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Studiengang

”Angewandte Elektronik”

Grundlagen der Elektronik II


Wechselstromtechnik

Vorlesungsskriptum
19. Februar 2008

Urheber: Prof.(FH) Dipl.-Ing. Gerhard ENGELMANN


E-Mail: gerhard.engelmann@fh-campuswien.ac.at

2008
c
Inhaltsverzeichnis

1 Komplexe Zeigerrechnung 1
1.1 Komplexe Signaldarstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 Komplexer Widerstand (Impedanz) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.3 Komplexe Leistung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.3.1 Wirkleistungsanpassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

2 Schwingkreise 17
2.1 Technische Bauelemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1.1 Technische Spule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.1.2 Technischer Kondensator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.2 Serienschwingkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.2.1 Phasenresonanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.2.2 Betragsresonanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
2.2.3 Schwingkreiskenngrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
2.3 Technischer Serienschwingkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2.3.1 Phasenresonanz des technischen Serienschwingkreises . . . . . . 29
2.3.2 Betragsresonanz des technischen Serienschwingkreises . . . . . . 29
2.4 Parallelschwingkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
2.4.1 Phasenresonanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
2.4.2 Betragsresonanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.4.3 Schwingkreiskenngrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.5 Technischer Parallelschwingkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.5.1 Phasenresonanz des technischen Parallelschwingkreises . . . . . 33
2.5.2 Betragsresonanz des technischen Parallelschwingkreises . . . . . 33

3 Frequenzverhalten elektrischer Netzwerke 35


3.1 Frequenzgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.2 Logarithmische Maßsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.2.1 Relativer Pegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.2.2 Absoluter Pegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
3.3 Bode-Diagramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
3.3.1 Elementare Grundtypen von Übertragungssystemen . . . . . . . 48
3.3.2 Kettenschaltung von Übertragungssystemen . . . . . . . . . . . 52
3.4 Verzerrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.4.1 Dämpfungsverzerrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.4.2 Phasenverzerrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

i
INHALTSVERZEICHNIS ii

A Englische Fachbegriffe I

Abbildungsverzeichnis III

Tabellenverzeichnis V

Literaturverzeichnis VI

Index VII
Kapitel 1

Komplexe Zeigerrechnung

1.1 Komplexe Signaldarstellung


Die Zeitfunktion1 einer harmonischen Schwingung, siehe Abb. 1-1, lässt sich angeben
als
u(t) = Û · cos(ωt + ϕ0 ) .

Abb. 1-1: Harmonische Schwingung

Û ... Amplitude
ϕ0 ... Nullphasenwinkel [rad]
T = 1/f ... Periodendauer [s]
ω = 2πf ... Kreisfrequenz [rad/s]
ωt + ϕ0 = ϕ(t) ... Phasenwinkel (oder kurz ”Phase”) [rad]
Mithilfe der Euler-Formel ejx = cos x + j sin x kann man eine harmonische Schwin-
gung durch einen Zeiger in der komplexen Ebene darstellen. Dadurch erhält man auch
die Rechtfertigung für die Verwendung von Zeigerdiagrammen zur Beschreibung von
Wechselstromnetzwerken.
1
In der Elektrotechnik hat sich eingebürgert, für zeitlich veränderliche Spannungen, Ströme und
Leistungen Kleinbuchstaben als Größensymbol für die Augenblickswerte zu verwenden. Großbuch-
staben bleiben den Effektivwerten vorbehalten.
Im vorliegenden Text wird auch für Amplituden (Spitzenwerte) ein Großbuchstabe verwendet.

1
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 2

Abb. 1-2: Komplexe Zeigerdarstellung einer harmonischen Schwingung

In Abb. 1-2 ist der Zeiger einer komplexen harmonischen Schwingung u(t) = Û ·ejϕ(t)
in der komplexen Zahlenebene dargestellt. Der Winkel ϕ(t) = ωt+ϕ0 wächst linear mit
der Zeit und hat zum Zeitpunkt t = 0 den Wert ϕ0 . Nach einer Periodendauer T = 1/f
hat der Zeiger eine ganze Umdrehung von 2π vollzogen. Der Zeiger u(t) mit der Länge
(Betrag) Û dreht sich dementsprechend mit konstanter Winkelgeschwindigkeit ω im
Gegenuhrzeigersinn (=mathematisch positive Richtung). Die Winkelgeschwindigkeit ω
gibt dabei an, welchen Winkel pro Zeiteinheit der Zeiger überstreicht.
Projiziert man den Zeiger u(t) jeweils auf die reelle und imaginäre Achse, so erhält man
die angegebene, so genannte Inphase- und Quadraturphasekomponente (siehe Abb. 1-
2). Diese sind beide für sich rein reell und entsprechen realen Schwingungen!

Es lassen sich folgende Kenngrößen einer komplexen und ihrer entsprechenden re-
ellen harmonischen Schwingungen definieren, die in weiterer Folge verwendet werden:
• Effektivwert:

Uef f = U = √
2
• Komplexer Effektivwert:

U = |U | · ejϕ0 = U · ejϕ0 (ϕ0 . . . Nullphasenwinkel)

• Komplexe Amplitude:
√ √
Û = 2U = Û · ejϕ0 = 2U · ejϕ0 (ϕ0 . . . Nullphasenwinkel)

• Komplexe harmonische Schwingung:


√ √ √
u(t) = Û · ejωt = 2U · ejωt = 2|U | · ejϕ0 · ejωt = 2|U | · ej(ωt+ϕ0 )
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 3

• Reelle harmonische Schwingungen:


uI (t) = Re{u(t)} ... Inphasekomponente
uQ (t) = Im{u(t)} ... Quadraturphasekomponente

Es sei hier betont, dass die Verwendung der komplexen Rechnung nur eine besonde-
re mathematische Darstellungsform von physikalischen Größen erlaubt. In der Realität
sind die physikalischen Größen, wie Spannung und Strom, selbstverständlich rein re-
elle Größen! Sie werden auf komplexe Größen abgebildet, welche geeignet interpretiert
werden müssen.

Beispiel 1.1
Gegeben sei eine Spannung u1 (t) = 5V · cos(ωt + π/4). Für die komplexe Darstellung
von u1 (t) ergibt sich

u1 (t) = Re{5V · ej(ωt+π/4) } = Re{5V ejπ/4} ·ejωt } .


| ·{z
Û 1

⇒ u1 (t) wird durch die komplexe Amplitude Û 1 = 5V · ejπ/4 beschrieben.


Bezugsphase durch Cosinus-Funktion gegeben!

Beispiel 1.2
Gegeben sei ein Strom i2 (t) = 2A · cos(ωt − π/3). Für die komplexe Darstellung von
i2 (t) ergibt sich

i2 (t) = Re{2A · ej(ωt−π/3) } = Re{2A e−jπ/3} ·ejωt } .


| · {z
Î 2

⇒ i2 (t) wird durch die komplexe Amplitude Î 2 = 2A · e−jπ/3 beschrieben.


Bezugsphase durch Cosinus-Funktion gegeben!

Beispiel 1.3
Gegeben sei eine Spannung u3 (t) = 4V · sin(ωt + π/8). Für die komplexe Darstellung
von u3 (t) ergibt sich

u3 (t) = Im{4V · ej(ωt+π/8) } = Im{4V ejπ/8} ·ejωt } .


| ·{z
Û 3

⇒ u3 (t) wird durch die komplexe Amplitude Û 3 = 4V · ejπ/8 beschrieben.


Bezugsphase durch Sinus-Funktion gegeben!

In den obigen Beispielen fallen zwei Punkte auf:


• In der komplexen Amplitude − das Gleiche gilt auch für den komplexen Effek-
tivwert − ist nicht mehr die Information über die Frequenz enthalten. Bei mo-
nofrequenter Speisung ist in linearen, zeitinvarianten2 Netzwerken die Frequenz
2
Zeitinvarianz eines Systems bedeutet, dass sich die Eigenschaften des Systems nicht mit der Zeit
ändern. Für elektrische Netzwerke bedeutet dies, dass deren Aufbau und alle Bauelementwerte kon-
stant sind.
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 4

aller Ströme und Spannungen gleich der eingespeisten Frequenz. Für die Berech-
nung muss man stets berücksichtigen, dass diese nur für die betrachtete Frequenz
gültig ist!

• In der komplexen Amplitude − das Gleiche gilt auch für den komplexen Effektiv-
wert − ist nicht mehr die Information enthalten, ob die Spannung bzw. der Strom
einer Sinus-Funktion oder Cosinus-Funktion folgt. Vor Beginn einer Rechnung
muss deshalb festgelegt werden, welche der beiden die Bezugsfunktion ist. Gege-
benenfalls muss eine Umrechnung durchgeführt werden.
Im dritten Beispiel würde sich z.B. bei Cosinus-Funktion als Referenz folgendes
ergeben:

u3 (t) = 4V · sin(ωt + π/8) =


= 4V · cos(ωt + π/8 − π/2) =
= 4V · cos(ωt − 3π/8) =
−j3π/8 jωt
= Re{4V · ej(ωt−3π/8) } = Re{4V
| · e{z } ·e } .
Û 3

⇒ Û 3 = 4V · e−j3π/8

In weiterer Folge soll, wenn nicht anders angegeben, immer die Cosinus-Funktion
als Referenz angenommen werden!

Hat man als Ergebnis einer Rechnung komplexe Amplituden bzw. Effektivwerte
bestimmt, so muss am Schluss der reelle Verlauf angegeben werden. Dazu folgende
Beispiele:

Beispiel 1.4
Gegeben sei die komplexe Amplitude Û 4 = 5V · ejπ/3 einer Spannung. Die Kreisfre-
quenz sei gegeben mit ω4 .
Für die Cosinus-Funktion als Referenz ergibt sich die Zeitfunktion zu
(cos)
u4 (t) = Re{5V · ej(ω4 t+π/3) } = 5V · cos(ω4 t + π/3) .

Für die Sinus-Funktion als Referenz ergibt sich die Zeitfunktion zu


(sin)
u4 (t) = Im{5V · ej(ω4 t+π/3) } = 5V · sin(ω4 t + π/3) .

Beispiel 1.5
Gegeben sei die komplexe Amplitude Î 5 = 2A·ejπ/4 eines Stromes. Die Kreisfrequenz
sei gegeben mit ω5 .
Für die Cosinus-Funktion als Referenz ergibt sich die Zeitfunktion zu

i5 (t) = Re{2A · ej(ω5 t+π/4) } = 2A · cos(ω5 t + π/4) .


KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 5

Beispiel 1.6
Gegeben sei der komplexe Effektivwert U 6 = 4V · e−jπ/8 einer Spannung. Die Kreis-
frequenz sei gegeben mit ω6 .
Für die Cosinus-Funktion als Referenz ergibt sich die Zeitfunktion zu
√ √
u6 (t) = Re{ 2 · 4V · ej(ω6 t−π/8) } = 2 · 4V · cos(ω6 t − π/8) .

Es sei hier angemerkt, dass die beschriebenen Schwingungen der Form cos(·), sin(·),
ej(·) sich periodisch über den Zeitraum −∞ < t < ∞ erstrecken. Man spricht in die-
sem Fall von einer stationären Schwingung. In der Realität ist dies nicht der Fall,
weil jeder Stromkreis erst zu einem endlichen Zeitpunkt eingeschaltet und auch wieder
ausgeschaltet wird.
Unmittelbar nach dem Einschalten tritt ein so genannter Einschwingvorgang auf
(vgl. Ladevorgang eines Kondensators). Erst nach einer gewissen Zeit gehen die
Spannungs- und Stromschwingungen (näherungsweise) in den eingeschwungenen
Zustand, d.h. eine stationäre Schwingung, über.

Abb. 1-3: (a) Stabiles und (b) instabiles Systemverhalten bei einem Schaltvorgang

Streng genommen dauert der Einschwingvorgang, der mittels einer abklingenden


Exponentialfunktion beschrieben wird, unendliche Zeit. Durch das exponentielle Ab-
klingen wird der Unterschied zu einer echten stationären Schwingung aber i.d.R. rasch
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 6

vernachlässigbar klein. Berechnungen, welche mit der komplexen Zeigerrechnung durch-


geführt werden, gelten deshalb nur für den eingeschwungenen Zustand!

Damit ein elektrisches Netzwerk − oder ein allgemeines System − überhaupt in


den eingeschwungenen Zustand übergeht, muss dieses stabil sein. Bei einem insta-
bilen System wachsen die Zustandsgrößen (z.B. Ströme, Spannungen) immer mehr
an, bis sie durch die letztlich in jedem Fall beschränkt zur Verfügung stehende Ener-
gie begrenzt werden. Ohne diese Randbedingung würden die Zustandsgrößen über alle
Grenzen wachsen.
Stabilität ist z.B. besonders für Anwendungen im Bereich der Regelungstechnik von
Interesse, wo man bestrebt ist Abweichungen einer physikalischen Größe (z.B. Span-
nung, Geschwindigkeit, Drehzahl, Temperatur, usw.) von einem vorgegebenen Sollwert
zu minimieren.

1.2 Komplexer Widerstand (Impedanz)


Wendet man die komplexe Darstellung für die Spannung und den Strom an, so kann
man die komplexe Form des ohmschen Gesetzes angeben. An die Stelle des Wider-
standes R tritt die Impedanz Z.

Abb. 1-4: Spannung und Strom an einer Impedanz Z

U
Z= = R + jX [Ω]
I

Dabei ist angenommen, dass die Bezugsrichtungen von Strom und Spannung wie in
Abb. 1-4 gleich orientiert sind.3
Für die Berechnung der Impedanz eignet sich besonders die Polardarstellung von Span-
nung und Strom:
|U | ejϕU

U
Z = jϕ
= · ej(ϕU −ϕI ) = |Z| · ejϕ
|I| e I I

ϕU . . . Nullphasenwinkel der Spannung


ϕI . . . Nullphasenwinkel des Stromes

3
Bei entgegengesetzter Orientierung von Spannung und Strom ergäbe sich
U
Z=− = R + jX .
I
Der Wert von Z ist jedenfalls unabhängig von den Bezugsrichtungen für Spannung und Strom!
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 7

ϕ = ϕU − ϕI . . . Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom:


ϕ > 0 : Spannung eilt Strom voraus
ϕ < 0 : Spannung eilt Strom nach

Abb. 1-5 zeigt im Linien- und Zeigerdiagramm exemplarisch einen Strom i(t), der um
ϕ = ϕU − ϕI gegenüber einer Spannung u(t) nacheilt.

Abb. 1-5: Phasenverschiebung zwischen Spannung u(t) und Strom i(t)

Für die Koordinaten der komplexen Impedanz Z gibt es eigene Bezeichnungen:

Z = R + jX . . . Impedanz
Z = |Z| . . . Scheinwiderstand
R = Re{Z} = Z · cos(ϕ) . . . Wirkwiderstand, Resistanz
X = Im{Z} = Z · sin(ϕ) . . . Blindwiderstand, Reaktanz

Ebenso kann der Begriff des Leitwertes in den Bereich der komplexen Zahlen erweitert
werden. Der komplexe Leitwert Y (Admittanz) ist definiert als der Kehrwert der
Impedanz:
1 I
Y = = = G + jB [S]
Z U

Auch für die Koordinaten der Admittanz gibt es eigene Bezeichnungen:

Y = G + jB . . . Admittanz [S] = [Siemens]


Y = |Y | . . . Scheinleitwert
G = Re{Y } = Y · cos(ϕ) . . . Wirkleitwert, Konduktanz
B = Im{Y } = Y · sin(ϕ) . . . Blindleitwert, Suszeptanz

Im Folgenden sollen die drei Grundmodelle von elektrischen Komponenten betrachtet


werden.
Ohmscher Widerstand R: Das Modell des ohmschen Widerstandes beschreibt ein
Element, das elektrische Energie aufnimmt und vollständig in eine andere Ener-
gieform überführt. Es speichert keine Energie, die (später) wieder in das elek-
trische Netzwerk zurückgespeist wird. So wird etwa das technische Bauelement
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 8

Widerstand durch ein derartiges Modell beschrieben. Dieser wandelt die aufge-
nommene elektrische Energie in Wärme um, welche an die Umgebung abgegeben
wird. Weitere Beispiele der Anwendung dieses Modells in einfachster Weise sind
ein Lautsprecher, eine Antenne oder ein Elektromotor. Ein Lautsprecher nimmt
elektrische Energie auf und strahlt diese als Schallwellen ab. Eine Antenne strahlt
die aufgenommene elektrische Energie als elektromagnetische Wellen ab und der
Elektromotor wandelt die elektrische Energie in mechanische Arbeit um.4 Allen
Beispielen gemein ist, dass elektrische Energie aufgenommen und unwiederbring-
lich in andere Energieformen umgewandelt wird.

