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STATISTISCHES BUNDESAMT

Bevölkerung

ι T»
Bevölkerung und Wirtschaft
1872-1972

Herausgegeben
anläßlich des 100jährigen Bestehens
der zentralen amtlichen Statistik

Herausgeber: Statistisches Bundesamt Wiesbaden


Verlag: W. Kohlhammer Stuttgart und Mainz
Erschienen im Oktober 1972
Nachdruck — auch auszugsweise — nur mit Quellenangabe gestattet
Preis 15.- DM
Bestellnummer: 120600-72
Vorwort

V o r 100 Jahren w u r d e in Deutschland ein zentrales Statistisches Amt errichtet, an dessen Arbeiten das
Statistische Bundesamt nach der Teilung des Reichs anknüpfen konnte. In ihrer langen Geschichte
haben die Statistischen Ämter von Reich und Bund im Z u s a m m e n w i r k e n mit den Ländern Stein
für Stein zu dem statistischen G e b ä u d e in seiner heutigen Gestalt zusammengefügt. Es liegt d a h e r
nahe, aus Anlaß dieses Jubiläums die wesentlichen Phasen ihrer Arbeit in großen Z ü g e n nach-
zuzeichnen und die Früchte dieser Bemühungen in einigen m a r k a n t e n Z a h l e n k o l o n n e n festzuhalten.
D e r Blick in die Zukunft w i r d k l a r e r durch das Wissen über das Erreichte.

In einem Textbeitrag hat D r . G e r h a r d Fürst es unternommen, über die W a n d l u n g e n des Arbeits-


programms der zentralen amtlichen Statistik in den vergangenen 100 Jahren zu berichten. Er w a r
hierzu in besonderem M a ß e berufen, weil er schon zwischen den Kriegen eng mit der amtlichen Sta-
tistik verbunden w a r und dann von 1948 bis 1964 als Präsident des Statistischen Bundesamtes die
wesentlichen G r u n d l a g e n für ihren heutigen Stand schuf. Mit den — leider nicht vollständig über-
lieferten — Fotos der Amtsleiter und der wichtigsten Dienstgebäude erhält der Lebensweg der zen-
tralen amtlichen Statistik eine individuelle Färbung.

D e r Tabellenteil bringt lange Reihen aus vielen Gebieten der amtlichen Statistik und gibt, über
den Anlaß des Jubiläums hinaus, allen an Zeitreihen interessierten Benutzern M a t e r i a l für spezielle
Untersuchungen in die H a n d . Er trägt damit zahlreichen Wünschen nach Fortführung bzw. Er-
weiterung einer bereits 1958 herausgegebenen ersten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes
mit »historischen« statistischen Daten Rechnung.

Diese Veröffentlichung, zu der alle Abteilungen Z a h l e n m a t e r i a l beigetragen haben, w u r d e in der


Abteilung »Finanzen und Steuern, Allgemeine Öffentlichkeitsarbeit« des Ltd. Regierungsdirektors
Günther von Regierungsdirektor G e r h a r d t zusammengestellt und bearbeitet.

Wiesbaden, im September 1972

Dr. H i l d e g a r d Bartels
P r ä s i d e n t i n des S t a t i s t i s c h e n Bundesamtes

1· 3
Inhalt
Textteil

W a n d l u n g e n i m P r o g r a m m u n d in d e n A u f g a b e n
d e r a m t l i c h e n S t a t i s t i k in d e n l e t z t e n 100 J a h r e n

Einleitung 13

Erster T e i l

V o n d e r G r ü n d u n g bis z u m e r s t e n W e l t k r i e g (1872 bis 1918)

I. Gründung und allgemeine 10. Gewerbliche Betriebszählungen,


Aufgabenstellung 15 Unternehmensstatistik 22
11. Industrie und Handwerk 23
II. Die Vorbereitungsarbeiten der
12. Bautätigkeit und Wohnungen 24
Kommission zur weiteren Aus-
13. Binnenhandel 24
bildung der Statistik des Zoll-
14. Außenhandel 24
vereins 15
15. Verkehr 25
III. Der Grundstock des statistischen 16. Geld und Kredit 26
Programms 1872 16 17. Versicherungen (ohne Sozial-
IV. Die Entwicklung des statistischen versicherung) 26
Programms 16 18. Sozialversicherung und öffentliche
Sozialleistungen 26
A. A l l g e m e i n e Entwicklungstendenzen 16 19. Arbeiterstatistik 26
B. Die Entwicklung auf den einzelnen 20. Finanzen und Steuern 28
Sachgebieten 17 21. Preise 28
1. Volkszählungen 17 22. Löhne und Gehälter 28
2. Bewegung der Bevölkerung 18 23. Wirtschaftsrechnungen und Ver-
3. Gesundheitswesen 18 sorgung 28
4. Unterrichtswesen 18 24. Auslandsstatistik 29
5. Rechtspflege 18 25. Internationale Zusammenarbeit . . . . 29
6. Kriegswesen und Schutzgebiete . . . . 19 26. Statistik und Forschung 29
7. Reichstagswahlen 19 C. Zusammenfassung und Verschie-
8. Erwerbstdtigkeit (Berufszählungen) . 19 bungen i m Schwergewicht des
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. 21 statistischen P r o g r a m m s 30

Zweiter Teil

D i e Z e i t d e r W e i m a r e r R e p u b l i k (1919 bis 1932)

A. A l l g e m e i n e Entwicklungstendenzen 31 16. Geld und Kredit 37


17. Versicherungen (ohne Sozialver-
B. Die Entwicklung auf den einzelnen sicherung) 37
Sachgebieten 31 18. Sozialversicherung und öffentliche
Sozialleistungen 37
1. Volkszählungen 32
19. Arbeiterstatistik und Organisation
2. Bewegung der Bevölkerung 32
des Amtes 37
3. Gesundheitswesen 32
20. Finanzen und Steuern 38
4. Unterrichtswesen 32
21. Preise 38
5. Rechtspflege 32
22. Löhne und Gehälter 39
6. Reichsheer und Reichsmarine 32
23. Wirtschaftsrechnungen und Ver-
7. Wahlen und Abstimmungen 32
sorgung 39
8. Erwerbstätigkeit (Berufszählung). . . . 33
24. Volkswirtschaftliche Bilanzen 40
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei . 34
25. Auslandsstatistik 40
10. Gewerbliche Betriebszählung,
26. Internationale Zusammenarbeit . . . . 40
Unternehmensstatistiken 34
27. Statistik und Wirtschaftsbeobachtung 41
11. Industrie und Handwerk 35
12. Bautätigkeit und Wohnungen 36
13. Binnenhandel 36 C. Zusammenfassung und Verschie-
14. Außenhandel 36 bungen i m Schwergewicht des
15. Verkehr 37 statistischen P r o g r a m m s 41

5
Dritter Teil

D i e Z e i t des N a t i o n a l s o z i a l i s m u s (1933 bis 1945)

A. A l l g e m e i n e Entwicklungstendenzen 43 15. Verkehr 48


16. Geld und Kredit 49
B. D i e Entwicklung auf den einzelnen 17. Versicherungen (ohne Sozialver-
Sachgebieten 43 sicherung) 49
1. Volkszählungen 43 18. Sozialversicherung und öffentliche
2. Bewegung der Bevölkerung 44 Sozialleistungen 49
3. Gesundheitswesen 44 19. Ehemalige Arbeiterstatistik 49
4. Unterrichts- und Bildungswesen . . . . 44 20. Finanzen und Steuern 49
5. Rechtspflege 44 21. Preise 49
6. Reichsheer und Reichsarbeitsdienst 45 22. Löhne und Gehälter 50
7. Wahlen und Abstimmungen 45 23. Wirtschaftsrechnungen und Ver-
8. Erwerbstätigkeit (Berufszählungen) . 45 sorgung 50
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. 45 24. Volkswirtschaftliche Bilanzen 50
10. Arbeitsstättenzählungen, Unter- 25. Auslandsstatistik 50
nehmensstatistiken 46 26. Internationale Zusammenarbeit . . . . 51
11. Industrie und Handwerk 47 27. Statistik und Wirtschaftsbeobachtung 51
12. Bautätigkeit und Wohnungen 48 C. Zusammenfassung und Verschie-
13. Binnenhandel 48 bungen i m Schwergewicht des
14. Außenhandel 48 statistischen P r o g r a m m s 51

Vierter Teil

D i e Z e i t n a c h d e m z w e i t e n W e l t k r i e g (1945 bis 1972)

