ergebende Bilddiagonale von links unten
nach rechts oben (in Leserichtung, aufstrebend, positiv)
entsteht die bewegteste Konstellation aller vier Bildvari-
anten. Sie scheint dreidimensionaler als das linke Hoch-
format und überzeugt von allen Möglichkeiten am meisten.
35
P r a x i s : KO M P O N I E R E N

Zwei Linien, eine Zahl

Aufgabenstellung: 2) DIGITAL: Bauen Sie anschließend am Rechner


Gestalten Sie eine hochformatige DIN-A3-Fläche eine der analogen Versionen nach und entwickeln
mit diesen drei Elementen: Zwei Linien (egal sie dazu wiederum zehn Varianten. Drucken
welcher Dicke, Länge, Form) und eine beliebige, Sie diese auf DIN A3 aus, schneiden Sie den
einstellige Zahl (0–9). Druckrand ab und vergleichen Sie die Blätter
mit den analogen Entwürfen. Worin liegen die
1) ANALOG: Alle drei Elemente aus dem Tonpa- Unterschiede?
pier schneiden (Größe, Form entscheiden Sie) und
auf der DIN-A3-Fläche verteilen, bis Sie mit der Treffen Sie am Ende eine Auswahl aus allen
Komposition zufrieden sind, dann fixieren. Entwi- Entwürfen und begründen Sie, warum Sie gerade
ckeln Sie Varianten. Sie können mehrere Blätter dieses Blatt für gelungen halten.
produzieren.

#2 Zwei Linien, eine Zahl


Studierende der Grundlagen erarbeiten
Lernziele: die Aufgabe im Unterricht und
Abstraktionsvermögen, präsentieren diese anschließend.
Kompositionsgefühl

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
schwarzes Tonpapier, Schere,
Cutter, Zirkel, Kleber, Com-
puter mit Layoutprogramm,
Drucker

Dauer:
analog: 30–60 Minuten
36 digital: 2–3 Stunden
Spontane analoge Ergebnisse nach 60 Minuten
37
P r a x i s : KO M P O N I E R E N

Man kann sehr leicht am Rechner Varianten erzeugen, aber welches ist am Ende die beste Komposition?

rechte Seite:
Hier sieht man die digitalen Varianten
der analogen Entwürfe von → Seite 37.

Diese Aufgabe ist absolut grundlegend in Bezug Die nächste Schwierigkeitsstufe wäre dann, das
auf die spätere Arbeit als Gestalter, speziell in Inhaltliche in die Gestaltung und Komposition
2-D-Medien. Es geht in einer Gestaltung immer einzubauen, anhand eines konkreten inhaltlichen
um die Frage: Wie stehen einzelne Elemente auf Briefings (Auftraggeber, Zielgruppe, Medium,
einer «Bühne» zueinander? Wie wird Spannung Inhalt der Gestaltung/Elemente etc.). Auch sollte
und Interesse beim Betrachter aufgebaut? Mit klar sein, welche Absicht die Gestaltung z. B. eines
welchen Mitteln kann man das als Gestalter errei- Plakates verfolgt: Will es nur informieren oder
chen? Wie kann man die Aussage, die vermittelt sollen die Rezipienten auch aktiv werden? Ist es
werden soll, bestmöglich visualisieren? eine singuläre Aktion oder eine Reihe von Plaka-
ten, die beispielsweise einem Corporate Design
In dieser Übung lasse ich eine inhaltliche Aussage folgen muss und mit anderen Medien abgestimmt
mit Absicht außen vor, um es den Gestaltenden wird?
vorerst so einfach wie möglich zu machen. Sie
sollen sich erst einmal nur auf das Formale kon-
zentrieren.

38
39
P r a x i s : KO M P O N I E R E N

Der Wortwurm ren Seitenrand sowohl links als auch rechts des
Blattes, sodass in der Mitte des DIN-A3-Hochfor-
Aufgabenstellung: mates eine Fläche von 17 cm Höhe entsteht.
Ziehen Sie eines der vorgegebenen Adjektive* im Gestalten Sie die entstandene Fläche nun so, dass
Losverfahren. sie zum linken und rechten Seitenrand in den
Setzen Sie den Begriff nun visuell und abstrahiert Anschnitt des Blattes läuft (keine weißen
(nicht gegenständlich) auf einem weißen DIN-A3- Ränder lassen) und links und rechts am Rand
Hochformat mit schwarzem Tonpapier um. Sie genau 17 cm misst. Was dazwischen passiert,
können verwenden: Cutter, Schere, Kleber, Zirkel. entscheiden Sie (dazwischen können Sie den
Sie können auch reißen, knüllen, falten etc. kompletten Raum oben und unten nutzen).
Markieren Sie sich vorher auf dem weißen DIN- Bitte hängen Sie im Anschluss Ihre Arbeiten
A3-Papier je 12,5 cm vom oberen und vom unte- nebeneinander an die Pinnwand.

Gruppen-
#3 Wortwurm aufgabe!

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
Reduktion auf S/W-Kontrast

Schwierigkeitsgrad: Diese Aufgabe wirkt visuell am stärksten,


leicht wenn 10 bis 30 Blätter in eine Reihe gehängt
oder gelegt werden. Denn dann erst wird
Materialliste: ein sich schlängelnder Wurm daraus, s. o.
schwarzes Tonpapier, Lineal,
Kleber, Schere, weißes DIN-
A3-Papier, Zirkel (optional)

Dauer:
30 Minuten, 60 Minuten
Diskussion und Erraten der
40 Adjektive
*Adjektive sind z. B.:
geschichtet, verworren, verwickelt, verkantet,
geschlungen, gewebt, gewölbt, gewickelt,
verwunschen, verstopft, gezackt, abgerundet,
deformiert, wolkig, vollgestopft, geringelt,
eingebrochen, eingewickelt, verlottert, zerris-
sen, verschlissen, lodernd, flackernd, entfesselt,
zerrüttet, gepunktet, genoppt, gekräuselt,
wabernd, fröhlich, gebogen, gerillt, geritzt,
ausgehöhlt, verklemmt, verzahnt, verwackelt,
verklebt, zerknittert, zerborsten, explodiert,
verkorkst, entglitten

41
ZEICHNEN
Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem grafischen Arbeiten werden Zeichen- und Mal-
Zeichnen und Malen. Im theoretischen Teil werkzeuge sowie -techniken vorgestellt.
→ #2 Grundlegendes zum Zeichnen und druck- Dazu gibt es Hilfen, Skizzen und Kurzübungen.

42
Die darauffolgenden sieben → Aufgaben #4 bis Strich (oder lassen ihn erst einmal finden!) und
#10 sind Methoden, um sich der Zeichnung locker bieten unendlich viele Variationsmöglichkeiten.
zu nähern. Die Aufgaben schulen den eigenen → Aufgabe #33

43
# 2 G r u n d l e g e n d e s z u m Ze i c h n e n u n d d r u c k g r a f i s c h e n A r b e i t e n

Zeichnen, Malen und Drucken Ausführungen und mit der Zeit und wach-
sender Erfahrung findet man die für sich
Nicht jeder gute Gestalter muss ein guter passendste Variante heraus.
Zeichner sein. Dennoch gehört das Zeichnen, Klassischerweise skizziert man mit dem Blei-
Malen und Drucken zur Gestaltung und stift und kann ihn mit einem Radiergummi
umgekehrt. Viele Gestalter denken zuerst mit korrigieren, weshalb er gerade bei Anfängern
dem Stift, skizzieren ihre Idee, bevor sie mit sehr beliebt ist. Durch Druck und Härtegrad
der Ausarbeitung beginnen. Aktzeichnen und hat man mit ihm eine große Bandbreite an
zeichnerische Darstellung gehören zu Recht in Möglichkeiten, den Strich zu setzen (harte,
vielen gestalterischen Studiengängen zu den leichten Linien). Mir wurde im Grundlagen-
Grundlagen. Zeichenunterricht meines Studiums verboten
Das Thema «Zeichnen, Malen, Drucken» füllt zu radieren. Ich sollte mich nicht vorab auf
ganze Bücher. Ich möchte an dieser Stelle nur eine Korrektur verlassen können, sondern von
kurz die Möglichkeiten des Schaffens von Anfang an richtig hinschauen. Ein Ansatz, den
Bildern mit den Mitteln der Zeichnung und ich heute gut nachvollziehen kann, der mich
der verschiedenen Drucktechniken vorstellen. damals aber sehr verunsichert hat.
Welche Zeichen-, Malwerkzeuge und Druck-
techniken gibt es? Mit welchen Zeichenhilfen Auch Buntstifte eignen sich zum Zeichnen.
kann man als Einsteiger schnell einen Zugang Neben den klassischen, trockenen Buntstiften
zur bildnerischen Gestaltung finden? Nicht gibt es auch Aquarell-Buntstifte, die man mit
zuletzt führe ich damit auch in die nächsten Wasser und ggf. Pinsel vermalen kann.
praktischen → Aufgaben #4 bis #10 ein, die
sich alle mit dem Zeichnen beschäftigen. Kohle, Rötel, Öl-, oder Pastellkreide sind
weitere, aus der Tradition der Bildenden Kunst
kommende Zeichenwerkzeuge. Jedes für sich
Zeichenwerkzeuge
produziert einen sehr charakteristischen
Der Bleistift oder auch Graphitstift ist das Strich. Man kann sie gut durch Wischen und
grundlegende Zeichengerät. Es gibt den Reiben nachbearbeiten. Mit ihnen wird es
Bleistift in verschiedenen Härtegraden und schnell expressiv und malerisch, doch es

44
erfordert eine gewisse Übung, virtuos mit Tablet. Durch die Verwendung von digitalen
diesen Materialien umzugehen. Werkzeugspitzen in der passenden Zeichen-
oder Bildbearbeitungssoftware (z. B. Adobe
Mit Tinten und Tuschen lässt sich vielfältig Photoshop oder Illustrator) können fast alle
arbeiten. Abhängig vom Zeichengerät erhält analogen Zeichenwerkzeuge nachgeahmt wer-
man, z. B. bei Feder oder Füller, sehr feine den, sei es der Pinselstrich, Kreide, Kohle oder
Linien. Man kann sich Zeichenfedern und die Rohrfeder. Jeder Strich lässt sich zudem
einen Federhalter kaufen oder Rohrfedern spurlos rückgängig machen.
oder Gänsefedern nutzen (und auch selbst
zuschnitzen), damit erreicht man herrlich Mit einem Tablet (z. B. Ipad) kann man auch
kratzige, widerspenstige Striche. Nimmt man wunderbar zeichnen (und malen): Auch hier
als Zeichen-/Malgerät stattdessen einen Pin- braucht man die entsprechende Software –
sel, lassen sich die Tinte oder Tusche auch mit in dem Fall Zeichen-Apps (z. B. Adobe Ideas,
dickem, (un)regelmäßigem Strich und sogar Art Studio) – und einen, meist geräteunab-
flächig verwenden. hängigen, Tablet-Pen, einen Stift mit spezieller
Gummispitze (mit dem Finger geht es auch,
Fineliner, Kugelschreiber, Marker und ist aber nicht so genau). Es gibt sogar ganze
Filzstifte sind universell einsetzbar. Sie lassen Skizzenbuch-Apps, die man mit seinen Zeich-
sich ebenfalls nicht korrigieren, erfordern nungen füllen kann (z. B. Sketchbook Pro).
also Übung! Und Achtung: Wer lange etwas
von seiner Zeichnung haben will, der benutzt
Malwerkzeuge und -techniken
lichtechte Stifte.
In der Malerei verwendet man Farben, die mit-
Mit einem Grafiktablett/Tablet (z. B. Wacom tels Pinsel, Spachtel oder anderer Werkzeuge
Cintiq) und dem geräteabhängigen Stift, auf einen Malgrund aufgebracht werden.
der mitgeliefert wird und unterschiedliche Farben, je nach Vorliebe des Malers, können
Werkzeugspitzen haben kann, zeichnet (und sein: Gouache, Tempera, Öl-, Aquarell- (Abb.
malt) man mit etwas Übung ganz wunder- 74, Seite 48) oder Acrylfarben (Abb. 75, Seite
bar digital am Rechner oder direkt auf dem 48). Gouache ist deckend aufgetragen pastös

45
# 2 G r u n d l e g e n d e s z u m Ze i c h n e n u n d d r u c k g r a f i s c h e n A r b e i t e n

oder dünn aufgetragen lasierend. Tempera ist «Zusammenstellung») werden auch drei-
etwas gröber vom Eindruck als Gouache, beide dimensionale Materialien verarbeitet.
sind wasserlöslich und ändern sich in ihrer
Farbigkeit noch stark, wenn sie trocknen. Airbrush (Abb. 79, Seite 48) ist eine Maltech-
Ölfarbe kann ebenso lasierend wie deckend nik, bei der mit einer Airbrushpistole Farbe
aufgetragen werden und enthält verschie- auf einen Untergrund aufgesprüht wird. Die
dene Öle (z. B. Leinöl). Aufgrund der Öle ist Technik findet beispielsweise im Modellbau,
sie sehr wasserabweisend und verträgt sich beim Bodypainting oder in der Freien Kunst
nicht mit anderen Farben, die auf Wasserbasis Anwendung. Mit ihr kann man feinste Farb-
arbeiten. Ölfarbe wird üblicherweise Schicht verläufe und gleichmäßige Flächen erstellen.
für Schicht aufgetragen und kann mit Mal-
mittel verdünnt werden. Sie trocknet recht
Handgemachte Drucktechniken
langsam. Bis zu einem Jahr kann es dauern,
bis ein Bild durchgetrocknet ist. Acrylfarbe Die Lithografie (Abb. 80, Seite 48) ist die
ist im Malprozess wasserlöslich, besteht aus älteste Flachdrucktechnik, bei der eine Zeich-
einer sogenannten Kunststoffdispersion und nung mit fetthaltiger Kreide auf einen Stein
hat einen wesentlichen Vorteil: Sie trocknet gezeichnet wird. Dann wird der Stein ange-
sehr schnell, dann ist sie jedoch nicht mehr feuchtet und mit fetthaltiger Farbe einge-
wasserlöslich. walzt. Dort, wo die Farbe auf Wasser trifft,
haftet sie nicht. Dort, wo sie auf die Kreide-
zeichnung trifft, bleibt die Farbe haften. Wird
Weitere bildgebende Techniken
der Stein nun mit einem Papier oder Karton
Schabekarton (Abb. 76, Seite 48) gibt es etwa bedeckt, lässt sich die Zeichnung durch hohen
seit Beginn des letzten Jahrhunderts, man Pressdruck mit einer Steinpresse vom Stein
kann ihn fertig kaufen oder selbst herstellen. auf das Papier übertragen.
Er besteht aus einem Träger (festes Papier oder
Karton), auf dem eine weiche, wegkratzbare Die Radierung (Abb. 81, Seite 48) (lat. radere:
Farbschicht (z. B. versetzt mit Kreide oder «kratzen, wegnehmen, entfernen») ist eine
Wachs) aufgebracht ist. Auf diese wird eine grafische Tiefdrucktechnik. In Kupfer-, Zink-
weitere Farbschicht, meist härtere, schwarze oder Messingplatten wird mit einer Stahlnadel
Farbe aufgetragen. Diesen präparierten Bogen (= Radiernadel), ähnlich unmittelbar und
kann man mit einer Radiernadel, einem Mes- spontan wie mit einem Bleistift, in die Ober-
ser oder einem Spachtel bearbeiten und ein fläche eingeritzt. Das nennt man Kaltnadel-
Bild hineinkratzen. Die schwarze Farbe wird radierung. Eine zweite Möglichkeit ist die
weggekratzt, der weiße Untergrund dadurch Ätzradierung. Hier wird die Zeichnung in eine
sichtbar. Die Anmutung von Kratzbildern zunächst auf die Platte aufgebrachte relativ
ähnelt dem Holzschnitt oder dem Stich. weiche, säurefeste Abdeckschicht gekratzt.
Anschließend wird die Platte mit einer Ätz-
Collage (Abb. 77, Seite 48), Assemblage (Abb. flüssigkeit geätzt, wobei nur die Stellen ange-
78, Seite 48) sind Techniken, bei denen man griffen werden, an denen die Abdeckschicht
verschiedenste Materialien auf einem flachen verletzt wurde. In die geritzten und geätzten
Untergrund klebt und neu kombiniert. Eine Stellen wird nun Farbe eingebracht, dann
Collage (frz. coller: «kleben») ist zweidimen- die überschüssige Farbe abgewischt. Durch
sional, bei einer Assemblage (frz. assemblage: Aufpressen eines angefeuchteten Papiers wird

46
die Farbe aus den Vertiefungen herausgesaugt dere Möglichkeit ist, dass auf eine gleichmäßig
und erscheint auf dem Druckpapier. mit einer Druckfarbe eingewalzte Glas-, Stein-
oder Acrylplatte ein sehr dünnes Papier gelegt
Der Kupferstich (Abb. 82, Seite 48) zählt eben- und auf dessen Ober- (eigentlich Rück-)seite
so zu den Tiefdrucktechniken. Beim Kupfer- ein Motiv gezeichnet wird. Dieses reibt und
stich wird mit einem Stichel in die Platte drückt sich dann auf der Rückseite durch die
geschnitten, man schneidet bzw. schiebt und Farbe ab, ähnlich wie beim Blaupausen (Abb.
«sticht» das Material aus der Platte heraus. 87, Seite 49). Diese beiden Techniken gehören
So entstehen exakte Ränder, da die Schnitt- zur Familie der Abklatschtechniken (Abb. 88,
führung des Kupferstichs auf gerade oder Seite 49).
kurvige Linien beschränkt ist und entweder in
parallelen Stichen oder in Kreuzlagen geführt Der Siebdruck (Abb. 89, Seite 49) ist eine
werden kann. Durchdrucktechnik. Es gibt viele Möglich-
keiten, eine Druckform (hier: Sieb) anzulegen.
Linolschnitt (Abb. 83, Seite 49) & Holzschnitt Man unterscheidet manuelle und fotomecha-
(Abb. 84, Seite 49) sind Hochdrucktechniken. nische Druckformherstellung. Bei der manu-
Das Prinzip ist bei beiden dasselbe: Mit Schnei- ellen wird das Motiv von Hand aufgebracht,
demessern werden die nicht druckenden Teile z. B. über Pinsel und Farbe oder verschiedene
aus der Holz- bzw. der Linolplatte entfernt und Papiere oder Folien. Bei der fotomechanischen
die erhabenen Teile danach eingefärbt und Herstellung wird ein Sieb (ein feinmaschiges
abgedruckt. Der Abdruck erfolgt durch Hand- Gewebe) mit einer lichtempfindlichen Schicht
abreibung mittels eines Falzbeins oder durch präpariert und das Motiv darauf belichtet.
eine Druckerpresse. Die Vorlage kann auf einen lichtdurchlässi-
gen Träger aufgebracht sein (z. B. Film, Folie).
Stempeln (Abb. 85, Seite 49) ist die einfachste Das Motiv wird auf das Sieb belichtet. Die
Möglichkeit, seriell zu drucken. Stempel kann unbedeckten Stellen des Siebes, auf die das
man selbst herstellen (z. B. aus Kartoffeln, Licht auftreffen kann, härten aus, alle anderen
Moosgummi, Radiergummis) oder kaufen. Sie werden ausgewaschen. Dann wird mit einem
sind vielseitig einsetzbar. Gummirakel Farbe auf das Sieb aufgebracht
und die Farbe anschließend mit dem Rakel
Nitrofrottage (Abb. 86, Seite 49) und Mono- durch das Sieb auf einen Untergrund gedruckt.
typie sind sogenannte Abriebtechniken. Bei Mit Siebdruck kann man diverse Untergründe
der Nitrofrottage werden gedruckte Vorlagen gut bedrucken (Keramik, Papier, Textilien,
(z. B. Fotos aus alten Zeitungen) mit Nitro- Metall etc.).
verdünnung (oder Aceton) ein- und danach
auf einen neuen Untergrund abgerieben.
Industrielle Drucktechniken
Durch diesen Prozess verliert das übertragene
Bild an Schärfe und wirkt diffus oder alt. Es Für höhere Auflagen kann man industrielle
ist eine sehr experimentelle Technik, da man Drucktechniken verwenden. Zu ihnen zählen
das Ergebnis nie genau vorhersagen kann. beispielsweise das Kopieren, der Risodruck,
Bei der Monotypie wird statt auf Papier oder der Digitaldruck oder der Offsetdruck (Abb.
Leinwand auf Glas-, Acryl- oder Metallplatten 90, Seite 49).
gezeichnet bzw. gemalt und, solange die Farbe
noch feucht ist, das Bild abgerieben. Eine an-

47
# 2 G r u n d l e g e n d e s z u m Ze i c h n e n u n d d r u c k g r a f i s c h e n A r b e i t e n

Abb. 74: Aquarellzeichnung Abb. 75: Acrylmalerei

Abb. 76: Schabekarton

Abb. 77: Collage Abb. 78: Assemblage Abb. 79: Airbrush

Abb. 80: Lithografie Abb. 81: Radierung Abb. 82: Kupferstich

48
Ernst Eckstein
Abb. 85: Stempel

«Das Beste, was der Künstler gibt, ist Abglanz dessen, was er liebt.» 16
Abb. 84: Holzschnitt

Abb. 83: Linolschnitt


Abb. 87:
Blaupause

Abb. 88:
Abklatschtechnik

Abb. 86: Nitrofrottage

Abb. 89: Siebdruck Abb. 90: Offsetdruck

49
# 2 G r u n d l e g e n d e s z u m Ze i c h n e n u n d d r u c k g r a f i s c h e n A r b e i t e n

Zeichenhilfen tungen, Winkel und Abstände, beschreiben


Oberflächen, Volumen, Formen, Proportionen
Zeichnen heißt, durch Beobachten einer drei- und Grenzen. Gibt es z. B. einzelne Objekte in
dimensionalen Realität diese in eine zwei- Zeichnungen, die sich überlagern, kann man
dimensionale Visualisierung zu übertragen. sie dennoch komplett zeichnen (als wären sie
Körper und Raum werden flächig. Alles, was transparent). Dabei helfen Hilfslinien. So bleibt
man zeichnet, hat eine Form (körperliche die innere Logik eines Objektes erhalten.
Eigenschaften), eine Textur (Oberflächenbe- Ein weiterer Trick kann sein, mehr Linien zu
schaffenheit), Farbe (Oberflächenfärbung) und zeichnen, als tatsächlich zu sehen sind: De
Reflexionseigenschaften (Licht und Schatten). facto hat die Wirklichkeit gar keine Linien,
Es geht nicht um eine Kopie der Wirklichkeit, dennoch denken wir uns diese, und wenn wir
sondern um deren Interpretation. Anhand sie zeichnen, verstehen und erkennen wir das
einer Zeichnung lässt sich erkennen, ob der Motiv. Formgebende Linien (Abb. 92) sind
Zeichner, das, was er abbildet, wirklich ver- solche gedachten Linien. Sie bestimmen die
standen hat oder nicht. Zeichnen kann man Form eines Motivs. Man sollte nicht unbedingt
üben. Üben meint immer, Zeichnen von der im ersten Schritt versuchen, eine Form über
Realität (nicht von zweidimensionalen Vor- das Zeichnen von Schatten herauszuarbeiten,
lagen) oder aus der Erinnerung. Eine Verbes- sondern vielmehr über gekrümmte, gerundete
serung und damit ein Erfolg stellt sich durch zusätzliche Linien dem gezeichneten Motiv
regelmäßiges Üben schnell ein und motiviert mehr Räumlichkeit und Tiefe zu geben.
weiterzumachen.
Neben der Übung → Seite 53 kann man ein Vereinfachung/Geometrisierung (Abb. 93)
paar grundlegende Zeichenhilfen beachten, Komplexe Formen lassen sich nicht sofort ver-
die ich im Folgenden kurz vorstelle: stehen und zeichnen. Zum Herantasten an die
Form kann man sie aber vereinfachen, sich ihr
Hilfslinien (Abb. 91) in Zeichnungen oder nähern: Beispielsweise den Baum erst einmal
Entwürfen zu setzen, zeugt niemals von in verschieden große Röhren gliedern, anstatt
Schwäche, sondern von Intelligenz. Sie sind alle Äste zu definieren. Ellipsen, Rechtecke
die Grundlage jeder Zeichnung oder jedes und Kreise in Motiven suchen. Gliedmaßen,
Layouts. Sie begrenzen die Fläche und deren wie Beine, Arme, Finger, Hände in einzelne
Teilflächen, Maße etc. Sie definieren Rich- Bestandteile zergliedern, um sie zu verstehen.

Abb. 91 Abb. 93

Abb. 92

50
«Zeichnen ist wie Zeitung lesen. Man kann einen Artikel zwar
Versuchen, erst das Ganze zu erfassen, bevor sehr. Welche Richtungen und Winkel hat ein
man ins Detail geht. Wenn die Proportionen, Motiv? Wie ist es im Verhältnis zum Raum
Größen und Abstände stimmen und alles auf platziert? Gibt es Raumecken, Tischkanten,
das Blatt passt, kann man im Anschluss immer Fenster etc., die Richtungen vorgeben und

Hugo Peters
noch nach und nach genauer werden. in Relation zum Objekt betrachtet werden
können?
Außerdem ist auf Symmetrie zu achten (Abb.
94). Jedes Motiv, das man zeichnet, kann man Mit der Visualisierung von Licht und Schat-
auf Symmetrien hin untersuchen. Seien es Ge- ten und der Verwendung von Grauwerten
genstände (z. B. industriell gefertigte Produkte, kann eine Zeichnung der Wirklichkeit ein
wie Flaschen, Dosen oder andere Behältnisse) Stück näherkommen. Grauwerte erhält man

mit eigenen Worten wiedergeben, muss man ihn begriffen haben.» 17


oder der menschliche Körper (z. B. das Gesicht, über verschiedene Schraffuren, z. B. Linien-
die Gliedmaßen, der Rumpf): Sobald man Sym- (Abb. 96), Kreuzschraffur, Freihand-Gekritzel
metrien erkennt und diese abbildet, wird die mit demselben Zeichengerät, das man auch
Form ein bisschen besser verstanden und auch für die Zeichnung selbst verwendet. Mit Grau-
für den Betrachter logischer. werten kann man sich der Fläche eines
Zeichenobjekts – im Gegensatz zur Outline –
Negativräume zu beobachten und zu zeich- nähern und diese dadurch definieren. Natür-
nen, hilft, das Motiv (das Positiv) zu verstehen. lich kann man Licht und Schatten auch über
Die Betrachtung der Umgebung, des Negativ- einen Materialmix visualisieren (d. h. mit
raumes, ist essenziell für das Zeichnen. Wie Fineliner zeichnen, mit Wasserfarbe oder Tu-
verhalten sich die Abstände, wie sind die Grö- sche Schatten setzen). Als Tipp: Erstmal sollte
ßenrelationen zum Rest des Motivs, wie for- die rein lineare Zeichnung stimmen (genau
mieren sich Flächen und Proportionen um ein hinschauen!), bevor man Licht und Schatten
Motiv herum? Wie kann ich den Raum um ein addiert. Auch Grauwerte zu zeichnen und zu
Motiv zeichnerisch definieren und wie defi- malen, will gelernt sein, dazu gibt es ebenfalls
niert das wiederum mein Motiv? → Seite 68 f. Übungen. → Seite 53

Richtungen (Abb. 95) in einem Motiv zu Der Raum an sich ist immer da! Denn ein wei-
erkennen und anhand von Hilfslinien zu de- ßes Blatt ist ebenfalls ein (noch leerer) Raum.
finieren, hilft beim zeichnerischen Darstellen Bezieht man den Raum in eine Zeichnung mit

Abb. 94

Abb. 96

Abb. 95

abschreiben, ohne ihn verstanden zu haben. Soll man ihn jedoch 51


# 2 G r u n d l e g e n d e s z u m Ze i c h n e n u n d d r u c k g r a f i s c h e n A r b e i t e n

ein, lässt sich das Motiv vom Betrachter besser Damit ist die Perspektive stets an den Ort des
«verorten». → Negativräume, Seite 51 Man Betrachters gebunden und kann nur durch ei-
erhält eine zusätzliche Information, welche nen Ortswechsel der Objekte und des Betrach-
die Illusion einer dritten Dimension in einem ters im Raum verändert werden.
zweidimenionalen Bild verstärken wird. Im Die Frontal- oder auch Zentralperspektive
Raum werden sowohl die einzelnen Teile einer (Abb. 97) ist die einfachste Form. Die Kanten
Zeichnung in Beziehung zueinander gestellt eines Objekts vereinigen sich optisch in einem
als auch alle Teile in Beziehung zum Raum scheinbaren, gedachten Punkt, dem soge-
gesetzt. Das kann bei Anfängern erstmal nannten Fluchtpunkt, der auf der Horizont-
Überforderung auslösen. Doch auch diese linie platziert wird.
Objekt-Raum-Beziehungen lassen sich üben. Nach der Augenhöhe definieren sich wie
→ Seite 53 folgt: Zentralperspektive (= auf Augenhöhe),
Die Darstellung von Räumlichkeit kann mit Froschperspektive (= Augenhöhe unterhalb
einzelnen Linien angedeutet (Abb. 9, Seite 21; des Gegenstands) (Abb. 98) und Vogelperspek-
Abb. 48–49, Seite 26), mit Licht und Schatten tive (= Augenhöhe oberhalb des Gegenstands)
über Grauwerte definiert oder perspektivisch (Abb. 99). Und: Verschiebung des Fluchtpunk-
konstruiert werden. tes ober- oder unterhalb des Horizonts führt
zu auf- bzw. absteigenden Ebenen.
Das Thema «Perspektive» ist für viele Zeich- Varianten zu den o. g. Perspektiven stellen
nen-Neulinge erst einmal schwer zu fassen. die Perspektiven mit zwei – auch Über-Eck-
→ Weiterlesen-Tipps, Perspektive, Seite 276 Perspektiven (Abb. 100) genannt – oder drei
Doch keine Panik, Perspektive ist einfach nur Fluchtpunkten dar.
eine Methode, die uns hilft, Entdeckungen, die
man bei der Betrachtung der Realität macht, Weitere Mittel, um eine räumliche Wirkung
in eine Zeichnung umzusetzen. Es geht immer zu erzeugen, sind z. B. die Darstellung von
um das Abstandsverhältnis von Objekten im Größenunterschieden, Überschneidungen
Raum in Bezug auf den Betrachterstandpunkt. oder Schärfenunterschieden.

Abb. 97 Abb. 98 Abb. 99

Abb. 100

52 «Der Zeichner sollte seine Zeichnung als Dokument seines


15 einfache Zeichenübungen nalen Körpers dehnt sich in unterschiedliche
Richtungen aus, suchen Sie diese Richtungen
Im Folgenden nur ein paar kurze Stichworte, beim Zeichnen, überhöhen Sie deren Präsenz
mit welch einfachen Aufgaben man zeichnen durch ihre Visualisierung. Auch dadurch wird
üben kann. einem ein Motiv verständlicher.
Die Übungen können von 30 Minuten bis ∆ Varianten erfinden → Seite 170 f. Als
vier Stunden exerziert werden: Aufgabe setzen, viele Varianten zu erzeugen
(z. B. durch unterschiedliche Zeichenwerk-
∆ Arbeit im Freien oder vor Ort mit dem zeuge, Materialien, Zeichentechniken,
Skizzenbuch → Seite 56 ff. Ein Skizzenbuch Perspektiven)
ist praktisch. Man kann es sich damit zur Ge- ∆ Zeichnungen formalisieren → Seite 70 f.
wohnheit machen, überall zu zeichnen. Aus Zeichnungen kann man in mehreren
∆ Stillleben zeichnen → Seite 68 f. Korrekte Abstraktionsschritten vereinfachte, geometri-
Wiedergabe der Gegenstände (Proportionen, sierte Zeichen und Icons entwickeln.
Größenverhältnisse), Licht und Schatten, ∆ Studieren des menschlichen Körpers
→ Seite 66 f. Aktzeichnen bietet eine gute

Ute Helmbold
räumliche Anordnung
∆ Gedächtnisübungen Zeichnen von bekann- Möglichkeit, den menschlichen Körper zu stu-
ten oder unbekannten Motiven aus dem dieren (Anatomie, Knochenbau, Proportionen
Gedächtnis, Vergleich mit der Wirklichkeit, etc.). Aber man kann auch fremde Menschen
Anpassung der Zeichnung auf der Straße zeichnen, im Café, in der Mensa;
∆ Umrissformen, Binnenformen → Seite oder die Freundin zu Hause und mit einem
68 f. Zu jedem Motiv gehört eine Negativform Spiegel auch sich selbst → Seite 64 f. Es muss
(Raum außerhalb des Objekts ) und eine Bin- nicht immer der ganze Körper sein, auch ein-

kritischer Betrachtung begegnen können.» 18


nenform (innerhalb des Objekts), welche die zelne Körperteile bieten sich für Studien an.
Umrisse/den Körper definieren. ∆ Besuch im Zoo oder im Museum Zeichnen
∆ Ungewöhnliche Perspektiven Vertraute kann man fast überall. Wer kein Haustier hat,
Motive in ungewöhnlichen Blickwinkeln dar- kann die Tiere im Zoo studieren und wem das
stellen oder mal verschiedene Ansichten des noch zu lebendig ist, bietet das Naturhistori-
Objekts/Subjekts zeichnen. sche Museum tolle Tiere, die nicht weglaufen,
∆ Blindzeichnen → Seite 62 f. Während man wenn man sie zeichnen möchte.
ein Motiv beobachtet, nicht aufs Blatt sehen ∆ Räumlich denken 1 Zeichnen Sie drei
und korrigieren. Stühle, die in unterschiedlichem Winkel
∆ Grauwerte-Verlauf Einen übergangslosen zueinander stehen. Ordnen Sie die Positionen
Verlauf von Weiß nach Schwarz herstellen/ der Stuhlbeine sehr sorgfältig an.
zeichnen, z. B. über die Verdichtung von ∆ Räumlich denken 2 Zeichnen Sie Gegen-
Kreuzschraffuren mit dem Bleistift; sensibi- stände, die auf einem Fliesenfußboden oder
lisiert für den Umgang mit Grauwerten und einer gestreiften Oberfläche (z. B. Tischdecke)
feinsten Grauabstufungen in Zeichnungen. stehen und kontrollieren Sie das «Raster» in
∆ Mit der «falschen Hand» zeichnen Als Beziehung zu den Gegenständen. Sie können
Fingerübung mal die linke Hand zum Zeich- viele Varianten ausprobieren, indem Sie eine
nen nehmen (oder als Linkshänder die rechte andere Position einnehmen (hinhocken, ste-
Hand). Was entsteht dabei und fällt auf? hen, sitzen) oder die Gegenstände umstellen.
∆ Richtungslinien & Oberflächenmuster
studieren Die Oberfläche jedes dreidimensio-

Beobachtens wertschätzen und ihr mit Gelassenheit, aber selbst- 53


# 2 G r u n d l e g e n d e s z u m Ze i c h n e n u n d d r u c k g r a f i s c h e n A r b e i t e n

Die Relevanz von Skizzen Präsentationen dramaturgisch so aufgebaut,


dass mein Auftraggeber meine Vorgehenswei-
Skizzieren, scribblen, schnell mal mit dem Stift se anhand von Recherche, Skizzen, Entwürfen
festhalten – das gehört zum Handwerkszeug und Reinzeichnung visuell nachvollziehen
eines jeden Gestalters. Man kann viel über konnte. Dabei habe ich mich auch nicht
Bildhaftes sprechen, erklären, umschreiben, gescheut, am Anfang kurz einige verworfene
aber ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Doch Skizzen zu zeigen, so konnte das Endergebnis
Achtung: Es ist auch meist weniger präzise nur noch stärker strahlen. → Seite 255 ff.
oder mehrdeutig. Es schafft jedoch eine
Diskussionsgrundlage. Die Skizze kann visu- Aber auch wenn man nur für sich «mit dem
alisieren und somit sichtbar machen, worüber Stift denkt», das heißt, statt nur zu grübeln
man redet, im Gegensatz zur mündlichen Be- oder Dinge in Worten zu beschreiben, diese
schreibung, bei der jeder Mensch ein anderes als Skizze formuliert, erreicht man bestenfalls
Bild im Kopf hat. Ein Gestalter, egal in wel- schneller sein Ziel, wird sich selbst klarer über
chem Gebiet er tätig ist, muss seine Ideen, Ent- das, was man möchte (Abb. 101 & 102).
würfe, gestalterischen Ergebnisse visualisie-
ren können. Gerade wenn man sich mitten im Skizzenbücher zu führen, kann sehr praktisch
Designprozess → Seite 254 ff. befindet, sollte sein, denn man hat sie immer dabei, sie sind
man seinem Kollegen, Lehrenden, Auftragge- klein, handlich und erinnern einen auch da-
ber/Kunden etc. seine Ideen verständlich und ran, das Zeichnen zu üben.
eindeutig vermitteln können. Skizzenbücher können regelrecht zu Tagebü-
chern werden, man hält Gedanken fest, lernt
Skizzen verdeutlichen einem Kunden auch, damit anders, nämlich visuell, zu denken, sich
dass man sich mit dem Thema intensiv ausein- zu strukturieren, man kann in ihnen lesen wie
andergesetzt hat. Sie bieten bei einer Präsen- in einem Buch, zu alten Skizzen und Gedanken
tation einen Einblick in den Kopf des Gestal- zurückkehren und mit der heutigen Sicht
ters, ohne ein fertiges Produkt zu fixieren, und vergleichen. Skizzen können also etwas sehr
zeigen damit Offenheit dem Auftraggeber Privates sein.
gegenüber. Sie laden zur Diskussion ein, ver-
weisen aber gleichzeitig darauf, dass schon Skizzen können Klarheit und Struktur geben.
viel nachgedacht wurde. Ich selbst habe auch Wenn ich z. B. ein neues Buch plane, zeichne

Abb. 101: Gedankenspiele zu «Muster», z. B. Richtungen in Mustern

54
ich mir, wie bei einem Storyboard für einen scheinbar ziellosen Zeichnungen können bei
Film, von allen Buchseiten Miniaturen. So späterer Betrachtung Sinn ergeben, Interesse
ergibt sich eine Struktur, ein Ablauf für das erwecken, Inspiration zu neuen Bildern oder
Buch, indem ich Inhalte auf den Seiten ver- Ideen werden. Sie zeigen nackt und ehrlich,
teile, mir eine Seitenanzahl überlege usw. Ein was man im Moment des Zeichnens gefühlt,
Buchkonzept entsteht über dieses Aufzeich- gedacht hat und das kann man ggf. für die
nen. Diese Vorgehensweise ist für mich Denk- Weiterarbeit nutzen. Weiterarbeiten heißt
und Vorstellungshilfe zugleich. → Struktur- auch, Fehler zu sehen und zu korrigieren.
plan, Seite 230 Deshalb ist es wichtig, seine Ergebnisse immer
wieder zu überprüfen und zu hinterfragen
Skizzen können aber auch Vorzeichnungen (aber bitte immer erst nach dem Zeichnen,
zu komplexen Bildern sein, um verschiedene sonst blockiert man sich).
Kompositionen, Szenarien eines Bildes aus-
zuprobieren. Mit Skizzen kann man schnell Wichtig ist zu wissen, dass man beim Skizzie-
Varianten bilden und schafft sich so einen ren nichts falsch machen kann. Skizzen sind
Pool, aus dem man leichter eine Entscheidung immer eine Bereicherung beim Denken und
treffen kann. Dieser Prozess spart Zeit, denn beim Visualisieren, sie sind der Versuch, aus
eine Skizze zu verwerfen, «tut weniger weh» ihnen gute Ideen, Bilder und Zeichnungen zu
als eine ausgearbeitete, vielleicht sogar farbige entwickeln. Im Versuch liegt aber auch immer
Malerei zu verwerfen, in die man viel Zeit die Möglichkeit des Scheiterns und das ist
investiert hat. nichts Tragisches, denn Scheitern gehört beim
kreativen Arbeiten dazu.
Unbedachtes Scribbeln (engl. wörtl. «Kritze-
lei», eingedeutschte Bedeutung «Schmier-
skizze.») kann zu neuen Ideen führen, an die 16 zitiert nach: www.aphorismen.de/zitat/77795,
Stand 05.06.2015
vorher nicht gedacht wurde: Man ist unver-
krampft, authentisch und ehrlich, vielleicht 17 aus: www.kd-zeigen.de/anleitungen/striche/
sogar meditativ. Man taucht in den Prozess des striche_linien.pdf, Ute Helmbold, Essen 2008,
Zeichnens ein, verfolgt aber kein bestimmtes Stand 05.06.2015, Seite 4 (Vorworte)

Ergebnis oder hat keine klare Erwartung (und


18 wie Fußnote 17, Seite 2 (Vorworte)
baut damit auch keinen Druck auf). Diese

Abb. 102: Überlegungen zum Thema «Anschnallen von Personen»

55
Praxis: ZEICHNEN

Das Skizzenbuch

Aufgabenstellung:
Ausgangspunkt ist ein DIN-A5-Skizzenheft mit
40 Seiten. In diesem halten Sie alles fest, was Sie
in der kommenden Woche erleben. Schauen Sie
mit den Augen eines Fremden, eines Touristen auf
Ihren Tag. Versuchen Sie nur zu dokumentieren,
vorerst nicht zu werten. Zeichnen Sie beispiels-
weise im Wartezimmer beim Arzt oder im Bus.
Sie können auch in Ausstellungen, ins Theater,
in den Park, ins Museum oder an Orte gehen, an
denen Sie zuvor noch nicht waren. Es geht ums
Entdecken, darum, Unbekanntes neu zu sehen.
Erkunden Sie mit dem Heft Ihre Orte, Ihre eige-
nen Gedanken, Begegnungen mit anderen etc.

Bitte füllen Sie das Heft komplett (keine leeren


Seiten). Dabei geht es nicht um Perfektion, son-
dern um das Festhalten von Eindrücken.

Sie können zeichnen, malen, collagieren, (nitro-)


frottieren, stempeln, reißen, brennen, Ideen rein-
schreiben, texten, mit verschiedenen Darstel-
lungsformen experimentieren, es als Sammelheft
nutzen, Dinge einkleben, sich ausprobieren.

Sie können dem Heft auch einen Titel geben oder


nach einem selbstgesteckten Thema arbeiten.

#4 Skizzenbuch

Lernziele:
Spontanzeichnen, Situation
erkennen, dokumentieren,
sammeln, locker werden

Schwierigkeitsgrad:
mittel (erfordert etwas
Übung)

Materialliste:
alles zum Skizzieren und
Kleben, Materialsammlung

Dauer:
1 Woche kontinuierlich,
56 anschließend Ausstellung
30 Skizzenbücher, 30 Studierende und Lehrende auf Exkursion nach Breslau (Polen)

57
Praxis: ZEICHNEN
Im ersten Semester rate ich allen Grundlagen- gen, mit denen sie in Berührung kommen, die sie
Studierenden, sich ein Skizzenbuch zu kaufen beschäftigen und faszinieren oder sich einfach
(sofern sie noch keins haben), dieses immer mit nur Notizen machen. Sie üben, ihren Blick zu
sich zu führen und alles, was ihnen begegnet und schulen, ihren Strich zu verbessern. Studierende
sie spannend finden, festzuhalten. Wenn ihnen und Gestalter wissen meist selbst ganz genau, wo
mal langweilig sein sollte (im Wartezimmer, im ihre Schwächen liegen. Im Skizzenbuch kann man
Bus, in der Kneipe), können sie sich mit etwas unbeobachtet wunderbar üben, es motiviert und
Sinnvollem beschäftigen: dem Beobachten und erinnert einen, in jeder Situation kreativ sein
Visualisieren. Sie können Ideen für Bilder oder zu können. Das Buch wird zum Begleiter und Mit-
Produkte festhalten, Studien von Dingen anferti- wisser, zur Dokumentation des Erlebten.

Vier verschiedene Hefte, vier verschiedene Doppelseiten, Breslau (Polen)

58
Wenn ich mit Studierenden auf Exkursion fahre, So erfährt man Dinge, die man nicht mitbekom-
teile ich an alle je ein Skizzenheft aus, das sie wäh- men hat, obwohl man selbst mit vor Ort war.
rend der Reise füllen und das wir dann gemein- Betrachter der Hefte, die nicht mit auf Exkursion
sam nach der Exkursion ausstellen können. Es ist waren, bekommen einen ziemlich guten Eindruck,
spannend zu sehen, was jeder daraus macht und was die Reisenden erlebt haben.
wie unterschiedlich die Herangehensweisen und
Ergebnisse sind. Dennoch verbindet diese Hefte
gemeinsam Erlebtes; prägnante Orte, Ereignisse
doppeln sich in den unterschiedlichen Heften,
werden aus einer anderen Perspektive erzählt.

Vier verschiedene Hefte, vier verschiedene Doppelseiten, Enschede (Niederlande)

59
Praxis: ZEICHNEN

Die Ein-Strich-Zeichnung

Aufgabenstellung:
Suchen Sie sich einen Zeichenpartner und platzie-
ren Sie sich gegenüber, sodass Sie sich gut sehen
können. Sind Sie allein, setzen Sie sich vor einen
Spiegel.

Nehmen Sie sich ein Zeichengerät Ihrer Wahl, am


besten eins, mit dem Sie durchgehend zeichnen
können (Bleistift, Fineliner etc.) oder probieren Sie
verschiedene Geräte aus. Als Untergrund wählen
Sie ein ausreichend großes Papierformat. Versu-
chen Sie nun, ohne den Stift abzusetzen mit einer
Linie Ihr Gegenüber zu portraitieren. Probieren
Sie mehrere Portraits und andere Positionen aus.

Diese Ein-Strich-Zeichnungen wurden


mit einem weichen Bleistift gezeichnet.

#5 Ein-Strich-Zeichnung

Lernziele:
unverkrampftes Zeichnen,
Kontrollzwang abschalten

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Zeichengerät, Farbe (optio-
nal), Papier, Spiegel

Dauer:
pro Zeichnung
ca. 5–10 Minuten

60
Ein-Strich-Zeichnung mit einem Pinsel und Tusche
gezeichnete, schnelle Skizze

Diese Neuner-Serie, mit Fineliner gezeichnet, ist eine Mischung aus


Ein-Strich-Zeichnung und Blindzeichnung. → Seite 62 f.
61
Praxis: ZEICHNEN

Die Blindzeichnung

Aufgabenstellung:
Suchen Sie sich einen Zeichenpartner und platzie-
ren Sie sich gegenüber, sodass Sie sich gut sehen
können. Sind Sie allein, setzen Sie sich vor einen
Spiegel.

Nehmen Sie sich ein Zeichengerät Ihrer Wahl, am


besten eins, mit dem Sie durchgehend zeichnen
können (Bleistift, Fineliner etc.) oder probieren Sie
verschiedene Geräte aus. Als Untergrund wählen
Sie ein ausreichend großes Papierformat.
Achtung: Sie dürfen beim Zeichnen nicht auf
Ihr Blatt sehen! Schauen Sie sich stattdessen den
zu portraitierenden genau an und fühlen Sie
gleichzeitig die Linie, die Sie auf Ihrem Format
beschreiben.

Wenn Sie durcheinanderkommen, macht nichts.


Machen Sie weiter! Probieren Sie mehrere Por-
traits und andere Positionen aus. Sie können auch
Objekte blind zeichnen.

Sie dürfen die Zeichnung am Ende auch gern


einfärben (und dabei hinschauen). Nur bitte nicht
mehr nachkorrigieren.

#6 Blindzeichnung

Lernziele:
unverkrampftes Zeichnen,
Kontrollzwang abschalten,
den Zufall als Gestaltungs-
mittel zulassen

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Zeichengerät, Farbe
(optional), Papier, Spiegel

Dauer:
pro Zeichnung maximal
62 5 Minuten
Bei dieser Übung gibt es kein Richtig oder Falsch.
Es geht nur darum, sich locker zu machen,
sich spielerisch und experimentell der Zeichnung
anzunähern, ohne jeden Anspruch.

63
Praxis: ZEICHNEN

Im Spiegel – Selbstbildnis mit


zwei Farben
Aufgabenstellung: Bitte verwenden Sie für Ihr Selbstportrait zwei
Was macht Sie aus, wie sehen Sie sich selbst und unterschiedlich farbige Buntstifte und Papier im
wie werden Sie von anderen gesehen? (Inter- Format 28 × 28 cm. Das Bild kann, muss Sie aber
viewen Sie ruhig mal jemanden zu Ihren Eigen- nicht als Person zeigen.
schaften. Welche Adjektive fallen den Interview-
ten zuerst ein? Wie kann man diese visualisieren?)

unten und rechts: Selbstbildnisse,


Beispiele aus dem Grundlagenunterricht

#7 Im Spiegel

Lernziele:
Zeichnen/Beobachten,
Proportionen vs. Fantasie
(Abstraktion, Kreativität)

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Papier, 2 Buntstifte,
Spiegel

Dauer:
maximal 2 Stunden,
anschließend Präsentation
64
Bei dieser Aufgabe ist es
bewusst freigestellt, ob man
sich selbst abbildet (und wie)
oder ob man metaphorisch
arbeitet. Beides kann viel
über einen Menschen aus-
sagen.
Die Aufgabe spielt mit dem
Thema der Selbsterkennt-
nis/dem Selbstbild und der
Fremdwahrnehmung.
Herauszufinden, wie man
sich selbst sieht, wie andere
einen sehen und wie man
beides über Zeichnung kom-
munizieren und visualisieren
kann, ist eine gute Übung für
jeden Gestalter, der im Beruf
immer wieder das «Image»
eines Kunden glaubhaft kom-
munizieren, visualisieren und
damit auch verkaufen soll.

65
Praxis: ZEICHNEN

Die Aktzeichnung Scheuen Sie sich nicht vor ungewöhnlichen Blick-


winkeln. Testen Sie verschiedene Zeichen- und
Das Aktzeichnen ist ein Grundlagenstudium am Malgeräte. Wechseln Sie während einer Modell-
menschlichen Körper. Wer Proportionen, Ana- Pose von schnell erfasster Zeichnung (30–60 Se-
tomie, Körperaufbau und Körperhaltungen ver- kunden) zu ausführlichem Zeichnen (15–30 Minu-
stehen und richtig wiedergeben möchte, sollte ten), von Schwarz-Weiß zu farbiger Skizze usw.
einen Aktzeichenkurs besuchen. Hier lernt man Versuchen Sie, Knochen und Muskeln unter der
nebenbei auch noch viel über konzentriertes Haut zu erahnen, oder überprüfen Sie es durch
Zeichnen, kann verschiedene Mal- und Zeichen- Ihr eigenes Körpergefühl. Wo treten Knochen und
techniken und unterschiedliche Zeitfenster zum Muskeln hervor und definieren den Körper?
Arbeiten an einer Zeichnung ausprobieren und
seine eigene Arbeitsweise in der Gruppe mit Vergleichen Sie nach Abschluss des Zeichenvor-
den anderen Teilnehmern vergleichen und sich gangs Ihr Ergebnis mit der Realität. Wo stimmt es
austauschen. noch nicht? Warum stimmt es nicht? Wie kann
man das Ergebnis schnell korrigieren? Machen Sie
Aufgabenstellung: sich dazu eine kleine Skizze neben die tatsächliche
Setzen Sie sich in einen Aktzeichenkurs. Probie- Zeichnung oder schreiben Sie sich die Korrektu-
ren Sie aus, welchen Unterschied es macht, ste- ren daneben auf. Diese Reflexion Ihrer eigenen
hend an der Staffelei oder sitzend bzw. hockend Arbeit ist ein weiterer, wichtiger Schritt in Ihrem
zu arbeiten. Nehmen Sie so viele unterschied- Lernprozess. Ihr Urteilsvermögen ist gefragt.
liche Perspektiven zum Modell ein wie möglich.

Aktzeichnen-Kurs (Grundlagenstudium)
an der HBK Braunschweig

#8 Aktzeichnung

Lernziele:
anatomisches Verständnis,
Körperstudien

Schwierigkeitsgrad:
mittel/erfordert Übung

Materialliste:
alle Zeichen- und
Malmaterialien, Papier etc.

Dauer:
mehrere Sessions, mindestens
3–4 Stunden pro Session
(aber 1 Stunde ist besser
66 als nichts)
67
Praxis: ZEICHNEN

Das Stillleben: Umrisse, Negativ-


und Weißraum
Aufgabenstellung:
Zeichnen Sie mit Pinsel und Tusche oder einem
dicken Edding ein Stillleben, das Sie sich aus drei
bis sechs Gegenständen (Obst, Arbeitsmateria-
lien, Deko-Objekte, Gefäße etc.) zusammenstel-
len. Zeichnen Sie dabei nicht linear die einzelnen
Elemente des Stilllebens ab, sondern vielmehr
ausschließlich den Raum und die Negativräume,
also alles, was direkt an die aufgestellten Objekte
angrenzt. Damit definieren Sie automatisch
auch die Umrisse des Stilllebens. Überprüfen Sie
abschließend, ob die Größenverhältnisse, Propor-
tionen und Platzierungen der Elemente des Still-
lebens wie auch des Raumes ringsum aus Ihrer
gewählten Perspektive korrekt abgebildet sind.

#9 Stillleben

Lernziele:
genaues Hinschauen,
Negativräume wahrnehmen

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste: oben: Bleistiftskizze (normale Ansicht)


Papier, Pinsel und Tusche
oder Edding unten: Negativraum (fehlende Binnenformen)
Stillleben mit Katzenmaske, Dose, Wäscheklammer, Nadelmäppchen
Dauer:
60 Minuten

68
Diese Aufgabe schult das Sehen
ungemein. Beim Beobachten und
Zeichnen ist es wichtig, nicht nur
das Motiv selbst genau anzusehen,
sondern auch den Raum, den es ver-
drängt. Beides zusammen lässt die
Zeichnung realistischer werden.

69
Praxis: ZEICHNEN

Formalisieren einer Zeichnung Papiercollage. Verwenden Sie zur Darstellung von


hellen und dunklen Bereichen zwei unterschied-
Aufgabenstellung*: liche Farbtöne einer Farbe. Arbeiten Sie maximal
1) Zeichnen Sie eine beliebige Schnittblume mit zwei bis drei Farben (in je zwei Tönungen).
inklusive Stiel naturalistisch mit Bleistift auf
einem DIN-A4–Format ab. 5) Übertragen Sie danach eine der vorherigen
Zeichungen freihand in ein geometrisches Gitter
2) Entwickeln Sie durch Abzeichnen der ersten (dreieckig, kariert, rautenförmig, wie Sie wollen!
Zeichnung einen Schattenriss/eine Silhouette in → z. B. Millimeterpapier oder kariertes Papier)
Schwarz im gleichen Format. und passen Sie die Formen dem Gitter an.

3) Entwickeln Sie daraus eine Umrissdarstellung 6) Machen Sie von der entstandenen formalen
im gleichen Format. Struktur im Gitter eine Reinzeichnung auf das-
selbe Format (ggf. auch digital) und optimieren
4) Diese Teilaufgabe ist optional, da sie recht Sie dabei nicht stimmige oder zu komplizierte
zeitaufwendig und anspruchsvoller ist: Über- Formen.
tragen Sie die Originalzeichnung in eine farbige

*«Leichtere» Variante der Aufgabe:


Statt sich den Schritten 2)–5) über das
Abzeichnen zu nähern, können
diese auch mit der Abpaus-Methode
(z. B. mit einem Leuchttisch) erzielt
werden. Dadurch tritt das «Hinschauen–
und–Formen–finden» und damit auch
das «Sehen lernen/Beobachten» mehr in
den Hintergrund als bei der ursprüng-
lichen Aufgabe.