U R = R · IR

Strom und Spannung sind stets gleichphasig, siehe Abb. 1-6.5

Abb. 1-6: Zeigerdiagramm für einen ohmschen Widerstand

Induktivität L: Das Modell der Induktivität beschreibt ein Element, das elektrische
Energie aufnimmt und vollständig als magnetische Energie (d.h. in einem Ma-
gnetfeld) speichert. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die gespeicherte Energie
wieder in das elektrische Netzwerk zurückgespeist. Bei Wechselspannung pendelt
die Energie periodisch zwischen dem elektrischen Netzwerk und dem Magnetfeld
hin und her. Keine Energie geht dabei verloren (z.B. durch Wärme).
Jede geschlossene Leiterschleife weist die Eigenschaft einer Induktivität auf. Da
jeder aktive Stromkreis geschlossen ist, weist dieser inhärent die Eigenschaft ei-
ner Induktivität auf. Besonders ausgeprägt ist diese Eigenschaft beim technischen
Bauelement Spule, welche dafür absichtlich mehrere Windungen aufweist.

U L = jXL · I L = jωL · I L

XL = ωL [Ω]

Abb. 1-7 zeigt die Frequenzabhängigkeit der Reaktanz einer Spule für verschie-
dene Werte der Induktivität L.
Die Spannung eilt dem Strom stets um π/2 vor, siehe Abb. 1-8.6 Mathematisch
drückt sich diese Phasenverschiebung in einer Multiplikation mit j = ejπ/2 aus.
Die Multiplikation bewirkt eine Drehung des Spannungszeigers auf ϕU = ϕI +π/2.
4
Für die beschriebenen Beispiele stellt der ohmsche Widerstand das einfachste mathematische
Modell dar. In der Praxis benötigt man aufwändigere Modelle!
5
In den vorliegenden Betrachtungen wird von einem Widerstand R > 0 ausgegangen. Es gibt
spezielle Anwendungen bei denen R < 0 ist. In diesem Fall sind Spannung und Strom um den Winkel
π phasenverschoben.
6
ϕ wird vom Stromzeiger zum Spannungszeiger gemessen. Die Richtung im Gegenuhrzeigersinn ist
die mathematisch positive Richtung, d.h. ϕ > 0.
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 9

Abb. 1-7: Frequenzabhängigkeit der Reaktanz einer Spule

Abb. 1-8: Zeigerdiagramm für eine Induktivität

Kapazität C: Das Modell der Kapazität beschreibt ein Element, das elektrische Ener-
gie aufnimmt und vollständig in einem elektrischen Feld speichert. Zu einem
späteren Zeitpunkt wird die gespeicherte Energie wieder in das elektrische Netz-
werk zurückgespeist. Bei Wechselspannung pendelt die Energie periodisch zwi-
schen dem elektrischen Netzwerk und dem elektrischen Feld hin und her. Keine
Energie geht dabei verloren (z.B. durch Wärme).
Eine Kapazität tritt zwischen allen nicht direkt miteinander verbundenen Lei-
terelementen auf. Besonders ausgeprägt ist diese Eigenschaft beim technischen
Bauelement Kondensator.

1
U C = jXC · I C = ·I
jωC C
1
XC = − [Ω]
ωC
Abb. 1-9 zeigt die Frequenzabhängigkeit der Reaktanz eines Kondensators für
verschiedene Werte der Kapazität C.
Die Spannung eilt dem Strom stets um π/2 nach, siehe Abb. 1-10. Mathematisch
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 10

Abb. 1-9: Frequenzabhängigkeit der Reaktanz eines Kondensators

Abb. 1-10: Zeigerdiagramm für einen Kondensator

drückt sich diese Phasenverschiebung in einer Division durch j = ejπ/2 aus. Die
Division bewirkt eine Drehung des Spannungszeigers auf ϕU = ϕI − π/2.

Kombiniert man zwei oder mehrere Elemente in einer Schaltung, so bleiben die
aus der Gleichstromtechnik bekannten Gesetze wie z.B. Knotenregel und Maschenregel
weiterhin gültig. Anstelle der gewohnten ohmschen Widerstände treten die komplex-
wertigen Impedanzen. Außerdem muss man die entsprechenden komplexen Rechen-
regeln konsequent anwenden.

Beispiel 1.7
Es soll die Serienschaltung eines Kondensators mit einem ohmschen Widerstand aus
Abb. 1-11 betrachtet werden.

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KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 11

Abb. 1-11: Serienschaltung eines Kondensators und ohmschen Widerstandes

Die Gesamtimpedanz Z G einer Serienschaltung ist die Summe der Teilimpedanzen:

1 1 ωRC − j jωRC + 1
Z G = R + jXC = R + =R−j = =
jωC ωC ωC jωC

Für die Gesamtimpedanz gilt Z G = U /I = |Z G |ejϕ , daher ist

U ωC
I = =U· ,
ZG ωRC − j
U
I = IejϕI = · ej(ϕU −ϕ) ⇒ ϕ = ϕU − ϕI .
|Z G |

Beachten Sie: U und I sind die komplexen Effektivwerte, während U und I die
reellen Effektivwerte sind! Ebenso hätte man auch die komplexen bzw. reellen
Amplituden verwenden können.

Der Winkel ϕ der Gesamtimpedanz gibt die Phasenverschiebung zwischen Gesamt-


spannung U und Strom I durch die Serienschaltung an:

Im{Z G } 1
ϕ = arctan = − arctan
Re{Z G } ωRC

Die Teilspannungen am ohmschen Widerstand und dem Kondensator erhält man


jeweils durch das ohmsche Gesetz oder direkt über die Spannungsteilerregel:
U R jωRC
UR = I · R = ·R=U · 1 = U · 1 + jωRC =
ZG R + jωC
ωRC · ejπ/2
= U ejϕU · p =
1 + (ωRC)2 · ej arctan(ωRC)
ωRC
= Up · ej(ϕU +π/2−arctan(ωRC))
1 + (ωRC)2
1
1 jωC 1
UC = I· =U· 1 =U· =
jωC R + jωC 1 + jωRC
U
= p · ej(ϕU −arctan(ωRC))
1 + (ωRC)2
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 12

1.3 Komplexe Leistung


Spannung und Strom an einem Element (z.B. Widerstand, Glühlampe, . . . ) seien ge-
geben durch

u(t) = 2U · cos(ωt + ϕU ) ,

i(t) = 2I · cos(ωt + ϕI ) .
Der Phasenverschiebungswinkel der Spannung gegen den Strom ist ϕ = ϕU − ϕI .
Damit errechnet sich der Augenblickswert der Leistung an einem Element zu7
p(t) = u(t) · i(t) =
= 2 · U I · cos(ωt + ϕU ) · cos(ωt + ϕI ) =
= U I cos(ϕ) + U I · cos(2ωt + ϕU + ϕI ) =
= P + S · cos(2ωt + ϕU + ϕI ) ,
welcher in Abb. 1-12 oben dargestellt ist.

Abb. 1-12: Zerlegung der Momentanleistung p(t) in eine (a) Wirkleistungsschwingung und
(b) Blindleistungsschwingung

Ist p(t0 ) > 0, so nimmt das Element zum betrachteten Zeitpunkt t0 Energie8 auf.
7
Es wird angenommen, dass die Bezugsrichtungen für Spannung und Strom gleich orientiert sind
(Verbraucherbezugssystem). Ist dies nicht der Fall, so muss p(t) = −u(t) · i(t) gesetzt werden. Ebenso
muss in diesem Fall auch bei den anderen Formeln zu Leistungsgrößen der Faktor −1 berücksichtigt
werden.
8
Zur Präzisierung des Unterschieds zwischen Energie und Leistung:
Die Energie W ist die Zeitsumme der Leistung, d.h.
Z t
dW
W (t) = p(t0 ) dt0 ⇒ p(t) = .
t0 dt
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 13

Bei p(t0 ) < 0 gibt das Element zum betrachteten Zeitpunkt t0 Energie ab. Das Ele-
ment kann die aufgenommene Energie verbrauchen (genauer: umformen, vgl. ohmscher
Widerstand) oder speichern (vgl. Induktivität und Kapazität) um sie später wieder in
das elektrische Netzwerk zurückzuspeisen.
Der Mittelwert
P = U I cos(ϕ) [W]
wird Wirkleistung genannt und erfasst im zeitlichen Mittel die Transportrate an
elektrischer Energie über die Anschlussklemmen. Dieser beschreibt letztendlich, ob das
Element in Summe Energie verbraucht oder erzeugt.
Das Vorzeichen gibt Auskunft über die Richtung des Energieflusses. Ein positiver Wert
bedeutet, dass Energie aufgenommen wird (Verbraucher), während ein negativer Wert
Energieabgabe bedeutet (Erzeuger).
Die Amplitude des Wechselanteils der Leistungsschwingung nennt man
Scheinleistung
S = UI .
Eine andere, aber völlig gleichwertige Darstellung der Leistungsschwingung ist (siehe
Abb. 1-12 unten)

p(t) = u(t) · i(t) = U I cos(ϕ) · [1 + cos(2ωt + 2ϕI )] − U I sin(ϕ) · sin(2ωt + 2ϕI )


= P · [1 + cos(2ωt + 2ϕI )] − Q · sin(2ωt + 2ϕI ) .

Den Ausdruck
Q = U I sin(ϕ) [VA] (1.1)
nennt man Blindleistung . Eine induktive Impedanz weist eine positive Blindleistung
auf, während eine kapazitive Impedanz eine negative Blindleistung aufweist.9 Da die
Blindleistung ständig zwischen dem Netzwerk und dem jeweiligen Element hin und her
pendelt, macht das Vorzeichen im Gegensatz zur Wirkleistung keine Aussage darüber,
ob das Element ein Verbraucher oder Erzeuger ist! Das Vorzeichen macht somit nur
eine Aussage über die Wirkungsweise des Elementes (induktiv oder kapazitiv).

Die Leistungsgrößen lassen sich auch in einer komplexen Darstellung angeben:

S = U · I ∗ = U ejϕU · Ie−jϕI = U Iejϕ = P + jQ

Man nennt
S = U · I ∗ = P + jQ [VA]
die komplexe Scheinleistung . Sie ergibt sich als das Produkt aus komplexem Ef-
fektivwert der Spannung und dem konjugiert komplexen Effektivwert des Stromes.
Ihr Betrag p
S = |S| = U I = P 2 + Q2
ist die bereits erwähnte Scheinleistung.

Man kann folgende Spezialfälle unterscheiden:


9
Erklärung: Bei einer Induktivität ist die Phasenverschiebung ϕ > 0, während bei einer Kapa-
zität ϕ < 0 ist. In Gleichung (1.1) eingesetzt ergeben sich damit die angeführten Vorzeichen der
Blindleistung für Induktivität und Kapazität.
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 14

• An einem ohmschen Widerstand tritt nur eine Wirkleistung auf (Q = 0), so dass
S = P gilt.

• Bei idealen Spulen und Kondensatoren ist P = 0 und daher gilt S = jQ.
Für allgemeine Impedanzen bestehend aus ohmschen Widerständen, Spulen und Kon-
densatoren weist S sowohl einen Realteil als auch einen Imaginärteil auf. Die Wirk-
leistung teilt sich auf die ohmschen Widerstände auf, die Blindleistung auf die reaktiven
Elemente (Spulen, Kondensatoren).

In Abb. 1-13 ist ein allgemeines elektrisches Netzwerk mit zwei Anschlusspaaren darge-
stellt.10 Mit den angegebenen Bezugssinnen für die Ströme und Spannungen ergibt sich für

Abb. 1-13: Leistungsaufnahme eines allgemeinen elektrischen Netzwerkes

die vom Netzwerk insgesamt aufgenommene komplexe Scheinleistung

S ges = U 1 · I ∗1 + U 2 · I ∗2 =
= P1 + jQ1 + P2 + jQ2 =
= Pges + jQges .

Wird an einem der Anschlusspaare vom Netzwerk keine Leistung aufgenommen, sondern
abgegeben, so ist der entsprechende Leistungsterm in obiger Gleichung negativ.
Die insgesamte Wirkleistung Pges = P1 + P2 verteilt sich auf alle ohmschen Widerstände in
dem Netzwerk, während sich die gesamte Blindleistung Qges = Q1 + Q2 auf alle Kapazitäten
und Induktivitäten in dem Netzwerk verteilt.

Das Verhältnis von Wirkleistung P zu Scheinleistung S,

P
λ= ,
S

wird als Leistungsfaktor bezeichnet.11 Dieser gibt an, welchen Anteil die effektiv
genutzte Leistung P an der ”Gesamtleistung” (Wirk- und Blindleistung zusammen)
aufweist.
10
Wenn der an einem Anschluss eines Anschlusspaares hineinfließende Strom zu jedem Zeitpunkt
gleich dem am anderen Anschluss herausfließenden Strom ist, bezeichnet man das Anschlusspaar als
Tor. Dementsprechend stellt das Netzwerk in Abb. 1-13 ein Zweitor dar. Sinngemäß lassen sich auch
entsprechend Mehrtore angeben.
Die bekannten Elemente Widerstand, Kondensator und Spule bezeichnet man wegen deren jeweils 2
Anschlüssen (=Pole) als Zweipole.
11
P und S sind dabei die an einem Anschlusspaar (Tor) aufgenommene Wirk- und Scheinleistung.
KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 15

Da im Falle des Betriebs mit einer einzigen Frequenz die Wirkleistung P der Realteil
der komplexen Scheinleistung S ist, gilt
P
λ= = cos(ϕ)
S
mit ϕ als Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom.

1.3.1 Wirkleistungsanpassung
Für die Schaltung in Abb. 1-14 soll jener Wert des Lastwiderstandes RL bestimmt
werden, für den bei gegebenem, reellen Innenwiderstand Ri der Spannungsquelle die
Wirkleistung in RL maximal wird.

Abb. 1-14: Speisung eines Verbrauchers RL durch eine Spannungsquelle mit Innenwider-
stand Ri

Der Strom I und die Spannung U L am Lastwiderstand RL ergeben sich zu

U0
I = ,
Ri + RL
RL
UL = U0 · .
Ri + RL
Die dem Lastwiderstand RL zugeführte Wirkleistung PL beträgt

RL U ∗0 RL
PL = U L · I ∗ = U 0 · · = |U 0 |2 · .
Ri + RL Ri + RL (Ri + RL )2

Den Wert von RL für maximale Wirkleistungsaufnahme erhält man mittels Extrem-
wertbestimmung:
dPL Ri − RL !
= |U 0 |2 · =0
dRL (Ri + RL )3

Daraus folgt für maximale Wirkleistungsaufnahme die Bedingung

RL = Ri .

Diesen Betriebsfall nennt man Wirkleistungsanpassung.


KAPITEL 1. KOMPLEXE ZEIGERRECHNUNG 16

Für den allgemeinen Fall einer komplexen Innenimpedanz Z i = Ri + jXi der Span-
nungsquelle und komplexe Lastimpedanz Z L = RL + jXL erhält man

U0
I = ,
Zi + ZL
RL
U RL = U0 · .
Zi + ZL

Da die Wirkleistung nur im Realteil RL der komplexen Lastimpedanz Z L umgesetzt


wird, ist auch nur der entsprechende Spannungsanteil U RL relevant.
Die von Z L aufgenommene Wirkleistung beträgt somit

RL U ∗0 RL
PL = U RL · I ∗ = U 0 · · 2
∗ = |U 0 | · .
Z i + Z L (Z i + Z L ) |Z i + Z L |2

Durch Darstellung der komplexen Impedanzen mit Real- und Imaginärteil erhält man
RL
PL = |U 0 |2 · .
(Ri + RL )2 + (Xi + XL )2

Obige Gleichung weist zwei Freiheitsgrade zur Maximierung der Leistung PL auf,
nämlich RL und XL . Für XL = −Xi wird der Nenner minimal und somit die Leistung
PL maximal bzgl. XL . Mit diesem Wert für XL erhält man schließlich auch dieselbe
Bestimmungsgleichung für RL wie oben zur Maximierung.