I. Die Übergangsjahre bis zur 10. Arbeitsstättenzählungen, Unter-


Gründung der Bundesrepublik nehmensstatistiken 63
(1945 bis 1949) 53 a) Arbeitsstättenzählungen 63
b) Kostenstrukturstatistik 64
II. Die Z e i t des Statistischen Bundes- c) Übrige Unternehmensstatistiken . 64
amtes 55 11. Industrie und Handwerk 64
a) Methodische Mehrgleisigkeit der
A . A l l g e m e i n e Entwicklungstendenzen 55 bundesdeutschen Statistik 64
b) Die kurzfristigen Bericht-
B. Die Entwicklung auf den einzelnen erstattungen 65
Sachgebieten 56 c) Jahresstatistiken 66
d) Statistiken zur Struktur des
1. Volkszählungen und Mikrozensus . . 56 Produzierenden Gewerbes 66
a) Volkszählungen 56 12. Bautätigkeit und Wohnungen 67
b) Mikrozensus 58 a) Gebäude- und Wohnungs-
2. Bewegung der Bevölkerung 58 zählungen 67
3. Gesundheitswesen 59 b) Bautätigkeitsstatistik 68
4. Bildung und Kultur, Unterrichts- 13. Binnenhandel und Handel mit der
wesen 59 DDR 69
5. Rechtspflege 60 a) Strukturerhebungen 69
6. Bundeswehr 60 b) Monatliche Berichterstattungen
7. Wahlen 60 der Betriebe 69
8. Erwerbstätigkeit 60 c) Statistik des Warenverkehrs
a) Berufszählungen 60 zwischen Berlin (West) und dem
b) Mikrozensus 61 übrigen Bundesgebiet 69
c) Sonstige Statistiken der Erwerbs- d) Statistik des Warenverkehrs mit
tätigkeit 61 der DDR und Berlin (Ost) 70
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. 61 14. Außenhandel 70
a) Statistiken der landwirtschaftlichen 15. Verkehr 71
Produktionsgrundlagen 62 16. Geld und Kredit 72
b) Statistiken, die der Feststellung 17. Versicherungen (ohne Sozialver-
der Produktion, der Verkaufs- sicherung) 72
erlöse und der Ertragslage in der 18. Sozialversicherung und öffentliche
Landwirtschaft dienen 62 Sozialleistungen 72

6
19. Arbeiterstatistik 73 25. Auslandsstatistik 78
20. Finanzen und Steuern 73 26. Internationale Zusammenarbeit . . . . 78
a) Öffentliche Finanzen 73 27. Statistik und Beobachtung der wirt-
b) Steuern 74 schaftlichen und gesellschaftlichen
21. Preise 75 Entwicklungen 79
22. Löhne und Gehälter 76
23. Wirtschaftsrechnungen und Ver-
sorgung 77 C. Zusammenfassende Darstellung des
24. Volkswirtschaftliche Gesamtrech- in der Bundesrepublik erreichten
nungen 77 statistischen P r o g r a m m s 80

Tabellenteil

Lange Reihen für das Deutsche Reich und die Bundesrepublik Deutschland

Erläuterungen 87
Abkürzungen und Zeichenerklärung 88

I. Gebiet und Bevölkerung 89 2. Sterbefälle nach ausgewählten Todes-


Vorbemerkung 89 ursachen 120
1. Fläche und Bevölkerung 90 3. Berufstätige Ärzte, Zahnärzte, Apothe-
2. Bevölkerungsentwicklung 90 ken und Apotheker 124
3. Bevölkerungsentwicklung in den Län- 4. Hebammen, Krankenschwestern und
dern des Bundesgebietes 91 -pfleger 124
4. Gemeinden mit 100000 und mehr Ein- 5. Krankenhäuser, Betten und Kranke . . 125
wohnern 92
I V . Bildung 126
5. Gemeinden und Bevölkerung nach Ge-
meindegrößenklassen 94 Vorbemerkung 126
6. Bevölkerung nach Altersgruppen 95 1. Allgemeinbildende Schulen 127
2. Studenten an Wissenschaftlichen Hoch-
7. Bevölkerung nach Familienstand 96
schulen 129
8. Bevölkerung nach Religionszugehörig-
3. Deutsche und ausländische Studenten
keit 97
an Wissenschaftlichen Hochschulen . . . 130
9. Haushalte nach Haushaltsgröße 98
V. Rechtspflege 131
II. Bevölkerungsbewegung 99
Vorbemerkung 131
Vorbemerkung 99 1. Verurteilte nach Hauptdeliktsgruppen 132
1. Eheschließungen, Geborene und Ge- 2. Verurteilte nach Hauptdelikts- und Al-
storbene 101 tersgruppen 133
2. Eheschließende nach dem bisherigen
Familienstand der Ehegatten 104 VI. Wahlen 135
3. Durchschnittliches Heiratsalter nach Vorbemerkung 135
dem bisherigen Familienstand der Ehe- 1. Wahlberechtigte, Wähler und Stimm-
gatten 105 abgabe 136
4. Eheschließungen nach der Religions-
zugehörigkeit der Ehegatten 106 V I I . Erwerbstätigkeit 139
5. Geborene nach Geschlecht und Legiti- Vorbemerkung 139
mität 107 1. Bevölkerung nach Beteiligung am Er-
6. Allgemeine Fruchtbarkeitsziffern 109 werbsleben 140
7. Sterbetafeln in abgekürzter Form 109 2. Bevölkerung nach Beteiligung am Er-
8. Sterbeziffern für fünfjährige Alters- werbsleben und überwiegendem Le-
gruppen 110 bensunterhalt 140
9. Säuglingssterblichkeit nach Lebensmo- 3. Erwerbspersonen 142
naten 112 4. Erwerbspersonen und Erwerbsquoten
10. Gestorbene Säuglinge nach Legitimität 113 nach Altersgruppen und Familienstand 144
11. Ehescheidungen 114 5. Weibliche Erwerbspersonen 145
12. Auswanderer bzw. Fortzüge über die 6. Erwerbstätige 146
Auslandsgrenzen nach ausgewählten 7. Durchschnittlich geleistete Arbeitsstun-
Zielgebieten 115 den der Erwerbstätigen nach Stellung
13. Gesamtwanderungen 116 im Beruf und Wirtschaftsbereichen . . . 147
8. Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer 148
III. Gesundheitswesen 117 9. Arbeitslose und offene Stellen 148
Vorbemerkung 117 10. Auszubildende in Lehr- und Anlern-
1. Erkrankungen an ausgewählten melde- berufen 149
pflichtigen übertragbaren Krankheiten 118 11. Streiks 149

7
V i l i . Land- und Forstwirtschaft, Fischerei . . 150 4. Ankünfte und Übernachtungen in Be-
Vorbemerkung 150 herbergungsstätten 189
1. Zahl und Fläche der Betriebe bzw. 5. Warenverkehr mit der Deutschen De-
Haushalte 151 mokratischen Republik und Berlin (Ost) 189
2. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe 151 X I I I . Außenhandel 190
3. Betriebe mit Waldfläche nach Größen-
Vorbemerkung 190
klassen der Waldfläche 158
1. Ein- und Ausfuhr 191
4. Wirtschaftsfläche nach Hauptnutzungs-
2. Einfuhr nach Warengruppen 192
und Kulturarten 159
3. Ausfuhr nach Warengruppen 195
5. Anbauflächen wichtiger Fruchtarten . . . . 160
4. Einfuhr nach Erdteilen und ausgewähl-
6. Ernteerträge wichtiger Fruchtarten . . . 161
ten Ländern 198
7. Bestand an Obstbäumen 162
5. Ausfuhr nach Erdtéilen und ausgewähl-
8. Rebfläche und Weinmosternte 162
ten Ländern 200
9. Düngemittellieferungen für den Ver-
brauch in der Landwirtschaft 163 X I V . Verkehr 202
10. Viehbestand 163 Vorbemerkung 202
11. Erzeugung und Verwendung von Kuh- 1. Eisenbahnen 203
milch 164 2. Bestand an Kraftfahrzeugen 205
12. Schlachtungen und Fleischgewinnung 165
3. Straßenverkehrsunfälle 206
13. Anlandungen der Hochsee- und Küsten-
4. Bestand an Binnenschiffen 206
fischerei 165
5. Güterverkehr auf den Binnenwasser-
straßen : 207
I X . U n t e r n e h m e n und Arbeitsstätten
6. Handelsschiffstonnage 207
(ohne Landwirtschaft) 166
7. Güterumschlag in bedeutenden See-
Vorbemerkung 166 häfen 208
1. Beschäftigte in den nichtlandwirtschaft- 8. Gewerblicher Luftverkehr 208
lichen Arbeitsstätten 167 9. Güterverkehr in Rohrleitungen 208
2. Entwicklung von Zahl und Kapital der 10. Deutsche Reichs- bzw. Bundespost . . . . 209
Aktiengesellschaften und Kommandit-
gesellschaften auf Aktien 169 X V . Geld und Kredit 210
3. Kapital- und Vermögensaufbau der Ak- Vorbemerkung 210
tiengesellschaften 170 1. Bargeldumlauf, Gold- und Devisen-
4. Relationen der Kapitalstruktur bei Ak- bestand 211
tiengesellschaften 172 2. Spareinlagen 211
5. Entwicklung von Zahl und Kapital der 3. Absatz festverzinslicher Wertpapiere
Gesellschaften mit beschränkter Haf- und Aktien 212
tung 173 4. Umlauf von Schuldverschreibungen der
Boden- und Kommunalkreditinstitute.. 213
X . Industrie und H a n d w e r k 174
5. Kurs, Dividende und Rendite börsen-
Vorbemerkung 174
notierter Aktien und festverzinslicher
1. Betriebe, Beschäftigung und Umsatz
Wertpapiere 214
der Industrie 176
6. Index der Aktienkurse 214
2. Index der industriellen Produktion . . . 176
7. Diskont- und Geldmarktsätze 215
3. Index der industriellen Nettoproduktion 177
8. Konkurse, Vergleichsverfahren und
4. Index der industriellen Bruttoproduk-
Wechselproteste 215
tion für Investitions- und Verbrauchs-
güter 179 X V I . Versicherungen 216
5. Index der Arbeitsproduktivität in der
Vorbemerkung 216
Industrie 180
1. Lebensversicherung 217
6. Produktion ausgewählter industrieller 2. Schaden- und Unfallversicherung . . . . 217
Erzeugnisse 181
7. Beschäftigte und Umsatzdes Handwerks 183 X V I I . Öffentliche Sozialleistungen 218
X I . Bauwirtschaft, Bautätigkeit, Vorbemerkung 218
Wohnungen 184 1. Gesetzliche Krankenversicherung . . . . 219
Vorbemerkung 184 2. Gesetzliche Unfallversicherung 220
1. Betriebe, Beschäftigung und Umsatz des 3. Rentenversicherung der Arbeiter 222
Bauhauptgewerbes 185 4. Rentenversicherung der Angestellten . . 223
2. Baufertigstellungen 185 5. Knappschaftliche Rentenversicherung . 224
3. Gebäude und Wohnungen 186 6. Kriegsopferversorgung 225
7. Fürsorge bzw. Sozialhilfe und Kriegs-
X I I . Groß- und Einzelhandel, Gastgewerbe, opferfürsorge 225
Fremdenverkehr 187
Vorbemerkung 187 X V I I I . Finanzen und Steuern 226
1. Umsatz des Großhandels 188 Vorbemerkung 226
2. Umsatz des Einzelhandels 188 1. Ausgaben und Einnahmen der Gebiets-
3. Umsatz des Gastgewerbes 188 körperschaften nach Arten 229

