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Helmut Bernhard, Thomas Kreckel: Mai 2005

Frühe Kelten im Raum Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz.

Helmut Bernhard, Thomas Kreckel


Frühe Kelten im Raum Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz

Kurzfassung: Der Forschungsstand steht in einem eines etruskischen Stabdreifusses hebt


deutlichen Missverhältnis zur Bedeutung des
dieses Grab – mit anderen etruskischen
frühkeltischen Siedlungsraumes um Bad Dürk-
Importgütern wie einem Stamnos (Misch-
heim. In überregionalen Betrachtungen der 70er
bis 80er Jahre spielte der Raum keine Rolle. Noch
gefäß) (Abb. 1 und 2), einer Schnabel-
in einer Untersuchung zu späthallstättischen kanne aus Bronze, Armreifen aus Gold,
Machtzentren aus dem Jahr 2003 findet Bad einem Halsring und den goldenen Be-
Dürkheim keine Erwähnung (Echt 2003). Grabun-
schlägen eines Trinkhornes – aus der
gen der Jahre 1937–1939 in der „Heidenmauer“
Reihe der frühkeltischen Adelsgräber
schienen nicht mehr auswertbar. Die Grabungen
der Jahre 2004/05 galten der Dokumentation die-
deutlich heraus. Eine Nabenbuchse mit
ser Schnitte. Es wurden ein Wallschnitt mit an- figürlich verziertem Achsnagel und Teile
schließenden Siedlungsflächen, eine Toranlage der Wagenaufhängung deuten auf die
und ein weiterer Wallschnitt nachuntersucht und
Mitgabe eines zweirädrigen Wagens hin.
die vermutete Einperiodigkeit der Wallanlage mit
kurzer Zeitdauer um 500 v. Chr. festgestellt bzw.
bestätigt. Unzweifelhaft handelt es sich bei der
„Heidenmauer“ um eine nur kurze Zeit bestehen-
de Stadtanlage mit einer ausgedehnten Vor-
siedlung. Das 1864 geborgene frühkeltische Grab
einer „Fürstin“ kann daher nur mit der Höhen-
siedlung „Limburg“ in Verbindung stehen. Dort ist
eine ununterbrochene Besiedlung von der Spät-
hallstattzeit bis zur Spätlatènezeit nachweisbar.
Weitere Untersuchungen gelten weiteren Groß-
grabhügeln, den Fragen nach den wirtschaftlichen
Grundlagen (Salz?) und dem Siedlungsumfeld.

Das Grab einer frühkeltischen Fürstin


(H. Bernhard, Th. Kreckel)
Am 10. Oktober 1864 wurde unter tumul- Abb. 1: Bad Dürkheim. Das frühkeltische
Grab einer Fürstin um 450 v. Chr. Teilinven-
tuarischen Umständen in der Gewann tar mit etruskischem Stabdreifuß und etruski-
schem Stamnos (Mischkessel). Der konische
“Heidenfeld” südöstlich der Stadt beim Deckel stammt aus einer keltischen Werk-
statt. (Foto und Bestand: Historisches Muse-
Bau der Eisenbahnlinie ein reiches früh- um Speyer).
keltisches Grab entdeckt. Die Mitgabe

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Frühe Kelten im Raum Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz.

Aufgabe übernommen. Als erste wichtige


Grundlage wurden im Jahr 2004 die Fun-
de durch die Archäologische Denk-
malpflege in Speyer neu gezeichnet
(Abb. 2).

Zwei „Fürstensitze“ stehen zur Aus-


wahl

Abb. 2: Bad Dürkheim. Neue zeichnerische


Dokumentation des Stamnos.

Der geringe Durchmesser des Armring-


schmuckes sowie zwei Bernsteinperlen
weisen eher auf ein Frauengrab. Der
pfälzische Raum in der Frühlatènezeit
gehört zum Saar-Pfalz-Kreis, in dem
„fürstliche“ Frauengräber, im Gegensatz
etwa zur nördlich anschließenden Huns-
Abb. 3: Keltische Siedlungstopographie um
rück-Eifel-Kultur, durchaus vorkommen. Bad Dürkheim mit Fürstengrab (1), Stadtan-
lage „Heidenmauer“ (3), Außensiedlung
Das berühmte Grab von Reinheim im „Halsberg“ (4), Höhensiedlung „Limburg“ (5)
mit Talsiedlung Hausen (6), Hügelgräberfeld
Saarland ist der beste Vergleich. „Ebersberg“ (7) und Umlandsiedlungen und
Gräbern (Späthallstatt bis Spätlatène 600 v.
Das reiche frühkeltische Grab hat seit – 50 v. Chr.). Aus der L 6514 thematisch
seiner Erstpublikation durch Ludwig Lin- ergänzt. Geobasisinformation (TK 25) ©
Landesamt für Vermessung und Geobasis-
denschmit (Lindenschmit 1870, Taf. I und information Rheinland-Pfalz vom 07.02.03,
Az.: 26 722-1.401-
II) keine moderne Bearbeitung mehr er- Die Bestattung aus der Zeit um 450 v.
fahren. Dies soll im Rahmen des Chr. setzt in der Region Bad Dürkheim
Schwerpunktprogrammes nun nachgeholt einen entsprechend herausgehobenen
werden. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung „Fürstensitz“ voraus. Davon gibt es nun
von Hans-Eckart Joachim, zusammen mit gar zwei Höhensiedlungen, die dafür in
einer Reihe ausgewiesener Fachwissen- Frage kommen. Das langschmale Pla-
schaftler, hat diese dringend notwendige

