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Basel

Dreispitz
Nordspitze
Städtebaulicher
Studienauftrag

Basel
Dreispitz
Nordspitze
Städtebaulicher
Studienauftrag

Bericht des Beurteilungsgremiums


Bericht des Beurteilungsgremiums
7. November 2017
7. November 2017

Christoph Merian Stiftung (Hg.)


Christoph Merian Stiftung (Hg.) 
Genossenschaft Migros Basel (Hg.)
Genossenschaft Migros Basel (Hg.)
Transformation der Nordspitze 4

Verfahren 7

Beurteilung 10

Empfehlung des Beurteilungsgremiums 11

Genehmigung des Berichtes 13

Projektverfassende 15

Baukontor Architekten 16

Christ & Gantenbein Architekten 31

Diener & Diener Architekten 44

Herzog & de Meuron 56

Hosoya Schaefer Architects 70

Morger Partner Architekten 85


Transformation der Nordspitze
Ausgangslage Mit der städtebaulichen Studie «Vision Dreispitz»,1 die sie im Auftrag der Christoph – funktionale Öffnung und räumliche Vernetzung mit der Umgebung
Merian Stiftung (CMS), der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie der – Schaffung attraktiver Freiräume und Verbindungen für den Langsamverkehr
Gemeinde Münchenstein erarbeitet hatten, legten die Architekten Herzog & de – Berücksichtigung zeitgemässer Anforderungen an nachhaltiges Bauen.
Meuron 2002 den Grundstein für die Transformation des Dreispitz-Areals in Basel
und Münchenstein. Für die Migros massgebend waren und sind darüber hinaus folgende Ziele:
Trotz umfangreicher, intensiver und langer Arbeit an der Nutzungsplanung – unternehmerische Weiterentwicklung des MParcs, um für die künftigen
erwies sich die Komplexität des bikantonalen Vorhabens als zu gross: 2014 wurde Marktverhältnisse und Kundenbedürfnisse gerüstet zu sein
deutlich, dass die erarbeitete Nutzungsplanung wirtschaftlich, juristisch und politisch – möglichst störungsfreier Betrieb des MParcs während der Entwicklung und
nicht tragfähig war. Die CMS, als Landeigentümerin und Baurechtsgeberin, beschloss Realisierung
daher unter Rückbesinnung auf ihre eigenen Interessen und auf jene der Baurechts- – Beibehalten bestehender Verkehrsflächen und der Anzahl Parkplätze für den
nehmenden, die Transformation den Erfordernissen der Zeit anzupassen und räum- Verkauf unter Vorbehalt der gesetzlichen Bestimmungen.
lich und zeitlich etappiert durchzuführen. Sie hat hierzu im Dezember 2015
Entwicklungsperspektiven und handlungsleitende Thesen veröffentlicht. 2 Diese sties- Für die CMS war und ist aus städtebaulich-qualitativen ebenso wie aus ökonomi-
sen auf ein überaus positives Echo bei den Bauberechtigten, bei den Behörden und im schen Gründen eine hohe Verdichtung ein vordringliches Planungsziel.
Quartier.
Für die nördlichste Spitze des Areals, d. h. das Dreieck von Dornacherstrasse,
Reinacherstrasse und Münchensteinerstrasse, standen folgende Themen im Vor- Städtebaulicher Studienauftrag Bereits im Frühling 2017 hatten die Christoph Merian Stiftung und die Migros Basel
dergrund: Die Nordspitze, die sich grösstenteils im Besitz der Baurechtsnehmerin als Grundlage in Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt und Planpartner AG ein umfang-
Migros befindet, soll ein Gebiet mit gemischter Nutzung bei gleichzeitiger für einen Bebauungsplan reiches Pflichtenheft für den städtebaulichen Studienauftrag erarbeitet. Der Start des
Weiterentwicklung des MParcs werden. Dabei dehnt sich das Gundeldingerquartier Studienauftrags erfolgte im März, die Zwischenpräsentation fand im Juni statt, die
in den Dreispitz aus und es entsteht ein neues städtisches Quartier (Erweiterung Schlusspräsentation im Oktober und die Beurteilung im November 2017.
Gundeli Ost). Durch einen hohen Grad der Verdichtung können die vom Quartier Die Migros Basel, die Christoph Merian Stiftung und das Beurteilungsgremium
gewünschten Freiflächen und ein hoher Wohnanteil ermöglicht werden. waren beeindruckt von der überaus hohen Qualität der präsentierten und schliesslich
Die Genossenschaft Migros Basel (GMBS) und die Christoph Merian Stiftung eingereichten Studien.
gaben in der Folge eine städtebauliche Machbarkeitsstudie in Auftrag, um die Die zur Weiterbearbeitung empfohlene Studie von Herzog & de Meuron über-
Möglichkeiten der Nutzungen, der Vernetzung mit der Nachbarschaft, der Dichte, der zeugte dabei in mehrfacher Hinsicht am meisten: Im Sinne der Zielsetzungen können
Erschliessung und der Etappierbarkeit auszuloten. Die Erkenntnisse wurden anschlies- grosse Frei- und Grünflächen bei gleichzeitig dichter, aber qualitätsvoller Wohn-
send mit dem Kanton Basel-Stadt (Bau- und Verkehrsdepartement) validiert, und am nutzung angeboten werden. Die Migros kann sich optimal und zeitlich etappiert ent-
15. Juni 2017 schlossen die drei Partner Christoph Merian Stiftung, Genossenschaft wickeln, der Nutzungs- und Wohnungsmix entspricht den heutigen und künftigen
Migros Basel und Kanton Basel-Stadt eine Entwicklungsvereinbarung ab. Bedürfnissen und jenen des Quartiers.
Der Vorschlag soll nun überarbeitet werden, um gewisse betriebliche Fragen der
Migros und insbesondere die Nutzung des Shoppingcenter-Dachs zu klären. Danach
Ziele Als Scharnier zwischen der Stadt Basel und der «Birsstadt» sowie als Entwicklungs- wird er die Grundlage für den Bebauungsplan bilden, der durch den Kanton Basel-
und Einkaufsschwerpunkt kommt der Nordspitze nach gemeinsamer Auffassung der Stadt bis Mitte 2019 erarbeitet werden soll.
Vertragspartner eine hohe städtebauliche Bedeutung zu. Dementsprechend vielfältig
sind die Ziele, die mit der Transformation des Areals erreicht werden sollen:
Dank Die Christoph Merian Stiftung und die Migros Basel danken allen beteiligten Teams
– Etablierung eines attraktiven städtischen Quartiers mit spezifischer Identität und für ihre qualitativ hochstehenden Eingaben, dem Bau- und Verkehrsdepartement für
gemischter Nutzung die konstruktive und kooperative Zusammenarbeit, allen Mitgliedern des Beur-
– hohe bauliche Verdichtung in Relation zur belasteten Verkehrssituation teilungsgremiums für die engagierte und fachlich kompetente Jurierung sowie der
– Realisierung von «autoarmem» Wohnraum Firma Planpartner AG für die hervorragende Organisation des Verfahrens.
– Schaffung neuer Wirtschafts- und Gewerbeflächen und somit Schaffung von
Arbeitsplätzen Christoph Merian Stiftung – Migros Basel