Wirkleistungsanpassung im allgemeinen Fall ist somit gegeben für12

Z L = Z ∗i = Ri − jXi .

Die Spannung U RL ist bei Wirkleistungsanpassung U 0 /2.


Der Wert, der bei Wirkleistungsanpassung maximal aufgenommenen Leistung PL be-
trägt
|U |2
PL,max = 0 . (1.2)
4Ri
Der Wert von PL,max hängt nur von den Kenngrößen der Spannungsquelle (Effektivwert
|U 0 | und Realteil Ri der Innenimpedanz) ab und wird angebotene Wirkleistung be-
zeichnet. Ist Z L 6= Z ∗i , so nimmt die Lastimpedanz Z L nicht die gesamte angebotene
Wirkleistung auf, sondern nur einen Teil davon. Man spricht dann von Fehlanpas-
sung.

Es sei angemerkt, dass bei Wirkleistungsanpassung nicht nur im Lastwiderstand


RL die Wirkleistung maximal wird. Auch im Widerstand Ri tritt dabei maximale
Wirkleistung auf!

12
Man beachte, dass bei Wirkleistungsanpassung die Impedanzen konjugiert komplex zueinander
sind, d.h. Z L = Z ∗i . Sind die Impedanzen hingegen identisch, d.h. Z L = Z i , so liegt Scheinlei-
stungsanpassung vor. In diesem Fall ist die Scheinleistung S ein Maximum, was nur bei kleinen
Reaktanzwerten Xi , XL im Vergleich zum Realteil ein Wirkleistungsoptimum nahe dem Maximum
ergibt, vgl. [FHN86].
Kapitel 2

Schwingkreise

2.1 Technische Bauelemente


Technische Bauelemente weisen neben ihrer eigentlich gewünschten Eigenschaft auch
parasitäre Effekte auf. So treten in einer Spule bzw. einem Kondensator auch Verluste
auf, die eigentlich durch einen ohmschen Widerstand repräsentiert werden.
Durch Kombination mehrerer Elemente kann ein Modell für technische Bauelemente
realisiert werden, welches man als Ersatzschaltbild (ESB ) für das technische Bau-
element bezeichnet.

Abb. 2-1: Ersatzschaltbilder für Spule und Kondensator

Abb. 2-1 zeigt einfache Ersatzschaltbilder für einen Kondensator und eine Spu-
le. Den i.d.R. frequenzabhängigen ohmschen Verlustwiderstand kann man entweder in
Serie oder parallel zum Blindelement darstellen. Die Umrechnung zwischen beiden Dar-
stellungen ist frequenzabhängig.
Normalerweise wird der Kondensator mit einem parallelen Verlustwiderstand und die
Spule mit einem Serien-Verlustwiderstand beschrieben, da dies dem physikalischen Hin-
tergrund besser entspricht:

• Bei einem Kondensator treten die Verluste im Wesentlichen im Dielektrikum


zwischen den Elektroden (Anschlüssen) auf. ⇒ Parallelwiderstand

17
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 18

• Bei einer Spule (ohne magnetischem Kern) treten die Verluste als Folge des Draht-
widerstandes auf. ⇒ Serienwiderstand

2.1.1 Technische Spule


Serien-Ersatzschaltbild

Abb. 2-2: Serien-Ersatzschaltbild einer technischen Spule

Für die Spannungen ergeben sich folgende Beziehungen:


U L = jωLS · I
U R = RS · I
U = UR + UL
Im Idealfall einer verlustlosen Spule wäre der Serienwiderstand RS verschwindend klein.
Je kleiner der Widerstand RS einer realen Spule ist, umso eher entspricht das Verhalten
dem einer idealen Spule. Zur quantitativen Beurteilung führt man den Begriff der Güte
ein.
Die Güte ist definiert als das Verhältnis der Teilspannung am Blindwiderstand zur
Teilspannung am Verlustwiderstand,

|U L | jωLS · I ωLS
QL = = = .
|U R | RS · I RS
Die Güte der Spule setzt einfach den Blindwiderstand ins Verhältnis zum Serien-
Verlustwiderstand. Je größer der Blindwiderstand im Vergleich zum Serien-Verlust-
widerstand ist, umso größer ist die Güte. In der Praxis weist die Spulengüte Werte
von QL < 1000 auf. Insbesondere bei höheren Frequenzen sinkt die Güte als Folge der
Verluste im magnetischen Kernmaterial.
Anstelle der Güte verwendet man auch den Begriff des Verlustwinkels δ bzw. des
Verlustfaktors tan δ.

Z = RS + jωLS
RS
tan δ =
ωLS

Spule verlustlos : RS → 0 ⇒ δ = 0
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 19

Der Verlustwinkel δ gibt an, um wie viel der Winkel der Gesamtimpedanz Z vom
Idealwert π/2 abweicht. Für eine verlustlose Spule sind der Verlustwinkel, sowie der
Verlustfaktor, jeweils gleich Null.
Vergleicht man die Ergebnisse für die Güte und den Verlustfaktor, so erhält man die
allgemein gültige Beziehung
1
tan δ = .
QL
Die Serien-Ersatzschaltung einer technischen Spule weist damit die Güte

1 ωLS
QL = =
tan δ RS

auf.

Parallel-Ersatzschaltbild

Abb. 2-3: Parallel-Ersatzschaltbild einer technischen Spule

Für die Ströme ergeben sich folgende Beziehungen:


U
IL =
jωLP
U
IR =
RP
I = IR + IL

Im Idealfall einer verlustlosen Spule wäre der Parallelwiderstand RP unendlich groß.


Je größer der Widerstand RP ist, umso eher entspricht das Verhalten dem einer idealen
Spule.
Die Güte ist in diesem Fall definiert als das Verhältnis des Teilstromes durch den
Blindwiderstand zum Teilstrom durch den Verlustwiderstand:
|I L | RP
QL = =
|I R | ωLP

Ebenso kann man wieder einen Verlustwinkel (siehe Abb. 2-3), sowie einen Verlustfak-
tor, angeben:
U
|I R | RP ωLP
tan δ = = U =
|I L | ωL
RP
P
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 20

Die Parallel-Ersatzschaltung einer technischen Spule weist damit die Güte

1 RP
QL = =
tan δ ωLP
auf.

Es sei hier angemerkt, dass die Güte eines Bauelements unabhängig von der Art
des Ersatzschaltbildes ist. Sowohl Serien- als auch Parallel-Ersatzschaltbild desselben
Bauelements weisen den gleichen Wert für die Güte auf!

2.1.2 Technischer Kondensator


Parallel-Ersatzschaltbild

Abb. 2-4: Parallel-Ersatzschaltbild eines technischen Kondensators

Für die Ströme ergeben sich folgende Beziehungen:


U
IC = 1 = U · jωCP
jωCP
U
IR =
RP
I = IR + IC
Die Berechnung der Güte eines Kondensators erfolgt analog zur Spule,
|I C |
QC = = ωCP RP .
|I R |
Der Verlustfaktor ergibt sich zu
|I R | 1
tan δ = = .
|I C | ωCP RP
Für das Parallel-Ersatzschaltbild eines technischen Kondensators gilt somit
1
QC = = ωCP RP .
tan δ
Bei Kondensatoren erreicht man i.d.R. höhere Werte für die Güte als bei Spulen. So sind
bei Kondensatoren auch Gütewerte QC > 1000 möglich, allerdings nur bei niedrigen
Frequenzen.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 21

Serien-Ersatzschaltbild

Abb. 2-5: Serien-Ersatzschaltbild eines technischen Kondensators

Für die Spannungen ergeben sich folgende Beziehungen:


1
UC = I ·
jωCS
U R = I · RS
U = UR + UC
Mit der Definition der Güte des Serien-Ersatzschaltbildes,
|U C |
QC = ,
|U R |
erhält man schließlich
1 1
QC = = ,
tan δ ωCS RS
tan δ = ωCS RS .

2.2 Serienschwingkreis
Ein Serienschwingkreis entsteht aus der Serienschaltung einer Spule mit einem Kon-
densator. Sind Spule und Kondensator verlustlos, spricht man von einem idealen oder
verlustlosen Serienschwingkreis.

Abb. 2-6: Idealer Serienschwingkreis mit Wirkwiderstand

Die Gesamtimpedanz des Serienschwingkreises in Abb. 2-6 ergibt sich zu


UR + UL + UC 1
Z = = RS + jωLS + =
I jωCS
 
1
= RS + j ωLS − = RS + jXS . (2.1)
ωCS
| {z }
XS
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 22

2.2.1 Phasenresonanz
Der Imaginärteil XS der Gesamtimpedanz in Gleichung (2.1) durchläuft mit steigender
Kreisfrequenz 0 < ω < ∞ den Wertebereich −∞ < XS < ∞.

Abb. 2-7: Ortskurve der Impedanz eines Serienschwingkreises

Abb. 2-7 zeigt den Verlauf der Gesamtimpedanz in der komplexen Ebene in Ab-
hängigkeit von der Kreisfrequenz. Man nennt diese Art der Darstellung einer komplexen
Größe in Abhängigkeit von einem Parameter, im vorliegenden Fall die Kreisfrequenz,
eine Ortskurve. Jeder Punkt auf der Ortskurve entspricht der Spitze eines komplexen
Zeigers bei dem jeweiligen Wert des Parameters.
Bei einer bestimmten Kreisfrequenz kompensieren sich der induktive und der kapa-
zitive Blindanteil vollständig und es wird XS = 0. Man spricht in diesem Fall von
Phasenresonanz, da der Winkel der Gesamtimpedanz Null wird. Die Gesamtspannung
U = U R + U L + U C und der Strom I sind dabei gleichphasig.

Die allgemeine Definition der Phasenresonanz ist

Im{Z(ω0 )} = 0 .

Die Frequenz f0 = ω0 /2π, bei der Phasenresonanz auftritt, heißt Phasenresonanz-


frequenz.

Für den Serienschwingkreis erhält man bei Phasenresonanz:


1
ω0 LS =
ω 0 CS
1
ω02 =
LS CS
Die sich ergebende Lösungsgleichung

1
ω0 = √
LS CS
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 23

ist als Thomson-Formel bekannt.

Wie aus Abb. 2-7 ersichtlich, gilt


• ω < ω 0 : XS < 0 ⇒ Blindwiderstand kapazitiv,

• ω > ω 0 : XS > 0 ⇒ Blindwiderstand induktiv.


Phasenresonanz spielt in der Praxis bei der Leistungsübertragung eine Rolle. In-
dem der Blindwiderstand XS der Gesamtimpedanz verschwindet, liegt die gesamte zur
Verfügung stehende Spannung am Wirkwiderstand an, welcher die zugeführte Energie
in eine (andere) nutzbare Energieform umwandelt. Bei nicht verschwindendem Blind-
widerstand muss er sich die Spannung teilen, was letztlich zu geringerer Effizienz führt.
In der Energietechnik setzt man die Kompensation von Blindwiderständen zur Opti-
mierung von Energieübertragungseinrichtungen ein (Blindleistungskompensation).

2.2.2 Betragsresonanz
Eine andere Art der Resonanzerscheinung ist die Betragsresonanz. Diese ist durch
ein Extremum des Scheinwiderstandes (Betrag der Impedanz) gekennzeichnet.

Die allgemeine Definition der Betragsresonanz ist



max . . . Parallel(betrags)resonanz
|Z(ω0 )| = . (2.2)
min . . . Serien(betrags)resonanz

Der erste Fall in Gleichung (2.2) wird in einem folgenden Abschnitt betrachtet wer-
den. Für den Serienschwingkreis ist der zweite Fall zutreffend.

Im ersten Schritt wird der Scheinwiderstand bestimmt,


s  2
1
q
2 2 2
|Z(ω)| = RS + XS = RS + ωLS − . (2.3)
ωCS

Gleichung (2.3) wird genau dann minimal bezüglich ω, wenn XS = 0 ist. Für die
Kreisfrequenz bei Betragsresonanz ergibt sich folglich wieder die Thomson-Formel
1
ω0 = √ .
LS CS
Dies ist ein Sonderfall, denn im Allgemeinen treten Phasenresonanz und Betrags-
resonanz bei unterschiedlichen (Kreis-)Frequenzen auf! Allgemein muss man die Be-
tragsresonanzfrequenz durch Extremwertbestimmung (vgl. Kurvendiskussion) ermit-
teln.

Durch das Minimum des Scheinwiderstandes bei Betragsresonanz wird gleichzeitig


der Strom durch den Serienschwingkreis maximal:
|U |
|I|ω=ω0 = → max
|Z(ω0 )|
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 24

Bei Betragsresonanz wird nach Gleichung (2.3) die Gesamtimpedanz Z(ω0 ) = RS , der
Maximalwert des Stromes beträgt daher

|U |
|I|ω=ω0 = .
RS
Betragsresonanz kennzeichnet eine Selektivität bezüglich der Frequenz. Gegenüber
Signalen mit einer Frequenz nahe der Resonanzfrequenz tritt ein ausgeprägtes Verhal-
ten auf (z.B. der Strom wird maximal), während das Verhalten gegenüber Signalen
mit einer Frequenz weit abseits der Resonanzfrequenz deutlich schwächer ausfällt (z.B.
unterdrücken der Kondensator und die Spule im Serienschwingkreis Ströme bei sehr
niedrigen bzw. hohen Frequenzen). Man spricht von einer Filterwirkung und nennt eine
derartige Schaltung deshalb auch ein Filter.

2.2.3 Schwingkreiskenngrößen
Grenzfrequenzen
Bei Frequenzen unterhalb und oberhalb von f0 = ω0 /2π steigt der Scheinwiderstand
des Serienschwingkreises von seinem Minimum zu höheren Werten an. Der Strom sinkt
gleichermaßen von seinem Maximalwert auf kleinere Werte ab.
Das beschriebene Verhalten ist in Abb. 2-8 dargestellt. Ein derartiges Diagramm, das
die Abhängigkeit von der Frequenz zeigt, nennt man Frequenzgang der jeweiligen
Größe.

Abb. 2-8: Frequenzgang des Scheinwiderstandes eines Serienschwingkreises

Zur quantitativen Beurteilung bis zu welcher Frequenz unterhalb und oberhalb der
Resonanzfrequenz der Scheinwiderstand als minimal betrachtet werden kann, führt man
den Begriff der Grenzfrequenz ein.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 25

Grenzfrequenzen werden üblicherweise definiert als jene Frequenzen, bei denen im Falle
eines Maximums die Leistung nur mehr halb so groß wie der Maximalwert bzw. im Falle eines
Minimums die Leistung das Doppelte des Minimalwertes ist.
Da die Leistung quadratisch mit dem Strom bzw. der Spannung zusammenhängt,
U U2
P = UI = U · = = (IR) · I = I 2 R ,
R R

sind die Spannungen und Ströme bei den Grenzfrequenzen um den Faktor 2 größer als der
Minimalwert bzw. kleiner als der Maximalwert.

Liegt am Serienschwingkreis eine konstante Spannung U an, dann beträgt der Strom
bei den beiden Grenzfrequenzen
1 1 |U |
|I| = √ · |I|ω=ω0 = √ · .
2 2 RS
Daraus
√ folgt, bei den Grenzfrequenzen nimmt der Scheinwiderstand den Wert
2 · RS an. Dieser Wert ist in Abb. 2-8 als waagrechte Linie eingezeichnet. Die Schnitt-
punkte mit der Frequenzgangkurve des Scheinwiderstandes liefern die untere Grenz-
kreisfrequenz ωgU und obere Grenzkreisfrequenz ωgO (siehe Abb. 2-8).

