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Transportorganisation

Die organisatorischen Prozesse rund um den Betten- bzw. Patiententransport


allgemein tragen nicht unerheblich zum Funktionieren eines Krankenhauses bei.
Kommt es dabei zu Problemen, wirkt sich das häufig stark störend auf die
Arbeitsabläufe der betroffenen Abteilungen aus: Patientinnen und Patienten
können nicht pünktlich transportiert werden oder müssen lange Wartezeiten in
Kauf nehmen, Funktionsabteilungen haben Leerläufe, wenn Patientinnen und
Patienten nicht rechtzeitig zur Untersuchung kommen. Nicht zuletzt fehlt
erhebliche Pflegekapazität auf Stationen, wenn viele Transporte durch das
Pflegepersonal abgedeckt werden müssen. Diese und ähnliche Probleme können
erheblich zum Stresspotenzial und zu psychophysischen Belastungen für das
Krankenhauspersonal beitragen. Die Optimierung von Patiententransporten ist
daher nicht nur wichtig für den reibungslosen Ablauf, sondern auch für gute
Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Am Krankenhaus Brixen wird seit 2010
ein zentralisiertes Patientenbegleitdienst (PBD) eingesetzt, der die Logik der
Willigkeit folgt; d.h. die Mitarbeiterinnen des PBDs sind mit einem DECT-Telefon
ausgestattet; wird ein Transport benötigt, ruft man die Nummer des PBDs und es
klingelt gleichzeitig bei allen anwesenden Mitarbeiterinnen. Wer zuerst den Anruf
entgegennimmt, erhält den Auftrag.
Diese Art der „Disposition“ (sic!) ist zwar flexibel, kann aber in keiner Weise mit
Gerechtigkeit und Angemessenheit aufwarten. Die Priorisierung der Aufträge
obliegt dem entgegennehmenden MA des PBDs. Meistens werden die Aufträge in
der Reihenfolge des Eingangs abgewickelt. Das ständige Klingeln des Telefons
stellt ein erheblicher Stressfaktor für die Mitarbeiterinnen des PBDs dar.
Die Transportaufträge können leicht und schnell angefordert werden, sind jedoch
„flüchtig“, da keine direkte Speicherung stattfindet. Die MA erfassen die Aufträge
anhand schriftlicher Notizen, die monatlich in eine Excel-Tabelle übertragen
werden. Die Datenerfassung ist nicht automatisiert und ist der Willkür der
Mitarbeiterinnen ausgesetzt, demgemäß ist eine objektive Datenlage nicht
vorhanden. Somit ist die tatsächliche Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen
unklar und eine gezielte Allokation von Ressourcen jenseits der gesetzlichen
Mindeststandards schwierig.

Transporte im Krankenhaus computergesteuert


organisiert
Transporte innerhalb des Krankenhauses sollen termintreu, ressourcensparend
und transparent für alle Beteiligten sein. Ein zielführender Ansatz hierfür könnte
die vollautomatische, computergesteuerte Disposition sein. Die Erwartungen an so
ein System sind hoch: kürzere Wartezeiten, einsehbare Transporttermine in Echtzeit,
schnelle Erreichbarkeit und optimale Auslastung des Transportdienstes sind
strebenswerte Ziele einer Implementierung solcher Systeme. Mithilfe einer Software
sollten die täglich anfallenden Transporte im Krankenhaus schnell und termingerecht
erledigt werden, ohne dass eine Leitstelle die Aufträge manuell verteilen muss.

Seit 2008 wird in Südtirol an den Krankenhäusern von Meran und Schlanders eine
spezielle Software namens ITransport eingesetzt, die die Transporte selbständig
steuert. Dieselbe Software wird am Krankenhaus Bruneck seit 2015 verwendet.

Seither werden Patiententransporte, leere Betten und Materialien nicht mehr per
Telefon, sondern per Mausklick angefordert. Wo früher der Transportdienst per
Telefon gerufen wurde, genügen heute dank Software wenige Mausklicks. Die
Auftragsverteilung der Patiententransporte erfolgt nunmehr über eine
vollautomatische Leitstelle, die sämtliche Funktionsbereiche und Stationen
miteinander vernetzt und so alle Informationen in Echtzeit bereithält. Einen Transport
beantragen die Mitarbeiter der Stationen über PC mittels weniger Mausklicks über
eine Kontextintegration aus dem Krankenhausinformationssystem, welches per
Schnittstelle an ITransport angebunden ist. Patient, Transportart (Bett, Rollstuhl oder
zu Fuss) und Zielort werden ausgewählt. Anschließend ergänzt der zuständige
Funktionsbereich, in dem die Behandlung stattfinden soll, den Auftrag um den
gewünschten Termin.

Aufträge per App empfangen

Das System weist den Auftrag im Anschluss automatisch und unter Berücksichtigung
der benötigten Transportzeit einem Transportmitarbeiter zu. Die Transportmitarbeiter
wurden mit Smartphones ausgestattet, welche die Aufträge in einer App empfangen
und die genauen Transportdaten angezeigt bekommen. Dabei beachtet die Software
nicht nur festgelegte organisatorische und technische Rahmenbedingungen, sondern
auch aktuelle Einsatzinformationen wie den letzten Standort, die Art des
Transportmittels und sogar die Gesamtwegestrecke des Mitarbeiters pro Tag.

Mit dem Auftrag an den Transporteur meldet das System auch der Pflegekraft
zurück, wann genau der Transportmitarbeiter eintreffen wird. Der Patient kann
entsprechend vorbereitet werden – es entstehen keine Wartezeiten oder
Verzögerungen. Zusätzlich erhält auch die Funktionsabteilung einen Hinweis, wann
genau der Patient eintreffen wird. Die Untersuchung kann präzise terminiert werden.
Führt der Transporteur den Auftrag aus, meldet er Beginn und Ende seines Auftrags
über sein mobiles Gerät zurück. Damit ist das System immer auf dem aktuellen
Stand. Weitere Aufträge können disponiert werden.