1  Herzog & de Meuron, Vision Dreispitz – eine städtebauliche Studie, Christoph Merian Verlag, Basel 2003
4 2  Vgl. Dreispitz-Info Nr. 1, www.dreispitz.ch 5
Verfahren
Nordspitze Gegenstand des Verfahrens war der nördliche Teil des Dreispitzes, die Nordspitze, wo
die Migros die grösste Baurechtsnehmerin ist.
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Zielsetzung Ziel des Verfahrens war die Evaluation eines wirtschaftlich tragfähigen Konzepts für
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die Transformation der Nordspitze. Die städtebauliche Disposition im Massstab


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1: 500 umfasste im Wesentlichen die Anordnung und Dimension der Hochbauten, die
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Verteilung der Geschossflächen und Nutzungen, die Lage und Art der Freiräume
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Reina sowie die Erschliessung. 1 : 5000


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Es galt mit dem Verfahren aufzuzeigen, inwieweit die Ziele des kantonalen
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Richtplans bezüglich «Schwerpunkt Mischgebiet» und «Wachstum in die Höhe» (ver-


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tikale Verdichtung gemässProjektperimeter


Richtplan) erreicht werden können.
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Basierend auf dem Ergebnis des Verfahrens soll ein Bebauungsplan erlassen
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werden, der Planungssicherheit für die Projektierung einzelner Vorhaben und die
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Realisierung in Etappen schafft.


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Die Christoph Merian Stiftung und die Genossenschaft Migros Basel haben einen
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Eingeladener Studienauftrag
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privaten Studienauftrag auf Einladung durchgeführt. Aufgrund der Komplexität der

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Aufgabenstellung fand eine Zwischenbesprechung statt.


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Geoportal Kanton Basel-Stadt, http://map.geo.bs.ch / Planpartner AG


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Layoutebene: 114 [b_Projektperimeter]


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Grundlage: 27517_29A_150402_DWG_Dreispitz

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Teilnehmende Architekturbüros Folgende sechs Architekturbüros nahmen am Studienauftrag teil: – Christoph Nertz, Kanzlei Neovius, Basel
– Baukontor Architekten AG, Zürich – Raymonde Sauvé, CMS, Projektleiterin Infrastruktur Dreispitz
– Christ & Gantenbein AG, Basel – Martin Suter, Emicon, Lärmexperte
–D  iener & Diener Architekten AG, Basel – Peter Zeugin, lic. phil. I, Soziologie / Immobilienmarketing
– Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel – Lars Kundert, Planpartner AG
– Hosoya Schaefer Architects AG, Zürich – Seraina Jenal, Planpartner AG
– Morger Partner Architekten AG, Basel

Beurteilungskriterien Für die Beurteilung der Studien gelangten insbesondere folgende Kriterien zur
Beurteilungsgremium Für die Beurteilung der Arbeiten setzten die Veranstalterinnen folgendes Gremium ein: Anwendung (die Reihenfolge entspricht keiner Gewichtung):

Fachexperten – Prof. Adrian Meyer, Architekt BSA SIA (Vorsitz) Gesamtkonzept – tragende Entwurfsidee, Integration in Umgebung, Freiraumgestaltung,
(mit Stimmrecht) – Dr. Hans-Peter Wessels, Vorsteher Bau- und Verkehrsdepartement Kanton Orientierung, Erschliessung (Anlieferung, Fuss-/ Veloverkehr, Umgang mit
Basel-Stadt Anlieger- und Publikumsverkehr)
– Beat Aeberhard, Leiter Städtebau & Architektur Kanton Basel-Stadt – Volumengliederung, kubische Erscheinung
– Jürg Degen, Planungsamt Kanton Basel-Stadt, Leiter Abteilung Arealentwicklung – Qualität und Angemessenheit der Freiräume sowie Sicherstellung der
und Nutzungsplanung (Ersatz) Durchquerbarkeit (Idee des Gleisbogens) und Anbindung des Areals an das
– Massimo Fontana, dipl. Landschaftsarchitekt HTL BSLA Gundeldingerquartier
– Luca Selva, dipl. Architekt ETH BSA SIA – Umgang mit der Visibilität der Migros
– Markus Stöcklin, dipl. Bauingenieur ETH VSS SVI – Funktionalität und Zugang zu Parkierungsanlagen (Autos und Velos),
Adressbildung der Neubauten, Erschliessung Nutzungen
– Umgang mit langfristig verfügbaren Parzellen
Sachexperten – Dr. Lukas Faesch, CMS, Präsident der Stiftungskommission – Ausschöpfung angemessener Lärmschutzmassnahmen im Hinblick auf eine
(mit Stimmrecht) – Stefano Patrignani, GMBS, Geschäftsleiter Minimierung von Ausnahmebewilligungen
– Dr. Beat von Wartburg, CMS, Direktor
– Ignaz Walde, GMBS, Leiter Bau / Expansion / Logistik
–M  artin Weis, CMS, Leiter Abteilung Liegenschaften Wirtschaftlichkeit – wirtschaftliche Grundstücksausnutzung, Einfachheit der Gebäudestruktur
– Martin Hitz, Hitz AG Bauherrenkompetenz, im Auftrag GMBS (Tragkonstruktion, Nutzungsanordnung)
– Etappierbarkeit und marktfähige Einheiten
– Verhältnis zwischen Geschossfläche und vermietbarer Fläche
Behördliche Fachstellen – Barbara Auer, Amt für Mobilität, Mobilitätsplanung, Bereichsleiterin – erzielbare Erträge im Verhältnis zu den Erstellungskosten (Ermittlung der
(ohne Stimmrecht) Verkehrsinfrastruktur Bodenrente)
– Marc Février, Planungsamt / Arealentwicklung und Nutzungsplanung, Projektleiter – Flächeneffizienz Einstellhalle (Geschossfläche inkl. Erschliessungsfläche pro
–A  rmin Kopf, Stadtgärtnerei, Leiter Grünplanung Parkplatz)
–M  artina Münch, Planungsamt / Gestaltung Stadtraum Verkehr, Abteilungsleiterin

Nutzungskonzept – optimales Verhältnis zwischen Wohn- und Arbeitsplatznutzungen


Sachverständige – Alain Aschwanden, Vertreter Beirat Stadtteilrichtplan Gundeldingen – Integration Detailhandel / Fitness / Bildung / Gastronomie
(ohne Stimmrecht) – Barbara Buser, Vertreterin Beirat Stadtteilrichtplan Gundeldingen (Ersatz) – Trennung / Übergang von öffentlichen Nutzungen zu privaten Nutzungen
– Erich Bucher, Vertreter Beirat Stadtteilrichtplan Gundeldingen
– Patrick Dreyfus, Regent Beleuchtungskörper, Vorstandsmitglied IG Dreispitz
– Bruno Buser, Fuhr Buser Partner BauOekonomie Entschädigung Die Abgabe der Studien gemäss den Bestimmungen des Pflichtenheftes wurde je Team
– Daniel Gebhardt, Kanzlei Neovius, Basel pauschal mit CHF 70’000 entschädigt.

