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Barramou, Mészáros, Wissuwa; 5AKCIU 13.11.

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Recycling von Kunststoffen

Einleitung

Kunststoffe sind leicht, billig und mittlerweile überall. Ohne sie können wir heutzutage nicht
mehr leben.1 Zudem sind sie haltbare und vielfältige Materialien, die der Gesellschaft Nutzen
gebracht haben im Hinblick auf Wirtschaftsaktivitäten, Arbeitsplätzen und Lebensqualität.
Hinsichtlich Verpackungen können sie in manchen Fällen sogar den Energieverbrauch und
Treibhausgasemissionen senken.2 Aufgrund der vielen Vorteile ist die weltweite Produktion in
nur wenigen Jahrzehnten exponentiell von 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf 322 Millionen
Tonnen im Jahr 2015 gestiegen. Damit verbunden war ein weltweiter Anstieg der Abfallmenge
an Kunststoffen.3

Kunststoffe stellen jedoch auch ein großes Umweltproblem dar. Da sie meist nicht biologisch
abbaubar sind, reichern sie sich in der Umwelt an und können für sehr lange Zeit ein Risiko für
die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellen. Sie schädigen Ökosysteme und sind vor
allem ein großes Problem in den Ozeanen wo sie schwere Schäden an Fischen, Seevögeln und
marinen Säugetieren verursachen. Sie werden weiterhin mechanisch in kleine Teile bis hin zu
Mikroplastik zerlegt und reichern sich in Nahrungsketten an.1,2

Jedes Jahr werden in der EU 58 Mio t Kunststoffe hergestellt.1 Die am häufigsten genutzte
Methode zur Entsorgung von Plastikmüll in Europa ist die Energierückgewinnung (thermische
Verwertung = Verbrennung), gefolgt von der Deponierung. Nur durchschnittlich 30 Prozent aller
anfallenden Kunststoffabfälle werden recycelt mit variierenden Recyclingquoten von Land zu
Land. Der geringe Anteil des Kunststoff-Recyclings in der EU bedeutet große Verluste für
Wirtschaft und Umwelt. Den größten Wertverlust mit ca. 95% erfahren Plastikverpackungs-
materialien nach einem kurzen ersten Nutzungszyklus. Rund 400 Millionen Tonnen CO 2 werden
jährlich durch die Herstellung und Verbrennung von Plastik ausgestoßen. Besseres Recycling
könnte hier entgegenwirken.3 Ein Umdenken ist daher in Bezug zum Umgang mit Kunststoffen
bitter nötig. Es ist an der Zeit die Art wie Kunststoffe produziert, genutzt und entsorgt werden
sowie gestaltet sind zu überdenken. Die meisten Europäer unterstützen Maßnahmen zur
Reduzierung von Kunststoffen, wobei 87% der Europäer sich Sorgen über die
Umweltauswirkungen sowie 74% Gedanken über Gesundheitsbeeinträchtigungen machen. 1

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Die Situation in Österreich


Gesamtaufkommen und Einteilung kunststoffhaltiger Abfallarten4

Das Gesamtaufkommen der identifizierten kunststoffhaltigen Primärabfallarten betrug im Jahr


2015 insgesamt rund 5,51 Mio. t. Zusätzlich sind im Jahr 2015 noch rund 1,3 Mio. t
kunststoffhaltige Sekundärabfallarten im Rahmen verschiedener Abfallbehandlungsaktivitäten
(insbesondere in diversen Aufbereitungs- und Sortieranlagen) angefallen. Der Anteil an
Kunststoffen in Primärabfällen (sortenrein sowie Kunststoffanteile in
sonstigen Abfällen) wurde mit rund 0,92 Mio. t ermittelt, wobei der überwiegende Teil rund 77%
der Kunststoffmenge sich in gemischten Abfällen mit unterschiedlich hohen Kunststoffanteilen
(KS-h-Abfall) befindet. Nur etwa 21% entfallen auf „reine“ Kunststoffabfälle (KS-Abfall). Der
Rest (Kunststoffe in Farben & Lacken, Kunststoffschlämmen und Weichmachern) trägt nur mit
rund 2% zum gesamten Aufkommen von Kunststoffen in Primärabfällen bei.

