Sie sind auf Seite 1von 76

Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen

Anlagen
DGUV Information 203-001 (BGI 519)

Oktober 2015
Sicherheit bei Arbeiten
an elektrischen Anlagen
DGUV Information 203-001 (BGI 519)
Oktober 2015
Eine Broschüre für die Elektrofachkraft und den elektrotechnisch
unterwiesenen Mitarbeiter

Fachgebiet Elektrische Gefährdungen


Inhalt

1. Vorwort 5

2. Wirkungen des elektrischen Stroms auf den


menschlichen Körper und Maßnahmen der
Ersten Hilfe beim Stromunfall 6

3. Mitarbeiterqualifikation und Verantwortung 13

4. Organisatorische Voraussetzungen für sicheres Arbeiten 16

5. Arbeiten an elektrischen Anlagen 19


5.1 Arbeiten im spannungsfreien Zustand 19
5.1.1 Die Fünf Sicherheitsregeln:
1. Freischalten 20
5.1.2 Die Fünf Sicherheitsregeln:
2. Gegen Wiedereinschalten sichern 21
5.1.3 Die Fünf Sicherheitsregeln:
3. Spannungsfreiheit feststellen 23
5.1.4 Die Fünf Sicherheitsregeln:
4. Erden und Kurzschließen 27
5.1.5 Die Fünf Sicherheitsregeln:
5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile
abdecken oder abschranken 30
5.1.6 Freigabe zur Arbeit 31
5.1.7 Unter Spannung setzen nach beendeter Arbeit 31
5.2 Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile 33
5.3 Arbeiten unter Spannung 38

6. Bedienen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel 42

7. Prüfung elektrischer Betriebsmittel 44

8. Persönliche Schutzausrüstung 49
8.1 Schutzkleidung/Arbeitskleidung bei Arbeiten an elektrischen Anlagen 49
8.2 PSA gegen Absturz 51

3
Inhalt

8.3 Atemschutz 54

9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen 56


9.1 Anschlusspunkte 56
9.2 Werkzeug 58
9.3 Leuchten 58
9.4 Bolzensetzwerkzeuge 59
9.5 Isolierende Schutzvorrichtungen 61
9.6 Flüssiggas 63
9.7 Heiße Vergussmasse 65

10. Brandbekämpfung 66

11. Werkstatt 69

12. Begriffe 71

4
1. Vorwort

Ohne Elektrizität ist das tägliche Leben, ob besonders zu betrachten. Durch häufig
im privaten oder beruflichen Bereich nicht wechselnde Arbeitsorte und häufig wech-
mehr vorstellbar. Kaum ein Mensch möchte selnde Arbeitsbedingungen müssen
auf die Annehmlichkeiten verzichten, die umfangreiche Gefährdungsfaktoren
mit elektrischer Energie verbunden sind. berücksichtigt werden, um ein stets unfall-
Entsprechend der hohen Nutzung der elek- freies Arbeiten zu gewährleisten.
trischen Betriebsmittel im privaten wie
gewerblichen Bereich ist das Schutzniveau Die Erfahrungen aus Unfalluntersuchungen
für den Menschen vor den Gefahren des und Besichtigungs- und Beratungstätigkeit
elektrischen Stroms sehr hoch. Alle elekt- in Betrieben und auf Baustellen trugen zu
rischen Anlagen und Betriebsmittel weisen den Informationen dieser Broschüre bei,
Maßnahmen zum Schutz gegen direktes die die technischen und organisatorischen
Berühren und zum Schutz bei indirektem Maßnahmen für ein sicheres und unfall-
Berühren auf, wodurch der Anwender vor freies Arbeiten der Elektrofachkraft aufzei-
gefährlicher Stromeinwirkung geschützt gen soll.
wird. Beim Arbeiten an elektrischen Anla-
gen oder elektrischen Betriebsmitteln müs-
sen diese Schutzmaßnahmen teilweise
oder ganz außer Funktion gesetzt werden,
so dass diese elektrotechnischen Arbeiten
ausschließlich von Elektrofachkräften aus-
geführt werden. Dies sind „Arbeiten an, mit
oder in der Nähe einer elektrischen
Anlage“, bei denen eine elektrische
Gefährdung nicht sicher ausgeschlossen
werden kann.

Allerdings sind auch nichtelektrotechni-


sche Arbeiten notwendig, um die elektri-
sche Energie zum Verbraucher zu transpor-
tieren. Insbesondere Gefährdungen beim
Umgang mit Werkzeugen und Geräten,
Gefährdungen durch gleichzeitig arbei-
tende andere Gewerke oder unbekannte
Gefährdungen in Fremdbetrieben sind hier

5
2. Wirkungen des elektrischen Stroms auf
den menschlichen Körper und Maßnah-
men der Ersten Hilfe beim Stromunfall
Bei einer unfallbedingten Einwirkung des der Haut machen sich an den so genannten
Stromes auf den Körper werden die ver- Strommarken, den Ein- und Austrittsstellen
schiedenen Gewebe, je nach elektrischem des elektrischen Stroms, bemerkbar.
Widerstand, unterschiedlich geschädigt.
Am wenigsten Widerstand bietet das Bei Unfällen im Hochspannungsbereich
Nervengewebe, gefolgt von Blutgefäßen, kommt es häufig zu Verletzungen mit
Muskeln, Haut, Sehnen, Fett und Knochen. direktem Stromdurchfluss oder zu Licht-
Das Ausmaß der Schädigung ist außerdem bogenverletzungen ohne Stromdurchfluss
abhängig von der Stromstärke, von der im Körper. Bei Lichtbogenverletzungen
Dauer des Stromflusses, von der Kontakt- entsteht durch die hohen Temperaturen
flächengröße sowie vom Durchströmungs- (3000–20000 °C) ein zunächst äußerer
weg im Körper. thermischer Schaden. Beim direkten
Stromdurchfluss kann es zur thermischen
Bei Stromunfällen im Niederspannungs- Zerstörung sämtlicher im Durchfluss liegen-
bereich kommt es häufig zu einem der Gewebe kommen: Schädigungen am
mechanischen Zusammenziehen der Herzen bis hin zum Herzstillstand, Störun-
Muskulatur (Klebenbleiben). Dabei kann gen des Nervensystems mit Verwirrtheits-
es zu Muskel- und Sehnenabrissen sowie zuständen und neurologischen Ausfällen,
Zerrungen kommen. Durch Schreckreak- Gefäßschäden, sowie ausgedehnte Mus-
tionen sind Sekundärunfälle, z. B. Sturz keldefekte sind möglich.
von der Leiter, häufig. Bei einem Stromweg
über den Brustbereich sind Atemstörungen Die Auswirkungen des elektrischen Stro-
sowie lebensbedrohliche Herzrhythmus- mes lassen sich abhängig von Stromfluss-
störungen möglich. Je schneller ein Herz dauer und Stromstärke nach folgendem
schlägt (bei körperlicher Arbeit), desto Schema darstellen:
empfindlicher reagiert es auf den Strom-
fluss und desto eher kommt es zu einer
Unterbrechung der normalen Reizleitung
im Herzen und nachfolgend zu Rhythmus-
störungen bis hin zum Kammerflimmern
oder zum sofortigen Herzstillstand. Hierbei
ist nicht nur die Stromstärke, sondern auch
der Zeitpunkt des elektrischen Reizes in
Bezug auf die Erregung am Herzen von ent-
scheidender Bedeutung. Verbrennungen

6
2. Wirkungen des elektrischen Stroms

Bereich Körperreaktion

AC-1 Unmerklich, keine Reaktion des


Körpers

AC-2 ab 5 mA Loslassschwelle erreicht,


Muskelverkrampfungen, Sekundär-
unfälle häufig, ab 25 mA Behinderung
der Atmung, Herzunregelmäßigkeiten,
Blutdruck- und Pulsanstieg möglich

AC-3 Muskelverkrampfung, Herzrhyth-


Konventionelle Zeit/Stromstärke-Bereiche mit musstörungen, starke Blutdruck-
Wirkungen von Wechselströmen (15 Hz bis 100 Hz) erhöhung, ab 50 mA zunehmende
auf Personen bei einem Stromweg von der linken Gefahr des Herzkammerflimmerns bei
Hand zu den Füßen* Durchströmung des Herzens von
> 1 Herzperiode.
ab 80 mA zunehmende Gefahr des
*) Auszüge aus DIN IEC/TS 60479-1 (VDE V 0140-479-1),
Herzkammerflimmerns auch bei Durch-
Ausgabe 2007, sind wiedergegeben mit Genehmi-
strömung des Herzens von
gung 132.008 des DIN Deutsches Institut für
< 1 Herzperiode
Normung e.V. und des VDE Verband der Elektro-
technik Elektronik Informationstechnik e.V.
AC-4 tödliche Stromwirkung wahrschein-
Maßgebend für das Anwenden der Normen sind
lich, ab 2000mA zunehmende Gefähr-
deren Fassungen mit dem neuesten Ausgabedatum,
dung von Muskulatur und inneren
die bei der VDE VERLAG GMBH, Bismarckstr. 33,
Organen. Zunehmende thermische
10625 Berlin, www.vde-verlag.de und der
Gefährdung
Beuth Verlag GmbH, Burggrafenstr. 6, 10787 Berlin
erhältlich sind.

Die richtige Hilfe in den ersten Minuten, Ersthelfer beim Stromunfall müssen
bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, zunächst den Selbstschutz beachten,
kann für die Schwere der Unfallfolgen oder d. h. in jedem Fall für Stromunterbrechung
sogar für das Überleben entscheidend sorgen! Danach greift die Rettungskette
sein. wie bei anderen Verletzungen, um einen
reibungslosen Ablauf der Erste-Hilfe-Maß-
nahmen zu gewährleisten.

Eigensicherung Sofortmaßnahmen
Erste Hilfe Rettungsdienst Krankenhaus
beachten + Notruf

7
2. Wirkungen des elektrischen Stroms

Nach Unterbrechung des Stromkreises Die Defibrillation kann mit automatisierten


(im Hochspannungsbereich nur durch externen Defibrillatoren (AED) auch von
Fachleute möglich, Sicherheitsabstand speziell geschulten Ersthelfern durch-
von 5 m für Helfer erforderlich!) greifen die geführt werden. Hierbei wird vom Gerät
lebensrettenden Sofortmaßnahmen, d. h. der Rhythmus des Herzens ermittelt. Bei
Überprüfung des Bewusstseins und der Vorliegen eines Kammerflimmerns wird die
Atmung nach folgendem Schema: Aufforderung zum Auslösen eines Elektro-
schocks gegeben! Liegt kein Kammerflim-
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) mern vor, wird die Aufforderung zur Durch-
wird solange fortgeführt, bis beim Patien- führung der HLW gegeben. Daraus geht
ten Lebenszeichen auftreten oder bis der hervor, dass die Anwendung eines AED die
Rettungsdienst den Patienten übernimmt. Beherrschung der Herz-Lungen-Wieder-
Das Herzkammerflimmern ist beim Stro- belebung voraussetzt. Außerdem ist eine
munfall eine der häufigsten Ursachen für Ausbildung nach Medizinproduktegesetz
einen Herz-Kreislaufstillstand. In diesem in Verbindung mit der Medizinprodukte-
Zustand kommt es zu schnellen, unregel- Betreiberverordnung notwendig. Ist im
mäßigen Aktionen des Herzens, die keine Betrieb ein AED vorhanden, so wird nach
geordnete Pumpfunktion des Herzens folgendem Schema verfahren:
ermöglichen. Die Defibrillation ist die am
besten wirksame Maßnahme gegen das
Kammerflimmern. Mit jeder verstrichenen
Minute ohne Defibrillation sinken die Über-
lebenschancen um ca. 10%.

8
2. Wirkungen des elektrischen Stroms

Ruhe bewahren !
Rettung aus dem Gefahrenbereich !
Eigensicherheit beachten !

Bewusstsein prüfen
(Ansprechen / Anfassen / Rütteln)

Bewusstsein vorhanden bewusstlos

Hilfeleistung nach Notwendigkeit


um Hilfe rufen

Person übernehmen
und ggf. Rettungsdienst alarmieren

ì$temwege kontrollieren und ggf. freimachen


Atemkontrolle ìKopf überstrecken und Kinn anheben
ì$tmung prüfen durch „hören / sehen/ fühlen“

normale Atmung keine normale Atmung

Stabile Seitenlage / Atmung überwachen

Notruf

nein ja

Notruf Notruf / AED holen lassen

Herz-Lungen-Wiederbelebung Herz-Lungen-Wiederbelebung
Herz-Druckmassage : Beatmung 30 : 2 Herz-Druckmassage : Beatmung 30 : 2
Beginnen mit Herzdruckmassage! Keine Beginnen mit Herzdruckmassage!
sobald verfügbar, AED anlegen.
Rettungsdienstes oder bis zum Einsetzen Den Anweisungen des AED folgen! Keine
der normalen Atmung !!
Rettungsdienstes oder bis zum Einsetzen
der normalen Atmung !!

9
2. Wirkungen des elektrischen Stroms

Bei Hochspannungsunfällen kommt es taucht werden und zwar so lange, bis die
häufig zu lebensgefährlichen Verbren- Schmerzen nachlassen (ca. 10 Min.,
nungen. Großflächige Verbrennungen füh- Gefahr der Unterkühlung bei großflächigen
ren wegen des hohen Flüssigkeitsverlustes Verbrennungen beachten!). Eingebrannte
oft zu einem Schock sowie aufgrund der oder mit der Haut verklebte Kleidung darf
schweren Schädigungen des Gewebes zur keinesfalls herausgerissen werden. Nach
sogenannten Verbrennungskrankheit, die der Kaltwasseranwendung müssen die
nach einigen Tagen zum Tod führen kann. Brandwunden mit einem sterilen (keimfrei-
en) Verbandtuch abgedeckt werden. Bei
Das tatsächliche Ausmaß der Schädigung schweren, großflächigen Verbrennungen
ist häufig anfangs nicht erkennbar. Deshalb und bei Gesichtsverbrennungen sind
müssen Verbrennungsopfer immer ärztli- Atem- und Kreislaufstörungen zu erwarten.
cher Behandlung zugeführt werden. Deshalb ist eine nahtlose Überwachung
Verbrannte Körperteile müssen sofort mit der Vitalfunktionen erforderlich.
Wasser übergossen oder in Wasser ge-

Kleiderbrand löschen Notruf

mit Wasser kühlen


Maßnahmen Wärme erhalten
bei Verbrennungen

keimfrei bedecken Schocklage

wiederholte Kontrolle der Vitalfunktionen:


Bewusstsein, Atmung, Kreislauf

10
2. Wirkungen des elektrischen Stroms

Der Notarzt entscheidet, ob der Patient auf- Wirbelsäule und bei Schädelverletzungen,
grund seiner schweren oder großflächigen bei Atemnot und plötzlichen Schmerzen im
Verbrennungen in eine Spezialklinik für Bauchraum.
Verbrennungen eingeliefert wird. Die
genaue Beschreibung des Unfallherganges Das Verhalten bei einem Unfall nach einem
und der Verletzungen beim Notruf ermög- Sturz in das Auffangsystem ist ab Seite 55
licht dem Notarzt schon frühzeitig die dieser Broschüre beschrieben.
Einleitung erweiterter Rettungsmaßnahmen
(z. B. Anforderung eines Hubschraubers). Nach einem Elektrounfall ohne Bewusst-
losigkeit, oder sonstige Störungen ohne
Kleinere Brandwunden können nach der Kreislaufstillstand wird vom erstbehan-
Kaltwasseranwendung mit einem Wund-
verband bedeckt werden, Brandwunden
dürfen nicht geöffnet werden.

Glücklicherweise führt nicht jeder Strom-


unfall zu einer lebensbedrohlichen Situ-
ation. Wichtig ist in jedem Fall die psychi-
sche Betreuung des Verletzten, das heißt
Zuwendung und Beruhigung. Ein Verletzter Schocklagerung: Die Schocklagerung ist nur
sollte nach Möglichkeit nicht alleine ge- anzuwenden bei vorhandenem Bewusstsein
lassen werden. Legen Sie einen Verletzten
immer auf eine Rettungsdecke oder auf ein delnden Arzt (Betriebsarzt, Facharzt,
vorhandenes Kleidungsstück. Krankenhaus) in der Regel ein EKG ange-
fertigt, sofern nicht andere Verletzungen
Bei Anzeichen eines Schockzustandes im Vordergrund stehen. Ist dieses EKG un-
(schneller, schlecht tastbarer Puls, fahle auffällig und sind keine weiteren Risikofak-
Blässe, kalte Haut, Frieren), aber erhalte- toren (z. B. vorbestehende Herzkrankheit)
nem Bewusstsein, ist eine Flachlagerung vorhanden, genügt in der Regel eine etwa
des Oberkörpers mit schräg hoch gelager- 2-stündige Überwachung, die aber nicht
ten Beinen anzuwenden (Schocklagerung). stationär erfolgen muss. Bestehen auf-
grund körperlicher Symptome Zweifel an
Wichtig: Die Schocklagerung ist nicht der Aussagefähigkeit des EKGs, müssen
anzuwenden bei Knochenbrüchen im weitere Funktionsanalysen des Herzens
Bereich der Beine, des Beckens oder der durchgeführt werden.

