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WEG ZUR

JAKOB

WIEDERGEBURT
LORBER

VERHALTENSREGELN
DER KÜRZESTE WEG
WINKE I + II
VOM BETEN
DURCH LEHRE UND ÜBUNG.
EINSWERDUNG
WAS UND WER IST BEKEHRT
UNRECHT TRAGEN
VATERBRIEF

PDF ERSTELLT VON ANDRE RADEMACHER


Inhalt

Der Weg zur Wiedergeburt


Verhaltensregeln 4
15. August 1840,abends.

Der Weg zur Wiedergeburt. 9


Fortsetzung am 18. August 1840.

Das aber ist der kürzeste Weg zur Wiedergeburt. 15

Stellung zur Kirche. 17


20. August 1840

Winke zur Wiedergeburt I. 21


(Bezieht sich auf § 309 in Nr. 4)

Winke Zur Wiedergeburt II. 22


G.E.W. 22. März 1893

Weg zur Wiedergeburt und vom Beten. 31


J.K.F. 21 April 1893

Geistige Wiedergeburt durch Lehre und Übung. 32


Der Saturn

Weg zur Wiedergeburt und Einswerdung mit Gott. 35


Der Saturn

Was und Wer ist bekehrt? 38

Unrecht tragen - der Weg der Gotteskinder. 40

Vaterbrief Nr. 441 42


VERHALTENSREGELN

DER WEG ZUR WIEDERGEBURT

VERHALTENSREGELN.

15. August 1840, abends.

[HiG.03_40.08.15,01] Hier gebe Ich euch ganz kurze Verhaltungsregeln, welche genau und wohl
zu beachten sind, so ihr wollt sicher vor allen Nachstellungen der Welt sein und auch den kür-
zesten Weg einschlagen, um baldmöglichst zum Besitz Meiner Gnade und daraus zur völligen
Wiedergeburt zu gelangen. Diese Regeln aber sind geordnet folgende:

[HiG.03_40.08.15,02] Erstens muß jedweder was immer für ein politisches Gesetz seinem gan-
zen äußeren Wesen nach aufs genaueste befolgen und sich jeden prüfenden Druck wohl gefallen
lassen; denn es besteht nirgends eine Macht als nur in Mir und durch Mich. Alles ist Mir un-
tertan entweder (selten) bewußt oder (meistens) unbewußt; denn da herrschen gute und harte
Fürsten je nach dem Verhältnisse des Lebens der Untertanen, denn das alles hängt von Mir ab.
Wenn aber irgend unter dem Volke alle Laster noch gang und gäbe sind, wie bei euch im hoch-
verdammlichen Grade es der Fall ist, wie sollte Ich euch uneigennützige Regenten geben, welche
noch mehr Hurenfutter unters Volk kommen ließen, damit die Menschen dann völlig ersöffen in
aller Unzucht? Wehe daher jedem Aufwiegler; der soll nicht nur alsogleich mit dem zeitlichen,
sondern auch mit dem ewigen Tode bestraft werden.

[HiG.03_40.08.15,03] Denn Herrscher stehen zu hoch, als daß sie aus sich sein könnten, was sie
sind dem Volke; und da ist keiner etwas ohne Meinen gerechten Willen, und es ist der gute und
sanfte ein Trost und der harte und habsüchtige eine gerechte Geißel in Meiner Hand. Wer ihm
widerstrebt, der setzet sich wider Meine Geißel und wird hart löcken gegen den Stachel. Jedoch
wer da lebt in Meiner Liebe und daraus fließenden Gnade, dessen Rücken wird nie unter den
scharfen Hieben Meiner Geißel bluten, sondern er wird erstarken wie eine Eiche unter dem har-
ten Wehen der stürmenden Winde. Wohl aber dem reinen Wiedergebornen; denn der wird eine
große Wonne finden in den großen Ausflüssen Meiner Liebe.

[HiG.03_40.08.15,04] Mein Reich ist nicht von dieser Welt, daher gebet dem Kaiser, was sein
ist, und Mir, was Mein ist – nämlich euer Herz in gehorsamer, reiner Demut. Um alles übrige
kümmert euch nicht, denn Ich euer Vater bin ja mitten unter euch. Daher seid gehorsam eurem
Fürsten; nehmet willig ohne Murren das leichte Kreuz auf eure Schultern und folget, euch selbst
verleugnend, in aller Liebe und Sanftmut Mir nach, so werdet ihr leben und lebendig machen in
Meiner Gnade, was ihr nur immer anblicken werdet in Meinem Namen Amen. –

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WIEDERGEBURT

[HiG.03_40.08.15,05] Zweitens: Was die äußere herrschende Kirche betrifft, so steht jeder ihr
einverleibte Glaubensuntertan in den nämlichen Verhältnissen zu ihr, solange er ihres äußeren
Glaubens hinsichtlich aller ihrer Anordnungen ist, wie die Untertanen zu ihrem Fürsten, nur
mit dem Unterschiede, daß eine Desertion nicht wie im Staate sträflich, sondern straflos zu tole-
rieren ist. Jedoch aber setze Ich hinzu, daß Ich den mit zornigen Augen ansehen werde, welcher
seine irdische Glaubensmutter verlassen wird, und es soll ihm dereinst nicht viel besser ergehen
als einem wahnsinnigen Selbstmörder. Denn da ihr einen Leib habet, durch welchen die ersten
Eindrücke zur Seele gelangen und dieselbe nähren, so muß es ja auch eine äußere Speisekammer
geben, was die äußere Kirche ist, damit durch dieselbe euer böser Leib durchgebrochen und be-
arbeitet werde gleich einem Kinde im Mutterleibe. Wer nun seinen Mutterleib aber zu früh ver-
läßt, saget, was wird oder was kann aus einem solchen werden? – Gehorsam und Demut ist die
Nahrung der Seele zur Wiedergeburt des Geistes. So euch aber die Römische solches lehrt und
das ganz vorzüglich, was treibt euch dann weg von eures Leibes Glaubensmutter? –

[HiG.03_40.08.15,06] So bleibe denn ein jeder getreu seiner Kirche, und sei Mir ein Römischer
99 mal gesegnet, so er entspricht im Gehorsame seiner Kirche, und jeder andere nur einmal, da
er ein eigenliebiger Rechtler ist, da keine Demut und ganz entsetzlich wenig Liebe herausschaut.
Wahrlich sage Ich euch, es wird nicht leicht jemand zu Meinem lebendigen Worte gelangen in
irgendeiner Sekte, als nur in der römischen Kirche, allda Gehorsam und die äußerste Demut über
Hals und Kopf nach Meinem Willen gepredigt wird. Was aber die Zeremonien in ihr betrifft, so
soll sich niemand daran stoßen; denn da ist für den Lebendigen alles lebendig, für den Reinen
alles rein, dem Gehorsamen alles recht und dem Demütigen alles geheiligt. Nur eine Sau wälzt
sich im Schlamme und sucht Lebensluft im eigenen Kote wühlend. Und so wird der Tote alles tot
finden und voll Schmutzes, während der Reine mit ganz anderen Augen schauet.

[HiG.03_40.08.15,07] Wie kann aber jemand rechten über die Verhältnisse der Kirche und des
Staates, der in Meinem Lichte sich zu sein wähnt? Meint er denn, daß Ich nicht so viel Einsicht
und Macht habe, Verhältnisse zu ändern, so sie nicht zusagen möchten Meinem Willen? O sol-
che Richter stehen tief unter einem auch nur schwachen Gläubigen, so sie meinen, daß Ich ihres
richterlichen Beistandes benötigte! – Wahrlich sage Ich euch, solche Dinge sind Mir ein Greuel.
Denn da geschieht alles zur rechten Zeit, und Ich allein bin der Richter aller Dinge und Verhält-
nisse, denn Ich allein bin heilig und liebegerecht, – ihr alle aber seid Lügner und voll Hurerei. Da-
her folget eurer Kirche in ihrem Begehren, und lasset eure Herzen von Mir ziehen, dann werdet
ihr sehr bald zum Leben der Gnade und dadurch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen und
eure äußere Kirche beleben in eurem Leibe amen.

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VERHALTENSREGELN

[HiG.03_40.08.15,08] Drittens: Was die Zeremonie betrifft, so liegt an dieser weder etwas Bese-
ligendes, noch eben auch etwas gerade Tötendes. Da in der Welt alles unter einer gewissen Zere-
monie geschieht, was da ein Prozeß genannt wird, so kann auch die Kirche in ihrer Äußerlichkeit
ganz wohl Zeremonien haben. Nur soll niemand darinnen etwas Verdienstliches suchen, das da
tauge zum ewigen Leben, denn da hilft nichts als ein zerknirschtes demütiges Herz, voll von Mei-
ner Liebe und Gnade, – was dann die lebendige Kirche in euch ist, in und durch welche erst die
tote Kirche lebend und voll tiefen Sinnes wird – entweder so oder so, vom Tode erstehend oder
vom Leben in den Tod zurücksinkend. Das heißt: Ihr könnt entweder durch den Gehorsam in ihr
in die Demut und dadurch zur Gnade und durch die Gnade zur Wiedergeburt gelangen, oder ihr
könnt euch in die tote Zeremonie begraben gleich den Heiden und so zugrunde gehen in ihrem
eitlen, hilfelosen Geflimmer.

[HiG.03_40.08.15,09] Denn wie ein Baum wächst, Äste und Zweige treibt, dann Knospen, Blät-
ter, Blüte und in derselben weibliche und männliche Staubfäden, was mit der Zeit alles wegfällt
als wert- und nutzloses Zeug, damit die Frucht frei und wirksam gedeihe in aller Kraft ihrer
geordneten Wesenheit – das ist auch der Fall bei der zeremoniellen Kirche. Würde sich jemand
nun hermachen und alles zusammen essen, so würde er zugrunde gehen bei solch unreifer Kost;
sondern da ist nur die reife Frucht segnend genießbar, obschon nicht selten auch schon in der
Blüte sich öfter heilsame Kräfte bewähret haben, die euch in so manchen Krankheiten ganz gut
zustatten gekommen sind. – Nun seht, diese vegetativen Vorgänge sind gleich der toten Zere-
monie; aber müßt ihr nicht sagen: Sie sind der Ordnung wegen doch notwendig, denn wenn die
Bäume blütenleer stehen, wird wenig Frucht zum Vorschein kommen?

[HiG.03_40.08.15,10] Die jüdische Kirche war eine vorbildende, rein zeremonielle, als Blätter
und Blüte zur lebendigen Frucht des Wortes der ewigen Liebe. Nun frage Ich: War sie nicht recht,
wenn sie war, was sie hat sein müssen? Wenn euch Kinder gegeben werden, womit wollt oder
könnet ihr sie Mich und Meinen Willen besser als eben durch Hilfe der zeremoniellen Anschau-
ung erkennen lehren? –

[HiG.03_40.08.15,11] Ihr alle seid anfangs nichts als Juden und Kinder und bedürfet daher sehr
wohl kirchlicher Zeremonie, solange ihr noch Kinder seid, nur – was sich von selbst versteht –
hat es bei derselben nicht zu verbleiben; sondern wer die Elementarklasse durchgemacht hat,
der trete in eine höhere Klasse und lerne da lesen und schreiben und endlich rechnen in Meiner
Liebe und handeln in der Gnade Meiner Weisheit. Und dessen Herz liebend rein geworden ist,
der komme dann in Meine Schule, in der er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die
Wiedergeburt. Wer aber, sein Inneres unbeachtend, an der Zeremonie hängenbleibt, die an sich
tot ist, der wird selbst tot werden, da er so dumm finster war, in äußeren sinnlichen Mitteln den
Zweck zu suchen, was der größte Unsinn ist, ja ein Unsinn, der an die krasseste Tollheit grenzt.
Wenn jemand ein Kind samt dem Bade wegwirft, so ist er ein toller Narr; wer aber das Kind un-
beachtend verwirft und das Bad behält, der ist schon tot aus seiner abergläubischen Bosheit. Der
Weise aber behält das Kind mit der Wanne und schüttet nur das Bad weg – das Kind, da es eine
lebendige Frucht ist, und die Wanne, um das Kind noch öfter baden zu können.

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WIEDERGEBURT

[HiG.03_40.08.15,12] Daher, so ihr aber wollt wahre Kinder Meiner Liebe und Gnade werden,
so laßt euch nicht von der Blüte ärgern; denn sehe die Blüte aus, wie sie wolle, was kümmert euch
das? Denket an die Frucht, so wird euch auch die Blüte geheiligt erscheinen, da ihr wißt, daß es
bei den Blättern und der Blüte nicht zu verbleiben hat. Aber so jemand zur Frucht gediehen, so
fehlet er nicht, wenn er sich öfter umsieht und da die Werdung seines geistigen Lebens wohl ach-
tend durchgeht; wohl aber ist Mir der nicht angenehm, der, seine Kinderschuhe verachtend, sich
gleich einem Geier stolz erhebt und dann von schwindelnden Höhen mörderisch die bescheide-
nen Taubenhäuser anblickt und gierig auf deren Fall hinsieht, um dadurch etwas zu gewinnen!

[HiG.03_40.08.15,13] Denket, daß ohne Meine Zulassung nichts geschieht und ewig nichts ge-
schehen kann, so wird euch augenblicklich alles ganz anders vorkommen! Jeder Mensch hat zwar
die volle Freiheit seines Willens; aber die Führung der Völker ist Mein Werk. – Dieses habe Ich
euch gesagt, damit ihr volle Ruhe haben möget in eurem Herzen, ohne welche ihr zu nichts Hö-
herem tüchtig werden möget. Die Ruhe des Sabbats sei euch der höchste Segen; denn die wahre
Liebe ist ein schwangeres Weib, die Ruhe nötig hat in ihrer Entbindung! – Darum sage Ich euch
dieses, damit ihr die volle Ruhe habet in Mir, eurem Vater, der da allzeit heilig, heilig, heilig ist in
alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. –

[HiG.03_40.08.15,14] Viertens: Ein ferneres Verhältnis ist das Lesen der sogenannten verbote-
nen Bücher. Hier sage Ich nicht, ihr sollet sie gar nicht lesen, so sie euch in die Hände kommen,
sowenig Ich jemandem untersage, den Namen des Lügenfürsten auszusprechen und wo es not
tut, seiner warnend zu erwähnen. Aber nun fraget euch selbst, wozu euch all das schon Gelesene
dient! Was steht in den Büchern, die vom stolzen Menschenverstande herrühren? Ich sage euch,
nichts als Unsinn und über Hals und Kopf tolles Faselzeug, und hat kein nütze, sondern hat
euren Kopf angestopft mit allerlei Irrlicht und euer Herz mit allerlei Unrat und euch dadurch
vielfältig verschlossen und finster gemacht euren Geist. Oder saget: Tut der recht, wenn Ich ihm
zurufe: Komme zu Mir, so du mühselig und beladen bist, Ich will dich erquicken; bitte, so wird
es dir gegeben; suche, so wirst du es finden, und klopfe an, so wird dir aufgetan; wenn Ich ihm
noch ferner zurufe: Was du immer den Vater in Meinem Namen bitten wirst, wird Er dir geben
unverzüglich, und suche vor allem Mein Reich, alles andere wird dir eine freie Zugabe werden! –

[HiG.03_40.08.15,15] Wie ist‘s denn aber, so ihr dieses wisset und doch nicht zu Mir kommet,
damit ihr es von Mir empfangen möget und lernen von Mir die großen Wege Meiner Gnade
und das ewige Leben empfangen aus Meiner Hand, – es ist denn, daß ihr Mich, gleich euch, für
einen baren Lügner haltet, oder haltet Mich für so harthörig und hartherzig, euch zu geben Mein
lebendiges Wort, und lasset euch lieber von der Welt etwas vorlügen und verhungern in ihrer
Tollheit, als daß ihr im Vertrauen aus wahrer Liebe zu Mir kämet und empfinget da die Wahrheit
alles Lebens und Seins aus dem Urborne, statt zu suchen das Leben im Tode.