8
2. Ausgaben der Gebietskörperschaften 2. Index der durchschnittlichen bezahlten
nach Aufgabenbereichen 231 Wochenstunden und Bruttoverdienste
3. Kassenmdßige Steuereinnahmen nach der Arbeiter in der Industrie 254
Arten 233 3. Durchschnittliche Wochenarbeitszeiten
4. Schulden der Gebietskörperschaften und Bruttoverdienste der Arbeiter in
nach Hauptarten 234 der Industrie nach Leistungsgruppen 255
5. Personal im öffentlichen Dienst nach 4. Index der durchschnittlichen Brutto-
Dienstverhältnissen 236 monatsverdienste der Angestellten in
6. Lohnsteuer 237 Industrie und Handel 256
7. Einkommensteuer 238 5. DurchschnittlicheBruttomonatsverdien-
8. Körperschaftsteuer 238 ste der Angestellten in Industrie und
9. Vermögensteuer 239 Handel nach Leistungsgruppen 256
10. Einheitswerte 239 6. Index der Tariflöhne und -gehälter in
11. Erbschaftsteuer 240 der gewerblichen Wirtschaft und bei
12. Umsatzsteuer 241 Gebietskörperschaften 257
13. Verbrauchsteuern 243 7. Index der Tariflöhne in der Landwirt-
schaft 257
X I X . Preise 245
X X I . Volkswirtschaftliche Gesamt-
Vorbemerkung 245
rechnungen 258
1. Index der Erzeugerpreise landwirt-
Vorbemerkung 258
schaftlicher Produkte 246
1. Brutto- und Nettosozialprodukt 260
2. Index der Erzeugerpreise forstwirt-
2. Einkommen aus unselbständiger Arbeit 262
schaftlicher Produkte aus den Staats-
3. Einkommen aus unselbständiger Arbeit
forsten 246
je beschäftigten Arbeitnehmer 263
3. Index der Grundstoffpreise 247
4. Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschafts-
4. Index der Erzeugerpreise industrieller
bereichen 264
Produkte 248
5. Verwendung des Sozialprodukts 266
5. Preisindex für Wohngebdude 248
6. Bruttoinlandsprodukt, Erwerbstätige
6. Index der Großhandelsverkaufspreise 249
und gesamtwirtschaftliche Produktivität 268
7. Index der Einzelhandelspreise 249
7. Verwendung des verfügbaren Einkom-
8. Index der Verbraucherpreise 250
mens der privaten Haushalte 268
9. Index der Außenhandelspreise 251
10. Indices der Postgebühren 252 X X I I . Zahlungsbilanz 269
Vorbemerkung 269
X X . Löhne und G e h ä l t e r 253 1. Entwicklung der Zahlungsbilanz 270
Vorbemerkung 253 2. Staatliche und private Leistungen an
1. Indices der durchschnittlichen Brutto- Entwicklungsländer und multilaterale
verdienste der Arbeiter in der Industrie 254 Stellen 270

Quellennachweis 271

Sachregister 273
Textteil

Wandlungen
im Programm und in den Aufgaben
der amtlichen Statistik
in den letzten 100 Jahren

von

Dr. Dr. h. c. Gerhard Fürst


P r ä s i d e n t des Statistischen Bundesamtes i. R.
Einleitung

Vor 100 Jahren, am 23. Juni 1872, hat der Reichs- ist zweifellos etwas ungenau, denn es gibt zahlreiche
kanzler des neu entstandenen Deutschen Reiches eine andere staatliche Stellen, die ebenfalls »amtliche Sta-
^>Geschäfts-lnstruktion für das Kaiserliche Statistische tistiken« herausgeben, die sich meist auf die Geschäfts-
Amt« erlassen. Das neu ins Leben gerufene Amt hat tätigkeit dieser Behörden beziehen. Dieser Teil der
einen Monat später, am 23. Juli 1872, seine Tätigkeit amtlichen Statistik w i r d nur am Rande erwähnt werden,
aufgenommen. vor allem dann, wenn er zeitweise zur Zuständigkeit
Die runden Gedenktage im Leben der Menschen und des Statistischen Amtes gehört hat.
Institutionen geben immer Anlaß zu Rückblick und
Ausblick. Der Mensch, wenn er ein Alter von 100 Jahren Die vorliegende Abhandlung ist der historischen Ent-
erreicht, kann nur auf ein abgeschlossenes Lebenswerk wicklung des fachlichen Programms der Reichs- und
zurückschauen. Das Leben einer Behörde ist dagegen Bundesstatistik gewidmet. Die enge Verbindung zwi-
von größerer Dauer, auch wenn es, wie die Geschichte schen den Staatsaufgaben und den Aufgaben der amtli-
der letzten 100 Jahre zeigt, an die Existenz des Staates chen Statistiklegtes nahe,dieentscheidenden Einschnitte
gebunden ist, dem die Behörde dient. So ist das alte im Staatsleben auch der zeitlichen Gliederung dieses
Statistische Reichsamt und damit die Reichsstatistik Rückblicks auf die Aufgaben der amtlichen Statistik
im Jahre 1945 untergegangen. Das Statistische Bundes- zugrunde zu legen. Es werden daher die folgenden
amt als Träger der Statistik der Bundesrepublik Perioden unterschieden: von der Gründung bis zum
Deutschland ist formal nicht der Rechtsnachfolger des ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik von 1918
Reichsamtes, aber es hat die gleiche Aufgabe einer bis 1932, das nationalsozialistische Reich von 1933
Statistischen Zentralbehörde im Bundesstaate zu er- bis 1945, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg oder
füllen. nach dem Zusammenbruch, also die Zeit der Bundes-
republik Deutschland.
Diese Identität in der grundsätzlichen Aufgabenstellung
rechtfertigt es, die letzten 100 Jahre der amtlichen
Innerhalb jedes Zeitabschnitts w i r d die Entwicklung
Statistik im Reich und in der Bundesrepublik im Zu-
des statistischen Programms in der gleichen äußeren
sammenhang zu sehen. Diesem Rückblick ist der vor-
Anordnung gebracht, wie sie der Sachgebietseinteilung
liegende Beitrag gewidmet, wobei das Schwergewicht
des heutigen Statistischen Jahrbuchs entspricht. Wer
auf die sich wandelnden Aufgaben und nicht auf die
sich für die Entwicklung auf den einzelnen über
organisatorischen Probleme gelegt wird. In einem
25 Sachgebieten weniger interessiert, kann sich auf
lebendigen Amt ist jedoch anläßlich eines Jubiläums-
die für jeden Zeitabschnitt cjargelegten allgemeinen
tages der Ausblick auf die Aufgaben der Zukunft
Entwicklungslinien und die Zusammenfassungen be-
wichtiger als der Rückblick auf das in der Ver-
schränken. Wessen Interesse jedoch einzelnen Sach-
gangenheit Geleistete. Dieser Ausblick wird an anderer gebieten gehört, kann sich durch die Lektüre der
Stelle gegeben 1 ). gleichen Sachgebiete über die vier unterschiedenen
Die Aufgaben, die die amtliche Statistik eines Staates Zeitperioden hinweg einen Überblick über die Ent-
erfüllen muß, sind eng mit dem Umfang und Inhalt wicklung während der gesamten 100 Jahre verschaffen.
der Staatstätigkeit verbunden. Je mehr sich die Einfluß-
nahme des Staates auf die verschiedensten Gebiete Was die benutzten Quellen anbetrifft, so stützt sich
des staatlichen, wirtschaftlichen, sozialen oder richtiger die Darstellung vor allem auf die Veröffentlichungen
des gesellschaftlichen Lebens erstreckt, desto größer über das Arbeitsgebiet des Statistischen Amtes, die in
wird der Bedarf an statistischen Unterlagen und der den Bänden der Statistik des Deutschen Reiches, Neue
Umfang des Programms der amtlichen Statistik. Ent- Folge, Band 1 (1884), Band 101 (1897) und 201 (1912)
gegen einer weitverbreiteten Meinung, daß die Statisti- nach dem jeweiligen Stande zusammengefaßt sind.
ker sich selbst die Aufgaben stellen und für das Pro- Von da an ist man auf die Veränderungen im
gramm verantwortlich sind, brauchte die amtliche Arbeitsgebiet angewiesen, die jedes Jahr in Heft 1
Statistik in Deutschland stets die rechtsverbindliche der Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen
Anordnung einer Statistik. Bei der Ausarbeitung des Reiches veröffentlicht wurden. Für die Zeit nach dem
Erhebungsprogramms und vor allem bei der Dar- zweiten Weltkrieg wurden die verschiedenen Ver-
stellung der Ergebnisse besaß der Statistiker — wenn öffentlichungen über das Arbeitsgebiet der Bundes-
er sie zu nutzen verstand — jedoch seit jeher größere statistik benutzt (letzte Ausgabe 1971) und die sogenann-
Einflußmöglichkeiten, auch wenn sie nach außen hin ten »Beiratsberichte«, die seit 1957 gedruckt vorliegen
nicht sichtbar wurden. Dieses Problem, wie die Wissen- und in denen das Statistische Bundesamt zur jährlichen
schaftlichkeit der statistischen Arbeit gesichert werden Tagung des Statistischen Beirats über die Arbeiten im
kann, kurz gesagt, inwieweit das Statistische Amt abgelaufenen Jahr berichtet. Als Quelle wurde ferner
»Verwaltungsbehörde« oder »Wissenschaftliches Insti- benutzt »Die Statistik in Deutschland nach dem heutigen
tut« sein soll, tritt im Laufe der letzten 100 Jahre immer Stand« — Ehrengabe für Friedrich Zahn — heraus-
wieder in Erscheinung. gegeben von Friedrich Burgdörfer, 1940, und für die
Wenn hier von »amtlicher Statistik« die Rede ist, so Zeit nach 1949 die Aufsätze in »Wirtschaft und Statistik«
sind damit die Arbeiten des Statistischen Amtes gemeint, über den methodischen Aufbau von Statistiken sowie
das den Gegenstand dieser Untersuchung bildet. Das das vom Verfasser im Auftrage des Bundesbeauftragten
für die Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung erstattete
Gutachten »Überprüfung des Programms der Bundes-
Siehe »Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben der amtlichen
Statistik«, Statistisches Bundesamt, 1972. statistiken« (nicht im Buchhandel). Um den Text nicht