11
2. Wirkungen des elektrischen Stroms

Bei Interesse an weiteren Einzelheiten zur


Ersten Hilfe bei Stromunfall verweisen wir
auf unsere Broschüre „Erste Hilfe mit Son-
derteil Stromunfall“ (Bestell-Nr. MB 017),
www.bgetem.de, Webcode 12201321.

12
3. Mitarbeiterqualifikation und
Verantwortung

In der Elektrotechnik werden Personen mit Aufgaben und fachliche Qualifikation eines
unterschiedlichen Zuständigkeits- und Ver- Anlagenverantwortlichen:
antwortungsbereichen definiert:
• Fachliche Kenntnisse und Erfahrungen
• Anlagenbetreiber (DIN VDE 0105-100) zum Betrieb von elektrischen Anlagen
• Anlagenverantwortlicher • Kenntnisse der einschlägigen Vorschrif-
(DIN VDE 0105-100) ten und Normen
• Arbeitsverantwortlicher • Kenntnisse über den Betriebszustand
(DIN VDE 0105-100) der elektrischen Anlage
• Elektrofachkraft (DGUV Vorschrift 3, DIN • Beurteilung der Auswirkungen der
VDE 1000-10) vorgesehenen Arbeiten auf den sicheren
• Elektrotechnisch unterwiesene Person Betrieb der Anlage
(DGUV Vorschrift 3, DIN VDE 0105-100) • Erkennen der besonderen Gefahren, die
• Verantwortliche Elektrofachkraft mit den durchzuführenden Arbeiten an
(DIN VDE 1000-10) oder in der Nähe der elektrischen Anlage
verbunden sind
Der Anlagenbetreiber ist der Unternehmer • Einweisung des Arbeitsverantwortlichen
oder eine von ihm beauftragte natürliche • Kennzeichnung der Arbeitsstelle
oder juristische Person, die die Unter- • Festlegen der Sicherheitsmaßnahmen
nehmerpflichten für den sicheren Betrieb • Überwachung der einzuhaltenden
und den ordnungsgemäßen Zustand der Sicherheitsfestlegungen
elektrischen Anlage wahrnimmt. • Erlaubnis für die vorgesehenen Arbeiten
erteilen
Für die Dauer der Arbeiten an elektrischen
Anlagen muss ein Anlagenverantwortli- Der Arbeitsverantwortliche ist beauftragt,
cher bestimmt werden. Das ist die Person, die unmittelbare Verantwortung für die
der die unmittelbare Verantwortung für den Durchführung der Arbeit zu tragen. Diese
sicheren Betrieb der elektrischen Anlage Arbeiten können auch nichtelektrotechni-
für die Dauer der Arbeit übertragen wurde. sche Arbeiten in der Nähe von elektrischen
Dies beinhaltet auch die sichere Durch- Anlagen sein. Der Arbeitsverantwortliche
führung von Arbeiten an oder in der Nähe hat darauf zu achten, dass alle sicherheits-
dieser elektrischen Anlage und die damit technischen Anforderungen und betriebli-
verbundenen sicherheitstechnischen chen Anweisungen bei der Durchführung
Anweisungen gegenüber eigenen Mitarbei- der Arbeiten eingehalten werden.
tern und Mitarbeitern von Fremdfirmen.

13
3. Mitarbeiterqualifikation und Verantwortung

Aufgaben und fachliche Qualifikation eines Arbeiten beurteilen, mögliche Gefahren er-
Arbeitsverantwortlichen: kennen und erforderliche Sicherheitsmaß-
nahmen treffen können. Arbeiten mehrere
• Kenntnisse und Erfahrungen zur sicheren Fachkräfte gemeinsam an einer Arbeits-
Durchführung der Arbeiten stelle, so muß vorher eine zuverlässige,
• Kenntnisse der anzuwendenden Vor- mit der Arbeit und den Gefahren vertraute
schriften und Normen Aufsichtsperson als arbeitsverantwortliche
• Beurteilung der durchzuführenden Elektrofachkraft (Arbeitsverantwortung)
Arbeiten bestimmt werden.
• Erkennen der besonderen Gefahren, die
mit den Arbeiten verbunden sind Die fachlichen Anforderungen der Elektro-
• Ergreifen der Maßnahmen zur sicheren fachkraft erfordern:
Durchführung der Arbeiten
• Informationen, z. B. über Schaltzustand • Fachliche Ausbildung (Elektrotechnik)
oder Begrenzung der Arbeitsstelle, vom • Kenntnisse und Erfahrungen im jeweili-
Anlagenverantwortlichen einholen gen Tätigkeitsfeld
• Mitarbeiter in den Arbeitsbereich ein- • Kenntnisse der einschlägigen Normen
weisen • Beurteilung der ihr übertragenen Arbei-
• Überwachung der Arbeiten ten
• Überwachung der einzuhaltenden Si- • Erkennen von Gefahren
cherheitsfestlegungen
Die fachliche Qualifikation einer Elektro-
Der Arbeitsverantwortliche und der Anla- fachkraft wird im Regelfall durch den
genverantwortliche haben Schaltungen Abschluss einer Berufsausbildung – dem
in der Anlage sowie Arbeitsabläufe vor Ablegen der Gesellen-, Meister- oder
Arbeitsbeginn zu vereinbaren, wobei Facharbeiterprüfung – im elektrotechni-
oftmals der Arbeitsverantwortliche und der schen Tätigkeitsfeld dokumentiert. Dabei
Anlagenverantwortliche ein und dieselbe ist die fachliche Qualifikation nur auf dem
Person ist und damit diese Koordination betreffenden Arbeitsgebiet gewährleistet.
entfällt. Beispielsweise kann ein Elektromaschinen-
bauer für sein Arbeitsgebiet durchaus eine
Elektrotechnische Arbeiten dürfen nur genügende Qualifikation als Elektrofach-
durch Elektrofachkräfte oder unter deren kraft besitzen, das heißt allerdings nicht,
Leitung und Aufsicht ausgeführt werden. dass er auch die fachlichen Qualifikations-
Elektrofachkräfte müssen die übertragenen anforderungen für Arbeiten im Bereich von

14
3. Mitarbeiterqualifikation und Verantwortung

Niederspannungsschaltanlagen erfüllt. Die Rahmenbedingungen der elektrotech-


Ebenso fraglich ist das Vorliegen der nisch unterwiesenen Person erfordern:
fachlichen Qualifikation bei Personen, die
zwar eine Berufsausbildung im elektro- • Unterweisung durch eine Elektrofach-
technischen Bereich nachweisen können kraft
aber seit einigen Jahren nicht mehr in • Unterweisung der ihr übertragenen
diesem Beruf gearbeitet haben und damit Aufgaben
nicht über ausreichende Kenntnisse und • Unterweisung über mögliche Gefahren
Erfahrungen bzw. nicht über die Kenntnisse bei unsachgemäßem Verhalten
des sich ständig ändernden Normenwerks • Unterweisung über notwendige Schutz-
verfügen. einrichtungen und Schutzmaßnahmen
• Anlernen
In einigen Bereichen hat es sich bewährt,
Elektrotechnisch unterwiesene Personen Die EuP steht bei der Arbeitsvorbereitung
(EuP) zur Unterstützung der Elektro- und Durchführung unter der Leitung und
fachkraft einzusetzen. Diese EuP werden Aufsicht einer Elektrofachkraft und ist
von der Elektrofachkraft über die ihr im elektrotechnischen Tätigkeitsfeld nur
übertragenen Aufgaben und die möglichen befugt, die ihr übertragenen und unterwie-
Gefahren unterwiesen und erforderlichen- senen Aufgaben auszuführen. Dabei muss
falls für die auszuführenden Tätigkeiten die EuP jederzeit die Möglichkeit haben,
angelernt. Des Weiteren wird die EuP befä- bei Unklarheiten Rückfragen an die Elektro-
higt, die notwendigen Schutzeinrichtungen fachkraft richten zu können.
und Schutzmaßnahmen für diese Tätigkei-
ten anzuwenden. Ein elektrotechnischer Betrieb oder Be-
triebsteil muss fachlich geleitet werden.
Ist der Unternehmer/Betriebsleiter keine
Elektrofachkraft, so muss er mit der Fach-
und Aufsichtsverantwortung eine Elektro-
fachkraft beauftragen; die VDE 1000-10
nennt diese Person „verantwortliche
Elektrofachkraft“.

15
4. Organisatorische Voraussetzungen
für sicheres Arbeiten

Die Grundlage für ein sicheres Arbeiten Zur sinnvollen Planung und Koordination
muss bereits vor Beginn der Arbeit gehört auch, die auszuführenden Arbei-
festgelegt werden. Um ein Höchstmaß an ten eingehend mit den Mitarbeitern zu
Sicherheit zu erreichen, bedarf es einer besprechen. Es muss sichergestellt sein,
sinnvollen Planung und Koordination der dass erforderliche Materialien, Werkzeuge,
Arbeiten. Hierzu gehört die Erstellung der Geräte und Schutzausrüstungen nicht nur
Gefährdungsbeurteilung. Fragestellungen vorhanden und in Ordnung sind, sondern
dazu können der Broschüre „Gefährdungs- auch auf die Montagestellen mitgenom-
beurteilung“ (Bestell-Nr. D 014) entnom- men und dort angewendet werden. Nur so
men werden, zu bestellen unter lassen sich riskante Improvisationen vor
www.bgetem.de, Webcode 12201321. Ort vermeiden.

Meister bei der Unterweisung

16
4. Organisatorische Voraussetzungen für sicheres Arbeiten

Ein wesentliches Element der Organisation


für Arbeitssicherheit ist die Unterweisung.
Vorgesetzte sind verantwortlich für die
Sicherheit am Arbeitsplatz. Sie müssen
ihre Monteure vor Aufnahme der Tätigkeit
und regelmäßig wiederkehrend in ange-
messenen Zeitabständen (mindestens
einmal jährlich) über die möglichen Gefah-
ren sowie über die Maßnahmen zu deren
Abwendung unterweisen. Der Vorgesetzte
muss sich im Gespräch vergewissern, dass
die Inhalte der Unterweisung auch verstan-
Gefährdungsbeurteilung
den wurden. Über die Unterweisungen sind Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz

schriftliche Nachweise zu führen.

Weisen Sie die Beschäftigten z. B. immer


wieder darauf hin, dass Spannungsprü- Broschüre D 014 – Gefährdungsbeurteilung
fer, Anschlussleitungen von elektrischen
Geräten, Leitern usw. vor jeder Benutzung
auf Funktionstüchtigkeit und augenfällige Von dieser Verantwortung kann ihn nie-
Mängel hin überprüft werden müssen. mand befreien.

Grundlage für die zu treffenden Sicher- Diese Verantwortung verpflichtet ihn, darü-
heitsmaßnahmen sind insbesondere die ber zu wachen,
berufsgenossenschaftlichen Vorschriften.
Bei diesen Vorschriften handelt es sich um • dass nur an solchen Betriebseinrich-
autonome Rechtsnormen. Sie sind eine tungen gearbeitet wird und nur solche
verbindliche Richtschnur für alle im Betrieb Arbeitsgeräte benutzt werden, die den
tätigen Personen – für den Unternehmer, sicherheitstechnischen Vorschriften
den Vorgesetzten, den Arbeitnehmer. entsprechen,
• dass die erforderlichen Schutzeinrich-
Jeder Vorgesetzte ist für die Einhaltung der tungen und Schutzmittel vorhanden sind
Arbeitsschutzvorschriften und damit auch und von den Mitarbeitern verwendet
für die Arbeitssicherheit verantwortlich. werden und

17
4. Organisatorische Voraussetzungen für sicheres Arbeiten

Arbeitskontrolle

• dass die Sicherheitsvorschriften einge-


halten werden.

Es genügt nicht, nur Anweisungen zu


geben. Der Vorgesetzte muss sich auch
von der Einhaltung der Maßnahmen vor Ort
überzeugen und erforderlichenfalls eingrei-
fen. Zeitnot wird nicht als Entschuldigung
für die Vernachlässigung von Unfallverhü-
tungsmaßnahmen anerkannt.

18
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Beim Arbeiten an elektrischen Anlagen 5.1 Arbeiten im spannungsfreien Zustand


werden drei Arbeitsmethoden unterschie-
den (DIN VDE 0105-100): An unter Spannung stehenden aktiven
Teilen und Betriebsmitteln darf, abgese-
• Arbeiten im spannungsfreien Zustand hen von den Festlegungen in § 8 DGUV
(siehe 5.1, S. 19) Vorschrift 3, nicht gearbeitet werden
• Arbeiten in der Nähe unter Spannung (§ 6 DGUV Vorschrift 3). Somit muss die
stehender Teile (siehe 5.2, S. 31) Arbeitsmethode „Arbeiten im spannungs-
• Arbeiten unter Spannung freien Zustand“ unter Einhaltung der fünf
(siehe 5.3, S. 39) Sicherheitsregeln angewendet werden. Um
Risiken und Gefahren eines Stromunfalls
Der Unternehmer legt gemäß den aus- für die Mitarbeiter gering zu halten, müs-
zuführenden Arbeiten und gemäß der sen zur Herstellung des spannungsfreien
berufsgenossenschaftlichen Unfallver- Zustands und zum Erhalt des spannungs-
hütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 freien Zustands für die Dauer der Arbeiten
(BGV A3) die Arbeitsmethode und die zu an der elektrischen Anlage die „fünf
treffenden Schutzmaßnahmen fest. Hierbei Sicherheitsregeln“ in der vorgegebenen
stellt die Arbeitsmethode „Arbeiten im Reihenfolge eingehalten werden.
spannungsfreien Zustand“ bei korrekter
Umsetzung der „fünf Sicherheitsregeln“ die 1. Freischalten
geringste elektrische Gefährdung für die 2. Gegen Wiedereinschalten sichern
Mitarbeiter dar. Wenn die Anforderungen 3. Spannungsfreiheit feststellen
der Arbeitsmethoden „Arbeiten im span- 4. Erden und Kurzschließen
nungsfreien Zustand“ oder „Arbeiten in 5. Benachbarte, unter Spannung stehende
der Nähe unter Spannung stehender Teile“ Teile abdecken oder abschranken
nicht vollständig erfüllt werden können,
können die Festlegungen für das „Arbeiten Dennoch finden 90% der gemeldeten
unter Spannung“ unter Berücksichtigung Unfälle im Niederspannungsbereich bei
der „zulässigen Abweichungen“ (DGUV Arbeiten im spannungsfreien Zustand statt.
Vorschrift 3, § 8) zur Anwendung kommen, Analysiert man anhand der durchgeführten
die besondere Schutzmaßnahmen und be- fünf Sicherheitsregeln, welche Regel von
sondere Qualifikationen der ausführenden den Elektrofachkräften nicht konsequent
Mitarbeiter beinhaltet. durchgeführt wurde, so ergibt sich folgende
Verteilung:

19
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Stromunfälle durch Nichteinhaltung der fünf Sicherheitsregeln

Quelle: Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, www.bgetem.de


35 %

28,6 %
30 %

25 %
22,2 %

20 %
Anteil

15 %
11,6 %
8,9 %
10 % 8,3 % 7,7 %

5%
2,2 % 2,2 % 1,5 % 1,7 %

0%
Freischalten Gegen Wieder- Spannungsfreiheit Erden und Benachbarte, unter
einschalten sichern feststellen kurzschließen Spannung stehende
Teile abdecken oder
2002–2006 2007–2011 abschranken

Unfallstatistik

5.1.1 Die Fünf Sicherheitsregeln: NH-Sicherungseinsätzen bei offenen Ver-


1. Freischalten teilungen ist ein Arbeiten unter Spannung
(unterliegt § 8, DGUV Vorschrift 3) und darf
Freischalten ist das allseitige Ausschalten nur mit dem NH-Sicherungsaufsteckgriff mit
oder Abtrennen einer Anlage, eines Teils Stulpe und Gesichtsschutz durchgeführt
einer Anlage oder eines Betriebsmittels von werden. Da bei NH-Trennern mit teilweisem
allen nicht geerdeten Leitern. Hat die auf- Berührungsschutz eine Lichtbogenbildung
sichtführende oder die allein arbeitende nicht immer sicher ausgeschlossen werden
Person nicht selbst freigeschaltet, dann kann, wird eine vergleichbare Schutzaus-
muss die schriftliche, fernschriftliche, fern- rüstung empfohlen. Bei HH-Sicherungsein-
mündliche oder mündliche Bestätigung der sätzen müssen die bestimmungsgemäß
Freischaltung abgewartet werden. Die Ver- dafür vorgesehenen Sicherungszangen
einbarung eines Zeitpunktes, ab dem die benutzt werden; andernfalls ist vorher der
Anlage als freigeschaltet angesehen werden spannungsfreie Zustand herzustellen.
kann, ist nicht zulässig. Auf das Feststellen
der Spannungsfreiheit kann nicht verzich-
tet werden, auch wenn eine andere Person
die vollzogene Freischaltung versichert.
Das Einsetzen und Herausnehmen von

20
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Ziehen eines NH-Sicherungseinsatzes Lichtbogen beim Ziehen von NH-Sicherungen

Kondensatoren ohne selbsttätige Ent- Trenn- und Betätigungsvorrichtungen wie


ladungseinrichtung müssen nach dem z. B. Schalter, Steuerorgane, Schaltknöpfe,
Freischalten mit geeigneten Vorrichtungen Sicherungen, Leitungsschutzschalter, mit
entladen werden. In Anlagen mit Nenn- denen freigeschaltet wurde, gegen Wieder-
spannungen über 1 kV müssen sichtbare einschalten zu sichern.
Trennstrecken hergestellt werden.
In jedem Fall sind an der Schaltstelle
5.1.2 Die Fünf Sicherheitsregeln: Schaltverbotsschilder anzubringen und
2. Gegen Wiedereinschalten sichern so zu befestigen, dass sie nicht abfallen
können. Ist die Gefahr einer Berührung
Schwere Unfälle ereignen sich immer mit unter Spannung stehenden Teilen der
wieder durch irrtümliches Wiederein- Anlage gegeben, müssen Schild und Auf-
schalten durch Dritte, wenn die Anlage, hängevorrichtung aus Isolierstoff bestehen.
an der gearbeitet wird, unerwartet wieder Allerdings dürfen die Schilder nicht an
unter Spannung steht. Daher sind alle aktive Teile gehängt werden.