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VERHALTENSREGELN

O ihr Narren, Ich gebe euch das Brot des Lebens, und ihr wollt beißen in die harten toten Stei-
ne; Ich rufe euch laut zu, zu Mir zu kommen, und ihr rennet tollen Hunden nach und gebärdet
euch wie sie. Ich schreie über einen Nachtwächter euch Tag und Nacht eure Ohren voll, allein ihr
verleget euer Ohr mit ganzen Ballen von unratvollen Büchern, damit ihr ja von Meiner Stimme
nichts vernehmen möchtet, und suchet gleich Schlaftrunkenen das Leben auf den geschwärzten
geleimten Lumpen! Welcher Ausdruck sollte da wohl bezeichnen solche Narrheit? O Ich sage,
ihr werdet in Ewigkeit über eure Tollheit weinen, daß ihr, das Gold mißachtend, das Blei erwählt
habet, während euch so viel des Edlen geboten wird! – –

[HiG.03_40.08.15,16] Daher leset wenig, aber betet desto mehr, so werde Ich zu euch kommen
und euch in einer Minute mehr geben, als alle Bibliotheken der ganzen Welt aufzuweisen haben,
– wovon Ich euch schon hoffentlich so manche sehr stark sprechende Beweise gegeben habe.

[HiG.03_40.08.15,17] Bekümmert euch daher auch wenig über das Verbot der Bücherfreiheit;
denn vor dem Ich das große Buch Meiner ewigen Gnade aufgeschlagen habe, der wird das Lesen
verbotener Schriften ganz wohl entbehren können, da Mein Buch sich nach keiner Weltzensur
richtet; denn es wird allzeit im Herzen der Getreuen aufgeschlagen, wohin kein Weltzensorblick
zu dringen vermag und auch keine Schranken gezogen werden ewig Amen. –

[HiG.03_40.08.15,18] Fünftens: Was aber jedoch die Heilige Schrift betrifft, so soll darinnen le-
sen, der eines einfältigen Herzens ist und hat da ein gehorsames und folgsames Gemüt; und soll
es nicht lesen aus Vorwitz oder Neugierde, denn da wird er finden den Tod kleben am Buchsta-
ben, sondern der es liest, der soll es lesen als einen Wegweiser zum lebendigen Worte und danach
handeln – und soll auch nicht grübeln und forschen darinnen, sondern danach alsogleich leben
und in der Liebe zu Mir emporwachsen. Alsdann wird ihm zur rechten Zeit gegeben werden
die Erkenntnis und wird in seinem Herzen enthüllt werden des Geistes und des ewigen Lebens
himmlischer Sinn, gerade wie es bei dir, Meinem Knechte, der Fall ist, da du noch nie dieses hei-
lige Buch ganz durchgelesen hast und bist doch ein Professor der Professoren darinnen in jedem
Punkte desselben durch Meine Gnade geworden. Das aber, was du bist und verstehst, kann jedem
werden, so er nicht nach eitlem Wissen trachtet, sondern nur nach der Erkenntnis Meiner Liebe
und der daraus fließenden Gnade in und durch die fromme, demutvolle Einfalt seines Herzens.

[HiG.03_40.08.15,19] Ebenso verhält es sich auch mit jenen mystischen Schriften, deren Lesen
euch ebensowenig fruchtet und nützet, als irgendein dummer, eselhafter und saudreckvoller Ro-
man, der sich allzeit ganz wohl mit einer Schlammpfütze vergleichen läßt, wenn ihr davon in euch
zu keiner Überzeugung gelangen könnet; denn mit all dem beschweret ihr nur euer Gedächtnis
als das Maul eures hochmütigen Verstandes. Statt ihn für Liebe und Weisheit hungrig und durstig
zu machen, füttert ihr ihn nur mit allerlei Dreck und benehmet ihm dadurch den Appetit nach
der Speise des Lebens. O ihr abermaligen Narren!

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WIEDERGEBURT

[HiG.03_40.08.15,20] Ich bin die Heilige Schrift lebendig und Leben gebend, Ich bin der beste
Ausleger derselben und bin zugleich der allertiefste Mystiker! – Daher leset wenig, aber handelt
danach, dann wird euch alles werden. Denn das Senfkörnlein ist klein, aber es kann da ein gar
großes Gewächs daraus werden, unter dessen Zweigen sogar die Vögel des Himmels Wohnung
nehmen werden Amen. –

DER WEG ZUR WIEDERGEBURT.


Fortsetzung am 18. August 1840.

[HiG.03_40.08.18,21] Sechstens: Was die Priester betrifft, da sage Ich: Es gibt deren mehrerlei;
darunter es nur äußerst wenige gibt, so diesen Namen verdienen. Denn es gibt solche, die da
Priester sind des Ansehens und der Macht wegen, die da anekelt an ihnen selbst Meine große
Armut und gänzliche Machtlosigkeit in weltlichen Dingen, da Ich nicht wollte ein Fürst, sondern
nur ein Retter der Welt sein. Und es gibt andere, die da Priester sind der geistlichen Kastenwürde
halber. Diese maßen sich an, allein die Kirche zu sein, und verdammen dann aus eifersüchtiger
Willkür alles von Mir durch irgendeinen armen Fischer Ausgehende und lehren Meinem Willen
schnurstracks entgegen und sagen, ihren Bauch weit aufblähend: Ich offenbare Mich niemandem
als nur der Kirche, welche sie zu sein wähnen. Auf diese schändliche Art versperren sie dann auch
vielen Tausenden und Tausenden die Türen zu Meinem lebendigen Worte.

[HiG.03_40.08.18,22] Wahrlich sage Ich euch, diese verräterische Art ist Mir ein Greuel; denn
sie ist Mein Feind, da sie sich ärgert Meiner herablassenden Liebe zu den Sündern wegen. Ich
aber sage euch: Diese werden nie ein anderes Wort von Mir vernehmen als das große: Weichet
von Mir, ihr Verfluchten, denn Ich habe euch niemals erkannt; denn ihr waret allzeit Verächter
Meines lebendigen Wortes und widerstrebtet allzeit dem heiligen Geiste! Mein geschriebenes
Wort belegtet ihr mit der ewigen Verdammnis, damit sie euch erwarte. Ihr hattet Mich zum
Lügner gemacht, denn es steht geschrieben: „Wer Meine Gebote hält, der ist‘s, der Mich liebt;
wer aber Mich liebt, der liebt auch Den, der Mich gesandt hat, nämlich den heiligen Vater, und
Wir werden zu ihm kommen und Wohnung nehmen bei ihm und Uns ihm selbst offenbaren.“
Das habe Ich zu jedermann geredet; allein ihr fluchet und lästert diese Meine allzeit ewig wahre
Verheißung und widerstrebet darinnen Meinem heiligen Geiste; darum treffe euch ewig Mein
Fluch, denn ihr seid sicher allzeit Diener des Satans gewesen. Darum weichet von Mir und emp-
fanget den Lohn von dem, dem ihr gedient habt in seiner Kapelle, die er sich errichtet hat an der
Schwelle Meines Heiligtums!

[HiG.03_40.08.18,23] Seht, das sind die sogenannten Priester der geistlichen, gotteslästerlichen
Kastenwürde.

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VERHALTENSREGELN

[HiG.03_40.08.18,24] Wieder gibt es andere, die Priester werden ihres Bauches wegen, um auf
einer sogenannten guten Pfründe sich recht mästen zu können. Diese Art hat keinen Geist und
ist um eine fette Sau oder um einen gemästeten Ochsen für alles zu gebrauchen. Vor solchen
Priestern ekelt es Mir, denn deren Gott ist ihr Bauch, und das Gegrunze ihrer fetten Schweine,
das Geblöke ihrer Schafe und Ziegen, das Gebrüll ihrer feisten Kühe und wohlgemästeten Och-
sen ist ihnen tausendmal lieber, als zu hören Mein lebendiges Wort, welches ihnen gewiß ganz
verzweifelt ungelegen käme, so Ich es sie wollte vernehmen lassen. Sie haben aber in dieser allein
belebenden Hinsicht auch wirklich nichts zu besorgen, da Ich den Schweinen nie pflege Meine
Worte als Perlen vorzuwerfen. Und für den schlechten Dienst, den sie Mir verrichteten, werden
sie etwa doch gut genug bezahlt worden sein, da Ich ihnen um fast nichts im Überflusse gab,
wonach ihr Herz so sehnsuchtsvoll durchs ganze Erdenleben gedürstet hat. Da sie so genügsam
waren, so sollen sie auf solche Bauchstrapazen sich denn auch nach dem Erdenleben in die ewige
Ruhe des Todes legen und warten alldort, bis die letzte Sonne verglimmen wird, auf die Auferste-
hung ihrer Fleischmasse und ihres Bauches!

[HiG.03_40.08.18,25] Wieder gibt es andere, die da Priester sind des Geldes wegen. Diese er-
teilen dann Ablässe ums Geld und verkaufen den Himmel nach Jochen, Klaftern, Schuhen und
Zollen; doch sind sie mit der Hölle und dem sogenannten Fegefeuer viel freigebiger als mit dem
Himmel. Wenn ihre Kassen leer geworden, da halten sie Hölle und Fegfeuer recht weit offen, und
wer da keinen Ablaß kauft oder sonst recht viele Messen zahlt, der wird ohne Gnade und Erbar-
mung hineingeworfen, damit es dann wieder etwas zu erlösen gibt, nämlich recht viele klingende
Seelen – und zwar aus der Hölle die Füchse und aus dem Fegfeuer die Schimmel. – – –

[HiG.03_40.08.18,26] Seht, solche zerreißen sich fast das Maul auf ihren Kanzeln und schlagen
mit den Händen wie Besessene herum, um dadurch noch irgend einen letzten Groschen aus
seiner Ruhe in der Tasche eines Bettlers aufzuschrecken und ihn zu fangen in ihre verdammnis-
vollen Schlingen. Solche eifrige Beförderer Meines Wortes werden einst sehr viel Lohn erhalten;
da soll ihr Himmel sein ein goldenes Herz, eine silberne Seele und ein kupferner Leib, und so viel
Leben in diesen toten Metallen ist, ebenso viel sollen sie auch haben ewig.

[HiG.03_40.08.18,27] Wieder gibt es andere, die da sind förmlich asketische Gleisner und Heuch-
ler, um dadurch das Augenmerk eines Hirten auf sich zu ziehen, sich in seine Gunst zu setzen
und dadurch sich bald möglichst in den Besitz irgend einer sehr namhaften Pfründe versetzt zu
sehen. Diese drehen sich fast die Augen vor lauter Andacht und Demut aus; ihren Leib biegen sie
fast allzeit bis zur Erde nieder; verrichten ihr Opfer außerordentlich langsam, und ihre Lippen
bewegen sie fast immer, als wenn sie beteten, reden kaum mit halber, stets gebrochener Stimme;
wenn sie Meinen Namen aussprechen, da bringen sie sich fast um; sie fasten und beobachten das
Äußere des Äußeren wegen auf das pünktlichste vor den Menschen, – jedoch bei sich lachen sie
über alles, und ihr Herz ist fest wie ein Stein, so daß sie vor lauter Andacht der armen Brüder gar
nicht gewahr werden, die knapp an ihnen vorbei flehend ziehen.

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WIEDERGEBURT

Und wie sie taten als Kapläne und wollten dadurch bald Pfarrherren werden, so tun sie als Pfarr-
herren, um Dechanten zu werden; und sind sie solche geworden, dann ist ihr Augenmerk auf eine
glänzende Domherrenstelle gerichtet, und so weiter bis zur Bischofswürde; und selbst da schwebt
ihnen noch immer der Kardinalshut vor den Augen, wo nicht gar die Tiara selbst. – Was aber
Mich in der Wahrheit betrifft, um das haben sie sich nie gekümmert. Von Meinem lebendigen
Worte wollten sie nie etwas wissen und versetzten Mich – als das Leben alles Lebens – lieber mit
Haut und Haaren in die tote Zeremonie und hatten einen förmlichen Abscheu vor der Heiligen
Schrift.

[HiG.03_40.08.18,28] Seht, solche Schleicher gibt es besonders jetzt sehr viele in der römischen
Kirche. Sie sind zwar Priester, die dem Volke gerade kein Ärgernis geben, aber sie bringen auch
nur äußerst wenig gute Früchte, da ihr Wort ist gleich einer Frucht, da kein Lebenskern innen
ist und geht verfaulend zugrunde in der Erde, welche ist: die Herzen des Volkes. Ich lasse solche
öfter erreichen ihr Ziel, während Ich nie ermangeln lasse innere Mahnungen, die ihnen beständig
zurufen: Nehme dein Kreuz auf deine Schulter und folge Mir nach, so wirst du leben und wahr-
haft beleben die toten Herzen deiner dir anvertrauten Herde! – Statt aber das anzuhören und
danach zu tun, kaufen sie lieber, wenn es noch gutgeht, ein sogenanntes Kruzifixlein, hängen oder
nageln es irgendwo an und blinzeln vor demselben dann und wann, so sie jemand sieht, mit ihren
frömmelnden Augen; doch wenn es auf sie ankäme, hätte das Kruzifixlein lange gut ruhen. Und
auf diese leichtere Art halten sie ihre zarten Schultern frei. Auch senden sie sogar inbrünstige Ge-
betlein, teils schriftlich unters Volk, vielfältig aber auch bei sich aus dem Stegreife um die baldige
Abrufung irgend eines würdigen, verdientermaßen Höherstehenden aus purer Nächstenliebe –
durch irgendeinen Heiligen – zu Mir.