#10 Formalisieren

Lernziele:
Methode zur Formenverein-
fachung und -stilisierung

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Bleistift, Papier, Edding,
farbiges Tonpapier (optional),
Schere (optional)

Dauer: zu 1)
2 Stunden (mit optionalem
Teil 4 Stunden insgesamt),
70 anschließend Präsentation
zu 2) zu 3) zu 4)

Mit dem letzen Schritt


haben Sie ein stilisiertes
Icon/eine Bildmarke
→ Seite 204 f. für Ihre
Blume entwickelt.
zu 5) zu 6)

71
MUSTER
Dieses Kapitel widmet sich den Themen «Orna- aus, berechnen Zwischenschritte, schlagen Kur-
ment, Muster, Wiederholung und Rapport». Nach ven vor oder reihen durch einen Klick mehrere
einer kleinen historischen und theoretischen Ein- Elemente exakt hintereinander. Dennoch sollten
führung → #3 Grundlegendes zu Mustern folgen die Rechenprozesse, die dahinterstecken, von
fünf praktische → Aufgaben #11 bis #15. Gestaltern bewusst gesteuert und gedanklich
nachzuvollziehen sein. In → Aufgabe #11 nähert
Nach → Aufgabe #10, in der es darum ging, man sich zeichnerisch dem Musterthema. Durch
Formen zu geometrisieren und zu abstrahieren, genaue Beobachtung sollen Musterstrukturen
greifen die Aufgaben dieses Kapitels die Geo- erkannt, verstanden und verinnerlicht werden.
metrisierung und das (geo-)metrische Denken Mit den → Aufgaben #12 und #13 wird anhand
abermals auf. Als Gestalter ist man permanent mit von metrisch gleichen Schritten eine einfache
dem Berechnen von Flächen, Formaten, Formen geometrische Formveränderung durchdekliniert.
und Räumen beschäftigt. Eine Gestaltung, ein Pro- Daraus ergibt sich am Ende ein handgemachtes
dukt wird auf ihre Proportionen, auf Abstände, Muster, das mit einem Aha-Effekt einhergeht.
Symmetrien etc. hin untersucht und entwickelt. Die → Aufgaben #14 und #15 zeigen auf zwei
Vielen Schülern und Studierenden ist zunächst unterschiedlichen Wegen, wie man analog ein
nicht klar, wie viel Gestaltung mit Mathematik Muster erstellen, es dann digitalisieren und durch
zu tun hat. Die meisten Rechenoperationen neh- Wiederholung dieses Musters ein großflächigeres
men uns heute Computer und hochtechnisierte «Tapetenmuster» produzieren kann.
Maschinen ab, sie gleichen Abstände automatisch

72
73
# 3 G r u n d l e ge n d e s z u M u s t e r n

Das Muster und seine wendet werden, verrät etwas über die kulturel-
Anwendung le und ggf. auch soziale Prägung des Urhebers.
Das Ornament (lat. ornare: «schmücken», «zie-
Muster sind Teil von Textilien, Tapeten, Möbeln, ren») ist dem Muster sehr ähnlich – so kann es
Gemälden, Gebäuden (Fassaden, Innenräumen, Teil eines Musters sein, manchmal als Grund-
Fußböden), Fliesen, Skulpturen, Schmuck, Waf- element eines komplexeren Musters fungieren
fen, Wappen, Papeterie, Büchern und Töpfer- etc. Es hat vor allem schmückende Funktion
waren. Sie sind auf diesen Objekten oberfläch- und wird oft als additives Element nachträglich
lich aufgebracht, durchdringen diese oder geben einem Objekt, einer Fläche oder einer Form
ihnen sogar als Konstruktion statischen Halt hinzugefügt. Es kann als Applikation bezeichnet
(z. B. bei Gebäuden). Muster werden seit jeher werden, während das Muster integraler Be-
als Schmuck oder aus rituellen Gründen auf die standteil eines Objektes ist.
menschliche Haut gemalt (z. B. Stammes-und
Kriegsbemalungen, hochzeitliche Hennamus- Obwohl Muster normalerweise als aufgeräum-
ter) bzw. in die menschliche Haut eingebracht te, geordnete und klare Formensprache gelten,
(z. B. Tätowieren, Branding, Schmucknarben). können sie auch das Gegenteil bewirken:
Entsprechend eingesetzt, können sie vom Sujet
Unter Mustern versteht man Motive, die sich ablenken, verschleiern und suggestiv auf den
aus sich wiederholenden Elementen (z. B. Betrachter wirken und diesen in die Irre führen.
Grundformen, Ornamenten, komplexen For- Muster können demnach alles sein und sind auf
men) zusammensetzen. Diese Elemente stehen keine Funktion festgelegt: strukturiert – wild,
miteinander in Beziehung, sie können abge- symbolisch – dekorativ, klar – diffus, geordnet –
wandelt oder alterniert werden und symme- chaotisch, aufgeräumt – zufällig, ritualisiert –
trisch oder asymmetrisch angeordnet sein. unnütz, unregelmäßig – regelmäßig, symme-
Muster können natürlichen oder künstlichen trisch – asymmetrisch, düster – fröhlich, rätsel-
Ursprungs sein. haft – offensichtlich, erotisch – unterkühlt usw.
Grundsätzlich kann alles und jedes zum Muster
Muster dienen der Verzierung (dem Dekor), sie werden, wenn man es wiederholt. Die Wie-
können symbolische Inhalte transportieren, derholung ist das entscheidende Kriterium des
sie lenken den Blick des Betrachters und Musters.
kommunizieren mit ihm. Um eine im Muster
enthaltene Symbolik deuten zu können, muss Wissenschaftler, Mathematiker, Verhaltensfor-
man den kulturellen und sozialen Entstehungs- scher, Biologen, Philosophen, Designer, Archi-
kontext kennen und verstehen. Die Gestaltung tekten, Künstler: Alle arbeiten mit Mustern –
eines Musters kann aus einem großen Fundus sei es im weitesten Sinne als gedankliche Mus-
an Quellen, Einflüssen und Vorstellungen ter oder ganz konkret als Visualisierungen –
schöpfen. Muster können gegenständlich sein und setzen diese für sich gezielt, bewusst oder
oder stark stilisiert, abstrahiert sowie kodiert unbewusst ein.
werden. Die Art, wie Muster vom Gestalter ver-

74
Muster und Psyche Rorschach nahm an, dass es die menschliche
Neigung gibt, Gefühle auf mehrdeutige Anreize
Symmetrie spielt bei Mustern oft eine tragende zu projizieren, wie die Tintenkleckse sie darstel-
Rolle. Symmetrie ist eine Eigenschaft, auf die len. (Diese These ist umstritten und wird heute
der Mensch reagiert und aufmerksam wird, da nur teilweise anerkannt.)
er diese mit belebten Gegenständen identifi- Dennoch kann man daraus schließen, dass
ziert – nicht zuletzt z. B. mit dem menschlichen Muster einen erheblichen Einfluss auf jeden
Körper. Betrachter haben und dies auch beim Gestalten
von Mustern bedacht werden sollte.
Eine der bekanntesten psychoanalytischen
Methoden, die sich mit der Deutung von sym- Kleine Geschichte des Musters
metrischen, abstrakten Mustern beschäftigt und
diese als Teil der Erkennung und Diagnose von Muster gibt es wahrscheinlich so lange, wie es
psychischen Krankheitsbildern von Patienten Menschen gibt. Ausgehend davon, wie weit der
einsetzt, stammt von dem Schweizer Psychiater Mensch entwickelt war und welche Werkzeuge
Hermann Rorschach (1884–1922): Er entwi- ihm zur Verfügung standen, haben sich auch

Leon Battista Alberti


ckelte ab 1918 den Rorschachtest (Abb. 103), die Muster weiterentwickelt – und entwickeln
bei dem er mit Hilfe von Tintenklecksbildern sich auch weiterhin.
seine Patienten befragte, die wiederum diese
Tintenklecksbilder assoziativ und spontan Ob ein Ornament oder Muster unserem ästhe-
interpretieren sollten. Die Tintenklecksbilder tischen Empfinden nach als angenehm oder
wurden durch das symmetrische Falten eines unangenehm wahrgenommen wird, darüber
Papiers, das mit noch feuchter Tinte bestrichen entscheidet auch die Mode der Zeit, in der wir
war, erzeugt. Rorschach konnte aufgrund der leben.
Befragungen und damit der Aussagen seiner
Patienten Rückschlüsse auf deren psychischen Die ersten, dokumentierten Muster sind über

und die schönsten Dinge auswählen.» 19


Zustand ziehen (= Anamneseerhebung). 5000 Jahre alt und wurden von Hand in Stein
gehauen oder auf Stein gemalt. Die jüngsten
Muster werden mit Hilfe von computerge-
stützten Maschinen gefräst, geschnitten oder
aufwendig 2-D oder 3-D gedruckt. Neue, zu-
künftige Technologien werden neue, uns noch
unbekannte Mustervarianten hervorbringen.

Die Geschichte der Muster detailliert wieder-


zugeben, würde den Rahmen dieses Buches
sprengen, daher gilt meine Empfehlung speziali-
sierten Werken. → Weiterlesen-Tipps, Muster,
Seite 276
Abb. 103: Original von Rorschach, 1921

75
«Wir müssen uns immer der Natur bedienen
# 3 G r u n d l e ge n d e s z u M u s t e r n

Die Ägypter sind die ersten, bei de- Aber auch Asien und der Orient bieten
nen die Verwendung von Mustern eine reiche Mustergeschichte im ersten
belegt ist (Dynastische Zeit ca. Jahrtausend nach Christus. Ob Stein-
3050–332 v. Chr.). Sie dekorierten reliefs, Bronzeteller, religiöse Figuren,
Alltagsgegenstände, Grabwände Gefäße oder Wandmalereien: Die
und Sarkophage mit stilisierten Gegenstände und Wände wurden reich
Pflanzenformen sowie tierischen, verziert mit Zickzackmustern, Rauten
menschlichen und göttli- und Schraffuren, Naturformen,
chen Abbildern (Abb. 104). Tieren und Gottheiten (Abb. 107).

Vor über 3000 Jahren, zur Im Mittelalter (ca. 600–1500)20


späten Bronzezeit und der fanden Muster und Ornamente
frühen Eisenzeit wurden Einsatz in der Buchmalerei, der
Muster, neben Alltags- oder Baukunst (z. B. Kirchen, Paläste),
Naturdarstellungen, vor der Bildhauerei, der Malerei und
allem rituell verwendet, d. h. auf vielerlei Gegenständen, z. B. Alltags-
man fand oft z. B. auf Grabbei- gegenständen, rituellen und religiösen
gaben wie Vasen die Darstellung Gegenständen, Waffen, Teppichen,
der Überwindung metaphysischer Gefäßen, Wappen (Abb. 108).
Grenzen und spiritueller Welten
(Leben nach dem Tod). Abb. 105 Mit der Gotik (ca. 1140–1550) und
zeigt ein Schmuckstück aus der Renaissance (ca. 1400–1580) in Europa
Bronzezeit: einen Ohr-Plug zur wurde der Reichtum der Auftrag-
Weitung des Ohrläppchens (seit geber von Gebäuden oder Gegen-
ein paar Jahren als Schmuck ständen betont (Abb. 109): So kam
wieder voll im Trend!). z. B. das Blattgold oft zum Einsatz,
ebenso wie der Goldfaden, um teu-
Ein weiteres Beispiel für die erste Stoffe herzustellen. Nahezu alle
Verwendung von Mustern kunstvollen Gegenstände wurden mit
findet sich in den Mosaikböden Mustern versehen.
und Wandmalereien zur
Zeit des Römischen Die kaiserliche Ming-Dynastie
Reiches (ca. 800 v. Chr.– (ca. 1368–1644) Chinas gilt als
700 n. Chr.). Sie prägten eine Hochzeit für chinesische
vor allem römische Ge- Keramikfertigung (Abb. 110).
bäude wie Tempel, Bäder Die verwendeten dekorativen
und Paläste (Abb. 106). Muster und Ornamente wurden
komplexer und die Farben und
Techniken erweiterten sich.
Abb. 104–108

76
Josiah Wedgwood
Ihre Bedeutungen haben mus (ca. 1850–1895), der Arts-
sich bis ins 20. Jahrhundert and-Crafts-Bewegung (ca.
erhalten. Beliebte Muster 1880–1900) und dem Jugend-
waren u. a. Blumen (für die stil (ca. 1897–1906). Das florale
vier Jahreszeiten), Drachen, Ornament in Kombination mit
Wolken und Wellen, Bam- geschwungenen Linien nahm
bus, Ranken. eine Hauptrolle ein (Abb. 112).

Durch die Schifffahrt konnten in In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun-

«Schöne Formen und Kompositionen entstehen nicht durch Zufall.» 22


Europa bald Muster aus fernen derts öffnete sich Japan dem Handel
Ländern Einzug halten. So kam es mit dem Abendland. Dies hatte zum
auch immer mehr zur Vermischung einen die Modernisierung Japans zur
von kulturellen und gestalte- Folge, zum anderen brachte es
rischen Grenzen. die japanische Kultur sowie
Die Niederländer waren um das japanische Kunsthandwerk
1600 die größte Handelsna- nach Europa, so z. B. den gemus-
tion Europas. So wurde z. B. terten Seidenkimono (Abb. 113)
das chinesische Ming-Por- oder den Samurai in Rüstung
zellan eingeführt und das (Abb. 114).
typisch chinesische blau-
weiße Muster, das heute Wenig später stand das
als niederländisches Ornament zu Beginn der
Keramikdekor welt- Industrialisierung durch die
bekannt ist, von den Schrift Ornament und Ver-
Niederländern über- brechen (1908) 21 von Adolf
nommen. Loos in arger Kritik. Das
Ornament erhielt plötzlich
Die Zeit des Rokoko den Ruf als «überflüssigen
(ca. 1740–1766), die Schmuck». Und auch wenn
chinesische, türkische Loos nicht Recht damit
und indische Stile interpretierte, behalten sollte, dass jede Ornamentik
steht für lebhafte Muster und zukünftig in der Architektur und
Mischformen aus Blättern, Mu- dem Design nutzlos und aufgrund
scheln und Blumen (Abb. 111). von maschineller Herstellung zu
Höfische Gewänder waren mit verbannen sei, so haben doch an-
floralen Mustern reich bestickt. schließend Gestalter, Architekten
und Produzenten diese Behauptung
Das Dekorative und Ornamentale gelebt: reduziert, schlicht, in klaren
hatte seine Hochzeit im Historis- Formen, ornamentlos. Daraus gingen
Abb. 109–114

77
# 3 G r u n d l e ge n d e s z u M u s t e r n

nicht zuletzt die Moderne (ca. Ableitungen aus der


1870–1970er-Jahre), der Deut- Natur
sche Werkbund (ab 1907) und
das Bauhaus (1919–1933) hervor. Aus den Mustern der Natur konnte
Abb. 115 zeigt eine Kaffeemaschi- der Mensch viele zivilisatorische
ne (ca. 1914) für AEG, von Peter Errungenschaften ableiten und
Behrens entworfen, der auch sich so weiterentwickeln.
Mitglied im Werkbund war.
Die Bionik als Wissenschafts-
Die Flower-Power-Bewegung disziplin beschäftigt sich mit der
der späten 1960er-Jahre Übertragung von Natur-
brachte das dekorative phänomenen auf die
Muster schließlich Möglichkeiten der Tech-
wieder. Den gemuster- nik. Vom Lotus-Effekt
ten Höhepunkt hatte über die Aerodynamik,
die Bewegung sicherlich den Klettverschluss bis
mit dem «Summer of zur Schwarmintelligenz
Love» (1967). In dieser (Abb. 118): Hier wurden
Zeit wurde fast alles Naturmuster auf Form
psychedelisch bemalt und Funktion analysiert
(Abb. 116). Heute wird dieser und deren Prinzip (Aufbau,
Trend wieder aufgegriffen, Oberflächenbeschaffenheit,
wie das Plattencover von Wirkung) auf maschinell und
Elektro Hafiz zeigt (Abb. industriell herstellbare Pro-
117).23 dukte oder programmierbare
Vorgänge übertragen.
In der Postmoderne (ca. ab Die Erfindung technischer
Ender der 1970er-Jahre) Instrumente wie Mikroskope,
gewannen Muster endgültig Fernrohre, Strahlungsappa-
wieder an Bedeutung. rate (Röntgen-, Ultraschall-
Muster als Dekor hielt im geräte) und Kameras ermög-
Alltag, in den Wohnzim- lichte, Dinge sichtbar zu
mern und Kleiderschrän- machen, die man vorher mit
ken erneut Einzug, z. B. bloßem Auge nicht erkennen
als Tapeten, auf Keramik- konnte. So erschlossen sich
geschirr, bei Polstermö- neue Welten von Mustern, sei
beln oder durch bunte und es in Form von Strahlung au-
musterreiche Kleidung. ßerhalb des für den Menschen
sichtbaren Lichtspektrums
Abb. 115–118

78
oder als Mikrokosmen in or- zu finden ist und heute den
ganischer Materie. Auch lässt Status eines Museums hat.
sich von diesen Mikrokosmen
auf einen Gesamtzusammen- Doch es geht noch größer:
hang (Makrokosmos) von Die italienische Stadt Palma-
Mustern und deren Wieder- nova wurde Ende des
holungen schließen. 16. Jahrhunderts aus einem
Sternenmuster heraus ent-

Muster in Archi- worfen und gebaut, was man


tektur, zeitgenössi- besonders gut aus der Luft
scher Kunst, sehen kann (Abb. 120).
Gestaltung und
Handarbeit In der Bildenden Kunst gibt
es eine ganze Kunstgattung,
Der Mensch kennt in der An- die sich speziell mit der
wendung von Mustern keine Darstellung von Mustern
Grenzen. Alles kann in der beschäftigt hat: Die Op-
Regel mehr oder minder Art, auch als optische
sinnvoll mit Mustern Kunst bekannt, entstand
dekoriert, bedeckt, durch- in den 1960er-Jahren und
drungen, geordnet, getarnt, verwendete abstrakte
hervorgehoben, konzipiert Formmuster und (sich
und konstruiert werden. wiederholende) geome-
trische Farbfiguren,
In der Architektur können um beim Rezipienten op-
sowohl Außenfassaden als tische Effekte wie Be-
auch Innenräume oder die wegung, Flimmern oder
komplette Konstruktion © 2016 Google. Kartendaten © 2016 Google optische Täuschung zu
eines Gebäudes oder Teile erzeugen → Seite 25 f.
davon mit Mustern durchzo- Eines dieser Werke ist Günther
gen sein. Ein Beispiel für eine Ueckers White Field (1964), das
außergewöhnlich ornament- ein Muster von eingeschlage-
reiche Außenfassade ist die nen Nägeln auf einer weißen
über 450 Jahre alte Basilius- Holzplatte zeigt (Abb. 121).
Kathedrale (Abb. 119) in Uecker arbeitete lange Zeit an
Moskau, die mit ihren neun diesen Nagelbildern, bei denen
Hauptkuppeln, die nur aus es ihm um die musterhafte
rotem Backstein errichtet Reliefwirkung ging.
wurden, auf dem Roten Platz
Abb. 119–121

79
# 3 G r u n d l e ge n d e s z u M u s t e r n

Ein Beispiel aus der das spätere Produkt


zeitgenössischen war.
Kunst ist die japa-
nische Künstlerin Im Kommunkations-
Yayoi Kusama design beschränkt sich
(Abb. 122): Mar- die Anwendung von
kenzeichen aller Mustern zumeist auf
Arbeiten (v. a. 2-D-Gestaltung.
begehbarer Raum- → Seite 86 ff. Muster
installationen) sind die Polka können hier durch Einsatz unter-
Dots, farbige Punkte mit denen schiedlichster analoger und
sie sehr plakativ Leinwände, digitaler Techniken erzeugt werden
Skulpturen, Bäume, Wände (z. B. stempeln, zeichnen, frottieren,
und Menschen überzieht und fotografieren, vektorisieren).
dadurch völlig neue Ein Beispiel aus meiner Ar-
Realitäten erschafft. beit als Grundlagenlehrende
ist der Plakatentwurf des
Ein schönes Beispiel Studierenden Kai Behrendt,
für die Anwendung der sich im Rahmen eines
von Mustern im Wettbewerbs zum Thema
Produktdesign ist der «Memento/Erinnerung»
Swatch table 24 (2008) (2011) mit Mustererstellung
von Hella Jongerius. anhand von generativer Ge-
Dieser Tisch ist eine staltung beschäftigte (Abb.
zeitgenössische Version 125 & 126).25 → Weiterlesen-
eines Farbmosaiks und Tipps, Muster, Seite 276
wurde aus Walnussholz
und verschiedenfarbigen Ein Praxisbeispiel für Print-
Kunststoffblöcken in gestaltung mit Ornamenten
unterschiedlichen Gra- gibt es in → Aufgabe #35,
dationen (transparent, Seite 188 f. Die Übung zeigt,
milchig, matt, glänzend) wie man aus einzelnen
gefertigt. Die Form der Buchstaben einer Schrift ein
Blöcke bestimmt außer- Ornament entwickelt. Und
dem die Umrissform des wie man selbst ein Muster
Tisches (Abb. 124). In mit Rapport erstellt, erfährt
Abb. 123 sieht man den man bei den → Aufgaben
zeichnerischen Entwurf, #14 und #15, Seite 90 ff.
der Ausgangspunkt für
Abb. 122–126

80
Last but noch least: Das Beim Punktmuster ist
große Feld der Handarbeit, es genau das Gegenteil:
hier findet man viele Bei- Das Auge ruht bei jedem
spiele für Muster. Über sie Punkt (fixiert) und lässt
werden Traditionen kom- sich schwerer führen.
muniziert (in traditionellen
Stichen/Dessins), Kultur- Der Rhythmisierungs-
kreise widergespiegelt grad bestimmt, ob es
(z. B. Norwegermuster, während des Betrach-
Abb. 127) oder einfach nur tens einen Lagewechsel
dekoriert. Handarbeitsbe- gibt, d. h. ob das Auge
reiche sind das (Teppich-) die linearen Bahnen verlässt
Knüpfen, Stricken, z. B. Guerilla- und z. B. von horizontal nach
stricken oder Graphiti knitting vertikal oder diagonal nach
(Abb. 128), das Sticken (Abb. 129), horizontal wechselt etc. Hier
Häkeln (Abb. 130) oder das entscheidet sich auch, ob man
Nähen, z. B. Patchwork/Quilten es mit einem ruhigen oder
(Abb. 131). bewegungsreichen Muster zu
tun hat.

Musterwirkung und Der Ornamentierungsgrad be-


Musterwahrnehmung stimmt, wie stark ein Muster
ausgeschmückt wird, um
Aus der Wahrnehmungs- vom Auge Beachtung zu
psychologie kann man drei finden (einfache Formen
Parameter entlehnen, um werden weniger wahr-
den Wirkungsgrad von genommen und eher
Mustern auf den Betrachter übersehen als ausge-
einordnen zu können. schmückte, reiche, auf-
fällige Formen. Dennoch
Der Grad der Fixierung lassen sich einfache For-
bestimmt, wie stark der men besser merken als
Betrachter einen Muster- komplexe. → Gesetz der
abschnitt anschaut: Ein Prägnanz, Seite 22 f. Diese
Streifenmuster führt den «Ausschmückung» lässt sich
Blick immer entlang den z. B. durch Kontrasterhö-
Streifen. Es ist eine Richtung hungen erreichen (heller –
vorgegeben, an der das Auge dunkler, größer – kleiner,
entlangläuft (nicht fixiert). einfacher – komplexer).26
Abb. 127–131

81
# 3 G r u n d l e ge n d e s z u M u s t e r n

Hier nun drei Beispiele für einen optischen Einfluss auf den
Muster, definiert nach den subjektiven Eindruck unserer
genannten Wahrnehmungs- Körperproportionen (Abb. 136).
parametern:
Durch geschickte oder unge-
1) Streifenmuster (Abb. 132): schickte Kleidungsauswahl
hohe Dynamik, niedrige Fixie- können wir uns schlanker oder
rung, niedrige Rhythmisie- dicker mogeln.
rung, niedrige Ornamentie-
rung, hohe Erinnerung Ein ähnliches Prinzip
wirkt auch bei Räumen
2) Punktmuster (Abb. (Abb. 137):
133): hohe Fixierung,
niedrige Dynamik, Ein Raum wirkt niedri-
hohe Rhythmisierung, ger, wenn man eine
niedrige Ornamentie- Tapete mit waagerecht
rung, hohe Erinnerung verlaufendem Muster
anbringt. (Die gleiche
3) Karomuster (Abb. Wirkung hat eine
134): niedrige Fixie- dunkler gestrichene
rung, hohe Dynamik, hohe Raumdecke, oder wenn man die
Rhythmisierung, niedrige Orna- Tapete nicht bis zur Deckenkan-
mentierung, hohe Erinnerung te tapeziert.)

4) Barocktapete (Abb. 135): Ein Raum wirkt höher, wenn


niedrige Fixierung, hohe Dy- man eine Tapete mit senkrecht
namik, hohe Rhythmisierung, verlaufendem Muster anbringt.
hohe Ornamentierung, niedrige (Die gleiche Wirkung hat eine
Erinnerung heller gestrichene Raumdecke,
und wenn man die Tape-
Muster kommunizieren te bis zur Deckenkante
nicht nur mit dem klebt.)
Betrachter, sie können
auch seine Wahr- Ein Raum wirkt größer
nehmung täuschen. und tiefer, wenn man
Nehmen wir z. B. helle Tapeten mit
unsere Kleidung: Trägt kleinen Mustern ein-
man Streifen (längs, setzt. Verwendet man
quer, diagonal), hat das dennnoch große Muster,
Abb. 132–135

82
sollten sich diese nur an einer schiedene Stile, Kulturen und
Instr umente miteinander. Die
von vier Wänden befinden.
abgebildete Platte ist die Dub/
(Wenn man eine Wand mit ei- Remix-Version seines Debut-
nem zurücktretenden Farbton albums, das 2016 erschienen ist.
streicht (z. B. Blau), verleiht
24
das dem Gesamtraum auch
Der Swatch table, übersetzt
mehr Tiefe, die Wand tritt «Mustertisch», war eine
optisch zurück. → Farbwir- Auftragsarbeit für die Galerie
kungen, Seite 162 f. kreo und w urde als Limited
Edition 2008 produziert.

Ein Raum wirkt kleiner und 25


im Zweifel auch bedrückend, Generative Gestaltung bezeich-
wenn man sich für diagonal net eine Ent w urfsmethode, in
verlaufende bzw. große Muster der ein Bild/Sound/Modell/eine
Animation etc. durch einen
und/oder kräftige Farben
mathematischen Algorithmus
entscheidet und den Raum oder einen Quellcode und dessen
komplett damit tapeziert. Veränder ung mit Hilfe einer
Computersoft ware bzw. -spra-
che (z. B. Processing) erzeugt
wird. Kreative aus Kunst, Archi-
19 zitiert nach: Diana Newall &
tektur, Design und Animation
Christina Unwin, Die
können dies für ihre Zwecke
Geschichte der Muster, Haupt
einsetzen. Neue Scriptingmög-
Verlag, Bern 2011, Seite 104
lichkeiten (z. B. Rhinoscripting)
machen es auch Anwendern mit
20 Das Mittelalter beginnt mit
wenig Programmiererfahr ung
dem Ende der Antike und dem
vergleichsweise leicht, ihre Ideen
Beginn der Neuzeit, allerdings
generativ (= automatische
ist die genaue Einordnung
Erzeugung eines Programmcodes
wissenschaftlich uneindeutig.
durch einen Generator) umzu-
setzen.
21 vgl.: Adolf Loos, Ornament
und Verbrechen (1908),
26
Gesammelte Schriften
vgl.: Erich & Susanne Küthe,
1900–1930, hrsg. von Adolf
Marketing mit Mustern,
Opel, Wien 1982, S. 77–88
Dumont Buchverlag, Köln 1998,
Seite 124 ff.
22 wie Fußnote 19, Seite 180

23 Der in Istanbul geborene


«Elektro Hafiz» hat seine
Wurzeln im anatolischen,
psychedelischen Rock.
Heute lebt er in Köln und ver-
bindet in seiner Musik ver-
Abb. 136–137

83
P r a x i s : MU S T E R

Praktische Musterrecherche

Aufgabenstellung:
Gehen Sie auf Mustersuche! Suchen Sie vier Zeichnen Sie die Muster mit Bleistift oder Kohle
Muster, je zwei Muster zu Hause oder auf dem auf weißes Papier. Verwenden Sie mindestens ein
Schulgelände und je zwei Muster im Freien. DIN-A3-Format pro gefundenem Muster.
Was macht diese Muster aus? Versuchen Sie
herauszufinden, wie sie funktionieren (Wieder- Teilen Sie Ihre Erkenntnisse im Anschluss mit der
holung, Anschlüsse, Struktur/Textur)! Gruppe.

Muster zu zeichnen, ist eine Aufgabe für


die Sie durchaus etwas Ausdauer und
Geduld brauchen werden.
Sie müssen außerdem sehr genau hinsehen,
um das Muster auch wirklich nachvoll-
ziehen zu können. Verstehen Sie die
Wiederholung im Muster nicht, stimmt
die Zeichnung nicht und das fällt dem
Betrachter sofort ins Auge.
Es gibt leichte und komplexere Muster,
Sie entscheiden mit Ihrer Wahl der zu
zeichnenden Muster auch über den
Schwierigkeitsgrad.

Zwei Beispiele für Muster im Innenraum: ein geflochtener


Korbstuhl und ein bordürenartiges Muster (Gardine)

#11 Musterrecherche

Lernziele:
selektive Wahrnehmung,
Verständnis für Muster-
konstruktionen, Beobach-
tungsgabe

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
weißes Papier (mindestens
DIN A3), Bleistift oder Kohle

Dauer:
ca. 4–5 Stunden
84
Zwei Beispiele für Muster im Freien: Eine Mauerwand und ein Kirchenfenster

85
P r a x i s : MU S T E R

Parameter ändern (Teil 1): 1 7

+
dann auf weißes Papier mittels Lineal, Zirkel und
Aufgabenstellung: Dreieck zu übertragen.
Verändern Sie ein selbst gewähltes grafisches
oder geometrisches Element, in einem 4 × 4 cm- Es darf nur rein analog gearbeitet werden. Zeich-
Kästchen platziert, in sieben Schritten paramet- nen Sie mit Bleistift vor, arbeiten Sie mit Fineliner
risch von links nach rechts. Die Parameter legen und Edding oder Tusche nach, radieren Sie alle
Sie selbst fest. Es bietet sich an, im ersten Schritt Bleistiftlinien im Anschluss weg. Arbeiten Sie
auf Karopapier zu arbeiten und den Entwurf genau und sauber.

diese Seite:
Die obere 1 × 7-Reihe zeigt im ersten Bild ein gleichseitiges, schwarzes
Dreieck, welches die 4 × 4 cm ausfüllt. Im zweiten Bild folgt ein zweites,
weißes Dreieck (proportional kleiner), das zum ersten, schwarzen Dreieck,
gespiegelt/gedreht ist und dieses überlagert.
Das dritte Bild wird um ein weiteres, proportional kleineres, diesmal
#12 1 × 7 wieder schwarzes Dreieck ergänzt, das erneut gedreht ist und die beiden
vorhergehenden Dreiecke überlagert usw.
Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
(geo-)metrisches Gefühl, Die untere 1 × 7-Reihe zeigt im ersten Bild vier schwarze Quadrate mit
Genauigkeit/Präzision Kantenlängen von je 0,5 cm, die in die vier Ecken des 4 × 4 cm-Bildes
gezeichnet wurden. In der Mitte befindet sich ein weißes Quadrat mit
Schwierigkeitsgrad:
schwarzer Outline und einer Kantenlänge von 3 cm.
mittel
Im zweiten Bild wächst aus der linken unteren Ecke ein angeschnittener,
Materialliste: schwarzer Kreis, der von Bild zu Bild parametrisch größer wird, bis er
Bleistift, Papier, Tusche, schließlich im siebten Bild die Fläche komplett ausfüllt.
Tipp-Ex, Kopierer (optional),
diverse Messwerkzeuge
Beiden Reihen ist ihr Ausgangsentwurf auf Karopapier anzusehen:
Dauer: Die Schritte sind in der Karokästchen-Einheit (alle 0,5 cm)
2 Stunden abgezählt und verändert worden.
86
Exemplarisch: Raster
der sieben Kästen mit
Bleistift vorgezeichnet,
mit Zirkel und Geodreieck
konstruiert, mit Fineliner
nachgezeichnet.
Im letzten Schritt werden
die Elemente mit Schwarz
gefüllt und Hilfslinien
Die Abfolge zeigt in sieben Schritten die Verwandlung eines Kreises
wegradiert.
in einen fünfeckigen, wachsenden Stern, der am Ende aus
dem 4 × 4 cm-Kästchen herauswächst und angeschnitten wird.

Weitere 1 × 7-Reihen

87
P r a x i s : MU S T E R

Parameter ändern (Teil 2): 5 5

+
Aufgabenstellung:
Verändern Sie zwei selbst gewählte grafische oder Es bietet sich an, im ersten Schritt auf Karopapier
geometrische Elemente, die Sie in einem 4 × 4 cm- zu arbeiten und den Entwurf dann auf weißes
Kästchen platzieren, in fünf Schritten paramet- Papier mittels Lineal, Zirkel und Dreieck zu über-
risch von links nach rechts und in fünf Schritten tragen.
von oben nach unten. Die zwei Elemente agieren
zeitgleich und sind in fünf Schritten nach rechts Es darf nur rein analog gearbeitet werden. Zeich-
mit Parameter 1 zu verändern und in fünf Schrit- nen Sie mit Bleistift vor, arbeiten Sie mit Fineliner
ten nach unten mit Parameter 2 zu verändern, in und Edding oder Tusche nach, radieren Sie alle
der Folge werden sie nach rechts unten mit Bleistiftlinien im Anschluss weg. Arbeiten Sie
Parameter 1 und 2 in Kombination verändert. Die genau und sauber.
Parameter legen Sie selbst fest.

Diese Aufgabe ist eine Schwierigkeits-


steigerung zur → Aufgabe #12.

#13 5 × 5

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
(geo-)metrisches Gefühl,
Genauigkeit/Präzision

Schwierigkeitsgrad:
mittel bis anspruchsvoll

Materialliste:
Bleistift, Papier, Tusche,
Tipp-Ex, Kopierer (optional),
diverse Messwerkzeuge

Dauer:
5–6 Stunden, anschließend
88 Präsentation
Anhand der gewählten Elemente und der
daraus entstehenden Muster lassen sich
Rückschlüsse auf den Gestalter ziehen,
man kann hier Kreativität und Fähigkeiten
ablesen: Wird es sich besonders einfach
gemacht, ist ein metrisches Talent vor-
handen, werden sich Herausforderungen
mit ungewöhnlichen Formen und Kom-
binationen gesetzt, wird Wissen z. B. aus
der Kompositionslehre angewendet, wird
vorausgedacht, wird gewissenhaft und
sauber gearbeitet?
All das kann man aus den Entwürfen
ablesen.

Diese Aufgabe empfinden die


meisten als anstrengend. Sie erfor-
dert extrem viel Geduld, schult aber
gleichzeitig viele Fähigkeiten:
Genauigkeit, Logik, Sauberkeit und
Konzentration. Ein falscher Strich
lässt sich mit Tipp-Ex oder einem
Stück Papier korrigieren und
abschließend legt man den Entwurf
noch einmal auf den Kopierer oder
Scanner – und die unsauber
wirkenden Stellen verschwinden.
Viele Studierende brauchen
mehrere Anläufe, beim Besprechen
ihrer Reihen in der Gruppe werden
sie auf Denkfehler aufmerk-
sam und können ihren Entwurf
anschließend verbessern.

89
P r a x i s : MU S T E R

Übung zum Rapport


die Seiten und kleben Sie das Bild erneut auf der
Aufgabenstellung: Rückseite zusammen.
Zeichnen oder kleben Sie auf einem 20 × 20 cm-
Format ein beliebiges Motiv. Achten Sie dabei Zeichnen oder kleben Sie abschließend in die
darauf, dass die Ränder nicht berührt werden (entstandenen) Weißräume abermals Motive,
(mittig arbeiten). Schneiden Sie anschließend das achten Sie wieder darauf, nicht über die Ränder
Bild vertikal in der Mitte durch, vertauschen Sie zu arbeiten.
die Seiten und kleben Sie das Bild nun so auf der
Rückseite mit Klebestreifen wieder zusammen. Vervielfältigen Sie das Motiv (z. B. kopieren oder
Schneiden Sie das Bild jetzt horizontal auseinan- scannen und dann ausdrucken) und kleben Sie
der (das Anfangsformat wurde nun kreuzweise die Bilder als Rapport aneinander. Sie haben eine
durchgeschnitten), vertauschen Sie abermals unendlich anschließende Tapete entworfen!

1) Muster zeichnen, 2) Blatt umdrehen, senkrecht


in der Mitte durchschneiden, 3) Seiten vertauschen,
4) auf der Rückseite neu zusammenkleben

#14 Rapport

Lernziele:
Verständnis für Rapport

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Papier, Zeichengeräte,
Schneidewerkzeuge, Kopie-
rer/Scanner, Drucker

Dauer:
2–3 Stunden

90
5) Waagerecht mittig durchschneiden, wieder die Seiten
vertauschen und auf der Rückseite zusammenkleben,
6) wieder umdrehen und 7) neu entstandene Weißräume
mit Zeichnung füllen

unten:
8) Anschließend digitalisieren und färben

91
P r a x i s : MU S T E R

Tapete aus eigenem Muster Übertragen Sie nun auf eine weiße Fläche von
entwickeln 5 × 5 cm eine der entwickelten Formen, arbeiten
Sie bis zum Rand der Fläche, achten Sie auf
Aufgabenstellung: Anschlüsse. Sie erreichen dies, wenn die Berüh-
Zeichnen Sie als Vorübung auf kariertem Papier rungspunkte der Linie(n) mit dem linken Rand des
auf einer quadratischen Fläche einen geometri- Quadrates auf der gleichen Höhe liegen wie die-
schen oder freien Linienverlauf bzw. eine freie jenigen der Linie(n) mit dem rechten Rand. Ebenso
oder konstruierte Form. Probieren Sie verschie- müssen Sie darauf achten, dass die Berührungs-
dene Formen aus. Wiederholen Sie diese direkt punkte mit dem oberen Rand auf einer Linie mit
im Anschluss nach rechts und nach unten mehr- denen des unteren Randes liegen.
mals skizzenhaft. Beachten Sie die dabei entste-
hende Positiv- und Negativflächen. Wiederholen Sie die entstandene Ornament-
Kachel sechsmal nach rechts und sechsmal nach
unten. Sie erhalten eine Fläche von 30 × 30 cm.

#15 Mustertapete

Lernziele:
Rapport, Flächenwirkung,
Schulung des Auges diese Seite, linkes Bild:
Analog gemaltes quadratisches Muster, Besonderheit: Es ist in sich schon
Schwierigkeitsgrad: viermal gespiegelt (eine waagerechte und eine senkrechte Symmetrieachse,
leicht
als Kreuz angeordnet).

Materialliste:
Bleistift/Graphitstift, Papier, diese Seite, rechtes Bild:
Tipp-Ex/Deckweiß, Kleber, Analoge Vorgehensweise: 36 × kopiert, ausgeschnitten
Edding, Tusche, Kopierer
und zu einer Fläche zusammengeklebt

Dauer:
2–3 Stunden, anschließend rechte Seite:
Präsentation Digital: Das Muster wird vektorisiert und per copy and paste vervielfältigt.
92
93
94
Weitere Varianten der Aufgabe können in der
Art der gewählten Wiederholungsmethode
liegen. Die ständige Verwendung des gleichen
Elementes in Reihen oder auf der Fläche bietet
schon allein Hunderte von Variablen der
Anordnung. Das einzelne Element kann sich
selbst wiederholen → Seite 93 (auf gleicher Höhe
immer wieder dupliziert), sich während der
Wiederholung in einem bestimmten Winkel
drehen oder sich mit weiteren Elementen ab-
wechseln. Wichtig ist nur, dass bei allen
Wiederholungen ein regelmäßiges Raster, eine
Wiederholungsmatrix zugrunde liegt, welche
die Positionen der einzelnen Elemente festlegt.

Verschiedene Wiederholungsmethoden,
unabhängig von Drehungen oder mehreren Elementen

diese Seite:
Handgezeichnetes, nicht symmetrisches Muster,
Durch versteckte Wiederholungen ist es möglich,
die Elemente ohne Fehler zu rapportieren. Die
Technik wurde von Stoffdesignern entwickelt und
besteht darin, die einzelnen Versatzstücke,
aus denen das Element besteht, auseinanderzu-
schneiden und versetzt wieder zusammenzusetzen.
Dabei werden einzelne Elemente z. B. zur Hälfte
über die Kanten der zu wiederholenden Fläche
gelegt und angeschnitten. Das nächste Element
nimmt die andere Hälfte wieder auf usw.

linke Seite:
Das handgezeichnete Muster (rechts) digitalisiert
95
FOTOGRAFIEREN
Fotos machen kann heutzutage jeder. Niemals sich die Kosten durch die digitale Fotografie auf
zuvor wurde so viel und ständig fotografiert. ein Minimum reduzieren lassen. Gerade deshalb
Alles wird dokumentiert. Die Handykamera hat es die künstlerische Fotografie oder besser das
ist immer dabei und jeder nutzt sie, mehrmals klassische fotografische Handwerk so schwer wie
täglich, einige sogar stündlich oder minütlich. noch nie.
Wir werden mit Fotos und Bildern überschüttet,
die keine Dauer und meist auch keine Verwen- Die analogen Techniken sterben immer mehr aus,
dung haben, kein künstlerischer Ausdruck sein da jede App alte, analoge Techniken perfekt und
wollen. Fotografie ist inflationär, vor allem, seit in Sekunden imitieren kann. Dennnoch oder gera-

96
de deswegen halte ich es für wichtig, professionel- Anschließend nähern sich die fünf praktischen
len Gestaltern durch den theoretischen Teil dieses Aufgaben der Fotografie formal und thematisch
Kapitels → #4 Grundlegendes zur Fotografie an. → Aufgabe #16 zeigt, wie man den richtigen
einen Einblick in das traditionalle Fotohandwerk Ausschnitt findet, mit → Aufgabe #17 geht man
zu geben: Wie funktionieren Kameras (Optiken)? auf die selektive Bildsuche und findet ein Alpha-
Wie arbeitet man in einem Fotolabor? Wie findet bet, → Aufgabe #18 fängt Licht und Schatten ein,
man den richtigen Ausschnitt? Wie komponiert in → Aufgabe #19 inszeniert man eine fotografi-
man ein Foto? Wann benutzt man welche Tech- sche Portraitreihe unter Studiobedingungen und
nik? Wie drückt man sich im Medium Fotografie → Aufgabe #20 widmet sich abschließend einem
aus und was macht sie für den Gestalter reizvoll? dokumentarischen Fotoprojekt.

97
# 4 G r u n d l e g e n d e s z u r Fot o g r a f i e

Analog und digital meist Papier, – aber es kann auch jede andere
Oberfläche mit einer lichtempfindlichen
Heute unterteilt man die Fotografie in zwei Schicht bestrichen, belichtet und anschließend
große Teilbereiche: Die analoge Fotografie entwickelt werden). Schwarz-Weiß-Negativ-
bezeichnet das Fotografieren mit Analog- Fotopapiere sind PE-Papier (bestehen aus dem
kameras oder optischen Systemen auf Positiv- Kunststoff Polyethylen/PE, enthalten Bildsil-
oder Negativfilm, Fotoplatte, lichtempfindlich ber) oder Barytpapier (bestehen aus Papier,
beschichteter Oberfläche und Sofortbild- enthalten Bariumsulfat/Baryt und Bildsilber).
material. Zu unterscheiden sind Klein-, Mittel- Barytpapier ist haltbarer und hochwertiger
und Großformatkameras sowie Sonderformen und damit auch deutlich teurer als PE-Papier.
wie Sofortbildkameras. In der analogen Farb-Negativ-Fotografie wer-
Vereinfacht beschrieben, entsteht ein analoges den zumeist Farbpapiere aus PE verwendet.
Bild so: Das Licht (eines fokussierten Motivs) Sie unterscheiden sich von Schwarz-Weiß-
fällt auf eine Linse, wird dort gebrochen und Papieren durch die Art der lichtempfindlichen
anschließend gebündelt, passiert dann die ge- Schicht: von oben nach unten ist in jedem
öffnete Blende und trifft nach dem geöffneten Papier eine blau-, grün- und rotempfindliche
Verschluss der Kamera auf den Film (Abb. 138). Schicht vorhanden, die nacheinander belichtet
Dieser Vorgang ist unserem Sehen, also der wird. Farb-Positiv-Filme wurden und werden
Funktion des Auges, sehr ähnlich (Abb. 139): seltener direkt auf Papier belichtet, da der
Hier trifft das Licht auf die Linse, wird gebün- Konstrastumfang bei Dias sehr viel größer ist,
delt und über die Pupille/Iris (unsere Blende) als es die Darstellung auf Papier via Belichtung
geführt, die sich bei wenig Licht öffnet oder erlaubt. Dias sind in erster Linie dazu da, groß
bei viel Licht zusammenzieht, und trifft an- projiziert zu werden. Man kann Dias aber auch
schließend auf die Netzhaut (unseren Film). einscannen, die digitalen Informationen des
Die Negativ- oder Positivfilme werden im Bildes bearbeiten und sie dann ausdrucken.
Fotolabor in der Dunkelkammer auf licht- → digitale Bildbearbeitung, Seite 99
empfindlich beschichtetes Material vergrößert
belichtet und anschließend im chemischen Heute ist die analoge Fotografie fast vollstän-
Entwicklerbad entwickelt und fixiert (zu- dig von der digitalen verdrängt worden. Das

Motiv Linse Blende Verschluss

Kameragehäuse
mit Film

Abb. 138

98
Ansel Adams
liegt vor allem an dem verkürzten Prozess der wird einem digitalen Farbwert zugeordnet.
Digitalfotografie (man kann sofort schauen, Die so entstandenen Bilder können mit einem
wie das Foto geworden ist) und den geringeren Rechner ausgelesen, bearbeitet, konvertiert
Materialkosten (Filmmaterial und -entwick- und anschließend ausgedruckt werden. Man
lung fallen weg). unterscheidet hier z. B. Vollformat, APS-C,

«Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute.» 27


Bedauerlicherweise leidet darunter oft der Four Thirds 4/3 und 1/1,7”.
Vorgang des Bildermachens: Die sorgfältige Die digitalen Fotografien können auf ver-
Auswahl des Motivs und die möglichen vorab schiedenen Papieren mit unterschiedlichen
zu treffenden Überlegungen werden auf eine Drucktechniken (z. B. Laser, Tintenstrahl)
spätere Sortierung des digitalen Materials ausgedruckt oder auf Fotopapier ausbelichtet
verschoben. werden.
Die Digitalfotografie verführt zu Quantität,
Die digitale Fotografie bezeichnet das Foto- nicht unbedingt immer zu Qualität, denn sie
grafieren mit einer digitalen Fotokamera oder geht schnell und kostet nichts außer Speicher-
einer Kamera mit digitaler Rückwand. Die platz. Ein Riesenvorteil der Digitalfotografie
technischen Grundlagen und die Bildwand- ist, dass man das Ergebnis sofort am integrier-
lung der Digitalfotografie weichen von der ten Kameradisplay überprüfen kann und die
klassischen, optisch und chemisch basierten Filmentwicklung völlig wegfällt. Das war frü-
analogen Fotografie deutlich ab. Ein digitales her nur mit Sofortbildern (Polaroids) möglich.
Bild entsteht vereinfacht beschrieben so: Das
Licht (eines fokussierten Motivs) fällt auf eine Wenn digitale Vorlagen und nicht-digitale
Linse, wird von ihr gebrochen, passiert eine Vorlagen (Papierbilder, Negative, Positive,
Blende, wird gebündelt und trifft auf einen die gescannt und damit digitalisiert werden)
Bildsensor (CCD- oder CMOS-Technik), der das nachträglich mit dem Computer bearbeitet
Licht in digitale Signale umwandelt und an werden, spricht man allgemein von digitaler
einen digitalen Speicher weitergibt (Speicher- Bildbearbeitung.
karte). Bei der Umwandlung in digitale Signale
wird die analoge Information des Lichts in
Bildpunkte zerlegt und jeder Bildpunkt/Pixel

Augenmuskel

Linse Iris

Netzhaut

Sehnerv

Motiv

Auge

Abb. 139

99
# 4 G r u n d l e g e n d e s z u r Fot o g r a f i e

Experimentelle Fototechniken Licht fällt, ist ebenso eine Camera Obscura.


Man kann sich eine solche Lochkamera leicht
Gestaltungsgrundlagen sollten immer auch selbst bauen: Dazu nimmt man z. B. einen
neugierig machen, neue Techniken kennenzu- Schuhkarton, in den man ein unbelichtetes
lernen und mit ungewöhnlichen Materialien, Fotopapier klebt (im Dunkeln, versteht sich),
Gerätschaften und Vorgehensweisen zu ex- dann ein Loch in den Karton auf die gegen-
perimentieren, sich auf Unbekanntes einzulas- überliegende Wand bohrt und den Schuhkar-
sen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht ton auf das Motiv richtet. Wichtig ist, dass
die klassischen Kameras vorstellen, sondern genügend Licht auf das Motiv fällt. Möchte
mein Augenmerk lieber auf das Experimen- man sich selbst ablichten, wäre es gut, sich
telle und nicht so Gebräuchliche richten. direkt an eine Lichtquelle zu setzen und dort
Da fast jeder dank Tablet, Smartphone und regungslos ein paar Minuten zu verharren.
diversen Fotobearbeitungs-Apps immer ein Ausschnitt und Belichtungszeit sind Erfah-
halbes digitales Labor dabei hat, zeige ich hier rungssache und situations- und lochgrößen-
bewusst andere, künstlerische Möglichkeiten, abhängig. Das muss man vor Ort ausprobieren.
fotografische Bilder zu erzeugen. Nach Abschluss der Belichtung wird das Loch
wieder geschlossen (z. B. mit einem schwarzen
Die Camera Obscura ist die Urform des foto- Papier und Klebeband oder schwarzem Gaffer-
grafischen Apparates und beschreibt einen tape). Das belichtete Fotopapier kann anschlie-
absolut dunklen (lat. obscura: «dunkel») Raum ßend im Fotolabor im chemischen Wannenbad
(lat. camera: «Kammer»), der an einer Wand entwickelt werden (Abb. 140). Das Ergebnis ist
ein kleines Loch zur Außenwelt hat, durch allerdings ein Negativ des fotografierten Mo-
das Licht ins Innere des dunklen Raumes fällt. tivs. Dieses lässt sich jedoch schnell, z. B. durch
Trifft das Licht gebündelt auf die dem Loch Digitalisieren (z. B. Flachbettscanner) zu einem
gegenüberliegende Wand im dunklen Raum, Positiv umkehren.
entsteht dort ein auf den Kopf gestelltes und
seitenverkehrtes Abbild des Außen. Ein dunk- Bleiben wir einen Augenblick im Fotolabor:
les Zimmer mit einem Schlüsselloch, durch das Dort kann man wunderbar einfach und expe-

Abb. 141

Abb. 140

100
rimentell Fotogramme (Abb. 141) erzeugen. fertechnik. Dabei wird das Foto spiegelver-
Statt einen Negativfilm zu vergößern, legt man kehrt mit einem Laserdrucker oder -kopierer
verschiedene Gegenstände oder Objekte im vervielfältigt und anschließend mit Hilfe eines
Rotlicht auf ein unbelichtetes Fotopapier, ord- Transfer-Gels auf eine glatte Oberfläche eines
net die Objekte zu einer Komposition an und beliebigen Objekts aufgebracht (Abb. 143).
belichtet dann mit dem Vergrößerer dieses Nach dem Durchtrocknen einfach das Papier
Stillleben. (Die Belichtungszeit gilt es individu- vorsichtig abrubbeln und das Motiv mit Lack
ell herauszufinden.) zum Schutz einpinseln. Es gibt noch viele
weitere Transfertechniken, wie z.B. Lumi-
Verwendet man den Vergrößerer klassisch, Transfer, Potch oder man verwendet Aceton.
um ein Negativ im Labor auszubelichten, kann
man mit dem Negativ experimentieren. So ist Im Blaudruck, auch Cyanotypie genannt,
es möglich, durch Ankratzen des Negativ- bestreicht man Oberflächen mit einer UV-
films dem Foto neue Bildinhalte (zeichnerisch, empfindlichen Lösung28, und setzt diese an-
linear, flächig durch Schraffuren etc.) hinzuzu- schließend der Sonne aus (Abb. 144). Die Son-
fügen. Das führt zu einem tollen Effekt. nenstrahlen enthalten UV-Licht, das hier zur
Das Negativ-Original ist dann aber für immer Belichtung benötigt wird. Wie bei Fotogram-
«beschädigt» (Abb. 142). Diese analog bearbei- men kann man Objekte auf der lichtempfind-
teten Negative kann man auch digitalisieren lichen Fläche positionieren oder transparente
(z. B. mit einem Durchsichtscanner), dann am Schwarz-Weiß-Vorlagen auflegen (ähnlich wie
Rechner weiterbearbeiten und anschließend ein Negativfilm, nur größer). Nach der Belich-
ausdrucken. tung kann die Oberfläche mit Wasser ausge-
waschen werden, zurück bleibt ein blaues Bild.
Eine Möglichkeit, Fotografien auf ungewöhn-
liche Oberflächen zu bringen, ist die Trans-

Abb. 143

Abb. 142

Abb. 144

101
# 4 G r u n d l e g e n d e s z u r Fot o g r a f i e

Fotografiert man digital oder analog durch das Kameraprogramm das anbietet) oder mit
halbdurchlässige Stoffe, verfremdet man dem Rechner via Software mehrere Bilder
automatisch das Motiv und damit den Bild- halbtransparent übereinanderlegen (z. B. mit
inhalt (Abb. 145). Hier ist Experimentierfreude Photoshop). Auch gibt es Sofortbildkameras
und Einfallsreichtum gefragt. Was passiert und Apps, die doppelbelichten können.
mit dem Foto, wenn man dünne oder löchrige
Textilien, farbige oder bedruckte Folien, Wer einen Diaprojektor oder einen Beamer
gewebte Strukturen usw. zwischen Motiv und hat, kann Doppelbelichtungen der räum-
Kameralinse schiebt? lichen Art ausprobieren (Abb. 147). Dazu
einfach den Beamer/Projektor auf ein zu foto-
Mit Doppelbelichtungen entstehen ebenfalls grafierendes Motiv richten und beobachten,
ungewöhnliche Fotomotive (Abb. 146). Man was passiert, wenn sich die (fotografische)
kann entweder analoge Filme mehrfach Projektion über das reale Fotomotiv schiebt.
belichten (der Film wird in der Kamera nicht
weitertransportiert, Fotos werden überein- Wer gern analog ohne viel Schnickschnack
ander belichtet) oder im Fotolabor mehrere fotografiert, der kann die Lomografie aus-
Motive übereinander auf das Fotopapier probieren: Die russische Firma Lomo hat ver-
vergrößern. Ebenso lassen sich mit digitalen schiedene analoge Schnappschusskameras und
Kameras Doppelbelichtungen erzeugen (wenn viel Zubehör herausgebracht. Damit kann

Abb. 145

Abb. 147

Abb. 146

102
man auf experimentelle Motivsuche gehen, Wenn man keinen Fotoapparat zur Hand hat,
vorausgesetzt, Abstriche in Schärfe und lassen sich auch Fotokopierer oder Flach-
Präzision sind zu verkraften. Von Kleinbild- bettscanner zum Bildererzeugen nutzen. Ein-
kameras mit vier oder mehr Linsen neben- fach Vorlagen oder Objekte – oder sich selbst –
und übereinander, die sequenziell Fotos kopieren bzw. scannen und mit Lichtstärke,
machen (Abb. 148), bis extreme Weitwinkel- Bewegung während des Einlesevorgangs ex-
aufnahmen ist vieles möglich. perimentieren (Abb. 150).

Eine weitere künstlerische Möglichkeit ist,


Schwarz-Weiß-Fotos nachträglich von Hand 27 zitiert nach: http://zitate.net/zitat:5206.html,
Stand 25.05.2016
zu kolorieren (Abb. 149). Dies kann man direkt
auf dem (Foto-)Papier mit jeder denkbaren 28 Die Emulsion besteht aus Ammoniumeisen(III)-
Farbe machen (z. B. Farben auf Wasserbasis, Citrat und Kaliumferricyanid («Rotes Blutlaugen-
lasierend oder deckend) oder digital mit einer salz») sowie Wasser, erhältlich in Apotheken;
kann man nach Anleitung selbst anmischen.
Fotobearbeitungssoftware.

Abb. 149

Abb. 148

Abb. 150

103
P r a x i s : F O TO G R A F I E R E N

Der Ausschnitt Drucken Sie dieses Bild sechsmal in 20 × 30 cm aus


bzw. ziehen Sie dieses Bild sechsmal in 20 × 30 cm
Aufgabenstellung: im Fotolabor ab.
Wählen Sie aus Ihrem fotografischen Fundus
ein Foto aus, das eine Person in der Totalen zeigt. Finden Sie anschließend mit zwei selbst gebauten
Definition Totale: Foto- bzw. Kameraeinstel- Fotowinkeln (zwei breite «L»-Formen aus schwar-
lung, wenn eine Person vollständig in ihrem zem, grauem oder weißem Karton- oder Pappstrei-
Umfeld, also total zu sehen ist, das Umfeld, fen zusammengeklebt) verschiedene Ausschnitte,
z. B. Landschaft oder Innenraum, aber nicht die alle zu unterschiedlichen Bildaussagen führen.
den Hauptbildinhalt ausmacht (das wäre die Die neuen Endformate des Fotos sollen in diesem
Supertotale). Fall ein quadratisches Verhältnis haben.

Das Ausgangsfoto: Eine Veran-


staltung im Freien mit
historischen Kostümen

unten: Die beiden L-Winkel, um


schnell einen Ausschnitt auf den
Abzügen zu finden

#16 Der Ausschnitt

Lernziele:
Bewusstsein für den
Bildausschnitt

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Foto mehrfach als Abzug/
Ausdruck, Schere, Papier-
winkel, Papier
Durch das Verdecken/Abschneiden von Bildinhalten lassen sich uner-
Dauer: wünschte oder das Auge störende Bildinhalte ausblenden bzw. entfernen.
1–1,5 Stunden, anschließend
Präsentation
104
Mit den Fotowinkeln kann man auf analog-klassischem Weg
einen Ausschnitt suchen. Es wird deutlich, wie schnell man
Bildaussagen verändern oder den Fokus auf andere Bildteile
legen kann. Prinzipiell sind alle Bildausschnitt-Endformate vor-
stellbar, abhängig davon, wofür das Foto letztendlich verwendet
werden soll. Über diese Abdeckmethode, die auch mit Händen
oder Papierbögen und natürlich auch digital funktioniert, kann
die Komposition eines Fotos oder jedes anderen Bildes vorab be-
stimmt oder nachträglich verändert und/oder korrigiert werden.
Ebenso empfehlen sich «Thumbnails» (z. B. das Arbeiten mit dem
fotografischen Kontaktbogen), um mögliche Ausschnitte eines
Motivs schnell zu suchen und zu finden.

105
P r a x i s : F O TO G R A F I E R E N

Das urbane Alphabet (Teil 1) Strukturen die lateinischen Buchstaben von


A bis Z.
Aufgabenstellung:
Gehen Sie mit einer Digitalkamera aufmerksam Sie können auch mehrere Alphabete sammeln.
durch die Stadt. Finden Sie aus einem Teilbereich Wieder zu Hause angekommen, spielen Sie die
(z. B. Fassaden, Geländern, Gehwegplattenrissen, Bilder auf den Rechner und ordnen Sie Ihr
Autos, Straßenlaternen, Bäumen etc.) ein urbanes Alphabet auf einem DIN-A3-Poster in einem
Alphabet: Fotografieren Sie in den gefundenen Raster nachvollziehbar an.

Fahrradständer als Alphabet –


erstaunlich, wie viele verschiedene
Formen es gibt! Bei manchen
#17 Urbanes Alphabet (1) Buchstaben musste mit der Richtung
getrickst werden und die Fotos
Lernziele:
wurden gedreht.
selektive Wahrnehmung,
Fotopraxis, Formgefühl, Auf → Seite 192 geht es mit diesen
Abstraktionsvermögen, Fotos weiter!
Fantasie

Schwierigkeitsgrad:
mittel

Materialliste:
Fotokamera, Computer,
Drucker

Dauer:
3–6 Stunden
106
Schönes Beispiel für ein gefundenes Alphabet
innerhalb eines urbanen Teilbereichs.
In dem Fall wurden schmiedeeiserne Tore, Zäune
und Geländer gesucht und kombiniert.
Auf → Seite 193 geht es mit diesen Fotos weiter!

107
P r a x i s : F O TO G R A F I E R E N

Licht- und Schattenspiele

Aufgabenstellung: Gehen Sie im Anschluss ins Labor, entwickeln Sie


Gehen Sie mit dem analogen Fotoapparat und den Film und machen Sie einen Kontaktbogen
zwei Schwarz-Weiß-Negativfilmen bewaffnet, auf aller Fotos und anschließend eine Auswahl von
Licht- und Schattensuche. Finden Sie anspre- den besten Motiven als Vergrößerung. Sie können
chende Motive drinnen oder draußen, im Alltag beim Vergrößern noch neue Ausschnitte suchen.
oder auf Reisen. Achten Sie beim Fotografieren
bewusst auf Ausschnitt, Belichtung und Schärfen- Bereiten Sie eine Präsentation mit drei bis acht
tiefe. Bildern vor. Begründen Sie die Auswahl.