21
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Gute Kennzeichnung der Arbeitsgrenzen in einer Eine wirkungsvolle Kennzeichnung kann die
110-kV-Freiluft-Schaltanlage Gefahr eines „versehentlichen“ Wiedereinschal-
tens abwenden

Herausgenommene Sicherungseinsätze Haben die Schalter einen Kraftantrieb


müssen so sicher verwahrt werden, dass (Druckluft, Strom, elektrischer Energie-
kein Unbefugter sie wieder einsetzen kann. speicher, Feder usw.), sind vorhandene
Es empfiehlt sich, hierfür Sperrelemente Einrichtungen zur Unterbrechung der
wie isolierte und nur mit einem Spezial- Antriebskraft (Absperren der Druckluft,
steckschlüssel zu entfernende Sperrstöp- Entlüften der Rohrleitungen, Entkuppeln,
sel oder Blindelemente einzusetzen. Unterbrechen des Steuerstromes usw.) zu
nutzen.
Da immer die Gefahr besteht, dass Schalt-
verbote von Dritten missachtet werden, Ferngesteuerte Schalter in abgeschlosse-
sollten weitere Maßnahmen zum Schutz nen elektrischen Betriebsstätten können
der an der elektrischen Anlage arbeiten- auch durch folgende Maßnahmen gegen
den Personen angewendet werden, wie Wiedereinschalten gesichert werden:
beispielsweise das Abschließen bzw.
Verriegeln von Schaltern oder Schalteran- • Bei rechnergestützten Schalthand-
trieben. lungen ist die Software so programmiert,
dass eine unbeabsichtigte Wiederein-
schaltung zuverlässig verhindert ist.

22
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

• Die Stellungsanzeige muss durch sichere • Durch eine Betriebsanweisung ist diese
Übertragungswege zuverlässig zur Fern- eingeschränkte Schaltbefugnis dem
steuerstelle übertragen werden. zuständigen Personal bekannt zu geben.
• In der Fernsteuerstelle weist ein Ver-
botsschild „Nicht Schalten“ oder eine 5.1.3 Fünf Sicherheitsregeln:
entsprechende Vorrichtung auf die 3. Spannungsfreiheit feststellen
Gefahr beim Betätigen des betreffenden
Steuerschalters hin. Das Feststellen der Spannungsfreiheit ist
• In der ferngesteuerten Anlage wird an unerlässlich und darf nur von einer Elektro-
auffälliger Stelle eine Anweisung mit fol- fachkraft oder einer elektrotechnisch unter-
gendem Wortlaut ausgehängt: „Schalt- wiesenen Person mit dafür geeigneten Gerä-
handlungen an dieser Anlage dürfen ten und Einrichtungen vorgenommen wer-
nur durchgeführt werden auf Anweisung den. Multimeter sollten in energiereichen
oder mit Zustimmung der … (näher zu Anlagen wegen der hohen Unfallgefahr
benennende Fernsteuerstelle)“ nicht verwendet werden.

Sperrelemente bringen mehr Sicherheit

23
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Hinweise zur Auswahl sicherer handge- prüft ohne äußere Spannungsquelle wichti-
haltener Multimeter sind der Broschüre, ge Funktionen des Anzeigegerätes.
Bestell-Nr. S 027 zu entnehmen. Die Span-
nungsfreiheit muss stets allpolig, d. h. an Besitzen Spannungsprüfer eingebaute
jedem einzelnen Leiter, festgestellt werden. Energiequellen (das ist bei heute ge-
Mit dem Feststellen der Spannungsfrei- bräuchlichen elektronischen Spannungs-
heit wird letztlich auch ausgeschlossen, prüfern mit optischer oder akustischer
dass durch Ersatzstromversorgungsan- Anzeige gängig), müssen diese bis zur
lagen, Rücktransformation oder durch Erschöpfung der Energiequelle eindeutig
Hilfseinspeisung noch Spannung anliegt. anzeigen, wenn nicht ihr Gebrauch durch
Schadhafte Anzeigegeräte können zu einer selbsttätiges Abschalten oder durch die
lebensgefährlichen Fehlanzeige führen. Anzeige „nicht betriebsbereit“ begrenzt
Hiergegen kann sich die Elektrofachkraft wird.
z. B. durch Spannungsprüfer mit Eigenprüf-
vorrichtung absichern. Diese Vorrichtung

Zum Feststellen der Spannungsfreiheit an Niederspannungsanlagen bieten nur zweipolige Geräte die
erforderliche Sicherheit

24
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Bei der Benutzung eines Spannungsprüfers


ist darauf zu achten, dass er einwandfrei
funktioniert. Dazu ist es notwendig den
Spannungsprüfer vor und nach dem eigent-
lichen Prüfvorgang auf ordnungsgemäße
Funktion zu testen.

Vor dem Einsatz des Spannungsprüfers ist


unbedingt die zugehörige Gebrauchsan-
leitung zu beachten. Ihr kann entnommen
werden, in welchem Spannungsbereich
er eingesetzt werden kann. Außerdem ist
die auf dem Spannungsprüfer angegebene
Anwendungsbeschränkung bzw. der An-
wendungshinweis zu beachten, z. B.:

• Nur in Innenanlagen verwenden


• Bei Niederschlägen nicht verwenden
• Auch bei Niederschlägen verwendbar Einpoliger Spannungsprüfer

Bei Spannungsprüfern für Anlagen bis 1000 V Spannungsprüfer für Anlagen mit Nenn-
wird die zweipolige Ausführung benutzt. spannungen über 1 kV zeigen den Zustand
„Spannung vorhanden“ durch eine Anzeige
Die einpolige Ausführung des Spannungs- und/oder ein akustisches Signal an.
prüfers (s. Bild) birgt bei Missachtung der Spannungsprüfer für Anlagen mit Nenn-
angegebenen Anwendungsbeschränkungen spannungen über 1 kV sind meist einpolig
und -hinweise, die auf der Banderole abge- ausgeführt.
druckt sind und meist durch die Benutzung
unlesbar werden oder ganz entfernt werden, Zweipolige Geräte zum Phasenvergleich
eine hohe Gefahr, einen falschen Anlagen- dürfen nicht als Spannungsprüfer verwen-
zustand zu ermitteln. Des weiteren sollte der det werden. Spannungsprüfer mit Glimm-
Elektrofachkraft im Hinblick auf die Gefahr lampenanzeige dürfen nur in Innenanlagen
der Körperdurchströmung bewusst sein, mit Beleuchtungsstärken bis 1000 Lux
dass der menschliche Körper zur Ermittlung verwendet werden. In helleren Räumen
des Anlagenzustands benötigt wird! und im Freien genügt die Leuchtkraft der

25
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Spannungsprüfung

Glimmlampen nicht für eine sichere Wahr- Das Einschalten einschaltfester Erdungs-
nehmbarkeit. schalter kann auch als Feststellen der
Spannungsfreiheit gelten.
Bei Geräten mit ausschließlich optischer
Anzeige darf die Anzeige nicht allein durch Bei Höchstspannungsfreileitungen können
das Licht verschiedener Farben wahr- auch berührungslos wirkende Span-
nehmbar gemacht werden, sondern muss nungsprüfer – Fernprüfer – eingesetzt
zusätzlich noch weitere Merkmale wie werden, wenn eine Fremdbeeinflussung
die räumliche Trennung der Lichtquellen, ausgeschlossen werden kann.
unterschiedliche Formen des Lichtsignals
oder Blinklicht aufweisen. Bei Kabeln lässt sich an der Arbeitsstelle
das Feststellen der Spannungsfreiheit mit
Spannungsprüfern nicht durchführen. Aus

26
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

5.1.4 Fünf Sicherheitsregeln:


4. Erden und Kurzschließen

Das Erden und Kurzschließen der Anlagen-


teile, an denen gearbeitet werden soll,
dient dem unmittelbaren Schutz aller dort
Beschäftigten.

Die zum Erden und Kurzschließen verwen-


dete Vorrichtung muss stets zuerst mit
der Erdungsanlage oder einem Erder und
dann erst mit dem zu erdenden Anlagenteil
Spannungsprüfer verbunden werden, wenn nicht Erdung
und Kurzschließung gleichzeitig, z. B. über
einen Erdungsschalter, erfolgt. Die Arbeits-
stelle muss so gesichert werden, dass sie
sowohl gegen versehentliches Wieder-
einschalten als auch gegen das Auftreten
diesem Grund muss das freigeschaltete einer unzulässigen Beeinflussungsspan-
Kabel eindeutig bestimmt werden. Es darf nung geschützt ist. Das Unfallgeschehen
vom Feststellen der Spannungsfreiheit an durch unberücksichtigte Beeinflussungs-
der Arbeitsstelle abgesehen werden, wenn spannungen wie Influenz-, Induktions-
das freigeschaltete Kabel von der Aus- oder Restspannungen beträgt ca 9 % des
schaltstelle bis zur Arbeitsstelle eindeutig gesamten Stromunfallgeschehens!
verfolgt werden kann. Ist dies nicht der
Fall, muss das Kabel an der Arbeitsstelle Alle Vorrichtungen und Geräte zum Erden
mit Sicherheitsschneidvorrichtungen und Kurzschließen müssen einen sicheren
geschnitten werden. Die Anwendung von Kontakt mit der Erdungsanlage sowie mit
Kabelauslesegeräten wird empfohlen. Die den zu erdenden und kurzzuschließenden
mit der Anwendung von Kabelauslesege- Anlagenteilen gewährleisten und dem
räten beauftragten Personen müssen im Kurzschlussstrom bis zum Ausschalten
Umgang mit den Geräten vertraut sein, da standhalten.
bei diesem Messverfahren eine eindeutige
Anzeige nicht immer gegeben ist. In Kleinspannungs- und Niederspannungs-
anlagen (bis 1000 V) darf vom Erden und

27
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

falls ist eine zusätzliche Erdung, Anzeige-


vorrichtung oder eindeutige Kennzeich-
nung an der Arbeitsstelle anzubringen.

Bei Arbeiten an einer Unterbrechungsstelle


muss entweder auf beiden Seiten geerdet
und kurzgeschlossen werden oder die
Unterbrechungsstelle ist kurzschlussfest zu
überbrücken und auf einer Seite zu erden
und kurzzuschließen. Dies gilt nicht nur für

Broschüre DGUV Information 203-028 (BGI 845)


– Arbeiten mit Kabelschneidgeräten

Kurzschließen abgesehen werden, wenn


sichergestellt ist, dass die Anlage nicht
beispielsweise durch eine Ersatzstromver-
sorgungsanlage unter Spannung gesetzt
wird. Verschiedene Hersteller bieten auch
für diese Spannungsebene geeignetes
Erdungsmaterial an.

Hinsichtlich der Festlegungen für Hochspan-


nungsanlagen sind nichtisolierte Freileitun-
gen und blanke Leiter, die in den Bereich
der Arbeitsstelle hineinführen, allseitig und
allpolig zu erden und kurzzuschließen.

Erdung und Kurzschließung müssen von Einlegen der Erdungs- und Kurzschließvorrichtung
der Arbeitsstelle aus sichtbar sein. Andern- in einer Mittelspannungsschaltszelle

28
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Schaltanlagen, sondern auch für Freileitun- Straßenleuchten testet während die andere
gen. Hier werden die Vorrichtungen zum Gruppe im Ortsnetz arbeitet. Erdungs- und
Erden und Kurzschließen im Regelfall an dem Kurzschließgeräte für Ortsnetze sollten
Mast, auf dem gearbeitet wird, angebracht. daher immer fünf oder sechs Anschließtei-
le besitzen, um mit einer Vorrichtung alle
Bei Arbeiten an Transformatoren muss an vorhandenen Leiter des Systems verbinden
Ober- und Unterspannungsseiten geer- zu können.
det und kurzgeschlossen werden, dies
gilt auch bei Spannungen unter 1000 V Bei Arbeiten an Freileitungen über 1 kV bis
auf der Unterspannungsseite. Wird an 30 kV muss mindestens an einer Aus-
Transformatoren mit angeflanschten schaltstelle geerdet und kurzgeschlossen
Endverschlüssen gearbeitet, muss an den werden, bei Freileitungen über 30 kV
nächstgelegenen Schaltstellen der Ober- muss an jeder Ausschaltstelle geerdet und
und Unterspannungsseite geerdet und kurzgeschlossen werden. Bei Übergang von
kurzgeschlossen werden. Kabel auf Freileitung ist an der Übergangs-
stelle zu erden und kurzzuschließen.
Für die Dauer von Messungen darf die Er-
dung und Kurzschließung aufgehoben wer- Sind alle Ausschaltstellen mit kurzschluss-
den, falls es erforderlich sein sollte. Dann festen Erdungs- und Kurzschließgarnituren
ist mit anderen geeigneten Maßnahmen für geerdet und kurzgeschlossen, darf an der
die Sicherheit der Mitarbeiter zu sorgen, Arbeitsstelle der Querschnitt der „Arbeits-
beispielsweise durch Festlegungen für erde“ 25 mm2 Cu betragen.
Arbeiten in der Nähe unter Spannung
stehender Teile. Wird bei Freileitungen über 1 kV bis 30 kV
nur an einer Ausschaltstelle kurzschluss-
Die Erdungs- und Kurzschließgeräte sind fest geerdet und kurzgeschlossen, muss
mit isolierenden Erdungsstangen an die die Erdung und Kurzschließung an der
Leiter heranzuführen. Arbeitsstelle so beschaffen sein, dass
An Freileitungen müssen alle Leiter ein- sie dem Kurzschlussstrom bis zum Aus-
schließlich Neutralleiter sowie Schalt- und schalten standhält.
Steuerdrähte in unmittelbarer Nähe der Ar-
beitsstelle möglichst geerdet, in jedem Fall Es muss auf eine gute Kontaktgabe an den
aber kurzgeschlossen werden. So stellen Anschließstellen z. B. durch entsprechend
Schaltdrähte für Straßenbeleuchtung häu- geformte Anschließpunkte oder Klemmen
fig Gefahren dar, wenn eine Arbeitsgruppe usw. geachtet werden.

29
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Bei Kabelarbeiten darf vom Erden und Kurz- Gerade, wenn nur „einige Handgriffe“ für die
schließen an der Arbeitsstelle abgesehen durchzuführende Arbeit notwendig sind, nei-
werden, doch muss dann an den Aus- gen Elektrofachkräfte dazu, diese „Zusatz-
schaltstellen geerdet und kurzgeschlossen arbeit“ – Abdecken oder Abschranken – zu
werden. unterlassen, was ein sehr hohes Arbeits-
risiko darstellt und nicht selten zu schwe-
5.1.5 Fünf Sicherheitsregeln: ren und tödlichen Unfällen führt.
5. Benachbarte, unter Spannung
stehende Teile abdecken oder Abdeckungen müssen ausreichend isolie-
abschranken rend und allen zu erwartenden mechani-
schen Beanspruchungen standhalten. Das
Das Arbeiten in der Nähe unter Spannung heißt, sie müssen sicher befestigt sein und
stehender Teile soll möglichst vermieden dürfen sich nicht durch zufälliges Berühren
werden; es ist immer zu prüfen, ob für die lösen oder abfallen. Empfehlenswert sind
Dauer der Arbeiten nicht der spannungs-
freie Zustand hergestellt werden kann. Ist
dies nicht möglich, müssen die aktiven
Teile für die Dauer der Arbeiten gegen
Berührungen durch Personen oder mit Ar-
beitsmaterial abgedeckt oder abgeschrankt
werden (§ 7 DGUV Vorschrift 3 (BGV A 3)).
Dabei sind Spannung, Betriebsort, Art der
Arbeit, Mitarbeiterqualifikation und die ver-
wendeten Arbeitsmittel zu berücksichtigen.