13
durch eine Unzahl von Quellenhinweisen unlesbar zu Die Arbeit jeder Behörde und ihre Qualität wird nicht
machen, wurden die Anmerkungen auf ein Mindestmaß nur von ihren Präsidenten bestimmt, deren Bilder
beschränkt. dieser Abhandlung beigegeben sind, sondern von der
Benutzt wurde auch die »Kleine Chronik des Sta- Intelligenz, den Kenntnissen und dem Arbeitseifer aller
tistischen Bundesamtes«, die das Amt als Festschrift Mitarbeiter auf allen Stufen der Amtshierarchie. Die
anläßlich der Einweihung seines neuen Gebäudes personelle Besetzung der einzelnen Arbeitsgebiete im
im Jahre 1956 herausgegeben hat. Sie w a r für die Laufe der letzten 100 Jahre ist jedoch nur teilweise
Mitarbeiter des Hauses bestimmt und behandelt vor überliefert, und die Qualifikation der Mitarbeiter kann
allem die organisatorischen Veränderungen und die nachträglich schon gar nicht beurteilt werden. Aus
inneramtliche Aufgabenverteilung. Die Schrift ist im diesem Grunde sind — von ganz wenigen Ausnahmen
Buchhandel nicht erhältlich und beim Bundesamt ver- abgesehen — die Namen der jeweils handelnden Per-
griffen. sonen grundsätzlich nicht genannt worden.

14
Erster T e i l

Von der Gründung bis zum ersten Weltkrieg (1872 bis 1918)
I. G r ü n d u n g und a l l g e m e i n e A u f g a b e n s t e l l u n g
Die Errichtung eines »Statistischen Amtes des Deutschen Ob diese dem statistischen Dienst hier unterstellte
Reiches« — wie es in der Vorbereitungszeit genannt Anziehungskraft jemals wirksam geworden ist, w i r d
wurde — ist in der Thronrede bei der Eröffnung des nicht berichtet. W e r jedoch, wie der Verfasser, die
Reichstages am 8. April 1872 in Aussicht gestellt worden. Verhältnisse in der zweiten Hälfte der hier behandelten
Darin hieß es über Zweck und Aufgaben des Amtes 100 Jahre aus persönlicher Anschauung kennt, hat
recht allgemein, »daß das Amt im Stande sein würde, eher ein umgekehrtes Gefälle erlebt. Die »tüchtigen
der Gesetzgebung und Verwaltung sowie der wissen- und strebsamen Kräfte« des statistischen Dienstes
schaftlichen Erkenntnis der staatlichen und gesell- wurden in die Ministerien geholt oder drängten wegen
schaftlichen Zustände durch einheitliche wissenschaft- der besseren Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten
liche Bearbeitung der Ergebnisse statistischer Erhe- dorthin, wobei noch gelegentlich das Statistische Amt
bungen im Reiche wesentliche Dienste zu leisten« 3 ). weniger geeignete Kräfte aus den Ministerien über-
Die bereits erwähnte »Geschäfts-Instruktion für das nehmen mußte.
Kaiserliche Statistische Amt« vom 23. Juni 1872 stellte Bei der Errichtung des Amtes spielte jedenfalls die
dem Amt — ebenfalls in recht allgemeiner Form — Besetzung der drei leitenden Stellen mit wissenschaft-
die folgenden Aufgaben: lich geeigneten Fachkräften eine große Rolle. Dies
»1. das auf Grund von Gesetzen oder auf Anordnung erhellt u. a. aus einer diesbezüglichen Petition im
des Reichskanzlers für die Reichsstatistik zu lie- Reichstage, die auf schlechte Erfahrungen in den
fernde Material zu sammeln, zu prüfen, technisch Statistischen Ämtern einiger Bundesstaaten hinweist.
und wissenschaftlich zu bearbeiten und die Ergeb- Der Verfasser der Petition hat später erklärt, daß die
nisse geeignetenfalls zu veröffentlichen, schließlich vorgenommenen Ernennungen eine Bürg-
2. auf Anordnung des Reichskanzlers statistische schaft für die gesunde Entwicklung und Tätigkeit des
Nachweisungen aufzustellen und über statistische neuen Amtes bieten 5 ).
Fragen gutachtlich zu berichten.« Die Sorge um die fachliche Qualifikation der leitenden
Näheres über die dem Amt zugedachten Aufgaben Kräfte unterstreicht, daß bei den geistigen Vätern des
ergibt sich aus dem Nachtragshaushalt 1872, der das Amtes, als die die Mitglieder einer mit den Vorberei-
Amt mit einem Direktor, zwei Mitgliedern, acht Büro- tungen der Reichsstatistik betrauten Kommission des
beamten und einem Kanzleidiener ausstattete (ins- Bundesrates anzusehen sind, die Vorstellung vom
gesamt 15 960 Thlr). Dazu kamen noch 3000 Thlr wissenschaftlichen Charakter der Aufgaben und von
»zu Remunerationen für besondere Dienstleistungen einem hohen wissenschaftlichen Niveau bei der Be-
und zur Annahme von Hilfsarbeitern«. In einer bei- wältigung dieser Aufgaben im Vordergrund stand 6 ).
gefügten Denkschrift heißt es zu diesem Posten, daß Die Kommission hat sich klar dafür ausgesprochen,
»erfahrungsmäßig den statistischen Behörden aus den daß sich das neue Amt nicht ausschließlich oder vor-
Kreisen des strebsamen Gelehrten- und Beamtentums herrschend auf die Ermittlung und Veröffentlichung
tüchtige Kräfte zur vorübergehenden remuneratori- zuverlässiger Zahlen beschränken und die Verwertung
schen Beschäftigung zuzuströmen pflegen, welche in der und Verarbeitung des gebotenen Stoffes der freien
Teilnahme an den Arbeiten der amtlichen Statistik Wissenschaft oder dem praktischen Gebrauch anheim-
die Gelegenheit suchen, ihre Kenntnisse zu erweitern stellen sollte — dies hatte das Centraibureau des
und fruchtbringende Gesichtspunkte für ihre spätere Zollvereins getan — sondern daß die wissenschaft-
Wirksamkeit, sei es in der Verwaltung, sei es auf dem liche Analyse und Behandlung des statistischen Mate-
Lehrstuhle, sei es im Parlamentarischen Leben zu rials einen wesentlichen und unerläßlichen Teil der
gewinnen . . . « 4 ). Aufgaben bilden sollte.

