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Universität Leipzig

Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften


Historisches Seminar
Seminar: Höfe der Herrscher und Herrscherinnen im hochmittelalterlichen
Euromediterraneum
Dozent: Prof. Dr. Wolfgang Huschner
Eingereicht am 13.11.2015

Der engere Hof Ottos III.


in den Jahren 983 – 996
Strukturen zwischen Kontinuität und Wandel

Paul Sommer-Weisel
Matrikel-Nummer: 2964537
Anschrift: Karl-Liebknecht-Straße 82, 04275 Leipzig
E-Mail: paulsommerweisel@gmail.com
Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Der engere Herrscherhof in den Strukturen der 3


ottonischen Königsherrschaft

3 Vormundschaftsregierung 984-994 und der 12


Personenverband um Otto III

4 Autonome Herrschaft: Struktureller Wandel und 25


personelle Kontinuitäten

5 Zusammenfassung 37

5 Quellenverzeichnis 41

6 Literaturverzeichnis 43
1 Einleitung

Otto III. galt bereits unter seinen Zeitgenossen als Ausnahmeerscheinung. Als schillernde
Herrschergestalt an der Wende des ersten Jahrtausends versetzte er nicht nur die mit ihm
interagierenden Repräsentanten des frühmittelalterlichen ottonischen Staatsgebildes in
Erstaunen, er vermochte als politisches wie persönliches Faszinosum auch nach seinem
frühen Tod im Jahr 1002 die Nachwelt zu beeindrucken. Die Ambiguität in der Bewertung
seines facettenreichen Charakters, seiner kontroversen Herrschaftskonzeption und –praxis
reflektiert das Résumé eines der frühen Biographen Ottos, des Chronisten Thietmars von
Merseburg: Diversi diverse sentiebant1. Einigkeit unter den teils gegensätzlichen Perspektiven
und Bewertungsansätzen unterschiedlicher Epochen besteht hingegen vor allem in einem
Aspekt: Zu den parteiübergreifend gerühmten Eigenschaften Ottos III. gehörte die Fähigkeit
zur Knüpfung und Pflege intensiver, milieuübergreifender Freundschaften2. Dieses Talent
brachte den vielseitig interessierten König in Kontakt mit den führenden wissenschaftlich wie
politisch aktiven Intellektuellen der von einem politischen wie geistigen Erneuerungsprozess
geprägten Epoche des ausgehenden 10. Jahrhunderts. Als geistiger Mittelpunkt und politische
Integrationsfigur eines polyzentrischen Netzwerkes persönlicher Freunde wie politischer
Kontakte zeigte sich Otto III. dabei stets bemüht die Vertreter der geistigen und weltlichen
Führungselite an seine Person zu binden und in seine Herrschaft zu integrieren. Diese über
die Reichsgrenzen hinaus wirkende Anziehungskraft fand ihren Fokalisationspunkt in Gestalt
des ottonischen Herrscherhofes, an welchem sich ein vielfältiger Personenkreis einflussreicher
Führungsfiguren und fähiger Berater zu konstituieren begann und am Hof mit dem Herrscher
in ein komplexes Beziehungsgeflecht eintrat.
In der vorliegenden Arbeit soll die derart am Hof Ottos III. konzentrierte Personenkonstellation
hinsichtlich dieses mannigfaltigen Beziehungssystems anhand des Differenzierungsmerkmals
der individuellen Verortbarkeit innerhalb der Antinomie zwischen Herrschernähe und –ferne
analysiert und kategorisiert werden. Den Ausgangspunkt der Untersuchung soll dabei das
strukturtheoretische Klassifizierungsmodell einer dichotomen Schematisierung zwischen den
Kategorien des engeren sowie des erweiterten Herrscherhofes bilden. Hierbei soll der Frage
nachgegangen werden, welche spezifischen Individuen und Personengruppen am Hof Ottos
III. mit den Kriterien des engeren Herrscherhofes korrespondieren.

1
Chronik d. Thietmar v. Merseburg c. 47, S. 184. Zu den unterschiedlichen Bewertungsansätzen in den
historischen Quellen vgl. v.a. Görich, Romanus, Saxonus et Italicus, S. 17-123 sowie Schramm, Kaiser,
Rom und Renovatio, S. 112.
2
Auf die integrale Funktion des institutionalisierten Freundschaftsbegriffes der amicitia für das
Einbinden sozialer Gruppen in die auf symbolischen Handlungen und informellen Beziehungen
basierende Herrschaftspraxis der Ottonenzeit weist Althoff, Amicitiae und Pacta, S. 16 hin. Die dem
zeitgenössischen Term inhärente Polysemie erfordert jedoch eine Differenzierung dieser Institution
gemäß funktionaler Kriterien, vgl. Paradisi, L'"amicitia" internazionale nell'alto medioevo, S. 178-225.
1
Zur Konkretisierung dieser Personenkonstellation ist zunächst eine typologisierende Analyse
der strukturellen Voraussetzungen und Funktionsbereiche des weitreichenden Organismus
des ottonischen Herrscherhofes zur Definition einzelner Personenkreise sowie funktionaler
Gruppen unabdingbar. Aufgrund der vorstaatlichen Konzeption und personalen Bedingtheit
des frühmittelalterlichen Hofes3 soll dabei neben der räumlichen wie zeitlichen Präsenz im
engeren Herrscherumfeld die individuelle Qualität der Beziehung zur zentralen Figur des
Herrschers als Kriterium eingeführt und untersucht werden. Ausgehend von den Ergebnissen
dieser Strukturanalyse soll in einem anschließenden Schritt die historische
Personenkonstellation des Herrscherhofes Ottos III. hinsichtlich der Definition eines Kreises
von Hofangehörigen untersucht werden, welcher der Definition des engeren Herrscherhofes
entspricht. Die historische Analyse soll dabei die Periode zwischen dem nominellen Beginn
der Herrschaft des minderjährigen Otto und dem biographisch einschneidenden ersten
Italienfeldzug 996 in den Fokus nehmen. Ein besonderes Augenmerk soll hierbei auf den
Umbrüchen sowie Kontinuitäten im engeren Personenverband um den Herrscher liegen, wie
sie im Verlauf der wechselhaften Herrschaft Ottos III. zu konstatieren sind. Demgemäß soll in
einem ersten Schritt der Zeitraum der Minderjährigkeit Ottos bis zum Jahre 994 untersucht
werden, welcher vom anfänglichen Kampf um den Thron und der sukzessiven Herrschaft der
Kaiserwitwen Theophanu und Adelheid an der Spitze einer provisorischen
„Vormundschaftsregierung“ geprägt ist. Im Anschluss soll diese Phase mit dem zweijährigen
Zeitraum der graduellen jedoch intensiven Neuorientierung im Zuge der zunehmenden
Autonomisierung der Herrschaft Ottos konfrontiert und in Hinblick auf Kontinuitäten und
Veränderungen der Personenkonstellation im engeren Umfeld Ottos untersucht werden.
Die Heterogenität dieser am Herrscherhof versammelten Personenkonstellation findet ihre
Entsprechung in der Multifunktionalität4 des Herrscherhofes als integralem Bestandteil der
frühmittelalterlichen Konzeption von Staatlichkeit und Herrschaftsausübung. Für den im 12.
Jahrhundert lebenden Hofkaplan Walter Map stellt die ständige Veränderung der höfischen
Personenstruktur das eigentliche Charakteristikum des Hofes dar: curia non est tempus,
temporalis quidem, mutabilis et varia, localis et erratica, numquam in eodem statu permanens5.
Im Folgenden möchte ich daher zunächst versuchen, in diesem fluiden Kosmos wechselhafter
Beziehungen und Wertigkeiten auf der Grundlage einer strukturanalytischen Untersuchung
Kriterien für eine Differenzierung des dort wirkenden Personenverbandes zu gewinnen.

3
Die Struktur des ottonischen Hofstaates kann als System formaler wie informeller Beziehungen
visualisiert werden, vgl. Ewert, Fürstenhof zwischen Informalität und formaler Ordnung, S. 11-23.
4
Zur Polyvalenz von Funktionen und Aufgabenstrukturen des Hofes vgl. Paravicini, Die ritterlich-
höfische Kultur des Mittelalters, S. 65-68. Eine systemtheoretische Erweiterung dieser funktionalen
Differenzierung unternimmt Hirschbiegel, Hof als soziales System, S. 43-55.
5
Map beschreibt in seinem Werk De nugis curialum die Herrscherfigur als einzige integrierende
Konstante des Hofes (Eadem est curia, sed mutata sunt membra, c. 1, S. 2). Vgl. Köhn, Kritik am
geistlichen Hofdienst, S. 228.
2
2 Der engere Herrscherhof in den Strukturen der ottonischen Königsherrschaft

In der strukturanalytischen Betrachtung des Herrscherhofes des Ottonenzeitalters6 präsentiert


sich dieser als multipolarer Komplex sozialer, administrativer wie repräsentativer Funktionen7,
welche in ihrer Gesamtheit ein Amalgam unterschiedlicher Beziehungsgeflechte 8 von
variierender Intensität ausmachen und sich in fünf grundlegende Kompetenzkomplexe
subsumieren lassen9. Zu den vornehmsten Aufgaben dieses ebenso integralen wie
multidimensionalen Bestandteils der vorstaatlichen Staatskonzeption wie –organisation des
10. Jahrhunderts10 zählen die Gewährleistung von Sicherheit11 und die Befriedigung des
Repräsentationsbedürfnisses der zentralen Herrscherfigur, welche den ideellen wie
funktionalen Fokalisationspunkt des Hofes darstellt12. Weiterhin bilden die Fähigkeit zur
Integration und Absorption systemstützender Machteliten13 in das direkte Umfeld des
Herrschers sowie zur effizienten Verwaltung der nahen ebenso wie der in der Hofperipherie
gelegenen Herrschaftsräume Kernelemente einer selbst- wie fernwirksamen Konzeption des
Hofes14. Zur Gewährleistung dieses vielseitigen Aufgabenspektrums konstituiert sich um die
Figur des Herrschers ein ausdifferenzierter Personenverband15, dessen funktionale Ambiguität
und personelle Heterogenität sich einer eindeutigen Kategorisierung zu widersetzen scheinen.

6
In der vorliegenden Untersuchung möchte ich mich auf Struktur und Funktionsweise des ottonischen
Herrscherhofes im 10. Jahrhundert fokussieren. Wenngleich dieser aufgrund seiner historischen Genese
auf den Strukturen der Karolingerzeit basiert, erfordert seine Modifikation durch die grundlegend
gewandelten Herrschaftsstrukturen und –voraussetzungen der Ottonenzeit seine Betrachtung als
eigenständiges Phänomen. Von den etwa im Traktat Hinkmars von Reims De ordine palatii
beschriebenen Institutionen des späteren karolingischen Hofes (vgl. Gilsdorf, The Favour of Friends, S.
87) unterscheidet er sich dabei insbesondere durch sein vorstaatliches, überwiegend personengestütztes
Konzept von Herrschaft. Somit muss sich die Konstruktion einer Taxonomie zur Beschreibung des
Herrscherhofes der Ottonenzeit auf die Untersuchung interindividueller Beziehungen als Fundament der
Herrschaft konzentrieren.
7
Grundlegendes Ziel des Hofes als multifunktionalem System ist die Erzeugung und Repräsentation
von Macht, vgl. Weinfurter, Autorität und die Herrschaftsbegründung des Königs um die
Jahrtausendwende, S. 47-66.
8
Funktionsweise und Hierarchie des ottonischen Herrscherhofes können als soziales System visualisiert
werden, dessen Normen und Regeln trotz mangelnder schriftlicher Fixierung vollwertige Institutionen
darstellen, vgl. Hirschbiegel, Hof als soziales System, S. 45.
9
Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, S. 66.
10
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 324.
11
Die Quellen des 10. Jahrhunderts deklarieren als explizit ausgewiesene Aufgabenbereiche des Königs
nur die Verantwortung für Frieden und Gerechtigkeit (pax et iustitia), Schutz und Förderung der Kirche
sowie Armenfürsorge, vgl. Keller, Herrscherbild und Herrschaftslegitimation, S. 290-311.
12
Butz, Überlegungen zur Theoriebildung des Hofes, S. 18.
13
Der Hof kann nach Görich als „unaufhörlicher Kommunikations- und Integrationsprozess“ verstanden
werden, von dessen unablässigen Funktionieren die Macht der Zentralgewalt abhängig war, vgl. idem,
Die Ehre des Reiches, S. 56.
14
Zunker, Adelige Identität und räumliche Integration, S. 195-203.
15
Dieser Personenverband ist die grundlegende strukturelle Einheit und Bezugsgröße des
Ottonenreiches, vgl. Vgl. Offergeld 2001, S. 651.
3
Die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten in dem Bestreben zur Erstellung einer
Phänomenologie des Hofes als Summe seiner divergierenden Beziehungen müssen daher
Ansätze zu unterschiedlichen Kategorisierungen generieren. Angesichts der fehlenden
verfassungsrechtlichen Ausgestaltung des Staatswesens der Ottonenzeit16 sowie des
wechselhaften Bedeutungs- und Machtgehaltes institutionalisierter Titel und
17
Ämterbezeichnungen bei Hof kann ein formalistischer, ausschließlich auf formalen
Titulaturen basierender Typologisierungsversuch keine definitive Aussagekraft beanspruchen.
Vielmehr beziehen Ämter und Titel am ottonischen Hof ihre spezifische Bedeutung und Macht
nicht zuletzt aus dem Prestige ihres individuellen Trägers, seiner Persönlichkeit und seinem
Verhältnis zur zentralen Herrscherfigur18. Diese Eigenschaften entschieden oft genug über die
tatsächliche Funktion der partikularen Rang- oder Dienstbezeichnungen und ihrer Relation zu
den übrigen officia innerhalb des höfischen Kosmos19. Ausgehend von diesem Befund muss
sich nach der Möglichkeit einer Definition der unterschiedlichen Nähe und Intensität der
strukturalen wie personalen Beziehungen mit der zentralen Führungsfigur von einer
einseitigen Betrachtung etwaiger Ämterhierarchien bei Hof distanzieren. Vielmehr scheint die
Problematik der Strukturierung des ottonischen Herrscherhofes dessen Visualisierung als
Geflecht formalisierter wie informaler Beziehungen von divergierender Intensität zu
erfordern20.
Im Folgenden möchte ich den Versuch einer Determination dieser Beziehungsmuster anhand
der Kategorien des engeren sowie des erweiterten Herrscherhofes unternehmen21. Hierzu
sollen zunächst diese Begriffe in ihrer Spezifik herausgearbeitet und kontrastiert werden. Als
Vergleichsmaßstab für die Definition der dauerhaft in der Umgebung des Königs präsenten
Personenkonstellation wurde die dichotome Schematisierung erstmals durch den
Regensburger Dompropst Konrad von Megenberg in dessen Hauptwerk Yconomica22
herangezogen. Dieser unterscheidet typologisch zwischen den Begriffen der curia minor, als

16
Althoff, Die Ottonen, Königsherrschaft ohne Staat, S. 234-238.
17
Keller, Grundlagen ottonischer Königsherrschaft, S. 17-34.
18
Aus der Summe dieser Faktoren konstruiert sich der individuelle honor der am Hof anwesenden
Personen. Er dient gleichsam als Währung innerhalb des höfischen Beziehungsgeflechts und entscheidet
über die höfische Rangfolge und damit verbundene Privilegien, vgl. Butz, Überlegungen zur
Theoriebildung des Hofes, S. 20.
19
Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, S. 68.
20
Ewert, Der mittelalterliche Fürstenhof zwischen Informalität und formaler Ordnung, S. 11-40.
21
Dieses dichotome Schema entstammt der mittelalterlichen Hoftheorie, bereits im 12. Jahrhundert
verwendete es der Kirchenrechtler und Bischof von Ferrara Huguccio in seinem Liber derivationum.
22
Das behandelte Werk entstand in der Mitte des 14. Jahrhunderts und kann somit keine absolute
Aussagekraft für den frühmittelalterlichen Hof der Ottonenzeit beanspruchen. Die generische
Betrachtungsweise des Hofes als abstraktes Phänomen verschiedener Beziehungen ermöglicht jedoch
die Übertragung dieses Hofmodells in andere historische Kontexte, vgl. Laudage, Rittertum und
höfische Kultur, S. 84. Eine grundlegende strukturtheoretische Analyse der von megenbergschen
Konzeption des Hofes unternimmt Müller, Die Oeconomia ist ein Monarchia, S. 147-164.
4
deren Merkmal er die Zugehörigkeit zu einem diverse soziale Stufen und Professionen
übergreifenden Personenverband von Hofangehörigen definiert, deren unmittelbare Nähe zum
Herrscher sie als Nucleus des Hofes ausweist, sowie dem hierzu komplementären erweiterten
Hof (curia maior)23. Hierfür dienen ihm die räumlichen und zeitlichen Intervalle, die individuelle
Amtsträger in unmittelbarer Begleitung des Herrschers und seines Hofes gemeinsam
verbringen, als Kriterium24. In der vorliegenden Untersuchung müssen demnach als
Angehörige des engeren Herrscherhofes solche Individuen gelten, deren statistisch relevante
Aufenthaltsdauer beziehungsweise –häufigkeit sich historiographisch durch Quellenaussagen
und Itinerarforschung belegen lassen25.
Vor dem Hintergrund dieser Bedeutung räumlicher wie zeitlicher Nähe zu den Abläufen des
Herrscherhofes muss die auffällige Abwesenheit zentraler weltlicher Führungsfiguren über
lange Strecken ins Auge fallen. Deren sporadisches Erscheinen bei Hof war zumeist von
temporäre Natur und besaß zumeist eine klar definierte Intention bzw. ein Anliegen26. Die
Ursachen dieses Befundes liegen in der historischen Entwicklung begründet 27, welche den
Charakter des früh- und hochmittelalterlichen Fürstenhofes bestimmen. War bereits die
ausgehende Epoche der Karolinger mit der Notwendigkeit der stärkeren Teilhabe und
Integration der lokalen Führungsschichten in das karolingische Großreich konfrontiert
gewesen28, setzte sich diese allgemeine Tendenz zur Schwächung der königlichen
Zentralgewalt auch im Nachfolgereich der Ottonen zunächst weiter fort. In der Folge
präsentiert sich das Staatsgefüge des Ottonenreiches in seinen Grundlagen als überwiegend

23
Der Begriff curia ist anachronistisch, die Quellen der Ottonenzeit sprechen zumeist von aula, curtis
o. palatium, vgl. Butz, Überlegungen zur Theoriebildung des Hofes, S. 4. Als etablierte Basisbegriffe
der jüngeren Hofforschung soll hier jedoch mit der von megenbergschen Terminologie operiert werden,
vgl. Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, S. 6-7.
24
Ökonomik, S. 199: qui cottidianes sunt curienses atque domestici, vgl. auch Rösener, Hofämter an
mittelalterlichen Fürstenhöfen, S. 514.
25
Hierzu zählen vor allem die zeitgenössischen Chroniken und Lebensbeschreibungen. Die oftmals
propagandistische Darstellungsabsicht dieser Quellen, etwa der Heiligenviten, erfordert in Einzelfällen
eine Kontextualisierung der Quellenaussagen mit den historischen Fakten (beispielsweise in Thangmars
Vita Bernwardi, vgl. Görich/Kortüm, Otto III, Thangmar und die Vita Bernwardi, S. 22-29). Allerdings
sind insbesondere die in dieser Untersuchung verwendeten Lebensberichte durch eine relative
Neutralität der Schilderung gekennzeichnet, vgl. Teuffel, Individuelle Persönlichkeitsschilderung in den
deutschen Geschichtswerken des 10. und 11. Jahrhunderts, S. 77-78.
26
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 340.
27
Während das Königtum der Karolinger im Anklang an antike Traditionen den Anspruch unilateraler
Königsherrschaft aufrechtzuerhalten suchte, deren zentralistische Organisation sich auf einen ortsfesten,
integrativen Sitz der Staatsgewalt orientierte (vgl. Althoff 2000, S. 231), hatten sich diese festgefügten
Strukturen mit dem Anbruch der Herrscherperiode der Ottonen zu Beginn des 10. Jahrhunderts
grundlegend gewandelt, vgl. Offergeld 2001, S. 649.
28
Althoff 1996, S. 22. Die Evolution der karolingischen Ämter zu vererblichen Titeln beförderte den
Aufstieg einer adeligen Führungsschicht und eine konsequente Dezentralisierung des Reichsverbundes,
vgl. Offergeld 2001, S. 649.
5
dezentralisierte Struktur29. Gemäß dem für diese Betrachtung zentralen Konzept der
Hoftheorie von Megenbergs zählen diese Personenkreise, soweit sie mit dem Hof interagieren,
aufgrund ihrer relativen Ortsgebundenheit tendenziell zum Personal des erweiterten Hofes 30.
Jedoch sind weltliche Fürsten und insbesondere Bischöfe ebenfalls als potenzielle Mitglieder
des engeren Herrscherhofes denkbar31.
Aufgrund der dezentralen Konzeption der ottonischen Herrschaftsstruktur und dem hieraus
resultierenden Fehlen geeigneter staatlicher Strukturen zur Unterhaltung einer eigenständigen
Administration besaßen die kirchlichen Institutionen mit ihrem umfassenden System der
Klerikerausbildung in der Verwaltung des ottonischen Großreiches eine gewichtige Position 32.
Die Sonderstellung des Herrscherhofes als administratives Zentrum aufgrund seiner fehlenden
Ortsgebundenheit ermöglichte den Aufstieg der ebenso mobilen wie multifunktionalen
Institution der Hofkapelle33. Die vergleichsweise exzellente Ausbildung kirchlicher
Funktionsträger34 prädestinierte diese geistige Elite des Reiches für die Übernahme
verwaltender Funktionen. Die häufig im unmittelbaren Umfeld des Hofes35 erfolgende
spezialisierte Ausbildung der Hofkapläne stattete diese mit fundiertem Wissen über die
administrative und ökonomische Verwaltung des Reiches aus. Dieses als „hohe Schule des
Reichsbeamtentums“36 bezeichnete Ausbildungsverfahren sicherte den Ottonen die Loyalität
eines talentierten Reservoirs zukünftiger klerikaler Führungskräfte37. Der Eintritt in die