Anhand der Reduktion auf Schwarz und


Weiß entwickeln diese Fotografien eine
starke grafische Wirkung. Man fühlt sich
rein formal fast an die Frottagen von
→ Seite 32 ff. erinnert. Es wird deutlich,
dass auch das fotografische Bild gut kom-
poniert sein will, um wirken zu können.
Und vergessen wir hier nicht die Anwen-
dung der Gestaltgesetze, wie das Gesetz der
Erfahrung (wir glauben zu erkennen, was
wir als Schatten sehen), der Kontinuität
(Weiterführung der Form-Reihungen) und
der Gleichzeitigkeit (Figuren im Bild auf
der rechten Seite, oben) oder den Goldenen
Schnitt (Bildaufteilung linke Seite, links).

#18 Licht- und Schattenspiele

Lernziele:
Beobachtungsgabe,
Verständnis Kamera-
technik, Fotolaborpraxis

Schwierigkeitsgrad:
mittel

Materialliste:
analoger Fotoapparat,
Filme, Fotopapier, Labor

Dauer:
kleines Projekt (1 Woche
Fotografieren, 2–4 Tage Labor-
108 arbeit, nach Aufwand)
109
P r a x i s : F O TO G R A F I E R E N

Das inszenierte Portrait möchten und ob Sie dafür Requisiten brauchen.


Außerdem stellt sich die Frage, was die Portrai-
Aufgabenstellung: tierten ggf. an Kleidung tragen, ob und welches
Entwickeln Sie ein fotografisches Konzept für Make-up oder Styling Sie brauchen und wer
eine Portraitreihe im Fotostudio oder unter Foto- Ihnen assistieren kann. Das Konzept entscheidet
studiobedingungen (ggf. künstliche Lichtquellen, über die Visualisierung, nicht umgekehrt!
Blitzanlage, Diffuser, Reflektoren, Hintergründe Welchen Ausschnitt legen Sie für das Foto fest
etc.). Portraitiert werden können Menschen oder (Supertotale, Totale, Halbtotale, Halbnahe, Nahe,
Tiere. Groß-, Detailaufnahme, Closeup)? Versuchen Sie,
anschließend so wenig wie möglich nachzubear-
Überlegen Sie sich vorab, wie Sie das Szenenbild beiten.
ausleuchten möchten und welches Equipment Sie
verwenden wollen. Des Weiteren sollten Sie über- Sie können diese Aufgabe gern auch zu zweit
legen, ob Sie ein bestimmtes Thema darstellen realisieren.

Eine Person und viele Möglichkeiten,


sie zu portraitieren. Doch was trifft
den Charakter des zu portraitierenden
Menschen visuell am besten? Das gilt es
herauszufinden.

Gruppen-
#19 Inszeniertes Portrait aufgabe!

Lernziele:
Inszenierung einer Fotoidee,
Kamera- und Fotostudio-
Technik

Schwierigkeitsgrad:
anspruchsvoll

Materialliste: rechte Seite:


digitale Kamera, Fotostudio, zwei Bilder oben:
Computer, Software
Experimente mit Person und Projektion → Seite 102 f.

Dauer:
kleines Projekt (1–2 Termine zwei Bilder unten:
Fotografieren, 1–4 Tage Frage der Identität und der Visualisierung des inneren Ichs
110 Vor- und Nachbereitung)
111
P r a x i s : F O TO G R A F I E R E N

Dokumentarisches Was brauchen Sie als Equipment? Haben Sie ein


finanzielles Budget (z. B. für Reisekosten, Eintritte,
Aufgabenstellung: Verpflegung)? Wen müssen Sie ansprechen (z. B.
Suchen Sie sich ein Thema, das Sie reizt, welches Institutionen, Theater, Museen, Vereine)? Recher-
Sie schon immer mal fotografisch beleuchten chieren Sie, was es schon zu dem Thema gibt –
wollten. Wenn das Thema gefunden ist, machen und machen dann nach Möglichkeit nicht das-
Sie sich ein Konzept inklusive einer Zeit- und Pro- selbe! Brauchen Sie Hilfe/Assistenz (z. B. Fahrer,
jektplanung, das Sie anschließend umsetzen. Träger, Insider)?

Dokumentarische Fotoreihe zum alltäglichen


Leben auf den Straßen in Paris

#20 Dokumentarisches

Lernziele:
öffentliches Fotografieren,
Objektivität vs. Subjektivität,
Fototechnik, Spontaneität,
sich einlassen/Offenheit

Schwierigkeitsgrad:
mittel bis anspruchsvoll

Materialliste:
mobiles Kamera-Equipment

Dauer:
1 Tag–1 Monat, je nach
Umfang des Projektes,
112 Zwischenpräsentationen
Der Fokus liegt hier auf (teilweise sequenziellen) Situationen von
Tieren und Menschen, die dem Betrachter zufällig in den Straßen
der Stadt begegnen. Auffällig ist ein ähnlicher Bildaufbau in allen
Motiven und die Betonung, dass es sich nicht um Ausschnitte,
sondern immer um das gesamte Bild handelt. Dies erkennt man
an dem schwarzen Rahmen, der vom unbelichteten Rand des Klein-
bild-Negativfilms herrührt und beim Handabzug entsteht.
113
P r a x i s : F O TO G R A F I E R E N

Hier wurden unbekannte Menschen auf der Straße angesprochen und um ein fotogra-
fisches Portrait gebeten. Ergebnis ist eine halbgestellte Situation: Die Portraitierten
werden in ihrem Arbeitsumfeld gezeigt, haben sich spontan darauf eingelassen, sich
an Ort und Stelle fotografieren zu lassen, und konnten sich nicht vorbereiten. Dennnoch
wissen sie, dass sie fotografiert werden, und schauen in die Kamera. Die Personen
wurden, durch die Wahl des Ausschnitts, absichtlich neben der Bildmitte platziert.
Bis auf eine Person sind sie in der Totalen zu sehen.
114
Ebenfalls in dieser Aufgabe möglich: das fotografische
Dokumentieren von Inszenierungen – Schauspiel, Ballett,
Oper, Konzert, Festival, Sportveranstaltung oder Messe.
Der Themenbereich und die Möglichkeiten, sich mit
der Fotokamera (oder mit Bewegtbild) auszuprobieren,
sind riesig.
Je nach Veranstaltungsort muss man Vorbereitungszeit
einplanen und sich mit den Veranstaltern absprechen,
Genehmigungen einholen etc.
Hier bekommt man einen guten Eindruck in die Arbeit
eines Berufsfotografen.
115
FORMFINDUNG
In diesem Kapitel begibt sich das Buch gedanklich Skulptur? Das zeigt anschaulich → Aufgabe #23.
in die zu gestaltende dritte Dimension. Im theo- Die → Aufgaben #24 bis 27 zeigen, wie man
retischen Teil → #5 Grundlegendes zur Form mit Papier, Pappe und Karton dreidimensionale
werden geometrische Formendefinitionen erklärt Gestaltungen erzeugen kann und in den → Auf-
und die Formenlehre von 2-D zu 3-D beschrieben. gaben #28 bis 30 findet die Auseinandersetzung
mit verschiedenen Materialien statt und es wird
Die zehn praktischen Aufgaben dieses Kapitels die Frage geklärt, wie man diese miteinander
entwickeln sich ebenfalls von der zweiten in die kombinieren und in einer Form zusammenfüh-
dritte Dimension (und zurück). In → Aufgabe #21 ren/verbinden kann. Beim Gestaltenden soll
wird aus einer Büroklammer und einer Idee ein dabei ein Bewusstsein geschaffen werden, welche
neues Objekt. Wie man aus 3-D-Körpern wieder Art von Verbindungen es im Alltag und in der
zweidimensionale Darstellungen erschaffen kann, gestalterischen Arbeit gibt und welche neuen
zeigt → Aufgabe #22 . Und wie wird aus Holz- Kombinationen vielleicht noch kreativ und sinnig
stäben und einem Begriff eine dreidimensionale geschaffen werden können.

116
117
# 5 G r u n d l e ge n d e s z u r Fo r m

Formenvielfalt Als Formen definiert man z. B.: Kreis, Ellipse,


Dreieck, Quadrat, Rechteck, Fünfeck, Vieleck,
Die Form an sich, zusammen mit der Farbe etc., Zylinder, Kegel, Würfel, Kugel.
und dem Material und der Oberfläche, ist Die Größe einer Form kann diese genauer defi-
ein weiteres, wichtiges Gestaltungselement. nieren: klein, groß, schmal, breit, niedrig, hoch,
Sie trägt wesentlich zur Gesamterscheinung gedrungen, gestreckt etc.
eines Objektes bei. Des Weiteren kann die Lage beschrieben wer-
Man unterscheidet zwischen einfachen und den: axial, radial, vertikal, horizontal, diagonal,
komplizierten, linearen, flächigen, körperhaf- parallel, hintereinander.
ten (räumlichen) Formen. Es gibt konstruierte,
naturbezogene und freie Formen. Die Formwirkung oder Formaussage ist eben-
Die flächige Form dehnt sich in zwei Dimensi- falls ein weiterer Definitionsbaustein. Formen
onen aus und wird durch seine Kontur defi- wirken emotional und psychisch auf den
niert. → Seite 20 ff. Von einer räumlichen Menschen, d. h. man kann ihnen Wirkungen
Form (Körper) spricht man, wenn diese sich in zuweisen z. B.: emporstrebend (vertikal),
drei Dimensionen (Länge, Breite, Höhe) aus- ruhend (horizontal), steigend und fallend
dehnt und eine Oberfläche (konvex, konkav) (diagonal) → Formwirkungen, Seite 20 ff.,
erkennen lässt. bewegt, rotierend, empfangend (konkav),
schützend (konvex), dynamisch, richtungswei-
Beschreibende Merkmale, um eine Form zu send, statisch, labil, geschlossen, umschlossen,
definieren, können sein: symmetrisch – asym- offen, maskulin (vor allem eckige Formen)
metrisch, rund – eckig, leer – gefüllt, einfach – oder feminin (runde Formen).
differenziert, geometrisch (konstruiert) – orga-
nisch (natürlich) – frei gestaltet.

Dreieck

Dreirund Primärformen
Trapez
Sekundärformen

Kreis Quadrat

Abb. 151
Vierrund

118
Zweidimensionale, geometrische Formen Schlüsselbegriffe sind hier: Schwerpunkt-
werden in Primär- und Sekundärformen anordnung, optische Mitte, Format – Propor-
unterteilt: Primärformen (= flächige Grund- tion  – Goldener Schnitt → Formbeziehungen,
formen) sind: Quadrat, Kreis, gleichseitiges Seite 28 ff. sowie Kontrast, Rhythmus und
Dreieck. Die Sekundärformen entwickeln sich Dynamik, auf die ich im Folgenden näher
aus den drei Primärformen: Trapez, Vier- und eingehe:
Dreirund (Abb. 151). Der Formkontrast entsteht durch den Gegen-
satz von Ausdruck und Anordnung der
Auch die dreidimensionalen, geometrischen Formen, d. h. ein Formkontrast liegt vor, wenn
Formen unterteilt man in Primär- und Sekun- mindestens zwei nebeneinanderliegende
därformen. Die drei Primärformen (plastische Formen erkennbare Unterschiede aufweisen.
Grundformen) sind: Tetraeder, Würfel und Die Gegensatzintensität bestimmt den Grad
Kugel. Aus diesen können die drei Sekundär- der Wirkung auf den Betrachter.
formen Pyramide, Zylinder und Kegel entste- Hier unterscheidet man den Form-an-sich-
hen (Abb. 152). Kontrast (Abb. 153), den Qualitätskontrast
(Abb. 154), den Quantitätskontrast (Abb. 155)
Formen können unterschiedlich angeordnet und den Richtungskontrast (Abb. 156).
werden. Reihung, Gruppierung – Verdichtung, Innerhalb einer Form können folgende Kon-
Streuung – Auflockerung, Symmetrie – Asym- traste unterschieden werden: Material-
metrie, Raster und Struktur sind hier die kontrast (z. B. wenn zwei unterschiedliche
Schlüsselbegriffe. Materialien in einer Form vereinigt sind:
Plastik & Metall); Oberflächenkontrast (wenn
Formenbeziehungen entstehen durch die unterschiedliche Oberflächen auftreten,
Wechselwirkung der Formanordung (s. o.). z. B. glatt – rauh); Bewegungskontrast

Tetraeder Abb. 153

Abb. 154

Primärformen
Kegel Sekundärformen Pyramide

Abb. 155

Kugel Würfel

Abb. 156

Abb. 152
Zylinder

119
# 5 G r u n d l e ge n d e s z u r Fo r m

(z. B. wenn Teile eines Objektes bewegt und/ sionalen ist (neben der Erweiterung um eine
oder unbewegt sind) und Konstruktionskon- Dimension), dass man sie nicht mit einem Blick
trast (z. B. wenn eine oder mehrere Formen erfassen kann und sie nicht von allen Seiten
unterschiedlich konstruiert wurden). gleichzeitig zu sehen ist. Jeder Beobachtungs-
Ein Formenrhythmus entsteht durch die Wie- standort, also jede Änderung der Perspektive,
derholung von gleichen, unterschiedlichen verändert die Wirkung des Körpers (Abb. 160).
oder ähnlichen Formelementen innerhalb
einer Form (Abb. 157). Des Weiteren spielt die Lichtwirkung in der
Und die Formdynamik definiert dynamische dritten Dimension eine entscheidende Rolle,
Richtungen innerhalb einer Form unter der denn kein Körper kommt ohne Schattenwir-
Einbeziehung von Proportionen, Rhythmus kung aus. Jede Lichtveränderung im Raum
und Kontrast (Abb. 158). beeinflusst die Körper-Erscheinung (Abb. 161).
Ähnlich verhält es sich mit dem Aspekt Zeit:
Nur in der räumlichen Wahrnehmung spielt
Die dritte Dimension das Vergehen von Zeit eine Rolle, beispiels-
weise weil wir Körper bewegen können
Von einem dreidimensionalen Raum oder (Abb. 162, Seite 122) oder uns selbst um den
einem Körper (dreidimensionale Form) spricht zu betrachtenden Körper herumbewegen.
man, wenn dieser sich in drei Dimensionen
Länge, Breite und Höhe ausdehnt (Abb. 159). Ein letzter Unterschied zu zweidimensiona-
len Formen ist, dass man Körper ertasten
Der entscheidende Unterschied einer drei- kann. Die haptische Wahrnehmung/Haptik
dimensionalen Form zu einer zweidimen- (griech. haptós: «fühlbar», «zum Berühren

Abb. 157

Abb. 159

Abb. 158

120
Dario Zuffo
geeignet»), der Tastsinn, steht im Zweidimen- Innenarchitekten und Raumausstatter ent-
sionalen nicht zur Verfügung, sollte aber in werfen und gestalten in den drei Dimensio-
der dritten Dimension vom Gestalter mitge- nen. Das erfordert eine gute Vorstellungsgabe,

«Das Urelement Punkt hat im Körper seine Endform, seine Vollendung erreicht.» 30
dacht werden. Auch das Erleben wird hier um ein Talent für handwerkliches, plastisches
eine Dimension erweitert und damit tiefer. Arbeiten und den Umgang mit Werkzeugen.
Neben dem manuellen Arbeiten am Werk-
«Der Mensch bezieht den Raum auf sich, er stoff selbst gibt es auch Werkzeuge, die die
ist als Körper im Raum, als Bezugsgröße stets dritte Dimension im Entwurfsprozess in der
29
vorhanden.» (Abb. 163, Seite 122) Zweidimensionalität simulieren und erfahrbar
Wird eine dreidimensionale Form gestal- machen und dem Entwurf in die Umsetzung
tet, stellt sich immer die Frage nach deren und Produktion in die dritte Dimension
Raumlage und Richtungsgebung: Es geht um hinüberhelfen (3-D-Computersoftware und
ihre Ausrichtung zum umgebenden Raum, Renderingprogramme, computer-aided de-
vor allem bezüglich der Horizontalen und der sign/computer-aided manufacturing = CAD/
Vertikalen (Lotrichtung), ggf. aber auch um CAM).
die Neigung und die Höhe im Verhältnis zum
Raum. Eine gute Definition des Körper-Raum-Ver-
hältnisses formuliert Albert Erich Brinck-
Bei Gestaltungen im Dreidimensionalen (z. B. mann: «(...) Der Raum findet im Gegensatz zur
Architektur, Produktdesign), d. h. genauer Plastik seine Begrenzung dort, wo er an die
bei der Formentwicklung, gilt es, das Körper- plastische Masse stößt. Er wird von innen
(Form-) und Raum-Verhältnis zu beachten. aufgenommen. Dagegen findet jene ihre Be-
Produkt- und Industriedesigner, Architekten, grenzung durch den umgebenden Luftraum.

Abb. 161

Abb. 160

121
# 5 G r u n d l e ge n d e s z u r Fo r m

Sie wird von außen aufgenommen. Hierauf gen mehrerer Formen und deren Gliederung;
beruht die Gegensätzlichkeit von Raum Subtraktion (Abb. 165), das Wegnehmen oder
und Plastik: Wachsen oder Abnahme des Herausnehmen einer oder mehrerer Teilfor-
einen vermindert oder vermehrt die andere. men aus der Gesamtform, sodass diese dann
Gemeinsam ist beiden Volumen oder Kör- gegliedert werden können; und die Division
perlichkeit, daher kann sowohl von einem (Abb. 166), das Teilen einer Form in einem be-
Raumkörper wie von einem plastischen stimmten Verhältnis (Proportion) in mehrere
Körper gesprochen werden. Auf dieser Ge- Teilformen. Bei der Formengliederung können
meinsamkeit beruhen die Beziehungen von die neu entstandenen Formenelemente durch
Raum und Plastik (...)»31 Änderungen der Raumlage (Drehung, Ver-
schiebung, Spiegelung, Durchdringung etc.),
Eine der wichtigsten Gestaltungsmöglich- durch Reihung (Abb. 167) der Formen oder
keiten für eine dreidimensionale Form ist die durch Knickung und Faltung (Abb. 168), also
Formgliederung. Sie definiert die Proportio- einer Richtigungsänderung innerhalb einer
nen innerhalb einer Form oder setzt mehrere Form, neu zueinander in Beziehung gesetzt
Formen untereinander und Form(en) mit ihrer werden.
Umwelt in Beziehung. Man kann drei Glie-
derungsprinzipien unterscheiden: Addition Die Materialität eines Körpers ist eine weitere
(Abb. 164), das Hinzufügen und Zusammenfü- Gestaltungsmöglichkeit. Jedes Material hat

Abb. 162 Abb. 163

122
einen anderen Materialausdruck. Dreidimen-
sionale Formen werden also aufgrund der 29 aus: Grundlagen des Entwerfens, hrsg. vom
Materialwirkung unterschiedlich wahrge- Fachbereich Architektur, Universität Kaisers-
lautern, Verlag Das Beispiel GmbH, Darmstadt
nommen. Da jedes Material auch andere
1999, Seite 68
Eigenschaften besitzt (z. B. Oberflächenbe-
schaffenheit, Stabilität, Stützkraft, Haltbarkeit, 30 aus: Dario Zuffo, Die Grundlagen der visuellen
Belastbarkeit, Widerstandsfähigkeit, Dichte), Gestaltung, Polygraph Verlag, Frankfurt 1990,
beeinflusst die Wahl des Materials auch die Seite 52

Form, dementsprechend kann nicht jeder Kör-


31 aus: http://archive.org/stream/diebaukunstdes
per mit jedem Material umgesetzt werden. 1701brin/diebaukunstdes1701brin_djvu.txt,
Stand 26.05.2015
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jeder
Körper eine wahrnehmbare Präsenz (durch
eine zu definierende Formlage, -wirkung, -be-
ziehung, -gliederung) hat und mit dem Raum,
der ihn umgibt, interagiert. Diese Spannungs-
verhältnisse gilt es, als Gestalter mitzudenken
und mitzuentwerfen!

Abb. 165

Abb. 164

Abb. 168

Abb. 166 Abb. 167

123
Praxis: FORMFINDUNG

Die Büroklammer richtsstunde gestellt bekommen. Mit ihr hat


es zweierlei Bewandtnis: Zum einen soll die
Aufgabenstellung: Aufgabe der Vorstellung aller Studierenden un-
Sie bekommen eine Büroklammer (Höhe: 5 cm). tereinander dienen und die Stimmung lockern.
Sie haben fünf Minuten Zeit, um aus der Klammer Zum anderen ist sie eine kreative Transferleis-
eine Form zu biegen, die ein Objekt, einen Begriff tung, die den Aufgaben eines Gestalters sehr
oder eine Eigenschaft visualisiert, der oder die nahekommt: Es geht um die Visualisierung und
Sie treffend charakterisiert. Die Form, die Sie der Vermittlung von spezifischen Inhalten anhand
Büroklammer geben, kann ein Hobby, ein Talent eines zu gestaltenden Objekts, welches den
oder einen Wesenszug von Ihnen beschreiben. Inhalt klar kommunizieren soll. Außerdem üben
Nach Ablauf der fünf Minuten werden Sie die die Studierenden damit, sich selbst vorzustellen,
Büroklammer auf den Präsentationsprojektor das Präsentieren, die freie Rede und das Verba-
legen und sich der Gruppe in zwei Minuten kurz lisieren von Ideen.
vorstellen.
Dennnoch ist es eine sehr spielerische Übung,
Dies kann vor allem eine Aufgabe sein, die die keinem der Studierenden Angst macht oder
Grundlagenstudierende in der ersten Unter- jemanden gleich zu Beginn überfordern würde.

diese Seite:
Ausgangsobjekt: Büroklammer;
zwei Ergebnisse aus dem Unterricht
(Spirale & Wal oder Wassertier)

#21 Büroklammer

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
Spontaneität, Elevator
Statement, sich vor anderen
präsentieren, Selbstbild

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
große Büroklammer

Dauer:
5 Minuten, anschließend rechte Seite:
2 Minuten Präsentation Präsentationssituation im Unterricht
124
125
Praxis: FORMFINDUNG

Knete und Papier

Aufgabenstellung:
Ziehen Sie eines der «fabelhaften Tiere»* im Los- Das modellierte Objekt sollte 30 cm Höhe nicht
verfahren. überschreiten. Achtung: Es muss von allen Seiten
funktionieren!
1) Setzen Sie sich mit den Begriff visuell auseinan-
der, indem Sie versuchen, diesen dreidimensional 2) Zeichnen Sie im Anschluss die entstandene
mit Modelliermasse (z. B. Fimo, Softton, Plastilin, Form aus vier Perspektiven. Finden Sie Umriss-
Polymer-Knetmasse) zu visualisieren. Sie können kanten → Negativraum, Weißraum, Seite 68 ff.,
dabei gegenständlich oder abstrahierend arbeiten. Schatten und Flächen und arbeiten Sie die Plasti-
Es geht darum, die Eigenschaft des gezogenen zität des Objektes in der Zeichnung heraus.
Tiers und geflügelten Begriffs herauszuarbeiten.

zu 1)
Der Modelliervorgang zum
Begriff «Das hohe Ross»,
spontan nach kurzer gedank-
licher Auseinandersetzung
#22 Knete und Papier
mit dem Begriff oder evtl. auf
Lernziele: Basis schneller vorab
plastisches Gestalten, gezeichneter Ideenskizzen;
Übertragung 3-D in 2-D,
Welche Materialien sich am
Methode zur Ideenfindung
besten zum Modellieren eig-
Schwierigkeitsgrad: nen, ist Erfahrungs- und
mittel Geschmackssache. Hier
wurden Plastilin, Papier (als
Materialliste:
Füllung), Karton, Schaschlik-
Stift, Papier, Knetmasse
(formbares Material), spieße und Draht verwendet.
Stützmaterial (Draht, Holz-
stäbchen o. Ä.), Kamera

Dauer:
126 2–4 Stunden
*Fabelhafte Tiere sind z. B.: stolzer Pfau, diebische Elster, innerer Schwei-
Schmetterlinge im Bauch, Ohrwurm, Tanzbär, nehund, eierlegende Wollmilchsau, Grasdackel,
hohes Ross, sterbender Schwan, Floh im Ohr, Beuteltier, blindes Huhn, dumme Kuh, Frosch
toller Hecht, Angsthase, Brillenschlange, im Hals, Rabenmutter
Blindschleiche, Sparfuchs, Lustmolch, Lackaffe,

127
Praxis: FORMFINDUNG

zu 2) Alle vier Perspektiven locker skizziert (von vorne und hinten sowie beide Profile)

128
oben: Ergebnisse zu 3)

links: die richtige Perspektive finden

Die Aufgabe ist gleichzeitig auch eine vielseitig einsetzbare


Methode, um zeichnerische Entwürfe über die dreidimensionale
Form zu erarbeiten. Das Ergebnis ist bestenfalls realistischer
und weniger «flach». Anwendungsbereiche liegen z. B. im
Characterdesign (engl. für «Figurendesign», bezeichnet die
visuell-grafische Umsetzung einer Figur aus allen Perspektiven,
die Figurenfindung für die spätere Verwendung in Animation,
Werbung, Street Art, Comic etc.)

optionale Erweiterungen der Aufgabe: gen und ggf. Beobachtungen Dritter (Diskussion)
3) Malen Sie im Anschluss die entstandene Form mit ein: An welchen Stellen können Sie die Form
aus vier Perspektiven. Finden Sie Umrisskanten klarer und noch eindeutiger machen, um Ihren
→ Negativraum, Weißraum, Seite 68 ff., Schatten Begriff besser zu visualisieren? Experimentieren
und Flächen und arbeiten Sie die Plastizität des Sie, machen Sie ggf. Fotos vom Veränderungs-
Objektes in der Malerei farbig heraus. (Kann auch prozess (als Erinnerungsskizze). Entscheiden Sie
anstelle von 2) ausgeführt werden.) sich abschließend für eine neue Formvariante.

4) Verändern Sie nun Ihr plastisches Objekt. 5) Zeichnen Sie die neue Formvariante aus vier
Beziehen Sie dazu Ihre bisherigen Beobachtun- Perspektiven.

129
Praxis: FORMFINDUNG

Die Holzstäbe-Figur
Bitte vermeiden Sie figürliche Darstellungen in
Aufgabenstellung: Ihrer Umsetzung.
Finden Sie sich in einer Dreiergruppe zusammen.
Ziehen Sie einen Begriff*, den Sie anschließend Im Anschluss präsentieren Sie Ihren Begriff den
in Ihrer Gruppe gemeinsam als eine dreidimensio- anderen Gruppen. Begründen Sie Ihren Entwurfs-
nale Arbeit visualsieren. und Experimentierprozess in drei Sätzen.
Ihnen stehen zur Verfügung: zehn Holzstäbe in
21 cm, fünf Holzstäbe in 14 cm und fünf Holzstäbe *Begriffe sind z. B.:
in 7 cm Länge. Diese müssen alle (!) verleimt wer- Rotation, Kompaktheit, Rhythmus, Expansion,
den. Es dürfen keine Stäbe übrig bleiben. Kontrast, Dynamik, Beschleunigung, Leichtig-
Sie können sich zunächst assoziativ konzeptionell keit, Wachstum, Innen-Außen, Öffnung,
und zweidimensional annähern oder gleich drei- Eleganz, Passgenauigkeit, Geschlossenheit,
dimensional starten. Lebendigkeit, Perspektive

Arbeit in Dreiergruppen im
Grundlagenunterricht;
bevor man tatsächlich anfängt
zu leimen, sollte man gemeinsam
im Team über eine mögliche Figur
und deren Gestalt diskutieren.

Gruppen-
#23 Holzstäbe aufgabe!

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
räumliche Vorstellung,
Teamwork, Gruppen-
präsentation

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Holzstäbe, Holzleim
rechte Seite:

Dauer: Fertige Holzskulpturen zu den Begriffen


45–60 Minuten, anschließend «Geschwindigkeit» (oben) und
Präsentation und Erraten «Perspektive» (unten)
130 der Begriffe
131
Praxis: FORMFINDUNG

Materialrecherche: Drei Würfel – Da man Pappe eher in Millimeter angibt, als in


Papier, Karton, Pappe Gramm (g/m2), empfiehlt sich die Verwendung
von Pappe ab einer Stärke von 1 bis 2 mm.
Wie kann man Papier, Karton oder Pappe Bitte prüfen Sie beim Bauen die Unterschiede der
bearbeiten (falzen, rillen, schneiden, knicken, Materialen a, b, c und wie diese sich verhalten:
verbinden)? Wo liegen die Grenzen des Wie kommen Sie zu einer sauberen Verarbeitung/
Materials? Welches ist für den Bau eines Lösung? Brauchen Sie zusätzliche Laschen, um
Würfels am besten geeignet? Das gilt es, mit die Seiten zu stecken oder zu kleben? Wie groß
dieser Aufgabe herauszufinden! müssen diese sein? Wie verhalten sich die Materi-
alien a, b, c beim Verbinden? Wie verbindet man
Aufgabenstellung: ohne Kleber, wie mit? Welcher Kleber klebt gut,
Bauen Sie insgesamt drei Würfel mit einer welcher ist nicht geeignet für a, b, c?
Kantenlänge von je 12 cm aus einem Stück ... :
Verwenden Sie zum Rillen und Falzen ein Falz-
a) ... Papier (80–100 g/m2) bein, zum Einritzen/Schneiden einen Cutter.
b) ... Karton (150–600 g/m2) Experimentieren und testen Sie.
c) ... Pappe (ab 600 g/m2)

Diese Aufgabe dient zur Einleitung in die


Thematik «Paper Engineering», das dreidimen-
sionale Arbeiten mit Papier.
Auf dieser Materialrecherche bauen die
folgenden drei → Aufgaben #25 bis #27 auf.

#24 Drei Würfel

Lernziele:
Arbeiten mit Papier, Karton,
Pappe: Materialrecherche,
Materialerfahrung sammeln

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Papier, Karton, Pappe, Falz-
bein, Cutter, unterschied-
liche Kleber

Dauer:
2 Stunden, Erkenntnisse
132 Ergebnisse werden diskutiert
In der Unterrichtsdiskussion können sich die Studierenden gegenseitig er-
klären, wie sie bestmöglich mit den Materialien gearbeitet haben. Jeder hat
in der eigenen Arbeit Erfahrungen gemacht, z. B. nicht das beste Material,
den richtigen Kleber oder eine saubere Technik gefunden, ist an der einen
oder anderen Stelle gescheitert oder hat an der einen oder anderen Stelle
das (für ihn) optimale Zusammenspiel von Material und Technik entdeckt.
Bei dieser sehr gut vergleichbaren Aufgabe können die individuellen
Erkenntnisse ausgetauscht werden und so die Studierenden voneinander
lernen und profitieren.

133
Praxis: FORMFINDUNG

Die Papierskulptur
Aufgabenstellung: Die Figur/Skulptur sollte eine Körperhöhe von
Finden Sie sich in Zweier-Teams zusammen. 30 cm nicht über- und eine Körperhöhe von
Ziehen Sie im Losverfahren einen Begriff.* 15 cm nicht unterschreiten. Sie sollte von allein,
Versuchen Sie, nur anhand der mitgebrachten d. h. ohne Hilfsmittel, die gewünschte Position
Materialien, diesen Begriff in dreidimensionaler halten (stehen, schweben, liegen, hängen usw.).
Form zu visualisieren!

diese Seite:
Gruppenarbeit zu dem
Begriff «überfordernd»

rechte Seite:
oben: «zerknittert»
unten links: «vollgestopft»,
unten rechts: «verliebt»

Gruppen-
#25 Papierskulptur aufgabe!

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
räumliche Vorstellung,
Teamwork, Präsentation

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
alte Zeitschriften, Kleber,
Draht, Gummibänder

Dauer:
60 Minuten, anschließend
Präsentation und Erraten
134 der Begriffe
*Begriffe sind z. B.:
aufsteigend, kippend, fallend,
überbordend, geschichtet, ver-
worren, verwickelt, verkantet,
geschlungen, gewebt, gewölbt,
gewickelt, verwunschen, überfor-
dernd, verliebt, verstopft, gezackt,
abgerundet, deformiert, wolkig,
vollgestopft, geringelt, eingebro-
chen, eingewickelt, verlottert,
zerrissen, verschlissen, lodernd,
flackernd, entfesselt, zerrüttet,
gepunktet, genoppt, gekräuselt,
wabernd, fröhlich, gebogen, gerillt,
geritzt, ausgehöhlt, verklemmt,
verzahnt, verwackelt, verklebt,
zerknittert, zerborsten, explodiert,
verkorkst, entglitten

In der anschließenden Präsentation der Arbeiten


werden die Begriffe der verschiedenen Gruppen
untereinander erraten.
So kann jede Gruppe testen, ob ihre Visualisierung
verständlich ist.
Anschließend wird über die Umsetzung und deren
Stärken und Schwächen konstruktiv und objektiv
diskutiert.

135
Praxis: FORMFINDUNG

Die Abwicklung eines Denken Sie mit Hilfe des Modells: Wo passt es
Buchstabens noch nicht? Welche Ecken, Kanten können
optimiert werden? Probieren Sie dies am Modell
Aufgabenstellung: aus, machen Sie ggf. mehrere Modelle.
Notieren Sie stichpunktartig fünf bis zehn persön-
liche Charaktereigenschaften. Nehmen Sie eine Erstellen Sie im dritten Schritt eine komplette und
davon und übertragen Sie diese zeichnerisch zu- präzise Abwicklung aus einem Bogen Karton in
nächst zwei-, dann dreidimensional (aus mehreren ca. 60 × 80 cm. Die gesamte Abwicklung besteht
Perspektiven) auf einen Ihrer Anfangsbuchstaben am Ende nur aus einem Stück!
(Beispiel: «das fröhliche M»). Probieren Sie aus, was
gut als Form/Körper funktioniert. Der Buchstabe sollte eine Kantenhöhe von genau
15 cm haben. Stecken oder kleben Sie die Ab-
Entwickeln Sie dann für diesen entworfenen wicklung mit Hilfe von Steck- oder Klebelaschen
Buchstaben Möglichkeiten einer Abwicklung zusammen.
(= Ermittlung des ebenen Zuschnitts eines
Körpers) aus Papier und setzen Sie diese anschlie- Arbeiten Sie sauber und genau. Vermeiden Sie
ßend modellhaft im Verhältnis 1 : 2 oder 1 : 3 zum Klebeflecken, «Löcher» oder Knicke im Karton.
Endformat von exakt 15 cm Höhe mit festem Die Aufgabe gilt als erfüllt, wenn der fertige,
Papier oder leichtem Karton um. geschlossene Buchstabe und der Rest des Papier-
bogens (Negativraum) vorliegt.

Verschiedene Stadien
eines Entwurfs: Zeich-
nungen, Vermaßungen,
Modelle und schließlich
die Reinzeichnung.
Die Eigenschaft war hier:
«um die Ecke denkend».

#26 Abwicklung

Lernziele:
Konstruktionskompetenz,
Geometrie, Abwicklung

Schwierigkeitsgrad:
mittel bis anspruchsvoll

Materialliste:
Bleistift, Papier, Geodreieck,
Zirkel, Kleber, Karton,
Cutter, Lineal, Computer

Dauer:
3–4 Stunden Entwurf, rechts: Alle Stadien eines Buchstabens «M»,
Modell, 4–6 Stunden Rein- die Eigenschaft war hier: «dynamisch».
136 zeichnung
137
Praxis: FORMFINDUNG
Varianten: arbeiten und den Druck die Form des Buchstabens
Statt Buchstaben können Sie auch andere Objekte oder Körpers bestimmen lassen. (Kanten, Rundun-
geometrisieren und abwickeln, da sind der Fanta- gen, Muster im Druck aufnehmen und an diesen
sie keine Grenzen gesetzt: Obst, Gemüse, mensch- Stellen falzen, abrunden etc.)
liche Figuren, Tiere, Fahr- und Flugzeuge, indust-
rielle Objekte usw. Oder Sie arbeiten mit unbedrucktem weißem
oder einfarbigem Karton. Alternativ gestalten
Neben dem Sujet können Sie außerdem das Mate- Sie die Buchstaben hinterher farbig, indem Sie sie
rial variieren: Wie anhand des Bildes → Seite 137 anmalen.
zu sehen, können Sie mit bedrucktem Karton

138
Die Aufgabe ist anspruchsvoll, weil sie Präzision vom Gestalter verlangt: Hier
kommt es auf den Millimeter an! Wer ungenau misst oder arbeitet, bei dem
schließt die Form am Ende nicht exakt oder es fehlt gar «Fleisch» (= Karton).
Jeder grobe Fehler bedeutet: Sie müssen von vorn beginnen. Das kann sehr
frustrierend sein. Ebenso frustrierend ist es, wenn der Kleber nicht hält oder
die Steck- oder Klebelaschen nicht genau passen. Probieren Sie beides vorher
an einem Modell aus! Versuchen Sie, als Letztes die Laufrichtung des Kartons
zu bedenken: In der Richtung, in die der Karton sich besser biegen lässt, liegt
die Laufrichtung. Legen Sie die Höhe (15 cm) des Buchstabens in Richtung der
Laufrichtung, dann wird sich das Material weniger sträuben.

139
Praxis: FORMFINDUNG

Das Pop-up Format: Klappkarte, im geschlossenen Zustand


DIN A4, Hoch- oder Querformat
Aufgabenstellung:
Wählen Sie ein klassisches Märchen aus. Setzen Visualisierung: Sie können zeichnen, fotografie-
Sie dessen Kernaspekte/Quintessenz visuell in ren, collagieren etc. Das Aufklappen kann als ein
einer Pop-up-Karte um. Sie können sich auf Pop-up-Mechanismus gezählt werden, ein zweiter
einzelne Passagen beziehen, sich selbst in das muss mindestens hinzukommen (ziehen, drehen,
Märchen einbauen, eine abstrakte Visualisie- schieben, aufklappen).
rung wählen, welche die Situation emotional Versuchen Sie, die Verwendung von Text/Schrift
beschreibt etc. zu vermeiden.

Hier ist das Märchen Rotkäppchen


dargestellt. Das Pop-up zeigt
genau den Moment, in dem der Wolf
die Großmutter verschlingt.

#27 Pop-up

Lernziele:
Visualisierung eines
Themas, Pop-up-Mecha-
nismen lernen (Paper
Engineering), Präzision

Schwierigkeitsgrad:
mittel bis anspruchsvoll

Materialliste:
divers, vor allem Papier,
Schere, Stifte, Kleber

Dauer:
1–2 Tage, je nach Umsetzung
140
Hier ist das Märchen Das kalte Herz dargestellt. Das Pop-up zeigt durch einen Klappmechanismus
die Verwandlung des Herzens in einen kalten Stein.
141
Praxis: FORMFINDUNG
Die Pop-up-Aufgabe bietet sich an, in anderen Va-
rianten umgesetzt zu werden. Statt des Märchen-
inhalts können andere Themen einfließen, z. B.:
Die Bilder auf dieser Doppelseite zeigen
– ein prägendes Ereignis in meinem Leben die Aufgabenstellung «Mein erstes
– Zukunft: Mein Leben in fünf Jahren Semester im Kommunikationsdesign».
– Vergangenheit: Mein letztes halbes Jahr
– mein erstes Semester
– Visualisierung von Prosa / Lyrik (nach
Möglichkeit, ohne den Text abzubilden)
– freies Thema

142
Die Aufgabenstellung
eignet sich sehr gut, um das
konzeptionelle Arbeiten zu üben.
Ohne eine genaue Vorstellung, was
man wie visualisieren möchte und welche
Elemente davon sich wiederum bewegen können,
ist es schwer, die Aufgabe umzusetzen.
Hier ist genaue Planung und anschließend
eine saubere Umsetzung gefragt.

143
Praxis: FORMFINDUNG

Materialrecherche: Verbindungen Sie können kleben, schrauben, klammern, nieten,


nähen, binden, leimen usw.
Aufgabenstellung: Am Ende ergeben sich zwei Leporelli aus je fünf
Bitte verbinden Sie je fünf Graupappen (1,5 mm Graupappen.
dick, 12 × 12 cm) zu zwei Reihen anhand klassi- Herauszufinden gilt: Welche Materialien können
scher, neuartiger, fester, lösbarer, beweglicher, zusammen mit den Graupappen welche Art von
materialgerechter Verbindungen. Verbindungen eingehen? Was können Sie daraus
Verwenden Sie unterschiedliche und ggf. auch für Schlussfolgerungen ziehen?
ungewöhnliche Materialien: Scharniere, Holz, Diese Aufgabe ist eine Vorübung zu den nächsten
Kunststoff, Metall, Textil, Papier usw. beiden → Aufgaben #29 und #30.

#28 Verbindungen
Von konventionell und naheliegend bis extrem um die Ecke ge-
Lernziele: dacht, kann fast alles als Verbindung genutzt werden, was
Fundus an Materialverbin- man sich vorstellen kann (oder gerade greifbar ist). Auch das
dungen, Experimentieren,
ist kreatives Denken und Arbeiten: Materialien zu kombinieren,
try and error
die nicht auf den ersten Blick zusammenpassen.
Schwierigkeitsgrad:
leicht Vorab kann man in einem Gruppen-Brainstorming Begriffe
finden, die Verbindungen beschreiben. Diese können
Materialliste:
sortiert und kategorisiert werden. Nach dieser Denkarbeit startet
Pappe und diverse
Materialien (keine Ein- man am besten gleich mit der praktischen Arbeit.
schränkungen)

Dauer:
3 Stunden, Erkenntnisse/
144 Ergebnisse werden diskutiert
145
Praxis: FORMFINDUNG

Die Stuhlhusse als Hommage Mögliche Vorgehensweise: Recherchieren Sie zu


Ihrer Persönlichkeit und analysieren Sie diese.
Aufgabenstellung: Welchen Wiedererkennungswert hat diese
Ziehen Sie per Losverfahren im Zweier-Team eine Person und deren Arbeit/Werk und warum?
Persönlichkeit aus den Bereichen Politik, Archi- Was macht die gewählte Persönlichkeit aus? Wie
tektur, Mode, Design, Gestaltung, Freie Kunst oder arbeitet sie, was hat sie für einen Ruf/eine Aura/
Regie* → Seite 150. ein Credo/einen Stil und wie kann man diesen in
die Husse überführen?
Gestalten Sie zu zweit eine Husse (= abnehmbarer
Überzug/Ummantelung/Hülle) für einen belie- Kristallisieren Sie fünf bis zehn Begriffe heraus,
bigen Stuhl mit vier Beinen (kein Bürostuhl, kein die das Werk Ihrer Person inhaltlich und formal
Sessel) als Hommage an ihre gezogene Person. Ziel beschreiben. Entwickeln Sie daraus einen Gestal-
ist es, ein dreidimensionales Objekt zu entwerfen, tungsansatz für Ihre Stuhlhusse.
das sowohl funktional als auch formal von der ge-
wählten Persönlichkeit und Ihren eigenen Ideen Verwenden Sie mindestens drei verschiedene
im Team stimmig beeinflusst ist. Der Stuhl darf Materialien (z. B. Stoff/Textil, Papier, Wachs, Holz,
nicht beschädigt werden. Metall), die Sie mit mindestens zwei unterschiedli-
chen Verbindungen (z. B. Klettverschluss, Nähen,
Kleben) zusammenfügen. → Aufgabe #28.

Studierende des ersten Semesters


Nebenfach Kommunikationsdesign
präsentieren ihre
Johnny Cash-Stuhlhusse

Gruppen-
#29 Husse aufgabe!

Lernziele:
Aneignung eines fremden
Gestaltungsgedankens,
Recherche, Teamwork

Schwierigkeitsgrad:
anspruchsvoll

Materialliste: rechte Seite:


diverse Materialien, frei, oben: Hommage an Patricia Urquiola (Produktdesignerin)
ein Stuhl
Mitte v. l. n. r.: Hommagen an Philippe Starck (Produktdesigner),

Dauer: Zaha Hadid (Architektin) und Dieter Rams (Produktdesigner)


kleines Projekt, ca. 10–40 unten: Hommage an Konstantin Grcic (Produktdesigner)
Stunden, anschließend
146 Präsentation
147
Praxis: FORMFINDUNG

Das Fullbodypack als Hommage Stil und wie kann man diesen in die Körper-
verpackung überführen?
Diese Aufgabe ist eine Variante der → Aufgabe
#29. Bei beiden geht es um das Kennenlernen, Kristallisieren Sie fünf bis zehn Begriffe heraus,
Aneignen und Interpretieren eines fremden die das Werk Ihrer Person inhaltlich und formal
Gestaltungsgedankens im Hinblick auf einen beschreiben. Entwickeln Sie daraus einen Gestal-
dreidimensionalen Entwurf, der mit tungsansatz für Ihren Fullbodypack.
dem Sujet «Verhüllung/Verpackung» spielt.
Verwenden Sie mindestens drei verschiedene
Aufgabenstellung: Materialien (z. B. Stoff/Textil, Papier, Wachs, Holz,
Gestalten Sie im Zweier- oder Dreier-Team eine Metall), die Sie mit mindestens zwei unterschiedli-
Verpackung für einen menschlichen Körper chen Verbindungen (z. B. Klettverschluss, Nähen,
(Fantasiewort: Fullbodypack) als Hommage an Kleben) zusammenfügen. → Aufgabe #28.
eine Persönlichkeit aus den Bereichen Politik,
Architektur, Mode, Design, Gestaltung, Freie Ablauf des Projekts:
Kunst oder Regie. Die gewünschte Persönlichkeit 1) Termin: Vorstellung der Persönlichkeit mit
können Sie aus einer öffentlichen Liste* → Seite einem Kurzvortrag (5 Minuten). Dazu: kurze Vor-
150 auswählen. stellung Ihres Vorhabens (s. o. Gestaltungsansatz,
Begriffe herauskristallisieren).
Mögliche Vorgehensweise: Recherchieren Sie zu Erste Skizzen, ein Vormodell in 1 : 4, Materialien-
Ihrer Persönlichkeit und analysieren Sie diese. auswahl werden im Plenum präsentiert.
Welchen Wiedererkennungswert hat diese 2) Termin: Konkretisierung im Plenum,
Person und deren Arbeit/Werk und warum? Was Vormodell, letzter Schliff
macht die gewählte Persönlichkeit aus? Was ist 3) Termin: Präsentation (10 Minuten) vor Publi-
Ihr Alleinstellungsmerkmal? Wie arbeitet sie, was kum (andere Studierende, Lehrende/Jury)
hat sie für einen Ruf/eine Aura/ein Credo/einen

Gruppen-
#30 Fullbodypack aufgabe!

Lernziele:
Aneignung eines fremden
Gestaltungsgedankens, rechte Seite:
Recherche, Teamwork oben v. l. n. r.: Hommage an Tim Burton (Regisseur),
Jim Henson (Puppenbauer und -spieler, Regisseur, Erfinder
Schwierigkeitsgrad:
der Muppet Show) und Issey Miyake (Modeschöpfer)
anspruchsvoll
unten v. l. n. r.: Hommage an Stefan Sagmeister (Gestalter,
Materialliste: Grafikdesigner), David Lynch (Regisseur, Maler) und
diverse Materialien, frei Alfred Hitchcock (Regisseur)

Dauer:
kleines Projekt, ca. 10–40
Stunden, mit anschließender
Präsentation
148
149
Praxis: FORMFINDUNG
*Liste von möglichen Persönlichkeiten:
John Maeda (Grafiker), Niklaus Troxler (Pla-
katkünstler), Jan Tschichold (Typograf), Tim
Burton (Puppentrickfilmer, Regisseur, Zeich-
ner, Autor), David Lynch (freier Künstler,
Regisseur), Alfred Hitchcock (Regisseur),
Philippe Starck (Designer), Patricia Urquiola
(Designerin), Vivienne Westwood (Mode-
schöpferin), Alvar Aalto (Architekt), Marcel
Duchamp (Künstler), Niki de Saint Phalle
(Künstlerin), Mahatma Gandhi (Politiker), Hella
Jongerius (Designerin), Jim Henson (Puppen-
bauer & -spieler, Regisseur), Angela Merkel
(Politikerin), Barack Obama (Politiker), Dieter
Rams (Designer), Charles Chaplin (Schauspieler,
Regisseur), Johnny Cash (Musiker), Lady Gaga Die Beschreibung «Körperverpackung» kann auch
(Musikerin), Zaha Hadid (Architektin), Ott und weit(er) gefasst und interpretiert werden. Hier sieht
Stein (Designer), Jane Austen (Schriftstellerin) man ein Modell eines hängenden Babybettchens,
Stefan Sagmeister (Designer), Issey Miyake diesmal ohne Bezug zu einer Persönlichkeit (noch eine
(Modeschöpfer) Variante der Aufgabenstellung). Die Form erinnert
bewusst an ein Ei. Doch auch Assoziationen zum
Mutterleib (Gebärmutter) sind möglich, denn es soll
Geborgenheit vermittelt werden.

Hommage an den Filme-


macher Stanley Kubrick,
Vorbild war der Monolith
aus 2001 – Odyssee im
Weltraum, hier in einer
begehbaren Version. Die Full-
bodypack-Erfahrung sieht
wie folgt aus: Man bekommt
Musik aus dem Film auf’s
Ohr, schließt die Türen hinter
sich und erkundet die Wände
in absoluter Dunkelheit mit
einer Taschenlampe. Ein sinn-
liches Erleben von Kubricks
Film(en) ist garantiert.

150
Entwurf eines Ganzkörper-Schutzanzugs für Menschen in einer dystopischen, zukünftigen Welt.
Dieser schützt vor äußeren Umwelteinflüssen und hilft zu überleben.
Auch hier die Aufgabenvariante ohne Persönlichkeit/Hommage.

Eine Urne ist ebenso eine «Körperverpackung», wenn sie auch nur postum Verwendung findet.
Diese hier besteht aus einer Innenurne aus Holz als Behälter für die Asche und aus einer Außen-
urne als Schutz und zum Schmuck. Dieser Entwurf ist eine Hommage an den Architekten und
Designer Alvar Aalto.
151
152
B e g r e i fe n , a nw e n d e n , ko m b i n i e re n

2
. 153
FARBE & BILD
Dieses Kapitel beschäftigt sich einerseits the- Wie werden farbige Bilder erschaffen? Worauf
oretisch → #6 Grundlegendes zur Farbe und muss oder kann man dabei achten? Wann
andererseits praktisch → Seite 166 ff. mit dem ist überhaupt Farbe notwendig und wann ent-
Thema «Farbe», ihrem bewussten Einsatz, ihrer behrlich? Wie kombiniere ich verschiedene
bewussten und unbewussten Wahrnehmung in Farben miteinander und was hat das für (Aus-)
Gestaltungen und Bildern. Wirkungen auf den Betrachter? Welche

154
Farbtheorie-Modelle gibt es und wie mischt man ein Bild alles erzählen bzw. leisten können, wenn
diese selbst an? → Aufgabe #31 Welche Farb- kein Text zur Verfügung steht? → Aufgabe #34
kontraste gibt es und wie kann man sie gezielt Dieses Kapitel leitet außerdem in die Thematik
einsetzen? → Aufgaben #32 und #33 über, wie schließlich alle einzelnen Elemente –
Farbe, Bild, Text – miteinander kombiniert wer-
Des Weiteren beschäftigt sich dieses Kapitel mit den können. → TEXT & BILD, Seite 222 ff.
dem Bild: Wie viele Bilder lassen sich aus einer
Bildidee generieren? → Aufgabe #33 Was muss

155
# 6 G r u n d l e g e n d e s z u r Fa r b e

Farbwahrnehmung Ein durchschnittlicher Betrachter kann zwi-


schen 100.000 und 1.000.000 Farbnuancen
Farben spielen in unserer Wahrnehmung eine unterscheiden. (...) Unterhalb von 380 nm
große Rolle. Wir nehmen Farben beispielsweise befindet sich die ultraviolette Strahlung
schneller wahr als Formen, Inhalte oder Schrift, (UV-Strahlung), oberhalb von 780 nm die Infra-
denn ein Großteil unserer Umwelteindrücke sind rotstrahlung (IR-Strahlung), die der Mensch
Farbeindrücke. als Wärmestrahlung wahrnehmen kann. Kurze
«Farben sehen» ist eine rein optische Sinnes- Wellen sind beispielsweise Röntgen- oder
wahrnehmung des Menschen. Wir sehen Farben Gammastrahlen. (...)».33
aufgrund unserer physischen Beschaffenheit,
aufgrund unseres «Sehapparates», dem Auge. Auf unserer Netzhaut befinden sich lichtemp-
→ Seite 98 f. findliche Sinneszellen: Man unterscheidet hier
Jedes Objekt besteht, physikalisch betrachtet, aus Zapfen und Stäbchen. Diese sind unterschiedlich
farblosem Material, welches je nach Oberfläche empfindlich für das elektromagnetische Spek-
Lichtstrahlen absorbiert oder reflektiert (oder das trum des Lichts. Die Stäbchen helfen beim Sehen
Objekt ist selbst die direkte Lichtquelle). in der Dämmerung, da man mit ihnen hell und

Höhen- Gamma- Röntgen- Sichtbares Licht Radarstrahlung Wechselströme


strahlung strahlung strahlung (380 nm bis 780 nm) (1 mm) (1 Mm)
(1 fm) (1 pm) (1 pm)

Wellenlängen
Ultraviolett Die Einheit ist «Meter» mit verschiedenen dezimalen Vielfachen: Infrarot
fm (Femtometer), pm (Pikometer), nm (Nanometer), mm (Millimeter), Mm (Myriameter)

Abb. 169

Alle Bilder, die wir wahrnehmen, bestehen also dunkel unterscheiden kann. Die Zapfen dagegen
aus direktem oder reflektiertem Licht, das vom sind für die Farbenunterscheidung zuständig und
Auge aufgenommen wird. Ohne Licht kein Farb- arbeiten bei Tageslicht. Sie können Rot, Grün und
sehen. Das Licht selbst ist farblos und besteht aus Blau unterscheiden. Wir nehmen (unterschied-
elektromagnetischen Wellen in unterschiedli- liche) Farben war, wenn nicht alle drei Zapfen
chen Wellenlängen = elektromagnetisches Spek- den gleichen Lichtreiz empfangen. Mischfarben
trum (Abb. 169).32 Das menschliche Auge kann entstehen, wenn mindestens zwei Zapfen gereizt
aber nur einen eingeschränkten Teil der elektro- werden. Wenn beispielsweise alle drei Farben
magnetischen Wellen wahrnehmen, da seine zu gleichen Anteilen als Lichtstrahlen auf die
Empfindlichkeit nicht für alle Wellen ausreicht. Netzhaut treffen, dann nehmen wir ein grau bis
Diesen Teil nennt man auch Gesichtssinnbereich. weißes Bild wahr. → additive Farbmischung,
«(...) Das Auge kann Wellenlängen von unge- Seite 157
fähr 400 bis etwa 700 Nanometer wahrnehmen.

156
«Farbe ist Licht, benötigt Substanz, folgt der Physik des Auges, interpretiert sich erfahrungs-
Unsere Farbempfindung richtet sich also nach übereinander projiziert sind, ergibt das zusammen
der für uns sichtbaren elektromagnetischen Wel- Weiß. Fehlen alle drei Farben, gibt es kein Licht,
lenlänge des Lichts und der Intensität, in der sie und man erhält Schwarz. Durch das Mischen von
auf das Auge trifft. Betrachtet man ein Objekt mit jeweils zwei Farben ergeben sich die Sekundär-
farbiger Oberfläche, kann sich je nach Lichteinfall farben: Grün und Blau ergeben Cyan (C), Rot und
und Intensität dessen Farbigkeit stark ändern. Blau ergeben Magenta (M), Rot und Grün ergeben
«Farben sehen» ist außerdem subjektiv. Gelb/Yellow (Y). Die drei Sekundärfarben der
additiven Farbmischung ergeben ihrerseits die
Primärfarben für die subtraktive Farbmischung.
Farbmischung / Farbysteme
Lichtfarben können außerdem noch verschie-
Farben werden in achromatische und chroma- dene Lichttemperaturen besitzen. Diese werden
tische Farben unterteilt. Achromatische, also in Kelvin angegeben: Warmes Licht hat 3500 K,
unbunte Farben sind z. B. Schwarz, Weiß und Tageslicht 5500 K und kaltes Licht 6500 K.
Grau, chromatische, also bunte Farben sind z. B. Das additive Farbsystem findet überall dort
Rot, Gelb und Grün. Einsatz, wo Farben mit Hilfe von Licht dargestellt

gemäß individuell.» 34 Raymond Walden


Abb. 170 Abb. 171

Man unterscheidet des Weiteren bei der Entste- und als RGB-Modell definiert werden, z. B. bei
hung von Farbtönen (Farbton, Sättigung, Hellig- allen leuchtenden Farbdisplays, Bildschirmen,
keit) zwei Mischungsarten: die additive und die Digitalkameras und Projektoren. Im RGB-Modell
subtraktive Farbmischung. werden die drei Farben in jeweils 255 Anteile
aufgeteilt. Multipliziert man diese Anteile mit-
Die additive Farbmischung (Abb. 170) beschreibt einander, lassen sich 16 Millionen unterschied-
das Verhalten von Lichtfarben. Die Primärfarben liche Farben darstellen.
Rot, Grün und Blau (RGB) ergeben in unterschied-
lichen Anteilen/Mischungen alle anderen, mögli- Die subtraktive Farbmischung (Abb. 171)
chen Farben. Visuell kann man sich die Mischung beschreibt das Verhalten von sogenannten Kör-
wie eine Lichtprojektion von verschiedenen perfarben. Im Gegensatz zum additiven System
Lichtmengen übereinander vorstellen. Wenn werden hier die Farben betrachtet, die sich auf
alle drei additiven Farben zu gleichen Teilen Körper- oder Objektoberflächen befinden und

157
# 6 G r u n d l e g e n d e s z u r Fa r b e

das Licht, das auf sie trifft, reflektieren oder Farbordnungen / Farbtheorien
absorbieren. Ein Körper, der kein Licht reflek-
tiert, erscheint dabei als Schwarz und einer, der Der Mensch kennt ca. 16 Millionen Farben. Um
alle sichtbaren Lichtwellen zu gleichen Teilen diese zu ordnen, benötigt man ein Farbsystem
reflektiert, als Grau oder Weiß. Die Primärfarben oder auch mehrere Farbsysteme. Viele bedeu-
der subtraktiven Farbmischung sind, wie bereits tende Wissenschaftler und Gelehrte haben sich
erwähnt: Cyan (C), Magenta (M) und Gelb (Y). mit der Ordnung der Farben beschäftigt und
Visuell kann man sich deren Mischung wie einen unabhängig voneinander oder aufeinander
Farbdruck auf Papier vorstellen, bei dem sich alle aufbauend über 100 verschiedene Farbordnungs-
Farben überdecken bzw. alle Farben überdru- systeme erdacht. Aristoteles entwarf mit einer
cken. So ergeben sich folgende Sekundärfarben: eindimensionalen Farbreihe das wahrscheinlich
Cyan und Magenta ergeben Blau (B), Magenta und erste Farbsystem, Isaac Newton entwickelte
Gelb ergeben Rot (R) und Cyan und Gelb ergeben 1704 den Farbkreis (Abb. 172), nachdem er durch
zusammen Grün (G). Alle drei Farben zu gleichen ein Prisma geschaut und sieben verschiedene Far-
Teilen gemischt, ergeben ein dunkles Graubraun. ben erkennen konnte. Viele weitere folg(t)en.
Das subtraktive Farbsystem wird zum Beispiel Alle diese Systeme versuchen, die existierenden
für den Offset- oder Digitaldruck verwendet, hier Farben in Beziehungen miteinander zu setzen.
werden die Daten im Farbmodus CMYK bereit- Sie visualisieren die Beziehungen zwischen den
gestellt. Zu den Primärfarben CMY wird Schwarz verschiedenen Farbtönen, sie zeigen Gegensatz-
(K) hinzugegeben, da es Tiefe und Kontrast bringt paare und sie stellen durch Ausmischungen mit
und daher für das Druckergebnis notwendig ist. Schwarz und Weiß die verschiedenen Farbab-
Das Weiß des Papiers spielt dabei farbgebend stufungen (Helligkeit und Sättigung) dar. Farbord-
ebenso wie die Druckfarben mit in das Druck- nungssysteme können als Farbreihen, Farbkreise,
ergebnis ein. Farbskalen, Farbregister, Farbtonkarten usw.
visualisiert werden.