II. D i e V o r b e r e i t u n g s a r b e i t e n d e r K o m m i s s i o n z u r w e i t e r e n
A u s b i l d u n g d e r S t a t i s t i k des Z o l l v e r e i n s
Da die Statistik des Deutschen Zollvereins als nicht den Pionierzeiten der Statistik bildeten eine wertvolle
ausreichend und methodisch zum Teil als unzulänglich Basis für den Aufbau einer einheitlichen Reichsstatistik.
empfunden wurde, setzte der Bundesrat des Zoll- Die Kommission hat in sehr zahlreichen Sitzungen in
vereins im Jahre 1869 eine Kommission ein, die sich den Jahren 1870 und 1871 ein Programm entwickelt,
hauptsächlich aus verantwortlichen Persönlichkeiten das — ursprünglich für den Zollverein gedacht —
aus den Statistischen Diensten der Zollvereins-Staaten praktisch zur Grundlage der Planung für die Statistik
zusammensetzte. Der amtliche statistische Dienst blickte des neu erstandenen Deutschen Reiches geworden ist.
damals in einigen deutschen Staaten schon auf jahr- Die Protokolle und Vorschläge der Kommission sind
zehntelange Erfahrungen zurück. Diese Kenntnisse
und Erfahrungen der damaligen »Landesämter« aus 4
) Siehe a. a. O. Annalen 1872, S. 1552. — 5 ) Siehe a. a. O. Annalen
1872, S. 1552. — 6 ) Über Gründung und Einrichtung einer Reichs-
3
) Das Statistische Amt des Deutschen Reichs. Annalen des Deutschen behörde für Deutsche Statistik. Annalen des Deutschen Reichs,
Reichs, Jahrgang 1872, S. 1547 bis 1556. Jg. 1872, S. 79 bis 84.

15
uns erhalten geblieben. Sie füllen über 500 große schläge wurde aber vom Bundesrat als der für die
Druckseiten des Bandes I der Statistik des Deutschen Anordnung von Statistiken entscheidenden Instanz im
Reiches. Laufe des Jahres 1872 und in den darauffolgenden
Natürlich ist nicht alles, was die Fachleute in jenen Jahren akzeptiert. Die Vorschläge bildeten jedenfalls
Tagen für wünschenswert oder notwendig hielten, lange Zeit hindurch den wissenschaftlichen Ausgangs-
Wirklichkeit geworden. Ein erheblicher Teil der Vor- punkt für den Aufbau der Reichsstatistik.

I I I . D e r G r u n d s t o c k des statistischen P r o g r a m m s 1872


Im ersten Haushalt des Amtes waren drei Gruppen — die zollpflichtigen Waren bezog, nur Mengenangaben
heute würde man sagen »Abteilungen« — vorgesehen : kannte und statt der Herkunfts- und Bestimmungsländer
der Waren nur die Grenzabschnitte des Warenüber-
1. für Bevölkerungsstatistik, gangs nachwies. Die warenmäßige Gliederung war
2. für Statistik der Landwirtschaft und des Gewerbes, durch den Zolltarif gegeben. Die S t a t i s t i k d e r
3. für Statistik des Verkehrs, der gemeinschaftlichen g e m e i n s c h a f t l i c h e n Z ö l I e u n d S t e u e r n ergab
Einnahmen und der Steuer- und Zollverwaltung. die zu verteilende Finanzmasse. Übernommen wurde
ferner die seit 1860 geführte S t a t i s t i k d e r Berg-
Auf diese Abteilungen wurden die Arbeiten verteilt, w e r k e , Salinen und Hütten.
die das Kaiserliche Statistische Amt von dem früheren
In das Grundprogramm der Bevölkerungsstatistik neu
Centraibureau des Zollvereins übernahm, und die
aufgenommen wurden vor allem die jährliche Statistik
zusätzlichen Aufgaben, die ihm entsprechend den Vor-
der B e v ö l k e r u n g s b e w e g u n g (Eheschließungen,
schlägen der Kommission von Anfang an übertragen
Geburten, Sterbefälle), der ü b e r s e e i s c h e n Aus-
wurden. Das so entstandene, weitgehend durch un-
w a n d e r u n g u n d des E r w e r b s u n d V e r l u s t e s
mittelbare Verwaltungsbedürfnisse bestimmte Pro-
d e r Bundes- und S t a a t s a n g e h ö r i g k e i t .
gramm trug einen recht pragmatischer! Charakter.
Das Centraibureau des Zollvereins w a r im wesent- Die Landwirtschaftsstatistik w a r zunächst nur durch
lichen eine Abrechnungsstelle für die gemeinschaft- eine Statistik der V i e h h a l t u n g vertreten.
lichen Zolleinnahmen, die nach Maßgabe der Be- Größeren Umfang hatte von Anfang an die Verkehrs-
völkerungszahl auf die Mitglieder verteilt wurden. statistik. Sie umfaßte den Verkehr auf den B i n n e n -
Hieraus ergab sich seit den Anfangszeiten des Zoll- w a s s e r s t r a ß e n , den Bestand an Binnenschiffen und
vereins die Notwendigkeit, die Ergebnisse der in den ein beschreibendes Verzeichnis der Wasserstraßen.
einzelnen Bundesstaaten regelmäßig durchzuführen- Zu den Uralt-Statistiken gehört auch der S e e v e r k e h r
den V o l k s z ä h l u n g zusammenzustellen. Die Sta- mit den Nachweisungen des Schiffsbestandes, der an-
t i s t i k des a u s w ä r t i g e n H a n d e l s w a r eine aus- kommenden und abgehenden Schiffe, des Verkehrs
gesprochene Zollstatistik, die sich lange Zeit nur auf zwischen außerdeutschen Häfen und der Schiffsunfälle.

I V . D i e E n t w i c k l u n g des statistischen P r o g r a m m s

A . A l l g e m e i n e Entwicklungstendenzen Arbeitsfeld der amtlichen Statistik erheblich vergrößert.


Einen Maßstab hierfür bietet das ständig beschäftigte
Wenn man von der Sondersituation der Kriegsjahre Personal, das von ursprünglich zwölf Köpfen im Laufe
1914 bis 1918 absieht, so waren die gut 40 Jahre zwi- des hier behandelten Zeitraums auf über 600 Köpfe
schen der Reichsgründung und dem Kriegsausbruch angestiegen ist, zu denen bei den großen Zählungen
durch eine liberale Wirtschaftspolitik gekennzeichnet, noch zahlreiche Zeitangestellte hinzukamen. Wenn
die keine unmittelbaren Eingriffe in den Wirtschafts- man aus späteren Zeiten her gewöhnt ist, das statistische
prozeß kannte und über ein gut funktionierendes Programm daran zu messen, ob es ein Gesamtbild
Währungssystem verfügte. Nach außen hin wurde der Struktur und des Ablaufs des wirtschaftlichen
durch Handelsverträge ein Schutz der heimischen und gesellschaftlichen Lebens zu zeichnen erlaubt,
Wirtschaft, i nsbesondere der Land Wirtschaft, angestrebt. fällt es nicht ganz leicht, die ordnenden Linien in der
Infolge der zunehmenden Industrialisierung gewann recht heterogen wirkenden Ausweitung des statistischen
das Arbeiterproblem und die soziale Frage an Bedeu- Programms in dieser Periode zu erkennen.
tung, so daß der Staat zahlreiche Gesetze zum Schutze Grundsätzlich lassen sich drei Ansatzpunkte für die
und zur Sicherung der Arbeiter erließ und vor allem Entwicklung der Aufgabenstellung unterscheiden:
die Sozialversicherungen einführte (1883 Kranken-,
1884 Unfall-, 1889 Invaliden- und Altersversicherung, 1. Statistiken über Verwaltungsvorgänge, bei denen
1911 Angestelltenversicherung). statistisch verwertbare Unterlagen bei den Be-
hörden anfallen,
Vor diesem Hintergrund muß die Erweiterung des
2. Statistiken zur Vorbereitung oder zur Kontrolle
statistischen Grundprogramms von 10 »Statistiken« auf
gezielter Maßnahmen der Gesetzgebung und Ver-
rd. 60 »Statistiken« gesehen werden. Rechnet man die
waltung,
zahlreichen und teilweise sehr speziellen Sachgebiete
3. Statistiken, die der allgemeinen Beobachtung der
der »Arbeiterstatistik« hinzu, so kommt man auf rd.
Bevölkerung und der Wirtschaft dienen.
100 »Statistiken« bis zum Ende dieser Periode. Außer-
dem hat sich durch mèthodische Verbesserungen und Auch wenn es nicht möglich ist, die verschiedenen
Erweiterungen der einmal eingeführten Statistiken das Statistiken stets eindeutig in die eine oder andere

16
Direktoren des Kaiserlichen Statistischen Amtes

H a n s v o n Scheel
1891—1902

Leopold Wilhelmi
1902—1903

Richard van der Borght


1904—1912

(Porträts nicht überliefert)