29
Bernward, Itinerant Kingship, S. 45-70. Die dezentralisierte Konstruktion des ottonischen
Herrschaftsmodells resultierte demgemäß in einer relativen Beschneidung der königlichen
Verfügungsgewalt in der Konfrontation mit einer sich institutionell stetig stärker
konstitutionalisierenden Führungsschicht, insofern der Herrscher in zunehmenden Maße erworbene
Vorrechte unterschiedlicher Institutionen berücksichtigen musste, vgl. Althoff 1996, S. 19.
30
Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, S. 66.
31
Laudage, Rittertum und höfische Kultur, S. 84.
32
Schieffer, Der geschichtliche Ort der ottonisch-salischen Reichskirchenpolitik, S. 8.
33
Im Prolog der Gesta Chuonradi II. des Hofkaplans Wipo wird die Kapelle als Ort, „wo man sich über
alle Reichsfragen und die täglichen Begebenheiten unterrichten konnte“, vgl. Haider, Zum Verhältnis
von Kapellanat und Geschichtsschreibung im Mittelalter, S. 102. Konzentrierte sich das
Aufgabenspektrum dieser aus karolingischer Regierungspraxis übernommenen capellani ursprünglich
auf liturgische Dienstleistungen, etwa der Betrauung mit den königlichen Reliquien (vgl. Fleckenstein,
Die Hofkapelle, Sp. 72), so gewann das Gremium aufgrund seiner Mobilität in Zeiten der zunehmenden
Dezentralisierung der Herrschaft für die Hofstruktur des 10. Jahrhunderts eine überragende Stellung.
34
Vgl. Ehlers, Dom- und Klosterschulen in Deutschland und Frankreich im 10. und 11. Jahrhundert, S.
42.
35
Wenngleich eine „Hofschule“ nicht als festgefügte Institution existierte, scheinen die langjährigen
Mitglieder der Hofkapelle mit der Ausbildung der Neuzugänge beauftragt gewesen zu sein, vgl. Waitz,
Die Deutsche Reichsverfassung, S. 338.
36
Metz, Das Karolingische Reichsgut, S. 222.
37
Schieffer, Der geschichtliche Ort der ottonisch-salischen Reichskirchenpolitik, S. 17. Die Annahme
einer erhöhten Loyalität der Hofkapläne gegenüber dem Adel stand jedoch theoretisch wie praktisch
wiederholt in Konflikt mit dem Umstand der gemeinsamen Rekrutierung aus der Schicht des Adels, vgl.
Althoff 1996, S. 25. Während des Thronstreites von 984 stellen beispielsweise ehemalige Hofkapläne
einen signifikanten Teil der Anhängerschaft des Usurpators Heinrich, vgl. Erkens, Zur Legitimation
Heinrichs des Zänkers im Thronstreit von 984, S. 277-279.
6
Hofkapelle bedeutete darüber hinaus eine Bindung an die Person des Herrschers, welche in
weltlicher Terminologie eine lehensähnliche Verpflichtung darstellte38, und die Basis für ein
häufig mit dem Begriff des Reichskirchensystems39 charakterisiertes Modell der gegenseitigen
symbiotischen Verflechtung und gegenseitiger Vorteilsnahme bildete 40. Insbesondere dient
der Terminus der Beschreibung des Befundes der bemerkenswerten Interdependenz
zwischen der Institution der Hofkapelle und dem Episkopat des Ottonenreiches. Die
unmittelbare Nähe des mit diesem Systems begründeten cursus honorum der hohen
Geistlichkeit zum Herrscherhof bedeutete angesichts der dezentralen Herrschaftskonzeption
eine starke Stütze der Königsgewalt in den häufigen Konfrontationen mit der auf
Partikularinteressen bedachten weltlichen Führungsschicht. Diese gezielte Bevorzugung,
welche unter der Herrschaft der Ottonen einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, wurde von
einer Erweiterung des Aufgabenfeldes der Hofkapelle unter den Ottonen flankiert. Der
Ausbildungsstand und die ausgewiesene Loyalität der Hofkapläne ließ diese wiederkehrend
für die Übernahme von Botenmissionen, Interventionen zugunsten von Petenten sowie das
stellvertretende Abhalten von Königsgerichten in Betracht kommen. Besonders das Mitwirken
der Kapläne am Urkundengeschäft in der Hofkanzlei41 bedeutete jedoch, dass die
hauptsächliche Wirkungsstätte der Hofkapelle auch unter den späteren Ottonen stets der
Herrscherhof blieb42. Hierin erfüllt die Institution der Hofkapelle das für das strukturelle

38
Schieffer, Der ottonische Reichsepiskopat zwischen Königtum und Adel, S. 292.
39
Die Kontroverse um die Existenz eines institutionalisierten Reichskirchensystems pendelt zwischen
gegensätzlichen Standpunkten (vgl. Timothy Reuter, The „Imperial Church System“ of the Ottonian
and Salian Rulers: a Reconsideration, S. 347-374). Unter den Ottonen erreichte die Verfügungsgewalt
über die Investitur von Bischöfen einen vorläufigen Höhepunkt (Keller, Über die Rolle des Königs bei
der Einsetzung der Bischöfe im Reich der Ottonen und Salier, S. 154). Selbst zu Hochzeiten des
Reichskirchensystems besaßen aus der Hofkapelle berufene Bischöfe jedoch kein Übergewicht unter
den Episkopaten im Reich, vgl. Schieffer, Der geschichtliche Ort der ottonisch-salischen
Reichskirchenpolitik, S. 16. Unabhängig von dieser Frage ist für das 10. Jahrhundert eine starke
Interdependenz staatlicher und kirchlicher Strukturen zu konstatieren, vgl. Tellenbach, Die westliche
Kirche vom 10. bis zum frühen 12. Jahrhundert, S. 57–59.
40
Die strategische Positionierung der eigenen Nachkommen in der Umgebung des Herrschers galt
innerhalb der adeligen Führungsschicht als erfolgversprechendes Mittel, um deren Aufstiegschancen in
der Hofkapelle zu erhöhen, vgl. vgl. Althoff 2000, S. 235.
41
Im Zuge der Neubewertung der Kanzleiorganisation erscheint eine große Übereinstimmung
beziehungsweise Identität zwischen dem Personal der Hofkapelle und den „subalternen“ Schreibern als
wahrscheinlich. Möglicherweise existierte am reisenden Hof eine ausdifferenzierte Kanzlei als
Institution nicht, vgl. Huschner, Die ottonische Kanzlei in neuem Licht, S. 375-358. In den Quellen
werden sowohl Kapläne als auch Mitglieder der Hofkanzlei als consiliarii bezeichnet, was für die
perzipierte Überschneidung beider Funktionsbereiche spricht, vgl. Görich 1993, S. 183.
42
Im Verlauf des 10. Jahrhundert lassen sich in der ottonischen Hofkapelle Ansätze zur Lockerung
dieser ständigen Residenzpflicht am Herrscherhof beobachten (vgl. Althoff 2000, S. 244). Diese
Entwicklung ist mit dem Phänomen der verstärkten Ausstattung einzelner Hofkapellenmitglieder mit
Pfründen durch die Übernahme kanonischer Ämter verbunden. Die Versorgung mit Kanonikaten
bewirkte eine wirtschaftliche Diversifizierung der Einkommensgrundlage der Hofkapellenmitglieder
sowie eine weitere Verflechtung der Hofkapelle mit der ortsgebundenen Majorität der Kirche im Reich.
Trotz dieser partiellen Auflösungserscheinungen blieb die Residenzpflicht der Hofkapellenangehörigen
7
Paradigma Konrads von Megenbergs zentrale Kriterium nach permanenter Nähe zur
Herrscherfigur43. Zusammen mit der Hofkanzlei muss die Hofkapelle somit als
Personenverband gelten, welcher das Konzept der curia minor am stärksten personifiziert44.
Von diesen als servi honesti45 bezeichneten beinahe ausnahmslos dem Adel angehörigen
Vertretern des engeren Hofstaates schied Konrad von Megenberg die Kategorie der servi
utiles, welche in Gestalt des ununterbrochen am Hof weilenden Dienstpersonals, dessen
Aufgabe in der Gewährleistung der Aufrechterhaltung des höfischen Lebens bestand46. Diese
Dienerschicht bildete das eigentliche Fundament des durch die Gegebenheiten des
Reisekönigtums geprägten Hofes47. Zu Umfang, Tätigkeiten und Identität der Bediensteten,
welches mit den täglichen Bedürfnissen des Herrscherhofes befasst waren, äußern sich
zeitrelevante Quellen, in denen derartige Protagonisten oft aulici oder domestici bezeichnet
werden, aufgrund der allgemein niederen sozialen Schichtung dieser Hofkomponente nur
vereinzelt und meist beiläufig48. Schätzungen zur Personenanzahl der zum engeren Hof
gehörigen ständigen Begleiter des Königs gehen von einem Personenverband von ca.
eintausend Individuen aus49. Zu den wichtigsten Aufgaben der Ministerialen zählt die Sorge
um die persönlichen Bedürfnisse der Herrscherfigur.
Grundlegend für diesen Funktionskomplex steht die institutionalisierte Tetrade der Hofämter.
Diese stellen darüber hinaus einen Berührungspunkt zwischen der curia minor atque cottidana
und der curia maior dar. Wenngleich ihre gewohnheitsmäßige Ausübung im Alltag des
Herrscherhofes den Ministerialen zufiel50, wurden diese aus karolingischer Zeit stammenden
ursprünglich niederen Königsdienste in ihrer Funktion im Verlauf des 10. Jahrhunderts um
diejenige von temporären Ehrenämtern (officia curiae) erweitert, welche der König anlässlich
zeremoniell besonders hervorgehobener Zusammenkünfte der Führungsschicht unter seinen

in ihrem Grundsatz jedoch theoretisch unangetastet, vgl. Fleckenstein 1966, S. 81.


43
Diese kirchenrechtliche Anomalie resultierte aus der bereits in karolingischer Zeit erwirkten
Ausnahme der im Gefolge des Königs reisenden Hofkapläne von der päpstlich sanktionierten
Residenzpflicht. Die Exemtion umfasste darüber hinaus die Übertragung der rechtlichen Zugehörigkeit
der Hofkapläne zur familia des Königs, Fleckenstein 1966, S. 118.
44
Vgl. Laudage, Rittertum und höfische Kultur: „[Der Herrscher] musste sich im Alltag mit einem
Kernbestand von Ratgebern und Funktionsträgern begnügen; insbesondere die königlichen Kapelläne
und Notare sowie die Inhaber der Hofämter fallen dabei sofort ins Auge.“ (S. 83).
45
Rösener, Hofämter an mittelalterlichen Fürstenhöfen, S. 512.
46
Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, S. 66. Dabei verfügten sowohl der Herrscher
als auch die Herrscherin über einen Kreis allein mit ihnen assoziierter Vertrauter, welcher im Falle ihrer
zeitweiligen Trennung die Funktion eines vollwertigen Hofstaates übernehmen konnte, vgl. Johanek,
Höfe und Residenzen, Herrschaft und Repräsentation, S. 54.
47
Vgl. die Ökonomik S. 199: Curia minor est domus Caesaris ex minoribus constans ministris.
48
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 325.
49
Eickhoff 1996, S. 562. Die Größe des Hofpersonals ist relativ stabil, vgl. Butz, Überlegungen zur
Theoriebildung des Hofes, S. 18. Zu Kriegszeiten konnte sich diese Zahl jedoch durch das Hinzustoßen
von Truppenkontingenten beträchtlich erhöhen, vgl. Brühl, Fodrum, Gistrum, Servitium Regis, S. 169.
50
Rösener, Hofämter an mittelalterlichen Fürstenhöfen, S. 511.
8
Anhängern verteilte51. Den Anlass dieses temporären Funktionswandels bilden festgelegten
Termine, insbesondere die Hoftage sowie hohe religiöse Feste, welch eine erhebliche
Vergrößerung dieses Kernpersonales bedeuteten52. Der Hoftheoretiker von Megenberg spricht
in seiner Terminologie in solchen Fällen der Versammlung weltlicher und geistlicher
Würdenträge von einer curia plena (auch curia solemnis)53 im Gegensatz zum in alltäglicher
Besetzung zusammentretenden Hof, der curia ordinaria. Die Anwesenheit der
Führungsgruppe des Reiches bot Gelegenheiten zur Interaktion mit dieser und diente darüber
hinaus insbesondere der zeremoniellen Inszenierung des bestehenden Machtgefüges54 und
damit der symbolische Herrscheraffirmation55, indem sie mit den Mitteln des symbolpolitischen
Repertoires des ottonischen Hofstaates detaillierte visuelle Informationen über die
Machtverhältnisse am Hof, über Einfluss Wertigkeit der einzelnen Komponenten formulierte56.
Die Dominanz mündlicher Kommunikation gegenüber Ansätzen schriftlicher Kultur am Hof der
Ottonen verlangte nach einer allgemein einsehbaren Kommunikationskultur, deren scheinbar
informeller Charakter ihrer Verbindlichkeit keinen Abbruch tat57. Dieser kulturelle Code ritueller
Handlungen diente der Herstellung einer sichtbaren Stratifizierung des in den alltäglich in den
Kosmos des Hofes eingebundenen ebenso wie der diesen temporär erweiternden
Personenkreises. Die Bedeutsamkeit derartiger symbolischer Handlungen in Zeiten fluider
Ämterstrukturen und -bezeichnungen zur Determination der Gunst eines Individuums am Hof
wird in der scheinbaren Fixierung zeitgenössischer Quellen auf derartige Indikatoren
widergespiegelt. Wenn etwa in der Vita des Bischofs Bernward von Hildesheim berichtet wird,
der König sei diesem bei einer Begrüßungszeremonie entgegengeeilt58, kommt hierin neben
einer persönlichen Zuneigung gleichfalls eine Aussage über die Machtverhältnisse bei Hof
zum Ausdruck, indem der Bischof als Angehörigen des engsten Kreises von Vertrauten um

51
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 333.
52
Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelaltelters, S. 66. sowie Butz, Überlegungen zur
Theoriebildung des Hofes, S. 16
53
In der Ökonomik von Megenberg ist die curia plena als communicacio augusti cum magnatibus et
principibus definiert (S. 199).
54
Althoff, Die Ottonen, S. 23.
55
Butz, Überlegungen zur Theoriebildung des Hofes, S. 24. Die Zeremonie bestätigt den Herrscher als
integrativen Bestandteil einer gottgewollten Ordnung, vgl. Althoff 1996, S. 21.
56
Görich, Die Ehre des Reiches, S. 63. Diese Darstellung der Stratographie der Macht enthielt
vorwiegend dann politisches Konfliktmaterial, wenn die Verteilung der Wertigkeiten im
Beziehungsgeflecht des Herrschers zur Disposition stand bzw. aktiv umgestaltet wurde. Die Betrauung
mit einem derartigen Amt ist aufgrund des diesen inhärenten Ausdrucks besonderer Wertschätzung und
Nähe zur Zentralfigur der Herrschaft eine hohe Auszeichnung, vgl. Brühl, Fodrum, Gistrum, Servitium
Regis, S. 166.
57
Kölzer, Das Königtum Minderjähriger, S. 23.
58
Vita Bernwardi, c. 19, S. 767: “Quod humillimus ac piisimus imperator audiens, miro affectu dilectum
magistrum videndi flagrans, ad suam praesentiam tamen eum fatigare nolebat, sed festinus […] illi
occurrit, benignissimeque susceptum, inter amplexus familiarissime deosculatumm.
9
den König ausgewiesen wird59. Darüber hinaus ermöglichen die Quellen auch eingehendere
Analysen zu zeitgenössischen Vorstellungen über die theoretischen Grundlagen der
Beziehungen zwischen Herrscher und Individuum ebenso wie Erkenntnisse über deren
individuelle Ausformung zwischen Herrschernähe oder –ferne. Als traditionelle Formel zur
Anzeige einer derartigen Verbindung fungiert der Terminus der amicitia60.
Die hierin zum Ausdruck kommende Beziehung zwischen Herrscher und Subjekt beschreibt
eine quasiformale Institution, in deren Zentrum die reziproke Vorstellung der Gewährung
herrscherlicher Gunst im Gegenzug für loyale Gefolgschaft steht61. Der vertragsähnliche
Charakter dieser Bindungen62 schuf einen Kreis feststehendender Persönlichkeiten63 zumeist
adeliger Herkunft, welcher mit der Herrscherfigur auf der Grundlage eines Treueverhältnisses
verbunden war64 und deren Einbeziehung für das Gelingen der Königsherrschaft der
Ottonenzeit eine entscheidende Bedeutung zukam65. Aufgrund ihres formelhaften Charakters
kann die Anzeige einer Amicita-Beziehung jedoch nur beschränkt als Aussage über das
individuelle Verhältnis zum Herrscher, über räumliche wie persönliche Nähe oder Ferne zu
diesem herangezogen werden66. Daher stellen zeitgenössischen Quellen diesem Konzept den
korrespondierenden Begriff der familiaritas67 zur Seite, welcher den Hinweis auf eine gewissen
Intimität der Beziehung zum Herrscher und oftmals einer persönlichen Freundschaft gibt.
Aus dem Kreis dieser familiares konstituierten sich die Mitglieder des engsten Zirkels von
Beratern und Vertrauten um den Herrscher, welcher auf der Grundlage seines permanenten
Zugangsrechts als eigentlicher Kern des engeren Hofes der Regulierung der alltäglichen
Regierungsgeschäfte fungierte68. In seiner ambiguen Funktionalität diente dieses Gremium
gleichermaßen als Barriere, indem es die Person des Königs vor einem allgemeinen Zugang

59
Vgl. Körntgen, Königsherrschaft und Gottes Gnade, S. 15.
60
Wenngleich das Konzept der formalisierten amicitia die Horizontalität der Bindung betont, ist sie
durchaus von gegenseitigen Verpflichtungen geprägt (Ewert, Der mittelalterliche Fürstenhof zwischen
Informalität und formaler Ordnung, S. 30). Die Innigkeit einer Amicitia-Beziehung war an der Zahl der
Geschenke des Herrschers bzw. an persönlicher Zuwendung ablesbar, vgl. Althoff, Amicitiae und Pacta.
Bündnis, Einigung, Politik und Gebetsgedenken im beginnenden 10. Jahrhundert, S. 196.
61
Das Konzept bildet die Grundlage für den am Hof ständig stattfindende soziale Tauschprozess, der
sowohl materielle wie immaterielle Dienstleistungen zwischen Herrscher und Hofangehörigen umfasst,
vgl. Ewert, Sozialer Tausch bei Hofe, S. 57-58.
62
Boshof, Königtum und Königsherrschaft im 10. und 11. Jahrhundert, S. 93.
63
Die Exklusivität dieses führenden Personenverbandes offenbart sich auch in quantitativer Hinsicht,
Schätzungen beschränken dessen Größenordnung auf ca. 200 Individuen, vgl. Althoff 2000, S. 239.
64
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 337.
65
Die Teilnahme und Billigung des Herrscherhandelns durch die Führungsschicht wird in den
Herrscherurkunden häufig mit dem Begriff des consensus fidelium betont, vgl. Kölzer, Das Königtum
Minderjähriger im fränkisch-deutschen Mittelalter, S. 17.
66
Althoff 1996, S. 199.
67
Der Begriff (insbesondere bei weltlichen Vasallen auch fidelitas) bezeichnet im Unterschied zur
amicitia keine formalisierte Bindung und ist von der allgemeinen Zugehörigkeit der familia des
Herrschers zu unterscheiden, vgl. Steckel, Kulturen des Lehrens im Früh- und Hochmittelalter, S. 741.
68
vgl. Gilsdorf, The Favour of Friends, S. 87.
10
abschottete, und gleichzeitig als Filter, welcher durch Möglichkeit zur Selektion über die dem
König zu Gehör gebrachten Anliegen an den Regierungsgeschäften entscheidenden Einfluss
nehmen konnte69. Möglichkeit und Umfang des Zugangs zur physischen Person des
Herrschers galten als visuelle Manifestation des Grades ihrer Teilhabe an dessen
Regentschaft und bedeuteten ein ausgewiesenes Merkmal der Herrschergunst70. In jedem Fall
bedeutete die Zugangsmöglichkeit zum Herrscher einen genuinen Vorteil für die am Hof
befindlichen Akteure der Reichspolitik71.
Die individuelle Nähe zum Herrscherhof sowie die Permanenz in seinem Umfeld stellen das
grundlegende Unterscheidungsmerkmal des eingangs erörterten Schemas einer Dichotomie
zwischen engem und erweitertem Herrscherhof gemäß der Hoftheorie von Megenbergs dar.
Ausgehend vom dieser Basis lassen sich weitere Kriterien zur Kategorisierung der
Zugehörigkeit zur Personenkonstellation der curia minor gewinnen, auf deren Grundlage die
Identifizierung eines spezifischen Individuums als Mitglied dieser Gruppe postuliert werden
kann. Dazu zählen, soweit rekonstruierbar, Hinweise der historischen Quellen auf die Qualität
der interindividuellen Beziehungen zwischen der Herrscherfigur und dem untersuchten
Individuum. Als Indikator für eine etwaige Intensivierung dieser Beziehung dienen hierbei
insbesondere Hinweise auf die Existenz eines Verhältnisses von familiaritas zwischen dem
Herrscher und dem untersuchten Individuum als Referenzpunkt. Auf der Grundlage der
vergleichende Betrachtung der unterschiedlichen Interaktionsformen, welche die Vertreter der
adeligen wie klerikalen Führungsschicht hinsichtlich ihrer Funktion und Intention mit dem Hof
verbanden, liegt darüber hinaus eine Fokussierung auf die Institution der Hofkapelle als
genuinen Vertreter des Konzeptes der curia minor nahe. Hierbei soll der Frage nachgegangen
werden, ob die Zugehörigkeit zu dieser Institution eine grundsätzliche Privilegierung der
Mitglieder hinsichtlich des Entstehens einer engen Verbindung zur Herrscherfigur beinhaltete.
Den historischen Rahmen soll in der vorliegenden Arbeit der Herrscherhof Ottos III. bilden,
dessen Untersuchung sich dabei chronologisch auf den Zeitraum von den Anfängen seiner
Herrschaft 983 bis zum im Herbst 996 unternommenen ersten Italienfeldzuges und seiner
subsequenten Kaiserkrönung fokussieren soll. Anhand einer diachronen Betrachtung der
Stationen und Phasen des Lebenslaufes Ottos soll der Versuch einer taxonomischen
Zuordnung der am Hof Ottos III. tätigen Individuen und Personenkreise unternommen werden.