[HiG.03_40.08.18,29] O seht, auch diese Art ist Mir ein Greuel. Diese werden einst sehr große
Augen machen, wenn sie sehen werden, welche merkwürdige Scheusalsgestalt ihr Leben jenseits
nehmen wird.

[HiG.03_40.08.18,30] Und noch wieder gibt es andere, die da geiler sind als Hunde und Böcke
und da treiben Unzucht aller erdenklichen Art und verscharren ihre Kinder oft lebendig in die
Erde, um nicht bei irgendeinem würdigen Bischofe in einem verabscheuungswürdigen Lichte zu
erscheinen, wie auch vor dem viel besseren Volke, dem er als ein leitendes wahres Ungetüm gege-
ben wurde. – Ich sage, diese werden einst sehr stark links zu stehen kommen; wahrlich mit ihnen
sollen einst der Huren brennende Kleider gefüttert werden.

[HiG.03_40.08.18,31] Und dergleichen mehrere gibt es noch eine Menge, die da alle Priester
heißen; allein Ich habe sie noch nie als solche erkannt, besonders aber in den Klöstern, wo sie oft
aus lauter Bruder- und Nächstenliebe miteinander leben wie wilde Hunde und Katzen und jeder
dem andern oft jeden Bissen abneidet.

11
VERHALTENSREGELN

[HiG.03_40.08.18,32] Jedoch gibt es doch auch wieder Priester, die da wohlverdienen diesen se-
genvollen Namen. Diese sind freundlich und liebevoll gegen jedermann. Was sie haben, geben sie
den Armen. Sie verdammen niemanden, sondern sie suchen nur sorgfältig zu retten das Verlorne.
Sie trösten die Betrübten, sie beherbergen die Fremden und geben ihnen ein weiches Lager und
legen sich selbst aus wahrer Liebe einen Stein unter ihr geheiligtes Haupt. Sie lassen sich keine
Opfer zahlen, sondern sagen zu dem, der solches tun möchte: Bruder, das Opfer ist heilig und von
unschätzbarem Werte; denn es stellt das große Werk der Erlösung im Glauben und in der Liebe
wieder lebendig dar. Daher kann es nicht bezahlt und zum Wohle eines einzelnen verrichtet wer-
den, sondern wie durch die Macht der großen Erlösung alle können und sollen wiedergeboren
werden zum ewigen Leben, so eben wirkt auch die Kraft des von Christus Selbst zu dem Zwecke
eingesetzten Opfers. Daher opfere deine Gabe zuvor als Hilfe einem armen Bruder, und hast du
dann noch etwas erübrigt, so bringe es getreu und lege es auf den Altar des Herrn und bete für
deine Feinde; dann wird der große Herr dein Opfer im heiligsten Opfer aus meinen Händen mit
Wohlgefallen ansehen und dir geben, was dir not tut.

[HiG.03_40.08.18,33] Seht, das ist Mir ein wahrer Priester, dessen Opfer Mir unendlich an-
genehm ist. Wahrlich sage Ich euch, da gehet hin und höret seine Predigt, denn nicht ein Wort
ist sein, sondern lebendig Mein! O dieser aber wird bald erfahren, wie groß der Lohn wird, der
seiner harret, – wahrlich sage Ich: Er wird bei Mir, seinem heiligen Vater, wohnen ewig! – Mehr
brauche Ich euch nicht zu sagen; an ihren Werken aber werdet ihr sie leicht erkennen, wie einen
Baum aus seiner Frucht. –

[HiG.03_40.08.18,34] Seht, hier habe Ich euch gezeigt die ganze Krankheit des römischen Pries-
tertums, wie sie sind an und für sich; doch sage Ich, das alles geht euch wenig an und – kehre
ein jeder vor seiner eigenen Tür und nie vor der seines Nächsten und am allerwenigsten vor der
eines Priesters, sondern seid allzeit willig und gehorsam und laßt euch von dem Schlechten nicht
ärgern und verführen durch sein Beispiel, sondern befolget als Kinder die Lehre, die da doch sein
muß im katholischen Geiste recht, – und soll auch Unkraut sogar dazwischengekommen sein,
so wird es zu seiner Zeit schon vertilgt werden. Und rechtet nicht über die Wege eines solchen
Priesters; denn Ich, der wahre Rechter, sitze einem solchen schon ohnehin auf dem Genicke, und
ehe er sich‘s versehen wird, wird ihm dasselbe gebrochen werden. Nur lasset euch von nieman-
dem als Ohrenbläser gebrauchen; denn verflucht sei ein Postenträger und Draschler, denn er ist
gleich dem bösen Sämanne, der da Unkraut unter den Weizen mengte. Der schlechte Priester
wird einst rechten für sich und für euch; ihr aber werdet rechten nach eurem Gehorsam und
wahrer demütiger Nächstenliebe nur für euch selbst.

[HiG.03_40.08.18,35] Daher sollet ihr euch selbst darum nicht stoßen an der Kirche der Priester
wegen, da es darunter doch auch recht viele redliche und getreue gibt. – Am wenigsten aber sollet
ihr euch stoßen an irgend einem Bischofe. Da ein solcher schon höhersteht und vorsteht einem
Volke, so könnet ihr euch auch schon ziemlich gut denken, daß er nicht ganz allein dasteht, son-
dern daß jeder seiner Schritte und Worte und Taten von Mir sehr genau gezählt wird; und es soll
durch ihn doch allzeit der äußere Stand der Dinge in guter Ordnung erhalten werden.

12
WIEDERGEBURT

[HiG.03_40.08.18,36] Doch was euer Inneres betrifft, so wißt ihr ja ohnedies, daß es da allzeit
nur auf euch selbst ankommt und hernach auf Meine Gnade, welche euch weder ein Engel des
Himmels noch irgendein Bischof, noch wer immer geben kann, sondern zunächst ihr euch selbst
durch die wahre Liebe zu Mir und den Nächsten durch genaue Haltung der Gebote – oder als
Sünder durch eine ernstliche Buße.

[HiG.03_40.08.18,37] Denn aus allem, was ihr tut, leuchte Meine und des Nächsten Liebe he-
raus. Kümmert euch also wenig und denket gar nicht um einen schlechten Priester, und haltet
brüderliche Gemeinschaft in allem Guten unter euch, so werde Ich zu euch kommen und euch
lebendig machen durch und durch. Liebet, die euch hassen und verfolgen, und segnet durch Ge-
bete die, welche euch fluchen und verdammen; dann werdet ihr anfangen, große Wirkungen
Meines Lichtes in euren finsteren Herzen wahrzunehmen Amen. – –

[HiG.03_40.08.18,38] Siebtens: Was schließlich noch die sogenannte Ohrenbeichte und die sie-
ben heiligen Sakramente betrifft, so sage Ich euch und bitte euch sogar, stoßet euch nicht daran,
gebrauchet alles gerecht und im rechten lebendigen Sinne, so werdet ihr leben! Denn da ist dem
Rechtler nichts recht, dem Gerechten aber alles gerecht und heilig; sogar das Nest eines Vogels
wird seinem Herzen ein Lob entlocken, und doch ist es nur ein totes Nest eines Vogels. Um wie-
viel mehr könnet ihr euch denken, daß Dinge, so da errichtet worden sind zu eurer Heiligung,
nicht aus der Luft gegriffen werden, – sondern da hängt es allzeit von euch ab, wie ihr sie gebrau-
chet.

[HiG.03_40.08.18,39] Wer da beichtet und bekennet seine Sünden dem Priester, der hat dadurch
seine Sünden öffentlich vor der Welt bekannt, und es wird ihm dereinst ein solches Bekenntnis
nachgesehen werden, so er hinfort nicht mehr sündiget. Wer aber sündigt nach wie vor der Beich-
te, der hat die Beichte zu einer Sündensparkasse gemacht, die ihm dereinst zur Hölle hohe Zinsen
tragen wird. – Daher, wer da beichtet und wahre Buße wirket und sofort nicht mehr sündigt, der
tut ja sehr recht; jedoch wer das alles für so ganz null und nichtig hält, der wird sich einst sehr
täuschen, denn er wird eine Kluft finden, über die er schwerlich je wird springen können.

[HiG.03_40.08.18,40] So ihr aber saget: Hätten wir es wie zu den Zeiten der Apostel, dann wür-
den wir gewiß ganz andere Menschen sein, da wir mit eigenen Händen (gleich einem Judas!)
könnten in die Schüssel greifen! – Allein Ich sage aber, diese schrieen aus vollem Halse nach
einem geregelten Gottesdienste und einer sichtbaren Besserungsanstalt gleich dem israelitischen
Volke nach einem Könige, während sie oft wie Wölfe und Bären bei ihren Abendmählern zu rau-
fen gekommen sind.

13
VERHALTENSREGELN

[HiG.03_40.08.18,41] So Ich euch nun gegeben habe Regel, Ordnung und System, was ist es
denn, das euch darinnen nicht zusagt? – Gebrauchet es gerecht, und achtet es, wie ihr es habt,
und wünschet euch es nicht anders; denn wie schon gesagt, am Äußerlichen ist wenig gelegen,
sondern alles an euch, wie ihr es nehmet! So gut es sein kann und wahr, so schlecht aber kann es
auch sein und falsch, wenn ihr es so gebrauchen wollet oder nicht. Wenn aber unter der Sonne
heilsame und giftige Kräuter wachsen, so denket: Es liegt nicht an der Sonne, so oder so, sondern
allzeit an der jeweiligen innern, entweder guten oder schlechten Beschaffenheit der Pflanze, ob
da Segen oder Gift. – Daher liegt es allezeit an euch, ob gut – oder schlecht – Amen. Ich euer
lieber Vater Amen, Amen, Amen. – – –

14
WIEDERGEBURT

DAS ABER IST DER KÜRZESTE WEG ZUR WIEDERGEBURT.

[HiG.03_40.08.18,42] Zwar steht es mit dem gerechten Menschen in dieser Hinsicht wie mit
einem Baume, dessen Frucht auch nicht auf einmal reif wird, sondern nach und nach; aber wenn
der Frühling lau und heiter war und der Sommer anhaltend warm, mit kleinen Regen abwech-
selnd, so saget ihr: Dieses Jahr werden wir eine Frühreife haben. - Seht, ebenso ist es bei euch,
wenn ihr eure Jugend heiter in sanfter Liebe zu Mir zugebracht habt, dann wird auch der Som-
mer allbelebend warm werden, abwechselnd mit Gnadenregen vom Himmel, und ihr könnet
versichert sein, daß der ewige goldene Herbst zur ewigen Reife der unsterblichen Frucht nicht
mehr ferne sein wird.

Denn soweit jemand von Mir wiedergeboren sein will, soweit muß er seine Sünden erkennen
und selbe zu seiner Demütigung öffentlich bekennen, das ist: ernstlich durch die Beichte äußer-
lich, und innerlich Mir, und muß Mich bitten um Vergebung, wie es in Meinem Gebete angezeigt
ist, und muß gleich einem Petrus wahre Reue und Trauer und Angst empfinden und weinen über
den so unschätzbaren Verlust Meiner Gnade, und muß sich den allerernstesten Willensvorsatz
machen, ja in alle Ewigkeit nicht mehr sündigen zu wollen.

[HiG.03_40.08.18,43] Dann muß er sich ganz fest vornehmen, mit der Welt ganz zu brechen,
und sich ganz Mir übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir - und
muß in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und allen Geschäften in ihr zu-
rückziehen und wenigstens 7 Viertelstunden lang bei verschlossenen Türen und Fenstern weder
beten noch etwas lesen, sondern er muß diese Zeit in der völligen Ruhe, bloß nur sich in seinem
Innersten mit Mir beschäftigend, zubringen. –

Und allzeit aber, sooft sich jemand in diese Ruhe begeben hat, soll er folgende kleine anregende
Rede halten in seinem Herzen an Mich im allerfestesten Ernste und sagen:

[HiG.03_40.08.18,44] Herr! - Hier bin ich. Ich ließ Dich, o liebevollster heiliger Vater, lange war-
ten, da Du mir schon seit meiner Kindheit unablässig zugerufen hast: Komm zu Mir, Ich will dich
erquicken! - Nun, o Vater, ist die Zeit gekommen, daß sich mein Ohr geöffnet und mein sonst
starrer Wille ganz in den Deinigen ergeben hat voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch nach
Deinem Willen zu allen meinen besseren Brüdern. Daher komme Du, mein allerliebster Jesus,
zu mir und erquicke meine kranke Seele mit dem Balsam Deiner unendlichen Liebe; laß mich
finden meine große Unbild in Deinem bitteren Leiden und Sterben; lasse mich sehen die heiligen
fünf Wundmale und erkennen darinnen meine große Missetat! O Jesus, Du Überwinder des To-
des und der Hölle, komme zu mir und lehre mich Deinen Willen erst recht verstehen; lehre mich
erkennen mein völliges Nichts und Dein Alles!

15
DER KÜRZESTE WEG

[HiG.03_40.08.18,45] O Du mein süßester, liebevollster Jesus, Du Herr aller Heerscharen, kom-


me zu mir Armem, - komme zu mir Schwachem, - komme zu mir Blindem, - komme zu mir Tau-
bem, - komme zu mir Aussätzigem, - komme zu mir Gichtbrüchigem, - komme zu mir Lahmem,
- komme zu mir Krummem, - komme zu mir Besessenem, - ja o mein, mein, mein allerliebster
Jesus! Komme, komme, komme zu mir Totem und laß mich nur anrühren Dein heilig Kleid, so
werde ich leben. - Herr, lasse Dir ja nicht Zeit, denn ich habe Deiner unendlich nötig; ich kann ja
nicht mehr ohne Dich sein, da Du mir Alles und alles andere aus Liebe zu Dir zunichte geworden
ist! Ohne Dich kann ich nicht mehr leben; daher, o mein liebster Jesus, komme alsobald zu mir!
- Doch wie allezeit, so geschehe auch diesmal Dein heiliger Wille Amen. –

[HiG.03_40.08.18,46] Nach dem begebet euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Lie-
be zu Mir. So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage Ich: Ihr werdet bald blitzen sehen
und donnern hören; aber dann erschrecket nicht, und werdet auch nicht ängstlich; denn nun
komme zu jedem Ich erst als Richter unter Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst in sanf-
tem, heiligen Wehen als Vater! -

[HiG.03_40.08.18,47] Wer da will im wahren Sinne eine sogenannte Generalbeichte verrichten,


der wird vieles vorhaben, weil dazu mehr Demut und Selbstverleugnung erfordert wird. - Das
heißt, sehr wohlgemerkt, es muß dabei ein Totalvorsatz sein, nicht mehr zu sündigen, und muß
das heilige Abendmahl im lebendigen Glauben aus reinster Liebe zu Mir genommen werden;
dann erst werden sich wunderbare Wirkungen desselben in euch augenblicklich verspüren las-
sen, welche sich alsobald in übergroßer, unbegreiflicher Freude und himmlischer Wonne kund-
geben werden.