Abb. 172 Abb. 173

158
Eine der bekanntesten Farbsysteme ist sicherlich ab den 1970er-Jahren. Küppers geht hier vom
der zwölfteilige Farbkreis (Abb. 174) von Johan- menschlichen Sehorgan und von den bestehen-
nes Itten.35 Dieser, abgeleitet von der Farbtheorie den Farbmischgesetzen aus, beides kombinierte
(Abb. 173) und den Forschungen des Dichters und er neu in seinem Basisschema der Farbenlehre
36
Naturforschers Johann Wolfgang von Goethe , (Abb. 175). Küppers behauptet, die Basisempfin-
ging von den drei Primärfarben Rot, Gelb und dung des Sehorgans sei Schwarz. Die schwarzen
37
Blau aus, die sich in der Mitte des Farbkreises Elemente in der Mitte des Schemas zeigen mit
befinden und die durch Mischen die Sekundär- ihren Spitzen auf drei Farben, die Küppers als
farben Grün, Orange und Violett ergeben, die an Urfarben bezeichnet: Orangerot (R), Grün (G)
die Grundfarben außen anschließen. Aus ihnen und Violettblau (B). Wirken je zwei Urfarben
wiederum mischt sich der äußerste Kreis zu den zusammen, mischen sich Gelb (Y), Magentarot (M)
Tertiärfarben Gelborange, Orangerot, Rotviolett, und Cyanblau (C). Mischen sich alle drei Urfarben
Blauviolett, Grünblau, Grüngelb. gleichzeitig und zu gleichen Teilen, entsteht Weiß,
Ebenso in diesem Farbkreis zu finden sind die gekennzeichnet durch die weißen Elemente in der
Komplementärfarben, die sich im Farbkreis direkt Mitte des Schemas. Diese Beschreibung deckt sich
gegenüberliegen und, laut Itten, zusammen als mit der additiven Farbmischung, die Küppers für
Farbpaar in einem Bild/einer Komposition die die Mischung von Lichtfarben (z. B. Projektion,
größtmögliche Harmonie (lat. complementum: TV, LED-Displays) formuliert.
«Ergänzung») ergeben. Komplementärfarben im Die subtraktive Farbmischung beschreibt auch
Itten-Farbkreis sind: Rot – Grün, Blau – Orange, bei Küppers die Mischung von transparenten
Gelb – Violett. Jedes Komplementärkontrast-Paar Farbschichten, die als Farbfilter wirken (z. B. Foto-
mischt sich zu Grau. Die beiden Farben des Kont- grafie, Vierfarbendruck, Aquarellmalerei). Hier
rastes bestärken sich jeweils in ihrer Leuchtkraft. ist die Basisfarbe Weiß (z. B. Papieroberfläche,
Leuchttisch), die im Schema auf die Primärfarben
Eine weitere Farbtheorie, die international YMC zeigen. Durch absorbierende Farbmischung
anerkannt ist, entwickelte der Ingenieur, Druck- entstehen die Sekundärfarben RGB. Mischen
38
techniker und Forscher Harald Küppers sich alle drei Sekundärfarben gleichzeitig und zu

Abb. 174 Abb. 175

159
# 6 G r u n d l e g e n d e s z u r Fa r b e

gleichen Teilen, entsteht Schwarz, gekennzeich- finiert, dazu Farbkataloge entwickelt, die Farben
net durch die schwarzen Elemente in der Mitte nummeriert und sortiert, um den Geschäfts-
des Schemas. verkehr (zwischen Herstellern und Anwendern,
Die integrierte Farbmischung bei Küppers be- Auftraggebern und -nehmern) zu vereinfachen.
schreibt die Farbmischung von deckenden Über ein verbindliches Farbkatalogsystem kann
Farbmitteln (z. B. Tempera, Gouache, Ölmalfarbe, man sich über die zu verwendenden Farben, z. B.
Lack). Als Primärfarben werden hier definiert: für Druck- oder Industrieprodukte, verständigen
Die bunten Farben RGBYMC und die zwei un- und sich ohne Missverständnisse auf verbindliche
bunten Farben Schwarz und Weiß, diese sieht Farbtöne einigen. Beispiele für diese Hersteller
man im Schema an den Enden der Unbuntarten- sind: RAL, Pantone, HKS oder das Natural Color
Gerade. Die Sekundärfarben sind hier die Grau- System. Farben und Farbräume werden zur Defi-
stufen (Unbuntarten), die sich aus der Mischung nition und Einordnung auch durch DIN-Normen
aus Schwarz und Weiß ergeben. Tertiärfarben bestimmt oder durch Unternehmen klassifiziert:
sind in der integrierten Farbmischung diejenigen, So wurde das CIE-System und das dazugehörige
die aus drei Grundfarben gemischt werden kön- CIE-L*a*b*-Farbmodell im Jahr 1931 von der inter-
nen (unreine Farben). nationalen Beleuchtungskommission (CIE = Com-
mission internationale de l’éclairage) festgelegt.
Allein diese Beispiele verdeutlichen die unter- Es erfasst die Gesamtheit aller wahrnehmbaren
schiedlichen Theorien der Farbmischung und der Farben und ist geräteunabhängig, weshalb es sich
Einordnung der Farben in ein System. Wer noch als Referenz-Farbmodell durchgesetzt hat.
tiefer in die Materie der Farblehren eintauchen Aber auch Firmen wie Adobe Systems haben
möchte, findet eine Vielzahl von Spezialbüchern. eigene Farbwelten definiert. Wie z. B. das Adobe
→ Seite 165 und Weiterlesen-Tipps, Seite 276 RGB-Modell, das 1998 bestimmt wurde. Farben an
Bildschirmen und für Web-Gestaltungen werden
Eine weitere Möglichkeit, Farben zu ordnen, ist durch Hexadezimalzahlen definiert. Verwendung
zu versuchen, sie systematisch zu katalogisieren. finden die Zahlen 0 bis 9 und die Buchstaben A
Verschiedene Hersteller haben dafür Farben de- bis F, die Farbkennzahl ist dabei immer sechs-

Abb. 176 Abb. 178

Abb. 177 Abb. 179

160
stellig (z. B. #FFFFFF für Weiß und #000000 für Schwarz und Weiß, aber es sind auch alle
Schwarz). Der Code bezieht sich auf die Farbmi- anderen Graustufen- und Buntfarben-Kombi-
schung im RGB-Modell. → Seite 157 Die sechs nationen denkbar.
Stellen definieren sich über zwei Stellen für Rot,
zwei für Grün und die zwei letzten beiden Stellen Der Kalt-Warm-Kontrast (Abb. 178) liegt vor,
für Blau: #RRGGBB. So können 16 Millionen Far- wenn kalte Farben (z. B. Blau) auf warme Farben
ben dargestellt werden. (z. B. Rot) treffen. Der Kalt-Warm-Kontrast lässt
sich gut mit räumlicher Wirkung in der Farbper-
spektive einsetzen. → Farbwirkung, Seite 162
Farbkontraste
Ein Farbkontrast liegt vor, wenn man zwischen Der Qualitätskontrast (Abb. 179) bezeichnet das
zwei nebeneinanderliegenden Farben einen deut- Aufeinandertreffen von reinen/bunten, gesättig-
lichen Unterschied ausmachen kann. ten (leuchtenden) Farben zu unreinen/unbunten,
stumpfen (getrübten, gebrochenen) Farben.
Auch hier hat Johannes Itten die Farbtheorie Man erreicht damit eine noch stärkere Leucht-
mitgeprägt. Er definierte sieben verschiedene wirkung bei den gesättigten Farben.
Farbkontraste:
Der Farbe-an-sich-Kontrast (Abb. 176), auch Beim Quantitätskontrast (Abb. 180) geht es um
Buntkontrast genannt, liegt vor, wenn zwei die Gegensätze «viel – wenig» und «groß – klein»
unterschiedliche Farben aufeinandertreffen. in Beziehung auf die kontrastierenden Farb-
Die Grundfarben Rot, Gelb und Blau bilden den flächen. Leuchtkraft und Flächengröße bestimmen
stärksten Kontrast. Varianten ergeben sich die unterschiedlichen Wirkungen der Farben.
durch unterschiedliche Mengenverhältnisse,
Hinzufügen von Schwarz und Weiß etc. Der Komplementärkontrast (Abb. 181) wird hier
Der Hell-Dunkel-Kontrast (Abb. 177) entsteht, erklärt. → Seite 159
wenn zwei Farben nicht dieselbe Helligkeit Interessant: Durch den Simultaneffekt oder auch
besitzen. Den größten Kontrast gibt es bei Sukzessivkontrast fordert unser Auge zu einer

Abb. 181

Abb. 180

161
# 6 G r u n d l e g e n d e s z u r Fa r b e

betrachteten Farbe die komplementäre Farb- Farbwirkungen


ergänzung. Es entsteht ein nicht real existentes
aber wahrnehmbares Nachbild, das man vor Die physische Wirkung von Farben, also alle
allem sehen kann, wenn man lange auf eine direkten Reaktionen des Körpers, und die psychi-
reine Farbfläche geschaut hat und dann die sche Wirkung von Farben, also die Reaktionen
Augen schließt oder auf eine helle Fläche blickt. des Geistes/des Unbewussten (Psyche), sind
wissenschaftlich erforscht und nachgewiesen.
Beim Simultankontrast (Abb. 182) wird die Die Ergebnisse dieser Forschung sind, wie auch
Wahrnehmung eines Farbtons durch einen um- die Farblehre selbst, sehr umfangreich.
gebenden oder danebenliegenden Farbton In der Farbpsychologie gibt es viele farbsymboli-
beeinflusst. Zum Beispiel wirkt eine Farbe auf sche Interpretationen zu den einzelnen Farben.
schwarzem Hintergrund heller als auf einem Was empfinden wir beim Betrachten der Farben?
weißen. Dort wird dieselbe Farbe dunkler wahr- Ist das abhängig von unserem Kulturkreis, der
genommen. Die Leuchtkraft der Farben hängt Sozialisation, den Erfahrungen, die wir als Indivi-
also auch vom Unter-/Hintergrund bzw. von sei- duum machen, von persönlichen Vorlieben? Diese
ner Umgebung ab. In dem Gebiet der optischen Fragen können mit «ja» beantwortet werden.
Täuschung wird dieses Phänomen als Bezold- Allgemein lässt sich außerdem sagen, dass, je
Effekt beschrieben.39 → Abb. 53 & 54, Seite 27 reiner und gesättigter eine Farbe ist, sie umso
intensiver wahrgenommen und empfunden wird.
Wenn man sich mit Farbkontrasten auseinan-
dersetzt, beschäftigt man sich gleichzeitig mit Des Weiteren können Farben geschlechtsspezi-
den Farbharmonien: Farbharmonien meint fisch und kulturell codiert sein: Schwarz und
Eigenschaften, welche die zu vergleichenden kalte Farben wirken eher männlich, Pastelltöne
Farben gemeinsam haben: Dies sind laut eher weiblich.
Dario Zuffo: Die Gegensätze, die Helligkeit, die Man kann Farben affektive Eigenschaften zu-
Trübung, die Farbtönung und die Gleichabstän- weisen. Das sind Eigenschaften, die mit Gefühlen
40
digkeit. oder Stimmungen verknüpft sind. So können Far-
ben psychisch auf den Menschen entspannend,

Abb. 182 Abb. 183

162
«Die Erfahrung lehrt uns, daß die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben.» 41
Johann Wolfgang von Goethe
beruhigend wirken und andere lassen ihn aktiv Empfindlichkeit, die Abscheu und das menschli-
oder aggressiv werden. Farben können, wenn che Wolhlbefinden beim Betrachten von farbigen
man damit die Wände eines Raumes streicht, Räumlichkeiten kategorisieren. Sie lassen sich
diesen wärmer oder kälter wirken lassen oder unter den folgenden Begriffen einsortieren:
Räume in ihrer Wirkung verändern, d. h. diese Farbensinn, Farbenscheu, Farbendynamik.
größer, kleiner, schmaler, breiter, länger, kürzer,
höher oder niedriger erscheinen lassen (Abb. 183). Farben haben symbolischen Charakter und man
kann ihnen bestimmte Eigenschaften zuweisen.
Farben werden von unserem Auge unterschied- In unserer westlichen Gesellschaft lassen sich vor
lich weit entfernt wahrgenommen. Die Wirkung allem die Primär- und Sekundärfarben sowie die
ist dabei bei Flächen, Körpern oder Räumen unbunten Farben einer eindeutigen Symbolik
immer identisch. Rote Töne wirken näher, blaue zuordnen:
Töne weiter entfernt. Dies geht wahrscheinlich Gelb ist die hellste Farbe und steht für: Sonne,
darauf zurück, dass uns weiter entfernte Land- Licht, Aktivität, Reife, Wärme, Klarheit, Planung,
schaften bläulich erscheinen (Abb. 184). Ein wei- Gesetz, Optimismus, Empfindsamkeit, Luxus,
terer Erklärungsversuch für diese Empfindung ist Lebendigkeit, Veränderung, Extrovertiertheit,
das Blau des Himmels. Man spricht hier auch von Frische, Heiterkeit. Ihre negativen Eigenschaften
Nah-Fern-Kontrast der Farben (Abb. 185). Die sind: Giftigkeit, spitz, Gefahr, Einbildung, An-
dazwischenliegenden Farben sind von Rot (nah) maßung, Arroganz, Neid, Eifersucht, Geiz, Lüge,
anschließend Orange, Gelb, Gelbgrün, Grün bis Gefühllosigkeit.
hin zu Blau (fern). Orange ist die wärmste Farbe und steht für: Effi-
zienz, Lebhaftigkeit, Spaß, Lebensbejahung,
Farben können auf folgende Sinne Einfluss Ausgelassenheit, Energie. Es wirkt aber auch
nehmen: Geschmack, Geruch, Beschaffenheit, fanatisch, roh und aufdringlich.
Gewicht, Temperatur, Klang, Form, Größe. Die Magenta wird in Verbindung gebracht mit:
Farbpsychologie hat zu den o. g. Wirkungen Idealismus, Dankbarkeit, Ordnung, Engagement,
Farbgebungskriterien aufgestellt, welche die Mitgefühl. Negativ belegt ist es mit Arroganz und
menschliche Empfänglichkeit, die menschliche Dominanz.

Abb. 185

Abb. 184

163
# 6 G r u n d l e g e n d e s z u r Fa r b e

Rot ist die aktivste Farbe und steht für: Wärme, Funktionaliät, Reserviertheit. Es ist die am meis-
Feuer, Blut, Spannung, Aktivität, Vitalität, Lei- ten negativ belegte unbunte Farbe, denn Schwarz
denschaft, Verführung, Tatendrang, Erregung, steht vor allem für: Hoffnungslosigkeit, das Düste-
Eroberungswille, Exzentrik. Negative Belegungen re, das Negative, Einengung, Pessimismus, Trauer
sind: Anspannung, Chaos, Zorn, Gefahr und Hass. und Tod.
Violett ist die dunkelste Farbe und steht für Rät- Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass
selhaftigkeit, Extravaganz, Magie, aber auch für Farben in anderen Kulturkreisen ganz anders
Eitelkeit, Aufdringlichkeit und Zwiespältigkeit. und teilweise sogar gegensätzlich konnotiert sein
Blau/Cyan ist die kälteste Farbe und steht für: können.
Himmel, Unendlichkeit, Offenheit, Freiheit, Stille,
Tiefsinnigkeit, Vertrauen, Harmonie, Ergebnisse, Farben können außerdem unterschiedliche
Sehnsucht, Hoffnung, Sauberkeit, Mut, Sportlich- Sinnesbereiche miteinander koppeln. So werden
keit. Negative Belegungen sind: Kälte, Traumtän- Empfindungen ausgelöst, die auf dem Reiz
zerei, Starrheit, Melancholie. eines weiteren Sinnes(organs) – nicht dem Auge –
Grün ist die passivste Farbe und steht für: Aus- beruhen. Das nennt man Synästhesie der Farben
geglichenheit, Durchsetzungsvermögen, Frische, (altgriech. synaisthanomai: «zugleich wahr-
Beharrlichkeit, Natur, Freiheit, Sicherheit, Ruhe, nehmen»). Befindet man sich beispielsweise in ei-
Gesundheit. Negative Eigenschaften sind: Faul- nem rot gestrichenen Raum, fühlt der Betrachter
heit, Unentschiedenheit und Unpersönlichkeit. die Raumtemperatur 2 bis 3 °C wärmer (Abb. 186),
Weiß ist die Summe aller Farben (additiv) und als sie tatsächlich ist – und als er sie fühlen würde,
steht deshalb für: Vollkommenheit, Licht, Glau- wenn der Raum weiß gestrichen wäre. Das funk-
ben, Ideale, Reinheit, Unschuld, Wahrheit, Neut- tioniert genauso mit blau gestrichenen Räumen,
ralität, Wissenschaft. Es wird aber auch als Leere sie wirken auf den Betrachter gefühlt 2 bis 3 °C
oder Unwissenheit gedeutet. kälter (Abb. 187).
Grau ist die Mischung zweier Komplementärfar- Ein weiteres Beispiel zeigt das Plattencover des
ben. Es steht für: Neutralität, Nachdenklichkeit, Albums in Colour (2015) des britischen Sängers
Schlichtheit, Sachlichkeit, Seriösität, Funktio- Jamie XX (Abb. 188). Ein Fan schreibt dazu: «Die-
nalität. Negativ belegt ist es mit den Begriffen: ses Album klingt genau so, wie das Albumcover
Unsicherheit, Trostlosigkeit, Elend, Eintönigkeit, aussieht. Es ist aufgebaut aus den buntesten
Negativität. Klängen, welche alle in einer nahezu sterilen
Schwarz ist auch die Summe aller Farben (sub- Art und Weise so klar und rein wirken in ihrer
traktiv) und steht für: Dunkelheit, Auflehnung, Klangfarbe.»42

Abb. 186 Abb. 187

164
Dieses Wissen zur Farbe (Wahrnehmung, Theo- 36 Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ver-
öffentlichte 1810 eine mehrbändige Reihe zur
rien, Kontraste, Wirkungen) sollte in die Gestal-
Farbenlehre und einen Band mit Bildtafeln. Dieser
tung eines Produkts, einer Grafik etc. einfließen.
Arbeit gingen zwanzig Jahre Forschung voraus.
Farben können Oberflächen von Formen, Kör- Sie fanden damals kaum Beachtung, was Goethe
pern und Layouts verändern und damit auf die sehr kränkte.
Sinne des Rezipienten (des Käufers eines Designs
37 Achtung Verwechslungsgefahr: Die additiven Primär-
oder eines beworbenen Produkts) gezielt Einfluss
farben sind Rot/Grün/Blau (RGB), die Primärfarben
nehmen und diese zum Teil sogar lenken. Goethes und Ittens sind Rot/Gelb/Blau.

38 Harald Liebdank Küppers (*1928 in Müden) ist ein


32 Die elektromagnetische Wellenlänge definiert sich aus Dr ucktechnik- und Farbexperte. Als Wissenschaftler
der spezifischen Länge (zwischen zwei Wellenbergen) und Dozent beschäftigt er sich mit Farbenlehre,
und der Frequenz, der Anzahl der Schwingungen pro ent wickelte neue Theorien und schrieb einige Bücher
Sekunde. zu dem Thema. Seine Farbenlehre ist in den Rahmen-
Lichtstrahlen bewegen sich mit einer Geschwindigkeit richtlinien vieler deutscher Schulpläne verankert.
von r und 300 000 Kilometern pro Sekunde voran. Publikationen sind z. B.: Harald Küppers: Farbe –
Ursprung, Systematik, Anwendung. Callwey,
33 aus: Der kleine Besserwisser: Grundwissen für München 1972, Harald Küppers: Die Logik der
Gestalter, hrsg. von Robert Klanten, Mika Mischler, Farbe, Callwey, München 1976, Harald Küppers:
Silja Bilz, erweiterte und aktualisierte Neuauflage, Farbe verstehen und beherrschen, DuMont,
Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2015, Köln 2004
Seite 8
39 Der Bezold-Effekt ist benannt nach Johann Friedrich
34 aus: http://raymond-walden.blogspot.de/ Wilhelm von Bezold (1837–1907). Er war ein deutscher
2015/01/farbe-ist-licht.html, Stand 01.01.2016 Physiker und Meteorologe. Bezold verfasste eine
Harmonielehre der Farben, zu der er einen eigenen
35 Johannes Itten (1888–1967) war ein Schweizer Maler zwölfteiligen Farbkreis ent wickelte.
und Kunsttheoretiker. Von 1919–1923 war er als u. a.: J. F. W. von Bezold: Die Farbenlehre im Hin-
Kunstpädagoge am Weimarer Bauhaus tätig. blick auf Kunst und Kunstgewerbe, Braunschweig
Seine Haupt werke sind: Kunst der Farbe, Otto Maier, 1874
Ravensburg 1961 und Mein Vorkurs am Bauhaus,
Gestaltungs- und Formenlehre, Otto Maier, 40 vgl. Dario Zuffo: Die Grundlagen der visuellen
Ravensburg 1963. Gestaltung, Polygraph Verlag, Frankfurt 1990,
Seite 118

41 zitiert nach: www.aphorismen.de/zitat/566,


Stand 01.01.2016

42 aus: www.amazon.de/In-Colour-Jamie-XX/dp/
B00V9MQZRU/ref=ntt_mus_ep_dpi_1, Rezension
von Kalliope, Stand 02.06.2015

Abb. 188

165
P r a x i s : FA R B E & B I L D

Das Farbtheorie-Modell

Aufgabenstellung: Zeichnen Sie auf einem hochformatigen DIN-A3-


Recherchieren Sie Farbtheorie-Modelle aus der Karton den gewählten Farbkreis bzw. das Farb-
Farbenlehre (z. B. Newton, Goethe, Runge, Itten, Modell mit Bleistift. Färben Sie es anschließend in
Lüscher, Küppers). den entsprechenden Farben mit Hilfe von Pinsel,
Wasser und deckender Farbe (Gouache, Acryl).
Wählen Sie eins aus, das Sie praktisch nachvoll- Gibt es Farbübergänge, achten Sie auf einen flie-
ziehen wollen. Bedenken Sie: Mit der Auswahl ßenden Verlauf. Arbeiten Sie sauber. Sie können
legen Sie auch Ihren Schwierigkeitsgrad fest! das Modell beschriften.

#31 Farbtheorie-Modell

Lernziele:
Farbverständnis, Anmischen
von Farben, Genauigkeit,
Diese Umsetzung der Aufgabenstellung zeigt das Munsell-Farbsystem:
Sauberkeit
Der Künstler Albert Henry Munsell publizierte seine Farbtheorie 1915 in
Schwierigkeitsgrad: dem Buch Atlas of the Munsell Color System. Es wird aufgrund seiner
leicht Vollständigkeit heute noch in der wissenschaftlich nachkalibrierten
Version in Industrie und Handwerk genutzt. Das Farbsystem ist als drei-
Materialliste:
dimensionaler Farbraum aufzufassen, der durch die x-Achse der Sättigung,
Wasserfarben (Acryl,
Gouache), Pinsel, DIN-A3- die y-Achse der Helligkeit und die kreisförmige Fläche auf der x–z-Ebene
Karton, Lineal, Bleistift des Farbtons definiert wird. Munsell unterscheidet fünf Hauptbunttöne:
Gelb (Y), Rot (R), Blau (B), Grün (G), Purpur (P), die in fünf Unterkategorien von
Dauer:
jeweils zwei nebeneinanderliegenden Hauptbunttönen aufgeteilt werden.
2–4 Stunden
166
Dieses Bild zeigt die Gegenfarbtheorie von Karl E. K. Hering, die er im Jahr 1874 bzw. 1878
veröffentlicht hat. Maßgeblich für die Entwicklung seiner These war die Beobachtung, dass die
vier Farben Rot (R), Blau (B), Grün (G) und Gelb (Y) von Menschen als besonders rein empfunden
werden, weshalb er diese als Urfarben bezeichnete. Betrachtet man über eine längere Zeit eine
dieser Farben und schaut im Anschluss auf eine weiße Fläche, wird vom Menschen ein Nachbild
in der Gegenfarbe wahrgenommen. → Sukzessivkontrast, Seite 162 Aus diesen Eigenschaften
der menschlichen Farbwahrnehmung kam er zu der Annahme, dass das menschliche Auge
Farben durch drei getrennte chemische Prozesse wahrnimmt, von denen jeder aus zwei konträren
Anteilen besteht, die nach Ausgleich streben. Diese Anteile entsprechen seinen Gegensatzpaaren
Blau – Gelb, Rot – Grün und Schwarz – Weiß. Mit seiner Theorie legte Hering den Grundstein für
das Verständnis der Funktion des menschlichen Sehapparates: Auch der heutige LAB-Farbraum
→ Seite 160 basiert zu einem großen Teil auf der Theorie von Hering.

167
P r a x i s : FA R B E & B I L D

Die Farbkontrast-Malerei

Aufgabenstellung: Wählen Sie mindestens einen davon aus und


Recherchieren Sie die folgende Farbkontraste: setzen Sie diesen sinnig im Format DIN A2 in
Hell-Dunkel-, Kalt-Warm-, Qualitäts-, Quan- einer freien Acryl- oder Gouachemalerei um.
titäts-, Komplementär- und Simultankontrast.
→ Seite 161 f.

oben:
Malerische Studie unter Einbeziehung
des Hell-Dunkel-Kontrastes

unten:
#32 Farbkontrast-Malerei
Abstrakte Malerei
Lernziele: zum Quantitäts-
Farbempfinden, Nachvollzie- kontrast
hen der Farbtheorie, freies
und künstlerisches Arbeiten

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
DIN-A2-Malgrund, Acryl/
Gouache, Wasser, Pinsel

Dauer:
3–4 Stunden

168
Malerische Tierportraits unter Einbeziehung
des Komplementärkontrastes

Diese Aufgabe fördert das freie, künstlerische Arbeiten


und bietet eine Abwechslung zu den anderen, oft
sehr angewandten Aufgabenstellungen. Dennoch
kann auch hier auf vorangegangenes
Grundlagenwissen zurückgegriffen werden, z. B.
auf Fragen der Komposition. → Seite 18 ff.

Mögliche, etwas weniger freie Variante :


Malen Sie auf ein DIN-A2-Querformat eine
Landschaft mit Acryl oder Gouache unter
Einbeziehung des Nah-Fern-, Hell-Dunkel-,
Simultan-, Komplementär- und Qualitäts-
kontrastes. Achtung: Alle Kontraste sollen
Anwendung finden!

169
P r a x i s : FA R B E & B I L D

50 Arten einer violetten Maus auf Diese Aufgabe verdeutlicht, dass es trotz der
einem gelben, runden Kissen eindeutigen und eng gesteckten Aufgabenstellung
unendlich viele Möglichkeiten gibt, sie kreativ
Aufgabenstellung: zu lösen und zu visualisieren. Denn jeder Kopf
Visualisieren Sie eine violettfarbene Maus, kommt zu einer individuellen und anderen
die auf einem gelben, runden Kissen sitzt. Lösung. Damit steht die Aufgabe auch stellver-
Die Technik ist frei! tretend für das Finden kreativer und vielfältiger
Lösungen in kreativen Ber ufen.

Ich habe diese Aufgabe auf Facebook gepostet und die Facebooker
gebeten, mitzumachen und mir ihre Ergebnisse zu schicken.
Das Ergebnis waren 50 Mäuse von 35 Einsendern, die man auf
diesen beiden Seiten sehen kann.
Die Namen derer, die mitgemacht haben, stehen hier
→ Bildnachweis, Seite 283

#33 50 × Maus und Kissen

Lernziele:
Abstraktionsvermögen,
Kompositionsgefühl

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Bleistift/Graphitstift, Papier,
Tipp-Ex/Deckweiß, Kleber,
Kopiergerät

Dauer:
1–2 Stunden

170
Variante der Aufgabe für eine Person:
Malen, zeichnen, drucken, kleben, schnei-
den, kneten, fotografieren und/oder
kopieren Sie 50 Mal eine violettfarbene
Maus auf einem runden, gelben Kissen.
Sie haben alle Freiheiten für Ihre Varianten
(Format/Größe, Material etc.)!

171
P r a x i s : FA R B E & B I L D

Die Fünf-Bilder-Geschichte (Panels) und Farben die Aussage Ihrer Geschichte


beeinflussen.
Aufgabenstellung:
Erzählen Sie auf einer Seite (großes Format, mind. Zeichnen oder malen Sie, egal ob analog oder
DIN A2, muss aber kein DIN-Format sein) in fünf digital, Sie können dabei Fremdmaterial in die
Bildern die Geschichte einer «folgenschweren Gestaltung einbeziehen (z. B. über das Mittel der
Begegnung». Collage).

Die Gestaltung des Blattes, die Größe der Bild- Erstellen Sie vorab Skizzen, anhand derer Sie den
felder, ihre Anordnung, ob alle Bilder gleich groß Ablauf der Geschichte, die Komposition und den
sind oder unterschiedliche Größen haben, ist frei- Bildaufbau prüfen, und klären Sie die Frage, ob
gestellt, ebenso ob Sie farbig oder schwarz-weiß sich die Umsetzung für andere erschließt. Bespre-
arbeiten wollen. Bedenken Sie, dass Bildformen chen Sie ggf. Ihre Ideen mit anderen.

linke Seite:
Die Bildergeschichte bekommt durch die Totale
aus der Vogelperspektive (= establishing shot,
erste Einstellung einer Bildsequenz) und
den Schuss-Gegenschuss etwas Filmisches,
die Reduktion auf Schwarz, Weiß und Blau
fokussiert auf die beiden Protagonisten.
Hier ist kein Bild überflüssig.

rechte Seite:
Diese Bildergeschichte erinnert formal an die
klassische Comicheft-Aufteilung (Panels wie in
Asterix, Mickey Maus, Lucky Luke etc).
Auch hier ist jedes Bild für die Geschichte sinnvoll.
Größer werdende Panels ziehen den Betrachter
immer dichter ans und ins Geschehen.

#34 Fünf-Bilder-Geschichte

Lernziele:
Storytelling, Komposition,
Bildausschnitt, Blickführung

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
alles zum Zeichnen, Kleben,
Kopierer/Scanner, Papier,
Drucker

Dauer:
3–8 Stunden

172
173
P r a x i s : FA R B E & B I L D

linke Seite:
Eine Bildgeschichte, die fotografische Elemente und Aquarell mischt.
Eine gelungene Geschichte, man könnte jedoch die Dramatik noch deutlich
erhöhen, indem man Bild 1 weniger schräg ausrichten und bei Bild 2 bis 4
extremere Aus-/Anschnitte finden würde.

rechte Seite:
Bild 1 und 2 sowie 3 und 4 könnten hier zusammengefasst werden, dadurch gäbe es
mehr Spiel, um die Geschichte weiter auszuarbeiten. Der Hasenkörper könnte
in einem der Bilder mal nicht aus dem Panel ragen. Das würde es insgesamt beruhigen
und den Effekt des Herausragens besonders hervorheben.
Eine alternative Anordnung der Bilder hätte den Erzählfluss evtl. etwas erleichtert.

174
175
SCHRIFT
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit Typografie, mit
der Kunst der Schriftgestaltung und des Schrift-
setzens. Aber auch das Schriftzeichnen und -malen
kommen nicht zu kurz.

Die theoretische Einführung → #7 Grundlegendes


zur Schrift umfasst eine kurze Schrift-Historie,
erklärt Maßsysteme, die Anatomie eines Buch-
stabens, Schriftklassifikationen und -familien,
beschreibt den Vorgang der Schriftwahrnehmung
und beherbergt auch ein kleines typografisches
Lexikon mit den wichtigsten Fachbegriffen.
→ Seite 183 ff. Hier werden Fragen beantwortet
wie: Woher kommen Schriften? Wie sind sie
aufgebaut? Worauf sollte man im Umgang mit
Schrift achten?

Im praktischen Teil ermöglichen die → Aufgaben


#35 bis #40 einen leichten Einstieg in das
Thema «Typografie». Den spielerischen Umgang
mit Buchstaben bietet → Aufgabe #35, in der
man Buchstaben eher wie Zeichen oder Formen
begreift und anordnet. Eine kleine Analyse von
Schriftbildern in Bezug auf Rhythmus, Grauwert
und formale Erscheinung von Text führt man
ganz praktisch in → Aufgabe #36 durch. Des
Weiteren ist in → Aufgabe #37 der zweite Teil
des «Urbanen Alphabets» zu finden, das es nun
zu digitalisieren und zu vektorisieren gilt, um an-
schließend daraus eine Satzschrift zu simulieren.
In den → Aufgaben #38 und #39 erprobt man
sich im handschriftlichen Schreiben von Wörtern
oder kurzen Sätzen, wobei das Zeichnen, nicht
das Konstruieren von Schrift, im Vordergrund
steht. Und in der letzten → Aufgabe #40 wird ein
kurzer Text genrespezifisch gesetzt.

176
177
#7 Grundlegendes zur Schrift

Abb. 189 Abb. 190 Abb. 191

Was ist Typografie? vom Lesen und damit vom Inhalt abgelenkt oder
gar durch die Gestaltung müde werden. Der
Das Wort Typografie (griech. typos: «Schlag», Rezipient des Textes sollte durch die Typografie
graphein: «schreiben») war ursprünglich gleich- angeregt werden, weiterzulesen. Der Typograf
bedeutend mit dem Wort Buchdruckkunst43, lenkt bewusst mit seiner Gestaltung den Blick des
inzwischen findet es aber weiter gefasst Ver- Lesenden, zeichnet aus, d. h. hebt an bestimmten
wendung: So bezeichnet man heute das Setzen Stellen Inhalte hervor und macht neugierig, wie
von Schrift, den Entwurf mit vorhandenen Satz- es im Text weitergeht. Natürlich kann Typogra-
schriften als Typografie. Abzugrenzen davon ist fie auch bewusst gegenteilig einsetzt werden,
das Entwerfen, Zeichnen («Handlettering») oder Typografen können Texte auch dem Inhalt nicht
44
Schönschreiben («Kalligrafie») von Schriften. entsprechend setzen oder eine Unlesbarkeit
Man unterscheidet weiter die Makrotypografie, provozieren. Es kommt ganz auf das Textkonzept
das ist das Satzkonzept für einen Text. Parameter, und die Umsetzung durch den Typografen an.
die ein Satzkonzept bestimmen, sind das Format,
die Schriftart, die Schriftgröße, der Schriftschnitt, Kleine Schriftgeschichte
die Schriftfarbe, die Satzform, d. h. die Bündigkeit:
mittelachsig, links- oder rechtsbündig (Abb. 189), Die Entwicklung von Schrift ist untrennbar mit
das Papier, die Komposition des Fließtextes = der der menschlichen Entwicklung verbunden. Sie ist
Satzspiegel (Abb. 190) und der Umbruch. Die eine Form, um untereinander zu kommunizieren.
Mikrotypografie als Differenzierung umfasst die Sie entwickelt sich im gleichen Maße (weiter), wie
Detailgestaltung eines Satzkonzeptes: Das meint der Mensch sich selbst entwickelt und verändert.
alles, was zwischen den Buchstaben, Wörtern, Sie ist demnach ein Spiegelbild der jeweiligen
Zeilen und Absätzen passiert und vom Gestalter Epoche, in der Menschen Schriften nutzten.
gezielt festgelegt und eingestellt werden kann. Etwa 30 000 v. Chr. gab es erste Zahlzeichen und
Das ist z. B.: der Zeilenabstand (Abb. 208, Seite ab 3200 v. Chr. schriftähnliche Zeichen in Form
186), die Spationierung, d. h. der horizontale von schematischen Bildern, wie z. B. die Hiero-
Zeichenabstand zwischen den Buchstaben oder glyphen der Ägypter.
den Worten (Abb. 191), der Zeilendurchschuss
(Abb. 208, Seite 186) etc. 3000 v. Chr. entstand die Keilschrift (Abb. 192),
die man erstmalig in der frühen Schriftgeschichte
Die Typografie soll es dem Rezipienten eines als «Schrift» bezeichnete. 1200 v. Chr. erfanden
gestalteten Textes so einfach wie möglich ma- die Phönizier die phönizische Lautschrift (Abb.
chen, den Text zu lesen, d. h. die Lesbarkeit steht 193), bestehend aus 22 Konsonanten, und damit
meistens an erster Stelle. Der Text sollte formal das erste belegte Alphabet, welches die Griechen
ansprechend gestaltet und der Inhalt treffend aufgriffen und mit Vokalen ergänzten. Die Römer
visualisiert sein. Das Auge sollte in keiner Weise wiederum nahmen das griechische Alphabet und
Abb. 188

178
Abb. 192 Abb. 193 Abb. 194

Abb. 195 Abb. 196 Abb. 197 Abb. 198

John D. Berry
Abb. 199 Abb. 200 Abb. 201

mal Jeans, mal das kleine Schwarze.» 45


entwickelten daraus das lateinische Versal- Der Goldschmied Johannes Gensfleisch zur
Alphabet Capitalis Monumentalis (Abb. 194) für Laden, besser bekannt als Johannes Gutenberg
gemeißelte Inschriften (Stein, Holz) und die (um 1400–1468) erfand ca. 1440 den Bleisatz
Capitalis Quadrata, die Capitalis Rustica (Abb. (Abb. 200), das Gießen von einzelnen, beweg-
195) und die römischen Kursiven (Abb. 196) lichen Buchstaben (Lettern) aus Metall. Die
zum Schreiben (Papyrus, Bücher). Die römischen Lettern konnten zu Texten gesetzt und mit Hilfe
Großbuchstaben (Versalien, Majuskeln) ver- einer Druckerpresse (Abb. 201), die er ebenfalls
wenden wir so bis heute. Die Kleinbuchstaben erfand, vielfach kopiert, d. h. gedruckt werden.
(Gemeine, Minuskeln) des heutigen lateinischen Dies sollte die Geschichte revolutionieren: Denn
Alphabets stammen aus der Zeit von Karl dem nun konnte das schriftliche Wort schnell verbrei-
Großen (ca. 747–814 n. Chr.), der die Karolingi- tet werden. Von 1452 bis 1454 entstand so sein
sche Minuskel (Abb. 197) als Verkehrsschrift Hauptwerk, die Gutenberg-Bibel.
einführte. Aus dieser Schreibschrift entstand die
Gotische Minuskel (ca. 1200 nach Chr.) (Abb. 198), Dank der Erfindung Gutenbergs wurden ab der
nach deren Vorbild später die Deutsche Fraktur frühen Neuzeit Druckschriften entwickelt.
(Abb. 199) entstand (ca. 1500 n. Chr.). Die Geschichte der Druckschriften, die sich
aufgrund von technischen Innovationen und Ent-
stehung von Maßsystemen und gesellschaftlichen

179
«Typografie zieht Texte an – passend zu Aussage und Anlass,
#7 Grundlegendes zur Schrift

Abb. 202 Abb. 203 Abb. 204

Konventionen herausbildete, startete mit der produzierte Druckprodukte) auf sogenannten


Antiqua (ca. 1450 n. Chr.), auch Serif genannt, die Desktop-Computern erstellt. Durch DTP = Desk-
bis heute unsere aktuell verwendeten Schriften top-Publishing konnte jeder Gestalter an seinem
prägt. Über einen langen Zeitraum bis hin ins eigenen Rechner mit Betriebssystem (Windows,
19. Jahrhundert entwickelten sich zahlreiche MAC OS) arbeiten und u. a. Schrift setzen. Ab
Unterarten, die wie folgt klassifiziert werden: Mitte der 1990er-Jahre wurde der Satz am Com-
Renaissance-Antiqua (z. B. Garamond), Barock- puter komfortabler, da Rechenleistungen und
oder Übergangsantiqua (z. B. Caslon, Times), Software (z. B. von Macromedia, Adobe) einen
klassizistische Antiqua (z. B. Bodoni, Didot) Riesensprung taten (bis heute). Von der Erfindung
und die serifenbetonte Linear-Antiqua, auch des Bleisatzes bis hin zum ersten Home-Computer
Egyptienne (z. B. Clarendon) genannt (Abb. 202). war Typografie den klassischen Handwerksberu-
fen, wie Buchdrucker und Schriftsetzer, vorbehal-
Ab dem 19. Jahrhundert entwickelten sich paral- ten. Dies änderte sich mit DTP grundlegend.
lel zu den Serifenschriften serifenlose Grotesk-
schriften (z. B. Helvetica, Futura), auch Sans Seit Ende der 1990er-Jahre kommt jeder Laie
Serif genannt (Abb. 203), die erst nur für Über- durch seinen Home-Computer, sein Tablet oder
schriften und Titel, nicht aber für Mengensatz andere mobile Geräte mit Schriftsatz in Berüh-
genutzt wurden. Die Entstehung neuer Schriften rung. Es ist (vermeintlich) einfach geworden,
war auch bedingt durch die neuen Möglichkeiten eigene Schriftstücke oder Webseiten zu setzen,
des Drucks: Die Lithografie → Seite 46 ff. ermög- ja sogar eigene Schriften zu entwerfen und diese
lichte, dass handgemalte Schriften drucktech- über DTP-Software auszugeben und selbst zu
nisch reproduziert werden konnten. verbreiten (Abb. 204). Durch das Internet hat
man weltweit schnellen Zugriff auf Unmengen
Mit der Einführung des Fotosatzes (= optomecha- von guten und schlechten (selbst gemachten)
nischer Schriftsatz) in den 1970er-Jahren ver- Schriften, neue Schriftssysteme entstanden und
schwand der Bleisatz innerhalb eines Jahrzehnts entstehen. Die Schrift, vor 20 Jahren noch ein
fast völlig. Statt von Hand zu arbeiten, konnten analoges Medium, fand ein neues Zuhause im
Schriften nun über tastaturgesteuerte Mechanis- virtuellen, digitalen Raum.
men gesetzt werden. In Online-Tutorials, Anleitungsvideos oder Blogs
kann man sich selbst Handlettering, Kalligrafie,
Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden Medienpro- Schriftgestaltung und Computersatz beibringen.
dukte (Grafikdesign-Dienstleistungen, industriell Der Schriftmarkt zeigt aufgrund dieser Entwick-

180
Hans Peter Willberg
«Neutrale Typographie gibt es nicht.» 46
Abb. 205

lungen inflationäre Züge: Schriften sind teilweise Didot-Punkt auf 0,376065 mm (franz. Längen-
zum Allgemeingut geworden (ähnliche Tendenzen maß Fuß durch 72), dies wurde 1879 von dem
gibt es im Buch- und Musikmarkt). Es gilt hier, die deutschen Typografen Hermann Berthold zur
weitere Entwicklung als Anlass und Herausforde- Abstimmung auf das metrische System auf
rung zu nehmen, sich dem Markt anzupassen und 0,376 mm abgerundet. 1973 wurde der Didot-
ihm weiterhin einen Schritt voraus zu sein und Punkt abermals abgerundet, diesmal auf
neue Schrifttechnologien zu entwickeln. 0,375 mm.
Der Pica-Punkt entstand im 19. Jahrhundert in
Dennoch gilt meines Erachtens bis heute: Typo- der anglo-amerikanischen Welt durch Verschmel-
grafie ist ein Handwerk, das man erlernen muss, zung des Fournier-Systems mit dem britischen
um gute Ergebnisse zu erreichen. Eine typografi- Caslon-System. Ein Pica-Punkt misst etwa
sche Grundlagenausbildung ist deshalb weiterhin 0,351 mm (und wurde in Amerika verwendet,
ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Ausbil- während der Didot-Punkt in Europa Verwendung
dung für Mediengestalter, Kommunikationsdesig- fand). Im Zug der Digitalisierung des gesamten
ner und ähnliche Berufsgruppen. Herstellungsprozesses gedruckter und digital
publizierter Medien hat das Pica-Punkt-System

Maßsysteme den Didot-Punkt weitgehend verdrängt.


Inzwischen wird in Grafik- und Satzsoftware der
Die Typografie verwendet historisch entstandene, DTP- oder PostScript-Punkt verwendet; dabei ent-
eigene Maßeinheiten, bzw. man spricht auch von spricht 1 Inch exakt 72 DTP-Punkt bzw. gerundet
Maßsystemen, um Schriftgrade, Laufweiten, Zei- 0,3528 mm (im traditionellen Druck hingegen
lenabstände und Linienstärken zu messen. Diese entspricht 1 Inch 72,27 Pica-Punkt).
gehen aus den unterschiedlichen Drucktechniken
hervor. Mit dem Typometer (= Zeilenzähler) lassen sich
gedruckte Schriften auf ihre Größe ausmessen.
Im Bereich der Printmedien unterscheidet man Dieses Typolineal enthält alle gängigen Maßsys-
bei den verschiedenen Maßsystemen den typo- teme (Abb. 205).
grafischen Punkt mit den Varianten Didot-,
Pica- und DTP-Punkt (auch PostScript-Punkt), Tiefer eintauchen in die Welt der typografischen
das metrische System (m, cm, mm) und verschie- Maßsysteme kann man über weitere Fachlitera-
dene Zoll-Systeme (z. B. das engl. Zoll: Inch). tur. → Weiterlesen-Tipps, Typografie, Seite 277
François-Ambroise Didot definierte 1785 den

181
#7 Grundlegendes zur Schrift

Konsultationsgröße 5 pt
Punze (offen)
Konsultationsgröße 6 pt
Konsultationsgröße 8 pt Fleisch
Bild
Lesegröße 9 pt Schriftlinie

Lesegröße 10 pt Konus } Kopf


Kopf + Schulterhöhe
Lesegröße 12 pt = Schrifthöhe
Signatur
Schulterhöhe
Schaugröße 13 pt
Kegel/
Schaugröße 20 pt Körper
Di
ck s
ke
t ä rh e
/ Gießrille
te l
ge ö
Schaugröße 26 pt Ke e g e l h
K

Abb. 206 Abb. 207: Aufbau einer Bleisatz-Letter

Schrift wahrnehmen und lesen So entscheidet der Schriftcharakter auch darüber,


ob wir Schriften eher als Headlineschrift47 (sehr
Apropos Schriften messen: Der in einer Gestal- aufmerksamkeitsstark, vielleicht ungewöhnlich,
tung eingesetzte Schriftgrad richtet sich nach aber nicht unbedingt leicht lesbar) oder als Fließ-
dem Zweck der Verwendung sowie nach dem textschrift48 (nicht unbedingt aufmerksamkeits-
Medium, das gestaltet wird. Im Schriftsatz kann stark, aber in jedem Fall leicht lesbar) einsetzen.
man drei Schriftgrößen (Abb. 206) benennen:
1) Konsultationsgröße (5 bis 8 pt): Sie wird bei Die Anatomie eines Buchstabens basiert auf
Marginalien (= Randbemerkungen), Fußnoten, seiner eindeutigen Zeichenhaftigkeit. Jedem
in Nachschlagewerken usw. verwendet. Buchstaben ist ein anderes grafisches Zeichen
2) Lesegröße (9 bis 12 pt): Sie wird bei Mengen- zugeordnet, das man als Leser erkennt und in
satz und Fließtext (Bücher, Zeitschriften etc.) einen oder mehrere Laute umwandelt. Mehrere
verwendet. Buchstaben formen Wörter, mehrere Wörter
3) Schaugröße (alles ab 13 pt): Sie wird bei Über- bilden Sätze. So entsteht sinnhafte Sprache.
schriften und Distanztexten (z. B. Messeständen,
Großplakate) verwendet. Beim Lesen nimmt man nicht einzelne Buchsta-
ben wahr oder scannt jedes Wort auf seine einzel-
Die Anatomie einer Schrift ist im jeweiligen nen Buchstaben, wie es Leseanfänger machen. Es
Kulturkreis vorgegeben und über Jahrhunderte ist wissenschaftlich bewiesen, dass unsere Augen
geprägt. Bei der Schriftgestaltung ist man dieser durch kurze Sprungbewegungen ganze Wörter
Anatomie unterworfen und bewegt sich in einem oder Wortgruppen von bis zu neun Buchstaben
relativ eng gestecktem Feld, da sonst die Wieder- erfassen. Das geht so schnell, dass man letztlich
erkennung und Entschlüsselung der Schrift durch mit der eigenen Erfahrung, wie Wörter geschrie-
den Leser nicht mehr gewährleistet wäre. ben werden, also auszusehen haben, liest.
Innerhalb des jeweiligen Kulturkreises kann man
das Schriftbild durch die Auswahl einer Schrift Dieses Erfassen und Erkennen von Inhalten in
bestimmen und somit den Inhalt formal interpre- Schrift kann durch eine gute oder schlechte
tieren und unterstützen. Jede Schrift verfügt Typografie stark beeinflusst werden. Die Les-
über einen definierbaren Schriftcharakter oder barkeit eines Textes ist abhängig von der Schrift
Duktus, der die Schrift individuell macht. selbst und wie sie gestalterisch eingesetzt wird.

