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Info DaF

Herausgegeben
vom Deutschen
Akademischen
Austauschdienst
in Zusammenarbeit
mit dem
Fachverband
Deutsch als Fremdsprache

Informationen Deutsch als Fremdsprache


Nr. 6 37. Jahrgang Dezember 2010

Inhalt
Artikel Marc Deckers
Im Kulturkontakt gebildete Stereotype als Teil eines kulturellen
Lernprozesses – untersucht in den Weblogs von in Deutschland
lebenden Amerikanern 521
Sandra Holtermann, Georg Jansen, Christopher Dege
Umgang mit Plagiaten an chinesischen Universitäten 546

DaF im Ausland Ousmane Gueye


Studiengang Fachdeutsch Wirtschaft mit Schwerpunkt Agrar-
und Ernährungsindustrie an der Universität Thiès/Senegal 562

Didaktik DaF / Oliver Bayerlein


Aus der Praxis Lernerbeobachtungen zur Nutzung von Feedback bei einem vi-
deogestützten Online-Sprachkurs für Deutsch als Fremdsprache 570
Ulf Schütze
Zur Nachhaltigkeit Neuer Medien im Fremdsprachenunterricht 577

Berichte 37. Jahrestagung des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache,


Freiburg 13.–15. Mai 2010 588

Tagungsankündigung 38. Jahrestagung des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache,


Leipzig 16.–18. Juni 2011 598

Inhaltsverzeichnis der Nummern 1–6, 37. Jahrgang (2010) 599


521

Im Kulturkontakt gebildete Stereotype als Teil


eines kulturellen Lernprozesses – untersucht in
den Weblogs von in Deutschland lebenden Ame-
rikanern

Marc Deckers

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt die Ergebnisse einer Studie vor, welche die im Kulturkontakt gebildeten
Stereotype von in Deutschland lebenden Amerikanern anhand von Weblogs untersucht, die
sie verfasst haben. Durch die qualitative Analyse dieser Daten im Stile der Grounded Theory
wurde eine Hypothese entwickelt, welche die Nutzung der Stereotype als Elemente des
kulturellen Lernens beschreibt. Unter Bezugnahme auf theoretische Erkenntnisse der
Stereotypenforschung im Bereich der Kognitionspsychologie wird dargelegt, wie Lerner im
interkulturellen Austausch aus Hypothesen heraus Stereotype bilden und überprüfen.
Dieses Vorgehen ermöglicht ihnen ein besseres Verstehen fremdkultureller Verhaltensmus-
ter und einen effektiveren Umgang mit diesen. Daher wird in diesem Beitrag auch für eine
Nutzbarmachung der in Form von Stereotypen ausgeprägten kulturellen Erfahrungen
anderer Lerner für didaktische Verfahren im Landeskunde-Unterricht plädiert.

1. Einleitung Verbreitung gefunden haben, existieren


Es besteht mittlerweile ein weitestgehen- dabei jedoch abweichende Einschät-
der Konsens über den Umstand, dass es zungen und Sichtweisen. Wo unterschied-
sich bei dem Phänomen der Stereotype liche Bilder im Kopf wirken und sich auf
um einen unvermeidlichen Prozess der den Blickwinkel der Lerner auswirken,
menschlichen sozialen Kognition handelt. muss der Unterricht dementsprechend
Trotz der Kontroversen um dieses Thema unterschiedliche Schwerpunkte setzen,
ist die Diskussion von Eigen- und Fremd- um Phänomene der Zielkultur der jewei-
bildern wohl spätestens seit der kommu- ligen Lernergruppe erklärbar zu machen
nikativen Wende häufiger Bestandteil im (vgl. Grünewald 2005: 17). Eine aktuell
landeskundlichen Fremdsprachenunter- bedeutende Forschungsperspektive ist es,
richt. Auch die empirische Untersuchung vor allem die Frage nach der Bildung und
der Stereotype gegenüber dem Zielspra- Veränderung der stereotypen Bilder von
chenland hat bereits Tradition in der For- Lernern durch Aufenthalte im Zielspra-
schung des kulturwissenschaftlich orien- chenland und die Verknüpfung dieser mit
tierten Zweigs des Faches. Wichtig für die Aspekten eines kulturbezogenen Lern-
Arbeit mit dieser Thematik im Unterricht prozesses zu stellen (vgl. Altmayer/Koreik
Deutsch als Fremdsprache ist zudem die 2010: 1382).
regionale Differenzierung. Auch wenn Für die in diesem Beitrag vorgestellte
viele Ansichten über die Deutschen im Studie wurden die Stereotype von in
Zuge der Globalisierung eine weltweite Deutschland lebenden US-Amerika-

Info DaF 37, 6 (2010), 521–545


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nern1 gesammelt und miteinander verg- rungen und Wahrnehmungen schienen


lichen, welche sich im Laufe des Aufent- miteinander vergleichbar zu sein, was
halts durch eigene Beobachtungen ent- eine systematische Analyse dieses Phä-
weder bestätigten, neu bildeten oder nomens nahe legte.
veränderten. Unter einer offenen, quali- Die Forschung im Bereich von Stereoty-
tativen Herangehensweise im Sinne der pisierungen ist in hohem Maße interdis-
Forschungsmethodologie der Grounded ziplinär, die hier beschriebene Studie ver-
Theory wurde auch der Frage nach den steht sich aber in einem starken Zusam-
beobachtbaren kulturellen Lernprozes- menhang vor allem mit den Bereichen
sen anhand der Daten nachgegangen. der alltagskulturellen Landeskundefor-
Von den Ergebnissen der Analyse aus- schung und der Erforschung kultureller
gehend, wurde eine Theorie entwickelt, Lernprozesse ungesteuerter Art. Ich be-
welche die Nutzung von Stereotypen als ziehe mich dabei auf einen (der vielen
lernergebildete Hypothesen im Prozess möglichen) Kulturbegriffe der Landes-
des interkulturellen Lernens beschreibt. kunde, den Althaus wie folgt umreißt:
Während die meisten wissenschaftlichen
»Kultur kann in diesem Sinne eine Kons-
Studien von einer Fragestellung ausge-
truktion von Alltagswelt und Alltagswirk-
hen und anschließend Daten erheben, lichkeit […] bedeuten, und beschreiben,
um dieser Frage nachzugehen, wurde was hinter ebenso banalen wie aus der
diese Studie von den Daten ausgehend Fremdperspektive irritierenden Hand-
konzipiert, welche bereits in schriftlicher lungen von Menschen steckt. Sie kann Rou-
Form vorlagen. Die Daten hatten in die- tinen bewusst machen, das in binnenkultu-
reller Sicht vermeintlich Normale in Frage
sem Falle die Form von Weblogs – Inter- stellen.« (Althaus 2009: 139)
net-Tagebüchern, welche oft von Privat-
personen genutzt werden, um ihre alltäg- Kultur wird im Folgenden aufgefasst als
lichen Erlebnisse einem breiten Publi- das tradierte Orientierungssystem einer
kum darzustellen (siehe Kapitel 3). Auch Gesellschaft (einer Nationalkultur oder
viele in Deutschland lebende Migranten auch kleinerer sozialer Gruppen) mit
verfassen solche und beschreiben darin Auswirkungen auf die Muster des Den-
oftmals ihre Erlebnisse mit Deutschland kens, Fühlens, Handelns und der Wahr-
und den Deutschen und berichten aus nehmung und Kommunikation ihrer
ihrer Wahrnehmung von den kulturellen Mitglieder. Für die kulturwissenschaft-
Unterschieden zwischen Deutschland liche Forschung ergibt sich im Rahmen
und ihren Heimatländern. Beim Lesen des Fachs DaF eine spezifische Zielset-
dieser öffentlich zugänglichen Texte war zung, die, über die Erkundung kulturel-
zu bemerken, dass die Darstellungen ler Inhalte hinaus, didaktischen Verfah-
viele generalisierende Zuschreibungen ren zuarbeiten soll. Ziel eines mit ihnen
über Eigenschaften der Deutschen, also gestalteten Unterrichts ist es, durch die
Stereotype, enthalten. Auffällig war da- nähere Auseinandersetzung mit der
bei die Ähnlichkeit vieler der getroffenen fremden Kultur nicht nur Verständigung,
Aussagen. Die unterschiedlichen Erfah- sondern auch Verstehen zu ermöglichen.

1 Im Folgenden wird aus stilistischen Gründen durchgehend die Bezeichnung Amerikaner


benutzt. Dies bezieht sich im Kontext dieses Beitrags grundsätzlich auf Staatsbürger der
USA. Ebenso wird aus sprachökonomischen Gründen die maskuline Wortform in ihrer
Funktion als generisches Maskulinum verwendet, um Gruppen zu beschreiben, welche
Menschen beiderlei Geschlechts umfassen.
523

Nach Auffassung der Kognitionswissen- gemacht haben, zu ergründen und ihre


schaften ist ›Verstehen‹ vor allem ein Wahrnehmung der deutschen Mentalität
vom verstehenden Subjekt zu vollzie- für landeskundliche Unterrichtskonzepte
hender Prozess, bei dem auf der Basis der nutzbar zu machen. Stereotype, zumin-
vorhandenen Wissensstrukturen (Sche- dest dann, wenn sie durch Kontakterfah-
mata) der zu verstehenden Äußerung rungen gebildet werden, stellen den kon-
oder Handlung ein kohärenter und sub- densierten Erfahrungsschatz hinsichtlich
jektiv befriedigender Sinn zugeordnet der Eigenarten einer fremden Kultur aus
wird (vgl. Altmayer 2004: 67). der eigenen Wahrnehmung dar. Da diese
Während kulturwissenschaftliche Er- Wahrnehmung zumindest teilweise kul-
kenntnisse schon lange den Praxisbereich turell geprägt ist, kommt es zu Über-
der landeskundlichen Komponente in- schneidungen in der Wahrnehmung zwi-
nerhalb des Faches Deutsch als Fremd- schen Angehörigen desselben Kultur-
sprache prägen, ist die Herausbildung kreises. Um die Gemeinsamkeiten und
einer spezifischen kulturwissenschaft- Unterschiede subjektiver Sinnzuschrei-
lichen Forschung eine vergleichsweise bungen innerhalb eines bestimmten kul-
neue Entwicklung (vgl. Altmayer/Koreik turellen Kollektivs zu erfassen, war es
2010: 1377). daher sinnvoll, sich im Rahmen dieser
Untersucht und für den landeskund- Studie auf die im Kulturkontakt gebil-
lichen Unterricht beschreibbar gemacht deten Stereotype einer bestimmten Aus-
werden soll durch diese vor allem die gangskultur zu beschränken. Die Wahl
Alltagskultur innerhalb des zielsprach- fiel dabei, auch aufgrund besonders ho-
lichen Raums. Diese Alltagskultur jedoch her Verfügbarkeit von Quellmaterial, auf
ist für die empirische Kulturforschung die Gruppe der in Deutschland lebenden
von innen nur schwer zu erfassen, da sie Amerikaner. Die Erfahrungen, wie sie
etwas Selbstverständliches darstellt, eine sich in den Texten der Amerikaner in
Art Blindfeld, welches nur schwerlich Form von Stereotypen widerspiegeln,
reflektierbar ist (vgl. Bausinger 1988: können sich auch für andere amerika-
197). Erfolg versprechend ist es daher, nische Lerner als nützlich erweisen. Par-
den Blick von außen auf unsere Kultur zu allelen und Muster in den untersuchten
erfassen, sowohl für die deutsche Kultur- Fällen lassen allgemeinere (nicht jedoch
forschung im Allgemeinen, die sich aus verallgemeinerbare) Aussagen über die
der Fremdperspektive Einblicke in das Art der Stereotypenbildung und -verän-
Selbstverständliche und Alltägliche er- derung und den kulturellen Lernprozess
hofft, insbesondere aber auch für die For- zu.
schung im Rahmen der DaF-Landes- Es ist jedoch bei der Beschreibung kultu-
kunde, die damit einerseits die eigene reller Besonderheiten und nationaler Ei-
Kultur untersucht und beschreibbar genarten immer auch große Vorsicht ge-
macht, andererseits die Perspektive der boten. So besteht die Tendenz, einzelne
Zielgruppe ihres Unterrichts einnehmen Kulturen viel zu sehr als homogene Ein-
kann. heiten zu betrachten und darzustellen.
Bei der Erkundung der Alltagskultur und Eine kulturelle Gruppe von der Größe
der fremden Mentalität sollte der landes- einer Nation kann und darf aber nicht
kundliche Unterricht erfahrungsorien- einfach über einen Kamm geschoren wer-
tiert vorgehen. Ich halte es daher für den, da man sich sonst seinerseits grob
förderlich, die Erfahrungen, welche an- vereinfachender Stereotype bedient, ge-
dere im Kontakt mit Deutschen bereits nauso wenig kann sie umfassend in all
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ihrem Facettenreichtum beschrieben schungsarbeit im Bereich von Stereo-


werden. Man sollte sich daher von der typen Segen und Fluch zugleich. Wie
Vorstellung lösen, rezeptartige Anlei- Schneider (2004: 14) angibt, gab es bereits
tungen für den Umgang mit einer Kultur im Jahr 2004 weit über 5000 empirische
entwickeln zu können. Andererseits wä- Studien, die sich, weit gefasst, mit der
re es jedoch ein Verlust, kulturkontrastive Thematik auseinandersetzten. Es besteht
Ansätze generell auszuschließen. Hier ist also eine Vielzahl an wissenschaftlichen
es ratsam, sich an den Bedürfnissen und Arbeiten, auf die zurückgegriffen wer-
Ansprüchen derer zu orientieren, die am den kann. Gleichzeitig besteht aber eine
Ende im Mittelpunkt des Zwecks kultur- hohe Varianz schon allein in der grundle-
wissenschaftlicher Forschung im Fachbe- genden Bestimmung des Begriffs und,
reich DaF stehen – den Lernern. Sie erfah- daraus folgend, ebenso in der jeweiligen
ren im Alltag Kultur primär kontrastiv, Herangehens- und Auslegungsweise.
und wie die Ergebnisse meiner Untersu- Auf eine umfassende interdisziplinäre
chung zeigen, identifizieren sie in ihrer Definition des Begriffs hat man sich, trotz
subjektiven Sichtweise sehr wohl spezi- der mehr als achtzigjährigen Forschungs-
fische nationale Eigenschaften der sie geschichte zum Thema Stereotype, bis
umgebenden Kultur. Ihre Perspektive heute nicht einigen können. Relativ un-
sollte daher den Fokus des Unterrichts strittig ist zwar, dass der Begriff in seiner
bilden, gleichzeitig muss sie aber mit der substantivischen Bedeutung vorgefasste
notwendigen Differenzierung ange- Annahmen oder Meinungen über die
reichert werden, um so unterkomplexe Merkmale und Eigenschaften von Mit-
und undifferenzierte Vorstellungen zu gliedern bestimmter sozialer Gruppen
vermeiden. Darüber hinaus besteht die (z. B. Nationen, Ethnien, Geschlechter)
Notwendigkeit, dem Lerner die Erkennt- bezeichnet, Streitpunkte ergeben sich
nis der eigenen kulturellen Prägung in aber vor allem in Bezug auf die den
der Begegnung mit anderen Kulturen zu Stereotypen inhärenten Eigenschaften:
ermöglichen, um ihn so zur Entwicklung Akkuratheit, Negativität, Rigidität und
einer reflektierten Sichtweise zu befähi- Kollektivität, welche ich weiter unten er-
gen (vgl. Wormer 2003: 435). läutern werde. Die unterschiedliche Ein-
schätzung dieser Charakteristika ist wohl
2. Untersuchungsgegenstand Stereotyp zum größten Teil der historischen Ent-
Das Konzept des Stereotyps ist nicht nur wicklung in der Auffassung des Begriffs
im Fach DaF ein Klassiker, sondern für geschuldet.
viele Bereiche der Wissenschaft von In- Geprägt und im oben genannten Sinne
teresse und stellt somit einen in hohem in die wissenschaftliche Diskussion ein-
Maße interdisziplinären Forschungsbe- geführt wurde der Begriff 1922 durch
reich dar. Wie so oft in der kulturwissen- den amerikanischen Journalisten Walter
schaftlichen Forschung des Fachs DaF Lippmann mit seinem Werk Public Opi-
muss auch hier auf Theorie und Metho- nion. Es handelt sich hierbei um eine
dik geeigneter Bezugsdisziplinen zu- Kritik an der selektiven und einseitigen
rückgegriffen werden. Je nach inhalt- Informationsverbreitung durch die Mas-
lichem Schwerpunkt können diese im senmedien, welche ihre eigene einge-
Bereich der Psychologie, Soziologie, Päd- schränkte Wirklichkeitswahrnehmung
agogik, Linguistik und/oder anderen Ge- auf die Nutzer dieser Medien übertra-
bieten angesiedelt sein. Diese hohe Di- gen – ein Text, der in seinen Grundzü-
versität ist für die empirische For- gen bis heute nicht an Aktualität verlo-
525

ren hat. Ihm lässt sich eine Auffassung (vgl. 1954: 81, 88 f.) die Stereotypisierung
des Konzepts Stereotyp entnehmen, die als grundlegenden Wahrnehmungs- und
der heutigen Einordnung durch die So- Kategorisierungsprozess sah, welcher
zialpsychologie sehr viel näher kommt, eine Aufbereitung und Bewältigung der
als dies in den frühen Studien der Stere- Informationsfülle der uns umgebenden
otypenforschung der Fall war (vgl. Grü- Welt ermöglicht, wurde sie also in der
newald 2005: 34; Schneider 2004: 9), auch Folgezeit als »[ein] von Dummheit und
wenn das Konzept zum damaligen Zeit- Haß geprägte[s] Fehlurteil über andere
punkt noch keineswegs wissenschaftlich Gruppen und Personen« (Reiß 1997: 16)
begründet war (vgl. Redder 1995: 312). gesehen. Diese Sichtweise ergab sich
Spätere Arbeiten sehen das Stereotyp wohl auch aus Allports bekanntem Werk
fast synonym zu dem Begriff Vorurteil The Nature of Prejudice von 1954. Allport
und rücken es in die Nähe einer neuro- beschäftigt sich allerdings, wie man dem
tischen Fehlanpassung, statt es als Nor- Titel bereits entnehmen kann, vor allem
malität kognitiver Vorstellungsprozesse mit dem Begriff Vorurteil und beschei-
zu erkennen (vgl. Grünewald 2005: 35). nigt vor allem diesem einen negativen
Diese überwiegend negative Konnota- Charakter, den Begriff Stereotyp definiert
tion erhielt das Konzept in den 1940er Allport hingegen als neutral, so dass er
und -50er Jahren. Es wurde mit der um sowohl negative als auch positive Asso-
sich greifenden Angst und dem daraus ziationen umfassen kann (vgl. Allport
entstehenden Hass auf alles Fremde as- 1979: 191 f.).
soziiert und man untersuchte daher in Erst gegen Anfang der 1970er Jahre fand
dieser Zeit vor allem seine negativen eine kognitive Wende in der Stereotypen-
Effekte (vgl. Schneider 2004: 9 f.). In Be- forschung statt, durch die sich der allge-
zug auf Fremdgruppen evozierten die meine Blick wiederum eher auf die denk-
Stereotype der damaligen Zeit zum all- ökonomischen Funktionen des Stereotyps
ergrößten Teil negative bis sehr negative richtete (einen Überblick über diese Ent-
Bilder. Vor allem die Konsequenzen ab- wicklung liefert z. B. Six 1987). Auch heut-
wertender Stereotype, welche oftmals zutage finden sich jedoch in wissenschaft-
Aggressionen und feindliche Hand- lichen Abhandlungen noch Einschät-
lungen auslösen konnten, wurden ge- zungen wieder, die dem Phänomen des
fürchtet und Stereotype daher allgemein
Stereotyps eine inhärente und unabänder-
als Fehlurteile, Stereotypisierung vor
liche Negativität bescheinigen. Dies spie-
allem als verurteilungswürdige kogni-
gelt sich auch in der Diskussion rund um
tive Fehlleistung angesehen (vgl. Manz
die Arbeit mit Stereotypen im Deutsch als
1968: 8) – was angesichts der möglichen
Fremdsprache-Unterricht wieder, welche
schrecklichen Konsequenzen von Vorur-
besonders in den 1990er Jahren heftig
teilen, wie sie im Nazi-Deutschland der
entbrannte. Auch hier resultieren die
Zeit besonders hervortraten, nicht weiter
Streitpunkte primär aus einer unter-
überraschen mag. Auch die damals in
schiedlichen Auffassung des Begriffs:
vielen Teilen der Welt vorherrschende
Rassentrennung und die mit Stereo- »Betrachtet man Stereotype und Vorurteile
typen in Verbindung stehenden üb- ausschließlich im Sinne von negativen eth-
lichen Diskriminierungen dieser Zeit, nischen Stereotypen scheint eine Ableh-
nung gerechtfertigt, ebenso wenn man da-
machen den damaligen Fokus auf die von ausgeht, dass die Lerner durch deren
negativen Seiten stereotypen Denkens Vorhandensein einer anderen Kultur nicht
verständlich. Während schon Lippmann unvoreingenommen begegnen können.
526

Geht man jedoch davon aus, dass stereo- spezifisches Verhalten, bedingen dieses
type Bilder natürliche Ergebnisse von aber mit (vgl. v. Stetten 2009: 97 f.). Solche
Wahrnehmung und Sozialisation sind, ist Einstellungen beinhalten auch Urteile, die
eine Ablehnung nicht nur undenkbar, son-
dern auch unmöglich.« (Wagner 2008: 69 f.) im Bereich der Zustimmung, der Ableh-
nung oder der Indifferenz liegen können.
Mittlerweile ist das Stereotyp im Bezug Als Mittel der Klassifizierung bilden Ste-
auf seine Eigenschaften, begründet auf reotype eine Wissensstruktur der Sozial-
extensiven Studien im Bereich der Sozial- kognition, gemeinsam mit anderen
psychologie, recht klar als ein solches na- Strukturen, die zum Beispiel Objekte
türliches und unumgängliches Muster der klassifizieren (Kategorien), oder kategori-
menschlichen Kognition einzuschätzen. alem Wissen, welches quasi-automati-
Stereotype fallen hier unter das Konzept sierte Routinen auslöst (Schemata, bspw.
der Einstellung, zu dem die Begriffe Über- das Kindgesichtschema, bei dem ein ent-
zeugung oder Meinung oft synonym ge- sprechender Stimulus Schutz-, Fürsorge-
setzt werden. Der Begriff der Einstellung und Nachsichtreaktionen auslöst) (wei-
wiederum weist innerhalb der Sozialpsy- tergehende Informationen zu diesen und
chologie eine Vielzahl an Definitionen auf, weiteren Strukturen finden sich bei Bless/
zentral ist jedoch die Einbeziehung der Fiedler/Strack 2004: 53 ff.).
drei Komponenten Kognition, Affekt und Nun zu einer Einschätzung der den Ste-
Verhalten (vgl. v. Stetten 2009: 94 f.). Einstel- reotypen inhärenten Eigenschaften, bei
lungen werden durch Sozialisation von denen die Meinungen innerhalb der Wis-
anderen übernommen oder durch eigene senschaften auseinander gehen. Eine Ori-
direkte und indirekte Erfahrungen ge- entierung geben hier wiederum die Er-
wonnen oder angepasst. Die kognitive kenntnisse sozialpsychologischer For-
Komponente umfasst dabei die Interpre- schung, welche innerhalb dieses Fachbe-
tation der sozialen Umwelt und ihre Ein- reichs zu einem weitestgehenden Kon-
ordnung in Kategorien (unter denen Ste- sens über die folgenden Attribute geführt
reotype eine Gruppe bilden) als hypothe- hat. In anderen Wissenschaftsbereichen,
tisches Konstrukt (vgl. v. Stetten 2009: 97). vor allem in den Kulturwissenschaften,
Stereotype sind in diesem Sinne ein Mittel sind die Erkenntnisse dieser neueren Ar-
der sozialen Kategorisierung bzw. Klassi- beiten nicht immer bekannt oder werden
fizierung. Die Komplexität eingehender nicht aufgegriffen.
Informationen wird durch sie reduziert, Sowohl Kollektivität (d. h. ein Stereotyp
die schnelle Identifizierung von Stimuli wird innerhalb einer bestimmten sozialen
ermöglicht (vgl. Kramer 1993: 369). Da die Gruppe geteilt) als auch Negativität (die in
einzelnen Kategorien oft mit positiven Stereotypen zugeschriebenen Eigen-
oder negativen Emotionen verbunden schaften weisen einen negativen Charak-
werden, stellen sie auch eine Einordnung ter auf), Rigidität (ein einmal gebildetes
dar, die affektive Funktionen erfüllt (vgl. Stereotyp ist nur schwer veränderlich)
Schneider 2005: 365). Diese Bewertung und Inakkuratheit (Stereotypen beschrei-
von Menschen oder Objekten kann so- ben Eigenschaften, welche in der Realität
wohl bewusst als auch unbewusst vorge- nicht zutreffen) stellen zwar bei Stereo-
nommen werden und beeinflusst ein be- typen manchmal bis häufig zu beobach-
stimmtes Verhalten oder eine bestimmte tende Merkmale dar, bilden aber kein
Reaktion auf Ereignisse, welche mit den Kriterium zu ihrer Definition, da sich in
Kategorien in Verbindung stehen. Sie sind vielen Fällen abweichende und gar gegen-
zwar nicht der alleinige Auslöser für ein sätzliche Beispiele finden lassen.
527

Kollektivität Kontakt kann es durchaus zu einer Revi-


Während viele Stereotype innerhalb ei- dierung von Stereotypen kommen. Selbst
ner Kultur geteilt sind und von Bezugs- wenn für das Zustandekommen solcher
personen oder -gruppen übernommen Einstellungsänderungen bestimmte Vor-
werden, werden einige Stereotype aussetzungen gegeben sein müssen, be-
ebenso individuell gebildet, so dass jeder deutet dies, dass Rigidität kein Kriterium
Einzelne einmalige kognitive Kategori- zur Begriffsdefinition, sondern allenfalls
sierungsmuster entwickelt, welche seine ein häufiges Merkmal darstellen kann.
persönliche Prägung widerspiegeln. Um-
gekehrt bestehen durch die gemeinsame Inakkuratheit
kulturelle Prägung bestimmter Gruppen Viele Definitionen des Begriffs Stereotyp
aber auch geteilte Sichtweisen, aufgrund betonen außerdem die Nicht-Überein-
derer unabhängig voneinander oftmals stimmung mit den tatsächlichen Gege-
ähnliche Stereotype gebildet werden, wie benheiten der in Form von Stereotypen
sich auch in der hier später vorgestellten verbreiteten Ansichten und damit ihre
Studie beobachten ließ. Somit ist die Kol- unzutreffenden Inhalte. So schreibt bei-
lektivität von Stereotypen häufig gege- spielsweise Hansen (vgl. 2003: 323), im
ben, jedoch keineswegs eine Grundvor- Stereotyp schwinge immer mit, es ent-
aussetzung für dieses Phänomen. Seit der spräche der Wirklichkeit nicht oder nicht
kognitiven Wende in der Stereotypenfor- ganz. Auf der anderen Seite finden sich
schung werden Stereotype in der Psycho- die Verfechter der Kernel-of-Truth-Hypo-
logie primär als individuelle Phänomene these, die davon ausgehen, dass viele –
behandelt und untersucht (vgl. Haslam/ aber nicht zwangsläufig alle – Stereotype
Tuner/Oakes/Reynolds/Eggins/Nolan/ mindestens ein Fünkchen Wahrheit besit-
Tweedie 1998: 756 f.). zen und auf empirisch überprüfbaren
Fakten basieren. Strittig sind jedoch auch
Rigidität in diesem Lager der Grad an Übergenera-
Ähnlich verhält es sich bei der Eigen- lisierung und Übertreibung von Stereo-
schaft der Rigidität. Obwohl ganz klar typen im Vergleich zur Realität. Während
eingeräumt werden muss, dass viele Ste- es relativ leicht ist, nachzuweisen, dass
reotype rigide sind und sich teilweise zumindest einige verbreitete stereotype
auch angesichts gegenläufiger Faktenla- Ansichten unwahr sind oder auf wenigen
gen nicht oder nur sehr langsam ändern, bis keinen Evidenzen beruhen (vgl.
gibt es doch genügend Beispiele, die zei- Schneider 2004: 18), ist der umgekehrte
gen, dass sie nicht unveränderlich sind. Weg schwieriger zu beschreiten, da un-
Die Änderung vieler kollektiver Stereo- klar ist, ab wann ein Stereotyp als akkurat
type in den meisten Kulturen der westli- gelten kann. Auf wie viele Prozent der
chen Welt war in den letzten 100 Jahren stereotypisierten Gruppenmitglieder
wenn auch langsam so doch immanent sollte ein Stereotyp zutreffen, um es als
(vgl. Schneider 2004: 379). Dies liegt na- akkurate Wiedergabe der Sachlage gelten
türlich zum Teil darin begründet, dass zu lassen? Schließlich ist es ja gerade die
nachfolgende Generationen andere Ein- Problematik des Stereotyps, dass hier
stellungen vertreten als ihre Vorgänger, Übergeneralisierungen stattfinden. Wei-
deren Einstellungen mit ihrem Ableben terführende Überlegungen und Studien
aussterben, aber auch auf der Ebene von zu diesem Thema sowie eine Diskussion
Individuen können sich Stereotype än- von Nutzen und Gefahren der Einord-
dern. Insbesondere durch intensiven nung von bestimmten Stereotypen als
528

zutreffend finden sich z. B. im Sammel- Erwartungen, besteht jedoch die Ten-


band von Lee/Jussim/McCauley (1995). denz, dieses Individuum als eine Aus-
Hier kommt man im Übrigen zu dem nahme von der Regel anzusehen, statt
Schluss, dass Stereotype insbesondere das Stereotyp direkt zu revidieren. Selbst
dann oftmals zutreffend sind (also mehr wenn keine der erwarteten Merkmale
als nur ein Fünkchen Wahrheit beinhal- vorliegen bzw. zu erkennen sind, ist es
ten), wenn zwischen den beteiligten möglich, dass trotzdem Zusammenhän-
Gruppen enger Kontakt besteht (vgl. Lee/ ge wahrgenommen werden – so ge-
Jussim/McCauley 1995: 297). nannte Illusorische Korrelationen (zur ge-
Nachdem man die oben beschriebenen naueren Erklärung dieses Phänomens so-
und häufig dem Stereotyp zugeordneten wie Verweisen auf relevante Studien
Eigenschaften nun also aus einer Defini- siehe Meiser 2008).
tion ausschließen muss, bleibt im Kern Des Weiteren beeinflusst das Verhalten in
lediglich die Basisdefinition bestehen. der Interaktion mit anderen wiederum
Stereotype sind die Annahme einer Ver- deren Reaktion. Dies kann dazu führen,
bindung zwischen bestimmten sozialen dass spezifische Erwartungen, welche
Gruppen und bestimmten Eigenschaften, auch das Verhalten steuern, eine be-
welche auf die Mitglieder dieser Gruppe stimmte Reaktion bei dem jeweiligen Ge-
übergeneralisiert werden. Analog wird sprächspartner auslösen. So kann z. B.
im Rahmen dieser Studie jegliche Aus- das aggressive Verhalten des Gegenübers
sage in der Form (die) Deutsche(n) sind X. das Ergebnis des eigenen (bewussten
als Ausdruck eines Stereotyps betrachtet. oder unbewussten) aggressiven Verhal-
Dabei ist nicht von Relevanz, inwiefern tens sein. Dieses Phänomen zählt in den
diese Aussage mit der Realität mögli- Bereich der Self Fullfilling-Prophecies (für
cherweise übereinstimmt oder nicht. eine ausführlichere Beschreibung des
Im Hinblick auf die Ergebnisse dieser Phänomens und eine Übersicht über in
Studie und das Verständnis der daraus diesem Bereich durchgeführte Studien
entwickelten Theorie sollten einige wei- siehe Greitemeyer 2008 oder Schneider
tere relevante Erkenntnisse der Stereo- 2004: 215 ff.). Sowohl kognitive Faktoren
typenforschung hervorgehoben werden. als auch das menschliche Verhalten kön-
Zum einen ist dies die Tatsache, dass nen demnach dazu beitragen, die eigenen
jedem Träger eines Stereotyps bewusst Stereotype als akkurat anzusehen, auch
ist, dass die dem Stereotyp entspre- wenn diese, aus neutraler Perspektive
chenden Eigenschaften nicht tatsächlich betrachtet, unzutreffend sind. Dies führt
auf jedes einzelne Mitglied der Gruppe zu einer verstärkten Verifizierung der
zutreffen können, sondern allenfalls auf subjektiven Thesen, worin sicherlich ei-
eine (wahrgenommene) Teilgruppe, die ner der negativen Einflüsse der Stereoty-
nicht einmal die Mehrheit stellen muss pisierung zu finden ist, der auch den
(vgl. Schneider 2004: 198). Der Umgang ausschlaggebenden Punkt für die oft be-
mit Stereotypen ist daher immer ein Spiel obachtete Rigidität der Stereotype aus-
mit Wahrscheinlichkeiten. Weil die machen dürfte. Wichtig ist es, festzuhal-
falsche Einordnung von Personen im ten, dass Stereotype als Hypothese dar-
Umgang mit diesen in der Realität nega- über dienen können, wie sich das Gegen-
tive Konsequenzen haben kann, ist man über in der Interaktion verhalten wird
in der Regel im Umgang mit Individuen und dass dabei durch verschiedene Ein-
relativ vorsichtig. Entspricht das Verhal- flüsse eine natürliche Tendenz dazu be-
ten der Person nicht den antizipierten steht, die jeweiligen Vorannahmen eher
529

zu bestätigen. Laut Bless/Fiedler/Strack che das widersprüchliche Bild abgibt, ei-


(2004: 159 f.) ist es die erhöhte Frequenz, ner Untergruppe der ursprünglich ste-
mit der abweichende Beobachtungen ge- reotypisierten Gruppe zugerechnet wird,
macht werden, die maßgeblich zur mög- somit also in der Betrachtung der stereo-
lichen Falsifizierung der Hypothese bei- typisierenden Person eine Ausnahme
trägt. Das Lernen anhand sozialer Kogni- von der Regel darstellt. Da durchaus
tion hängt daher entscheidend von der mehrere Subgruppen mit verschiedenen
Anzahl der Beobachtungen ab (vgl. ebd.). und voneinander abweichenden Eigen-
Erhöhte Beobachtung eines von den ste- schaften gebildet werden können, trägt
reotypen Erwartungen abweichenden die Stereotypenveränderung nach die-
Verhaltens kann daher am ehesten zur sem Modell auch zur Ausdifferenzierung
Revidierung der Sichtweise auf die beur- der Sichtweise bei. Auch im Hinblick auf
teilte(n) Person(en) beitragen. Dies ist die in meiner Studie untersuchten Blog-
aber zunächst eine auf Individuen bezo- ger hat sich gezeigt, dass diese, zumin-
gene Feststellung, die nicht zwangsläufig dest nach einiger Zeit des Aufenthaltes,
auch zur Veränderung des Stereotyps im die sie umgebende Mehrheit der Deut-
Allgemeinen führen muss. Die tatsäch- schen nicht mehr primär der Kategorie
liche Revidierung von Stereotypen hängt ›Deutsche‹ zuordnen, sondern Subgrup-
von einer Reihe von Voraussetzungen ab. pen bilden (z. B. nach Berufen, Erschei-
Wie schon Allport formulierte (vgl. 1979: nungsbild, regionaler Herkunft, Alter
281), ist der Abbau von Vorurteilen dann usw.). Dabei werden diese aber vermut-
besonders begünstigt, wenn der Kontakt lich immer auch die nationale Kategorie
auf gleichberechtigter Ebene stattfindet weiter enthalten – ›Handwerker
und die verschiedenen Gruppen ein ge- (deutsch)‹, oder ›Rentner (deutsch)‹ in
meinsames Ziel verfolgen. Liegen solche Abgrenzung zu ›Handwerker (amerika-
Idealbedingungen nicht vor, kann der nisch)‹ und ›Rentner (amerikanisch)‹.
Kontakt zwischen Gruppen sogar eine Die empirische Erfassung von Stereo-
Intensivierung von Vorurteilen nach sich typen weist einen weit verbreiteten Man-
ziehen (vgl. Stürmer 2008: 284; Pettigrew gel auf: den Umstand, dass in den meis-
1998: 67), allerdings konnte in den meis- ten Studien mit der direkten Befragung
ten Studien ein positiver Effekt durch von Probanden gearbeitet wird. Sehr
Kontakt festgestellt werden, selbst dann, häufig werden Fragebögen verwendet,
wenn die Schlüsselkonditionen nach All- die sich des von Katz/Braly (1933) ent-
ports Hypothese nicht erfüllt waren (vgl. wickelten Eigenschaftenlistenverfahrens
Pettigrew 1998: 68). (Einen weiterführen- oder einer anderen geschlossenen Frage-
den Überblick der Forschung im Bereich form bedienen. Somit wird die Verbrei-
Vorurteilsreduktion durch Intergruppen- tung konsensueller Stereotype gemessen,
kontakt bieten unter anderem Pettigrew/ welche sich auf die Vorauswahl der For-
Tropp: 2000). scher beschränken, sowie individuelle
Kommt es aufgrund günstiger Bedin- Unterschiede nur unzureichend erfassen,
gungen zu einem Wandel des Stereotyps, da die Probanden zu einer dichotomi-
so folgt eine besonders häufig zu beob- sierenden Unterscheidung der einzelnen
achtende Art der Veränderung dem so Gruppen geradezu gezwungen sind.
genannten Subtyping-Modell. Bei diesem Eine Unterscheidung zwischen Kenntnis
Modell nach Weber und Crocker (1983) und Akzeptanz eines Stereotyps sowie
werden widersprüchliche Informationen graduiertere Urteile können auf diese Art
so aufgenommen, dass die Person, wel- und Weise nicht ermittelt werden (vgl.
530

Eckes 2008: 98). Andere direkte Messver- wohl im Englischen als auch im Deut-
fahren lassen z. B. durch Skalierung eine schen durchgesetzt und ist, ebenso wie
genauere Abstufung und Differenzie- die Derivationen Blogger(in) und bloggen,
rung der abgefragten Daten zu. Doch mittlerweile auch in Duden und Wahrig
auch hier gilt: aufgenommen worden. Bezeichnet wird
damit eine auf regelmäßiger Basis aktua-
»[D]ie den Befragten hingeworfenen Stich-
wörter sind teilweise, auf ganze Völker be- lisierte Webseite mit umgekehrt chrono-
zogen, ziemlich unsinnig (selbst große Op- logischem Aufbau. Während es auch
timisten werden nicht behaupten, die Deut- schon vor dem Durchbruch von Blogs im
schen seien intelligent), und sie zwängen Internet regelmäßig aktualisierte Jour-
die Urteile in Denkschablonen, die im freien nale gab, ist es seit der Verfügbarkeit
Nachdenken über die Menschen anderer
Nationen möglicherweise gar keine Rolle einfach zu benutzender und kostenloser
spielen.« (Bausinger 2000: 23) Blogging-Software jedem, der Zugriff auf
einen Computer mit Internetanschluss
Selbst in offenen Befragungsformen be- hat und über Basiskenntnisse im Um-
steht immer noch der Druck, spontane gang mit diesen verfügt, möglich, ein
Einschätzungen über eine soziale Blog zu führen.
Gruppe abgeben zu müssen. Somit müs- Während es heute eine Vielzahl an Inhal-
sen die Befragten zwangsläufig auf Ste- ten gibt, mit denen sich private und auch
reotype zurückgreifen, egal wie sehr professionell-kommerzielle Blogs be-
diese bei genauerer Reflexion der eigenen schäftigen (z. B. Politik, juristische The-
Meinung nach tatsächlich eine Rolle spie- men, Fotografie, Literatur oder Firmener-
len. Andere Ansätze versuchen dieses eignisse), gleicht die frühe Form von
Dilemma zu umgehen, indem beispiels- Blogs einem Tagebuch im Netz, in wel-
weise assoziative Verfahren oder (sehr chem private Erlebnisse geschildert oder
selten) Verhaltensbeobachtungen in Ex- auch Fundstücke im Web vorgestellt wer-
perimenten zum Tragen kommen. Ich den (vgl. ebd.). Viele Blogs, vor allem die
halte es jedoch für das sinnvollste Vorge- kleineren, privat geführten, folgen wei-
hen im Bereich der Stereotypenfor- terhin diesem Schema und dienen den
schung, auf die Analyse natürlich ent- Autoren dazu, ihre alltäglichen Erleb-
standener Aussagen zurückzugreifen, nisse und Gedanken zu veröffentlichen.
welche von der Forschungssituation Da Blogs mittlerweile kein wirklich
gänzlich unbeeinflusst getroffen wurden. neues Phänomen mehr darstellen, steht
Eine Analyse der in Weblogs dargelegten die Möglichkeit, diese (und andere For-
Individualmeinungen verspricht deshalb men nutzergenerierter Texte im Internet)
eine im besonderen Maße aufschluss- als Datenquelle zu nutzen, bereits seit
reiche Perspektive für diesen For- einigen Jahren im Interesse der For-
schungsbereich. schung. Es ist jedoch bislang vor allem
der Bereich der Marktforschung, der sich
3. Datenquelle Weblog intensiv mit den Meinungen und Interes-
Der Begriff Weblog ist ein Kompositum sen von Privatpersonen, wie sie in Texten
aus den Bestandteilen web, welcher sich online zum Ausdruck kommen, ausein-
auf das Verbreitungsmedium des World andersetzt. Dementsprechend entstammt
Wide Web bezieht, und log, der für Proto- die meiste Literatur, die sich bisher zum
koll oder Log- wie in Logbuch steht (vgl. Thema finden lässt, aus den Bereichen
Alby 2008: 21). Als gängige Abkürzung Marketing und Marktforschung, denn
des Begriffs hat sich das Wort Blog so- für private Unternehmen stellen die ins
531