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teau der „Limburg“, das heute von der Fürstengrab zugehörige umwallte Sied-
salierzeitlichen Klosterruine beherrscht lung im Sinne eines Fürstensitzes.
wird, ist seit der Späthallstattzeit (ca. ab
550/500 v. Chr.) besiedelt (Abb. 3 und Neue Forschungsansätze
4). Nördlich gegenüber auf dem Plateau Die Forschungslage zur Frühlatènezeit
um Bad Dürkheim ist, im Vergleich zu
Süddeutschland mit den frühkeltischen
„Machtzentren“ wie Breisach, Hohen-
asperg, Ipf oder der Heuneburg, mehr als
schlecht. Nicht einmal das frühkeltische
Fürstengrab fand eine moderne Bearbei-
tung und Grabungen auf der Heidenmau-
er zwischen 1937 und 1939 durch das
„Ahnenerbe“ galten als nicht mehr nach-
vollziehbar. Umso wichtiger erschien es,
im Rahmen des Schwerpunktprogram-
mes der Deutschen Forschungsgemein-
Abb. 4: Keltische Besiedlung der Limburg mit schaft einige grundlegende Probleme
Plateausiedlung (1), Talsiedlung (2) und
Hangsiedlungen (3 und 4). Der Pfeil be- durch Aufarbeitungen und gezielte Gra-
zeichnet die Lage der vermuteten eisenzeitli-
chen Abschnittsbefestigung. bungen zu lösen.

des Kastanienberges liegt die 26 ha um-


schließende Heidenmauer, ein mächtiger Die frühkeltische Stadtanlage „Hei-

Ringwall, der ebenfalls in die Übergangs- denmauer“ (Th. Kreckel)

periode von Späthallstatt- und Frühla- 1. Allgemeines:

tènezeit, kurzum in einen Zeitraum um Die „Heidenmauer“ bei Bad Dürkheim

500 v. Chr. gehört (Abb. 5). Noch bis befindet sich auf dem Kastanienberg, ei-

1967 galt die kleinere Höhensiedlung nem am nördlichen Rand der Stadt gele-

„Limburg“ als Fürstensitz und die Hei- genen, ca. 300 m NN hohen Ausläufer

denmauer (Engels 1967) ergab nun ein des zum Haardtgebirge gehörenden Pe-

vermeintlich anderes Bild. Die „Heiden- terskopfes.

mauer“ wurde der Frühlatènezeit zuge- Der etwa 2 km lange Ringwall, der heute

schrieben und galt fortan als die zum im Gelände zum größten Teil als „Dop-
pelwelle“ aus Bruchsteinen erscheint,
umzieht das zerklüftete Bergplateau, das

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größere Höhenunterschiede aufweist. So 735 m und in ostwestlicher Richtung etwa


liegen zwischen der höchsten Erhebung 600 m.
im Nordwesten der Innenfläche und der Dem nördlichen Wallabschnitt ist ein in
tiefer gelegenen Toranlage an der Ostsei- den Fels geschroteter Graben vorge-
te fast 40 Höhenmeter. lagert, der auf beiden Seiten nach Süden
Von der Form her gleicht der Grundriss hin ausläuft. Diese zusätzliche Sicherung
der Anlage einem gespannten Bogen, war durch das flache Gelände in diesem
wobei der halbkreisförmige Bogen im Bereich bedingt. Dagegen war eine sol-
Norden liegt und die Spitze der ausgezo- che Maßnahme im übrigen Wallverlauf
genen Sehne nach Süden gerichtet ist aufgrund der hier eher steil ansteigenden
(Abb. 5). Hänge nicht notwendig.
Es ist auffällig, dass die Wallanlage nicht
dem Verlauf der Höhenlinien des Pla-
teaus folgt, was vom fortifikatorischen
bzw. strategischen Standpunkt aus gese-
hen, sinnvoller gewesen wäre. Auch die
Tatsache, dass der Sporn im Süden un-
befestigt blieb, obwohl er ohne größeren
Aufwand miteinbezogen hätte werden
können, leuchtet nicht ein. Möglicherwei-
se spielten bei der Planung der Befesti-
gungsanlage Überlegungen zur reprä-
sentativen Wirkung eine größere Rolle.
Der östliche Wallabschnitt war vermutlich
deswegen so nah an den der Rheinebene
zugewandten Rand des Bergplateaus
gelegt worden, damit die Mauer schon