Schreibt man zur Vereinfachung für jede der Grenzfrequenzen stellvertretend ωg


und wertet die Gleichung (2.3) bei den Grenzfrequenzen aus, so erhält man
√ √
|Z(ωg )| = 2 · |Z(ω0 )| = 2 · RS =
s  2
1
q
2 2 2
= RS + XS = RS + ωg LS − .
ω g CS

Durch Umformung ergibt sich


 2
1
RS2 = XS2
= ωg LS −
ωg CS
⇒ RS = |XS | .

Der Betrag ergibt sich, da die Wurzel aus der ersten Gleichung sowohl eine positive wie
negative Lösung besitzt, von der wegen RS > 0 nur eine positive Gesamtlösung ±XS
relevant ist.
Der Realteil und Betrag des Imaginärteils der komplexen Gesamtimpedanz sind folglich
gleich bei den Grenzfrequenzen,

Re{Z(ωg )} = |Im{Z(ωg )}| .

Berechnet werden die Grenzfrequenzen wie folgt:



1
RS = ωg LS −

ω g CS
 
1
RS = ± ωg LS − | ·ωg CS
ωg CS
2

RS ωg CS = ± ωg LS CS − 1
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 26

Es ergeben sich zwei Gleichungen, von denen jeweils nur eine positive Lösung für ωg
relevant ist,
ωg2 LS CS − ωg CS RS − 1 = 0 (2.4)
und
ωg2 LS CS + ωg CS RS − 1 = 0 . (2.5)
Mittels der Lösungsformel √
−b ± b2 − 4ac
x1,2 =
2a
2
für quadratische Gleichungen der Form a · x + b · x + c = 0 kann man die Grenzkreis-
frequenzen berechnen.

Gleichung (2.4) liefert die Lösungen


p
RS CS + RS2 CS2 + 4LS CS √
ωg,1 = >0
2LS CS
p
RS CS − RS2 CS2 + 4LS CS
ωg,2 = <0 technisch nicht relevant
2LS CS
Gleichung (2.5) liefert die Lösungen
p
−RS CS + RS2 CS2 + 4LS CS √
ωg,3 = >0
2L C
pS S
−RS CS − RS2 CS2 + 4LS CS
ωg,4 = <0 technisch nicht relevant
2LS CS
Die untere Grenzkreisfrequenz ωgU entspricht der Lösung ωg,3 , da ωg,3 < ωg,1 ist,
p
−RS CS + RS2 CS2 + 4LS CS
ωgU = .
2LS CS
Die obere Grenzkreisfrequenz ωgO ergibt sich aus ωg,1 zu
p
RS CS + RS2 CS2 + 4LS CS
ωgO = .
2LS CS

Bandbreite
Die Bandbreite B eines frequenzselektiven Systems wie dem Schwingkreis ist definiert
als Differenz von oberer und unterer Grenzfrequenz. Sie wird stets in der Einheit Hertz
angegeben!
B = fgO − fgU [Hz]
Setzt man die Ergebnisse für ωgO und ωgU aus dem vorigen Abschnitt ein, so erhält
man
RS
2πB = ωgO − ωgU = .
LS
Die Bandbreite des Serienschwingkreises beträgt daher
1 RS
B= . (2.6)
2π LS
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 27

Der Begriff der Bandbreite wird speziell in der Übertragungstechnik verwendet. In die-
sem Fall gibt die Bandbreite z.B. an, welchen Frequenzbereich ein Signalübertragungs-
kanal (Radio, Fernsehen, Mobilfunk,. . . ) belegt.

Güte des Schwingkreises


Analog zur Güte eines einzelnen Blindelementes kann man eine Güte für den
Serienschwingkreis angeben. Die Güte des Serienschwingkreises ist definiert als
das Verhältnis der Spannung an einem der Blindelemente zur Spannung am Wirk-
widerstand bei der (Phasen-)Resonanzfrequenz:1

UC UL
Q = = (2.7)
U R ω=ω0 U R ω=ω0

(L) (C) (L)


Der Wirkwiderstand RS = RS + RS resultiert zu einem Teil RS von der Spule, zum
(C)
anderen Teil RS vom Kondensator, da jedes Blindelement einen gewissen Verlustwi-
derstand für sich aufweist. Mit dem Gesamtwiderstand RS erhält man

UL ω0 LS · I ω0 LS
Q= = = , (2.8)
U R ω=ω0 RS · I RS

und für den Kehrwert der Güte folgt


(C) (L) (C) (L)
1 RS R + RS R + RS
= = S = S .
Q ω0 LS ω0 LS 1/ω0 CS
In der obigen Gleichung wurde im letzten Schritt berücksichtigt, dass ω0 LS = 1/ω0 CS
ist.
Aufgrund der Definition der Güte eines einzelnen Blindelementes erhält man schließlich
für den Kehrwert der Güte des Serienschwingkreises

1 1 1
= + . (2.9)
Q QC ω=ω0 QL ω=ω0

Der Kehrwert der Güte des Serienschwingkreises ergibt sich allgemein als Summe der
Kehrwerte der Güten der einzelnen Blindelemente bei der Resonanzfrequenz:

1 X 1
=
Q i
Q
i ω=ω0

Bei zwei Blindelementen folgt daraus Gleichung (2.9).

Vergleicht man Gleichung (2.6) mit Gleichung (2.8), so kann man einen Zusammen-
hang zwischen Bandbreite und Güte angeben:

f0
Q=
B
1
Bei Phasenresonanz sind die Spannungen an Spule und Kondensator gleich groß!
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 28

Je kleiner die Bandbreite B ist, umso größer ist die Güte Q. Man erkennt dies auch im
Frequenzgang des Scheinwiderstandes in Abb. 2-8.

Eine weitere Bedeutung der Güte kann man direkt aus deren Definitionsgleichung
(2.7) erkennen. Die Güte gibt das Verhältnis der Spannung an einem Blindelement zur
Spannung am Wirkwiderstand bei Phasenresonanz an.
Zwar ist bei Phasenresonanz die Summe aus induktivem und kapazitivem Blindwider-
stand gleich 0, jedoch tritt an jedem der Blindelemente für sich eine Spannung auf:2
1
U 1 ω0 CS
UC = · ⇒ |U C | = |U | · = |U | · Q
RS jω0 CS RS
U ω0 LS
UL = · jω0 LS ⇒ |U L | = |U | · = |U | · Q
RS RS
Abhängig von den Werten des Blind- und Wirkwiderstandes, die zusammen den Wert
der Güte bestimmen, können die Spannungen |U C | und |U L | sogar größer als die ange-
legte Spannung |U | werden! Diesen Effekt nennt man Spannungsüberhöhung. Dies
darf nicht den Eindruck erwecken, man könnte auf diese Art mehr Energie gewin-
nen, als aufgewendet wird. Während des Einschwingvorganges nach dem Einschalten
wird Energie von den Blindelementen aufgenommen und zwischengespeichert. Im einge-
schwungenen Zustand pendelt die Energie zwischen Spule und Kondensator hin und
her. Nach dem Ausschalten wird diese gespeicherte Energie wieder abgebaut.

2.3 Technischer Serienschwingkreis


Die Schaltung des (verlustbehafteten) Serienschwingkreises in Abb. 2-6, mit einem von
der Frequenz unabhängigen Wirkwiderstand, kann in der Praxis nur Serienschwing-
kreise mit großen Güten ausreichend genau beschreiben.
Ein dem realen Serienschwingkreis (technischer Serienschwingkreis) besser ent-
sprechendes Ersatzschaltbild zeigt Abb. 2-9.

Abb. 2-9: Technischer Serienschwingkreis

RS entspricht dem Verlustwiderstand der Spule, während RP dem Verlustwider-


stand des Kondensators entspricht. Man erkennt wieder die für Spule und Kondensator
typischen Ersatzschaltbilder. Die beiden Widerstände sollen in der weiteren Rechnung
als konstant, d.h. frequenzunabhängig, betrachtet werden.
2
U C und U L haben den gleichen Betrag, sind aber gegenphasig, so dass U C + U L = 0 ist.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 29

Man könnte die Parallelschaltung des Kondensators in eine äquivalente Serienschal-


tung umformen, wobei jedoch der sich ergebende Serienwiderstand von der Frequenz
abhängig wird!

Für die Gesamtimpedanz des technischen Serienschwingkreises ergibt sich


1
RP ·
jωC
Z = RS + jωL + 1 =
RP + jωC
RP
= RS + jωL + .
1 + jωCRP
Durch Erweiterung von Zähler und Nenner im letzten Term mit dem konjugiert kom-
plexen Nenner erhält man schließlich die Gesamtimpedanz nach Real- und Imaginärteil,

ωCRP2
 
RP
Z = RS + + j ωL − . (2.10)
1 + ω 2 C 2 RP2 1 + ω 2 C 2 RP2

2.3.1 Phasenresonanz des technischen Serienschwingkreises


Entsprechend der Definition der Phasenresonanz ergibt sich die zugehörige Resonanz-
frequenz, wenn der Imaginärteil der Gesamtimpedanz verschwindet, d.h. Im{Z(ω0 )} =
0:
ω0 CRP2
⇒ ω0 L =
1 + ω02 C 2 RP2
L + ω02 C 2 RP2 L = CRP2
ω02 C 2 RP2 L = CRP2 − L

Für die Phasenresonanzkreisfrequenz ergibt sich somit


s
CRP2 − L
ω0 = .
C 2 RP2 L

2.3.2 Betragsresonanz des technischen Serienschwingkreises


Abb. 2-10 zeigt die Ortskurve der Gesamtimpedanz eines technischen Serienschwing-
kreises. Wie man darin erkennen kann, fallen Phasenresonanz und Betragsresonanz
nicht mehr zusammen.

Zur Bestimmung der Betragsresonanzfrequenz müsste man im ersten Schritt den


Betrag der Gesamtimpedanz (Scheinwiderstand) aus Gleichung (2.10) bestimmen. An-
schließend gilt es durch Extremwertbestimmung jene (Kreis-)Frequenz zu finden, wo
das Minimum des Scheinwiderstandes auftritt.
Dies soll hier nicht weiter fortgesetzt werden. Jedoch wird angemerkt, dass für Schwing-
kreisgüten Q & 10 Betrags- und Phasenresonanz weitgehend zusammenfallen.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 30

Abb. 2-10: Ortskurve der Gesamtimpedanz des technischen Serienschwingkreises

2.4 Parallelschwingkreis
Ein Parallelschwingkreis entsteht aus der Parallelschaltung einer Spule mit einem Kon-
densator. Sind Spule und Kondensator verlustlos, spricht man von einem idealen oder
verlustlosen Parallelschwingkreis.

Abb. 2-11: Idealer Parallelschwingkreis mit Wirkwiderstand

Wegen der Parallelschaltung vereinfacht sich die Rechnung bei Verwendung der
Admittanzen anstelle der Impedanzen,
 
1 1 1 1
Y = GP + jBP = + + jωC = + j ωC − . (2.11)
R jωL R ωL
Die Impedanz erhält man als Kehrwert der Admittanz,
1
Z= = RP + jXP .
Y

2.4.1 Phasenresonanz
Der Imaginärteil BP der Gesamtadmittanz in Gleichung (2.11) durchläuft mit steigen-
der Kreisfrequenz 0 < ω < ∞ den Wertebereich −∞ < BP < ∞.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 31

Phasenresonanz liegt vor, wenn der Imaginärteil BP = 0 ist, d.h.

Im{Y } = 0 .

Für die Phasenresonanzkreisfrequenz ergibt sich damit wieder (Thomson-Formel)


1
ω0 = √ .
LC
Abseits der Phasenresonanz gilt

• ω < ω0 : BP < 0 ⇒ Blindleitwert induktiv,

• ω > ω0 : BP > 0 ⇒ Blindleitwert kapazitiv.

2.4.2 Betragsresonanz
Der Scheinleitwert des Parallelschwingkreises weist ebenso wie der Scheinwiderstand
des Serienschwingkreises ein Minimum bezüglich der (Kreis-)Frequenz auf. Man spricht
wiederum von Betragsresonanz.
Das Minimum des Scheinleitwertes tritt dann auf, wenn der Imaginärteil BP verschwin-
det. Dies ist die selbe Bedingung wie bei Phasenresonanz. Folglich erhält man wieder
die Thomson-Formel
1
ω0 = √
LC
für die Betragsresonanzkreisfrequenz. Das Zusammenfallen von Phasenresonanz und
Betragsresonanz in diesem Fall ist eine Ausnahme. In der Regel ergeben sich unter-
schiedliche Werte für die Resonanzfrequenzen!

Das Minimum des Scheinleitwertes bedeutet gleichzeitig, dass der Scheinwiderstand


maximal wird. Man spricht deshalb generell bei einem Maximum des Scheinwider-
standes von Parallelresonanz und bei einem Minimalwert des Scheinwiderstandes
von Serienresonanz .

2.4.3 Schwingkreiskenngrößen
Vergleichbar zum Serienschwingkreis kann man ebenso wieder Grenzfrequenzen und
eine Bandbreite angeben zur Charakterisierung wie stark das Maximum des Schein-
widerstandes ausgeprägt ist.

Die Güte des Parallelschwingkreises ist definiert als das Verhältnis des Stro-
mes durch eines der Blindelemente zum Strom durch den Wirkwiderstand bei der
(Phasen-)Resonanzfrequenz:3

IC I
Q = = L
I R ω=ω0 I R ω=ω0
3
Bei Phasenresonanz sind die Ströme durch Spule und Kondensator gegenphasig und gleich groß!
Der Gesamtstrom I fließt deshalb vollständig über den Widerstand.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 32

(L) (C) (L)


Der Wirkleitwert GP = GP + GP resultiert zu einem Teil GP von der Spule, zum
(C)
anderen Teil GP vom Kondensator, da jedes Blindelement einen gewissen Verlustwi-
derstand für sich aufweist.

Wie beim Serienschwingkreis lässt sich wieder ein Zusammenhang zwischen Band-
breite und Güte angeben:
f0
Q=
B
Je kleiner die Bandbreite B ist, umso größer ist die Güte Q. Der Kehrwert der Ge-
samtgüte ergibt sich wieder als Summe der Kehrwerte der Güten der einzelnen Blind-
elemente.

In der Praxis wird ein Parallelschwingkreis mit einem konstanten Strom I gespeist.
Je nach Frequenz erzeugt der Strom einen unterschiedlich großen Spannungsabfall I ·Z.
D.h. nahe der Betragsresonanzfrequenz tritt ein großer Spannungsabfall auf, während
abseits der Resonanzfrequenz nur ein vergleichsweise kleiner Spannungsabfall auftritt
(Grenzfall ω → 0, ω → ∞).

Betrachtet man nochmals die Definition der Güte des Parallelschwingkreises, so


erkennt man, dass bei Resonanz
I C = |I| · Q
I L = |I| · Q
gilt. Im Resonanzfall kann der Strom durch die Spule und den Kondensator größer
als der eingespeiste Strom I sein! Diesen Effekt nennt man Stromüberhöhung. Die
Summe I C +I L ist dabei aber Null! Ähnlich wie beim Serienschwingkreis wird während
des Einschwingvorganges Energie aufgenommen und zwischengespeichert, die zu diesem
erhöhten Wert führen kann. Nach dem Ausschalten wird die gespeicherte Energie wieder
abgebaut.

2.5 Technischer Parallelschwingkreis


Die Schaltung des (verlustbehafteten) Parallelschwingkreises in Abb. 2-11 mit einem
von der Frequenz unabhängigen Wirkwiderstand kann in der Praxis nur für sehr hohe
Schwingkreisgüten verwendet werden.
Ein dem realen Parallelschwingkreis (technischer Parallelschwingkreis) besser ent-
sprechendes Ersatzschaltbild zeigt Abb. 2-12.