69
In den Viten wird die Teilhabe an diesem exklusiven Kreis derjenigen Vertrauten, welche das „Ohr
des Herrschers“ besaßen, durch besonders intim anmutende Schilderungen betont, e.g. Vita Bernwardi:
nec remissus est ad suum domicilium reverti, sed iuxta ubi ipse domnus habitabat (c. 19, S. 767).
70
Als Ausdruck der im ständigen Prozess der Neujustierung befindlichen „Währung“ der
herrscherlichen gratia war diese Möglichkeit demgemäß Beschränkungen unterlegen, welche für das
Phänomen informeller „Verteilungskämpfe“ ursächlich erscheint, vgl. Althoff, Huld: Überlegungen zu
einen Zentralbegriff der mittelalterliche Herrschaftsordnung, S. 259-262. Ein Beispiel hierfür ist die
animositas zwischen den königlichen Beratern Bernward und Willigis in der Frage des Gandersheimer
Streites, vgl. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 180.
71
Althoff, Spielregeln der Politik im Mittelalter, S. 197.
11
3 Vormundschaftsregierung 984-994 und der Personenverband um Otto III.

Die im Folgenden zu untersuchende Epoche zerfällt in zwei distinkte Perioden72, deren erste
durch die Herrschaft eines Gremiums naher Verwandter und Berater im Namen des noch
minderjährigen Königs gekennzeichnet ist, während letztere den graduellen Prozess der
Emanzipation von dieser Institution und selbstständige Übernahme der Herrschaft beschreibt.
Im Folgenden möchte ich zunächst die als Periode der Vormundschaftsregierung73 bekannte
Zeitspanne der Jahre 984 bis 994 analysieren. Nach einer einleitenden Schilderung der
historischen Voraussetzungen und der Genese dieser Regierungsform möchte ich Struktur
und Organisation des Herrscherhofes im genannten Zeitraum untersuchen und anschließend
exemplarisch führende Persönlichkeiten dieser Periode als mutmaßliche Mitglieder des
engeren Herrscherhofes skizzieren.
Der Beginn der als Vormundschaftsregierung umschriebenen Teilepoche der Herrschaft Ottos
III. steht unter den Vorzeichen der einschneidenden Katastrophe, als welche sich der Ausgang
des Italienfeldzuges seines Vaters Otto II. den Zeitgenossen darstellte74. Die aus der
Niederlage des deutschen Heeres bei Crotone 982 resultierenden massiven Verluste an
Ressourcen sowie der hohe Blutzoll, welchen insbesondere die Führungsschicht der
nordalpinen Territorien des Reiches zu verzeichnen hatte, bedeuteten für die Akzeptanz der
durch das Kriegerkönigtum Ottos I. begründete Dynastie der Liudolfinger eine
schwerwiegende Erschütterung75. So scheint denn auch der im Mai 983 zu Verona
einberufene Hoftag76 unter dem Eindruck der instabilen politischen Konstellation zu stehen.
Die aus dem Reichsgebiet nördlich der Alpen angereisten Vertreter der adeligen
Führungsschicht drängten den Kaiser mit der Forderung nach einer Suspension der als
politisches Abenteuer wahrgenommenen Italienpolitik Ottos II.77. Zumindest sah man in der
Aussprache mit dem seit drei Jahren im italienischen Reichsteil weilenden Kaiser die
Gelegenheit, die weitere Unterstützung der italienischen Kampagne mit der Forderung nach
umfangreicheren Befugnissen und Machtzuwächsen zu verknüpfen. Als ein derartiges

72
Ter Braak, Kaiser Otto III. Ideal und Praxis im frühen Mittelalter, S. 90.
73
Der Begriff ist terminologisch unscharf, jedoch allgemein in der Historiographie akzeptiert, vgl.
Kroeschell, Theophanu und Adelheid: Zum Problem der Vormundschaft über Otto III., S. 63-77. Nach
Vollzug des Wahlaktes sowie der Krönungszeremonie galt Otto rechtlich als regierungsfähig, vgl. Kraut,
Die Vormundschaft nach den Grundsätzen des Deutschen Rechtes, S. 112.
74
Althoff, Die Ottonen, S. 148.
75
Im Verbund mit dem im selben Jahr ausbrechenden Aufstand der Slawen und dem Verlust der
bedeutete das Jahr eine starke Destabilisierung der Legitimierung der Ottonenherrschaft, vgl. Offergeld
2001, S. 654.
76
Vgl. Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto III., S. 417. Die Wahl des
Veranstaltungsortes belegt die bereits unter Otto II. begonnenen Versuch einer Konvergierung beider
Reichsteile, vgl. Huschner, Erzbischof Johannes von Ravenna, S. 1-2.
77
Vgl. Maurenbrecher, Geschichte der deutschen Königswahlen vom zehnten bis dreizehnten
Jahrhundert, S. 69.
12
Zugeständnis muss die Wahl des minderjährigen Sohnes Ottos und der Theophanu zum König
erscheinen78. Die hiermit verbundene Installation des minderjährigen Thronfolgers im
nordalpinen Reich musste den Fürsten nicht nur ein wichtiges personelles Pfand in die Hand
geben, sie schien auch potenzielle Einflussmöglichkeiten auf den minderjährigen König als
Repräsentanten der zentralen Königsgewalt zu versprechen79. Der designierte Thronfolger
Otto III. hatte sich bis zum Zeitpunkt des Hoftages stets in Begleitung seiner kaiserlichen
Mutter Theophanu befunden80 und als wichtiger Garant der kaiserlichen Sukzession an den
ausgedehnten Reisen seines Vaters teilgenommen81. So ist denn auch die Zusammensetzung
und Umfang des in den ersten Lebensjahren mit der Betreuung des jungen Otto beauftragten
Personenkreises durch die Umstände der als Reisekönigtum charakterisierten
Herrschaftspraxis der Ottonenzeit geprägt. Erste Bezugspersonen des königlichen Infanten
entstammen demgemäß dem reisenden Gefolge des engeren Kaiserhofes, wobei Theophanu,
in deren Obhut sich Otto zumeist befand, über spezifisch ihrer Person zugeordnete
Bedienstete und Vertrauenspersonen verfügte82. Historisch fassbar sind hier die domna Imiza
von Xanten83 sowie ein ständiger Berater der Kaiserin Robertus84. Darüber hinaus scheint dem
königlichen Infanten auch ein eigener Tutor zugeteilt worden zu sein. Dieser als fidelis
bezeichnete Domestike Nancilinus erscheint erstmals in einer 981 zu Neapel ausgestellten
Schenkungsurkunde85, mit welcher dieser für seine Dienste als Betreuer seines Schützlings
belohnt wird86. In der Phase des militärischen Konfliktes in Süditalien scheint Otto mit seiner

78
Vordergründig als sichtbares Zeichen der unverbrüchlichen Treue der nordalpinen Großen des
Reiches zur Dynastie der Ottonen deklariert, bedeutete die Erhebung Ottos III. zum König im Reichsteil
nördlich der Alpen vielmehr einen Sieg für die Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen
Territorialfürsten, vgl. Uhlirz 1954, S. 6.
79
Maurenbrecher, Geschichte der deutschen Königswahlen vom zehnten bis dreizehnten Jahrhundert,
S. 68- 72. Möglicherweise war sich der Kaiser auch der Gefahr des Aufstieges einer eigenmächtig
agierenden Figur aus den Reihen der selbstbewussten Herzogsfamilien des Reiches im Falle der
längerfristigen Abwesenheit seines Hauses im nordalpinen Kernland bewusst (vgl. Offergeld 2001, S.
654).
80
Eickhoff 1996, S. 80.
81
Offergeld 2001, S. 655.
82
Um die Kaiserin hatte sich ein kleiner Kreis von Funktionsträgern etabliert, welcher beinahe den Rang
eines eigenen Hofstaates einnahm. So verfügte sie beispielsweise über eigene Kapläne (vgl. Waitz, Die
Deutsche Reichsverfassung, S.329), eigene Kanzlisten (z.B. Ecceman, vgl. Fleckenstein 1966, S. 74)
und Hofdamen.
83
Die Identität dieser engen Vertrauten Theophanus ist nicht abschließend gesichert, möglicherweise
entstammte sie dem römischen Hochadel, eine Erwähnung in den Briefen Gerbert von Aurillacs könnte
sie jedoch auch als Mutter des Grafen Otto von Hammerstein ausweisen, vgl. Görich, Die De Imiza.
Versuch über eine römische Adelsfamilie zur Zeit Ottos III, S. 16.
84
Uhlirz 1954, S. 19.
85
DO II 265: cuidam nostro fideli Nancilinus. Otto III. erscheint als Intervenient trotz seiner
Minderjährigkeit ebenfalls in einer weiteren Urkunde seines Vaters, vgl. Uhlirz 1954, S. 4.
86
Der weitere Verbleib des Nancilinus nach seiner Belehnung mit der Mark Gunmiete 981 am Hof ist
ungeklärt, vgl. Eickhoff, Theophanu und der König, S. 563. Es ist annehmbar, dass er als erster
nachweislicher Erzieher des jungen Otto fungierte.
13
Mutter den königlichen Hof begleitet zu haben87. Nach dem Rückzug des besiegten Heeres
nach Mittelitalien verblieben Teile des Hofstaates während der subsequenten Verhandlungen
Ottos II. mit den führenden Vertretern der Germania in Rom88. Dort hat die ältere Forschung
ferner ein Aufeinandertreffen Ottos mit dem Abt Gregor von Cerchiara89, einem aus dem
byzantinischen Kalabrien vertriebener Kleriker, sowie dessen Wirken als früher Erzieher Ottos
III. angenommen90. Er soll den Thronfolger im Herbst 983 ebenfalls in dessen Gefolge begleitet
haben91, als Otto im Herbst 983 in der Obhut des Mainzer Erzbischofs Willigis92 sowie
Johannes von Ravenna93 nach Aachen eskortiert wurde. In dieser traditionsreichen
Krönungspfalz sollte nach seiner „Königswahl“94 auf italienischem Boden die zeremonielle
Salbung und Krönung zum König vollzogen worden. Nachdem Otto am Weihnachtstage 983
schließlich gemäß dem zu Verona festgelegten Zeremoniell gekrönt worden war95, stürzte die
beinahe synchron eintreffende Nachricht vom unerwarteten Tod Ottos II. die zu diesem
Regierungsakt versammelte Führungselite des Reiches in Unordnung. Otto III. war mit dem
Tode seines Vaters anstatt eines Faustpfand der reichsinternen Fürstenopposition abrupt der
rechtmäßig gekrönte, jedoch aufgrund seiner Minderjährigkeit praktisch nicht regierungsfähige
Herrscher des Ostfränkisch-Deutschen Reiches geworden96. Der jähe Verlust der zentralen
Herrscherfigur bedeutete für das frühmittelalterliche Staatswesen der Ottonen eine politische
Krise97 und für die mit dieser assoziierten Angehörigen des regierenden Personenverbandes

87
Vgl. Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto III., S. 416.
88
Vgl. Keller, Die Ottonen, S. 64.
89
Weinfurter (Die Ottonen, S. 82) zählt ihn zum festen Bestandteil des Hofes in den Jahren der
Vormundschaftsregentschaft. Möglicherweise war Gregor ein früher Lehrer Ottos im Griechischen.
90
Wahrscheinlicher ist jedoch ein Zusammentreffen mit Otto III. erst in Rom im Jahr 996, vgl. Franzese,
San Gregorio da Cerchiara, S. 52.
91
vgl. Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto III., S. 417.
92
Willigis von Mainz hatte bereits ab 971 am Kaiserhof Ottos I. als Kanzler gewirkt. 975 ernannte Otto
II. ihn schließlich zum Erzbischof von Mainz und Erzkaplan, vgl. Euler, Willigis von Mainz in den
ersten Jahren seines Wirkens, S. 3-30.
93
Johannes von Besate gehörte ebenfalls zu den langjährigen Vertrauten Ottos II. und Theophanus und
stand auch mit Willigis von Mainz in engem Kontakt, vgl. Huschner, Erzbischof Johannes von Ravenna,
S. 35-36.
94
Der Vorgang der Designation ist aufgrund der dynastischen Erbfolge einzig als Akt der symbolischen
Kommunikation anzusehen, vgl. Maurenbrecher, Geschichte der deutschen Königswahlen vom zehnten
bis dreizehnten Jahrhundert, S. 68- 72.
95
Diese personellen Entscheidung im Umfeld des Krönungsaktes bezeugt anhand der expliziten
Einbindung in den Krönungsakt und privilegierten Stellung des ravennater Erzbischofes Johannes den
Versuch einer sichtbaren, mit den Instrumenten der frühmittelalterlichen Herrschaftssymbolik
prononcierten Integration der Elitenschicht des norditalienischen Reichsteiles in das supranationale
Herrschaftsgebilde der Ottonenzeit, vgl. Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto III.,
S. 417.
96
Offergeld 2001, S. 658.
97
Diese Notlage, welche mit der gleichzeitigen außenpolitischen Destabilisierung des Reiches durch
simultane Vorstöße der Slawen und des Westfrankenreichs auf die Grenzen koinzidierte, ließ viele
Angehörige der Führungsschicht vor der Vorstellung eines minderjährigen Herrschers auf dem Thron
zurückschrecken, vgl. Althoff 2000, S. 156.
14
den drohenden Verlust ihrer einflussreichen Stellung98. In den anschließenden Wochen der
Konfusion wurde der Kindkönig von Willigis in die Gewalt des Kölner Erzbischofs Warin
überantwortet99. Die unklaren politischen Verhältnisse des Frühjahrs 984100 resultieren aus der
Spezifik der überkommenen fränkischen Konzeption vom Königtum eines rex puer101, welche
einer etwaigen temporären Ausübung der Herrschaft durch einen Vormund nicht den
Charakter einer rechtswirksamen Institution einräumte. Vielmehr musste eine als informelles
provisorisches Gremium verstandene Vormundschaftsregentschaft102 ihren Anspruch auf
Legitimität aus der tatsächlichen Verfügungsgewalt über die Person des Königs als
symbolische Repräsentationsfigur der Herrschaftsausübung ableiten103. Diesen Umstand
machte sich der abgesetzte Bayernherzog Heinrich104 zunutze, indem er sich im Frühjahr 984
unter dem Vorwand der rechtlichen Vormundschaft in den Besitz Ottos III. brachte und in den
folgenden Monaten gestützt auf seine Anhängerschaft in Adel und Klerus die eigene
Herrschaft zu etablieren versuchte105. Das Unterfangen scheiterte jedoch am sich bald
abzeichnenden Widerstand entscheidender Führungskreise in Adel und Klerus, welche in ihrer
Loyalität zum ottonischen Hause nicht zuletzt die Möglichkeit zur Verfolgung eigener
Partikularinteressen unter der nominellen Herrschaft eines Minderjährigen erblickte. Unter der
Vermittlung des Mainzer Erzbischofes Willigis106, welcher eine führende Rolle in der

98
Die Abhängigkeit der Zugehörigkeit zu den führenden Regierungskreisen auf der familiaritas
bedeutete eine beständige Gefährdung dieser Position. Insbesondere die Perspektive eines
Regierungswechsels war für alle Nutznießer der vorigen Regierung mit der Bedrohung des
Bedeutungsverlustes verbunden, vgl. Althoff 2000, S. 153.
99
Dass der neugekrönte Herrscher von Willigis zunächst in die Obhut Warins von Köln übergeben
wurde, muss aufgrund des gespannten Verhältnisses dieses Erzbischofs zur Regierung Ottos II
verwundern, vgl. Große, Das Bistum Utrecht und seine Bischöfe im 10. und frühen 11. Jahrhundert, S.
224-228. Es ist daher vorstellbar, dass die Tutorschaft Warins von Köln über den minderjährigen
Thronfolger nicht von Otto II. sanktioniert worden ist, vgl. Görich 1993, S. 294.
100
In den Wochen nach dem Tod Ottos II. hatte sich die in Aachen versammelte Regierungselite des
Kaisers separiert und in ihre Heimatterritorien zurückgezogen, vgl. Offergeld 2001, S. 657.
101
Das mittelalterliche Verständnis von Königtum der Ottonenzeit bedeutete eine hybride Kombination
germanischer sowie auf das römische Rechtssystem basierender Einflüsse. Das resultierende osmotische
Konzept der Ottonenzeit, welches zu Beginn des 10. Jahrhunderts seine Ausformung erfahren hatte, sah
somit zwar ein Sukzessionsrecht auch eines minderjährigen Thronfolgers vor, vgl. Holtzmann,
Geschichte der sächsischen Kaiserzeit, S. 293-294.
102
Vgl. Offergeld 2001, S. 682.
103
Kölzer, Das Königtum Minderjähriger im fränkisch-deutschen Mittelalter, S. 312.
104
Heinrichs postulierter Anspruch auf Vormundschaft über Otto beruhte auf seiner
verwandtschaftlichen Funktion als patronus legalis, besaß jedoch keinen staatsrechtlichen Charakter,
vgl. Erkens, Zur Legitimation Heinrichs des Zänkers im Thronstreit von 984, S. 279-281.
105
Die Ziele Heinrichs als Usurpator sind umstritten. Während davon ausgeht, Heinrich habe sich einzig
eine starke Stellung an der Seite Ottos als Regent sichern wollen, scheint die bewusste Okkupation der
traditionellen Königsorte und –rituale der Ottonen (insbesondere das Feiern des Osterfestes in
Quedlinburg) vielmehr auf einen Umsturzversuch des Zänkers hinzudeuten, vgl. Glocker, Die
Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik, S. 181.
106
Willigis von Mainz gilt als eine überragende Erscheinung des 10. und 11. Jahrhunderts. Seine
kontinuierliche Mitwirkung an den Staatsgeschäften unter drei Ottonenherrschern vermittelten ihm
15
Organisation der pro-ottonischen Gegenreaktion im Reich übernahm, kam schließlich auf
einem Treffen beider Parteien in Bürstadt ein partieller Ausgleich zustande107. Eine zwischen
Willigis an der Spitze des fränkischen Adels und den drei aus Italien herbeigerufenen dominae
imperiales108 Theophanu, Adelheid sowie Mathilde von Quedlinburg gebildete Koalition konnte
Heinrich schließlich zur Aufgabe seines Usurpationsversuches und Herausgabe des
königlichen Kindes auf dem Tag von Rara/Rohr bewegen. Im Zuge einer Versammlung dieser
kaiserlichen Frauen und der führenden weltlichen wie geistlichen Gewalthabern im Rahmen
eines „Kolloquiums“109 in Speyer einigten sich die Eliten des Reiches für die Dauer der
Minderjährigkeit Ottos III. auf das Anvertrauen der stellvertretende Regierungsgewalt in die
Hände seiner kaiserlichen Mutter und Großmutter110 und initiierten hiermit die etwa zehnjährige
Herrschaftskonstrukt der „Vormundschaftsregierung“111. Nachdem der für die Dauer der
Empörung Heinrichs in Sachsen in Geiselhaft gehaltene Otto durch Heinrich gemäß seinem
Versprechen seinen weiblichen Anverwandten zurückgegeben worden war wurde der eben
vierjährige König unter Zustimmung der maßgeblichen sächsischen Führungselite112 in die
Obhut des Grafen Hoiko gegeben113. Der sächsische Adelige, welcher sich als Teilnehmer der