Beim Abdecken oder Abschranken müssen


vor Arbeitsbeginn unter Umständen zusätzli-
che Sicherheitsmaßnahmen wie beim „Arbei-
ten in der Nähe unter Spannung stehender
Teile“ (siehe Abschnitt 5.2) getroffen werden.
Sind Schutzmittel in der Gefahrenzone anzu-
bringen, ist hierfür entweder der spannungs-
freie Zustand der Anlagenteile herzustellen
oder es sind die Festlegungen für das „Arbei- Abdecken benachbarter, unter Spannung
ten unter Spannung“ anzuwenden. stehender Teile

30
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

z. B. Isolierstoffplatten und -matten, Ab- Obwohl im Regelwerk das Freigabever-


decktücher und Schutzgitter. Berührt das fahren nicht in schriftlicher Form gefordert
Material unter Spannung stehende Teile wird, wird empfohlen, das Verfahren zu
oder wird die Gefahrenzone erreicht bzw. dokumentieren. Diese Dokumentation
unterschritten, dann muss das Material gewährleistet das Entfernen aller Erdungs-
eine ausreichende elektrische Festigkeit und Kurzschließgarnituren nach Arbeits-
besitzen. ende.

Bei den Sicherungsmaßnahmen ist immer 5.1.7 Unter Spannung setzen nach been-
der Abstand des Arbeitenden inklusive der deter Arbeit
Ausmaße der verwendeten Werkzeuge und
Hilfsmittel von den unter Spannung stehen- Mit dem Verfahren zum Wiedereinschalten
den Teilen zu beurteilen, was oftmals nicht nach Beendigung und Überprüfung der
in die Betrachtung mit einbezogen wird. Arbeiten darf erst begonnen werden, wenn
Die Längen und Ausmaße der verwende- sich an der Arbeitsstelle keine Personen,
ten Werkzeuge oder Hilfsmittel wie Leiter, Werkzeuge und Hilfsmittel mehr befinden.
Gerüst, Leitungsschiene kann zur verse- Alle getroffenen Sicherheitsmaßnahmen
hentlichen Berührung von unter Spannung (Schilder, Erdung und Kurzschließung,
stehenden Teilen führen. Schutz gegen Wiedereinschalten) sind zu
entfernen bzw. aufzuheben. Die Aufhe-
Wichtig ist ferner eine ausreichende und bung der fünf Sicherheitsregeln erfolgt
eindeutige Kennzeichnung der Arbeits- in umgekehrter Reihenfolge. Sobald eine
stelle. Flaggen, Absperrseile, Ketten und der Sicherheitsmaßnahmen aufgehoben
Warnschilder trennen die Gefahrenbe- wurde, ist die Anlage bzw. sind die An-
reiche sichtbar von der Arbeitsstelle und lagenteile als unter Spannung stehend zu
sollen ein irrtümliches Betreten von Gefah- betrachten.
renbereichen verhindern.
Wenn der Arbeitsverantwortliche sich
5.1.6 Freigabe zur Arbeit davon überzeugt hat, dass die Arbeitsstelle
wieder einschaltbereit ist, muss er dem
Nach dem Durchführen der fünf Sicher- Anlagenverantwortlichen die Beendigung
heitsregeln darf die Arbeitsstelle vom der Arbeiten und die Einschaltbereitschaft
Arbeitsverantwortlichen nach Genehmi- melden.
gung durch den Anlagenverantwortlichen
freigegeben werden.

31
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

nichtelektrotechnische Arbeiten,
z. B. Bauarbeiten: EF, EUP, Laien

bestimmte elektrotechnische
Arbeiten: EF, EUP
Laien nur wenn Aufsichtführung
durch EF, EUP
nichtelektrotechnische Arbeiten
Schutzabstand nur unter Beaufsichtigung durch
EF, EUP des Betreibers der Anlage
(Tabelle 4);
VDE 0105-100
(Tabelle 103) EF/EUP, wenn Gefahrzone
nicht erreicht werden kann
Schutzabstand

(Tabelle 3);
VDE 0105-100
(Tabelle 102)

Gefahrenzone

(Tabelle 2); bei vollständigem Berührungs-


VDE 0105-100 schutz (IP2x): EF, EUP, Laie
(Tabelle 101)

bei teilweisem Berührungsschutz


durch Abdeckung/Abschrankung/
Hindernis: EF, EUP, Laie nur mit
Aktives Beaufsichtigung durch EF, EUP
Teil

isolierende
Schutzvorrichtung Schutzvorrichtung

EUP = elektrotechn.
unterwiesene Person

Schutzabstände bei Arbeiten in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen

32
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

5.2 Arbeiten in der Nähe unter Spannung die Personalqualifikation und die Platzver-
stehender Teile hältnisse bei der Art der durchzuführenden
Arbeiten. Der beste Personenschutz wird
Arbeiten in der Nähe unter Spannung ste- daher mit der Arbeitsmethode „Arbeiten im
hender Teile sind alle Arbeiten, bei denen spannungsfreien Zustand“ unter Einhal-
eine Person mit Körperteilen, Werkzeug tung der fünf Sicherheitsregeln erreicht.
oder anderen Gegenständen in die An-
näherungszone gelangt, ohne die Gefah- Ist eine Freischaltung nicht möglich, muss
renzone zu erreichen. Hierbei besteht der erforderliche Schutz bei allen berühr-
immer die Gefahr des „zufälligen“ Be- baren Anlagenteilen entweder
rührens der aktiven Teile. In diesem Zusam-
menhang werden „elektrotechnische • durch Schutzvorrichtungen, Abdeckun-
Arbeiten“ von „Bauarbeiten und sonstige gen, Kapselung oder isolierende Umhül-
nichtelektrotechnische Arbeiten“ unter- lung (DIN VDE 0105-100, 6.4.2)
schieden, für die die jeweiligen Schutzab-
stände zu berücksichtigen sind. oder

Elektrotechnische Arbeiten • durch Abstand und Aufsichtsführung


(DIN VDE 0105-100, 6.4.3)
Mit elektrotechnischen Arbeiten werden
die Arbeiten an, mit oder in der Nähe von gewährleistet werden.
elektrischen Anlagen bezeichnet, die das
Erproben und Messen, Instandsetzen, Auch bei Anwendung des „Schutz durch
Auswechseln, Ändern, Erweitern, Errichten Schutzvorrichtungen, Abdeckungen,
und Prüfen umfassen. Der Begriff „in der Kapselung oder isolierende Umhüllungen“
Nähe“ ist sehr weit zu fassen. Daher gibt darf das Anbringen der Schutzmittel
es bei der Festlegung des einzuhaltenden (Schutzvorrichtungen, Abdeckungen, Kap-
Sicherheitsabstands zum unter Spannung selung oder isolierende Umhüllungen) zu
stehenden Teil auch viele zu berücksichti- keiner Personengefährdung führen. Daher
gende Einzelfaktoren, die letztendlich zur ist zum Anbringen der Schutzmittel inner-
sicheren Abstandsermittlung heranzuzie- halb der Gefahrenzone und innerhalb der
hen sind und nur von einer Elektrofachkraft Annäherungszone entweder der span-
ermittelt werden können. In die Ermittlung nungsfreie Zustand herzustellen oder es
einzubeziehen sind beispielsweise die sind Festlegungen für das Arbeiten unter
Höhe der Spannung, die Anlagenbauweise, Spannung anzuwenden. Die Schutzvor-

33
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

richtungen selbst müssen so ausgewählt einseitig unter Spannung stehenden Ein-


und angebracht werden, dass eine Ge- richtungen, mit denen eine Trennstrecke
fährdung durch elektrische und mechani- hergestellt ist, müssen die unter Spannung
sche Überbeanspruchung ausgeschlossen stehenden Teile mit einem Schutz gegen
werden kann. Sie müssen sich in ordnungs- direktes Berühren versehen werden, wenn
gemäßem Zustand befinden und während die Gefahrenzone erreicht werden kann.
der Arbeiten sicher befestigt sein. Die Hierfür können z. B. geeignete isolierende
Arbeitsstelle muss durch geeignete Abde- Platten eingeschoben oder isolierende
ckungen, Seile, Flaggen, Lampen, Schilder Formstücke und Abdeckungen mit ausrei-
usw. eindeutig gekennzeichnet werden chender elektrischer und mechanischer
(Grenze des Arbeitsbereichs). Das Verwech- Festigkeit verwendet werden.
seln von benachbarten Schaltfeldern muss
durch geeignete Maßnahmen (deutlich Bei Arbeiten in Schaltfeldern von Innen-
sichtbare Hilfsmittel) ausgeschlossen raumanlagen mit Nennspannungen über
werden können. 1 kV ohne Trennwände muss die Arbeits-
stelle gegen benachbarte Schaltfelder oder
Bieten solche Einrichtungen keinen voll- andere unter Spannung stehende Teile
ständigen Schutz gegen direktes Berühren durch einen Schutz gegen direktes Berüh-
unter Spannung stehender Teile (bei Nie- ren gesichert sein.
derspannung weniger als IP 2X), so müssen
Laien, die in der Nähe dieser Teile arbeiten, Bei Anwendung der Maßnahme „Schutz
beaufsichtigt werden. Die Arbeitenden sind durch Abstand und Aufsichtsführung“ ist
vor Beginn der auszuführenden Arbeiten immer ein Abstand größer als DL (Annehm-
über das Einhalten der notwendigen Ab- barer Mindestabstand in Luft, der die äu-
stände sowie über die getroffenen ßere Grenze der Gefahrenzone bestimmt)
einzuhalten, wobei Ort und Umfang der
Sicherheitsmaßnahmen und die Notwendig- Arbeiten sowie Nennspannung der Anlage
keit eines ständigen sicherheitsbewussten zu berücksichtigen sind. Der Arbeitsverant-
Verhaltens durch den Arbeitsverantwort- wortliche hat hierzu konkrete Vorgaben für
lichen zu unterrichten, was in angemesse- die Auswahl des Personals und Vorgaben
nen Zeitabständen oder nach Änderung der für den Arbeitsablauf festzulegen, die das
Arbeitsbedingungen zu wiederholen ist. Erreichen der Gefahrenzone ausschließen.
Hierzu bedarf es guter Fachkenntnisse und
Bei Arbeiten in Innenraumanlagen mit zuverlässiger Mitarbeiter.
Nennspannungen über 1 kV an offenen,

34
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Gefahrenzone DL, abhängig von der Nennspannung


Äußere Grenze der Gefahrenzone Bemessungs-Steh
Netz-Spannung DL (Abstand in der Luft) Blitz/Schaltstoß
UN (effektivwert) mm spannung Uimp
kV (Scheitelwert)
Innenraumlage Freiluftlage kV
≤1 keine Berührung 4
3 60 120 40
6 90 120 60
10 120 150 75
15 160 95
20 220 125
30 320 170
36 380 200
45 480 250
66 630 325
70 750 380
110 1100 550
Tabelle 2, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3) - (Auszug)

Für bestimmte elektrotechnische Arbeiten • Korrosionsschutzarbeiten im Freilei-


ist aber der Schutzabstand einzuhalten, der tungsbereich
der Tabelle 3, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3) • Bauarbeiten und sonstige nichtelekt-
bzw. der Tabelle 101, VDE 0105-100 zu ent- rotechnische Arbeiten unter Beaufsich-
nehmen ist. Zu diesen Arbeiten zählen: tigung von EF oder EuP
• Rasenmäharbeiten
• Bewegen von Leitern oder sperrigen
Gegenständen Unter der Aufsichtsführung ist hier die
• Besondere Arbeiten an Freileitungen, z. B. ständige Überwachung der gebotenen
Anstrich- und Ausbesserungsarbeiten Sicherheitsmaßnahmen bei der Durch-
• Aufziehen oder Ablassen von Werkzeu- führung der Arbeiten an der Arbeitsstelle
gen und Material, wenn sich aktive Teile gemeint. Der Aufsichtsführende selbst darf
unterhalb der Arbeitsstelle befinden dabei nur Arbeiten ausführen, die ihn in
der Aufsichtsführung nicht beeinträchtigen.

35
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Schutzabstände bei bestimmten elektrotechnischen Arbeiten,


abhängig von der Nennspannung in der Nähe aktiver Teile
Schutzabstand
Netz-Nennspannung
(Abstand in Luft von ungeschützten
Un (Effektivwert)
unter Spannung stehenden Teilen)
kV
m
bis 1 0,5
über 1 bis 30 1,5
über 30 bis 110 2,0
über 110 bis 220 3,0
über 220 bis 380 4,0
Tabelle 3, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)

Bauarbeiten und sonstige nichtelektro- in abgeschlossenen elektrischen Betriebs-


technische Arbeiten stätten stellen nichtelektrotechnische
Arbeiten dar. Hier gelten aber besondere
Mit den nichtelektrotechnischen Arbeiten Bedingungen und Festlegungen, die den
bezeichnet man alle Arbeiten im Bereich „bestimmten elektrotechnischen Arbeiten“
einer elektrischen Anlage wie: unterliegen.

• Bauarbeiten Bei Bauarbeiten und sonstigen nicht-


• Gerüstbau elektrotechnischen Arbeiten in der Nähe
• Arbeiten mit Hebezeugen, Baumaschi- von unter Spannung stehenden Teilen
nen und Fördermitteln ohne Schutz gegen direktes Berühren
• Montagearbeiten muss stets ein fester Abstand zwischen
• Transportarbeiten dem unter Spannung stehenden Teil und
• Bewegen von sonstigen Geräten und allen zur Arbeit benötigten leitfähigen
Bauhilfsmitteln Teilen eingehalten werden, die zu einer
Diese Tätigkeiten werden in der Regel nicht Verletzung durch elektrische Energie von
durch Elektrofachkräfte oder elektrotech- Personen führen können. Insbesondere
nisch unterwiesene Personen ausgeführt. das Ausschwingen von Lasten, Trag- und
Auch Anstrich- und Ausbesserungsarbeiten Lastaufnahmemitteln, das Herunterfallen
an Freileitungen sowie Rasenmäharbeiten von Gegenständen und Werkzeugen sowie

36
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Schutzabstände bei nichtelektrotechnischen Arbeiten,


abhängig von der Nennspannung
Schutzabstand
Netz-Nennspannung
(Abstand in Luft von ungeschützten
Un (Effektivwert)
unter Spannung stehenden Teilen)
kV
m
bis 1 1,0
über 1 bis 110 3,0
über 110 bis 220 4,0
über 220 bis 380 5,0
Tabelle 4, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)

Arbeit, die verwendete Ausrüstung und


die Bewegungen von Leiterseilen sind in
die fachliche Qualifikation der Personen,
die Festlegung des Abstands mit einzube-
die die nichtelektrotechnischen Arbeiten
ziehen.
ausführen, zugrunde zu legen.
Der Mindestabstand kann der Tabelle 4, Falls die Arbeiten von Elektrofachkräften
DGUV Vorschrift 3 (BGV A3), entnommen oder elektrotechnisch unterwiesenen Per-
werden. sonen oder von Laien unter deren „Aufsicht-
führung“ durchgeführt werden, können die
Der festzulegende Abstand für Bauarbeiten Schutzabstände nach Tabelle 3, DGUV Vor-
und sonstige nichtelektrotechnische Arbei- schrift 3 (BGV A3), herangezogen werden.
ten in der Nähe unter Spannung stehender
Teile kann aber auch abgeleitet werden aus
dem annehmbaren Mindestabstand in der
Luft, der die äußere Grenze der Annähe-
rungszone bestimmt (DV, Tabelle A.1 VDE
0105-100), der um einen weiteren Abstand
erhöht wird. Die Abstandserhöhung wird
individuell von der zuständigen Elektro-
fachkraft eingeschätzt. Für diese Einschät-
zung sind die Spannungshöhe, die Art der

37
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Richtwerte für Abstände DL und DV


Netz-Nennspannung Annehmbarer Mindest- Annehmbarer Mindest-
abstand in Luft, der die abstand in Luft, der die
äußere Grenze der Gefahren- äußere Grenze der Annähe-
zone bestimmt rungszone bestimmt
UN (Effektivwert) kV DL mm DV mm
≤1 keine Berührung 300
3 60 1120
6 90 1120
10 120 1150
15 160 1160
20 220 1220
30 320 1320
36 380 1380
45 480 1480
60 630 1630
70 750 1750
110 1000 2000
Tabelle A. 1, DIN VDE 0105-100 (Auszug)

5.3 Arbeiten unter Spannung (AuS) Erlaubt ist das Arbeiten an unter Spannung
stehenden Teilen, wenn durch die Art der
Arbeiten an unter Spannung stehenden Anlage eine Gefährdung durch Körper-
Teilen können besonders gefährlich sein. durchströmung oder durch Lichtbogen-
Zwei Gefahren sind gegeben: das Berühren bildung ausgeschlossen ist (§ 8 DGUV
der unter Spannung stehenden Anlagen- Vorschrift 3 (BGV A3)), z. B.
teile und die Auslösung von Lichtbögen
durch Kurzschluss. Durch technische und • in Anlagen mit einer Spannung bis 50
organisatorische Maßnahmen ist das Volt Wechselspannung oder 120 Volt
verbleibende Risiko so gering wie möglich Gleichspannung zwischen aktiven Teilen
zu halten. oder zwischen aktiven Teilen und Erde
(aber auch hier Gefährdung durch Licht-
bogen beachten),