Netz gestellten Meinungen eine einfache standen sind und daher Meinungen und
und kostengünstige Möglichkeit dar, Einstellungen wiedergeben, die nicht aus
Feedback zu ihren Produkten zu erhal- der Forschungssituation hervorgegangen
ten. Im Bereich der Sozial- und Kulturfor- sind, als auch reichhaltig und tiefgrün-
schung scheint das Potenzial solcher dig:
Texte als Datenquelle noch wenig genutzt »Blogs provide rich and deep personal ac-
zu werden, dabei sind diese nicht nur counts. The richness of this data is derived
leicht und unentgeltlich zugänglich, son- from the longitudinal nature of a blog, as
dern bieten noch eine Reihe weiterer Vor- well as the connectivity between issues dis-
cussed in the blog and links the blogger
teile. Im Vergleich zu den traditionellen may provide relating to the issue. The depth
Quellen für die Erhebung qualitativer is a result of the freedom in writer’s topic
Daten (wie Interview, Beobachtung, Fo- selection. Since bloggers choose their own
kus-Gruppen) ist die Nutzung von Blogs topics, it is natural their choices reflect their
wesentlich weniger zeitaufwändig, da areas of interest. Their writing of these
issues is opinionated and often unbiased, as
die Daten bereits in schriftlicher sowie they are free to express their own views,
digitalisierter Form vorliegen und die expecting no tangible consequences. In ad-
passenden Inhalte lediglich herausselek- dition, as the need for introspection is one of
tiert und analysiert werden müssen. the motivator to blog, personal accounts in
blogs are typically candid and genuine,
Am ehesten kann man die Daten aus providing valuable insight into the issues
Blogs mit denen aus Tagebüchern ver- present on individuals‹ minds.« (Alony/
gleichen, welche ebenfalls eine klassische Jones 2008: 101)
Erhebungsmethode darstellen. Genau Somit können auch vom Forscher ausge-
wie Tagebücher bieten Blogs den Vorteil löste Beobachtereffekte, wie beispiels-
einer longitudinalen Erfassung von Da- weise der Hawthorne-Effekt, ausge-
ten, die eine im Wandel befindliche Ge- schlossen werden. Jegliche Forschungs-
genwart dokumentieren, ohne dass der arbeit kann von diesem Umstand nur
Forscher ständig in den Erhebungspro- profitieren, insbesondere für die Erfor-
zess involviert sein muss – die Auswer- schung von Stereotypen jedoch bietet die
tung der Daten zu einem einzigen Zeit- Analyse von im Internet veröffentlichten
punkt genügt, um eine Entwicklung, wel- Daten einige entscheidende Vorteile. Wie
che sich über einen Zeitraum von Mona- bereits festgestellt wurde: Wer nach Ste-
ten oder gar Jahren erstreckt, nachvoll- reotypen fragt, erhält stereotype Antwor-
ziehen zu können. Gleichzeitig werden ten. Diese Gefahr der interkulturellen
die Journale von den Probanden freiwil- Einstellungsforschung kann bei der Ana-
lig geführt, ohne dass eine Entlohnung lyse von nicht erst im Rahmen der For-
durch den oder die Forscher nötig wäre schung entstandenen Daten weitestge-
(für eine ausführlichere Diskussion der hend gebannt werden. Die Autoren des
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Blogs wurden nach ihrer Meinung über
Tagebuchstudien siehe Hookway 2008: die Deutschen nicht gefragt, sie schrei-
94 ff.). Darüber hinaus sind die als Blogs ben, was ihnen erwähnenswert erscheint.
zur Verfügung stehenden Daten sowohl In der Forschungspraxis kann es ein Pro-
in hohem Maße natürlich, weil sie aus blem darstellen, dass Probanden zu
den Interessen der Verfasser heraus ent- spontanen Äußerungen über Themen

1 Die Seitenangabe zu Alony/Jones 2008 bezieht sich auf die online verfügbare PDF-
Version des Artikels.
532

aufgefordert werden, zu denen sie sich schung ist nicht die Überprüfung theore-
eventuell noch nie Gedanken gemacht tischer Vorannahmen, sondern die Her-
haben. Diese Problematik besteht in ausarbeitung neuer Theorien von den
Blogs ebenfalls nicht. Des Weiteren ist die Daten ausgehend. Eine genaue Kenntnis
Gefahr weniger groß, dass Gefälligkeits- bereits bestehender Theorien ist zwar un-
urteile getroffen werden. Zwar unterlie- verzichtbar, diese werden jedoch bei der
gen die Urteile immer noch dem Druck Analyse weitestgehend ignoriert, da die
des gesellschaftlichen Konsenses, den- Daten für sich sprechen sollen und somit
noch sind weder Forscher noch (andere) ein möglichst unbefangenes Herangehen
Angehörige der beurteilten Kultur un- erfordern.
mittelbare Zielgruppe der Schreibenden. »Theoretische Konzepte, die in einer Unter-
Die Blogbetreiber schreiben nach eigenen suchung entwickelt werden, werden im
Angaben hauptsächlich für die Gruppe Zuge der Analyse von Daten entdeckt und
der daheim gebliebenen Familienmit- müssen sich an den Daten bewähren – an-
dere Kriterien gibt es nicht.« (Hildenbrand
glieder und Freunde. Sie berichten von 2007: 33; Hervorhebung im Original)
ihren Erfahrungen, ohne dabei allzu sehr
negative Einstellungen zurückzuhalten Erst später werden die neu entwickelten
und positive in den Vordergrund zu stel- Konzepte mit bestehenden verglichen,
len, wie dies bei einer Meinungsbefra- um diese weiterentwickeln zu können.
gung (vor allem durch Angehörige der Der Forschungsstil der Grounded Theory
betroffenen Zielkultur) zu befürchten ist jedoch nicht als striktes Regelwerk
wäre. Obwohl im Gegensatz zu anderen aufzufassen, sondern sollte flexibel ein-
Erhebungsformen die dargestellten Mei- gesetzt werden und je nach den vorherr-
nungen oftmals nicht anonym abgegeben schenden Bedingungen an den jeweiligen
werden, besteht demnach dennoch eine Forschungskontext angepasst werden
größere Tendenz zu Offenheit in der Wie- (vgl. Böhm 2007: 476). Auch die Autoren
dergabe der tatsächlich vorhandenen von Leitfäden mit praktischen Ratschlä-
Einstellungen. gen zur Arbeit unter der Methodologie
der Grounded Theory wie Flick (2007),
Dennoch gilt:
Flick/von Kardoff/Steinke (2007); Char-
»[A]uch dann, wenn sich die Versuchsper- maz (2006) betonen die Notwendigkeit
son unbeobachtet glaubt, ist das offene Ver- zur Flexibilität im Umgang mit den be-
halten kein sicherer Indikator für die Ein- schriebenen Prinzipien in der Praxis und
stellung.« (Koch-Hillebrecht 1977: 30)
zur Anpassung der genauen Vorgehens-
Im methodischen Vorgehen bei der Aus- weise an die gegebenen Umstände.
wertung der Blogtexte wurde sich an den Bestandteil der Forschung im Stile der
Prinzipien der Grounded Theory orien- Grounded Theory ist das Theoretical
tiert. Dieser in den 1960er Jahren von Sampling, die Suche nach Vergleichsfäl-
Anselm Strauss und Barney Glaser ent- len, bei denen man sich aus den Ergebnis-
wickelte Ansatz (s. Glaser/Strauss 1967) sen der Auswertung der bisher unter-
bezeichnet sowohl eine Forschungsme- suchten Daten leiten lässt, um so an
thodik als auch die mit dieser Methode neues Material zu gelangen, das sich mit
gewonnenen Forschungsergebnisse (vgl. dem bisher vorhandenen vergleichen
Böhm 2007: 475) und hat die Entwicklung und kontrastieren lässt (vgl. Truschkat/
einer empirisch fundierten Theorie zum Kaiser-Belz/Reinartz 2007: 246 f.) Das
Ziel (vgl. Truschkat/Kaiser-Belz/Reinartz Streben nach qualitativ möglichst gehalt-
2007: 233). Ausgangspunkt der For- vollen Daten war im Rahmen dieser Stu-
533

die nur innerhalb einer Auswahl verfüg- den. So wurden Daten, welche oftmals in
barer Blogs möglich. Bei der Selektion einem Aufenthaltszeitraum von mehre-
der zu untersuchenden Blogs wurde da- ren Jahren entstanden sind, für insgesamt
her vor allem darauf geachtet, dass der 28 Einzelfälle gesammelt und einer Ana-
Untersuchungsgegenstand möglichst oft lyse unterzogen. Im Bezug auf Alter,
Erwähnung fand und möglichst viele de- Wohnort und Herkunft ist es gelungen,
mographische Informationen miterfasst eine möglichst große Bandbreite an Fäl-
werden konnten, um so die Hintergrün- len abzudecken; im Bezug auf Geschlecht
de der jeweiligen Fälle zu kennen. Trotz- und Bildung konnte durch die ungleiche
dem war es nicht möglich, für jeden Fall Verteilung in den verfügbaren Weblogs
alle relevanten Angaben zur Person zu auch in der Studie keine ausgeglichene
identifizieren, so dass die persönlichen Repräsentation erzielt werden. 22 der 28
Details teilweise lückenhaft bleiben untersuchten Blogger waren weiblichen
mussten. Da jedoch in der Untersuchung Geschlechts, 23 erwähnten, eine akade-
die Herausstellung der Gemeinsam- mische Bildung durchlaufen zu haben.
keiten und Unterschiede zwischen den Die als relevant identifizierten Einträge
einzelnen untersuchten Personen im Vor- der einzelnen Blogs wurden gemeinsam
dergrund stand, ist jede zusätzliche Aus- mit den dazugehörigen Hintergrundin-
sage zum Deutschenbild eines in formationen in jeweils einem Textverar-
Deutschland lebenden Amerikaners, beitungsdokument gesammelt und ge-
auch wenn z. B. dessen Alter unbekannt speichert, um sie so unter Verwendung
ist, ein sowohl quantitativer als auch qua- einer Software zur Unterstützung der
litativer Gewinn für die Analyse und die qualitativen Datenanalyse (ATLAS.ti) co-
Reichhaltigkeit des Datenkorpus. dieren und analysieren zu können. Das
Abgesehen davon, dass die Blogs einen Codieren und Kontrastieren der Daten
möglichst aufschlussreichen Inhalt lie- soll das Aufbrechen der Texte sowie den
fern sollten, war für ihre Auswahl wich- ständigen Vergleich der Konzepte, Phä-
tig, verschiedene Personen mit vielfäl- nomene und Fälle untereinander ermög-
tigen Hintergründen in die Analyse mit lichen, bei dem Gemeinsamkeiten und
einzubeziehen. So wurde darauf geach- Unterschiede herausgearbeitet werden
tet, die Blogs solcher »Expats« auszu- sollen. Mögliche Extremfälle können so
wählen, die in möglichst vielen unter- kontrastiert werden und die ganze Band-
schiedlichen Regionen Deutschlands le- breite der individuellen Wahrneh-
ben, aus verschiedenen Gegenden in den mungen auf einem Kontinuum darstell-
USA stammen, vielfältige Altersgruppen bar machen (vgl. Böhm 2007: 477 ff.).
und ethnische Herkünfte repräsentieren Den Prinzipien der Grounded Theory
und die aus unterschiedlichen Gründen nach bewegen sich Forscher in einem
nach Deutschland zogen. Dies sollte si- ständigen Kreislauf zwischen Datenerhe-
cherstellen, dass die Untersuchungs- bung und -analyse, währenddessen ihre
gruppe möglichst divers zusammenge- Theorie fortwährend Form annehmen
setzt ist und somit vielfältige Vergleichs- kann, bis die Grenze einer theoretischen
möglichkeiten bietet. Gemeinsamkeiten, Sättigung erreicht wird, an der aus neuen
die sich in einer solch heterogenen Daten keine zusätzlichen Erkenntnisse
Gruppe feststellen lassen, sind aussage- mehr gewonnen werden können. Eine
kräftiger für eine Theoriebildung, die im- solche Sättigung konnte im Umfeld die-
mer verallgemeinern muss, als die einer ser Studie bisher noch nicht erlangt wer-
Gruppe mit sehr ähnlichen Hintergrün- den. Vielmehr ähnelt der hier vorgestellte
534

Forschungsprozess dem Durchlaufen Einschätzung führt, Deutsche seien un-


eines ersten Kreislaufs von Erhebung freundlich, fast schon bösartig, scheint
und Analyse, während eine Folgeerhe- sich die affektive Bewertung nach länge-
bung noch aussteht. Des Weiteren gilt, rem Aufenthalt oftmals in einen neu-
wie für jede Art der qualitativen For- tralen oder gar positiven Bereich zu ver-
schung, dass die Ergebnisse dieser Studie schieben. Viele der längere Zeit in
nicht ohne weiteres generalisierbar sind, Deutschland lebenden Amerikaner ge-
solange sie nicht durch repräsentative ben an, die direkte Kommunikation der
Studien Bestätigung finden. Deutschen nach anfänglicher Ablehnung
nun schätzen gelernt zu haben und brin-
4. Im Kulturkontakt entwickelte Stereo- gen sie mit Begriffen wie honesty oder
type sincerity in Verbindung.
In der folgenden Darstellung ausgewähl-
»I can say that for Americans, German
ter Ergebnisse werden drei besonders directness crosses over into rudeness. They
häufig durch die untersuchten Amerika- do not, as a rule, pad or soften a statement
ner genannte Stereotype näher beschrie- with a compliment like we usually do. This
ben. Weitere auffällige und in den Texten can shock the hell out of an unprepared
verschiedener Blogger vorfindbare Ele- American who comes over used to having a
lot of smiles and unsolicited compliments
mente des Deutschenbildes, das durch thrown at them in the course of casual
einen intensiven Kontakt zu Deutschen conversation.
geprägt wurde, werden im Anschluss I see it as boiling down to a whole other
benannt. Zu erwähnen bleibt, dass in concept of sincerity. Germans aren’t good
diesem Rahmen nur ein stark verkürzter on subtle hints, hidden clues, softened criti-
Überblick gegeben werden kann, in der cism, etc. Instead, they have a no-shit atti-
tude to communication. This means that if
Realität enthalten die nachfolgend be- they are upset, they say so instead of saying
schriebenen Stereotype weitere Facetten that they’re ›less than thrilled‹ and leaving
und sind daher in ihrer Ausprägung tat- you to put two and two together. I found
sächlich weniger eindimensional, als sie this startling at first but then, with a little
hier erscheinen mögen. time, refreshingly easy to understand.
When Americans give criticism, we will
start with a positive statement and then
1. Deutsche sind direkt follow-up with the negative. Germans will
Dieses zumindest einigen der Amerika- cut to the chase. This can take your breath
ner bereits vor ihrer Ankunft bekannte away as an American the first few times it
Stereotyp finden viele der Untersuchten happens.« (W, 34, München)
im deutschen Alltag bestätigt. Besondere
Ausprägung erlebt es beim Führen von 2. Deutsche lieben Ordnung und Regeln
Streitgesprächen und Diskussionen, Auch dieses bereits ohne direkten Kon-
beim Üben von Kritik und in der (sel- takt unter Amerikanern verbreitete Ste-
tenen) Äußerung von Komplimenten. reotyp findet für die in Deutschland le-
Darüber hinaus werden offen Themen benden Amerikaner an vielen Stellen
angesprochen, die in der amerikanischen durch ihre Beobachtungen Bestätigung.
Kommunikation vermieden werden oder Es umfasst sowohl die große Vielzahl an
nur unter engen Vertrauten zur Sprache Regeln (sowohl formeller wie auch sozi-
kommen. Während die Wahrnehmung aler Art) im Alltag, für welche die unter-
dieses Verhaltens in vielen der unter- suchten Amerikaner oft wenig Verständ-
suchten Texte speziell anfangs als beson- nis aufbringen können, als auch die
ders negativ bewertet wird und so zu der strikte Einhaltung der Regeln durch die
535

Deutschen und deren Forderung nach Fremde bleiben unerwidert, der in den
Einhaltung auch durch die Amerikaner. USA übliche Small-Talk scheint nicht
Die Deutschen erscheinen den Amerika- stattzufinden, Fremde helfen einander
nern somit oft unflexibel und stur, vor nur dann weiter, wenn sie direkt um
allem wenn für Regelübertretungen Hilfe gebeten werden. Viele der Ameri-
durch unbeteiligte Dritte Belehrungen kaner berichten, große Probleme damit
und Maßregelungen folgen: sei es für das zu haben, ihre Arbeitskollegen oder
Überqueren einer Straße bei roter Ampel Nachbarn kennen zu lernen und Freund-
oder auch nur für das Tragen von Klei- schaften in ihrem neuen Lebensumfeld
dung, welche der deutschen Seite dem aufzubauen.
Wetter nicht angemessen erscheint. Die Ein Amerikaner berichtet, dass er diese
Amerikaner empfinden dies als Einmi- Kontaktschwierigkeiten auch nach länge-
schung in ihre Privatangelegenheiten. rem Aufenthalt nie überwinden konnte.
Hier lässt sich bei einigen der Amerika- Er gelangte so zu der Einschätzung, es sei
ner eine Subtypisierung feststellen, die unmöglich als Außenstehender eine tie-
herausstellt, dass es vor allem ältere fergehende Beziehung zu Deutschen auf-
Deutsche (für einige im speziellen ältere zubauen. Die meisten Blogger stellen
Frauen) sind, welche zu solchen Beleh- nach längerem Aufenthalt jedoch fest,
rungen neigen. dass die Freundschaften mit Deutschen,
»Before I go any further I would like to wenn sie sich einmal gebildet haben, sehr
inject that I am sick of getting yelled at by intensiv sein können und sogar eine an-
grumpy elderly people. I don’t know where dere Qualität als viele Freundschaften im
Americans keep their grandparents but I amerikanischen Sinne aufweisen. Eine
have never been yelled at by someone over
65 in the USA for doing something totally Bloggerin erklärt, das deutsche Konzept
innocent like driving my car or walking von Freundschaft entspräche eher guten
down the street. Here I get yelled at by older oder besten Freundschaften in den USA.
peeps all the time. God forbid you block the In mehreren Blogs findet sich der Hin-
cross walk while trying to make a left turn.
You have to block the cross walk in order to weis darauf, dass das ›kalte‹ Verhalten
see if cars are coming, fact of life. But should der Deutschen im direkten Gegensatz
an older person be walking or riding their zum deutschen Heterostereotyp der ame-
bike they will give you a peace of their rikanischen Oberflächlichkeit und
mind. I’ve had people STAND IN FRONT ›falscher‹ Freundlichkeit steht. Hier wir-
OF MY CAR AND LECTURE ME. Ser-
iously. Or if I cross the bike path, even
ken sich Unterschiede im Verhalten di-
though no one is there, it’s just enough to rekt auf das jeweilige Fremdbild aus. In
get yelled at. And don’t even think of cross- beide Richtungen ist das daraus entste-
ing the street unless you are at a green cross hende Stereotyp negativ besetzt, wäh-
walk.« (W, 29, Hamburg) rend das eigene Verhalten und somit
auch das Autostereotyp als Norm gese-
3. Deutsche sind (anfangs) distanziert und hen wird. Dies stellt ein gutes Beispiel für
verschlossen die ethnozentrische Bewertung fremd-
Dieses Stereotyp schildert, dass sich die kultureller Verhaltensweisen und Um-
Deutschen Fremden gegenüber, aber gangsformen dar.
auch in frühen Phasen des Kennenler-
nens, wesentlich distanzierter und zu- »Making friends – It seems with Germans
that you are either a good friend or you are
rückhaltender verhalten, als die Ameri- an acquaintance. In the US, there is a middle
kaner dies gewöhnt sind: Ein freundlich stage that allows you to have someone to
gemeintes Lächeln oder Begrüßungen an hang out and do stuff with, without being
536

best friends. I always made friends in the 14. Die Deutschen fordern ein soziales Ein-
US fairly easily whenever I moved or treten durch den Staat und schützen ihre
started work somewhere new. Not here. Umwelt.
[Face it, Germans, you take a long time to make
friends. There’s nothing wrong with that. And Wer sich bereits mit den Stereotypen von
once you make friends with someone, it’s really Amerikanern (oder auch Angehörigen
a wonderful, deep friendship. I’ve heard a lot of anderer Nationen) über die Deutschen
Germans call Americans superficial too, because beschäftigt hat, dem dürften viele der
of our style of making friends. It’s just a cultural hier genannten bekannt vorkommen. Ins-
difference.].« (W, Alter unbekannt, Laaber besondere zu den sogenannten Kultur-
bei Regensburg; Anmerkung: der kursiv
gesetzte Kommentar entstand fünf Jahre standards der Deutschen aus amerika-
nach dem ursprünglichen Eintrag) nischer Perspektive ergeben sich viele
Überschneidungen. Dies bestätigt einer-
Hier einige weitere Beispiele für Stereo- seits die Ergebnisse der von Alexander
type, die häufig und von verschiedenen Thomas und anderen (z. B. Markowsky/
Bloggern erwähnt werden: Thomas 1995, Schroll-Machl 2003) erar-
4. Deutsche drängeln, können nicht beiteten Kulturstandards, denen in ihrer
Schlange stehen. Erhebungsmethodik oftmals Unwissen-
5. Deutsche haben generell kein Problem mit schaftlichkeit vorgeworfen wird (vgl. He-
Nacktheit und eine offene Einstellung ringer 2007: 182), legt andererseits aber
zum Thema Sexualität. den ebenfalls oft gehegten Verdacht
6. Deutsche lieben ihre Privatsphäre und nahe, dass die beschriebenen Kulturstan-
schotten sich physisch von der Außenwelt dards ihrerseits nichts anderes als ver-
ab. breitete Stereotypen darstellen, da sie die
tatsächliche kulturelle Vielfalt nur stark
7. Gleichzeitig beobachten sie ihre Umwelt reduziert darstellen (vgl. Altmayer 2004:
sehr genau (Neigung zu starren) und 102; Hansen 2003: 257 f.).
verletzten damit die Privatsphäre anderer. Über die bloße deskriptive Beschreibung
8. Deutsche schweigen oder reden nur sehr der vorkommenden Stereotype hinaus
leise in der Öffentlichkeit, verhalten sich war es durch die Analyse der Daten zu-
unauffällig und konform. dem möglich, die Art und Weise zu er-
9. Deutsche haben (konträr zum in den USA gründen, wie mit diesen umgegangen
verbreiteten Stereotyp) durchaus Humor, wird und welche Rolle sie möglicherwei-
dieser ist aber anders als der anglo-ameri- se im interkulturellen Lernprozess spie-
kanische. len. Es ließ sich beobachten, dass in der
10. Deutsche behüten ihre Kinder weniger Regel diejenigen Phänomene stereotypi-
vor möglichen Gefahren, haben einen ge- siert werden, die in der Wahrnehmung
lasseneren Erziehungsstil. der Blogger kulturellen Unterschieden
zwischen den USA und Deutschland ent-
11. Deutsche sind nicht patriotisch und zei-
sprechen. Hier werden durch Beobach-
gen keinen Nationalstolz (außer beim
tung (und sicherlich beeinflusst durch
Sport, v. a. beim Fußball).
Vorerwartungen und kulturelle sowie af-
12. Die Deutschen haben ihre Vergangenheit fektive Filter) Eigenheiten identifiziert,
gut aufgearbeitet und entwickeln allmäh- die den Expats am Verhalten ihrer deut-
lich einen gelasseneren Umgang mit ihr. schen Mitmenschen auffallen. Diese Be-
13. Deutsche haben Angst vor kalter Luft, obachtungen können (insbesondere
insbesondere Zugluft, und glauben da- dann, wenn sie häufiger gemacht wer-
durch krank werden zu können. den) zu Stereotypisierungen führen, so
537

dass angenommen wird, dass sich viele diese nun präsentiert wird, muss aller-
oder ein Großteil der Deutschen nach dings darauf hingewiesen werden, dass
eben jenem Muster verhalten. Den Trä- diese Theorie noch weiterer Ausarbei-
gern dieser Stereotype ist dabei durchaus tung bedarf, da sowohl im Sinne der
bewusst, dass Unterschiede innerhalb Grounded Theory Methodologie als auch
der Gruppe der Deutschen bestehen und nach Auffassung des Autors eine Fort-
sich daher nicht alle Mitglieder nach den führung der empirischen Arbeit notwen-
stereotypen Mustern verhalten. dig ist, um diese weitergehend mit Daten
Betrachtet man, auf welche Art und anzureichern und somit besser fundieren
Weise die amerikanischen Blogger ste- und präziser beschreiben zu können.
reotypisierende Aussagen treffen, so fällt Für die untersuchten Amerikaner, die
auf, dass der stereotypen Eigenschaft nach Deutschland kamen, um hier eine
sehr häufig ein seem to vorangestellt wird, Zeit lang oder dauerhaft zu leben, ist der
nach dem Muster: ›Germans seem to be Prozess der Stereotypisierung scheinbar
[Modifikator] [Eigenschaft].‹ Insgesamt unumgänglich. Sie versuchen die Kom-
finden sich in den untersuchten Texten plexität des sie umgebenden fremden
mehr als 50 stereotypisierende Aussagen, Umfelds zu reduzieren und somit vor-
denen eine Formulierung mit seem to hersagbarer und nicht zuletzt versteh-
(oder ähnlichen Ausdrücken wie appar- barer zu machen. Auf der Suche nach
ently) vorangestellt wird. Meiner Ansicht Handlungsstrategien im Umgang mit ih-
nach kann die Verwendung des Aus- nen fremd erscheinenden Verhaltenswei-
drucks seem an dieser Stelle drei Zwecken sen versuchen sie wieder erkennbare
(oder einer Kombination dieser Zwecke) Muster zu finden, um somit ihre interkul-
dienen: turellen Begegnungssituationen plan-
1. Der Abschwächung der stereotypi- barer zu machen und erfolgreich zu ge-
sierenden Aussage, die vermutlich des- stalten. Ein entscheidender Teil dieses
halb vorgenommen wird, weil den Simplifizierungsprozesses ist zudem die
Sprechern das negative Image solcher undifferenzierte Übergeneralisierung
Aussagen bewusst ist. Dies entspricht und somit die kognitive Homogenisie-
der Verwendung von Hedges (vgl. He- rung einer überaus heterogenen Realität.
ringer 2007: 203). Man könnte sagen, dass über Stereotype
2. Der Subjektivierung der Aussage, um ein Zugang zu der fremden Kultur ge-
deutlich zu machen, dass sie lediglich wonnen wird, der gerade Anfangs stark
die eigene Meinung ausdrückt. vereinfachend ist und einer gewissen
3. Dem Hinweis auf eine Hypothese über Fehleranfälligkeit unterliegt, wenn indi-
kulturelle Unterschiede, welche noch viduelles Verhalten fälschlicherweise als
nicht (gänzlich) stereotypisiert wurde; kulturelles Verhaltensmuster interpre-
man hat bisher diese Erfahrung ge- tiert wird. Mit der Zeit und mit hinzuge-
macht, ist sich aber (bisher) nicht voll- wonnenen Erfahrungen wird das Bild
kommen sicher bezüglich ihrer Gene- jedoch zunehmend ausdifferenzierter
ralisierbarkeit und der Übereinstim- und präziser. Über den Weg der Stereoty-
mung mit der (objektiven) Realität. pisierung kann das kulturelle Verständ-
Zur Verwendung des Wortes seem aus nis früher oder später ein Niveau errei-
dem dritten hier genannten Grund sind chen, dass dem in der kulturellen Umge-
einige Überlegungen in die Theorie zum bung Aufgewachsener gleicht. Auch
Einsatz von Stereotypen als Mittel des diese nutzen schließlich für die Einord-
kulturellen Lernens eingeflossen. Bevor nung der Mitmenschen in ihrer Umge-
538

bung und den Umgang mit ihnen Stereo- rellen Unterschieden, durch eine Reihe
type, nur dass diese in der Regel sehr viel von sich gleichenden Beobachtungen ge-
differenzierter ausfallen. bildet werden. Am Abschluss dieser Ent-
Die Expats agieren dabei wie Anthropo- wicklung steht ein Stereotyp, welches
logen, die ethnologische Feldforschung wiederum als Hypothese über das poten-
betreiben. Sie beobachten ihre Mit- tielle Verhalten des Gegenübers in der
menschen und interagieren mit ihnen, Interaktion mit Mitgliedern der stereoty-
entwickeln daraus schließlich Hypothe- pisierten Gruppe dienen kann.
sen über die Gesellschaft, in der sie leben Obwohl das Entwickeln von Handlungs-
und mit der sie sich zwangsläufig tagein strategien ein essenzieller Bestandteil
tagaus konfrontiert sehen. Nicht alle kön- dieses Lernprozesses ist, geht es nicht
nen sich so sehr von Vorannahmen be- ausschließlich um ein Reagieren, sondern
freien, wie dies für gute Feldforschung auch um ein Verstehen und Nachvollzie-
nötig wäre, aber auf ihre Art und durch hen der fremdkulturellen Umwelt sowie
den Einsatz von Schubladen, die jedoch um ein Hinterfragen des eigenen ethno-
auch eine einfache Rekategorisierung er- zentrischen Wahrnehmens und Denkens.
möglichen und somit das Lernen verein- Bei der Analyse ihrer Umwelt greifen die
fachen, indem sie die komplexe Umwelt Expatriates auf verschiedenste Informati-
auf relevante Informationen hin sortie- onsquellen zurück, aus denen heraus sie
ren, kommen die ›forschenden‹ Expats zu immer komplexeren Deutungsmus-
auch der außerweltlichen Wirklichkeit tern gelangen. Auf diese Art entsteht ein
näher. über die Zeit immer umfangreicher wer-
Ihre Wahrnehmung der sie umgebenden dendes Gesamtbild, welches die tatsäch-
Welt ist dabei natürlich nicht objektiv, lichen Unschärfen und Widersprüche der
sondern wird durch eine Reihe von Fak- ursprünglich fremden Kultur immer bes-
toren beeinflusst, von denen die kultu- ser zu erfassen vermag. Einer der unter-
relle Prägung einen darstellt. Weitere suchten Blogger schildert diesen Lern-
sind einerseits eher festgelegte, wie indi- prozess mit eigenen Worten folgender-
viduelle Werte und Sichtweisen, sowie maßen:
andererseits auch temporäre, wie die mo- »[T]he world is complex, too complex for
mentane emotionale Verfassung oder […] instant evaluations. Still, we need to file
auch die Aufmerksamkeit. Dass die our experiences into mental shoe boxes in
fremdkulturelle Sichtweise bei der Inter- order to understand them. I’ve found, in
pretation eine große Rolle spielt, zeigt fact, that the less I know about a topic, the
more confident my opinion about it can be.
sich an der großen Ähnlichkeit der beob- Having spent three years living in Ger-
achtbaren Wahrnehmung (die allerdings many, I find that my picture of what Ger-
teilweise auch anderen Faktoren geschul- many represents or what it means to be
det sein dürfte). German is more complicated than ever. My
Wie bereits angemerkt wurde, ist die cycling trip in the Mosel Valley just added
to that complexity with a series of experi-
häufige Verwendung des Wortes seem in ences that defy the mental shoe box.
Verbindung mit einer stereotypi- I don’t think it’s possible or profitable to
sierenden Aussage, als Hinweis auf eine categorize all of our experiences, but it
in der Bildung begriffene Hypothese seems to be a universally human trait. The
über kulturelle Unterschiede interpre- fact is that every country is filled with
contradictions and Germany is no excep-
tierbar. Dies lässt Schlussfolgerungen zu, tion. […]
auf welche Art und Weise Stereotype, It seems to me, that as soon as I learn
ausgehend von wahrgenommenen kultu- enough to define a stereotype, I find a
539

dozen exceptions that make me rethink my dafür der Bereich der Direktheit. Das
original thesis. Probably I’m better off not kulturell bedingt andere Verhalten in
trying to draw any conclusions, but then I Deutschland sorgt unter den Neuan-
come back to a fundamental truth: Ger-
many is distinctly different when compared kömmlingen oftmals zunächst für die
with, say, Poland. And France is distinct Entstehung des Stereotyps Deutsche sind
from Spain. There are differences, but unfreundlich. Mit zunehmendem Abrü-
they’re complicated and not easily cken von der ethnozentrischen Sicht-
grasped.« (M, 54, Düsseldorf) weise und eventueller Adaption von Ver-
Ein zwar mittlerweile schon etwas äl- haltensweisen im Zuge der Akkultura-
terer, aber innerhalb der DaF-Literatur tion (einen Überblick über neuere Theo-
immer wieder aufgegriffener Definiti- rien in diesem Bereich bietet Zick 2010),
onsversuch des Begriffs Stereotyp ist der verschiebt sich diese Interpretation und
folgende: führt entweder zur Auflösung des Ste-
reotyps oder zu einer Verschiebung in
»Stereotypen sind unkritische Verallgemei-
nerungen, die gegen Überprüfung abge- Richtung Deutsche sind ehrlich oder Deut-
schottet, gegen Veränderungen relativ re- sche sagen geradeheraus ihre Meinung.
sistent sind. Stereotyp ist der wissenschaft- Diese Neubewertung geht gegebenen-
liche Begriff für eine unwissenschaftliche falls mit einer veränderten Identität ein-
Einstellung.« (Bausinger 1988: 160) her. Die kollektive kulturelle Zugehörig-
Der Auffassung, das Stereotyp sei eine keit repräsentiert und verbürgt eine spe-
unwissenschaftliche Einstellung, möchte zifische Identität (vgl. Kramer 1993: 370).
ich unter Bezugnahme auf die eben er- Die Konfrontation mit abweichenden
wähnten Möglichkeiten des kulturellen Verhaltensmustern, vor allem die Ge-
Lernens mit Hilfe von Stereotypen wider- wöhnung an solche, welche eventuell in
sprechen. Unter gewissen Vorausset- der Übernahme einiger resultiert, kann
zungen können Stereotype wissenschaft- zur Infragestellung und Reflexion dieser
lichen Hypothesen durchaus ähneln, ge- Identität führen, wie sie besonders durch
nau wie diese können sie verifiziert, falsi- das Phänomen des umgekehrten Kultur-
fiziert oder mit zunehmendem Erkennt- schocks bei der Rückkehr in die Heimat
nisstand ausdifferenziert werden. Ein deutlich wird. Dieser lässt sich bei den
Unterschied ist dabei sicherlich in ihrer untersuchten Bloggern sehr häufig fin-
Subjektivität zu finden, wobei sich erken- den. Als Begründung geben die Expats
nen lässt, dass die Blogger zumindest an, sie hätten sich an bestimmte deutsche
versuchen, nach möglichst objektiven Verhaltensweisen gewöhnt, diese teil-
Kriterien zu bewerten. Ein anderer ist in weise übernommen und müssten sich
ihrer Simplifizierung zu finden, wobei nun neu an die Umgangsformen in ihrem
bedacht werden sollte, dass auch wissen- Heimatland gewöhnen. Des Weiteren
schaftliche Theorien (gerade im sozial- hätten sie oftmals eine neue Sichtweise
und kulturwissenschaftlichen Bereich) auf kulturelle Muster ihrer eigenen Aus-
ihren Gegenstand oftmals vereinfachend gangskultur gewonnen und könnten sich
darstellen müssen, um überhaupt zu ei- nicht mehr voll mit dieser identifizieren.
ner Aussage zu gelangen. Sie gewinnen eine sehr individuelle kul-
Über den oben beschriebenen Lernpro- turelle Identität, die weder ihrer Aus-
zess hinaus lässt sich an den Daten im gangskultur, noch der Zielkultur voll-
Laufe der Zeit eine Veränderung der ständig entspricht. Das einmalige Über-
Qualität der Stereotype bzw. der Stereo- winden der ausgangskulturellen Prä-
type selbst erkennen. Bestes Beispiel ist gung begünstigt die Reflexion von Ver-
540

haltensweisen und erleichtert die Suche aber auch mit diesen gearbeitet werden
nach eigenen, selbst gewählten An- dürfen. Dies ist natürlich keine gänzlich
sichten und Handlungsmustern, wenn neue Forderung. In der langen Reihe der
die natürliche Gegebenheit der eigenen Diskussionen um die Einbeziehung von
kulturellen Kodizes in Frage gestellt Stereotypen in den Fremdsprachenunter-
wird. richt plädieren bereits seit längerem ver-
schiedenste Autoren für diese. (Beispiel-
5. Anwendbarkeit der Ergebnisse dieser haft genannt seien hier für den Bereich
Studie in der DaF-Landeskundedidak- DaF: Bausinger 1988, Steinmann 1992
tik oder Löschmann 1998). Entscheidend ist
Man kann Stereotype im Landeskunde- wiederum die Perspektive, die man dem
unterricht einerseits dazu nutzen, um Phänomen gegenüber eingenommen hat.
über Stereotype selbst als kognitionspsy- Sieht man vor allem die möglichen nega-
chologisches Phänomen zu reflektieren, tiven Konsequenzen der Stereotypisie-
um über Fremd- und Selbstbilder aufzu- rung von Eigenschaften, wird man sie
klären und so das Bewusstsein für die eher ablehnen und vielleicht, wie Fritsche
kognitiven Prozesse in der interkultu- (1996), zu dem Schluss kommen, auf lan-
rellen Begegnung zu schärfen. Dies dient deskundliche Informationen lieber zu
sicherlich der Vermeidung von Stereo- verzichten, »weil auch gut gemeinte In-
typen, denen jegliche Grundlage fehlt. formationen zu Verzerrungen führen
Erklärtes Ziel der Landeskunde ist jedoch und Vorurteile fördern können« (Fritsche
ebenfalls die Beschäftigung mit der ziel- 1996: 272). Sieht man Stereotype jedoch
sprachlichen Alltagskultur und Mentali- als natürlichen Bestandteil menschlicher
tät. Hier, so wird oftmals betont, soll kognitiver Muster, so wird man die Be-
Stereotypenbildung vermieden werden, schäftigung mit diesen im Unterricht als
die vorgestellten Phänomene sollen nicht ein ebenso natürliches Unterfangen be-
übergeneralisiert werden und stattdes- trachten. Die eigenen Einstellungen sol-
sen nach Möglichkeit die Realität der len vom Lerner reflektiert werden, Auto-
Kultur in all ihrem Facettenreichtum wie- und Heterostereotype von Ausgangs-
dergegeben werden. Eine Frage ist, ob und Zielkultur Bestandteile des Unter-
dies überhaupt möglich sein kann. Eine richts bilden, um so einen bewussten und
andere ist, ob man die in empirischer aufgeklärten Umgang mit diesen zu er-
Forschung ermittelten Stereotype, wenn zielen. Zu diesem Schluss kamen bereits
bekannt ist, dass diese nicht grundsätz- verschiedenste Vertreter in den Fremd-
lich falsch sein müssen (wenn auch sprachenphilologien, die sich in empi-
fälschlicherweise verallgemeinernd) und rischen Studien mit dem Phänomen Ste-
dass sie aus Beobachtung gewonnen wer- reotyp beschäftigten und daraus didak-
den können, dazu nutzen darf, Rück- tische Konsequenzen zogen (beispiels-
schlüsse auf mögliche Formen der all- weise Keller durch seine Pionierarbeit in
tagskulturellen Realität zu gewinnen. den 1970er Jahren, vgl. Keller 1979;
Und darf man Beschreibungen dieser an- O’Sullivan 1987, O’Sullivan/Rösler 1999,
schließend zum Unterrichtsgegenstand Nünning 1994 oder auch Spaniel 2002).
erheben, um daran Formen der gesell- Darüber hinaus halte ich es aber auch für
schaftlichen Mentalität zu ergründen? möglich, diejenigen Stereotype, welche
Im Unterricht muss unbedingt über die auf wahrgenommenen Gruppenunter-
mögliche Problematik der Stereotypisie- schieden basieren, wie die in dieser Stu-
rung aufgeklärt werden, in ihm sollte die identifizierten, zu einem Ausgangs-
541