182
Kleines Typografie-Lexikon Bündigkeit wenn etwas genau abschließt,
z. B. mehrere Zeilen genau unter-
Bei der näheren Beschäftigung mit Schrift und einander angeordnet sind wie
Typografie lernt man in kurzer Zeit viele, fremde im → Blocksatz
typografisch-fachspezifische Wörter kennen!
Dickte gesamte Breite eines Buchstabens
Nicht verzweifeln, hier kommt eine kleine Liste
im Bleisatz, dazu gehören die
zum Nachschlagen:
druckbare Fläche der → Glyphe
Abstrich jene Stelle der → Glyphe, an der und die nicht druckbaren Vor-
mit leichtem Schwung der Strich und Nachbreiten des → Kegels
nach unten führt und ausläuft (Abb. 207)
(Abb. 208, Seite 186)
Divis auch: Binde- oder Trennstrich,
Akzidenzen einmalige Privat- oder Gebrauchs- ein waagerechter Strich (-) in der
drucksache, kleine Auflagen (z. B. Breite eines Viertel- → Gevierts,
Briefpapier) nicht zu verwechseln mit dem
Gedankenstrich (–), der die Breite
Alinea auch: Absatzzeichen, markiert
eines Halbgevierts hat (Abb. 208,
das Ende eines Absatzes, so sieht
Seite 186)
es aus ¶
Durch- Abstand der → Unterlänge
Anstrich auch: Nase, Ansatz oder Dach-
schuss eines Kleinbuchstabens bis zur
ansatz genannt, jene Stelle der
→ Oberlänge eines in der nächs-
→ Glyphe, an welcher der Strich,
ten Zeile sitzenden Groß- oder
aber keine → Serife ansetzt
Kleinbuchstabens (folglich immer
(Abb. 208, Seite 186)
kleiner als der → Zeilenabstand)
Aufstrich nach oben geführter Strich (Abb. 208, Seite 186)

Ausgleichen → Kerning Einzug Einrücken einer Zeile am Absatz-


beginn
Auslauf jene Stelle der → Glyphe, an
welcher der Strich, häufig Flattersatz Textformatierung, bei der die
verjüngend oder in Form eines Textzeilen ungleichmäßig aus-
→ Tropfens, ausläuft (Abb. 208, laufen, entweder linksbündig,
Seite 186) mittelachsig oder rechtsbündig

Aus- visuelle Methode, um Aussagen Flatterzone im → Flattersatz ca. letztes


zeichnung bestimmter Wörter, Abschnitte, Drittel der Zeilen, in denen um-
Namen, Titel usw. hervorzuheben brochen wird, kann individuell
(z. B. durch fett / kursiv / unter- festgelegt werden
strichen)
Fleisch urspr. aus dem Bleisatz: der nicht
Blocksatz Textformatierung, bei der die druckbare Bereich des Schriftzei-
Textzeilen eines Absatzes an den chens oder → Kegels (Abb. 207)
Rändern sowohl links als auch
Formsatz auch: Konturensatz, Text um-
rechts ausgerichtet sind, alle
fließt Umrisse eines eingefügten
Zeilen haben die gleiche Breite
Objektes oder es wird ihm eine
Bund Mitte eines Buches Form zugewiesen (z. B. Ellipse)

183
#7 Grundlegendes zur Schrift

Gemeine auch: Kleinbuchstaben Laufweite Abstand der Buchstaben zuein-


ander, kann durch → Sperrsatz,
Geviert von Viereck/Quadrat abgeleitet,
Kerning verändert werden
typografische Maßeinheit,
entspricht einer quadratischen Ligatur lat. ligare: «(ver)binden», eine
nicht druckenden Fläche Buchstabenverbindung, z. B.
fi, fl
Glyphe griech. = Ritzen, Meißeln, allg.
Wort für Buchstabe, spez. Majuskel lat. maior: «groß», anderes
Wort für Sonderzeichen eines Wort für die Großbuchstaben
Schriftsatzes (z. B. → Ligatur,
Marginalie lat. margo, -inis: «Grenze,
Alinea)
Rand», eine Randbemerkung
Groteskschrift serifenlose Schrift
Mediäval- auch: Minuskelziffer, hat
Hurenkind auch: Witwe, Fehler im Um- ziffer → Ober- und → Unterlänge
bruch: eine Zeile des Absatzes wie → Minuskeln sowie
steht allein am Beginn der variable → Dickten
nächsten Spalte bzw. Seite
Minuskel lat. minus: «klein», anderes
Initial lat. initium: «Eingang», «An- Wort für die Kleinbuchstaben
fang», «Beginn», ein dekorati-
Möwchen ugs. für Guillemets-Anfüh-
ver Anfangsbuchstabe (meist
rungszeichen «dieser» Form
zu Beginn eines Textes, größer
als Rest des Textes) Oberlänge bezeichnet die Teile der
→ Minuskeln, die über die
Kapitälchen lat. capitalis: «den Kopf be-
Mittellinie (x-Höhe) nach
treffend», haben die Form von
oben herausragen (Abb. 208)
Großbuchstaben in der Größe
von Kleinbuchstaben und Ohr auch: Fähnchen, Häkchen am g
werden wie Kleinbuchstaben (Abb. 208)
verwendet
Pagina lat. pagina: «Blatt Papier»,
Kegel Metallkörper, auf dem die auch: Seitenzahl
→ Glyphe bzw. Letter gegossen
Parenthese griech. parénthesis: «Ein-
ist (Abb. 207, Seite 182 )
schub», selbstständiger Einschub
Kerning Verkleinerung/Unterschnei- in einem Satz, z. B. durch Ge-
dung der Abstände zwischen dankenstriche gekennzeichnet
den einzelnen Buchstaben
Periodika Gegenteil von → Akzidenzen,
eines Wortes oder eines Textes,
wiederkehrende Drucksachen
Gegenteil ist → Sperrsatz
(z. B. Zeitschriften)
Kolumne lat. columna: «Säule», einzelne
Punze nicht druckende, umschlossene
Spalte im → Satzspiegel
oder offene Binnenform einer
Kolumnen- Überschriften der einzelnen → Glyphe (Abb. 208, Seite 186)
titel Seiten des Buches
Randaus- Anpassen der Spaltenränder im
gleich Textsatz

184
Rausatz → Flattersatz mit einer exakt (→ Spationierung) zwischen
definierten → Flatterzone den einzelnen Buchstaben,
Gegenteil ist → Kerning
Register- wenn im mehrseitigen → Satz-
haltigkeit spiegel Textzeilen der Vorder- Stege Ränder zwischen → Satzspie-
und Rückseite einer Buchseite gel und Papierkante, sie heißen:
deckend zueinander stehen Kopf-, Fuß-, Außen- und Bund-
steg
Satzspiegel Nutzfläche (für Bild und Text)
auf der Seite eines Druckwerks, Tilde span. tilde: «Betonung», Son-
wird begrenzt durch → Stege derzeichen, eine waagerechte
Wellenlinie
Schriftfamilie Gruppe zusammengehöriger
Schriften mit demselben Na- Tropfen Runde Verdickungen, z. B.
men, aber unterschiedlichen beim a, g (Abb. 208, Seite 186)

Reinhard Albers
Schriftschnitten
Unterlänge bezeichnet die Teile der → Mi-
Schriftgrad auch: Schriftgröße genannt nuskeln, die über die Grund-
linie nach unten herausragen
Schriftschnitt Schriftstil-Varianten in einer
(Abb. 208, Seite 186)
Schriftfamilie bzgl. Schrift-
breite, Schriftstärke und Versalie auch: Großbuchstabe
Schriftlage
Versalziffer entspricht im Gegensatz zur
Schriftsippe besondere Art von → Schrift- → Mediävalziffer in ihrer

«Die Typographie ist die Rhetorik der Schrift.» 49


familien, deren Schriftschnitte Größe den Versalien
in mehreren Kategorien, z. B.
Virgel Schrägstrich, Pausenzeichen,
Familien einer Schriftklassifi-
Vorläufer des Kommas (aus der
kation vertreten sind (z. B. serif
Karolingerzeit)
und grotesk)
Zeichensatz allgemeine Zusammenstellung
Schulter Rundungen an h-, m- und n-
von Zeichen nach einem
Minuskel (Abb. 208, Seite 186)
bestimmten Ordnungsprinzip
Schusterjunge auch: Waise, Fehler beim Um-
Zeilenabstand Abstand zwischen zwei Zeilen,
bruch, die erste Zeile des neuen
von Grundlinie zu Grundlinie
Absatzes steht am Ende einer
gemessen (Abb. 208, Seite 186)
Spalte bzw. Seite.
Zeilenfall Satzbild untereinander stehen-
Serife fr. serif: «Füßchen», kleine
der Zeilen, offener Z. = → Flat-
Querbalken an den → An- und
tersatz, zentrierter/axialer Z. =
→ Abstrichen der → Glyphe
Mittelachsensatz, geschlosse-
(Abb. 208, Seite 186)
ner Z. = → Blocksatz
Spationierung → Sperrsatz
Zurichtung beim Schriftentwurf die manu-
Sperrsatz auch: Sperren, ist eine Schrift- elle Änderung der Buchstaben-
auszeichnung zur Hervorhe- abstände durch Veränderung
bung von Textteilen durch der → Dickte auf dem (Schrift-)
Vergrößerung der Abstände → Kegel

185
#7 Grundlegendes zur Schrift

Überhang

Gestaltung ist wichtig


Tropfen Serife
Durchschuss
Ohr
Anstrich

Auslauf
Oberlänge
Mittellänge oder
x-Höhe
Unterlänge
Zeilenabstand k-Linie
H-Linie

Typografie-Grundlagen
Stamm
Abstrich

Aufstrich
Bogen Ligatur Divis Einlauf Rundung
Mittellinie
oder x-Linie
Grundlinie
PunzeSchulter p-Linie

Abb. 208

Schriftklassifikationen 1.0 Schriftfamilien und -sippen

Um sich die Arbeit mit Schriften zu erleichtern Der Begriff Schriftfamilie bezeichnet eine Gruppe
und nicht den Überblick zu verlieren, wurden zusammengehörender Schriftschnitte mit unter-
und werden Schriften immer wieder in Klassi- schiedlichen Breiten (schmal, breit, …), Strich-
fikationen eingeteilt. Man versucht also, sie in stärken (leicht, normal, fett, …) und Zeichenlagen
eine Ordnung zu bringen. Mit der Digitialisierung (normal, kursiv, …). Die Schnitte lassen unter-
und der damit verbundenen Zunahme von einander gemeinsame Formmerkmale erkennen
Schriftentwürfen ist jedoch der Versuch einer und können sehr gut miteinander kombiniert
eindeutigen und vor allem vollständigen Erfas- werden. Gerade wenn man viel auszeichnen
sung und Klassifizierung nicht mehr zu leisten. möchte oder verschiedene Textelemente und In-
halte hat, die sich typografisch voneinander
Die DIN-Norm 16518 von 1964 für physische abheben, aber «nicht beißen» sollen, ist eine große
Werksatzschriften und Akzidenzschriften, die Schriftfamilie von Vorteil.
auch umgangssprachlich als Bleisatz-DIN bezeich-
net wird, sei hier als Beispiel für viele andere kurz Adrian Frutiger (1928–2015) entwarf mit der
erwähnt: Das Deutsche Institut für Normung Schrift Univers (Abb. 209) von 1951 bis 1956 als
e. V. hat die Schriften chronologisch geordnet in: erster Schriftgestalter50 eine einheitliche (und
aufeinander aufbauende) Schriftfamilie, die
1. Venezianische Renaissance-Antiqua aus 21 (später 27) Schriftschnitten besteht. Die
2. Französische Renaissance-Antiqua serifenlose Linear-Antiqua ist kühl, sachlich und
3. Barock-Antiqua aus weiter Entfernung gut lesbar. Mit ihren vielen
4. Klassizistische Antiqua Schnitten und Mischmöglichkeiten ist sie eine der
5. Serifenbetonte Linear-Antiqua beliebtesten Schriften der letzten 60 Jahre. 1997
6. Serifenlose Linear-Antiqua wurde eine vollständig überarbeitete und auf
7. Antiqua-Varianten 63 Schnitte erweiterte Univers-Schriftfamilie un-
8. Schreibschriften ter dem Namen Linotype Univers in Zusammen-
9. Handschriftliche Antiqua arbeit mit der Linotype GmbH herausgebracht.
10. Gebrochene Schriften
11. Fremde Schriften Als Schriftsippe (auch: hybride Schriftfamilie)
bezeichnet man eine besondere Art von Schrift-
familien, deren verschiedenen Schriftschnitte in

186
Abb. 209 Abb. 210

mehreren Kategorien einer Schriftklassifikation


vertreten sind.
43 vgl.: Der kleine Besserwisser: Grundwissen für
Gestalter, hrsg. von Robert Klanten, Mika Mischler,
Eine der bekanntesten Schriftsippen der letzten Silja Bilz, erweiterte und aktualisierte Neuauflage,
20 Jahre ist die FFThesis (Abb. 210) von Lucas Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2015,
Seite 72
de Groot, mit den Familien TheSans, TheSerif,
TheMix und TheAntiquaB. Die ursprünglichen 44 Anmerkung der Autorin: Dennoch ist Schriftzeich-
144 Schnitte wurden 1994 entwickelt, inzwischen nen und Schriftschreiben auch Schriftgestaltung.
wurde die Schrift auf ca. 500 Schnitte erweitert Daher wird es in diesem Kapitel sowohl um den Satz
als auch um das Zeichnen von Schriften gehen.
(u. a. mit den Schnitten Thesis Monospace und
Thesis Typewriter). Sie ist damit wohl die um- 45 zitiert nach: www.typografie.info/3/page/typograf-
fangreichste Schriftsippe.51 Man kann sich die ie_zitate.html, Schriftkontor Ralf Herrmann,
Frage stellen, ob diese Zahl nicht zu unüber- Weimar, Stand 09.11.2015

schaubar ist, um noch sinnvoll eingesetzt werden


46 wie Fußnote 45, Stand 09.11.2015
zu können.
47 auch Titel- oder Displayschrift genannt, vor allen
Dingen auffällig, plakativ, expressiv, wird groß
Schriften erkennen 2.0 abgebildet, z. B. für Überschriften, Titel etc., kann
allein stehen oder mit Mengentext, soll die Aufmerk-
Mit dem Mobiltelefon und der kostenlosen App
samkeit des Betrachters anlocken
WhatTheFont der Seite MyFonts.de ist es z. B.
möglich, unbekannte Schriften zu identifizie- 48 auch Mengentext genannt, es geht um das schnelle
ren. Sieht man einen Font und möchte wissen, Erfassen von geschriebenen Informationen, die
Schrift hat sich in der Regel dem Inhalt unterzuord-
wie dieser heißt und wo man ihn kaufen kann,
nen, unauffällig zu sein, um nicht vom Inhalt abzu-
macht man einfach mit dem Telefon ein Foto. lenken
Die App analysiert das Bild und binnen weniger
Sekunden erfährt man den Namen der Schrift, 49 wie Fußnote 45, Stand 09.11.2015

etwas zur Entstehungsgeschichte, dem Designer


50 vgl.: Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt, Hans Peter
und dem Herausgeber. Noch ein Tipp: Am besten Willberg, Schriften erkennen, Verlag Hermann
die charakteristischsten Buchstaben fotografie- Schmidt, Mainz 1997, Seite 10
ren (meistens das kleine a, q, w, ß y, z), dann ist es
51 vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Thesis_
leichter für die App!
(Schriftart), Stand 09.11.2015

187
Praxis: SCHRIFT

Das Typo-Ornament
Erstellen Sie von einer Schrift mehrere Ornament-
Aufgabenstellung: varianten (mindestens 12), die Sie auf einem DIN-
Erkunden Sie die verschiedenen Schriftklassifi- A4-Papier anordnen und ausdrucken. Wählen Sie
kationen → Schriftklassifikationen, Seite 186 das beste Ornament pro Schrift aus und heben Sie
unter dem Gesichtspunkt, ein typografisches es gegenüber den Varianten auf Ihrem Blatt her-
Ornament → Ornament, Seite 74 zu erstellen. vor. Es entstehen drei Blätter, die mit dem Namen
der Schrift über- oder untertitelt sein müssen.
Wählen Sie vier unterschiedliche Schriften aus.
Aus diesen vier Schriften wählen Sie jeweils Diese werden anschließend in der Gruppe bespro-
einen Buchstaben, der sich dazu eignet, wieder- chen und die Erkenntnisse geteilt. (Was ist Ihnen
holend angeordnet, ein Ornament zu bilden. Sie aufgefallen? Welche Schriften eignen sich, welche
dürfen analog mit Stempeln, Kopien und Kopierer nicht? Macht es einen Unterschied, ob ich Groß-
oder digital am Computer arbeiten. oder Kleinbuchstaben verwende? etc.)

f f
f
fff
f
f
f

fff
ff
f
f

f
f
ff

f
f

f
f

f
f
fff
#35 Typo-Ornament

Lernziele:
f

Schriftkunde, Abstraktions-
vermögen, Schulung des

f
grafischen Verständnisses
(z. B. für Logoentwicklung)
f

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Zugriff auf Schriften,
Kopierer, Kleber, DIN-A4- Viermal der Buchstabe «F» als Rad angeordnet,
Papier, Computer, Drucker Schriften von links nach rechts: Minion, Times, Vanderchalk
und Arctic, vier unterschiedliche Anmutungen
Dauer:
188 2–3 Stunden
Die Majuskel A der Schrift Anodyne in 12 Ornament-
varianten, nicht alle Figuren funktionieren gleich gut als
Ornament. Rechts unten wurde der Favorit platziert.

189
Praxis: SCHRIFT

Rhythmus und Form von Schrift


1) nur die Punzen der Buchstaben
Aufgabenstellung: 2) nur den Raum um die Buchstaben
Stellen Sie sich in einem Satz vor, z. B.: «Mein 3) den Buchstabenrhythmus (z. B. die Höhen,
Name ist Heiko Meyer, ich bin 22 Jahre alt und die Breiten oder die Serifen aller Buchstaben)
leidenschaftlicher Pokerspieler.» 4) Erstellen Sie eine Mischform aus 1) bis 3).
Schneiden Sie aus Zeitungen und Zeitschriften
Ihren Satz in einzelnen Buchstaben (!) aus und Nach welchen Kriterien haben Sie die neue Vari-
kleben Sie ihn auf einem Blatt Papier auf. ante erstellt? Schauen Sie sich die vier Ergebnisse
Nehmen Sie nun ein Transparentpapier oder an. Vergrößern Sie ggf. den Entwurf und schauen
einen Leuchttisch zu Hilfe und pausen Sie den Sie sich die Formen nochmals an. Was fällt Ihnen
Satz dreimal wie folgt ab: an Ihrer Arbeit auf?

Der oben collagierte Text ist im Grunde austauschbar.


#36 Rhythmus und Form
Es geht in dieser Aufgabe darum, Schrift auf einer anderen
Lernziele: Ebene als der Lese- und Satzebene wahrzunehmen und
Schriftkunde, typografisches später einzusetzen.
Abstraktionsvermögen,
Jeder gesetzte Text hat einen Rhythmus, jede Schriftauswahl hat
Verständnis für Rhythmus
im Mengentext Folgen auf das Schriftbild. Doch Schrift hat auch formale Aspekte:
Es geht um den Rhythmus, der sich durch die Schriftform, den
Schwierigkeitsgrad: Kontrast der Schrift und des Weißraums (hell / dunkel) und durch
leicht die Schrifthöhe und -breite ergibt.
Dieses Wissen eignet sich der Gestalter eher unbewusst durch
Materialliste:
Papier, Zeitungen/Zeitschrif- Experimentieren und durch viel berufliche Erfahrung an.
ten, Transparentpapier,
Edding, Schere

Dauer:
190 2–3 Stunden
zu 1)

zu 2) zu 3)

zu 4)
Die Mischform (z. B. zufäl-
lige Auswahl, ästhetische
Auswahl von Formen) aus
den ersten drei Form- und
Rhythmusanalysen des
Ursprungstextes weist eine
eigene formale Qualität auf,
die man beispielsweise für ein
Typoplakat als Komposition
oder spielerisches Element
nutzen könnte.

191
Praxis: SCHRIFT

Das urbane Alphabet (Teil 2) Ordnen Sie Ihr Alphabet auf einem DIN-A3-Poster
in einem Raster sinnvoll an. Sie können das Raster
Aufgabenstellung: aus Aufgabe #15 dafür beibehalten.
Fortsetzung der → Aufgabe #17, Seite 106 f.
Nehmen Sie Ihr urbanes Alphabet von Aufgabe Probieren Sie Ihre Schrift abschließend aus, indem
#15 als Grundlage für die weitere Arbeit: Digitali- Sie diese als Pangramm (griech.: «jeder Buch-
sieren Sie Ihre Fotos durch Einscannen, stellen Sie stabe», auch: holoalphabetischer Satz genannt;
die einzelnen Buchstaben Ihres Alphabetes frei ein Satz, der alle Buchstaben des Alphabetes
und vektorisieren Sie diese anschließend mit Hilfe enthält) setzen, z. B.: «The quick brown fox jumps
eines Vektorprogrammes. over the lazy dog.» Oder: «Welcher fieser Katzen-
typ quält da süße Vögel bloß zum Jux?»

#37 Urbanes Alphabet (2)

Lernziele:
Digitalisieren und Vektori-
sieren, Schriftentwicklung

Schwierigkeitsgrad:
mittel (erfordert Kenntnisse
in einem vektorbasierten linke Seite:
Programm) Das Fahrradständer-Alphabet abschließend als
vektorisierte Schrift und als Pangramm gesetzt
Materialliste:
vektorbasierte Zeichensoft-
ware, ggf. Programm zur
Schriftentwicklung rechte Seite:
Das Alphabet der geschmiedeten Zäune vektorisiert
Dauer:
192 3–4 Stunden
193
Praxis: SCHRIFT

Handlettering (Teil 1): Adjektiv

Aufgabenstellung:
Schreiben und zeichnen Sie auf einem Format Das Augenmerk liegt auf der gezeichneten, hand-
Ihrer Wahl verschiedene, frei wählbare, Adjek- geschriebenen Schrift! Schreibmaterialien und
tive in handschriftlicher Typografie (= Hand- Farbigkeit sind frei wählbar. Probieren Sie ver-
lettering, bedeutet mehr das «Zeichnen» von schiedene Werkzeuge aus. Dies dient als eine Auf-
Schrift denn das Konstruieren und Schön- wärmübung für Teil 2 der Handlettering-Aufgabe.
schreiben/Kalligrafieren), wobei Sie darauf → Aufgabe #39, Seite 196 f.
achten, Ihre Adjektive inhaltlich zu erfassen und
deren Bedeutung zu visualisieren.

#38 Handlettering (1)

Lernziele:
Interpretationsfähigkeit,
Schriften skizzieren und
zeichnen, Auseinanderset- Je mehr man Handlettering übt und verschiedene Werkzeuge
zung mit Schriftanmutung ausprobiert, desto lockerer wird man nach kurzer Zeit.
Am Anfang wirken die gezeichneten Adjektive noch unsicher,
Schwierigkeitsgrad:
leicht, zum Aufwärmen unlocker oder verkrampft, doch davon sollte man sich nicht
demotivieren lassen. Mit der Übung kommt auch die Virtuosität
Materialliste: (wie bei vielen Dingen).
Papier, Schreib- und
Zeichenstifte/-material

Dauer:
30–45 Minuten
194
195
Praxis: SCHRIFT

Handlettering (Teil 2): Zitat

Aufgabenstellung: aufbau der Seite (= Komposition auf dem Blatt).


Schöpfen Sie aus den Erfahrungen aus → Auf- Die Schriftgestaltung soll sich auf den Inhalt des
gabe #38, Seite 194 f. und gestalten Sie nun auf Zitates beziehen, ihn unterstützen und verstär-
einem hoch- oder querformatigen DIN-A4- oder ken. Das Augenmerk liegt hier auf der gezeichne-
DIN-A3–Format (z. B. Hochformat für kurze Zitate, ten, handgeschriebenen Schrift!
Querformat für längere Zitate) ein selbst gewähl-
tes Zitat in handschriftlicher Typografie. Schreibmaterialien und Farbigkeit sind frei wähl-
bar. Nebeneffekt der Interpretation der Zitate:
Bitte nutzen Sie das gesamte Format, arbeiten Sie Sie können mit anderen über die Bedeutung der
flächenfüllend bzw. achten Sie auf den Gesamt- Zitate diskutieren!

Zum Handlettern eines kompletten Zitates braucht es Zeit und eine gute
Vorbereitung: Machen Sie sich Skizzen, wo genau welches Wort
sitzen soll und wie es von Ihnen gelettert wird! Spontan ist hier nichts,
#39 Handlettering (2) auch wenn es so (locker) aussieht.

Lernziele:
Interpretationsfähigkeit,
Schriften skizzieren und
zeichnen, Auseinanderset-
zung mit Schriftanmutung

Schwierigkeitsgrad:
mittel (erfordert Übung)

Materialliste:
Papier, Schreib- und Zeichen-
stifte/-material

Dauer:
1–2 Stunden
196
197
Praxis: SCHRIFT

Text nach Genre setzen Schriftschnitt(e), Satzart, Satzspiegel, Absätze,


Zeilenabstand, Spationierung. Sie können optional
Aufgabenstellung: weitere Textarten (Marginalien, Unterüberschrif-
Setzen Sie einen Auszug des Märchens Rotkäpp- ten, wörtliche Rede, Bildunterschriften, Fußno-
chen auf einem DIN-A4-Format (kann auch be- ten, Infokästen) verwenden. Verwenden Sie alle
schnitten sein) in einem von Ihnen frei gewählten Parameter sinnig zum gewählten Textgenre und
Textgenre (z. B. Nachschlagewerk, Belletristik, achten Sie auf gute Lesbarkeit und Entsprechung
Lyrik, Drehbuch, Zeitung, Zeitschrift/Magazin, von gewähltem Textgenre und Typografie.
Kochbuch). Weitere Parameter sind wählbar: Bildmaterial ist nicht verboten, aber auch nicht
Hierarchien (Überschriften, Auszeichnungen), unbedingt notwendig, ggf. genreabhängig.
Länge des Textes, Schriftart(en), Schriftgröße,

Hier sieht man eine Klappentextseite oder


eine Buchrückseite von Rotkäppchen.
Der Text wurde inszeniert und reißerisch
gesetzt. Er soll Spannung erzeugen und
Neugier wecken weiterzulesen.

#40 Text nach Genre setzen

Lernziele:
genreabhängiger Umgang
mit Schrift, Mikrotypografie

Schwierigkeitsgrad:
anspruchsvoll

Materialliste:
Text, Computer, Layoutpro-
gramm, Schriften, Papier, rechte Seite:
Drucker
Die Texte zu Rotkäppchen sind für eine Zeitschrift (oben)

Dauer: und für eine Zeitung (unten) in Kolumnenform verfasst.


4–8 Stunden, kann ggf. mit Beide Texte haben eine fast gegensätzliche optische Wirkung.
Korrekturphasen erweitert
198 werden (z. B. um 6 Stunden)
Rotkäppchen wo wohnt deine Großmutter?« – »Noch eine gute Viertelstun-
de weiter im Wald, unter den drei großen Tannen, da steht
ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen,«
    
sagte Rotkäppchen. Der Wolf dachte bei sich: Das junge, zarte
Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schme-
Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jeder- cken als die Alte. Du musst es listig anfangen, damit du beide
mann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Groß- schnappst. Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her,
mutter, die wusste gar nicht, was sie alles dem Kind geben soll- dann sprach er: »Rotkäppchen, sieh einmal wie schon die
te. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt, und Schneeglöckchen und Winterlinge ringsumher stehen. Warum
weil ihm das so wohl stand, und es nichts anderes mehr tragen guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die
wollte, hieß es nur das Rotkäppchen. Eines Tages sprach seine Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn
Mutter zu ihm: »Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück du zur Schule gingst, und ist so lustig draußen im Wald.«
Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Großmutter Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die
hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles
Mach dich auf, bevor es dunkel wird, und wenn du hinaus- voll schöner Blumen stand, dachte es: »Wenn ich der Großmut-
kommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Wege ab, ter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude
sonst fällst du und zerbrichst das Glas, und die Großmutter hat machen; es ist noch früh genug, dass ich doch zu rechter Zeit
nichts. Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiß nicht, gu- ankomme, bevor es dunkel wird,« verließ den Weg, lief in den
ten Abend zu sagen und guck nicht erst in allen Ecken herum!« Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn sie eine gebrochen
»Ich will schon alles richtig machen,« sagte Rotkäpp- hatte, meinte es, weiter hinten stände eine schönere, und lief
chen zur Mutter und gab ihr die Hand drauf. Die Großmut- danach und geriet immer tiefer in den Wald hinein. Der Wolf
ter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom aber ging geradewegs nach dem Haus der Großmutter und
Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete klopfte an die Türe. »Wer ist draußen?« – »Rotkäppchen, das
ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für bringt Kuchen und Wein, mach auf!« – »Drück nur auf die Klin-
ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm. »Guten ke!« rief die Großmutter, »ich bin zu schwach und kann nicht
Tag, Rotkäppchen!« sprach er. »Schönen Dank, Wolf!« – »Wo aufstehen.« Der Wolf drückte auf die Klinke, die Tür sprang auf
hinaus, Rotkäppchen?« – »Zur Großmutter.« – »Was trägst du und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der
unter der Schürze?« – »Kuchen und Wein. Gestern haben wir Großmutter und verschluckte sie. Dann tat er ihre Kleider an,
gebacken, da soll sich die kranke und schwache Großmutter setzte ihre Haube auf, legte sich ins Bett und zog die Vorhänge
etwas zugute tun und sich damit stärken.« – »Rotkäppchen, vor, um auf das Rotkäppchen zu warten und es zu verschlingen.

199
Praxis: SCHRIFT
Rotkäppchen
Ein Märchen der Brüder Grimm

Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jedermann lieb, der sie nur an-
sah, am allerliebsten aber ihre Großmutter, die wusste gar nicht, was sie alles dem
Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt, und
weil ihm das so wohl stand, und es nichts anders mehr tragen wollte, hieß es nur das
Rotkäppchen.
Eines Tages sprach seine Mutter zu ihm: „Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück
Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Großmutter hinaus; sie ist krank und
schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn
du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Wege ab, sonst fällst
du und zerbrichst das Glas, und die Großmutter hat nichts. Und wenn du in ihre
Stube kommst, so vergiss nicht guten Morgen zu sagen und guck nicht erst in allen
Ecken herum!“ „Ich will schon alles richtig machen,“ sagte Rotkäppchen zur Mutter,
und gab ihr die Hand darauf. Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine
halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der
Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete
sich nicht vor ihm.
„Guten Tag, Rotkäppchen!“ sprach er.
„Schönen Dank, Wolf !“
„Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?“
„Zur Großmutter.“
„Was trägst du unter der Schürze?“
„Kuchen und Wein. Gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwa-
che Großmutter etwas zugut tun und sich damit stärken.“
„Rotkäppchen, wo wohnt deine Großmutter?“
rechts: „Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen,
da steht ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen,“ sagte Rot-
Rotkäppchen als Taschenbuch-Version käppchen.
Der Wolf dachte bei sich: Das junge, zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird
noch besser schmecken als die Alte. Du musst es listig anfangen, damit du beide
im klassischem Blocksatz schnappst. Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er:
„Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen. Warum
guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich
singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig
haussen in dem Wald.“
Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die
Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: Wenn
unten: ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude ma-
chen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab
in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte
Rotkäppchen in Form eines Lexikon-Eintrags, es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief danach und geriet immer tiefer in den
Wald hinein.
hier wurde geschaut, nach welchen Kriterien
Nachschlagewerke gesetzt sind und wann man wie 26

einzelne Infos auszeichnet.

200
Der Wolf aber ging geradewegs nach dem Haus der Großmutter und klopfte an die
Türe.
„Wer ist draußen?“
„Rotkäppchen, das bringt Kuchen und Wein, mach auf !“
„Drück nur auf die Klinke!“ rief die Großmutter, „ich bin zu schwach und kann
nicht aufstehen.“ Der Wolf drückte auf die Klinke, die Türe sprang auf und er ging,
ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Großmutter und verschluckte sie.
Dann tat er ihre Kleider an, setzte ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die
Vorhänge vor.

Rotkäppchen aber, war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusam-
men hatte, dass es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein,
und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, dass die Tür aufstand,
und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, dass es dachte: Ei,
du mein Gott, wie ängstlich wird mir‘s heute zumut, und bin sonst so gerne bei der
Großmutter! Es rief: „Guten Morgen,“ bekam aber keine Antwort. Darauf ging es
zum Bett und zog die Vorhänge zurück. Da lag die Großmutter und hatte die Haube
tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus.
„Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!“
„Dass ich dich besser hören kann!“
„Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!“ Rotkäppchen
„Dass ich dich besser sehen kann!“
„Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!“ Märchen-Gebrüder-Grimm
„Dass ich dich besser packen kann!“
„Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!“
„Dass ich dich besser fressen kann!“
Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang |1|
das arme Rotkäppchen.
Wie der Wolf seinen Appetit gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein
und fing an, überlaut zu schnarchen. Der Jäger ging eben an dem Haus vorbei und
Mädchen Großmutter Kinde
dachte: Wie die alte Frau schnarcht! Du musst doch sehen, ob ihr etwas fehlt. Da
trat er in die Stube, und wie er vor das Bette kam, so sah er, dass der Wolf darin lag.
Käppchen Samt Rotkäppchen
„Finde ich dich hier, du alter Sünder,“ sagte er, „ich habe dich lange gesucht.“
Nun wollte er seine Büchse anlegen, da fiel ihm ein, der Wolf könnte die Großmut-
ter gefressen haben und sie wäre noch zu retten, schoss nicht, sondern nahm eine
Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie er ein |2|
paar Schnitte getan hatte, da sah er das rote Käppchen leuchten, und noch ein paar
Schnitte, da sprang das Mädchen heraus und rief: „Ach, wie war ich erschrocken, wie Tages Mutter Rotkäppchen Stück Kuchen Flasche Wein
war‘s so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“ Und dann kam die alte Großmutter auch
noch lebendig heraus und konnte kaum atmen. Rotkäppchen aber holte geschwind Großmutter Wege Glas Großmutter Stube Morgen Ecken
große Steine, damit füllten sie dem Wolf den Leib, und wie er aufwachte, wollte er
fortspringen, aber die Steine waren so schwer, dass er gleich niedersank und sich
totfiel. Da waren alle drei vergnügt. Der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging
damit heim, die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen |3|
gebracht hatte, und erholte sich wieder; Rotkäppchen aber dachte: Du willst dein
Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir‘s die Mutter
verboten hat.
Rotkäppchen Mutter Hand
Großmutter Wald Stunde Dorf Rotkäppchen Wald Wolf
27
Rotkäppchen Tier Tag
Rotkäppchen Dank Wolf Rotkäppchen
Großmutter Schürze Kuchen Wein

|4|
Großmutter Rotkäppchen Großmutter
Viertelstunde Wald Eichbäumen Haus Nusshecken
Rotkäppchen Wolf Ding Bissen Alte

|5|
rechts:
Weilchen Rotkäppchen Rotkäppchen Blumen Schule Wald
Rotkäppchen als konkrete Poesie,
Rotkäppchen Augen Sonnenstrahlen Bäume Blumen
hier wurden nur die Substantive des ursprüng- Großmutter Strauß Freude Tag Zeit Wege Wald Blumen
lichen Märchens stehen gelassen und dann als
Gedicht in Strophenform gesetzt. ...

฀฀

Alle sechs Beispiele sind von Studierenden des ersten Semesters gesetzt worden, also von blutigen
Typografie-Anfängern. Doch Typografie braucht, wie jede der vorgestellten Disziplinen (z. B. Foto-
grafie, Zeichnen, Layouten), seine Zeit und erfordert Übung. Das Know-how kommt durch
viel Ausprobieren, Sich-Anlesen, gute Typografie anderer Gestalter genau ansehen und verstehen,
was daran gut ist. Das typografische Auge kann sich dadurch ausbilden. Nicht umsonst sind
Schriftsetzer, Schriftgestalter und Typografen eigene Berufsbezeichnungen.

201
ZEICHEN, LOGO, MARKE
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den bild- und Darüber hinaus wird die Frage geklärt, wie man
sinngebenden Zeichen. Zeichen meint hier abs- ein Logo definiert und mit welchen Methoden
trahierte, kommunizierende Formen (z. B. Bilder, man es selbst entwerfen kann.
Grafiken). Im Theorieteil → #8 Grundlegendes zu
Zeichen & Corporate Identity werden verschie- Die praktischen Aufgaben nehmen das Thema
dene Arten von Zeichen vorgestellt. Außerdem «Zeichen, Logo, Marke und Corporate Identity»
wird der Begriff der Corporate Identity definiert. wieder auf. In der → Aufgabe #41 sollen verein-

202
fachte Bilder gefunden werden, die alltägliche geometrische Methode, um schnell, effizient und
Situationen als Handlungsanweisung beschrei- spielerisch, Bildmarken-Ideen zu finden. Alle drei
ben. Dabei ist genau zu durchdenken, dass diese Aufgaben schulen das Auge für die sich anschlie-
stark abstrahierte Bildgeschichte eindeutig und ßende, komplexere → Aufgabe #44. Hier wird
nonverbal für den Betrachter funktionieren muss. vom Logo bis hin zur medialen Anwendung eine
Die → Aufgabe #42 gibt einen Einstieg, wie man Corporate Identity für ein fiktives Unternehmen
spielerisch mit «Schrift als Bild» arbeiten kann. erstellt.
Die→ Aufgabe #43 zeigt eine mathematisch-

203
# 8 G r u n d l e g e n d e s z u Ze i c h e n & C o r p o r a t e Id e nt i t y

Zeichentheorie Körper, Farbe, Größe, Anordnung, Textur,


Struktur, Räumlichkeit, Bewegung, Richtung
Zeichen, Zeichensysteme und -prozesse aller und Ausdruck, Wahl des Werkzeugs und
Art (z. B. Bild, Schrift, Gestik, Formeln, Spra- persönlichen und künstlerischen Duktus
che, Verkehrszeichen, Piktogramme) können visualisiert werden.
mit Hilfe der Semiotik (altgriech. «Zeichen», «Zeichen» versteht sich hier als allgemeiner
«Signal», hier: «Zeichentheorie») wissen- Oberbegriff und kann weiter unterteilt wer-
schaftlich analysiert und definiert werden. den in:
Weitere Fragen in diesem Zusammenhang
sind: Welche Beziehungen gehen Zeichen Ein Ikon (griech. eikón: «Bild») auch ikoni-
untereinander ein (Syntax)? Welche Bedeu- sches Zeichen genannt, zeichnet sich dadurch
tung können Zeichen haben (Semantik)? Wie aus, dass es mit dem beschriebenen Referenz-
können diese Zeichen in der zwischenmensch- objekt, eine wahrnehmbare Ähnlichkeit und
lichen Kommunikation situationsabhängig damit einen hohen Wiedererkennungswert
zwischen Sendern und Empfängern verwen- hat (Abb. 211).
det werden (Pragmatik)?
Achtung, Verwechslungsgefahr: Ein Icon

Zeichendefinitionen und -arten (engl. icon: «Bildzeichen») ist nicht gleichzu-


setzen mit dem oben genannten Ikon, auch
Ein Zeichen weist auf etwas hin und bezeich- wenn es sich sprachlich daraus ableitet. Die
net etwas. Zeichen sind unterscheidbar und Bezeichnung Icon benutzen wir im Neudeut-
haben eine individuelle Bedeutung, die sozial schen zumeist für ein digitales Bildzeichen,
geprägt ist. Zeichen werden von Sendern und ein freies Piktogramm, das vor allem die
Empfängern immer in einem physischen, Bedienung digitaler Inhalte beschreibt und
sozialen und psychischen Kontext situations- unterstützt (Abb. 212).
abhängig wahrgenommen (visuell und audi-
tiv), analysiert und eingeordnet. Ein Zeichen Ein Piktogramm (lat. pictum: «gemalt», «Bild»
kann vieles sein: Mimik, Gestik, Schrift (Buch- und griech. gráphein: «schreiben»), auch Bil-
staben, Wörter), Bilder, Lichtsignale, Kleidung, derzeichen genannt, gehört zu den Ikonen und
Töne, Objekte. ist ein Bildsymbol mit einer festgelegten, ein-
deutigen, erlernten Bedeutung. Piktogramme
Im Sinne der Gestaltungsgrundlagen können werden verwendet, um Inhalte und Informati-
Zeichen durch Punkt, Linie, Fläche, Form, onen eindeutig, einprägsam und schnellstmög-

Abb. 211 Abb. 212 Abb. 213 Abb. 214

204
lich zu kommunizieren. Piktogramme werden fer des Markenzeichens hat eine vereinfachte,
meist ausschließlich nonverbal eingesetzt reduzierte Form, die Identifikation, Wieder-
und sind daher auch international lesbar (Abb. erkennung, Kennzeichnung des Herstellers/
213). → Aufgabe #41 Dienstleisters, Sympathie, Qualitätsgaran-
tie und Abgrenzung von der Konkurrenz
Ein Symbol (altgriech. sýmbolon: «Erken- kommuniziert. Es wird heute mit dem Logo
nungszeichen», «Sinnbild») steht stellver- gleichgesetzt.
tretend, sinnbildlich für eine Sache (die nicht
gegenwärtig sein muss), einen Vorgang oder Das Logo (Abb. 217) ist ein grafisches (Bild-
eine Idee und muss mit dem Referenzobjekt marke), typografisches (Wortmarke) oder
keine offensichtliche Ähnlichkeit aufweisen. grafisch-typografisches (Wort-Bild-Marke)
Meist geht die Definition eines Symbols über Zeichen. Es steht für – und repräsentiert –
die rationale Übersetzung dessen hinaus. ein bestimmtes Subjekt, z. B. eine Firma, ein
Seine Bedeutung wird sozial festgelegt (z. B. Unternehmen, eine Organisation, eine Privat-
religiöse oder heidnische Zeichen, jede Form person oder ein Produkt. Das Logo trägt zur
von Schriftzeichen) und muss erlernt werden, Produkt- bzw. Unternehmensidentität (Corpo-
um richtig gedeutet werden zu können rate Identity) des Rechteinhabers bei und ist
(Abb. 214). der wesentliche Bestandteil seines visuellen
Erscheinungsbildes.
Ein Index (lat. index: «Anzeiger») bezeichnet
ein Hinweiszeichen, das in einer direkten Die Wortmarke besteht z. B. aus Wörtern,
gegenwärtigen, räumlichen und hinweisen- Zahlen, Buchstaben oder weiteren Schrift-
den Beziehung zum Referenzobjekt steht. Es zeichen. Die Bildmarke besteht aus einem
weist meist einen kausalen Zusammenhang grafischen Element (= Bild, Bildelement) und
auf, bildet das Objekt aber nicht direkt ab , wie enthält keine Wortbestandteile. Die Wort-
z. B. Abbildungen von Tierfährten (Abb. 215). Bild-Marke ist ein Logo, das sowohl eine Buch-
stabenfolge/ein Wort als auch grafische
Ein Signet wurde ursprünglich von Buch- Gestaltungselemente/Bild als Merkmale auf-
druckern und -verlegern auf dem Titel oder weist. → Aufgabe #44
am Ende eines Buches angebracht und stand
damit für die Qualität des Produktes. Ebenso Die Marke ist ein komplexes Zeichensystem
kann man Brandzeichen bei Tieren als Signets und existiert im Prinzip nur als Gedankenkon-
bezeichnen (Abb. 216). Das Signet als Vorläu- strukt im Kopf des Verbrauchers. Marken sind

Abb. 215 Abb. 216 Abb. 217

205
# 8 G r u n d l e g e n d e s z u Ze i c h e n & C o r p o r a t e Id e nt i t y

hier vielmehr mit → Image gleichzusetzen. Das Image (engl. «Bild», hier vielleicht pas-
Beim Deutschen Patent- und Markenamt sender: «Leitbild») eines Unternehmens
sind über eine Million Marken gemeldet, besteht aus den verschiedenen «Bild-Blick-
dennoch sind bei ambitionierten, deutschen winkeln»: dem Selbstbild, dem Fremdbild und
Markenkosumenten nur um die 600 Marken dem Zielbild. Diese stimmen idealerweise
wirklich bekannt.52 Marken können weiter irgendwann in einem gut geführten Unter-
unterteilt werden in: Produktmarken, Linien- nehmen überein. Wenn alle drei übereinstim-
marken, Sortimentsmarken, Herstellermar- men, gibt es ebenso eine Übereinstimmung in
ken, Handelsmarken, Labelmarken, Luxus- der Identität und dem Image des Unternehmens.
53
marken, Leistungsmarken.
Fragen und Themen, zu denen ein Unterneh-

Corporate Identity men für die Erstellung eines Leitbilds/Image


Stellung nehmen sollte, sind:
Als Corporate Identity (engl. «Unternehmens- Wer sind Sie? / Unternehmensvision, Zukünf-
identität», «Unternehmensselbstverständ- tige Schwerpunkte / Zweck des Unterneh-
nis») bezeichnet man die einzigartige Identität mens / Wichtigstes Anliegen / Ziele / Für
eines Unternehmens, die Eigenwirkung welche Produkte/Dienstleistungen stehen
(innerhalb des Unternehmens), den Gesamt- Sie? / Zielgruppe(n) / Methoden / Werte und
eindruck, den ein Unternehmen nach außen Prinzipien / Verhalten der Mitarbeiter un-
durch ein Image vermitteln möchte, und tereinander / Unternehmenskultur / Außen-
schließlich auch die Wirkung, die es auf wirkung und Verhalten gegenüber Kunden /
Kunden und die Öffentlichkeit tatsächlich hat. Grundwerte.55
Corporate Identity ist ebenso per Definition
ein von Unternehmensberatern entwickeltes, Corporate Behaviour
strategisches und operatives Management-
werkzeug, um ein Unternehmen zu lenken Corporate Behaviour (engl. corporate: «ge-
und seine Außenwahrnehmung zu optimie- samt», «vereint», «Zusammenschluss», engl.
ren. Instrumente des CI (Abk. für Corporate behave: «sich verhalten» hier passender:
Identity) sind das Corporate Behaviour, die «Unternehmensverhalten») wird auch Cor-
Corporate Communication und das Corpo- porate Culture (engl. culture: «Kultur») ge-
rate Design, auf die ich später noch genauer nannt. Es bezeichnet das interne und externe
eingehen werde (Abb. 218). Unternehmensverhalten, d. h. das Verhalten

Identität Leitbild (Image)

Selbstwahrnehmung Botschaften Fremdwahrnehmung


(Selbstbild) (Zielbild) (Fremdbild)

Corporate Corporate Corporate Abb. 218:


54
Corporate Identity
Design Behaviour/ Communication
Culture

206
Matthias Beyrow
aller Mitarbeiter untereinander und das Ver- Corporate Design
halten gegenüber den Kunden, Kooperations-
partnern, der Öffentlichkeit etc. Es geht Ein Corporate Design (engl. design: «Gestal-
mit verschiedenen Grundsätzen und Richt- tung», hier passender: «Erscheinungsbild»)
linien einher, nach denen im Unternehmen ist Teil der → Corporate Identity und bezeich-
gehandelt wird. Auch kann die Unterneh- net das Erscheinungsbild eines Unternehmens
mensführung mit eingeschlossen sein, d. h. in Form eines auffälligen, einprägsamen,
das Verhalten in Bezug auf das unterneh- homogenen und glaubwürdigen visuellen
merische Marketing, die Geschäftsmodelle Auftritts. Dieser basiert auf der Reflexion und

«Ich unterscheide mich, also bin ich.» 57


und -visionen. Visualisierung der Eigenschaften und (Dienst-)
Leistungen eines Unternehmens.

Corporate Communication
Die wichtigsten Elemente, die zu einem Corpo-
Corporate Communication bezeichnet die rate Design gehören (können), sind das Logo,
interne und externe Kommunikation eines die Hausfarben- und die Farbklima-Defini-
Unternehmens, d. h. welche Form der Unter- tion, eine oder mehrere Hausschriften, eine
nehmenskommunikation im Unternehmen definierte Bildsprache und weitere spezielle
gepflegt wird (z. B. Umgangsformen, Umgangs- Gestaltungsregeln. Auch Außen- und Innen-
ton, Prämien/Bonussysteme, Lob / Kritik) architektur können Teil des Corporate Designs
und wie das Unternehmen sich nach außen sein. Alle genannten Elemente werden in
darstellt, z. B. durch Pressemitteilungen, TV- einem Gestaltungsraster gesammelt, definiert
Spots, Facebook und Twitter (Abb. 219). Dabei und geordnet. Diese Sammlung bildet den
ist es wichtig, die Zielgruppe richtig anzu- Styleguide, ein CD-Handbuch oder CD-Manu-
sprechen (durch Sprache/Text, Bild, Konzept, al (CD, hier: Abk. für Corporate Design), das
Aktionen etc.) und das richtige Kommuni- als Regelwerk für die Anwendung des CDs gilt
kationsmedium (die Schnittstelle) für die Ziel- und nach dem jeder Gestalter und Anwender
gruppe zu finden. sich anschließend richten muss. Im Styleguide

Abb. 219: Deutsches Online-Magazin «hej» von IKEA: Das Corporate Communication-Konzept ist, wie auch
bei der Muttermarke IKEA, die Ansprache der Kunden auf einer sehr persönlich-privaten und vertrauten
Sprachebene, dadurch soll ein emotionaler Distanzabbau zwischen Unternehmen und Kunden entstehen. 56

207
# 8 G r u n d l e g e n d e s z u Ze i c h e n & C o r p o r a t e Id e nt i t y

1)

2)

3)

4) 5)

Abb. 220
Corporate Design für einen familienbetriebenen Privat-Zoo. Bachelorarbeit von Jennifer Kupschis, 2011
zu 1) Wortmarke hergeleitet aus der geografischen Grundfläche des Zoos
zu 2) Herleitung der Farbwelt der Wort-Bild-Marke: verschiedene Klimazonen, aus denen die Tiere ursprünglich kommen
zu 3) Wort-Bild-Marken (Verwendung variabel)
zu 4) Anwendungen des CDs (Beschilderung Zoo, Merchandise: Memory, Eintrittskarten, Stempel, Flyer, Anstecker)
zu 5) Claim & Key-Visual, die aus den Bildmarken kombiniert werden, bieten kaleidoskopartige Muster für ein Plakat

208
werden auch die gängigen Anwendungen des Corporate Fashion, Corporate Interface-
CDs beispielhaft durchdekliniert und für den design, Corporate Documentation, Corporate
Anwender abgebildet. Books. (...)»58 Die Teilbereiche zielen auf Steue-
rung der Unternehmenswahrnehmung ab,
Des Weiteren kann man im CD ein Key Visual diese strebt langfristig nach Eigenständigkeit.
(engl. «Schlüsselbild») definieren: Dies ist ein
visuelles (und akustisches) Leitbild, welches Parameter einer Logogestaltung
die Positionierung einer Marke oder eines
Unternehmens abbildet und den langfristigen Um ein Logo zu gestalten, sollten folgende
visuellen Auftritt bestimmt und begleitet (z. B. Punkte definiert werden:
Marlboro Cowboy, Schwäbisch-Hall-Fuchs).
1) Format/Grundfläche des Logos
Typische Anwendungen eines CDs (Abb. 220) 2) Proportionen innerhalb des Logos
sind: Geschäftsausstattung (Visitenkarten, 3) Einsatz von Grundelementen (z. B. Krei-
Briefpapier), Außenwerbung, Werbemittel sen, Ellipsen, Punkten, Dreiecken, Qua-
(Broschüren, Flyer), Anzeigen, Webauftritte draten, Rechtecken, Rauten, Vielecken,
(Webseiten, Blogs, Shops), Social Media, Mes- Sternenformen, Kreuzen, Pfeilen)
sestände, Apps, Arbeitskleidung, Wegeleit- 4) (Frei-)Fläche/Raum außerhalb des Logos
systeme etc., alle visuellen Kommunikations- 5) Verwendung von Buchstaben (Typogra-
kanäle eines Unternehmens. → Aufgabe #44. fie, Schriftmischung etc.)
6) Farbe
In diesem Sinne kann das Corporate Design 7) Simulierte Räumlichkeit (Relief, Schat-
weiter neudeutsch unterteilt werden in: ten, 3-D-Gestaltung), Konturen
«(...) Corporate Typography, Corporate Codes, 8) Farb- , Schwarz-Weiß- & Negativvarian-
Corporate Motion und Sound, Corporate te des Logos für diverse Anwendungen
Events/Films, Corporate Media Space, Cor-
porate Architecture, Corporate Scenography, In Abb. 221 greifen formale Überlegungen zu
Corporate Science Center und Brand Lands, den Punkten 1) bis 3) und Abb. 222 zeigt den
Corporate Product und Industrial Design, schematischen Aufbau eines Logos.

Abb. 221 Abb. 222


Flächenaufteilung bei Quadrat und Kreis geben Proportionsvarianten
für die Gestaltung eines Logos

209
# 8 G r u n d l e g e n d e s z u Ze i c h e n & C o r p o r a t e Id e nt i t y

Logos aus Grundelementen werden anschließend in verschiedenen Vari-


anten neu zusammengesetzt (Abb. 223)
Wie schon erwähnt, entstehen viele Logos auf → Aufgabe #43. Die zweite Möglichkeit ist die
Basis von Grundelementen. Diese können Kombination (lat. combinare: «verknüpfen»)
z. B. auch in Teilelemente zergliedert und dann bei der aus einer Grundmenge (n) eine kleinere
neu zusammengesetzt (= kombiniert) werden. Anzahl an Teilelementen (k) herausgenom-
Dies ist ein einfacher Trick, um eine große men wird (k<n), die Position der einzelnen
Variante von Logogrundformen zu erzeugen, Elemente spielt hier keine Rolle (Abb. 224).
ähnlich einem Baukastensystem oder dem Bei der Variation (lat. variare: «verändern»)
chinesischen Legespiel Tangram.59 wird ebenfalls aus einer Grundmenge (n)
eine kleinere Anzahl an Teilelementen (k)
Es gibt drei mathematische Methoden des Tei- herausgenommen und zu neuen Varianten
lens und Kombinierens von Elementen: Bei der zusammengestellt (k<n), dabei werden den
Permutation (lat. permutare: «vertauschen») Teilelementen neue Positionen zugeordnet
wird ein Element in Teilelemente zerschnitten (Abb. 225). Bei der Kombination und Variation
und diese bilden die Grundmenge (n). Alle sind Wiederholungen einzelner Teilelemente
Teilelemente bilden die Menge k (k=n) und möglich.

Abb. 223: Schema der zu vertauschenden Plätze (links), Schema wird mit einem Element ausgeführt (rechts)

Abb. 224 Abb. 225

210
Die Zukunft des CI mal ein Erkenntnisgewinn, man lernt, wie
man Ideen verwirft und danach weitermacht,
Aufgrund der immer schneller werdenden wie man sich und seine Ideen voranbringt,
technologischen und sozialpolitischen verbessert und weiterentwickelt.
Entwicklung ist auch die Kreativbranche und
damit ebenso die zu gestaltende Markenwelt Weitere Literatur zum Thema → Weiterlesen-
einem Struktur- und Aufgabenwandel Tipps, Die zukünftigen Aufgaben für das
unterworfen. «(...) Vorangetrieben wird die- Berufsbild des Gestalters, Seite 277
ser Wandel durch Globalisierung, Virtu-
alisierung, das Angebot an ständig neuen
Produkten und die rasante Entstehung welt- 52 vgl.: Sabine Hamann, Logodesign, mitp-Verlag,
Redline GmbH, Heidelberg 2007, Seite 368
weiter Märkte. Kreative und Kunden stehen
damit vor neuen Herausforderungen. (...)»60 53 wie Fußnote 52, Seite 196 ff.

Für den Markt – und damit für viele Unter- 54 aus: Annja Weinberger, Corporate Identity –
Großer Auftritt für kleine Unternehmen,
nehmen – bedeutet dies z. B., dass Absatz-
Stiebner Verlag GmbH, München 2010,
märkte zunehmend in kleinere, heterogene Abbildung Seite 12
Zielgruppen aufgeteilt werden (Schlagworte
sind hier: Fraktalisierung, Marktsegmen- 55 wie Fußnote 52, Tabelle Seite 45
tierung, Produktdifferenzierung). Dadurch
56 Screenshot von https://www.hej.de/mitma-
sind die Unternehmen und deren kreative
chen/bewirb-dich-fuer-einen-hausbesuch,
Berater gezwungen, ihre Marketingpolitik und IKEA, Stand 5.12.2015
das damit verbundene CI ständig neuen
Zielgruppen und Veränderungen anzupassen. 57 aus: Matthias Beyrow, Petra Kiedaisch, Norbert
W. Daldrop, Corporate Identity und Corporate
Das gilt auch in Bezug auf den Einsatz von
Design – Neues Kompendium, avedition GmbH,
neuen, technologisch basierten Marketing- Ludwigsburg 2007, Seite 7
werkzeugen (z. B. Social Media Marketing, An-
passung von globalen auf lokale Zielgruppen, 58 wie Fußnote 54

Individualisierung von Produkten/Dienst-


59 Das Puzzlespiel besteht aus sieben geometrischen
leistungen, Einbeziehung von saisonalen (meist Holz-) Elementen: zwei großen Dreiecken,
Phänomenen). einem mittleren Dreieck, zwei kleinen Dreiecken,
einem Quadrat und einem Parallelogramm.
Diese bilden in der korrekten Anordnung als
Meiner Meinung nach liegt die Herausforde-
Gr undform ein Quadrat. Aus den sieben Elemen-
rung des Gestalters darin, sich dem Tempo der ten können viele weitere Formen gelegt werden.
sozialen und technologischen Entwicklung
anzupassen (oder dieser Entwicklung sogar ei- 60 aus: Der kleine Besserwisser: Grundwissen für
Gestalter, hrsg. von Robert Klanten, Mika
nen Schritt vorauszusein, dann wird aus dem
Mischler, Silja Bilz, erweiterte und aktualisierte
Berufsbild des Gestalters ein Vorreiter/Vor- Neuauflage, Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG,
denker). Es bedeutet, gestalterisch und kreativ Berlin 2015, Seite 52
neue, noch unbekannte Wege zu beschreiten,
mutig zu sein, etwas zu wagen und zu ex-
perimentieren – eben auch auf die Gefahr hin,
dass man scheitert. Doch scheitern ist nicht
nur scheitern (try and error). Es ist auch jedes-

211
Praxis: ZEICHEN, LOGO, MARKE

Bedienungsanleitung mit
Piktogrammen nungsanleitung hat, ist Ihnen frei gestellt. Sie
können gern etwas Alltägliches wählen (z. B. eine
Aufgabenstellung: Banane schälen und essen, Zähne putzen, Wäsche
Zeichnen Sie in drei bis sechs Sequenzen/Bildern waschen).
eine Bedienungsanleitung und damit Handlungs-
anweisung. Die Einzelbilder sollen Piktogramm- Achten Sie dabei darauf, dass alle verwendeten
Charakter haben und mit Hilfe von Vektoren Einzelbilder notwendig und eindeutig sind.
gezeichnet sein (z. B. Adobe Illustrator) → Pikto- Test: Fragen Sie eine andere Person, welche Hand-
gramm, Seite 204. Welchen Inhalt die Bedie- lung abgebildet ist.

Der Gestalter ist hier gefordert, eine klare und


eindeutig lesbare Bildsprache zu finden.
Sollte ihm dies nicht gelingen, kann das zu
Fehlverhalten oder Verzweiflung beim Rezipienten
führen. Jeder, der schon einmal Möbel eines
schwedischen Einrichtungshauses mit Anleitung
aufgebaut hat und am Ende entweder Teile übrig hatte
oder dem Teile zur Fertigstellung fehlten, weiß,
wovon die Rede ist.
Daher hat der Gestalter (wie oft) eine Verantwortung
dem Auftraggeber und dem Kunden gegenüber.
Grundvoraussetzung: Er sollte selbst
verstehen und durchdringen, was er gestaltet.

#41 Bedienungsanleitung

Lernziele:
Reduktion auf Bild, Infor-
mation über Bild kommuni-
zieren, präzise Bildsprache
und Abstraktion

Schwierigkeitsgrad:
mittel, erfordert Vorkennt-
nisse

Materialliste:
Computer, vektorbasierte
Zeichensoftware

Dauer:
2–4 Stunden Kurze Bedienungsanleitung zum Essen eines Joghurts
212
Wie man eine Gemüsesuppe kocht, wird hier in sechs Bildern aus der Vogelperspektive dargestellt.

Wie man eine Espressokanne bedient und sich einen Espresso kocht, sieht man hier. Die Formen sind klar und deutlich erkennbar.
213
Praxis: ZEICHEN, LOGO, MARKE

Wortbilder erfinden Achten Sie darauf, eine passende Schrift auszu-


wählen und das Wort adäquat zur Bedeutung
Aufgabenstellung: zu visualiseren. Testen Sie Ihr Wortbild an ver-
Überlegen Sie sich fünf Substantive und setzen Sie schiedenen Personen. Ist es eindeutig? Wird die
diese mit dem Computer in einzelnen Wortbildern Botschaft klar kommuniziert oder es ist eventuell
um. Sie können auch vorskizzieren und mehrere noch zu kompliziert gedacht? Dann vereinfachen
Varianten eines Wortbildes andenken, müssen Sie! Mehrere Korrekturdurchgänge sind möglich.
sich aber am Ende für eine Variante entscheiden.
Das Wortbild ist die spielerisch konzeptionelle 61 aus: www.maroverlag.de/kategorie.php?k=typo&
PHPSESSID=b575855254e4bdce53a6633a3788b8ed,
Vorstufe zur Wortmarke, dem Grundbaustein
bezieht sich auf: Peter Krüll, Ping Pong: Wortbilder,
des Corporate Designs. (...) Der Inhalt bestimmt MaroVerlag, Augsburg 2015, Stand 05.11.2015
die Form, die Form interpretiert den Inhalt.61

Wortbilder entwickeln sich aus einer entspannten,


spielerischen und experimentellen Situation
heraus und können durchaus auch mal albernen
Charakter haben. Diese Lockerheit ist sehr hilf-
reich, wenn es später darum geht, Logos
oder ganze Corporate Designs zu entwickeln.
Sich zu entkrampfen und kreativ zu öffnen
→ Kreativitätstechniken, Seite 250 ff., sollte
Grundvoraussetzung der gestalterischen Arbeit
sein – und kann hier sehr gut geübt werden.

#42 Wortbilder erfinden

Lernziele:
spielerischer Umgang mit
Schrift, Schrift als Bild,
Sensibilisieren für Wort-
marken und CD

Schwierigkeitsgrad: diese Seite:


mittel Eine Idee haben; das Loch im Loch finden; die auf- und untergehende
Sonne ganz ohne sichtbare Horizontlinie und eine Litfasssäule
Materialliste:
Schriften, Software,
Computer, Drucker
rechte Seite:
Dauer:
Niederprasselnder Regen in Form von Buchstaben
2 Stunden
214
215
Praxis: ZEICHEN, LOGO, MARKE

Bildmarken-Ideen durch drat, Kreis, Ellipse, Rechteck, Dreieck, Parallelo-


Kombinatorik gramm, Raute. Kleben Sie jeweils eine Form auf
eine Grundfläche. Erstellen Sie vier Kombinati-
Aufgabenstellung: onen aus Grundfläche und Form. Schneiden Sie
Erstellen Sie auf Basis des Kombinatorikprin- anschließend mit einer Schere jede der vier Kom-
zips → Seite 210 eine Reihe von geometrischen binationen in vier gleich große Teile (je 4 × 4 cm).
Varianten ( die sich im weiteren Prozess als Kombinieren Sie nun alle 16 Einzelteile zu neuen
Bildmarken eignen könnten). Verwenden Sie vier- bis achtteiligen Bildmarken. Sie dürfen die
dafür ein schwarzes und ein farbiges Tonpapier. Teile auch drehen. Machen Sie von gelungenen
Das schwarze Tonpapier bildet die quadratische Kombinationen Bleistiftskizzen. Dies ist der
Grundfläche von 8 × 8 cm, das farbige Tonpapier Anfang – und eine Möglichkeit –, Bildmarken zu
schneiden Sie in verschiedene (geometrische) entwickeln.
Formen mit einer Größe von 6 × 6 cm, z. B. Qua-

Hier sieht man eine mögliche Umsetzung der Aufgabe: Im ersten Im nächsten Schritt werden aus den kleineren, farbigen Papieren die
Schritt wird das Tonpapier zugeschnitten. geometrischen Formen ausgeschnitten.

#43 Bildmarken-Ideen

Lernziele:
metrische und gleichzeitig
spielerische Methode zur
Generierung von Logoideen
und zur Bilderfindung,
Abstraktionsvermögen

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste: Dann wird beides zusammengeklebt und jedes Grundelement an-


Tonpapiere, Schere, Kleber schließend wieder auseinandergeschnitten, sodass vier Teilelemente
entstehen, die daraufhin neu kombiniert werden können. Die besten
Dauer:
Ergebnisse werden kurz mit Bleistift skizziert.
2–3 Stunden
216
Hier sieht man ein paar gelegte Varianten, nicht alle funktionieren gleich gut. Bei einigen hat man sofort Assoziationen zu
bereits existierenden Logos und Icons.