umfangreiche Kenntnisse und Fähigkeiten zur Verwaltung des Reiches und befähigten ihn, ebenfalls in
Zeiten der Schwächung der Königsgewalt eine effiziente Verwaltung zu gewährleisten. Grundlegend zu
seiner Person: Büttner, Erzbischof Willigis von Mainz 975-1011. Zu seiner Rolle in der
Vormundschaftsregierung vgl. v.a. Böhmer, Willigis von Mainz, S. 65-76.
107
In Bürstadt verpflichtete sich Heinrich zur Rückgabe Ottos, vgl. die Chronik des Thietmar von
Merseburg: ut ad locum, qui Rara vocatur, veniret puerumque matri suae illisque redderet. Zuvor hatte
Willigis insbesondere den fränkischen Adel und Klerus für seine Koalition gewinnen können, vgl.
Uhlirz 1954, S. 34.
108
Theophanu und Adelheid waren in den Monaten der Usurpation Heinrichs in Italien verblieben und
wurden nach dem offenbaren Sieg der königlichen Partei von Willigis zur Rückkehr aufgefordert. In
ihrem Gefolge befand sich auch Konrad von Burgund, der die Verhandlungen in Rohr leiten sollte, vgl.
Althoff 1996, S. 36.
109
Das colloqium stellt sowohl ein leistungsfähiges Mittel der frühmittelalterlichen Herrschaftspraxis
zur Beilegung von Streitfällen ebenso wie einen festen Bestandteil ritueller Herrschaftssymbolik dar,
vgl. Althoff, Colloquium familiare, S. 148-162. Das politische Selbstverständnis der drei dominae
imperiales verdeutlicht der Begriff colloqium dominarum, vgl. Keller, Die Ottonen, S. 69.
110
Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto III., S. 436.
111
Das historiographische Urteil über diese Periode ist zwiespältig. Der auf Konsens bedachte
Regierungsstil der Vormundschaftsregierung ist möglicherweise auf deren mangelnde Autorität und
Anerkennung zurückzuführen. Die vergleichsweise unterdurchschnittliche Frequenz der
Urkundenausstellung unterstützt die Deutung von einer vergleichsweise geringen Intensität der
Regentschaft Theophanus, vgl. Kehr, Zur Geschichte Ottos III., S. 421-435.
112
Theophanu hatte Notwendigkeit einer Verankerung ihres Sohnes in den Reihen des sächsischen
Hochadels erkannt, auf deren Konsens die Regierungsgewalt der Ottonendynastie basierte, vgl. Althof
2000, S. 162. Der sächsische Adel fühlte sich aufgrund zahlreicher Verflechtungen zu den Liudolfingern
in besonderem Maße zur Teilhabe an der Herrschaft berechtigt, vgl. Eickhoff 1996, S. 213-216. Über
die Bedeutung Sachsens als „Nahraum“ der Ottonenherrschaft s. Müller-Mertens, Die Reichsstruktur
im Spiegel der Herrschaftspraxis Ottos des Großen, S. 267. Thangmar legt Otto in seiner Vita Bernwardi
innerhalb der fiktiven literarischen Rede an die Römer den Ausdruck eines gewissen
Verbundenheitsgefühls mit den Sachsen (mei Saxones) in den Mund (c. 25).
113
Uhlirz 1954, S. 37.
16
sächsischen Oppositionsbewegung gegen Heinrich durch seine Treue zum Haus der Ottonen
empfohlen hatte114, scheint als dessen magister mit der physischen Ausbildung des jungen
Herrschers betraut gewesen zu sein115. Neben den Waffenübungen Ottos sollte er vor allem
die Integration des Minderjährigen in den Personenverband des Nachwuchses der führenden
sächsischen, fränkischen und thüringischen Adelshäuser befördern116. Das mit deren
führenden Vertretern geschlossene Bündnis der dominae imperiales verstetigte sich in der
Folgezeit und zeitigte bald normative Auswirkungen auf das Regierungshandeln und den
konkreten Aufbau des Hofstaates, welcher sich in den Folgemonaten um die
Repräsentationsfigur des Herrschers zu rekonstituieren begann117. Im Folgenden soll die
hoftheoretische Analyse dieses Personenverbandes deren synthetischen Charakter erörtern
und den Versuch einer Definition der durch die Analyse des engeren Umfeldes Ottos III. dem
engeren Herrscherhof attribuierten Individuen in verschiedene Kategorien unternehmen.
In der neugeschaffenen Machtzentrale des Hofes der Vormundschaftsregierung fusionierten
die aus Italien mitgeführten Gefolge Theophanus118 und Adelheids119 mit dem „Traditionskern“
derjenigen administrativen höfischen Funktionselite, welche in ihren wesentlichen Zügen
bereits unter Kaiser Ottos II. den Grundstock des Hofes gebildet hatte120. Insbesondere zählen
zu diesem Kreis die Mitglieder der vormaligen Mitglieder der Hofkapelle Ottos II.121 sowie der

114
Hoiko wird bei Thietmar, IV, 2, S. 132 als Mitglied des Schwurbundes auf der Asselburg genannt.
115
Eickhoff 1996, S. 268.
116
Otto sollte auch den überwiegenden Teil der Jahre 984-996 im sächsischen Kernraum der Ottonen,
vgl. Ehlers, Die Integration Sachsens in das fränkische Reich verbringen, S. 119.
117
Offergeld 2001, S. 654.
118
Als consors regni hatte Theophanu bereits unter Otto II. über ihr eigenes Gefolge verfügt, vgl.
Johanek, Höfe und Residenzen, Herrschaft und Repräsentation, S. 54. Neben einem nicht näher
bekannten Kreis griechischer Hofdamen (sie treten nach Theophanus Tod ins Essener Stift ein, vgl.
Küffner, Das ottonische Evangeliar, S. 149) gehört zu diesen v.a. Johannes Philagathos. Dessen
Kanzlertätigkeit wurde in der älteren Forschung mit der des Johannes von Besate gleichgesetzt. Er
wirkte jedoch erst ab 988 in Italien als Kanzler, vgl. Huschner, Erzbischof Johannes von Ravenna, S.
13.
119
Adelheids persönlichem Gefolge gehörte etwa der Kaplan Ecceman und der Manegold an, vgl.
Fleckenstein 1966, S. 72. Nachdem sie sich zwei Jahre nach Beginn der Zusammenarbeit mit ihrer
Stieftochter bezüglich der Streitfrage nach ihrem Wittum mit dieser überwarf, schied sie schließlich aus
der Reichsregierung aus (für die nachfolgende Periode sind keine Interventionen Adelheids
festzustellen, vgl. Görich 1993, S. 298) und führte eine eigenständige Herrschaft in Italien, vgl.
Holtzmann, Geschichte der Sächsischen Kaiserzeit, S. 303.
120
Fleckenstein 1966, S. 79.
121
Althoff 1996, S. 48. Da sich die vorliegende Arbeit auf solche Mitglieder der Hofkapelle fokussiert,
welche als genuine Vertreter und Akteure des engeren Herrscherhofes Ottos III. gelten können, sei hier
auf die betreffende Untersuchung Fleckensteins zum Personenverband der Hofkapelle seines
Vorgängers (Die Hofkapelle der deutschen Könige II, S.64-76) hingewiesen. Zu den bekanntesten aus
der Hofkapelle Ottos II. übernommenen Kaplänen gehörten Gunther (möglicherweise der von Otto III.
später zum Bischof von Osnabrück promovierte Gunther, vgl. Fleckenstein 1966, S. 90) und Andreas,
dessen Ernennung zum Bischof von Parenzo ein seltenes Beispiel für eine Promotion aus der Hofkapelle
in der Vormundschaftsperiode darstellt.
17
Hofkanzlei122, deren Leitung in Gestalt des Gespanns aus Willigis als Erzkaplan und dem
Kanzler der deutschen Kanzlei Hildebold von Worms123 als eigentlicher Garant des Systems
der Vormundschaftsregierung das Funktionieren des engeren Hofes gewährleistete. Während
Hildebold von Worms bedingt durch seine Funktion von nun an dauerhaft in der Umgebung
des minderjährigen Otto nachweisbar ist124, fällt auch die Häufigkeit und Dauer der
Anwesenheit des Erzbischofs Willigis am Hof ins Auge125. Die Kanzlei hatte ihre Tätigkeit nach
dem Ende der Thronwirren im Oktober 984 wiederaufgenommen126. Die Fiktion der
vollumfänglichen Regierungsfähigkeit des minderjährigen Otto verlangte in allen Ressorts der
symbolischen Repräsentation von Herrschaft nach dessen symbolischen Vorsitz über die
Regierungsgeschäfte. Diese Prämisse manifestierte nicht nur in der Übernahme zentraler
ritueller Herrscherhandlungen durch den jungen König127, sie fand auch in der Kanzlei in der
Urkundeausstellung in seinem Namen und der eigenständigen Vollziehung ihren Ausdruck. In
der Regierungspraxis des Herrscherhofes gewähren vor allem die ubiquitären Interventionen
Aufschluss über die tatsächlichen Umstände des Zustandekommens einer Urkunde sowie die
die eigentlichen Machtverhältnisse am Königshof der Vormundschaftszeit gewähren 128.
Insbesondere Willigis nimmt in den Urkunden der Jahre 984-995 eine derart prominente

122
Anhand des diplomatischen Befundes kann von einer weitgehenden Übernahme des mit der
Urkundenerstellung befassten Personals ausgegangen werden, vgl. Sickel, Die Urkunden Ottos III., S.
385. Demnach wurden die Notare Ottos II. von der Vormundschaftsregierung geschlossen übernommen,
vgl. Kehr, Die Urkunden Ottos III, S. 18. Die Übernahme des Personals der Hofkanzlei nach einem
Herrscherwechsel ist ein üblicher Vorgang, vgl. Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 355.
123
Hildebold galt als enger Vertrauter Theophanus am Hof, vgl. Leyser, Communications and Power in
Medieval Europe, S. 163.
124
Fleckenstein 1966, S. 78. Von allen Beratern Theophanus lassen sich beide am häufigsten am
Herrscherhof feststellen.
125
Aus dem detaillierten Itinerar bei Böhmer, Willigis, S. 171-178, wird die beinahe gewohnheitsmäßige
Anwesenheit des Willigis im Gefolge des Hofstaates deutlich, welche seine Position als Erzkanzler
erfordert, vgl. Sickel, Die Urkunden Ottos III., S. 384. Darüber hinaus orientiert sich auch das königliche
Itinerar an der Nähe zum Aufenthaltsort des Willigis (Die Prominenz der Pfalz Ingelheim im Itinerar
der Vormundschaftszeit gründet maßgeblich auf der Nähe zu Mainz, vgl. Entwicklung der Pfalz
Ingelheim im Hochmittelalter, S. 111).
126
Die Kanzlei Ottos III. verfügte anfangs nur über einen sehr kleinen Personenbestand. Im Jahr 984
sind nur zwei Notare belegt, HA und HB, vgl. Uhlirz, Die Die Intervention in den Urkunden des Königs
Otto III. bis zum Tode der Kaiserin Theophanu, S. 117. Mit dem Schreiber HA hat man erfolgreich
Bernward von Hildesheim identifiziert, vgl. Huschner, Erzbischof Johannes von Ravenna, S. 18.
127
So musste Otto bereits in frühesten Jahren den nominellen Vorsitz über das Königsgericht führen,
vgl. Weinfurter 2003, S. 80. Einen herausragenden Anlass des symbolischen Regierungshandelns durch
den minderjährigen Otto stellt beispielsweise die „Wiederaufführung“ der von Otto I. begonnenen
Tradition des Königsmahls dar, vgl. Althoff 2000, S. 161. Auch die zeitgenössischen Quellen
präsentieren Otto als vollwertigen Regenten, der den militärischen Oberbefehl besessen und dem
Königsgericht vorgesessen habe, vgl. Offergeld 2001, S. 706-713.
128
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 396. Die beherrschende Stellung Theophanus am Hof ist
sowohl quantitativ belegbar, sie ist auch an den hervorgehoben Formulierungen erkennbar (vgl. Uhlirz,
Die Intervention in den Urkunden des Königs Otto III. bis zum Tode der Kaiserin Theophanu, S. 132).
18
Stellung ein129, dass ihm die Geschichtsschreibung die Rolle eines spiritus rector der
Vormundschaftsjahre zugeschrieben hat130. Der Umstand der beinahe geschlossenen
Übernahme der Amts- und Funktionsträger des verstorbenen Kaisers bei weitgehendem
Ausbleiben von Neubesetzungen von Ämtern präsentiert sich als Konsequenz der effektiv
herrschaftssichernden Rolle, welche diesen aufgrund ihrer unersetzlichen Expertise zufiel 131.
Somit erscheint der engere Herrscherhof über weite Strecken der Vormundschaftsregierung
als weitgehende Iteration der Personalstruktur unter Otto II. Jedoch wurde diese Kernstruktur
durch Additionen aus dem Gefolge beider Kaiserinnen modifiziert. Zunächst ist eine verstärkte
Präsenz der Günstlinge und Vertrauenspersonen der Theophanu am Hof festzustellen132.
Unter diesen befanden sich auch Charaktere, welche auf die Erziehung ebenso wie die spätere
Regentschaft Ottos III. einen prägenden Einfluss ausüben sollten. Zu diesen Günstlingen
zählte beispielsweise der griechischstämmige Kleriker Johannes Philagathos133, welcher sich
seit Theophanus Ankunft in Italien in deren Gefolge befunden hatte. Der aus dem
süditalienischen Rossano stammende Geistliche absolvierte in den Jahren 982-988 einen
längeren Aufenthalt am nordalpinen Königshof 134, nachdem er bereits135 und zugleich als
persönlicher Kaplan der Kaiserin gedient hatte. Obgleich er 982 zum Abt des bedeutenden
Klosters Nonantola erhoben worden war, verblieb der Kleriker bis zu seiner Erhöhung zum
Erzbischof von Piacenza im Jahr 988136 am Herrscherhof Ottos III. und scheint den jungen

129
Nach Theophanu interveniert Willigis am häufigsten in den Urkunden Ottos III., an dritter Stelle folgt
Hildebold, vgl. Fleckenstein 1966, S. 78. Setzt man die Interventionen, deren relative Häufigkeit in der
finalen Vormundschaftsperiode unter Adelheid weiter zunimmt, als Gradmesser des Einflusses bei Hof
an, erreicht das Gespann aus Erzkaplan und Kanzler seine größte Machtfülle in den Jahren 991-994.
Ausführungen zur Regierungspraxis im Spannungsfeld zwischen den überkommenen Funktionsträgern
Ottos II. unter Willigis sowie Theophanu v.a. Eickhoff 1996, S. 174-178.
130
In der Beurteilung des politischen Agierens von Erzkaplan und Kanzler als Stützpfeiler der
Vormundschaftsregierung sind divergierende Urteile gefällt worden. Während Weinfurter (Die
Deutschen Herrscher des Mittelalters, S. 80) eine phasenweise Konkurrenz beider Regierungsinstanzen
beschreibt (vgl. auch Offergeld 2001, S. 695), charakterisiert Beumann (Die Ottonen, S. 200) beide als
konstruktive und loyale Mitarbeiter Theophanus.
131
Insbesondere die Institution der Hofkapelle musste sich nun als Garant der Kontinuität und
Herrscherlegitimation beweisen, Fleckenstein 1966, S. 77.
132
Das Übergewicht Theophanus in der Regentschaft manifestierte sich bereits 985, vgl. Uhlirz, Die
Intervention in den Urkunden des Königs Otto III. bis zum Tode der Kaiserin Theophanu, S. 130.
133
Johannes Philagathos war seit 980 persönlicher Kaplan Theophanus gewesen, vgl. Eickhoff 1996,
S.162. Die Urkunde DO II. 283 über seine Erhebung zum Abt als Nonantola nennt ihn darüber hinaus
als königlichen Ratgeber, vgl. Huschner, Giovanni XVI, S. 112. Die Vita des heiligen Nilus berichtet
darüber hinaus, Johannes sei Taufpate Ottos gewesen: qui utrumque vestrum de fonte baptismatis
suscepit (S. 616).
134
Weinfurter 2003, S. 81.
135
Das Schicksal der italienischen Kanzlei nach der dem Tode Ottos II. bis zum Jahr 988 bleibt unklar,
vgl. Kehr, Die Urkunden Ottos III., S. 55-63. Sie scheint jedoch nur eine geringe Reichweite entwickelt
zu haben und hörte 992 bis zum Italienfeldzug Ottos 996 faktisch auf zu existieren, vgl. Fleckenstein
1966, S. 87.
136
Die Erhebung auf den eigens hierfür rangerhöhten Erzbischofstuhl von Piacenza unternahm
Theophanu in Vorbereitung ihres Italienzuges 989, nachdem die Position der Vormundschaftsregierung
19
König in dieser Zeit mit den Grundlagen der griechischen Sprache und Literatur vertraut
gemacht zu haben137. Die dauerhafte Präsenz des byzantinischen Griechen am Hof138 und
sein vertrauter Umgang mit dem König prädestinieren Philagathos im Zeitraum der Jahre 984-
988 zu einem Mitglied des engeren Herrscherhofes139. Ungeachtet der Kontroverse über die
tatsächliche Beeinflussung Ottos III. in seinem späteren Herrscherhandeln durch den
byzantinisch-imperialen Einfluss seines jugendlichen Umfeldes140 ist eine grundlegende
Orientierung des jungen Königs zum Kosmos von Byzanz und seinen Idealen durch Johannes
Philagathos anzunehmen, welche bewirkte, dass „Otto III. ohne Byzanz nicht zu begreifen
ist“141. Dennoch scheint das persönliche Verhältnis des jungen Königs und des Griechen,
dessen Position am sächsischen Hof ohnehin prekär gewesen zu sein scheint, angesichts der
Ereignisse in späteren Jahren nicht die Qualität einer loyalen Freundschaft erreicht zu
haben142. Im Kontrast hierzu steht ein anderer Erzieher Ottos, dessen familiaritas den jungen
König nicht nur in den Besitz einer hervorragenden Bildung, sondern auch einer lebenslangen
Verbundenheit und Freundschaft brachte. Dieser erwuchs Otto in der Gestalt des Bernward
von Hildesheim143. Der junge Geistliche hatte in den Jahren 970 bis 975 die renommierte
Hildesheimer Domschule besucht und war dabei von seinem Patron Willigis von Mainz
umfangreich gefördert worden144. Nachdem er seine Laufbahn bei Hof 977 als Sekretär in der
Hofkanzlei begonnen hatte145, erscheint Bernward in den Quellen ebenso wie Hoiko als

ausreichend gesichert erschien sah, vgl. Huschner, Giovanni XVI, S. 113-114.