Karl Becker
1872—1891

N e u e r Packhof, Berlin Haus Lützowufer 6 - 8 , Berlin


Vorläufiger Dienstsitz des Kaiserlichen Statistischen Amtes von 1872 Dienstgebäude des Kaiserlichen Statistischen Amtes und des Statistischen
bis 1876 Reichsamtes von 1876 bis 1925
dieser Gruppen einzuordnen, sollen diese Gesichts- Civilstande«, für die die über 14jährigen »Männer
punkte bei den folgenden Darstellungen im Auge und Jünglinge« einerseits und die »Weiber und Jung-
behalten werden. Die Statistik von Verwaltungsvor- frauen« andererseits auszugliedern waren. Wie diese
gängen war oft der Ausgangspunkt, von dem aus sich Zahlen methodisch gewonnen wurden, überließ man
ein Programm mit weiter gesteckten Zielen entwickelte. den einzelnen Staaten, die zum Teil Volkszählungen
Die Kommission hat schon damals mit ihren weit- für eigene Zwecke mit einem umfangreicheren Pro-
blickenden Vorschlägen häufig auch die allgemeine, gramm durchführten.
nicht auf besondere Verwaltungszwecke ausgerichtete Auch hier legen die Vorschläge der wiederholt erwähn-
Wirtschaftsbeobachtung angestrebt. ten Kommission7) das zum Teil auch noch heute
Das Statistische Amt hat sich von Anfang an bemüht, gültige Programm der Volkszählungen fest. Die »orts-
zum Teil in eigener Initiative alles erreichbare statisti- anwesende Bevölkerung«, die einfacher und sicherer
sche Material von den Statistischen Ämtern der Bundes- zu erfassen ist, wurde für die gesamte Periode zum
staaten oder von anderen Stellen zu erhalten, zusam- alleinigen Bevölkerungsbegriff, wobei scharfsinnig ar-
menzustellen und zu veröffentlichen. Dabei zeigten sich gumentiert wurde, daß dieser Begriff auch für die
regionale Lücken und Unzulänglichkeiten, zu deren Abrechnungen der gemeinsamen Einnahmen der
Beseitigung es manchmal zu Bundesratsbeschlüssen zweckmäßigste wäre. Zuverlässige Einwohnerzahlen
kam, die die fraglichen Statistiken in methodisch ein- wurden sehr bald auch für die Einteilung der Reichs-
heitlicher Form anordneten. Zu einer besseren »Koor- tagswahlkreise, die Höhe der Matrikularbeiträge und
dinierung« der Statistiken — wie wir heute sagen für eine zunehmende Zahl von Verwaltungsmaß-
würden — führte auch die Vereinheitlichung des Reichs- nahmen gebraucht.
rechts, z. B. auf den Gebieten des Strafrechts, der
Die Zählungen sollten alle 5 Jahre stattfinden, wobei
Rechtspflege und des Patentwesens. In einigen Fällen
mit Blick auf die Zensustermine im Ausland, die mit
wurde das Amt auch mit der statistischen Zusammen-
5 und 0 endenden Jahre gewählt wurden. Dieser
stellung von Berichten bestimmter Behörden über ihre
Turnus wurde von 1875 bis 1910 auch eingehalten.
Geschäftstätigkeit oder mit der statistischen Auswertung
Eine Verlängerung des Abstandes zwischen zwei Zäh-
von Karteien betraut. lungen von 3 auf 5 Jahre sollte den Arbeitsaufwand in
In dieser Rückschau, die es sich zum Ziel gesetzt hat, erträglichem Rahmen halten, vor allem aber erlauben,
die großen Linien im Wandel der Aufgaben der amt- die Zahl der zu erfassenden Merkmale zu vergrößern,
lichen Statistik herauszuarbeiten, ist es nicht möglich, um so die Beschreibung der Bevölkerung zu vervoll-
alle Statistiken im einzelnen in ihrer Entwicklung zu kommnen.
verfolgen. Soweit es sich um Statistiken von Verwal- In der für alle Bundesstaaten verbindlichen Haushalts-
tungsvorfällen handelt, wäre dies auch methodisch liste finden sich bereits die folgenden Merkmale:
nicht sonderlich interessant. Es werden daher nach- Stellung im Haushalt
stehend die zu größeren Sachgebieten gehörenden Geschlecht
Statistiken zusammengefaßt, wobei — wie schon in
Geburtsort
der Einleitung erwähnt — sich die Reihenfolge der
Geburtsjahr
Sachgebiete nach Möglichkeit an die systematische
Familienstand
Ordnung der Statistiken in den heutigen Statistischen
Religionsbekenntnis
Jahrbüchern hält. Es wird hier auch darauf verzichtet,
Staatsangehörigkeit
auf die Entwicklungen während des ersten Weltkrieges
Beruf oder Erwerbszweig
einzugehen, nochzumalsie keine bleibenden Wirkungen
gehabt haben. Die damalige »Bewirtschaftung« hat Wohnort (für die nicht ständig zum Haushalt
mehr als 300 Kriegsbehörden entstehen lassen, die gehörenden Personen).
alle statistisch tätig wurden und dem Statistischen Für diejenigen Bundesstaaten, die fakultativ weitere
Amt Personal abwarben. Diese Entwicklung wurde Merkmale erfassen wollten (oder in ihren Volkszäh-
durch die Tatsache gefördert, daß das Amt während lungen bereits erfaßten), wurde festgelegt, daß die
des Krieges zahlreiche Statistiken kürzen oder einstellen nachstehenden zusätzlichen Fragen nicht überschritten
mußte. werden durften :
Geburtsdatum (an Stelle des Geburtsjahres)
Muttersprache
B. Die Entwicklung auf den einzelnen
Schulbildung (»Kann lesen und schreiben«)
Sachgebieten Besondere Mängel (vorkommendenfalls anzu-
geben: blind, taubstumm, blödsinnig, irr-
1. Volkszählungen sinnig)
Der Zollverein hat alle 3Jahre die für die Abrechnung Art und Grund des Aufenthalts (der nicht stän-
des »Ertrages der in die Gemeinschaft fallenden Ab- dig zum Haushalt gehörenden Personen).
gaben« erforderlichen Einwohnerzahlen festgestellt. Auf die meisten dieser Merkmale, so auf Geburtsort,
Die von den einzelnen Bundesstaaten zu liefernden Geburtsjahr, Religionsbekenntnis, Staatsangehörigkeit,
Nachweisungen beschränkten sich zunächst auf die Muttersprache, Schulbildung und »besondere Mängel«
Kopfzahl der »Abrechnungsbevölkerung« — einen wurde im Hinblick auf Verwaltungsmaßnahmen großer
unserer heutigen »Wohnbevölkerung« ähnlichen Be- Wert gelegt.
griff — bei der die Zollanschluß- und Zollausschluß- Das verbindliche Grundprogramm ist bis zur Volks-
gebiete eine Rolle spielten. Die oberste Unterscheidung zählung 1910 gelegentlich erweitert, aber auch gekürzt
wurde nach dem Zi vii-oder Militärstand vorgenommen. worden. So wurde seit 1875 die Zugehörigkeit zum
Nachgewiesen wurde ferner das Geschlecht und eine 7
) Siehe vor allem Statistik des Deutschen Reichs, Bd. I, S. 67ff und
rudimentäre Altersgliederung der »Einwohner vom S. 419ff.