217
Praxis: ZEICHEN, LOGO, MARKE

Erscheinungsbild und Identität Wortmarke. Überlegen Sie sich im zweiten Schritt


eines Unternehmens (Teil 1): ein passendes Bild zu Ihrer Wortmarke – Sie ent-
Briefing und Wort-, Bild- und wickeln also eine Bildmarke – und kombinieren
Wort-Bild-Marke Sie beides im dritten Schritt zu einer Wort-Bild-
Marke → Seite 205.
Aufgabenstellung:
Greifen Sie auf eine bestehende Firma zurück Achten Sie darauf, dass sowohl die Wort- als auch
oder denken Sie sich ein fiktives Unternehmen die Bildmarke allein funktionieren können!
aus! Machen Sie sich dazu einen Firmen-Steck-
brief: Branche, Unternehmensstatus, ggf. Mit- Sie können vorab skizzieren, Varianten bilden
arbeiteranzahl, Sitz, (Dienst-)Leistungskatalog, und sowohl schwarz-weiß als auch farbig arbei-
Zielgruppen/Kunden, Image, bisheriges Mar- ten (beides ausprobieren!).
keting, Außenwirkung etc.
Erstellen Sie die Reinzeichnung der drei Marken
Entwickeln Sie anschließend zu dem gewählten am Computer.
Unternehmen auf einem beliebigen Format eine

Auf den nächsten vier Seiten wird die


fiktive Firma Hauke Hein, ein nord- Marke «Hauke Hein»
deutscher Fischimbiss, vorgestellt und
dessen Firmenidentität durchdekliniert. Branche: Gastronomie, Fischimbiss, Fast Food/
Diese Beispiele übersteigen vom Niveau Quick Service, Street Food
und Komplexität eine Grundlagen- Firmenstatus: noch nicht gegründet, Start-up
aufgabe. Dennoch halte ich sie an dieser Mitarbeiteranzahl: 3 bis 5
Stelle für anschaulich und motivierend. Sitz: Norddeutschland (Nordseeküste), mobiler
Ihre eigenen Ergebnisse können aber ein- Verkaufswagen (kein festes Geschäft)
facher und weniger komplex ausfallen. Dienstleistungs- mobiler Quick-Service, Street Food,
katalog: Angebot Speisekarte: Wunschfischburger:
variable Auswahl = Komponenten (Bröt-
chen, Salat, Soße, Gemüse, Fisch, Beilage
hausgemachte Pommes), biologische Pro-
dukte, frische Zubereitung vor Ort, buch-
bar für Veranstaltungen und Events
#44 Teil 1: Wortmarke, Bild-
marke, Wort-Bild-Marke Zielgruppe: m/w, Singles und Familien, Touristen und
Einheimische, Schwerpunkt: junges Ziel-
Lernziele: publikum (geringes Einkommen)
Unterschiede der drei Marken
Image: hip, fresh, gesund, fair (nachhaltige
verinnerlichen, Verständnis
für Logoentwicklung und Fischerei, Bio), günstig, Alternative zu
Konzeption einer Marke asiatischen oder türkischen Schnell-
imbissen, Abgrenzung von teuren Fisch-
Schwierigkeitsgrad: restaurants & schlecht gemachten Fisch-
anspruchsvoll, Vorkennt-
nisse notwendig brötchen, Verkaufspersonal jung und hip

Materialliste:
divers (analog und digital)
Firmen-Steckbrief «Hauke Hein»
Dauer:
218 6–8 Stunden, Präsentation
Erste Skizzen und Überlegungen

Die Wortmarke

Die Bildmarke

Verworfene Ideen und Varianten

Die endgültige Wort-Bild-Marke mit zwei integrierten Claims («Fisch auf die Flosse» & «54° 11´N 7° 53´O»)

219
Praxis: ZEICHEN, LOGO, MARKE

Erscheinungsbild und Identität ausstattung, Mitarbeiterbekleidung, Webseite,


eines Unternehmens (Teil 2): Social Media-Auftritte, Merchandise etc.
Mediale Anwendung
Nutzen Sie den dafür erstellten Firmensteckbrief,
Aufgabenstellung: Ihre Logos (Wortmarke, Bildmarke, Wort-Bild-
Entwickeln Sie auf Basis der → Aufgabe #44, Marke) und bereits geleistete Denk- und Ent-
Teil 1 (Wortmarke, Bildmarke, Wort-Bild-Marke) wurfsvorarbeit als Grundlage.
für dasselbe Unternehmen einen Entwurf für
eine komplette Corporate Identity mit Corporate Sie können sich auch mit einer anderen Person
Design, Corporate Behaviour, Logo, Geschäfts- als Team zusammentun.

Geschäftsausstattung von
Hauke Hein mit Notizblock, Bleistift,
Briefbogen, Visitenkarten, Stempel

Gruppen-
#44 Teil 2: Mediale aufgabe!
Anwendung

Lernziele:
Erscheinungsbild für eine
Firma, gestalterische &
konzeptionelle Fähigkeiten,
Anwenden eines CDs

Schwierigkeitsgrad:
anspruchsvoll

Materialliste:
divers (analog und digital)
Weitere Verpackungen für Take away (Lunchbag, Menükarton,
Dauer: Aufkleber zum Verschließen, Burgerpapier und Pommestüte)
Wochenaufgabe, mit
220 Zwischenpräsentationen
Werbeflyer, DIN-lang-Postkarten, Notizblock, Bonuskarte und Stempel

Speisekarte, Menütafel und Verkaufswagen

Werbeplakat für Hauke Hein, zeigt den Burger und die Beilage als Merchandise: Beutel & Mütze
Produktbild sowie hier die Anwendung des Logos und die Verpackungen

221
TEXT & BILD

222
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Layout, Sicherlich fließen hier auch Teilaspekte der
d. h. mit der Aufteilung und Anordnung von vorangegangenen Kapitel → Komponieren,
einzelnen Gestaltungselementen auf einer defi- Fotografieren, Farbe & Bild, Schrift mit in
nierten Fläche. die Thematik ein, auch wenn dies nicht explizit
Erwähnung findet.
Im theoretischen Teil des Kapitels werden die
Elemente eines Layouts näher beleuchtet Im Praxisteil werden in den drei → Aufgaben
→ #9 Grundlegendes zum Layout: Was ist ein #45 bis #47 verschiedene Formen eines Print-
Gestaltungsraster und wie kann es aufgebaut layouts durchdekliniert. Dabei wird auch geklärt,
sein, welche Elemente werden auf welche Weise wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in
auf der Fläche verteilt und was ist dabei zu der Herangehensweise an ein Layout liegen und
beachten (Umgang mit und Bearbeitung von Text worauf man achten muss, um dem Inhalt und dem
und Bild)? Was spielt der Inhalt dabei für eine Medium gestalterisch gerecht zu werden.
Rolle? Denkt man beim Layouten schon über die → Seite 232 ff.
Herstellung bzw. das Endergebnis nach?

223
# 9 G r u n d l e g e n d e s z u m L ayo u t

Was ist ein Layout? Der Layoutprozess

Als Layout (engl. «das Ausgelegte», sinngem.: Am Anfang steht ein Briefing (engl. brief: «kurz»,
«Plan», «Entwurf», «Anlage» und allg.: «Gestal- briefing: «Einsatzbesprechung»), d. h. eine
tung») bezeichnet man im Gestaltungsbereich klar formulierte Aufgabe – meist durch einen
das detaillierte Visualisieren einer Gestaltungs- Auftraggeber –, was und für wen zu gestalten ist.
idee in Form eines Entwurfs, ursprünglich vor Nach anfänglichen Überlegungen und ggf. einer
allem für Drucksachen, inzwischen aber thematischen Recherche denkt der Gestalter mit
auch für rein digitale Medien (Webseiten, Apps, dem Stift weiter: Über erste, freie Skizzen kann
Games etc.). Durch diesen Entwurf (= Layout) man leicht eine gestalterische Idee visualisieren.
kommuniziert der Gestalter seinem Auftraggeber Aus dieser skizzierten Idee entwickelt sich ein
(sowie sich selbst und ggf. seinen Kollegen) einen Layoutkonzept, das sowohl den Inhalt als auch
visuellen Eindruck über die spätere Ausführung die emotionale Grundhaltung des Autors und
(Reinzeichnung). Das Layout dient damit als des Designers abbildet. Das Layoutkonzept gilt
Diskussions-, ggf. Änderungs- und schließlich für die gesamte Drucksache oder eine Serie von
verbindliche Entscheidungsgrundlage. Drucksachen. In der konzeptionellen Idee wird
begründbar festgelegt, warum welche Parameter
Im anfänglichen Layout müssen noch nicht alle wie definiert werden (z. B. inhaltliche, formale
finalen Elemente (Schrift, Bild, Schaltflächen, Gründe, Zielgruppen- und programmatische
Animationen etc.) eingebettet sein, sondern es Entscheidungen, Auftraggeber mit festgelegtem
kann auch mit Ersatzmaterial (= Blindmaterial)62 CD). Mit dem Layoutkonzept entsteht dann am
gearbeitet werden. Computer → DTP, Seite 180 ein Rohlayout, auch
Groblayout genannt, in dem bereits alle Para-
Layouts können einmalig für Drucksachen (Uni- meter definiert sind. Eine sinnvolle Reihenfolge
kate und Einzelpublikationen: Bücher, Plakate, der Parameterdefinition kann dabei sein:
Flyer etc.) erstellt werden oder als Layoutvorlagen
für Periodika (Zeitungen, Zeitschriften, Buch- 1) Seitenformat
reihen etc.) mehrfach, jeweils mit anderem Inhalt, 2) Dokument mit definiertem Seitenformat
Verwendung finden. Das Gleiche gilt auch für per DTP anlegen
digitale Anwendungen. 3) Satzspiegel
4) Gestaltungsraster (Umgang mit Text und
Das Layout setzt sich aus den Parametern Format, Bild) → Parameter für ein Gestaltungs-
Satzspiegel, Gestaltungsraster, Schrift, Weißraum, raster, Seite 225 f.
Verhältnis von Text und Bild und Farbklima 5) Schriften- und Farbauswahl,
zusammen, die der Gestalter hier definiert. Bei der Grundlinienraster
Definition der o. g. Parameter sollte zudem auch
bedacht werden, für wen und was man gestaltet. Im Feinlayout werden alle Gestaltungsparameter
Der zu gestaltende Inhalt bestimmt die Visualisie- schließlich verbindlich festgelegt, Überflüssi-
rung genauso wie das gewählte Medium, ggf. die ges wird entfernt und alle Inhalte fließen in das
Herstellung einer Drucksache und die Zielgruppe, Dokument ein. Die Reinzeichnung bildet das
für die gestaltet wird. Dokument der Druckvorstufe, in der alles detail-
liert ausgearbeitet und druckfertig gemacht wird
(Umbruch der Texte, Bilder in Druckauflösung,
Formatierungen, Mikrotypografie, Automatisie-
rungen wie Seitenzahlen, Autokorrekturen etc.).

224
Formate, Raster und Satzspiegel Sofern der Gestalter bei der Formatwahl nicht
durch das Briefing eingeschränkt wurde, kann er
Das Format einer Drucksache wird durch das Ver- beim Format vorab experimentieren. Abhängig-
hältnis von Seitenhöhe zu Seitenbreite bestimmt. keiten von inhaltlichen Vorgaben (Drucksache an
Abhängig vom praktischen, ästhetischen und sich, Umfang der Informationen, Handhabbarkeit
produktionstechnischen Aspekten entscheidet des Produkts), Budget und formalen Aspekten

Andrew Haslam
man sich für ein Hochformat (höher als breit), ein (Format vs. Bogengrößen und Papierlaufrichtun-
Querformat (breiter als hoch) oder ein quadra- gen o. a. Beschränkungen der Herstellung,
tisches Format (Höhe gleich Breite). Ausnahme- Vorlieben/Geschmack der beteiligten Akteure
fälle sind Kreis- und Dreiecksformate (z. B. bei und Zielgruppen etc.) sollten jedoch nicht außer
Flyern). Über die Festlegung von spezifischen Acht gelassen werden.
Proportionen (Verhältnis von Seitenhöhe zu
Seitenbreite) kann man interessante und span- Des Weiteren kann man mit Hilfe eines Rasters
nende Formate finden. das zu gestaltende Format gliedern, d. h. aufteilen.

zum Choreographen des vom Autor bereitgestellten Inhalts.» 64


Dabei wird die Gestaltungsfläche in kleinere Flä-
Der Typograf Jan Tschichold (1902–1974)63 hat chen unterteilt und gegliedert.
sich intensiv mit der Analyse von Druckwerken
auseinandergesetzt. Er prägte den Begriff der Im Gestaltungsraster, das man auch als Konstruk-
«harmonischen Seitenformate» (Abb. 226) und tionsraster bezeichnet, wird die Gestaltungs-
stellte fest, dass viele Bücher annähernd im fläche, wie oben beschrieben, vom Gestalter sinn-
Format des Goldenen Schnitts angelegt wurden. voll gegliedert, sodass im Anschluss alle Inhalte
→ Proportionen, Seite 28 ff. (z. B. Texte und Bilder) in dieses Raster eingeord-
net werden können. Ein Raster sorgt für eine
Formate können auch auf Basis von Papierfor- präzise Anordnung (millimetergenau) und Klar-
maten festgelegt werden. So ist gewährleistet, heit sowie bei mehrseitigen Dokumenten für
dass ökonomisch mit Papierressourcen gearbeitet Kontinuität und Einheitlichkeit in der Gestaltung.
wird, da Papierformate nationalen Normen unter- Des Weiteren verkürzt ein Raster den Umset-
liegen (z. B. Deutschland: DIN-Format → Seite 30, zungsaufwand bei umfangreichen Dokumenten,
USA das US Letter und und GB z. B. da Commer- wie z. B. bei Plakatreihen, Broschüren und
cial Cut- und Imperial-Papierformat). Diese Büchern (Abb. 227, Seite 226).
Papierformate sind wiederum mit den nationalen
Maschinen zur Weiterverarbeitung der Druck- Zu einem Gestaltungsraster gehören folgende
erzeugnisse abgestimmt und so können Schnitt- Elemente, die schon im Rohlayout grob definiert
reste auf ein Minimum reduziert werden. Aller- werden müssen und im Feinlayout verbindlich
dings sind diese Papiernormgrößen nicht immer für die Gestaltung festgelegt werden:
spannend oder passend zu einem Layoutkonzept.

Abb. 226

«Der Designer wird (...) 225


# 9 G r u n d l e g e n d e s z u m L ayo u t

1) Endformat der Drucksache (oder digitalen Teil des Gestaltungsrasters ist der Satzspiegel.
Anwendung) plus ggf. Beschnitt Als Satzspiegel bezeichnet man die Nutzfläche
2) Satzspiegel und Stege auf der Seite eines Buches. Diese wird begrenzt
3) Spalten (senkrechte Unterteilungen für Text durch die Stege, so bezeichnet man die unbe-
und Bild) und deren weitere Unterteilung druckten Abstände zwischen Satzspiegel und
4) Abstände zwischen einzelnen Elementen dem Rand der Gestaltung. Die Stege werden un-
5) Umgang mit Schrift (Fließtext, Auszeich- terschieden in: Bundsteg (= Innensteg), Kopfsteg
nungen, Hierarchien, Auswahl verschieden- (= oberer Rand), Fußsteg (= unterer Rand) und
er Schriftarten, -schnitte, -größen, -farben, Außensteg (= äußerer Rand). Der Bundsteg ist in
Ausrichtung, Absätze, Einzüge, Laufweite, der Regel bei einem harmonischen Satzspiegel der
Umbruchoptionen, Grundlinienraster, kleinste Steg. Denn beide Bundstege stoßen direkt
Zeilenabstand etc.) aneinander und wirken so visuell wie ein einziger
6) Umgang mit Bild (z. B. Rahmen, Größen, Bundsteg. Gefolgt wird er vom Kopfsteg als zweit-
Platzierung, Drehung), ggf. Tabellen, kleinstem Steg. Der Außensteg ist der zweitgrößte
Diagrammen, Grafiken und Fläche (auch mit Steg, weil hier die Drucksache mit den Händen ge-
Weißräumen) halten wird (und man keine Nutzfläche verdecken
7) Kolumnentitel inklusive Paginierung möchte) . Der größte Steg ist der Fußsteg, der wie
(= Seitenzahlen) eine Basis wirkt, auf dem die Nutzflächen optisch
8) ggf. Farbspektrum gut stehen müssen, daher die Größe (Abb. 229).

Ein Grundlinienraster hingegen ordnet nur Zum Satzspiegel gehört alles, was sich in ihm
den Text und macht vor allem bei mehrseitigen befindet: der Text in Spalten/Kolumnen (ein- bis
Drucksachen Sinn. Es sorgt dafür, dass alle Zeilen x-spaltig) und jede Form von Bild (Grafik, Foto-
im Dokument Register halten (= Registerhaltig- grafie, Illustration etc.), außerdem die Fußnoten
keit), d. h. die Textzeilen aller Seiten stehen exakt und der lebende Kolumnentitel. Dieser besteht
auf einer Linie. Dies kann man überprüfen, indem wiederum aus der Seitenzahl und weiteren
man eine beidseitig gedruckte Textseite gegen das Angaben über den Inhalt, das Kapitel oder den
Licht hält. Dann sollte der Text sich auf beiden Buchtitel. Er steht einzeilig meist ober- oder
Seiten decken und die Zeilen nicht verschoben unterhalb der Kolumne/des Textfeldes, daher der
wirken (Abb. 228). Grundlinienraster und Zeilen- Name. (In diesem Buch steht er gestürzt immer
abstand sollten gleich definiert werden. auf der linken Seite des Buches!) Alternativ kann
man auch einen toten Kolumnentitel verwenden.
Er besteht nur aus der Seitenzahl/Kolumnenziffer

Kopfsteg Kopfsteg
Außensteg

Außensteg

Nutz- Nutz-
Innensteg
Innensteg

fläche fläche

Fußsteg Fußsteg

Abb. 227 Abb. 228 Abb. 229

226
und wird nicht mehr zum Satzspiegel gerechnet. zelseiten wird jeweils eine Diagonale gezogen,
Einen Satzspiegel festzulegen, lohnt sich bei und zwar von unten außen nach oben innen.
mehrseitigen Drucksachen wie Büchern (inkl. Nun wird der Satzspiegel auf die Diagonalen
e-books), Broschüren, Zeitungen und Zeitschrif- konstruiert: Jeweils die oberen Ecken der
ten etc. Satzspiegel zu entwerfen, ist immer eine rechteckigen Nutzfläche und die untere äußere
Frage der Proportion des Formats in Relation Ecke liegen auf den konstruierten Diagonalen.
zu den Proportionen der Gestaltung der Nutz- Je nachdem, wie groß oder klein man die Nutz-
fläche auf dem Format. fläche haben möchte, legt man die Ecken weiter
oben und innen an. Mit der Vergrößerung der
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, einen Nutzfläche verkleinern sich die Seitenränder
Satzspiegel zu entwerfen. Zumeist konstruiert und umgekehrt (Abb. 230).
und errechnet man ihn, aber man kann ihn
auch, abhängig vom Layoutkonzept, frei auf Eine andere Möglichkeit ist, den Satzspiegel rein
einem Format platzieren oder ihn in experimen- geometrisch, ohne Abmessen, zu konstruieren.
tellen Entwürfen auf jeder Seite neu festlegen. Diese Vorgehensweise wurde zu Beginn des
Wenn man ihn konstruiert, gibt es verschiedene 13. Jahrhunderts erfunden, als es noch keine
Herangehensweisen: Die klassische und weit standardisierten Maßeinheiten gab. Dabei
verbreitete Satzspiegelkonstruktion, ist die, bei wurde ein Raster mit Hilfe eines geraden Stocks
der das Seitenverhältnis der Einzelseiten 1 : √2 gezeichnet (Abb. 231). Des Weiteren kann man
entspricht. (Auch die DIN-Formate werden Satzspiegel auch mit Hilfe von Raster- oder
aus dieser Formel gebildet.) Sie wurde von dem Kreiskonstruktionen entwickeln (Abb. 232). 66
Architekten Villard de Honnecourt (um 1225– Durch den Computer, der dem Gestalter viel
1250) entwickelt65: Die Grundkonstruktion sieht Maß- und damit Konstruktionsarbeit abnimmt,
vor, dass über die Doppelseite zwei gegenläufige ist es heute möglich, Satzspiegel auch ohne (sicht-
Diagonalen gezogen werden. Auch über die Ein- bare) geometrische Hilfsmittel zu entwerfen.

Abb. 230

Abb. 231 Abb. 232

227
# 9 G r u n d l e g e n d e s z u m L ayo u t

Anordnung von Text und Bild mehr Text als Bild enthält (und bei der Bilder auch
eher wie Marginalien agieren)67, so sollte sich dies
Nachdem man als Gestalter ein grobes Layoutkon- in der Gestaltung widerspiegeln und den Texten
zept erdacht und zu diesem ein Gestaltungsraster mehr Platz auf der Nutzfläche eingeräumt werden
und einen Satzspiegel für sein Format festgelegt als den Bildern. Dies sind nur zwei Beispiele von
hat, überlegt man parallel, wie die Bild- und Text- möglichen Kombinationen aus Text und Bild,
inhalte adäquat zur Aussage platziert und abge- die das Gestaltungsraster und damit das Layout
bildet werden können. Eine angenehme Lektüre bestimmen.
sollte gewährleistet werden (z. B. Lesefluss,
Abbildungen in der richtigen Größe und an den Doch auch wenn man nur Bilder oder nur Texte
richtigen Stellen). layoutet, es also zu keiner Vermischung von Text
und Bild kommt, sollte man die einzelnen Text-
Abhängig von den zur Verfügung stehenden Bild- elemente/Textbausteine bzw. Bilder ins Verhält-
inhalten leitet sich evtl. daraus schon ein passen- nis zueinander setzen. Anschließend entwickelt
des Format und Gestaltungsraster ab. Dazu ein man daraus ein dem Inhalt entsprechendes
Extrembeispiel: Bei einer Publikation, die nur Layoutkonzept.
aus Panoramen (= extreme Querformate) besteht,
wäre ein Buch im Hochformat sicherlich unge- Worauf ist beim Layouten der o. g. Varianten
eignet. Man muss sich als Gestalter also vorab zu achten? Beim reinen Text-Layout sollte zu-
überlegen, wie man seinen Inhalt bestmöglich erst analysiert werden, welche Textarten (z. B.
und adäquat präsentieren und kommunizieren Fließtext, Überschriften, Marginalien, Fußnoten,
kann (ähnliche Überlegungen gelten für alle an- Infokästen, Tabellentexte) es gibt und in welcher
deren Bildformate). Oder hat man beispielsweise Menge diese vorliegen. Des Weiteren schaut man
eine wissenschaftliche Publikation, die deutlich als Gestalter, welchen Hierarchien diese Textarten
unterliegen. Gleichzeitig macht man sich mit
dem Inhalt vertraut und überlegt, welche typo-
grafische Visualisierung dazu in Frage kommt.
Anschließend werden diese Überlegungen
umgesetzt, d. h. die Texte werden typografisch
definiert, unterschieden und gestaltet (Abb. 233).
→ Typografie, Seite 180 ff.

Beim reinen Bild-Layout sollte zuerst analysiert


werden, mit welchen Bildinhalten man es
zu tun hat und wie diese aufeinander Bezug neh-
men sollen oder auch nicht. Außerdem spielen
hier formale Aspekte der Bilder eine Rolle und
ergeben Fragen wie: Welche Formate haben die
Bilder? Welche Anschnitte werden verwendet
und warum und darf ich als Gestalter die Bilder
beschneiden oder nicht? Wie sind sie komponiert
und (wie) muss ich in der Gestaltung auf diese
Komposition eingehen? Welche Bilder vertragen
welche Umgebung? (Brauchen die Bilder viel
Abb. 233

228
Weißraum, einen Rahmen, andere Bilder, Bild- Außerdem greifen hier ebenso die vorangegange-
serien?) → Fotografie, Seite 104 f. Hier kann man nen Überlegungen von Text- sowie von Bild-
bei der Gestaltung einiges falsch machen, daher Layout. Darüber hinaus sollte gestalterisch ent-
lohnt es sich, – wie bei den meisten Dingen –, vor- schieden werden, ob Text oder Bild hierarchisch
ab genügend Zeit für die Analyse zu verwenden über dem jeweils anderen steht und entsprechend
und sich ggf. Rückmeldung bzgl. der Vorstellun- visualisiert werden muss (d. h. in den meisten
gen des Auftraggebers geben zu lassen. Folgt Fällen mehr Platz eingeräumt bekommt). Und es
dieser Analyse anschließend die Umsetzung, muss sollte durch das Layout gewährleistet werden,
parallel und fortwährend vom Gestalter geprüft dass Text und Bild zusammenpassen (=Text-Bild-
werden, ob das Bildlayout logisch, eindeutig und Koordination), sich an den richtigen Stellen er-
nachvollziehbar ist. Gerade beim Arrangement gänzen und illustrieren. Nichts ist schlimmer als
von mehreren Bildern auf einer Seite ist darauf zu ein vorweggenommer Textinhalt, dem das dazu
achten, dass es durch die neue Bild-Kombination passende Bild erst nach dem Umblättern folgt,
nicht unbedacht zu Falschaussagen oder Fehl- oder ein vorweggenommener Bildinhalt, dessen
interpretationen kommt. Das Bildlayout muss Erklärung sich im Text erst drei Seiten weiter
ohne zusätzliche Textebene oder Erklärung durch wiederfindet (Abb. 235).
einen Dritten verständlich sein (Abb. 234).

Das Layoutkonzept anhand


Beim Text-und-Bild-Layout sollte zuerst analy- einer Publikation
siert werden, was in welchen Mengen und Hier-
archien vorhanden ist und gelayoutet werden soll. Wenn man als Gestalter ein Layoutkonzept ent-
Um welche Inhalte handelt es sich? Was liegt wickelt, ist das Ergebnis logischerweise abhängig
formal und qualitativ an Material vor und wie von dem zu gestaltenden Medium. Dabei ist ein
lässt sich dieses adäquat im Layout präsentieren? einzelnes Plakat sicherlich schneller und leichter

Abb. 234 Abb. 235

229
# 9 G r u n d l e g e n d e s z u m L ayo u t

zu layouten als eine Plakatreihe, eine Webseite es wird entschieden, ob es Hierarchien in den
mit Unterseiten, Links, interaktiven Elementen, Überschriften gibt und wie diese aussehen. Der
einer Datenbank etc., aber komplexer als die Gestalter entscheidet außerdem, wie ein Kapitel
Gestaltung einer Postkarte. Und eine Buch- oder anfängt (z. B. über eine Aufmacherseite, ein Zitat
Magazingestaltung dauert länger als die Arbeit oder ähnliches), ob jedes Kapitel gleich aussieht
an einem mehrseitigen Flyer. mit Satzspiegel und Schriftwahl etc. und wie mit
Auszeichnungen verfahren wird. Auch legt der
Als Beispiel für einen Layoutablauf (Aufbau und Gestalter in seinem Layoutkonzept Regeln für
Gliederung) wähle ich exemplarisch die Gestal- den Umgang mit Bildern fest. Bekommen Bilder
tung einer Buchpublikation: Am Anfang steht beispielweise einen Rahmen oder werden sie
die redaktionelle Konzeption, d. h. die visuelle immer quadratisch beschnitten etc.? Außerdem
Vermittlung des Inhalts, der reinen Informatio- wird geklärt, wie man Bilder erläutert (z. B. durch
nen (z. B. Text, Bild, Grafik wie Tabellen und Bildunterschriften, Verweise auf Abbildungen
Diagrammen), aus der sich ein Layoutkonzept im Text, Trennung von Bild und Bildunterschrift,
für das ganze Buch entwickelt. Das Layoutkonzept Bildunterschrift als Marginalie, zusammenge-
besteht wiederum aus dem Gestaltungsraster, fasste Bildunterschriften als Listen) und wie man
d. h. dem Seitenlayout und der Einbandgestaltung. sie beschriftet (bei Grafiken und Diagrammen
Dieses kann man nun anhand eines Struktur- z. B. durch Leitlinien, Schriftlinien und Num-
planes68 (Abb. 236), der allen Beteiligten (dem mern). Bleiben die Fragen, wie man mit Fußnoten,
Herausgeber, Autor, Buchgestalter, Lektor) einen Marginalien, Endnoten und Versnummern im
Überblick über das Projekt gibt, auf die einzelnen Text umgeht und wie der Anhang aus Kolophon,
Teilbereiche des Buches anwenden. Nachdem Glossar, Register, ggf. Quellen- und Literatur-
der Strukturplan steht, kann der Innenteil entste- verzeichnis etc. gesetzt und gegliedert werden
hen. Wie werden die einzelnen Kapitel visuali- soll. Manchmal gehört es auch zur Aufgabe des
siert, gegliedert und wie wird der Leser durch das Gestalters, Inhalte, zusätzlich als Bild zu visuali-
Buch geführt (= Navigation)? Das Inhaltsverzeich- sieren, z. B. durch eine Infografik, eine Karte, ein
nis, das die Kapitelüberschriften benennt und Diagramm, eine Tabelle oder eine Illustration.
diese mit den entsprechenden Seitenzahlen ver- Der Inhalt kann dadurch eindeutiger kommu-
knüpft, ist der erste Schritt. Danach muss ent- niziert werden. Auch hier ist das Können und
schieden werden, ob es einen lebenden oder toten Verständnis des Gestalters für den Inhalt gefragt.
Kolumnentitel gibt (inkl. Seitenzahlen/Kolum- Der Gestalter wird zum Illustrator. Last but not
nenziffern) und wo dieser platziert wird. Dann least wird sich der Gestalter mit der Einband- und
werden die Kapitel gegliedert und gestaltet, d. h. ggf. Umschlaggestaltung auseinandersetzen.

Abb. 236

230
Hier gilt es, alle Interessen und Ansprüche visuell
unter einen Hut zu bekommen (Autor: Inhalt soll
62 Zu Blindmaterial zählen z. B. Blindtext, den
visualisiert werden, Herausgeber/Verlag: hoher
man sich auch vom Layoutprogramm generieren
formaler und gestalterischer Anspruch und Mar- lassen kann, Blindbilder, Blindton und Blindfilm-
ketingaspekte, Buchgestalter: hoher formaler An- material, um ein Gefühl für den späteren Inhalt
spruch). Elemente für den Einband bzw. Umschlag zu suggerieren.

sind neben Titel, Autor und einem Referenzbild


63 Jan Tschichold war ein deutscher Kalligraf, Typograf,
das Verlagslogo, ISBN-Nummer und Barcode, Schriftent werfer, Plakatgestalter, Autor und Lehrer.
Verkaufspreis, Klappentext, Biografie des Autors, Er war einer der bekanntesten Vertreter der «Neuen
Zitate zu Buchkritiken, weitere Miniaturbilder Typographie». Die Sabon ist seine bekannteste Schrift.

und vieles mehr.


64 aus: Andrew Haslam, Handbuch des Buches, Stiebner
Verlag GmbH, München 2007, Seite 30
Layout in Verbindung mit
65 Diese Methode wird auch als «Neunerteilung» bezeich-
Herstellung und Ausstattung
net. Jedes Format kann damit unterteilt werden.
Wenn man es auf ein Format im Goldenen Schnitt
Neben den inhaltlichen und formalen Aufgaben anwendet, so erhält man eine Aufteilung von Seiten-
eines Layoutkonzepts muss in der Layoutphase höhe und -breite in Neuntel. Es ergeben sich insgesamt
außerdem besprochen werden, welche Ausstat- 81 Einheiten, die zueinander im selben proportionalen
Verhältnis stehen wie der Satzspiegel und das Seiten-
tung das Buch (um bei diesem Beispiel zu bleiben)
format zueinander.
haben soll. Ausstattung und Herstellung entschei-
det in erster Linie der Auftraggeber und Heraus- 66 vgl.: Andrew Haslam, Handbuch des Buches, Stiebner
geber (zumeist ein Verlag) in Absprache mit dem Verlag GmbH, München 2007, Seite 46 ff.
Autor und ggf. dem Gestalter. Doch oft hängt von
67 Eine Marginalie (lat. margo: «Rand» und lat. margina-
diesen Entscheidungen auch die Gestaltung ab!
lis: «zum Rand gehörig») bezeichnet eine am Rand
Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Herstellung eines Textes oder auf dem Steg platzierte Anmerkung,
schon frühstmöglich mit dem Gestalter bespro- einen Kommentar, einen Hinweis oder eine Korrektur
chen und dessen Layoutkonzept auf Realisierbar- zur angemerkten Stelle des Textes. Ich meine hier im
übertragenen Sinn auch Marginalie = Nebensächlich-
keit geprüft wird.
keit.

Zur Ausstattung eines Buchs (oder einer Druck- 68 Das Wort «Str ukturplan» habe ich so nur in dem Buch
sache) gehören: Papierwahl für Innenteil und Ein- von Sabine Hamann gefunden: Logodesign, mitp-
Verlag, Redline GmbH, Heidelberg 2007, Seite 101 ff.
band, Umschlag, Veredelung wie partieller Lack,
Ob es eine Eigenschöpfung der Autorin ist, konnte ich
Prägungen oder Stanzungen, die Art der Bindung nicht in Erfahr ung bringen. Da ich selbst solche Über-
(z. B. Fadenheftung, Klebebindung, Leporello, sichten für jedes meiner Bücher erstelle, freute ich
Schraubung, Heftung, Broschur), ausklappbare mich, einen Namen dafür zu lesen. Bis dato hatte ich
es für mich «Seitenablaufplan» oder«Storyboard für
Seiten, Einleger, Vorsatzpapiere, Lesebändchen,
Bücher» genannt.
Kapitalband, Farbschnitt etc.

Über das Thema Layout wurden ganze Bücher


verfasst. Wer tiefer einsteigen möchte, findet
hier interessante Titel. → Weiterlesen-Tipps,
Buchgestaltung, Layout, Seite 277

231
Praxis: TEXT & BILD

Gestaltung einer Plakatserie Erarbeiten Sie aus diesem Arbeitsprozess heraus


ein Konzept für eine dreiteilige Plakatserie.
Aufgabenstellung: Machen Sie sich ggf. vorab Skizzen.
Suchen Sie sich ein freies Thema, zu dem Sie ein
Plakat im DIN-A2-Format gestalten. Setzen Sie Die Umsetzung ist völlig frei: Sie können analog,
sich vorab intensiv mit dem selbst gewählten The- digital, illustrativ, typografisch, fotografisch,
ma auseinander: Was fällt Ihnen dazu ein? Brain- collagiert und grafisch arbeiten. Achten Sie
stormen Sie schriftlich Begriffe, Problem- und bei der Umsetzung in Serie auf ein einheitliches
Arbeitsfelder, recherchieren Sie, stellen Sie sich Layoutkonzept mit Seriencharakter.
Fragen, beispielsweise: Was ist Ihnen persönlich
bei diesem Thema besonders wichtig? Was wirft Drucken Sie sich Zwischenergebnisse verkleinert
Fragen auf? Was ist dabei ein komplexes Problem? und in Originalgröße aus, um ein Gefühl für die
Relationen und Plakativität zu erhalten.
Bitte ergänzen Sie zu Ihren Entwürfen folgende
Textzeile in maximal 12 pt (kann auch gestürzt Ziel: Diese Plakate sollen den Betrachter für das
werden): Gestaltung: Vorname, Nachname und Thema sensibilieren, aufrütteln, zum Nachden-
Entstehungsjahr, ggf. Webseite. ken anregen und das Thema kommunizieren und
eindeutig visualisieren.

#45 Plakatserie

Lernziele:
Visualisierung und Kommu- Diese abgebildete dreiteilige Plakatserie, entstanden im Rahmen eines
nikation eines Themas,
städtischen Wettbewerbs, beschäftigt sich mit dem Thema
Auseinandersetzung mit
Plakatgestaltung und Layout, «Abfallvermeidung» und dem Slogan «Mehrweg statt Einweg»,
Komposition der hier visualisiert wurde.
Die Plakatreihe stellt eindrücklich und plakativ gegenüber, wie viele
Schwierigkeitsgrad: Einwegprodukte man einsparen könnte, wenn man stattdessen
leicht
ein Mehrwegprodukt nutzen würde.

Materialliste: Das Layout wird in allen drei Plakaten konsequent wiederholt, auch der
divers (analog bis digital) Stil der Grafik ist derselbe, was ebenfalls einen hohen Wieder-
erkennungswert darstellt. Nur die Farbigkeit scheint willkürlich und
Dauer:
nach rein formal-ästhetischen Entscheidungen ausgewählt.
3–4 Stunden Recherche,
232 6–8 Stunden Layout
233
Praxis: TEXT & BILD

Alle Plakate dieser Doppelseite sind zum deutsch-


landweit ausgerufenen Plakatwettbewerbs
100 Jahre Erster Weltkrieg: Die Waffen nieder!
Jetzt! entstanden.

diese Seite:
Eine Dreierserie mit blauer Tusche und Hand-
schrift, als Oberthema diente der Slogan «Für
Toleranz und Frieden». Das dritte Plakat stellt eine
Variante des ersten dar, es beinhaltet keine neue
und eigenständige Idee. An diesen Beispielen lässt
sich gut zeigen und diskutieren, inwiefern Größe
und Ausrichtung des dargestellten Gegenstands die
Aussage beeinflussen können.

234
oben:
Eine Auswahl von zwei Plakaten ein und
desselben Urhebers. Der Seriencharakter
ist hier nur sehr schwer wiederzuerkennen
und beschränkt sich auf die Farbgebung
und die grafische Anmutung. Leider wurde
keine einheitliche Schriftart beim Slogan
verwendet, das hätte den Seriencharakter
gestärkt.

links unten:
Das einzelne Plakat besticht vor allem
durch die eindrückliche Grafik und spielt
gekonnt mit der Negativform, auf den
zweiten Blick realisiert man die Kammer
des Schreckens in Form von Kriegswaffen,
die hier metaphorisch den Tod bringen.
Die Schrift sitzt insgesamt zu eng an der
unteren Bildkante.

235
Praxis: TEXT & BILD

Gestaltung einer Zeitungsseite derheiten haben Zeitungstexte im Vergleich zu


anderen Texten (Zeitschriften, Belletristik etc.)?
Aufgabenstellung: Was zeichnet einen Pressetext aus (Textaufbau,
Layouten Sie eine Zeitungsseite oder Doppelseite* Struktur, Sprache) und welche unterschiedlichen
(Hochformat, Größe frei wählbar, z. B. geschlossen Formen gibt es (Pressemitteilung, Bericht, Kom-
37 × 52 cm) zu einem Thema Ihrer Wahl. Generie- mentar, Infokasten, Leserbrief, Interview etc.)?
ren Sie passendes Text- und Bildmaterial.
Legen Sie nach der Recherche Ihr Zeitungsformat
Schauen Sie sich vorab dazu Tages- und Wochen- und -layout, in Abhängigkeit Ihres Zeitungskon-
zeitungen an. Formale Fragen könnten sein: Wie zepts bzw. Themas, mit einer Layoutsoftware an.
sind diese im Layout angelegt? Ist ein Gestaltungs- Erstellen Sie ein Gestaltungsraster mit Satzspiegel,
raster erkennbar? Wie funktioniert der Umgang Stegen, Spalten etc., in dem Text und Bild sinnvoll
mit Schrift und Bild? Wie viele Spalten hat die Platz finden und das möglichst viele Variationen
Zeitung? Wie groß sind die Ränder im Verhältnis von Anordnungen zulässt. Definieren Sie die un-
zueinander? Welche Schriften werden benutzt? terschiedlichen Texthierarchien, ein Grundlinien-
Wie wird mit Bildunterschriften umgegangen? raster und den Umgang mit Bild und Text.
Inhaltliche Fragen könnten sein: Welche Beson-

Zusammen mit 25 Studierenden der Grundlagen


habe ich im Rahmen einer Auslandsexkursion
eine begleitende 36-seitige Exkursionszeitung her-
ausgebracht. Diese wurde bei der anschließenden
Exkursionsausstellung in der Hochschule verteilt.
So konnten sich alle Besucher der Ausstellung ein
Bild von unserer Reise machen.

rechte Seite:
Eine Zeitungseite der fertigen Exkursionszeitung

#46 Zeitungsseite

Lernziele:
Layout und Gestaltungs-
raster, konzeptionelle Idee,
Anwendung von typogra-
fischen Kenntnissen, Bild-
Text-Verhältnis

Schwierigkeitsgrad:
anspruchsvoll
Gruppen-
aufgabe!
Materialliste:
Computer, Layoutsoftware, * Variante der Aufgabe:
Scanner, Bildmaterial Layouten Sie in der Gruppe eine 16-seitige
Zeitung zu einem Thema.
Dauer:
236 8 Stunden
237
238
Praxis: TEXT & BILD
linke Seite: Einzelseite aus
der Exkursionszeitung

rechte Seite: Exemplarische Abbil-


dung einiger Doppelseiten aus der-
selben Zeitung. Es war nicht immer
einfach, passende Einzelseiten zu
einer Doppelseite zusammenzufüh-
ren. Es bietet sich daher an, dass
eine Person eine Doppel- statt einer
Einzelseite gestaltet und layoutet.

239
Praxis: TEXT & BILD

Das Kurzgeschichtenheft Cover (beidseitig, 4 Seiten gesamt). Sie brauchen


einen Titel, evtl. einen Untertitel, den Autor (das
Aufgabenstellung: sind Sie!), ein Impressum, einen Fließtext und
Setzen Sie sich mit einem selbst gewählten Thema Seitenzahlen. Optional sind außerdem Kapitel,
intensiv auseinander (z. B. fiktives Interview eine Widmung, ein Prolog, wörtliche Rede, Fuß-
mit einem Prominenten Ihrer Wahl, Visualisie- noten, Marginalien, Zitate, Verse, ein Glossar und
rung eines Traumes, den Sie hatten, Illustration ein Nachwort.
und Neuinterpretation eines Märchens, einer
Kurzgeschichte, Gedanken zu einem bestimmten Die Umsetzung und Wahl der Technik(en) ist
Thema, ein Gedichtband, visuelle Interpretation völlig frei: analog, digital, illustrativ, typografisch,
eines Songtextes)!* fotografisch, collagiert, grafisch oder eine Misch-
form sind möglich.
Entwickeln und schreiben (!) Sie daraus eine fik-
tive Geschichte, die sich mit dem Thema formal, Bedenken Sie: Das Layout, die Typografie, der Um-
inhaltlich und/oder abstrakt auseinandersetzt. gang mit den Bildern etc. sollten die Geschichte
Bebildern Sie den entstandenen Text auf tragen, ergänzen, unterstützen und adäquat kom-
16 Seiten eines einlagigen DIN-A5-Heftes plus munizieren.

Dieses Bild zeigt die Gruppenpublikation


We wish you a pleasant journey!
Zwanzig Studierende haben je eine
Doppelseite und einen Umschlag entworfen.
Ergebnis: Jeder erhält ein Heft mit demselben
Inhalt von 40 Seiten, aber jeweils einem
anderen Umschlag.

#47 Kurzgeschichtenheft

Lernziele:
Layout eines mehrseitigen
Projekts, konzeptionelle Idee,
Anwendung des Wissens
zu Typografie, Bildausschnitt
und Layout
Gruppen-
Schwierigkeitsgrad: aufgabe!
mittel bis anspruchsvoll
* Variante der Aufgabe:
Materialliste: Layouten Sie in der Gruppe ein Heft zu
divers (analog und digital) einem Thema, wobei jeder mindestens
eine Doppelseite und einen Umschlag-
Dauer:
entwurf layoutet.
4 × 8 Stunden, mit Zwischen-
240 präsentationen
Diese Seite zeigt ein Heft, das sich illustrativ
und sprachlich mit dem Leben der Mode-
macherin Coco Chanel (1883–1971) aus-
einandersetzt. Das Oberthema war hier
«Fiktives Interview mit einem Vorbild»
(oder jemandem, den man immer schonmal
treffen wollte). Die Kurzgeschichte fängt
gekonnt das Pariser Flair der damaligen Zeit
und den Charakter Coco Chanels ein.

241
Praxis: TEXT & BILD

Auf dieser Doppelseite befinden sich Kurzgeschichten,


in denen Studierende ihre Träume visualisiert haben.
Entstanden sind dabei 23 Traumgeschichten, mit jeweils
elf Seiten (ohne Umschlag), die anschließend
in dem Buch Träume in einer kleinen Auflage von
100 Exemplaren publiziert wurden.

Klassische Albtraum-Geschichte: Die träumende Person wird von einem Monster gejagt.
Umgesetzt wurde die Geschichte mit vektorbasierten Zeichnungen in Adobe Illustrator.
Die Studierende träumt meistens schwarz-weiß, weshalb sie sich für die klassische
schwarz-weiße Scherenschnittoptik entschieden hat.
242
Auszug aus einem Traumheft, das mit Linolschnitt in Kombination mit Computersatz visualisiert wurde.

Auszug aus einem Traum-


heft, bei dem die Träu-
mende auf einer Party
ihren vermeintlichen
Seelenverwandten trifft ...

Eine Mischung aus Blei-


stiftzeichung, Aquarell
und Computersatz.

243
244
B e w u s s t e s G e s t a lt e n m i t M e t h o d e

3
. 245
SICH STRUKTURIEREN
Im letzten Kapitel dieses Buches geht es um effek- Arbeit und Leistung optimieren. Jeder kennt das:
tives und effizientes Arbeiten im gestalterischen Black Out, Angst vor dem weißen Blatt, nicht
Alltag. Mit verschiedenen Methoden aus den anfangen können oder ein Projekt nicht zu Ende
Bereichen der Kreativitätstechniken, der Prä- bringen, mitten im Prozess stecken bleiben trotz
sentationstechnik, Rhetorik und des Selbst- und Deadline, nicht gut vor anderen reden und seine
Zeitmanagements kann man seine gestalterische Arbeit vorstellen können. Dazu kommen die

246
ewige Ablenkung und Prokrastination durch ver- Mit einer Mindmap → Aufgabe #48 kann man
meintlich wichtigere Dinge wie den Schreibtisch sich zu Beginn eines Projektes strukturieren.
aufräumen. Die nächste → Aufgabe #49 zeigt, wie man mit
Hilfe einer Zeittorte und einer Zeitplantabelle
Das Kapitel→ #10 Grundlegendes zu methodi- seinen Status quo analysiert, sich Ziele setzt und
scher Arbeit beschreibt, mit welchen Methoden in einem vorgegebenen Zeitschema realisiert.
man aus solchen Fallen wieder herauskommt und In → Aufgabe #50 reflektiert und bewertet man
im praktischen Teil → Seite 268 ff. gibt es dazu die geleistete Arbeit mit einer schnellen evaluie-
drei methodische Übungen zum Ausprobieren: renden Methode.

247
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

Besser arbeiten mit Methode Es gibt verschiedene Arten zu lernen, soge-


nannte Lernmodelle.70 Der Lernprozess kann
Als Methode (altgriech. «Nachgehen», «Verfol- allgemein in drei Lernstufen (und damit auch
gen») bezeichnet man ein planmäßiges Vorgehen in Lehrstufen) eingeordnet werden: Am Anfang
zur Erreichung eines Zieles. Egal, ob man sich gibt es eine Orientierungsphase: bei einem
in alltäglichen, privaten oder fachspezifischen, spezifischen Thema ankommen, Recherche/
beruflichen Situationen befindet: Es gibt immer eintauchen, sich ggf. in einer (Lern-)Gruppe
(mindestens) zwei Möglichkeiten, sich zu verhal- orientieren, sich auf ein Ziel ausrichten, eine
ten: 1) spontan, situativ, intuitiv, chaotisch oder Vorstellung erarbeiten, was bis dahin zu tun
2) planmäßig, strukturiert, geordnet. Beide Wege ist. Die nächste Stufe ist die Erarbeitungs- und
führen am Ende immer zu einem positiven oder Aneignungsphase: geistige, praktische, kreative
negativen Erkenntnisgewinn. Diesen kann Arbeit am Thema, Austausch mit anderen, sich
man wiederum als «Lernen aus einer gemachten korrigieren. Die letzte Stufe ist die Ergebnis-
Erfahrung» (= learning by doing) bezeichnen. sicherungsphase: Ziel ist erreicht, Rückblick,
Es ist also anzunehmen, dass man, je öfter man Bilanz, Zusammenfassen, Abspeichern in
ähnliche Situationen durchlebt, lernt, diese für Kurz- und Langzeitgedächtnis. Die Ergebnis-
sich zu optimieren. «(...) Geistiges Arbeiten setzt sicherungsphase dient auch zum Abrufen von
neben einem hohen Maß an Selbstorganisation gelerntem Wissen.
intensivstes Training bzw. Üben voraus,
um sinnvoller lernen, besser behalten und Am besten lernt man, wenn es eine Verknüp-
produktiver denken zu können. (...)»69 fung der «Kopf – Herz – Hand»-Ebene gibt: Der
Kopf steht für die kognitive und rationale Seite
Solche «gemachten Erfahrungen» lassen sich des Lernens, das Herz steht für die subjektive
zum einen evtl. schon methodisch einordnen, und emotionale Seite – dazu gehören auch die
zum anderen können sie auch durch gezielt ein- Entwicklung sozialer Kompetenzen – und die
gesetzte Methoden positiv gesteuert (= verbes- Hand für die handlungsorientierte Seite, d. h. das
sert) werden. Im Folgenden stelle ich eine Reihe praktische Ausprobieren, Erfahren und Erleben
von Methoden vor, die (nicht nur angehende) im Lernprozess.
Kreative und Gestalter wie auch Lehrende für
sich und ihre Arbeit nutzen können, um «höher, Des Weiteren gibt es unterschiedliche Lern-
schneller und weiter» zum Ziel zu kommen: typen, einige Beispiele sind: visueller (Sehen),
effektiv und effizient! auditiver (Hören), audio-visueller (Sehen und
Hören), einsichtanstrebender (Beweis), kontakt-

Lernen bzw. personenorientierter (mit Bezugsperson


vs. allein), motorischer (Aufschreiben, Unter-
Das Lernen wird allgemein als absichtlicher streichen, Auf- und Abgehen beim Lernen) oder
oder beiläufiger, individueller oder kollektiver medienorientierter Lerntyp (Computer, Tablet
Wissenserwerb von geistigen, körperlichen und etc.). Eine Kombination aus diesen Lerntypen
sozialen Kenntnissen, Fähig- und Fertigkeiten steigert bewiesenermaßen die Lernfähigkeit
bezeichnet. Aus pädagogisch-psychologischer (Abb. 237). 71 Wenn man sich an die Schulzeit
Sicht ist das Lernen z. B. eine Verhaltensände- zurückerinnert, fällt einem bestimmt wieder ein,
rung, ein Wissenszuwachs oder auch ein biogra- mit welchen Mitteln und Tricks man am besten
fischer Prozess. für eine Klausur lernen konnte. Daraus lässt sich
vielleicht schon der eigene Lerntyp ableiten.

248
Thomas Fuller
Abb. 237

«Methode ist die Mutter des Gedächtnisses.» 73


ßend den Klappentext. Oder: Lesen Sie eine
Überschrift und assoziieren Sie, was Sie im Text
erwarten könnte. Lesen Sie anschließend den
Text: Sie werden interessierter, konzentrierter
Konzentrations- und lesen und haben sich ggf. schon reflexiv eine
Gedächtnisübungen Meinung zum Thema gebildet.

Eine Möglichkeit, seine Lernfähigkeiten zu ver- 5) Einfachheit ist guter Stil: Versuchen Sie, beim
bessern, sind Konzentrations- und Gedächtnis- schriftlichen und mündlichen Formulieren von
übungen. Hier folgen acht beispielhafte Hand- Gedanken kurze, verständliche Sätze zu bilden.
lungsanweisungen.72
6) Selbstdisziplinierung: Aktivieren und inten-
1) Erinnern eines Bildes: Betrachten Sie drei sivieren Sie Ihre Konzentrationsfähigkeit durch
Minuten lang intensiv eine Abbildung aus einer Vermeidung von typischen Ablenkungsmus-
Fachpublikation. Schließen Sie anschließend tern. Versuchen Sie, sich zu disziplinieren und
die Augen und versuchen Sie, sich das Bild mög- mit kleinen Zielen zu motivieren (Wenn ich jetzt
lichst genau vorzustellen. Öffnen Sie dann wie- noch 45 Minuten durchhalte und weitermache,
der die Augen und vergleichen Sie Vorstellung kann ich anschließend 15 Minuten E-Mails lesen,
und tatsächliche Abbildung (öfter wiederholen). Kaffeetrinken etc.). Probieren Sie auch mal für
Sie untypische Arbeitszeiten aus! Ein neuer
2) Texte aus dem Gedächtnis zusammenfassen: Rhythmus bewirkt oft frischen Wind und das
Lesen Sie einen Text. Wenn Sie glauben, ihn bedeutet neue Energie.
erfasst zu haben, schließen Sie das Buch und
schreiben Sie eine inhaltliche Zusammenfas- 7) Ausgleich suchen & auf die Gesundheit
sung. Vergleichen Sie anschließend beide Texte. achten: Sie steigern Ihre Leistungen, wenn Sie
Haben Sie alle Inhalte rekonstruieren können? ausgeglichen, gesund und munter sind. D. h. Sie
müssen dafür sorgen, dass das Arbeiten zum
3) Erinnern von Text und Bild: Schauen Sie sich einen so angenehm wie möglich ist (Atem-
ein (Online-)Nachrichtenvideo an. Versuchen übungen, genügend Sauerstoff, (Sitz-)Haltung,
Sie, sich alle Meldungen inhaltlich (inkl. Bilder) regelmäßige Pausen) und zum anderen, dass es
zu merken und schreiben Sie anschließend ein einen Ausgleich zur geistigen, praktischen und
Gedächtnisprotokoll. Überprüfen Sie anschlie- kreativen Arbeit gibt (z. B. Sport, Ernährung,
ßend durch abermaliges Ansehen Ihre Leistung. Ruhezeiten, genügend Schlaf).

4) Erwartungshaltung formulieren: Lesen Sie 8) Sich strukturieren: Machen Sie sich Zeit- und
einen Buchtitel und fragen Sie sich, worum es Projektpläne und halten Sie sich daran! → Zeit-
in dem Buch gehen könnte. Lesen Sie anschlie- und Selbstmanagement, Seite 261 ff.