137
Davids 1995, S. 41 sowie Uhlirz, Jahrbücher des Deutschen Reiches, S. 89.
138
Diese dauerte bis zum Italienfeldzug Theophanus, welche neben Johannes Philagathos auch etliche
Reichsbischöfe, darunter Notker von Lüttich und Hugo von Würzburg in ihrem Gefolge mitnahm. Nach
ihrer Rückkehr aus Rom im Herbst 989 ernannte sie Philagathos während ihres Aufenthaltes in der alten
Residenzstadt Pavia schließlich zum magister camerae regis und vertraute ihm damit die königliche
Verwaltung des italienischen Reichsteils an, vgl. Uhlirz, Jahrbücher des Deutschen Reiches, S. 104.
139
In den Jahren der Regentschaft Theophanus wirkte Philagathos als Notar am Hofe und fungierte als
faktischer Kanzler für Italien, vgl. Huschner, Erzbischof Johannes von Ravenna, S. 13. Als Günstling
Theophanus nimmt Johannes Philagathos bis 991 eine bedeutende Stellung am Hof ein, vgl. Huschner,
Giovanni XVI, S. 113. Die vertraute Stellung des Griechen im Umfeld Ottos wird in den Quellen kritisch
bewertet, vgl. Davids 1995, S. 41.
140
Für die Konzeption der späteren Italienpolitik zeichnen sich eher nach 996 in den Kreis des engeren
Herrscherhofes aufgenommene Vordenker verantwortlich. Grundlegend hierzu Schramm, Kaiser, Rom
und renovatio (für die Beeinflussung Ottos in der Periode der Vormundschaftsregentschaft v.a. S. 89-
93) sowie Hampe, Kaiser Otto III. und Rom, S. 525.
141
Vgl. Deer, Das Kaiserbild im Kreuz, S. 202.
142
Ungeachtet der späteren Rolle des Johannes Philagathos als Gegenpapst (vgl. Hartmann, Die
Ottonische Herrschaft in Italien, S. 111-114) ist seine abschätzige Behandlung durch Otto nach dessen
Volljährigkeit bezeichnend, vgl. Huschner, Giovanni XVI, S. 113.
143
Bernward wird bei Althoff (Vormundschaft, Erzieher, Lehrer - Einflüsse auf Otto, S. 281) als
hauptsächlicher Lehrer Ottos III. angesehen.
144
Willigis weihte seinen Schüler 985 auch zum Subdiakon, vgl. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe,
S. 171. Bernwards Karriere erscheint typisch für die symbiotische Beziehung kirchlicher und weltlicher
Herrschaft unter den Ottonen, vgl. Steckel, Kulturen des Lehrens im Früh- und Hochmittelalter, S. 735.
145
Wulf, Bernward von Hildesheim, S. 1. In einer Dotationsurkunde (Urkundenbuch v. Hildesheim 62)
bezeichnet sich Bernward selbst als aulicus scriba doctus, vgl. Schuffels, Aulicus scriba doctus, S. 247.
20
Teilnehmer der sächsischen Adelsopposition gegen Heinrich den Zänker146. Im Jahr 986
wurde er in die königliche Hofkapelle aufgenommen und ein Jahr später von Willigis aufgrund
seiner vielfältigen Begabungen für das Amt des Erziehers des minderjährigen Otto
vorgeschlagen147. In den folgenden Jahren vermittelte er dem jungen König neben den
Basiskompetenzen des Triviums ebenfalls Kenntnisse im Bereich der klassischen Literatur
sowie der Lehren der Patristik148. Darüber hinaus beeinflusste die religiöse Grundhaltung und
Lebensführung des Klerikers möglicherweise die in späteren Jahren ausgeprägte Frömmigkeit
Ottos149. Seine Erziehung, die in der vom Hildesheimer Domscholaster Thangmar verfassten
Lebensbericht Bernwards als streng, jedoch ebenso anspruchsvoll und vielfältig geschildert
wird150, erwarb ihm die dauerhafte Zuneigung seines Schützlings151, welche ihm auch nach
seiner Entfernung vom Hof im Zuge der Beförderung zum Erzbischof von Hildesheim 993
erhalten blieb. Als permanenter Begleiter des jungen Königs sowie in seiner Funktion als
intimer Freund und Vertrauter Ottos muss Bernward demnach als Angehöriger des engeren
Hofes gelten.
Darüber hinaus trat mit Bernward auch dessen Bruder Tammo152 ins Blickfeld des
Herrscherhofes und wurde bald mit dem Hofamt des königlichen Kämmerers betraut. In dieser
Position scheint er schnell das Vertrauen des jungen Königs gewonnen zu haben153, in dessen
unmittelbarer Umgebung er bis zum Tod des späteren Kaisers bezeugt ist 154. Im Verlaufe der
langjährigen Familiaritas-Beziehung vertiefte sich das Verhältnis beider zu einer derart intimen
Freundschaft, dass der Kämmerer und spätere Truchsess Tammo in den Quellen als engster
persönlicher Kontakt des Königs ausgewiesen ist155. In der Vita Romualdi wird der von Otto

Von Thietmar von Merseburg wird er darüber hinaus irrtümlich als regius cancellarius ausgewiesen,
vgl. Tschan, Saint Bernward of Hildesheim, S. 49
146
In der Chronik Thietmars von Merseburg erscheint Bernward als Teilnehmer der coniuratio
sächsischer Adeliger auf der Asselburg. Dort wird er als comes et clericus tituliert, vgl. Thietmar von
Merseburg IV, 2.
147
Wulf, Bernward von Hildesheim, S. 2. Das Diplom DO III 390 für Hildesheim im Jahr 1001
beschreibt Bernward darüber hinaus als parentum nostrorum alumnus nostrarumque cunabularum
primus socius. Diese Aussage ist jedoch wahrscheinlich eine honorierende Übertreibung, eine
Lehrtätigkeit vor 987 ist nicht zu belegen, vgl. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 172.
148
Eickhoff 1996, S. 268-284. Zu den Bildungsinhalten der frühmittelalterlichen Königserziehung vgl.
Ehlers, Dom- und Klosterschulen in Deutschland und Frankreich im 10. und 11. Jahrhundert, S. 32
149
Uhlirz, Jahrbücher des Deutschen Reiches, S. 90.
150
Ottos Bildung wird in späteren Quellen immer wieder gerühmt, vgl. Eickhoff, S. 249.
151
Diese enge Verbindung wird in der Vita Bernwardi (insbesondere c. 3, c. 19 u. 23) wiederholt
geschildert, vgl. Althoff 1996, S. 201.
152
Tammo/Dammo ist erstmals im Diplom DO III 393 als Truchsess (discoforus) Ottos urkundlich
belegt. Vgl. darüber hinaus auch die Vita Bernwardi c. 4, S. 774.
153
Das Amt des Kämmerers bedeutete von allen Hofämtern die größte Nähe zur Person des Königs, vgl.
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 330.
154
Vgl. Eickhoff 1996, S. 485.
155
Vgl. Althoff 1996, S. 204. Die enge Freundschaft mit Tammo wird in der Vita Bernwardi (c. 35) und
ebenso in Brun von Querfurts Vita quinque fratrum (c. 2) deutlich, vgl. Eickhoff 1996, S. 662.
21
mehrmals mit Schenkungen bedachte Truchsess als familiaris et carus bezeichnet, weiterhin
wird in von einer außergewöhnlichen Geste der Freundschaft berichtet: Otto habe mit seinem
Kämmerer im Scherz seine Kleider getauscht156. Dieser freundschaftliche Umgang hebt
Tammo aus der Menge der anderweitig bezeugten Ministerialen hervor und zeugt von einem
ungewöhnlich hohen Grad von Vertrautheit. Somit kann der Kämmerer Tammo auch zu den
langjährigen Mitgliedern der curia minor gerechnet werden. Seine Person repräsentiert die
ansonsten weithin anonyme Kategorie der servi utiles, welche ungeachtet ihrer grundlegenden
Funktion und quantitativen Stärke am Herrscherhof nur selten in den Quellen erscheinen157.
Auffällig für den mit der Erziehung Ottos III. betrauten Personenkreis ist vor allem dessen
gegensätzlicher Charakter158, welcher den breitgefächerten Interessen des jungen Königs
entgegenkam und diese reflektierte.159 Die fundierte Ausbildung Ottos, welchem bereits
zeitgenössische Intellektuelle das Epithet mirabilia mundi zubilligten, stellt nicht nur einen
qualitativen Höhepunkt der mittelalterlichen Herrscheredukation160, sie schuf darüber hinaus
die Grundlagen einer tiefen lebenslangen Verbundenheit sowie eines intimen
Vertrauensverhältnis zwischen dem König und seinen Lehrern161. Die tendenziöse
Darstellungsabsicht162 der zur Thematik der Erziehung Ottos III. zur Verfügung stehenden
Quellen verunklart den Blick auf etwaige weitere Personen 163, welche zum Zwecke der
Ausbildung des jungen Herrschers dauerhaft am Herrscherhof geweilt haben. So erscheint
eine Beteiligung des Abtes Heribert von Brogne wahrscheinlich164, welcher sich als Hofkaplan

156
Vgl. die Vita beati Romualdi, c. 25, S. 52: in tantum regi familiaris et carus extiterat, ut utriusque
vestes utrumque contegerent et amborum manus una parobsis communi sepe convivio sotiaret.
157
Nachrichten über die bei Hof Dienst tuenden Ministerialen können vor allem aus
Schenkungsurkunden gewonnen werden. Otto III. bedachte vorwiegend die Inhaber von Hofämtern,
etwa Kämmerer und Truchsessen. Aus den Jahren 993-1000 sind drei Diplome für Kämmerer (Ermenold
993, Tiezo 995, Reginher 1000), Truchsessen (Dammo in DO III 393 u. Eskiko in DO III 365) erhalten.
Weiterhin beschenkte Otto gelegentlich am Hof anwesende Ritter (sog. fideles, beispielsweise Ruodolt
992 sowie Daio 995), vgl. Schrage, Zur Siedlungspolitik der Ottonen, S. 208-210.
158
Offergeld 2001, S. 721.
159
Sie reflektiert die gesteigerten Ansprüche an den Bildungsstand des zukünftigen Herrschers eines
heterogenen Reiches. Die Leitlinien dieser umfassenden Erziehung hatten sich bereits unter Ottos Vater
bewährt und hatten diesem zu einem beachtenswerten Bildungsstand verholfen, wie er in den Quellen
wiederholt hervorgehoben wird, vgl. Eickhoff 1996, S. 250.
160
Diese Ausbildung befähigte Otto beispielsweise zur zeituntypischen Einflussnahme auf die
Gestaltung seiner Herrscherurkunden, vgl. Hoffmann, Eigendiktat in den Urkunden Ottos III. und
Heinrichs II, S. 397.
161
Thangmar berichtet: A qua hic venerabilis iuvenis Bernwardus benignissime suscipitur, atque in
brevi summae familiaritatis locum obtinuit (Vita Bernwardi, c. 2, S. 759).
162
Als Hauptquelle muss hier die Vita des heiligen Bernward von Hildesheim gelten, deren
leitmotivische Darstellungsabsicht in der Präsentation des Protagonisten als alleiniger Erzieher und
familiarissimus des Königs besteht, vgl. Stumpf, Zum Quellenwert von Thangmars Vita Bernwardi, S.
479-490.
163
Die Beteiligung weiterer Persönlichkeiten am Hof an der Erziehung Ottos III. ist wahrscheinlich,
jedoch nicht durch Quellen zu belegen, vgl. Althoff 2000, S. 162.
164
Dieser wurde in der Forschung oftmals mit dem gleichnamigen Hofkaplan und späteren Kanzler
22
in der Umgebung Ottos befand165. Die in dieser Zeit entwickelte enge Bindung Ottos an seinen
Kaplan ist urkundlich bezeugt166. Der Tod Theophanus im Jahr 991167 bedeutete jedoch
schließlich die Entfernung dieses Erziehers vom Hofe168. Adelheid, welche in der Folge den
nominellen Vorsitz über die Regierungsgeschäfte für ihren minderjährigen Enkel übernahm169,
sorgte für die Entfernung unliebsamer Erzieher aus dem Umfeld des Königs170. Sie tangierte
den Personenverband um Otto III. auch in anderer Hinsicht, indem sie den Beraterkreis
Theophanus vom Hof verdrängte und mit eigenen Anhängern besetzte171. Beispielsweise wird
der bereits unter Otto II. mit einer prominenten Rolle am Hof ausgestattete Giselher von
Magdeburg abermals stärker bei der Bewältigung der Regierungsaufgaben eingebunden172.
Darüber hinaus scheinen in den drei Jahren ihrer Regentschaft umfangreiche Veränderungen
in der königlichen Kanzlei stattgefunden zu haben173, welche zum erneuten Erscheinen von
Notare aus dem Kanzleipersonal Ottos II als Verfasser von Urkunden sorgten174. Das
eigentliche Fundament der Vormundschaftsregierung in Gestalt des Gespanns aus Willigis
von Mainz und Hildebold von Worms blieb jedoch unangetastet. Vielmehr konnten beide ihre
überragende Stellung bei Hof in den Jahren nach Theophanus Tod weiter ausbauen 175. Sie
stehen exemplarisch für einen personellen Grundstock von Beratern und Funktionsträgern,

Ottos gleichgesetzt (vgl. Uhlirz 1954, S. 104). Diese Forschungsmeinung gilt jedoch als wiederlegt, vgl.
Offergeld 2001, S. 720.
165
Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto III., S. 479.
166
So wird Heribert in der Urkunde DO III. 92 als iam multo tempore doctor meus et capellanus mihi
carissimus bezeichnet, vgl. Sickel, Die Urkunden Otto des III., S. 503.
167
Das Itinerar Theophanus erweist in den Jahren von 984 bis zu ihrer Italienreise 989 eine beinahe
durchgängige Nähe zu Otto III, vgl. Weinfurter 2003, S. 80. Als natürliches Mitglied des engeren
Herrscherhofes unterscheidet sich Theophanu hierin sowohl gegenüber Adelheid, die seit 986 in Italien
residierte, sowie von Ottos Tante Mathilde von Quedlinburg, welche mit dem Hof meist nur anlässlich
religiöser Festtage in Berührung kam, vgl. Uhlirz 1954, S. 179.
168
Uhlirz 1954, S. 152.
169
Adelheid kehrte 991 sie aus Italien an den Herrscherhof zurück (Offergeld 2001, S. 691) und wurde
auf dem Hoftag von Grone in ihrer Funktion als Regentin bestätigt. Im Zeitraum zwischen 991-994
scheint sie sich mit Ausnahme zweier längerer Reisen permanent am Königshof aufgehalten zu haben,
vgl. Offergeld 2001, S. 723.
170
Vereinzelt ist von einer funktionellen Teilung der Vormundschaftsregierung ausgegangen worden,
gemäß der Willigis die Leitung der Regierungsschäfte zufiel, während Adelheid sich auf die Erziehung
Ottos fokussierte, vgl. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 177.
171
Das prominenteste Beispiel ist Johannes Philagathos, vgl. Huschner, Giovanni XVI, S. 113. Zwar ist
er noch 992 bei der Halberstädter Domweihe zugegen, danach wird er in den italienischen
Herrscherurkunden nicht länger als (Erz)kanzler erwähnt und muss auch seine Position in der
Verwaltung Italiens in Pavia aufgeben.
172
Während Giselher für die Regentschaft Ottos II. eine wichtige Rolle eingenommen hatte (vgl. Claude,
Geschichte des Erzbistums Magdeburg, S. 175), war diese Position in den Jahren der Vormundschaft
Theophanus geschwunden. Erst unter Adelheid konnte er erneut Akzente setzen, etwa während der
Weihe des Halberstädter Domes 992, vgl. Althoff 2000, S. 171-172.
173
Die Hofkapelle Ottos III. bleibt jedoch weitgehend unverändert, vgl. Eickhoff 1996, S. 415.
174
Vgl. Uhlirz 1954, S. 152.
175
Vgl. Uhlirz, Die Intervention in den Urkunden des Königs Otto III. bis zum Tode der Kaiserin
Theophanu, S. 133.
23
deren Aufstieg in die engeren Kreise des Hofes noch auf die Herrschaft Ottos II. oder I.
zurückgeht und diese privilegierte Position in der sukzessiven Regentschaftsperiode zu
wahren wusste. Darüber hinaus stellt die heterogene Gruppe der Erzieher Ottos III. eine
weitere prägende Kategorie der curia minor in den Jahren der Vormundschaftsregentschaft
dar, welche durch ihre langjährige Einwirkung auf den Herrscher nicht nur dessen Weltbild
formte, sondern sie darüber hinaus zu engen Vertrauten des zukünftigen Königs und Kaisers
machte. Exemplarisch hierfür steht der Einfluss Bernwards von Hildesheim auf seinen jungen
Schützling, welcher sich in dieser letzten Phase der Vormundschaftsregierung nach Tode
Theophanus noch verstärkt zu haben scheint176. Als charakteristisch für die späteren Jahre
der Vormundschaftsregierung erscheint schließlich der Prozess der beständigen
Zurückdrängung des Einflusses der bereits hochbetagten Adelheid am Hof 177. Dieses
Phänomen wird sowohl in der Analyse der zeitrelevanten Diplomata178 als auch der Quellen179
deutlich. Der Vorgang korreliert mit einem graduellen Übergang zur selbstständigen Ausübung
der Herrschaft Ottos III in den Jahren um den Zeitpunkt seiner Volljährigkeit180. Spätestens in
diesem Jahr wird ein substanzieller Wechsel im praktischen Regierungshandeln ebenso wie
Ansätze einer veränderten Herrschaftskonzeption Ottos III. evident181. Entscheidenden Anteil
an diesem Befund besitzt dabei die von Otto von nun an aktiv betriebene Personalpolitik182,
deren fundamentale Konsequenzen auf die mit dem Konzept des engeren Herrscherhofes
assoziierte Personenkonstellation ich im Folgenden darstellen möchte.

176
Vita Bernwardi: Praecipue itaque familiaritate magistrum suum amplectebatur (c. 3, S. 759). Vgl.
Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 177.
177
Adelheid entfaltete eine geringere Regierungsaktivität als ihre Vorgängerin. Wenngleich der starke
Anstieg von Masseninterventionen während ihrer kurzen Regierungszeit als Beleg für die höhere
Akzeptanz ihrer Führung gegenüber dem Vorsitz der Graecula über das Reich gewertet werden kann,
fällt doch der absolute Anteil ihrer Interventionen in den zwischen 991 und 994 ausgestellten Urkunden
im Vergleich mit ihrer Vorgängerin geringer aus, vgl. Offergeld 2001, S. 723.
178
In diesem Zeitraum ist ein beständiger Rückgang der Interventionen Adelheids in den
Herrscherurkunden feststellbar, vgl. Offergeld 2001, S. 738. Im Allgemeinen ist in den relevanten
Urkunden eine fortschreitende Emanzipation Ottos von seinen Familienangehörigen erfahrbar. Während
in den Jahren unmittelbar nach Theophanus Tod die Memoria verstorbener Familienmitglieder einen
festen Platz einnahm (vgl. Uhlirz 1954, S. 162), gehen die familiären Referenzen in den Urkunden nach
994 graduell zurück, vgl. Görich 1993, S. 240.
179
Während die narrativen Quellen in den frühen Jahren der Vormundschaftsregierung die Existenz
eines informellen Regentschaftsgremiums andeuten, entfallen derartige Hinweise in der Endphase unter
der Regentschaft Adelheids zusehends, vgl. Offergeld 2001, S. 751.
180
Die Volljährigkeit Ottos (gemäß karolingisch-ripuarischer Tradition mit dem Erreichen des
fünfzehnten Lebensjahres, vgl. Kölzer, Das Königtum Minderjähriger im fränkisch-deutschen
Mittelalter, S. 293) im Sommer 994 besitzt aufgrund der altersunabhängigen Konzeptualisierung des
Königtums der Ottonenzeit nur geringe rechtliche Bedeutung.
181
Schramm, Kaiser, Rom und renovatio, S. 89-100.
182
Unter Otto III. sind erstmals in der Geschichte der Hofkapelle der Ottonen systematische Ansätze
einer „Anwerbepolitik“ der intellektuell herausragenden Persönlichkeiten der Zeit erkennbar.
Ausschlaggebend für die Bestellung an seinen Hof und einen potentiellen Eintritt in die Hofkapelle
waren dabei vor allem eine überregionale fama, vgl. Fleckenstein 1966, S. 86.
24
4 Autonome Herrschaft: Struktureller Wandel und personelle Kontinuitäten

Die Übernahme der selbstständigen Regentschaft durch Otto gestaltete sich nach heutiger
Auffassung als Prozess des graduellen Übergangs der Herrschaftsgewalt, welcher sich etwa
über den Zeitraum vom Frühjahr 994 bis zum Sommer des Jahres 995183 erstreckte. Die
Vorstellung der Prozesshaftigkeit dieses Regentschaftswechsels im Rahmen einer
zunehmenden Autonomisierung des Königs unterstützt vor allem die Beobachtung der
fortgesetzten Präsenz Adelheids am Hof, an dessen Regierungsgeschäften sie weiterhin
Anteil nahm184. Den weitgehenden Verzicht auf politische Mitgestaltung markiert erst ihr
Verlassen des Hofes 995, wenngleich sie bis zu ihrem Tod anlässlich bestimmter Hochfeste
auch weiterhin länger am Hof weilte185. Als Ursache hierfür wird in den Quellen ein Zerwürfnis
zwischen der alternden Regentin und ihrem Enkel angedeutet, welches aus dessen
Umgestaltung und Neubesetzung seines engsten Umfeldes mit Vertrauten aus seiner
Jugendzeit zurückgehen soll186. In dieser Notiz kündigt sich bereits der fundamentale Wechsel
in der Personalpolitik spätestens seit 995 als Ausdruck der neugewonnen Handlungsfreiheit
Ottos187. Gegenüber dem „konservativen“ Politikstil der kaiserlichen Regentinnen war die
anschließende, etwa zweijährige Periode bis zu Ottos Aufbruch zu seinem ersten Italienzug
im September 996 mit einer hohen Fluktuation im engeren politischen Umfeld der curia minor
Ottos III. verbunden. Zunächst lassen die Quellen jedoch nicht auf einen plötzlichen