38
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

• bei eigensicher errichteten Stromkreisen, Zwingende Gründe für das Arbeiten an


• wenn der Kurzschlussstrom an der unter Spannung stehenden Teilen können
Arbeitsstelle höchstens 3 mA Wechsel- z. B. vorliegen, wenn durch Wegfall der
strom (Effektivwert) oder 12 mA Gleich- Spannung
strom oder die Energie nicht mehr als
350 mJ beträgt, • eine Gefährdung von Leben und Gesund-
• wenn erhebliche Gefahren, z. B. für Le- heit von Personen zu befürchten ist,
ben und Gesundheit von Personen oder • in Betrieben ein erheblicher wirtschaftli-
Brand- und Explosionsgefahren, abzu- cher Schaden entsteht,
wenden sind (diese Arbeiten dürfen nur • bei Arbeiten in Netzen der öffentlichen
durch Elektrofachkräfte unter Beachtung Stromversorgung, besonders beim
der geeigneten Vorsichtsmaßnahmen Herstellen von Anschlüssen, Umschalten
ausgeführt werden). von Leitungen oder beim Auswechseln
von Zählern, Rundsteuerempfängern
In explosionsgefährdeten Bereichen ist ein oder Schaltuhren die Stromversorgung
Arbeiten unter Spannung nur unter beson- unterbrochen würde,
deren Bedingungen erlaubt; die Regelun- • bei Arbeiten an oder in der Nähe von
gen sind in der DIN VDE 0105 enthalten. Fahrleitungen der Fahrbetrieb unterbro-
chen würde,
Auch an Akkumulatoren ist das Arbeiten • Fernmeldeanlagen einschließlich
unter Spannung erlaubt, wenn geeignete Informationsverarbeitungsanlagen oder
Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. wesentliche Teile davon wegen Arbeiten
Kurzschlüsse an großen Batterien können an der Stromversorgung stillgesetzt wer-
jedoch starke Lichtbogen verursachen und den müssten und dadurch mittel- oder
zu schweren Unfällen führen. unmittelbar Gefahr für Leben und Ge-
sundheit von Personen sowie Schäden
Bei Nennspannungen über 50 Volt an Sachwerten hervorgerufen werden
Wechselspannung oder 120 Volt Gleich- könnten,
spannung sind Arbeiten an unter Span- • Störungen in Verkehrsanlagen hervor-
nung stehenden Teilen nur auf besondere gerufen werden, die zu einer Gefahr für
Anweisung einer Elekrofachkraft mit An- Leben und Gesundheit von Personen
weisungsbefugnis und nur bei Vorliegen sowie Schäden an Sachwerten führen
von zwingenden Gründen zugelassen könnten.
(§ 8 DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)).

39
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Wenn in einem Betrieb bei Vorliegen von richtungen benutzt werden; sie müssen der
zwingenden Gründen unter Spannung gear- Art der Arbeit, der Spannungshöhe, den
beitet werden soll, muss der Unternehmer Gefahren durch Körperdurchströmung oder
in einer Grundsatzentscheidung festlegen durch mögliche Lichtbogen im Kurzschluss-
fall und den Umgebungsbedingungen
• welche Arbeiten unter Spannung ausge- angepasst sein.
führt werden sollen,
• welche Elektrofachkraft für die sichere Hierzu gehören z. B. isoliertes Werkzeug,
Ausführung der Arbeiten unter Spannung isolierende Schutzkleidung, Material zum
zuständig ist. Abdecken von aktiven Teilen und die Gum-
mimatte zur Standortisolierung.
Außerdem muss festgelegt sein, welche
Personen im Vertretungsfall bzw. im Auftrag Die persönliche Schutzausrüstung ein-
die Anweisung für das Arbeiten unter schließlich Gesichtsschutz schützt beim
Spannung geben dürfen. Keinesfalls darf Auftreten eines Lichtbogens. Selbstver-
jemand ohne Auftrag an unter Spannung ständlich dürfen Schutzausrüstungen
stehenden Anlagenteilen arbeiten. und isolierende Hilfsmittel keine Schäden
Montagearbeiten unter Spannung dürfen aufweisen; sie sind stets vor Gebrauch auf
bei Vorliegen zwingender Gründe nur von offensichtliche Beschädigungen zu prüfen.
dafür ausgebildeten Elektrofachkräften
ausgeführt werden. Sie müssen für das Die isolierende Schutzbekleidung muss
Arbeiten an unter Spannung stehenden Tei- außerdem mindestens jährlich, isolieren-
len sowie die Anwendung der Sicherheits- de Schutzhandschuhe alle sechs Monate
maßnahmen ausgebildet sein und dies durch eine Elektrofachkraft auf sicherheits-
beherrschen (siehe DGUV Regel 103-011 technisch einwandfreien Zustand geprüft
(BGR A3)). werden.

Für alle Montagearbeiten sind entspre- Isolierte Werkzeuge sind getrennt von
chende Arbeitsanweisungen anzufertigen anderen Werkzeugen aufzubewahren.
und den Monteuren auszuhändigen, damit In feuergefährdeten Betriebsstätten und
die Anweisungen jederzeit nachgelesen Lagerräumen ist das Arbeiten an unter
werden können. Spannung stehenden Teilen auch nur in
Sonderfällen – und nur dann – zulässig,
Für die Dauer der Arbeiten müssen geeig- wenn sichergestellt ist, dass im Arbeits-
nete Körperschutzmittel und Schutzvor- bereich keine Brandgefahr besteht.

40
5. Arbeiten an elektrischen Anlangen

Beim Arbeiten unter Spannung arbeitet der Um das „Arbeiten unter Spannung“
AuS-Monteur nur dann sicher, wenn seine „sicher“ durchzuführen, bedarf es einer
persönliche Schutzausrüstung inklusive sehr großen Eigenverantwortung des Mon-
des Werkzeugs intakt ist und er dies über- teurs an der Arbeitsstelle. Kommt es hier zu
prüft und bestimmungsgemäß benutzt. einem Fehlverhalten, kann dies zu einem
schweren Unfallereignis führen. Dann
muss sofort die Rettungskette eingeleitet
werden können. Dies erfordert i. d. R. die
Anwesenheit einer zweiten Person bei der
Durchführung der AuS- Tätigkeit. Diese
Person muss in der Anwendung der Ersten
Hilfe ausgebildet sein, damit sofort mit der
lebensrettenden Herz-Lungen-Wiederbele-
bung begonnen werden kann.

Werkzeugtasche mit isoliertem Werkzeug für


Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen

Faktoren wie große Hitze oder zu klein aus-


geführte Muffenlöcher führen oftmals dazu,
dass zum einen die PSA nicht getragen AuS-Tätigkeit: Montage des NH-Steckeinsatzes
wird oder unter Bedingungen gearbeitet zum Anschluss eines Notstromaggregats
wird, bei denen dieses Verfahren nicht zur
Anwendung kommen darf.
Weitere Erläuterungen sind der DGUV Regel
Allein der AuS-Monteur vor Ort entscheidet, 103-011 (BGR A3) „Arbeiten unter Span-
ob er die Arbeiten unter den gegebenen Be- nung“ zu entnehmen.
dingungen durchführt (z. B. starker Regen,
zu kleines Muffenloch).

41
6. Bedienen elektrischer Anlagen und
Betriebsmittel

Das Bedienen elektrischer Anlagen und Betroffen sind insbesondere Schrauban-


Betriebsmittel ist jede Tätigkeit, die an schlussklemmen von Einbaugeräten und
Einstell-, Schalt- und Steuerorganen Anzeigelampen von Niederspannungs-
durchgeführt wird, z. B. Schalten eines verteilungen der Gebäudeinstallation und
Leistungsschalters, Quittieren eines Melde- Steuereinrichtungen von Aufzugsanlagen,
relais, Einschalten eines Lichtschalters, Klimaanlagen, Werkzeugmaschinen, Fer-
Einstellen der Schaltzeit an einer Schaltuhr tigungsstraßen und Krananlagen, die nur
in einer Schaltanlage. Dies sind somit alle Elektrofachkräften und elektrotechnisch
Tätigkeiten, die der bestimmungsgemäßen unterwiesenen Personen zugänglich sind.
Betriebsführung dienen. Einzelne Hersteller bieten für die Nachrüs-
tung des Finger- oder Handrückenschut-
Es wird unterschieden zwischen dem zes für ihre Bauelemente aufsteckbare
Bedienen bei vollständigem oder bei Kunststoffabdeckungen für Schrauban-
teilweisem Berührungsschutz. Sollen Laien schlussklemmen oder Abdeckstreifen mit
betriebsmäßige Bedienvorgänge ausfüh- passender Halterung für die Hutschienen
ren, muss vollständiger Berührungsschutz an. Eine Acrylglasplatte mit Ausschnitten
bestehen, z. B. beim Betätigen eines Tas- für die Betätigungselemente kann mit ein-
ters auf einem Steuerpult oder eines RCD in fachen Mitteln von einer Elektrofachkraft
einem Verteilerkasten. selbst angebracht werden. Mit geeigne-
tem Silikon können kleinere Bereiche wie
Für Bedienvorgänge, die nur von Elektro- Schrauben isoliert werden. In manchen
fachkräften oder elektrotechnisch unterwie- Fällen wird aber auch der Austausch die
senen Personen ausgeführt werden, muss günstigere Lösung sein, beispielsweise
zumindest teilweiser Schutz gegen direktes bei einem alten Motorschutzschalter oder
Berühren aktiver Teile in der Nähe von Betä- unisolierten Kammschienen.
tigungselementen gemäß VDE 0660 Teil 514
– Finger- und Handrückenschutz – reali- Eine elektrische Anlage mit vorschriftsmä-
siert sein. Die Forderung nach sicherem ßigen Schutzeinrichtungen lässt sich ge-
Bedienen wurde schon vor vielen Jahren in fahrlos bedienen. Gefährdungen entstehen
den Bau- und Ausrüstungsanforderungen durch falsche Reihenfolge der Schalthand-
der VDE-Bestimmungen (ehemals VDE 0106 lungen oder Verwechslung von Anlagen-
Teil 100) gefordert und deren Anpassung teilen. Daher muss bei Schalthandlungen
war bis zum 31.12.1999 vorzunehmen. Den- größeren Umfangs das Schaltprogramm
noch sind viele Betriebe dieser Nachrüst- vorher festgelegt sein.
verpflichtung bisher nicht nachgekommen.

42
6. Bedienen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel

Es dürfen nur die für das Bedienen be-


stimmten Hilfsmittel benutzt werden und
es darf nur die zum Bedienen erforderliche
Anzahl von Personen anwesend sein. Alle
Zugänge zu Maschinen, Schalt- und Vertei-
lungsanlagen sowie die Bedienungs- und
Überwachungsgänge müssen frei bleiben.

Montagematerial, Werkzeuge aller Art,


Fahrräder, Kleidungsstücke und andere
Gegenstände sowie leicht entzündliche
Stoffe oder Flüssigkeiten dürfen nicht in
gefahrbringender Nähe von unter Span-
nung stehenden Anlagenteilen (z. B. in
Schaltfeldern) aufbewahrt werden.
Des Weiteren dürfen „abgeschlosse-
ne elektrische Betriebsstätten“ nur für
befugtes Personal zugängig sein und
nur beauftragte Personen dürfen diese
Betriebsstätten öffnen.

Verbotsschilder, die darauf hinweisen,


dass an der Anlage gearbeitet wird, dürfen
nur von demjenigen, der sie angebracht hat
bzw. auf dessen Veranlassung hin wieder
entfernt werden.

43
7. Prüfung elektrischer Betriebsmittel

Grundsätzlich ergibt sich die Verpflichtung (BetrSichV § 3) sollen die zu prüfenden


zur Prüfung von Arbeitsmitteln aus der Arbeitsmittel und die Prüffristen für diese
Betriebssicherheitsverordnung § 10 und Arbeitsmittel unter Berücksichtigung der
der DGUV Vorschrift 3 (BGV A3) § 5. Im Einsatzbedingungen vom Arbeitgeber in
Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Einvernehmen mit der Befähigten Person

Wiederholungsprüfungen ortsfester elektrischer Anlagen


und Betriebsmittel

Anlage/Betriebsmittel Prüffrist Art der Prüfung Prüfer

Elektrische Anlagen und 4 Jahre auf ordnungs- Elektrofachkraft


ortsfeste Betriebsmittel gemäßen Zustand
Elektrische Anlagen und 1 Jahr
ortsfeste elektrische
Betriebsmittel „in Be-
triebsstätten, Räumen und
Anlagen besonderer Art“
(DIN VDE 0100
Gruppe 700)
Schutzmaßnahmen mit 1 Monat auf Wirksamkeit Elektrofachkraft
Fehlerstrom-Schutzein- oder elektrotechnisch
richtungen in nichtstatio- unterwiesene Person
nären Anlagen bei Verwendung
geeigneter Mess-
und Prüfgeräte
Fehlerstrom-, Differenz- 6 Monate auf einwandfreie Benutzer
strom- und Fehlerspan- arbeitstäglich Funktion durch
nungs-Schutzschalter Bestätigung der
– in stationären Anlagen Prüfeinrichtung
– in nichtstationären
Anlagen
Tabelle 1, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)

44
7. Prüfung elektrischer Betriebsmittel

(BetrSichV § 10 [2]) festgelegt werden. Anforderungen – elektrische Gefährdun-


Welche Qualifikationen die befähigte gen“ entnommen werden. Grundsätzlich
Person bei bestehendem elektrischen Ge- erfüllt die Elektrofachkraft dieses Anforde-
fährdungen erfüllen muss, kann der TRBS rungsprofil.
1203 „Befähigte Personen – besondere

Wiederholungsprüfungen ortsveränderlicher elektrischer


Betriebsmittel
Anlage/Betriebsmittel Prüffrist Art der Prüfer
Richt- und Maximal- Prüfung
Werte
Ortsveränderliche Richtwert 6 Monate, auf ordnungs- Elektrofachkraft
elektrische Betriebsmittel auf Baustellen 3 Mo- gemäßen bei Verwendung
(soweit benutzt) nate*. Wird bei den Prü- Zustand geeigneter Mess-
fungen eine Fehlerquote und Prüfgeräte
Verlängerungs- und Gerä- < 2 % erreicht, kann die auch elektrotech-
teanschlussleitungen mit Prüffrist entsprechend nisch unterwie-
Steckvorrichtungen verlängert werden. sene Person
Maximalwerte:
Anschlussleitungen mit auf Baustellen, in
Stecker Fertigungsstätten und
Werkstätten oder
bewegliche Leitungen unter ähnlichen Bedin-
mit Stecker und Festan- gungen ein Jahr,
schluss
in Büros oder unter
ähnlichen Bedingungen
zwei Jahre.
Tabelle 1 B, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)

* Konkretisierung siehe BG-Information „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Baustel-
len“ (DGUV Information 203-006 (BGI 608))

45
7. Prüfung elektrischer Betriebsmittel

Prüfungen für Schutz- und Hilfsmittel

Prüfobjekt Prüffrist Art der Prüfung Prüfer

Isolierende Schutzbeklei- vor jeder auf augenfällige Benutzer


dung (soweit benutzt) Benutzung Mängel
12 Monate auf Einhaltung der Elektrofachkraft
in den elektrotech-
6 Monate für nischen Regeln
isolierende vorgegebenen
Handschuhe Grenzwerte
Isolierte Werkzeuge, vor jeder auf äußerlich er- Benutzer
Kabelschneidgeräte; Benutzung kennbare Schäden
isolierende Schutzvorrich- und Mängel
tungen sowie Betätigungs-
und Erdungsstangen
Spannungsprüfer, Phasen- auf einwandfreie
vergleicher Funktion
Spannungsprüfer, Phasen- 6 Jahre auf Einhaltung der Elektrofachkraft
vergleicher und Span- in den elektrotech-
nungsprüfsysteme (kapa- nischen Regeln
zitive Anzeigesysteme) vorgeschriebenen
für Nennspannungen Grenzwerte
über 1 kV
Tabelle 1 C, DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)

Die Prüffristen sind so zu bemessen, nahme und nach Änderungen oder


dass Mängel, die während der Benutzung Instandsetzungen sowie in regelmäßigen
entstehen können, rechtzeitig festgestellt Abständen durch eine befähigte Person zu
werden. Dabei ist der sichere Zustand des prüfen.
Arbeitsmittels vor der ersten Inbetrieb-

46
7. Prüfung elektrischer Betriebsmittel

Hilfestellungen zur Festlegung der Prüf-


fristen können zum einen den Bedienungs-
anleitungen der Hersteller entnommen
werden, zum anderen geben die Unfallver-
hütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 (BGV
A3) § 5 und die Technischen Regeln für
Betriebssicherheit, TRBS 1201, „Prüfungen
von Arbeitsmitteln und überwachungs-
bedürftigen Anlagen“, die bewährten
Prüffristen wieder. Die in der Unfallverhü-
tungsvorschrift angegebenen Prüffristen
für die Prüfung von ortsveränderlichen und
ortsfesten elektrischen Betriebsmitteln so-
wie Schutz- und Hilfsmitteln (Tabellen 1A,
1B und 1C) sind Orientierungswerte, die die
Elektrofachkraft unter Berücksichtigung der
Einsatzbedingungen, der Erfahrungswerte
und der gesetzlichen Rahmenbedingungen
abweichend einschätzen kann.
Sichtkontrolle
Die Prüfung eines elektrischen Betriebsmit-
tels lässt sich in die Bereiche
Insbesondere bei der messtechnischen Be-
• Sichtprüfung, wertung ist die Fachkompetenz der Elektro-
fachkraft gefordert. Sie muss bewerten, ob
• messtechnische Überprüfung, ein Gerät unsicher ist oder ob es weiterhin
benutzt werden darf. Auch elektro-
• Bewertung der Messergebnisse, technisch unterwiesene Personen unter
Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft
• Funktionsprüfung und können Zuarbeiten zum Prüfvorgang über-
nehmen. In der Regel sind dies die Sicht-
• Dokumentation prüfung und die messtechnische Überprü-
fung des Prüfobjekts. Hierbei verwenden
gliedern. diese Personen Prüfgeräte mit eindeutigen
Aussagefunktionen „Grenzwert eingehal-

47
7. Prüfung elektrischer Betriebsmittel

ten“ oder „Grenzwert nicht eingehalten“.