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Beurteilung Empfehlung des
Veranstaltungsort Die Beurteilung der Studien fand am 25. Oktober und 7. November 2017 im Multi- Beurteilungsgremiums
funktionsraum des Bau- und Verkehrsdepartements des Kantons Basel-Stadt an der
Dufourstrasse 40 in Basel statt. Der Vorschlag des Teams um Herzog & de Meuron ist im Sinne eines Richtprojekts
als Grundlage für den erforderlichen Bebauungsplan weiterzuentwickeln. Dafür
bringt das Beurteilungsgremium folgende Empfehlungen an:
Beschlussfähig An beiden Tagen fungierte Jürg Degen als stimmberechtigtes Mitglied. Das Beur-
teilungsgremium tagte somit vollständig und beschlussfähig. – Die angestrebte hohe Bebauungsdichte wurde in Kombination mit grosszügigen und
attraktiven Freiräumen unter Einbezug des Potenzials von Dachflächen beispielhaft
umgesetzt. Die in der Gesamtdisposition dafür vorgeschlagene Höhenentwicklung
Präsentationen Eingangs wurde der Vorprüfungsbericht eingehend diskutiert und genehmigt. Das der Hochhäuser wird der neuralgischen Stelle in der Topografie gerecht und soll im
Beurteilungsgremium folgte dem Antrag der Vorprüfung, sämtliche Arbeiten zur Bebauungsplan entsprechend umgesetzt werden.
Beurteilung zuzulassen. Anschliessend präsentierten die sechs teilnehmenden Teams
ihren Vorschlag dem Beurteilungsgremium. Der Präsentation folgten eine Fragerunde – Zugunsten der Vernetzung mit der Umgebung ist der Zugang auf die öffentlich
sowie eine erste Einschätzung in Abwesenheit der Teams. In einem gemeinsamen zugängliche Dachfläche des MParcs vom Gundeldingerquartier her attraktiver und
Rundgang am Stadtmodell im Massstab 1: 1000 wurde die Wirkung der einzelnen einladender zu gestalten. In diesem Zusammenhang sind die Volumetrie, die
Studien im Bezug zum Gesamtkontext überprüft. Massstäblichkeit und die Nutzungsanordnung der Erweiterung des MParcs gegen-
über dem Gundeli zu überprüfen.

Beurteilung Am zweiten Tag der Beurteilung wurden nach einem individuellen Rundgang die – Die Nutzung der öffentlich zugänglichen Dachfläche ist in Abhängigkeit von den
Entwürfe der Projektbeschriebe verlesen. Danach folgte ein Rundgang mit den angrenzenden Gebäudeteilen und Nutzflächen zu konkretisieren. Abgestimmt dar-
Einschätzungen durch die Veranstalterinnen. Anschliessend wurden die Vorschläge auf ist die Zugänglichkeit der Dachfläche zu definieren und die Verantwortung für
einander gegenübergestellt und deren Qualitäten und Defizite ausführlich diskutiert. Erstellung, Unterhalt und Betrieb zu klären.
Das Beurteilungsgremium ist tief beeindruckt von dem hohen Niveau der
Beiträge und dem ausserordentlichen Engagement der teilnehmenden Teams. Aus dem – Die Ersatzflächen für den OBI sind zusammenhängend anzuordnen und haben für
Studienauftrag sind wertvolle Beiträge hervorgegangen, welche vertiefte Diskussionen den Verkauf von Pflanzen einen Aussenraum aufzuweisen. Mit der erforderlichen
über die Entwicklung der Nordspitze ermöglichten und letztlich zu wichtigen Er- Weiterentwicklung ist die Funktionalität des MParcs und dabei insbesondere eine
kenntnissen führten. sinnvolle Anordnung der Anlieferung sowie eine Etappierung, welche einen mög-
lichst störungsfreien Betrieb des MParcs während der Transformation garantiert, zu
Weiterbearbeitung Gestützt darauf hat das Beurteilungsgremium den Veranstalterinnen einstimmig emp- gewährleisten.
fohlen, den Beitrag des Teams um Herzog & de Meuron der weiteren Bearbeitung
zugrunde zu legen und als Basis für den erforderlichen Bebauungsplan zu verwenden. – Die bestehende Baumreihe entlang der Münchensteinerstrasse ist, wenn möglich, zu
erhalten oder an gleicher Stelle zu ersetzen. Für diese und für möglichst viele der
geplanten Bäume der Christoph Merian-Anlage sind nicht unterkellerte Standorte
sicherzustellen, sodass sich ein gesunder und grosskroniger Baumbestand entwickeln
kann.

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Genehmigung des Berichtes
Basel, den 7. November 2017
Das Beurteilungsgremium:

Prof. Adrian Meyer (Vorsitz) .............................................................................................................................................................

Beat Aeberhard, Kanton BS .............................................................................................................................................................

Jürg Degen, Kanton BS .............................................................................................................................................................

Massimo Fontana .............................................................................................................................................................

Luca Selva .............................................................................................................................................................

Markus Stöcklin .............................................................................................................................................................

Dr. Lukas Faesch, CMS .............................................................................................................................................................

Stefano Patrignani, GMBS .............................................................................................................................................................

Dr. Beat von Wartburg, CMS .............................................................................................................................................................

Ignaz Walde, GMBS .............................................................................................................................................................

Martin Weis, CMS .............................................................................................................................................................

Martin Hitz, i. A. der GMBS .............................................................................................................................................................

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Projektverfassende
Projekt 1 Architektur und Städtebau:
Baukontor Architekten AG, Zürich
Landschaftsarchitektur:
Stefan Rotzler Landschaftsarchitekt BSLA, Gockhausen 

Bauingenieur: Jauslin Stebler AG, Zürich 

Verkehrsplanung: EBP Schweiz AG, Zürich 

Brandschutzplanung:
BDS Security Design AG, Bern
Visualisierung: nightnurse images Gmbh, Zürich

Projekt 2 Architektur und Städtebau:
Christ & Gantenbein Architekten, Basel


Landschaftsarchitektur:
Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Projekt 1, Baukontor Architekten Projekt 2, Christ & Gantenbein Architekten
Bauingenieur: Jauslin Stebler AG, Muttenz
Verkehrsplaner: Aegerter & Bosshardt AG, Basel

Projekt 3 Architektur und Städtebau:
Diener & Diener Architekten AG, Basel


Landschaftsarchitektur:
Stauffer Rösch AG, Basel
Verkehrsplanung: Gruner AG, Basel

Projekt 4 Architektur und Städtebau:
Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel


Projekt 3, Diener & Diener Architekten Projekt 4, Herzog & de Meuron Landschaftsarchitektur:
Michel Desvigne Paysagiste, Paris
Bauingenieur:
ZPF Ingenieure AG, Basel
Verkehrsplanung: Rapp Trans AG, Basel
Bauökonomie:
Odinga Picenoni Hagen AG, Uster
Nachhaltigkeit: Basler & Hofmann West AG, Zollikofen

Projekt 5 Architektur und Städtebau:
Hosoya Schaefer Architects AG, Zürich


Landschaftsarchitektur:
Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich
Bauingenieur:
Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Zürich / Basel
Verkehrsplanung: IBV Hüsler AG, Zürich
Projekt 5, Hosoya Schaefer Architects Projekt 6, Morger Partner Architekten

Projekt 6 Architektur und Städtebau:
Morger Partner Architekten AG, Basel


Landschaftsarchitektur:
Westpol Landschaftsarchitekten GmbH, Basel
Verkehrsplanung: Metron AG, Brugg