Abb. 5: Bad Dürkheim. Plan der Heidenmau- von weitem zu sehen war.
er (Stand 1952). Die Grabungen von 1937–
1939: (1) Toranlage, (2) Schnitt I mit Erweite-
Über die möglichen Strukturen im Inneren
rungsflächen, (3) Schnitt II Wall- und Gra- dieser Befestigungsanlage ist nur wenig
benschnitt.
bekannt, da hier bisher keine systema-
Die maximalen Durchmesser des Walls,
tischen Grabungen durchgeführt wurden.
der eine Fläche von ca. 26 ha umgibt,
Großflächige Untersuchungen sind in
betragen in nordsüdlicher Richtung ca.

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diesem Bereich aufgrund der Bewaldung


ohnehin nur sehr schwer zu realisieren. Forschungsgeschichte:
Allerdings konnten durch das Fund- In den Jahren 1874–75 wurde die „Hei-
material, das im Lauf der Zeit in der In- denmauer“ erstmals von dem Dürkheimer
nenfläche entdeckt wurde, Hinweise auf Lehrer Christian Mehlis (Mehlis 1876)
die mögliche Nutzung gewonnen werden. eingehender untersucht. Er erstellte dabei
Eine größere Anzahl von Mahlsteinen – den ersten Plan des Grundrisses der An-
sog. „Napoleonshüten“ – sowie zahl- lage, der auch die Arbeitsgrundlage für
reiche Gefäßscherben und weitere, ver- die späteren Grabungen bildete.
einzelte Kleinfunde, die an verschiedenen Neben Begehungen der Innenfläche legte
Stellen des Plateaus zum Vorschein ka- er auch an verschiedenen Stellen Schnit-
men, weisen auf eine flächige Innenbe- te durch den Wallkörper an, um dessen
siedlung hin. Bei einer Flächengröße von Konstruktion zu klären. Zumindest einer
ca. 26 ha kann diese Siedlung durchaus dieser Schnitte (I–K, wenige Meter süd-
als „stadtartig“ interpretiert werden. lich der Westecke des Walls) ist auch
Was die Zeitstellung betrifft, so kann nach jetzt noch deutlich erkennbar.
dem bisherigen Fundmaterial die Errich- Mehlis deutete die Mauer noch als reinen
tung der Anlage in die späte Hallstattzeit, Steinwall ohne Verwendung eines Holz-
wohl in einen Zeitraum um 500 v. Chr. rahmenwerks, was allerdings bei den
datiert werden. später erfolgten Untersuchungen 1937-39
Zu der „Heidenmauer“ gehörte vermutlich widerlegt werden konnte. Die Anlage da-
auch eine Außensiedlung auf dem ca. tierte er in einen Übergangszeitraum zwi-
400 m weiter östlich liegenden Halsberg- schen der ausgehenden Steinzeit und der
plateau (Abb. 3). Der noch nachvollzieh- beginnenden Bronzezeit.
bare Weg von der Toranlage im östlichen Auch wenn seine Interpretationen, die im
Wallabschnitt führt direkt zu diesem Be- Zusammenhang mit dem damaligen For-
reich, in dem in den 70er Jahren einige schungsstand und dem „vorherr-
Gruben mit Keramikfragmenten entdeckt schenden“ Zeitgeist gesehen werden
werden konnten, die zeitlich mit dem müssen, eher mit Vorsicht zu genießen
Fundmaterial aus dem Ringwall überein- sind, bieten seine Geländebeobach-
stimmen. Weitere zugehörige Außensied- tungen wertvolle Hinweise für die weitere
lungen in der Umgebung sind zu vermu- Erforschung der „Heidenmauer“.
ten, aber bisher noch nicht zu lokalisie- In den Jahren 1937-1939 wurden an ver-
ren. schiedenen Stellen des Ringwalls erst-