punkt der Diskussion um kulturelle Un- leicht in Erinnerung rufen, dass das
terschiede – seien es tatsächliche oder fremdkulturelle Verhalten auf unter-
wahrgenommene – zu machen. So lassen schiedlichen Konventionen basiert und
sich die durch Erfahrung gebildeten Ori- ihm meist keine unfreundliche Intention
entierungsschemata anderer nutzbar ma- zugrunde liegt.
chen und erleichtern den Lernern Orien- Wichtig ist es natürlich, die ›typischen‹
tierung und Handeln in vergleichbaren Verhaltensmuster nicht als alleinige
Situationen. Wahrheit dastehen zu lassen. Anderer-
Es sind mehr als nur einige wenige Ste- seits ist es hilfreich, einen Orientierungs-
reotype, die sowohl auf einen großen rahmen zu schaffen, der auf bestimmte,
Bevölkerungsquerschnitt als auch auf häufige Situationen vorbereitet und so
eine Vielzahl von Situationen in der Rea- vor eventuellen Fehlinterpretationen und
lität oft zutreffen. Ein Beispiel wäre die – eventuell auftretender Frustration schüt-
aus amerikanischer Perspektive – große zen kann. Daher können im Unterricht
Direktheit in der Kommunikation von Stereotype, die von Angehörigen dersel-
Deutschen. Soll man diese mögliche Er- ben Ausgangskultur durch Beobachtung
fahrung deutscher Alltagskultur durch der Zielkultur gebildet wurden, durch-
die Lerner, die im konstruktivistischen aus einen wichtigen Lerninhalt darstel-
Sinne deren Realität darstellt, aus dem len. Ich halte daher Beschreibungsansät-
Unterricht ausschließen, diesen Aspekt ze wie den der Kulturstandards nicht
interkultureller Pragmatik ignorieren, grundsätzlich für falsch, denn sie erlau-
nur damit nicht fälschlicherweise der ben eine Vorbereitung auf Gegeben-
Eindruck entsteht, alle Deutschen ver- heiten, die in vielen Situationen durchaus
hielten sich in allen Situationen diesem zutreffen können. Wird mit den hier
Schema folgend? Die Träger selbst nega- identifizierten Stereotypen oder auch de-
tivster Stereotype wissen um den hypo- nen in den Kulturstandards oder anderen
thetischen Charakter einer Übereinstim- verknappenden Übersichten (z. B. Bau-
mung zwischen stereotypen Vorstellun- singer 2000) im kulturkundlichen Unter-
gen und dem realen Verhalten ihrer richt gearbeitet, so muss jedoch auf eine
Kommunikationspartner. Spätestens Reihe von Punkten geachtet werden:
beim ersten Kontakt mit Sprechern der 1. Es ist wichtig zu betonen, dass die
Zielsprache werden die Lerner ihre eige- dargestellten Erfahrungen nicht unbe-
nen Erfahrungen machen. Haben sie dingt eine objektive Wirklichkeit wieder-
keine Kenntnis z. B. über die häufige Ten- geben, sondern auf einer oder mehreren
denz zu direkter Kommunikation in durch die Wahrnehmung beeinflussten
Deutschland, wird es ihnen wahrschein- Beobachtungen beruhen, welche in der
lich ähnlich ergehen, wie es die Expats in individuellen Sichtweise übergenerali-
dieser Untersuchung beschrieben haben. siert wurden. Da die Lerner im Kultur-
Sie werden sich oftmals unfreundlich be- kontakt möglicherweise ähnliche Erfah-
handelt fühlen, gerade am Anfang viel rungen machen werden, ist es ratsam, sie
darunter leiden und vielleicht von selbst darauf vorzubereiten. Sie sollten daher
ein stark negativ besetztes Stereotyp ent- sowohl die negative als auch die positiv
wickeln (die Deutschen sind unfreundlich). besetzte Deutungsvariante der beobacht-
Werden sie jedoch von vornherein auf baren Verhaltensmuster kennen lernen
häufig missverständliche Situationen und somit befähigt werden, die gemach-
vorbereitet, können sich die Lerner bei so ten Erfahrungen von einem kulturrelati-
manch unangenehmem Erlebnis viel- vistischen statt dem eines ethnozentri-
542

schen Standpunktes aus zu bewerten. gehen. Es gibt keinerlei Nachweis dafür,


Dies ist meines Erachtens ein entschei- dass sich die genannten Muster tatsäch-
dender Schritt zur interkulturellen Sensi- lich aus den beschriebenen Gegeben-
bilisierung der Lerner. Gleichzeitig sollte heiten entwickelt haben. Wie die Analyse
auf die große personelle und situationale der Expat-Blogs gezeigt hat, scheint ein
Vielfalt von Kulturen hingewiesen wer- großes Interesse an solchen Begrün-
den, so dass nicht der Eindruck entsteht, dungen für das beobachtete, kulturell ab-
man bekomme ein Patentrezept für den weichende Verhalten zu bestehen. Auch
interkulturellen Umgang ausgehändigt. die Blogger versuchen immer wieder Er-
Gegenbeispiele und Varianten können er- klärungen für Verhaltensunterschiede
arbeitet werden, um so die tatsächliche zwischen Amerikanern und Deutschen
Diversität besser widerzuspiegeln. Der abzugeben – mal mehr und mal weniger
individuell konstruierte Charakter der überzeugend. Der tatsächliche Zusam-
wahrgenommenen Realität kann an sol- menhang mit den zur Erklärung heran-
chen Beispielen veranschaulicht und ver- gezogenen Argumenten kann aber ver-
deutlicht werden. mutlich nie empirisch nachgewiesen
2. Die Dichotomisierung von Kulturen werden und hat somit, wenn überhaupt,
ist, wie sich gezeigt hat, ein natürlicher eher unterhaltenden als informativen
Prozess des kulturellen Lernens. Unter- Wert.
schiede treten besonders hervor, wäh- Wird sie um die eben genannten Punkte
rend Ähnlichkeiten oft nicht wahrge- ergänzt, so kann die Diskussion der In-
nommen werden. Es liegt eine Gefahr halte der in dieser Arbeit vorgestellten
darin, die Zielkultur im Landeskundeun- Stereotype meines Erachtens einen reich-
terricht durch die alleinige Betonung von haltigen und nützlichen Lehr- und Lern-
Unterschieden fremder erscheinen zu gegenstand für den Landeskundeunter-
lassen, als sie es tatsächlich ist. Deshalb richt des Fachs Deutsch als Fremdspra-
müssen neben möglichen Unterschieden che ausmachen. Didaktische Ausarbei-
auch die kulturellen Gemeinsamkeiten tungen, welche sich an empirisch bestä-
Thema des Unterrichts sein, um so die tigten ausgangskulturellen Wahrneh-
geteilten Aspekte in der Kultur zu unter- mungsmustern der Zielkultur orientie-
streichen. ren, können die Perspektive der Lerner
3. Letztlich sollte auf historische Erklä- erweitern und das Verständnis fremdkul-
rungsversuche für kulturelle Verhaltens- tureller Muster erleichtern sowie Hand-
muster, wie sie unter anderem in der lungshilfen für den Umgang mit ihnen
Literatur der Kulturstandards, aber auch bereitstellen. Gute Ansätze für ein sol-
bei Bausinger (2000) unternommen wer- ches Programm boten bereits das Tübin-
den, lieber verzichtet werden. Hier wer- ger Modell einer integrativen Landes-
den Begründungen aus der deutschen kunde (Mog 1993) und dessen didak-
Geschichte hergeleitet, die oftmals stark tische Umsetzung im dazugehörigen Ar-
konstruiert erscheinen. Selbst wenn ei- beitsbuch (Behal-Thomsen/Lundquist-
nige dieser Erklärungen durchaus intel- Mog/Mog 1993). Diesen fehlte allerdings
lektuell nachvollziehbar sind und die eine fundierte empirische Basis des ame-
Entwicklungen kultureller Verhaltens- rikanischen Deutschlandbildes (vgl. Mog
und Denkmuster von Zeit zu Zeit tat- 1993: 14). Um eine umfangreiche und
sächlich einen ähnlichen Verlauf genom- wissenschaftlich begründete Didaktik er-
men haben könnten, beruhen sie auf arbeiten zu können, ist jedoch auch wei-
einem höchst unwissenschaftlichen Vor- terhin noch grundlegende Forschungsar-
543

beit notwendig. Durch sie wird es viel- Bausinger, Hermann: Typisch deutsch. Wie
leicht nach und nach gelingen, ein umfas- deutsch sind die Deutschen? München:
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Truschkat, Inga; Kaiser-Belz, Manuel; Rein-
artz, Vera: »Grounded Theory in Qualifi- denshaus sowie in Sprachkursen für in-
kationsarbeiten. Zwischen Programma- ternationale Studierende der Universität
tik und Forschungspraxis – am Beispiel Bielefeld.
546

Umgang mit Plagiaten an chinesischen


Universitäten1

Sandra Holtermann, Georg Jansen, Christopher Dege

Zusammenfassung
An den chinesischen Universitäten ist heute das Anfertigen von Plagiaten so weit verbreitet,
dass das wissenschaftliche Niveau nicht nur hinter den vom europäisch-amerikanischen
Wissenschaftsverständnis herangetragenen Ansprüchen zurückbleiben muss, sondern zu-
nehmend auch Bemühungen der chinesischen Bildungspolitik gefährdet werden, durch die
verstärkte Besinnung auf Integrität, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit die Qualität ein-
heimischer akademischer Forschung zu verbessern.
Ausgehend von den Erfahrungen deutscher Lektoren in der universitären Unterrichtspraxis
versucht der Beitrag, die spezifischen kulturellen und materiellen Bedingungen zu rekons-
truieren, die in China die Plagiatsanfertigung offenbar in besonderer Weise begünstigen.
Im zweiten Teil wird ausführlich dargestellt, mit welchen Mitteln staatlicherseits auf die
Entwicklung reagiert wird. Abgeschlossen wird die Analyse durch die kommentierte Dar-
stellung eines exemplarischen Plagiatsfalls.

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln:


erstens durch Nachdenken, das ist das Edelste,
zweitens durch Nachahmen, das ist das Leichteste,
und drittens durch Erfahrung, das ist das Bitterste.
Konfuzius

Das Anfertigen von Plagiaten ist zu einer mender Kollateralschaden anzusehen:


weltweit verbreiteten Praxis geworden, Nur um den Preis des Plagiats scheint die
wenn es um die Anfertigung wissen- weltumspannende Vernetzung der Wis-
schaftlicher Arbeiten durch Studenten senschaftler von morgen zu einer global
geht. Angesichts der durch das Internet scientific community zu haben zu sein.
hervorgebrachten Informationsexplosion Auch in China ist die Praxis des copy and
sowie der von Standort und Tageszeit paste längst in die Praxis des studen-
weitgehend unabhängigen Verfügbarkeit tischen Schreibens von Papers, Hausar-
von im weltweiten Netz abrufbarem, beiten und Abschlussarbeiten eingetre-
schier unbegrenztem Quellenmaterial ist ten.
das zu einem Massenphänomen ausge- Insofern das Anfertigen von Plagiaten als
wachsene Plagiieren als ein ernst zu neh- globales Problem der Hochschulen, und

1 Der vorliegende Beitrag ist einer von zwei Artikeln, die aus der Arbeit einer DAAD-
Arbeitsgruppe in China hervorgehen. Er ergänzt die Ergebnisse, die von Waltraud
Timmermann, Wang Liping und Miao Yulu (alle Beijing Foreign Studies University) in
ihrem Beitrag »Den kritischen Umgang mit Internet-Materialien entwickeln: Eine
mediendidaktische Aufgabe für den Bachelor-Unterricht« festgehalten wurden (Tim-
mermann/Wang/Miao 2010: 417–425).

Info DaF 37, 6 (2010), 546–561


547

zwar nicht nur im Bereich der Lehre, – fehlender Eigenanteil, d. h. mangelnde


sondern auch dem der Forschung, anzu- Eigenleistung auf der Basis des rezi-
sehen ist, darf davon ausgegangen wer- pierten Forschungsstands,
den, dass eine große Zahl der Motive, die – wenig souveräne Handhabung der
heute zur Plagiatsanfertigung führen, Forschungsliteratur, so dass keine ei-
länder- und regionenübergreifend ähn- gene Position formuliert, keine eigene
lich sind. Angestoßen durch die Praxis Hypothese gestellt werden kann, die
der Arbeit mit chinesischen Studenten an einen Überblick über die Forschungs-
Deutschabteilungen von Hochschulen in lage nachweisen und mögliche, den
Shanghai und Peking erschien es jedoch aktuellen Forschungsstand erwei-
sinnvoll, die Situation des Plagiierens in ternde Fragestellungen zumindest an-
ihrem chinesischen Kontext zu beschrei- deuten könnte.
ben, um so eine Analyse der für die
Ein insgesamt diffuser Umgang mit Ei-
chinesische Hochschullandschaft spezi-
genem und Fremdem lässt das Gros der
fischen Plagiatsproblematik vorzuberei-
Arbeiten hinsichtlich der Autorschaft
ten.
des Geschriebenen äußerst fraglich er-
Dass das Plagiatsphänomen überhaupt
scheinen: Selbstgeschriebenes, gekenn-
als Problem wahrgenommen oder formu-
zeichnetes und ungekennzeichnetes Zi-
liert wird, scheint insbesondere auf Dis-
tat – der Übergang zum Plagiat ist selten
kussionen ausländischer Lektoren oder
genau zu erkennen, aber oft überschrit-
Dozenten zurückzugehen. Auch die vor-
ten.
liegende Untersuchung zum Problem des
Plagiierens an chinesischen Hochschulen Den Autoren dieses Aufsatzes ging es
entstand vor dem Hintergrund der Un- darum, zu sichten, welche spezifischen
zufriedenheit deutscher Lektoren mit Bedingungen im chinesischen Hoch-
dem wissenschaftlichen Standard vieler schulbereich vorliegen, die an den Uni-
schriftlicher studentischer Semester- und versitäten Chinas die Plagiatsanfertigung
Abschlussarbeiten. in besonderer Weise befördern. Bei dem
Gespräche mit Kollegen anderer fremd- begrenzten Umfang dieses Aufsatzes
sprachlicher Abteilungen zeigen einen können die Gründe, die chinesische Stu-
Konsens über Vorzüge, aber auch Nach- denten an fremdsprachlichen Fachberei-
teile chinesischer Lernermentalitäten: chen in besorgniserregendem Umfang
Chinesische Studenten werden insge- zum Plagiat greifen lassen, nicht erschöp-
samt als fleißig und strebsam eingestuft, fend abgehandelt werden. Es soll daher
solange es um Präsenz und Mitarbeiten zunächst versucht werden, einen Über-
im Unterricht gehe, das Anfertigen von blick über die Bedingungen, Schwierig-
schriftlichen Referaten oder gar größeren keiten und die Motivation chinesischer
Abschlussarbeiten scheitert aber in den Studenten beim wissenschaftlichen Ar-
Augen der Kollegen in den meisten Fäl- beiten zu gewinnen. Im zweiten Teil wird
len. Als Schwächen der Arbeitsvorhaben referiert, inwieweit das Problem den
werden immer wieder genannt: Hochschulleitungen sowie u. a. dem Mi-
– wenig ausgeprägte Motivations- und nisterium für Bildung, dem Forschungs-
Zielvorstellungen, kaum Reflexion über und Wissenschaftsministerium sowie der
die Relevanz des gewählten Themas, Chinesischen Akademie der Wissen-
– fehlende Übersicht über die Quellen- schaft bekannt ist und wie man ihm ad-
lage des gewählten Themas sowie über ministrativ, juristisch und politisch bei-
den Forschungsstand, kommen will.
548

Spezifische Bedingungen im chine- weniger umfassende Anwendungsbe-


sischen Hochschulbereich reiche ableitende Aussagen trifft, ist ihm
Folgende Tendenzen scheinen der mas- das dem westlichen wissenschaftlichen
senweise verbreiteten Praxis des Plagiie- Denken zugrunde liegende Induzieren
rens förderlich zu sein: entgegengesetzt und wesenhaft fremd. In
der Fachliteratur wird dieses Lernverhal-
1. Tradition chinesischen Denkens, Argu- ten mit einer kulturellen und aus der
mentierens, Meinungsbekundens, Schreibens Lerntradition stammenden Vorprägung
Eine innerhalb der chinesischen Kultur begründet, die im asiatischen Raum, ins-
traditionell von der europäischen Sicht- besondere im konfuzianisch geprägten
weise abweichende Bewertung des Plagi- China, vorherrsche (vgl. hierzu Shei 2006;
ats bedingt, dass die Grobheit des Tatbe- Sowden 2005). Sowden führt an, dass die
stands der Täuschung bzw. Fälschung, akademischen Regeln und Normen in
der in Europa oder Nordamerika dem China auf die lange Tradition konfuzia-
Plagiat beigemessen wird, aus chine- nisch geprägter Beamtenprüfungen zu-
sischer Sicht kaum oder gar nicht nachzu- rückgeführt werden können, die gerade
vollziehen ist. In China hat der überliefer- darauf abzielen, die als Gemeingut be-
te, einmal für vorbildlich anerkannte Text trachteten Worte des Lehrmeisters als die
grundsätzlich eine Autorität, die zum eigenen aus- und wiederzugeben:
Nachahmen oder gar Auswendiglernen
verpflichtet.1 Ihn zu kritisieren oder um- »A similar point could be made about Chi-
nese academic norms, which are the result
zuformulieren, darin wird meist kein
in part of a long tradition of reproducing
Sinn gesehen, eher wird der einmal als Confucian teachings in civil service exams.
verbindlich gewertete Text sakrosankt: The philosopher’s words were known by
Nur unverändert, als ganzer darf er wie- and belonged to everyone, and being able to
dergegeben (und wiederholt) werden. reproduce them, without citation, in place
Damit hängt insgesamt ein für high-con- of your own, was considered an appropri-
ate, even laudable strategy.« (Sowden 2005:
text-Kulturen, zu denen China zählt, ty- 227)
pisches deduktives Denken zusammen,
das auf Autorität, Tradition und rote-learn- Allerdings sieht Sowden hier schon
ing basiert, während deutsches Denken als selbst die Gefahr der Stereotypisierung
Beispiel für low-context-Kulturen eher in- asiatischer respektive chinesischer Lern-
duktiv vorgeht, was dem Abbau von Au- gewohnheiten, so dass er sich darauf
toritäten förderlich ist und Spontanität beschränkt, auf Seiten der Lehrenden al-
und Originalität des Vorgehens begüns- lererst ein Bewusstsein für das Kopieren
tigt (vgl. Hall 1976). Insofern das chine- fremden Gedankenguts und die darin
sische Denken eher deduktiv vorgeht und liegenden Implikationen und Gefahren
von als wahr geltenden und nicht anzu- erzeugen und im Weiteren aufrecht er-
zweifelnden, verbindlichen Texten auf halten zu wollen:

1 Vgl. Kammerer et al. (2006: 64): »[Eine] fremde Leistung aufzugreifen und damit durch
Lernen eigenes Wissen zu erwerben und dieses zu nutzen, ist im Sinne des Konfuzius
klug und erstrebenswert. Der Gedanke, dass eine Idee, also ein immaterieller Wert, der
Besitz lediglich einer Person oder einer Gruppe von Menschen sein könnte, widerspricht
dem konfuzianischen Gedankengut völlig. Denn jeder soll nach Bildung streben.
Erkenntnisse und Resultate sind, insofern sie der Gemeinschaft dienen sollen, Allge-
meingut.«
549

»Therefore, while maintaining an aware- machte Erfahrung einer eigens erarbeite-


ness of cultural predispositions […], we ten Studie wird gar nicht erst fühlbar,
must be careful how we interpret the behav- weil in der Umgebung des Studenten
iour; we must also remember that groups
defined by nation, culture or language are allenfalls der Dozent eine authentische
not homogenous, but composed of individ- Auseinandersetzung mit einem gestell-
uals who are not all alike.« (Sowden 2005: ten Thema im Rahmen der vorliegenden
228) wissenschaftlichen Forschung für sinn-
Wie man die Schwierigkeiten, die sich voll erachtet und als Bedingung der Ertei-
aus den abweichenden Denkweisen erge- lung eines akademischen Reifegrads ver-
ben, auch bewerten mag, es ist davon langt.
auszugehen, dass ein Fehlen von oder Im Zusammenhang mit dem spezifisch
allenfalls vage Vorstellungen über Strate- chinesischen Nützlichkeitsdenken ist
gien, nach denen ein wissenschaftlicher auch der erhebliche Motivationsverlust
Aufsatz in der Fremdsprache geschrie- bei Studenten deutschsprachiger Studi-
ben wird, in den meisten Fällen das Pla- engänge in China zu sehen, der auf die in
giat als praktische Lösung des Dilemmas den letzten Jahren rapide verschlech-
nahelegen, das sich vor dem Hintergrund terten Berufsaussichten zurückzuführen
der chinesischen Lerntradition und der ist. Weil bei der Wahl des Studiengangs
Einstellung gegenüber den Autoritäten nicht so sehr das Interesse am Inhalt des
Lehrer und Buch sogar als akzeptabel Fachs, sondern vor allem die späteren
bewerten lässt. Karriereaussichten den Ausschlag geben,
nimmt mit deren Verschlechterung das
2. Konfuzianisch geprägtes Nützlichkeitsden- Interesse an Studieninhalten bzw. die Be-
ken reitschaft zu engagiertem Studieren pro-
Der Sinn eines Studiums wird in China portional ab. Auch hierin ist u. E. eine der
auch heute noch in erster Linie darin Plagiatsanfertigung auf gefährliche
gesehen, bessere Berufschancen und spä- Weise förderliche Entwicklung zu sehen.
ter ein hohes Einkommen zu erzielen. Die (Zur Verschlechterung der Berufsaus-
meisten Studenten und auch Dozenten sichten für Absolventen deutschspra-
sehen die Hochschule innerhalb ihres chiger Studiengänge vgl. Ammon/Rein-
Kosten-Nutzen-Modells: Jeder Teilschritt bothe/Zhu 1995: 194–209)
sollte als Hürde so schnell wie möglich,
mit möglichst geringem Zeitaufwand ge- 3. Verantwortlichkeit des Lehrers
nommen werden.1 Eine im Internet vor- Nach dem traditionellen chinesischen
gefundene Arbeit, die zum Thema der Verständnis wird dem Lehrer bei der
Bachelorarbeit passt, zu übernehmen, Ausbildung des einzelnen Studenten
verschafft im Einzelfall immer einen als und auch bei der Frage nach gelin-
wertvoll angesehenen Zeitvorteil. Der gender oder misslingender akade-
wissenschaftliche Fehltritt, die nicht er- mischer Vita eine besonders große Be-
brachte Eigenleistung, die nicht ge- deutung zugemessen. Der Lehrer wird

1 Vgl. dazu Liu (1998: 121): »Throughout history, Chinese people have been characterized
by their utilitariansim. In traditional culture, utility was put above everything else, as
illustrated in the expression, ›Gear one’s study to the art of government and practical use
(jingshi zhiyong)‹. The purpose of study was not personal academic development but
›cultivating oneself, administering state affairs and ensuring national security (xiushen
qijia zhiguo pingtianxia)‹«.
550

in besonderer Weise für den Erfolg eines stellt hat. Die meisten Studenten sind
Studenten im Examen verantwortlich damit beschäftigt, die Einstellung des
gemacht, d. h. im Umkehrschluss auch, Lehrers zum behandelten Thema zu eru-
dass ein Misserfolg des Schülers in einer ieren, um diese dann – als Gelerntes, als
Prüfung in vielen Fällen vor allem auf Wissen – zu reproduzieren. Abgesehen
den Lehrer ein schlechtes Licht wirft.1 von den Schwierigkeiten, vor die diese
Der daraus resultierende Druck auf den grundsätzliche Einstellung chinesischer
Lehrer, um (beinahe) jeden Preis die Schüler und Studenten den europäischen
Gesamtschaft der Examenskandidaten Dozenten stellt, zu dessen obersten di-
passieren zu lassen, wird sich tendenzi- daktischen Absichten zählt, im universi-
ell auch mildernd auf seine Haltung tären Unterricht eigenständiges Denken
gegenüber Plagiaten auswirken. Die zu fördern, begründet die hier skizzierte
Verantwortlichkeit des Dozenten wird Haltung zugleich eine dem Plagiat ent-
als so umfassend angesehen, dass Stu- schieden entgegenkommende Prädispo-
denten in vielen Fällen sogar darauf ver- sition.
trauen, der Dozent werde einen Täu-
schungsversuch schon unterbinden, also »Chinese students in particular may strug-
gle to adjust to Western notions of plagia-
im Verlauf der Plagiatsanfertigung ge- rism as deference to expert opinion is a
gebenenfalls eingreifen und rechtzeitig deeply routed cultural norm in Chinese
gegensteuern. Diese Praxis des perma- society. Indeed, referencing sources has
nenten Auslotens der Dehnbarkeit von been seen as disrespectful to both reader
Regeln und Gesetzen ersetzt in China and ›expert‹ as it presupposes that the
grundsätzlich, z. B. auch im Straßenver- source is not widely known and that the
audience is unable to recognize source ma-
kehr, eine durch Furcht vor Sanktionen terial. Students are often extremely commit-
geregelte Praxis. ted to practices learnt at school and need
support to help them accept the need for
4. Status der Äußerungen von Dozenten und referencing.« (Cavaleri 2006)
Autoren
Die hohe Verantwortlichkeit der Do- 5. Das Plagiat als Überlebensstrategie?
zenten für die erbrachten Leistungen der Angesichts der Schwierigkeiten, deren
Studenten bedingt auf der anderen Seite Nichtüberwindung in den Augen der
seinen Status höchster Autorität ihnen Studenten das erfolgreiche Absolvieren
gegenüber. Ruft der Lehrer zu konstruk- des Studiums gefährdet, kann Flower-
tiver Kritik und Diskussion eines im Un- dew und Li zufolge das Plagiat als eine
terricht vorgestellten Gegenstands auf, ›Überlebensstrategie‹ charakterisiert
sehen sich die Studenten mitunter vor werden, wobei die Schwierigkeit, einen
unüberwindbare Schwierigkeiten ge- komplexen Text, der wissenschaftlichen
stellt. Sie haben nicht gelernt, Kritik am Ansprüchen genügt, in einer Fremdspra-
Gegenstand unabhängig von der Kritik che2 anzufertigen, deutlich im Vorder-
an der Person zu denken, die ihn vorge- grund steht.

1 Während im Deutschen die Bezeichnung Dozent auch eine Emanzipation von den
Erziehungsaufgaben bedeutet, die dem Lehrer gegenüber Schülern bis zur Hochschul-
reife obliegen, kann der für die gesamte Schullaufbahn einschließlich Hochschule
zuständige laoshi als Indiz dafür gelten, dass in China eine ähnliche Entbindung des
Studenten in die Mündigkeit zu keinem Zeitpunkt vorgesehen ist.
2 In diesem Fall beziehen sich die Autoren auf Englisch als Fremdsprache.
551

»This latter [survival] strategy may be due dungskämpfen um die Beamtenlaufbahn


to a combination of factors: (1) believing einbestellt. Unternehmen halten in Uni-
that a degree of copying of language from versitätsnähe oder sogar in von den
other texts is acceptable; (2) linguistic and
cognitive overload in fulfilling certain writ- Hochschulen zur Verfügung gestellten
ing tasks […]; (3) pressure of passing assess- Räumlichkeiten Assessmentsitzungen
ment (and related fear of punishment); and ab, die Studenten vom regelmäßigen Be-
(4) unfamiliarity with the discourse of the such des Unterrichts sowie von ihren
target disciplinary community (hence lack Forschungsaufgaben abhalten. Das Aus-
of confidence).« (Flowerdew/Li 2007)
maß der außerunterrichtlichen Aktivi-
Die von den Autoren angeführten Grün- täten und die davon ausgehende Ablen-
de sind in der täglichen Praxis zu beob- kung vom Studienabschluss rufen u. E.
achtende praktische Hindernisse, die zu einen dringenden Handlungsbedarf her-
jenen weiter oben angesprochenen, di- vor.
rekt auf die kulturelle Prägung zurück-
führbaren dem Plagiieren entgegenkom- 6. Verfügbarkeit wissenschaftlichen Quellen-
menden Prädispositionen hinzukom- materials
men. Abgesehen von den Faktoren der Sowohl der quantitative Vorteil einer
sprachlich-kognitiven Anforderungen, schier unerschöpflichen Informations-
des allgemeinen Prüfungsdrucks sowie quelle als auch die beinahe vollständige
mangelnder Vertrautheit mit dem jewei- Freiheit von zeitlichen und räumlichen
ligen fachlichen Diskurs, die laut Flower- Beschränkungen bei der Nutzung von
dew und Li den Schreibenden in der Online-Ressourcen sind Argumente für
Fremdsprache überbeanspruchen und das Internet, die weltweit die Biblio-
zum Plagiat führen können, gibt es u. E. theken vor ein neues Legitimations-
einen weiteren wesentlichen Schwach- problem gestellt haben. Gerade in China,
punkt der praktischen Durchführung so scheint es, wiegen die Pluspunkte des
und Planung schriftlicher Arbeiten, näm- Internet noch stärker als anderswo, und
lich das mangelhafte Zeitmanagement. das kann nicht wundernehmen ange-
Ein regelmäßig zu konstatierendes nicht sichts des Zustands vieler Bibliotheken,
vorhandenes Bewusstsein dafür, dass in denen, so hat man den Eindruck, eine
ohne die planerische Einteilung des kom- besondere chinesische Anschauung der
plexen Prozesses der (zumindest probe- Bibliothek sichtbaren Niederschlag ge-
weisen) Forschungsarbeit in einzelne funden hat: Die Anschauung nämlich
Phasen (Themensondierung, Literaturre- von der Bibliothek als einer notwendigen
cherche, Schreibphase) die Arbeit kaum Verwaltungseinheit, die allenfalls der
zu einem erfolgreichen Unternehmen Forschung, kaum als Ort der Lehre zu
werden kann, wird dabei noch durch die dienen hat; die nicht für die Nutzung
geradezu verhängnisvolle Tendenz einer durch Studenten geschaffen ist und
vorzeitigen, in die wichtige Schlussphase schon gar nicht dafür, als besonderer Ort
hineinreichenden Bewerbungsprozedur zur lustvollen Lektüre zu verleiten. In
um Arbeitsstellen flankiert, die von den besonders krasser Form sticht in China
Instituten sträflicherweise zugelassen das Internet, das praktisch jedem Stu-
wird: Bereits zu Beginn des vierten Studi- denten zur Verfügung steht, Institutsbib-
enjahres, während sie sich mit der Anfer- liotheken als primäre Informationsquelle
tigung der Abschlussarbeiten beschäfti- aus: In vielen Fällen sind die Biblio-
gen (sollten), werden Studenten zu Vor- theken, was Fremdsprachen betrifft,
stellungsgesprächen und Ausschei- mangelhaft ausgestattet, selten auf dem
552

neuesten Stand, zudem machen um- deutlicht nichts besser als ein derzeit
ständliche Bestell- und Ausleihmodali- kräftig florierender Ghost-Writer-Markt.
täten, dem Nutzer nicht entgegenkom- So steht nach einem kürzlich in der größ-
mende und schwer durchschaubare Sys- ten englischsprachigen Tageszeitung der
tematiken der Anordnung der Medien Volksrepublik – China Daily – erschie-
sowie unpraktische Öffnungszeiten die nenen Bericht den 2,4 Millionen im Jahr
Bibliotheken in den seltensten Fällen zu 2008 in China veröffentlichten wissen-
Orten, die zur notwendigerweise zeitrau- schaftlichen Texten eine Nachfrage von
benden Literaturrecherche oder gar zur 11,8 Millionen zu publizierenden Werken
Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten gegenüber (vgl. Du 2010). Um diese
einladen. Schließlich ist es auch die Nichtübereinstimmung von Nachfrage
Promptheit der Online-Recherche, die und Angebot zu beheben, hat sich eine
angesichts oft weiter Wege und schwie- Ghost-Writing-Szene entwickelt, deren
riger Verkehrsverhältnisse in den Groß- Umsatz allein im Bereich akademischer
städten in China besonders stark ins Ge- Publikationen im Jahr 2009 bereits die
wicht fällt. »one billion yuan«-Grenze (ca. 110 Milli-
onen Euro) überschritten habe, so china
7. Unrealistischer Publikationsdruck daily. Liest und bedenkt man weiter, dass
Damit das Internet der ständig wachsen- die Autoren der angeforderten wissen-
den Nachfrage nach immer aktuelleren, schaftlichen Artikel und Abschluss-
größeren und vielfältigeren Informati- arbeiten zum größten Teil selber Hoch-
onsmengen gerecht werden kann, muss schullehrer sind, die ihre im Vergleich
es immerzu mit neuen und immer größe- zur freien Wirtschaft niedrigen Gehälter
ren Informationsmengen beschickt wer- durch Nebenerwerb aufzustocken versu-
den. Der Publikationsdruck, unter dem chen, wird deutlich, dass man sich in
in China Hochschuldozenten, Promoti- dem Bemühen, Plagiate aufzudecken
onsstudenten und nicht zuletzt Forscher und Studenten und Dozenten von einem
stehen, ist aber nur zum Teil mit der höheren wissenschaftlichen Ethos zu
weltweit steigenden Nachfrage nach on- überzeugen, einem Teufelskreis gegen-
line erhältlichem Studienmaterial zu er- über sieht.
klären. Hinzu kommen die in den letzten Aus den aufgeführten Aspekten darf ge-
Jahren verschärften und auch poli- folgert werden, dass im Falle Chinas die
tischem Druck geschuldeten Publikati- Plagiat-Frage anders zu stellen ist als in
onsvorgaben der Hochschulen an akade- Europa: Während das Problem dort vor
mische Mitarbeiter und Studenten, die allem im Hinblick auf juristische Zu-
den Anschluss Chinas an den wissen- griffsmöglichkeiten und zu entwi-
schaftlichen Standard europäischer und ckelnde Aufdeckungsstrategien disku-
nordamerikanischer Universitäten her- tiert wird, sollte man in China der Frage
stellen bzw. sichern sollen. Dabei stehen nachgehen, warum die Studenten das
vor allem Publikationsmengen im Vor- Ethos wissenschaftlichen Arbeitens gar
dergrund und weniger die Qualität der nicht erst nachvollziehen wollen bzw.
Beiträge. Nun wird man als eines der können und ob es überhaupt für sinn-
grundlegenden Merkmale von Qualität voll oder gar realisierbar erachtet wer-
die Echtheit bzw. Originalität eines wis- den kann, systematisch und mit not-
senschaftlichen Textes bezeichnen. Dass wendigerweise hohem Aufwand auf
auf dieses grundlegende Qualitätsmerk- Übernahme europäischer Standards
mal wenig geachtet werden kann, ver- hinzuwirken. Über Aufdeckungsstrate-
553

gien nachzudenken, unterläuft mögli- Wissenschaftsnationen der Welt aufzu-


cherweise das Problem, dass chinesische bauen.1 Dazu bedarf es quantitativer und
Studenten oft nicht nur den Mehrauf- qualitativer Maßnahmen.
wand eigener Forschungsarbeit vermei- Hinsichtlich der Anzahl der Forschenden
den wollen, sondern dass sie erst gar hat das Land inzwischen zu Europa und
nicht Sinn und Zweck einer Arbeits- den USA aufgeschlossen; zudem nehmen
weise erkennen, die auf dem Boden vor- chinesische Forschende derzeit im welt-
liegender Forschungsbeiträge auf in- weiten Vergleich publizierter wissen-
duktivem Weg eine eigene These erstel- schaftlicher Artikel mit mehr als 112.000
len will bzw. – nach einem von außen Veröffentlichungen (2008) hinter den
herangetragenen Wissenschaftsver- USA Platz Zwei ein. Wie nie zuvor betei-
ständnis – sollte. ligen sich chinesische Forschende in ih-
ren Wissenschaften am internationalen
Staatliche Reaktionen auf Plagiate im Diskurs, und ihre globale Vernetzung
wissenschaftlichen Kontext schreitet ständig voran (vgl. Dambeck
Die im ersten Teil skizzierten, dem (nach 2009; Russo 2010).
westlichem Verständnis) zu verurteilen-
Mit dem stärker werdenden internationa-
den Plagiieren Vorschub leistenden
len Gewicht wächst indes der internatio-
Merkmale und Tendenzen chinesischer
nale Druck der Wissenschaftsgemeinde
(Lern-)Traditionen und universitärer Re-
auf China; der Ruf aus dem Ausland
alität führen zu der Frage, inwiefern und
nach einer integren Wissenschaft ent-
mit welchen Maßnahmen die verant-
wortlichen chinesischen Institutionen, sprechend internationalen Standards ist
d. h. Ministerien und Hochschul- bzw. auch in China gut vernehmbar. So veröf-
Forschungseinrichtungen, auf das Pro- fentlichte das englische Medizin-Fach-
blem des Plagiats reagieren. Im fol- blatt The Lancet jüngst in seinem Edito-
genden Abschnitt werden die jüngsten rial, bezugnehmend auf einen Betrugsfall
von staatlicher Seite ausgehenden Regu- durch chinesische Wissenschaftler, in
lierungsversuche sowie die Umsetzung dem Fachblatt Acta Crystallographica Sec-
ministerialer Vorgaben an den Universi- tion E. (vgl. Harrison 2009), folgende For-
täten des Landes dargestellt. derung:
»For Hu Jintao’s goal of China becoming a
1. Chinesische Wissenschaftsgemeinde unter research superpower by 2020 to be credible,
internationalem Druck China must assume stronger leadership in
Nicht nur Gesellschaft und Wirtschaft, scientific integrity.« (Horton 2010: 94; vgl.
auch Qiu 2010)
sondern auch Forschung und Wissen-
schaft befinden sich in China in einem Es stellt sich die Frage, wie weitreichend
tiefgreifenden Reformprozess. Der 11. das Problem des wissenschaftlichen Fehl-
Fünf-Jahresplan der Staatsregierung aus verhaltens in chinesischen Forschungs-
dem Jahr 2006 formuliert u. a. als mittel- einrichtungen und Universitäten ist. Laut
fristiges Ziel dieser Reform, China bis Cao Cong ist der oben genannte Fall nur
zum Jahr 2020 zu einer der führenden die Spitze des Eisbergs:

1 »The endeavor will raise China’s R&D expenditure to 2% as a proportion of GDP,


allowing China to become an S&T power with strong proprietary innovation capacity,
and laying a foundation for making China part of innovation economies in the world.«
(Mao 2006)
554