[HiG.03_40.08.18,48] Seht, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt,
in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert länger und ist un-
sicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt, allwo hinter dem Straßengebüsche arglistige Diebe,
Räuber und Mörder lauern; wer da nicht wohl gepanzert ist und bewaffnet kreuz und quer, der
wird hart ans Ziel gelangen. - Bedenket wohl, wer Der ist, der euch das sagt! –

[HiG.03_40.08.18,49] Daher meine Ich, statt der weltlichen Ressourcen und Unterhaltungen
und sehr schmutzigen Gesellschaften könntet ihr füglich Meine Ruhe und Sabbat-Ressourcen
wählen und da umsonst ohne Entrée euch mit Mir unterhalten und das andere Entrée zu etwas
Besserem verwenden! –

[HiG.03_40.08.18,50] Was meint ihr, was da besser wäre und Mir um desto wohlgefälliger? Denn
seht, wie Ich schon zu den Aposteln einst gesagt habe: daß niemand zweien Herren dienen kann,
- daher bedenket wohl, wer daran euch mahnt Amen. - Ich euer heiliger Vater von Ewigkeit bin
es Selbst. Amen, amen, amen. - - -

16
WIEDERGEBURT

[HiG.03_40.08.18,51] Und ich Knecht sage Halleluja, Ehre und Preis und Ruhm Gott in der
Höhe als dem Vater, Sohn und Heiligen Geiste. Amen. -

(Siehe dazu das Beiwort vom 20. Aug. 1840, „Himmelsgaben“, Bd. 1 (HiG.01_40.08.20))

STELLUNG ZUR KIRCHE.


20. August 1840

[HiG.01_40.08.20,01] Ein ganz kleines Beiwort an jene, die da meinen, in der Schrift „Der Weg
zur Wiedergeburt“ nicht Meine, sondern des Satans Stimme zu vernehmen, oder jene Schrift
doch wenigstens als ein eitles Machwerk Meines Schreibers ansehen. An sie seien diese Zeilen
gerichtet!

[HiG.01_40.08.20,02] Sie zweifeln an der Echtheit Meiner Gnade. Doch wenn Ich auch zwei-
felsfähig wäre, so könnte Ich da auch sehr an ihrer Liebe zweifeln! Denn sie haben wohl den
Verstandesglauben, aber weit entfernt ist noch von ihnen ein gläubiges Herz. – Statt das Herz
durchs Gefühl verständig und empfänglich zu machen, füllen sie nur immer mehr und mehr den
Verstand. Dieser ist ihnen von lauter Lesen angeschwollen wie ein vollgefüllter Ball. Dieser Ball
hängt durch die Schnur des Willens am Herzen. Das Herz nun möchte sich ausdehnen und in
vollen Zügen Meine Barmliebe in sich schlürfen, besonders wenn Ich so etwas recht Demütigen-
des ein wenig verhüllt gebe, so daß es wegen der Umhüllung nicht mehr durch die feinen Poren
des Balls ihres Luftverstandes dringen kann und demzufolge aufs Herz fällt und da Eingang fin-
den möchte.

[HiG.01_40.08.20,03] Allein der mit den Luftgasen gefüllte Verstandesballon zieht dann an der
Willensschnur vermöge seiner spezifischen Leichtigkeit gleich einem Luftballon so stark, daß die
Einmündungen in die Geisteskammern des Herzens dadurch fest zusammengeschnürt werden
und die Gaben auch hier nicht eindringen können. Was folgt aber daraus? Nichts anderes als
Zweifel, weil die lebendige Gabe zwischen den beiden Enden der Willensschnur, gleichsam auf-
und abrutschend, weder in das eine noch in das andere den Eingang findet. Da muß Ich dann
hinzutreten und den Verstand etwas auslüften, damit er wieder zum Sinken kommt, die Schnur
schlaff wird und so das zusammengeschnürte Herz wieder Luft bekommt.

[HiG.01_40.08.20,04] Der ordnungsmäßige Zustand aber soll folgender sein: Das Herz wird
mehr und mehr durch die demütige Darniederkunft des Verstandes erweitert und nimmt den-
selben in sich auf. Da wird dann der Verstand selbst von der Liebe erwärmt und dehnt sich im
Herzen aus. Dadurch wird auch die Liebe gespannter und gespannter, entzündet sich endlich in
ihrer beseligenden Wärme, und das Licht ihrer sanften Flamme durchleuchtet gar lieblich sanft-
hell den Verstand.

17
DER KÜRZESTE WEG

Da erglänzen dann die Schätze des Himmels im Verstand, werden durch die Wärme des Lichts
größer und größer und immer zerlegter und zergliederter (wie unter einem Mikroskop) – woraus
dann das schöne Herzensverständnis der Liebe und des wahren, lebendigen Glaubens kommt
und das Senfkörnlein sich zum Baume umgestaltet und die Vögel des Himmels und endlich auch
Mich Selbst zum Wohnen in seinen Zweigen einladet.

[HiG.01_40.08.20,05] Dieses Gesagte diene zu deiner Beruhigung bei ferneren, ähnlichen Vor-
würfen, als ob du ( Jakob Lorber) ein Diener Zweier wärest, oder als ob Ich Mich auch eines
Werkzeuges des Satans für Meine Gnade bedienen möchte. Das wenige Folgende aber diene zur
Lüftung des Verstandes bei den Zweiflern!

[HiG.01_40.08.20,06] Ist es wohl löblich, wenn Kinder ihre kranke Mutter verlassen und der
Leidenden den Tod wünschen ihrer vielen Gebrechen halber? – Ich sage, die römische Kirche
ist eine Hure; aber ihr seid denn doch in ihr geboren worden und habt die erste Kindermilch aus
ihrer Brust gesogen. Sie lehrte euch zuerst Meinen Namen nennen, nährte euch wie eine recht
zärtliche Mutter und untersagte euch nur das Naschen solcher Speisen, die euch den Magen
verdorben hätten. Sie weckte dadurch in euch den Appetit zu kräftigeren Speisen der Seele und
des Geistes, welche nach Meinem Willen euch von Mir nie vorenthalten wurden, so daß ihr nach
Herzenslust habt schwelgen können. Und noch heutzutag schwelget ihr wie nicht bald jemand –
in ihrem Schoße!

[HiG.01_40.08.20,07] Wie kommt es denn nun, daß ihr mit Jakobus und Johannes rufet: „Herr,
lasse Blitz und Schwefel regnen auf ihr krankes Haupt!“? – Hört, da schaut noch ganz wenig
wahre Liebe heraus! Meinet denn ihr, Vernichtung sei der Weg zur Besserung!? O nein, da irrt
ihr euch gar abscheulich. So meinten denn auch alle Sektenstifter. Aber sie haben sich ebenfalls
sehr geirrt, und die Folge war: Bruderzwist, Krieg, Mord und Greuel aller Art! – War eine solche
Besserung gesegnet? Oder kann da eine Sekte sagen: „Meine Lehre ist nicht mit dem Blute der
Brüder besiegelt!?“

[HiG.01_40.08.20,08] Sehet, sie, die Römerin, ist dasjenige ehebrecherische Weib, welches da
hätte gesteinigt werden sollen. Ich aber sage auch hier: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten
Stein auf sie!“ – Wieder ist sie das kananitische Weib und hat einen großen Glauben und viel Lie-
be. – Wieder ist sie das Weib, das da zwölf Jahre am Blutgange litt und Mir aus Meinem Kleide
die Heilung stahl und genaß, da sie viel Glauben und Liebe hatte. – Und wieder ist sie gleich der
großen Hure und hernach Büßerin Magdalena, die da Meine Füße salbte. – Unter allen diesen
Gestalten kann die römische Kirche auftreten.

18
WIEDERGEBURT

[HiG.01_40.08.20,09] Dagegen sind andere „Jünger“ voll Ärgers, so sie von Meinem „Fleische
und Blute“ hören. Sie glauben, was sie wollen, beleben sich mit den Brosamen, die von ihrer Her-
ren Tische fallen (was da ist mein zerstückeltes Wort) und wollen in ihrem übermütigen Taumel
beweisen, daß Ich gar nicht sei; und wenn doch noch etwas von Mir übrigbleibt, so kann Ich erst
dann sein, wenn sie so herablassend waren und Mich in ihre „Idee“ aufgenommen haben. Wahr-
lich Ich sage: So irgendeine Sekte im Vollbesitze Meines Wortes zu keiner besseren Vorstellung
von Mir gelangen kann als zu einer solchen, die auf Meine gänzliche Vernichtung ausgeht, da sind
Mir sogar die Türken in ihrer ehrlichen und strengen Blindheit lieber, da sie Mich doch noch für
etwas Höheres halten als ihren Abgott Mohammed; und unvergleichlich lieber die Römischen,
allwo man Mir, als Gott und Herrn doch noch immer wenigstens ein äußerliches, sichtbares Op-
fer darbringt, welches für viele ein lebendiges Denkmal Meiner Erlösung ist.

[HiG.01_40.08.20,10] Sehet, so steht es also mit Rom! – Ich habe kein Wohlgefallen am Vatikan
noch an der Peterskirche. Und es wäre Mir an deren Stellen ein Armenhaus überaus lieber. Rom
ist eine Stadt, die mit den Königen der Welt Hurerei getrieben hat. Sie ist eine Hure und tut wie
eine Hure. Sie schmückt ihr Fratzengesicht und zieht ihrem halbverwesten Leibe schöne Kleider
an, um auszusehen, als wenn sie noch eine Jungfrau wäre. Seht, dieses alles und tausendfach an-
deres ist Mir wohlbekannt. Aber sagt ihr nicht selbst: Eine Hure erzieht ihre Kinder oft besser
als eine stolze Mutter, die da glaubt, sie habe alle Meine Weisheit mit dem Löffel gegessen!? So
sage auch Ich: Diese Hure hat schon sehr viele gute Kinder erzogen und hat dadurch Meine Füße
gesalbt. Daher will Ich ihr helfen und sie ansehen, damit sie Buße tue; denn sie hat viel gesündigt,
aber auch viel geliebt!

[HiG.01_40.08.20,11] Zu euch aber sage Ich, daß ihr in ihr geboren und getauft wurdet, daher
sollet ihr auch nicht Vernichtung, sondern Heilung ihr wünschen. Ich gebe euch den Balsam und
heile in euch das Erbübel. So ihr nun lebet nach dem gegebenen Regeln, so wird euch die Kirche
achten. Und so sie an euch erfahren wird Wunderdinge, so wird sie selbst nach dem Balsam ver-
langen und wird im stillen viele ihrer Wunden heilen. So ihr aber wollet abtrünnig werden, so
wird wenig Segen an eure Brüder gelangen!

[HiG.01_40.08.20,12] Lebet, wie Ich euch gezeigt habe, dann wird euch auch nie eine Untersu-
chung Meinetwegen treffen! Denn Ich werde euch beschützen und Mein Werk wird ungehindert
ans Tageslicht treten als ein großer Magnet, der alles an sich ziehen wird. Aber ihr müßt ihn nicht
entkräften durch euren Ungehorsam und durch solche Zweiflerei.

19
DER KÜRZESTE WEG

[HiG.01_40.08.20,13] So ihr sagt: Wie kann da ein neunundneunzigfacher Segen darin sein? –
Da sage Ich: Es werden im Himmel sich die Engel über einen büßenden Sünder neunundneunzig-
mal mehr freuen als über ebenso viele Gerechte, die da meinen, durch Mein Vollwort gerechtfer-
tigt zu sein. – Denn das sage Ich wahrlich: Luther, Calwin, Melanchthon u.a. mehr wiegen nicht
einen Johann vom Kreuz, noch einen Johann von Gott, noch einen Franziskus, noch einen Tho-
mas von Kempen, noch einen Taulerus, noch eine Theresia und noch viele tausend andere auf.

[HiG.01_40.08.20,14] Ja da hätten die namhaftesten Protestanten noch sehr vieles lernen kön-
nen! Selbst Swedenborg hat in Rom manches erfahren, was ihm erst die Pforte zum inneren Le-
ben ganz bedeutend zu öffnen geholfen hat; denn er war einer, der sich aus allem die Quintessenz
zu verschaffen wußte und tatsächlich davon den Nutzen zog.

[HiG.01_40.08.20,15] Seht, daher geht der Weise in die alte Rumpelkammer und findet da oft
große Schätze vom Staube der Zeremonie bedeckt. Den Staub wischt er weg und legt das reine
Gold in seine Schatzkammer. Desgleichen tuet auch ihr! – Denn es steht geschrieben: „Laßt die
Kleinen zu Mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich der Himmel“! Und
wer nicht wird gleich ihnen, wird nicht kommen alsobald in Mein Reich, als bis er wird wie sie,
die da nicht grübeln, sondern in der Einfalt den Eltern aufs Wort glauben und darnach tun; und
selbst, wenn sie durch Meine Gnade den Eltern entwachsen sind, noch immer ihr Wort ehren,
wenn sie es auch nicht benötigen.

[HiG.01_40.08.20,16] Noah fehlte, da er sich berauschte; aber er hat den Sohn verflucht, da er
gelacht hat. Und die zwei, die, ihn liebend, seine Blöße bedeckt haben, hat er gesegnet. Desglei-
chen (wie die zwei besseren Noahsöhne) tuet auch ihr, wollt ihr neunundneunzigmal gesegnet
sein! – Das sage Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen, Amen, Amen.

20
WINKE ZUR WIEDERGEBURT I.

(Bezieht sich auf § 309 in Nr. 4)

Schreibe, Mein Kind, was Ich dir will kund thun in dein Herz, und merke auf die Stimme des
Vaters, die also spricht: Mein lieber Sohn! Du kommst zu Mir mit aufrichtigem, liebeverlangen-
dem Herzen, und bittest Mich um eine nähere Erklärung einiger dir dunkel scheinenden Punkte
- über die WIEDERGEBURT.

Siehe, da sage Ich dir, so Ich dir diesen Punkt erklären würde, so würdest du bald noch mehr
Stellen finden, für welche dir eine Erklärung nöthig schiene, und so würdest du aufhören IN DIR
SELBST nach der LEBENDIGEN WAHRHEIT zu forschen, die in ein jegliches Meiner Kinder
gelegt ist, aber von ihnen gesucht und ERKANNT werden muß; haben sie erst das rechte Verlan-
gen nach Wahrheit, da wird Mein Geist sie auch alsobald erleuchten - nach ihrem Verlangen, und
ihnen geben Alles, um was sie mich bitten in der Liebe ihrer Herzen.