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mals „ordentliche“ Ausgrabungen durch geschichte der Pfalz“ in Speyer leitete,


das „Ahnenerbe“ – einer Organisation, übernahm die Bearbeitung des Fund-
die direkt dem Reichsführer der SS H. materials.
Himmler unterstellt war – unternommen. Die Dokumentation dieser Grabungen
Den Anlass für diese Unternehmungen ging leider im Krieg verloren. Es existie-
boten die ersten Freilegungsarbeiten am ren allerdings zwei Vorberichte von
römischen Steinbruch „Kriemhildenstuhl“ Schleif in der Zeitschrift „Germanien“
durch Friedrich Sprater 1934-1935. Auf- (Schleif 1938, 289–296; ders. 1939, 340–
grund der dabei entdeckten Felsbilder 346), in denen er die wichtigsten Ergeb-
(die, wie auch die hier freigelegten In- nisse der beiden Kampagnen zusammen-
schriften mit Sicherheit von den hier ein- fasst. Auch das Fundmaterial aus dem
gesetzten römischen Legionären bzw. (Wall-)Schnitt I, von der Toranlage sowie
den Arbeitern stammen) wurde dieser das von Kaiser geführte Fundtagebuch
Platz als germanisches Heiligtum inter- blieben erhalten. Daneben gibt es noch
pretiert. Da ein Zusammenhang mit der einige Fotos der freigelegten Befunde, die
oberhalb des Steinbruchs liegenden vermutlich im Auftrag Spraters ange-
Ringwallanlage vermutet wurde, bezog fertigt wurden und daher im Archiv des
man diese in das geplante Vorhaben mit Historischen Museums Speyer verblieben
ein (Schleif 1938, ders. 1939). Nach zwei waren.
Grabungskampagnen wurde eine Fort-
setzung der Arbeiten durch den Ausbruch In der ersten Kampagne vom 13.11.1937
des Zweiten Weltkriegs verhindert. bis zum 11.04.1938 wurden neben der
Die Gesamtleitung der Grabung lag in weiteren Freilegung des Steinbruchs
den Händen des SS-Obersturmführers auch zwei Schnitte durch den Wall der
Hans Schleif, der allerdings ab 1938, e- „Heidenmauer“ unternommen. Schnitt I
benfalls im Auftrag des „Ahnenerbes“, wurde südlich der Ostecke, also an einem
auch in Olympia tätig war, wo er bereits in Wallabschnitt ohne Graben angelegt,
den 20er Jahren an den archäologischen während der aus drei Teilschnitten be-
Untersuchungen teilgenommen hatte. Die stehende Schnitt II, der auch den Graben
Arbeiten vor Ort wurden von dem SS- miteinbezog, nördlich des östlichen Zwi-
Scharführer Löhausen geleitet. Cand. ckels lag. Dabei konnte festgestellt wer-
phil. Kw. Kaiser, der spätere Landeskon- den, dass sich der Überrest des eigentli-
servator, der ab 1956 den neu eingerich- chen Walls in der Senke zwischen den
teten „Landesdienst für Vor- und Früh- beiden Steinwällen befindet, und es sich

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also nicht um einen Doppelwall handelt, breite Torgasse wird von zwei um ca.
wie es noch Mehlis vermutet hatte. 2,40 m (nördlich) bzw. um 2,70 m (süd-
Was die Konstruktion betrifft, so handelt lich) gegenüber der Wallbreite verstärkten
es sich um eine zweischalige Pfosten- Mauerköpfen flankiert, auf denen vermut-
schlitzmauer. Sie bestand ursprünglich lich ein, möglicherweise die gesamte
aus einem Holzrahmenwerk aus senk- Durchfahrt überdeckender, Torbau ge-
rechten, mit Querbindern verbundenen standen hat. Während an den Hinterfron-
Pfosten, das im Inneren mit Bruchsteinen, ten beider Mauerköpfe Pfostenschlitze
Sand usw. gefüllt und außen mit „trocken“ von durchschnittlich 35 cm starken Pfos-
gemauerten Steinschalen verblendet war. ten beobachtet werden konnten, die in
Die Position der Außenpfosten lässt sich einem mittleren Abstand von 30 cm auf-
an den Aussparungen in den noch erhal- gestellt waren, ließen sich nur an der
tenen Mauerschalenüberresten – den Vorderfront des südlichen Mauerkopfes
sogenannten Pfostenschlitzen – erken- ähnlich angeordnete Pfostenschlitze er-
nen. kennen. Im weiteren Verlauf dieses frei-
Die Tatsache, dass der Wallrest hier nicht gelegten Frontschalenabschnitts waren
– wie es bei vergleichbaren Mauern der jedoch keine weiteren Schlitze erfassbar.
Fall ist – unter einem „Wellenscheitel“ Dafür ließen sich hier rechteckige Öff-
liegt, kann möglicherweise damit erklärt nungen beobachten über denen die
werden, dass in die Mauerfüllung eine Steinlagen durchgehend verliefen. Ent-
große Menge des hier anstehenden San- weder weisen diese Öffnungen auf hori-
des eingebracht worden war, der im Lauf zontale Balkenlagen hin oder es handelt
der Zeit durch Regen ausgespült wurde. sich um Pfostenschlitze, die bei einer
Der Steinschutt im Mauerinneren rutschte größeren Ausbesserung zugesetzt wur-
nach und so entstand die Senke. den.
Innerhalb der Vorderfront des nördlichen
Während der zweiten Kampagne vom Mauerkopfs konnte nur ein „torgassen-
14.09.1938 bis zum 22.05.1939 wurde seitiger“ Eckpfosten entdeckt werden.
zunächst der Wall ab Schnitt I nach Nor- Ansonsten besteht der erhaltene Rest
den weiterverfolgt. Im Mai 1939 konnte dieser Frontschale nur aus durchlaufen-
ca. 50 m nördlich des Steinbruchs die – den Steinlagen.
bisher einzige – größere Toranlage frei- Auch die hier freigelegten Wallrückfronten
gelegt werden. Die etwa 8,70 m lange zeigten ein unterschiedliches Bild. Wäh-
und ca. 6,40 m (innen) –, außen ca.7 m rend nördlich des Tors nur eine durchge-