183
Althoff 1996, S. 74. Während die ältere Forschung die zeremonielle Wehrhaftmachung Ottos auf
einem „Reichstag“ bei Solingen/Solling als Referenzpunkt der definitiven Herrschaftsübernahme
postulierte (Ort und Datum dieser Zeremonie sind nicht gesichert, sie hat möglicherweise bereits im 994
in Frankfurt stattgefunden) legt die Urkunde DO III 146 das Erreichen der Rechtsfähigkeit schon im Juli
des Jahres 994 nahe, vgl. Offergeld 2001, S. 734.
184
In der Urkunde DO III 150 vom September 994, in welcher Adelheid noch als Intervenientin für ihre
Enkelin Sophia erscheint, wird sie als dilectissima avia nostra bezeichnet. Das Selbstbewusstsein
Adelheids als führende Spitze der Exekutivgewalt zeigt sich auch 995 noch beispielsweise an ihrer
Eigenintitulatur als Inperitante Dei omnipotentis clementia Adelheida regnatrix augusta regimini
christian¸e plebis temporaliter prelata (Epp. Selectae III, S. 16).
185
Chronik des Thietmar von Merseburg c. 4, vgl. Offergeld 2001, S. 739. So ist Adelheid beispielsweise
am Hof bezeugt, vgl. Althoff 2000, S. 172. Wenngleich Otto nach 995 im Allgemeinen nicht mehr durch
seine weiblichen Verwandten begleitet wurde, bemühte er sich auch nach der Übernahme der Herrschaft
um die Beibehaltung des engen Kontaktes zu diesen und steht mit ihnen in einem guten Verhältnis, vgl.
Althoff 1996, S. 74.
186
Vgl. auch Görich 1993, S. 178. Ein möglicher Grund für die Animositäten um den Zeitpunkt des
Herrschaftswechsels könnte die Weigerung Adelheids sein, für Ottos verstorbene Mutter Theophanu
einen Memorialkult einzusetzen, vgl. Davids 1995, S. 41.
187
Uhlirz 1954, S.175. Dieser hatte bereits seit einigen Jahren eine altersuntypische Selbstsicherheit und
Willen zur aktiven politische Gestaltung bewiesen. Auf einem 995 zu Aachen einberufenen Hoftag fasst
er den Entschluss zur Entsendung seines vormaligen Lehrers Johannes Philagathos zusammen mit
Bischof Bernhard von Würzburg zur Brautschau nach Konstantinopel (vgl. Althoff 2000, S. 172). Bei
letzterem handelt es sich möglicherweise ebenfalls um ein Mitglied der Hofkapelle, vgl. Fleckenstein
1966, S. 81. Für eine einflussreiche Stellung Bernhards am Hof spricht eine Intervention zugunsten der
Schwester des Königs, die Kanonissin Sophia in DO III 150.
25
Gunstverlust der tragenden Stützen der Vormundschaftsregentschaft, Willigis von Mainz 188
und Hildebold von Worms schließen189. Doch obschon Erzbischof Willigis anfangs nicht zu den
unmittelbaren Verlierern der Autonomisierungsbestrebungen Ottos III. gehörte190, begannen
sukzessive Differenzen seine Stellung bei Hof zu erschüttern und entfremden ihn seinem
ehemaligen Schützling auch persönlich191. Eine Hauptursache der zunehmenden
192
Differenzen zwischen dem König und den Vertretern der alten Machtelite unter Willigis ist in
deren konträren Positionen im seit 987 andauernden Gandersheimer Streit193 zwischen dem
Erzbischof und dem Hildesheimer Bistum zu suchen, zu dessen Bischof war im Jahr 993
Bernward von Hildesheim ernannt worden war194. Das Wiederaufleben des kirchenrechtlichen
Konflikts sollte schließlich zu einer Kraftprobe der königlichen Berater um die Gunst ihres
Vertrauten Otto werden195. Otto III. sah sich in der Folge gezwungen, öffentlich für eines der
beiden Mitglieder seines engsten Beraterkreises Partei zu ergreifen. Dass die Wahl auf
Bernward fiel, ist nicht zuletzt der langjährigen persönlichen Freundschaft mit dem König zu
erklären, welche den Lehrer mit dem ehemaligen Schüler verband. Die Entscheidung Ottos
verdeutlicht somit einen Aspekt der Funktionsweise der curia minor, insofern das
Vorhandensein einer Familiaritas-Beziehung zum König den Geehrten über die übrigen, aus
„Staatsraison“ dem engeren Herrscherumfeld angehörenden Beratern erhebt. Dass die
größere persönliche Nähe Bernwards zum Herrscher als Motiv Ottos ausschlaggebend war,
belegt auch die in der Vita Bernwardi enthaltene Mitteilung, Willigis sei über den locus

188
Görich 1993, S. 177.
189
Hildebold interveniert nach dem Rückzug Adelheids weiterhin nach alter Gewohnheit und Umfang,
vgl. Böhmer, Willigis von Mainz, S. 77.
190
Holtzmann, Geschichte der Sächsischen Kaiserzeit, S. 339. Bis zum Jahr 997 konnte Willigis seine
vorherrschende Stellung am engeren Hofe verteidigen, danach ging diese Position immer stärker auf
den Kanzler Heribert über. Ersichtlich wird das Ende seines Einflusses auf die Regierung durch das
Ausbleiben seiner Interventionen nach 997 (DO III 274, ausgestellt 998 in Mainz, mit der Intervention
des Willigis muss als Fälschung zurückgewiesen werden, vgl. Perst 1957, S.23).
191
Görich 1993, S. 124. Eine endgültige Eintrübung des Verhältnisses ist in den Jahren nach 997
erreicht, als Gerbert von Aurillac ihn seiner Einflussmöglichkeiten bei Hof beraubt, vgl. Beumann 1984,
S. 89.
192
Die von Otto mit der Meißener Schenkung (DO III 186) angestrebte Neuordnung der Bistümer zur
könnte zur Verärgerung des Willigis beigetragen haben, vgl. Petersohn, König Otto III. und die Slawen
an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995, S. 134.
193
Zur ersten Phase des Konfliktes s. Görich, Der Gandersheimer Streit zur Zeit Ottos III., S. 56-94.
194
Das Beispiel der Bischofserhebung Bernwards verdeutlicht die hohe Relevanz der Familiaritas-
Beziehung für die Ämtervergabe im Ottonenreich. Obzwar das Verscheiden Bischof Gerdags von
Hildesheim die Ambitionen vieler Mitglieder der Hofkapelle geweckt hatte (vgl. die Vita Bernwardi c.
4, S. 759: plerique nobiles clerici palatina militia diu certantes), erwies sich Bernward aufgrund seiner
besonderen Nähe zu seinem Schüler Otto privilegiert, vgl. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 178.
Möglicherweise hatte darüber hinaus Willigis der starke Einfluss Bernwards auf seinen Schüler
missfallen, so dass er seinen ehemaligen alumnus durch die Beförderung aus dem Umkreis des Hofes
zu entfernen suchte, vgl. Tschan, Saint Bernward of Hildesheim, S. 55.
195
Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 186.
26
familiaritatis, den Bernward beim König innehabe, erzürnt gewesen196. Der Verursacherin der
Kontroverse, deren Pochen auf die Investitur zur Kanonissin des Gandersheimer Stiftes durch
den verehrten Bischof Willigis dem Konflikt mit Hildesheim Anlass geboten hatte197, Ottos
ältere Schwester Sophia, gelang es nach der temporären Beilegung des Konfliktes ab 995
eine Position als enge Vertraute des Königs zu gewinnen198. Als ständige Begleiterin des
reisenden Hofes vermochte sie in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren auf ihren jüngeren
Bruder starken Einfluss auszuüben, der auch durch häufige Interventionen belegt ist199. Den
König scheint mit seiner älteren Schwester in dieser Zeit eine intensive Freundschaft
verbunden zu haben200. Erst nachdem Bernward von Hildesheim bei Otto mit der
Begründung201 des unkanonischen Zustandes ihrer Abwesenheit von der Gandersheimer
Abtei die Entfernung Sophias vom Hof durchgesetzt hatte, tritt diese 997 wieder in den
Hintergrund202. Diese Entscheidung Ottos III. ist eine der letzten Gelegenheiten, in welchen
sich der Einfluss seines Mentors Bernward von Hildesheim auf seinen ehemaligen Schützling
zeigt. Seine Bischofserhebung hatte Bernward vom täglichen Umfeld des Königs entfernt und
damit das Ausscheiden aus dem Verband der eigentlichen curia minor bedeutet203. Durch
sporadische Aufenthalte am Hof gelang es dem Bischof jedoch weiterhin zu tagespolitischen
Themen seinem Standpunkt Gehör zu verschaffen204. Jedoch musste auch Bernward als
engster Vertrauter der Knabenjahre Ottos mit der zunehmenden Emanzipation seines
Schützlings vom personellen Umfeld seiner Kindheit einen weitgehenden Verlust der
politischen Gestaltungsmöglichkeiten bei Hof feststellen205. Dieses Phänomen korreliert

196
Vita Bernwardi c. 18, S. 767: qui [Willigis] indagnabatur, aliquem praeter se familiaritatis locum
apud imperatorem habere. Vgl. auch Algermissen, Bernward und Godehard von Hildesheim, S. 42.
197
Durch Interventionen ist Sophia erstmalig im Dezember 993 am Hof belegt, vgl. Perst, Die
Kaisertochter Sophie. Äbtissin von Gandersheim und Essen, S. 13 sowie Wolf, Prinzessin Sophia (978-
1039), Äbtissin von Gandersheim und Essen, Enkelin, Tochter und Schwester von Kaisern, S. 117.
198
Die Kanonissin war durch die Verwendung des Willigis von ihrer Residenzpflicht in Gandersheim
entbunden worden und begleitete den Herrscherhof 996 nach Rom, vgl. Eickhoff, Theophanu und der
König, S. 483.
199
Aus dem betreffenden Zeitraum sind neun Fürbitten auch für hochgestellte Persönlichkeiten
überliefert, z.B. intervenierte Sophia in DO III 233 für Willigis von Mainz.
200
Ottos Verbundenheit mit seiner Schwester kommt wiederholt in Urkunden zum Ausdruck, z.B. 996
in DO III 233: dilecta nostra soror Sophia.
201
Als maßgeblich für Bernwards Bestrebungen ist eher die einflussreiche Stellung Sophias als Beraterin
sowie ihre Allianz mit Willigis anzunehmen, vgl. Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 182.
202
Vgl. Perst, Die Kaisertochter Sophie. Äbtissin von Gandersheim und Essen, S. 22-24. Die letzte
Intervention Sophias stammt vom 1. Oktober 997 (DO III 255), danach verschwindet sie aus den
Kaiserurkunden Ottos.
203
Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 179.
204
Noch im Jahr 1001 wird er in einer Schenkungsurkunde für das Bistum Hildesheim mit Hinweis auf
seine frühere Bedeutung als semper fidelis necnon nostre puericie ac iuventutis tam affabilis multimode
literationis informator bezeichnet, vgl. DO III, 390 sowie Goetting, Die Hildesheimer Bischöfe, S. 175.
205
Bernward missbilligte insbesondere die spätere Italienpolitik seines Schützlings, vgl. Tschan, Saint
Bernward of Hildesheim, S. 51.
27
maßgeblich mit dem Aufstieg eines rivalisierenden Beraterkreises im Rahmen der
Umgestaltung der königlichen Hofkapelle206. Die in der Vita Bernwardi zum Ausdruck
kommende Verbitterung über die Zurücksetzung verdienter Repräsentanten des
Beraterkreises207 um Otto II. und der sukzessiven Vormundschaftsregierung gegenüber den
iuvenes protervi208 reflektiert einen sich anbahnenden Generationenwechsel im Personenkreis
des engeren Hofes. Viele der mit dem reisenden Königshof verbundenen Ratgeber mussten
im Verlaufe dieses Prozess ihre Position jüngeren Vertrauenspersonen des Königs
überlassen209, welche diesem teilweise von den alten Funktionsträgern selbst zugeführt
worden waren. Die Veränderung ist zunächst quantitativer Natur: im Zeitraum nach 994 ist
eine Verdoppelung der in der Hofkapelle mitwirkenden Individuen nachvollziehbar210. Den
personellen Zuwachs seiner Hofkapelle bewerkstelligte der König durch eine aktive Politik der
Anwerbung der heranwachsenden Generation von Absolventen der traditionsreichen
Domschulen211. Das Hauptaugenmerk der Werbebemühungen lag dabei auf dem Nachwuchs
der renommierten Schulen von Worms, Mainz sowie Hildesheim, in selteneren Fällen auch
Magdeburg sowie Würzburg212, welche im 10. Jahrhundert die Funktion von „Pflanzstätten“
der Hofkapelle übernahmen213. Als Resultat dieser Vergrößerung konnte sich Otto III. bei
Antritt seiner selbstständigen Herrschaft auf die bisher umfangreichste Hofkapelle aller
Ottonenherrscher stützen214. Im Vergleich mit dem Zustand der Hofkapelle unter Otto II. fällt
neben dem quantitativen ebenso ein qualitativer Sprung in deren Komposition unter dessen

206
Die Untersuchung soll sich dabei auf diejenigen Kapläne beschränken, deren Eintritt in die
Hofkapelle etwa im Zeitraum der ausgehenden Vormundschaftsregentschaft und dem ersten Italienzug
liegt. Das individuelle Eintrittsdatum der Kapläne in die Hofkapelle Ottos III. ist nicht immer
feststellbar, vgl. Fleckenstein 1966, S. 81.
207
Zu diesen zählte zuvorderst der Magdeburger Bischof Giselher, der in den letzten Jahren vor der
Volljährigkeit des Königs eine wichtige Rolle als Berater der Kaiserin Adelheid gespielt hatte, vgl.
Görich 1993, S. 179.
208
Vgl. die Chronik Thietmars von Merseburg (IV c. 15): protervorum consilio iuvenum depravatus.
Die Formulierung steht exemplarisch für den „Groll der verdrängten Ratgeber“ (vgl. Görich 1993, S.
176-184).
209
Nach 994 scheinen Willigis und Heribert die einzigen beiden regelmäßig am Herrscherhof
anwesenden klerikalen Ratgeber aus der Epoche der Vormundschaftsregentschaft gewesen zu sein, vgl.
Eickhoff 1996, S. 483.
210
Beumann 1984, S. 83.
211
Wenngleich sich diese Rekrutierung hauptsächlich auf die Abkommen des nordalpinen Adels
fokussierte, ist in einigen Fällen auch die Aufnahme einfacher Mönche in das Beratergremium bezeugt,
vgl. Fleckenstein 1966, S. 125.
212
Tellenbach, Die westliche Kirche vom 10. bis zum frühen 12. Jahrhundert, S. 59. Die Prävalenz der
Mainzer und Wormser Domschule als Rekrutierungsorte der Hofkapelle unter der Vormundschafts-
ebenso wie der sukzessive der autonomen Regierung Ottos belegen den Einfluss von Kanzler und
Erzkaplan auf den Selektionsprozess, vgl. Fleckenstein 1966, S. 79.
213
Die ideologische Vorliebe Ottos III. für die Pfalz Aachen in den Jahren seiner eigenmündigen
Herrschaft resultierte darüber in einer Präferenz des Aachener Domkapitels, vgl. Ehlers, Dom- und
Klosterschulen in Deutschland und Frankreich im 10. und 11. Jahrhundert, S. 47.
214
Fleckenstein 1966, S. 100.
28
Nachfolger ins Gewicht215. Im Folgenden sollen die Veränderungen in der Besetzung der
Hofkapelle unter Otto III. charakterisiert sowie ihre Verbindung und individuellen Förderung
durch den König untersucht werden. Zur weiteren Charakterisierung des untersuchten
Personenkreises soll sich die Analyse insbesondere dabei auf quellenbasierte Indizien
fokussieren, welche die Qualität der individuellen Beziehung als eine persönliche
Verbundenheit im Sinne der familiaritas ausweisen.
Die historische Forschung hat als Gradmesser der Ausstrahlung und Reichweite der
Hofkapelle in einem spezifischen Zeitraum die Fähigkeit zur Einwirkung auf die größere
strukturelle Einheit der kirchlichen Strukturen im Reich und somit die der planvollen Besetzung
von Bischofsstühlen mit persönlichen Anhängern des Königs zum Maßstab genommen216. Die
Herrschaftspraxis der Beförderung politischer Anhänger in hohe geistliche Ämter sollte der
stärkeren Einbindung und Nutzbarmachung der kirchlichen Strukturen für die Königsherrschaft
dienen217. Dass Otto bald nach der Erlangung der Regierungsgewalt dieses
Herrschaftsinstrument intensiv zu nutzen begann, verdeutlicht einen grundlegenden
Unterschied in Anspruch und Konzeption seiner eigenständigen Herrschaft218. Als
Initialzündung dieser Politik erscheint die Erhebung des Hofkaplans Gebhard zum Bischof von
Regensburg im 994 unter Nutzung seines Vorschlagsrechtes219. Mit dieser Direktive
überstimmte der König demonstrativ das Votum des Domkapitels, welches sich im
Einvernehmen mit dem Bayernherzog Heinrich bereits auf den bischöflichen vicedominus
Tagino geeinigt hatte220. Gebhard hatte sich nach seinem Eintritt in die Hofkapelle als loyaler
Anhänger des Königs bewiesen. Auch nachdem er aufgrund seiner Bischofserhebung aus
dem unmittelbaren Umfeld Ottos ausschied behielt er seine Vertrauensposition beim König bis
996 bei, als er in mit diesem in der Streitfrage um das Kloster St. Emmeran überwarf221.

215
Während die Hofkapelle unter Otto II. einen tendenziellen Rückgang ihrer Bedeutung als
Herrschaftsinstrument hatte hinnehmen müssen, gewann das Organ in vergrößerter Besetzung unter
Otto III. bald an Prestige, vgl. Fleckenstein 1966, S. 76.
216
Schieffer, Reichsepiskopat zwischen Königtum und Adel, S. 293. Die systematisch anmutenden
Interventionen in Bischofswahlen durch Otto III. setzten sich dabei wiederholt durch Ausübung
informellen Drucks über vormals gewährte Garantien des Wahlrechtes hinweg, vgl. Fleckenstein 1966,
S. 114.
217
Die Stärkung der klerikalen Territorialherren geschah auch aus dem Wunsch, gegenüber der
weltlichen Gewalt der Herzöge ein Gegengewicht zu schaffen, vgl. Der Aktionsradius der Hofkapläne
beschränkte sich dabei allerdings nicht allein auf das Erlangen der Bischofswürden im Reich, die
umsichtige Politik Ottos sorgte auch für Verknüpfung seiner Hofkapellenmitglieder mit zahlreichen auf
lokaler Ebene angesiedelten Kanonikaten, vgl. Fleckenstein 1966, S. 151.
218
In der Periode von 984 bis 994 sind hingegen lediglich drei direkte Einflussnahmen in der Frage der
Besetzung eines Episkopates im nordalpinen Reich, namentlich für Liudolf in Trier, Bernward in
Hildesheim 993 sowie Bernhard in Würzburg 994, sowie zwei in Italien (Johannes 988 in Piacenza
sowie Andreas in Parenzo) registriert.
219
Althoff 1996, S. 82.
220
Diese Parteinahme zugunsten des Passauer Episkopates muss sicherlich als Versuch zur Balance der
mächtigen Position Heinrichs des Zänkers gewertet werden. Fleckenstein 1966, S. 112.
221
Vgl. Freund, Vom heiligen Erhard bis zu Konrad II., S. 76.
29
Gebhards Zugehörigkeit zum engeren Umfeld des Königs ist aufgrund seiner Mitgliedschaft in
der Hofkapelle denkbar, auch der Umstand seiner Betrauung mit der Verwaltung von
Regensburg als Außenposten der kaiserlichen Politik im Konflikt mit dem bayerischen Adel
unter Heinrich dem Zänker lässt ein Vertrauensverhältnis zum König vermuten 222. Darüber
hinaus verhindert die Quellenlage eine Rekonstruktion des speziellen Verhältnisses zum
Herrscher. Zwei Jahre später wiederholte Otto III. die Machtdemonstration mit der Einsetzung
seines Hofkaplans Arnulf223 als Bischof in Halberstadt. Der Ablauf der Bischofswahl
verdeutlicht erneut die Bereitschaft Ottos zur Einsetzung eigener Kandidaten gegen den
dezidierten Willen des Domkapitels224. Da sich dieses nach dem Tode Bischof Hildewards 996
nicht auf einen Nachfolger einigen konnte, setzte er ein Mitglied seiner Hofkapelle per
königlichem Vorschlagsrecht ein225. Dieser war nach seinem Eintritt in die Hofkapelle des
Königs schnell zur Vertrauensperson des Königs geworden226 und erwies sich auch nach
seiner Beförderung vom Hof nach Halberstadt in den Folgejahren als treuer Anhänger des
Königs. Seine bevorzugte Stellung als Günstling Ottos wird insbesondere in den bald nach
seiner Bischofspromotionen ausgestellten Schenkungsurkunden deutlich227. Ein dritter
Vertreter für den Typus dieser im Zuge des „Generationenwechsels“ in die Hofkapelle
eingetretenen Protegés Ottos III. ist Konrad von Magdeburg228. An seinem Beispiel wird die
aktiv werbende Rolle, welche der nunmehr selbstständige König bei seinem Projekt der
Neubesetzung der Hofkapelle übernahm, sowie die Auswahlkriterien der Neuzugänge
deutlich: Ausschlaggebend bei der Anwerbung Konrads war dessen überregionale fama als
frommer Gelehrter (venerabilis persona)229. Eine weitere Karriere und die damit und die für
diesen Personenkreis der jüngeren Generation der Hofkapelle beinahe als typisch zu
bezeichnende Erhebung ins Episkopat verhinderte einzig das unerwartet frühe Ableben des