14 15
Baukontor Architekten
Projektbeschrieb Die Verfassenden bauen den Vorschlag als Teil des Gundeldingerquartiers mit Das Projekt weist eine hohe Qualität der Durchbildung auf, die auf einer sorgfältigen
Elementen des klassischen Städtebaus auf, die aus einer gut nachvollziehbaren Bearbeitung entlang der formulierten Randbedingungen basiert. Bei einer vertieften
Lektüre des vorgefundenen Bestandes ein selbstverständliches Stück Stadt entstehen qualitativen Betrachtung stellen sich Fragen zur Nutzungsqualität des Stadtparkes,
lassen, das differenzierte urbane Qualitäten zeigt. Das zentrale räumliche Element ist insbesondere auch mit Blick auf die fehlende Fassung zur Münchensteinerstrasse hin,
der zwischen der Reinacher- und der Münchensteinerstrasse durchgehende Stadtpark. die hohe Lärmimmissionen in den Stadtpark einträgt und räumlich nur bedingt zu
Im Süden wird der dem Quartier zugedachte Platz durch ein neu entwickeltes und an befriedigen vermag. Die Parkierungsanlage auf dem Dach des Bestandsgebäudes ist
den MP arc anschliessendes Volumen mit einer erdgeschossigen Arkadenschicht mit einem pragmatischen Ansatz gelöst, der in diesem dichten städtischen Umfeld
gefasst, während im Norden mit differenziert geformten und zueinander in spannen- nicht überzeugt. Die Funktionalität des MParcs ist ansprechend gelöst, es fehlt aller-
der Beziehung stehenden Wohnhöfen der räumliche Anschluss gefunden wird. dings die für diesen Programmteil so wichtige Sichtbarkeit. Die notwendigen
Über diesen Stadtpark werden im Süden der MParc und im Norden weitere kom- Aussenflächen für einen Gartenbaumarkt wie OBI sind in der vorgeschlagenen Form
merzielle Nutzungen erschlossen, wodurch der grosszügig bemessene Quartierplatz aus Sicht der Migros-Genossenschaft nicht denkbar.
mit der zu erwartenden Besucherfrequenz eine dezidierte urbane Qualität zu ent- So mischen sich in die hohe städtebauliche Qualität des Ansatzes diverse funkti-
wickeln vermag. Das neue südliche Gebäude bindet die bislang autonome Struktur onelle Mängel, die aus Sicht des Beurteilungsgremiums auf der Basis dieses Ansatzes
des MParcs in den Stadtkörper ein und unterstützt durch eine bis zur Dornacherstrasse nur bedingt gelöst werden können.
durchgehende Mall den Anschluss des südlichen Gundeli an den Quartierplatz. Im
1. und 2. Obergeschoss werden die zusätzlichen Flächen dem MParc und OBI zuge-
schlagen, im 3. und 4. Obergeschoss finden sich – beidseitig belichtet – zusätzliche
Büronutzungen. An der Münchensteinerstrasse entwickelt sich in der Flucht des fünf-
geschossigen Baukörpers ein Hochhaus, das bis auf die Traufhöhe des Quartiers mit
Büronutzungen bespielt wird und darüber differenzierte Wohntypologien anbietet.
Die vorgelagerte, als Doppelhelix vorgeschlagene Rampenanlage erschliesst nach
unten die Parkplätze für die Wohnungen im Hochhaus, nach oben wird auf dem Dach
der bestehenden MParc-Struktur die entsprechende Parkierung unter einem Dach von
PV-Paneelen angeboten.
Die nördlichen «Nordspitzhöfe» weisen an der Ecke Münchensteiner- und Rei-
nacherstrasse in allen sechs Geschossen Büronutzungen auf. Die Parkierung erfolgt
durch eine Zufahrt über die Reinacherstrasse. Im Übrigen sind die weiteren
Erdgeschosse für Gewerbe und Dienstleistung vorgesehen, während die darüberlie-
genden fünf Geschosse ausschliesslich dem Wohnen zugedacht sind. Ein differenzier-
tes System von durchlässigen Gassen und Höfen soll bei hoher Dichte – gemäss den
Verfassenden – an die Qualitäten der Basler Altstadt erinnern. Eine subtile
Verschränkung der sechs Wohnblöcke zueinander schafft trotz der hohen Dichte eine
wertvolle Wohnqualität, die insbesondere auch durch die vielfältigen Ausrichtungen
der Wohnungen mit differenzierten Blickbeziehungen gestärkt wird.

16 17
Dreispitz. Nordspitze
Das Areal der Nordspitze stellt städtebaulich den Übergang dar zwischen dem Gewerbegebiet im Südwesten und dem Wohnquartier
Gundeldingen im Nordwesten. Unser Projekt thematisiert genau diesen Übergang und versucht, daraus eine neue städtische Qualität zu
gewinnen.

Der MParc Migros Dreispitz wird erweitert und füllt nun die gesamte Ecke Reinacherstrasse Dornacherstrasse aus. Mit einer neuen
schmalen Gebäudeschicht, die ihm eine o s s
langgezogenen Parks, der Gundeldingen und speziell die Reinacherstrasse mit der Münchensteinerstrasse sowie der Straßenbahn-
Haltestelle verbindet und ein attraktives Entree zur Mall bietet. Nördlich der Esplanade schliesst ein grosser, labyrinthisch verschachtelter
Wohnblock den Rest des Areals und scha
Schmale Gassen durchdringen ihn und erschliessen nicht nur die Häuser, sondern auch eine Sequenz kleiner städtischer Höfe. Den
Endpunkt des Parks im Osten markiert ein Hochhaus, das auf einem Sockel steht, der die gleiche Höhe des grossen Wohnblock aufweist
und damit dessen Massstab aufnimmt.

Zentrales stadträumliches Element und funktionales Rückgrat des neuen Quartiers ist der Dreispitzpark, eine Verschmelzung von Allee,
Esplanade und Platz. In und auf einer grosszügigen chaussierten Fläche sind im westlichen Abschnitt Sport-, Spiel- und
Freizeiteinrichtungen nach einem orthogonalen Grundmuster frei verteilt; sie versorgen nicht nur das neue Quartier, sondern auch
Gundeldingen. Im mittleren Teil ö l t
mutiert sie mit einem zusammenhängenden Rasen zu einem Landscha s
Haltestelle überleitet.

Die Erweiterung des MParc Migros gewährleistet nicht nur die erforderlichen Verkaufs l
und vor allem ein o t n
architektonisch aufgewertet. Die große neue Dach

Erschlossen wird sie von der Münchensteinerstrasse aus über eine im Hochhaussockel diskret integrierte Rampe. Das Hochhaus fügt sich
in die Baulinie des linearen Parks, dem es zu einem Höhepunkt und Abschluss verhil t n
zwischen der Mall-Bebauung am Park und der strassenbegleitenden Front des Wohnblocks im Norden.