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hende Mauerschale zu sehen war, konn- endlich eine wissenschaftliche Aufarbei-


ten südlich davon Pfostenschlitze in grö- tung zu ermöglichen. Weitere gezielte
ßeren Abständen entdeckt werden. Untersuchungen verschiedener Wallab-
Die Torleibungen waren ursprünglich viel- schnitte und ausgewählter Stellen in der
leicht komplett mit Holz verschalt, da sich Innenfläche sollen zur weiteren Klärung
bisher noch keine Spur einer steinernen der Bedeutung dieser vorgeschichtlichen
Schalung abzeichnete oder Reste von Ringwallanlage beitragen.
Pfostenschlitzen zu erkennen waren. In diesem Rahmen ergibt sich die folgen-
Es fanden sich hier – wie auch in den de Aufgabenstellung: Neben der – mög-
übrigen untersuchten Bereichen – an- lichst – genauen Datierung der Errich-
scheinend keine Hinweise auf eine zweite tungs- und der Nutzungszeit der Heiden-
Bauphase, so dass Schleif von einer kur- mauer, wird die Bedeutung dieser groß-
zen „Lebensdauer“ der Anlage von ma- flächigen, möglicherweise stadtartigen
ximal 1–2 Generationen ausging. Siedlung zu klären sein. In diesem Zu-
sammenhang ist es wichtig, nach Spuren
Aktuelle Grabungen einer evtl. „herausgehobenen“ Bebauung
Seit Juli 2004 werden auf der „Heiden- – Stichwort: „Fürstensitz“ – auf dem Pla-
mauer“ von der Archäologischen Denk- teau zu forschen. Nur so lässt sich viel-
malpflege Speyer erneut Grabungen un- leicht feststellen, ob die Hypothese von F.
ternommen und zwar im Rahmen des von Sprater zutrifft, der die Limburg als „Fürs-
der Deutschen Forschungsgemeinschaft tensitz“ und die Heidenmauer als „Volks-
finanzierten Schwerpunktprogramms burg“ bezeichnete (F. Sprater, Limburg
„Frühkeltische Fürstensitze“. Das Dürk- und Kriemhildenstuhl, Speyer 1948, 37)
heimer Projekt, das neben den Arbeiten bzw. H. J. Engels die Heidenmauer zu
auf der „Heidenmauer“ u.a. auch Unter- Recht als „Fürstensitz“ bewertete (Engels
suchungen auf dem Plateau der Limburg 1967, 52).
umfassen soll, wird von Helmut Bernhard Eine weitere Hauptaufgabe stellt die Er-
geleitet. Die örtliche Grabungsleitung liegt forschung der Konstruktionsweise der
in den Händen von Thomas Kreckel. verschiedenen Wallabschnitte und der
Toranlage dar. Die schon von Schleif
Das erste Etappenziel beinhaltet die Re- festgestellten unterschiedlichen Bereiche
aktivierung der Grabungsbereiche von mit und ohne Pfostenschlitze in den
1937/1939 und die ordentliche Dokumen- Frontseiten sowie die bei der erneuten
tation der dort erhaltenen Befunde, um Freilegung entdeckten rechteckigen Öff-