RL entspricht dem Verlustwiderstand der Spule, während RC dem Verlustwider-


stand des Kondensators entspricht. Man erkennt wieder die für Spule und Kondensator
typischen Ersatzschaltbilder. Die beiden Widerstände sollen in der
weiteren Rechnung als konstant, d.h. frequenzunabhängig, angenommen werden.
Man könnte die Serienschaltung der Spule in eine äquivalente Parallelschaltung umfor-
men, wobei jedoch der sich ergebende Parallelwiderstand von der Frequenz abhängig
wird!
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 33

Abb. 2-12: Technischer Parallelschwingkreis

Für die Gesamtadmittanz des technischen Parallelschwingkreises ergibt sich


1 1
Y = + jωC + =
RC RL + jωL
1 RL − jωL
= + jωC + 2 .
RC R L + ω 2 L2
Nach Real- und Imaginärteil dargestellt erhält man somit
 
1 RL ωL
Y = + + j ωC − 2 .
RC RL2 + ω 2 L2 RL + ω 2 L2

2.5.1 Phasenresonanz des technischen Parallelschwingkreises


Entsprechend der Definition der Phasenresonanz ergibt sich die zugehörige Resonanz-
frequenz, wenn der Imaginärteil der Gesamtadmittanz verschwindet, d.h. Im{Y (ω0 )} =
0:
ω0 L
⇒ ω0 C =
RL + ω02 L2
2

RL2 C + ω02 L2 C = L
ω02 L2 C = L − RL2 C
Für die Phasenresonanzkreisfrequenz ergibt sich somit
r
L − RL2 C
ω0 = .
L2 C

2.5.2 Betragsresonanz des technischen Parallelschwingkreises


Die Abb. 2-13 zeigt die Ortskurve der Gesamtimpedanz eines technischen
Parallelschwingkreises. Wie man darin erkennen kann, fallen Phasenresonanz und Be-
tragsresonanz nicht zusammen.

Zur Bestimmung der Betragsresonanzfrequenz müsste man im ersten Schritt den


Betrag der Gesamtadmittanz (Scheinleitwert) bestimmen. Anschließend gilt es durch
Extremwertbestimmung jene (Kreis-)Frequenz zu finden, wo das Minimum des Schein-
leitwertes auftritt.
Dies soll hier nicht weiter fortgesetzt werden. Jedoch wird wieder angemerkt, dass für
Schwingkreisgüten Q & 10 Betrags- und Phasenresonanz nahezu identisch sind.
KAPITEL 2. SCHWINGKREISE 34

Abb. 2-13: Ortskurve der Gesamtimpedanz des technischen Parallelschwingkreises


Kapitel 3

Frequenzverhalten elektrischer
Netzwerke

Vielfach ist von Interesse, welche Werte Spannungen und Ströme in einem elektrischen
Netzwerk bei verschiedenen Frequenzen des eingespeisten Signals annehmen. In Kapi-
tel 2 zu Schwingkreisen wurde bereits die Frequenzabhängigkeit einer Impedanz bzw.
Admittanz − als von Strömen und Spannungen abgeleitete Größen − betrachtet. Dies
soll im vorliegenden Kapitel vertieft werden.

3.1 Frequenzgang
In Abb. 3-1 ist das Grundmodell einer Signalübertragung durch ein allgemeines System
H dargestellt.

Abb. 3-1: Übertragungssystem mit Eingangs- und Ausgangsspannung

Das System H wird mit einer Eingangsspannung U 1 gespeist und die Ausgangsspan-
nung U 2 ist die Reaktion darauf. Eingangs- und Ausgangsspannung verlaufen zeitlich
sinusförmig, weshalb die komplexe Zeigerrechnung verwendet werden kann.
Bei unterschiedlichen Frequenzen der Eingangsspannung, aber gleicher Amplitude,
resultiert in der Regel eine unterschiedlich große Ausgangsspannung. Ebenso wird
die Phasenverschiebung zwischen Ausgangs- und Eingangsspannung von der Frequenz
abhängig sein.

Für lineare, zeitinvariante1 Systeme kann man zur Beschreibung der Eingangs-
1
Dies bedeutet, dass alle Systemparameter zeitunabhängig sein müssen. Bei elektrischen Netzwer-
ken müssen also z.B. Widerstände, Kapazitäten und Induktivitäten konstant sein.

35
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 36

Ausgangsbeziehung den Begriff des Übertragungsfaktors H(jω) einführen:

Ausgangsgröße X 2
H(jω) = (3.1)
Eingangsgröße X 1

In Gleichung (3.1) steht X allgemein für eine zeitlich sinusförmig verlaufende physika-
lische Größe wie Spannung oder Strom, aber auch eine andere nichtelektrische Größe.
Z.B. kann X eine Drehzahl oder die Temperatur sein. Das Grundmodell in Abb. 3-1
gilt somit nicht nur für elektrische Netzwerke. Es kommt auch in der Regelungs- oder
Automatisierungstechnik zum Einsatz.
Eingangs- und Ausgangsgröße müssen überdies nicht vom gleichen Typ sein. Bei den
Betrachtungen zum Serienschwingkreis war X 2 die Spannung am Schwingkreis und X 1
der eingespeiste Strom. Das Verhältnis der beiden ergab schließlich die Impedanz. In
der Automatisierungstechnik/Regelungstechnik kann der Übertragungsfaktor z.B. bei
einem Elektromotor das Verhältnis von Drehzahl zu Steuerspannung sein.

Der Übertragungsfaktor, als Verhältnis von Ausgangsgröße zu Eingangsgröße, ist


eine komplexe Größe und kann verwendet werden, um bei gegebener Eingangsgröße die
Ausgangsgröße als Reaktion zu bestimmen:

X 2 = H(jω) · X 1

Im Folgenden werden ausschließlich elektrische Netzwerke betrachtet, so dass X stets


für eine Spannung oder einen Strom steht.

Betrachtet man nochmals Abb. 3-1, so gilt in diesem Fall

|U 2 | · ejϕU2

U2 U 2 j(ϕ −ϕ )
· e U2 U1 = |H(jω)| · ejϕH .
H(jω) = = =
U1 |U 1 | · ejϕU1 U
1

Die Schreibweise H(jω) drückt aus, dass der Übertragungsfaktor von der
(Kreis-)Frequenz abhängt. Man spricht deshalb genauer vom Frequenzgang des
Übertragungsfaktors.2 Es gilt also

U
|H(jω)| = 2 ,
U1

ϕH = arg(H(jω)) = ϕU 2 − ϕU 1 .

Beispiel 3.1 (RC-Tiefpass 1.Ordnung)


Ein Tiefpass überträgt allgemein Signale mit tiefen Frequenzen, hohe Frequenzen
dagegen sperrt er. Die 1.Ordnung bedeutet, dass es genau ein Blindelement gibt,
siehe Abb. 3-2.

Fortsetzung nächste Seite

2
In der Literatur findet man auch die Schreibweisen H(ω), H(f ) oder H(jf ).
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 37

Abb. 3-2: Schaltung eines RC-Tiefpass 1.Ordnung

Für den Frequenzgang des Spannungsübertragungsfaktors H(jω) erhält man


1
jωC 1
H(jω) = 1 =
R+ jωC
1 + jωRC

mit
1
|H(jω)| = p , (3.2)
1 + (ωRC)2
ϕH = arg(H(jω)) = − arctan(ωRC) .

3.2 Logarithmische Maßsysteme


Betrachtet man Gleichung (3.2), so erkennt man, dass H(jω) für ω → 0 gleich 1 wird,
für ω → ∞ strebt der Spannungsübertragungsfaktor gegen 0. Stellt man den Verlauf in
einem gewöhnlichen Diagramm mit linearem Maßstab dar, werden Details bei höheren
Frequenzen nicht mehr gut ablesbar aus dem Diagramm sein. Man mag denken, dass
dies sowieso nicht von Interesse − weil vernachlässigbar klein − ist. Jedoch hat man es
in der Praxis oft mit Systemen zu tun, die bereits durch sehr kleine Störsignale in ihrem
Normalbetrieb ungünstig beeinflusst werden, z.B. im Zusammenhang mit Funkanwen-
dungen.
So gilt es einen großen Wertebereich in übersichtlicher Weise darzustellen. Für diesen
Zweck verwendet man deshalb logarithmische Darstellungsformen.

Soll der Wertebereich von 1µV = 10−6 V bis 10V = 101 V dargestellt werden, erhält man
durch Verwendung des dekadischen Logarithmus
1µV
lg = −6 ,
1V
10V
lg = 1 .
1V
Der nunmehr darzustellende Wertebereich erstreckt sich somit über −6 . . . 1, was in einer
grafischen Darstellung deutlich anschaulicher ist. Dabei fällt auf, dass bei der Bildung des
Logarithmus die Zahlenwerte durch 1V dividiert werden. Dies ist erforderlich, da der Logarith-
mus nur von ”dimensionslosen” Werten gebildet werden kann! Deshalb treten als Argument
bei den Logarithmen immer Verhältnisse von Größen gleicher Art auf!

Zunächst ist zu unterscheiden zwischen Größen, die der Leistung proportional sind
(Wirkleistung, Scheinleistung u.ä.), Leistungsgrößen genannt, und Größen, deren
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 38

Quadrate der Leistung proportional sind, wenn sie auf Impedanzen wirken (z.B. Span-
nung, Strom), in diesem Zusammenhang als Feldgrößen bezeichnet. Impedanzen und
die Frequenz werden nicht in logarithmischen Maßen angegeben!

Angenommen, H F ist der Spannungsübertragungsfaktor als Verhältnis der komplexen


Effektivwerte einer Ausgangsspannung und Eingangsspannung, H F = U 2 /U 1 . Als natürlich
logarithmisches Maß von Größenverhältnissen dieser Art (d.h. Feldgrößen) definiert man

ln(H F ) = ln(|H F | · ejϕH ) = ln |H F | + j arg(H F ) . (3.3)


| {z }
ϕH

Dem Realteil ln |H| ordnet man die Pseudoeinheit Neper (Kurzzeichen: Np), dem Ima-
ginärteil arg(H) als Winkel die Pseudoeinheit Radiant (Kurzzeichen: rad) zu.3

Analog definiert man das natürlich logarithmische Maß des Verhältnisses von zwei Lei-
stungsgrößen, z.B. H P als Verhältnis der komplexen Scheinleistung an einem Ausgang und
dem Eingang, H P = S 2 /S 1 . Um einen Anschluss an die Definition für
√ Feldgrößen zu finden,
verwendet man die Quadratwurzel des Leistungsverhältnisses (U ∼ P ):
p  1 1 1
ln H P = ln(H P ) = ln |H P | + j arg(H P ) (3.4)
2 2 2
Auch dafür verwendet man die Pseudoeinheiten Neper und Radiant.

In der Praxis hat sich die Verwendung des dekadischen Logarithmus gegenüber dem
natürlichen Logarithmus durchgesetzt. Mit loga (c) = loga (b) · logb (c) erhält man für den
Realteil in Gleichung (3.4)
1 1 √
ln |H P | = ln(10) · lg |H P | = ln( 10) · lg |H P | .
2 2

Der Faktor ln( 10) wird durch die Einheit Bel (Kurzzeichen: 1B) oder häufiger durch 10
Dezibel (Kurzzeichen: 10dB, 1dB=0,1B) ersetzt. Dadurch ergibt sich folgende Umrechnung:

1 dB = 0, 115 Np
1 Np = 8, 686 dB

Den Realteil logarithmierter Größenverhältnisse nennt man Pegel . Man definiert


das logarithmierte Größenverhältnis des Betrages von Leistungsgrößen als

10 · lg |H P | dB .

Für das logarithmierte Größenverhältnis des Betrages von Feldgrößen erhält man aus
Gleichung (3.3) wegen des fehlenden Faktors 1/2

20 · lg |H F | dB .

Der Index F in den obigen Ausdrücken gibt an, dass man sich auf Feldgrößen bezieht.
In den Anwendungen ersetzt man den Index i.d.R. durch das Größensymbol der kon-
kreten Feldgröße, z.B. H U bei Spannungen oder H I bei Strömen.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 39

Pegel [dB] |H F | |H P |
-40 1/100 1/10000
-20 1/10
√ 1/100
-10 1/ √10 1/10
-3 1/ 2 1/2
0 √1 1
3 √2 2
10 10 10
20 10 100
40 100 10000
Tab. 3-1: Umrechnung für typische Pegelwerte

In Tab. 3-1 ist die Umrechnung zwischen typischen Pegelwerten und deren zu-
gehörigen linearen Verhältniswerten angegeben.
Ein negativer Wert des Pegels bedeutet ein Größenverhältnis kleiner als 1, ein po-
sitiver Wert des Pegels entspricht einem Größenverhältnis größer als 1!
Durch die Betragsbildung im Argument des Logarithmus spielt ein negatives Vorzei-
chen des (linearen) Größenverhältnisses keine Rolle. Das negative Vorzeichen hat nur
für die Phasenverschiebung eine Bedeutung.

3.2.1 Relativer Pegel


Wie bereits erwähnt, muss das Argument des Logarithmus ”dimensionslos” sein, wes-
halb nur Größenverhältnisse als Argument in Frage kommen.
Bezieht man eine Größe (Leistung, Spannung, . . . ) auf eine beliebig andere Größe glei-
cher Art an einer anderen Stelle im betrachteten System (Netzwerk), so spricht man
von einem relativen Pegel4 . Die Werte der betrachteten Größen sind dabei nicht wirk-
lich relevant, lediglich deren Verhältnis. So ergeben z.B. |U 2 | = 10V und |U 1 | = 1V
bzw. |U 2 | = 5V und |U 1 | = 0, 5V jeweils den gleichen Pegel von 20dB.

Ein relativer Leistungspegel hat damit folgende Form:

P2
LdB
P,rel = 10 · lg dB
P1
P2 und P1 stehen dabei für Beträge von beliebigen Leistungen.

Ein relativer Spannungspegel hat folglich die Form

U2
LdB
U,rel = 20 · lg dB .
U1
U2 und U1 stehen dabei für Beträge von beliebigen Spannungen.
Sinngemäß kann ein relativer Pegel auch für andere Arten von Feldgrößen (z.B. Strom)
3
Eigentlich weisen beide Ausdrücke die Einheit 1E auf. Die Pseudoeinheit soll deshalb als Hinweis
auf die unterschiedliche Größenart dienen.
4
genauer: relativer Spannungspegel, relativer Leistungspegel, . . .
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 40

angegeben werden.

Ein relativer Pegel kann im Besonderen das Verhältnis einer Ausgangsgröße zu einer
Eingangsgröße ausdrücken. In diesem speziellen Fall repräsentiert er eine Verstärkung.
Man verwendet dann in der Regel andere Größensymbole, z.B. für die Verstärkung
einer Feldgröße VFdB bzw. für die Leistungsverstärkung VPdB . Ist VF,P
dB
> 0dB, so liegt
tatsächlich eine Verstärkung vor (Ausgangsgröße ist größer als Eingangsgröße), für
dB
VF,P < 0dB liegt eine Dämpfung vor (Ausgangsgröße ist kleiner als Eingangsgröße).
dB
Bei VF,P = 0dB sind Ausgangsgröße und Eingangsgröße gleich groß.
In anderen Anwendungen, z.B. bei Signalübertragungseinrichtungen wie Filter und Lei-
tungen, ist die Ausgangsgröße in der Regel kleiner als die Eingangsgröße. In diesem Fall
arbeitet man mit dem Begriff der Dämpfung adB F,P und definiert diese als Eingangsgröße
zu Ausgangsgröße. Bei der Logarithmierung hat das eine Vorzeichenumkehr gegenüber
dem Verstärkungsbegriff zur Folge. Eine in diesem Fall ggf. auftretende Verstärkung
äußert sich dann durch einen negativen Wert der Dämpfung.

Der hochgestellte Index in adB dB dB


F,P , VF,P oder LF,P,rel soll jeweils andeuten, dass es
sich um eine Pegelangabe in Dezibel handelt zur Unterscheidung von Pegelangaben in
Neper, z.B. aNp
F,P .

3.2.2 Absoluter Pegel


Während der relative Pegel aus einem Größenverhältnis von zwei in Beziehung ste-
henden Größen (gleicher Art) hervorgeht, entspricht der absolute Pegel hingegen
der Angabe eines einzigen Größenwertes. Da ein Pegel aber aus dem Logarithmus ei-
nes ”dimensionslosen” Größenverhältnisses hervorgeht, bezieht man den anzugebenden
Größenwert auf einen geeignet definierten Wert.