»According to the China Association for Forschungseinrichtungen auf, das Be-


Science and Technology […] more than half wusstsein für akademische Disziplin bei
of the Chinese scientists who responded to Dozenten und Studenten zu stärken, be-
its recent survey indicated that they were
aware of incidents of misconduct involving wiesene Plagiatsfälle publik zu machen
their colleagues.« (Cao 2010) und sie entsprechend chinesischem Recht
zu sanktionieren (vgl. o. V. 2006; o. V.
Fang Shimin, prominentester Plagiatsjä- 2004). Universitäten bzw. Forschungsein-
ger Chinas, beurteilt die Lage im Reich richtungen sind angehalten, Verdachtsfäl-
der Mitte pessimistisch:
le durch einen entsprechenden Ausschuss
»[Academic fraud] is more common [here] prüfen zu lassen; bei nachgewiesenem
than in any other country and more com- Plagiat sei die Strafe je nach Ermessen der
mon than in any other period in Chinese Verantwortlichen als Verwarnung, Exma-
history.« (Mooney 2010)
trikulation bzw. Entlassung oder als juris-
tische Anklage zu formulieren. Darüber
2. Staatliche Maßnahmen
hinaus bestehe die Möglichkeit, dem
Wenn China seine Rolle als kommende Überführten den Umfang von bereits zu-
Wissenschaftsgroßmacht nicht durch gesicherten Forschungsgeldern zu redu-
wiederholt publik gewordene Fälle aka- zieren bzw. diese ganz zu streichen und
demischen Fehlverhaltens verspielen ihn für eine festzulegende Dauer von wei-
will, müssen grundlegende Strukturen teren staatlichen Unterstützungen und
verändert und akademische Integrität akademischen Auszeichnungen auszu-
etabliert werden. Das hat auch die Staats- schließen. Zur Schärfung des Problembe-
regierung realisiert, und sie begegnet wusstseins bei wissenschaftlichem Perso-
dem wachsenden Druck und der interna- nal und Studenten regt das Ministerium
tionalen Kritik mit offiziellen Vorgaben an, Fortbildungen zum Thema »Plagiat«
und Stellungnahmen. Innerhalb der letz- abzuhalten.
ten 12 Monate positionierte sich die Re-
Am 26. August des gleichen Jahres unter-
gierung hinsichtlich des Umgangs mit
strich das Comittee for Promoting Research
wissenschaftlichem Fehlverhalten, insbe-
Integrity of China (ein Zusammenschluss
sondere mit dem Problem von Plagiaten
staatlicher Einrichtungen, u. a. das Bil-
im akademischen Kontext, durch zwei
dungsministerium, das Ministerium für
Veröffentlichungen im März bzw. August
Wissenschaft und Technik sowie die Chine-
des Jahres 2009 (vgl. für einen Überblick
sische Akademie der Wissenschaft) die Not-
vorheriger Maßnahmen: Sutherland-
wendigkeit einer schnellen Aufbesse-
Smith 2008: 66 ff.) und ließ durch das für
rung der akademischen Disziplin in
die Verfolgung der Maßgaben verant-
China:
wortliche Bildungsministerium eine
Null-Toleranz-Politik verkünden (vgl. Li »However, because of relevant legal sys-
2009). tems, the administrative system and mech-
anism are imperfect, the education of ethi-
Am 18. März 2009 nahm das chinesische cal values and a code of conduct are inade-
Bildungsministerium in einem offiziellen quate, and combined with the lack of strict
Rundbrief an die akademischen Einrich- self-discipline lead to behaviors that violate
tungen des Landes erstmals direkt Stel- scientific ethics occasionally. It has become
lung zur Frage nach dem Umgang mit a pressing task for ensuring the sound de-
velopment of science and technology of our
wissenschaftlichen Plagiaten (o. V. 2009b). country to prevent the spread of tendencies
Das Schreiben fordert die Verantwort- toward seeking quick success and instant
lichen an chinesischen Universitäten und benefits, the phenomena of fickleness and
555

self-boasting, to prevent academic impro- rungen verurteilt (vgl. Zhang 2009); dar-
prieties such as the abuse of professional über hinaus werden ausgewählte Fälle in
power, and to curb the spread of research den englischsprachigen Medien des
misconduct including fabrication, falsifica-
tion and plagiarism.« (o. V. 2009c) Landes der interessierten internationalen
Leserschaft präsentiert.2
Darüber hinaus führt das Papier Maß-
Aufgrund der eingeschränkten Transpa-
nahmen auf, durch die ein größeres Be-
renz bei der Berichterstattung in den Me-
wusstsein u. a. bei Studenten erreicht
dien ist es unmöglich zu bewerten, wel-
werden soll:
chen Anteil die publik gemachten Fälle
»Research integrity should be required an der tatsächlichen Summe der an den
learning content for undergraduate, junior
college- and postgraduate students, and the
Hochschul- und Forschungseinrich-
major learning content for further educa- tungen des Landes aufgedeckten Pla-
tion of scientific workers. Such education giatsfälle ausmachen, doch die Präsenz
should strive to enhance the ethical behav- dieser Problematik in den staatlichen Me-
iour of students and scientific workers, to dien, nicht zuletzt in den weltweit leicht
raise their legal consciousness about such verständlichen englischsprachigen Publi-
matters as intellectual property protection,
and to help them resist external pressures kationen, vermittelt den Eindruck, dass
and temptations to act unethically.« (o. V. dem Problem von staatlicher Seite in aller
2009c) Schärfe begegnet wird. Yang Rui von der
Auch wird in diesem Papier der Sanktio- University of Hong Kong betont in einem
nierung von nicht tolerierbarem Fehlver- Artikel von 2005 die unzureichende In-
halten explizit zugestimmt.1 formationspolitik bezüglich Fehlverhal-
tens an chinesischen Universitäten:
3. Mediale Öffentlichkeit »Since the 1990s, corruption has seriously
Regierungsmaßnahmen werden in China threatened mainland China’s universities in
i. d. R. in Artikeln der staatlichen Nach- their teaching, research, service to society,
richtenagentur Xinhua der breiten Öffent- and international links and exchanges. Yet,
discussions of corruption have been largely
lichkeit vermittelt und von entspre- confined to exchanges on the Internet. The
chenden Fallbeispielen in der Medienbe- Chinese masses know little of these discus-
richterstattung begleitet. Regelmäßig sions. Media coverage within China re-
werden Plagiatsfälle in Wissenschaft und mains fragmentary and superficial.« (Yang
Forschung sowie von Studenten an Uni- 2005)
versitäten dokumentiert und seitens der Auch fünf Jahre später sind keine nen-
chinesischsprachigen Medien unter Be- nenswerten Veränderungen zu verzeich-
zugnahme auf staatliche Verlautba- nen:

1 »Government departments, relevant administrative agencies, scientific and technologi-


cal institutions, institutes of higher learning and businesses should strengthen their
efforts for handling research misconduct within their jurisdictions and in accordance
with relevant regulations. Administrative or disciplinary actions should be taken against
persons who have been proven to be responsible for research misconduct, and the
actions should be made public as determined by the agencies concerned. If appropriate,
civil or criminal liability should be pursued according to relevant laws.« (o. V. 2009c)
2 In den letzten 12 Monaten fanden mehrfach Betrugsfälle sowohl von Studenten als auch
Lehrenden an führenden chinesischen Universitäten mediale Erwähnung, wobei in
entsprechenden Beiträgen i. d. R. der volle Name sowie das Studienfach des/der
Überführten und der angestrebte Abschluss bzw. das Forschungsvorhaben und die
erfolgte Strafe publiziert werden (vgl. o. V. 2009d).
556

»[Although the number is rising slightly] University for Nationalities even refers to
what appears in the media is a very small China’s academe a ›plagiarist’s paradise.‹«
minority of the cases […]. Journalists have (Yang 2005)
to consider whether or not there’s a risk in
reporting something. As a result, many Betrachtet man das Problem des studen-
cases go unreported.« (Mooney 2010) tischen Plagiats, lässt die beschriebene
Atmosphäre eines »Paradieses für Plagia-
4. Umsetzung der ministerialen Vorgaben auf toren« jeglichen Vorbildcharakter bezüg-
Universitätsebene lich der Vermittlung ethischen (For-
Um dem Problem des Plagiats und wis- scher-)Verhaltens an Studenten vermis-
senschaftlichen Fehlverhaltens zu begeg- sen. Zudem weist Huo Qingwen von der
nen, sind wie oben erwähnt grundle- Pekinger Fremdsprachenuniversität in
gende Strukturen an Hochschulen und einem Interview noch im Juni 2009 auf
Forschungsinstitutionen zu reformieren. praktische Mängel bei der Kontrolle sei-
Wie steht es um die Umsetzung der mini- tens der studentische Arbeiten betreuen-
sterialen Vorgaben auf Universitätsebe- den Dozenten hin (vgl. Chen 2009).
ne? Dass ein Plagiatsproblem besteht, Unterstützung bei der Kontrolle der Au-
wird von vielen Hochschullehrern aner- thentizität von digital eingereichten wis-
kannt: senschaftlichen Arbeiten finden Do-
»Many Chinese academics agree that there zenten in vielen westlichen Ländern
is an issue with plagiarism and advocate heutzutage durch die Nutzung von ent-
that it must be dealt with nationally. He sprechenden Softwareprogrammen. Die
Weifang from Peking University considers Entwicklung von Anti-Plagiats-Software
Chinese academics must view plagiarism as
academic corruption and fight to preserve zur Anwendung an akademischen Ein-
academic ethics« (Sutherland-Smith 2008: richtungen steckt in China noch in den
66), Kinderschuhen. Derzeit befinden sich zur
doch ein gemeinsamer Konsens hin- Erkennung chinesischsprachiger Plagiate
sichtlich der Frage, wie dem Problem zu zwei Programme auf dem Markt,1 die
begegnen ist, steht aus (Sutherland- unter Berücksichtigung der Besonder-
Smith 2008: 66). Wie bedeutend die Lö- heiten der chinesischen Sprache in der
sung dieses Problems für die chine- Lage sind, direkte oder inhaltliche Plagi-
sische Forschung und konsequenter- ate in chinesischer Sprache zu identifizie-
weise für ihre Reputation ist, unter- ren sowie Übersetzungsplagiate zu ent-
streicht Yang. In seiner Untersuchung larven (vgl. Shen et al. 2009). Die Imple-
der chinesischen Hochschullandschaft mentierung der Software als standardi-
kommt der Forscher zu dem Schluss, sierte Vorprüfung von publizierten wis-
dass die sich ausbreitende »Plagiatskul- senschaftlichen Texten an chinesischen
tur« eine ernstzunehmende Gefahr für Universitäten steht noch aus.
die Qualität der chinesischen Forschung Es lässt sich für die studentische Realität
darstellt: feststellen, dass die konsequente Verfol-
»The current quality of research conducted gung tatsächlicher Plagiatsvergehen von
in China often suffers due to rampant pla- Seiten der Hochschulen hinter den for-
giarism. A professor from the Southwest mulierten Forderungen von ministeria-

1 ROST AntiP (School of Information Management, Wuhan University) und Academic


Misconduct Literature Check – AMLC (China Academic Journals Electronic Publishing
House mit TTKN – Tsinghua Tongfang Knowledge Network Technology Group)
557

ler Seite in den meisten Fällen zurück- Anhang: Kommentierte Dokumenta-


bleibt, obwohl i. d. R. die Konsequenzen tion eines exemplarischen Plagiatsfalles
von wissenschaftlichem Fehlverhalten aus der Sicht des korrigierenden Betreu-
schriftlich fixiert für alle Studenten vor- ers
liegen und diese eine Erklärung über die
Authentizität der abgegebenen Arbeit Titel: Hexenverfolgung – Eine Massenbe-
und ihr Wissen um Sanktionen bei Be- wegung in der frühen Neuzeit (B. A.-
trug unterzeichnen müssen.1 Auch war- Arbeit aus dem akademischen Jahr 2007/
ten die vom Bildungsministerium be- 2008)
schriebenen Maßnahmen zur Schärfung Zunächst liest man als Betreuer naiv, d. h.
des Problembewusstseins in Form von ohne Plagiatsverdacht, denn jeder Bewer-
u. a. Fortbildungen zum Thema »Pla- ter erwartet wohl von seinen Studenten,
giat« und eine tatsächliche Null-Tole- dass sie die in sie gesetzten hohen Erwar-
ranz-Politik noch auf ihre endgültige tungen mit sichtbaren Lernerfolgen erfül-
und umfassende Implementierung in len, die sie in der Abschlussarbeit eigen-
die chinesischen Universitätsstrukturen. ständig, kreativ und intelligent umset-
Eine zeitnahe Umsetzung würde dazu zen. Am liebsten lässt sich der Betreuer
beitragen, schon bei Studenten in un- von einer besonders gut gelungenen Ar-
teren Semestern ein »internationales Be- beit überraschen.
wusstsein« von akademischer Disziplin Die Arbeit beginnt mit einem längeren
zu schärfen. deutlich markierten Zitat, das als Motto
Konfuzius hatte mit seiner Bemerkung dem Haupttext vorangestellt ist.
Recht, dass Erfahrung der bitterste Weg Der Haupttext beginnt mit einem länge-
ist, klug zu handeln. – Konsequent voll- ren Satz, der mit einem Fußnotenindex
streckte Sanktionen bei bewiesenem abschließt, was auf eine frei formulierte
Fehlverhalten von Studenten, Leh- Wiedergabe von Informationen aus der
renden und nicht zuletzt Forschenden angegebenen Quelle hindeutet. Professi-
wären eine deutliche Sprache im Kampf onelle Formulierungen sind auffällig. Ei-
gegen das Plagiat im akademischen ner der folgenden Sätze wirkt in seiner
Kontext; die Vorbildfunktion einer sol- professionellen, Kenntnis ausweisenden
chen prägenden und nachhaltigen Er- Formulierung nicht mehr glaubwürdig:
fahrung Einzelner zum Nutzen aller »Für ganz Europa muß die Zahl der
würde in absehbarer Zeit ein klares Be- Hexenhinrichtungen zwischen 60.000
wusstsein von der Inakzeptanz von Pla- und 250.000 geschätzt werden, von de-
giaten und Fälschungen schaffen, was nen der größte Teil im deutschsprachigen
eher kurz- als mittelfristig der akade- Zentraleuropa erfolgte.« Die Autorin
mischen Qualität in China zugute kom- setzt hinter die beiden Zahlen Fußnoten-
men würde. indizes, sie stützt sich also bei den ange-

1 Exemplarisch hierfür die Bestimmung für Studenten im Masterstudiengang an der


Shanghai International Studies University: Die interne Verordnung für Masterstudierende
besagt, dass jeder, der des Kopierens oder Plagiierens fremder Arbeiten überführt wird,
als akademisch amoralisch zu betrachten ist. Die Fertigstellung der Arbeiten ist zu
stoppen und die Verteidigung der Arbeit als ungültig erklärt zu werden. Der akademi-
sche Grad wird nicht verliehen. (Vgl. Dokumentensammlung für Studenten der Fakultät
für Masterstudien: 118). Als Bestätigung der Authentizität der eingereichten Arbeit
muss jeder Student eine Erklärung unterzeichnen.
558

gebenen Fakten auf eine Quelle, die sie Originalsatzes, der von der Studentin
scheinbar in eine eigene Formulierung ohne Eingriff abgeschrieben wurde.
kleidet. Die Strategie der Plagiatorin war offen-
Der benutzte Begriff »deutschsprachiges bar folgende: Als Quelle ihrer Arbeit
Zentraleuropa« weist auf ein recht diffe- hatte sie einen umfangreichen im Inter-
renziertes Begreifen des in der Untersu- net zugänglichen Text gefunden, der ih-
chung ins Auge gefassten deutschen rer Arbeit in den meisten Teilfragen
Sprachraums unabhängig von poli- reichhaltig Auskunft bzw. Material lie-
tischen Grenzen hin, zu dem, wie man fern konnte. Man darf sogar annehmen,
annehmen muss, die meisten deutschen dass der Gang ihrer Arbeit von diesem
Muttersprachler heute nicht in der Lage Text erst übernommen wurde, sie ihn
wären. Den meisten von ihnen steht in also zur Haupt-, wenn nicht gar zur
dieser Situation womöglich nur der Be- einzigen Quelle ihrer Arbeit werden
griff »Deutschland« zur Verfügung. ließ. Sie gibt aber diesen Hauptquellen-
Umso erfreulicher wäre es für den Be- text nicht an, sondern als Quellenanga-
treuer, wenn die chinesische Studentin zu ben wählt sie kleinere, zumeist von
solchem überdurchschnittlichen Diffe- Schülern geschriebene, ebenfalls im In-
renzierungsvermögen, die deutsche Ge- ternet stehende Hausarbeiten, die wie-
schichte betreffend, in der Lage wäre. Es derum in leicht nachzuprüfender Weise
entsteht ein Verdacht, der zu einer Stich- auf jenen Haupttext als Informations-
probe führt. quelle sich beziehen.
Mit Hilfe von google findet sich in einer Beim Einsetzen von Fußnoten geht sie
halben Sekunde der Satz in identischer folgendermaßen vor: Sie setzt Fußnoten
Formulierung in der Internetzeitschrift hinter meistens nicht als Zitate markierte
der Rechtswissenschaften der HU Berlin Sätze. Damit ruft sie den Eindruck her-
wieder. Anstatt als Quelle den Internet- vor, dass sie die den genannten Quellen
text mit ausgewiesenem Verfasser anzu- entnommenen Informationen in den ei-
geben, nennt die »Autorin« in ihrer Fuß- genen Text mit Hilfe eigener Formulie-
note als Quelle der ersten numerischen rungen einarbeitet. Diese Quelle wird
Angabe den Quellentext, der in der Fuß- genannt, um wissenschaftlich verantwor-
note des zitierten Textes selber angege- tungsvolles Verfahren vorzutäuschen.
ben ist, und als Quelle der zweiten Zahl Tatsächlich zeigt die Überprüfung des
gibt sie den Link zu jenem Internettext. Satzes per Suchmaschine, dass der Satz in
Sie gibt aber »Verfasser unbekannt« an – seiner Originalgestalt von der mittler-
warum, wo doch der Autor deutlich weile allzu bekannten Quelle A über-
angegeben ist, darüber mag man rät- nommen wurde.
seln. Die Studentin setzt Fußnoten nur hinter
Verrätselung der Quellenlage scheint jeden zweiten oder dritten Satz (ob-
eine wichtige Strategie der Autorin zu gleich alle zwei oder drei Plagiatsätze
sein. In einem der folgenden Sätze gibt sind). So suggeriert sie ein scheinbar
sie als Quelle ihrer statistischen Angaben ausgewogenes Verhältnis von eingear-
eine chinesische Quelle an, die der deut- beiteten Fremdinformationen und eige-
sche, der chinesischen Schriftsprache nem Text.
nicht mächtige Leser nicht überprüfen Durch diese Vernebelungsverfahren ruft
kann. Aber auch hier findet sich mühelos die »Autorin« folgendes, allerdings vor-
eine deutsche Internetseite als Ort des dergründiges Bild hervor:
559

– Sie habe mehrere nicht zu umfang- Spätestens an dieser Stelle stellt sich dem
reiche Quellen benutzt, die in selbst- Betreuer angesichts einer solch ausgeklü-
ständiger Arbeit zu einem selbst ge- gelten Vernebelungsstrategie die Frage,
planten und geschriebenen Text inte- warum die Energie, die die Erstellung
griert wurden, eines solch durchdacht konzipierten Pla-
– die Gliederung und Durchführung der giats unweigerlich erfordert, nicht ein-
Arbeit sei von ihr selbstständig erarbei- fach in die Erarbeitung einer originären
tet worden. Die zitierten Quellen, so Arbeit investiert wurde.
der Anschein, stützten die eigene Ar-
gumentation. Vernebelt wird die Tatsa-
che, dass der Gang der Untersuchung Literatur
selbst bereits der Originalquelle ent- Agelasto, Michael; Adamson, Bob: Higher
nommen wurde, education in post-Mao China. Hong Kong:
University Press, 1998.
– sie habe eine Vielzahl verschiedener Alford, William P.: To Steal a Book Is an
Quellen benutzt (und gefunden), wo- Elegant Offense: Intellectual Property Law in
mit sie fleißiges Recherchieren, die Chinese Civilization. Stanford/Calif.: Stan-
Breite ihres Forschungsansatzes und ford University Press, 1995.
die lenkende Übersicht bei der Anord- Ammon, Ulrich; Reinbothe, Roswitha; Zhu,
nung der vielen benutzten Quellen Jianhua: Die deutsche Sprache in China.
Geschichte, Gegenwart, Zukunftsperspekti-
suggerieren möchte, ven. München: Iudicium, 2007.
– durch die Fußnotensetzung am Ende Cao, Cong: »A Climate for Misconducts«,
von Sätzen, die nicht als Zitate mar- 18.1.2010. Online unter: http://roomford-
kiert sind, suggeriert sie, ihre Sätze bate.blogs.nytimes.com/2010/01/18/will-
seien selbst formulierte, reflektierte china-achive-science-supremacy (letzter
Zugriff 20.03.2010).
Wiederholungen von quellengestütz-
Cavaleri, Nicola (2006): »Preventing Plagia-
ten Daten, während sie tatsächlich un- rism. Report of the LTS Lunch«, LTS
veränderte, aber als solche nicht kennt- News, Cambridge, Issue 7, 12 (2006). On-
lich gemachte Zitate sind. line unter: http://www.admin.cam.ac.uk/
Fazit: Die Autorin dieses beispielhaften offices/education/lts/news/ltsn7.pdf
(letzter Zugriff 12.03.2010).
Plagiatsprodukts geht sorgfältig beim
Chen, Jia: »It’s plagiarism, all over again«,
Plagiieren vor, indem sie die Wirkung China Daily, 17.06.2009. Online unter:
der Anordnung, Gestaltung und Kennt- http://www.chinadaily.com.cn/china/
lichmachung der Originalversatzstücke 200906/17/content_8291 691.htm (letzter
wohl berechnet. Die Herkunft der Be- Zugriff: 10.01.2010).
standteile ihres Textes wird auf durch- Dambeck, Holger: »Chinas Forscher stre-
dachte Weise kaschiert. ben zur Weltspitze«, Spiegel online,
06.02.2010. Online unter: www.spie-
Es entsteht ein optisch ansprechender, gel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,6740
wissenschaftlich formatierter Text, der 77,00.html (letzter Zugriff: 27.02.2010).
bei oberflächlicher Lektüre durchaus ei- Du, Juan: »Fake papers are rife at universi-
nen sehr guten Eindruck hinterlassen ties«, China Daily, 8.3.2010. Online unter:
könnte: viele Fußnoten, ausführliche Bi- http://www.chinadaily.com.cn/cndy/
bliografie (1,5 Seiten), abwechslungs- 201003/08/content_95514 38.htm (letzter
Zugriff: 21.03.2010).
reiche grafische Gestaltung, gute op-
Flowerdew, John; Li, Yongyan: »Plagiarism
tische Gliederung mit Absatzschaltung, and second language learning in an elec-
Blocksatz, Kopf- und Fußzeile, bei Stich- tronic age«, Annual Review of Applied Lin-
probenlesen angenehmer Satzfluss etc. guistics. Cambridge University Press,
560

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Sutherland-Smith, Wendy: Plagiarism, the
Bereich DaF; Technische Redaktion, Jour-
Internet, and student learning: improving nalismus; seit 2006 DAAD-Lektorin an
academic integrity. New York: Routledge, der Shanghai International Studies Uni-
2008. versity.
Timmermann, Waltraud; Wang Liping;
Miao Yulu: »Den kritischen Umgang mit Georg Jansen
Internet-Materialien entwickeln: Eine
mediendidaktische Aufgabe für den Ba- Studium der Germanistik, Philosophie
chelor-Unterricht«, Info DaF 37, 4 (2010), und Musikwissenschaft in Bonn, Lissa-
417–425. bon und Berlin (FU); 2005 Promotion in
Yang, Rui: »Corruption in China’s Higher Neuer Deutscher Literatur an der FU
Education System: A Malignant Tu- Berlin. 1998–2004 DAAD-Lektor an den
mor«, International Higher Education, Universitäten Braga und Lissabon. Seit
2005. Online unter: http://www.bc. edu/
bc_org/avp/soe/cihe/newsletter/ 2006 DAAD-Lektor für Deutsche Litera-
News39/text011.htm (letzter Zugriff: tur an der Beijing Foreign Studies Univer-
01.12.2009). sity.
562

DaF im Ausland

Studiengang Fachdeutsch Wirtschaft mit Schwer-


punkt Agrar- und Ernährungsindustrie an der
Universität Thiès/Senegal

Ousmane Gueye

Zusammenfassung
An der neu gegründeten Universität zu Thiès in der westafrikanischen Republik Senegal ist
im Rahmen der »Langues Etrangères Appliquées (LEA)« eine Fachfremdsprachen-Abtei-
lung errichtet worden, an der u.a. Deutsch als Wirtschaftssprache in einem dreijährigen
Studiengang unterrichtet wird. Die Studienreform richtet sich formal an den Zielen des
Bologna-Prozesses aus. Dem neuen Lernprogramm liegen Ansätze zugrunde, die für eine
Neuorientierung des Wirtschaftsdeutsch-Unterrichts im senegalesischen Raum plädieren.
Im Gegensatz zu bislang existierenden LEA-Abteilungen (Universität Cheikh Anta Diop de
Dakar und Gaston Berger de Saint Louis) umfasst die Ausbildung an der Universität de
Thiès auch eine Einführung in die deutschsprachige Literatur; der Akzent der fachsprach-
lichen Ausbildung liegt auf Fachlexik, Fachsprachengrammatik sowie Fachtext. Einen
Schwerpunkt bildet die Ausbildung im Sektor Agrar- und Ernährungsindustrie, womit in
unmittelbarer Praxisrelevanz u.a. lokale Produkte gefördert werden. Hauptlernziel der
Ausbildung ist die qualifizierte Teilnahme an in der Agrar- und Ernährungswirtschaft
typischerweise vorkommenden Kommunikationssituationen.

1. Einführende Bemerkungen rung vermieden werden. Vor diesem


Die Universität zu Thiès, etwa 70 km von Hintergrund erfolgte die Gründung
der Hauptstadt Dakar entfernt, gehört zu neuer Hochschuleinrichtungen, so u. a.:
denjenigen Hochschuleinrichtungen Se- – die Université Polytechnique de Thiès
negals, die im Rahmen der sogenannten (UPT)
»Nouvelle Carte Universitaire« gegrün- – die Universität Bambey (Centre Uni-
det worden sind – festgehalten in der versitaire Régional de Bambey – CUR
»Lettre de Politique Générale pour le de Bambey);
secteur de l’éducation et de la formation«, – die Universität de Ziguinchor sowie
einer Regierungserklärung von Januar – die Faculté des Sciences et Technolo-
2005, in der die senegalesische Regierung gies de l’Education et de la Formation
ihre Erziehungspolitik für die Jahre 2000 (FASTEF).
bis 2015 neu zu orientieren versuchte. Im Diese Einrichtungen haben als gemein-
Hochschulbereich zielte man mit den Re- sames Ziel vor allem eine stärkere Profes-
formen u. a. darauf, sich an internationa- sionalisierung der Studiengänge sowie
len Normen auszurichten; insbesondere die Einbindung neuer Kommunikations-
sollte eine weitergehende Marginalisie- und Informationstechnologien.

Info DaF 37, 6 (2010), 562–569


563

In Bezug auf das Deutsche ist von fol- sprache angeboten, neben (u. a.) Wirt-
gender Situation auszugehen: An den schaftsenglisch und Wirtschaftsspanisch.
Universitäten zu Thiès und Ziguinchor Mit »Wirtschaftsdeutsch« sind hier in ers-
sind Fachsprachen-Abteilungen (Dépar- ter Linie die Fachsprachen gemeint, die im
tements de Langues Etrangères Appli- Wirtschaftsbereich zu finden sind, wobei
quées – LEA) gegründet worden. An der hier vor allem die Institutionensprache
LEA-Abteilung der Universität von Zi- bzw. Unternehmenssprache ebenso wie
guinchor wird im Moment die deutsche die praktisch-fachliche Schicht des Wirt-
Sprache nicht angeboten, an der Touris- schaftsdeutschen eine besondere Rolle
tikabteilung besteht ein Angebot für spielen. Unterschieden werden verschie-
Wirtschaftsdeutsch (vgl. Diombera 2009). dene Sektoren (siehe dazu weiter unten).
Es erscheint allerdings notwendig, Zum primären Sektor gehört etwa die
Deutsch auch an dieser LEA-Abteilung Landwirtschaft, auf die im vorliegenden
als Unterrichtsfach auszubauen, weil das Beitrag besonders eingegangen wird.
Deutsche in diesem südlichen Teil des In der Ausbildung werden die Fachspra-
Landes seit Jahrzehnten vor allem in Se- chen sowohl in ihrem mündlichen wie
kundarschulen unterrichtet wird. Den auch ihrem schriftlichen Gebrauch be-
Schulabgängern bzw. Abiturienten kann rücksichtigt; fachliche Kommunikation
auf diese Weise die Möglichkeit eröffnet wird dabei unterschieden in:
werden, in Ziguinchor – und das heißt – fachinterne Kommunikation, d. h. Kom-
vor allem: in der Heimatregion – weiter- munikation zwischen Fachmann und
zustudieren, was der eigentliche Grund Fachmann
der Einrichtung regionaler Universitäten – interfachliche Kommunikation (gemeint
im Senegal war.1 Denn die Situation in ist die Kommunikation zwischen Fach-
der senegalesischen Hauptstadt, insbe- leuten unterschiedlicher Fachgebiete)
sondere an der Université Cheikh Anta
– fachexterne Kommunikation (Kommuni-
Diop de Dakar, ist unangenehm. Als
kation zwischen Fachmann und Laie).
größte Probleme sind z. B. zu nennen:
– Wohnungsprobleme
2. Was ist neu an der LEA-Abteilung in
– zu große Studentenzahlen vor allem an Thiès?
der geisteswissenschaftlichen Fakultät Formal richten sich die Studien an der
– Massenverarmung vieler vom Land in LEA-Abteilung an den Prinzipien des Sys-
die Hauptstadt kommender Studenten, tems LMD (Licence-Master-Doctorat) aus.
die in Dakar mit einer ganzen Reihe In diesen Prinzipien wurde in Anlehnung
existentieller Probleme konfrontiert an die Grundsätze des Bologna-Prozesses
sind. zur Harmonisierung der Architektur der
Da Deutsch an der Universität de Ziguin- europäischen Hochschulbildung die Ein-
chor bislang an der LEA nicht angeboten führung eines Studiensystems zur An-
werden konnte, wurde u. a. an der Univer- rechnung, Übertragung und Akkumulie-
sität Thiès das Angebot der deutschen rung von Studienleistungen vorgenom-
Sprache immer wichtiger. Seit etwa zwei men. Dieses System soll insbesondere die
Jahren wird hier Deutsch als Wirtschafts- Mobilität von Studierenden, Lehrenden

1 Vgl. etwa Loi n° 2002–21 du 14 aout 2002, modifiant la loi n° 67–45 du 13 juillet 1967
relative à l’Université de Dakar et créant les collèges universitaires – Gesetz Nr. 21 vom
14. August 2002 zur Gründung regionaler Hochschuleinrichtungen in Senegal.
564

und Forschenden gewährleisten, vor Deutschen, also die Tatsache, dass die
allem durch die Intensivierung der Hoch- deutsche Sprache aus verschiedenen Va-
schulkooperation etwa durch die Förde- rietäten und Registern besteht (Standard-
rung von Doppelabschlüssen (joint de- sprache, Literatursprache, Fachsprachen,
grees) und durch die Einführung des Leis- Dialekte, Umgangssprache, Sonderspra-
tungspunktesystems (European Credit chen; vgl. Braun 1997: 7).
Transfer System – ECTS). Im Bereich der Literatur wird eine Ein-
Hiermit ist wie in Europa ein zweistu- führung in die literarischen Strömungen
figes System von Studienabschlüssen des deutschsprachigen Raumes gegeben.
(undergraduate und graduate) geschaffen »Angewandte Sprache« meint in diesem
worden. Der Zyklus undergraduate, der Fall die sogenannte »langue de spéciali-
im Normalfall drei Jahre dauert, soll die té«, insbesondere also den Umgang mit
Eigenschaft einer Berufsqualifizierung Fachtermini, Fachkorrespondenz, fach-
besitzen. Im zweiten Zyklus (graduate) bezogenen Fallbeispielen.
kann man sich zwischen einem kürzeren Ebenfalls im dritten Jahr ist ein Prakti-
master’s degree und einem längeren doc- kum in einem Unternehmen zu absolvie-
tor’s degree entscheiden (vgl. Walter 2006: ren. Hier besteht die Möglichkeit, den
123 ff.). Der Zyklus graduate dauert in der Bericht über dieses Praktikum in Deutsch
Regel drei Jahre, dies entspricht einer abzufassen. Hervorzuheben ist, dass der
Studiendauer von sechs Semestern (im Praktikumsberichts vor einer Jury aus
französischen und somit in unserem Sys- Dozenten und Fachleuten aus der Berufs-
tem auch Licence genannt). Das System welt verteidigt wird.
LMD fand vor allem durch Bemühungen
der Direction de la Réforme der Universi- 2.1 Fachrichtungen
tät Cheikh Anta Diop de Dakar Eingang Angebotene Fachrichtungen sind zur
in den Senegal (hierzu vgl. ausführlich Zeit Internationaler Handel und Touristik.
»Le LMD en 60 questions« von Prof. Ergänzend hierzu steht Fachdeutsch für die
Abdou Karim Ndoye). Agrar- und Ernährungsindustrie auf dem
Zur Fachfremdsprache Deutsch im Sene- Programm des LEA-Studienganges in
gal liegen in der Fachliteratur Ansätze Thiès. (An dieser Stelle wird auf eine
vor, die für eine »Umkehrung« des Wirt- ausführliche Wiedergabe des LEA-Lern-
schaftsdeutsch-Unterrichts im Senegal programms verzichtet, vgl. hierzu aus-
plädieren, vor allem wegen inhaltlicher führlich Chimoun 1994).
Defizite (vgl. etwa Gueye 2004). Hierauf Folgende Lernschwerpunkte wurden
aufbauend ist an der Universität Thiès neu eingerichtet:
ein neues Studienangebot erarbeitet wor- – die Thematisierung fachsprachenlin-
den. Im Folgenden soll das Lernpro- guistischer Erkenntnisse
gramm an der Wirtschaftssprachen-Ab- – die Einführung in die deutschspra-
teilung der Universität Thiès im Einzel- chige Literatur und
nen dargestellt werden. – das Fachdeutsch für Agrar- und Ernäh-
rungsindustrie.
Anmerkungen zu Linguistik und Literatur
Mit »Linguistik« ist in diesem Fall Fach- Fachsprachenlinguistik
sprachenlinguistik gemeint, d.h. dass Für die Gründe, die eine stärkere Berück-
hier der Akzent auf fachsprachenspezi- sichtigung der Fachsprachenlinguistik
fische Erkenntnisse gelegt wird. Themati- im Wirtschaftsdeutsch-Unterricht im Se-
siert wird auch die Heterogenität des negal als erforderlich erscheinen ließen,
565

Lernprogramm am Département de Langues Etrangères Appliquées an der Universität de Thiès


Lernprogramm im ersten Jahr (Semester 1 und 2)
Module Fächer / Schwerpunkte Gesamtstundenzahl
pro Semester
Allgemeine Version 40 (2 ECTS)
Übersetzung (Übersetzung vom Deut-
schen ins Französische)
Thème 40 (2 ECTS)
(Übersetzung vom Franzö-
sischen ins Deutsche) 18 (1,5 ECTS)
Allgemeine Grammatik
Neuere Landeskunde Deutschland, Österreich, 40 (2 ECTS)
Schweiz
Textverständnis schriftlich und mündlich 40 (2 ECTS)

Lernprogramm im zweiten Jahr (Semester 3 und 4)


Module Fächer / Schwerpunkte Gesamtstundenzahl
pro Semester
Allgemeine Übersetzung Version 40 (2 ECTS)
(Übersetzung vom Deut-
schen ins Französische)
Thème 40 (2 ECTS)
(Übersetzung vom Fran-
zösischen ins Deutsche)
Neuere Landeskunde Deutschland, Österreich, 40 (2 ECTS)
Schweiz (Fortsetzung)
Textverständnis schriftlich und mündlich 40 (2 ECTS)
Linguistik und Literatur 50 (2,5 ECTS)

Lernprogramm im dritten Jahr (Semester 5 und 6)


Module Fächer / Schwerpunkte Gesamtstundenzahl
pro Semester
Fachübersetzung Version 40 (2 ECTS)
Thème 40 (2 ECTS)
Angewandte Sprache 80 (4 ECTS)

wird auf Gueye (2004) verwiesen. Einführung in die deutschsprachige Literatur


Schwerpunkte bilden die Bereiche: Es ist wiederholt darauf hingewiesen
– Heterogenität des Deutschen worden, dass der LEA-Studiengang
– Fachsprachliche Forschung sowie For- keine literarische Orientierung aufweist.
schungsdesiderata Dennoch erhalten die Studierenden zu-
– Fachlexik, fachsprachliche Grammatik mindest Einblicke in literarische Strö-
sowie Fachtext. mungen, was aus meiner Sicht dringend
566

geboten ist. Kenntnisse dieser Art sind ander existierenden Fachsprachen, vgl.
zum Verständnis einer anderen und Fluck 1996: 16) die Agrar- und Ernäh-
fremden kulturellen Welt wünschens- rungsindustrie zuzurechnen ist. Es beste-
wert und notwendig. Damit ist eine An- hen allerdings Wechselbeziehungen zwi-
näherung an Sprache und Kultur grun- schen dem internationalen Handel und
dierendes Weltwissen beabsichtigt (zum dem Sektor der Agrar- und Ernährungs-
Weltwissen als enzyklopädischem Wis- industrie, weil die Produkte aus der
sen vgl. Heinemann/Viehweger 1991: 95; Agrar- und Ernährungsindustrie auf dem
vgl. etwa auch Linke/Nussbaumer 1991; internationalen Markt abgesetzt werden.
Wolff 1990). Literatur ist zudem wichtig, Durch die Thematisierung der Fachspra-
weil sie allgemein zur Erweiterung des che der Agrar- und Ernährungswirt-
Wissensspektrums des Menschen bei- schaft werden diese Bezüge mit abge-
trägt. Außerdem liegt und keimt die Dy- deckt.
namik einer Sprache in ihrer Literatur, sei Der Erwerb der deutschen Fachsprache
diese nun schriftlich oder mündlich. für Agrar- und Ernährungsindustrie ist
für die Absolventen der LEA unmittelbar
Fachdeutsch für Agrar- und Ernährungsin- praxisrelevant. Als ein Beispiel für ein Pro-
dustrie dukt aus der Landwirtschaft, dessen
Die Tatsache, dass vor allem »industries Marketing im deutschsprachigen Raum
de transformation alimentaire« / Agrar- unmittelbar verbessert werden könnte,
und Ernährungsunternehmen im Sene- sei hier das »bissap« genannte National-
gal angesiedelt sind, liegt der Berücksich- getränk des Senegal angeführt. Es han-
tigung dieses Bereiches als spezieller delt sich um ein Getränk, das aus einer
Fachrichtung an der Universität zu Thiès Pflanze hergestellt wird – Hibiscus Sab-
zugrunde. Im Jahre 2007 hat dieser Sektor dariffa –, deren Herkunft allerdings noch
4,7 % des BIP im Senegal erwirtschaftet, kontrovers diskutiert wird. Zur Verarbei-
das sind ca. 251 Milliarden FCFA / 380 tung dieses Produktes liegen viele For-
Millionen Euro (vgl. Direction de la Pré- schungsergebnisse vor, die am senegale-
vision et des Etudes Economiques), wo- sischen Institut de Technologie Alimen-
bei die Pflanzenölindustrie den ersten taire (ITA) / Institut für Ernährungstech-
Platz einnimmt, gefolgt von Produkten nologie erarbeitet wurden. Das Produkt
aus der Fischerei. Im Jahre 2006 sind im »Bissap« wird hauptsächlich in einem
Fischereisektor ca. 74.000 Tonnen u. a. in Unternehmen der Agrar- und Ernäh-
die Europäische Union exportiert wor- rungswirtschaft (»KIRENE«) in der Nähe
den, was einem Gesamtbetrag von etwa der Universitätsstadt Thiès nicht nur ver-
200 Millionen Euro entspricht. Der Im- arbeitet, sondern es findet dort auch sein
port der Bundesrepublik Deutschland Hauptabsatzgebiet. Aus »Bissap« macht
aus dem Senegal besteht in erster Linie man u. a. Marmelade, ein Flüssiggetränk
aus Ernährungsprodukten (vgl. Inter- sowie ein Instantgetränk (vgl. Prospekt
view der deutschen Botschafterin in Da- von ITA 2006). Was die Inhaltsstoffe an-
kar, Sud Quotidien, 30. Oktober 2008). geht, ist »Bissap« reich an Potassium,
Etwa 70 % der Erwerbstätigen Senegals Magnesium und Vitamin C. Auch zu
arbeiten im Agrarsektor anderen im Senegal angebauten Agrar-
Für den Studienschwerpunkt gilt der produkten, wie z.B. »Bouye« (das Frucht-
Komplex »Wirtschaft« als Hauptbereich, fleisch des Affenbrotbaumes), »gin-
dem als einer der intern unterschiedenen gembre« (Ingwer), werden am ITA For-
Fachbereiche (und den somit nebenein- schungsarbeiten zu Charakteristik und
567