Ist es allerdings notwendig die Bewertung
eines Messwertes vorzunehmen, kann dies
nur durch eine Elektrofachkraft erfolgen.

Jeder Mitarbeiter muss vor der Benut-


zung eines elektrischen Betriebsmittels
(insbesondere auf Baustellen oder unter
ähnlich rauen Bedingungen) angehalten
werden, eine Sichtprüfung des Gerätes auf
augenfällige Beschädigungen und Mängel
durchzuführen.

48
8. Persönliche Schutzausrüstung

Wenn der Mensch nicht durch technische 8.1 Schutzkleidung/Arbeitskleidung bei


oder organisatorische Maßnahmen vor Arbeiten an elektrischen Anlagen
Gefährdungen geschützt werden kann, ist
das Tragen Persönlicher Schutzausrüstung Immer wieder wird die Frage gestellt, ob
(PSA) unumgänglich. Die Auswahl der eine Arbeitskleidung für elektrotechni-
Persönlichen Schutzausrüstung erfolgt sche Arbeiten nicht der Schutzkleidung
unter Berücksichtigung der bestehenden zugeordnet werden muss. Im Unterschied
Gefährdung, vor der der Mensch geschützt zur Arbeitskleidung oder Berufskleidung
werden soll: hat die Schutzkleidung eine spezifische
Schutzfunktion. Die Schutzkleidung ist
• thermische Einwirkung, Nässe, Wind, eine persönliche Schutzausrüstung, die
den Rumpf, die Arme und die Beine vor
• Stäube, Gase, heiße Dämpfe, schädigenden Einwirkungen bei der Arbeit
schützen soll.
• elektrische Energie,
Ob Schutz- oder Arbeitskleidung eingesetzt
• Flammen, Funken, werden muss, ergibt sich in der Regel aus
der Gefährdungsbeurteilung. Ob die Gefahr
• chemische Stoffe, Mikroorganismen, eines Störlichtbogens erheblich oder nur
gering vorhanden ist, kann beispielsweise
• Gefährdung durch den Fahrzeugverkehr durch die Art der angewendeten Arbeitsme-
und thode beantwortet werden.

• Kontamination mit radioaktiven Stoffen. Natürlich kann die Schutzwirkung der


Schutzausrüstung nur wirksam werden,
Entsprechend der Vielzahl der Gefährdun- wenn sie auch korrekt getragen
gen gibt es ein breites Spektrum an persön- wird. Viele schwere Lichtbogenunfälle mit
licher Schutzausrüstung, die der Unter- schlimmen Verbrennungen sind darauf
nehmer seinen Mitarbeitern zur Verfügung zurückzuführen, dass die Schutzkleidung
stellt (§ 29, DGUV Vorschrift 1 (BGV A1)). nicht getragen oder z. B. die Jacke nicht
vollständig geschlossen wurde.

49
8. Persönliche Schutzausrüstung

Arbeitskleidung vor ... und nach Lichtbogeneinwirkung

Die thermische Schutzwirkung eines Mate- energie und in einem möglichst schnellen
rials besteht einerseits in der Isolation des Verlöschen der während der Beflammung
Trägers vor der einwirkenden Wärme- in Brand geratenen Textilien. Schutz-

50
8. Persönliche Schutzausrüstung

kleidung gegen Kontakt mit Flammen Eine Unterstützung bei der Auswahl der
besteht aus einem Material, das bei einer Persönlichen Schutzausrüstung bei Arbei-
kurzzeitigen Flammeneinwirkung nicht ten an elektrischen Anlagen gibt die DGUV
entflammt und das in Verbindung mit der Information 203-077 (BGI/GUVI 5188).
Konstruktion der Anzüge eine Tragedauer
von mindestens einer Arbeitsschicht ohne 8.2 Persönliche Schutzausrüstung gegen
Unterbrechung erlaubt. Diese Eigenschaft Absturz (PSAgA)
des „Schwerentflammens“ kann mit
flammhemmend ausgerüsteten Textilien Arbeiten auf Dächern und Masten bergen
oder besser noch mit Textilien aus beson- ein hohes Unfallrisiko. Das liegt nicht nur
deren Chemiefasern erreicht werden. Zur im „Absturz“ begründet, sondern gerade
Ausführung kommt üblicherweise eine bei Arbeiten auf Dächern im „Durchsturz“
Kombination aus Bundhose oder Latzhose durch nicht tragende Dachflächen wie
und einer Jacke. Wellplatten oder Lichtkuppeln. Vor allem
Beim Auftreffen eines Störlichtbogens auf die Wellplatten vermitteln aufgrund der ge-
einen Schutzanzug entsteht eine Pyrolyse: schlossenen Dachfläche den trügerischen
Das Gewebe „zerfällt“ in die Bestandteile Eindruck eines tragfähigen Untergrundes.
brennbare Gase, nichtbrennbare Gase, Zu Durchstürzen durch Kuppeln oder
Wasser und Kohlenstoffverbindungen. Bei Lichtbänder kommt es vor allem, weil ihre
schwer entflammbarer Baumwolle macht Tragkraft falsch eingeschätzt wird oder die-
die verbleibende Kohlenstoffschicht etwa se, durch Schmutz oder Schnee bedeckt,
40% des ursprünglichen Gewebegewichts nicht zu erkennen sind. Bei allen Arbeiten
aus. Die Kohlenstoffschicht ist gerüststabil, mit Absturzgefahr gilt es, die erforderlichen
wirkt als Hitzebarriere und schützt so den Schutzmaßnahmen richtig zu organisie-
Menschen im Schutzanzug; erst nach dem ren. Dies schließt erforderlichenfalls die
Erkalten bricht die Kohlenstoffschicht auf Auswahl der entsprechenden PSAgA ein.
und es bilden sich Löcher. Selbstverständlich dürfen solche Arbeiten
nur von höhentauglichen Personen ausge-
Schutzkleidung bei Arbeiten an unter Span- führt werden. Ob der Mitarbeiter für diese
nung stehenden Teilen dient zum Schutz Tätigkeiten geeignet ist, muss vor Auf-
gegen elektrische Körperdurchströmung nahme der „Arbeiten mit Absturzgefahr“
und teilweise auch gegen Einwirkung eines ermittelt werden.
Störlichtbogens. Hierfür galten und gelten
verschiedene VDE-Bestimmungen der Als Persönliche Schutzausrüstung ge-
Reihen 0680 und 0682. gen Absturz kommen Auffanggurte mit

51
8. Persönliche Schutzausrüstung

entsprechenden Verbindungsmitteln in
Frage. Sie bilden zusammen mit einem
ausreichend tragfähigen Anschlagpunkt
ein Auffangsystem. Bei einem Sturz in das
Auffangsystem werden die auftretenden
Kräfte über den Auffanggurt auf lastauf-
nahmefähige Körperteile übertragen,
wobei die Person in einer aufrechten Lage
gehalten wird. Unzulässig hohe Kräfte
werden durch ein falldämpfendes Element
absorbiert.

Da die PSAgA vor tödlichen Gefahren


schützen soll, muss dem Mitarbeiter die
bestimmungsgemäße Verwendung gemäß
Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vor-
schrift 1 (BGV A1) § 31 durch besondere
Unterweisung vermittelt und die bestim- Auffanggurt nach DIN EN 361 mit Verbindungs-
mungsgemäße Benutzung durch praktische mittel und Falldämpfer
Übungen sichergestellt werden. Mindestens einmal jährlich muss die
PSAgA durch einen Sachkundigen geprüft
Die Mitarbeiter müssen danach in der Lage werden. Auffanggurte sind in der Regel
sein, die Sichtkontrolle vor jeder Benut- spätestens nach 6 – 8 Jahren (auch bei
zung durchzuführen, um Schäden zu erken- Nicht-Benutzung) ablegereif (der Nutzung
nen, die die PSAgA unbrauchbar machen. zu entziehen); Seile und Bänder sind in
der Regel spätestens nach 4 – 6 Jahren
Es hat sich bewährt, gerade die Angaben ablegereif, d. h. sie dürfen nicht mehr
zur Benutzung, Reinigung, Pflege und verwendet werden. Diese Angaben können
Aufbewahrung für die Benutzer übersicht- den Herstellerinformationen entnommen
lich strukturiert in Form einer Betriebsan- werden.
weisung zusammen zu fassen und anhand
dieser die Unterweisung/Übung durchzu- Die PSAgA kann einen Absturz nicht ver-
führen. hindern, jedoch die Verletzungsschwere
mindern. Damit ist es unerlässlich, Maß-
nahmen für einen Notfall bereits vor der

52
8. Persönliche Schutzausrüstung

Benutzung von PSAgA festzulegen. in einem Auffanggurt zu einem Zusammen-


So kann in dem einen Fall der Einsatz einer bruch des Kreislaufes. Es ist mit schweren
Hubarbeitsbühne zur Rettung möglich gesundheitlichen Schäden zu rechnen.
sein, z. B. beim freien Hängen in der PSAgA
in einer Halle, und im anderen Fall der
Einsatz eines Rettungshubgerätes nach
einem Sturz in eine Steigleiter erforderlich
sein. In allen Fällen ist zu bedenken, dass
Personen nach einem Sturz in die PSAgA
schnellstmöglich aus dieser Notlage zu ret-
ten sind, denn je nach Konstitution des Be-
troffenen ist bereits nach einer „Hängezeit“
von 10 bis 30 Minuten die Möglichkeit des
Eintretens eines Hängetraumas (Orthosta-
tischer Schock) gegeben. Dieser Schockzu-
stand kann den Tod zur Folge haben. Somit
ist eine Planung der Notfallmaßnahmen
und die praktische Rettungsübung vor dem
Einsatz unerlässlich.

Verhalten bei einem Unfall nach einem


Sturz in das Auffangsystem

Nach einem Sturz in das Auffangsystem


muss sichergestellt sein, dass der Mitarbei-
ter möglichst schnell aus dieser Situation
befreit wird.

Das Absetzen eines Notrufes mit dem


Hinweis auf einen Absturzunfall ist vor der
Ergreifung weiterer Notfall- und Rettungs-
maßnahmen erforderlich.

Ein Sturz in das Auffangsystem führt mög-


licherweise bereits nach kurzer Hängezeit Abseilgerät

53
8. Persönliche Schutzausrüstung

Die geplanten und geübten Rettungsmaß-


nahmen sind unverzüglich einzuleiten.
Der in das Auffangsystem gestürzte und im
Auffanggurt hängende Mitarbeiter kann je
nach festgelegter Rettungsmaßnahme z.
B. mittels eines auf dem Servicefahrzeug
mitgeführten und an der Arbeitsstelle be-
reitgehaltenen Rettungshub- und Abseilge-
rätes aus dieser Situation befreit werden.
Dabei erfolgt die Rettung üblicherweise in
Richtung der Schwerkraft.

Nach der Rettung ist auch ohne Anzeichen Kauerstellung


auf eine größere Verletzung der bei Be-
wusstsein befindliche Mitarbeiter für min- 8.3 Atemschutz
destens 20–30 Minuten in die sogenannte
„Kauerstellung“, eine Art Hockstellung, zu Bei Installationsarbeiten auf Baustellen
bringen. Der Auffanggurt darf nur langsam können gesundheitsschädliche Stäube
geöffnet werden und ein Überführen in eine entstehen, z. B. beim Mauernutfräsen, Do-
flache Lage darf nur allmählich geschehen, senlöcher bohren oder andere staubende
damit das in den Beinen versackte Blut nur Tätigkeiten (z. B. Arbeiten in abgehängten
langsam zurückströmen kann. Bei plötzli- Decken). Wichtig ist, die Staubbelastung
cher Flachlagerung besteht akute Lebens- so gering wie möglich zu halten. Deshalb
gefahr! Bei eingetretener Bewusstlosigkeit sollen nur aufeinander abgestimmte Bear-
ist der Verletzte in die stabile Seitenlage beitungssysteme eingesetzt werden.
mit stark überhöht gelagertem Oberkörper Treten hohe Staubbelastungen auf, müssen
zu bringen. Bei Herz-Kreislaufstillstand zusätzliche organisatorische und persönli-
sind Wiederbelebungsmaßnahmen durch- che Schutzmaßnahmen getroffen werden.
zuführen. Eine notärztliche Behandlung ist Den Beschäftigten ist dann mindestens
immer und schnellstmöglich erforderlich. eine partikelfiltrierende Halbmaske der
Klasse FFP2 zur Verfügung zu stellen. Diese
Eine herkömmliche Schocklagerung ist in ist von den Beschäftigten bei Staubarbeiten
beiden Fällen nicht anzuwenden! zu tragen. Detaillierte Informationen dazu
Selbstverständlich sind anderweitige Ver- befinden sich in der DGUV Regel 112-190
letzungen nicht außer acht zu lassen. (BGR/GUV-R 190) „Benutzung von Atem-

54
8. Persönliche Schutzausrüstung

Staubentwicklung beim Mauernutfräsen trotz Mauernutfräse mit Staubabsaugung


eingeschalteter Absaugung bedingt den Einsatz
von Atemschutz

schutzgeräten“ sowie in der Branchenrege- Benutzung von FFP3-Masken sind diese


lung „Staub bei Elektroinstallationsarbei- Untersuchungen verpflichtend.
ten“, (Bestell-Nr. S 032).

Zur Entscheidung, ob für die Mitarbeiter


eine Vorsorgeuntersuchung zu veranlassen
bzw. anzubieten ist, sollte arbeitsmedizini-
scher Rat eingeholt werden.