Dieser ist siebengeschossig und setzt damit einen eminent städtischen, aber räumlich verträglichen Massstab. Die Wohnungen sind
einfach und brauchbar geschnitten. Die Erdgeschosse sind Kleingewerbe und Lo
Betrieben. Die Höfe sind Erweiterungs e

Schwarzplan 1/5000

18 Visualisierung der Nordspitze, Baukontor Architekten 19


Baukontor Architekten 1

Basel. Dreispitz. Nordspitze, „Städtebaulicher Studienauftrag“, 2017


Axonometrie Dreispitzpark und Kolonnade Axonometrie Dreispitzpark und Kolonnade Axonometrie Dreispitzpark und Kolonnade
Aktivitätenfläche Westseite Zentraler Platz mit Brunnen vor dem Haupteingang MParc Spiel- und Liegewiese Ostseite

Baukontor Architekten 9
Basel. Dreispitz. Nordspitze, „Städtebaulicher Studienauftrag“, 2017

20 Visualisierung des Dreispitzparkes, Baukontor Architekten 21


22 Situationsplan 1:2000, Baukontor Architekten 23
24 Erdgeschoss 1: 2000, Baukontor Architekten Regelgeschoss 1:2000, Baukontor Architekten 25
26 Schnitt durch den Dreispitzpark, Blick auf MParc und Hochhaus, Baukontor Architekten Schnitt durch den Dreispitzpark, Blick auf Nordspitzhöfe, Baukontor Architekten 27
28 Stadtmodell Basel mit Projekt von Baukontor Architekten 29
Christ & Gantenbein Architekten
Projektbeschrieb Als übergeordnete Struktur vermittelt das vorliegende Konzept die Bewegungsrichtung
des historischen Bebauungsmusters der Nordspitze des Dreispitz-Areals. Durch die
ehemaligen Gleisführungen auf diesem Teil des Areals ergab sich schon seit jeher eine
räumliche Verwebung mit der Strassenführung im Gundeldingerquartier. Im Sinne
einer Art post-industrieller Überlegung verstehen sich der planerische Ansatz und
dessen volumetrische Formulierung als Überhöhung des Grundrasters.
Der MParc wird als grosse, flache, dreiseitig gefasste Figur inszeniert. Durch
Abbruch und Neubau entsteht eine neue Organisation zwischen MParc, OBI und ange-
lagerter Drittnutzung. Die Lage des Pick-ups zum Bereich des OBI-Markts ist in der
vorgeschlagenen Form ungünstig. Der Bestand wird zusätzlich durch eine dreigeschos-
sige Parkierung im Untergeschoss und eine grossflächige Aufstockung ergänzt.
In Richtung der ehemaligen Gleisanlage werden im Norden zwei und im
Südosten in einer späteren Etappe zwei weitere Zeilenbauten vorgeschlagen. Deren
Sockelgeschosse sind offene Raumstrukturen, die unterschiedliche Nutzungen mit
öffentlichem und halböffentlichem Charakter beherbergen. Diese überhohen
Geschosse, die als städtische Räume des Durchgangs und des Aufenthalts verstanden
sind, sichern die soziale Durchmischung der Fussgängerebene. Baumhaine mit
Pionierbäumen prägen die dreieckigen Platzräume entlang der Münchensteinerstrasse
bis ins Innere der Anlage, wo sie sich auf den Plätzen auf der Seite des Gundeli mit
den klassischen Platz-Baumarten (Linden und Platanen) verbinden. Ein grosser «urba-
ner Dachgarten» wird im Sinne eines übergeordneten Grünraums zwischen dem
Gundeli und dem Wolfgottesacker angeordnet. Seine fussläufige, öffentliche An-
bindung an die Binnenräume und das Gundeli ist in der vorgeschlagenen Form nicht
überzeugend.
Auf den Sockelbauten und angelagert an das Plateau des MParcs werden in den
unteren Geschossen Familienwohnungen mit unterschiedlichem typologischem
Zuschnitt angeordnet und darüber die kleineren Einheiten für die «Stadtnomaden».
Diese Disposition mit der sorgfältigen Durcharbeitung der Grundrisse und der
Anbindung an die gemeinschaftlichen Dachgärten auf den Sockeln überzeugt.
Gegen die Münchensteinerstrasse hin, quasi als volumetrischer Abschluss und
Überhöhung des Stadtkörpers, steigen sechs Hochhäuser aus dem Sockel auf. Sie
bilden eine in der Höhe differenzierte Silhouette, deren Wahrnehmung sich je nach
Sichtwinkel ändert – öffnet oder schliesst. Diese bewusste Setzung im Sinne einer
Sichtbarmachung der Kontinuität von bestehenden und neuen Strassenräumen ist das
prägende Merkmal des in sich schlüssigen Konzepts.
Die vorgeschlagene Etappierung erscheint logisch und zeigt mögliche, abgerun-
dete Teilschritte. Das Verkehrskonzept, sowohl auf der fussläufigen Seite wie auch
beim motorisierten Verkehr, folgt dieser Logik. Die Parkierungen sind dreigeteilt und
werden über die Münchensteinerstrasse bzw. die Dornacherstrasse (Baufeld C)
erschlossen.
Insgesamt wird der eigenständige und prägnante Beitrag als Grundlage für eine
nachhaltige Planung der Nordspitze gewürdigt. Fragen in Bezug auf die Tauglichkeit
des Grünraumes auf dem MParc in seiner übergeordneten Öffentlichkeit und auf die
Visibilität des MParcs in der vorgeschlagenen Form bleiben offen.