249
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

Kreativitätstechniken Gruppe durchführen. Über Kreativitätstech-


niken wird meist ein Thema oder Problem
Kreativität (lat. creare: «schöpfen») ist ein oft abgearbeitet, um am Ende eine Lösung oder ein
bemühter Begriff und bezeichnet im allgemei- spezifisches Ziel zu erreichen. Auch hier sollte
nen die menschliche Eigenschaft, schöpferisch man bedenken, dass sich nicht alle Techniken
tätig zu sein. Der Psychologe Joy Paul Guilford gleich gut für ein Problem oder Thema eignen.
(1897–1987) wurde bekannt durch seine These
«Jeder Mensch ist kreativ!». Damit widersprach Prinzipiell unterscheidet man bei den Kreati-
er dem bis dahin vorherrschenden Glauben, vitätstechniken intuitive und diskursive
Kreativität sei den Hochbegabten vorbehalten. Methoden bzw. Kombimethoden (Mischung aus
Guilford wies jedem Individuum Kreativität zu, intuitiv und diskursiv). Die intuitiven Methoden
sofern folgende grundlegenden psychischen sind auf Spontaneität und die Aktivierung des
Eigenschaften erfüllt seien:74 Unbewussten ausgelegt. Sie lassen sich weiter
∆ Problemsensitivität (offen sein) strukturieren in ruhige, laute und bewegte
∆ Flüssigkeit (schnell viele Ideen generieren) Techniken. Die intuitiven Methoden können in
∆ Flexibilität (im Denken) kurzer Zeit eine quantitativ hohe Zahl von Ideen
∆ Re-Definition (Bekanntes neu- und generieren. Meistens legt man durch sie eine
umdenken, Improvisationstalent) Vielzahl von Möglichkeiten als Ausgangsbasis
∆ Elaboration (Ideen an Realität anpassen) an, um dann mit den diskursiven Methoden tie-
∆ Originalität ferzugehen. Bekanntestes Beispiel der intuitiven
Methoden ist das Brainstorming. Die diskursiven
Kreativitätstechniken sind Methoden zur Methoden liefern eine kleinere Anzahl von
Initialisierung, Steigerung und Förderung von Ideen als die intuitiven. Durch bewusste Syste-
Kreativität. Sie dienen vor allem der Ideen- matisierung und logisch ablaufende Schritte
findung, der Problemlösung und der Entwick- wird das Problem vollständig beschrieben und
lung von Visionen. «(...)Kreativitätstechniken der Lösungsprozess analytisch in kleinste Ein-
stellen kein Patentrezept für kreative Ideen zelschritte zerlegt. Abb. 238 zeigt eine Sortierung
dar. Ihr einziger Anspruch ist der, gute Bedin- und Auflistung verschiedener Kreativitätstech-
gungen für divergentes Denken zu schaffen niken. Alle gelisteten Kreativitätstechniken
und Denkblockaden abzubauen. Die zündende zu erklären, würde (wieder einmal) die Kapazität
Idee und der kreative Gedanke lässt sich so dieses Buches sprengen, wer mehr erfahren
nicht erzwingen, gründliches Nachdenken ist möchte, liest hier → Weiterlesen-Tipps, Kreati-
immer noch notwendig. (...)»75 vitätstechniken, Seite 277. Dennoch möchte ich
exemplarisch drei unterschiedliche Techniken
Wendet man Kreativitätstechniken allein oder vorstellen:
in Gruppen an, sollte jedem bewusst sein, dass
die Ergebnisse von einem komplexen Zusam- Zu den intuitiven und ruhigen Kreativitäts-
menspiel aus Gruppendynamik und Schwarm- techniken gehört die Methode 6-3-5. Sie ist
intelligenz (bei Gruppen), bei jedem einzelnen des Weiteren eine Brainwriting-Technik und
von Talent, Wissen, Intelligenz, Können, Zufall, wird in kleinen bis mittleren Gruppen bei
Motivation, Persönlichkeitseigenschaften, Themen mit geringer bis mittlerer Komplexität
Tagesform, Situation und Umgebungsbedin- eingesetzt, um in kurzer Zeit eine quantitativ
gungen abhängen. Einige Kreativitätstechniken hohe Anzahl an Lösungen für ein spezifisches
eignen sich eher für (große) Gruppen, andere Problem zu erzeugen. Die Methode ist gut geeig-
sollte man besser allein oder zu zweit als in der net, um an ein Brainstorming anzuschließen,

250
William Shakespeare
Kreativitätstechniken
intuitive Methoden

ruhige laute bewegte


# Kreatives Schreiben # Brainstorming # Galeriemethode
# Brainwriting # Negativkonferenz # Kartenabfrage
# Collective-Notebook # Kopfstandtechnik # Pinnwandmoderation
→ Seite 56 ff. # Provokationstechnik (Metaplan-Technik)
# Methode 6-3-5 → Seite 250 ff. # Bisoziation – Reizbild- und # Café to go
# Brainwriting Pool Reizworttechnik

«Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode.» 76


# ABC-Liste # Analogietechnik
# Mind Mapping → Seite 270 f. # Zufallstechniken
# Cluster # Superposition
# Wortigel # Semantische Intuition
# KJ-Methode # Bionik
# NM-Methode # Synektik
# Edison-Prinzip # Tilmag-Methode
# Ideen-Marathon # CATWOE
# Progressive Abstraktion # Force-Fit-Spiel
# Knalleffekt
# Blitzlicht

diskursive Methoden

# Morphologischer Kasten
# Attribute Listing
# Osborn-Checkliste
# SCAMPER bzw. SCAMMPERR
# Ursache-Wirkungs-/Ishikawa-Diagramm → Seite 252 f.
# Relevanzbaumanalyse
# Progressive Abstraktion
# Kraftfeldanalyse
# After Action Review (AAR)
# Ideen-Screening
# Ideen-SWOT-Analyse

Kombimethoden
(intuitiv und diskursiv)
# CPS (Creative Problem Solving)
# Denkhüte von De Bono (Sechs Hüte)
# Wertanalyse Walt-Disney-Methode mit drei Rollen
# TRIZ: Theorie des erfinderischen Problemlösens
# ARIZ: Lösung von Erfindungsproblemen
# Zukunftswerkstatt
# Open Space
# World-Café
# BarCamp → Seite 253 f. Abb. 238

251
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

d. h. eine Grundidee weiter aufzusplitten und zu man ein Thema bearbeitet, zu dem man schnell
vertiefen. So lassen sich das weitere Vorgehen direktes Feedback braucht, viele Ideen in kurzer
oder Varianten ausloten. Die Methode wurde Zeit erhalten möchte und die schriftliche der
1969 von dem Marketing- und Unternehmens- mündlichen Diskussion vorzieht. Nachteile kön-
berater Bernd Rohrbach entwickelt und das nen sein, dass die Diskussion nur schriftlich und
erste Mal beschrieben.77 Und so wendet man sie daher einseitig/nicht diskursiv ausfallen kann,
an: Sechs Teilnehmer (es können auch weniger – dass alle sich an ein Tempo halten müssen und
aber mindestens drei! – oder mehr sein) arbeiten sich Ideen wiederholen oder überflüssig werden
auf jeweils einem gleich großen Blatt Papier. könnten.
Dieses wird tabellarisch jeweils in drei Spalten
und sechs Zeilen (so viele Zeilen wie Teilnehmer) Zu den diskursiven Kreativitätstechniken gehört
aufgeteilt. Jeder Teilnehmer schreibt in die erste das Ursache-Wirkungsdiagramm (Abb. 240),
Zeile seines Blattes drei Ideen (je Spalte eine). es wird auch nach seinem Erfinder Kaoru Ishi-
Die Ideen können sich auf ein gewähltes Thema/ kawa als Ishikawa-Diagramm oder bezüglich
Problem beziehen, abgewandelt kann man aber seines Aussehens als Fischgrät-Diagramm be-
auch unabhängig voneinander mehrere The- zeichnet. Mit dieser visuellen Methode, die man
men mit dieser Methode abarbeiten (das wird allein oder in Gruppen verwenden kann, wird
vorab geklärt). Jedes Blatt wird nach etwa drei ein Kausalitätsdiagramm erstellt, in dem viele
bis fünf Minuten, abhängig von Umfang und Ursachen (und ggf. Probleme) abgebildet werden,
Komplexität des Themas/Problems, von allen die eine Wirkung haben bzw. zu einem Ergebnis
gleichzeitig im Uhrzeigersinn weitergegeben. führen. Das Diagramm soll verdeutlichen,
Der nächste Teilnehmer versucht jeweils, die welche Problemursachen vorliegen, was sie
bereits genannten Ideen aufzugreifen, zu er- bedingen und woraus sie resultieren. So können
gänzen und weiterzuentwickeln, dazu wird die anschließend Gegenmaßnahmen ergriffen und
nächste Zeile genutzt usw., bis alle Teilnehmer das Ergebnis verbessert werden. Die Methode ist
jedes Blatt einmal bearbeitet haben. Bei sechs für einfache bis mittlere Probleme geeignet. Ist
Teilnehmern und jeweils drei Ideen wird das die Problemstellung zu komplex, kann es schnell
Blatt fünfmal weiter gereicht, daraus ergibt sich, unübersichtlich werden. Das Diagramm ist
laut Rohrbach, der Methodenname 6-3-5 (Abb. u. a. zur Überprüfung von Abläufen, Prozessen
239). So entstehen bei 6 (Teilnehmern) × 3 (Ideen) und zum Qualitätsmanagement geeignet. So
× 6 (Zeilen) = 108 Ideen in ca. einer halben Stun- geht man vor: Als Erstes zeichnet man einen
de. Man sollte die Methode verwenden, wenn horizontalen Pfeil (nach rechts, in westlicher

Abb. 239 Abb. 240

252
Leserichtung). Am Ende des Pfeils wird mög- Inhalte des Diagramms zutreffen und dann kann
lichst konkret ein Problem («Ich wurde an der mit der Umsetzung des Ziels (oder der Problem-
Kunsthochschule abgelehnt.») oder ein zu er- lösung) begonnen werden. Diese Methode bietet
reichendes Ziel formuliert (z. B. «Ich möchte ein immer eine gute Diskussionsgrundlage bei der
guter Gestalter werden!»). Auf den Hauptpfeil Arbeit in Gruppen. Erstellt man das Diagramm
stoßen nun von schräg oben oder unten klei- im Team, ermöglicht es eine vielseitige Betrach-
nere Ursachenpfeile. Gestartet wird dabei mit tung des gemeinsamen Problems/Ziels und
Hauptursachen, die sich wiederum verzweigen fördert ein besseres Verständnis des Problems
können (d. h. die anderen Ursachen/Einflüssen und der Ursachen. Vorteil der Methode ist
vorausgehen oder ihnen unterliegen). Jeder ihr geringer Material- und Zeitaufwand, sie ist
Hauptpfeil trägt im übertragenen Sinne also außerdem leicht verständlich.
dazu bei, das Ziel zu erreichen (bzw. ein Problem Ein großer Nachteil ist, dass man Ursache-Wir-
auf seine Ursachen aufzuschlüsseln). Durch den kung-Zusammenhänge nicht vernetzt darstellen
Einsatz anderer Kreativitätstechniken können kann. Ebenso können Wechselwirkungen und
weitere potentielle Ursachen gefunden werden zeitliche Abhängigkeiten weniger abgebildet
(z. B. durch Brainwriting). Im nächsten Schritt werden, dazu braucht es ggf. eine weitere Grafik.
wird das entstandene Diagramm auf Vollstän-
digkeit überprüft. Daraufhin folgt ggf. eine Zu den Kombimethoden gehört die Idee des Bar-
Ergänzung des Diagramms um weitere Gründe camp (Abb. 241), auf Deutsch auch als Unkonfe-
bzw. deren Ursachen. So können Verzweigungen renz oder Ad-hoc-Nicht-Konferenz bezeichnet.
bis 3. oder 4. Grades entstehen. Im letzten Schritt Sie geht auf den Softwareentwickler, Verleger
werden die Ursachen bezüglich ihrer Bedeutung und Autor Tim O’Reilly (geboren 1954) zurück,
und Einflussnahme auf die Wirkung (= Problem/ der 2003 bei einer Konferenz feststellte, dass
Ziel) gewichtet und ggf. die Ursache mit der die spannendsten Sachen und informativsten
höchsten Wahrscheinlichkeit bestimmt. Das Gespräche in den Kaffeepausen einer Konferenz
gilt eher für Ziele denn für Probleme. Im letzten passieren. So entwickelte er eine Konferenz für
Schritt wird analysiert, ob auch tatsächlich alle geladene Gäste, die er «FooCamp» nannte (FOO:

Abb. 241 beide Fotos oben: Barcamp in Braunschweig 2011, Foto unten links: newscamp (medienpädagogisches Barcamp)
in Braunschweig 2011, Foto unten rechts: CodeFEST8 – Hackathon der Volkswagen AG, Wolfsburg 2015

253
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

Friends of O´Reilly).78 Diese Idee wurde von Designprozess und -methoden


Teilnehmern der Foo-Konferenz aufgegriffen
und weiterentwickelt, u. a. wurden die Unkon- Bei der gestalterischen Arbeit, egal ob es sich
ferenzen anschließend meist kostenlos und dabei um reine Ideen- bzw. Konzeptentwick-
offen für alle angeboten. Aus «Foocamp» wurde lungen, Dienstleistungen, zwei- oder dreidimen-
«Barcamp»79 und es bezeichnet heute eine Kon- sionale Gestaltung (Grafik- und Produktdesign)
ferenz, einen Kongress oder eine Tagung, die sich oder zeitbasierte Medien handelt, durchlebt man
in bewusster Abwendung von traditionellen immer einen gewissen Designprozess:80
Organisationsformen entwickelt. Das bedeutet Dies ist der Weg von der ersten Idee bis hin zur
z. B., dass es ohne ein zuvor festgelegtes Thema Markteinführung einer Gestaltung. Je öfter man
und ohne Trennung zwischen Publikum und diesen Prozess durchläuft, desto mehr Erfahrung
Vortragenden auskommt. Es gibt keine gelade- und Routine sammelt man. Der Designprozess
nen Referenten, sondern alle Teilnehmer sind kann in fünf Phasen eingeteilt werden:
gleichzeitig auch Referenten. Die ersten Bar-
camps befassten sich (resultierend aus den Teil- 1) Themen- oder Problemanalyse &
nehmern und deren Profession) mit den Themen Recherche
«Internet, Social Media und Digitalisierung». Status Quo, Projektplanung:
Inzwischen gibt es aber auch Themen-Barcamps, Definition, Umfang/Parameter
die keinen gesellschaftlichen Bereich auslassen
(Tourismus, Kultur, Politik, Gesundheit etc.). 2) Konzept
Der Ablauf ist relativ einfach: Zu Beginn der Folgen aus 1), Vorgabenfestlegung
Veranstaltung stellen alle Teilnehmer gemein-
sam einen Veranstaltungsprogramm auf, im 3) Entwurf
sogenannten Sessionplan werden Vorträge, Skizzen, Rohlayout & Prototyping
Diskussionen und Workshops angeboten. Hier
können Kompetenzen vermittelt und ausge- 4) Ausarbeiten und Auswerten
tauscht werden. Des Weiteren werden alle Teil- Kontrolle & Überarbeitung, Testläufe zur
nehmer aktiv in die Veranstaltung eingebunden, Qualität und Funktion, Feedback, anschlie-
der Wissensaustausch ist daher intensiver als ßend Reinzeichnung
auf einer normalen Tagung. Es können neue
Ideen generiert, gemeinsame Projekte ange- 5) Produktion & Markteinführung
stoßen und (neue) Kontakte geknüpft werden Herstellung, Präsentation, Publikation
(z. B. potenzielle Arbeitgeber, Kunden, Ge-
schäftspartner). Abhängig von der Motivation Auf Basis dieser fünf Phasen können nun zu-
der einzelnen Teilnehmer kann so kreativ, sätzlich Designmethoden verwendet werden,
intuitiv und diskursiv an Problemstellungen, welche die Durchführung des Designprozesses
Zielen etc. gearbeitet werden. Meist durch- vereinfachen, strukturieren, organisieren, be-
mischen sich die Professionen in heutigen schleunigen und verbessern können. Sie schlie-
Barcamps sehr stark, sodass man Input aus den ßen direkt an das Feld der Kreativitätstechniken
unterschiedlichsten Branchen erhält und ein an. Eine Aufzählung und damit einen Überblick
Thema aus vielen verschiedenen Perspektiven über die Methoden bietet Abb. 242.81
diskutiert werden kann.
Einen guten Überblick liefert auch die Webseite
der HfG Schwäbisch Gmünd unter Betreuung
von Prof. Krämer: designmethodenfinder.de.82

254
Designmethoden
Phase Methode
1. Analyse # Businessorigami # Auswahlverfahren # Kontextabhängiges Design
# Critical Incident Technique # Evidence-based Design # Eyetracking
# Fokusgruppen # KJ-Methode # Kano-Analyse # Literaturauswertung
# Liebes- und Abschiedsbrief # PAR-Methode # Designresearch # Seman-
tisches Differenzial # Stakeholdermap # Projektkarte # Triadenmethode
# AEIOU # Artefaktanalyse # Automatisierte Fernrecherche # Behavioral
Mapping # Fallstudie # Kognitive Karten # Inhaltsanalyse # Kontextana-
lyse # Cultural Probes # Designethnografie # Designworkshop # Tage-
buchstudien # Gelenktes Storytelling # Experience-Sampling # Verdeckte
Beobachtung # Graffitiwände # Image Board # Laddering # Persönlich-
keitsinventar # Bildkarten # Schattentage # Speeddating # Erhebung
# Thematische Netzwerke # Nonreaktive Verfahren # Wortwolken
2. Konzept # Affinitätsdiagramm # Bodystorming # Cardsorting # Collage # Concept
Mapping # Creative Toolkit # Crowdsourcing
3. Entwurf # Designcharette # Erwünschtheitsprüfung # Elito-Methode # Experience
Prototyping # Persona # Simulationsübung # Storyboard # Lautdenk-
protokoll # Usability-Test # Zauberer von Oz
4. Ausarbeiten & # Evaluierende Recherche # Heuristische Evaluierung # Fragebogen
Auswerten # Triangulation

5. Produktion & # A/B-Test # Auswahlverfahren # Prüfung von Kundenerfahrungen


Markteinfüh- # Fokusgruppen # Leistungskennzahlen # Echtzeitrecherche # VOA-
rung Analyse # Webanalyse

Abb. 242

Wie präsentiere ich (mich)? «(...) Wissen und Können ist eine notwendige
Voraussetzung. Perfekte Kommunikation die
Eine Präsentation ist eine Aufbereitung von Da- hinreichende Bedingung (...).»83 Über seine
ten, Fakten und Aussagen zu einem bestimmten kreative Arbeit und damit auch über sich selbst
Thema, die durch eine oder mehrere Personen zu sprechen, ist ein Lernprozess – und dies wird
verbal und visuell zu einem vereinbarten einem immer wieder im Leben abverlangt: sei
Termin einem Publikum vorgetragen wird. Eine es in einem Bewerbungsgespräch, bei einem
Präsentation soll ein Thema vermitteln, kommu- Kunden, bei einem Wettbewerb, auf der eigenen
nizieren und darlegen. Die Informationen sollen Webseite oder im Portfolio. Man kommuniziert
so effizient wie möglich zusammengefasst und üblicherweise mit Worten (beschreibend) und
dargestellt werden. mit bewegten oder stehenden Bildern (visuali-
sierend). Das wie ist dabei von entscheidender
Etwas gut gestalten zu können, ist eine wichtige Bedeutung! Bereits in der Schule, dann in der
Kompetenz, doch das allein reicht nicht. Eine Ausbildung und später im Studium wird diese
weitere Fähigkeit besteht darin, seinen Entwurf Fähigkeit des (sich) Präsentierens als informelle
verständlich kommunizieren und überzeugend Qualifikation (= «soft skill») immer wieder
präsentieren zu können, um diesen am Ende geübt und trainiert. Im beruflichen Alltag
dem Kunden/Rezipienten zu verkaufen! eines Gestalters gehören Präsentationen zum

255
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

täglichen Geschäft. Man präsentiert seine Arbeit in Abb. 237 → Seite 249 erklärt, hängt die Lern-
unter den Kollegen und vor den Vorgesetzten, fähigkeit (hier: Aufnahmefähigkeit) von der
man präsentiert Zwischen- oder Endergebnisse Art der Informationsübertragung ab: Einem
beim Kunden und in der Öffentlichkeit. rein mündlichen Vortrag (Behaltensquote
durchschnittlich etwa 20 %) kann man in der
Das (sich) Präsentieren spielt sich laut Medien- Regel schwerer folgen als einem Vortrag, der
wissenschaftler und Autor Prof. Dr. Johannes zusätzlich mit Text und Bild visualisiert wird
Ludwig immer auf den folgenden drei Ebenen (Behaltensquote durchschnittlich etwa 50 %).
ab, die vom Rezipienten allesamt wahrgenom- Außerdem müssen Rahmen und Rahmenbedin-
84
men werden: gungen einer Präsentation, das Präsentations-
1) Inhaltliche Ebene umfeld, mitgedacht werden: Wo hält man
die Verständlichkeit und Dramaturgie die Präsentation (kleiner/mittlerer/großer
2) Optische / Akustische Wahrnehmungs- Rahmen, Ort)? Wie viele Zuhörer mit welchem
ebene Background werden erwartet? Wie ist der Ort/
die adäquate Darstellung (visuell, Raum der Präsentation ausgestattet (techni-
akustisch) sches Equipment: Beamer, Rechner, Adapter,
3) Auftritt / Vortragsstil Mikrophon, Tafel/Flip-Chart, Größe der Lein-
die Wirkung, der Gesamteindruck auf das wand, Internet-/WLAN-Zugang, Soundanlage,
Publikum (z. B. Ausstrahlung, Persönlich- technischer Assistent/Hausmeister vor Ort,
keit, Körpersprache, Ausdruck, Wortwahl) Lichtsituation, Akustik, Bestuhlung etc.)? Wie
lange soll/darf der Vortrag dauern? Gibt es
Alle drei Ebenen kann man als Gestalter und einen Moderator? Wie ist der Gesamtablauf der
Präsentierender steuern und beeinflussen. Zu Veranstaltung? Welche Zusatzmaterialien und
allererst muss man sich also mit dem Thema Informationen können ggf. ausgegeben werden
beschäftigen und es für die anstehende Präsen- (Hand-Outs, Give-aways, PDFs etc.)?
tation gut aufbereiten. Damit einher geht die
Frage, welches Ziel man mit der Präsentation Auf Basis dieser Informationen kann man nun
verfolgt: Soll durch sie über etwas informiert, eine Dramaturgie für die Präsentation planen.
etwas kommuniziert, vermittelt werden? Möch- Dieser Präsentationsablauf sollte immer aus
te man durch die Präsentation von einer Idee (mindestens) drei Teilen bestehen: Eröffnung,
überzeugen, sie verkaufen – oder geht es um die Hauptteil und Schluss. Ganz wichtig ist zu wis-
Person, die präsentiert, soll sie überzeugen etc.? sen: «Der erste Eindruck ist entscheidend, der
Wie sind die Erwartungshaltungen auf beiden letzte Eindruck bleibt.»85 Obwohl im Hauptteil
Seiten? Was wünscht/braucht die Zielgruppe? einer Präsentation rund 80 % der Vortrags-
Was wünscht sich der Vortragende? Wichtig zeit und des Inhalts einfließen, wird dieser am
ist, dass man die Zielgruppe mit seinem Vortrag schnellsten vom Rezipienten vergessen. Was
inhaltlich und formal (in dem Fall visuell) we- aber zumeist beim Rezipienten in Erinnerung
der über- noch unterfordert. Dazu sollte man bleibt, ist der erste Eindruck einer Präsentation
sein Publikum vorab kennen und einschätzen (und eines Präsentierenden) sowie der Abschluss
können (z. B. Wissensstand, Fachpublikum oder einer Präsentation (Resümee und Grundgefühl,
fachfremd, evtl. weitere Faktoren wie Alter, Ge- mit dem man die Präsentation – gedanklich und/
schlecht, Berufsgruppe, Bildungsstand). Außer- oder örtlich – verlässt). Dieser Fakt sollte daher
dem ist zu bedenken, dass die Informations- jedem bewusst sein, der eine Präsentation vor-
aufnahme und Konzentrationsfähigkeit beim bereitet. Es macht also Sinn, sich zu Beginn un-
Publikum/Rezipienten begrenzt ist. Wie schon bedingt einen guten Einstieg zu überlegen und

256
mit diesem – trotz Anfangsaufregung/Lampen- – Präsentation visualisieren → Seite 258
fieber – locker und ruhig in die Präsentation zu – ggf. zusätzliche interaktive Momente einbauen,
starten. Anschließend oder zeitgleich sollte man das Publikum einbeziehen (Fragen an das
sich für das Präsentationsende ein passendes Publikum, Film, Audiofile, Modenschau,
Schlusswort zurechtlegen, um das Auditorium Verköstigung, Befragung etc.)
mit einem guten Gefühl aus der Präsentation zu – Präsentation an Freunden testen, die
entlassen. Eine Gliederung des restlichen Vor- Präsentation üben, optimieren
trags, d. h. des Hauptteils schließt sich (zeitgleich) – Was ziehe ich an? (Anlass vs. Wohlfühlen)
an. Hat man erst einmal dieses grobe Gerüst, – etwas früher kommen, Pünktlichkeit
kann man sich anschließend damit beschäf- – an Blickkontakt denken
tigen, es mit Inhalt zu füllen. Dafür sammelt – Rhetorik → Seite 260
man alle relevanten Informationen zum Thema, – Einbindung des Veranstaltunganlasses
selektiert diese nach Relevanz, komprimiert die und Dank für die Einladung
Informationen auf das Wesentliche, ordnet sie – Vorstellung der eigenen Person
anschließend und visualisiert sie abschließend – Einstieg und pointierter Abschluss der
(Abb. 243).86 Unabdingbar ist, dass man mit Präsentation
einer Präsentation Aussagen trifft. Diese kön- – Zusammenfassung, Resümee
nen unterschieden werden in:87 – Vorbereitung auf Fragen, Diskussion
∆ Kernaussagen (essenzielle Inhalte) – ggf. Spickzettel (nicht größer als DIN A5)
∆ wichtige Aussagen (Abrundung des Themas) – Vorbereitung und Ausgabezeitpunkt von
∆ interessante Aussagen (geben dem Thema Unterlagen/Hand-Outs
Würze und Aufmerksamkeit) – vorab zur Präsentation einladen
∆ Beispiele (untermauern & veranschaulichen) – auf Unvorhergesehenes/Störungen vorberei-
∆ fundiertes Hintergrundwissen (für eventu tet sein (Zu-spät-Kommer, Technik fällt aus/
elle Nachfragen bereithalten, zeigt Kompetenz funktioniert nicht, Fragen/keine Fragen, Killer-
des Vortragenden) phrasen, Versprecher, Unruhe im Raum, Wort-
findungsstörungen, trockener Mund, Husten)
Checkliste Präsentation:
– Thema, Ziel, Zielgruppe (Abb. 244) Typische Fallen während einer Präsentation
– Rahmenbedingungen → Seite 256 und was man ganz einfach dagegen tun kann:
– Entscheidung für Medium/Medien – nicht im Bild stehen
– Fahrplan/Zeitplan/Gliederung/Inhalte – nicht ablesen, das wirkt kompetenter und

Recherchieren
und Sammeln
der Inhalte
zum Thema

Komprimieren/
Filtern/Reduzieren
der Inhalte auf das
Wesentliche Abb. 243

Visualisieren
der Inhalte für Abb. 244: Team-Präsentation eines Gestaltungsgrundlagenprojekts
die Präsentation zum Thema «Stuhlhusse als Hommage an einen Künstler»

257
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

lockerer, einer freien Rede hört man lieber zu Text & Bild besprochen wurden. Dennoch gibt
– Füllwörter und Phrasen vermeiden (das kann es beim Visualisieren von Präsentationen einige
man üben) spezifische Punkte zu beachten. Die schlechte
– auf die eigene Haltung achten (das kann man Nachricht ist: Es gibt keine Standardlösung (wie
üben) Stehen, Gehen, Sitzen = Es sollte sich bei den meisten Dingen). Jede Präsentation er-
nicht unangenehm anfühlen. fordert eine individuelle gestalterische Herange-
– Visualisierung und Gesprochenes sollten hensweise. Die gute Nachricht ist: Hat man erst
zusammenpassen. Dennoch sollte das Publi- einmal alle Inhalte zusammen und sich für ein
kum textlich etwas anderes sehen/mitlesen Medium entschieden (im Folgenden beschreibe
als das, was gesprochen wird. (Ergo: Nicht von ich die gängigste Methode, die Beamerpräsen-
der Präsentationsfolie ablesen.) tation), kann man mit der schöneren, der krea-
– nicht monoton reden, Redegeschwindigkeit tiven Arbeit, der Gestaltung, beginnen. Zu
→ Seite 260 f. Anfang kann es sinnvoll sein, seine Präsenta-
– gegen Unsicherheit: die Präsentation wie eine tionsseiten zu skizzieren, ähnlich wie in einem
Choreografie einüben Storyboard; das kann ggf. auch beim Denken
– Darbietungsdauer (Dynamik) anpassen: nicht helfen. Wer das nicht braucht, startet gleich mit
zu lang/zu kurz, Präsentationstempo! einer leeren Seite in einem Layoutdokument;
– wenn man den Faden verliert: die Ruhe be- jede Präsentationssoftware und alle gängigen
wahren (nicht hektisch werden), sich sammeln, Layoutprogramme sind dabei erlaubt, z. B.
durch langsames Sprechen «Anker» wieder- Adobe Indesign, Microsoft PowerPoint, Key-
finden, ggf. Frage an das Publikum richten oder note, Emaze, Deckset, Prezi, Zoho Show.
das Thema wechseln usw. Zu Beginn legt man sich (bestenfalls) eine oder
– keine Schachtelsätze, sich insgesamt kurz fas- mehrere Musterseiten (Abb. 245) für seine Prä-
sen KISS-Formel = «Keep it short and simple» sentation an, auf der/denen die wichtigsten und
– Höflichkeit nicht vergessen! (sich z. B. für die sich wiederholenden Elemente liegen (Header,
Einladung bedanken) Überschriftkasten, Fließtextkästen, Bilder-
kästen, Seitenzahlen, lebender Kolumnentitel,
Im Folgenden geht es um die Bearbeitung Copyrightzeile etc.). Die Vorgehensweise ähnelt
der optischen Wahrnehmungsebene, um die der eines Buchlayouts. In den Musterseiten für
Visualisierung und gestalterische Umsetzung eine Bildschirmpräsentation werden auch gleich
einer Präsentation. Im Grunde gelten für diese die Zeichen- und Absatzformate festgelegt,
die gleichen Regeln, die bereits schon in den d. h. Raster, Schriftarten (Was passt zum Inhalt,
Kapiteln → Komponieren, Farbe & Bild, Schrift, Projekt, Thema?), Schriftgrößen (Faustregel

Abb. 245: Musterseite zu einem Vortrag, Thema: «Papier» Anwendung der Musterseite auf eine Seite im Vortrag

258
«Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende

– und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.» 88


für Beamerprojektionen: Mindestens 24 pt für konzentriert, um möglichst eindeutige und
Fließtext, abhängig von Leinwand, Raumgröße), schnell aufnehmbare Diagramme, Illustrationen
Zeilenbreiten (eher kurz), Zeilenabstände (eher etc. anzubieten. Sind Text- und Bildinhalte zu
groß), Kontrast (größtmöglich). Des Weiteren komplex für eine Folie/Seite der Präsentation,
werden folgende Parameter festgelegt: Flächen kann man diese auch in Sequenzen (in dem
und Rahmen für Bilder, Farben, Anordnung Fall: mehrere Seiten/Folien) splitten, und erhält
(frei, Tabellen, Spiegelstriche, Listen etc.). Die damit eine «Animation», eine sich aufbauende
Fragen zur Text- und Bildauswahl, ob es Anima- Seite, bestehend aus mehreren Einzelseiten
tionen, Bewegtbilder, Tondateien, Diagramme/ (Abb. 246). So kann verhindert werden, dass das
Tabellen etc. gibt und wie der Übergang der ein- Bild dem gesprochenen Wort zuvorkommt und
zelnen Seiten/Folien gestaltet wird. Es müssen eine einzelne Folie zu unübersichtlich wird.
keinesfalls alle genannten Elemente Verwen- Außerdem fördert eine sequenzielle Darstellung
dung finden, weniger ist mehr und das Wenige die Konzentration des Rezipienten (weil mehr
dann sinnvoll und gezielt einsetzen! passiert und es somit spannender ist).

Abhängig vom Inhalt können komplexe Sachver- Bei digitalen Präsentationen treten häufig
halte durch Diagramme (Torten-/Kreis-, Balken-/ folgende gestalterische Mängel auf:
Säulendiagramme) z. B. → Abb. 237, Seite 249, – schlecht lesbare Seiten (Schriftwahl, -größe,
Tabellen z. B. → Abb. 238, Seite 251 und Orga- -zurichtung, schlecht gewählte Hintergründe
nigramme z. B. → Abb. 218, Seite 206 abstra- behindern Lesbarkeit, falsche Abbildungsgrö-
hiert und komprimiert dargestellt werden. ßen, zu wenig «plakativ und bildhaft» gedacht)
Manchmal ergibt es Sinn, Illustrationen z. B. – Darstellung zu kompakt (zu viele, nebensäch-
→ Abb. 243, Seite 257 und Fotografien z. B. liche Inhalte auf einer Seite)
→ Abb. 244, Seite 257 zu ergänzen, sollte man – Gestaltungsmittel schlecht genutzt (zu viele
bei der Recherche und Arbeit an dem Thema verschiedene Elemente und Effekte, dadurch
auf keine bestehenden Bilder gestoßen sein. unübersichtlich/unverständlich)
Die Visualisierung dieser Inhalte übernimmt – Brüche im Ablauf der Seiten (inhaltlicher/
zumeist der Gestalter zusätzlich. Es sollte un- formaler Bruch → Übergänge! Gesagtes und
bedingt darauf geachtet werden, dass man sich Gezeigtes passt nicht zusammen.)
auch bei den Bildinhalten auf das Wesentliche – kein einheitliches Gestaltungsraster

Mark Twain

Abb. 246: Sequenz aus einem Vortrag über Kreativitätstechniken

259
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

Hat man die Präsentation hinter sich gebracht, Diskussion) zu sprechen, zu argumentieren, zu
ist man noch nicht am Ende angekommen! diskutieren und schließlich das Gegenüber zu
Um sich stetig zu verbessern und weiterzu- überzeugen. Da es zu dieser Zeit auch noch keine
entwickeln, macht es Sinn, im Anschluss eine Gerichtsbarkeit gab, erhielt derjenige Recht
kurze, eigene Evaluation (= Auswertung, Nach- (und Aufmerksamkeit), der am besten (für sich)
bereitung) durchzuführen. Dazu kann man sprechen konnte, egal ob Kläger oder Angeklag-
sich selbst wie folgt befragen bzw. einen Feed- ter. Rhetorisch geschickte Menschen genießen
back-Partner bitten, folgende Fragen ehrlich, die volle Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer, sie
konstruktiv und objektiv zu beantworten: Was können das Auditorium eher überzeugen und
war gelungen/was nicht? Was hat geklappt/ ihre Reden bleiben in Erinnerung. «Daher ist
was nicht (Eröffnung, Hauptteil, Schluss)? Habe es erforderlich, Kunstfertigkeit anzuwenden,
ich mein Ziel erreicht? War die Präsentation und ohne dass man es merkt, und die Rede nicht
das tatsächlich anwesende Publikum passend als verfertigt, sondern als natürlich erscheinen
aufeinander abgestimmt? Hat sich der Ablauf zu lassen – dies nämlich macht sie glaubwür-
bewährt? Habe ich mich vorab gut organisiert dig.»89 Aristoteles (384–322 v. Chr.), der dies
(zu viel/zu wenig Aufwand)? Wenn es Pannen formulierte und als Begründer der Rhetorik gilt,
gab, wie kann ich diese beim nächsten Mal unterschied in seiner Rhetorik-Definition drei
verhindern? Wie war die Stimmung zwischen Gattungen: Die Gerichtsrede, die Beratungsrede
Vortragendem und Publikum? (politische Entscheidungsrede) und die Lob- und
Festrede. In der Spätantike kamen der Brief, der
Abschließend kann ich noch empfehlen, einfach Lehrvortrag (Sachrede) und die Predigt hinzu.
ein paar Präsentationen zu entwickeln und Und obwohl man diese, mehr als 2000 Jahre
durchzuführen, denn Erfahrung ist der beste alten, Definitionen für die heutige Zeit sicherlich
Weg zur Erkenntnis und zum Können. Weitere noch weiter untergliedern kann (z. B. Anschrei-
Informationen → Weiterlesen-Tipps, Präsenta- ben/Bewerbung, Projektpräsentation, Auftrags-
tion, Seite 277 bzw. Kundenpräsentation, politische Wahlrede)
sind sie im Grunde heute immer noch aktuell.

Rhetorik Eine klassische Rede kann in fünf verschiedene


Arbeitsschritte bzw. Produktionsstadien geglie-
Die Rhetorik (altgriech. «Redekunst», «Kunst dert werden (Abb. 247).
der Beredsamkeit») wurde schon in der Antike
(ca. 800 v. Chr.–ca. 600 n. Chr.) angewendet, um Wie schon auf den vorangegangenen Seiten
monologisch (Vortrag, Präsentation) oder dia- angesprochen, sind rhetorische Fähigkeiten für
logisch (Gespräch, Verhandlung, Streitgespräch, einen guten thematischen Vortrag unabdingbar.

Inventio

Dispositio
Auswahl & Gliederung

Elocutio
Sammlung der Ideen

Memoria
Ausarbeitung &

Actio
Aneignung

Abb. 247:
Gestaltung

Stadien einer Rede


führung
Durch-

260
Im Folgenden ein paar Grundregeln:90 Selbstmanagement und Projekt-
– Fangen Sie erst an, wenn es ruhig ist. Lassen planung
Sie es ggf. still werden.
– Sprechen Sie verständlich und dem Thema Erfolgreich zu gestalten hängt immer auch
sowie der Zielgruppe angemessen (Wortwahl). damit zusammen, sich der eigenen Wünsche
– Komprimieren Sie Sachverhalte, unter- oder bewusst zu sein und sich Ziele zu setzen, die sich
überfordern Sie die Zuhörer nicht. systematisch verwirklichen lassen. Doch wie
– Sprechen Sie deutlich, nicht zu schnell und in macht man das? Im Folgenden versuche ich, das
Richtung des Publikums (nicht zur Präsenta- sehr umfangreiche und theoretische Thema des
tionsfläche). Selbstmanagements und der Projektplanung auf
– Machen Sie Sprechpausen (= Mitdenkpausen). einige praktische Empfehlungen herunterzu-
– Verwenden Sie keine Füllwörter oder Floskeln. brechen. Wer, wie immer, tiefer in das Thema
– Achten Sie auf Betonung und Lautstärken- einsteigen möchte, dem sei gesagt, dass es sehr
wechsel in der Stimme, das macht Ihren Vor- viele Publikationen dazu gibt, ein paar davon
trag abwechslungsreicher (nicht monoton). unter→ Weiterlesen-Tipps, Selbstmanagement,
– Lesen Sie nicht vor oder ab, frei sprechen! Seite 277.
– Bei Spickzetteln: nur so viel wie nötig ablesen.
– Lassen Sie längere Zitate/Texte durch das Schon vor dem Einstieg in das Berufsleben,
Auditorium leise lesen (und lesen Sie lang- nämlich mit Beginn der Ausbildungs- und Stu-
sam und leise für die Dauer der Lese- bzw. dienzeit ist es sinnvoll, seine Persönlichkeit und
Sprechpause mit). sein eigenes Vorgehen bezüglich des Lernens
– Sprechen Sie zielgerichtet, argumentieren Sie und des konzentrierten Arbeitens an kreativen
überzeugend, sachlich, fair und in adäquater, Aufgaben und Projekten zu analysieren und
angemessener Länge. zu hinterfragen. Dies sollte das Ziel haben, sich
– Achten Sie auf die eigene Körperhaltung und selbst besser einschätzen zu können, sein Han-
-sprache, Mimik und Gestik (natürliche Entfal- deln zu optimieren, effektiver und effizienter
tung, gezielter Einsatz). zu werden, aber auch mehr kreativen Freiraum
– Seien Sie glaubwürdig im Inhalt, in Ausdruck zu gewinnen, Streß und Hektik abzubauen bzw.
und Auftreten. Denken Sie selbstbejahend und zu vermeiden, mehr Übersicht über anstehende
optimistisch über Ihre «Performance». Aufgaben und Aktivitäten zu gewinnen und
– Halten Sie Blickkontakt, achten Sie auf Feed- mehr Freizeit für Familie, Freunde und Gesund-
back aus dem Publikum. Bieten Sie vorab an, heit zu erlangen (= Work-Life-Balance).
dass Zwischenfragen gestellt werden können.
Eine Methode, um das zu erreichen, ist das
Abschließend sollten folgende Wirkungsweisen Selbstmanagement. Mit dieser Kompetenz ist
in einer Rede durch den Redner zur Anwendung es möglich, die eigene persönliche und beruf-
kommen, um rhetorisch erfolgreich zu agieren: liche Entwicklung weitgehend unabhängig von
∆ belehren & argumentieren (docere et probare) äußeren Einflüssen zu gestalten. Zum Selbst-
∆ gewinnen & erfreuen (conciliare et delectare) management gehören u. a. die eigene Moti-
∆ rühren & bewegen (flectere et movere) vation, ein gekonntes Zeitmanagement, sich ein
Ziel zu setzen und dieses konsequent zu ver-
Weitere Informationen zum Thema → Weiter- folgen, z. B. durch (Projekt-)Planung und Organi-
lesen-Tipps, Rhetorik, Seite 277 sation. Ebenso ist es möglich, mit dem Selbst-
management seine Lernfähigkeit zu steigern,
z. B. durch die Erfolgskontrolle nach Erreichen

261
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

5. 1. seine Stärken und Schwächen zu erkennen und


Kontrolle & Analyse & daraus Selbsterkenntnis zu ziehen (= zu lernen),
Korrektur Zielsetzung
sodass man zukünftig in ähnlichen Situationen
«besser handelt» (= Selbstentwicklung). Dies hat
6.
Information & eine Erhöhung der Selbstwirksamkeit91 und
4. Kommunikation 2. Umsetzungskompetenz92 zur Folge. Es geht zum
Realisation Planung
einen darum, die Dinge richtig zu tun, aber eben
auch die richtigen Dinge zu tun!

3.
Entscheidung Das Selbst- bzw. Zeitmanagement kann in sechs
Phasen unterteilt werden (Abb. 248).93 Sie
Abb. 248
laufen nicht immer nacheinander ab, eher ver-
zahnen sie sich miteinander, bedingen sich und
laufen teilweise gleichzeitig und mehrfach ab.
des Ziels (mit Hilfe von Feedback, Evaluationen Abb. 24994 gibt Aufschluss über die verschiede-
etc.). Grundvoraussetzung ist, sich mit dem eige- nen Methoden/Techniken und deren Ergebnisse
nen Charakter und der Persönlichkeit ausein- sowie in welcher der sechs Phasen sie besten-
andersetzen zu wollen (= Selbstverantwortung), falls zum Einsatz kommen können.

Selbst- und Zeitmanagement


Phasen Methoden & Techniken Ergebnisse
1. Analyse & # Zielfindung # Situationsanalyse # Motivierung, Schwächen
Zielsetzung # Zielstrategien # Zielformulierung erkennen, effizientere Arbeitsvor-
# DISG-Persönlichkeitsmodell # Zeit- gänge, Fixierung von Terminen/
inventur # Zeittorte → Seite 270 f. Arbeitsschritten
2. Planung # Jahres-/Monats-/Wochen-/Tages- # Vorbereitung, Optimierung,
planung → Seite 270 f. # ALPEN- Reduzierung der Durchführungszeit,
Methode # Absichtserklärung Übersicht erhalten/motivieren
# Salamitaktik/Meilensteinplanung
# SMART-Formel
3. Entscheidung # Prioritätensetzung # Pareto-Prin- # Wichtig/unwichtig klären,
zip # ABC-Analyse # Eisenhower- eigenen Standpunkt/Perspektive
prinzip # Delegation einnehmen, Produktivität steigern
4. Realisation # Tagesgestaltung # Leistungskurve # Anwendung der «Theorie»,
# Biorhythmus vs. Arbeitsrhythmus Konzentration auf das Wesentliche,
# Selbstentfaltung # Tagesrahmen- Leistungshochs nutzen, eigenen
programm # BANJO-Methode → Arbeitsstil erkennen und nutzen
Seite 263.
5. Kontrolle # Ist-Soll-Vergleich # Ergebniskon- # Sicherstellung der Leistung,
trollen # Tagesrückschau/Selbst- positive Lebensführung, optimieren,
kontrolle # Fünf-Finger-Methode → sich verbessern, Stressabbau
Seite 272 f.
6. Information & # Konzentrationssteigerung # Lern- und Lesegeschwindigkeit
Kommunikation # Rationelles Lesen/Telefonieren/ steigern, Regeln einführen (gegen
Korrespondieren # Checklisten Störungen), De-Bürokratisierung
Abb. 249

262
Seneca
Am Anfang eines erfolgreichen Selbstmanage- Tabelle werden alle Tätigkeiten des Tages und
ments steht die Selbstanalyse. Diese erste Phase ihre Dauer akribisch (!) eingetragen.96 Auf Basis

«Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nützen.» 98
hilft, den eigenen «Status Quo» zu definieren. dieser Tabelle führt man sich schwarz auf weiß
Es gibt unterschiedliche Persönlichkeitstypen vor Augen, wofür und mit wem man seine Zeit
und auch unterschiedliche Methoden, diese zu verwendet und ggf. auch verschwendet hat.
definieren. Das DISG-Persönlichkeitsmodell, Denn oft ist einem gar nicht bewusst, wie viel
ist eine davon und teilt den Menschen grob in Zeit welche Tätigkeit tatsächlich erfordert, was
vier Verhaltensstile ein: dominant (dominante man alles geschafft hat (oder nicht), wie oft man
Menschen zeigen ein aufgabenorientiertes und sich ablenkt oder ablenken lässt, man kennt die
extrovertiertes Verhalten, möchten Kontrolle Vor- und Nachteile seines Arbeitsstils nicht und
übernehmen und Leistungen erzielen, haben weiß auch nicht, wer einen beim Lernen und
einen großen Siegeswillen), initiativ (initiative Arbeiten behindert oder wer förderlich ist.
Menschen zeigen ein extrovertiertes und men- Ebenso wichtig kann eine Zeitverlustanalyse
schenorientiertes Verhalten, sie sind motiviert, sein: Wie oft kommt es am Tag durch wen und
können gut andere motivieren, sind expressiv wie lange zu Unterbrechungen? Welche «Zeit-
und wollen gehört werden und andere beein- verlustquellen» und «Zeitfresser» gibt es (z. B.
flussen), stetig (stetige Menschen zeigen ein Kaffeekochen, Raucherpause, E-Mails/Nachrich-
menschenorientiertes und introvertiertes Ver- ten, Smartphone/Tablet, Internet, Telefonate,
halten, sie suchen Stabilität und Harmonie, Arbeitswege, Gespräche/Chats, Termine, Nicht-
wollen andere unterstützen und für Gleich- Nein-sagen-können, Aufschiebeverhalten etc.)?
gewicht sorgen) und gewissenhaft (gewissen- Was sind weitere Störfaktoren und welche Ur-
hafte Menschen zeigen ein introvertiertes sachen haben diese? Auf Basis beider Zeitana-
und aufgabenorientiertes Verhalten, sie wollen lysen kann anschließend optimiert werden.
alles richtig machen, dabei Ärger vermeiden
und achten auf Präzision und Genauigkeit). Die- Oft ist Zeitverlust damit verbunden, dass man
se vier Eigenschaften können in viele weitere eine Sache, die erledigt werden muss, auf-
Mischformen unterteilt werden. Anschließend schiebt, z. B. weil sie komplex oder unangenehm
werden anhand dieser Analyse und Eingruppie- erscheint. Meistens kommt es dann zu Über-
rung Handlungsanweisungen persönlichkeits- sprungshandlungen: Man widmet sich anderen
95
bezogen gegeben. Den Ansatz dieses Modells Dingen, die einem für den Moment wichtiger
finde ich sehr spannend. Ich glaube, dass wir erscheinen (aber tatsächlich weder wichtig noch
alle unterschiedlich ticken und deshalb unter- dringend sind). Der Autor Roger Black erdachte
schiedlich auf unsere Umwelt reagieren und zu diesem Aufschiebeproblem die BANJO-
jeder Mensch andere Methoden hat, um zu Methode (Bang A Nasty Job Off).97 Sie besagt,
lernen und zu arbeiten. Gerade deshalb wird dass man die unangenehmste Aufgabe an den
dieses Modell aber auch teilweise kritisch Anfang des Tages legt, damit man sie schnell
betrachtet, denn Individuen lassen sich nicht so hinter sich und aus dem Kopf hat. Meistens neh-
eindeutig «eingruppieren», wie das Modell es in men solche Aufgaben nicht mal viel Zeit in An-
der Theorie vorsieht. spruch. Man verbringt häufig mehr Zeit damit,
sich vor der Aufgabe zu drücken und über sie zu
Eine andere Möglichkeit, sich selbst und seine grübeln, als sie pragmatisch zu erledigen.
Lern- und Arbeitsgewohnheiten zu analysie-
ren, ist eine Zeitinventur. Dabei muss über Ein wichtiger Punkt, den man in der Selbstana-
mindestens drei Arbeitstage eine Art tabel- lyse bzgl. Beruf/Lernen/Kreativität herausfin-
larisches Tagebuch geführt werden. In diese den sollte, um ihn später in Phase 4 (Realisation)

263
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

wichtig & wichtig &


nicht dringend dringend

= später bearbeiten = sofort bearbeiten

nicht wichtig & nicht wichtig &


nicht dringend dringend

= nicht bearbeiten = delegieren

Abb. 250 Abb. 251

anzuwenden, ist der individuelle Arbeitsrhyth- man durch Selbstbeobachtung, gezielte Fragen
mus und die eigene Leistungskurve. Zu welcher und Reflexion ebenso seine private, körperlich/
Tageszeit arbeitet man am liebsten, schnellsten, gesundheitliche und moralisch/ethische Situa-
leichtesten (Morgenmensch, Nachtmensch) und tion analysieren: Welches Menschenbild habe
wann ist die Leistungskurve am höchsten und ich? Welche Werte sind mir wichtig? Wie sehe
warum? Diesem Rhythmus sollte man nach ich mich: Stärken, Schwächen (Selbstbild–Fremd-
Möglichkeit nicht entgegenarbeiten. Wer noch bild)? Was sind meine beruflichen und privaten
keinen festen Arbeitsrythmus hat, kann ver- Ziele und welche davon habe ich erreicht?
schiedene Tages- und Nachtzeiten oder Zeitspan-
nen ausprobieren und sich dabei beobachten. Nach Abschluss der Selbstanalyse kann man auf
ihren Ergebnissen basierend, anfangen, eigene
Apropos Arbeitszeit: Das Pareto-Prinzip, Ziele neu zu definieren. Sie bestimmen das wei-
benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), tere Handeln, sind Motivatoren und Katalysato-
beschreibt das statistische Phänomen, dass ren. Damit aus dieser Zielsetzung ein tatsächlich
80 % der Ergebnisse mit 20 % des strategisch erreichtes Ziel wird (egal, ob kurz-, mittel- oder
richtig eingesetzten Gesamtaufwandes erreicht langfristig), sollte man parallel den Weg bis
werden (Abb. 250). Die verbleibenden 20% der dahin planen und organisieren. Das geht am
Ergebnisse benötigen mit 80% die meiste Arbeit. besten, indem man Prioritäten setzt und diese
Das ist auf viele Bereiche übertragbar (Weltbe- in der Realisationsphase anwendet.
völkerungszahlen und -vermögen, Landbesitz
und Einwohner etc.), aber es gilt eben auch für Eine Methode dazu ist die ABC-Analyse. Hier
unseren Arbeitsalltag: Mit 80 % der gesamten werden (Teil-)Aufgaben in ihrer Wichtigkeit
Arbeitszeit erreicht man statistisch nur 20 % der unterschieden, wobei A als besonders wichtig,
Ergebnisse, mit 20 % der gesamten Arbeitszeit B als wichtig und C als eher unwichtig gilt. Eine
aber gelingen einem 80 % der Ergebnisse – und ähnliche Methode ist das Eisenhower-Prinzip99,
das hat etwas mit Zeitmanagement und effizien- bei dem man die anstehenden (Teil-)Aufgaben
ter Arbeit zu tun! in ein Diagramm einträgt. Die eine Achse zeigt
die Wichtigkeit, die andere die Dringlichkeit
Selbstanalysen können natürlich über das einer Aufgabe. Aus der Kombination ergeben
Berufsfeld weit hinaus geführt werden. So kann sich vier Quadranten, die wie folgt benannt sind:

264
wichtig/dringend (A), wichtig/nicht dringend
(B), nicht wichtig/dringend (C), nicht wichtig/ 1. Wunsch: Ich möchte mir ein
nicht dringend (D). A-Aufgaben werden sofort Portfolio anlegen.
erledigt, B-Aufgaben kommen anschließend
an die Reihe, C-Aufgaben können noch später 2. Absichtserklärung: Bis zum 1.1.
gemacht und ggf. delegiert/abgegeben werden, sammel ich dafür alle
Inhalte und bis zum
D-Aufgaben werden nicht erledigt und wandern
1.2. layoute ich es.
in den Papierkorb (Abb. 251). Anmerkung: Mit
einem guten Zeitmanagement kann man außer- 3. Ziel: Am 1.3. verschicke ich
dem verhindern, dass Aufgaben überhaupt als mein Portfolio an X.
«dringend» eingestuft werden (denn dringende
Aufgaben verursachen meist Stress, das sollte
man auf Dauer vermeiden). Abb. 252

Eine gute Projekt- bzw. Arbeits(aufwands-) kleine Schritte und Teilziele zerlegt, diese
planung ist bereits die halbe Miete. Ausgehend nach Prioritäten sortiert, anschließend scheib-
von der Zielsetzung gibt es verschiedene chenweise abarbeitet und abschließend das
Möglichkeiten, sein Ziel planerisch und damit Ergebnis kontrolliert. Ähnlich funktioniert die
effektiv und effizient zu erreichen. Grundvor- Meilensteinplanung. Auch sie geht davon aus,
aussetzung ist, dass die eigenen Ziele realistisch komplexe Aufgaben in mehrere Teile zu zer-
und erreichbar sind, um Frustration oder ein gliedern. Gerade Projekte, die über einen langen
Scheitern möglichst zu vermeiden. Die SMART- Zeitraum laufen, können ermüdend sein. Auch
Formel hilft dabei, eigene Ziele auf Realisier- ist es schwierig, bei komplexen Projekten den
barkeit abzuklopfen: Spezifisch: konkret, präzise, Überblick zu behalten. Deshalb empfiehlt diese
eindeutig formuliertes Ziel; Messbar: Ziel sollte Methode, sich wie bei einem Langstreckenlauf,
überprüfbar (evaluierbar) sein; Aktionsorien- Zwischenziele, d. h. Meilensteine am «Projekt-
tiert: etwas aktiv tun, um sein Ziel zu erreichen wegesrand» zu setzen, die man nach Erreichen
(nicht etwas nicht tun, um ...); Realistisch: sich wie ein Etappenziel feiern soll, um sich für den
mit dem Ziel nicht über- oder unterfordern; Rest der Strecke zu motivieren.
Terminiert: ausreichend Zeit und Endpunkt
definieren. Eine weitere Technik zur Projektplanung nennt
sich die ALPEN-Methode. Das steht für:
Eine gute Methode ist auch, sich seine Wünsche/ Aufgaben und Aktivitäten aufschreiben,
Ziele selbst als Absichtserklärung schriftlich Länge der Aktivität abschätzen,
zu versichern (wie in einem Vertrag mit sich Pufferzeiten reservieren,
selbst) und diese damit verbindlich zu fixieren Entscheidungen treffen und
(Abb. 252). Diese Methode soll motivieren, seine Nachkontrollieren.
eigenen (vielleicht auch sehr persönlichen) Ziele, Diese Methode eignet sich sehr gut für Zeitpläne
die nicht von außen diktiert werden, ernster zu (Tages-, Wochen-, Monats-, Jahresplan). → Auf-
nehmen. gabe #49, Seite 270 f.

Eine Methode zur Projektplanung ist die soge- Alle Projektplanungsmethoden sollten schrift-
nannte Salamitaktik. Sie bezeichnet die lich ausgearbeitet werden!
Vorgehensweise, größere, d. h. komplexere Ziele Und noch ein letzter Tipp: Organisation engt
und Aufgaben zu erreichen, indem man sie in nicht ein, sondern befreit. Auch wenn es erst

265
#10 Grundlegendes zu methodischer Arbeit

einmal nach mehr Arbeit aussieht (als einfach 15. Suchen Sie unbedingt Ausgleich zur
drauflos zu arbeiten), zahlt es sich am Ende Arbeitszeit: Freizeit, Muße bringen neue
doch aus: Durch Planung gewinnt man mehr Energie.
zeitlichen und kreativen Freiraum. 16. Nutzen Sie Ihre Leistungskurve aus
(= Arbeits- und Biorhythmus finden).
Nach der Realisationsphase schließt jedes Zeit- 17. Werfen Sie konsequent Ballast ab.
und Selbstmanagement mit der Kontrollphase 18. Planen Sie gezielt einen Puffer ein (Unvor-
ab. Hier gibt ebenfalls verschiedene Methoden, hergesehenes, Leistungstief, Krankheit,
sich zu prüfen und anschließend in einer neuen Verzögerungen durch Dritte).
Runde zu optimieren. Eine Möglichkeit ist der 19. Reflektieren Sie Ihre Leistung zwischen-
Ist-Soll-Vergleich, bei dem in einer Gegenüber- durch und am Ende.
stellung geschaut wird, was vorab als Zielset- 20. Glauben Sie an sich und Ihren Plan.
zung gestellt wurde (Soll-Zustand) und was
tatsächlich am Ende erreicht wurde (Ist-Zu-
69 aus: Prof. Dr. Kurt W. Koeder, Studienmethodik –
stand). Diese Methode lässt sich genauso in Selbstmanagement für Studienanfänger, Verlag
den Phasen 1 und 2 durchführen (Ist-Zustand Franz Vahlen GmbH, München 1994, Seite 1
vor dem Zeitmanagement und Soll-Zustand für
70 vgl.: Arbeitsmaterialien/Reader zu: Lehrveran-
die Zielsetzung).
staltungen professionell planen, hrsg. von Work-
shopleiterin Claudia Nounla, Kompetenzzentr um
Zum Abschluss noch meine besten 20 goldenen Hochschuldidaktik für Niedersachsen, 2013, Seite 7
Planungsregeln:
71 wie Fußnote 69, Seite 54

1. Analysieren Sie Ihre Lage akribisch.


72 wie Fußnote 69, Seite 45 f.
2. Erkennen Sie Zeitfresser und schalten Sie
sie aus. 73 zitiert nach: www.aphorismen.de/zitat/16755,
3. Trennen Sie wichtige und unwichtige Stand 21.01.2016

Aufgaben/Ziele, tun Sie möglichst nur das


74 vgl.: M. Amelang u. a., Differentielle Psychologie
Wesentliche (dann haben Sie 80 % der und Persönlichkeitsforschung, Kohlhammer,
Arbeit geschafft). Stuttgart 2006
4. Planen Sie sinnvoll und effektiv.
75 aus: http://kreativitätstechniken.info/was-ist-
5. Entwickelns Sie eigene, effektive Systeme.
kreativitaet/kreativitatstechniken, Stand
6. Seien Sie kommunikativ. 21.01.2016
7. Delegieren Sie sinnvoll.
8. Werden Sie nicht zum reinen Krisen- 76 zitiert nach: William Shakepeare, Hamlet,
1601–1602, www.aphorismen.de/zitat/2464,
manager.
Stand 21.01.2016
9. Setzen Sie Prioritäten.
10. Entwickeln Sie Ihr persönliches, funktio- 77 Die Methode w urde hier das erste Mal veröffent-
nierendes Ablage-/Ordnungssystem. licht: Bernd Rohrbach: Kreativ nach Regeln –
Methode 635, eine neue Technik zum Lösen von
11. Bringen Sie Dinge zu Ende.
Problemen, aus: Absatzwirtschaft 12, Heft 19,
12. Arbeiten Sie konzentriert (dann steigt 1. Oktober 1969, Seite 73–76
auch die Qualität und Quantität Ihrer
Arbeit). 78 vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tagung,
13. Trainieren Sie Ihr Erinnerungsvermögen Stand 23.01.2016

(dann lernen und arbeiten Sie effizienter).


79 Die Bezeichnung Barcamp ergab sich aus einem
14. Sagen Sie auch mal «Nein». I T-Wortspiel: «Foo» und «Bar» stehen im I T-Bereich

266
als Platzhalter, eine Art Blindtext, für Benennungen 89 zitiert nach: http://w w w.schule-der-rhetorik.de/
(ohne Bedeutung) innerhalb von Programmcodes. aristoteles.html, Stand 08.06.2016
So w urde aus dem «Foocamp» das «Barcamp». Mehr
dazu findet man unter dem Wort «Metasyntakti- 90 wie Fußnote 87, Seite 405 f.
sche Variable».
91 «(...) Das Konzept der Selbst wirksamkeitserwartung
80 Dennoch ist der Begriff «Designprozess» vor allen (...) w urde von dem Psychologen Albert Bandura in
Dingen geprägt durch das Produktdesign/Industrial den 1970er-Jahren ent wickelt. (...) Untersuchungen
Design. Auch die Designtheorie bezieht sich bei dem zeigen, dass Personen mit einem starken Glauben an
Begriff eher auf die dreidimensionale Gestaltung von die eigene Kompetenz größere Ausdauer bei der
Produkten. Bewältigung von Aufgaben, eine niedrigere Anfällig-
keit für Angststör ungen und Depressionen und mehr
81 Alle Methoden sind aus dem Buch: Bella Martin, Erfolge in Ausbildung und Ber ufsleben aufweisen
Br uce Hanington, Designmethoden – 100 Recher- (...).»
chemethoden und Analysetechniken für aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstwirksam-
erfolgreiche Gestaltung, Stiebner Verlag GmbH, keitserwartung, Stand 05.02.2016
München 2013 // Anmerkung der Autorin: Auch
hier wird «Design» eher als «Produktdesign» 92 Umsetzungskompetenz (= Umsetzungsstärke) be-
definiert, es bleibt also eine große Lücke bzgl. der zeichnet zum einen die durch die Willenskraft des
restlichen Gestaltungssparten. // Die Übersetzung Menschen gesteuerte Fähigkeit, Ziele und Motive in
aus dem Englischen scheint bei diesem Buch nicht Ergebnisse umzusetzen, und zum anderen die
ganz gelungen, einige Methoden sind dadurch m. E. Fähigkeit von Organisationen (z. B. Unternehmen),
unverständlich beschrieben. Um einen Überblick Strategien, Veränder ungsprozesse oder Innovatio-
über Designmethoden zu bekommen, ist das Buch nen effizient einzubinden.
jedoch in Ordnung. vgl. dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/
Umsetzungskompetenz, Stand 05.02.2016
82 www.designmethodenfinder.de, Stand 26.01.2016,
Ursprünglich als Studienprojekt 2010 im Master- 93 vgl.: Lothar J. Seiwert, Mehr Zeit für das Wesent-
studiengang Communication Planning and Design liche, verlag moderne industrie, 17. Auflage,
an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Landsberg 1997, Grafik Seite 41
Gmünd unter der Betreuung von Professor Hans
Krämer entstanden. 94 wie Fußnote 93, vgl. Tabelle Seite 42 f.

83 aus: Johannes Ludwig, Perfekt präsentieren – 95 vgl.: Lothar J. Seiwert, Wenn Du es eilig hast, gehe
Optimieren in vier Schritten, LI T-Verlag, Münster langsam – Das neue Zeitmanagement in einer
2011, Seite 6 beschleunigten Welt, Campus Verlag Gmbh,
Frankfurt/Main 1998, Seite 204 ff.
84 wie Fußnote 83, Seite 9
96 Tabellenvorlagen dazu findet man u. a. im Internet,
85 Autor des Zitates unbekannt. Wird gern im Zusam- hier ein Beispiel: www.s-win.de/Dateien/01_02_
menhang mit Marketing, Verkaufstrainings etc. analyse-zeitverhalten.pdf, Stand 05.02.2016
verwendet.
97 vgl.: Roger Black, Getting things done – A Radical
86 vgl.: Josef W. Seifert, Visualisieren Präsentieren New Approach to Managing Time and Achieving
Moderieren, Gabal Verlag GmbH, 10. Auflage, More at Work, Michael Joseph Ltd, London 1990
Offenbach 1997, Abb. Seite 51
98 zitiert nach: www.gutzitiert.de/zitat_autor_
87 vgl.: Der kleine Besserwisser: Grundwissen für lucius_annaeus_seneca_thema_zeit_zitat_3516.
Gestalter, hrsg. von Robert Klanten, Mika Mischler, html, Stand 05.02.2016
Silja Bilz, erweiterte und aktualisierte Neuauflage,
Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2015, 99 Die Methode ist nach dem US-Präsidenten Dwight
Seite 404 David Eisenhower (1890–1969) benannt.