Weiterhin müssen arbeitsmedizinische


Vorsorgeuntersuchungen für Atemschutz
den Beschäftigten bei der Benutzung von
FFP2-Masken angeboten werden. Bei der

55
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen
auf Baustellen

Die Arbeit auf Baustellen ist geprägt von


Tätigkeiten mit hohem Unfallrisiko. Ver-
antwortungsvolles und gut ausgebildetes
Personal sind unter anderem Garanten
zur Vermeidung von Arbeitsunfällen. Die
Elektrofachkraft benötigt nicht nur Wissen
auf dem Gebiet der Elektrotechnik zur
sicheren Ausführung und Durchführung der
Arbeiten. Kenntnisse auf dem Gebiet der
Ladungssicherung, Absicherung der
Arbeitsstelle im Straßenverkehr, der Um-
gang mit Leitern und Gerüsten sowie der
Hubarbeitsbühne sind zwingend erforder-
lich. BG-Informationen und Unterweisungs- Absicherung einer Grube
hilfen können zur Vermittlung der Gefahren
und der notwendigen Anforderungen auf
Baustellen herangezogen werden. 9.1 Anschlusspunkte

Die Anforderungen an elektrische Anlagen Elektrische Betriebsmittel auf Bau- und


und Betriebsmittel auf Baustellen sind Montagestellen müssen von besonderen
aufgrund der Umgebungsbedingungen Anschlusspunkten aus versorgt werden.
besonders hoch. Es sind nur geprüfte Die detaillierten Bedingungen können der
elektrische Betriebsmittel einzusetzen. Zur DGUV Information 203-006 (BGI 608)
eigenen Sicherheit sollte jeder Mitarbeiter „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen
vor Inbetriebnahme eines elektrischen Be- und Betriebsmittel auf Bau- und Montage-
triebsmittels auf Baustellen eine Sichtkon- stellen“ entnommen werden.
trolle durchführen und prüfen, ob dieses
Betriebsmittel offensichtliche Mängel Fehlen ortsfeste Übergabepunkte, können
aufweist, durch die andere oder er selbst Stromerzeuger zur netzunabhängigen
gefährdet werden könnten. Stromversorgung von Bau- und Montage-
stellen diese Funktion übernehmen. Diese

56
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

sind so auszuwählen, dass Leistungsver- Gebäudeinstallation ist ohne Anwendung


mögen und Betriebseigenschaften den zu eines zusätzlichen Schutzes nicht zuläs-
erwartenden Anforderungen genügen. sig. Die Begründung liegt darin, dass der
Stromerzeuger müssen Schutzeinrichtun- Zustand der vorgelagerten elektrischen
gen enthalten, welche die Anlage auto- Anlage - also das Vorhandensein und die
matisch abschalten, wenn das Leistungs- Funktionsfähigkeit der erforderlichen
vermögen der Stromversorgungsanlage Schutzeinrichtungen - vom Anwender meist
überschritten wird. Je nach Bauart des nicht beurteilt werden kann.
Stromerzeugers sind vor dem Anschluss
elektrischer Verbrauchsmittel Schutzmaß- Als bewegliche Leitungen sind solche vom
nahmen nach DGUV Information 203-006 Typ H07RN-F oder H07BQ-F zu verwenden.
(BGI 608) und DGUV Information 203-032 An handgeführten Elektrowerkzeugen sind
(BGI 867) „Auswahl und Betrieb von Strom- als Anschlussleitungen mit einer Länge bis
erzeugern auf Bau- und Montagestellen“ zu 4 m Leitungen des Typs H05RN-F oder
anzuwenden. H05BQ-F zulässig, soweit in der Produkt-
norm nicht die Bauart H07RN-F vorgeschrie-
Der direkte Anschluss von elektrischen ben ist.
Verbrauchsmitteln an Steckdosen einer

Baustromverteilerschrank Schutzverteiler

57
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

9.2 Werkzeug von Werkzeug nicht verdreht oder gelockert


werden können.
Für die sichere Durchführung der Arbeiten
ist einwandfreies Werkzeug erforderlich. Häufig wird vorschriftswidrig das Schutz-
Schraubendreher und -schlüssel müssen glas entfernt, damit zur Verbesserung der
zu den Schrauben und Muttern passen. Lichtverhältnisse eine größere Lampe
Meißel sind stets rechtzeitig von Grat zu eingesetzt werden kann. Um dies zu ver-
befreien. Hammerkopf und -stiel müssen hindern, sollte eine Leuchte von vornherein
gut miteinander verkeilt sein. ausreichend hell dimensioniert sein.

Auch die Ordnung am Arbeitsplatz und in Wenn in Sonderfällen so genannte Breit-


der Werkzeugtasche oder im Werkzeug- strahler verwendet werden, so dürfen diese
kasten ist für die Arbeitssicherheit wichtig. nur senkrecht hängend, außerhalb des
Immer wieder kommt es zu Quetschungen, Handbereichs eingesetzt werden und nicht
Schnitt- oder Stichverletzungen, weil Werk- etwa als Handleuchte oder als am Boden
zeug schlecht sortiert aufbewahrt wird. liegende Lichtquelle. Besser sind hier die
für den rauen Betrieb konzipierten speziel-
Schraubendreher, Meißel, offene Mes- len Baustellenleuchten.
ser usw. solten nicht in den Taschen des
Arbeitsanzugs verwahrt werden, wo sie zu
schweren Verletzungen führen können.

9.3 Leuchten

Oftmals müssen zur Verbesserung der


Lichtverhältnisse am Einsatzort zusätzlich
Leuchten verwendet werden. In der Elektro-
installationsbranche werden häufig Hand-
leuchten eingesetzt. Handleuchten müssen
schutzisoliert sowie strahlwassergeschützt
bzw. wasserdicht ausgeführt sein. Sie müs-
sen ein Schutzglas sowie einen Schutzkorb
besitzen. Der Schutzkorb mit vorhandenem Baustellengeeignete Handleuchte in K2-Aus-
Aufhängehaken darf nur an der Isolierhülle führung (siehe DGUV Information 203-005
befestigt sein; er darf ohne Anwendung (BGI 600))

58
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

Weitere Hinweise können der DGUV


Information 203-006 (BGI 608) „Auswahl
und Betrieb elektrischer Anlagen und Be-
triebsmitttel auf Bau-und Montagestellen“
entnommen werden.

9.4 Bolzensetzwerkzeuge

Bolzensetzwerkzeuge sind Werkzeuge, mit


denen Setzbolzen mittels Treibladungen in
feste Körper eingetrieben werden; sie ge-
hören zu den Schussapparaten für gewerb-
liche Zwecke und sind nach dem Waffen-
gesetz vom 19. September 1972 „tragbare
Geräte, die für gewerbliche oder technische
Zwecke bestimmt sind und bei denen zum
Antrieb Munition verwendet wird“ .

Als Bolzensetzwerkzeuge gelten sowohl


Bolzentreibwerkzeuge als auch Bolzen-
schubwerkzeuge.

Übersicht über Schutzarten

Zulassungszeichen/Prüfzeichen Bolzensetzwerkzeug mit PTB- und Prüfzeichen

59
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

Bei Bolzenschubwerkzeugen wird der Setz- werden; dies gilt nicht, soweit die Berufs-
bolzen (Schubbolzen) mit einer Mündungs- ausbildung eines Jugendlichen über 16
geschwindigkeit von max. 100 m/s bzw. Jahre die Beschäftigung erfordert und der
einer Mündungsgeschwindigkeit bis max. Jugendliche unter Aufsicht einer fachlich
160 m/s und einer Auftreffenergie < 420 J geeigneten Person beschäftigt wird.
eingetrieben. Die Pulvergase wirken hier Bolzensetzwerkzeuge müssen mit ihrer
ohne zwischengeschalteten Kolben direkt gesamten Ausrüstung und der zugehöri-
auf den Setzbolzen. gen Munition so aufbewahrt werden, dass
Unbefugte sie nicht benutzen können.
Bolzentreibwerkzeuge sind daran zu er-
kennen, dass man durch den Lauf blicken Für den Einsatz der Geräte ist ein stand-
kann. Bolzentreibwerkzeuge dürfen gemäß sicherer Arbeitsplatz erforderlich. Das
§ 4 DGUV Vorschrift 56 (BGV D9) nicht gilt vor allem für Arbeiten auf Leitern und
mehr verwendet werden. Gerüsten.

Bolzensetzwerkzeuge müssen zugelassen Es dürfen nur für das Gerät zugelassene


sein – zu erkennen an dem PTB-Zeichen Setzbolzen verwendet werden, wobei zu
– und müssen jeweils nach Ablauf von beachten ist, dass die Eintreibstelle aus
zwei Jahren, bei wesentlichen Funktions- weicherem Material als die Bolzen beste-
mängeln unverzüglich, dem Hersteller oder hen muss. Letzteres ist dann der Fall, wenn
dessen Beauftragten zur Prüfung vorgelegt sich das Material mit dem Bolzen ritzen
werden. Nach erfolgter Prüfung erhält das lässt, ohne dessen Spitze zu beschädigen.
Gerät eine Prüfplakette. Die innen liegende
Zahl gibt das Jahr und die äußere, zum Lauf Bolzen dürfen nur in einen hierfür geeigne-
hin liegende Zahl das Quartal der letzten ten Werkstoff an einer hierfür geeigneten
Prüfung an. Stelle gesetzt werden. (Ungeeignet sind
z. B. Bauteile aus Leichtbaustoff.)
Bolzensetzwerkzeuge dürfen nur von zuver-
lässigen und umsichtigen Personen selb- Bei jeder Handhabung ist wie bei jeder
ständig benutzt werden, die dem Unterneh- Waffe der Lauf stets schräg nach unten und
mer nachgewiesen haben, dass sie mit der vom Körper weg zu halten.
Handhabung des Gerätes vertraut sind. Geladene Geräte dürfen nicht aus der Hand
gelegt werden. Kann ein geladenes Gerät
Jugendliche dürfen mit der Bedienung nicht sofort ausgelöst werden, muss es
und Wartung der Geräte nicht beschäftigt wieder entladen werden.

60
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

Die kleinste Verpackungseinheit muss ei- • Matten zur Isolierung des Standortes.
nen Hinweis auf den Stärkegrad der Ladung Mindestgröße 1 m x 1 m, Mindestdicke
enthalten. Es gilt folgende Farbkennzeich- 2,5 mm (bei profilierten Matten kann bis
nung: zu 30% auf die Profilierung entfallen).
• Abdecktücher für die Abdeckung von
Schwarz stärkste Ladung Anlagenteilen. Sie müssen geschmeidig
Rot sehr starke Ladung und knickfest sein. Mindestdicke
Blau starke Ladung 0,5 mm. Zum Abdecken von Leitungen
Gelb mittlere Ladung empfehlen sich Kunststofftücher und
Grün schwache Ladung Klettverschluss.
Weiß schwächste Ladung

Gerätebenutzer und Helfer müssen ihren


Standort so wählen, dass sie vor abpral-
lenden Bolzen oder abspringenden Teilen
von Bolzen und Werkstoffen bestmöglich
geschützt sind. Auch muss beachtet
werden, dass eine Gefährdung hinter der
Eintreibstelle bestehen kann.

9.5 Isolierende Schutzvorrichtungen

Hierzu zählen Geräte und Vorrichtungen


aus Isolierstoff – Gummi oder Kunststoff –
oder aus Werkstoff mit Isolierstoffüberzug,
z. B.:

Isolierstoffkappen zum Abdecken von Isolatoren


PVC-Rohrabdeckung zum Abdecken von und Profilstücke aus Weichgummi zum Abdecken
Freileitungen von Freileitungen

61
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

Faltabdeckung Befestigungsklammer

• Umhüllungen und Formstücke, z. B. • Klammern zum Befestigen von Ab-


Isolierstoffkappen für die Abdeckung von deckungen. Sie müssen mit Ausnahme
Isolatoren. Sie müssen so fest aufsitzen, eventuell vorhandener Federn aus
dass sie auch bei zufälligem Anstoßen Isolierstoff bestehen. Metallfedern
nicht herunterfallen; Mindestdicke 1 mm. müssen entweder isoliert, zuverlässig
• Faltabdeckungen. Hierunter werden mit Isolierstoff abgedeckt oder so in die
Isolierende Schutzvorrichtungen mit Klammern eingebaut sein, dass an den
veränderlicher Abdeckbreite verstanden. Außenseiten keine Metallteile berührbar
Sie eignen sich gut zum Abdecken von sind. Die Federn müssen gegen unbeab-
Niederspannungs-Sicherungsleisten. sichtigtes Lösen gesichert sein.
Maximale Abdeckbreite 800 mm. Dicke
des Frontabdeckmaterials mind. 0,25
mm. Dicke der Seitenabdeckungen
mind. 2,5 mm.

62
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

Isolierte Werkzeuge 9.6 Flüssiggas

Hierzu zählen Zum Löten, Erwärmen von Vergussmasse,


Montieren von Schrumpfmuffen usw. wer-
• Schraubwerkzeuge und Gegenhalter, den fast ausschließlich Flüssiggase – in der
• Zangen, Regel Propan, Butan – verwendet.
• Kabelscheren, Flüssiggas benötigt zum Verdampfen Wär-
• Kabelschneider, me. Sie wird der Umgebungsluft „entnom-
• Kabelmesser. men“. Der hierfür maßgebliche Siedepunkt
des Flüssiggases gibt an, bei welcher
Es wird unterschieden zwischen voll- und Temperatur der Übergang von der flüssigen
teilisolierten Werkzeugen. in die Gasphase beginnt. (Der Siedepunkt
beträgt bei Butan –1 °C und bei Propan
• Vollisolierte Werkzeuge –42 °C.) Wenn Flüssiggasflaschen kälter
Das sind Werkzeuge aus leitfähigem als der Siedepunkt des Flüssiggases sind,
Werkstoff mit Isolierstoffüberzug. Hierbei geben sie somit kein Gas mehr ab. Solche
darf bei Ringschlüsseln nur die Stirnflä- Flaschen werden dann häufig als leer
che, bei Steckschlüsseln nur die Auflage- angesehen, obwohl sie noch Flüssiggas
flächen und bei den übrigen Werkzeugen enthalten. Werden diese Flaschen jedoch
nur der unmittelbar auf das zu bearbei- in Räume gebracht, deren Temperatur über
tende Werkstück einwirkende Teil ohne dem Siedepunkt des Flüssiggases liegt,
Isolierung sein, z. B. die Schneide beim kann wieder eine Verdampfung erfolgen.
Schraubendreher. Deshalb auch angeblich leere Flaschen
stets ordnungsgemäß schließen.
• Teilisolierte Werkzeuge
Das sind Werkzeuge, bei denen anwen- Flüssiggase sind schwerer als Luft und
dungsbedingt größere Flächen blank sammeln sich daher in Gruben oder ande-
sind (z. B. Kombizangen). Diese Werk- ren Vertiefungen an; sie haben einen wahr-
zeuge sind weniger sicher. Bevorzugen nehmbaren, aber leicht zu überdeckenden
Sie daher stets vollisoliertes Werkzeug, Geruch. Mit Luft bilden Flüssiggase ein
also Maul-, Ring- oder Steckschlüssel explosionsfähiges Gemisch, das bei einer
statt Kombizange. Entzündung zu schweren Unfällen führen
kann. Bei Propan z. B. wird bereits bei
einem Gasanteil von 2,1 Vol.-% in Luft die
untere Explosionsgrenze erreicht.

63
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

Flaschen mit Flüssiggas dürfen nicht an


Stellen unter Erdgleiche, z. B. in Kellerräu-
men, gelagert werden. Auch das Mitführen
von Flaschen mit mehr als 1 Liter Raumin-
halt – 0,425 kg Füllgewicht – an Montage-
stellen unter Erdgleiche ist in der Regel
unzulässig. Eine Ausnahme ist nur dann
gegeben, wenn ausreichende natürliche
oder technische Lüftung die Bildung
explosionsfähiger Atmosphäre verhindert
und die Flüssiggasanlage unter ständiger
Aufsicht unterwiesener Personen steht. Bei
längeren Arbeitspausen müssen die Versor-
gungsanlagen entfernt werden.

Bei Verwendung von Gasflaschen mit mehr


als 1 Liter Rauminhalt müssen zwischen
Gasflasche und Verbrauchsanlage Druck-
regelgeräte vorhanden sein, die den
Behälterdruck auf den Anschlussdruck der
Verbrauchsanlage herabsetzen. Flüssiggasflasche mit Verbrauchseinrichtung

Auf Baustellen müssen Verbrauchsanla-


gen, die mit Schläuchen von mehr als 0,4
m Länge betrieben werden, mit Leckgas-
sicherungen an die Versorgungsanlage
angeschlossen werden. Unter bestimmten
Bedingungen sind Ausnahmen möglich.

Gasflaschen sind vor stärkerer Hitzeeinwir-


kung zu schützen.

64
9. Werkzeuge, Geräte und Maschinen auf Baustellen

9.7 Heiße Vergussmasse

Unfälle durch heiße, flüssige Vergussmas-


sen lassen sich vermeiden, wenn geeignete
Massebehälter verwendet werden. Die
Behälter müssen einen Verschlussdeckel
haben, der auch die Ausgussöffnung
verschließt. Der Deckel verhindert das
Eindringen von Feuchtigkeit oder Fremdkör-
pern und verhütet Unfälle durch heraus-
spritzende heiße Masse. Wichtig ist auch,
dass der Behälter fest auf der Feuerstelle
steht, damit er nicht umkippen kann. Auch
beim Massegießen muss der Massebe-
hälter bis auf die Ausgießöffnung abge-
deckt sein. Massegießen

Beim Transportieren von Masseeimern


sind Handschuhe mit langen Stulpen und
beim Vergießen sowie beim Nachfüllen des
heißen Masseeimers zusätzlich Gesichts-
schutz zu tragen.

65
10. Brandbekämpfung

Durch technische und organisatorische Damit im Brandfall, der Brand effektiv


Maßnahmen können Brände verhindert bekämpft werden kann, sind die Mitar-
werden. Hierzu muss schon bei der Pla- beiter in der Handhabung der eingesetz-
nung von Gebäuden der Brandschutz ten Löschmittel zu unterweisen und zu
berücksichtigt werden, indem Brandab- trainieren (z. B. regelmäßige Brandschutz-
schnitte, Brandlasten und Fluchtwege übungen).
geplant werden. Wird ein Gebäude einer
anderen Nutzung zugeführt, so müssen Um die Brandausbreitung zu verhindern,
die Brandschutzkonzepte entsprechend sollte auf die folgenden Punkte geachtet
angepasst werden. werden:

Bei der Berechnung der erforderlichen • Sind die Kabelabschottungen fachge-


Anzahl der Feuerlöscher und der richtigen recht ausgeführt?
Aufstellorte sind die örtlichen Feuerwehren
in der Regel in die Planung mit einzubezie- • Wurden bei nachträglichen Installatio-
hen. nen die Kabelabschottungen fachgerecht
ergänzt?

• Können Türen von Brandabschnitten frei


zufallen oder sind sie blockiert?

• Sind alle Löscheinrichtungen leicht


erreichbar/zugängig und einsatzbereit?

• Wurden die Feuerlöscher regelmäßig


geprüft?