Und also will Ich auch in DIR , Mein Sohn, wirken; nicht von außen her soll dir werden das
Acht, um welches du Mich bittest durch ein erläuterndes Wort, sondern durch die Liebe DEI-
NES HERZENS soll es in dir selbst licht werden, und in diesem Lichte wirst du nicht vergebens
suchen und forschen, - da wirst du finden verborgene Schätze in den Tiefen deines Herzens, die
du nimmer entdecken würdest, so Ich dich nicht hinein führete in dieselben, und dich erkennen
ließe, daß Unendliches in einer Menschenbrust verborgen liegt.

Darum steige hinab in diese Tiefen, d. h. VERSENKE dich immer in Mich und Mein LEBENDI-
GES WORT , das Ich euch gegeben von Anbeginn der Welt, und weiter gebe bis auf den heutigen
Tag, und zwar also, daß ein jegliches Meiner Worte von einer dreifachen Schale umgeben ist; wie
ihr selbst aus drei Teilen bestehet, also bestehen auch Meine Worte aus drei Teilen.

Versuche nun, Mein Sohn, im wahren Glauben daß Ich in DIR bin, Mein Wort zu lesen, und
blicke nicht mit den Augen deiner Sinnlichkeit, sondern mit den Augen des Geistes hinein in
Meine geistige Schöpfung, so wirst du bald erkennen, was Ich verstehe unter „Wiedergeboren“
sein. Was nützen dir tausende Erklärungen über Wiedergeburt des Geistes; so lange du nicht in
Wahrheit wiedergeboren bist, kannst du auch die Erklärung derselben, also den innersten rein
geistigen Teil - nicht fassen.

Begnüge dich daher mit dem bis jetzt Gebotenen, wenn dir mehr vonnöthen - wird dir mehr
werden; alles zu seiner Zeit!

Dies sagt dir heute - mit dem Segen dein treuer hl. Vater. Amen.

21
WINKE 2

WINKE ZUR WIEDERGEBURT II.

G.E.W. 22.März 1893

Mein liebes Kind! Schreibe nur, Ich kenne des Bruders Fragen, lange bevor sie dir kund geworden
sind, und so will Ich dir wie euch Allen ein Lichtlein aufstecken, damit ihr recht verstehet, was
Ich mit diesen Worten sagen will:

Die 7 Viertelstunden der inneren Versenkung, welche ein jedes Meiner Kinder täglich Mir und
seiner Wiedergeburt widmen solle, wenn es auf dem KÜRZESTEN Wege dahin gelangen will -
dieselbe im Fleischleibe zu erlangen, sind allerdings ein Zeitabschnitt, der nicht geteilt werden
darf, denn es ist wohl ein Unterschied schon in der materiellen Welt, ob ihr einen Gegenstand 7
Viertelstunden hintereinander den Wirkungen der Sonnenstrahlen aussetzet, oder hiebei jedes-
mal nur eine Viertelstunde. So ist es auch mit der Bestrahlung eures schlummernden Geistes zu
seiner lebenskräftigen Erweckung.

Ihr wisset von den 7 Geistern Gottes,*) welche in harmonischer Gesamtwirkung Meine Wesen-
heit ausmachen, aber gesondert auf die Menschen einwirken, weil ihr die gleichzeitige verein-
te Wirkung nicht ertragen könntet in eurem noch nicht wiedergeborenen Zustande. Es würde
demnach für die Einwirkung jedes Geistes aus Mir wenigstens ein kleiner Zeitabschnitt, eine
Viertelstunde nach eurer Zeitrechnung nothwendig sein, wenn eine erwünschte Wirkung her-
vorgebracht werden soll.

Ich sagte aber wenigstens 7 Viertelstunden und ihr wisset, daß Ich als Jesus 3 VOLLE STUN-
DEN täglich Mich diesen Einflüssen hingab**), denn auch Ich mußte Mir die Wiedergeburt in
Meinem Fleischleibe erwerben, gerade also wie ihr, da derselbe dem Gerichte des gefallenen Erst-
lings entnommen wie der eurige, und somit die Anreizungen zu jeder Sünde in sich barg, nur in
viel stärkerem Grade, als bei irgend einem andern Menschenleibe; denn das werdet ihr wohl als
recht und billig annehmen, daß Ich Mir, um menschlich zu reden, den Löwenantheil erwählet
habe, als ein wahrhaftiges Vorbild für euch.

Was nun die Zeit anlangt, die euch ohne Vernachlässigung eurer Berufspflichten nicht gegeben
ist, sowie was die Fähigkeit anlangt, sich 7 Viertelstunden ganz in sich zu vertiefen, ohne etwas zu
lesen und ohne zu beten, so liegt die Sache also für euch: Wer diese Vorschriften als ein Rezept
gleichsam betrachtet, um die Wiedergeburt zu erlangen, der ist wohl noch lange nicht fähig dazu,
denn das müsset ihr doch zuerst wissen, daß eine andauernd und mit Ernst fortgesetzte Vergeis-
tigung eures inneren Menschen durch gänzliche Ueberwindung des äußeren Menschen, der aus
dem Gerichte der Welt und somit aus der Auflehnung gegen Meine göttliche Ordnung stammt,
die Grundlage sein muß. Ist dies bei euch der Fall, so werde Ich euch auch schon in Verhältnisse
bringen, die euch ermöglichen, die dazu nothwendige Zeit euch, unbeschadet eurer Berufspflich-
ten, wie auch eurer Pflichten gegen den eigenen Körper, zu beschaffen.

22
WIEDERGEBURT

Die weitere Forderung, daß ihr 7 Viertelstunden euch ganz von der Außenwelt loslösen und
eure äußeren Sinne gänzlich ruhen lassen, also gewissermaßen ausschalten sollet, wird euch sehr
bald zeigen, ob ihr, so ihr die Zeit gewonnen, nun auch geistig schon so weit ausgereift seid. Eine
dazu noch nicht völlig ausgereifte Seele ist noch viel zu regsam und thätig in euch, als daß sie eine
so andauernde gänzliche Ruhe zuließe, ohne wenigstens im Gebet Mir ihr Wünschen oder we-
nigstens ihr Fühlen und Empfinden mitzutheilen. Ein stilles liebendes Sehnen nach Mir und ein
Versenken in Mich und Meine allumfassende Liebe ist zwar ein rechtes Beten vor Mir, aber das
hindert nicht, da es nicht ablenkt, sondern konzentriert.

Wer also recht vorbereitet ist, der wird sich auch nicht durch ängstliches Nachschauen ob die
vorgeschriebene Zeit schon vorüber ist, stören lassen, sondern er wird so lange in diesem inneren
Zustande verbleiben, als sein ORGANISMUS es vermag , und ist diese Zeit noch zu kurz, so
ersieht er daraus, daß er noch am inneren Menschen wachsen muß, und also am äußeren Men-
schen abnehmen.

Wenn der Bruder nun noch einen Rath von Mir seinem himmlischen Vater begehrt, so will Ich
ihm denselben nicht vorenthalten, und das wäre dieser: er solle sich ohne Unterlaß und mit gro-
ßem Eifer die Gnadengaben, welche Ich in dem neuen Worte euch gegeben, völlig zu eigen zu ma-
chen suchen, und danach seinen natürlichen Menschen in einen geistigen umzugestalten! Amen!

NB. Man lese die hier sehr passenden 2 letzten Kapitel der Jugendgeschichte nochmal: 298-299.

*) siehe in Johs. neu Bd. VII.S. 33: L i e b e , W e i s h e i t , W i l l e , O r d n u n g , E r n s t , G e d u l d , B a


r m h e r z i g k e i t , * ) siehe in Nr. 4. § 309. (S. 19 1. Auflage.)

23
WINKE 2

DIE JUGEND JESU

20. Kapitel

[GEJ.07_020,01] (Raphael:) „Also sollte es auch im Menschen sein; aber es ist leider nicht so.
Wohl ist diese Fähigkeit jedem Menschen gegeben, jedoch ohne je völlig ausgebildet und durch-
geübt zu werden. Nur wenige Menschen gibt es, die alle die sieben Geister in sich zur vollen und
gleichen Tätigkeit bringen und dadurch wahrhaft Gott und uns Engeln Gottes gleich werden;
aber, wie gesagt, gar viele sind davon abgewandt und kümmern sich wenig darum und erkennen
sonach das wahre Geheimnis des Lebens in sich ganz und gar nicht. Solche blinden und halbtoten
Menschen können dann den ihnen zugrunde liegenden Zweck des Lebens nicht erkennen, weil
sie sich nur von einem oder dem andern

[GEJ.07_020,02] So lebt der eine pur aus dem Geiste der Liebe und achtet der anderen Geister
gar nicht. Was ist dann ein solcher Mensch anders als ein freßgieriges und nie genug habendes
Raubtier? Solche Menschen sind stets voll Eigenliebe, voll Neid und voll Geiz und sind gegen alle
ihre Nebenmenschen hartherzig.

[GEJ.07_020,03] Andere wieder haben eine erleuchtete Liebe und sind somit auch recht weise
und können ihren Nebenmenschen ganz gute Lehren geben; aber ihr Wille ist schwach, und sie
können darum nichts völlig ins Werk setzen.

[GEJ.07_020,04] Wieder andere gibt es, bei denen die Geister der Liebe, des Lichtes und des
Willens ganz tätig sind; doch mit dem Geiste der Ordnung und des rechten Ernstes sieht es ganz
schwach aus. Diese Art Menschen werden auch recht klug und manchmal sogar recht weise re-
den und auch hie und da etwas Vereinzeltes ins Werk setzen; aber der recht und ganz aus allen
sieben Geistern weise Mensch wird nur zu bald aus ihren Worten, Reden und Werken ersehen,
daß darin keine Ordnung und kein Zusammenhang waltet.

[GEJ.07_020,05] Und wieder gibt es Menschen, die Liebe, Licht, Willen und Ordnung besitzen;
aber es fehlt ihnen der Geist des Ernstes. Sie sind darum ängstlich und furchtsam und können
ihren Werken selten eine ganz volle Wirkung verschaffen.

[GEJ.07_020,06] Wieder andere sind dabei auch voll Ernst und Mut; aber mit der Geduld sieht
es schwach aus. Solche Menschen überstürzen sich gewöhnlich und verderben mit ihrem ge-
duldlosen Eifer oft mehr, als sie irgend gut machen. Ja, Freund, ohne eine gerechte Geduld gibt
es nichts; denn wer keine gerechte Geduld hat, der spricht sich selbst ein gewisses Todesurteil!
Denn der Mensch muß warten, bis die Traube vollends reif wird, wenn er eine gute Ernte ma-
chen will. Ist er damit widerwillig, nun, so muß er es sich denn am Ende doch selbst zuschreiben,
so er statt einen edelsten Wein nur einen untrinkbaren Säuerling geerntet hat.

24
WIEDERGEBURT

[GEJ.07_020,07] Die Geduld ist also in allem und jedem ein notwendiger Geist: erstens zur Be-
herrschung und zur Zurechtbringung des oft ins Unendliche gehen wollenden Geistes, den ich
Ernst nannte – weil dieser Geist in Verbindung mit der Liebe, Weisheit und dem Willen in den
größten Hochmut ausartet, der bekanntlich beim Menschen dann keine Grenze findet –, und
zweitens, weil die Geduld zunächst, wie ich dir schon gezeigt habe, die Mutter des Geistes der
Barmherzigkeit ist, welcher Geist als rückdurchwirkend erst allen vorhergehenden Geistern die
göttlich-geistige Vollendung verleiht und der Menschenseele zur vollen und wahren Wiederge-
burt im Geiste verhilft.

[GEJ.07_020,08] Darum hat der Herr Selbst nun euch allen die Liebe zu Gott und zum Nächsten
vor allem ans Herz gelegt und dazu gesagt: ,Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel
barmherzig ist, und seid sanftmütig und demütig, so wie auch Ich von ganzem Herzen sanftmütig
und demütig bin!‘

[GEJ.07_020,09] Der Herr gebot euch Menschen sonach, den siebenten Geist vor allem darum
auszubilden, weil eben in diesem letzten Geiste alle vorhergehenden enthalten sind und durch-
gebildet werden. Wer demnach diesen letzten Geist mit allem Eifer bildet und stärkt, der bildet
und stärkt auch die vorangehenden Geister und wird dadurch am ehesten und sichersten voll-
endet. Wer aber seine Bildung mit einem oder auch mehreren der früheren Geister beginnt, der
gelangt schwer oder oft auch gar nicht zur ganzen und vollen Lebensvollendung, weil diese erste-
ren Geister als pur für sich den siebenten Geist nicht in sich enthalten, aber für sich alle die ihm
notwendig vorangehenden.

[GEJ.07_020,10] Und siehe nun, darin besteht dann auch fortwährend insolange der Fall der En-
gel oder der Gedanken und Ideen aus Gott – die wir auch als die von Gott beständig ausgehenden
Kräfte benamsen können –, als wie lange sie in ihrer Gesamtheit im Wesen des Menschen nicht
den siebenten Geist in sich zur wahren und höchsten Vollendung gebracht haben. Denn alle die
früheren Geister sind beinahe allen Geschöpfen teilweise mehr oder weniger frei gegeben; aber
der siebente Geist muß erst von dem Menschen durch seinen höchsteigenen Fleiß und Eifer ge-
wonnen werden.

[GEJ.07_020,11] Und wie durch solche Gewinnung alle die früheren sechs Geister erst ihre wah-
re Bedeutung und den wahren Lebenszweck erreichen, so erreicht denn auch der ganze Mensch
durch ihn erst die vollste Lebensfreiheit und Selbständigkeit. – Und nun frage ich dich aber, ob
du das alles auch wohl verstanden hast?“

25
WINKE 2

[GEJ.07_020,12] Sagte Lazarus: „Ja, du von Gottes Geist erfüllter Diener des Herrn, ich kann dir
für solche deine große Geduld und Gnade wahrlich ewig nie genug danken! Nun verstehe ich erst
der alten Bücher Weisheit! Nur ist es ewig schade, daß ich das nun ganz allein verstehe, der ich
ein zu schlechter Schreiber bin, um mir solche Lehren in ein Buch aufzuzeichnen. Das solltest du
wohl auch den andern Jüngern des Herrn kundgeben, auf daß sie es, weil einige unter ihnen des
Schreibens wohl kundig sind, für alle Zeiten und Völker aufzeichneten; denn sie werden davon
noch nichts wissen.“

[GEJ.07_020,13] Sagte Raphael: „Sorge du dich nur darum nicht; denn in eben der Stunde, als
ich dir alles das von den Wundern, von den Kriegen Jehovas und von den sieben Geistern Gottes
erklärte, hat im Saale der Herr Selbst ganz auf ein Haar das gleiche und dasselbe allen ebenso ver-
ständlich erklärt, wie ich selbst dir nun solches erklärt habe, und Johannes und Matthäus haben
sich davon die Hauptpunkte auch notiert! So du aber ein leeres und unbeschriebenes Buch hast,
so will ich dir das denn auch selbst im Momente von Wort zu Wort aufzeichnen.“

[GEJ.07_020,14] Sagte Lazarus: „Ein solches Buch besitze ich nun wohl; soll ich es dir hierher-
bringen?“

[GEJ.07_020,15] Sagte Raphael: „Hat keine Not! Gehen wir aber nun auch ins Haus, und da
wirst du dein Buch schon vollgeschrieben finden!“

[GEJ.07_020,16] Darob hatte Lazarus eine gar große Freude, und beide kamen bald zu uns in den
großen Speisesaal.