Verarbeitung durchgeführt (vgl. Inter- alité« erworben werden), sollten die Ab-
view des ITA-Direktors in Le Soleil vom 4. solventen vor allem in die Lage versetzt
Januar 2010). Einer der Vorteile des Af- werden, »translatorische Tätigkeiten« im
fenbrotbaums etwa ist die Tatsache, dass Unternehmensbereich auszuüben.
dessen Früchte u. a. reich an Kalzium »Translatorische Tätigkeiten«, zu denen
sind. auch die Übersetzung gehört, können als
Ausgehend von der Tatsache, dass im Formen der Textverarbeitung aufgefasst
Bereich Agrar- und Ernährungsindustrie werden, an denen mehr als eine Sprache
die Fachlichkeit als Bedingung gilt (vgl. beteiligt ist (vgl. Knapp/Knapp-Potthoff
Beier/Möhn 1988: 60), kommt der Fach- 1985: 450). Damit ist ein direkter Beitrag
kompetenz der Lehrenden eine beson- zur interkulturellen Verständigung ge-
dere Rolle zu. Da der Fachsprachenunter- währleistet.
richt vor allem in den Händen von
Fremdsprachenlehrern liegt (vgl. zu die- 3. Mangel an »Fertigkeitskombination«
ser Problematik Fearns 2005: 169), sollten als Problembereich
die Lehrkräfte in der Lage sein, sich das An der Universität Thiès waren im aka-
Fachwissen im Bereich der Agrar- und demischen Jahr 2009/2010 insgesamt elf
Ernährungsindustrie schnell anzueignen. Studierende (vier im 4. Semester und
sieben im 2. Semester) im Fach Deutsch
2.2 Lernziele eingeschrieben. Im Seminar zur deut-
Übergeordnetes Lernziel ist es, die Ler- schen Linguistik/Fachsprachenlinguistik,
nenden zu befähigen, qualifiziert an wofür ich im zweiten Studienjahr verant-
Kommunikationssituationen teilzuneh- wortlich bin, zeigte sich, dass das Hörver-
men, die im Geschäftsleben der Agrar- stehen eines der auffälligsten Probleme
und Ernährungswirtschaft typischer- im Spracherwerb darstellt. Es gelingt den
weise vorkommen, wobei vorausgesetzt Studierenden nicht besonders gut, Noti-
wird, dass die Kommunikation in der zen zu machen; dies zeigt einen deut-
Zielsprache Deutsch stattfinden soll. Von lichen Mangel im Bereich der Hörkompe-
besonderer Bedeutung sind dabei fol- tenz an. Das Hörverstehen ist neben dem
gende Teil-Kompetenzen: Leseverstehen, dem Sprechen und dem
– die Informationsentnahme aus schrift- Schreiben eine der spezifischen, durch
lichen und mündlichen Fachtexten, den Unterricht auszubildenden Fertig-
wobei hier Arbeitsstrategien eine be- keiten; das Gehörte wird hier mit Sinn
sondere Rolle spielen verbunden, was als ein konstruktiver
– der Erwerb sprachlicher Mittel (Se- Prozess begriffen wird (vgl. Segermann
mantik, Syntax) 2005: 295).
– der Erwerb interkultureller Kompe- Allgemein gilt es zu konstatieren, dass
tenz. das Hören in der Fremdsprache im Ver-
Auch mit Blick auf das Unterrichtsange- gleich zur Muttersprache nicht einfach
bot fällt auf, dass der Fachübersetzung hier sein kann (vgl. Solmecke 1992). Zu diffe-
eine zentrale Rolle zukommt. Ziel ist es, renzieren ist sicherlich danach, ob Infor-
die Mehrsprachigkeit internationaler mationen aus gesprochenen Fachtexten
Fachkommunikation zur überbrücken oder aus einem Gespräch entnommen
(vgl. Roelcke 2010: 150), das heißt: Ausge- werden sollen. Ziel des Hörverstehens-
stattet mit den nötigen Fachkenntnissen trainings im Fremdsprachenunterricht ist
(die mit Hilfe von Landeskunde und von es, fremdsprachliche Texte zu verstehen,
Fallbeispielen im Kurs »Langue de spéci- zu verarbeiten und das Verstandene zum
568

Ausgangspunkt eigener Textproduktion chenlinguistische Erkenntnisse, denn


zu machen (vgl. Solmecke 1992). Es sei diese müssen sicherlich den Kern eines
daran erinnert, dass die Textproduktion jeden Fachsprachenunterrichts bilden.
sowohl mündlich als auch schriftlich er- Meines Erachtens selbstverständlich ist,
folgen kann (zur schriftlichen Textpro- dass auch die Literatur nicht ausgeklam-
duktion in der Fremdsprache Deutsch mert bleiben darf, da in der Begegnung
siehe etwa Portmann 1991; Krings 1992). mit der Literatur eines Landes wesent-
Die oben angeführten Defizite im Bereich liche (inter-)kulturelle Kompetenzen er-
des Hörverstehens führen dazu, dass un- worben werden können. Für ebenso
sere Studierenden in Klausuren Pro- dringlich halte ich die Erweiterung um
bleme haben, gut strukturierte Texte zu weitere Fachbereiche und Sektoren sowie
produzieren. Von einem kombinierten deren Fachsprachen. Die Schwerpunkt-
Gebrauch der vier Fertigkeiten (Lesen, bildung im Sektor Agrar- und Ernäh-
Schreiben, Sprechen und Hören), der rungsindustrie kann hier Vorbildfunk-
zum kommunikativen Handeln befähigt tion erlangen, da deren Praxisrelevanz
(vgl. Krumm 2001: 6), kann hier kaum unmittelbar erwiesen ist. Zu einer Opti-
gesprochen werden. mierung des Wirtschaftsdeutsch-Unter-
Für das relativ schwache Niveau der Stu- richts im Senegal wird die Lösung spezi-
dierenden v. a. im 4. Semester ist sicher- fischer Probleme, wie sie etwa im Bereich
lich u. a. die Art und Weise verantwort- des Hörverstehens auftreten, vordring-
lich, wie diese Studierenden ausgewählt lich sein.
wurden. Deren Aufnahme wurde nicht Auch im Senegal ist in Sachen Wirt-
durch eine Auswahlkommission vorge- schaftsdeutsch ein Blick über den Teller-
nommen, denn mit dieser ersten Genera- rand erforderlich, ganz im Interesse un-
tion von Studierenden wollte man, so seres Faches.
meine Einschätzung, an der gerade ge-
gründeten Universität zu Thiès vor allem
erst einmal »die Seminarräume füllen«. Literatur
Zur langfristigen Lösung dieses Pro- Beier, Rudolf; Möhn, Dieter: »Fachsprach-
blems gilt es, die Kompetenzentwicklung licher Fremdsprachenunterricht. Voraus-
in der voruniversitären Ausbildung zu setzungen und Entscheidungen«, Die
Neueren Sprachen 87, 1/2 (1988), 19–75.
stärken, damit solche Defizite auf Dauer Braun, Peter: Tendenzen in der deutschen Ge-
erkannt und somit behoben werden kön- genwartssprache. 4. Auflage. Stuttgart:
nen. Nur so kann die Arbeit des Do- Kohlhammer, 1993.
zenten im universitären Fachsprachen- Chimoun, Mosé: »Deutsch als angewandte
unterricht erleichtert werden. Fremdsprache – Eine Alternative zur Ge-
manistik in Schwarzafrika«, Revue Séné-
galaise de Germanistique (Curriculum Se-
4. Zusammenfassung minar), Dakar (1994), 108–114.
Fasst man die dargestellten Punkte zu- Biombéra, Mamadou (Abteilungsleiter der
sammen, so lassen sich diese wie folgt Touristikabteilung an der Universität de
verdichten: Mit der Gründung der Fach- Ziguinchor / Senegal), E-Mail vom 25.
sprachen-Abteilung an der Universität September 2009.
zu Thiès/Senegal sind Möglichkeiten ge- Fearns, Anneliese: »Spezifische Formen des
geben, endlich erste Schritte zu einer in- Lehrens und Lernens fremder Sprachen«.
In: Bausch, Karl-Richard; Krumm, Hans-
haltlichen Umstrukturierung der Jürgen; Christ, Herbert (Hrsg.): Handbuch
Deutschausbildung zu wagen. Berück- Fremdsprachenunterricht. 4. Auflage. Tü-
sichtigt wurden hier zunächst fachspra- bingen: Francke, 2005, 169–174.
569

Fluck, Hans-Rüdiger: Fachsprachen. 5. Auf- Projet de création d’un département de Langues


lage. Tübingen: Narr, 1996. Etrangères Appliquées (LEA). Université
Gueye, Ousmane: Fachdeutsch als Fremdspra- Cheikh Anta Diop de Dakar, 1988.
che – Wirtschaftsbereich – Ein didaktisch- Prospekt des Institut de Technologie Alimen-
methodisches Konzept dargestellt am Beispiel taire. Dakar, Sénégal, Januar 2006.
Senegal. Dissertation. Pädagogische Roelcke, Thorsten: Fachsprachen. 3. Auflage.
Hochschule Freiburg im Breisgau, 2004.
Berlin: Schmidt, 2010.
Heinemann, Wolfgang; Viehweger, Dieter:
Textlinguistik: Eine Einführung. Tübingen: Segermann, Krista: »Übungen zum Hörver-
Niemeyer, 1991. stehen«. In: Bausch, Karl-Richard;
Knapp, Karlfried; Knapp-Potthoff, Annelie: Krumm, Hans-Jürgen; Christ, Herbert
»Sprachmittlertätigkeit in interkulturel- (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunter-
ler Kommunikation«. In: Rehbein, Jochen richt. 4. Auflage. Tübingen: Francke, 2005,
(Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation. Tü- 295–299.
bingen: Narr, 1985, 450–463. Solmecke, Gert: »Ohne Hören kein Spre-
Krings, Hans-Peter: »Empirische Untersu- chen«, Fremdsprache Deutsch 7 (1992), 4–
chungen zu fremdsprachlichen Schreib- 11.
prozessen. Ein Forschungsüberblick«. In: Sud Quotidien. Journal d’informations géné-
Börner, Wolfgang; Vogel, Klaus (Hrsg.): rales, Edition du 13 octobre 2008.
Schreiben in der Fremdsprache. Prozess und Walter, Thomas: Der Bologna-Prozess. Ein
Text, Lehren und Lernen. Bochum: AKS, Wendepunkt europäischer Hochschulpolitik?
1992, 47–77. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissen-
Krumm, Hans-Jürgen: »Die sprachlichen schaften, 2006.
Fertigkeiten: isoliert – kombiniert – inte-
griert«, Fremdsprache Deutsch 24 (2001), 5– Wolff, Dieter: »Zur Bedeutung des proze-
12 duralen Wissens bei Verstehens- und
Le Soleil. Quotidien National. Dakar 2010, 6. Lernprozessen im schulischen Fremd-
Lettre de Politique Générale pour le secteur de sprachenunterricht«, Die Neueren Spra-
l’éducation et de la formation. Gouverne- chen 89 (1990), 610–625.
ment du Sénégal, janvier 2005.
Linke, Angelika; Nussbaumer, Markus: Stu-
dienbuch Linguistik. Tübingen: Niemeyer, Ousmane Gueye
1991.
Loi n° 2002–21 du 14 aout 2002, modifiant la Dr. paed.; Promotion im Fach Germanis-
loi n° 67–45 du 13 juillet 1967 relative à tik an der Pädagogischen Hochschule
l’Université de Dakar et créant les col- Freiburg im Breisgau; er ist Dozent am
lèges universitaires. Département de Langues Etrangères Ap-
Ndoye, Abdou Karim: Le LMD en 60 ques- pliquées (LEA)/Fachsprachen-Abteilung
tions. Ucad 2000.
Ohnacker, Klaus: »Die Sytax der Fachsprac- der Université de Thiès / Senegal. Ar-
che Wirtschaft«, Zielsprache Deutsch 22 beitsgebiete: Fachsprachentheorie; Di-
(1991), 221–230. daktik/Methodik des Wirtschaftsdeut-
Portmann, Paul R.: Schreiben und Lernen: schen; Linguistik (Schriftliche Textpro-
Grundlagen der fremdsprachlichen Schreibdi- duktion in DaF, Textlinguistik, Phraseo-
daktik. Tübingen: Niemeyer, 1991.
Programme d’enseignement du département de logie, Tendenzen der deutschen Gegen-
Langues Etrangères Appliquées (LEA). Uni- wartssprache); Evaluation/Qualitätsent-
versité de Thiès/Sénégal. wicklung im Bildungsbereich.
570

Didaktik DaF / Praxis

Lernerbeobachtungen zur Nutzung von Feedback


bei einem videogestützten Online-Sprachkurs für
Deutsch als Fremdsprache

Oliver Bayerlein

Zusammenfassung
In dem Aufsatz wird eine Untersuchung referiert, die im Rahmen eines Online-Sprach-
kurses für Deutsch als Fremdsprache das Ziel hatte, das Verhalten von Lernern in Bezug zu
einem von dem Programm ausgegebenen Feedback zu untersuchen. Ausgehend von der in
der Literatur bereits geäußerten Vermutung, dass nicht immer ein elaboriertes Feedback
auch ein gutes Feedback sein muss, wurden die Lernwege von japanischen Studenten und
Studentinnen aufgezeichnet und ausgewertet.
Der Autor stellt zunächst die möglichen Arten von Feedback vor, um danach die
Lernwirksamkeit von Feedback zu diskutieren. Dabei vergleicht der Autor seine eigenen
Untersuchungen mit denen in der Literatur referierten Studien. Er zieht aufgrund der
Beobachtungen des Lernerverhaltens seiner Studenten den Schluss, dass die häufig in der
Literatur geäußerte Gleichung »einfaches Feedback = schlechtes Feedback« in dieser
absoluten Form nicht richtig ist. Der Autor kommt vielmehr zu einer eigenen Schlussfolge-
rung, bei welcher er das notwendige Feedback zur Dynamik der Übung in Beziehung setzt.
Der Link auf zwei kurze Videos, in denen die Schlussfolgerungen des Autors illustriert
werden, runden den Aufsatz ab.

1. Zielsetzung der Kurs aus einem Medienverbund von


Der folgende Aufsatz beruht auf einem Text, Audio, Video und Bildern besteht.
Projekt, welches von der Japan Society for Die Zielgruppe sind japanische Studie-
the Promotion of Science gefördert wird.1 rende und junge Erwachsene. Der Kurs
Im Rahmen dieses Projektes wird von ist kompatibel zu dem japanischen Uni-
drei beteiligten japanischen Universi- versitätscurriculum, das von einer be-
täten ein integrierter Sprachkurs für stimmten Menge an grammatischen In-
Deutsch als Fremdsprache, den wir On- halten ausgeht. Außerdem ist er kompa-
lineDeutsch genannt haben, im Internet tibel mit dem 15-wöchigen Semesterplan
auf der Basis des Lern-Management-Sys- der japanischen Universitäten. Bis zur
tems (LMS) Moodle erstellt. Integriert be- endgültigen Fertigstellung des kom-
deutet in diesem Zusammenhang, dass pletten Kurses ist ein Zeitraum von vier

1 Die genaue Bezeichnung des Förderprogramms ist: Kibankenkyu B; auf Deutsch


Grundlagenforschung (Programm) B.

Info DaF 37, 6 (2010), 570–576


571

Jahren veranschlagt. Gegenwärtig – also scheidend die Qualität des ganzen Pro-
2010 – befindet sich das Projekt im dritten gramms bestimmt (vgl. beispielsweise
Jahr. Musch 2000: o. S.; Rösler/Tschirner 2002:
Während des gesamten Erstellungszeit- 151; Rösler 2004: 177, Rösler 2008: 380).
raums wird für das Projekt eine forma- Jedoch wird nicht konkret gesagt, was
tive Evaluation durchgeführt: Die Studie- genau diese Qualität ausmacht.
renden, die an diesem Kurs teilnehmen, Rösler formuliert diese Problematik in
müssen ausführliche Online-Fragebögen Form einer Frage:
ausfüllen und ausgewählte Studierende »Soll eine Grammatikübung im Feedback
werden bei der Bearbeitung des Kurses z. B. eine Erklärung liefern, einen Link auf
gefilmt. Bei anderen Studierenden wer- eine Seite, in der das Phänomen dargestellt
den mit Hilfe einer speziellen Software wird? Oder ist das nicht viel zu aufwändig
(ScreenFlow für Mac OS) alle Aktivitäten für einen Lerner, der bei einer geschlos-
senen Übung nur schnell wissen möchte, ob
am Computer – Mauszeigerbewegungen, was er angeklickt hatte richtig oder falsch
Tastatureingaben sowie mündliche Äu- war?« (Rösler 2008: 381)
ßerungen – aufgezeichnet. Aufgrund der
Diese Frage deutet bereits einen Zweifel
Ergebnisse dieser Evaluation wird der
an folgender Gleichung an:
Kurs modifiziert und verbessert. Inzwi-
schen liegen ca. 15 Stunden Lernerbeob- »einfaches Feedback = schlechtes Feedback«.
achtung vor, die ausgewertet wurden. So schreibt beispielsweise Musch:
Nach einer Phase der Verbesserung des »In kontrollierten empirischen Studien füh-
Kurses, die im Herbst 2010 planmäßig ren elaborierte Formen von Feedback in der
abgeschlossen sein wird, werden wir eine Regel zu besseren Lernerfolgen als Rück-
erneute Evaluation vornehmen. meldungen, die sich in der bloßen Informa-
Zur Zeit gibt es für die Teilnehmer des tion über die Richtigkeit der gegebenen
Online-Kurses weder eine tutorielle Be- Antwort erschöpfen.« (Musch 2000: o. S.)
treuung, noch ist das System als Blended- Es könnte also sein, dass unter Umstän-
Learning-Kurs konzipiert: Das bedeutet den auch ein einfaches Feedback ein
für die Lerner, dass sie alleine vor dem durchaus angemessenes, also gutes Feed-
Computer Texte, Audioaufnahmen und back ist.
Videos verstehen sowie die Aufgaben Was macht die Qualität der Rückmel-
bearbeiten müssen. Ein Fokus der Evalu- dung für einen Lerner aus? Besteht eine
ation liegt aus diesem Grund auf der Art Korrelation zwischen der Form der
und Weise der Rückmeldungen; konkret Übung und der Art von Rückmeldung,
lautet die Forschungsfrage: Wie kann das die für eine Übung angemessen ist? Die
LMS mit Hilfe von Feedback zu falschen Beantwortung dieser Fragen könnte vie-
Lernerantworten die Lernenden so unter- len, die sich mit der Erstellung von IT-
stützen, dass sie möglichst selbstständig gestütztem Lehrmaterial befassen, even-
die richtigen Lösungen finden können? tuell erhebliche Mühe ersparen, denn die
Es wird im Grunde versucht, durch das Formulierung eines elaborierten Feed-
LMS die Reaktionen eines guten Do- backs bei falschen Antworten bereitet
zenten im Kursraum zu imitieren, der häufiger mehr Mühe als die Formulie-
durch gezielte Hinweise und Verbesse- rung der eigentlichen Übung.
rungen versucht, den Lerner zur selbst- Untersuchungen zur Lernwirksamkeit
ständigen Lösung der Aufgabe zu leiten. von Feedback, insbesondere bei IT-ge-
In der Literatur wird häufig betont, dass stützten Sprachlernprogrammen, gibt es
die Qualität solcher Rückmeldungen ent- nur wenige. Zwei Ausnahmen (Nagata
572

1993 und Nagata/Swisher 1995) seien hier 2.1 Knowledge of Result (KOR)
hervorgehoben: Beide Aufsätze referie- Die sicherlich einfachste Form einer
ren Untersuchungen zur Lernwirksam- Rückmeldung, die ein Lerner nach einer
keit von elaboriertem Feedback beim Eingabe in einem Übungsprogramm be-
computergestützten Lernen der Fremd- kommen kann, ist die Mitteilung, ob die
sprache Japanisch. Nagata (1993) unter- Antwort richtig oder falsch war. Im Falle
suchte die Auswirkungen von elabo- einer falschen Antwort würde also die
riertem Feedback beim Lernen des Pas- Rückmeldung lauten: »Ihre Antwort ist
sivs für die japanische Sprache. falsch«, ohne dass das richtige Ergebnis
Diese Untersuchungen wurden in einer bekanntgegeben würde. Diese Art von
Art Labor unter »klinischen« Bedin- Rückmeldung wird häufig als eine
gungen durchgeführt. Das bedeutet, die schlechte Form von Rückmeldung ge-
Untersuchungen wurden nicht in einer wertet, da ein Lerner bei dieser Rückmel-
realen Lernsituation, sondern mit spezi- dung keinerlei Hinweis erhält, wie er zur
ellen Texten für spezielle Untersuchungs- richtigen Lösung gelangen kann. Wenn
aufgaben in speziellen Lernarrangements in einer Unterrichtssituation der Kurslei-
vorgenommen. Der Ansatz, der dagegen ter auf die Antwort eines Studierenden
in diesem Aufsatz verfolgt wird, ist der mit der Antwort »Falsch!« reagieren wür-
einer empirischen Untersuchung in einer de, entspräche diese Antwort dieser Art
realistischen Lernsituation: Wir haben der Rückmeldung.
die Wirksamkeit von verschiedenen
Feedbackformen durch die Beobachtung 2.2 Knowledge of Correct Result (KCR)
der Lernwege von ausgewählten Proban- Knowlegde of Correct Result zeigt dem
den erkundet, ohne spezielle Übungen Lerner nach seiner Eingabe, welche Ant-
vorzugeben, die nur dazu erstellt wur- wort die richtige ist. Es bleibt dem Ler-
den, die Wirksamkeit oder Unwirksam- ner überlassen zu entscheiden, ob seine
keit von Feedback zu analysieren. Antwort mit der richtigen Antwort
Vorweg kann gesagt werden, dass unsere identisch oder ob seine Antwort falsch
Untersuchungen gezeigt haben, dass die ist. Häufig wird aber KCR mit KOR
Gleichung umfangreiches Feedback = gutes kombiniert: »Leider ist Ihre Antwort
Feedback in dieser Ausschließlichkeit falsch. Die richtige Antwort lautet: …«.
nicht aufrechterhalten werden kann. Diese oder ähnliche Formulierungen
Bevor jedoch über die Angemessenheit können fast in jedem IT-gestützten
von Feedback diskutiert werden kann, Sprachkurs beobachtet werden.
müssen zunächst einmal die verschie-
denen Arten von Feedback systematisiert 2.3 Answer until correct (AUC)
werden. In diesem Fall müssen die Lerner so lange
probieren, bis sie die richtige Antwort
2. Formen von Feedback gefunden haben. Diese Form der Rück-
Man kann prinzipiell zwischen ein- meldung lässt sich nur schwer denken
fachem und komplexem Feedback unter- ohne eine Kombination mit KOR. Bei-
scheiden (die folgende Unterscheidung spielsweise könnte eine Multiple-Choice-
beruht auf der Online-Veröffentlichung Übung, die durch einen Mausklick bear-
von Jacobs 2002). Das einfache Feedback beitet werden muss, so lange eine Falsch-
wiederum lässt sich weiter in verschie- Rückmeldung ausgeben (KOR), bis der
dene Formen unterteilen, die hier zu- Lerner die richtige Antwort angeklickt
nächst vorgestellt werden sollen. hat (AUC).
573

2.4 Komplexes Feedback beitung von allen Aufgaben einer Bild-


Neben diesen drei Formen von ein- schirmseite. Die Option »einen Tag spä-
fachem Feedback gibt es noch die soge- ter« ist daher eigentlich nicht relevant,
nannte komplexe Rückmeldung. Darun- so dass von einem verzögerten Feed-
ter wird eine differenzierte Anleitung des back im Sinne der zitierten Untersu-
Lerners zur Eigenkorrektur verstanden. chungen nicht gesprochen werden kann.
Das komplexe Feedback kann der Rück- Das Feedback bei IT-gestützten Übungs-
meldung eines Kursleiters im Unter- aufgaben wird immer mehr oder weni-
richtsraum nahe kommen. Die Voraus- ger unmittelbar sein.
setzung für eine komplexe Rückmeldung Die Lernwirksamkeit der verschiedenen
ist zunächst eine elaborierte Analyse des Arten des Feedback muss jedoch diffe-
Fehlers. Danach erst kann dann ein ange- renzierter diskutiert werden. Die Unter-
messenes erklärendes Feedback formu- suchungen unter Laborbedingungen von
liert werden. Dadurch wird es für Jacobs (2002) selbst bzw. der von Jacobs
Übungsdesigner sehr zeitaufwändig, ein referierten Untersuchungen stehen teil-
komplexes Feedback zu erstellen. Auf weise im Gegensatz zu unseren Beobach-
der anderen Seite sind Übungsdesigner – tungen und Aufzeichnungen.
sofern sie nicht mit Programmierern zu- Jacobs referiert Untersuchungen, die
sammenarbeiten und eine Lernumge- belegen sollen, dass die einfache Rück-
bung speziell für ihre Bedürfnisse pro- meldung richtig, falsch, also KOR, als so
grammieren lassen können – von den gut wie keine Rückmeldung einzustu-
Möglichkeiten des vorgegebenen LMS fen sei (vgl. Jakobs 2002: 10 f.). Der
abhängig. (Welche Möglichkeiten Moodle Grund:
für verschiedene Arten von Feedback bie- »Im Falle einer falschen Antwort kann der
tet, habe ich an anderer Stelle diskutiert; Lerner seine Fehler nicht korrigieren, aber
vgl. Bayerlein 2008). in der Fehlerkorrektur liegt, empirisch be-
trachtet, der entscheidende Vorteil des
3. Lernwirksamkeit von Feedback Feedbacks.« (Jakobs 2002: 12)
Die Notwendigkeit von Feedback über- Der entscheidende anfechtbare Punkt der
haupt wird sicher nicht in Frage gestellt: obigen Aussage liegt in dem Begriff der
Man stelle sich einen Unterricht vor, bei Fehlerkorrektur. Multiple-Choice-
dem ein Kursleiter auf die Antwort eines Übungen gehören wahrscheinlich zu den
Teilnehmers nicht reagieren würde. Strit- häufigsten Übungsformen. Die Reaktion
tiger dagegen ist die Frage nach der Art der Lernenden auf die Aufgabenstellung
und Weise und dem Zeitpunkt des Feed- bei diesen Übungsformen besteht in
backs. einem einfachen Klick auf die Antwort-
Die Testreihen zu unmittelbarem oder möglichkeit, die für richtig gehalten
verzögertem Feedback, die Jacobs (2002: wird. Danach muss durch das Programm
17) zitiert, beziehen sich auf ein Feed- ein Feedback gegeben werden. Dieses
back, das um einen Tag verzögert Feedback kann von einem einfachen ne-
wurde. Ein Designer von Aufgaben in gativ bzw. positiv besetzten Ton (häufig
einem Lernprogramm muss jedoch wird dafür Klatschen eingesetzt) oder
meist nur entscheiden, ob ein Feedback einer Textmitteilung (»Leider ist Ihre Ant-
direkt nach der Eingabe von falschen wort falsch«) bestehen: Beides ist jedoch
Wörtern, Buchstaben oder der Ausfüh- KOR. Zusätzlich kann dazu noch eine
rung von falschen Aktionen gegeben Begründung, warum die Antwort falsch
wird oder verzögert, d. h. nach der Bear- war, ausgegeben werden.
574

Unsere Evaluationen haben jedoch erge- werden können, also bei solchen
ben, dass gerade bei Multiple-Choice- Übungsformen, die weitergehende Akti-
Übungen derartige Begründungen nicht vitäten des Lerners erfordern: Frei-
gelesen werden.1 Vielmehr versuchen die texteingaben bzw. Lückentextübungen.
Lerner stattdessen, auf eine andere Ant- Bei diesen Übungsformen ist nicht ge-
wortmöglichkeit zu klicken – durchaus währleistet, dass der Lerner spätestens
nicht blind, sondern überlegend (vgl. die bei dem vierten schnellen Klick die rich-
filmische Auswertung von Nutzerverhal- tige Lösung findet. Vielmehr sind die
ten unter der folgenden Adresse: http:// Antwortmöglichkeiten potenziell unbe-
gallery.me.com/oliver.bayerlein#100246). grenzt. Daher ist es geboten, den Lerner
Die Fehlerkorrektur, die Jacobs fordert, bei falschen Antworten gezielt zu infor-
führt der Lerner selbst durch: Sie besteht mieren, warum seine Antwort falsch
aus der Suche nach der richtigen Antwort war und wie die richtige Antwort einge-
unter den verbliebenen Distraktoren. Of- geben werden kann. Unsere Beobach-
fensichtlich werden zusätzliche Informa- tungen zeigen auch, dass bei derartigen
tionen, die zur richtigen Lösung führen Übungsformen das Feedback gelesen
könnten, ignoriert, da sie den schnellen wird, auch wenn es etwas länger ist (vgl.
Rhythmus der Übung durchbrechen: die filmische Auswertung von Nutzer-
Eher werden noch weitere falsche Klicks verhalten unter der folgenden Adresse:
in Kauf genommen. Das gleiche gilt für http://gallery.me.com/oliver.bayerlein
sogenannte Zuordnungsübungen, bei #100254).
denen per Auswahlbox verschiedene Ele- Die Anstrengung, elaboriertes Feedback
mente auf der rechten Seite den Ele- zu konzipieren, lohnt sich also nur dann,
menten auf der linken Seite zugeordnet wenn auch sichergestellt ist, dass die Ler-
werden müssen. Auch bei dieser Übung ner sich die Mühe machen, dieses Feed-
ist es einfacher und schneller, nach einer back zu lesen. Bei einem Lernprogramm
falschen Antwort ein anderes Zuord- für Fremdsprachen muss zusätzlich si-
nungselement auszusuchen als eine Er- chergestellt sein, dass dieses Feedback
klärung über die Art des Fehlers und die sprachlich nicht schwerer zu verstehen
Möglichkeiten zur Verbesserung des Feh- ist als die eigentliche Aufgabe. Das Feed-
lers zu lesen: Die Verbesserung des Feh- back sollte daher gegebenenfalls in die
lers besteht in einer Neuauswahl des zu- Muttersprache der Lerner oder in eine
zuordnenden Elements. Mittlersprache übersetzt werden (daher
Anders dagegen bei Übungsformen, de- wurden in dem Projekt OnlineDeutsch
ren Antworten nicht durch einen ein- sämtliche metasprachlichen Erklärungen
fachen Klick mit der Maus gefunden ins Japanische übersetzt).

1 In einem anderen Zusammenhang, nämlich bei der schriftlichen Auswertung von


Leistungsmessungen durch Tutoren, kommen Gibbs/Simpson (2004) zu dem Ergebnis,
dass nicht sicher ist, ob Feedback prinzipiell gelesen wird: »It is not inevitable that
students will read and pay attention to feedback even when that feedback is lovingly
crafted and provided promptly«. (22) Sie weisen darauf hin, dass es zusätzlicher
Maßnahmen bedarf, um Lerner zu veranlassen, Feedback-Kommentare zu lesen. In dem
Zusammenhang OnlineDeutsch sind die von Gibbs / Simpson geschilderten Maßnahmen
– »providing feedback but no marks«, »assignments to be self-assessed«, »providing a
grade only after self-assessment and tutor feedback has been completed« u. a. (22) –
jedoch nicht durchführbar.
575

4. Übungsdynamik formen bietet, umsetzt, lässt sich sagen,


Bei der Entscheidung für eine Art von dass sowohl bei Multiple-Choice-
Feedback sollte man als Übungsdesi- Übungen als auch bei Zuordnungsübun-
gner daher die Dynamik der Übung be- gen komplexes Feedback nicht ange-
rücksichtigen. Wir unterscheiden zwi- bracht ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass
schen schnellen und langsamen derartiges Feedback gelesen wird, ist
Übungen. Schnelle Übungen sind sol- nach unseren Beobachtungen eher ge-
che, bei denen die Lerneraktivität nur ring. Unsere Auswertungen von Beob-
aus Klicks auf ein Element oder aus der achtungen zum Lernverhalten japa-
Auswahl von Elementen aus einer Liste nischer Studenten stützen also zumin-
besteht. Sofern der Lerner bei einer der- dest für diese Lernergruppe die Vermu-
artigen Aufgabe falsch geklickt hat, tung von Rösler, die am Anfang dieses
kann er sich schnell verbessern, indem Textes zitiert wurde.
er einfach auf ein anderes Element klickt Man kann also abschließend die folgende
oder ein anderes Element mit dem Tabelle aufstellen, in der die Übungs-
Mauszeiger auswählt. Eine längere Er- formen mit angemessenem Feedback in
klärung, warum der vorherige Klick Beziehung gesetzt werden:
falsch war, stört die Dynamik der
Übung und wird ignoriert. Feedback KOR AUC KCR Komplexes
Anders dagegen bei einer Übungsform, Übungsform Feedback
die keinerlei Elemente zur Auswahl Multiple-Choice  
enthält, also etwa bei einer freien Zuordnung  
Texteingabe, in der Terminologie von
Moodle: bei einer Kurzantwort. Hierbei Kurzantwort   
muss der Lerner eventuell sogar ohne Tabelle: Übungsformen und empfohlenes
eine Vorgabe für seine Antwort frei ent- Feedback
scheiden, welchen Text er eingibt. Bei
einer falschen Antwort muss der Lerner
Literatur
selbständig verstehen, warum seine
Bayerlein, Oliver: »Benutzerdefinierte
Antwort falsch war und wie er sie ver- Rückmeldungen bei Moodle. Möglich-
bessern kann. Anders als bei einer wie keiten und Grenzen von Feedback für
auch immer formulierten Multiple- Lernereingaben bei geschlossenen
Choice-Übung reduziert sich die Mög- Übungsformen«, Neue Beiträge zur Ger-
lichkeit der richtigen Antwort also nicht manistik. Doitsu Bungaku (2008), 225–
238.
nach einer falschen Antwort, sondern Gibbs, Graham; Simpson, Claire: »Condi-
die potenziell unendlichen Antwort- tions under which assessment supports
möglichkeiten stehen auch bei dem students’ learning«, Learning and Teach-
zweiten Antwortversuch wieder zur ing in Higher Education 1 (2004), 3–31.
Auswahl. Jacobs, Bernhard: Aufgaben stellen und Feed-
back geben. Zitiert nach der PDF-Version:
Bei dieser langsamen Übung ist es daher http://www.phil.uni-sb.de/~jakobs/ww-
angemessen, dem Lerner Hinweise zu wartikel/feedback/feedback.pdf (letzte
geben, warum die erste Antwort nicht Änderung: 21.11.2002).
richtig war und wie er bei dem nächsten Musch, Jochen: »Die Gestaltung von Feed-
Antwortversuch erfolgreicher sein kann. back in computergestützten Lernumge-
bungen: Modelle und Befunde«, Zeit-
Wenn man dieses Ergebnis auf die schrift für Pädagogische Psychologie 13
Möglichkeiten, die Moodle an Übungs- (1999), 148–160.
576

Nagata, Noriko: »Intelligent Computer Rösler, Dietmar: »Deutsch als Fremdspra-


Feedback for Second Language Instruc- che mit digitalen Medien – Versuch einer
tion«, The Modern Language Journal 77, 3 Zwischenbilanz im Jahr 2008«, Info DaF
(1993), 330–339. 35, 4 (2008), 373–389.
Nagata, Noriko; Swisher, Virginia M.: »A
Study of Consciousness-Raising by Com-
puter: The Effect of Metalinguistic Feed-
back on Second Language Learning«, For- Oliver Bayerlein
eign Language Annals 28, 3 (1995).
Rösler, Dietmar; Tschirner, Erwin: »Neue Studium der Germanistik, Philosophie
Medien und Deutsch als Fremdsprache. und Erziehungswissenschaften in Mainz;
Viele Fragen und ein Aufruf zur Diskus- 1996 Promotion in Germanistik an der
sion«, Deutsch als Fremdsprache 39, 3 Universität Mainz. Ab 1986 Tätigkeit in
(2002), 144–155. verschiedenen Institutionen im Bereich
Rösler, Dietmar: E-Learning Fremdsprachen –
eine kritische Einführung. Tübingen: Stauf- Deutsch als Fremdsprache. Gegenwärtig
fenburg, 2004 (Stauffenburg Einfüh- Professor für Linguistik an der Nanzan
rungen, 18). Universität in Nagoya (Japan).
577

Zur Nachhaltigkeit Neuer Medien im


Fremdsprachenunterricht

Ulf Schütze

Zusammenfassung
In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, inwieweit Neue Medien sinnvoll und über
einen längeren Zeitraum im Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden können. Dabei
wird Nachhaltigkeit als Faktor eingeführt – ein Konzept, das ursprünglich im Zusammen-
hang mit dem Umweltschutz entwickelt wurde, inzwischen aber in vielen Bereichen des
Lebens Anwendung findet. Zunächst wird der Begriff der Nachhaltigkeit im Zusammen-
hang mit dem Einsatz Neuer Medien im Fremdsprachenunterricht im Zusammenhang
vorhandener Studien diskutiert. Anschließend werden anhand des Unterrichtsbeispiels
›Der Konjunktiv‹ mehrere Möglichkeiten aufgezeigt, Neue Medien im Sprachunterricht
einzusetzen. Diese Beispiele werden auf den Faktor der Nachhaltigkeit hin analysiert.
Schließlich werden zwei Beispiele vorgestellt, in denen mit Hilfe von Neuen Medien ›Der
Konjunktiv‹ im Fremdsprachenunterricht im Sinne der Nachhaltigkeit vermittelt werden
kann.

1. Einleitung reichen der Lernziele beurteilt wird. Im


Seit nunmehr zwanzig Jahren beschäf- Zusammenhang mit Neuen Medien ist
tigt sich die Forschung mit dem Einsatz dieser letzte Punkt leider oft vernachläs-
Neuer Medien1 im Fremdsprachenun- sigt worden. So hielt sich lange die An-
terricht. Ab und zu gibt es eine tech- sicht, dass der Einsatz Neuer Medien in
nische Neuerung, die das Arsenal der sich selbst eine Methode darstelle und
vorhandenen Medien erweitert. Zu- sich somit Lernziele von selbst defi-
nächst beschäftigte sich die Forschung nierten. In dieser Zeit wurde viel expe-
mit Fragen der Motivation und dem rimentiert, ohne über eine Medienpäda-
Lernumfeld, welches durch die Medien gogik weiter nachzudenken. In der Zwi-
verändert wurde. Mit der wachsenden schenzeit hat sich dies jedoch grundle-
Anzahl dieser Medien kam die Frage gend gewandelt. Die Forschung ist sehr
auf, welches Medium für welchen kritisch geworden. Sie fragt nach dem
Zweck eingesetzt werden kann. Ferner Sinn und Zweck des Einsatzes Neuer
wurden viele Aufgaben entwickelt, um Medien im Fremdsprachenunterricht,
diese Medien möglichst sinnvoll in den nach den Methoden, den Lernzielen, der
Unterricht einzubeziehen. Schließlich Bewertung, der Planung. Sie fragt auch
blieb noch die Frage der Bewertung zu danach, ob ein Lernziel nicht ebenso gut
klären, d. h. es waren Lernziele und Kri- ohne Neue Medien erreicht werden
terien festzulegen, anhand derer das Er- kann.

1 Der Begriff »Neue Medien« bezieht sich auf technische Hilfsmittel (z. B. YouTube, MP3),
Software aller Art, Kooperationsmedien (z. B. Forum, Chat, Skype, Wiki).