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nungen in den Vorderfrontschalen im Be- stürztem Steinmaterial, einge-


reich des Tors zeigen, dass es sich hier schwemmtem Sand und allmählich ge-
nicht um eine einheitliche Bauweise han- wachsenem Waldboden usw. befreit wer-
delt. Interessant ist hierbei auch die Fra- den. Die Torgasse, die flankierenden
ge nach dem Sinn und Zweck der engen Mauerköpfe sowie die Wallfronten in die-
Pfostenstellungen an den Innenseiten der sem Bereich konnten so wieder freigelegt
beiden Mauerköpfe bzw. an der Vorder- werden, wobei der immer noch gute Er-
seite des südlichen Mauerkopfs (größere haltungszustand überraschte (Abb. 8). Im
Tragfähigkeit für massiven Torbau?). Vergleich mit den alten Grabungsfotos,
Ebenso wichtig ist die Beantwortung der die sich anhand der freigelegten Befunde
Frage, ob die Anlage wirklich nur eine identifizieren ließen, zeigte sich, dass
Bauphase zeigt und damit nur maximal abgesehen von wenigen Bereichen, der
um die 50 Jahre bestand, oder ob es – Zustand hier nicht viel schlechter war als
abgesehen von erkennbaren Ausbes- in den 30er Jahren. So konnten die von
serungsarbeiten – Hinweise auf umfas- Schleif angegebenen Pfostenstellungen
sende Renovierungsmaßnahmen gibt. fast alle nachvollzogen werden. Die Hin-
Sollte dies nicht der Fall sein, würde sich terfronten sowohl des nördlichen als auch
die Frage nach den Gründen für eine so des südlichen Mauerkopfs zeigen jeweils
kurze „Lebensdauer“ dieses Ringwalls 11 Pfostenstellungen (9 Schlitze, 2 Eck-
stellen, der nur mit gewaltigem logis- pfosten) mit einer durchschnittlichen Brei-
tischem Aufwand errichtet werden konn- te von ca. 35–36 cm, in einem Abstand
te. von durchschnittlich ca. 32–33 cm.
Zu klären wird auch sein, ob der Wall ü- An der Vorderfront des Südlichen Mauer-
ber einer älteren Siedlungsschicht liegt kopfs sind ebenfalls 11 Pfostenstellungen
oder ob die von Schleif erwähnte Kultur- (10 Schlitze, 1 Eckpfosten) zu beobach-
schicht aus der Erbauungszeit des Walls ten. Diese sind durchschnittlich 29 cm
stammt. breit und stehen in einem durchschnittli-
chen Abstand von 38 cm zueinander.
Die Arbeiten konzentrierten sich zunächst Im weiteren Wallverlauf nach Süden las-
auf den Bereich der Toranlage. Nach Ein- sen sich rechteckige Öffnungen in der
richtung der Baustelle und der Umzäu- vorderen Frontschale erkennen. Ob es
nung des Grabungsgeländes musste der sich dabei um teilweise zugesetzte Pfos-
Torschnitt, der 1939 einfach offen ge- tenschlitze – und damit um einen Hinweis
lassen worden war, von Bäumen, ver- auf Reparaturarbeiten handelt – oder ob

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diese Lücken auf horizontale Balkenlagen Parallel dazu wurden auch im ehemaligen
zurückzuführen sind, bedarf noch der Klä- Schnitt I vorbereitende Maßnahmen
rung. durchgeführt. Für die Freilegung der von
Die Überreste der Vorderfrontschale des Schleif angelegten Flächen mussten erst
nördlichen Mauerkopfs zeigen dagegen einige Bäume gefällt und Buschwerk be-
keine erkennbaren Pfostenschlitze. Der seitigt werden.
von Schleif erwähnte Eckpfosten ist leider Der Wallschnitt wurde wieder freigeräumt
verschwunden. und das erneut angelegte Profil (P4) be-
Es stellt sich hierbei die Frage nach dem reits zeichnerisch dokumentiert (Abb. 6
Sinn dieser engen Pfostenstellungen, und 7). Auch konnten die Überreste der
zwischen denen sich nur Steinsetzungen Mauerschalen des Walls in diesem Areal
ohne Versatz befinden, was auf den ers- entdeckt werden. Hier zeigte der Ver-
ten Blick eher instabil wirkt. Allerdings gleich mit den Fotos aus den 30er Jah-
bietet eine solche Anordnung von senk- ren, dass die Befunde hier seit 1939 ei-
rechten Stützen eine solide Basis für das nem stärkeren Verfall zum Opfer gefallen
zu vermutende Torgebäude. waren. Vielleicht hängt dies mit den Aus-
Die Gestaltung der Torleibungen, also der wirkungen einiger hier im Krieg niederge-
die Torgasse flankierenden Mauer- gangener Fliegerbomben und Spreng-
kopfseiten ist noch unklar. Ein Hinweis granaten zusammen.
auf eine vorgeblendete Steinschale ließ In den hier freigelegten Schalen konnten
sich nicht beobachten. Vielleicht waren Pfostenschlitze entdeckt werden, wobei
sie mit Holzpalisaden verschalt, die auch deren Abstände in der Hinterfront über
als zusätzliche Stützen des möglichen einen Meter betragen, während in der
Torgebäudes gedient haben könnten. Vorderfront eine enge Stellung der Pfos-
Auch bei der aktuellen Grabung ließ sich ten – ähnlich den Hinterfronten der Mau-
bisher keine deutliche zweite Bauphase erköpfe der Toranlage – zu beobachten
feststellen. Es gibt allerdings Hinweise ist.
auf Ausbesserungsarbeiten, wie z.B. eine Die Bastion und die kleine Toröffnung
Reparatur der Hinterschale des Wallab- ließen sich ebenfalls wieder entdecken
schnitts beim nördlichen Mauerkopf. und wurden für weitere Arbeiten vor-
Bis Ende 2005 sollen die Arbeiten an der bereitet. Auffällig ist die durchgehende
Toranlage abgeschlossen werden, um die Hinterschale der Bastion, in der kein
weiteren Vorhaben des Projekts in Angriff Pfostenschlitz zu erkennen ist.
nehmen zu können.