DER GOTTMENSCH JESUS.


DAS VERHÄLTNIS SEINES MENSCHLICHEN
ZU SEINEM GÖTTLICHEN IN IHM.

9. September 1844

[ JJ.01_299,01] Nach dem aber heißt es in der Schrift: Und Er nahm zu an Gnade und Weisheit
vor Gott und den Menschen und blieb untertänig und gehorsam Seinen Eltern, bis da Er Sein
Lehramt antrat.

[ JJ.01_299,02] Frage: Wie konnte Jesus denn als das alleinig ewige Gottwesen an Weisheit und
an Gnade vor Gott und den Menschen zunehmen, da Er doch Gott von Ewigkeit war?

[ JJ.01_299,03] Und wie namentlich vor den Menschen, da Er doch von Ewigkeit das endlos al-
lervollkommenste Wesen war?

26
WIEDERGEBURT

[ JJ.01_299,04] Um das richtig zu fassen, muß man Jesum nicht abgeschlossen als den alleinigen
Gott ansehen;

[ JJ.01_299,05] sondern man muß sich Ihn als einen Menschen darstellen, in dem die alleinige
ewige Gottheit Sich gerade also untätig scheinend einkerkerte, wie da in eines jeden Menschen
Wesen der Geist eingekerkert ist.

[ JJ.01_299,06] Was aber ein jeder Mensch nach göttlicher Ordnung tun muß, um seinen Geist
frei zu machen in sich,

[ JJ.01_299,07] das mußte auch der Mensch Jesus ganz vollernstlich tun, um das Gottwesen in
Ihm frei zu machen, auf daß Er eins würde mit Ihm.

[ JJ.01_299,08] Es muß aber jeder Mensch gewisse Schwächen in sich tragen, die da die gewöhn-
lichen Fesseln des Geistes sind, durch die er wie in einer festen Hülse eingeschlossen ist.

[ JJ.01_299,09] Die Fesseln können aber erst dann zersprengt werden, wenn die mit dem Fleische
vermengte Seele sich durch die gerechte Selbstverleugnung also gestärkt hat, daß sie fest genug ist,
den freien Geist zu fassen und zu halten.

[ JJ.01_299,10] Aus dem Grunde kann der Mensch eben auch nur durch allerlei Versuchungen
seine Schwächen gewahren und erfahren, wie und worin sein Geist geknebelt ist.

[ JJ.01_299,11] Wenn er dann gerade in diesen Punkten sich in seiner Seele selbst verleugnet, so
löset er dadurch dem Geiste die Fesseln ab und fesselt damit die Seele.

[ JJ.01_299,12] Ist dann mit der gerechten Zeit die Seele mit allen den ehemaligen Geistesbanden
gefestet, so geht dann freilich ganz natürlich der ganz entfesselte Geist in die ganze starke Seele
über,

[ JJ.01_299,13] und diese gelangt dadurch in alle himmlische Machtvollkommenheit des Geistes
und wird dadurch für ewig vollkommen Eins mit ihm.

[ JJ.01_299,14] In dem Ablösen einer Fessel um die andere aber besteht das Zunehmen der Seele
in der geistigen Kraft, welche da ist die Weisheit und die Gnade.

[ JJ.01_299,15] Die Weisheit ist das helle Schauen der ewigen Ordnung Gottes in sich, und die
Gnade ist das ewige Liebelicht, durch das alle die endlosen und zahllosen Dinge, ihre Verhältnisse
und Wege erleuchtet werden!

[ JJ.01_299,16] Wie aber das beim Menschen also der Fall ist, also war es auch bei dem Gottmen-
schen Jesus.

27
WINKE 2

[ JJ.01_299,17] Seine Seele war gleich wie die eines jeden Menschen und war mit um so mehr
Schwächen behaftet, weil der allmächtigste Gottgeist Sich Selbst in die gewaltigsten Bande legen
mußte, um in Seiner Seele gehalten werden zu können.

[ JJ.01_299,18] Also mußte die Seele Jesu auch die größten Versuchungen, Sich Selbst verleug-
nend, bestehen, um ihrem Gottgeiste die Bande abzunehmen, Sich damit zu stärken für die end-
loseste Freiheit des Geistes aller Geister, und also völlig Eins zu werden mit Ihm.

[ JJ.01_299,19] Und ebendarin bestand denn auch das Zunehmen der Weisheit und Gnade der
Seele Jesu vor Gott und den Menschen, und zwar in dem Maße, als Sich der Gottgeist nach und
nach stets mehr und mehr einte mit Seiner freilich göttlichen Seele, welche da war der eigentliche
Sohn.

DAS LEBEN UND DIE SEELENKÄMPFE JESU VON SEINEM ZWÖLFTEN BIS
DREISSIGSTEN JAHRE. WINKE UND BEISPIELE ZUR ERREICHUNG DER
WIEDERGEBURT ALS BEDINGUNG ZUM EWIGEN, SELIGEN LEBEN.
SCHLUSSBEMERKUNG UND SEGEN DES HERRN.

9. September 1844

[ JJ.01_300,01] Wie lebte denn nun Jesus, der Herr, von Seinem zwölften Jahre bis zu Seinem
dreißigsten Jahre?

[ JJ.01_300,02] Er fühlte in Sich fortwährend auf das lebendigste die allmächtige Gottheit; Er
wußte es in Seiner Seele, daß alles, was die Unendlichkeit faßt, Seinem leisesten Winke untertan
ist und ewig sein muß.

[ JJ.01_300,03] Dazu aber hatte Er den größten Drang in Seiner Seele, zu herrschen über alles.

[ JJ.01_300,04] Stolz, Herrschlust, vollste Freiheit, Sinn fürs Wohlleben, Weiberlust und derglei-
chen mehr, also auch Zorn, waren die Hauptschwächen Seiner Seele.

[ JJ.01_300,05] Aber Er kämpfte aus dem Willen der Seele gegen alle diese gar mächtigsten töd-
lichsten Triebfedern Seiner Seele.

[ JJ.01_300,06] Den Stolz demütigte Er durch die Armut; aber welch ein hartes Mittel war das
für Den, dem alles zugehörte, und Er aber dennoch nichts ,Mein‘ nennen durfte!

28
WIEDERGEBURT

[ JJ.01_300,07] Die Herrschlust bändigte Er durch die Untertänigkeit und durch den willigsten
Gehorsam zu denen, die wie alle Menschen gegen Ihn – o wie – gar nichts waren!

[ JJ.01_300,08] Seine ewige, allerhöchste Freiheit bestürmte Er eben damit, daß Er Sich, wenn-
schon endlos schwer, den Menschen wie ein sklavischer Knecht zu den niedrigsten Arbeiten ge-
fangengab.

[ JJ.01_300,09] Den stärksten Hang zum Wohlleben bekämpfte Er durch gar oftmaliges Fasten –
aus Not, und auch aus dem freien Willen Seiner Seele.

[ JJ.01_300,10] Die Weiberlust bekämpfte Er durch nicht selten schwere Arbeit, durch magere
Kost, durch Gebet und durch den Umgang mit weisen Männern.

[ JJ.01_300,11] Ja – in diesem Punkte hatte Er ungemein viel auszustehen, indem Sein Äußeres
und der Ton Seiner Rede von höchst einnehmender Art waren,

[ JJ.01_300,12] aus welchem Grunde die fünf überaus schönen Cyreniusschen Mädchen in Ihn
durch die Bank sterbensverliebt waren und untereinander wetteiferten, Ihm am besten zu gefal-
len.

[ JJ.01_300,13] Ihm gefiel solche Liebe wohl; aber dennoch mußte Er allzeit zu jeder sagen: „Noli
me tangere!“

[ JJ.01_300,14] Da Er ferner die Bosheit der Menschen mit einem Blicke durchsah – und sah ihre
Hinterlist und Heuchelei, Verschmitztheit und ihre Selbstsucht,

[ JJ.01_300,15] so ist es auch begreiflich, daß Er sehr erregbar war und konnte leichtlichst belei-
digt und erzürnet werden;

[ JJ.01_300,16] aber da mäßigte Er Sein göttliches Gemüt durch Seine Liebe und darauf erfolgte
Erbarmung.

[ JJ.01_300,17] Und also übte Er Sein Leben durch lauter schwerste Selbstverleugnungen, um
dadurch die zerrüttete ewige Ordnung wiederherzustellen!

[ JJ.01_300,18] Aus dem aber läßt sich leicht ersehen, wie Jesus als Mensch die achtzehn Jahre
unter beständigen harten Versuchungen und Bekämpfungen derselben zubrachte. –

[ JJ.01_300,19] Und da nun das für jedermann nutzbringend dargetan ist, so bleibt nichts mehr
zu sagen übrig, außer die dreitägige Verhandlung mit den Weisen und Gelehrten im Tempel, die
aber jetzt, wie noch so manches andere, nicht folgen kann.

29
WINKE 2

[ JJ.01_300,20] Daher begnüget euch einstweilen mit dem, und das andere wird folgen, wenn ihr
zum Knechte sagen werdet:

[ JJ.01_300,21] ,Komme, Bruder, zu uns im Namen des Herrn, und bleibe und wohne bei uns!‘
––
[ JJ.01_300,22] Somit sei auch dies Werk geschlossen, und Mein Segen und Meine Gnade sei
mit euch für und für! Amen, Amen, Amen.

30
VOM BETEN

WEG ZUR WIEDERGEBURT UND VOM BETEN.

J.K.F. 21 April 1893

Siehe, Mein Kind, das ist der Weg zur Wiedergeburt, so du also in der Stille dich versenkest in ein
rechtes Gebet ohne Worte, ohne Ausdruck deiner Gefühle, ohne einen Wunsch oder Bitte Mir
vorzutragen, ja selbst ohne zu denken, soweit das einer regsamen Seele möglich.

Ein solches Beten lenkt die Seele ab von allem Geräusche dieser Welt, und versetzt sie ins Reich
des Geistes, wo sie alsbald das sanfte Wehen, die hl. Ruhe Meines göttlichen Geistes fühlt, sich
mit selbem verbindet, und so in eine enge Verbindung mit Mir tritt; ist diese Verbindung erfolgt,
- dann erst beginnt das Herzensgespräch mit Mir, woraus das Einfließen Meiner Stimme kann
klar und deutlich vernommen werden, und zwar von einem Jeglichen, der sich ernstlich bemüht,
der Seele Thätigkeit auf einige Zeit zu unterdrücken, und dem Willen des Geistes in ihm lauscht
und Gehör schenkt.

Hat es aber ein Mensch soweit gebracht, daß er vernimmt die Stimme des heil. Geistes durch
treue Uebung in der Stille, dann soll er sich nicht damit begnügen, sondern soll fleißig arbeiten an
der weiteren Ausbildung seiner noch im ersten Stadium des Erwachens liegenden Seele, - da ist
ein stetes und unaufhörliches Arbeiten vonnöthen, und ein beständiges Wacherhalten der noch
immer zur Trägheit sehr geneigten Seele, von Seiten des Geistes, welchem durch den Verkehr mit
Mir die nöthige Kraft zufließt.

Sobald aber dieser Verkehr ins Stocken geräth, d. h. wenn die Seele den Geist überwand und be-
siegte, was sehr leicht möglich ist, so lange die Seele nicht unter gänzlicher Herrschaft des Geistes
steht, - da ist auch schon der innige Verband mit Mir gelöst, der Geist besitzt nicht mehr die
nöthige Kraft, dem Treiben der Seele zu widerstehen, und wird dadurch von seinem Himmel in
die unterste Hölle gezogen, wo es ihm aber unmöglich gefallen kann, weil er an den höllischen
Genüssen kein Wohlgefallen mehr findet, sondern den größten Abscheu und Eckel dran hat, und
er sich sonach tief unglücklich und allerelendigst fühlen muß.

Daß aber solch ein Zustand nicht lange dauern kann bei einer schon für höhere Genüsse emp-
fänglichen Seele, das ist leicht begreiflich, denn der Geist wird sich mit all seinen ihm zu Gebote
stehenden Kräften bemühen herauszutreten aus dieser Höllenqual, und wird sich wieder empor-
schwingen in seinen ehedem verlassenen Himmel, wo ihm alsbald Mein Geist entgegentritt und
ihn aufs Neue segnet, stärkt und reinigt, damit er wieder seine Arbeit mit neuer Treue aufneh-
men und der Vollendung entgegenführen kann.

Nun wisset ihr, warum ihr manchmal überglücklich und wieder manchmal tief unglücklich euch
fühlet. Bei Mir allein ist stets die Ruhe der Seele, der Friede des Herzens, und das wahre Glück zu
finden. So bleibet denn in Mir - und Ich in euch, auf daß ihr glücklich seid allezeit! Amen!

31
DURCH LEHRE UND ÜBUNG

GEISTIGE WIEDERGEBURT DURCH LEHRE UND ÜBUNG.

[Sa.01_044,01] Nachdem wir den zeremoniellen Teil der Religion unserer Saturnmenschen ken-
nengelernt haben, wollen wir, wie schon bestimmt, uns nun zu dem geistigen Teile der Religion
wenden.

[Sa.01_044,02] Wenn ihr das Zeremonielle hinreichend betrachtet habt, mü.t ihr euch gewiß
schon gesagt haben: Diese Zeremonie, bei welcher die Engelsgeister der Himmel, ja nicht selten
der Herr selbst sich sichtbar darstellen und mit den Menschen unterreden, ist ohnehin schon so
geistig wie nur immer möglich. Wo soll da noch etwas Geistigeres stecken?

[Sa.01_044,03] Ich aber sage: Lasset es nur gut sein! Die Folge wird euch lehren, wie sich in dem
Geistigen immer etwas noch Geistigeres aufhalten kann.

[Sa.01_044,04] Damit ihr solches aber im voraus nur einigermaßen als möglich begreifen könnt,
will Ich euch durch ein naturmäßiges Beispiel zeigen, wie solches gar wohl möglich ist.