222
Fleckenstein 1996, S. 86.
223
Arnulf ist als Hofkaplan ausschließlich bei Thietmar von Merseburg belegt (IV, c. 26). Für seine
Nähe zum König steht der Umstand, dass dieser Arnulf mit der Weihe seiner ihm teuren Schwester (vgl.
zu dieser DO III 322: sorori nostrae unicae diligende) Adelheid zur Kanonissin beauftrage, vgl. Perst
1957, S. 23.
224
Vgl. Niemann, Geschichte des vormaligen Bisthums Halberstadt, S. 104.
225
Zwar gehörte die Nutzung des königlichen Vorschlagrechtes im Domkapitel zur Durchsetzung der
Einsetzung handverlesener Mitglieder der Hofkapelle zur gängigen Regierungspraxis aller
Ottonenherrscher (vgl. Althoff 1996, S. 25), jedoch ragt die Anwendung dieses Herrschaftsinstrumentes
statistisch unter den bisherigen Vertretern dieser Dynastie heraus. Angesichts der Frequenz von
Bischofseinsetzungen wird diese Politik von Kehr, Urkunden Otto III., als „Wiederaufnahme der aktiven
Bischofspolitik Ottos des Großen“ bewertet.
226
Görich 1993, S. 169.
227
Arnulf erhielt von Otto III. in den Jahren 996 bis 1000 sukzessive vier Schenkungen. Derartige
Schenkungen an Angehörige der Hofkapelle besaßen unter den Ottonen nicht nur die Funktion einer
wirtschaftlichen Versorgung (vgl. die Schenkung an Gerbert von Aurillac nach seiner Aufnahme in die
Hofkapelle), sie hatten zusätzlich den Charakter eines Gunstbeweises, vgl. Böhmer/Uhlirz: Jahrbücher
des Deutschen Reiches, S. 479.
228
Ehlers, Dom- und Klosterschulen in Deutschland und Frankreich im 10. und 11. Jahrhundert, S. 47.
229
Vgl. die Chronik Thietmars von Merseburg IV, 74.
30
Aspiranten230. Ebenfalls von großer Tragweite war der Eintritt der aus hessischem Adel
stammenden Brüder231 Franco und Burchard in die Hofkapelle Ottos III. Zusammen mit seinem
Bruder steht Franco paradigmatisch für die von Otto geförderte „junge Generation“ innerhalb
der Hofkapelle232. Insbesondere mit dem älteren Franco scheint den König eine gemeinsame
spirituelle Sensibilität verbunden zu haben, welche ihn auch später in der Wahl seiner Berater
und Vorbilder beeinflusste233. In der Chronik Thietmars von Merseburg heißt es, der König
habe im näheren Umgang schnell die Gaben des Hofkaplans erkannt234. Die familiaritas mit
dem Herrscher ermöglichte Franco eine schnelle Karriere und sollte diesem nach dem Tode
Hildebolds von Worms 998 sukzessive das dortige Episkopat sichern. Die der Memoria seines
jüngeren Bruders Burchard gewidmete Heiligenvita attribuiert Franco sämtliche Merkmale
eines Vertreters des engeren Beraterkreises. Dabei werden die Aufenthaltsdauer in der Nähe
des Herrschers (servitio imperatoris vigilanti animo studebat), seine maßgebliche
Beraterfunktion (sine ipisius consilio raro aliquid statueretur) und insbesondere das hohe Maß
von persönlicher Verbundenheit betont (tanta familiaritate et auctoritate apud imperatorem
habebatur)235. Im selben Heiligenbericht findet sich darüber hinaus die Behauptung, Otto habe
Franco seinen übrigen Ratgebern derart vorgezogen, dass er in Regierungsgeschäften allein
auf seinen Rat hin gehandelt habe (Et idcirco ab imperatore multum honoratus et carus prae
aliis habitus, illius consilio et malos coercebat et rem publicam in pace regebat). Als Franco
nach nur einem Jahr auf dem Bischofsstuhl von Worms verstarb und dieser abermals vakant
wurde, zögerte Otto zunächst mit der Ernennung seines Bruders Burchard zu dessen
Nachfolger und berief nacheinander mit Herpo von Halberstadt236 und Razo von Bremen237
zwei weitere Mitglieder der Hofkapelle zu Erzbischöfen. Für dieses Vorgehen ist jedoch
wahrscheinlich weniger einer Verschlechterung des Verhältnisses zu Burchard
ausschlaggebend, es lässt sich wohl eher der Affiliation dieses Hofkaplans mit seinem
Förderer Willigis anlasten, welcher im besagten Zeitraum bei Otto bereits in Ungnade gefallen

230
Fleckenstein 1966, S. 86.
231
Burchard wurde von Willigis am Hof Ottos III. eingeführt, vgl. Euler, Erzbischof Willigis von Mainz
in den ersten Jahren seines Wirkens, S. 44.
232
Burchard wurde etwa im Jahr 995 in die Hofkapelle aufgenommen, vgl. Fleckenstein 1966, S. 86.
Franco dürfte zur selben Zeit in den Kreis der Hofkapläne eingetreten sein, vgl. Althoff 1996, S. 202.
233
Einen Beleg für diese geteilte Frömmigkeit und spirituelle Freundschaft stellt beispielsweise die in
der Vita Burchardi geschilderte gemeinsame Bußübung 999 in Rom dar: Eodem tempore imperator et
praedictus episcopus (sc. Franco) induti ciliciis, pedibus penitus denudatis, quandam speluncam iuxta
s. Clementis ecclesiam dam cunctis intraverunt, ibique in orationibus et ieiunniis necnon in vigiliis
quatuordecim dies latuerunt, vgl. Vita Burchardi, c. 3, S. 833.
234
Chronik des Thietmar von Merseburg, IV, 61.
235
Vita Burchardi Episcopi, c. 3, S. 833.
236
Herpo/Erpo gehörte zum engeren Kreis der familiares um den Kaiser, wie die Formulierung der
Urkunde DO III 276 nahelegt. Seine Vertrauensstellung beim Kaiser belegt auch die Betrauung mit der
anspruchsvollen Aufgabe der Befriedung des italienischen Klosters Farfa, vgl. Fleckenstein 1966, S. 89.
237
Razo (oder Raco) hatte sich durch die Bewältigung der Translation der Gebeine Benedikts bewährt,
s. Huschner, S. 261 (vgl. auch Chronik des Thietmar von Merseburg, c. 4, 39-40).
31
war238. Die Heiligenvita Burchards betont vielmehr den häufigen Umgang sowie die stets
freudige Aufnahme Burchards beim König: qui (sc. Otto) valde eum dilexit et […] clementer
suscepit239), welcher ihn mehrmals mit umfangreichen Schenkungen bedachte240. Der Mainzer
Erzbischof hatte den jungen Absolventen der Mainzer Domschule ebenso wie Bernwards von
Hildesheim ab 993 maßgeblich gefördert, indem er ihn zunächst zum Stadtkämmerer der Stadt
Mainz und sukzessive 995 zum Stiftspropst erhoben hatte, bevor er ihn etwa 994 in die
Umgebung Ottos einführte241. Diesem scheint Burchard aufgrund seiner frommen Gelehrtheit
(pietatis studiis242) aufgefallen zu sein, so dass der 995 in die Hofkapelle aufgenommen wurde.
Nach dem schnellen Verscheiden seiner beiden Amtsvorgänger243 wurde Burchard im
Frühjahr 1000 schließlich von Otto zum Bischof von Worms bestimmt244. Nach seiner
Bischofserhebung erwies sich Burchard als loyaler Anhänger des Kaisers, den er ebenfalls
nach Italien begleitete245. In den folgenden Jahren scheint beide eine enge Beziehung
verbunden zu haben, als deren Wurzel die Vita Burchardi die beiderseitige pietas identifiziert.
Auch für die enge Vertrautheit Ottos III. mit seinem Hofkaplan Brun von Querfurt war der stark
spirituelle Charakterzug, welcher ein typisches Merkmal der mit Otto III. eng verbundenen
Persönlichkeiten darstellt246, entscheidend. Brun war, nachdem er die Magdeburger
Domschule durchlaufen hatte, von Hildebold in den Personenkreis um Otto III. eingeführt
worden247, dessen Bekanntschaft er bereits 991 in Magdeburg gemacht hatte248. Seine

238
Während Böhmer (1895, S. 77) in Willigis bis zur Kaiserkrönung Ottos III. noch den mächtigsten
Mann am Hof erblickte, spricht der beständige Rückgang seiner Interventionen in den
Herrscherurkunden gegen diese These.
239
Vita Burchardi, c. 2, S. 833.
240
Görich 1993, S. 134-139.
241
Das Verhältnis zwischen Willigis und Burchard wird in dessen Vita abermals mit dem
charakteristischen Term familiaritas umschrieben: sibi familiarissimum elegit et suae camerae
magistrum […] constitit (c. 2), Vgl. auch Uhlirz, Jahrbücher des Deutschen Reiches, S. 177.
242
Ibidem.
243
Vita Burchardi IV: ut unus post electionem et episcopatus acceptionem quartum decimum diem non
vidit, alter verum quartum diem non vidisset. Unerwartet vor seiner Weihe zum Bischof von Osnabrück
ist auch der Kaplan Gunther verstorben, Schulmeyer-Ahl, Der Anfang vom Ende der Ottonen, S. 224.
Dieser ist zu den seit dem 10. Jahrhundert häufigeren Hybridnaturen in der Hofkapelle zu rechnen,
insofern er gleichzeitig als Kämmerer des Bischofs Giselher von Magdeburg Dienst tat, vgl. Thietmar
von Merseburg IV, 69.
244
In der Heiligenvita des Bischofs muss Otto Burchard durch rituelle Gesten zur Annahme der Würde
aus seinen Händen zwingen, vgl. die Vita Burchardi S. 835. Die Durchsetzung der Viten mit derartigen
Topoi bedeutet nicht generell eine Minderung ihres historischen Nachrichtenwertes, vgl. Strunk, Kunst
und Glaube in der lateinischen Heiligenlegende sowie Beumann, Die Historiographie des Mittelalters
als Quelle für die Ideengeschichte des Königtums, 40-79.
245
Vgl. Koeniger 1905, S. 2 sowie Görich 1993, S. 139.
246
Görich sieht in der Frömmigkeit einen entscheidenden Charakterzug Ottos (Otto III. öffnet das
Karlsgrab in Aachen, S. 389).
247
Brun ist als ständiges Mitglied des reisenden Herrscherhofes belegt, vgl. Tschan, Saint Bernward of
Hildesheim, S. 64.
248
Eickhoff, Theophanu und der König, S. 386.
32
Aufnahme in die Hofkapelle scheint in den Jahren zwischen 995 und 997 erfolgt zu sein249.
Neben der gemeinsamen Vorliebe für asketische Übungen verband beide Charaktere die
Verehrung für den Missionar Adalbert von Prag250, die sich nach dessen Märtyrertod 997 noch
steigerte. Als er seinen Dienstherren auf dessen zweiten Italienfeldzug begleitete traf Brun
schließlich mit dem griechischen Asketen Nilus sowie mit Romuald zusammen, welche ihn
ebenso wie den Kaiser in ihren Bann schlugen251. In der Vita des Romuald heißt es über das
Verhältnis Bruns zu Otto, der König habe diesen stets mit der Formel anima mea
angesprochen252. Romuald sollten Brun später auch in dem Wunsch nach Missionstätigkeit
bestärken253, welche ihm im Jahr 1002 offiziell von Brun von Kärnten aufgetragen wurde.
Diesem Namensvetter Bruns von Querfurt sollte die bedeutendste Karriere aller im Zuge der
Verjüngung der Hofkapelle eingetretenen Kleriker vorbehalten bleiben. Brun von Kärnten
erhielt wie viele Vertreter der nach 994 von Otto III. in die Hofkapelle berufenen Geistliche eine
Ausbildung in Worms unter Aufsicht des Bischofs Hildebold an der dortigen Domschule254. Für
die weitere Förderung des jungen Geistlichen sorgte Willigis von Mainz durch dessen
Einführung am Königshof255 Darüber hinaus ist die umfangreiche Bildung des Kanonikers
möglicherweise auf eine vertiefte Ausbildung durch Johannes Philagathos256 zurückzuführen.
Als naher Verwandter des Königs wurde er im Jahr auf Vermittlung des Willigis am Hof
heimisch und wenig später ein Mitglied der Hofkapelle257. Der König scheint schnell eine tiefe
Zuneigung zum verwandten Naturell Bruns gefasst zu haben. Das Ausmaß des zwischen
beiden herrschenden Vertrauensverhältnisses wird deutlich, als Otto seinen Neffen 996 zum
Nachfolger des verstorbenen Papstes Johannes XV. nominiert. Dass Otto III. den
vierundzwanzig Jahre alten Cousin für befähigt hielt, sich gegen den stadtrömischen Adel
durchzusetzen, und ihm so eine zentrale Rolle in seiner Herrschervision zuwies, muss für
Wertschätzung seines Hofkaplans sprechen. An der Wormser Domschule wird gleichzeitig mit

249
Pierre, Vom kaiserlichen Hofkaplan zum Erzbischof der Völker, S. 25.
250
Adalbert gehört zum Personenkreis, welcher im Gefolge des ersten Italienzuges 996 in den engsten
Beraterzirkel um Otto Eingang fand und die bisherigen Angehörigen dieses Gremiums sukzessive
zurückdrängte, vgl. Jean-Marie Sansterre, Otton III et les saints ascètes de son temps, S. 377–412. Der
hagiographische Bericht der Vita Adalberti berichtet, dieser sei „wie ein geliebter Kammerdiener“ Ottos
III. aufgetreten: vir Dei mansit bonum tempus, quia familiarissimus sibi (sc. Otto) erat; et nocte pariter
ac die velut dulcissimus cubicularius imperiali camere adhesit, vgl. vgl. Kubin, Die Bemühungen Ottos
III. um die Einsetzung eines Heiligenkultes für Bischof Adalbert von Prag, S. 321.
251
Lohmeyer, Brun von Querfurt, S. 434 sowie Keller, Grundlagen ottonischer Königsherrschaft, S. 36.
252
Vita beati Romualdi, c. 27, S. 56: Hic denique regis fuerat consanguineus et ita carus, ut rex illum
non alio vocaret nomine nisi anima mea.
253
Vgl. Vita quinque fratrum c. 3.
254
Huschner, Gregorio V, S. 107.
255
Otto, Papst Gregor V, S. 6.
256
Huschner, Giovanni XVI, S. 113. In späteren Quellen wird Bruns Bildung gerühmt, etwa in der Vita
Adalberti (c. 4, S. 590): saecularibus litteris egregie eruditus.
257
Vgl. Vita Adalberti, c. 4, S. 604: papa Gregorius, quem ipsa sua capella [sc. Otto] tractatum posuit.
33
Brun von Kärnten auch ein weiteres prospektives Mitglied der Hofkapelle ausgebildet258,
welches sowohl für die hier untersuchte Periode der Autonomisierung von Ottos Herrschaft
994-996 als auch für den weiteren Lebensweg nach dessen Kaiserkrönung entscheidende
Bedeutung erlangen sollte. Die Karriere Heriberts, welche ihn als Vertreter der „jungen
Generation“ in der Hofkapelle ausweist259, beginnt zeittypisch mit der Förderung durch ein
Mitglied des engeren Beraterkreises am Hof. Der junge Domschulabsolvent scheint zunächst
dem Wormser Erzbischof und Kanzler Hildebold aufgefallen zu sein, der ihn zum Dompropst
ernannte260. Nachdem er Heribert etwa zu Beginn der 990er Jahre am Hof eingeführt hatte,
wurde Heribert von Theophanu zum Hofkaplan erhoben261 und fungierte möglicherweise als
Lehrmeister des Königs, dem er altersmäßig nahe stand262. Die in der älteren Historiographie
vertretene These, Heribert sei mit dem namensgleichen Abt von Brogne zu identifizieren, der
im selben Zeitraum als Erzieher Ottos tätig war, gilt als widerlegt263. Vielmehr gelang es beiden
gleichzeitig in ihrer Stellung als Kaplan die Freundschaft Ottos zu gewinnen. Diese
Verbundenheit, für die abermals der asketische Zug Heriberts gewesen zu sein scheint264, war
für den weiteren Lebensweg beider von entscheidender Bedeutung: Sobald nämlich Otto um
den Zeitpunkt seiner Volljährigkeit die volle Regierungsgewalt gewonnen hatte, bestand seine
erste eigenständige Handlung in der Ernennung Heriberts zum Leiter der italienischen
Kanzlei265. Diese Personalentscheidung bedeutete nicht nur für die Besetzungspolitik der

258
Darüber hinaus wurde Heribert in der lothringischen Benediktinerabtei Gorze ausgebildet, vgl.
Müller, Heribert, Kanzler Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 64.
259
Görich 1993, S. 180. Heribert ist erstmals 995 als Kanzler urkundlich fassbar. Jedoch muss seine
Ernennung zum Mitglied der Hofkapelle der Kanzlerwürde zwingend vorausgegangen sein, vgl. Müller,
Heribert, Kanzler Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 86.
260
Vgl. die Vita Heriberti (c. 3): Denique defuncto tunc temporis eiusdem ecclesie preposito protinus
hunc [sc. Heribert] subrogavit. Heribert behielt dieses Kanonikat auch nach seinem Eintritt in die
Hofkapelle bei und blieb dem Bischofssitz zu verbunden. Er steht damit exemplarisch für eine
Entwicklung des 10. Jahrhunderts, welche auf eine stärkere Verknüpfung der Hofkapelle mit den
Diözesankirchen zielte. Ein weiteres Beispiel für dieses Vorgehen ist Burchard von Worms, vgl.
Fleckenstein 1966, S. 125.
261
Uhlirz 1954, S. 177. Seine Interventionen in den Urkunden DO III 184, 210, 248 u. 261 belegen die
Zugehörigkeit zur Hofkapelle spätestens ab 995.
262
Althoff 1996, S. 78.
263
Als wichtigstes Beweisstück dieser postulierten Übereinstimmung wird die Herrscherurkunde DO
III 92 angeführt, in welcher Heribert von Brogne als Kaplan Ottos genannt ist: ob divinum amorem sive
propter recordationem pristini amoris domini Heriberti abbatis, qui iam multo tempore doctor meus et
capellanus mihi carissimus extilerat. Referenzen in der Urkunde sowie die Umstände ihrer Abfassung
wiederlegen dieses Konstrukt, vgl. Offergeld 2001, S. 720.
264
Müller, Heribert, Kanzler Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 79.
265
Vita Heriberti, c. 4: Is pretiosiorem carbunculo Heribertum ad se accersitum, archicancellarium et
secreti sui voluit esse primum, vgl. Görich 1993, S. 181. Sukzessive ist Heribert zwischen 994 und 996
in Gestalt des Notars Hildebold K als Urkundenverfasser sowohl für die deutsche als auch die
italienische Kanzlei belegt, vgl. Erben, Exkurse zu den Diplomen Ottos III, S. 585. Der Befund spricht
gegen eine strikte Trennung beider Kanzleien in der Regierungspraxis, vgl. Müller, Heribert, Kanzler
Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 86.
34
Ottonen ein Novum, insofern sie mit der informellen Regel der steten Besetzung dieses
Postens mit einem Adeligen italienischer Provenienz brach266. Hierin kündigte sich bereits der
veränderte Stellenwert der Italienpolitik im politischen Koordinatensystem Ottos III. an, welcher
auf eine aktive Verknüpfung beider Reichsteile abzielte267. Otto wollte seinem eben ernannten
Kanzler abermals seine Gunst erweisen, als er diesem 995 den Bischofsstuhl von Regensburg
anbot, dessen vorheriger Inhaber auf der Rückreise von Konstantinopel gestorben war268.
Heribert zog jedoch das Verbleiben im engeren Herrscherumfeld dem Episkopat vor und
sorgte für die Beförderung seines Bruders Bernhard an seiner statt269. Den Tod des Hildebold
von Worms 998 sollte Otto III. schließlich zum Anlass zur Vereinigung der italienischen Kanzlei
mit ihrem nordalpinen Pendant unter der Leitung Heriberts nehmen270. Durch seine faktisch
höhere Machtfülle begann der archicancellarius bald darauf die theoretisch höhergestellten
Ämter des Erzkaplans und Erzkanzlers zu überragen271. Heribert gelang es anders als vielen
Funktionsträgern aus der Epoche vor der im zu Rom erfolgten Kaiserkrönung Ottos III., seine
Stellung an dessen engeren Hof zu behaupten und sukzessive auszubauen. In der letzten
distinkten Herrschaftsperiode Ottos III., welche mit dessen Zug nach Italien im Herbst 996
anbrechen sollte, wurde Heribert zu einer tragenden Stütze der Regierung des Kaisers. In
seiner Gestalt wird somit eine personelle Brücke zu den dominierenden Beratern und