2 17
Militärdienst erhoben, 1895 einmalig die beschäfti- rung, während die Statistiken der Ausweisung
gungslosen Arbeitnehmer ermittelt und 1900 die Mutter- von A u s l ä n d e r n und des E r w e r b s und Ver-
sprache und die Blinden und Taubstummen in das lustes d e r Reichs- und S t a a t s a n g e h ö r i g k e i t
obligatorische Programm aufgenommen. Ferner wurde als reine Zusammenstellung von Verwaltungsvorgän-
neben dem Hauptberuf die Stellung im Beruf erfragt. gen anzusehen sind.
Im Jahre 1910, bei der letzten »normalen« Zählung —
wenn man die Kriegszählung vom 1. Dezember 1916 3. Gesundheitswesen
außer Betracht läßt — in dieser mit dem ersten Welt-
krieg abschließenden Periode, mußten die folgenden Die Medizinalstatistik begann im Kaiserlichen Sta-
Merkmale im gesamten Reich verbindlich erfragt tistischen Amt mit Nachweisungen für 1876 über das
werden : H i l f s p e r s o n a l , die wissenschaftlichen ä r z t l i c h e n
V e r e i n e , die A p o t h e k e r und ihre Vereine sowie
Stellung im Haushalt über die H e i l a n s t a l t e n . Diese Statistiken gingen
Geschlecht sehr bald auf das 1876 gegründete Kaiserliche Ge-
Familienstand sundheitsamt über, das die amtliche Statistik auf die
Geburtsdatum Zusammenstellung der T o d e s u r s a c h e n (ab 1877)
Hauptberuf (Haupterwerb) und Stellung im ausdehnte, die jedoch zunächst nur Städte mit 15000 Ein-
Hauptberuf wohnern erfaßte. Es folgten Statistiken über die
Ob im aktiven Militärdienst stehend Ärzte und das m e d i z i n i s c h e Hilfspersonal
Religionsbekenntnis (Konfession) und über die a l l g e m e i n e n Κ r α η ke η h ä υ se r (ab
Staatsangehörigkeit 1887).
In Preußen, also im größeren Teil des Reichsgebiets,
wurden außerdem der Geburtsort, die Muttersprache 4. ^U nterrichtswesen
und die Blinden, Taubstummen und Geisteskranken
erfragt. Die Statistik des Unterrichtswesens nach einem reichs-
Vermerkt sei, daß auch die ersten wissenschaftlichen einheitlichen Muster geht auf Vereinbarungen der
Weiterverarbeitungen des erhobenen Materials in Leiter der amtlichen Statistik zurück, die die erforder-
diese Periode fallen, z. B. die Berechnung von Sterbe- lichen Auskünfte von den Schulen in den einzelnen
tafeln, die die Kenntnis des Altersaufbaus zur Voraus- Bundesstaaten auf dem Verwaltungswege beschaffen
setzung haben, sowie über die Beziehungen zwischen konnten. Die erste Erhebung für das Jahr 1901 und auch
Wohn- und Beschäftigungsort, also über die »Pendler« die Wiederholung im Jahre 1906 beschränkte sich auf
(1900). die Zahl der öffentlichen V o l k s s c h u l e n und die
Privatschulen mit Volksschulziel, für die die Lehrkräfte,
Die im Kriege (1. Dezember 1916) angeordnete Volks-
die Schüler und die Gesamtaufwendungen nachzu-
zählung sollte neben den meisten von 1910 übernom-
weisen waren und außerdem der aus Staatsmitteln
menen Fragen vor allem das Militärverhältnis mit den
gedeckte Teil. Das Religionsbekenntnis der Lehrer
Musterungsergebnissen, die Kriegsbeschädigten und
und Schüler nahm in den Tabellen einen breiten
die Kriegs- und Zivilgefangenen erfassen. Praktisch
Raum ein.
dienten jedoch die Volkszählungen der Jahre 1916
und 1917 in erster Linie der Lebensmittelbewirtschaf- Im Jahre 1911 wurden die Erhebungen auf die
tung. M i t t e l s c h u l e n und die h ö h e r e n Schulen ausge-
dehnt. Dabei wurden die wichtigsten Typen der höhe-
2. Bewegung der Bevölkerung ren Schulen unterschieden, für die Knabenschulen
waren es neun, für die Mädchenschulen nur zwei
Die noch auf Beschlüsse des Zollvereins (1870) zurück- Arten von Anstalten.
gehende Statistik der E h e s c h l i e ß e n d e n , G e b u r t e n
Die Ausdehnung der Statistik auf die Hochschulen,
und S t e r b e f ä l l e war ursprünglich eine auf die Re-
die Lehrerbildungsanstalten, die Fachschulen und Fort-
gistrierung der Verwaltungsvorgänge beschränkte Sta-
bildungsschulen wurde für einen späteren Zeitpunkt
tistik, die außer der Zahl nur den Zeitpunkt des Vor-
vorgesehen. Die Zahl der S t u d i e r e n d e n an deut-
falls und bei den Geburten und Sterbefällen das
schen H o c h s c h u l e n konnte jedoch auf Grund der
Geschlecht der Betroffenen nachwies und die unehelich
amtlichen Verzeichnisse der Studierenden für die
Geborenen erfaßte. Das Jahr 1900 hat dann das Pro-
jeweils beiden letzten Semester seit 1909 zusammen-
gramm dieser Statistiken etwa bis auf den heutigen
gestellt werden.
Umfang erweitert, so daß aus einer Zählung von
Verwaltungsvorfällen eine über die Standesämter er-
hobene Statistik geworden ist. Für statistische Zwecke 5. Rechtspflege
wurden bei der Eheschließung nach dem Geburtsjahr Die am 1. Oktober 1879 in Kraft getretene Straf-
der Heiratenden und ihrem bisherigen Familienstand, prozeßordnung für das Deutsche Reich bildete den
der Zahl der früheren Ehen und dem Religionsbekennt- Ausgangspunkt einer S t r a f p r o z e ß s t a t i s t i k , die die
nis gefragt sowie nach den legitimierten Kindern. Geschäftslast bei den Gerichten nachwies, und — ab
Die Geburtenstatistik wurde durch Mehrlingsgeburten, 1882 — einer als K r i m i n a l s t a t i s t i k bezeichneten
Alter der Mutter und die Unterscheidung von Lebend- »Statistik der rechtskräftig erledigten Strafsachen we-
und Totgeborenen ergänzt. Bei den Sterbefällen kam gen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze«.
das Geburtsjahr, der Familienstand und Religionsbe- Die für alle abgeurteilten Personen auszustellenden
kenntnis der Gestorbenen und bei Kindern unter Zählkarten wurden von den Staatsanwaltschaften un-
5 Jahren die Unehelichkeit hinzu. mittelbar dem Kaiserlichen Statistischen Amt übersandt.
Ähnlich liegt es bei den Statistiken der Eheschei- Neben Angaben über die persönlichen Verhältnisse,
d u n g e n , der S e l b s t m o r d e und d e r A u s w a n d e - zu denen auch die Erfassung der Vorstrafen gehörte,

18
wurde die Art der strafbaren Handlungen erfaßt 7. Reichstagswahlen
und in Anlehnung an die strafrechtlichen Bestimmungen Die Ergebnisse der ersten Reichstagswahlen von 1871
nach einem ausführlichen Verzeichnis der Verbrechen und 1874 wurden von den Bundesregierungen dem
und Vergehen gegen Reichsgesetze nachgewiesen. Reichskanzler gemeldet. Das Statistische Amt erhielt
Dieses Verzeichnis ist von 142 Positionen im Anfangs- diese Meldungen zur nachträglichen statistischen Aus-
jahr 1882 ständig angewachsen. Im Jahre 1910 wurden wertung. Bei diesem Verfahren ist es während dieser
bereits 535 Positionen unterschieden. Periode im Prinzip geblieben. Das Statistische Amt
Seit 1901 — nach dem Inkrafttreten der Militärstraf- konnte jedoch einen zunehmenden Einfluß auf die Form
gerichtsordnung am I . O k t o b e r 1900 — wurde die der Meldungen ausüben mit dem Ziel, eine schnellere
Kriminalstatistikfür die Zivilpersonen durch einesolche und für die statistische Auswertung besser geeignete
für das Heer und die Marine ergänzt, deren Bearbei- Berichterstattung zu erzielen. Seit 1898 wurde deshalb
tung jedoch bei den Militärbehörden verblieb. eine doppelte Berichterstattung eingeführt:
Die Reichs-Konkursordnung, die seit dem I . O k t o b e r a) sofort nach der Wahl telegraphisch an das Reichs-
1879 in Kraft war, schuf die Vorbedingung einer ein- amt des Inneren,
heitlichen Kon ku rsstatisti k. Sie wurde von 1881 b) spätestens 10 Tage nach der Wahl ausführliche
bis 1891 mit dem Charakter einer reinen Geschäfts- Übersichten für jeden Wahlbezirk an das Kaiser-
statistik geführt und alle 2 Jahre vom Justizamt ver- liche Statistische Amt.
öffentlicht. Ab 1893 versuchte das Statistische Amt Für die Statistik war es notwendig, die Ergebnisse
auf der Grundlage der Bekanntmachungen im Reichs- der ersten ordentlichen Wahl, die das Stimmenver-
anzeiger eine mehr volkswirtschaftlich ausgerichtete hältnis zutreffend wiedergab, von den endgültigen
Kon ku rsstatisti k für die Jahre 1891 bis 1894 aufzubauen. Ergebnissen einschließlich der damals gegebenenfalls
Auch diese Statistik konnte nichts über die finanziellen erforderlichen Stichwahlen, die die Mandatsverteilung
Ergebnisse der Konkurse bringen. So kam es zu einem bestimmten, zu trennen und auch die Nachwahlen
Beschluß des Bundesrats (November 1894), der es getrennt zu zeigen.
erlaubte, die Konkursstatistik auf ausführliche Zähl- Die ersten Ansätze zu einer soziologischen Auswertung
karten für jedes Konkursverfahren zu basieren. Diese der Wahlergebnisse sind in der Unterscheidung der
Zählkarten einer echten konkursstatistischen Erhebung Wahlberechtigten nach dem Religionsbekenntnis zu
gingen von den Landgerichten unmittelbar an das sehen. Da diese Angaben jedoch unvollständig und
Statistische Amt zur Bearbeitung. unsicher waren, wurden sie ab 1881 durch den
Nachweis der Religionsverhältnisse in den Wahlkreisen
nach den Volkszählungsergebnissen ersetzt.
6. Kriegswesen und Schutzgebiete

Es seien hier zwei Sachgebiete erwähnt, die von 8. Erwerb?tätigkeit (Berufszählungen)