[Sa.01_044,05] Nehmet z.B. ein Gefäß voll recht guten Weines! – Wer von euch wird da nicht
alsbald begreifen und ganz tüchtig verspüren, daß dieser Wein sehr, ja ganz außerordentlich geis-
tig ist!? - Hat aber darum der Wein nichts mehr in sich, das noch urgeistiger wäre als eben der
Wein selbst? – Ihr dürftet darob nur den nächstbesten Apotheker fragen, der wird es euch sagen:
Aus diesem Wein läßt sich im Wege der Destillation der herrlichste Weinäther gewinnen, und
dieser Äther selbst läßt sich noch einigemal rektifizieren, so daß der Geist am Ende also flüchtig
wird, daß ein Tropfen, wenn er vom Äthergefäß ausgeschüttet wird, sich bei einem nur eine halbe
Klafter hohen Fall schon völlig verflüchtigt, ehe er den Boden erreicht. Nun, merket ihr nicht, ein
wie vielfach geistigeres Geistiges da enthalten ist in dem ohnehin schon überaus geistigen Weine?

[Sa.01_044,06] Seht, wenn solches schon sich kündet in der sichtbaren Natur, um wieviel mehr
wird es sich dann erst offenbaren in allem dem, was ganz eigentümlich des Geistes selbst ist.

[Sa.01_044,07] Ebenso verhält es sich ja auch z.B. mit dem Licht. – Ihr seht die Erde erleuchtet
durch die Strahlen der Sonne. Seht ihr in diesen Strahlen auch die belebende Kraft und die zahl-
losen Formen alle, welche samt und sämtlich zahllos im Lichte vorhanden sind? Nein, ihr merket
nicht einmal die einfach wirkende Kraft des Strahles. Und gar viele wissen es nicht anders denn
also, wie sie es täglich erfahren, daß nämlich der Strahl keiner höheren E wärmungswirkung fähig
ist als derjenigen nur, die er tagtäglich äußert.

32
WEG ZUR WIEDERGEBURT UND EINSWERDUNG MIT GOTT

[Sa.01_044,08] Was würde aber ein solcher Betrachter sagen, so er die Wirkung der Strahlen
schauen würde, wenn sie durch einen großen Brennspiegel auf einen Punkt konzentriert werden
und sodann eine solche Kraft äußern, die sogar imstande ist, einen allerhärtesten Diamanten
plötzlich aufzulösen?! – Ja, ein solcher Laie in der höheren Wirkung der Lichtstrahlen wird da die
Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen: Wer hätte sich so etwas wohl je träumen
lassen, daß hinter den uns täglich sanft erwärmenden Sonnenstrahlen eine solch unbegreiflich
heftige Kraft verborgen sein könnte!?

[Sa.01_044,09] Also geht es auch hier bei dem euch schon bekannten zeremoniellen Religions-
kultus unserer Saturnbewohner! – Wenn auch der zeremonielle Teil schon an und für sich ganz
und gar geistig aussieht, so gibt es dennoch in der Religion der Saturnmenschen einen ganz außer-
ordentlich starken „Äther“ und in der Vereinigung seiner lieblichen Lichtstrahlen eine für euch
kaum begreiflich starke innere Wirkung. Und somit können wir die Frage aufstellen und sagen:
Worin besteht denn sonach in diesem Geistigen das eigentliche Geistige?

[Sa.01_044,10] Das eigentliche Geistige in diesem euch schon bekannten Geistigen liegt in der
lebendigen inneren Erkenntnis des Großen Geistes sowie aller der Stufen und ordnungsmäßigen
Beziehungen und Verhältnisse, welche den freien Menschen mit den Himmeln und dem Großen
Geiste selbst und also auch umgekehrt allerengst und innigst verbinden.

[Sa.01_044,11] Wie erkennen demnach diese Menschen den Großen Geist? – Die Menschen
werden zuerst durch äußere Belehrung, durch Worte des Lehrers über Ihn (d.h. über das Wesen
Gottes) unterrichtet. – Dann werden sie hingeleitet zur Erkenntnis des Willens des Großen Geis-
tes und sodann zur Ausübung des erkannten Willens.

[Sa.01_044,12] Sehet diese Belehrung ist noch alles der äußerliche Religionskultus, welcher da ist
der Weg ins innere, geistige, wahre Leben. Es ist an und für sich schon ein „geistiger Wein“ und das
„nicht-konzentrierte Licht der Sonne“.

[Sa.01_044,13] Die tätige Ausübung des erkannten Willens des Großen Geistes aber gleicht da-
nach der „Destillation“ und „Rektifikation“ eines Apothekers und gleicht noch ferner dem „Kon-
zentrieren“ der Sonnenstrahlen mittels eines großen Brennglases. Oder mit andern Worten ge-
sagt: Es ist die eigentliche, selbständig tätige Freiwerdung des eigentlichen urgeistigen Wesens
von der umgebenden Materie.

[Sa.01_044,14] Durchschaut ihr jetzt schon ein wenig, worin der eigentliche geistige Religions-
kultus unserer Saturnbewohner besteht? – Ich werde euch nur ein Wort sagen, und dieses Wort
wird euch auf einmal die Kammer des Lichtes eröffnen. – Dieses einzige Wort heißt: Die Wie-
dergeburt des Geistes!

33
DURCH LEHRE UND ÜBUNG

[Sa.01_044,15] Sehet, diese muß bei den Saturnmenschen ebensogut erfolgen wie bei euch. Ohne
diese vermag ein Saturnbewohner sowenig wie ihr zu begreifen, was da ist des Geistes und aller
der Verhältnisse und Beziehungen zwischen ihm, den Himmeln und dem Großen Geiste.

[Sa.01_044,16] Es genügt für die Wiedergeburt des Geistes durchaus nicht, so da jemand allein
das Vermögen hätte, Geister zu schauen, so, wie es bei euch auf Erden nicht selten der Fall ist,
daß so manche Menschen dergleichen sie allzeit ängstigende und erschreckende Erscheinungen
erschauen, davon aber dennoch nichts mehr begreifen und erfassen als ein Stockblinder von den
Farben des Regenbogens. Sondern zur vollen oder wahren Wiedergeburt gehört nicht so sehr
diese Hellsichtigkeit, als vielmehr die Bestimmtheit in jeder Handlung, d. h. daß sie so gestaltet
ist, wie sie von Uranbeginn begründet wurde in aller göttlichen Ordnung und Weisheit.

[Sa.01_044,17] Wie und wann kann aber solches stattfinden? – Solches kann nur also und dann
stattfinden, wenn der Geist durch die genaue Befolgung der vorgeschriebenen Wege Gottes sich
zuerst aus der Materie rektifiziert, dann in einem Brennpunkt sich selbst wiedergefunden und
endlich als ein solches nun in sich selbst bestehendes vollkommenes Ganzes oder als eine voll-
kommene Einheit hinausgetreten ist aus aller Sinnlichkeit der Materie und da seine neuen geis-
tigen Sinne ganz entschieden und vollkommen geöffnet hat für die Eindrücke und Verhältnisse
derjenigen Welt, von welcher er selbst ein ureigentümlicher Bewohner ist.

[Sa.01_044,18] Hat der Mensch diese Stufe erreicht, dann beginnt in seinem ganzen Wesen eine
andere Tätigkeit zu wirken. Sein Schauen wird ein anderes; sein Hören ein anderes, sein Fühlen,
sein Empfinden ein anderes. Alle seine Gedanken werden zu Formen, die er schaut, und sein
Wille wird zur vollbrachten Tat. Seine Worte werden bestimmt und einen sich mit dem Gedan-
ken und mit dem Willen. Der Raum hat mit ihm nichts mehr zu schaffen, und der Zeitenlauf hat
ihm die letzte Minute gezeigt. Denn im freien geistigen Sein hört, sieht, fühlt, empfindet, denkt,
will, handelt und spricht er über Zeit und Raum hinaus, d. h. für ihn gibt es nur eine Gegenwart,
in welcher sich eine ewige Vergangenheit und eine ewige Zukunft freundlichst die Hände bieten.
Und seinem Auge ist ein der Sinnlichkeit nach endlos fernes Dinge so nahe, wie sein eigener Ge-
danke.

[Sa.01_044,19] Seht, nach diesem geistigen Zustand trachtet ein jeder Saturnbewohner aus allen
seinen Kräften; erreicht aber denselben nicht eher, als bis er in sich alle Bedingungen des Lebens
vollkommen erfüllt hat.

[Sa.01_044,20] Zu der vollkommenen Erfüllung aber ist nicht nur die Notzüchtigung der eige-
nen Natur genügend, sondern alle diese ihm bekannten Bedingungen des Lebens müssen ihm zu
einer ganz persönlichen Fertigkeit werden.

[Sa.01_044,21] Erst wenn er in allem dem ein vollkommener Meister geworden ist, wird er in
sich selbst frei, und alle seine Lebenskraft wird vereint ausgeboren aus aller seiner Sinnlichkeit.
Wenn eine solche Ausgeburt geschehen ist, dann ist auch bei ihm das eingetreten, was euch schon
bekannt ist unter dem Ausdruck der „Wiedergeburt des Geistes“.
34
WEG ZUR WIEDERGEBURT UND EINSWERDUNG MIT GOTT

[Sa.01_044,22] Demnach ist die treulich fortgesetzte Übung in allen den Bedingungen des
Lebens eben das, was den geistigen Teil der Religion bei unseren Saturnbewohnern betrifft.

NÄHERES ÜBER DEN WEG ZUR WIEDERGEBURT


UND EINSWERDUNG MIT GOTT.

[Sa.01_045,01] Versteht ihr jetzt schon ein wenig besser, was der geistige Religionskult bei den
Saturnbewohnern ist und wie gar wohl er sich unterscheidet von dem zeremoniellen?

[Sa.01_045,02] Seht, so ist hinter der geistigen Zeremonie der Dienst des Geistes gar wohl ver-
borgen, der ein unausgesetzter ist – während die Zeremonie nur in gewissen Zeiträumen aufei-
nander folgt.

[Sa.01_045,03] Da aber eben dieser Teil des Religionskultes unserer Saturnbewohner für euch
selbst von der größten Wichtigkeit ist, so will Ich euch noch ein anschauliches Beispiel geben,
durch welches ihr diese beiden Religionsarten recht klar voneinander werdet unterscheiden kön-
nen.

[Sa.01_045,04] Nehmet z.B. einen Schüler, der sich eine oder die andere Kunstfertigkeit zu eigen
machen möchte! Nehmen wir z.B. an, er möchte in der Tonkunst ein vollkommener Virtuose
werden. Was werdet ihr mit ihm sofort anfangen, wenn er zu euch käme? Ihr werdet seine Fä-
higkeiten prüfen, werdet ihn dann an eine wohlgeordnete Schule verweisen und ihm dabei die
Bedingungen vorschreiben und sagen: „Wenn du diese Bedingungen vollkommen erfüllst, wirst
du ohne Zweifel ein Virtuose. Erfüllst du sie aber nicht, so kann aus dir wohl ein Stümper, aber
nie ein vollkommener Virtuose werden!“

[Sa.01_045,05] Was wird nun der Schüler, dem es um die Virtuosität ernst ist, tun? – Er wird so-
gleich allen äußeren Fleiß in Verbindung seines innern Wollens anwenden, wird tagtäglich seine
vorgeschriebenen fünf, sechs oder sieben Stunden üben, wird die Schule von A bis Z durchma-
chen und wird keine anderen Übungen vornehmen als diejenigen nur, welche ihr ihm zur Errei-
chung seines Zweckes vorgeschrieben habt. – Wenn der Schüler auf diese Art sich mehrere Jahre
hindurch ausgebildet hat, werdet ihr ihm auch das erfreuliche Zeugnis geben, daß er nun als ein
ganz vollkommener Künstler dasteht, nachdem er sich auf seinem Instrument mechanisch und
geistig in jedem Grad der Fertigkeit bewegen kann.

35
DURCH LEHRE UND ÜBUNG

[Sa.01_045,06] Seht, jetzt haben wir schon, was wir brauchen! – Was war die vorgeschriebene
Übung zur Erreichung der technischen Fertigkeit? – Das war nichts anderes als der wohlgeord-
nete zeremonielle Teil seines Kunstkultes. – Hat er sich aber unausgesetzt Tag und Nacht geübt?
– O nein, sondern nur die vorgeschriebene bedingte Zeit hindurch!

[Sa.01_045,07] Wie war aber dabei sein Streben und sein Wille beschaffen? War dieser auch
periodisch eingeteilt? – O mitnichten! – Sondern dieser war ohne Unterlaß gleich einer guten
Triebfeder in seinem geistigen und naturmäßigen Organismus vorhanden. Und dieser Trieb ist
eben der geistige Kunstkult unseres Tonschülers, durch welchen er ganz eigentlich das wird, was
zu werden er sich zum Ziele gesetzt hat.

[Sa.01_045,08] Wenn er nun ein vollkommener Künstler geworden ist, was lebt er dann für ein
Leben? Das des Schülers sicher nicht, sondern das des freien Meisters! – Wird er aber darum ein
Feind seines früheren Schülerlebens? – O nein, sondern er macht als großer Meister noch immer
– nur mit wahrem, großem Vergnügen – das mit, was er als Schüler gemacht hat. Er spielt noch
immer recht fleißig die Tonleiter und wiederholt alle andern Übungen, die er als Schüler durch-
gemacht hat. Aber mit welchem Unterschied! Was er mühsam, schwerfällig und mit bedeuten-
dem Kraftaufwand als Schüler getan hat, das tut er jetzt mit großer Leichtigkeit, Ungezwungen-
heit, Bestimmtheit und voll der inneren geistigen Bedeutung.

[Sa.01_045,09] Als Schüler spielte er die Skala, wußte aber nicht, was er damit gespielt hat; als
Meister erschaut er nun in derselben Skala zahllose neue Formen, von denen er zuvor keine Ah-
nung hatte. – Und so übt er zwar als „wiedergeborener“ Meister ebenfalls den zeremoniellen
Kunstkult aus; aber dieser Kult ist bei ihm ein ganz anderes Hören, Schauen, Fühlen, Empfinden,
Denken und Wollen. Und das ist der spiritus rectificatissimus und ist die alles materiell Schwer-
fällige und Sinnliche auflösende Brennkraft der Strahlen seines Geistes – und ist somit für sich
selbst genommen ein rein geistiger Kultus.

[Sa.01_045,10] Übertraget nun dieses auf das eigentliche Leben des Menschen, sei er jetzt ein
Bewohner der Erde, des Saturn, des Jupiter oder der Sonne – so gibt es für ihn allzeit und überall
diesen zweifachen Gottesdienst, welcher sich so verhält wie der Weg und das Ziel des Weges.

[Sa.01_045,11] Wer den Weg beharrlich fortwandelt, der erreicht auch das Ziel. So er aber am
Ziele ist, wird der Weg, den er gemacht hat, nicht aus seinem Gedächtnis noch aus seiner allzei-
tigen Erinnerung entschwinden, sondern er wird eben am Ziele erst alle die Wendungen und
Beziehungen des Weges vollkommen überschauen in seinem Geiste.