Info DaF 37, 6 (2010), 577–587


578

2. Eckpunkte der Forschung drei Grundbedürfnisse identifiziert, die


Im Folgenden wird ein kurzer Überblick zur Motivation wichtig sind. Zunächst
über die vier Eckpunkte der Forschung müssen Lerner das Gefühl haben, einer
gegeben, die in diesem Zusammenhang Aufgabe gewachsen zu sein und etwas
wichtig sind: die Frage der Motivation; erreichen zu können (Kompetenzerfah-
die Medien, die zur Verfügung stehen; rung). Ferner haben Lerner das Bedürfnis
die Aufgaben, die Lerner zu bewältigen nach Anerkennung für ihre Leistung
haben; die Bewertung. Der Begriff Nach- durch andere Lerner oder Lehrer (soziale
haltigkeit bezieht sich in diesem Zusam- Zugehörigkeit). Schließlich wollen Ler-
menhang auf den langfristigen Einsatz ner Entscheidungen treffen, selbstständig
Neuer Medien: Welche Faktoren spielen handeln und Verantwortung überneh-
eine Rolle, damit Lernende auch nach men (Autonomie). Deci und Ryan nen-
mehreren Wochen ein Neues Medium nen dies intrinsische Motivation. Ihre
sinnvoll nutzen? Diese Fragestellung ist Studien haben Deci und Ryan im Rah-
in der Forschung bisher zwar angerissen, men der Psychologie durchgeführt; in
aber nicht konkret weitergeführt worden. der Anwendung bezogen sie sich jedoch
u. a. konkret auf den Fremdsprachener-
2.1 Motivation werb. Dabei stellten sie heraus, dass Ler-
ner mitbestimmen möchten, was und wie
Man kann zwischen der Motivation von sie lernen.
außen und der Motivation von innen
unterscheiden. Die Motivation von außen »Intrinsic motivation is in evidence when-
ever students’ natural curiosity and interest
besteht in dem Medium selbst. Hier spielt energize their learning. When the educa-
der Reiz des Neuen eine Rolle. Robert tional environment provides optimal chal-
O’Dowd und Markus Ritter (2006), die lenges, rich sources of stimulation, and a
sowohl einen Überblick über transatlan- context of autonomy, this motivational well-
tische Projekte geben als auch von ihrem spring of learning is likely to flourish.«
(Deci/Ryan 1985: 245)
eigenen Projekt, in dem Englischstu-
denten der Universität Essen mit 2.2 Medien
Deutschstudenten der Macquarie Uni- Neue Medien können dazu eingesetzt
versity in Australien in Verbindung stan- werden, dass Lerner individuell eine
den, berichten, schreiben dazu: Aufgabe bearbeiten, oder auch, damit sie
»Learners’ motivation is likely to be high if miteinander arbeiten oder kommunizie-
the chosen technology (e. g., chat) is new ren. Die Kooperation und Kommunika-
and exciting for them in a classroom context tion ist zwischen Lernern des gleichen
…«. (O’Dowd/Ritter 2006: 635)
Kurses wie zwischen Lernern verschie-
Diese Aussage ist nicht unumstritten, da dener Kurse möglich. Zwei Faktoren
bezweifelt werden kann, ob sich der Reiz spielen eine entscheidende Rolle: Der
des Neuen nicht nach kurzer Zeit ver- Grad der Kooperativität und der Grad
flüchtigt. Vor allem in der Psychologie der Selbststeuerung.
wird mehr Wert auf die Motivation von Nicola Würffel (2008) hat ein Modell koo-
innen gelegt. Die Motivation von innen perativer Schreibprozesse entworfen.
bezieht sich auf die Selbstbestimmung Hierbei bezieht sie sich vor allem auf
des Lerners. Seit den 1970er Jahren haben Wikis, in denen Lerner einen Text ge-
Edward Deci und Richard Ryan (1985, meinsam erstellen. Sie unterscheidet zwi-
2002) grundlegende Studien zur Motiva- schen drei Ebenen: der Interaktion bei
tion durchgeführt und im Laufe der Zeit der Planung; der Interaktion beim For-
579

mulieren und Schreiben; der Interaktion penzusammensetzung bezieht sich nicht


bei der Evaluation und beim Revidieren. nur auf das Sprachniveau der Lerner,
Die Interaktion auf jeder dieser Ebenen sondern auch auf ihr Alter, ihr Ge-
ist sowohl sozial wie auch kognitiv be- schlecht und ihre Interessen.
dingt. Lerner müssen miteinander ver- In einem Artikel, der sich an Lehrer rich-
handeln, wer was wie schreibt, und dabei tet, empfiehlt Melissa Dooly (2007), als
ihr Wissen von der Grammatik, dem erstes an den Lerner zu denken und nicht
Thema und den Wörtern einsetzen. Die an das Medium:
Vorteile einer solchen Zusammenarbeit
»The point of departure must be the learn-
liegen auf der Hand: Studenten können ers – what they already know, expectations
von anderen Studenten lernen; sie kön- about the learning process, different modal-
nen etwas über den Schreibprozess als ities and so forth – …«. (Dooly 2007: 217)
solches lernen; sie müssen in Verhand-
Dooly führt aus, dass die Aufgaben klar
lungen eintreten und somit über die ei-
formuliert sein müssen. Dies bezieht sich
gene Leistung nachdenken; sie nehmen
nicht nur auf die Fragestellung, sondern
die Rollen des Schreibers, Lesers und
auch auf Anzahl und Länge der Beiträge.
Kritikers ein. Die Nachteile liegen eben-
Die Organisation des Kurses ist sehr
falls auf der Hand: Dieser Schreibprozess
wichtig. In diesem Bereich hat u. a. Glen
ist mühsam und langwierig, und die Stu-
Stockwell von einem Austausch zwi-
denten tragen je nach Motivation und
schen Englischstudenten in Japan und
Wissen unterschiedlich zu dem Text bei.
Japanischstudenten in Australien berich-
Bei jeder Kooperation ist daher eine ge-
tet, bei dem die Auswahl der Themen
naue Absprache mit allen Beteiligten
und die Anordnung der E-Mails in einem
wichtig. Dies gilt insbesondere, wenn
Forum wesentlich beeinflussten, inwie-
eine Kooperation zwischen Lernern ver-
weit sich Lerner beteiligten (vgl. Stock-
schiedener Kurse stattfindet, die anderen
well 2003).
Kultur-/Sprachkreisen angehören. Ute
Massler (2008) hat einen Austausch zwi- Zusammenfassend lässt sich feststellen,
schen Schülern einer high-school in Cal- dass man immer wieder die Frage stellen
gary und einem deutschen Gymnasium muss: Was können Studenten letztend-
untersucht und festgestellt, dass die lich lernen, wenn sie Neue Medien im
Schüler sehr wenig Verständnis für das Kurs benutzen?
Sprachniveau anderer Schüler hatten.
Die kanadischen Schüler machten viele 2.3 Aufgaben
Fehler im Englischen und die Lehrer In seinem Buch Brave New Digital Class-
mussten den deutschen Schülern erklä- room stellt Robert Blake (2008) als wich-
ren, was falsch war. Auch wurden viele tiges Ziel des Einsatzes Neuer Medien im
Redewendungen benutzt, die für Fremd- Fremdsprachenunterricht dar, Aufgaben
sprachenlerner nur schwer zu verstehen so zu gestalten, dass der Lerner Entschei-
waren. So kam der Austausch fast zum dungen treffen muss und somit Verant-
Erliegen, da es teilweise für die Schüler wortung übernimmt. In Bezug auf den
sehr frustrierend war, kaum etwas zu Lerner benutzt Blake den Begriff ›agency‹
verstehen. Massler führt aus, dass bei der und bezieht sich damit auf Richard Kern
Wahl des Austauschpartners die Lehrer und Mark Warschauer (2000). Konse-
beider Klassen oder Kurse sich gut ab- quenterweise müssen deshalb Aufgaben
sprechen und auf die Gruppenzusam- pädagogisch so konzipiert sein, dass sie
mensetzung achten müssen. Die Grup- den Lerner ansprechen und ihm Ent-
580

scheidungsmöglichkeiten bieten. Das ist 2.4 Bewertung


leichter gesagt als getan, zumal bisher die Die Frage ist nicht nur, was ein Lerner
Meinung verbreitet war, dass Neue Me- letztendlich lernen soll, wenn Neue Me-
dien als solches eine Pädagogik in eigner dien im Kurs eingesetzt werden, sondern
Sache darstellen. Blake weist dies jedoch auch, wie die Leistung des Lerners, der
zu Recht zurück und betont, dass jede Neue Medien benutzt, bewertet wird. In
Aufgabe, zu der ein Neues Medium be- diesem Zusammenhang kommt der so-
nutzt wird, didaktisch aufbereitet und genannten interkulturellen kommunika-
durchdacht sein muss. tiven Kompetenz Bedeutung zu.
In diesem Zusammenhang hat Klaus Das Prinzip der interkulturellen kommu-
Brandl (2010) eine Studie an der Univer- nikativen Kompetenz führt das Prinzip
sity of Washington in Seattle mit 94 der kommunikativen Kompetenz weiter.
Deutschstudenten durchgeführt, die E- Das Konzept der kommunikativen Kom-
petenz, das 1980 von Michael Canale und
Mail und Chat benutzen, um sich im
Merrill Swain entwickelt wurde, besagt,
Kurs mit Kommilitonen zu unterhalten.
dass es das Ziel des Sprachunterrichts ist,
Brandl untersucht dabei den Unterschied
einem Lerner eine grammatische, eine
zwischen offenen und geschlossenen
sozio-linguistische und eine strategische
Aufgaben. Im Unterricht wurden Famili-
Kompetenz zu vermitteln (Canale/Swain
enbeziehungen durchgenommen. Ein
1980: 28–31). Dies gilt auch für das Ler-
Beispiel für eine geschlossene Aufgabe
nen mit Neuen Medien. Claire Kramsch,
war: Zeichne deinen Familienstamm- die an der Deutschabteilung der Berkeley
baum auf und erkläre ihn einem Kommi- Universität in San Francisco arbeitet, hat
litonen / einer Kommilitonin; ein Beispiel dieses Prinzip erweitert (vgl. Kramsch
für eine offene Aufgabe war: Erzähl von 1993, 2004), indem sie die kulturelle
deiner Familie. Brandl stellte fest, dass Komponente weiterentwickelte: Die Kul-
Aufgaben, die sehr offen gestaltet sind, tur des Landes, in welchem die zu ler-
den Lerner im Anfängerunterricht oft nende Sprache gesprochen wird, zu er-
überfordern. Im Fortgeschrittenenunter- fahren, bedeutet, Beziehungen zu entwi-
richt verführt die Offenheit der Übung ckeln und in einen Dialog zu treten. Da-
dazu, nur das Nötigste zu tun. Susana bei ist es wichtig, die eigene Kultur und
Sotillo (2000) berichtet von einem Aus- Sprache nicht zu vergessen, sondern
tausch zwischen Studenten aus Brasilien diese dazu zu benutzten, den Dialog zu
(Englisch) und den USA (Portugiesisch) vertiefen.
berichtet, dass die Teilnehmer des Chats Das Prinzip der interkulturellen Kom-
sehr wenig und sehr kurz schrieben. munikation bezieht sich letztendlich dar-
Wenn Aufgaben dagegen zu kontrollie- auf, Unterschiede zwischen Kulturen zu
rend sind, wie etwa bei Ja/Nein Fragen, erkennen, nachzuvollziehen und zu re-
fragt man sich, ob sich der Aufwand spektieren. In England hat vor allem Mi-
lohnt, Neue Medien einzusetzen. Es liegt chael Byram an diesem Prinzip gearbeitet
am Geschick des Lehrers, solche Dialoge (Byram 1997). Diese Unterschiede sind
zu steuern. Robert Blake (2008) drückt oft an die Sprache der Kultur gebunden.
das so aus: Ein Lerner, der Deutsch als Fremdspra-
che lernt, sollte es sich nicht zum Ziel
»No technological tool is superior to the
other […] teachers remain the most crucial setzen, Deutsch wie ein Muttersprachler
link creating a successful web-based lan- zu sprechen, Deutscher zu werden, son-
guage curriculum.« (Blake 2008: 39) dern er sollte versuchen, so gut Deutsch
581

zu sprechen, dass er mit deutschen Mut- b. Kommentare (kritisch – unkritisch; be-


tersprachlern kommunizieren und mehr gründet – unbegründet; argumentativ
über die Sprache und Kultur erfahren – gefühlsbetont; interkulturell)
kann. Er oder sie sollte sich nicht in der c. Beispiele (um Kommentare zu belegen;
deutschen Kultur verlieren, indem diese wissenschaftlich; persönliches Erlebnis
bedingungslos aufgesogen wird. Im Ge- – Erlebnis eines anderen)
genteil. Der/die Lerner/in kann seine d.Material (neues Material in den Kurs
oder ihre eigene Sprache und Kultur gebracht; Aktivität damit verbunden).
beim Erlernen einer anderen Sprache ein- In einer dazu durchgeführten Studie
bringen und so in einen interkulturellen (Schütze 2007) stellte sich heraus, dass
Austausch eintreten. Die Herausforde- die direkte Rückmeldung an Studenten
rung an den Lerner besteht darin, die und die damit verbundene Transparenz
Werte und Traditionen der Bevölkerung von großer Bedeutung waren. Nach je-
eines anderen Landes und deren Verhal- dem Thema wurde zusammen mit den
ten zu erfahren. Somit müssen Berüh- Studenten besprochen, welche Diskussi-
rungspunkte geschaffen werden, wozu onen erfolgreich geführt worden waren
sich Neue Medien besonders eignen, da und welche nicht. Im Verlauf der zwölf
zum Beispiel Kontakt mit Muttersprach- Wochen, in denen der Austausch statt-
lern hergestellt werden kann (Alred/By- fand, nahm so die Qualität der Diskussi-
ram/Fleming 2003: 3). onen deutlich zu.
Ein Beispiel, wie dies in die Praxis umge-
setzt werden kann, kommt von der Uni- 3. Beispiele
versity of Victoria in Kanada. Dort findet Versuchen wir einmal, den Konjunktiv
seit mehreren Jahren ein Austausch zwi- zu unterrichten. Es gibt viele Möglich-
schen Deutschstudenten der University of keiten, Neue Medien im Unterricht so
Victoria und Englischstudenten an der einzusetzen, dass sie sich schrittweise
Universität Kiel, die sich auf Deutsch und ergänzen.
Englisch – je nach Thema – per E-Mail und
Chat unterhalten (Schütze 2007). Der Aus- 3.1 Video
tausch findet zusätzlich zum regulären Zunächst suchen wir einen geeigneten
Unterricht statt. Die Studenten haben fort- Videoclip, um den Gebrauch des Kon-
geschrittene Deutsch- bzw. Englisch- junktivs authentisch zu belegen. Der
kenntnisse. Inhaltlich werden folgende Trailer zu Das Leben der Anderen, den man
Themen diskutiert: ›Selbstbild / identity‹; schnell per google auf YouTube findet, ist
›Natur / nature‹; ›Multikulti / multicul- da sehr hilfreich. Dort äußert der Stasi-
turalism‹. Um die Diskussion zu bewer- Hauptmann Gerd Wiesler den Satz: »Ich
ten, gab es zunächst das formale Krite- würde ihn überwachen lassen«. Den
rium, dass jeder Student zu jedem Beispiel spielen wir den Lernern per Laptop und
mindestens fünf E-Mails schreiben musste Beamer auf einer Leinwand vor. Der Vi-
und dabei drei anderen Studenten ant- deoclip hat den Vorteil, dass viele Lerner
worten sollte. Darüber hinaus sollte die den Film gesehen oder zumindest davon
Diskussion als solches bewertet werden. gehört haben. Schließlich hat der Film
Hierzu wurden zusammen mit den Stu- den Oscar für den besten ausländischen
denten die folgenden Kriterien entworfen: Film im Jahr 2007 gewonnen. Die Thema-
a. Fragestellung (Ja/Nein Fragen; W-Fra- tik der Überwachung durch die Stasi ist
gen; Klärung des Wissenstands; neue ebenfalls weitestgehend bekannt, so dass
Ideen) es Anhaltspunkte gibt, ein kulturell inter-
582

essantes Thema in den Sprachunterricht Natürlich lässt sich so eine Tabelle auch
einzubeziehen. Der Videoclip ist ca. 2 anhand einer Folie auf dem Overhead-
Minuten lang. projektor anfertigen. Der Vorteil eines
Textverarbeitungsprogramms liegt darin,
3.2 Bunte Tabellen dass die Datei problemlos im htm Format
Im nächsten Schritt werden die Formen gespeichert und somit auf der Internet-
des Konjunktivs besprochen. Es gibt meh- seite, die den Kurs begleitet, geladen wer-
rere Möglichkeiten, dies anzugehen. Man den kann. Auf diese Art und Weise haben
Lerner jederzeit auf die den eigenen
kann induktiv vorgehen und anhand wei-
Wünschen des Lehrers entsprechend an-
terer Beispiele die Lerner die Formen
gefertigte Tabelle Zugriff.
selbst finden lassen. In diesem Fall emp-
fiehlt es sich, zusätzlich zum Video auch
3.3 MP3
einen Lesetext zur Verfügung zu stellen,
Als dritter Schritt ist es nützlich, nicht nur
da die meisten Lerner visuell veranlagt
die syntaktisch-morphologische Form
sind und die Formen leichter identifizie-
des Konjunktivs, sondern auch die pho-
ren können, wenn sie zu sehen und nicht
nologische Form zu vermitteln. Mit Hilfe
nur zu hören sind. Man kann auch deduk-
des Programms Audacity können Bei-
tiv vorgehen und die Formen einfach vor-
spielsätze, von Muttersprachlern gespro-
geben. In beiden Fällen, induktiv wie de-
chen, im MP3 Format aufgezeichnet wer-
duktiv, wird man früher oder später eine
den. Überraschenderweise wird dies in
Tabelle benutzen, um in einer Übersicht
Lehrwerken oft vernachlässigt. Dort sind
das selbst erarbeitete Wissen (induktiv) zu
zwar Dialoge vorhanden, in denen der
sichern oder die vorgegebene Information Konjunktiv zwei- oder dreimal vor-
(deduktiv) darzustellen. Solche Tabellen kommt, aber gezielte Hörübungen, mit
sind in Lehrwerken vorhanden. Aller- deren Hilfe die Aussprache geschult
dings entsprechen sie in vielen Fällen wird, sind oft nicht vorhanden. Die MP3-
nicht den Vorstellungen des Lehrers, da Dateien können auf die den Kurs beglei-
diese Tabellen je nach Lehrwerk zu kom- tende Internetseite hochgeladen werden,
pliziert bzw. zu einfach sind. so dass Lerner die Dateien so oft anhören
Mit Hilfe eines Textverarbeitungspro- können, wie sie möchten.
gramms kann man eine eigene Tabelle
zusammenstellen und die Dinge, die 3.4 Computerprogramm
einem wichtig sind, farblich kennzeich- Im Anschluss an den dargestellten Un-
nen. Die Überschrift ›Konjunktiv‹ ist lila, terrichtsverlauf sollten die Lerner nun
die Unterschrift ›Konjunktiv I‹ rot und den Umgang des Konjunktivs üben. Die
die Unterschrift ›Konjunktiv II‹ blau, da meisten Lehrwerke liefern auf einer CD
blau und rot in der Farbenlehre lila erge- oder einer Internetseite solche Übungen
ben. Die Anwendung wird in der glei- mit. Ist dies nicht der Fall, lassen sich
chen Farbe gekennzeichnet: ›Konjunktiv Computerprogramme wie Hot Potatoes
I‹ in rot; Anwendung: ›indirekte Rede‹ in benutzen, mit deren Hilfe Übungen
rot. ›Konjunktiv II‹ in blau; Anwendung: schnell selbst entworfen werden kön-
›Abhängigkeit, Vermutungen, Wünsche, nen.
höfliche Bitten‹ in blau. Die Markie- Es gibt verschiedene Aufgabentypen,
rungen, z. B. das ›-e‹ in der 3. Sg. im die sich anhand solcher Programme ver-
Konjunktiv I, können ebenfalls farblich wirklichen lassen. Zum Beispiel sollen
gekennzeichnet werden. Lerner in einem Satz die Verben identi-
583

fizieren, die im Konjunktiv stehen. Oder Durch den Kontakt mit Muttersprach-
es sollen anhand eines Lückentextes lern können sie in einen Dialog eintre-
Verben im Konjunktiv ergänzt werden. ten, der zur Interkulturellen Kommu-
Es gibt auch Zuordnungsaufgaben, in nikativen Kompetenz führt.
denen Lerner aus vorgegebenen Satztei- Unter diesen Gesichtspunkten kann der
len einen vollständigen Satz zusammen- dargestellte Einsatz Neuer Medien im
stellen sollen. Fremdsprachenunterricht, wie sie in dem
Beispiel benutzt wurden, analysiert wer-
4. Kritik den. Grundsätzlich liegt eine Motivation
Insgesamt sind in dem hier dargestellten von außen vor, die durch das Video her-
Beispiel des Konjunktivs mehrere Neue beigeführt wird. Dies bezeichnet man
Medien zum Einsatz gekommen. Die auch als extrinsische Motivation. Eine
Frage ist, ob sich der Aufwand lohnt und Kompetenzerfahrung ist nur bedingt
die Lerner tatsächlich mit diesen Medien vorhanden. Auch wenn der Lerner die
den Konjunktiv lernen? Grundsätzlich ist Aufgaben in den Computerprogrammen
an den hier aufgezeigten Beispielen – richtig löst, sind diese Aufgaben in ihrer
Video, htm Tabellen, MP3, Hot Potatoes – Kreativität beschränkt. Eine kreative
nichts falsch. Betrachten wir die Kriterien Aufgabe, in der Studenten selbständig
der Nachhaltigkeit, die im ersten Ab- vollständige Sätze schreiben sollen, lässt
schnitt dieses Artikels diskutiert wurden, sich anhand eines solchen Computerpro-
erheben sich jedoch Zweifel. Die Krite- gramms nur schwer verwirklichen, wie
rien im Überblick waren: Lerner etwa, um im Beispiel des Films
a. die Motivation sollte intrinsisch sein, Das Leben der Anderen zu bleiben, wenn
so dass Lerner Kompetenz erfahren, Lerner die Frage beantworten sollen:
sich sozial zugehörig fühlen, selbstän- »Was würdest du in dieser Situation ma-
dig arbeiten und Verantwortung über- chen?« Es gibt unendlich viele Möglich-
nehmen; keiten zu antworten, die sich unmöglich
b. das ausgewählte Medium sollte eine alle in den Computer programmieren las-
Kooperation unter Lernern fördern sen, was aber notwendig wäre, damit
und diese Kooperation einen gewissen dieser die Antworten als korrekt identifi-
Grad der Selbststeuerung haben. Wich- zierte. Unter diesem Gesichtspunkt über-
tig ist dabei, dass auf Lerner- und nimmt der Lerner beim Einsatz dieser
Gruppencharakteristika eingegangen Computerprogramme nur sehr wenig
und der Lernkontext berücksichtigt Verantwortung. Ein Gefühl sozialer Zu-
wird; gehörigkeit ist ebenfalls nicht vorhanden.
c. die Aufgaben sollten zu einem be- Um eine Kooperation zu fördern, können
stimmten Grad kontrolliert sein, um Lerner die Aufgaben gemeinsam bearbei-
dem Lerner die notwendigen Anhalts- ten, was aber aufgrund der Einfachheit
punkte zu liefern, Kreativität also zwar der Aufgaben die Gefahr mit sich bringt,
zu fördern, sie aber nicht unkontrolliert dem Lerner das letzte Stück Selbststän-
wachsen zu lassen, da sonst die Gefahr digkeit zu entziehen. Positiv zu bewerten
besteht, dass Lerner etwas ganz ande- ist, dass Lerner bei diesen Aufgaben eine
res machen als, wie im Beispiel, den schnelle und direkte Rückmeldung erhal-
Konjunktiv zu lernen; ten. Aufgrund des fehlenden Kontakts zu
d.die Bewertung sollte transparent sein Muttersprachlern ist allerdings die Ent-
und die Lerner sollten eine schnelle wicklung der Interkulturellen Kommuni-
und direkte Rückmeldung erfahren. kativen Kompetenz kaum möglich. Eine
584

MP3 abzuspielen, auf der die Stimmen dass jeder Kursteilnehmer dies sehen
von Muttersprachlern zu hören sind, kann. Gemeinsam wird dann eine Fehler-
reicht nicht aus. Dies gilt auch für Dia- analyse vorgenommen. Alternativ kann
loge, die von Lehrwerken auf CDs oder der Chat auch zu einem späteren Zeit-
als download zur Verfügung gestellt wer- punkt wieder aufgerufen werden. Zum
den. Letztendlich bleibt der Lerner bei Beispiel am Ende der Unterrichtseinheit.
solchen Übungen passiv. Man kann so den Lernern aufzeigen, wel-
che Fortschritte sie gemacht haben.
5. Zwei neue Beispiele Bei dieser Art des Einsatzes Neuer Me-
Selbstverständlich ist es immer einfach dien übernimmt der Lerner Verantwor-
etwas zu kritisieren. Die Aufgabe, die tung; er kooperiert mit anderen Lernern
sich dieser Artikel stellt, ist es aber, die und hat einen gewissen Grad der Selbst-
Nachhaltigkeit Neuer Medien im Fremd- steuerung; er fühlt sich durch die Grup-
sprachenunterricht von allen Seiten zu penarbeit zugehörig und er erfährt Kom-
betrachten. Wie kann man also Neue Me- petenz, da seine / ihre Kreativität gefragt
dien einsetzen, so dass Lerner es als sinn- ist. Man muss als Lehrer allerdings sehr
voll empfinden und auch langfristig mit auf die Gruppenzusammensetzung ach-
diesen Medien eine Sprache lernen wol- ten und auch die Aufgabenstellung fest-
len? legen. Genaue Angaben zur Anzahl und
Die Antwort ist recht einfach: Der hier Länge der Beiträge zum Chat sind unab-
anhand des Konjunktivs dargestellte Ein- dingbar, da sonst der Chat ausufert.
satz Neuer Medien ist zu wenig. Man Auch sollte der Lehrer in den verschie-
muss als Lehrer mehr tun. Vor allem muss denen Chatrooms aufmerksam verfol-
man eine Kommunikation zwischen Ler- gen, wer was zu wem sagt. Eine Rück-
nern herstellen. Und gerade dazu eignen meldung erfahren die Lerner durch die
sich Neue Medien, wie die beiden fol- Projektion auf die Leinwand (oder auch
genden Beispiele verdeutlichen. durch direkten Eingriff des Lehrers in
einzelne Chatrooms). Durch den Kontakt
5.1 Lerner-Lerner Kommunikation mit anderen Kursteilnehmern wird fer-
Eine Möglichkeit besteht darin, eine ner der erste Schritt auf dem Weg zur
Kommunikation zwischen Lernern des Interkulturellen Kommunikativen Kom-
gleichen Kurses herzustellen. Nehmen petenz getan, der darin besteht, etwas
wir das Beispiel der in Bezug auf den Neues zu erfahren, ohne die eigene Iden-
Film Das Leben der Anderen bereits ange- tität aufzugeben. Der nächste Schritt ist
sprochenen Frage »Was würdest du in der Kontakt mit Muttersprachlern.
dieser Situation machen?« Die Teilneh- Abschließend sollte noch erwähnt wer-
mer des Kurses werden in mehrere Grup- den, dass Lerner die Frage »Was würdest
pen aufgeteilt, wobei auf Lerner- und du in dieser Situation machen?« natürlich
Gruppencharakteristika geachtet wird. auch einfach in Gruppen im Kurs disku-
Jede Gruppe macht einen Chat online. tieren können. Der Vorteil eines Chat
Der Inhalt wird mit Hilfe des Computers liegt allerdings in der Sicherung, so dass
gesichert, da man dort die Funktion ein- auf die Beiträge jederzeit zurückgegriffen
stellen kann, dass jeder Chat gespeichert werden kann. Ferner haben Lerner etwas
wird. So gehen keine Informationen ver- mehr Zeit zu überlegen, was sie schrei-
loren. Auszüge aus dem Chat der jewei- ben möchten und wie sie das gramma-
ligen Gruppen werden per Laptop und tisch richtig formulieren. Idealerweise
Beamer auf eine Leinwand projeziert, so könnte man aber im Anschluss an den
585

Chat, der auf Gruppen aufgeteilt war, die müssen klar formuliert sein (Fragestel-
Gruppen neu ordnen, indem Gruppen- lung; Länge der Beiträge; Anzahl der
teilnehmer ausgetauscht werden, und sie Beiträge). Beide Lehrer müssen den Aus-
mündlich diskutieren lassen. Hierbei ist tausch genauestens verfolgen. Nur so
wieder auf Lerner- und Gruppencharak- kann vermieden werden, was Dietmar
teristika zu achten. Auf diese Weise wer- Rösler (2008) so treffend formuliert hat:
den sowohl schriftliche wie mündliche
Trotz der erweiterten Kommunikations-
Kompetenzen geübt. möglichkeiten gilt weiterhin der Gemein-
platz: Wenn man sich nichts zu sagen hat,
5.2 Lerner-Muttersprachler Kommuni- ist es egal, wie luxoriös die Lernplattform
kation ist, in der man sich nichts zu sagen hat. Die
Eine andere Möglichkeit besteht darin, entscheidende Frage lautet: Haben Ler-
nende in Kooperationsprojekten anderen
eine Kommunikation zwischen Lernern Lernenden etwas mitzuteilen? (Rösler 2008:
des Kurses und Muttersprachlern herzu- 383)
stellen. An dieser Stelle eignen sich Neue
Medien besonders. Ein Austausch lässt Wird ein solcher Austausch gut vorberei-
sich technisch gesehen heutzutage pro- tet und geplant, ist die Belohnung aller-
blemlos herstellen. Per E-Mail, Chat oder dings in der Regel groß. In diesem Fall
Skype, die alle in Lernerplattformen wie werden Neue Medien tatsächlich nach-
z. B. Moodle integriert sind, ist dies mög- haltig im Fremdsprachenunterricht ein-
lich. Die Frage »Was würdest du in dieser gesetzt. Das gilt nicht nur für die Fak-
Situation machen?« bekommt so eine toren der Motivation (Kompetenzerfah-
neue Bedeutung, da die Muttersprachler rung, soziale Zugehörigkeit, Autonomie,
möglicherweise je nach Alter selber Er- Verantwortung), Medien (Kooperation,
fahrungen mit der Stasi gemacht haben, Selbststeuerung) und Aufgabenstellung
um im Beispiel von Das Leben der Anderen (Anhaltspunkte), sondern auch im Be-
zu bleiben, oder aber jemanden kennen, reich der Rückmeldung (Transparenz, In-
der solche Erfahrungen gemacht hat. Die terkulturelle Kommunikative Kompe-
interkulturelle Komponente wird so ge- tenz).
stärkt, da Lerner diese Informationen in
direktem Kontakt bekommen. 6. Schlussfolgerung
Wichtig ist, den Austausch gut vorzube- In diesem Aufsatz sind vier Themen
reiten, wie Ute Massler (2008) und Me- angesprochen worden, die für den Ein-
lissa Dooly (2007) dies ausgearbeitet ha- satz Neuer Medien im Fremdsprachen-
ben. Eine genaue Absprache mit dem unterricht von grundlegender Bedeu-
Lehrer des anderen Kurses, an dem die tung sind: die Motivation, die Aufga-
Muttersprachler teilnehmen, ist unab- benstellung, die Medien, die Bewertung.
dingbar. Es muss darauf geachtet wer- Der Schwerpunkt der Darstellung lag
den, dass das Spachniveau der Lerner auf der Nachhaltigkeit. Worauf muss ein
angemessen ist, damit keine Gruppe Lehrer achten, um Neue Medien sinn-
über- oder unterfordert wird. Die Mutter- voll im Unterricht einzusetzen? Zu-
sprachler müssen darauf aufmerksam ge- nächst wurden Beispiele gegeben, wie
macht werden, dass sie auf Fehler der Lerner mit Hilfe eines Video, bunter
Lerner eingehen und ihnen helfen, diese htm Tabellen, MP3s und Computerpro-
zu verbessern. Die Gruppenzusammen- grammen den Konjunktiv lernen. Es
setzung (Alter; Geschlecht; Interessen) ist wurde festgestellt, dass es notwendig
nicht zu vernachlässigen. Die Aufgaben ist, mehr zu tun und dieses Unterrichts-
586

konzept zu erweitern. Es sind vor allem Donnersmarck, Florian: Das Leben der An-
Neue Medien, die in der Forschung als deren. Arte, 2006.
›social media‹ bezeichnet werden, wel- Dooly, Melissa: »Choosing the Appropri-
che die Nachhaltigkeit fördern, da mit ate Communication Tools for an Online
Exchange«. In: Robert O’Dowd (Hrsg.):
Hilfe dieser Medien wie E-Mail, Chat, Online Intercultural Exchange. An Intro-
Wikis, Skype und Facebook eine Kom- duction for Foreign Language Teachers.
munikation zwischen Lernern herge- Clevedon: Multilingual Matters, 2007,
stellt werden kann. In solchen Fällen ist 213–234.
die Motivation intrinsisch und die Ler- Kern, Richard; Warschauer, Mark (Hrsg.):
ner erfahren Kompetenz und Verant- Theory and practice of network-based lan-
guage teaching. New York: Cambridge
wortung. Abgesehen von organisato- University Press, 2000.
rischen Dingen wie der Gruppenzusam- Kramsch, Claire: Context and Culture in Lan-
mensetzung muss darauf geachtet wer- guage Teaching. Oxford: Oxford Univer-
den, dass die Aufgaben kontrolliert sind sity Press, 1993.
und die Rückmeldung direkt und trans- Kramsch, Claire: »Language, thought, and
parent ist. Auf diese Weise kann lang- culture.« In: Alan Davies; Catherine Elder
fristig das Ziel der Interkulturellen (Hrsg.): The Handbook of Applied Linguis-
tics. Malden, MA: Blackwell, 2004, 235–
Kommunikativen Kompetenz erreicht 261.
werden. Massler, Ute: »Ausdruck, Analyse und För-
derung der schriftlichen Kommunika-
tions- und Kooperationsfähigkeit in E-
Literatur Mail-Projekten der Sekundarstufe I«,
Alred, Geoff; Byram, Michel; Fleming, Zeitschrift für Interkulturellen Fremdspra-
Michael (Hrsg.): Intercultural Experience chenunterricht 13, 1 (2008), 20 S. Online
and Education. Clevedon: Multilingual unter: http://zif.spz.tu-darmstadt.de/
Matters, 2003. O’Dowd, Robert; Ritter, Markus: »Under-
Blake, Robert: Brave New Digital Classroom. standing and Working with ›Failed Com-
Washington, DC: Georgetown University munication‹ in Telecollaborative Ex-
Press, 2008. changes«, CALICO (Computer Assisted
Brandl, Klaus: »Maximizing task effects in Language Instruction Consortium) Journal
interactive online learning environ- 23, 3 (2006), 623–642.
ments«, TRUTH (Teaching and Research Rösler, Dietmar: »Deutsch als Fremdspra-
Using Technology in the Humanities) che mit digitalen Medien – Versuch einer
Symposium. University of Victoria, Can- Zwischenbilanz im Jahr 2008«, Info DaF
ada, April 9, 2010. 35, 4 (2008), 373–389.
Byram, Michael: Teaching and Assessing In- Schütze, Ulf: »Assessing Intercultural Dia-
tercultural Communicative Competence. logue: the German ›Wald‹ and the Cana-
Clevedon: Multilingual Matters, 1997. dian ›forest‹.« In: David Palfreyman;
Canale, Michael; Swain, Merrill: »Theoret- Dawn Lorraine McBride (Hrsg.): Learning
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proaches to Second Language Teaching ucation. Basingstoke: Palgrave MacMil-
and Testing«, Applied Linguistics 1, 1 lan, 2007, 213–228.
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Handbook of Self-Determination Research. sustainability of email interactionsbe-
Rochester: University of Rochester Press, tween native speakers and nonnative
2002. speakers«, ReCALL 15, 1 (2003), 37–50.
587

Würffel, Nicola: »Kooperatives Schreiben 1994 Studium an der University of Texas


im Fremdsprachenunterricht: Potentiale (Fulbright Stipendium); 1996 Staatsexa-
des Einsatzes von Social-Software-An- men II am Seminar Flensburg in den
wendungen am Beispiel kooperativer
Online Editoren«, Zeitschrift für Interkul- Fächern Englisch und Geographie; 2003
turellen Fremdsprachenunterricht 13, 1 Ph. D. im Fach Deutsch (Deutsch als
(2008), 26 S. Online unter: http:// Fremdsprache/Allgemeine Sprachwis-
zif.spz.tu-darmstadt.de/ senschaft) an der University of British
Columbia in Vancouver, Canada; 1996–
1997 Pädagogischer Austauschdienst As-
Ulf Schütze sistant an der University of Manitoba,
1990–1991 Studium an der University of Winnipeg, Canada. Seit 2006 Assistant
Wyoming, USA (DAAD Stipendium); Professor an der University of Victoria,
1993 Staatsexamen I an der Christian- Canada.
Albrechts-Universität Kiel in den Fä- Forschungsschwerpunkte: Einsatz Neuer
chern Englisch und Geographie; 1993– Medien im Fremdsprachenunterricht.
588

Berichte

37. Jahrestagung des Fachverbands Deutsch als


Fremdsprache, Freiburg 13.–15. Mai 2010
Grenzen überwinden mit Deutsch war das Fremdsprache« Untersuchungsergeb-
Motto der 37. Jahrestagung des Fachver- nisse aus ihrer empirischen Forschung
bands Deutsch als Fremdsprache, die in vor und leitete daraus Überlegungen für
der Grenzregion zwischen Deutschland, die Gestaltung der Unterrichtspraxis im
Frankreich und der Schweiz an der Päd- In- und Ausland ab.
agogischen Hochschule Freiburg statt-
fand. Themenschwerpunkt 1: »Mehrsprachig-
In bewährter Weise waren die Beiträge keit in Grenzregionen«
der Referentinnen und Referenten in 4 Koordination: Peter Colliander (Jyväs-
Themenschwerpunkte gegliedert (siehe kylä/Finnland); Albert Raasch (Molfsee);
unten), die durch ein Spektrum praxisori- Thorsten Roelcke (Freiburg)
entierter Präsentationen in den zwei Pra- In dieser mit dem Tagungsthema beson-
xisforen »Unterricht« sowie »Beruf und ders eng verknüpften Sektion wurde der
Qualifizierung« ergänzt wurden. Dane- Blick darauf gelenkt, wie Grenzregionen
ben hatten die ausstellenden Verlage und in herausragender Weise dazu beitragen
Einrichtungen Gelegenheit zur Vorstel- können, durch die Förderung der Nach-
lung ihrer Produkte und Dienstleistun- barsprachen kulturelle, wirtschaftliche,
gen. Für den wissenschaftlichen Nach- soziale Brücken zu bauen, grenzüber-
wuchs im Bereich Deutsch als Zweitspra- schreitende Kohäsion zu schaffen und
che/Deutsch als Fremdsprache gab es be- auf diese Weise zum Zusammenwachsen
reits am Vortag die Möglichkeit zur Prä- Europas beizutragen.
sentation eigener Forschungsprojekte Die Mobilität zu erleichtern und damit
und zum Austausch darüber. die Chancen junger Menschen in einer
Eine Einführung in das Rahmenthema international gewordenen Welt zu erhö-
der Jahrestagung gab Albert Raasch in hen, ist das Anliegen des europaweiten
seinem Eröffnungsvortrag »Plurilingu- Projekts CertiLingua; das darin vorgese-
isme/Plurilinguismes – Mehrsprachig- hene Exzellenzlabel dokumentiert die in-
keit/…???…«. Der zweite Konferenztag ternationale Handlungsfähigkeit von
begann mit einer Podiumsdiskussion Sprachenlernern. Neun Bundesländer
zum Thema »Berufsbezogene Curricula und sieben europäische Partnerländer
in DaF-Angeboten im In- und Ausland«, nehmen inzwischen an diesem Projekt
die von Roman Luckscheiter (DAAD teil, das sich ganz im Dienste der Mehr-
Bonn) moderiert wurde. Am dritten Tag sprachigkeit in Europa sieht. Henny Rön-
stellte Prof. Dr. Claudia Riemer (Univer- neper (Schulministerium Düsseldorf)
sität Bielefeld) in ihrem Plenarvortrag setzt sich mit besonderer Intensität für
»Warum Deutsch (noch) gelernt wird – dieses Projekt ein, das von Martin Teub-
Motivationsforschung Deutsch als ner (Düsseldorf) vorgestellt wurde.