266
Althoff 2000, S. 172.
267
Möglicherweise deutet sich hier die für die Herrschaftskonzeption Ottos III. kontrovers diskutierte
Idee der renovatio Romanorum imperii bereits an, jedoch traten die entscheidenden Vordenker dieser
Politik erst nach 996 sukzessive in den Beraterkreis um Otto ein vgl. Müller, Heribert, Kanzler Ottos
III. und Erzbischof von Köln, S. 89.
268
Uhlirz 1954, S. 194.
269
Dieser war möglicherweise ein Hofkaplan Ottos. Fleckenstein 1966 (S. 87) deutet den in DO III 229
enthaltenen Hinweis auf Bernhards frequens et devotum servitium als Hinweis auf seine Zugehörigkeit
zu diesem Gremium. Wenngleich die Wendung eine freundschaftliche Beziehung zum Herrscher
andeutet, ist er wohl nicht zum engeren Beraterkreis Ottos zu rechnen, vgl. Müller, Heribert, Kanzler
Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 93.
270
Die Vereinigung der beiden getrennten Kanzleien war ein bewusster Schritt zur Konvergierung
beider Reichsteile, vgl. Görich 1993, S. 330. Für diese These spricht auch das Einsetzen eines langsamen
Angleichungsprozesses des Urkundenstiles der italienischen Kanzlei an ihr deutsches Pendant unter
Heribert, vgl. Fleckenstein 1966, S. 85.
Über die personellen Konsequenzen dieses Schrittes für die Zusammensetzung der italienischen Kanzlei
besteht weiterhin Uneinigkeit. Wollte die ältere Forschung in der Zeit ab 994, insbesondere jedoch mit
Beginn der Italienzüge Ottos III. 996 eine starke Durchmischung der Kanzlei für Italien mit
italienischem Personal feststellen, verzichten neuere Forschungsansätze nicht nur auf das Postulat einer
Italianisierung der Hofkapelle (Dieser Ansicht ist z.B. Kehr, Die Datierung der Urkunden Ottos III, S.
6). Sie konstatieren vielmehr gegensätzliche Anstrengungen zur Einsetzung sächsischer Bischöfe im
italienischen Regnum. Beispielhaft hierfür stehen etwa Cesso von Turin, Notger von Lodi, Warin von
Modena sowie Gerbert von Ravenna, vgl. Fleckenstein 1966, S. 116.
271
Da sich unter Heriberts Leitung nun die gesamte Aktivität der Hofkanzleien des Ottonenreiches
bündelte, verloren die Ämter des Erzkanzlers für Italien (seit 980 im Besitz des Petrus von Como) sowie
für den nordalpinen Bereich faktisch ihre Bedeutung, Fleckenstein 1966, S. 105. In Übereinstimmung
mit diesem Befund erscheint Heribert ab 996 als häufigster Intervenient in den Kaiserurkunden, vgl.
Kehr, Die Urkunden Otto III, S. 64.
35
Vordenkern der kaiserlichen Italienpolitik, unter welchen vor allem Leo, späterer Bischof von
Vercelli272 sowie Gerbert von Aurillac273, welcher als Nachfolger Bruns von Kärnten den Stuhl
Petri besteigen sollte, als epocheprägende Gestalten hervorragen. Nach dem Eintritt dieser
epocheprägenden Figuren in die nähere Umgebung des Hofes scheint Heribert mit diesen
eine beratende Trias um den König gebildet zu haben274. Im Verbund mit diesen
hervorragenden Persönlichkeiten gelang es dem Kanzler schrittweise, am Hof Ottos III. eine
beherrschende Stellung zu erlangen275. Einen Eindruck von Heriberts Einfluss auf Otto bietet
die Schilderung seiner Erhebung auf den Kölner Erzbischofsstuhl im Jahr 999: Perveniens [sc.
Heribert] itaque ad principem, infinito excipitur amore, amplectitur, exosculatur familiarissima
devotione276. Insgesamt steht Heriberts Lebenslauf paradigmatisch für die Karriere der von
Otto III. in der Phase der zunehmenden Autonomisierung bis zu seiner Kaiserkrönung
geförderten Neuzugänge in der Hofkapelle. Viele dieser Profiteure der von Ottos persönlichen
wie politischen Interessen geleiteten Neuausrichtung der Personalpolitik verdankten der
gezielten Förderung in dieser Periode den Aufstieg in hohe Ämter und Würden. Die personalen
Überschneidungen und Interdependenzen mit der Personenkonstellation, welche im finalen
Stadium der Herrschaft Ottos III. nach 996 den engeren Hof prägen sollte, verleiht ihr darüber
hinaus eine Brückenfunktion zwischen der auf Kontinuität und Besitzstandwahrung bedachten
Verwaltung des Reiches durch die Vormundschaftsregentschaft und der oft als Gegensatz
verstandenen, aktiv gestaltenden Epoche nach der Kaiserkrönung. Zusammenfassend ist für
die im Zuge der zunehmenden Autonomisierung einsetzende Periode der Herrschaft Ottos III.
eine intensive politische Umorientierung ebenso wie personale Neujustierung charakteristisch.
Innerhalb dieses zweijährigen Herrschaftsabschnittes, dessen Bedeutung angesichts des
obigen Befundes weit über den Charakter einer „Zwischenzeit“ herauszureichen scheint,
werden die Grundlagen für das Entstehen einer fundamental gewandelten
Personenkonstellation in den entscheidenden Jahren nach Ottos Kaiserkrönung gelegt, die
dem Herrscherhof Ottos III. im Urteil der Nachwelt seinen Glanz verleihen sollte.

272
Leo von Vercelli ist spätestens seit September 996 als Mitglied der Hofkapelle Ottos III. und als
dessen familiaris bezeugt, vgl. die Vita Adalberti c. 20. Fraglich ist eine Identifizierung Leos mit einem
wahlweise als Leo/Warin fungierenden Mitglied der Hofkapelle, welches bereits vor 996 in dieser aktiv
war und in den Urkunden DO III 296 u. 301 firmiert, vgl. Fleckenstein 1966, S. 91.
273
Gerbert gilt als überragende Persönlichkeit im Umfeld Ottos nach 996 und als Vordenker der
Italienpolitik, vgl. Althoff 1996, S. 3. Die Einflussnahme auf den Kaiser beginnt mit dessen Eintritt in
die Hofkapelle um Weihnachten 996, vgl. Böhmer/Uhlirz, Die Regesten des Kaiserreiches unter Otto
III., S. 493. Das enge Verhältnis zu Otto ist insbesondere seinem Briefcorpus zu entnehmen (v.a. Brief
181, 183, vgl. Lux, Papst Silvester II. Einfluss auf die Kaiserpolitik Ottos III, S. 21.)
274
Görich 1993, S. 182.
275
Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 381.
276
Vita Heriberti, c. 5, S. 743.
36
5 Zusammenfassung

In der Gesamtschau vermittelt die im Vorangegangen erfolgte Analyse der spezifischen


historischen Personenkonstellationen, welche in den jeweiligen Regierungsphasen der
Herrschaft Ottos III. aufgrund ihrer zeitlichen, räumlichen und vielfach auch persönlichen
Verbundenheit zum Herrscher dessen Referenzrahmen bildeten, einen differenzierten
Eindruck der personellen Veränderungen ebenso wie der Kontinuitäten im engeren Umfeld
Ottos III. Die Konfrontation der zu Beginn beschriebenen Theorie zur Klassifikation der
höfischen Beziehungsmuster mit dem hier untersuchten spezifischen Fallbeispiel des
Herrscherhofes Ottos III. hat das Konzept der Dichotomie zwischen dem engeren und
erweiterten Herrscherhof als probates Mittel zur weiteren strukturanalytischen Erforschung des
komplexen Phänomens des Herrscherhofes der Ottonenzeit erwiesen. Darüber hinaus scheint
eine Gliederung des Personenverbandes der in der historischen Analyse als mutmaßliche
Mitglieder der als engerer Hof identifizierten Akteure entlang chronologischer ebenso wie
funktionaler Kriterien angebracht. Neben der chronologischen Verortung eines Individuums im
Umfeld des Hofes der Minderjährigkeit Ottos beziehungsweise in der Phase der
selbstständigen Auswahl stellt vor allem die Zugehörigkeit zu einer spezifischen
Funktionsgruppe277 ein wichtiges Distinktionsmerkmal dar. Demgemäß erscheinen die
Vertreter bestimmter Gruppen innerhalb definierter Zeitabschnitten in der Möglichkeit zur
Beeinflussung des Herrschers und somit der Reichspolitik potenziell privilegiert. Innerhalb des
einleitend untersuchten Zeitabschnittes fällt diese Rolle der Gruppe der Erzieher Ottos III. zu.
Mehr noch als den betreuenden Gefährten der ersten Jahre gelingt es diesen, die natürlichen
Anlagen und Charaktermerkmale Ottos zu nutzen, um sich eine Position als engste Vertraute
im Beraterkreis um den König zu sichern. Dass sie dabei teilweise sogar das Prestige und die
Einflussmöglichkeiten der angestammten Berater im engsten Zirkel der Macht überstrahlen
(beispielsweise beginnt der Einfluss Bernwards von Hildesheim auf den König den seines
ehemaligen Förderers Willigis bald zu überragen278) verdeutlicht abermals den fluiden
Charakter der postulierten Ämterhierarchie des ottonischen Herrscherhofes. Die
chronologische wie persönliche Bedingtheit dieser Wertigkeiten in der Personenstruktur des
engeren Hofes zeigt sich jedoch im Zuge des Phänomens der zunehmenden Emanzipation
Ottos von den Strukturen der Vormundschaftsregentschaft. Spätestens im zweiten
chronologischen Abschnitt mit der Übernahme der Regierungsgewalt durch Otto kommt es zu

277
Diese Funktionsgruppen konstruieren sich entlang des informellen Beziehungssystems innerhalb des
höfischen Kosmos und bilden die eigentliche Basis für eine Bewertung von Struktur und Funktion der
Personenkonstellation des engeren Herrscherhofes, vgl. Butz/Hirschbiegel, Informelle Strukturen bei
Hof, S. 99.
278
Der Einflussverlust des Willigis wird durch das Ende seiner Interventionen in den Kaiserurkunden
Ottos III. nach 997 belegt. Nach diesem Datum wurde Willigis neben Heribert nicht zuletzt durch
Gerbert von Aurillac als Vordenker und Koordinator ersetzt, vgl. Beumann 1984, S. 89.
37
einer graduellen, jedoch fundamentalen Rekonfiguration des persönlichen
Beziehungsumfeldes des Königs, deren Auswirkungen auf die Struktur des engeren
Herrscherhofes sukzessive sichtbar werden. Der einst dominierende Personenverband der
Erzieher Ottos sah sich nun zusehends seiner Möglichkeit zum Einwirken auf den Herrscher
beraubt. Gleichzeitig wurde die Funktionsgruppe der aus der Herrschaft Ottos II.,
übernommenen Berater, welche zunächst als zentrale Komponente zu konstatieren sind,
durch einen Prozess herausgefordert, den sie selbst maßgeblich zu initiieren half279. Als
entscheidendes Charakteristikum der Epoche erscheint daher die Berufung einer jungen
Generation von Klerikern, welche in den führenden Domschulen der Zeit eine profunde
Ausbildung erhalten hatten, in das Umfeld des engeren Beraterkreises um den jungen
Herrscher. Aufgrund ihrer tragenden Rolle in der personalpolitischen Konzeption Ottos III.
konnten sie bald in die höchsten Würden der Eigenkirche des Ottonenreiches aufsteigen280.
Ungeachtet dieser chronologisch wie funktional interpretierbaren Änderungen der höfischen
Beziehungskonstellationen belegt die Analyse des spezifischen Fallbeispiels des
Herrscherhofes Ottos III. die integrale Funktion der Hofkapelle als fakultativer Ausgangspunkt
für die Eröffnung einer persönlichen Beziehung mit der Person des Herrschers 281. Den
Mitgliedern der Hofkapelle gelang es dabei, ihre privilegierte Stellung zur Gewinnung eines
starken politischen Einflusses zu verwenden. Einzelne Berater des Königs, etwa Heribert von
Köln282, erlangten in der Folge am Hof eine beherrschende Schlüsselposition283. Diese
Attraktivität der Hofkapelle als Epizentrum der Personalpolitik284 war ursächlich für die zuvor

279
Aufgrund der Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Willigis und Otto erfuhr beispielsweise
das Amt des Erzkaplans eine Minderung seines Einflusses zugunsten der nun stärker in den Vordergrund
tretenden Kanzlerposition, da die ständige Präsenz am Königshof Heribert gegenüber Willigis einen
Vorteil verschaffte, vgl. Fleckenstein 1966, S. 104.
280
Bezeichnend für die Personenkenntnis und politische Weitsicht Ottos steht auch der Umstand, dass
ein hoher Anteil dieser persönlich geförderten Vertrauten auch nach dem Tode ihres „Entdeckers“ ihre
Stellung beibehalten und bis weit ins 11. Jahrhundert die Geschicke des Reiches mitbestimmen
konnte280.
281
Die Hofkapelle stellt somit eine zentrale Komponente der curia minor dar, vgl. Laudage, Rittertum
und höfische Kultur, S. 84. In der historiographischen Forschung ist ihre Bedeutung für die Herrschaft
Ottos III. wiederholt hervorgehoben worden, vgl. Eickhoff 1996, S. 13. Der König habe die Bedeutung
dieser Institution als leistungsfähiges Instrument der Königsherrschaft in besonderem Maße erkannt und
in seine Herrschaftskonzeption eingebunden (vgl. Fleckenstein 1966, S. 86). Die Interpretation dieser
sorgsam betriebenen „Personalpolitik“ als bewusstes Anknüpfen an die Herrschaftspraxis Ottos des
Großen (so etwa Görich 1993, S. 301) ist aufgrund des veränderten Kontextes beider Herrschaften nicht
abschließend zu beantworten.
282
Die Vita Heriberti (c. 4) berichtet über das Verhältnis zu Heribert: Is pretiosiorem carbunculo
Heribertum ad se accersitum, archicancellarium et secreti sui voluit esse primum. Diese Machtstellung
kommt auch in der Häufigkeit seiner Interventionen zum Ausdruck: Ab dem Zeitraum seit Oktober 995
erscheint Heribert bei Weitem am häufigsten als Intervenient, insgesamt sind im Vergleichszeitraum bis
997 sechs Fürbitten belegbar, was der doppelten Anzahl des Erzkanzlers Willigis entspricht, vgl. Perst,
Die Kaisertochter Sophie. Äbtissin von Gandersheim und Essen , S. 21.
283
Vgl. Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 380.
284
Wichtig für die Bewertung der Frage nach einer etwaigen aktiven „Besetzungspolitik“ Ottos III. ist
38
unerreichte Ausstrahlung, welche diese Institution unter Ottos Führung entfaltete285. Der
Umstand, dass aus diesem Personenkreis jedoch nur eine privilegierte Minderheit aus engsten
Vertrauten und Gleichgesinnten, welche dem Herrscher in einem besonderen
Freundschaftsverhältnis verbunden waren, einen entscheidenden Einfluss auf die
Regierungsgeschäfte ausüben konnte, verdeutlicht die elementare Bedeutung des Konzeptes
der familiaritas286. Den so mit der Freundschaft des Herrschers Geehrten garantierte ihre
Beziehung angesichts der exklusiven Struktur des Herrscherhofes nicht nur einen
permanenten Zugang zur Herrscherperson, sondern ermöglichte vielmehr die Beeinflussung
der Politik287. Die auf der strukturanalytischen Voruntersuchung basierende Prämisse der
zentralen Bedeutung der Hofkapelle als Institution für die Determination eines
Personenverbandes gemäß der schematischen Dichotomie zwischen engerem und
erweitertem Hof erfährt somit in der allgemein beobachtbaren hohen Korrelation zwischen
attestierter Verbundenheit mit dem Herrscher in einem Familiaritas-Verhältnis und der
Mitgliedschaft in diesem königsnahen Gremium eine konkretisierende Ergänzung288.
Die Grundzüge des personalpolitischen Vorgehens Ottos III. entsprachen in der vorstaatlichen
Herrschaftskonzeption der Ottonenzeit mit ihrem Fokus auf Personenverbänden durchaus der

die Frage nach der Einrichtung des Königskanonikates unter seiner Regentschaft. In der Historiographie
besteht Uneinigkeit, inwiefern Otto als Begründer dieser Institution angesehen werden kann.
Fleckenstein (Rex canonicus, S. 67) verwendet die Andeutung der Gebetsverbrüderung (pari sententia
episcopo et fratribus nostris in deo carissimis, vgl. Althoff, Amicitiae und Pacta, Politik und
Gebetsgedenken im beginnenden 10. Jahrhundert) als Indiz für das Kanonikat Ottos in Hildesheim.
285
Über den Prozentsatz der aus der Hofkapelle berufenen Bischöfe innerhalb des Episkopates im Reich
Ottos III. herrscht in quantitativer wie definitorischer Hinsicht Uneinigkeit: Während Schieffer (Der
ottonische Reichsepiskopat zwischen Königtum und Adel, S. 296) unter keinem Ottonenherrscher ein
Übergewicht der ehemaligen Kapläne im Reichsepiskopat annimmt, rechnet Müller, dass „mehr als die
Hälfte aller namentlich bekannten Vertreter dieser Generation“ von Kapellenangehörigen später mit
einem Episkopat ausgestattet wurden, vgl. Heribert, Kanzler Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 85.
Hingegen fokussiert sich Fleckenstein (1966, S. 114) auf das aussagekräftige Kriterium des Anteils der
Hofkapläne an der Gesamtheit der Bischofseinsetzungen im Zeitraum von Ottos selbstständiger
Regierungszeit. Der ganz überwiegende ermittelte Prozentsatz deutet auf eine absichtsvolle Politik der
Förderung vonseiten Ottos hin. Wenngleich sich diese gezielte Förderpolitik noch im Wesentlichen auf
die Nah- und Kernräume der sächsischen Kaiserzeit beschränkte (vgl. Goetting, Die Hildesheimer
Bischöfe, S. 148) ist unter Otto III. erstmalig ein Ausgreifen in herrschaftsfernere Räume u. Diözesen
festzustellen, vgl. Bernward, Itinerant Kingship, S. 32.
286
Vgl. Klewitz, Königtum, Hofkapelle und Domkapitel im 10. Und 11. Jahrhundert, S. 104.
287
Fleckenstein 1966, S. 81. Dieser Befund führte in der Historiographie vereinzelt zur Bewertung Ottos
als „Spielball“ in der Hand eines übermächtigen Beraterkreises, vgl. Althoff 1996, S. 199. Die starke
Persönlichkeit Ottos III. scheint hingegen eine überdurchschnittliche Beeinflussung durch seine
Ratgeber verhindert zu haben, vgl. Holtzmann, Geschichte der Sächsischen Kaiserzeit, S. 328.
288
Hierbei tut die Tatsache, dass es nachweislich auch Vertreter anderer dem engeren Hof
zuzurechnenden Personenverbände wiederholt gelang, mit dem König in eine Familiaritas-Beziehung
zu treten, der Beweiskraft der Quellen- wie Urkundenanalyse keinen Abbruch. Trotz ihrer
offensichtlichen Herrschernähe gelingt es den Angehörigen anderer Kategorien innerhalb der curia
minor, etwa den Vertretern der servi utiles, nur selten in eine ähnlich vertraute Position aufzusteigen.
Ein seltenes Beispiel für einen derartigen Aufstieg stellt Ottos Kämmerer und späterer Truchsess
Tammo dar.
39
Staatsraison. Der wiederholte Hinweis in den Urkunden auf die Wichtigkeit persönlicher
Ratgeber289 scheinen in ihren Grundsätzen durchaus zeittypisch290. Neben dem natürlichen
politischen Interesse der Herrscher der Ottonenzeit an der Bindung herausragender
Persönlichkeiten der Epoche an die Person des Herrschers entsprangen Ottos Bemühungen
ebenso den persönlichen Vorlieben Ottos291. Als eigentliches Charakteristikum der Epoche ist
demgemäß weniger der Umstand der Nutzung der formalen wie informalen Strukturen bei
Hofe zur Propagierung der eigenen Herrschaft als vielmehr die überschwänglich-extensive
Weise, in der Otto von dieser Möglichkeit aus seinem Herrscher-Repertoire Gebrauch machte.
Sowohl die rekonstruierbare Personalpolitik Ottos als auch zeitgenössische Quellen legen
Zeugnis von Ottos einmaligem Talent zur Auswahl und Förderung begabter Anhänger ab. Die
außergewöhnliche Betonung der Thematik Freundschaft / familiaritas als Mittel der Politik wird
bereits von den zeitgenössischen Quellen hervorgehoben. In der Vita Heriberti heißt es von
ihm: Otto iunior […] in fascibus monarchiam regebat et ultra annos servos dei passim
requirebat, requisitos amplectebatur et excolebat, et iuxta traditionem canonum dignitatibus
extollebat292. Diese Begabung bei der Wahl seiner consiliarii gewährte es dem jugendlichen
Herrscher stets aufs Neue, führende Persönlichkeiten seiner Zeit durch seine Persönlichkeit
an den Hof zu binden und sie für seinen engeren Kreis von Beratern zu integrieren. Gleichzeitig
gelang es dem König und späteren Kaiser Otto, die teilweise stark heterogenen Elemente
seines engsten Vertrautenkreises zu verknüpfen und zu einer leistungsfähigen Stütze seiner
Herrschaft zu formen293. Die starke persönliche Verbindung zu den Angehörigen dieses
engeren Beraterkreises294 hat Otto III. den Titel eines „Genies der Freundschaft“
eingebracht295. Aus der Kontrastierung mit den Resultaten dieser Untersuchung findet dieses
Epithet seine Bestätigung.

289
vgl. die Formulierung von DO III. 390 (s. Waitz, Die Deutsche Reichsverfassung, S. 401).
290
Görich, Otto III (NDB), S. 664.
291
Althoff 1996, S. 33.
292
Vita Heriberti c. 4. Zur „Freundschaftspolitik“ Ottos vgl. Althoff, Otto III., 197-211.
293
Vgl. Müller, Heribert, Kanzler Ottos III. und Erzbischof von Köln, S. 90.
294
Fleckenstein 1966, S. 109.
295
Dieser Term wurde von Fleckenstein unter Beobachtung der Prominenz der Freundschaftsthematik
in den Urkunden Ottos III. geprägt. Seine integrierende Funktion als Mittelpunkt eines heterogenen
Kreises führender Intellektueller und fähiger Staatsdiener wird Prinz von mit der Funktion eines
„Brennglases“ verglichen, vgl. Grundlagen und Anfänge. Deutschland bis 1056, S. 177.
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