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Abb. 6: Bad Dürkheim. Heidemauer. Grabungsschnitte I und II mit jeweiligen Maueransichten (n.
Schleif).

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Interessant dürften in diesem Abschnitt um durchgehende Schalen ohne senk-


die beiden rechteckigen Flächen direkt rechte Pfosten handelte, wie auf den al-
hinter dem Wall sein, die bereits in den ten Grabungsfotos zu sehen ist. Es wäre
30er Jahren angelegt wurden (Abb. 7). nämlich auch denkbar, dass eventuelle
Falls dieser Bereich nicht mehr von Frontpfosten hier in größeren Abständen
Schleif untersucht werden konnte, be- (ca. 4–5m) aufgestellt worden waren.
stände hier vielleicht die Möglichkeit noch
Baustrukturen zu entdecken. Neben diesen beschriebenen Vorhaben
sind – im weiteren Verlauf – auch ver-
schiedene Schnitte auf der Innenfläche
geplant. Gerade der Bereich um die
höchste Erhebung des Plateaus bietet
sich dafür an. Eine Konzentration von
Mahlsteinfragmenten, die hier von Mehlis
entdeckt wurde, könnte auf eine dichtere
Besiedlung in diesem Areal hinweisen.
Für diese Annahme spricht auch die Tat-

Abb. 7: Bad Dürkheim. Heidenmauer. Gra- sache, dass sich hier größere ebene Flä-
bungsschnitt I mit den anschließenden Gra- chen befinden, die für eine Bebauung
bungsflächen. Topografische Aufnahme
durch die Universität Kaiserslautern, Lehrge- besonders gut geeignet gewesen sein
biet Vermessung (Dr. Klaus Trumpke).
dürften.
Der Schnitt II, der eigentlich aus drei ver-
schiedenen Teilschnitten besteht, konnte
lokalisiert werden (Abb. 6). Bisher wur-
den hier allerdings nur grobe Freile-
gungsarbeiten durchgeführt. Im weiteren
Verlauf der Kampagne sollen die – hof-
fentlich erhaltenen – Mauerschalenreste
erneut erfasst und dokumentiert werden.
Hierbei wird es unerlässlich sein, die Abb. 8: Bad Dürkheim. Heidenmauer. Toran-
lage nach der Neufreilegung im Spätjahr
betreffenden Arbeitsbereiche zu erwei- 2004. Blick von Süden.
tern, um größere Abschnitte der Mauer-
schalen freilegen zu können. Nur so kann
überprüft werden, ob es sich hier wirklich

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Zusammenfassung der Zielsetzung der 7. Klärung der Konstruktion der Toran-


Untersuchungen auf der „Heidenmau- lage. Sind die engen Pfos-
er“ tenstellungen in den Innenfronten
1. Reaktivierung der Grabung des der Mauerköpfe als Hinweis auf ein
„Ahnenerbes“ (Toranlage, Schnitt I massives Torgebäude zu deuten?
u. II) und Dokumentation der Be- 8. Wie ist die Struktur der Innen-
funde. Abschließende Grabungs- besiedlung auf der Innenfläche des
arbeiten in den nicht vollständig un- Ringwalls? Gibt es „herausge-
tersuchten Arealen. hobene“ Bebauung (Stichwort: „Für-
2. Klärung der genauen Zeitstellung stensitz“)?
der Anlage sowie deren Benutz-
ungsdauer. Gibt es einen zeitlichen
Bezug zum „Fürstinnengrab“ von
Die Limburg (H. Bernhard)
Bad Dürkheim?
Die Plateaufläche dürfte seit der Spät-
3. Bauperioden: Bisher ließ sich nur
hallstattzeit auch befestigt gewesen sein
eine Bauphase deutlich feststellen,
(Abb. 4). Dies sollen zukünftige For-
aber es gibt zumindest Anzeichen
schungen ab 2006 nachweisen. Aber
von Ausbesserungsarbeiten bzw.
nicht nur das Plateau war besiedelt son-
Reparaturmaßnahmen („kurze oder
dern auch die Hänge und im Norden o-
verkürzte Pfostenschlitze“ in Front-
berhalb der Isenachaue bestand auf einer
schale 7). War die Anlage wirklich
Terrassenfläche eine ausgedehnte zeit-
einperiodig?
gleiche Siedlung. Das Fundmaterial aus
4. Welche Gründe führten zur Aufgabe
allen Fundbereichen ist sehr umfangreich
der mit erheblichem logistischem
und zeigt eine stete Besiedlung über 450
Aufwand errichteten Siedlung nach
Jahre hinweg. Ein 1997 auf dem Limburg-
wenigen Jahrzehnten?
Plateau entdecktes eisernes Signalhorn
5. Stellt das Erscheinungsbild des
mit frühkeltischer Verzierung zeigt deut-
Walls als „Doppelwelle“ einen Hin-
lich die Bedeutung der Limburg in frühkel-
weis auf eine bewusste Zerstörung
tischer Zeit (Archäologie in der Pfalz.
nach Aufgabe der „Stadt“ dar?
Jahresbericht 2001, Rahden/ Westf.
6. Klärung der uneinheitlichen Wall-
2003, 322–330).
konstruktion in den bisher unter-
Etwa 100 m südlich der Limburgsiedlung
suchten Bereichen.
befindet sich auf dem Ebersberg ein aus-