[Sa.01_045,12] Ihr wisset, was unsere Saturnbewohner zum Hauptziele ihres Weges vorgesteckt
haben, nichts anderes als den Großen Geist selbst, auf daß sie vollkommen eins werden möchten
mit seinem Willen.

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WEG ZUR WIEDERGEBURT UND EINSWERDUNG MIT GOTT

[Sa.01_045,13] Haben sie dieses Ziel durch ihre fleißige Übung erreicht, so ist auch der geistige
Religionskultus vollendet, von welchem Zeitpunkt dann der eigentliche Trieb, denselben zu er-
reichen, aufhört. An dessen Stelle tritt das große, unerschütterliche Verlangen, demselben treu zu
verbleiben allzeit wie ewig.

[Sa.01_045,14] Und dieser überaus bestimmte und festeste Wunsch ist dann fortwährend der
allerinnerste Gottesdienst von der allervollkommenst geistigen Art eines jeden wiedergebore-
nen Saturnbewohners. – Diesen Zustand können dort Menschen jeden Geschlechtes und jeden
Alters erreichen. Und das ist nun auch zugleich alles über den geistigen Teil der Religion der
Saturnbewohner.

[Sa.01_045,15] Da wir sonach auf diese Art alles Notwendige und Denkwürdige auf den Bergen
mitgemacht haben, so wollen wir uns nun auch in aller Kürze ein wenig in der Tiefe umsehen,
sodann einige Blicke auf dieses Planeten Polargegenden wie auf dessen Ring und dessen sieben
Monde richten. Und somit gut für heute!

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WAS UND WER IST BEKEHRT

WAS UND WER IST BEKEHRT?

J.R.F. 23.März 1883

Mein liebes Kind! Siehe, du fragst „welcher Mensch ist bekehrt?“ da kann ich dir antworten: kein
Mensch ist bekehrt in dem Sinne, wie Ich die Bekehrung verstehe; denn eine völlige Bekehrung
ist soviel als Die Wiedergeburt des Geistes; wer aber im Geiste wiedergeboren ist, der lebt nach
Meinen Geboten, und wandelt in Meinen Fußstapfen; der solches thut, der ist im ernste wieder-
geboren, und ist bekehrt im wahren Sinne.

Nun aber frage dich selbst, ob du genau so lebst und handelst, wie Ich gelebt und gehandelt? - und
sage mir dann, ob du dich zu den Bekehrten und im Geiste Wiedergeborenen rechnen kannst?
- vor dem Angesichte deines Vaters ! -

Blicke einmal in dich, Mein Kind, grabe nach und forsche - wie viel des wahrhaft Guten du in
dir findest - thue solches (SUCHEN) ohne Eigenliebe, und du wirst finden, daß noch unendlich
vieles auch dir selbst noch mangelt, die du dich für belehrt schon hältst, und auf dem rechten Weg
zu wandeln glaubst. Wenn aber Ich dir sage, was Alles zur Belehrung nöthig ist, da wird es alsbald
wie Schuppen auch von deinen Augen fallen, und du wirst danken Mir im Herzen für die Gnade,
daß Ich die Blinden sehend, und die Tauben hörend mache.

O sehet. ihr alle, die Ich zu Meinen kindern zähle, und die ihr euch befleißet, - Meinen Worten
nachzuleben, ihr seid in einer großen Irre noch gefangen; ihr meinet, so Ich euch beim Namen
rufe, und euch „Meine lieben Kinder“nenne,das sei auch ein Beweis, daß ihr die lieben Kinder
wirklich seid (?), die ihr doch erst werden sollet!-

Mein Kind zu sein, dazu gehört mehr als - Meine Gaben mit liebenden Herzen aufzunehmen,
und sich daran zu laben; dazu gehört vor allem, daß ihr euer Leben danach einrichtet, und aus
eurem Herzen alles Unlautere und Unwahre entfernet und von Herzen demüthig seid.

Eine jede Gabe aus Meiner Hand soll euer Herz aufs neue Neue zur Demuth mahnen, so nur
kann euch Segen daraus erwachsen; so euch aber meine Liebesgaben verleiten euch höher zu
dünken, denn das Allergeringste unter euch,so richtet ihr euch selbst, und Meine Liebe muß es
also lenken, Daß ihr zu Falle kommt, und dadurch euch selbst und euer Herz erkennen lernet.
Daß solcher Fall euch selbst Schmerz bereitet, das weiß Mein Vaterherz gar wohl, aber es weiß
auch, daß es euch nur also und nicht anders voll und ganz erretten kann.

So ihr aber nun wisset - was Ich will, da steiget doch freiwillig herab von eurem künstlich aufge-
bauten Hoheitsthron, und suchet auch das stille Thal der Demuth, in dem so ruhig und still sich
leben läßt; - da seit vor jeglicher Gefahr ihr sicher und geschütßt, da seid ihr ganz auf meinem
Wege, und meine Liebe ist es die euch führt, und Ich bin Selbst es,

38
WAS UND WER IST BEKEHRT

Der euch leitet, so sicher so getreu. Wer mit Mir wandelt gern und frei, Der ist mein Kind und
wird es bleiben, Und nichts wird Mich von ihm vertreiben, Wer in der Demuth treu sich übt
Und dann sich völlig Mir ergiebt, Der ist bald ein bekehrter Christ, Wenn er genützet hat die
Frist. Die ihm vom Vater ward gegeben, Um treu nach seinem Wort zu leben. Das wird dir zeigen
nun Mein Kind, Was Gott belehrte Menschen sind, Daß hier die Zahl gering wird sein. Und
wenn Ich sage:“ Du bist Mein“, So beug in Demuth dich vor Mir Und spreche: Vater hilf du mir
- Zu werden - was ich noch nicht bin, So ist dir Meine Lieb`Gewinn. Dies sag ich mit dem Vater-
segen als Ostergruß dir heute. Amen

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UNRECHT TRAGEN

UNRECHT TRAGEN - DER WEG DER GOTTESKINDER.

G. E. W. 30 Mai 1893

Mein liebes Kind! Lausche Meinen Worten, denn sie sind ernst.-- Ich will ja den Unsegen
durch Segen überwinden, also solltet auch ihr es thun! Wohl hast du recht geredet, daß für
die Welt ein Richter nothwendig ist, und er thut recht - so er gerecht richtet; denn die Welt
steht im Gericht, darum bedarf sie des Richters, aber nicht also mit euch, so ihr euch der
Welt nicht gleichstellen wollet.

So euch aber Unrecht geschieht, so rufet nicht den weltlichen Richter an, daß er euch Recht
verschaffe, solches ist der Weg der Weltenkinder, sondern rufet mich an, aber nicht, daß Ich
euch Recht vertheidige, sondern daß Ich euch die Kraft verleihe, Unrecht zu tragen, und die
zu segnen die euch fluchen, gleichwie Ich gethan.

Sehet, so verschieden sind die Wege Meiner Kinder (denn es sind Kinder des Friedensfürs-
ten) von den Wegen der Kinder der welt, und Beides ist recht, denn beide Wege sind von mir
also geordnet; ihr habrt aber stets die freie wahl, Ich werde euch niemals zwingen durch
einen Befehl, wohl aber werde ich nicht aufhören, euch zu rathen, damit ihr frei aus euch
heraus wählen könnet und Meinem rathe folgen. Manchmal rathe Ich freilich tauben Ohren
und ihr folget den Anregungen eurer unnreinen Seele, was zwar nicht zu verwundern, aber
nicht sein sollte, da ihr wisset, daß die Seele jedes Menschen unrein ist, und zur Reinigung
mit einem Fleischleibe angethan, der ja ganz unrein, weil gefestete Materie ist.-

Darum sollet ihr den eigenen Willen, den Fleisches: wie den Seelen: Willen ganz von euch
thun,aber Meinen Willen zu erforschen suchen, und danach handeln 1 (Römer 12,2 von drei-
erlei Gottes Willen)

Meinen Wilen kann (darf) Ich euch aber nicht in jedem einzelnen Falle kundthun,denn so
Ich das thun würde, hätte Ich eine Zwangslage für euch geschaffen, wo bliebe dann die Frei-
heit der Kinder Gottes? Abder dennoch sollet ihr nie im Unklaren über meinen Willen sein,
denn Ich habe nicht blos gelehrt, sondern auch gelebt auf derselben Erdenwelt, wie ihr und
bin von der Hölle verfolgt worden, wie ihr, und habe ungerechte Handlungen und böswillige
Verleumdungen erdulden müssen, und auch der Josef und die Maria. sowie die Brüder mit
Mir, von der Flucht nach Ägypten bis zu Meinem letzten Kreuzesgang nach Golgatha. Ich
trug mein Kreuz obwohl Mir damit ein - jedes unverdorbene Gemüth empörendes - Unrecht
geschah, und hätte es so leicht ändern können, indem Ich den obersten Richter im Juden-
lande, den Cyrenius herbeigerufen hätte, und ihn durch die Luft hätte tragen lassen durch
Meine Engel in einem Augenblick.

1 Der Herr spricht ja auch durch Lenkung der Umstände u.s.w.

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WEG DER GOTTESKINDER

Sehet,so leicht wäre es mir gewesen Mein gutes Recht Mir zu verschaffen, und Meine Mör-
der und ihre gedungenen Zeugen der strengen Bestrafung durch die römischen Gesetze zu
überliefern, ja und warum that Ich es dennoch nicht ? sondern ertrug das allergrößte Un-
recht, was ein Mensch je ertragen, indem Ich, der alleinige lebendige Gott, Mich zu einem
Gotteslästerer,Ich, der alleinige rechte Führer des Judenvolkes, wei auch aller Völker Mich zu
einem Volksverführer und Volksaufwiegler stempeln und als solcher in empörendster Wei-
se Mich zu Tode martern ließ. Suchet doch einmal die Antwort auf die Frage - warum Ich
das that, liebe Kinder. - -Ich will es euch sagen: weil Ich nicht - - wie ihr - Mein gutes Recht
durch einen weltlichen Richter suchen wollte, denn das ist nur menschlich recht gehandelt;
da aber das Edelmenschliche nicht das Ziel, sondern nur ein Durchgangspunkt zum Errin-
gen der Vollendung im Göttlichen ist, so dürfet auch ihr nicht bei den Menschlichen stehen
bleiben, sondern ihr müsset es von euch thun, und unter eure Füße treten, dann wird es
euch die Stufe sein, durch die ihr in das Göttliche hineinsteiget. Aber bedenket wohl, das das
geht nicht (so leicht), so ihr euch nicht Gewalt anthun wollet, denn das Himmelreich duldet
Gewalt nicht allein,sondern - die es nicht mit Gewalt an sich reißen, werden es auch nicht
gewinnen. Amen!

Dieses sagt euer Meister euch, als Seinen Jüngern und Nachfolgern auf den Kreuzeswege.

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VATERBRIEF

VATERBRIEF NR. 441

TH.B.den 22 Februar 1886

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen NIKODEMUS, ein Oberster unter
den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu Ihm:“Meister, wir wissen, daßDu bist
ein Lehrer von Gott gekommen; dennNiemand kann die Zeichen thun, die Du thust, es sei denn
Gott mit ihm.“ JESUS antwortete und sprach zu ihm: „Es sei denn, daß jemand von Neuem gebo-
ren werde, (sonst) kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Liebe Kinder! Nikodemus war eine Seele, welche noch den Drang in sich fühlte, nach Wahrheit
zu suchen; er gehörte zu denen, welche durch die Tempellehre nicht mehr befriedigt wurde; denn
meine Wunder, welche er öfter sah und davon hörte, wirkten von Außen her auf ihn, daß er an
Mich als göttlichen abgesandten, glaubte. Doch war daneben das Pharisäerthum bei ihm tief ein-
gewurzelt, so das er in dem pünktlichen Halten der Zeremonien und der sonstigen äußerlichen
Anordnung, die von den Menschen herkommen, die Erfüllung des Gesetzes glaubte; er hielt
deshalb dieselben genau und ward daher vom Volke geehrt und geliebt vor vielen anderen Phari-
säern, die ein Aergernis gaben durch ihren Lebenswandel.

Aber dem Nikodemus fehlte noch die Hauptsache, der Geist oder das leitende Gewissen, welches
nicht um Menschenwillen Gutes wählt und thut, sondern um Meinetwillen, und zwar nicht aus
Furcht vor Mir, sondern infolge der Erkenntniß Meines Wesens, Meiner Liebe,dann gleichfalls
aus Gegenliebe darnach trachtet, das zu wählen und zu thun, was mir gefällig ist. Es kann z.B.
von zwei Menschen eine Aufgabe erfüllt werden, und zwar von jedem gut, nur mit dem Unter-
schiede, der Eine thut es aus Pflicht, weil es ihm geboten wurde, der andere aber aus Liebe zu dem
Gebieter. Dieses letztere wird wohl dem Gebieter mehr Freude machen, als wenn diese Aufgabe
bloß um des Lohnes willen vollbracht wurde; er wird sich mit diesem (liebethätigen) Menschen
mehr inVerkehr setzen, und demselben immer wieder neue Aufgaben zukommen lassen, weil er
weiß, daß dadurch dieser Mensch mehr Freude hat und an Liebe gewinnt. (Matth.13,12.)

So ist es zwischen mir und einer Seele; je mehr sie aus Liebe zu Mir ihre Aufgabe erfüllt, desto
mehr bekommt sie mit Mir in eine wahre innige Verbindung und vergeistigt sich; es wird ihr von
Stufe zu Stufe mehr Freudigkeit gegeben werden das Gute auszuführen, und so macht sie sich
geschickt in Mein Reich einzugehen, welches ist ein Reich der Einigkeit, oder die Vereinigung des
Geistes mit der Seele wird zu Stande kommen.

42
VATERBRIEF

Sobald die Seele Göttliches sucht auszuführen und gleichfalls aus Liebe zu Mir sich meinem Wil-
len unterwirft, ihr Streben, ihre Neigungen zum Materiellen immer mehr aufgiebt, weil sie eine
Freude findet an dem, was Mich angeht, so tritt sie dadurch aus der Materie heraus und ins geis-
tige Streben ein, ihr Wille nimmt eine andere Richtung an, nehmlich zum guten hin, und somit
auch ihre Thätigkeit. Dieses aber geschieht durch die Wirkung des h. Geistes, der stets bemüht
ist, eine Seele auf diesen Standpunkt zu bringen. es ist dieß die wahre Wiedergeburt eines Men-
schen, die stattfinden kann, wenn der Mensch um dieselbe betet, und nachdem ihm entweder
durch Wort oder durch sonst einen Gnadenakt die Veschiedenheit der Wahl klar gemacht wird.

Amen!
Euer Vater

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