Abbildung 1: Aufkommen an Kunststoffabfällen in Österreich (Referenzjahr


2015, in t)

Die mengenmäßig wichtigsten Abfallarten der Gruppe der kunststoffhaltigen festen Abfälle
entfielen auf Siedlungsabfälle und ähnliche Gewerbeabfälle (SN 91101), Leichtfraktion aus der
Verpackungssammlung (SN 91207) und Sperrmüll (SN 91401). Das Aufkommen dieser drei
Abfallarten umfasste insgesamt rund 76% des Aufkommens der kunststoffhaltigen festen Abfälle.

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Abbildung 2: Zusammensetzung fester Abfälle in Österreich (Referenzjahr


2015, in t)

Die mengenmäßig wichtigsten Abfallarten in der Gruppe der „reinen“ Kunststoffabfälle waren im
Jahr 2015 Kunststofffolien (SN 57119), Kunststoffemballagen und -behältnisse (SN 57118),
sonstige ausgehärtete Kunststoffabfälle (SN 57129), Polyolefinabfälle (SN 57218) und Gummi
(57501). Das Aufkommen dieser fünf Abfallarten umfasste insgesamt mehr als 85% des
Aufkommens in der Gruppe der „reinen“ Kunststoffabfälle.4

Abbildung 3: Zusammensetzung "reiner" Abfälle in Österreich (Referenzjahr 2015, in t)

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Kunststoffrecycling in Österreich
Insgesamt gibt es in Österreich 15 Kunststoffrecyclinganlagen davon 8 mit Waschanlagen für
gebrauchte Verpackungsabfälle mit Kapazitäten von ca. 300.000 t davon allein 130 t für PET
Flaschen.5

Im Jahr 2015 wurden 915.284 t Kunststoffabfälle (berechnete Menge aus „reinen“ Kunststoff-
abfällen, kunststoffhaltigen Abfällen, Farben & Lacken ausgehärtet, Kunststoffschlämmen und
Weichmachern) in Österreich behandelt. Der überwiegende Anteil mit rund 71% wurde
thermisch behandelt d.h. verbrannt, 28% wurden stofflich verwertet und nur 1% wurde
deponiert, da trotz mechanischer Aufbereitung manche Kunststoffe nicht vollständig abgetrennt
werden können. Bei den deponierten Mengen handelt es sich überwiegend (88%) um Rückstände
aus der mechanischen Abfallaufbereitung mit geringen Kunststoffanteilen.

Insgesamt wurden rund 252.190 t Kunststoffabfälle stofflich verwertet. Den überwiegenden Teil
bilden die „reinen“ Kunststoffabfälle mit 221.994 t bzw 88%. Farben & Lacken flüssig wie
ausgehärtet, Kunststoffschlämme und Weichmacher wurden keiner stofflichen Verwertung
zugeführt. Der größte Anteil der Abfälle mit 84% wurde in Anlagen zur Herstellung von
Recyclaten verwertet, während in der Stahlindustrie nur 4% eingesetzt wird. Ein nicht
unerheblicher Teil mit 8% wird Anlagen zur Herstellung von Produkten und Halbzeugen
zugeführt.4

Abbildung 4: Verwertungsart pro Abfallgruppe (Referenzjahr 2015, in t)

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Obwohl mehr Recycling notwendig wäre, ist die Recyclingquote jedoch rückläufig. Im Rahmen
des Kreislaufwirtschaftspakets sollen Kunststoffe bis 2025 EU-weit zu 50 Prozent recycelt
werden, bis 2030 sollen es dann 55 Prozent sein. Österreich schafft derzeit nicht einmal die
Hälfte und liegt damit im EU-Mittelfeld. Um die EU-Zielvorgaben zu erreichen, muss Österreich
seine Bemühungen im Kunststoffbereich mehr als verdoppeln.6 Dieses Problem wird endlich auch
von einigen österreichischen Politiker*innen erkannt und nach Lösungen gesucht. Das derzeitige
Umweltministerium will mit der Einführung eines Plastikpfands für PET-Flaschen die
Recyclingquote heben. Nicht nur der Umweltgedanke spielt dabei eine Rolle. Es geht auch um
wirtschaftliche Interessen, da ab 2021 mit einer Strafabgabe der EU von 0,80€ pro Kilogramm
nicht wiederverwertbaren Kunststoffabfalls anfällt.7