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Frühe Kelten im Raum Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz.

gedehntes Grabhügelfeld der Späthall- wohl auch die Ausbeutung von Eisenerz-
statt- und Frühlatènezeit. Hier fanden die lagerstätten und neuerdings nachgewie-
Bewohner der Limburg ihre letzte Ruhe sen – schon lange vermutet – eine Nut-
(Abb. 3 Nr. 7). zung der Salzquellen in Bad Dürkheim
selbst. Einige Reste von Briquetagestän-
Weitere Großgrabhügel – weitere Fürs- dern und zugehörigen Näpfen, in den de-
tengräber? nen die Salzsole eingedickt wurde, konn-
In Sichtweite der beiden eisenzeitlichen ten inzwischen unter den Fundaltbestän-
Siedlungen konnten durch Gelände- den ausgesondert werden. Für eine in-
forschungen weitere mögliche Großgrab- dustriemäßige Nutzung der Salzquellen
hügel nachgewiesen werden, die noch wie etwa in Bad Nauheim oder in Lothrin-
eingehender Untersuchung bedürfen. So gen im Seilletal fehlen indes bislang noch
wird auch für Bad Dürkheim – wie bei den die Belege.
genannten Herrensitzen in Süddeutsch-
land – eine Vielzahl von herausragenden Die Umlandbesiedlung
Grabmonumenten von der Späthallstatt- Wichtig für die Frage nach dem Verhält-
bis zur Frühlatènezeit, also über einen nis zwischen Umland und Stadtanlage
Zeitraum von 100 bis 150 Jahren hinweg auf der Heidenmauer bzw. Fürstensitz auf
gegeben haben, in denen sich die örtliche der Limburg ist die Bearbeitung der früh-
keltische Oberschicht zu repräsentieren keltischen ländlichen Siedlungen in einem
versuchte. Hinzu kommen in einem Um- Umkreis von ca.20 km um Bad Dürkheim.
kreis von 20 km weitere Großgrabhügel, Dieser auch naturräumlich abgegrenzte
die zum Siedlungsumland des Fürstensit- Betrachtungsraum erhält zudem durch
zes und der temporären Stadtgründung weitere mögliche Großgrabhügel in den
gehört haben. Randbereichen einen besonderen Stel-
lenwert. Schon jetzt lässt sich absehen,
Woraus schöpft der wirtschaftliche dass es eine dichte frühkeltische Besied-
Reichtum? lung zeitgleich mit Fürstensitz und Stadt-
Die Wirtschaftsgrundlage lag wohl we- anlage gegeben hat, die jedoch seit dem
sentlich in der landwirtschaftlichen Pro- 3./2. Jh. v. Chr. merklich ausdünnt.
duktion auf den fruchtbaren Lössflächen
der Vorderpfalz; aber auch Handel in der Literaturliste:
Durchgangssituation der Oberrheinebene H. Bernhard/G. Lenz-Bernhard, Die Eisenzeit im
Raum Bad Dürkheim. Arch. in der Pfalz 2001
spielte sicher eine Rolle. Hinzu kommt (Rahden 2003) 297-321.

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Anschriften der Autoren:


Prof. Dr. Helmut Bernhard
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz
Amt Speyer
Kleine Pfaffengasse 10
67346 Speyer
email: bernhard © archaeologie-speyer.de

Dr. des Thomas Kreckel M.A.


Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz
Archäologische Denkmalpflege
Amt Speyer
Kleine Pfaffengasse 10
e-mail: tkreckel © web.de

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