30 31
32 Visualisierung der Nordspitze, Christ & Gantenbein Architekten 33
34 Visualisierung des Freiraums vor dem MParc, Christ & Gantenbein Architekten 35
36 Situationsplan 1:2000, Christ & Gantenbein Architekten 37
38 Erdgeschoss 1: 2000, Christ & Gantenbein Architekten Regelgeschoss 1:2000, Christ & Gantenbein Architekten 39
40 Schnitt, Christ & Gantenbein Architekten 41
42 Stadtmodell Basel mit Projekt von Christ & Gantenbein Architeken 43
Diener & Diener Architekten
Projektbeschrieb Die Verfassenden verfolgen den Ansatz, die Nordspitze als Scharnier zwischen dem Die Projektverfassenden schlagen für jeden Baustein ein differenziertes Wohnungs-
Quartier Gundeldingen und dem Dreispitz auszubilden. Blockränder und grosse angebot mit schönen und spezifischen Grundrissen vor. Über dem OBI sind dies über-
Bauten werden in ein Zusammenspiel gebracht und zur Bildung einer Freiraum- lagerte Maisonette-Townhouses, welche denn auch an diesem Ort sehr überzeugend
struktur eingesetzt, welche sich mit öffentlichen Plätzen und einem Grünraum auch sind, umso mehr als dieser Baustein in den unteren Geschossen durch verschlossene
auf die Bedürfnisse des Gundeli ausrichtet. Verkaufsnutzungen wenig zur Attraktivität an der Reinacherstrasse beitragen kann. In
Die Blockrandstruktur mit verkehrsberuhigten Quartierstrassen in Nachbarschaft den beiden Blockrändern befinden sich im Erdgeschoss nachvollziehbar Atelier-
zum Gundeli wird als entspannter und schlüssiger Vorschlag betrachtet. Durch die wohnungen, Verkaufs- und Büroflächen und in den Regelgeschossen aus Lärmgründen
gesteigerten Gebäudehöhen werden sich diese beiden Blockränder hingegen im auf den Innenhof ausgerichtete Wohnungen. Durch die Anordnung der Wohnküchen
Ausdruck sehr stark vom Gundeli abheben. Der heute den Ort prägende MParc bleibt gegen aussen ist auch auf den Stadtfassaden eine belebte Wohnatmosphäre sicherge-
auch in Zukunft Wahrzeichen der Nordspitze. Mit der Figur zweier vorgestellter stellt. Die in den Hochhäusern bow-window-förmig angeordneten Wohnungen mit
Hochhäuser von 93 und 101 Metern bekommt der zurzeit introvertierte Zweckbau dreiseitiger Orientierung versprechen hochwertigstes Wohnen, was bei der gewählten
MParc einen städtischen Auftritt. Die beiden schräg zueinander gestellten Hochhäuser Gebäudeform mit sehr geringer Geschossfläche auch eine kritische ökonomische
definieren dabei einen Abschluss und eine Umlenkung der weitergeführten Achse der Bedingung sein wird. Die Etappierungsflexibilität ist beim Wohnungsbau, bedingt
Güterstrasse in den Gleisbogen und die künftige Langsamverkehrsachse des Dreispitz- durch die zusammenhängende Tiefgarage, gering und die Bauetappen sind dem-
Areals. Auf die wichtige Einfallsachse der Münchensteinerstrasse nehmen sie jedoch zufolge gross.
keinen Bezug. Diese Projektänderung im Nachgang an die Zwischenbesprechung Gewürdigt wird bei diesem Vorschlag insbesondere die vorgeschlagene Stadt-
wird bedauert. struktur mit einer Weiterführung von Blockrändern aus dem Gundeli und Überfüh-
Entlang der Münchensteinerstrasse sind grosse, freistehende Gebäude vorgese- rung in die gewerblichen Strukturen des Dreispitzes. Entlang der Münchensteiner-
hen. Zur Bildung einer Stadtkante entlang der Münchensteinerstrasse ist dieser strasse wird diese Selbstverständlichkeit im Abschluss und Übergang zum Wolf jedoch
Ansatz verständlich und die Anordnung von Fitness, Freizeit und Bildung an dieser vermisst.
gut erschlossenen Lage sinnvoll. Im Gegenüber zum axial angelegten Eingangsbereich
des Wolfgottesackers liefern die beiden Gebäude durch ihre Massigkeit und Setzung
hingegen keine spezifische Antwort und vermögen auch keine qualitätsvollen
Binnenräume um den Gleisbogen zu schaffen.
Die Mall des MParcs leistet neben ihrer kommerziellen Ausrichtung einen Beitrag
zur Strukturierung des Areals und bietet eine attraktive Verbindung zwischen
Münchensteinerstrasse und Reinacherstrasse.
«Der Parkplatz wird zum Stadtplatz, das Parkdeck zum Dachpark» sind einleuch-
tende Argumente für die starke Verdichtung und entsprechen einem öffentlichen
Interesse. Das vielfältige und differenzierte Freiraumangebot zeugt von einer detail-
lierten und sorgfältigen Gestaltung und ist in sich sehr stimmig. Es wird allerdings
bezweifelt, ob der Park auf dem Dachgeschoss als öffentlicher Raum wahrgenommen
und somit von der Öffentlichkeit genutzt wird. Dabei wird nicht so sehr die Höhen-
lage, sondern vielmehr die Erschliessung über die Spiralrampe und die Beziehung zu
den beiden Hochhäusern als problematisch erachtet, da es sich bei der Grünanlage
auch um einen halbprivaten Dachgarten für das Wohnen handeln könnte. Als Adresse
für die Migros und als multifunktionaler Platz kann der «Nordspitzeplatz» durchaus
dienen. Als Quartierplatz scheint er jedoch etwas überdimensioniert, und es mangelt
ihm an Aufenthaltsqualität. Es wird bezweifelt, inwiefern sich die hochfrequentierte
Parkingzufahrt an der Münchensteinerstrasse durch den kleinen Baumhain kaschieren
lässt, insbesondere weil diese Bäume auf unterbautem Raum vorgesehen sind, was die
Entwicklung eines langfristigen und gesunden Baumbestands verunmöglicht.

44 45
46 Visualisierung der Nordspitze, Diener & Diener Architekten 47
48 Situationsplan 1:2000, Diener & Diener Architekten 49
50 Erdgeschoss 1: 2000, Diener & Diener Architekten Regelgeschoss 1:2000, Diener & Diener Architekten 51
52 Schnitt, Diener & Diener Architekten 53
54 Stadtmodell Basel mit Projekt von Diener & Diener Architekten 55
Herzog & de Meuron
Projektbeschrieb Die Projektverfassenden entwickeln für die Nordspitze – auf der Basis von zwei neuen, Ortes auf, wie beispielsweise das ebenfalls runde Rampengebäude, das gemäss den
quartiermassstäblichen Grünräumen – eine offene Blockrandstruktur mit unterschied- Verfassenden in den oberen Geschossen öffentliche Nutzungen aufweisen könnte,
lichen Typologien und einer kompakten Einbindung der bestehenden MP arc- oder das Haus am Güterplatz, das in der Funktion eines Quartierzentrums diesen
Strukturen in die neue räumliche Ordnung. Die Verknüpfung mit dem gründer- wichtigen Ort als Übergang zur Christoph Merian-Anlage bezeichnet.
zeitlichen Gundeldingerquartier resp. mit den neu entstehenden östlichen Erwei- Die Fragen des Verkehrs sind grundsätzlich richtig entlang den Vorgaben gelöst,
terungen mit Bernoulli-Hochhaus und Walkeweg erfolgt über vier präzise definierte allenfalls ist die neue Zufahrt an der Reinacherstrasse zu nahe an der Kreuzung zur
Stadtplätze, welche sich auf eine selbstverständliche Art in die vorgefundene räumli- Münchensteinerstrasse gelegen. Die oberirdische Parkierung für den MParc wird
che Ordnung einschreiben. Drei Hochhausrotunden markieren diesen topografisch begrüsst, die Anliegen des Langsam- und Fussgängerverkehrs sind umfassend berück-
bedeutenden Ort und festigen dessen territoriale Bedeutung im Übergang vom Birs- sichtigt und finden sich in ausreichenden, sowohl zentralen sowie dezentralen
zum Rheintal. Parkiermöglichkeiten für Velos wieder. Die vorgeschlagene Etappierung wirkt plausi-
Herzstück des visionären Projektes sind die beiden qualitativ überzeugenden bel, die angestrebte Nutzungsdichte aufgrund der gewählten städtebaulichen Strategie
Grünräume, die in jeweils unterschiedlicher Ausbildung – als erdgebundener verträglich. Aus Sicht der Migros-Genossenschaft ist die Aufteilung des OBI-Marktes
Stadtplatz oder als schwebende Gärten – zunächst den quartierspezifischen Bedürfnis- auf zwei Stockwerke betrieblich unerwünscht, da dies zu einer Aufweitung der ent-
sen nach hochwertigem Grünraum entsprechen. Darüber hinaus aber verweisen die sprechenden Infrastrukturen führen würde.
Autoren mit dem aufgeständerten Gottlieb Duttweiler-Feld auf die agrarische Das vorliegende Projekt vermag mit einer unerwarteten Leichtigkeit die schein-
Vergangenheit des Ortes, um als Zukunftsvision eine parallele Nutzung dieses Parks bar divergierenden Ansprüche an eine sehr hohe Dichte mit jenen einer hochfrequen-
für didaktische Lebensmittelproduktion, aber auch für Freizeitaktivitäten wie tierten Detailhandelsstruktur und qualitativ hochwertigen Freiräumen für das
Beachvolleyball, Kochschulen, Kleinstgewerbe, Kindergärten und Gartenrestaurants Quartier zu verbinden. Die Plausibilität des Vorschlages ist insbesondere auch über
in der Tradition des «Heurigen» – also ein Park mit aktivem Tun der Nutzenden – die grosse Freiheit in den Prozessen hoch und verspricht eine überzeugende, durch
vorzusehen, dies im Gegensatz zur traditionelleren erdgebundenen Christoph Merian- eine Vielzahl von Akteuren entstehende Urbanität.
Anlage, die eine Identität als urbaner Stadtgarten zeigt. Die Herausforderung der
Erschliessung eines öffentlichen Grünraumes auf rund 10 resp. 15 Metern Höhe über
dem Stadtboden wird mit einer hochattraktiven Wegführung als einer überzeugenden
Antwort über üppig begrünte Serpentinenpfade dargestellt, was für die Plausibilität
des Angebotes entscheidend ist – wobei die Definition der Trägerschaft für Erstellung
und Betrieb dieses Angebotes eine anspruchsvolle Bedingung in der Entwicklung des
Projektes darstellen wird.
Das «Quartier aus einzelnen Häusern» wird entlang den Rändern zu einer locke-
ren Blockstruktur zusammengefasst. Ein lineares Volumen seitlich des bestehenden
MParc-Gebäudes fasst auf selbstverständliche Art den neuen Stadtplatz und verknüpft
diesen über eine Arkade mit zusätzlichen kommerziellen Nutzungen. In den
Obergeschossen werden Büroangebote bezeichnet, über dem Gottlieb Duttweiler-Feld
finden sich Wohnungen in «Stadthäusern» für Familien resp. Wohnungen im mittle-
ren Segment, welche – nach Vorschlag der Verfassenden – beispielsweise durch
Wohngenossenschaften entwickelt werden könnten. Entlang der Münchensteiner-
und Reinacherstrasse sind über kommerziell genutzten Erdgeschossen ebenfalls
(Genossenschafts-)Wohnungen vorgesehen. Die drei Hochhäuser lösen sich über ihre
zirkuläre Form aus den Bedingungen des Ortes und bauen die vorerwähnten territo-
rialen Beziehungen auf, dies mit einem nachvollziehbaren Nutzungsmix von
Ladenflächen im Erdgeschoss, Büros im unteren Bereich und darüberliegenden hoch-
wertigen Wohnungen. Allen neuen Häusern gemeinsam sollen die aus der Struktur
entwickelten, hellen und mineralischen Fassaden sein, die als gemeinsame
Gestaltungsmerkmale eine Identität der Bauten über die Autorenschaft hinaus darstel-
len. Weitere als Solitäre bezeichnete Gebäude bauen eine spezifische Identität des