Der absolute Leistungspegel für eine Leistung P mit Bezugswert P0 bestimmt


sich zu
P
LdB
P = 10 · lg dBx . (3.5)
P0
Für den Bezugswert P0 gibt es in der Praxis spezifische Werte. Um den Bezugswert
nicht immer explizit angeben zu müssen, wird, wie in Gleichung (3.5) angedeutet, die
Pseudoeinheit dB um einen eindeutigen Hinweis x auf den Bezugswert ergänzt.
In der Tab. 3-2 sind typische Bezugswerte für Leistungspegel mit der entsprechenden
Pseudoeinheit angeführt.

Bezugswert Pseudoeinheit Anmerkung


Bezugswiderstand:
1mW dBm 50Ω (HF-Technik)
600Ω (NF-Technik)
1W dBW
Tab. 3-2: Typische Bezugswerte P0 für absolute Leistungspegel

Der absolute Spannungspegel für eine Spannung U mit Bezugswert U0 bestimmt


KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 41

sich zu
U
LdB
U = 20 · lg dBx . (3.6)
U0

Bezugswert Pseudoeinheit Anmerkung


1µV dBµV
0,775V dBu Ergibt 1mW an Bezugswiderstand 600Ω.
1V dBV
Tab. 3-3: Typische Bezugswerte U0 für absolute Spannungspegel

Neben den in Tab. 3-2 und 3-3 angeführten Bezugswerten für absolute Leistungs-
und Spannungspegel findet man in der Praxis auch noch andere Bezugswerte.

In ähnlicher Weise kann man absolute Pegel für andere Feldgrößen, wie z.B. den
Strom oder die elektrische Feldstärke, angeben.

Umrechnung zwischen Spannungs- und Leistungspegel


Betrachtet man den relativen Spannungs- und Leistungspegel am gleichen Zweig eines
elektrischen Netzwerkes, so kann man eine Beziehung zwischen den beiden herstellen.

Der Einfachheit, aber auch der besonderen praktischen Bedeutung wegen, werden
untenstehend die Wirkleistungen P1 und P2 an rein ohmschen Impedanzen R1 und R2
betrachtet. Es gelte
U12
P1 = ,
R1
U22
P2 = .
R2
Für den relativen Leistungspegel folgt
P2
LdB
P,rel = 10 · lg dB =
P1
 2 
U2 R1
= 10 · lg · dB =
R2 U12
"  #
2
U2 R1
= 10 · lg · dB =
U1 R2
 2  
U2 R1
= 10 · lg dB + 10 · lg dB .
U1 R2
| {z }
|H U |2

U2 R1 R1
LdB
P,rel = 20 · lg dB + 10 · lg dB = LdB
U,rel + 10 · lg dB
U1 R2 R2

Ist R1 = R2 , so sind relativer Spannungs- und Leistungspegel gleich.


KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 42

Achtung: Gleicher Wert für Spannungspegel und Leistungspegel bedeutet nicht, dass
auch das Leistungsverhältnis P2 /P1 und das Spannungsverhältnis U2 /U1 gleich sind
(siehe Tab. 3-1)!

Zu manchen absoluten Pegeln ist neben dem Bezugswert von Spannung bzw. Lei-
stung auch ein Bezugswiderstand definiert. Dadurch ist eine Umrechnung zwischen
Leistungs- und Spannungspegeln möglich, z.B. (NF-Technik, 1mW an 600Ω entspricht
0,775V):

P
LdBm
P = 10 · lg dBm =
1mW
U 600Ω
= 20 · lg dBu + 10 · lg dB =
0, 775V R
600Ω
= LdBu
U + 10 · lg dB
R
Gilt R = 600Ω, dann ist LdBm
P = LdBu
U .

Beispiel 3.2
Welcher Spannung entspricht ein Leistungspegel von LdB
P = +20dBm an 50Ω?

P P
LdB
P = 10 · lg dB = 10 · lg dBm
P0 1mW
LdB
P P
= lg
10dBm 1mW
LdB
P P
10 10dBm = ⇒ P = 0, 1W
1mW
√ p p
U = P · R = 0, 1W · 50Ω = 5V2 = 2, 24Vef f

Beispiel 3.3
Ein Signal mit einem Spannungspegel von LdB
U = +10dBµV erzeugt welche Leistung
in einem Widerstand von 75Ω? Es ist außerdem der absolute Leistungspegel in dBm
anzugeben.
U U
LdB
U = 20 · lg dB = 20 · lg dBµV
U0 1µV
LdB
U U
= lg
20dBµV 1µV
LdB
U U
10 20dBµV = ⇒ U = 3, 16µV
1µV
U2 (3, 16µV)2
P = = = 0, 13̇pW
R 75Ω
P
LdB
P = 10 · lg = −98, 75dBm
1mW
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 43

Beispiel 3.4
Ein Sender speist am Eingang einer Leitung eine Leistung P1 = 1W ein. Die Leitung
weist eine (Leistungs-)Dämpfung von adB
P = 26dB auf. Wie groß ist die Leistung P2
und deren absoluter Leistungspegel in dBm am Ausgang der Leitung?

P1
adB
P = 10 · lg dB = 26dB
P2
adB
P P1
= lg
10dB P2
adB
P 1W
10 10dB = ⇒ P2 = 2, 51mW
P2
P2
LdB
P 2 = 10 · lg dBm = 4dBm
1mW

oder:
P1
LdB
P 1 = 10 · lg dBm = 30dBm
1mW  
P2 P2 P1
LdB
P2 = 10 · lg dBm = 10 · lg · dBm =
1mW P1 1mW
P2 P1
= 10 · lg dB + 10 · lg dBm =
P1 1mW
P1
= −10 · lg dB + LdB dB dB
P 1 = −aP + LP 1 =
P2
= 30dBm − 26dB = 4dBm

Beispiel 3.5
Am Eingang eines Verstärkers mit der Spannungsverstärkung VU = 50 liegt eine
Spannung U1 = 100mV. Wie groß ist die Ausgangsspannung U2 sowie deren abso-
luter Spannungspegel mit dem Bezugswert U0 = 1V? Wie groß ist der absolute Lei-
stungspegel am Ausgang mit Bezugswert P0 = 1W, wenn ein Widerstand R = 75Ω
angeschlossen ist?
U2
VU = = 50
U1
U2
VUdB = 20 · lg dB = 20 · lg(VU ) dB = 33, 98dB
U1
U2
U2 = VU · U1 = 5V ⇒ LdB U 2 = 20 · lg dB = 13, 98dBV
U0
U22 P2
P2 = = 0, 3̇W ⇒ LdB P 2 = 10 · lg dB = −4, 77dBW
R P0
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 44

Beispiel 3.6
In einem Widerstand (a) R = 600Ω, (b) R = 150Ω wird eine Leistung
P = 150µW umgesetzt. Wie groß sind der absolute Spannungs- und Leistungspegel
(Bezugsleistung P0 = 1mW, Bezugswiderstand R0 = 600Ω)?

(a) R = 600Ω :

150µW
LdB
P = 10 · lg dBm = −8, 24dBm
1mW
R0
LdB
U = LdB
P − 10 · lg = −8, 24dBu
R

(b) R = 150Ω :

150µW
LdB
P = 10 · lg dBm = −8, 24dBm
1mW
R0
LdB
U = LdB
P − 10 · lg = −14, 26dBu
R

3.3 Bode-Diagramm
Der in Gleichung 3.1 angegebene Übertragungsfaktor stellt eine komplexe Größe mit
Betrag und Winkel dar. Zur grafischen Darstellung kann dafür die Frequenzgangsorts-
kurve verwendet werden (vgl. z.B. Abb. 2-10). Es ist jedoch üblich den Betrag und
Winkel in getrennten Diagrammen darzustellen.

Abb. 3-3: Bode-Diagramm des RC-Tiefpass


KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 45

Das Bode-Diagramm basiert auf der logarithmischen Darstellung gemäß Glei-


chung (3.3). Bei logarithmischer Skalierung der Frequenzachse werden der logarithmier-
te Betrag (Betragsdiagramm) und der lineare Winkel (Winkeldiagramm, Phasen-
diagramm) getrennt dargestellt. Die Abb. 3-3 zeigt exemplarisch das Bode-Diagramm
für den RC-Tiefpass aus Beispiel 3.1.
Die Kreisfrequenz ω ist in Abb. 3-3 bezogen auf eine Kreisfrequenz ωg , wobei ωg die
Grenzkreisfrequenz − eine Kenngröße des RC-Tiefpass − ist. Ihr Wert und ihre
Bedeutung wird später noch näher betrachtet.

Durch die Normierung der Kreisfrequenz kann problemlos der Logarithmus gebildet
werden. Auf welchen Wert normiert wird, spielt im Prinzip keine Rolle. Man wird in der
Praxis jedoch eine sinnvolle Wahl für den Bezugswert treffen. So fällt beim RC-Tiefpass
durch die Wahl der Grenzkreisfrequenz als Bezugswert der ”Knick” im Kurvenverlauf
mit der bezogenen Kreisfrequenz ω/ωg = 1 zusammen. Genausogut könnte als Bezugs-
wert aber auch z.B. 1rad/s gewählt werden.

Der Vorteil der logarithmischen Frequenzskalierung ist in Abb. 3-3 deutlich zu er-
kennen. So wird ein Frequenzbereich von 6 Dekaden (ωg /1000 bis 1000 · ωg ) dargestellt.
Man erkennt, dass − im Gegensatz zu einem linearen Maßstab − ein konstanter Ab-
stand zwischen zwei beliebigen Punkten auf der Frequenzachse, z.B. zwischen 0, 1 und
1 sowie 10 und 100, stets eine Multiplikation mit dem gleichen Faktor bedeutet, also
Faktor 10 im angegebenen Beispiel:5
1 · ωg 0, 1 · ωg
lg − lg = − lg 0, 1 = lg 10 = 1
ωg ωg
100 · ωg 10 · ωg
lg − lg = lg 100 − lg 10 = lg 10 = 1
ωg ωg

Zur Kennzeichnung der logarithmischen Frequenzskalierung ist in Abb. 3-3 der Ver-
merk (log) bei der Abszisse (x-Achse) angegeben. Die Beschriftung der Achse (0,01,
. . . , 10, 100) entspricht dem bezogenen Wert der Kreisfrequenz ω/ωg .
Alternativ kann die Beschriftung mit dem absoluten Wert statt mit dem bezogenen
Wert der Kreisfrequenz erfolgen. In diesem Fall schreibt man einfach ω anstelle von
ω/ωg zur Kennzeichnung. Der Vermerk wegen der logarithmischen Skalierung sollte
aber bestehen bleiben.
Bei einer dritten Alternative die in Praxis Anwendung findet, erfolgt die Beschriftung
der Abszisse überhaupt mit den Werten von lg(ω/ωg ), also . . . , −2, −1, 0, 1, 2, . . . . In
diesem Fall darf kein zusätzlicher Vermerk (log) für die logarithmische Skalierung er-
folgen, da der Logarithmus in den Beschriftungswerten direkt eingeht und somit eine
lineare Skala vorliegt, wenngleich die Skalierung bzgl. der Frequenz weiterhin logarith-
misch ist.

5
In der Rechnung wird der dekadische Logarithmus verwendet, was aber für die prinzipielle Be-
trachtung nicht relevant ist. Genausogut könnte ein Logarithmus zu jeder anderen Basis verwendet
werden, was letztlich nur auf einen anderen Endwert in der Rechnung führt und sich im Diagramm
durch einen linearen Maßstabsfaktor manifestiert. Praktisch bedeutet das z.B. einen ”Abstand zwi-
schen ω/ωg = 0, 1 und ω/ωg = 1 von 1cm oder 2cm”.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 46

Bemerkenswert ist, dass bei logarithmischer Skalierung der Frequenzachse der Fre-
quenzwert 0 nicht darstellbar ist, er liegt im linksseitigen Unendlichen
(limω→0+ log ωωg = −∞).

Die bisherigen Anmerkungen bleiben auch gültig, wenn statt der Kreisfrequenz ω
die Frequenz f verwendet wird. In diesem Fall muss auch für den Bezugswert eine
Frequenz anstelle einer Bezugskreisfrequenz gewählt werden.

In Abb. 3-3 sind neben dem tatsächlichen Verlauf des Betrages des Übertragungs-
faktors auch die Asymptoten für ω → 0 und ω → ∞ eingetragen. Man erkennt, dass die
Asymptoten eine gute Näherung darstellen. Die maximale Abweichung der Näherung
vom tatsächlichen Wert tritt bei der Grenzkreisfrequenz auf und beträgt 3dB.
Im Folgenden sollen die Asymptoten systematisch abgeleitet werden.

Für den Spannungsübertragungsfaktor des RC-Tiefpass wurde in Beispiel 3.1 an-


gegeben (siehe auch Abb. 3-4):
1
jωC 1
H U (jω) = 1 =
R+ jωC
1 + jωRC

1
|H U (jω)| = p
1 + (ωRC)2
ϕH = arg(H U (jω)) = − arctan(ωRC)

Abb. 3-4: Zeigerdiagramm des RC-Tiefpass

Im Nenner des Betrages des Spannungsübertragungsfaktors steht die Summe aus


einem konstanten und einem frequenzabhängigen Term. Man unterscheidet nun die
beiden Fälle, wenn der frequenzabhängige Term sehr viel kleiner und sehr viel größer
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 47

als der konstante Term ist. In jedem der Fälle ist ein Term gegen den jeweils anderen
vernachlässigbar. Ein dritter Fall ist, wenn die Frequenz genau zwischen den beiden
Bereichen liegt.

a) Niedrige Frequenzen, ω → 0

ωRC  1 ⇒

1
|H U (jω)| = p ≈ 1 ⇒
1 + (ωRC)2
| {z

}
≈ 1

HUdB = 20 · lg |H U (jω)| ≈ 20 · lg 1 = 0dB

Für den Winkel ergibt sich bei tiefen Frequenzen die Näherung:

ϕH ≈ − arctan(0) = 0

b) Hohe Frequenzen, ω → ∞

ωRC  1 ⇒

1 1
|H U (jω)| = p ≈ ⇒
1 + (ωRC)2 ωRC
| {z }
≈ωRC

1
HUdB = 20 · lg |H U (jω)| ≈ 20 · lg dB
ωRC
1
Führt man die Grenzkreisfrequenz ωg = RC
ein, so kann man für die Näherung
des Betrages folgendes schreiben:
1 ωg ω
HUdB ≈ 20 · lg = 20 · lg dB = −20 · lg dB
ωRC ω ωg

Es liegt nahe, ωg als Bezugskreisfrequenz zu verwenden. Dadurch trägt man im


Bode-Diagramm auf der Abszisse lg ωωg auf, wodurch der letzte Term in obiger
Gleichung eine Geradengleichung mit einer Steigung von −20dB/Dekade bzw.
einem Abfall mit 20dB/Dekade darstellt.

Für den Winkel ergibt sich bei hohen Frequenzen die Näherung:
π
ϕH = − lim arctan(ωRC) = − b − 90◦
=
ω→∞ 2

c) Übergang, ω = ωg
ω
ωRC = =1
ωg
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 48

Bei der Grenzkreisfrequenz ωg = 2πfg (fg . . . Grenzfrequenz) ergibt sich für


den Betrag des Übertragungsfaktors
1 1
|H U (jωg )| = q =√ ⇒
1 + (ωg RC)2 2
| {z

}
= 2

dB 1
HU,g = 20 · lg |H U (jωg )| = 20 · lg √ dB = −3dB
2

Man erkennt dabei wieder die bereits eingeführte Definition der Grenzfrequenz
einer Feldgröße:
|H F (jω)|max
|H F (jωg )| = √
2
Bei einer Grenzfrequenz weist der Übertragungsfaktor für Feldgrößen stets einen
Wert in Dezibel auf, der um 3dB unterhalb jenem des Maximalwertes liegt:

dB |H F (jω)|max
HF,g = 20 · lg √ dB = 20 · lg |H F (jω)|max dB − 3dB
2
|H U (jω)|max ist beim RC-Tiefpass gleich 1 (für ω → 0), so dass sich der Wert
dB
HU,g = −3dB ergibt.