• Existiert ein Freigabeverfahren für


Feuerarbeiten (Arbeiten wie Schweißen,
Trennschleifen und Löten)?

Bei Arbeiten an elektrischen Anlagen sind


die Mitarbeiter häufig in Fremdbetrieben
eingesetzt. Hier ist es wichtig, sich vor
Aufnahme der Tätigkeiten über Notfallmaß-

66
10. Brandbekämpfung

nahmen zu informieren. Hierzu gehört auch


die Kenntnis über die Standorte von Lösch-
mitteln sowie die Kenntnis über Notfallruf-
nummern zum Einleiten der Rettungskette.

Zur Brandbekämpfung in unter Spannung


stehenden elektrischen Anlagen dürfen
nur hierfür zugelassene Feuerlöscher und
Feuerlöschmittel unter Einhaltung der er-
forderlichen Mindestabstände eingesetzt
werden. Zugelassen sind z. B. Feuerlöscher
mit BC-Löschpulver, Kohlendioxid (CO2)-
Löscher. Die einzuhaltenden Mindest-
abstände betragen bei Anwendung der
vorgenannten Löscherarten bei Nieder-
spannungsanlagen 1 m und bei Hochspan-
nungsanlagen bis 30 kV mindestens 3 m. Broschüre DGUV Information 203-052
(BGI 8677) – Elektrische Gefahren an der Ein-
Bei Verwendung von Kohlendioxidlöschern satzstelle (Bestell-Nr. PU 005)
ist besondere Vorsicht in engen, schlecht
belüfteten Räumen geboten, denn es 3 m, bei Anwendung durch Elektrofach-
besteht Erstickungs- und Vergiftungsge- kräfte und elektrotechnisch unterwiese-
fahr. ne Personen oder unter deren Aufsicht
auch bis 2 m).
Zum Löschen von Maschinenbränden darf
kein Sand verwendet werden. Auch bei • Feuerlöschern mit ABC-Löschpulver (Ab-
brennenden Behältern hilft Sand im Allge- stand in Anlagen mit Nennspannungen
meinen nicht. bis 1000 V mindestens 1 m, mit Nenn-
spannungen über 1 kV nur in spannungs-
Ölbrände können bekämpft werden mit freien Anlagen).

• Feuerlöschern mit BC-Löschpulver (Ab- • Kohlendioxid-Löschgeräten (Abstände


stand in Anlagen mit Nennspannungen wie bei BC-Löschpulver).
bis 1000 V mindestens 1 m, mit Nenn-
spannungen über 1 bis 30 kV mindestens

67
10. Brandbekämpfung

• Luftschaum (Rohre nur in spannungs-


freien Anlagen; Feuerlöscher: Abstand in
Anlagen mit Nennspannungen bis 1000 V
mindestens 3 m, mit Nennspannungen
über 1 kV nur in spannungsfreien Anla-
gen).

Zu beachten: Löschpulver bilden auf der


Oberfläche von Isolatoren bei Feuchtig-
keit und Wärme leitfähige Beläge. Daher
Vorsicht in Freiluftanlagen.

Zum Löschen von brennender Kleidung an


Personen eignen sich insbesondere Was-
ser, Pulverlöscher, Kohlendioxidlöscher
und ganz besonders Löschdecken.

Beim Einsatz von Kohlendioxid muss aller-


dings vermieden werden, dass Kohlendi-
oxid auf die menschliche Haut aufgebracht
wird.

Einzelheiten für die Bekämpfung von


Bränden in elektrischen Anlagen und deren
Nähe enthält die VDE 0132.

Weitere Hinweise zur Brandbekämpfung


können der DGUV Information 203-052
(BGI 8677) „Elektrische Gefahren an der
Einsatzstelle“ (Bestell-Nr. PU 005) entnom-
men werden, www.bgetem.de,
Webcode 12201321.

68
11. Werkstatt

Wenn der Prüfstromkreis mit dem einspei-


senden Niederspannungsnetz galvanisch
verbunden ist, muss die Absicherung über
einen geeigneten RCD mit Bemessungs-
Differenzstrom ≤ 30 mA erfolgen. Vorzugs-
weise sollte die Einspeisung des Prüflings
über einen Trenntrafo erfolgen.

Auch Schleifböcke sind häufig anzutreffen.


Damit bei einem eventuellen Schleif-
scheibenbruch die Bruchstücke aufgefan-
gen werden, müssen die Schleifböcke mit
Schutzhauben ausgerüstet sein.

Da sich die Schleifscheiben beim Schleifen


Prüftafel abnutzen, müssen diese Schutzhauben
nachstellbar sein – der maximale Abstand
Viele Elektroinstallationsbetriebe verfügen Schutzhaube/Schleifscheibe beträgt 5 mm.
über eine mehr oder weniger große Werk- Die Nachstellbarkeit der Schutzhauben
statt. Auf was ist zu achten? kann z. B. durch eine zweiteilige klappbar
angeordnete Haube oder durch eine Blen-
In Werkstätten werden eigene wie fremde de oder auch durch eine Klappe erreicht
elektrische Geräte repariert. Da bei einer werden.
Reparatur das Gerät geöffnet werden muss,
besteht dann bei Prüfarbeiten die Möglich- Auch die Werkstückauflagen, die nicht ein-
keit des Berührens aktiver Teile. teilig U-förmig sein dürfen, müssen stets
dicht an die Schleifscheiben herangestellt
Daher muss der Reparaturplatz als Prüf- werden, damit beim Schleifen kleinerer
platz ohne zwangläufigen Berührungs- Gegenstände diese nicht in den Spalt zwi-
schutz gemäß DIN VDE 0104, Abschnitt 4.3, schen Auflage und Schleifscheibe gezogen
ausgeführt sein (siehe auch DGUV Informa- werden. Der Abstand Werkstückauflage/
tion 203-034 (BGI 891) „Errichten und Be- Schleifscheibe darf maximal 3 mm betra-
treiben von elektrischen Prüfanlagen“). Die gen.
Arbeitsfläche des Reparaturplatzes muss
aus nichtleitfähigem Werkstoff bestehen.

69
11. Werkstatt

Beim Aufspannen der Schleifscheiben


sind immer gleich große Spannflansche zu
verwenden, deren Mindestdurchmesser
bei geraden Schleifscheiben 1⁄3 des
Schleifscheibendurchmessers betragen
muss.

Vor dem Aufspannen der Schleifkörper


muss eine Klangprobe – einwandfreie
Schleifkörper geben beim leichten An-
schlagen einen klaren Klang – und nach
dem Aufspannen ein Probelauf von
mindestens 5 Minuten Dauer durchgeführt
werden. Dabei ist der Gefahrenbereich
abzusperren.
Handgeräte
Bei Schleifarbeiten müssen in der Regel
Schutzbrillen getragen werden.

Schleifbock mit Schutzhaube und Fenster aus


nichtsplitterndem Glas

70
12. Begriffe

• Aktive Teile sind Leiter und leitfähige Tei- stelle gehören Erforderlichenfalls kann
le der Betriebsmittel, die unter normalen diese Verantwortung teilweise auf ande-
Betriebsbedingungen unter Spannung re Personen übertragen werden.
stehen.
• Arbeiten an elektrischen Anlagen
• Abgeschlossene elektrische Betriebs- Unter diesen Begriff fallen alle Tätigkei-
stätten sind Räume oder Orte, die ten, die auf das Herstellen, Errichten,
ausschließlich zum Betrieb elektrischer Ändern und Instandsetzen elektrischer
Anlagen dienen und unter Verschluss Anlagen und Betriebsmittel ausgerichtet
gehalten werden. Der Verschluss darf nur sind. Unter den Begriff „Arbeiten“ fallen
von beauftragten Personen geöffnet wer- solche Tätigkeiten, die für die Sicherheit
den. Zutritt haben Elektrofachkräfte und und Funktion der Anlage oder des Be-
elektrotechnisch unterwiesene Perso- triebsmittels entscheidend sind und nicht
nen, Laien nur unter Beaufsichtigung von selten ohne vollständigen Berührungs-
Elektrofachkräften oder elektrotechnisch schutz durchgeführt werden müssen,
unterwiesenen Personen. Hierzu gehö- insbesondere bei dem Instandhalten
ren z. B. abgeschlossene Schalt- und und Reinigen elektrischer Anlagen und
Verteilungsanlagen, Transformatorenzel- Betriebsmittel. Arbeiten an elektrischen
len, Schaltzellen, Verteilungsanlagen in Anlagen sind grundsätzlich alle Tätigkei-
Blechgehäusen oder in anderen abge- ten, die ausschließlich von Elektrofach-
schlossenen Anlagen, Maststationen. kräften oder unter deren Leitung und
Aufsicht durchgeführt werden dürfen.
• Anlagenbetreiber ist der Unternehmer
oder eine von ihm beauftragte natürliche • Arbeitsverantwortlicher ist eine benan-
oder juristische Person, die die Unter- nte Person, die die unmittelbare Verant-
nehmerpflichten für den sicheren Betrieb wortung für die Durchführung der Arbeit
und den ordnungsgemäßen Zustand der übertragen wurde. Erforderlichenfalls
elektrischen Anlage wahrnimmt. kann diese Verantwortung teilweise auf
andere Personen übertragen werden.
• Anlagenverantwortlicher ist eine
benannte Person, die beauftragt ist, • Basisschutz, Schutz gegen direktes
während der Durchführung von Arbeiten Berühren (Schutz gegen elektrischen
die unmittelbare Verantwortung für den Schlag unter normalen Bedingungen)
Betrieb der elektrischen Anlage bzw. der sind alle Maßnahmen, die verhindern,
Anlagenteile zu tragen, die zur Arbeits- dass Personen aktive Teile berühren

71
12. Begriffe

oder bei Nennspannungen über 1 kV die entsprechen. An ihnen können Arbeits-


Gefahrenzone erreichen können. Dieser köpfe in Form von Werkzeugen, Ab-
Schutz ist an Anlagen mit Spannungen > schrankvorrichtungen oder Prüfgeräten
25 V AC oder 60 V DC sicherzustellen. angebracht werden (diese Arbeitsköpfe
brauchen im Unterschied zu Arbeits-
• Bedienen elektrischer Anlagen und köpfen von Betätigungsstangen nicht
Betriebsmittel ist dem Grundsatz nach überbrückungssicher zu sein).
jede Tätigkeit, die an Einstell-, Schalt-
und Steuerorganen durchgeführt wird, • Erdungsstangen sind von Hand zu benut-
z. B. Schalten eines Leistungsschalters, zende isolierende Stangen nach DIN VDE
Einschalten eines Lichtschalters, Ein- 0683-1 zum Heranführen der Anschließ-
stellen der Schaltzeit an einer Schaltuhr teile von Erdungs- und Kurzschließge-
in einer Schaltanlage. Dies sind somit räten an nicht unter Betriebsspannung
auch alle Tätigkeiten, die der regel- stehende Teile von Starkstromanlagen.
rechten betrieblichen Prozessführung
dienen. • Elektrische Anlagen bestehen aus elek-
trischen Betriebsmitteln zur Erzeugung,
• Befähigte Person ist eine qualifizierte Übertragung, Umwandlung, Verteilung
Person nach BetrSichV und TRBS, die mit und Anwendung elektrischer Energie.
Prüfaufgaben beauftragt wird. Dies schließt Energiequellen wie Batte-
rien, Kondensatoren und alle anderen
• Betätigungsstangen sind von Hand zu Quellen gespeicherter elektrischer
benutzende Geräte nach DIN VDE 0680-3 Energie ein.
oder DIN VDE 0681-1 zum Betätigen und
Prüfen unter Spannung stehender Teile. • Elektrische Betriebsmittel sind alle Ge-
Hierzu gehören u. a. genstände, die als Ganzes oder in einzel-
– bei Nennspannungen bis 1000 V Schalt- nen Teilen dem Anwenden elektrischer
stangen, Stromentnahmestangen, Energie dienen. Hierzu gehören z. B.
– bei Nennspannungen über 1 kV Schalt- Gegenstände zum Erzeugen, Fortleiten,
stangen, Spannungsprüfer, Siche- Verteilen, Speichern, Messen, Umsetzen
rungszangen. und Verbrauchen elektrischer Energie,
auch im Bereich der Fernmeldetechnik.
• Isolierstangen zur Verwendung in Den elektrischen Betriebsmitteln werden
Anlagen über 1 kV sind Stangen, deren gleichgesetzt Schutz- und Hilfsmittel,
Handhabe und Isolierteil DIN VDE 0681-1 soweit an diese Anforderungen hinsicht-

72
12. Begriffe

lich der elektrischen Sicherheit gestellt notwendigen Schutzeinrichtungen und


werden. Schutzmaßnahmen belehrt wurde.

• Elektrische Betriebsstätten sind Räume • Fehlerschutz, Schutz bei indirektem


oder Orte, die im Wesentlichen zum Berühren (Schutz gegen elektrischen
Betrieb elektrischer Anlagen dienen und Schlag unter Fehlerbedingungen) ist der
in der Regel nur von Elektrofachkräften Schutz von Personen vor Gefahren, die
oder elektrotechnisch unterwiesenen sich im Fehlerfall aus einer Berührung
Personen betreten werden. Hierzu ge- mit Körpern oder fremden leitfähigen
hören z. B. Schalträume, Schaltwarten, Teilen ergeben können. Dieser Schutz
Verteilungsanlagen in abgetrennten Räu- ist in Anlagen mit Spannungen > 50 VAC
men, abgetrennte elektrische Prüffelder oder 120 VDC gefordert.
und Laboratorien, Maschinenräume von
Kraftwerken und dergleichen. • Freischalten in Starkstromanlagen ist
das allseitige Abtrennen einer Anlage,
• Elektrofachkraft ist, wer auf Grund seiner eines Teils einer Anlage oder eines Be-
fachlichen Ausbildung, Kenntnisse triebsmittels von allen nicht geerdeten
und Erfahrungen sowie Kenntnisse der Leitern.
einschlägigen Bestimmungen die ihm
übertragenen Arbeiten beurteilen und • Gefahrenzone ist der in Abhängigkeit
mögliche Gefahren erkennen kann. von der Nennspannung begrenzte Be-
reich um unter Spannung stehende Teile,
• Elektrotechnische Arbeiten sind in dem beim Eindringen ohne Schutz-
Arbeiten an, mit oder in der Nähe einer maßnahme der zur Vermeidung einer
elektrischen Anlage, z. B. Errichten, Gefahr erforderliche Isolationspegel
Inbetriebnehmen, Instandhalten, Prüfen, nicht sichergestellt ist. Bei Spannungen
Erproben, Messen, Auswechseln, Ändern bis 1000 V gilt die Oberfläche des unter
und Erweitern. Spannung stehenden Teils als Grenze
der Gefahrenzone.
• Elektrotechnisch unterwiesene Person
ist, wer durch eine Elektrofachkraft über • Isolierte Werkzeuge sind Werkzeuge
die ihr übertragenen Aufgaben und die nach DIN VDE 0680-2.
möglichen Gefahren bei unsachgemä-
ßem Verhalten unterrichtet und erfor- • Ortsfeste elektrische Betriebsmittel sind
derlichenfalls angelernt sowie über die fest angebrachte Betriebsmittel oder Be-

73
12. Begriffe

triebsmittel, die keine Tragevorrichtung


haben und deren Masse so groß ist,
dass sie nicht leicht bewegt werden
können. Dazu gehören auch elektrische
Betriebsmittel, die vorübergehend fest
angebracht sind und über bewegliche
Anschlussleitungen betrieben werden
(siehe auch DIN VDE 0100–200).

• Ortsveränderliche elektrische Betriebs-


mittel sind solche, die während des
Betriebes bewegt werden oder die leicht
von einem Platz zum anderen gebracht
werden können, während sie an den Ver-
sorgungsstromkreis angeschlossen sind
(siehe auch DIN VDE 0100–200).

• Schutzabstand ist die kürzeste Ent-


fernung zwischen unter Spannung
stehenden Teilen ohne Schutz gegen di-
rektes Berühren und Personen oder von
Personen gehandhabten Werkzeugen,
Geräten, Hilfsmitteln und Materialien,
die bei bestimmten Arbeiten nicht un-
terschritten werden darf. Die Maße sind
in Abhängigkeit von Spannungshöhe,
Tätigkeit und Personenkreis festgelegt.

• Verantwortliche Elektrofachkraft ist,


wer als Elektrofachkraft die Fach- und
Aufsichtsverantwortung übernimmt und
vom Unternehmer dafür beauftragt ist
(DIN VDE 1000-10).

74
Berufsgenossenschaft
Energie Textil Elektro
Medienerzeugnisse

Gustav-Heinemann-Ufer 130
50968 Köln
Telefon 0221 3778-0
Telefax 0221 3778-1199
E-Mail info@bgetem.de
www.bgetem.de

Bestell-Nr. MB 006

12 · 10 (64) · 10 · 15 · 5 – Alle Rechte beim Herausgeber


Gedruckt auf Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft
Bilder: BG ETEM, V. u. U. Strasse für BG ETEM,
Pfalzwerke AG, Bosch Elektrowerkzeuge,
Leinfelden, ELSPRO

Das könnte Ihnen auch gefallen