Info DaF 37, 6 (2010), 588–597


589

Welch erhebliche Auswirkungen Zertifi- Deutsch-Tschechische im Dreiländereck


kate auf den vorangehenden Unterricht übertragen kann.
haben können, zeigte Ulrich Dronske Die Bedeutung der Motivation für das
(Zentralstelle für das Auslandsschulwe- Erlernen der Nachbarsprache stand im
sen, Köln) am Beispiel des Deutschen Zentrum des Beitrags von Thomas Hoch-
Sprachdiploms I und II der Kultusminis- leitner (Staatsinstitut für Schulqualität
terkonferenz auf. In einigen Ländern, die und Bildungsforschung, München). Er
an Deutschland angrenzen, wie in Frank- zeigte den Wandel der vorherrschenden
reich, Polen und Tschechien und dem- Lernmotive im deutsch-tschechischen
nächst auch in Ungarn, ist die flächende- Grenzraum auf, der von elementaren
ckende Einführung dieser Zertifikate be- touristischen Bedürfnissen über Ge-
reits weitgehend realisiert und hat die schäftsbeziehungen hin zu dem wach-
Förderung der Mehrsprachigkeit im senden Interesse schulischer Einrich-
Sinne der interkulturellen Handlungsfä- tungen reicht, durch Unterrichtsangebote
higkeit zum Ziel. in der Nachbarsprache (Tschechisch) ein
Wie man den Unterricht konzipieren eigenständiges Profil zu gewinnen. Be-
sollte, der zu der allgemein angestrebten darfe und Bedürfnisse wurden gleicher-
Mehrsprachigkeit führt, in welchem Le- maßen einbezogen und eine Verbindung
zwischen der Situation an der bayerisch-
bensalter die Jugendlichen an die Fremd-
tschechischen und an der sächsisch-
sprachen herangeführt werden sollten
tschechischen Grenzlage gezogen.
und wie die curricularen Strukturen zu
Die Motivation zum Sprachenlernen ist
gestalten sind, steht weiterhin im Mittel-
eng verknüpft mit der Wahrnehmung der
punkt didaktischer Überlegungen. Nata-
Nachbarsprache und der Nachbarkultur.
lia Hahn (Freiburg) berichtete über Er-
Julia Putsche (Straßburg) hat diese Ver-
fahrungen mit der gleichzeitigen Einfüh-
bindung in einer Fallstudie in der Grenz-
rung zweier Fremdsprachen und illus-
stadt Kehl aufgegriffen. Befragt wurden
trierte die Möglichkeiten dieses Ansatzes
Kinder im ersten Schuljahr (also im Alter
anhand von bilingualem Fremdspra-
von 6 und 7 Jahren), die je zur Hälfte auf
chenunterricht im Vorschulalter in Eng- Deutsch und auf Französisch unterrichtet
lisch und Deutsch (als Fremdsprache) in werden. Welches Bild von Franzosen und
Russland. ihrer Sprache und Kultur haben diese
Die Situation an der Landesgrenze kann Kleinen? Waren sie überhaupt schon ein-
das Erlernen der Nachbarsprache för- mal in Frankreich, zumindest in dem
dern, gerade auch bei Kindern in der nahen Straßburg? Unterscheiden sich
Vorschule; Voraussetzung ist die entspre- diese Vorstellungen von entsprechenden
chende sprachliche Vorbildung zukünf- Berichten über Kinder, die in anderen
tiger Erzieher/-innen sowie auch das vor- Regionen aufwachsen? Welche Folge-
handene Angebot an Lernmaterialien. rungen ergeben sich für die Lehrerausbil-
Emilia Szal-Samsel (Zgorzelec) behan- dung im Hinblick auf den Französisch-
delte diese Möglichkeiten der Förderung unterricht in der Grundschule?
des Polnischen im Grenzgebiet Görlitz / Mit einer ganz anderen Grenze befasste
Zgorzelec im Zusammenhang mit der sich der Beitrag von Ellen Tichy (Szeged/
Problematik der oft unzureichenden Mo- Ungarn), nämlich mit der Situation der
tivation bei allen Beteiligten und zeigte ungarndeutschen Minderheit, speziell
auf, wie man die Erfahrung aus dem mit der Unterstützung der deutschen
deutsch-polnischen Kontext auf das Sprache durch die audiovisuellen und
590

die Printmedien. In welchem Ausmaß – Sind die Vorgaben des Gemeinsamen


und auf welche Weise tragen die Medien Europäischen Referenzrahmens für
dazu bei, die Deutschkenntnisse der Min- alle Praxisfelder des Faches angemes-
derheit zu tradieren? Berichtet wurde sen? Wo zeigen sich ggf. Probleme bei
auch von Ergebnissen einer Umfrage bei der Anwendung?
jungen Ungarndeutschen über die Wahr- – Was für Konsequenzen sind aus der
nehmung und Nutzung dieser Medien- Kompetenzorientierung für die Aus-
angebote. bildung von Lehrkräften zu ziehen?
In ganz andere Regionen und weit über Den Auftakt machte Sonja Zimmermann
die Grenzen des Schwerpunktthemas (Hagen) mit ihrem Beitrag »Mutter-
hinaus führte der Ausblick, den Dieter sprachler – heimliche Messlatte für
Strauss (Goethe-Institut, München) mit fremdsprachliche Kompetenzen?«. Die
seiner Lesung aus seinem Buch »Dies- Referentin stellte mit Bezug auf die Kom-
seits von Goethe – deutsche Kulturbot- petenzerfassung in TestDaF die Frage, ob
schafter im Aus- und Inland« vermittelte. die von Nicht-Muttersprachlern erwar-
An Beispielen wie dem Projekt zur Auf- tete Angemessenheit im schriftlichen
arbeitung der schrecklichen Gescheh- Ausdruck sich an entsprechenden Leis-
nisse in der Salpeterstadt in der Atacama- tungen von Muttersprachlern orientieren
Wüste zur Zeit Pinochets und der be- müsste. Im Vortrag diskutierte sie hierzu
rühmten abenteuerlichen Expedition des erste Ergebnisse einer qualitativen Unter-
Barons von Langsdorff durch den brasili- suchung.
anischen Urwald wurde deutlich, wie Der Vortrag von Jörg Keller und Manuela
eng Sprach- mit Kulturarbeit verbunden Bohn-Laber (Winterthur) beschäftigte
ist und wo die Berührungspunkte zwi- sich mit der »Förderung der Sprachkom-
schen Kulturarbeit und Entwicklungspo- petenz(en) von Migrant(inn)en unter den
litik sichtbar werden. Bedingungen von Föderalismus, Diglos-
sie und (unterschiedlichem) Bildungs-
Themenschwerpunkt 2: »Kompetenzen stand in der (Deutsch-)Schweiz«. Es
beschreiben, fördern, evaluieren« wurde gezeigt, dass eine Vielzahl von
Koordination: Yvonne Decker (Freiburg); Faktoren insbesondere das Erlernen von
Susanne Duxa (Marburg); Udo Ohm Deutsch als Zweitsprache erschwert und
(Bielefeld); Katja Schnitzer (Freiburg) zahlreiche Anforderungen an den Unter-
richt und an Verfahren der Kompetenzer-
In dieser Sektion bildeten die folgenden fassung zu stellen sind.
Fragen den Rahmen für Vorträge und In welcher Weise kulturell geprägte Lehr-
Diskussionen: und Lerntraditionen bei der Konzeption
– Welche Kompetenzbereiche sind für und Durchführung von Ausbildungs-
welche Adressatengruppen von DaF-/ gängen im Bereich DaF an der Hoch-
DaZ-Unterricht zentral und wie schule zu bedenken sind, damit »innova-
schlägt sich das in entsprechenden Un- tive Ansätze« als solche akzeptiert wer-
terrichtskonzepten, Lehr-/Lernmateri- den und zu Erfolg führen können,
alien und Testformaten nieder? machte Anne Gladitz (Istanbul/Türkei) in
– Gibt es Kompetenzbereiche, die in der ihrem Beitrag »Clash of expectations:
fachlichen Diskussion bislang noch Kompetenzraster der Sprachausbildung
nicht genügend Aufmerksamkeit be- zwischen europäischem Anspruch und
kommen haben? Wie können sie geför- lokalen Lernkulturen« am Beispiel der
dert, wie evaluiert werden? Türkei deutlich. Konkrete Beispiele bezo-
591

gen sich vor allem auf die Gestaltung von Beispielen wurden Potentiale und Ge-
Lernarrangements hinsichtlich der Ent- fahren multimodaler Testkonstruktionen
wicklung von Lernerautonomie. diskutiert.
Tobias Bargmann (Berlin) zeigte in seinem Anja Boneß (Osnabrück) thematisierte in
Vortrag »Was bedeutet eigentlich ›Voka- ihrem Vortrag »Strukturen gesprochener
beln beherrschen‹? – Wortschatzkompe- Sprache als Basisgrammatik für den
tenz und ihre Evaluation« auf, dass es für Schriftspracherwerb«. Mit Fokus auf Da-
den Bereich Wortschatz in einem nach ten von Schülern mit Migrationshinter-
dem GER ausgerichteten, kommunikativ- grund diskutierte sie, inwieweit kom-
und prozessorientierten DaF-/DaZ-Unter- plexe schriftsprachliche Strukturen auf
richt noch eines schlüssigen, operationali- weniger komplexen Strukturen gespro-
sierbaren Kompetenzmodells bedarf. Für chener Sprache basieren bzw. sich aus
die geforderte Entwicklung kontextuali- diesen heraus entwickeln.
sierter und integrativer Verfahren stellte Den Abschluss des Themenschwer-
er erste Überlegungen vor. punkts bildete Annkathrin Darsow (Ber-
Welche Gütekriterien an GER-basierte lin) mit ihrem Vortrag »Fachbezogene
Fertigkeitstests angelegt werden müssen, Sprachförderung in der Grundschule«.
erläuterte Dorrie Goossens (Arnheim/Nie- Die Referentin stellte die Konzeption des
derlande) in ihrem Beitrag »GER-Tests zur fachbezogenen Ansatzes eines laufenden
Evaluierung der verschiedenen Sprach- Forschungsprojekts vor, in dem sprach-
kompetenzen« am Beispiel einiger CITO- systematische und fachbezogene Zweit-
GER-Tests, die in den Niederlanden als sprachenförderung im Mathematik- und
zentrale Schultests eingesetzt werden. Sachunterricht hinsichtlich ihrer Wirk-
Hans-Joachim Schulze (Helsinki/Finn- samkeit und Nachhaltigkeit miteinander
land) berichtete in seinem Vortrag »Qua- verglichen werden sollen.
liDaF – Qualitätssicherung im fachbezo-
genen Deutsch als Fremdspracheunter- Themenschwerpunkt 3: »Motivation:
richt mündliche Kommunikation« von Forschungsgegenstand und Unter-
den Ergebnissen eines städteübergreifen- richtspraxis«
den multimedialen Fortbildungsprojekts Koordination: Silvia Demmig (Jena); Pe-
für DaF-Lektoren an finnischen Hoch- tra Gretsch (Freiburg); Nicole Marx (Pa-
schulen und stellte ein Kriterienraster derborn)
vor, das Lehrenden und Lernenden dabei
helfen soll, die Entwicklungsstufen Die Beiträge in dieser Sektion wurden
mündlicher Kompetenzen in den An- aus drei verschiedenen Perspektiven ge-
wendungsbereichen »Bewerbungsge- halten. Zunächst stand die Perspektive
spräch«, »Präsentation« und »Verbalisie- der Lernenden im Zentrum: »Was moti-
rung von Zahlen und Daten« transparent viert Lernende in aller Welt, Deutsch als
und nachvollziehbar zu machen. Fremdsprache zu wählen?« Diese Frage,
Mit seinem Vortrag »Ein neuer Kompe- die bereits in dem Plenarvortrag von
tenzbereich auf dem Vormarsch: audiovi- Claudia Riemer (Bielefeld) gestellt wor-
suelle Rezeption (Hör-Sehverstehen) in den war, stand ebenso bei den Beiträgen
Online-Tests« ging Wassilios Klein von Andreas Grünewald (Bielefeld) und
(Frankfurt) der Frage nach, welche Kon- Sebastian Chudak (Poznan/Polen) im
sequenzen aus der Möglichkeit zur Inte- Vordergrund. Dabei stellte Chudak mit
gration von Audio- und Videodaten in seinen Überlegungen »Motivationsför-
Online-Tests gezogen werden sollten. An dernde Wirkung von Bildern im Kontext
592

der eigenkulturellen Reflexion im Unter- Fremdsprachenforschung, bisher kaum


richt DaF« unterrichtspraktische Überle- etabliert. Zu diesem Mangel mag die
gungen aus dem Bereich der Landes- Komplexität des Forschungsgegenstan-
kunde vor, während Grünewald mit sei- des beitragen: Sprachlernprozesse wer-
ner Untersuchung von »Ursachenattribu- den von einer Vielzahl von Variablen
tion als wesentlicher Faktor der Motivati- bestimmt, deren Kontrolle ein aufwän-
onsbeeinflussung« einen Überblick zur diges Forschungsdesign voraussetzt. Ein
pädagogischen Richtung der Motivati- weiterer Grund könnte sein, dass die
onsforschung gab. Ergebnisse einer solchen Forschung mög-
Die Perspektive der Lehrenden kam in licherweise bestehende Praktiken in
drei weiteren Beiträgen zum Tragen: Frage stellen und unerwünschte Implika-
Niels Stock (Tübingen) und Adelheid tionen haben. In der Tat bleibt auch stets
Kumpf (Tübingen) gingen der Frage zu hinterfragen, inwieweit Ergebnisse
nach, welche Faktoren in der Unterrichts- empirischer Forschung überhaupt direkt
praxis förderlich für eine langfristige Mo- in die didaktische Praxis übertragen wer-
tivation sind, während Erika Keyges den können.
(Miskolc/Ungarn) Ergebnisse aus der em- In diesem Themenschwerpunkt standen
pirischen Motivationsforschung nach daher empirische Studien aus der Wir-
Dörniey im fachsprachlichen Deutschun- kungsforschung im Mittelpunkt. Dar-
terricht vorstellte. über hinaus waren auch konzeptionelle
Konkrete Forschungsergebnisse wurden Beiträge zur Wirkungsforschung als For-
auch in folgenden Beiträgen vorgestellt: schungsrichtung und ihrer Rückwirkung
von Barbara Hennig (Traunreut) »Selbst- auf die Unterrichtspraxis willkommen.
formierung als Motivationsfaktor: Ein al- Das Themenspektrum der Vorträge
ternatives Rahmenmodell zur Motivati- reichte von der Untersuchung der Wirk-
onsforschung«, von Heike Roll (Münster) samkeit von Sprachförderprogrammen
»Schülerschreibberatung zur Förderung und -materialien im Elementar- und Pri-
der Schreibmotivation bei Schüler(innen) marbereich für Kinder mit Deutsch als
mit Deutsch als Zweitsprache«, sowie Zweitsprache über die Rolle des Inputs
von Sabine Grasz (Oulu/Finnland) und und der Grammatikprogression und die
Joachim Schlabach (Turku/Finnland) Bedeutung von Medien bis hin zur Wir-
»Motivation zur Sprachenwahl von fin- kung von Fehlerkorrekturen. Auch die
nischen Wirtschaftsstudierenden«. Aktionsforschung wurde als eine Art der
Überprüfung und Optimierung der
Themenschwerpunkt 4: »Wirkung von Wirksamkeit des eigenen Unterrichts
Unterricht auf das Lernen von Sprachen vorgestellt.
– Forschungskonzepte und -ergebnisse« Heidi Rösch (Karlsruhe) eröffnete die
Koordination: Inger Petersen (Olden- Sektionsarbeit am Donnerstag mit einem
burg); Claudia Riemer (Bielefeld); Rudolf Vortrag über ein Projekt, in dem einer-
Denk (Freiburg) seits eine fachbezogene Förderung (»Fo-
cus on Meaning«) und andererseits eine
Trotz augenscheinlicher Relevanz hat sprachsystematische Förderung (»Focus
sich die empirische Wirkungsforschung, on Form«) für Grundschulkinder mit
die die Wirksamkeit entwickelter Kon- Migrationshintergrund auf ihre Wirk-
zeptionen, eingesetzter Methoden und samkeit hin überprüft werden sollen. Es
Materialien überprüft, im Fach DaF/DaZ, folgte ein Beitrag von Eleni Peleki (Mün-
aber auch allgemein in der deutschen chen), die Ergebnisse aus ihrer Evaluati-
593

onsstudie des Bayrischen Modells der Die zwei letzten Vorträge dieser Sektion
Deutschlerngruppen (ehemals Sprach- hatten schließlich die Wirksamkeit von
lernklassen) präsentierte. Der erste Tag Fehlerkorrekturen zum Thema. Hinsicht-
wurde von Erika Kaltenbacher (Heidel- lich der von ihm vorgestellten empi-
berg) beschlossen, die einen kritischen rischen Studien konstatierte Christian
Blick auf die Qualität von Evaluations- Krekeler (Konstanz) vielfältige metho-
studien warf und zeigen konnte, wie dische Probleme, die die Aussagekraft
wichtig der Einsatz angemessener, lingu- der Untersuchungen fraglich machen.
istisch fundierter Verfahren bei der Über- Albrecht Klemm (Leipzig) zeigte in sei-
prüfung von Sprachfördermaßnahmen nem Vortrag, wie problematisch die Re-
ist. konstruktion der Äußerungsabsicht der
Der zweite Tag begann mit einem Vortrag Lernenden durch den Korrigierenden
von Holger Hopp (Mannheim) über me- sein kann. Zudem sollte nicht nur das
thodische und methodologische Aspekte überarbeitete Textprodukt, sondern auch
einer sprachwissenschaftlichen Wirk- der auf die Korrekturen folgende Überar-
samkeitsstudie zur Sprachförderung mit beitungsprozess in der Forschung größe-
Medieneinsatz im Vorschulbereich. Mit re Aufmerksamkeit erfahren.
diesem Vortrag wurde zugleich der The- Insgesamt wurde ein großes Interesse an
menbereich der DaZ-Förderung im Ele- dem Thema Wirkungsforschung deut-
mentar- und Primarbereich zum Ab- lich. Die Vorträge dieses Themenschwer-
schluss gebracht und der Fokus auf ältere punktes wurden im Laufe der Tagung
LernerInnen gerichtet. Rebecca Launer kontinuierlich von vielen Tagungsteil-
(Goethe-Institut München) referierte so- nehmerInnen besucht und führten zu
dann die Ergebnisse eines Forschungs- lebhaften Diskussionen, in denen es vor
projekts, in dem ein Blended-Learning- allem um methodologische und metho-
Modell für den DaF-Unterricht entwi- dische Aspekte der Wirkungsforschung
ckelt und empirisch untersucht wurde. ging. Stark forschungsbezogene Themen-
Der Beitrag von Steffi Winkler (Amster- schwerpunkte sollten deshalb auch in
dam/Niederlande) beschäftigte sich mit Zukunft ihren Platz auf der Tagung ha-
einer Interventionsstudie zum Erwerb ben und damit auch ein Stück zur Weiter-
der deutschen Satzstruktur bei italie- entwicklung und Qualitätssicherung der
nischsprachigen Universitätsstuden- (Wirkungs-)Forschung im Fach Deutsch
tInnen. Als zentrales Ergebnis der Studie als Fremdsprache beitragen.
kann festgehalten werden, dass durch
eine veränderte unterrichtliche Progres- Forum Unterrichtspraxis
sion deutlich größere Lernerfolge in Be- Koordination: Gabriela Leder (Marburg);
zug auf den Erwerb der (S)OV-Struktur Martin Lange (Kiel); Marcel Hinderer
und der Satzklammer erzielt werden (Freiburg)
konnten. Am Ende des zweiten Tages
zeigte Alexis Feldmeier (Bielefeld) in sei- Im Forum Unterrichtspraxis war das The-
nem Vortrag mit dem Titel »Aktionsfor- menspektrum in diesem Jahr vorab auf
schung in Integrationskursen«, inwie- folgende Themenbereiche eingegrenzt
weit auch die Aktionsforschung wert- worden:
volle Erkenntnisse zur Veränderung der – Studienbegleitung
Unterrichtspraxis liefern und somit als – Mehrwert digitalen Medieneinsatzes
Alternative zur Wirkungsforschung gel- – Gelungene Praxisbeispiele für hand-
ten kann. lungsorientierten Unterricht
594

Den Auftakt machten Heike Brandl und texten für die Formulierung eigener Ar-
Christiane Lutterkort (Bielefeld) mit dem beiten Verwendung finden.
Beitrag »Universitäre Alltagskommuni- In ihrem Beitrag »Hinführung zu einem
kation und Landeskunde für internatio- systematischen Wortschatzerwerb für
nale Graduierte in englischsprachigen Lernende auf Niveau C1-C2« stellte
Promotionsprogrammen«. Immer häu- Wiebke Strank (Kiel) ihre Unterrichts-
figer gilt es an unseren Hochschulen, konzeption für die Zielgruppe der Post-
DaF-Begleitprogramme für Studierende DSH/TestDaF-Studierenden vor, für die
und Promovierende anzubieten, die ihr es bisher wenig geeignetes Lehrmaterial
Fachstudium in englischer Sprache ab- gibt. Das mit homogenen norwegischen
solvieren, um so eine Teilhabe am Stu- und britischen sowie heterogenen Lern-
dien- und Lebensalltag, aber auch Einbli- gruppen erprobte Wortschatzmaterial er-
cke in Sprache und Kultur des Gast- öffnet dem einzelnen Lernenden neue
landes zu vermitteln. Die Referentinnen Wege des autonomen Lernens komple-
zeigten in ihrem Beitrag, wie durch situa- xen Vokabulars. Durch Systematisierung
tionsorientierte Module Verständigung semantischer, morphologischer und syn-
und Verständnis erreicht und die auslän- taktischer Kategorien sowie durch die
dischen Promovenden zur aktiven Teil- Verwendung von Spezialwörterbüchern
habe am Campus- und Alltagsleben und werden Hinweise zu autonomen Lern-
zu einer gewissen Selbständigkeit befä- möglichkeiten gegeben. Interessierte
higt werden können. Lehrende und Lernende finden in
Anschließend berichteten Claudia Einig Stranks gerade erschienenem Lehrwerk
(Bonn) und Gabriele Menne-El Sawy Da fehlen mir die Worte eine Fülle von
(Bonn) über das »Exzerpieren als wissen- Übungen und Anregungen.
schaftliche Arbeitstechnik für nicht-mut- Der Beitrag von Bärbel Kühn (Bremen)
tersprachliche Studierende«. Sie zeigten und Christine Rodewald (Bremen) »Au-
Verfahren auf, mit deren Hilfe diese Ziel- tonomes Lernen mit der Portfolio-Platt-
gruppe in die Lage versetzt wird, mit der form EPOS im Fremdsprachenzentrum
Fülle von Lernstoff und Quellenmaterial des Landes Bremen« setzte den Autono-
umzugehen und wesentliche Inhalte für mie-Gedanken fort und leitete über zur
den jeweiligen Zweck (Vorbereitung Frage des Mehrwertes digitaler Medien.
mündlicher Prüfungen, Quellenauswer- Die Referentinnen zeigten, wie der Um-
tung für Examens- und Hausarbeiten) zu gang Lernender mit dem eigenen Portfo-
erkennen und in übersichtlicher Form zu lio über die Plattform EPOS unterstützt
verarbeiten. werden kann. Die Plattform ermöglicht
Mi-Young Lee (Hamburg) beleuchtete durch Abfragen der Kann-Deskriptoren
die produktive Seite mit ihrem Referat des Gemeinsamen Europäischen Refe-
»Sprachlernorientierte Verarbeitung von renzrahmens eine leicht zugängliche
Fachtexten zur Förderung wissenschaft- Form der Selbstevaluation, erlaubt Kom-
licher Schreibkompetenz«. Durch die Iso- munikationen mit Lernberatern (Tuto-
lierung von Chunks (wissenschafts- rierte Systeme), die Kommentierung des
sprachlicher Strukturen und Lexik) in eigenen Lernens und die Erfassung des
akademischen Lesetexten sollen diese in eigenen Lernfortschritts. Näheres findet
ihrer Verwendungsweise und stilis- sich unter: http://www.eposweb.eu/. Die
tischen Niveau-Ebene erkannt werden Erprobung der Plattform ist über eine
und produktiv in jeweils passenden Kon- Demo-Version: http://epos21.demo.
595

fremdsprachenzentrum-bremen.de/port- sichten in Fremd- und Eigenkultur sowie


folio/ möglich. Sprech- und Redeanlässe zur Erlangung
Das noch relativ junge Medium Podcas- interkultureller Kompetenz.
ting stand im Zentrum des Referats von Zum Abschluss der Tagung wurde es
Morten Hunke (Leeds/Großbritannien), besonders lebendig im Forum: Zunächst
der, über den bereits häufiger zu verneh- präsentierten Anke Stöver-Blahak (Han-
menden »Hype« und die reine Begeiste- nover) und Matthias Perner (Hannover),
rung für die einfache Handhabung und die sich und das Thema in einem lau-
die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten nigen Rap mit untermalenden Rhythmen
hinausgehend, auch ein sinnvolles Unter- vorstellten, Videoaufnahmen von Ler-
richtskonzept mitlieferte: »›Hamburg- nenden verschiedenster Herkunftsländer
Harburg ruft Leeds – Hallo, hier Jena …‹ und zeigten, mit welchem Eifer gereimt,
– Reflektierendes Podcasten von Studie- gerapt und der eigene Lernfortschritt
renden während des Auslandsjahres«. freudig wahrgenommen werden kann.
Ausgehend von Erfahrungen (u. a. von Die Referenten zeigten Quellen für soge-
Hoheisel/Bernick von der »Internationa- nannte »loops«, die zur musikalischen
len Podcast-Werkstatt« an der TU Berlin) Untermalung des Sprechgesangs dienen
führte Hunke kurz in die leicht zu hand- und das rhythmische Gerüst für die ers-
habende Technik des Podcastens mit dem ten poetischen Gehversuche der Ler-
Programm »Audacity« (www.audacity. nenden in der Fremdsprache Deutsch
com) in die MP3-Aufnahmetechnik ein, bilden. Auch das Freiburger Tagungs-
bettete deren Verwendung aber in den publikum konnte dem Arbeitstitel am
Lernkontext britischer Studierender Ende nur zustimmen: »Rappen im DaF-
während ihres – zumeist verpflichtenden Unterricht: ›Es hat Spaß gemacht – und
– Auslandsjahres ein. Während dieses trotzdem habe ich etwas gelernt!‹«.
Aufenthalts erarbeiten die Studierenden Ohne dem Referenten Wolfgang Rug
kleine Reportagen und Berichte, zeich- (vormals Tübingen, jetzt Domburg bei
nen Reflexionen über das eigene Lernen Halle) zu nahe treten zu wollen: Einem
auf und teilen sich ihren Dozenten und jeden von uns ist im Alter von fast 70
Mitstudierenden über das Internet mit. Jahren eine solche Vitalität und Begeiste-
Den Ausklang des Medienschwer- rungsfähigkeit zu wünschen, mit der er
punktes bildete Dagmar Silberstein (Mar- den ganzen Saal in Bewegung brachte bei
burg), die über den »Einsatz von Fern- den »20 besten Tipps für die phonetische
sehserien zum Aufbau sprachlicher und DaF/DaZ-Praxis«. Rug fordert, dass
interkultureller Kompetenzen« referierte Grammatikunterricht nie losgelöst von
und dabei auch die Auslandsperspektive, Wort- und Satzmelodie unterrichtet wer-
die Arbeit mit mexikanischen Studieren- den darf; viele grammatikalische Phäno-
den in Puebla, einbezog. Anhand exem- mene erschließen sich u. a. über lautliche
plarischer Video-Clips aus der TV-Serie Muster im Wechsel von betonten und
»Verliebt in Berlin« zeigte sie, wie sich unbetonten Silben, die zum Beispiel ty-
das besonders in Latein- und Südamerika pisch für das Partizip II (die nach den
beliebte Format der Telenovela zur Er- jeweiligen Endungen »t-Klasse« und »en-
schließung interkultureller Begegnung Klasse« genannt werden) sind. Mit Hilfe
mit altersgleichen Figuren des deutsch- bestimmter Körperhaltungen, Anspan-
sprachigen Kulturkreises eignet. Über nung und Entspannung können die Ler-
das reine Seh-/Hörverstehen hinaus lie- nenden Artikulationsart und -ort, Vo-
fert der Kulturvergleich interessante Ein- kallängen und andere schwierige Phäno-
596

mene der Aussprache erkennen und sie Eine zweieinhalbstündige Beratung zur
zielgerecht zu produzieren lernen. Ohne Sozialversicherung für selbständige Ho-
Frage war dieser äußerst lehrreiche und norarlehrkräfte (»Gesetzeslage, Pro-
kurzweilige Vortrag ein Höhepunkt des bleme und Lösungsansätze«) bot im An-
Forums, wenn nicht der gesamten Ta- schluss Erwin Denzler, Dozent für Ar-
gung. Für den Herbst kündigte der Refe- beits- und Sozialrecht (Fürth), an, in wel-
rent die schriftliche Publikation seiner cher aufgrund der sehr unterschiedlichen
Unterrichtserfahrungen zum Thema individuellen Situationen zwar keine
Aussprache an. Pauschallösung, aber doch eine Hilfe zur
Abschließend lässt sich für das Forum Einschätzung der eigenen Situation prä-
Unterrichtspraxis sagen, dass sich die sentiert werden konnte, welche sich bei
Vorgabe bestimmter thematischer der Klärung offener Fragen und bei der
Schwerpunkte bewährt hat und beim Pu- Entwicklung einer individuellen Strate-
blikum auf Zuspruch gestoßen ist, da die gie im Umgang mit Versicherungsträ-
Bündelung von Themenbereichen eine gern als nützlich erweist. Erwin Denzler
übergreifende Diskussion in den jewei- wird aufgrund der positiven Resonanz
ligen Themenblöcken ermöglichte. regelmäßig zu FaDaF-Jahrestagungen
eingeladen.
Forum Beruf und Qualifizierung Vertreter des Bundesverbands der Volks-
Koordination: Amadeus Hempel (Ham- hochschulen und von Sprachschulen dis-
burg); Hans-Werner Huneke (Freiburg); kutierten am Freitagvormittag über den
Annegret Middeke (Göttingen) »Arbeitsmarkt für DaF-/DaZ-Lehrkräfte,
Anforderungen an Lehrkräfte von Inte-
Das Praxisforum Beruf und Qualifizie- grationssprachkursen des BAMF und die
rung hat sich seit der Jahrestagung 2006, Ausgestaltung der rechtlichen und tat-
als erstmals ein separater Workshop aus sächlichen Bedingungen ›vor Ort‹«.
diesem Bereich zu den bekannten The- Anschließend informierten der stellver-
menschwerpunkten und dem Praxisfo- tretende FaDaF-Vorstandsvorsitzende
rum »Unterricht« angeboten wurde, in- Martin Lange (Kiel) und Vertreter des
zwischen zu einer durchgehenden Ver- FaDaF-GATE-Konsortiums aus Sicht der
anstaltung entwickelt. Für dieses Forum GATE-Hochschulmarketinginitiative des
gibt es vorab keinen Call, sondern es DAAD über Bildungsmarketing
werden gezielt Beiträge von Spezialisten (Deutsch lernen in Deutschland) für DaF-
für die Berufsbereiche DaF und DaZ an- Kurse in Deutschland. Im Vortrag berich-
geworben. Martina Rost-Roth und Heike teten Mitglieder des Konsortiums über
Mengele (Augsburg) eröffneten das Fo- Erfahrungen von Sibirien bis Chile, wo-
rum mit einem Vortrag zur »Lehreraus- bei unter anderem die Bedeutung des
bildung und Praxisorientierung im Stu- Auftretens unter einem Qualitätssiegel
dienfach ›DiDaZ‹ in Bayern am Beispiel und im Verbund deutlich wurde.
interkultureller Theaterprojekte an der Vertreter des Bundesamts für Migration
Universität Augsburg«. Es ging darin um und Flüchtlinge, von Pro Integration und
die Konzeption des Studiengangs und des Deutschen Bundestags äußerten sich
des Bayrischen Konzepts im Vergleich zu in der nächsten Veranstaltung, einer von
anderen Bundesländern und – am Bei- Vorstandsmitglied Amadeus Hempel
spiel interkultureller Dramapädagogik – (Hamburg) moderierten Podiumsdiskus-
um die Gestaltung von Kooperationen sion, zu den organisatorischen und finan-
mit Kulturprojekten und Schulen. ziellen Perspektiven für Integrations-
597

kurse in der neuen Legislaturperiode. fessionals (IDIAL4P)«, in denen der


Angesichts der Tatsache, dass die Nach- FaDaF Konsortialpartner ist, vorgestellt
frage nach Integrationssprachkursen er- hatten. Die Powerpoint-Präsentation der
freulicherweise hoch ist, aber trotz er- EU-Fördermittelberatung findet sich un-
höhter Finanzmittel das Geld nicht aus- ter http://www.fadaf.de/de/aktuelles/.
reicht, um die Kurse nach dem Bedarf der
Die Ergebnisse der Abschluss-Evaluation
Zuwanderer zu finanzieren, war die Dis-
der Jahrestagung sind im Internet von
kussion entsprechend kritisch.
der Seite des Fachverbandes Deutsch als
Abschließend boten am Samstagmorgen
Fremdsprache (FaDaF) abrufbar: http://
Matthias Jung (Düsseldorf) und Anne-
www.fadaf.de/de/tagungen/jahresta-
gret Middeke (Göttingen) eine zweistün-
gung/jt_2010_auswertung-gesamt.pdf.
dige Beratung zur Beantragung und
Durchführung von EU-Projekten an, Eine Publikation ausgewählter Beiträge
nachdem Larisa Klyushkina, Monika He- von der Jahrestagung wird derzeit vorbe-
rold und Imke Baasen (beide Göttingen) reitet. Sie wird in der Reihe Materialien
die transversalen EU-Projekte »Interkul- Deutsch als Fremdsprache (MatDaF) er-
tureller Dialog durch regionalisierte scheinen und kann über den Fachver-
Lehrwerke (IDIAL)« und »IDIAL for Pro- band erworben werden.
598

Tagungsankündigung

38. Jahrestagung des Fachver- • Themenschwerpunkt 2: Linguistik in


bands Deutsch als Fremdspra- Theorie und Praxis
che, Leipzig 16.–18. Juni 2011 • Themenschwerpunkt 3: Konzepte für
eine Studienbezogene Sprachausbil-
Das Motto der Tagung lautet: dung
• Themenschwerpunkt 4: Deutsch als
»In LeipZIG WEGE ÖFFNEN … Zweitsprache in Ausbildung und Be-
mit Deutsch als Fremd- und Zweitspra- ruf
che – für Bildung. Beruf und Gesell-
Hinzu kommen wieder die bewährten
schaft«
Praxisforen:
Die Auswahl der folgenden Themen-
• A »Unterricht«
schwerpunkte durch den FaDaF-Vor-
• B »Beruf und Qualifizierung«
stand und das Leipziger Vorberei-
tungsteam für die Sektionen erfolgte auf Der Aufruf für Beiträge in den einzelnen
der Grundlage einer online-Umfrage, an Sektionen folgt im Februar 2011 in Heft 1/
der 286 InteressentInnen teilgenommen 2011 der Informationen Deutsch als Fremd-
hatten: sprache (Info DaF).
• Themenschwerpunkt 1: Kulturwissen- Aktuelle Informationen finden sich auch
schaften und Kulturvermittlung unter http//www.fadaf.de/de/aktuelles/.

Info DaF 37, 6 (2010), 598–598


599

INHALTSVERZEICHNIS
der Nummern 1–6 37. Jahrgang (2010)

Artikel
Deckers, Marc: Im Kulturkontakt gebildete Stereotype als Teil eines kulturellen
Lernprozesses – untersucht in den Weblogs von in Deutschland lebenden
Amerikanern 6, 521–545
Holtermann, Sandra; Jansen, Georg; Dege, Christopher: Umgang mit Plagiaten
an chinesischen Universitäten 6, 546–561
Königs, Frank G.: Zwischen Hoffen und Bangen. Möglichkeiten und Grenzen
einer europäischen Studienreform am Beispiel des Faches Deutsch als Fremd-
sprache 1, 3–20
Lymperakakis, Panagiotis; Sapiridou, Andromachi: Korpusbasierte Worthäufig-
keitslisten und Wortschatz – eine quantitative und qualitative Analyse am
Beispiel des Fremdsprachenlehrwerkes »Deutsch – ein Hit! 1« 4, 368–382
Raasch, Albert: Plurilinguisme/Plurilinguismes – Mehrsprachigkeit/…? … Oder:
»Un plurilinguisme peut en cacher un autre« (Véronique Castellotti) 4, 355–367
Vorderwülbecke, Klaus: In Bewegung bleiben oder: 20 Jahre FaDaF 5, 441–451

DaF im Ausland
Gueye, Ousmane: Studiengang Fachdeutsch Wirtschaft mit Schwerpunkt Agrar-
und Ernährungsindustrie an der Universität Thiès/Senegal 6, 562–569
Mátyás, Emese: Sprachlernspiele: Ablauf und Ergebnisse eines Forschungspro-
jekts für die gymnasiale Oberstufe im finnischen und ungarischen DaF-
Kontext 4, 383–400

Didaktik DaF / Aus der Praxis


Bayerlein, Oliver: Lernerbeobachtungen zur Nutzung von Feedback bei einem
videogestützten Online-Sprachkurs für Deutsch als Fremdsprache 6, 570–576
Harting, Axel: Textmuster von E-Mail-Bitten in der Fremdsprache Deutsch:
Einfluss mutter- und zielsprachlicher Textmuster 4, 401–416
Hunstiger, Agnieszka: Die EU hautnah erleben: Die Adaptation eines EU-
Planspiels für den berufsbezogenen DaF-Unterricht 5, 452–469
Launer, Rebecca: Blende(n)d Deutsch lernen? Ein Blended-Learning-Modell für
den Fremdsprachenunterricht 4, 426–435
Lay, Tristan: West trifft Fernost. Arbeitsmaterialien zum Spielfilm Kirschblüten –
Hanami für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache 1, 41–62
Leier, Nicole: Wendeliteratur – Literatur der Wende? Der Mauerfall in ausge-
wählten Werken der deutschen Literatur 5, 494–515
Moroni, Manuela; Graffmann, Heinrich; Vorderwülbecke, Klaus: Überlegungen
zur Prosodie im Bereich DaF 1, 21–40

Info DaF 37, 6 (2010), 599–609


600

Schimmel, Dagmar: Studiengangsbezogene Fachsprache in einem studienvorbe-


reitenden Sprachkurs. Ein Verzahnungsmodell zur Integration eines Deutsch-
kurses in das erste Semester des Fachstudiums 5, 470–493
Schütze, Ulf: Zur Nachhaltigkeit Neuer Medien im Fremdsprachenunterricht 6, 577–587
Timmermann, Waltraud; Wang Liping; Miao Yulu: Den kritischen Umgang mit
Internet-Materialien entwickeln: Eine mediendidaktische Aufgabe für den
Bachelor-Unterricht 4, 417–425

Berichte
»Texte unter sprachvergleichender und kulturkontrastiver Perspektive. Wege
der akademischen Kooperation zum Ziel einer interkulturellen Germanistik«.
2. Germanistische Fachtagung an der Universität Pisa, 22.–25. Oktober 2009
(Daniela Sorrentino) 1, 63–66
37. Jahrestagung des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache, Freiburg 13.–15.
Mai 2010 6, 588–597

Tagungsankündigungen
3. Bremer Symposion zum Fremdsprachenlehren- und -lernen an Hochschulen:
»Autonomie und Assessment: Testen, Evaluieren, Zertifizieren in unterricht-
lichen und autonomen Lernkontexten« (4.–5.3.2011, Universität Bremen) 4, 436–437
38. Jahrestagung des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache, Leipzig 16.–18.
Juni 2011 6, 598
Einladung zur 37. Jahrestagung des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache
13.–15. Mai 2010 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg/Breisgau: »Gren-
zen überwinden mit Deutsch« 1, 67–71
Kontaktstudium Sprachandragogik 5, 520–521

Bibliographie
Auswahlbibliographie von Neuerscheinungen für das Fach Deutsch als Fremd-
sprache 2009; zusammengestellt von Dietrich Eggers unter Mitarbeit von
Dorothee Schwarck 1, 72–103
»Für Sie gelesen«. Kommentare und Rezensionen zu 105 Neuerscheinungen für
das Fach Deutsch als Fremdsprache, hrsg. von Lutz Köster unter Mitarbeit
von Evelyn Müller-Küppers 2/3, 105–352

Auswahlbibliographie/Rezensionen/Eingegangene Literatur
Ahrenholz, Bernt (Hrsg.): Empirische Befunde zu DaZ-Erwerb und Sprachför-
derung. Beiträge aus dem 3. Workshop Kinder mit Migrationshintergrund.
Freiburg i. Br.: Fillibach, 2009 (Anastasia Şenyıldız) 2/3, 115–116
Ahrenholz, Bernt; Bredel, Ursula; Klein, Wolfgang; Rost-Roth, Martina; Skiba,
Romuald (Hrsg.): Empirische Forschung und Theoriebildung. Beiträge aus
601

Soziolinguistik, Gesprochene-Sprache- und Zweitspracherwerbsforschung.