56 57
58 Visualisierung der Nordspitze, Herzog & de Meuron 59
60 Visualisierung des Gottlieb Duttweiler-Feldes, Herzog & de Meuron 61
Gottesacker Wolf
Christoph Merian Anlage

Güterplatz Am Gottesacker

Gottlieb Duttweiler Feld

Dornacherplatz Bernoulliplatz

62 Situationsplan 1:2000, Herzog & de Meuron 63


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64 Erdgeschoss 1: 2000, Herzog & de Meuron Regelgeschoss 1:2000, Herzog & de Meuron dio
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66 Ansicht Münchensteinerstrasse, Herzog & de Meuron 67


68 Stadtmodell Basel mit Projekt von Herzog & de Meuron 69
Hosoya Schaefer Architects
Projektbeschrieb Die Verfassenden schlagen, entlang einer mittigen Achse – der sogenannten Gleis- Das Verkehrsregime folgt der Logik des gesamten städtebaulichen Konzepts. Fuss-
promenade – zwei Plätze als Orientierungspunkte im Gemenge des neuen Quartiers gänger und Fahrräder werden folgerichtig auf den inneren Haupt- und Nebenachsen
vor. An dieser Promenade, die von der Güterstrasse im Gundeldingerquartier bis in sowie entlang der lateral angrenzenden Strassen geführt. Zusammen mit einem feine-
die Münchensteinerstrasse führt, sind alle wesentlichen fussläufigen Erschliessungen ren Netz aus Querachsen ist das Quartier übersichtlich erschlossen. Der motorisierte
im Sinne von räumlichen Sequenzen von Enge und Weite vorgesehen. Ein baumbe- Verkehr wird ebenfalls lateral geführt. Er erschliesst vier dezentrale, unterschiedliche
standener Quartierplatz soll die unterschiedlichen Typologien und deren ebenso Parkierungen und überdies die drei Parkdecks auf dem MParc.
unterschiedlichen Massstäbe miteinander verknüpfen – ausdifferenzierte Wohnhöfe Die gesamte Etappierung ist schlüssig und ermöglicht grössere und kleinere
im Nordwesten ebenso wie den neu konzipierten und breit gelagerten MParc und das Phasen der Realisierung.
angrenzende Gundeli. Im Südosten dominiert eine Hochhausscheibe den von den In vielen Teilbereichen, von der Gleisbogenallee bis zur Organisation des neuen
Verfassenden so benannten Stadtplatz mitsamt dem axialen Zugang des Wolfgottes- MParcs, von der Anordnung der Wohnhöfe bis zur Etappierung und der Verkehrs-
ackers. Der MP arc wird über eine L-förmige Verlängerung der Mall bis an die führung, zeigt das Konzept kluge Ansätze und in sich nachvollziehbare Lösungen. In
Münchensteinerstrasse geführt, sodass eine verstärkte Visibilität des MParcs über das der städtebaulichen Zusammenwirkung, in der Auseinandersetzung mit der Ge-
Quartier hinaus in die Region gesichert werden soll. Der MParc selbst erfährt über schichte des Ortes und dessen Umgebung und den daraus resultierenden wuchtigen
eine Anlagerung und Aufstockung eine neue Erscheinungsform und Organisation. Massstabssprüngen fehlt der Arbeit eine erkennbare, übergeordnete und trotzdem
Der OBI-Markt wird auf der Westseite an die Mall angedockt, das MParc-Restaurant adaptierbare Idee. Alle Teile stehen miteinander in einer gewissen Korrespondenz,
und die Klubschule im Osten. Eine dreigeschossige Parkierung auf dem Dach wird aber es entsteht kein eigentliches Ensemble als Grundlage für ein nachhaltiges
konzeptionell als rückbaubar behandelt. Zusätzlich sind darum herum Fitness- und Planungskonzept.
Sportanlagen vorgesehen.
Die vorgeschlagenen Wohncluster beziehen sich weder in ihrer volumetrischen
Setzung oder ihrem Layout auf die geschlossene Struktur des Gundeli noch auf das
ursprüngliche Gewebe des durch Gleisanschlüsse geprägten Areals. Eine solche
Haltung ist grundsätzlich denkbar, sie verlangt allerdings nach einer eigenständigen
Prägung, nach einer baulich deutlichen Identität. Deren Massstab sollte sich sowohl
auf ein grösseres Ganzes beziehen als auch umgekehrt das Grosse wiederum auf das
Kleine. Die vorgeschlagene Porosität der einzelnen Cluster mit ihren stark bewegten
Silhouetten und den turmähnlichen Akzenten führt zu einer an diesem Ort wenig
schlüssigen Typologie. Es entsteht im Zusammenwirken ein Konglomerat, das an
diesem spezifischen Ort seltsam fremd bleibt.
Die an sich schöne Idee der Sequenz öffentlicher und halböffentlicher Räume
sowie der Versuch, beim Wohnen Identität über einen aneigenbaren Massstab zu
erreichen oder der Gefahr zu grosser Masse mit sozial kontrollierbaren Einheiten zu
begegnen, werden gewürdigt.