Der Winkel beträgt bei der Grenzkreisfrequenz


π
ϕH = − arctan(1) = − b − 45◦ .
=
4

In Abb. 3-3 sind die den Punkten a) und b) entsprechenden Näherungsgeraden


(Asymptoten) eingetragen. Der Schnittpunkt liegt genau bei ωg . Frequenzen unterhalb
davon erfahren näherungsweise keine Dämpfung (|H U (jω)| ≈ 1), oberhalb davon wird
das Eingangssignal abgeschwächt (|H U (jω)| ∼ 1/ω).
Die Grenzkreisfrequenz trennt somit den Durchlassbereich für ω < ωg vom Sperr-
bereich für ω > ωg .

Beim Übergang vom Durchlassbereich in den Sperrbereich verläuft der Winkel ϕH


entsprechend der arctan-Funktion, gestaucht durch die logarithmische Skalierung der
Frequenzachse.
Der Phasenverlauf lässt sich approximieren durch eine Gerade, die zwischen den Punk-
ten (ωg /10, 0) und (10ωg , −π/2) verläuft. Unterhalb von ωg /10 gilt ϕH ≈ 0, oberhalb
von 10ωg gilt ϕH ≈ −π/2 (siehe Winkeldiagramm in Abb. 3-3). Es sei hier nochmals
darauf hingewiesen, dass der Winkel mit einer linearen Skala dargestellt wird, die Fre-
quenzachse − wie bei Bode-Diagrammen üblich − jedoch logarithmisch!

3.3.1 Elementare Grundtypen von Übertragungssystemen


Im Folgenden sollen die Bode-Diagramme für einige elementare Grundtypen von Über-
tragungssystemen, die für die Praxis besondere Bedeutung haben, betrachtet werden.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 49

Sie finden in der Nachrichtentechnik und Regelungstechnik Anwendung.


Durch Kombination der Grundtypen lassen sich weitere praxisrelevante Systemarten
beschreiben. Dies soll im darauf folgenden Abschnitt genauer betrachtet werden.

Differenzierer
Beim Differenzierer 6 handelt es sich um ein System mit einem Frequenzgang des Über-
tragungsfaktors7 der Form

H D (jω) = .
ωD
Der hochgestellte Index D soll den Differenzierer kennzeichnen. Für den Betrag und
Winkel erhält man
ω
|H D (jω)| = ,
ωD
π
arg(H D (jω)) = + = b + 90◦ .
2
Im Betragsdiagramm des Bode-Diagramms ergibt sich eine Gerade, die mit
20dB/Dekade ansteigt. Abb. 3-5 zeigt das Betrags- und Winkeldiagramm des Diffe-
renzierers.

Abb. 3-5: Bode-Diagramm des Differenzierers, vgl. [BB90]

ωD ist die Durchtrittskreisfrequenz des Differenzierers.


Die Bezeichnung Differenzierer resultiert daher, dass dessen Ausgangssignal u2 (t) pro-
6
Auch die Bezeichnung Differenziator ist üblich.
7
Welcher Art (Spannung, Strom, . . . ) die Eingangs- und Ausgangsgröße sind spielt für die vorlie-
genden Betrachtungen keine Rolle.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 50

portional zur zeitlichen Ableitung des Eingangssignals u1 (t) ist, d.h.8


du1 (t)
u2 (t) = KD · .
dt

Integrierer
Das Ausgangssignal u2 (t) des Integrierers 9 ist proportional zum zeitlichen Integral des
Eingangssignals u1 (t), d.h.10
Zt
u2 (t) = KI · u1 (τ ) dτ .
−∞

Der Frequenzgang des Übertragungsfaktors eines Integrierers hat die Form


ωI ωI
H I (jω) = = −j .
jω ω
Betrag und Winkel ergeben sich zu
ωI
|H I (jω)| = ,
ω
π
b − 90◦ .
arg(H I (jω)) = −
=
2
Abb. 3-6 zeigt das Betrags- und Winkeldiagramm des Integrierers.

ωI ist die Durchtrittskreisfrequenz des Integrierers.


Der Integrierer ist besonders für die Regelungstechnik von Bedeutung, da dieser für das
vollständige Ausregeln von Störgrößen im eingeschwungenen Zustand verantwortlich
ist.11 In der Nachrichtentechnik nutzt man Integrierer z.B. zur Mittelwertbildung.

Verzögerungsglied 1.Ordnung (PT1-Glied)


Der bereits behandelte RC-Tiefpass entspricht einem Verzögerungsglied 1.Ordnung,12
1
H P T 1 (jω) = .
1 + jω/ωP
Betrag und Winkel wurden bereits berechnet,
1
|H P T 1 (jω)| = p ,
1 + (ω/ωP )2
arg(H P T 1 (jω)) = − arctan(ω/ωP ) .
In Abb. 3-7 ist nochmals das Bode-Diagramm des Verzögerungsglieds 1.Ordnung dar-
gestellt.
8
Einheit des Faktors KD ist Sekunde, [KD ] = s.
9
Auch die Bezeichnung Integrator ist üblich.
10
Einheit des Faktors KI ist 1/Sekunde, [KI ] = 1/s.
11
In der Regelungstechnik spricht man davon, dass es keine bleibende Regelabweichung gibt.
12
Neben Verzögerungsgliedern 1.Ordnung gibt es auch solche höherer Ordnung, welche ein noch
trägeres Zeitverhalten aufweisen können. Für Details hierzu sei auf die Regelungstechnik verwiesen.
Die Ordnung wird durch die Zahl der Energiespeicher im System bestimmt und drückt sich in der im
Frequenzgang des Übertragungsfaktors höchsten vorkommenden Potenz der Kreisfrequenz ω aus.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 51

Abb. 3-6: Bode-Diagramm des Integrierers, vgl. [BB90]

Abb. 3-7: Bode-Diagramm des Verzögerungsglieds 1.Ordnung (PT1-Glied), vgl. [BB90]


KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 52

PD-Glied
Ein PD-Glied weist einen Frequenzgang des Übertragungsfaktors der Form

H P D (jω) = 1 + jω/ωN

auf. Für Betrag und Winkel ergeben sich


p
|H P D (jω)| = 1 + (ω/ωN )2 ,

arg(H P D (jω)) = arctan(ω/ωN ) .


Wie in Beispiel 3.1 für den RC-Tiefpass können auch hier Näherungsgeraden (Asym-
ptoten) bestimmt werden, indem man die beiden speziellen Fälle hoher und niedriger
Frequenzen betrachtet. Der Schnittpunkt der Näherungsgeraden fällt dabei auf die Be-
zugskreisfrequenz ωN .
In Abb. 3-8 ist das Bode-Diagramm für das PD-Glied dargestellt.

Abb. 3-8: Bode-Diagramm des PD-Glieds, vgl. [BB90]

Das PD-Glied hat in der Praxis für sich i.d.R. keine besondere Bedeutung. Viel-
mehr tritt dessen Frequenzgang als Teil eines komplizierteren Frequenzganges auf (siehe
nächsten Abschnitt).

3.3.2 Kettenschaltung von Übertragungssystemen


Im vorhergehenden Abschnitt wurden elementare Grundtypen von Frequenzgängen be-
handelt. In der Praxis vorkommende Frequenzgänge sind meist von einem dieser Typen
oder gehen aus einer Kombination der Grundtypen hervor. Dazu soll die Zusammen-
schaltung von Übertragungssystemen in Abb. 3-9 betrachtet werden.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 53

Abb. 3-9: Kettenschaltung von Übertragungssystemen

Der Frequenzgang des Übertragungsfaktors der Gesamtschaltung ist13


U3
H ges (jω) = .
U1
Man kann den Frequenzgang der Gesamtschaltung auf die Frequenzgänge der Teil-
systeme zurückführen:
U3 U2
H ges (jω) = · = H 2 (jω) · H 1 (jω)
U2 U1
Der Übertragungsfaktor einer Kettenschaltung zweier Systeme ist das Produkt der
Übertragungsfaktoren der Teilsysteme,

H ges (jω) = H 1 (jω) · H 2 (jω) .

Anmerkung: Die Reihenfolge der Teilsysteme in der Kettenschaltung spielt im Prinzip kei-
ne Rolle. Zur Präzisierung sei aber darauf hingewiesen, dass der Ausgang von System
H1 durch den Eingang von System H2 belastet wird. Der Frequenzgang H 1 (jω) muss
deshalb bereits diese Belastung berücksichtigen! In diesem Sinne spielt die Reihenfolge
der Systeme bei der Kettenschaltung sehr wohl eine Rolle (H1 belastet H2 i.d.R. anders
als H2 das System H1 belastet).

Das logarithmische Maß des Gesamtübertragungsfaktors ergibt sich zu


dB
Hges = 20 · lg |H ges (jω)| dB = 20 · lg |H 1 (jω) · H 2 (jω)| dB =

= 20 · lg |H 1 (jω)| dB + 20 · lg |H 2 (jω)| dB .
Bei logarithmischer Darstellung ist somit der Gesamtübertragungsfaktor die Sum-
me der Teilübetragungsfaktoren,
dB
Hges = H1dB + H2dB .

Damit zeigt sich ein weiterer Vorteil der Anwendung der logarithmischen Darstellung.
Aus
H ges (jω) = |H ges (jω)| · ejϕH,ges = |H 1 (jω)| · ejϕH,1 · |H 2 (jω)| · ejϕH,2 =

= |H 1 (jω) · H 2 (jω)| · ej(ϕH,1 +ϕH,2 )


13
Eingangs- und Ausgangsgröße müssen nicht notwendigerweise Spannungen sein.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 54

folgt für die Phasenverschiebung zwischen Ausgangs- und Eingangsgröße der Ketten-
schaltung
ϕH,ges = ϕH,1 + ϕH,2 .

Beispiel 3.7
Gegeben sei die Kettenschaltung zweier RC-Tiefpässe mit Trennverstärker aus Abb.
3-10. Für die Grenzkreisfrequenzen der beiden RC-Tiefpässe gelte ωg1 < ωg2 .
Der Trennverstärker soll einen derart hohen Eingangswiderstand aufweisen, so
dass die Belastung des ersten RC-Tiefpass vernachlässigbar ist. Seine Spannungs-
verstärkung sei 1, seine Ausgangsspannung ist somit gleich der Eingangsspannung
U 2.

Abb. 3-10: Kettenschaltung zweier RC-Tiefpässe mit Trennverstärker

Der Frequenzgang des Übertragungsfaktors der Gesamtschaltung ergibt sich zu


1 1
H U,ges (jω) = · . (3.7)
1 + jω/ωg1 1 + jω/ωg2

Durch die Entkopplung mittels des Trennverstärkers werden die Teilfrequenzgänge


einfach miteinander multipliziert. Im Bode-Diagramm müssen nur die Teilfre-
quenzgänge (in logarithmischer Darstellung!) addiert werden. Das Ergebnis unter
der vorgegebenen Bedingung ωg1 < ωg2 zeigt Abb. 3-11. Man erkennt oberhalb von
ωg2 , dass der Abfall mit 40dB/Dekade erfolgt, da jeder der beiden RC-Tiefpässe
einen Abfall von jeweils 20dB/Dekade aufweist. Die genaue Grenzfrequenz der
Gesamtschaltung kann nicht so einfach angegeben werden. Diese muss man aus dem
Gesamtfrequenzgang (3.7) berechnen, wird im vorliegenden Fall jedoch ungefähr
ωg1 sein.
Die Werte für den Winkel ergeben sich aus der Addition der Winkeldiagramme für
die beiden Teilsysteme.

Würde man n RC-Tiefpässe mit gleicher Grenzkreisfrequenz ωg über Trennverstärker


in Kette schalten, so ergäben sich die Werte in Tab. 3-4.

Fortsetzung nächste Seite

dB dB
n Abfall HU,ges ϕH,ges (ω → ∞) HU,ges (ωg )
1 −20dB/Dekade −90◦ −3dB
2 −40dB/Dekade −180◦ −6dB
3 −60dB/Dekade −270◦ −9dB
n −20dB · n/Dekade −90◦ · n −3dB · n
Tab. 3-4: Werte für Kettenschaltung aus n entkoppelten RC-Tiefpässen mit gleicher Grenz-
kreisfrequenz ωg
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 55

Abb. 3-11: Bode-Diagramm der Kettenschaltung zweier RC-Tiefpässe

Hätte der Trennverstärker nicht eine Spannungsverstärkung 1, sondern allgemein


von VU , dann ergäbe sich der Gesamtfrequenzgang zu
1 1
H U,ges (jω) = · ·VU .
1 + jω/ωg1 1 + jω/ωg2
| {z } | {z }
H U,1 H U,2

Für den Betrag in logarithmischer Darstellung erhält man


dB dB dB
HU,ges = HU,1 + HU,2 + VUdB .

Da VU nicht von der Frequenz abhängig ist, ist auch VUdB = 20 · lg VU dB frequenz-
unabhängig und verschiebt die im Betragsdiagramm von Abb. 3-11 dargestellte
Kurve nach oben (VU > 1) bzw. unten (VU < 1).
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 56

Beispiel 3.8
Gegeben sei der Frequenzgang des Spannungsübertragungsfaktors eines RC-
Hochpass:
jω/ωg
H U (jω) =
1 + jω/ωg
Den Frequenzgang H U (jω) kann man in zwei multiplikative Terme zerlegen,
1
H U (jω) = jω/ωg · .
| {z } 1 + jω/ωg
H (jω) |
U,1
{z }
H U,2 (jω)

Der erste Term H U,1 (jω) entspricht einem Differenzierer, der zweite Term H U,2 (jω)
einem Verzögerungsglied 1.Ordnung.
Durch Addition der beiden bereits bekannten Bode-Diagramme erhält man das
Bode-Diagramm des RC-Hochpass (siehe Abb. 3-12).

Abb. 3-12: Bode-Diagramm des RC-Hochpass, vgl. [BB90]


KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 57

3.4 Verzerrungen
Von Verzerrungen spricht man, wenn ein Signal (Spannung, Strom, . . . ) in seinem
Zeitverlauf in unerwünschter Weise verändert wird. Soll z.B. Musik wiedergegeben wer-
den, so möchte man das auf dem Musikträger gespeicherte Audio-Signal möglichst un-
verändert über die Lautsprecher einer Stereoanlage reproduzieren. Treten Verzerrungen
auf (z.B. Übersteuerung des Verstärkers), so klingt das wiedergegebene Audio-Signal
anders als die ursprünglich aufgezeichnete Musik. Ähnliches gilt auch für alle anderen
Anwendungen, bei denen ein Informationssignal von einer Signalquelle (Sender) zu ei-
ner Signalsenke (Empfänger) übertragen werden soll.

Man unterscheidet zwischen linearen und nichtlinearen Verzerrungen . Der Un-


terschied besteht darin, dass bei nichtlinearen Verzerrungen im Ausgangssignal neue,
ursprünglich nicht von der Signalquelle abgegebene Frequenzen auftreten, während bei
linearen Verzerrungen nur solche Frequenzen im Ausgangssignal auftreten, die auch von
der Signalquelle abgegeben werden. Dies soll an einem Beispiel veranschaulicht werden:

Die Ausgangsspannung als Funktion der Eingangsspannung eines Übertragungs-


systems sei gegeben durch
ua = f (ue ) = K · u2e .
Wenn ue (t) = Ûe · cos(ωt) ist, ergibt sich als Ausgangsspannung

K Ûe2
ua (t) = K · u2e (t) =K· Ûe2 2
· cos (ωt) = · (1 + cos 2ωt) .
2
Während die Eingangsspannung nur eine Schwingung mit der Kreisfrequenz ω auf-
weist, enthält die Ausgangsspannung einen Gleichanteil (K Ûe2 /2) und eine Schwingung
mit der Kreisfrequenz 2ω, welche beide nicht in der Eingangsspannung enthalten sind.
Es spielt keine Rolle, ob die Ausgangsspannung dabei eine Schwingung mit der selben
Frequenz wie die Eingangsspannung enthält oder nicht. Die ”neuen” Frequenzen sind
eine Folge von nichtlinearer Verzerrung!