88 zitiert nach: www.joachim-nusch.de/humor-


und-weisheit-mit-sinngehalt/, Stand 30.01.2016

267
Praxis: SICH STRUKTURIEREN

Die Mindmap assoziativ und frei gefunden und aufgeschrie-


ben. So ergibt sich eine Clusterwolke und
Aufgabenstellung: ermöglicht einen visuell ansprechenden Gesamt-
Mind Mapping (engl. wörtlich «Gedanken- überblick aller Teile eines Themas.
(land)karte», sinngemäß: «Gedächtnisprotokoll»)
bezeichnet die Synthese aus visuellem und Erstellen Sie allein oder in der Gruppe eine Mind-
verbalem Denken und stellt ein bildhaftes map auf einem DIN-A2-Format zu einem belie-
Brainstorming dar. Ausgehend vom Blattmittel- bigen Thema. Die Wahl der Materialien ist frei.
punkt, auf dem das Thema platziert und ein- Seien Sie kreativ und gehen Sie ungewöhnliche
deutig als Thema visuell hervorgehoben ist, gestalterische und gedankliche Wege!
werden Kategorien und (deren) Schlüsselwörter

Eine illustrative
Mindmap zum Thema
«Kommunikationsdesign»

Gruppen-
#48 Mindmap aufgabe! Kleiner Tipp: Eine handgeschriebene Mindmap zum Thema «Kreativität»
befindet sich ausschnitthaft auf den Vorsätzen dieses Buches!
Lernziele:
Visualisieren, Kommuni-
zieren eines Themas,
Methode zur Ideen- und Pro- Eine handgeschriebene Mindmap kann jeder
jektfindung und -analyse, Mensch und Nichtgestalter mit einfachen Mitteln
Kompositions-/Layoutkennt-
visualisieren. Als Gestalter besteht zusätzlich
nisse anwenden
zur Entwicklung des verbalen Inhalts die Heraus-
Schwierigkeitsgrad: forderung (s)einer ansprechenden und passenden,
leicht formalen Visualisierung. Je mehr Mindmaps man
macht, desto schneller findet man seine eigene,
Materialliste:
Stifte, Papier, Sonstiges individuelle Form, die einem schließlich beim
kreativen Denken unterstützt.
Dauer:
268 30 Minuten–3 Stunden
Eine Mindmap mit Mitteln der Collage zum Thema «Selbstmanagement»

Eine Mindmap mit Mitteln der Assemblage bzw. als Installation & eine Mischung aus Foto & Photoshop, Thema «Film»
269
Praxis: SICH STRUKTURIEREN

Die Zeittorte und der Zeitplan


3) Erstellen Sie für eine Arbeitswoche Ihrer Wahl
Aufgabenstellung: vorab einen Wochenplan. Versuchen Sie, sich in
Selbstmanagement
1) Erstellen Sie eine 24-Stunden-Zeittorte zu dieser Woche an den Plan zu halten. Analysieren
Ihrem Tagesablauf als Ist-Zustand. Geben Sie Sie im Anschluss Ihr eigenes Verhalten (Fragen
dabei Ihre einzelnen Tätigkeiten in Prozent an
bla dazu siehe 2).
(ausgehend von 24 Stunden = 100 %). Erstellen
Sie anschließend eine zweite Zeittorte mit einem 4) Erstellen Sie für eine Arbeitsmonat Ihrer Wahl
Wunsch-Zustand (Soll). Überlegen Sie, wie Sie vorab einen Monatsplan. Versuchen Sie, sich in
Ihren Wunsch-Zustand realisieren können. diesem Monat an den Plan zu halten. Analysieren
Sie im Anschluss Ihr eigenes Verhalten (Fragen
2) Erstellen Sie für einen Arbeitstag Ihrer Wahl dazu siehe 2).
vorab einen Tagesplan. Versuchen Sie, sich an
diesem Tag an den Plan zu halten. Analysieren Sie 5) Erstellen Sie für ein Jahr Ihrer Wahl (muss
im Anschluss Ihr eigenes Verhalten (Konnten Sie kein Kalenderjahr sein) vorab einen Jahresplan.
den Tagesplan umsetzen? Wo hat es nicht funkti- Versuchen Sie, sich in diesem Jahr an den Plan zu
oniert und warum? Hat sich mit dem Plan grund- halten. Analysieren Sie im Anschluss Ihr eigenes
sätzlich etwas an Ihrem Verhalten geändert? Was Verhalten (Fragen dazu siehe 2).
nehmen Sie aus der Planung mit?)

Bei dieser Aufgabe wird


absichtlich auf eine inhaltliche
Veranschaulichung verzichtet.
Das Thema ist sehr persönlich
und individuell.
Die hier abgebildeten Grafiken
können als Vorlagen für eigene
Überlegungen genutzt werden.

Ihr
24-Stunden-Tag
#49 Zeittorte und Zeitplan

Lernziele:
Zeit- und Selbstmanagement,
Prioritätensetzung, sich struk-
turieren, planen, verbessern

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Papier, Stift, ggf. Computer

Dauer:
je nach Zeitraum der Planung
(Tag bis Jahr) ca. 30 Minuten– Es ist jeweils ein Kreis für den Ist-Zustand und einer für den Soll-Zustand zu verwenden.
2 Stunden Die Einteilung kann (zuerst) mit Bleistift vorgenommen werden.
270
Tagesplan Datum:

Uhrzeit Tätigkeit / Aktivität / Termin Zeitaufwand Bemerkungen

7:00

8:00

9:00

10:00

...

Wochenplan KW:

Priorität erledigt
Tag Aufgabe / Termin Wer? Zeitaufwand fertig bis
A–B–C ja/nein
Mo

Di

...

Monatsplan Monat:

Priorität erledigt
Aufgabe / Projekt Wer? Zeitaufwand fertig bis
A–B–C ja/nein

Jahresplan Zeitraum/Jahr:

Priorität erledigt
Aufgabe / Projekt Wer? Zeitaufwand fertig bis
A–B–C ja/nein

Das Aussehen der Tabellen ist völlig frei, es können auch Spalten individuell ergänzt oder gelöscht werden.
Der Monats- und Jahresplan muss nicht zwingend tabellarisch erarbeitet werden.
271
Praxis: SICH STRUKTURIEREN

Die Fünf-Finger-Methode Aufgabenstellung:


Legen Sie Ihre Hand auf ein DIN-A4-Papier und
Die Fünf-Finger-Methode gehört zu den didak- zeichnen Sie mit einem Stift um die Hand herum.
tischen Feedback- und Kontrollmethoden, die
vor allem in der Pädagogik eingesetzt werden. Geben Sie anschließend Feedback zu einem Ereig-
Sie soll auf visuell-spielerischer Ebene veran- nis Ihrer Wahl (z. B. Lehrveranstaltung/Seminar,
schaulichen, was man erlebt hat und wie das durchgeführtes Projekt, Hausarbeit, Lebensab-
Erlebte zu bewerten ist. schnitt, Status quo). Beachten Sie dabei die unter-
schiedlichen Bedeutungen der Finger.

Diese Hand zeigt eine Variante der


Feedbackmethode: Hier geht es rein

Me nta litä t:
Wi e wü rde ich me ine Sti
um Selbstkontrolle und Selbstcoaching.

W ie ko n
R a tge b e
Die Ergebnisse sind nicht als Feedback Zie s ha b
Wa

für eine Gruppe oder einen Gruppenleiter


ler

gedacht, sondern für sich selbst.


re i i c h

n te ic h a
r:
chu err

Das Bild zeigt nur die Fragen, nicht die


e
ng eich

Ergebnisse.

In w er:
Kör
:

n d e re n

elch
p
Die Kategorien fangen mit dem jeweiligen mm ung bes chreib en?

er g
t?

Anfangsbuchstaben des Fingers an, dies

h e lfe n ?

esu
dient als kleine Eselsbrücke:

ndh
Daumen = Denkergebnisse

eitl
Zeigefinger = Zielerreichung

iche
Mittelfinger = Mentalität
Ringfinger = Ratgeber

nV
Kleiner Finger = Körper
De e r fa
W n ke r
ss

elc g
he e bni
ung

Er s
ke s e :
nn
wa r

tni
ss eh
ab
ic

ei
h?

#50 Fünf-Finger-Methode ch
ge
wo
nn
Lernziele: en
?
Reflexion, Evaluation der
eigenen Leistungen, spie-
lerische Selbstkontrolle

Schwierigkeitsgrad:
leicht

Materialliste:
Stift, Papier

Dauer:
10 Minuten

272
MITTELFINGER:
Das hat mir nicht gefallen! RINGFINGER:
Das nehme ich mit!

ZEIGEFINGER:
Das könnte man
besser machen!

KLEINER FINGER:
Das kam zu kurz!

DAUMEN:
Das war super!

Hier sieht man eine ausgefüllte Hand. Dies


ist ein Feedback-Ergebnis nach einem eintägigen
Seminar zum Thema «Zeitmanagement».

273
ANHANG

274
275
Weiterlesen-Tipps

allgemein: // > Der kleine Besserwisser, hrsg. von Robert Klanten, Mika Mischler, Silja Bilz, Die
Gestalten Verlag GmbH & Co. KG, erweiterte und aktualisierte Neuauflage, Berlin 2015
// > Christian Büning, Augenmaß für Designer: 50 praktische Übungen, Werkstoff-Verlag, Münster
2012 // > Pina Lewandowsky, Francis Zeischegg, Visuelles Gestalten mit dem Computer, rororo
Computer, hrsg. von Ludwig Moos, 2. Auflage, Rowohlt Taschenbuchverlag GmbH, Reinbeck bei
Hamburg 2004 // > William Lidwell, Kritina Holden, Jill Butler, Universal Principles of Design,
Revised and Updated, Rockport Publishers, Beverly (USA) 2010 // > Kaj Johansson, Peter Lundberg,
Robert Ryberg, Well done, bitte! – Das komplette Menü der Printproduktion, Verlag Hermann
Schmidt, Mainz 2004 // > Gavin Ambrose, Paul Harris, Grundwissen Produktion für Grafikdesigner:
Ein Handbuch für Grafikdesigner, Stiebner Verlag GmbH, München 2008

Druckgrafik, Zeichnung, Illustration, Anatomie // > Anne Desmet, Jim Anderson, Drucken ohne
Presse – Eine Einführung in kreative Drucktechniken, Haupt Verlag, Bern 2011 // > Felix Schein-
berger, Illustration: 100 Wege einen Vogel zu malen, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2014 // >
Studio Zeich Mal, Zeich Mal! – Die supertollste Mal- und Zeichenschule der Welt!, frechverlag GmbH,
Stuttgart 2014 // > Gottfried Bammes, Der nackte Mensch. Hand- und Lehrbuch der Anatomie
für Künstler, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1982 (nur antiquarisch) // > Sándor Dóró, Künstler-
anatomie: Menschliche Körper zeichnen, Haupt Verlag, Bern 2015

Perspektive // > Peter Boerboom, Tim Proetel, Raum: Illusion mit Methode: Ideen zum räumlichen
Zeichnen, Haupt Verlag, Bern 2013 // > Gernot Störzbach, Perspektivisch Zeichnen: Grundlagen zur
Darstellung des dreidimensionalen Raums, Christophorus Verlag, Freiburg 2010

Muster // > Diana Newall & Christina Unwin, Die Geschichte der Muster, Haupt Verlag, Bern 2011
// > Erich Küthe & Susanne Küthe, Marketing mit Mustern, Dumont, Köln 1998 // > Hartmut
Bohnacker, Benedikt Groß, Julia Laub, Generative Gestaltung: Entwerfen. Programmieren. Visua-
lisieren, hrsg. von Claudius Lazzeroni, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2009 // > Jessica Swift,
Handgedruckte Muster auf Stoff, Papier und Wänden, Haupt Verlag, Bern 2016

Fotografie // > Andreas Feininger, Die Hohe Schule der Fotografie: Das berühmte Standardwerk,
Wilhelm Heyne Verlag, München 2005 // > Courtney Cerruti, Bildtransfer – Materialien, Techniken
und Projekte, Haupt Verlag, Bern 2014

Formen: Dreidimensionalität mit Papier // > Paul Jackson, Falttechniken – Die Grundlagen für
Papierdesign, Mode und Architektur, Haupt Verlag, Bern 2015 // > Helen Hiebert, Pop-up! –
Spielerische Projekte für dreidimensionales Papierdesign, Haupt Verlag, Bern 2016 // > Paul Jackson,
Von der Fläche zur Form– Falttechniken im Papierdesign, Haupt Verlag, Bern 2011 // > Keith Finch,
Pop up – Design und Konstruktion, Haupt Verlag, Bern 2013

Farbe // > Jean-Gabriel Causse, Die unglaubliche Kraft der Farben, Hanser, München 2015
// > Harald Küppers: Farbe verstehen und beherrschen, DuMont, Köln 2004 // > Victoria Finlay,
Colours: Die Geschichte der Farben, Konrad Theiss Verlag, Aalen 2015 // > Moritz Zwimpfer,
Licht und Farbe: Physik, Erscheinung, Wahrnehmung, Niggli Verlag, Zürich 2012

276
Typografie // > Martina Nohl, Workshop Typografie & Printdesign – Ein Lern- und Arbeitsbuch,
dpunkt.verlag GmbH, 2. Auflage, Heidelberg 2007 // > Hans Peter Willberg, Friedrich Forssman,
Erste Hilfe Typografie, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2001 // > Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt,
Hans Peter Willberg, Schriften erkennen, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 1997 // > Ji Lee, Word
as Image, Penguin Books, London 2012

Corporate Identity // > Annja Weinberger, Corporate Identity – Großer Auftritt für kleine Unter-
nehmen, Stiebner Verlag GmbH, München 2010

Die zukünftigen Aufgaben für das Berufsbild des Gestalters // > Die Geschichte des Nachhaltigen
Designs: Welche Haltung braucht Gestaltung?, hrsg. von Karin-Simone Fuhs, Davide Brocchi,
Michael Maxein, Bernd Draser, Verlag für Akademische Schriften, Bad Homburg 2013 // > Florian
Pfeffer, To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt. Strategien Werkzeuge
Geschäftsmodelle, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2014 // > Noah Bradley, w w w.noahbradley.
com/blog/dont-go-to-art-school/, Stand 04.12.2015

Buchgestaltung, Layout // > Andrew Haslam, Handbuch des Buches, Stiebner Verlag GmbH,
München 2007 // > Roger Fawcett-Tang, Chris Foges, John O´Reilly, Experimentelle Formate,
Innovative Gestaltung von Büchern, Katalogen, Broschüren, Stiebner Verlag GmbH, München 2002
// > Roger Fawcett-Tang, Experimentelle Formate 2, Stiebner Verlag GmbH, München 2005

(Lern-)Methoden, Kreativitätstechniken, Präsentation, Rhetorik // > w w w.schulentwicklung.nrw.


de/methodensammlung/liste.php, Stand 21.01.2016 // > Prof. Dr. Kurt Koeder, Studienmethodik –
Selbstmanagement für Studienanfänger, Verlag Franz Vahlen GmbH, München 1994 // > Pädago-
gische Psychologie, hrsg. von Andreas Krapp, Bernd Weidemann, Beltz Verlag, Landsberg 2006
// > w w w.ideenfindung.de/Übersicht-Liste-Kreativitaetstechniken-Ideenfindung.html, Stand
21.01.2016 // > Rob Eastaway, Kreatives Denken – 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln, Librero IBP,
Kerkdriel 2015 // > Tony und Barry Buzan, Das Mind-Map-Buch: Die beste Methode zur Steigerung
Ihres geistigen Potenzials, mvg Verlag, München 2013 // > w w w.designmethodenfinder.de, Stand
26.01.2016 // > Johannes Ludwig, Perfekt präsentieren – Optimieren in vier Schritten, LIT-Verlag,
Münster 2011 // > Jan C. L. König, Über die Wirkungsmacht der Rede – Strategien politischer Elo-
quenz in Literatur und Alltag, Vandenhoeck & Ruprecht unipress, Göttingen 2011

Selbstmanagement und Projektplanung // > Martin Scott, Zeitgewinn durch Selbstmanagement –


So kriegen Sie Ihre Aufgaben in den Griff, Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2006
// > Kenneth Blanchard, William Oncken Jr., Hal Burrows, Der Minuten Manager und der Klammer-
Affe: Wie man lernt, sich nicht zuviel aufzuhalsen, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2002
// > Lothar J. Seiwert, Wenn Du es eilig hast, gehe langsam – Das neue Zeitmanagement in einer
beschleunigten Welt, Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main 1998 // > Petra Bock, 100 Fragen Ihr
Leben betreffend, Knaur HC, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München 2009 (nur
antiquarisch) // > Petra Bock, Mindfuck: Warum wir uns selbst sabotieren und was wir dagegen tun
können, Knaur HC, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München 2011 // > Lothar
Seiwert, Horst Müller, Anette Labaek, 30 Minuten. Zeitmanagement für Chaoten, 12. Auflage, Gabal
Verlag GmbH, Offenbach 2012

277
Dank hat; bei Professorin Ulrike Stoltz, die mich auf
meinem Weg, Buchgestalterin und emanzipierte
Ich bin am Ende dieses Buches angelangt. So Künstlerin zu werden, bestärkt und begleitet
viele Menschen haben zum Entstehen dieses hat; bei Professorin Ute Helmbold, die mich
Werks beigetragen. Ich möchte allen danken, die als Illustratorin so sein hat lassen, wie ich bin,
mich auf dem Weg zu diesem Buch und auch als und mir mit konstruktiver Kritik das Gefühl
Lehrende begleitet haben. gegeben hat, dass das, was ich tue, gut ist; bei
Dr. Grzegorz Zgraja, Professor Michael Ruetz,
Allen voran gilt mein Dank Juliane Wenzl, gute Professorin Regina Henze und Professor
Freundin und Kollegin, tolle Illustratorin und Michael Glasmeier für die Begleitung während
perfekter Sidecoach. Gemeinsam haben wir zwei meines Studiums. Außerdem möchte ich den
Jahre die Grundlagenklassen an der HBK Braun- guten Seelen der HBK danken: den Werkstattlei-
schweig unterrichtet und uns zusammen neue tern Veronika Wehrstedt, von der ich alle Buch-
Aufgaben ausgedacht. Sie hat mir auch geholfen, bindefertigkeiten gelernt habe, und die immer
bei diesem Projekt die Übersicht zu behalten so- Geduld mit mir hatte; Uli Becker im Fotostudio,
wie inhaltliche und formale Aspekte abzuwägen der mir fotografisch mit seiner ruhigen Art zur
und mich für den besten Weg zu entscheiden. Seite stand und einfach ein ganz wunderbarer
Mensch ist; das Gleiche gilt für Thomas Steen,
Ich möchte mich bei den Design-Studierenden in dessen digitaler Druckwerkstatt ich wohl alle
Farina Hamann und Hannah Robold bedanken, Maschinen in Verwendung hatte und mit dem
die mir als Praktikantinnen für dieses Buch zur ich herzlich über mich selbst lachen kann und
Seite standen und immer gute Ideen hatten, dessen Ausgeglichenheit und Entspanntheit ich
wie man dieses Werk noch besser und verständ- bewundere; ebenso bei Martin Salzer für Rat
licher machen kann. und Tat in Druckfragen sowie für Gespräche vor,
während und nach dem Drucken; bei Rudolf
Ich danke meinen Kollegen, die ich an der Hoch- Danninger und Jochen Köhn, bei denen meine
schule für Bildende Künste Braunschweig druckgrafischen Arbeiten entstanden sind und
kennenlernen durfte, allen voran Professorin bei Sabine Schlimme, die meine Buchstaben
Alexandra Martini. Zusammen haben wir immer in die richtige Form gelenkt hat.
uns viele Aufgaben ausgedacht und drei Jahre
gemeinsam unterrichtet. Ähnliches gilt für Es ist aber auch unabdingbar, mich bei meinen
Professor Thies Krüger, mit dem ich ein Jahr die Studierenden aus den Grundlagenklassen zu
Grundlagen unterrichtet habe. Ich möchte mich bedanken, die mich als Lehrende ebenso weiter-
auch bei Professorin Kerstin Kaczmar bedan- gebracht haben, wie ich sie (hoffentlich): Philipp
ken, bei der ich als Mitarbeiterin ein Jahr lang Geisler, Balut-Eva Hadi, Sunna Hubert,
in die Entwurfslehre eintauchen konnte und die Frances Köhler, Vivian Mule, Vincent Lange,
mir inzwischen eine Freundin geworden ist und Tamara von Lipinski, Leonie Nieporte,
mich auf meinen beruflichen Wegen bestärkt Melanie Fischer, Katharina Sellier, Susanne
hat. Ich bedanke mich bei dem pensionierten Rosier, Florian Sandfuchs, Sandy Reuter,
Professor Frank Köhler, meinem Grundlagen- Yeaseul Sohn, Thomas Bauer, Nicole Cebulla,
professor von 1999 bis 2000, von dem ich auch Alicja Boß, Alessandro Sommer, Catrina
die eine oder andere Aufgabe übernommen Steinborn, Anaïs Coiffard, Leon Kluth, Ina
habe; außerdem bei Professor Klaus Paul, der Ibragimova, Oskar Krause, Lena Mühlemann,
mich seit meinem Studium begleitet und mir Laura Antrack, Bilal Celik, Juhyun Back,
hier und da mit guten Tipps den Weg gewiesen Erik Gilbrich, Matthias Homann, Matthias

278
Hüttmann, Max Lask, Ricardo Pilguj, Bujar und Lilia Graf, Ben Grigo, Philip Häniche,
Peci, Christian Schüßeler, Benedikt Poser, Astrid Hesse, Linda Niederschuh, Robert
Leonore Schubert, Simon Barth, Maxine Stürzl, Franziska Striewe, Laura Wilkening,
Metzger, Jacob Müller, Lara Nickel, Inga Benny Adler, Julia Katharina Böttcher, Sara
Barnstorf, Max Braun, Lina Borgmann, Ibendahl, Matthias Soo Kim, Kathy Forys,
Jewgenij Deshkin, Viktoria Dietz, Vincent Cäcilia Holtgreve, Sebastian König, Sarah
Grahn, Franka Hilbert, Annika Heller, Florian Kowalewski, Jennifer Kupschis, Peter Meyer,
Hoffmann, Jen Katz, Daniela Kaiser, Marlis Martin Müller, Magdalena Tucka, Juan
Kindler, Anja Köhrmann, Markus Kratz, Miguel Wollenweber, Sümeyra Günaydin, Joe
Lisa Könnecker, Sabrina Langenberger, Julia Murphy, Dennis Meyer, Sascha Naji, Pawel
Scheibehenne, Jonas Pupkes, Melis Sivasli, Pynsar, Denis Reiswich, Kathrin Schmitz,
Gregor Steinmetz, Xinwei Zhang, Claudia Erik Schultz, Rebecca Schütte, Sachar Skipor
Malecka, Patrick Birke, Leonie Fröhlich, sowie den Facebookern Angelika Stück, Lemon-
Silvana de Frenzel, Elisa Gassen, Max Haller, bits, Nikola Werner, Ramona Wultschner,
Marius Harter, Lukas Jurk, Marius Heitmann, Elke Erat, Stefanie Wolf Messing, Dagmar
Katharina Loerke, Santiago Rubio, Florian Glausnitzer-Smith, Barbara Benfradj, Simone
Westermann, Nuretdin Seker, Nils Sajonz, Kirschning, Dagmar Drobny, Sahar G.
Runing Zhao, Carlota Stürmer, Mike Menke, Khamseh, Lisa Hauke, Nina Weber, Claudina
Dana Heinemann, Michelle Kradel, Charlotte Paulina, Racuun, Marie-Christine Müller,
Ackermann, Sunay und Suzan Eryigit, Inga Jessica Zappe, Alexander Heinrich, Corinna
Barnick, Martin Fischer, Simon Geistlinger, Chaumeny, Manuel Senfft, Martina Ern,
Eva Klauss, Alexandra Holowicki, Jakob Anita Schwörer, Pencake, Norbert Egdorf.
Grommas, Erika Mai, Friederike Kühne, Max
Oehme, Ole Plönnigs, Karina Sommermeier, Ich danke meinen Kolleginnen von Tatendrang-
Wiebke Tjarks, Karina Sommermeier, Agnese Design: Tonia Wiatrowski, Meike Töpperwien,
Kusnere, Nane-Sophie Bergmann, Tano Ece, Anne-Luise Groß und Eva Jaeger für viele Jah-
Vadim Motov, Sebastian Schärfer, Moritz re als Illustratorinnen-Gemeinschaft.
Seifert, Maximilian Schneider, Ningning Zhao,
Skadi Sturm, Anton Ohlow, Hannah Robold, Ich bedanke mich außerdem von Herzen bei
Friederike Fänger, Mona Hesse, Vanessa Timo Hoheisel, Bernadette Bideau, Anne
Ahrens, Kerstin Beyer, Anna Behrendt, Cagla Pfeifer, Andrea Grunwald, Maike Spieker,
Canidar, Inga Plönnigs, Marie Dann, Anja Peter M. Glantz und Franziska Günther für die
Dannemann, Daniela Heiny, Neele R. Hinken, mentale Unterstützung und Freundschaft.
Birte Niedermeyer, Mareike Riemann, Janina
Schuster, Adrijan Steczek, Nina Sieverding, Ein großer persönlicher Dank geht an meine
Ole Struck, Lisa Tegtmeier, Serine Weiner, Eltern, die mich immer auf meinen Wegen be-
Tamina-Florentine Zuch, Alexander Lehmann, gleiten und unterstützen.
Ehsan Aghdami, Sebastian Aumer, Elena
Braun, Samantha Brings, Philipp Engelke, Jan Abschließend danke ich dem Haupt Verlag, der
Gustorf, Hayo Gebauer, Henrik Gülzow, Joel an mein Buchprojekt geglaubt hat; vor allem
Romero, Nicolas Kreft, Anton Papenfuß, Eli möchte ich Heidi Müller für ihre Mühen und
Shala, Moritz Sontheim, Kai Behrendt, Ina ihren Enthusiasmus Danke sagen. Außerdem
Hengstler, Friederike Jäger, Nadine Blasche, danke ich Regine Balmer und Gabriela Bortot;
Luisa Fabienne Burbach, Timo Busse, Susanne und der Lektorin Claudia Huboi, die den forma-
Demuth, Mariano Eckert, Fabian Fischer, Julia len und inhaltlichen Überblick behalten hat.

279
Abbildungsnachweis Mühlemann, 2014 ||| Abb. 102: 1964, © 2020, ProLitteris,
(Theorieteil) © Hannah Robold, 2014 ||| Abb. Zurich ||| Abb. 122 links: Yayoi
103: Wikimedia Commons (PD), Kusama, Kusama with «With
Alle Bilder (alle Repros von Hermann Rorschach ||| Abb. All My Love For The Tulips, I
Arbeiten, Fotografien, Gra- 104: Wikimedia Commons, Pray Forever», 2012, Installa-
fiken, Hintergrundbildern & Guillaume Blanchard, CC-BY- tion, Mixedmedia. Installation
Illustrationen), wenn nicht SA-1.0 ||| Abb. 105: Wikimedia View: The National Museum of
genannt: © Roberta Bergmann Commons, Didier Descouens, Art, Osaka, © Yayoi Kusama |||
CC-BY-SA-4.0 ||| Abb. 106: Wi- Abb. 122 rechts: Yayoi Kusama,
Abb. 44: Victor Vasarely, Ze- kimedia Commons, Jim Anza- Dots Obsession, 2015. Installa-
bras, 1950, © 2020, ProLitteris, lone, CC-BY-SA-2.0 ||| Abb. 107: tion, Mixedmedia, Installation
Zurich ||| Abb. 46: © Baika BK ||| Wikimedia Commons, Nick- View: Garage Museum of
Abb. 47: Wikimedia Commons mard Khoey, CC-BY-SA-2.0 ||| Contemporary Art, Moskau,
(PD), Joseph Jastrow ||| Abb 58: Abb.108: Wikimedia Commons, © Yayoi Kusama ||| Abb. 123:
© 2016, Farina Hamann ||| Abb. Daderot, CC-BY-SA-4.0 ||| Abb. © Jongeriuslab, Swatch Table
60: Wikimedia Commons, 109: Wikimedia Commons, (Skizze), 2008 ||| Abb. 124:
Philippe Alès, CC-BY-SA-4.0 Walters Art Museum, CC-BY- © Jongeriuslab, Morgan LeGall
||| Abb. 61: Sonnenblume von SA-3.0 ||| Abb. 110: Wikimedia courtesy Galerie kreo (Tisch) |||
Matthias Froböse, 2006 ||| Abb. Commons, Hallwyl Museum / Abb. 125–126: © Kai Behrendt,
62: Rahul Narain, flickr, CC- Jens Mohr, CC-BY-SA-3.0 ||| 2011 ||| Abb. 127: Wikimedia
BY-SA-2.0 ||| Abb. 63: Pixabay, Abb. 111: Wikimedia Commons, Commons, Wouter Hagens,
Markus Baumeler ||| Abb. 64: Le Karldupart, CC-BY-SA-3.0 ||| CC-BY-SA-3.0 ||| Abb. 128:
Corbusier, Le Modulor, 1948, Abb. 112: Wikimedia Commons Wikimedia Commons (PD),
© FLC / 2020, ProLitteris, Zu- (PD), PKM ||| Abb. 113: Wikime- Anna Forsberg ||| Abb. 129:
rich ||| Abb. 69: © David Cuesta, dia Commons (PD), Toyohara Maurizio Anzeri, «Rita», 2011,
Randy Iwata & Jenny Smyth; Chikanobu ||| Abb. 114: Wiki- Embroidery on photograph,
mit freundlicher Genehmigung media Commons (PD), Baron 23,5 × 17,5 cm. Image courtesy
von MintRecords ||| Abb. 70: Raimund von Stillfried ||| Abb. of the Saatchi Gallery, London,
© Thomas Bauer, 2015 ||| Abb. 115: Wikimedia Commons, © Maurizio Anzeri ||| Abb. 130:
71–73: © Farina Hamann, 2016 Christos Vittoratos, CC-BY- © Phil Ferguson ||| Abb. 131:
||| Abb. 74: © Laura Wilkening, SA-3.0 ||| Abb. 116: Wikimedia Wikimedia Commons, Debo-
2010 ||| Abb. 79: Wikimedia Commons, Visitor7, CC-BY- rahjay, CC-BY-SA-4.0 ||| Abb.
Commons, Andrzej Karpiński, SA-3.0 ||| Abb. 117: © Elektro 133: Wikimedia Commons,
CC-BY-SA- 3.0 ||| Abb. 81: Hafiz, Dub-Album, Cover- Anna butterfly, CC-BY-SA-3.0
© Anne-Luise Groß ||| Abb. 82: Gestaltung: Rad Dar, Guerssen ||| Abb. 134: Wikimedia Com-
© Peter Genßler, 2010 ||| Abb. Records, Pharaway Sounds mons, Celtus, CC-BY-SA-2.0 |||
83: © Tonia Wiatrowski, 2013 ||| Abb. 118: Wikimedia Com- Abb. 135: Wikimedia Commons
||| Abb. 86: © Cäcilia Holtgreve, mons, Walter Baxter, CC-BY- (PD), John Henry Dearle, Sea-
2008 ||| Abb. 88: © Thomas SA-2.0 ||| Abb. 119: Wikimedia weed Wallpaper, Morris & Co.
Bauer, 2014 ||| Abb. 92: © ano- Commons, Alvesgaspar, CC- ||| Abb. 136: Wikimedia Com-
nym ||| Abb. 93-94: © Hannah BY-SA-3.0 ||| Abb. 120: Bilder mons, Bundesarchiv, Bild
Robold ||| Abb. 95: © Franziska © 2016 Google. Kartendaten 146-1977-087-17A / Haeckel,
Striewe ||| Abb. 96: © Juliane © 2016 Google ||| Abb. 121: Otto / CC-BY-SA-3.0 ||| Abb.
Wenzl ||| Abb. 101: © Lena Günther Uecker, White Field, 137: © Hannah Robold, 2015

280
||| Abb. 140: © Erika Schuller, kimedia Commons, Manuel Wiatrowski,
2015 ||| Abb. 141: © Maximilian Strehl, CC-BY-SA-3.0 ||| Abb. Eigenverlag
Oehme, 2015 ||| Abb. 143: © Ina 196: Wikimedia (PD), Osado 2008 ||| Abb.
Mielkau ||| Abb. 144: © Timo ||| Abb. 197: Wikimedia Com- 229–235:
Hoheisel, 2015 ||| Abb. 149: mons, Manuel Strehl, CC-BY- © Farina Ha-
Wikimedia Commons (PD), SA-3.0 ||| Abb. 198: Wikimedia mann, 2016 |||
Library of Congress ||| Abb. 150: (PD), Carol Christiansen ||| Abb. Abb. 237: © Farina Hamann,
© Sunna Hubert, 2014 ||| Abb. 200: Wikimedia Commons, 2016 ||| Abb. 239–240: © Farina
157: © Lisa Tegtmeier, 2011 France 3470, CC-BY-SA-3.0 Hamann, 2016 ||| Abb. 241:
||| Abb. 158: © Anna Badur ||| Abb. 201: Wikimedia obere Reihe (zwei Fotos)
||| Abb. 160: © Alexander Commons, Ditlev Petersen, Alexander Hahn, flickr,
Lehmann ||| Abb. 161: © Anna CC-BY-SA-3.0 ||| Abb. 204: CC-BY-SA-2.0 und CC-BY-
Behrendt ||| Abb. 162: © Lisa Screenshot von MyFont.de ND-2.0; untere Reihe (zwei
Tegtmeier, 2011 ||| Abb. 172: Wi- (Stand 09.11.2015) ||| Abb. 205: Fotos) © Christian Cordes, 2011
kimedia Commons (PD), Haabet, Wikimedia Commons (PD), und 2015 ||| Abb. 244: © Nils
Farbkreis nach Isaac Newton Sleepytomcat (Jens Kraglund) Sajonz, Florian Westermann
||| Abb. 173: Wikimedia Com- ||| Abb. 211: © Farina Hamann, 2012 ||| Abb. 250–251: © Farina
mons (PD), Luestling ||| Abb. 2015 ||| Abb. 212: Wikimedia Hamann, 2016
174: Johannes Itten, Zwölftei- Commons (PD), Dante2594 |||
liger Farbkreis, 1961, © 2020, Abb. 213: Wikimedia Commons
ProLitteris, Zurich ||| Abb. 175: (PD), de:Bundesministerium für
Wikimedia Commons (PD), He- Verkehr, Bau- und Wohnungs-
win (SVG-Fassung), Das Basis- wesen, de:Straßenverkehrsord-
schema der Farbenlehre nach nung ||| Abb. 214: Wikimedia
Harald Küppers, 1976 ||| Abb. Commons (PD), Gregory
184: Wikimedia Commons, Maxwell ||| Abb. 215–216:
M M, CC-BY-SA-2.0 ||| Abb. 186: © Farina Hamann, 2015 ||| Abb.
Wikimedia Commons, Till 217: Tatendrang-Design Logo,
Krech, CC-BY-SA-2.0 ||| Abb. © Tatendrang-Design, 2003 |||
187: Wikimedia Commons, Abb. 219: Screenshot von IKEA:
Andrew Kaz, CC-BY-SA- 2.0 https://www.hej.de/mitma-
||| Abb. 188: Jamie XX «In Co- chen/bewirb-dich-fuer-einen-
lour», Plattencover, 2015; mit hausbesuch (Stand 05.12.2015) |||
freundlicher Genehmigung Abb. 220: © Jennifer Kupschis,
von theyoungturks und XL Bachelorarbeit, betreut von
Recordings, London ||| Abb. 192: Prof. Alexandra Martini und
Wikimedia Commons (PD), aus Brigida Kempf, HBK Braun-
A. H. Layard «Discoveries in schweig, 2011 ||| Abb. 221–226:
the ruins of Nineveh and © Farina Hamann, 2015 ||| Abb.
Babylon», 1853 ||| Abb. 193: 227: © Roberta Bergmann,
Wikimedia Commons (PD), 2016, abgebildetes Buch: <usus>
Ch1902 ||| Abb. 194: Wikimedia Uta Schneider & Ulrike Stoltz:
Commons, Manuel Strehl, trans—lation, Buchgestaltung:
CC- BY-SA-3.0 ||| Abb. 195: Wi- Roberta Bergmann & Tonia

281
Bild- © Hannah Robold ||| S. 86 oben: abgeb.: Friederike Jäger,
nachweis © Frances Köhler ||| S. 86 unten: Marie Dann, Nina Larsen |||
(Praxisteil) © Catrina Steinborn ||| S. 87 S. 131: Gruppenarbeiten ||| S. 132:
oben: © Farina Hamann ||| S. 87 abgeb.: Oskar Krause, Vivian
Alle Bilder (Repros von Arbei- unten: © Lena Mühlemann ||| Mule, Sandy Reuter ||| S. 133:
ten, Fotografien & Grafiken, S. 88: © Catrina Steinborn ||| © Ina Ibragimova ||| S. 134–135:
lIlustrationen), wenn nicht S. 89 oben: © Frances Köhler Gruppenarbeiten, © Fotos:
genannt: © Roberta Bergmann ||| S. 89 unten: © Lena Mühle- Juliane Wenzl ||| S. 134:
mann ||| S. 90–91: © Hannah © Viktoria Dietz, Hannah
S. 4–5: © Alexander Lehmann Robold und Farina Hamann ||| Schrage ||| S. 135 unten rechts:
||| S. 14–15: © Kai Behrendt S. 92–93: © Catrina Steinborn ||| © Sandy Reuter, Oskar Krause,
||| S. 18–19: © Fabian Fischer S. 94–95: © Farina Hamann ||| Leon Kluth ||| S. 136: © Melis
||| S. 32 oben: © Tamara von S. 96–97: © Yeaseul Sohn, Sivasli ||| S. 137: © Juan Miguel
Lipinski ||| S. 32 unten: © Lena © Foto: Simon Geistlinger ||| Wollenweber ||| S. 140–141:
Mühlemann ||| S. 33: © Vanessa S. 106: © Inga Barnick ||| S. 107: Gruppenarbeiten ||| S. 140:
Ahrens ||| S. 34–35: © Melanie © Simon Geistlinger ||| S. 110: © Vincent Grahn, © Foto:
Fischer ||| S. 36: © Fotos: Alexan- © Maxine Metzger & Annika Simon Geistlinger ||| S. 141:
dra Martini, abgeb.: Neele Rosa Heller, abgeb.: Maxine Metzger © Viktoria Dietz, © Foto: Simon
Hinken, Mareike Riemann, Lisa ||| S. 111: © Maxine Metzger, Geistlinger ||| S. 142 oben:
Tegtmeier, Anja Dannemann, abgeb. v. l. n. r.: Annika Heller, © Katharina Sellier ||| S. 142
Cagla Canidar, Serine Weiner ||| Vincent Grahn, Markus Kratz, unten: © Catrina Steinborn |||
S. 37–39: © Hannah Robold ||| Daniela Kaiser ||| S. 115: S. 143 oben: © Farina Hamann |||
S. 40: Gruppenarbeit ||| S. 42–43: © «Amerika» von Franz Kafka, S. 143 unten: © Leonie Nieporte
© Laura Wilkening ||| S. 57: © Staatstheater Braunschweig, ||| S. 144: © Melanie Fischer |||
Gruppenarbeit ||| S. 58 v. l. n. r.: i. e. Fassung v. Nicolai Sykosch, S. 145: © Lena Mühlemann |||
© Dina Hoffmann, Kathy Forys, Inszenierung: Nicolai Sykosch, S. 146: © Mike Menke, Michelle
anonym, Sebastian König ||| S. 59 Bühne & Kostüme: Stephan Kradel, Dana Heinemann,
v. l. n. r.: © Fabian Fischer, Lilia Prattes, Dramaturgie: Katrin abgeb.: Michelle Kradel ||| S. 147
Graf, Philip Häniche, Astrid Breschke ||| S. 115 oben links: obere Bilder: © Elena Braun,
Hesse ||| S. 60: © Farina Hamann abgeb. v. l. n. r.: Ursula Hobmair, Anja Dannemann, Antje Heier
||| S. 61 oben: © Juliane Wenzl ||| David Kosel, Moritz Dürr, ||| S. 147 mittlere Bilder: © Melis
S. 61 unten: © Kathy Forys ||| Nientje Schwabe, Philipp Sivasli, Nuretdin Seker, Santiago
S. 62 oben: © Hannah Robold ||| Grimm ||| S. 115 oben rechts: Rubio (alle Bild 1), © Markus
S. 62 unten: ©Anne-Luise Groß abgebildet: David Kosel ||| S. 115 Kratz, Florian Hoffmann, Max
||| S. 64: Gruppenarbeiten ||| S. 65 Mitte links: abgebildet: David Haller (alle Bild 2), © Runing
oben: © Lena Mühlemann ||| Kosel ||| S. 115 Mitte rechts: Zhao, Xinwei Zhang, Lara
S. 65 unten: © Hannah Robold ||| abgeb. v. l. n. r.: Philipp Grimm, Nickel (alle Bild 3) ||| S. 147
S. 67: Gruppenarbeiten ||| S. 68: Ursula Hobmair ||| S. 115 unten untere Bilder: © Kai Behrendt,
© Hannah Robold ||| S. 69: links: abgeb.: Moritz Dürr ||| S. Tamina Florentine Zuch,
© Anton Ohlow ||| S. 70–71: 117: © Laura Wilkening, abgeb.: Nikolas Kreft © alle Fotos:
© Hannah Robold ||| S. 72–73: Lilia Graf ||| S. 125: abgeb.: Simon Geistlinger ||| S. 149:
© Oskar Krause ||| S. 74–83: Frances Köhler (oben), Erik Hommage Tim Burton:
© Hintergründe gezeichnet von Filbrich (unten) ||| S. 126: © Thomas Bauer, Caren Grüter,
Hannah Robold ||| S. 84–85: © Hannah Robold ||| S. 130: Philipp Geisler, abgeb.: Philipp

282
Geisler; Hommage Jim Henson: corinna-chaumeny.de, Roberta v. l. n. r.: © Hannah Robold (2x),
© Melanie Fischer, Farina Ha- Bergmann, Elke Erat, Jen Katz Marie Dann ||| S. 197: © Ramona
mann, abgeb.: Melanie Fischer; (3x) ||| S. 171 Facebook-Projekt, Wultschner ||| S. 198: © Maxine
Hommage Issey Miyake: © Ina v. l. n. r.: © Joel Romero, Lemon- Metzger ||| S. 199 oben: Florian
Ibragimova, Leon Kluth, Oskar bits/www.lemonbits.de, Jen Westermann ||| S. 199 unten:
Krause, abgeb.: Ina Ibragimova; Katz, Hannah Robold, Farina Jewgenij Deshkin ||| S. 200–201:
Hommage Stefan Sagmeister: Hamann, Juliane Wenzl, Clau- © Hannah Robold ||| S. 201:
© Simon Barth, Nicolas Michel, dina Paulina, Marie Christine anonym ||| S. 202–203: © Nina
Leonore Schubert; Hommage Müller, Martina Ern/www. Larsen ||| S. 212–213: © Farina
David Lynch: © Yeaseul Sohn, emilrichardnordpol.de, Hamann ||| S. 214: © Hannah
Catrina Steinborn; Hommage Jen Katz, Stefanie Wolf Robold (Bild 1), © Melis Sivasli
Alfred Hitchcock: © Alicja Boß, Messing/www.kleinerwolf.de, (Bild 4) ||| S. 215: © Maxine
Sunna Hubert, Vincent Lange, Farina Hamann, Nina Weber/ Metzger ||| S. 216–217: © Farina
abgeb.: Sunna Hubert ||| S. 150 www.illuninare.de, Farina Hamann ||| S. 218–221: © Wieb-
oben: © Benny Adler, Sarah Hamann, Tonia Wiatrowski/ ke Tjarks, Bachelorarbeit (8. Se-
Ibendahl ||| S. 150 unten: www.illustrasia.de, Sahar G. mester), betreut von: Prof. Klaus
© Leonie Nieporte, Florian Khamseh/www.behance.net/ Paul, Prof. Ulrike Stoltz, HBK
Sandfuchs, Katharina Sellier, sahar_gk, Vadim Motov/www. Braunschweig, 2015 ||| S. 221:
abgeb.: Katharina Sellier ||| S. vadim-motov.com, Alexander abgeb. unten rechts: Agnese
151 oben: © Jakob Grommas, Heinrich/www.5sechstel.de, Kusnere ||| S. 222: Gruppenar-
Alexandra Holowicki, Charlotte Anne Pfeifer, Lisa Hauke, Bar- beit ||| S. 232–233: © Melis Sivasli
Ackermann, abgeb.: Jakob bara Benfradj, Angelika Stück/ ||| S. 234: © Lena Mühlemann |||
Grommas ||| S. 151 unten: www.stuecksicht.de, Jessica S. 236 unten: © Erika Schuller |||
© Benedikt Poser, Christian Zappe/www.atelier-zappe. S. 237: © Leonie Nieporte |||
Schüßeler ||| S. 154–155: net, Anita Schwörer/www. S. 238: © Alessandro Sommer
© Thomas Bauer, Sunna Hubert, fox-grafik.net, Jen Katz, Sahar ||| S. 239: © Roberta Bergmann,
Balut-Eva Hadi, Louis Gemke ||| G. Khamseh, Tonia Wiatrowski, Katharina Sellier, Roberta
S. 166–167: © Hannah Robold ||| Eva Jaeger/www.jaegerschnip- Bergmann, Florian Sand-
S. 168 oben: © Franziska sel.de, Farina Hamann, Franzis- fuchs, Farina Hamann, Leonie
Striewe ||| S. 168 unten: © Laura ka Guenther, Eva Jaeger, Dag- Nieporte, Sunna Hubert, Nicole
Wilkening ||| S. 170 Facebook- mar Glausnitzer-Smith/www. Cebulla, Vivian Mule, Erika
Projekt, v. l. n. r.: © Anne-Luise dagmarglausnitzer.de, Norbert Schuller, Alicja Boß, Gruppen-
Groß, Hannah Robold/www. Egdorf/www.egdorf.com, Eva arbeit, Juliane Wenzl ||| S. 240:
hannahrobold.de, Juliane Jaeger ||| S. 172: © Vivian Mule ||| Gruppenarbeit ||| S. 241: © Laura
Wenzl/www.ingestalt.de, S. 173: © Lena Mühlemann ||| Wilkening ||| S. 242 unten: ©
Pencake/https://www.behance. S. 174: © Frances Köhler ||| Frances Köhler ||| S. 243:
net/pencake, Farina Hamann, S. 175: © Catrina Steinborn ||| © Alicja Boß ||| S. 244-245:
Juliane Wenzl, Nikola Werner/ S. 176–177: © Philip Häniche ||| © Simon Barth ||| S. 246–247:
https://www.facebook.com/be- S. 190–191: © Hannah Robold ||| abgeb.: Atelier von Adrie
zeichnend, Simone Kirschning/ S. 192: © Inga Barnick ||| S. 193: Arendsman ||| S. 268: © Farina
www.simki68.wordpress.com, © Simon Geistlinger ||| S. 194 Hamann ||| S. 269: © Hannah
Barbara Benfradj, Dagmar v. l. n. r.: © Alicja Boß, Juliane Robold, Farina Hamann |||
Drobny, Racuun/www.racuun. Wenzl (2x), Erika Schuller ||| S. 274–275: Gruppenarbeit |||
de, Corinna Chaumeny/www. S. 195: © Juliane Wenzl ||| S. 196 S. 288: © Hannah Robold

283
Stichwortverzeichnis Bildmarke, 205, 216 ff. Dickte, 182, 183
Bildergeschichte, 172 f., 240 ff. Didot-Punkt, 181
ABC-Analyse, 264 Bionik, 78 f. Didot, François-Ambroise, 181
Abklatschtechniken, 47 ff. Black, Roger, 263 Digitaldruck, 47 ff.
Abriebtechniken, 47 ff. Bleisatz, 179 DIN-Formate, 29 f., 225, 227
Absichtserklärung, 265 Blindzeichnung, 62 f. DISG-Persönlichkeitsmodell,
Abstrich, 183, 186 Blocksatz, 183 263
Abwicklung, 136 ff. Briefing, 218, 224 Divis, 183, 186
Aceton, 47 ff., 101 Brinckmann, Albert Erich, Dokumentarfotografie, 112 ff.
Acrylfarbe, 45 ff. 121 f. Doppelbelichtung, 102
Adams, Ansel, 99 Bronzezeit, 76 Dramaturgie, 256
Adobe, 160, 180, 258 Bund, 183 Dreieck, 20 f., 118
Aerodynamik, 78 Bündigkeit, 178, 183 Druckerpresse, 179
Aktzeichnen, 66 f. Büroklammer, 124 f. Druckvorstufe, 224 f.
Akzidenzen, 183 DTP, 180
Albers, Reinhard, 185 CAD/CAM, 121 DTP-Punkt, 181
Alberti, Leon Battista, 75 Camera Obscura, 100 f. Dunkelkammer, 98, 108 f.,
Alinea, 183 Capitalis Monumentalis, 179 112 f.
ALPEN-Methode, 265 Capitalis Quadrata, 179 Durchschuss, 178, 183, 186
Alphabet, 106 f., 178 f., 192 f. Capitalis Rustica, 179 Dynastische Zeit, 76
Anatomie der Schrift, 182 Chanel, Coco, 241
Anatomie des Buchstabens, CIE-System, 160 f. Egyptienne, 180
182 Collage, 46 ff. Ehrenfels, Christian von, 22
Anstrich, 183, 186 Collective Notebook, 56 ff., 251 Ein-Strich-Zeichnung, 60 f.
Antiqua, 180 ff. Corporate Behaviour, 206 f.. Einzug, 183
Aquarellfarbe, 45 ff. Corporate Communication, Eisenhower-Prinzip, 264 f.
Arbeitsrhythmus, 264 206 f. Eisenzeit, 76
Aristoteles, 158, 260 Corporate Design, 206 ff. Elektro Hafiz, 78
Arts and Crafts, 77 Corporate Identity, 206 ff. Ellipse, 20 f., 118
Assemblage, 46 ff. Craik-O’Brien-Cornsweet- Ernst, Max, 32
Aufstrich, 183, 186 Täuschung, 27 Evaluation, 260
Augenmaß, 16 f. CMYK-Modell, 158
Ausgleichen, 183 Cyanotypie, 101 f. Facebook, 170 f.
Auslauf, 183, 186 Farbe-an-sich-Kontrast, 161
Ausschnitt, 104 f. Da Vinci, Leonardo, 29 Farbharmonien, 162
Auszeichnung, 183 Designmethoden, 254 f. Farbkontraste, 161 f., 168 ff.
Designprozess, 54, 254 f. Farbmischung, 157 ff.
BANJO-Methode, 263 Deutsche Fraktur, 179 Farbordnungen, 158 ff., 166 f.
Barcamp, 253 f. Deutscher Werkbund, 78 Farbspektrum, 156
Bauhaus, 78 Deutsches Institut für Nor- Farbwahrnehmung, 156 ff.
Berry, John D., 179 mung, 30, 186 Farbwirkung, 82, 162 ff.
Betriebssystem, 180 Deutsches Patent- und Feininger, Andreas, 23
Beyrow, Matthias, 207 Markenamt, 206 Fibonacci, Leonardo, 30
Bezold-Effekt, 27, 162 f. Diagramme, 259 Fibonacci-Reihe, 30

284
Figur-Grund-Beziehungen, 25 ff. Gesetz der verbundenen Icon, 204
Fischgrät-Diagramm, siehe Elemente, 24 f. Ikon, 204
Ishikawa-Diagramm Gestaltgesetze, 22 ff. Illustration, 259
Fixierung, Grad der, 81 f. Gestaltungsraster, 225 Image, siehe Marke
Fläche, 20 f. Geviert, 184 Imperial- Format, 225
Flattersatz, 183 Gleichgewicht, visuelles, 31 Index, 205
Flatterzone, 183 Globalisierung, 211 Initial, 184
Fleisch, 182, 183 Glyphe, 184 Internet, 180
Fließtextschrift, 182 Goethe, Johann Wolfgang von, Inversionsfiguren, 25 f.
Formalisieren, 70 f. 24, 159, 163 Irradiation, 27 f.
Format, 29 f., 225 ff. Goldener Schnitt, 28 ff. Ishikawa-Diagramm, 252 f.
Formbeziehungen, 28 f., 119 f. Goldenes Rechteck, Spirale, 29 Ishikawa, Kaoru, 252
Formdynamik, 120 Gotik, 76 Ist-Soll-Vergleich, 266
Formenrhythmus, 120 Große, Karl der, 179 Itten, Johannes, 159 ff.
Formenvielfalt, 118 ff. Groteskschrift, 180, 184
formgebende Linien, 50 Grundelemente, 20 ff., 210 James, William, 17
Formgliederung, 122 Gruppenaufgabe, 40 f., 110 f., Jastrow, Joseph, 26
Formkontraste, 119 f. 130 f., 134 f., 146 ff., 148 ff.,
Formsatz, 183 220 f., 236 f., 240 f., 268 f. Kalt-Warm-Kontrast, 161
fotografieren, analog und Guilford, Joy Paul, 250 Kant, Immanuel, 17
digital, 98 f. Gutenberg, Johannes, 179 Kapitälchen, 184
Fotogramme, 101 Karolingische Minuskel, 179
Fototechniken, experimentel- Handlettering, 196 ff. Kegel, 182, 184
le, 100 ff. Haslam, Andrew, 225 Keilschrift, 178
Fraktalisierung, 211 HBK Braunschweig, 12, 66, 278 Kelvin, 157
Frottage, 32 ff. Headlineschrift, 182 Kerning, 184
Frutiger, Adrian, 186 f. Heft, 56 ff., 240 ff. Key Visual, 208 f.
Fuller, Thomas, 249 Hell-Dunkel-Kontrast, 161 Kippfiguren, siehe Inversions-
Fünf-Finger-Methode, 272 f. Helmbold, Ute, 52 f. figuren
Hering, Karl E. K., 167 KISS-Formel, 258
Gedächtnisübungen, 249 f. Herrmann, Ludimar, 27 f. Klassizistische Antiqua, 180
Gemeine, 184 Herrmann’sches Gitter, 27 f. Koffka, Kurt, 22
Generative Gestaltung, 80, 83 HfG Schwäbisch Gmünd, 254 Köhler, Wolfgang, 22
Gesetz der Ähnlichkeit, 23 Hieroglyphen, 178 Kolumne, 184
Gesetz der Erfahrung, 24 Hilfslinien, 50 Kolumnentitel, 184
Gesetz der gemeinsamen Hippo, Augustinus von, 16 Kombination/Kombinatorik,
Region, 24 Historismus, 77 210, 216 f.
Gesetz der Geschlossenheit, 23 HKS, 160 Komplementärkontrast, 159, 161
Gesetz der Gleichzeitigkeit, 24 Hochdrucktechnik, 47 ff. Konsultationsgröße, 182
Gesetz der guten Kurve, 23 Holzschnitt, 47 ff. Konzentrationsübungen, 249 f.
Gesetz der Kontinuität, 23 Hommage, 146 ff., 148 ff. Kopieren, 47 ff.
Gesetz der Nähe, 22 f. Honnecourt, Villard de, 227 Körper, geometrische 118 ff.
Gesetz der Prägnanz, 22, 81 Hurenkind, 184 Krämer, Prof., 254
Gesetz der Symmetrie, 24 Kreativität, 250

285
Kreativitätstechniken, 250 ff. Methode, 248 ff. Perspektive, 52, 120, 128 f.
Kreis, 20 f., 118 Methode 6-3-5, 250 ff. Pessoa, Fernando, 17
Küppers, Harald, 159 f. Mikrotypografie, 178 Pfeil, 20 f.
Kurven, 20 f. Mindmap, 268 f. phönizische Lautschrift, 178
Kusama, Yayoi, 80 Ming-Dynastie, 76 f. Pica, 181
Minuskel, 184 Piktogramm, 204 f., 212 f.
Laufweite, 184 Mitte, mathem. und opt., 30 f. Plakat, 232 ff.
Layout, 224 ff. Modellieren, 126 f. Planungsregeln, 266
Layoutkonzept, 224 ff. Moderne, 78 Pop-up, 140 ff.
Le Corbusier, 29 Modulor, 29 Portraitfotografie, 110 f.
Leistungskurve, 264 f. Monotypie, 47 ff. Postmoderne, 78
Lernen, 248 ff. Möwchen, 184 Potch, 101
Lesbarkeit, 178 Müller-Lyer, F. C., 27 Pragmatik, 204
Lesegröße, 182 Müller-Lyer’sche Täuschung, Präsentation, 255 ff.
Lettern, 179 27 Projektion, 102 f.
Licht und Schatten, 51, 108 f. Munsell, Albert Henry, 166 Projektplanung, 261 ff.
Lichttemperatur, 157 Muster, 72 ff. Proportionen, 28 ff., 209, 225
Lichtwirkung, 120 Punkt, Linie, Fläche, 20 ff., 204
Ligatur, 184 Necker, Louis Albert, 25 Punkt, typografischer, 181
Linear-Antiqua, serifen- Negativräume, 51, 68 f., 126 ff. Punze, 184, 186
betonte, 180, 186 Newton, Isaac, 158
Linolschnitt, 47 ff. Nitrofrottage, 47 ff. Quadrat, 20 f., 118
Linotype, 186 Nutzfläche, 226 Qualitätskontrast, 161
Lithografie, 46 ff. Quantitätskontrast, 161 f.
Locke, John, 17 Oberlänge, 184
Logo, 205 Objekt-Raum-Beziehungen, Radierung, 46 ff.
Logogestaltung, 209 ff. 52 f. RAL, 160
Loos, Adolf, 77 Offsetdruck, 47 ff. Randausgleich, 184
Lotus-Effekt, 78 Ohr, 184 Rapport, 90 ff.
Ludwig, Prof. Dr. Johannes, Ölfarbe, 46 Raum, 51 f.
256 Op-Art, 25, 79 f. Rausatz, 185
Lumi-Transfer, 101 O’Reilly, Tim, 253 Rechteck, 20 f., 118
Ornament, 74 f. Rede, 260 f.
Mac OS, 180 Ornamentierungsgrad, 81 f. Registerhaltigkeit, 185
Majuskel, 184 Reinzeichnung, 224 f.
Makrotypografie, 178 Pagina, 184 Renaissance, 76
Malwerkzeuge und -tech- Palmer, Stephen, 24 Renaissance-Antiqua, 180
niken, 45 ff. Pangramm, 192