70 71
HOSOYA SCHAEFER ARCHITECTS AG Zürich Müller Illien Landschaftsarchitekten Zürich IBV Hüsler AG Zürich Schnetzer Puskas Ingenieure AG Zürich/Basel Basel. Dreispitz. Nordspitze Städtebaulicher Studienauftrag, 2017 Schlussabgabe 27.09.2017
72 Visualisierung der Nordspitze, Hosoya Schaefer Architects 73
74 HOSOYA SCHAEFER ARCHITECTS AG Zürich Müller Illien Landschaftsarchitekten Zürich IBV Hüsler AG Zürich Schnetzer Puskas Ingenieure AG Zürich/Basel Basel. Dreispitz. Nordspitze
Visualisierung Städtebaulicher
des Freiraums, Studienauftrag,
Hosoya Schaefer Architects 2017 Schlussabgabe 27.09.2017 75
76 Situationsplan 1:2000, Hosoya Schaefer Architects 77
IBV

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78 Erdgeschoss 1: 2000, Hosoya Schaefer Architects auf Regelgeschoss 1:2000, Hosoya Schaefer Architects 79
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80 Ansicht Münchensteinerstrasse 1: 2000, Hosoya Schaefer Architects 81
82 Stadtmodell Basel mit Projekt von Hosoya Schaefer Architects 83
Morger Partner Architekten
Projektbeschrieb Die Projektverfassenden nehmen eine klare Unterteilung der Nordspitze vor. Den
nördlichen Arealteil besetzen sie in lockerer Komposition mit sieben im Grundriss
nahezu gleich grossen, unregelmässigen, fünfeckigen Türmen. Diese unterschiedlich
hohen Gebäude beherbergen in den Erdgeschossen Quartiernutzungen, darüber
wenige Bürogeschosse sowie rund 900 Wohnungen. Die Türme stehen auf einer städ-
tischen Platte, die gemäss den Projektautoren als «Forum» funktionieren und die
Bauten zusammenfassen soll. Als Referenz verweisen die Projektverfassenden auf das
paradigmatische Bild der Torres de Satélite von Luis Barragán und Mathias Goeritz,
die in ihrer skulpturalen Anmutung damals zum Wahrzeichen eines neuen Stadtteils
avancierten. Die «Birsstadt» findet am Kopf des Dreispitzes mit dem programmati-
schen Anspruch des Entwurfs ihren Abschluss in einer prägnanten und eigenständigen
Ausformulierung. Diese Haltung hat eine kontroverse Diskussion über das richtige
Auftreten an diesem Ort erlaubt, was gerade in Anbetracht der kurzen Entstehungszeit
des Konzepts ausdrücklich zu würdigen ist.
Auf dem südlichen Teil wird der MParc sinnvoll konsolidiert. Weitere Verkaufs-
flächen, Gewerbe und Migros-Sondernutzungen wie die Klubschule und das Fitness-
angebot werden hier angesiedelt. Der OBI befindet sich im Untergeschoss. Dadurch
wird seine direkte Anbindung an die unterirdische Parkierung gewährleistet. Auf dem
Dach soll ein Freizeitzentrum untergebracht werden. Dieses vermittelt ein interessan-
tes Bild von neuen halbkommerziellen Nutzungen und könnte wohl bei geglückter
Ein- und Anbindung tatsächlich zu einem verbindenden sozialen Angebot im Quartier
mit Ausstrahlung werden. Zu klären bliebe dabei die Frage nach dem Betreiber.
Die Teilung des Areals in zwei Bereiche erfolgt in der Weiterführung der Güter-
strasse, was im Prinzip eine gute Anbindung an das Gundeli gewährleistet. Der Vorteil
der expliziten Zweiteiligkeit wird letztlich aber zu wenig genutzt. Im Gegenteil: Das
Zusammentreffen der Konsumwelt im MParc mit dem hybriden, von den Projekt-
verfassenden als «informell» bezeichneten Forum überzeugt nicht. Der Freiraum des
Forums scheint sich zwischen den unterschiedlich hohen Bauten etwas zu verlieren,
und trotz ihrer sauberen Präsentation tragen die Bilder leider wenig zur Klärung der
Entwurfsabsicht der Freiräume bei.
Die zweigeschossige Tiefgarage bedeutet eine Herausforderung, und die Beschrän-
kung auf lediglich eine Einfahrt oder die Konzentration der Veloflächen sind konzep-
tuell schwierig. Auch wenn in der städtebaulichen Phase noch keine statischen
Antworten gefordert sind, dürfte die Lastabtragung der Hochhausgeometrie zu einer
Reduktion der komplexen Parkierungsflächen führen.
Die in den Türmen vorgeschlagenen Wohnungen sind von hoher Qualität. Sie
sind gut geschnitten, profitieren von unterschiedlichen Ausrichtungen und einem wei-
ten Blick. Aufgrund des ausnahmslos vorherrschenden Typus «Turmwohnen» besteht
allerdings die Befürchtung, dass eine stadtsoziologisch unerwünschte Monokultur
entstehen könnte. Familien, Wohngruppen, aber auch Angebote in unterschiedlichen
Preissegmenten dürften kaum erreicht werden. – Insgesamt würdigt das Beurtei-
lungsgremium den Vorschlag in seiner klaren und prägnanten Formulierung. Es bleibt
allerdings fraglich, ob der Entwurf die Integration der Nordspitze als lebendigen und
atmosphärisch dichten Teil ins Stadtgefüge bewerkstelligen könnte.

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86 Visualisierung Nordspitze, Morger Partner Architekten 87
88 Visualisierung des Forums, Morger Partner Architekten 89
90 Schwarzplan 1:5000, Morger Partner Architekten 91
92 Erdgeschoss 1: 2000, Morger Partner Architekten Regelgeschoss 1:2000, Morger Partner Architekten 93
94 Ansicht Münchensteinerstrasse 1: 2000, Morger Partner Architekten 95
96 Stadtmodell Basel mit Projekt von Morger Partner Architekten 97
© Christoph Merian Stiftung, Basel und Genossenschaft Migros Basel, 2017

Auftraggeberinnen
Christoph Merian Stiftung, St. Alban-Vorstadt 12, Postfach, CH-4002 Basel
vertreten durch: Martin Weis, Leiter Abteilung Liegenschaften

Genossenschaft Migros Basel, Ruchfeldstrasse 15, CH-4142 Münchenstein


vertreten durch: Ignaz Walde, Leiter Bau / Expansion / Logistik

Redaktion
Planpartner AG, Zürich – Lars Kundert und Seraina Jenal

Korrektorat
Rosmarie Anzenberger, Basel

Gestaltung
Beat Keusch Visuelle Kommunikation, Basel

Modellfotos
foto-werk gmbh, Basel – Michael Fritschi

Druckerei
Schwabe AG, Muttenz

Titelbild
Visualisierung Herzog & de Meuron 99