Abbildung 5: Entwicklung der Kunststoffrecyclingquote in Österreich im


Zeitraum 2006-2017 (aus 6)

Kunststoffrecyclingverfahren
Die werkstoffliche Verwertung ist die häufigste Form des Kunststoffrecyclings und ist
ausschließlich für Thermoplaste geeignet. Diese lassen sich, nachdem sie bereits einmal zu einem
Werkstoff geformt wurden, wieder einschmelzen. Anschließend können erneut Formteile daraus
geformt werden. Wird dies allerdings zu oft wiederholt, so führt die Abfolge von
Wärmebehandlungen zu einem fortschreitenden Qualitätsverlust des Materials. Man spricht in
diesem Zusammenhang vom Downcycling. Noch schwieriger wird ein solches Kunststoffrecycling
allerdings durch die Mischung verschiedener Kunststoffe. Denn durch das Mischen verschiedener
Kunststoffe erfolgt in der Regel ein starker Qualitätsverlust sowie die Ausbildung deutlich
schlechterer mechanischer Eigenschaften. Die eingesetzten Verfahren zur Mülltrennung erfordern
einen hohen Einsatz an Energie und Wasser und sind zudem personalintensiv. Dadurch können
sowohl die Ökobilanz als auch ein Kosten-Nutzen-Vergleich negativ ausfallen. Werkstoffliche

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Verwertung wird daher fast nur dort eingesetzt, wo eine große Menge sortenreiner Kunststoff zur
Verfügung steht.8

Auch eine rohstoffliche Verwertung ist möglich. Hierbei werden Kunststoffe durch Pyrolyse in
ihre Monomeren zerlegt.

Abbildung 6: Ablauf einer Werkstofflichen Verwertung von


Kunststoffabfällen (aus 8)

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Literatur
1 Directorate-General for Environment (European Commission) (2018). Changing the way
we use plastics, heruntergeladen am 01.11.2020 von:
https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/e6f102e3-0bb9-11e8-966a-01aa75ed71a1/language-
en/format-PDF

2 AEA Technology, BIO Intelligence Service, Directorate-General for Environment


(European Commission), IEEP Institute for European Environmental Policy (2013).
PLASTIC WASTE IN THE ENVIRONMENT, heruntergeladen am 01.11.2020 von:
https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/fd4f120a-bf98-403b-a22e-ca4d7b280da8/language-
en/format-PDF/source-171428012

3 Europäisches Parlament (2018). Plastikmüll und Recycling in der EU: Zahlen und
Fakten, heruntergeladen am 01.11.2020 von:

https://www.europarl.europa.eu/pdfs/news/expert/2018/12/story/20181212STO21610/20181212STO21610_de.pdf

4 B. Stoifl, A. Bernhardt, B. Karigl, C. Lampert, M. Neubauer, P. Thaler (2017).


KUNSTSTOFFABFÄLLE IN ÖSTERREICH AUFKOMMEN & BEHANDLUNG,
heruntergeladen am 01.11.2020 von:
https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/REP0650.pdf

5 https://www.fcio.at/media/9945/moeglichkeiten-des-kunststoff-recyclers-zum-erreichen-der-ziele.pdf

6 https://www.diepresse.com/5716346/osterreich-muss-beim-kunststoff-recycling-richtig-aufholen

7 Heute (Gratiszeitung), diverse Ausgaben der letzten Wochen

8 https://www.maschinenbau-wissen.de/skript3/werkstofftechnik/kunststoffe/431-kunststoffrecycling
(letzter Zugriff: 31.10.2020)

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