In weiterer Folge sollen nur lineare Verzerrungen betrachtet werden, die man weiter
in Dämpfungs- und Phasenverzerrungen unterteilt. Damit in diesem Fall Verzerrungs-
freiheit gegeben ist, dürfen weder Dämpfungs- noch Phasenverzerrungen auftreten!

3.4.1 Dämpfungsverzerrungen
Dämpfungsverzerrungen treten auf, wenn der Betrag des Übertragungsfaktors
im relevanten Frequenzbereich nicht konstant, sondern von der Frequenz abhängig ist.
Betrachtet man zum Beispiel den Betragsfrequenzgang des Übertragungsfaktors des
RC-Tiefpass in Abb. 3-3, so erkennt man, dass bis zur Grenzkreisfrequenz ωg der Be-
trag (näherungsweise) frequenzunabhängig ist. Oberhalb von ωg ist der Betrag des
Übertragungsfaktors stark frequenzabhängig. Für eine − im Sinne von Dämpfungs-
verzerrungen − verzerrungsfreie Übertragung dürfte die Signalquelle keine Signalkreis-
frequenz oberhalb von ωg abgeben! Zum Beispiel soll für Hifi-Audio-Signale die Grenz-
frequenz fg = ωg /2π eines Übertragungssystems nicht kleiner als 20kHz sein. Ist dies
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 58

nicht der Fall, klingt wiedergegebene Musik anders, da höhere Frequenzen gegenüber
niedrigen Frequenzen stärker gedämpft werden.

3.4.2 Phasenverzerrungen
Bei der Übertragung von Signalen wird entsprechend dem komplexen Charakter des
Übertragungsfaktors nicht nur die Amplitude eines sinusförmigen Signals verändert,
sondern es tritt auch eine Phasenverschiebung auf.

Phasenlaufzeit und Gruppenlaufzeit

Abb. 3-13: Phasenverschiebung und Phasenlaufzeit von sinusförmigen Signalen

In Abb. 3-13 sind das Eingangssignal u1 (t) und Ausgangssignal u2 (t) eines Über-
tragungssystems dargestellt. Die Ausgangsspannung eilt dabei der Eingangsspannung
um einen durch das Übertragungssystem bestimmten Phasenverschiebungswinkel ϕH
nach.
Die Phasenverschiebung kann aber auch als eine zeitliche Signalverzögerung angese-
hen werden. So dauert es die Zeit ∆t bis ein Phasenzustand ϕ(t) (z.B. der negative
Nulldurchgang) des sinusförmigen Eingangssignals Û1 · cos ϕ(t) den Ausgang erreicht.
Durch einfache Verhältnisrechnung kann man eine Beziehung zwischen der Phasenver-
schiebung ϕH und der Signalverzögerung ∆t herstellen:

∆t |ϕrad
H |
=
T 2π
|ϕrad
H | 2π |ϕrad |
∆t = T · = · H =
2π ω 2π
1 rad
∆t = · |ϕH | ⇒ |ϕrad
H | = ω · ∆t
ω
In der obigen Rechnung wird der Betrag des Phasenwinkels ϕrad
H verwendet, da die
rad
Ausgangsspannung nacheilt und deshalb der Phasenwinkel ϕH < 0 ist.

Man definiert in Anlehnung an die obige Rechnung die Phasenlaufzeit

ϕrad
H
TP h = − [s] .
ω
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 59

Damit keine Phasenverzerrungen auftreten, muss bei allen Frequenzen die Phasen-
laufzeit gleich sein! In diesem Fall erfahren alle Signale unabhängig von der Frequenz
die gleiche zeitliche Verzögerung ∆t durch das Übertragungssystem.
Als Konsequenz muss ein − im Sinne von Phasenverzerrungen − verzerrungsfreies
Übertragungssystem demzufolge einen Winkelfrequenzgang von

ϕrad
H = −ω · TP h

mit konstantem TP h aufweisen. Der Winkelfrequenzgang muss also linear mit der
(Kreis-)Frequenz verlaufen!

In der Praxis kann ein über alle Frequenzen linearer Winkelfrequenzgang nur be-
dingt erreicht werden. Abgesehen davon reicht aber ein linearer Winkelfrequenzgang in
dem jeweilig für die konkrete Anwendung (beschränkten) relevanten Frequenzbereich
aus. Zur Beurteilung der diesbezüglichen Phasenlinearität führt man den Begriff der
Gruppenlaufzeit τg ein. Sie ist definiert als

dϕH (ω)
τg = − [s] .

Phasenverzerrungen treten somit dann nicht auf, wenn innerhalb des relevanten
Frequenzbereichs die Gruppenlaufzeit τg konstant ist.
Der Wert der Gruppenlaufzeit gibt an, in welchem Ausmaß die Einhüllende des Sum-
mensignals aus Teilsignalen mit unterschiedlichen, aber eng beieinander liegenden Fre-
quenzen vom Eingang auf den Ausgang eines Übertragungssystems verzögert wird.

Beispiel 3.9
Es sollen die Phasenlaufzeit und Gruppenlaufzeit des RC-Tiefpass aus Beispiel 3.1
bestimmt und bzgl. Phasenverzerrungen untersucht werden.
Der Phasenwinkel des RC-Tiefpass ist

ϕH = − arctan(ω/ωg ) .

In den Abb. 3-14 und 3-15 ist der Phasenverlauf mit logarithmischer bzw. linearer
Frequenzskala dargestellt.
Die Phasenlaufzeit ergibt sich folglich zu

ϕH arctan(ω/ωg )
TP h = − = .
ω ω
Sie verläuft nichtlinear mit der Frequenz. ⇒ Es treten Phasenverzerrungen auf.
Als Gruppenlaufzeit erhält man

dϕH (ω) 1/ωg


τg = − = .
dω 1 + (ω/ωg )2

Wenn der relevante Frequenzbereich ausreichend klein ist, kann man den nicht-
linearen Verlauf des Winkels linearisieren und näherungsweise von einem − im
Sinne von Phasenverzerrungen − verzerrungsfreien System ausgehen. Abb. 3-16
zeigt den Verlauf der Gruppenlaufzeit in Abhängigkeit von der Frequenz.
KAPITEL 3. FREQUENZVERHALTEN ELEKTRISCHER NETZWERKE 60

Abb. 3-14: Winkelfrequenzgang des RC-Tiefpass (logarithmische Frequenzskala)

Abb. 3-15: Winkelfrequenzgang des RC-Tiefpass (lineare Frequenzskala)

Abb. 3-16: Gruppenlaufzeit τg des RC-Tiefpass


Anhang A

Englische Fachbegriffe

Deutsch Englisch
Amplitude amplitude
Admittanz admittance
Ausgang output
Bandbreite bandwidth
Betrag (von komplexen Zahlen) magnitude
Bezugswert reference value, reference level
Blindleistung reactive power
Cosinus cosine
Dämpfung attenuation
Dezibel decibel
Durchlassbereich pass band
Effektivwert RMS value (Root Mean Square),
effective value
Eingang input
Energie energy
Ersatzschaltbild equivalent circuit
Filter filter
Frequenz frequency
Frequenzbereich frequency range (range of frequency values)
Frequenzgang frequency response
gleichphasig in phase
Gleichspannung DC-voltage
Gleichstrom direct current (DC)
Grenzfrequenz corner frequency, cutoff frequency
Gruppenlaufzeit group delay
Güte quality factor
Hochpass highpass
Imaginärteil (von komplexen Zahlen) imaginary part
Impedanz impedance
Induktivität inductance
Fortsetzung nächste Seite

I
ANHANG A. ENGLISCHE FACHBEGRIFFE II

Deutsch Englisch
Kapazität capacitance
Kondensator capacitor
Kreisfrequenz radian frequency (angular frequency)
Kurzschluss short-circuit
Leerlauf open-circuit
Leistung power
Leistungsfaktor power factor
Leitwert conductance
linear linear
nacheilen lag
Näherung approximation
nichtlinear nonlinear
Nullphasenwinkel zero phase
Ortskurve locus, polar plot
Parallelschwingkreis parallel resonant circuit
Pegel level
Phasenlaufzeit phase delay
Phasenverschiebung phase shift
Realteil (von komplexen Zahlen) real part
Resonanzfrequenz resonance frequency
Scheinleistung apparent power
Serienschwingkreis series resonant circuit
Sinus sine
Signal signal
Sinussignal sinusoidal signal
Spannung voltage
Sperrbereich stop band
Spule inductor, coil, choke
Strom current
Tiefpass lowpass
Verstärkung gain
Verzerrung distortion
Verzögerung delay
voreilen lead
Wechselspannung alternating voltage (AC-voltage)
Wechselstrom alternating current (AC)
Widerstand (Bauelement) resistor
Widerstand (Eigenschaft) resistance
Wirkleistung active power
Wurzel root
Zeigerdiagramm phasor diagram
zeitinvariant time-invariant
Abbildungsverzeichnis

1-1 Harmonische Schwingung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1


1-2 Komplexe Zeigerdarstellung einer harmonischen Schwingung . . . . . . 2
1-3 (a) Stabiles und (b) instabiles Systemverhalten bei einem Schaltvorgang 5
1-4 Spannung und Strom an einer Impedanz Z . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1-5 Phasenverschiebung zwischen Spannung u(t) und Strom i(t) . . . . . . 7
1-6 Zeigerdiagramm für einen ohmschen Widerstand . . . . . . . . . . . . . 8
1-7 Frequenzabhängigkeit der Reaktanz einer Spule . . . . . . . . . . . . . 9
1-8 Zeigerdiagramm für eine Induktivität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1-9 Frequenzabhängigkeit der Reaktanz eines Kondensators . . . . . . . . . 10
1-10 Zeigerdiagramm für einen Kondensator . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
1-11 Serienschaltung eines Kondensators und ohmschen Widerstandes . . . . 11
1-12 Zerlegung der Momentanleistung p(t) in eine (a) Wirkleistungsschwin-
gung und (b) Blindleistungsschwingung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1-13 Leistungsaufnahme eines allgemeinen elektrischen Netzwerkes . . . . . 14
1-14 Speisung eines Verbrauchers RL durch eine Spannungsquelle mit Innen-
widerstand Ri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

2-1 Ersatzschaltbilder für Spule und Kondensator . . . . . . . . . . . . . . 17


2-2 Serien-Ersatzschaltbild einer technischen Spule . . . . . . . . . . . . . . 18
2-3 Parallel-Ersatzschaltbild einer technischen Spule . . . . . . . . . . . . . 19
2-4 Parallel-Ersatzschaltbild eines technischen Kondensators . . . . . . . . 20
2-5 Serien-Ersatzschaltbild eines technischen Kondensators . . . . . . . . . 21
2-6 Idealer Serienschwingkreis mit Wirkwiderstand . . . . . . . . . . . . . . 21
2-7 Ortskurve der Impedanz eines Serienschwingkreises . . . . . . . . . . . 22
2-8 Frequenzgang des Scheinwiderstandes eines Serienschwingkreises . . . . 24
2-9 Technischer Serienschwingkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2-10 Ortskurve der Gesamtimpedanz des technischen Serienschwingkreises . 30
2-11 Idealer Parallelschwingkreis mit Wirkwiderstand . . . . . . . . . . . . . 30
2-12 Technischer Parallelschwingkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
2-13 Ortskurve der Gesamtimpedanz des technischen Parallelschwingkreises 34

3-1 Übertragungssystem mit Eingangs- und Ausgangsspannung . . . . . . . 35


3-2 Schaltung eines RC-Tiefpass 1.Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3-3 Bode-Diagramm des RC-Tiefpass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
3-4 Zeigerdiagramm des RC-Tiefpass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
3-5 Bode-Diagramm des Differenzierers, vgl. [BB90] . . . . . . . . . . . . . 49
3-6 Bode-Diagramm des Integrierers, vgl. [BB90] . . . . . . . . . . . . . . . 51

III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV

3-7 Bode-Diagramm des Verzögerungsglieds 1.Ordnung (PT1-Glied), vgl.


[BB90] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3-8 Bode-Diagramm des PD-Glieds, vgl. [BB90] . . . . . . . . . . . . . . . 52
3-9 Kettenschaltung von Übertragungssystemen . . . . . . . . . . . . . . . 53
3-10 Kettenschaltung zweier RC-Tiefpässe mit Trennverstärker . . . . . . . . 54
3-11 Bode-Diagramm der Kettenschaltung zweier RC-Tiefpässe . . . . . . . 55
3-12 Bode-Diagramm des RC-Hochpass, vgl. [BB90] . . . . . . . . . . . . . . 56
3-13 Phasenverschiebung und Phasenlaufzeit von sinusförmigen Signalen . . 58
3-14 Winkelfrequenzgang des RC-Tiefpass (logarithmische Frequenzskala) . . 60
3-15 Winkelfrequenzgang des RC-Tiefpass (lineare Frequenzskala) . . . . . . 60
3-16 Gruppenlaufzeit τg des RC-Tiefpass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Tabellenverzeichnis

3-1 Umrechnung für typische Pegelwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39


3-2 Typische Bezugswerte P0 für absolute Leistungspegel . . . . . . . . . . 40
3-3 Typische Bezugswerte U0 für absolute Spannungspegel . . . . . . . . . 41
3-4 Werte für Kettenschaltung aus n entkoppelten RC-Tiefpässen mit glei-
cher Grenzkreisfrequenz ωg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54

V
Literaturverzeichnis

[BB90] Klaus Bystron and Johannes Borgmeyer. Grundlagen der Technischen Elek-
tronik. Carl Hanser, 1990.

[FHN86] A. Führer, K. Heidemann, and W. Nerreter. Grundgebiete der Elektrotechnik,


Band 2: Zeitabhängige Vorgänge. Carl Hanser, 1986.

VI
Index

Übertragungsfaktor, 36 Konduktanz, 7
Kreisfrequenz, 1
Admittanz, 7
Amplitude, 1 Leistung
komplexe, 2 komplexe, 12
Leistungsfaktor, 14
Bandbreite, 26 Leistungspegel
Bauelemente, 7 absoluter, 40
technische, 17 relativer, 39
Betragsresonanz, 23, 29, 31, 33
Blindleistung, 13 Neper, 38
Blindleitwert, 7 Nullphasenwinkel, 1
Blindwiderstand, 7
Parallelresonanz, 31
Bode-Diagramm, 44
Parallelschwingkreis, 30
Betragsdiagramm, 45
technischer, 32
Phasendiagramm, 45
Pegel, 38
Winkeldiagramm, 45
absoluter, 40
Dämpfungsverzerrungen, 57 relativer, 39
Dezibel, 38 Periodendauer, 1
Differenziator, 49 Phase, 1
Differenzierer, 49 Phasenlaufzeit, 58
Durchlassbereich, 48 Phasenresonanz, 22, 29, 30, 33
Phasenresonanzfrequenz, 22
Effektivwert, 2 Phasenverschiebung, 7
komplexer, 2 Phasenverzerrungen, 58
Ersatzschaltbild, 17 Phasenwinkel, 1

Fehlanpassung, 16 Reaktanz, 7
Frequenzgang, 35 Resistanz, 7

Güte, 18 Scheinleistung, 13
des Parallelschwingkreises, 31 komplexe, 13
des Serienschwingkreises, 27 Scheinleistungsanpassung, 16
Grenzfrequenz, 24 Scheinleitwert, 7
Gruppenlaufzeit, 58 Scheinwiderstand, 7
Schwingkreise, 17
Impedanz, 6 Serienresonanz, 31
Integrator, 50 Serienschwingkreis, 21
Integrierer, 50 Serienschwinkreis
technischer, 28
Kettenschaltung, 52
Spannungspegel
Kondensator
absoluter, 40
technischer, 20
relativer, 39

VII
INDEX VIII

Sperrbereich, 48
Spule
technische, 18
Suszeptanz, 7

Thomson-Formel, 23
Tiefpass, 36

Verlustfaktor, 18
Verlustwinkel, 18
Verzögerungsglied, 50
Verzerrungen, 57
lineare, 57
nichtlineare, 57

Wirkleistung, 13
angebotene, 16
Wirkleistungsanpassung, 15
Wirkleitwert, 7
Wirkwiderstand, 7