Festschrift für Norbert Dittmar zum 65. Geburtstag. Frankfurt a. M. u. a.:
Lang, 2008 (Lesław Tobiasz) 2/3, 116–119
Ahrenholz, Bernt; Oomen-Welke, Ingelore (Hrsg.): Deutsch als Zweitsprache.
Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 2008 (Deutschunterricht in Theo-
rie und Praxis 9) (Joanna Kic-Drgas) 2/3, 119–122
Antos, Gerd; Ventola, Eija (Hrsg.): Handbook of Interpersonal Communication.
Berlin: de Gruyter, 2008 (Handbooks of Applied Linguistics, HAL 2) (Katja
Reinecke) 2/3, 122–124
Ballis, Anja; Spinner, Kaspar (Hrsg.): Sommerschule, Sommerkurse, Summer
Learning. Deutsch lernen im außerschulischen Kontext. Baltmannsweiler:
Schneider Hohengehren, 2008 (Ellen Tichy) 2/3, 124–126
Barsch, Achim; Scheuer, Helmut; Schulz, Georg-Michael (Hrsg.): Literatur –
Kunst – Medien. Festschrift für Peter Seibert zum 60. Geburtstag. München:
Meidenbauer, 2008 (Kontext 8) (Florian Gräfe) 2/3, 126–128
Barz, Irmhild; Fix, Ulla (Hrsg.): Fachtextsorten – gestern und heute. Ingrid Wiese
zum 65. Geburtstag. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 2008 (LASK 15) (Karl-Walter
Florin) 2/3, 128–130
Bausch, Karl-Richard; Burwitz-Melzer, Eva; Königs, Frank G.; Krumm, Hans-
Jürgen (Hrsg.): Fremdsprachenlernen erforschen: sprachspezifisch oder spra-
chenübergreifend? Arbeitspapiere der 28. Frühjahrskonferenz zur Erfor-
schung des Fremdsprachenunterrichts. Tübingen: Narr, 2008 (Giessener Bei-
träge zur Fremdsprachendidaktik) (Michaela Haberkorn) 2/3, 130–135
Becker, Norbert; Braunert, Jörg: Alltag, Beruf & Co. 1. Kursbuch und Arbeits-
buch. – Audio-CD zum Kursbuch. – Wörterlernheft. – Lehrerhandbuch.
Ismaning: Hueber, 2009 (Claudia Bolsinger) 2/3, 135–136
Belke, Gerlind: Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht. Sprachspiele, Spracher-
werb und Sprachvermittlung. 4. Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Hohen-
gehren, 2008 (Ewa Andrzejewska) 2/3, 136–139
Beutin, Wolfgang u. a.: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur
Gegenwart. 7., erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler, 2008 (Linda Maeding) 2/3, 139–140
Blell, Gabriele; Kupetz, Rita (Hrsg.): Fremdsprachenlehren und -lernen. Pro-
zesse und Reformen. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 2008 (Fremdsprachendidak-
tik inhalts- und lernerorientiert 14) (Ewa Andrzejewska) 2/3, 140–143
Bolton, Sibylle; Glaboniat, Manuela; Lorenz, Helga; Perlmann-Balme, Michaela;
Steiner, Stefanie: Mündlich. Mündliche Produktion und Interaktion Deutsch.
Illustration der Niveaustufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrah-
mens. Berlin: Langenscheidt, 2008 (Dorothea Spaniel-Weise) 2/3, 143–144
Bredel, Ursula: Die Interpunktion des Deutschen. Ein kompositionelles System
zur Online-Steuerung des Lesers. Tübingen: Niemeyer, 2008 (Linguistische
Arbeiten 522) (Peter Paschke) 2/3, 144–149
Buchner, Holm: Schon mal gehört? Musik für Deutschlerner. Stuttgart: Ernst
Klett Sprachen, 2009 (Lutz Köster) 2/3, 149
Burger, Elke: Schreiben. Intensivtrainer A1/A2. Berlin: Langenscheidt, 2008
(Sandra Ballweg) 2/3, 150–151
Burwitz-Melzer, Eva; Hallet, Wolfgang; Legutke, Michael K.; Meißner, Franz-
Joseph; Mukherjee, Joybrato (Hrsg.): Sprachen lernen – Menschen bilden.
Dokumentation zum 22. Kongress für Fremdsprachendidaktik der Gesell-
schaft für Fremdsprachenforschung. Baltmannsweiler: Schneider Hohengeh-
ren, 2008 (Dorothea Spaniel-Weise) 2/3, 152–154
Chlosta, Christoph; Leder, Gabriela; Krischer, Barbara (Hrsg.): Auf neuen
Wegen. Deutsch als Fremdsprache in Forschung und Praxis. 35. Jahrestagung
des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache an der Freien Universität Berlin
602

2007. Göttingen: Universitätsverlag, 2008 (Materialien Deutsch als Fremd-


sprache 79) (Wolfgang Braune-Steininger) 2/3, 154–156
Demmig, Silvia: Das professionelle Handlungswissen von DaZ-Lehrenden in
der Erwachsenenbildung am Beispiel Binnendifferenzierung. Eine qualitative
Studie. München: Iudicium, 2007 (Elisabeth Lang) 2/3, 156–158
Döring, Sandra; Geilfuß-Wolfgang, Jochen (Hrsg.): Von der Pragmatik zur
Grammatik. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2007 (Petra Szatmári) 2/3, 158–160
Doyé, Peter: Interkulturelles und mehrsprachiges Lehren und Lernen. Zwölf
Beiträge zur Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Narr, 2008 (Giessener Beiträ-
ge zur Fremdsprachendidaktik) (Ruth Bohunovsky) 2/3, 160–162
Draxler, Christoph: Korpusbasierte Sprachverarbeitung. Eine Einführung. Tü-
bingen: Narr, 2008 (narr studienbücher) (Timm Lehmberg) 2/3, 162–164
Eichinger, Ludwig M.; Meliss, Meike; Domínguez Vázquez, María José (Hrsg.):
Wortbildung heute. Tendenzen und Kontraste in der deutschen Gegenwarts-
sprache. Tübingen: Narr, 2008 (Valentina Crestani) 2/3, 164–166
Eichinger, Ludwig M.; Plewnia, Albrecht; Riehl, Claudia M. (Hrsg.): Handbuch
der deutschen Sprachminderheiten in Mittel- und Osteuropa. Tübingen: Narr,
2008 (Dorota Szczęśniak) 2/3, 166–168
Engin, Havva; Olsen, Ralph (Hrsg.): Interkulturalität und Mehrsprachigkeit.
Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 2009 (Klaus Hübner) 2/3, 168–170
Erll, Astrid; Nünning, Ansgar (Hrsg.): Cultural Memory Studies. An Interna-
tional and Interdisciplinary Handbook. Berlin: de Gruyter, 2008 (Udo O. H.
Jung) 2/3, 170–172
Ernst, Christoph; Sparn, Walter; Wagner, Hedwig (Hrsg.): Kulturhermeneutik.
Interdisziplinäre Beiträge zum Umgang mit kultureller Differenz. München:
Fink, 2008 (Karl Esselborn) 2/3, 172–175
Ezhova-Heer, Irina: Schreiben an russischen und deutschen Schulen. Unter
besonderer Berücksichtigung der Textproduktion russischsprachiger Aus-
siedler und Spätaussiedler. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 2008 (Anna Mashkovs-
kaya) 2/3, 175–178
Fasel, Christoph: Textsorten. Konstanz: UVK, 2008 (Wegweiser Journalismus 2)
(Beate Herberich) 2/3, 178–179
Garlin, Edgardis; Merkle, Stefan: KIKUS Deutsch. Bildkarten. – Arbeitsblätter
Bildkärtchen. – Arbeitsblätter 1–3. München: Hueber, 2009 (Heiko Narrog) 2/3, 179–181
Genzmer, Herbert: Deutsche Sprache. Ein Schnellkurs. Köln: dumont, 2008
(Lesław Tobiasz) 2/3, 181–183
German Studies in India. Beiträge aus der Germanistik in Indien. Neue Folge.
Band 1. Hrsg. von Shaswati Mazumdar und Thomas Schwarz. München:
Iudicium, 2008 (Helmut Schmitz) 2/3, 183–186
Giuriato, Davide; Stingelin, Martin; Zanetti, Sandro (Hrsg.): »Schreiben heißt:
sich selber lesen«. Schreibszenen als Selbstlektüren. München: Fink, 2008 (Zur
Genealogie des Schreibens 9) (Sandra Ballweg) 2/3, 186–188
Göpferich, Susanne: Translationsprozessforschung. Stand – Methoden – Per-
spektiven. Tübingen: Narr, 2008 (Translationswissenschaft 4)
(Ioana Bălăcescu; Bernd Stefanink) 2/3, 189–191
Goethe-Institut (Hrsg.): Prüfungsmaterialien. Elektronisches Prüfungstraining
B1. CD-ROM. Ismaning: Hueber, 2008 (Dorothea Spaniel-Weise) 2/3, 191–192
Götz, Dieter; Wellmann, Hans (Hrsg.): Langenscheidt Power Wörterbuch
Deutsch. Berlin: Langenscheidt, 2009 (Karl-Walter Florin) 2/3, 192–196
Hallet, Wolfgang; Königs; Frank G. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachendidaktik.
Seelze-Velber: Kallmeyer, 2010 (Sandra Ballweg) 2/3, 196–198
Härtl, Holden: Implizite Informationen. Sprachliche Ökonomie und interpreta-
tive Komplexität bei Verben. Berlin: Akademie Verlag, 2008 (studia gramma-
tica 68) (Heiko Narrog) 2/3, 198–199
603

Handwerker, Brigitte; Madlener, Karin: Chunks für Deutsch als Fremdsprache.


Theoretischer Hintergrund und Prototyp einer multimedialen Lernumge-
bung. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 2009 (Perspektiven Deutsch
als Fremdsprache 23) (Jörg Roche) 2/3, 199–203
Hardtwig, Wolfgang; Schütz, Erhard (Hrsg.): Keiner kommt davon. Zeitge-
schichte in der Literatur nach 1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008
(Branka Schaller-Fornoff) 2/3, 204–206
Hausendorf, Heiko; Kesselheim, Wolfgang: Textlinguistik fürs Examen. Göt-
tingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008 (Linguistik fürs Examen 5) (Katja
Reinecke) 2/3, 206–208
Heilmann, Christa M.; Lepschy, Annette (Hrsg.): Rhetorische Prozesse. Vom
Konzept zur Handlung. München: Reinhardt, 2008 (Sprache & Sprechen 44)
(Katrin Fohmann) 2/3, 208–209
Hellmann, Manfred W.: Das einigende Band? Beiträge zum sprachlichen Ost-
West-Problem im geteilten und im wiedervereinigten Deutschland. Hrsg. von
Dieter Herberg. Tübingen: Narr, 2008 (Studien zur deutschen Sprache 43)
(Sigrid Luchtenberg) 2/3, 209–212
Hellström, Martin; Platen, Edgar (Hrsg.): Zwischen Globalisierungen und
Regionalisierungen. Zur Darstellung von Zeitgeschichte in deutschsprachiger
Gegenwartsliteratur. München: Iudicium, 2008 (Rosvitha Friesen Blume) 2/3, 212–215
Herbst, Thomas; Schüller, Susen: Introduction to Syntactic Analysis. A Valency
Approach. Tübingen: Narr, 2008 (narr studienbücher) (Salifou Traoré) 2/3, 215–217
Heringer, Hans Jürgen: Valenzchunks. Empirisch fundiertes Lernmaterial. Mün-
chen: Iudicium, 2009 (Michael Schlicht) 2/3, 217–218
Hillenbrand, Rainer; Rösch, Gertrud Maria; Tscholadse, Maja (Hrsg.): Deutsche
Romantik. Ästhetik und Rezeption. München: Iudicium, 2008 (Schriftenreihe
des Instituts für Deutsch als Fremdsprachenphilologie VII) (Dorota
Szczęśniak) 2/3, 218–220
Hoff, Karin (Hrsg.): Literatur der Migration – Migration der Literatur. Frankfurt
a. M. u. a.: Lang, 2008 (Texte und Untersuchungen zur Germanistik und
Skandinavistik 57) (Karl Esselborn) 2/3, 220–222
Hoff, Dagmar von; Spies, Bernhard (Hrsg.): Textprofile intermedial. München:
Meidenbauer, 2008 (Beiträge zur Geschichte der deutschsprachigen Literatur,
Kontext 6) (Thomas Bleicher) 2/3, 222–224
Ikonomu, Demeter Michael: Mehrsprachigkeit und ihre Rahmenbedingungen.
Fremdsprachenkompetenz in den EU-Ländern. Frankfurt a. M. u. a.: Lang,
2008 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 21, Linguistik 321) (Joanna Kic-
Drgas) 2/3, 224–226
Kämper, Heidrun; Eichinger, Ludwig M. (Hrsg.): Sprache – Kognition – Kultur.
Sprache zwischen mentaler Struktur und kultureller Prägung. Berlin: de
Gruyter, 2008 (Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2007) (Salifou
Traoré) 2/3, 226–228
Kärchner-Ober, Renate: The German language is completely different from the
English language. Tübingen: Stauffenburg, 2009 (Tertiärsprachen 9) (Harald
Olk) 2/3, 228–230
Kaufmann, Susan; Zehnder, Erich; Vanderheiden, Elisabeth; Frank, Winfried
(Hrsg.): Fortbildung für Kursleitende Deutsch als Zweitsprache. Band 3:
Unterrichtsplanung und -durchführung. München: Hueber, 2008 (Sandra
Ballweg) 2/3, 230–233
Kiel, Ewald (Hrsg.): Unterricht sehen, analysieren, gestalten. Bad Heilbrunn:
Klinkhardt, 2008 (Jonas Langner) 2/3, 233–235
Kindt, Tom; Köppe, Tilmann (Hrsg.): Moderne Interpretationstheorien. Ein
Reader. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008 (UTB 3101) (Thomas
Keith) 2/3, 235–237
604

Klawitter, Arne; Ostheimer, Michael: Literaturtheorie – Ansätze und Anwen-


dungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008 (UTB 3055) (Thomas
Keith) 2/3, 237–240
Košenina, Alexander: Literarische Anthropologie. Die Neuentdeckung des
Menschen. Berlin: Akademie, 2008 (Akademie Studienbücher) (Claudia Bol-
singer) 2/3, 240–241
Krausneker, Verena: Taubstumm bis gebärdensprachig. Die österreichische
Gebärdensprachgemeinschaft aus soziolinguistischer Perspektive. Klagen-
furt: Drava, 2006 (Ulrike Eder) 2/3, 241–243
Krech, Eva-Maria; Stock, Eberhard; Hirschfeld, Ursula; Anders, Lutz Christian:
Deutsches Aussprachewörterbuch. Berlin: de Gruyter, 2009 (Julia Settinieri) 2/3, 243–246
Kreuder, Hans-Dieter: Studienbibliographie Linguistik. Mit einer Bibliographie
zur Sprechwissenschaft von Lothar Berger und Christa M. Heilmann. 4.
Auflage. Stuttgart: Steiner, 2008 (Lesław Tobiasz) 2/3, 246–248
Lahn, Silke; Meister, Jan Christoph: Einführung in die Erzähltextanalyse. Stutt-
gart: Metzler, 2008 (Bruno Roßbach) 2/3, 248–251
Lecke, Bodo (Hrsg.): Mediengeschichte, Intermedialität und Literaturdidaktik.
Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 2008 (Beiträge zur Literatur- und Mediendidaktik
15) (Manfred Kaluza) 2/3, 251–255
Limbach, Jutta: Hat Deutsch eine Zukunft? Unsere Sprache in der globalisierten
Welt. München: C. H. Beck, 2008 (Simone Schiedermair) 2/3, 255–256
Limbach, Jutta (Hrsg.): Eingewanderte Wörter. Eine Auswahl der schönsten
Beiträge zum internationalen Wettbewerb »Wörter mit Migrationshinter-
grund – das beste eingewanderte Wort«. Ismaning: Hueber, 2008 (Manuela
von Papen) 2/3, 257–259
Limbach, Jutta; Ruckteschell, Katharina von (Hrsg.): Die Macht der Sprache.
Berlin: Langenscheidt, 2008 (Simone Schiedermair) 2/3, 259–262
Lodewick, Klaus: DSH-Training. Aufbauprogramm Hörverstehen und Wort-
schatz. Göttingen: Fabouda, 2008 (Elisabeth Lang) 2/3, 262–263
Lüger, Heinz H.; Rössler, Andrea (Hrsg.): Wozu Bildungsstandards? Zwischen
Input- und Outputorientierung in der Fremdsprachenvermittlung. Landau:
Verlag Empirische Pädagogik, 2008 (Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung,
Sonderheft 13/2008) (Ellen Tichy) 2/3, 263–265
Lüsebrink, Hans-Jürgen: Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremd-
wahrnehmung, Kulturtransfer. 2. Auflage. Stuttgart: Metzler, 2008 (Ruth
Bohunovsky) 2/3, 265–267
Maierhofer, Waltraud; Klocke, Astrid: Deutsche Literatur im Kontext 1750–2000.
Newburyport, MA: Focus Publishing/R. Pullins, 2008 (Susanne Even) 2/3, 267–270
Mecklenburg, Norbert: Das Mädchen aus der Fremde – Germanistik als inter-
kulturelle Literaturwissenschaft. München: Iudicium, 2008 (Thomas Bleicher) 2/3, 270–273
Mit Erfolg zum Zertifikat für Jugendliche. Übungs- und Testbuch. Lösungsheft.
Bickert, Norbert; de Libero, Maria-Antonia; Cau, Antonio. Mit Erfolg zum
Goethe-Zertifikat B2. Übungsbuch. Frater, Andrea; Keller, Jörg; Thabar,
Angélique. Testbuch. Bauer-Hutz, Barbara; Wagner, Renate. Mit Erfolg zum
Goethe-Zertifikat C1. Übungsbuch. Testbuch. Hantschel, Hans-Jürgen; Krie-
ger, Paul. Stuttgart: Klett, 2008 (Joanna Targoñska) 2/3, 273–275
Möller, Steffen: Viva Polonia. Als deutscher Gastarbeiter in Polen. Frankfurt a.
M.: Scherz, 2008 (Daniel Krause) 2/3, 276–277
Moraldo, Sandro M. (Hrsg.): Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit. Zur Angli-
zismendiskussion in den Standardvarietäten des Deutschen in Deutschland,
Österreich, der Schweiz und Italien. Heidelberg: Winter, 2008 (Sprache –
Literatur und Geschichte 35) (Manuela von Papen) 2/3, 277–280
Neuland, Eva: Jugendsprache. Eine Einführung. Tübingen: Francke, 2008 (Mar-
tin Wichmann) 2/3, 280–282
605

¡New Amici! Deutsch–Chinesisch/Chinesisch–Deutsch. 525 Karten, 1 Spielbrett,


4 Spielsteine, 1 Würfel, Spielregeln & Mini-Atlas. Ismaning: Hueber, 2008 (Eva
Sommer) 2/3, 282–284
Niemeier, Susanne; Diekmannshenke, Hajo (Hrsg.): Profession & Kommunika-
tion. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, 2008 (Forum Angewandte Linguistik 49)
(Sigrid Luchtenberg) 2/3, 285–287
Olejarka, Anna: Die Wortbildungsregularitäten des Verbs und ihre Umsetzung
in didaktischen Grammatiken für Deutsch als Fremdsprache. München:
Iudicium, 2008 (Markus J. Weininger) 2/3, 287–290
Ozan, Meral: Die ›tote‹ Seele. Die Brautwerbung als narrativer Diskurs im Volks-
märchen der deutschen und türkischen Erzählkultur. München: Iudicium,
2008 (Erika Kegyes) 2/3, 290–294
Pavlusova, Ingrid; Piretzi, Carola; Aykut, Martha: Mama lernt Deutsch. Kursma-
terial mit Audio-CD. Stuttgart: Klett, 2008 (Dorothea Spaniel-Weise) 2/3, 294–295
Peleki, Eleni: Migration, Integration und Sprachförderung. Eine empirische
Untersuchung zum Wortschatzerwerb und zur schulischen Integration von
Grundschulkindern. München: Meidenbauer, 2008 (Sigrid Luchtenberg) 2/3, 295–298
Pfau, Anita; Schmid, Ann: 22 Brettspiele Deutsch als Fremdsprache. Stuttgart:
Klett, 2008 (Claudia Bolsinger) 2/3, 298–299
Richter, Julia: Phonetische Reduktion im Deutschen als L2. Eine empirische
Querschnittsstudie. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 2008 (Per-
spektiven Deutsch als Fremdsprache 22) (Peter Paschke) 2/3, 299–303
Rickheit, Gert; Strohner, Hans (Hrsg.): Handbook of Communication Compe-
tence. Berlin: de Gruyter, 2008 (Handbooks of Applied Linguistics, HAL 1)
(László Kovács) 2/3, 303–305
Roche, Jörg: Fremdsprachenerwerb und Fremdsprachendidaktik. 2. Auflage.
Tübingen: Francke, 2008 (UTB 2691) (Martin Wichmann) 2/3, 305–307
Scheller, Julija: Animationen in der Grammatikvermittlung. Multimedialer
Spracherwerb am Beispiel von Wechselpräpositionen. Berlin: LIT, 2008 (Csilla
Puskás) 2/3, 307–309
Schmidt, Wilhelm: Deutsche Sprachkunde. Ein Handbuch für Lehrer und
Studierende. Mit einer Einführung in die Probleme des sprachkundlichen
Unterrichts. 8. Auflage. Paderborn: IFB, 2008 (Petra Szatmári) 2/3, 310–311
Schmölzer-Eibinger, Sabine: Lernen in der Zweitsprache. Grundlagen und
Verfahren der Förderung von Textkompetenz in mehrsprachigen Klassen.
Tübingen: Narr, 2008 (Imke Mohr) 2/3, 312–314
Schulz, Renate A.; Tschirner, Erwin (Hrsg.): Communicating across Borders.
Developing Intercultural Competence in German as a Foreign Language.
München: Iudicium, 2008 (Ruth Bohunovsky) 2/3, 314–317
Schwarz, Monika: Einführung in die kognitive Linguistik. 3. Auflage. Tübingen:
Francke, 2008 (Ioana Bălăcescu; Bernd Stefanink) 2/3, 317–319
Seiffert, Christian: Schreiben in Alltag und Beruf. Intensivtrainer A2/B1. Berlin:
Langenscheidt, 2008 (Sandra Ballweg) 2/3, 319–321
Staffeldt, Sven: Einführung in die Sprechakttheorie. Ein Leitfaden für den
akademischen Unterricht. Tübingen: Stauffenburg, 2008 (Stauffenburg Ein-
führungen 19) (Magdalena Pieklarz) 2/3, 321–323
Stezano Cotelo, Kristin: Verarbeitung wissenschaftlichen Wissens in Seminarar-
beiten ausländischer Studierender. Eine empirische Sprachanalyse. München:
Iudicium, 2008 (Studien Deutsch 39) (Katja Reinecke) 2/3, 324–325
Stolze, Radegundis: Übersetzungstheorien. Eine Einführung. 5. Auflage. Tübin-
gen: Narr, 2008 (Ioana Bălăcescu; Bernd Stefanink) 2/3, 326–327
Tomita, Naoko: Der Informationsaufbau in Erzählungen. Eine sprachverglei-
chende Untersuchung des Japanischen, des Deutschen und des Englischen
zum Einfluss von einzelsprachlichen Systemeigenschaften auf die makro-
606

strukturelle Planung. München: Iudicium, 2009 (Schriftenreihe des Instituts


für Deutsch als Fremdsprachenphilologie V) (Heiko Narrog) 2/3, 327–329
Tschirner, Erwin: Grund- und Aufbauwortschatz. Deutsch als Fremdsprache
nach Themen. Übungsbuch. Berlin: Cornelsen, 2008 (Seongho Son) 2/3, 329–331
Ullmann, Katja; Ampié Loría, Carlos: Das A und O. Deutsche Redewendungen.
Stuttgart: Ernst Klett Sprachen, 2009 (Lutz Köster) 2/3, 331–333
Uslu, Zeki: Türkçe-Almanca Karşılaştırmalı Temel Dilbigisi. Grundriss der
türkisch-deutschen Kontrastiven Grammatik. Ankara: Ani Yayincilik, 2008
(Anastasia Şenyıldız) 2/3, 333–335
Warnke, Ingo; Spitzmüller, Jürgen (Hrsg): Methoden der Diskurslinguistik.
Sprachwissenschaftliche Zugänge zur transtextuellen Ebene. Berlin: de
Gruyter, 2008 (Linguistik – Impulse & Tendenzen 31) (Elżbieta Sie-
rosławska) 2/3, 335–337
Wellmann, Hans: Deutsche Grammatik. Laut – Wort – Satz – Text. Heidelberg:
Winter, 2008 (Petra Szatmári) 2/3, 337–339
Wierzbicka, Mariola; Schlegel, Dorothee: Sprechzeiten im Diskurs. Zum absolu-
ten und relativen Gebrauch der Tempora in der gesprochenen deutschen
Sprache. München: Iudicium, 2008 (Markus J. Weininger) 2/3, 339–343
Wiktorowicz, Józef: Die Temporaladverbien im Frühneuhochdeutschen (1500–
1700). Tübingen: Narr, 2008 (Reinhard von Bernus) 2/3, 343–345
Wilden, Eva: Selbst- und Fremdwahrnehmung in der interkulturellen Online-
kommunikation. Das Modell der ABC’s of Cultural Understanding and
Communication Online. Eine qualitative Studie. Frankfurt a. M. u. a.: Lang,
2008 (Gabriela Marques-Schäfer) 2/3, 345–347
Yu, Xuemei: Lernziel Handlungskompetenz. Entwicklung von Unterrichtsmo-
dulen für die interkulturelle und handlungsorientierte Vorbereitung chine-
sischer Studienbewerber auf das Studium in Deutschland. München: Iudici-
um, 2008 (Eva Sommer) 2/3, 347–349
Zerwinsky, Susan (Hrsg.): Lessing in Kabul. Deutsche Sprache, Literatur und
Germanistik in Afghanistan. München: Iudicium, 2008 (Eva Sommer) 2/3, 349–351
Ziem, Alexander: Frames und sprachliches Wissen. Kognitive Aspekte der
semantischen Kompetenz. Berlin: de Gruyter, 2008 (Sprache und Wissen 2)
(László Kovács) 2/3, 351–352

Stichwortregister
Agrar- und Ernährungsindustrie (Schwer- Deutsch als Fremdsprache
punkt Fachdeutsch Wirtschaft) 6, 562–569 Auswahlbibliographie für das Jahr 2009 1,
Amerikaner in Deutschland, 6 72–103
Autonomie und Assessment (Tagungseinla- Agrar- und Ernährungsindustrie (Schwer-
dung) 4, 436–437 punkt Fachdeutsch Wirtschaft) 6, 562–
Auswahlbibliographie für das Jahr 2009 1, 569
72–103 Bachelor-Unterricht und Internet-Materi-
alien 4, 417–425
Bachelor-Unterricht und Internet-Materialien berufsbezogener DaF-Unterricht (EU-Plan-
4, 417–425 spiele) 5, 452–469
berufsbezogener DaF-Unterricht (EU-Plan- Blended-Learning (Modell für den Fremd-
spiele) 5, 452–469 sprachenunterricht) 4, 426–435
Blended-Learning (Modell für den Fremd- chinesische Universitäten (Umgang mit Pla-
sprachenunterricht) 4, 426–435 giaten) 6, 546–561
chinesische Universitäten (Umgang mit Plagi- »Deutsch – ein Hit! 1« (Fremdsprachenlehr-
aten) 6, 546–561 werk) 4, 368–382
607

Deutschausbildung im Senegal 6, 562–569 Sprachlernspiele (gymnasiale Oberstufe im


deutsche Literatur im DaF-Unterricht (Mau- finnischen und ungarischen DaF-Kon-
erfall) 5, 494–515 text) 4, 383–400
Deutschkurse und Fachstudium (ein Ver- Sprachvergleichung mit Texten 1, 63–66
zahnungsmodell) 5, 470–493 Stereotype als kultureller Lernprozess 6,
E-Mail-Bitten in der Fremdsprache Deutsch 521–545
4, 401–416 Studiengangsbezogene Fachsprache in stu-
europäische Studienreform (Grenzen und dienvorbereitenden Sprachkursen 5,
Möglichkeiten) 1, 3–20 470–493
EU-Planspiel für den berufsbezogenen DaF- Testen, Evaluieren, Zertifizieren (Tagungs-
Unterricht 5, 452–469 einladung) 4, 436–437
Fachsprache 5, 470–493 Testen und Prüfen (Sprachandragogik, Kon-
Fachdeutsch Wirtschaft (mit Schwerpunkt taktstudium) 5, 520–521
Agrar- und Ernährungsindustrie) 6, Texte unter sprachvergleichender und kul-
562–569 turkontrastiver Perspektive (Tagungsbe-
richt) 1, 63–66
FaDaF, 20 Jahre 5, 441–451
Bericht über die 37. Jahrestagung DaF 6, Textmuster von E-Mail-Bitten in der Fremd-
588–597 sprache Deutsch 4, 401–416
Einladung zu 37. Jahrestagung DaF 1, Weblogs in Deutschland lebender Amerika-
67–71 ner 6
Feedback bei einem videogestützten On- Wendeliteratur im DaF-Unterricht 5, 494–
line-Sprachkurs 6, 570–576 515
Fremdsprachenunterricht (Nachhaltigkeit Wirtschaft (Fachdeutsch mit Schwerpunkt
Neuer Medien) 6, 577–587 Agrar- und Ernährungsindustrie) 6,
562–569
»Grenzen überwinden mit Deutsch«
Bericht über die 37. Jahrestagung DaF 6, Worthäufigkeitslisten und Wortschatz 4,
588–597 368–382
Einladung zu 37. Jahrestagung DaF 1, »Deutsch – ein Hit 1« (Fremdsprachenlehr-
67–71 werk) 4, 368–382
gymnasiale Oberstufe im finnischen und Deutschausbildung im Senegal 6, 562–569
ungarischen DaF-Kontext 4, 383–400 deutsche Literatur im DaF-Unterricht (Mauer-
Internet-Materialien (kritischer Umgang fall) 5, 494–515
mit) 4, 417–425 Deutschkurse und Fachstudium (ein Verzah-
nungsmodell 5, 470–493
Kirschblüten – Hanami (Spielfilm im Unter-
richt) 1, 41–62 E-Mail-Bitten in der Fremdsprache Deutsch
4, 401–416
korpusbasierte Worthäufigkeitslisten und
Wortschatz 4, 368–382 europäische Studienreform (Grenzen und
Möglichkeiten für DaF) 1, 3–20
Lehrwerk »Deutsch – ein Hit! 1« 4, 368–382
EU-Planspiel für den berufsbezogenen DaF-
Lernerbeobachtungen (Feedback bei einem Unterricht 5, 452–469
videogestützten Online-Sprachkurs 6,
Fachdeutsch Wirtschaft (mit Schwerpunkt
570–576)
Agrar- und Ernährungsindustrie) 6, 562–
Mauerfall 5,494–515 569
Nachhaltigkeit Neuer Medien im Fremd- Fachsprache 5, 470–493
sprachenunterricht 6, 577–587 FaDaF, 20 Jahre 5, 441–451
Neue Medien im Fremdsprachenunterricht Bericht über die 37. Jahrestagung DaF 6,
6, 577–587 588–597
Plagiate (an chinesischen Universitäten) 6, Einladung zu 37. Jahrestagung DaF 1, 67–
546–561 71
Prosodie 1, 21–40 Feedback bei einem videogestützten Online-
Senegal 6, 562–569 Sprachkurs 6, 570–576
Spielfilme im Unterricht (Kirschblüten – Ha- Fremdsprachenunterricht (Nachhaltigkeit
nami) 1, 41–62 Neuer Medien) 6, 577–587
608

»Grenzen überwinden mit Deutsch« Senegal (Deutschausbildung) 6, 562–569


Bericht über die 37. Jahrestagung DaF 6, Spielfilme im DaF-Unterricht (Kirschblüten –
588–597 Hanami) 1, 41–62
Einladung zu 37. Jahrestagung DaF 1, 67– Sprachlernspiele für die gymnasiale Oberstufe
71 im finnischen und ungarischen DaF-Kon-
gymnasiale Oberstufe im finnischen und un- text 4, 383–400
garischen DaF-Kontext (Sprachlernspiele) Sprachvergleichung mit Texten 1, 63–66
4, 383–400 Stereotype als kultureller Lernprozess 6, 521–
Integration von Deutschkursen in das Fachstu- 545
dium 5, 470–493 Studienreform (Grenzen und Möglichkeiten
interkulturelle Germanistik 1, 63–66 für DaF) 1, 3–20
Internet-Materialien (kritischer Umgang mit) Studiengangsbezogene Fachsprache in studi-
4, 417–425 envorbereitenden Sprachkursen 5, 470–493
37. Jahrestagung DaF (Bericht) 6, 588–597 Testen, Evaluieren, Zertifizieren (Tagungsein-
Kirschblüten – Hanami (Spielfilm im Unter- ladung) 4, 436–437
richt) 1, 41–62 Testen und Prüfen (Sprachandragogik, Kon-
korpusbasierte Worthäufigkeitslisten und taktstudium) 5, 520–521
Wortschatz 4, 368–382 Texte unter sprachvergleichender und kultur-
Kulturkontakt und Stereotype 6, 521–545 kontrastiver Perspektive (Tagungsbericht)
Lehrwerk »Deutsch – ein Hit! 1« 4, 368–382 1, 63–66
Lernerbeobachtungen (Feedback bei einem vi- Textmuster von E-Mail-Bitten in der Fremd-
deogestützten Online-Sprachkurs) 6, 570– sprache Deutsch 4, 401–416
576 Universität Thiès/Senegal (Deutschausbil-
Mauerfall in ausgewählten Werken der deut- dung) 6, 562–569
schen Literatur 5, 494–515 Wendeliteratur im DaF-Unterricht 5, 494–515
Mehrsprachigkeit 4, 355–367 Weblogs in Deutschland lebender Amerikaner
Nachhaltigkeit Neuer Medien im Fremdspra- 6, 521–545
chenunterricht 6, 577–587 West trifft Fernost (der Spielfilm Kirschblüten –
Neue Medien im Fremdsprachenunterricht 6, Hanami) 1, 41–62
577–587 Wirtschaft (Fachdeutsch mit Schwerpunkt
Plagiate (an chinesischen Universitäten) 6, Agrar- und Ernährungsindustrie) 6, 562–
546–561 569
Plurilinguisme/s 4, 355–367 Worthäufigkeitslisten und Wortschatz 4, 368–
Prosodie im Bereich DaF 1, 21–40 382

Autorenverzeichnis
Andrzejewska, Ewa 2/3, 136–139; 2/3, 140– Deckers, Marc 6, 521–545
143 Dege, Christopher 6, 546–561
Bălăcescu, Ioana 2/3, 189–191; 2/3, 317–319; 2/ Eder, Ulrike 2/3, 241–243
3, 326–327 Eggers, Dietrich 1,72–103
Ballweg, Sandra 2/3, 150–151; 2/3, 186–188; 2/ Esselborn, Karl 2/3, 172–175; 2/3, 220–222
3, 196–198; 2/3, 230–233; 2/3, 319–321 Even, Susanne 2/3, 267–270
Bayerlein, Oliver 6, 570–576 Florin, Karl-Walter 2/3, 128–130; 2/3, 192–196
Bernus, Reinhard von 2/3, 343–345 Fohmann, Katrin 2/3, 208–209
Bleicher, Thomas 2/3, 222–224; 2/3, 270–273 Friesen Blume, Rosvitha 2/3, 212–215
Bohunovsky, Ruth 2/3, 160–162; 2/3, 265–267; Gräfe, Florian 2/3, 126–128
2/3, 314–317 Graffmann, Heinrich 1, 21–40
Bolsinger, Claudia 2/3, 135–136; 2/3, 240–241; Gueye, Ousmane 6, 562–569
2/3, 298–299 Haberkorn, Michaela 2/3, 130–135
Braune-Steininger, Wolfgang 2/3, 154–156 Harting, Axel 4, 401–416
Crestati, Valentina 2/3, 2/3, 164–166 Herberich, Beate 2/3, 178–179
609

Holtermann, Sandra 6, 546–561 Raasch, Albert 4, 355–367


Hübner, Klaus 2/3, 168–170 Reinecke, Katja 2/3, 122–124; 2/3, 206–208
Hunstiger, Agnieszka 5, 452–469 Roche, Jörg 2/3, 199–203
Jansen, Georg 6, 546–561 Roßbach, Bruno 2/3, 248–251
Jung, Udo O. H. 2/3, 170–172 Sapiridou, Andromachi 4, 368–382
Kaluza, Manfred 2/3, 251–255 Schaller-Fornoff, Branka 2/3, 204–206
Kegyes, Erika 2/3, 290–294 Schiedermair, Simone 2/3, 255–256; 2/3, 259–
Keith, Thomas 2/3, 235–237; 2/3, 237–240 262
Kic-Drgas, Joanna 2/3, 119–122; 2/3, 224–226 Schimmel, Dagmar 5, 470–493
Königs, Frank G. 1, 3–20 Schlicht, Michael 2/3, 217–218
Köster, Lutz 2/3, 105–352; 2/3, 149; 2/3, 331– Schmitz, Helmut 2/3, 183–186
333 Schütze, Ulf 6, 577–587
Kovács, László 2/3,303–305; 2/3, 351–352 Schwarck, Dorothee 1, 72–103
Lang, Elisabeth 2/3, 156–158; 2/3, 262–263 Şenyıldız Anastasia 2/3, 115–116; 2/3, 333–335
Langner, Jonas 2/3, 233–235 Settinieri, Julia 2/3, 243–246
Launer, Rebecca 4, 426–435 Sieroslawska, Elżbieta 2/3, 335–337
Lay, Tristan 1, 41–62 Sommer, Eva 2/3, 282–284; 2/3, 347–349; 2/3,
Lehmberg, Timm 2/3, 162–164 349–351
Leier, Nicole 5, 494–515 Son, Seongho 2/3, 329–331
Luchtenberg, Sigrid 2/3, 209–212; 2/3, 285– Sorrentino, Daniela 1, 63–66
287; 2/3, 295–298 Spaniel-Weise, Dorothea 2/3, 152–154; 2/3,
Lymperakakis, Panagiotis 4, 368–382 143–144; 2/3, 191–192; 2/3, 294–295
Maeding, Linda 2/3, 139–140 Stefanink, Bernd 2/3, 189–191; 2/3, 317–319; 2/
Marques-Schäfer, Gabriela 2/3, 345–347 3, 326–327
Mashkovskaya, Anna 2/3, 175–178 Szatmári, Petra 2/3, 158–160; 2/3, 310–311; 2/
Mátyás, Emese 4, 383–400 3, 337–339
Miao, Yulu 4, 417–425 Szczęśniak, Dorota 2/3, 166–168; 2/3, 218–220
Mohr, Imke 2/3, 312–314 Targoñska, Joanna 2/3, 273–275
Moroni, Manuela 1, 21–40 Tichy, Ellen 2/3, 124–126; 2/3, 263–265
Müller-Küppers Evelyn 2/3, 105–352 Timmermann, Waltraud 4, 417–425
Narrog, Heiko 2/3, 179–181; 2/3, 198–199; 2/3, Traoré, Salifou 2/3, 215–217; 2/3, 226–228
324–325; 2/3, 327–329 Tobiasz, Lesław 2/3, 116–119; 2/3, 181–183; 2/
Olk, Harald 2/3, 228–230 3, 246–248
Papen, Manuela von 2/3, 257–259; 2/3, 277– Vorderwülbecke, Klaus 1, 21–40; 5, 441–451
280 Wang, Liping 4, 417–425
Paschke, Peter 2/3, 144–149; 2/3, 299–303 Weininger, Markus J. 2/3, 287–290; 2/3, 339–
Pieklarz, Magdalena 2/3, 321–323 343
Puskás, Csilla 2/3, 307–309 Wichmann, Martin 2/3, 280–282; 2/3, 305–307

(zusammengestellt von Armin Wolff, Regensburg)