1880 bis 1915 bearbeitet wurden, heute aber aus dem Das Bedürfnis, einen Einblick in die »gewerbliche
statistischen Programm verschwunden sind. Unter Tätigkeit« der Zollgebietsländer zu gewinnen, hat
dem Begriff »Kriegswesen« stellte das Kaiserliche sich schon sehr früh bemerkbar gemacht. Die mit den
Statistische Amt die Ergebnisse des Heeres- Volkszählungen 1848 und 1861 verbundenen Zusam-
Ergänzungsgeschäfts und über die S c h u l b i l d u n g menstellungen waren eine Mischung aus Berufsanga-
der R e k r u t e n zusammen. Diese Statistiken sind vom ben und Angaben über die Betriebe.
Verfahren her insofern interessant, als es sich dabei Ähnlich wurde bei der ersten Volkszählung im
um Berichte — wir würden heute sagen »Geschäfts- Reich (1871) nach dem »Beruf oder Erwerbszweig«
statistiken«— der Kriegsministerien der Bundesstaaten gefragt. Die Angaben reichten nur aus, um sechs
handelt, die ihre Meldungen nach einem vom Sta- »Haupt-Berufs- und Erwerbsklassen« zu unterscheiden.
tistischen Amt vereinheitlichten Formular unmittelbar Für die damalige Zeit war die Gleichsetzung von
an das Statistische Amt zur Zusammenstellung und Beruf und Erwerbszweig verständlich. Die Landwirt-
Veröffentlichung übersandten. Ferner wurden auf schaft umfaßte noch etwa die Hälfte der Erwerbs-
Grund der Haushaltspläne Übersichten über die Etat- personen und auch sonst konnte man bei der noch
stärke des Heeres und der Marine veröffentlicht, zu weitgehend handwerklichen Struktur des Gewerbes
denen noch Angaben über die Kriegsschiffe kamen. davon ausgehen, daß der Tischler zur Tischlerei, die
Der Erwerb von Kolonien führte dazu, daß im Laufe Schlosser zur Schlosserei usw. gehörten, kurz, daß
der Zeit eine wachsende Zahl von statistischen Daten »Beruf« und »Erwerbszweig« identisch waren. Die
für die S c h u t z g e b i e t e anfiel (Gebiet, europäische Entwicklung ging dann auch dahin, daß 1875 eine
Bevölkerung, Haushalt, Außenhandel, Verkehr usw.). erste Zählung der Gewerbebetriebe stattfand und die
Nimmt man die Veröffentlichungen in den Statistischen Berufsstatistik insofern etwas zurücktrat, als die Frage
Jahrbüchern als Maßstab, so finden sich dort in den nach dem Beruf in den Volkszählungen von 1875
Jahren 1894 bis 1900 jeweils etwa 6 Seiten, in den und 1880 nicht bearbeitet wurde.
Jahren 1913 bis 1915 rd. 24 Seiten an Informationen.
Die Aufgaben, denen sich die Gesetzgebung in Zu-
Diese Statistiken fanden mit dem Verlust der Kolonien
sammenhang mit der Einführung der Sozialversiche-
ein Ende.
rungen bald gegenübersah, verlangten jedoch dringend
Die Diskussion über die Rückgabe der deutschen nach einer besseren Berufsstatistik, die mit der Berufs-
Kolonien in der Zeit des Nationalsozialismus spiegelt zählung vom 5. Juni 1882 gewonnen werden sollte.
sich später auch im statistischen Programm wider. Neben Geschlecht, Alter, Familienstand und Religions-
Die Berichte der Mandatsmächte für die ehemaligen bekenntnis wurde der Hauptberuf und der Nebenberuf
deutschen Kolonien wurden ab 1936 bis zum zweiten getrennt erfragt und die Berufsstellung besser zu er-
Weltkrieg statistisch ausgewertet. fassen versucht. Es wurde so eine wesentlich feinere

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Gliederung möglich. Statt der früheren sechs »Berufs- b) nichtleitende Beamte, überhaupt das wissenschaft-
und Erwerbsklassen« wurden 153 Berufsarten unter- lich, technisch oder kaufmännisch gebildete Ver-
schieden, die in 24 Berufsgruppen und zu sechs Berufs- waltungs- und Aufsichts- sowie das Rechnungs-
abteilungen zusammengefaßt wurden. Innerhalb jeder und Bureaupersonal,
Berufsart wurden nach der »Stellung im Beruf« drei bi) technisch gebildete Betriebsbeamte (Betriebs-
Gruppen unterschieden: inspektoren, Ingenieure, Chemiker usw.),
a) Selbständige einschließlich Geschäftsleiter und auch Volontäre,
leitende Beamte, b2) Aufsichtspersonal (Aufseher, Werkmeister,
b) andere (nicht leitende) Beamte, wissenschaftlich, Obersteiger und Steiger usw.),
technisch und kaufmännisch gebildetes Verwal- b3) kaufmännisch gebildetes Verwaltungsperso-
tungs- und Aufsichtspersonal, nal sowie Bureau- und Rechnungspersonal
c) sonstige Gehilfen, Lehrlinge, Fabrik-, Lohn- und (Prokuristen, Disponenten, Justitiare, Buch-
Tagearbeiter einschließlich mithelfende Familien- halter, Korrespondenten, Rechner, Schreiber
angehörige. usw.), auch Volontäre und Lehrlinge,
Im Hinblick auf die in der Vorbereitung befindlichen c) sonstige Gehilfen, Lehrlinge, Fabrik-, Lohn- und
Gesetze zur Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Alters- Tagearbeiter einschließlich der im Gewerbe täti-
versicherung wurde auch der vormalige Beruf der gen Familienangehörigen und Dienenden,
wegen hohen Alters, infolge von Verletzung oder
ci) Familienangehörige, die im Betriebe des Haus-
Krankheit dauernd erwerbsunfähig gewordenen Per-
haltsvorstandes tätig, aber nicht eigentlich
sonen und der Beruf der zuletzt verstorbenen Ehe-
Gewerbegehilfen sind,
männer von Witwen erfragt.
C2) Gesellen, Lehrlinge und sonstige Arbeiter,
Mit der Berufszählung 1882 war eine Erhebung der zu denen in der Regel eine Vorbildung
landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe ver-
erforderlich ist (z. B. Gesteins- und Kohlen-
bunden, und zwar nicht nur organisatorisch, sondern
hauer usw.),
auch sachlich, denn die Angaben aus der Haushaltsliste
C3) andere Hilfspersonen (Handarbeiter, Hand-
der Berufszählung dienten zur Kontrolle der Land-
langer, sonstige Arbeiter für Dienstleistungen,
wirtschafts- und Gewerbebogen, und für kleinste Be-
zu welchen in der Regel eine Vorbildung
triebe wurden die Angaben in der Haushaltsliste
nicht erforderlich ist, sowie Maschinisten,
herangezogen.
Heizer, auch Geschäftskutscher, Fuhrleute,
Die zweite Berufszählung im Jahre 1895 folgte im Auf-
Hausdiener usw.).
bau der Zählung von 1882. Die damals im Hinblick
Ob es möglich war, diese zum Teil recht subtilen
auf die Sozialversicherung gestellten Fragen fielen
Unterscheidungen auf Grund der von der Bevölkerung
fort. Dafür wurden Fragen gestellt, die eine bessere
gewählten Eintragungen in der Spalte »Stellung im
Trennung der Gewerbetreibenden, Hausindustriellen
Beruf« zutreffend vorzunehmen, bleibe dahingestellt.
und Heimarbeiter ermöglichen sollten. Die »Arbeiter,
Auffallend ist die Einbeziehung der Direktoren und
Dienstboten, Gesellen und sonstigen Arbeitnehmer«
Administratoren in die Gruppe der Selbständigen,
wurden gefragt, ob sie arbeitslos seien, seit wann und
offenbar auf Grund der ausgeübten Unternehmer-
ob die Arbeitslosigkeit durch vorübergehende Arbeits-
funktion. Andererseits wurden die mithelfenden Fa-
unfähigkeit verursacht sei. Das systematische Ver-
milienangehörigen, unter denen sich in großer Zahl
zeichnis der Berufe wurde weiterhin verfeinert, es
die Ehefrauen und die »Kronprinzen«-Söhne im väter-
unterschied 199 Berufsarten, zu denen noch acht Posi-
lichen Betrieb befinden, zur Gruppe der Arbeiter
tionen der Abteilung »ohne Beruf und Berufsangabe«
geschlagen. Interessant ist auch, daß die Bezeichnung
kamen.
»Angestellter« überhaupt nicht erscheint und die Bei-
Bemerkenswert ist, wie weitgehend damals die Frage
spiele stets den Bergbau betreffen.
nach der Stellung im Beruf dazu benutzt worden ist,
Die nächste Berufszählung des Jahres 1907 folgt im
Gruppen zu bilden, die wir heute »sozio-ökonomisch«
Prinzip dem Aufbau der Zählungen von 1882 und 1895.
nennen würden. Die Vielfalt der Unterscheidungen ist
Auch sie war mit einer Zählung der landwirtschaft-
deshalb interessant, weil die Entwicklung — vor allem
lichen und gewerblichen Betriebe verbunden. Die
auch in den heutigen Empfehlungen internationaler
Grundfragen in der Haushaltungsliste blieben die
Organisationen — zu einer wesentlich knapperen
gleichen. Die Fragen nach der Arbeitslosigkeit und
Gliederung führt, in der vor allem die Selbständigen
nach den besonderen Formen des Gewerbebetriebes,
einschließlich der mithelfenden Familienangehörigen
die 1895 gestellt worden waren, entfielen. An ihre
der großen Gruppe der abhängig Beschäftigten gegen-
Stelle treten mit der Sozialversicherung in Zusammen-
übergestellt werden, wobei noch die Arbeiter besonders
hang stehende Fragen, so ob Beiträge zur Invaliden-
herausgehoben werden, auch wenn die Unterschei-
versicherung gezahlt werden und ob eine Invaliden-
dungsmerkmale der Angestellten von den Arbeitern
oder eine Unfallrente bezogen wird. Auch die Fragen
immer weniger werden.
nach dem zuletzt ausgeübten Beruf vor Bewilligung
Im Jahre 1895, also in der Zeit vor der Jahrhundert- der Rente und nach dem Beruf des verstorbenen Ehe-
wende, in der das »Standesbewußtsein« eine große mannes (für Witwen) und nach dem Beruf des ver-
Rolle spielte, wurden nach der »Stellung im Beruf« storbenen Vaters (für eheliche Waisen unter 18 Jahren)
die schon 1882 unterschiedenen drei Gruppen (a, b, c) tauchen wieder auf.
weiter unterteilt, so daß sich die folgende Klassifikation
ergab: Die Klassifikation der Berufsarten ist nur an einigen
a) Selbständige, auch leitende Beamte und sonstige Stellen erweitert worden, so daß statt 199 nunmehr
Geschäftsleiter (unter denen die Direktoren und 209 Berufsarten zu unterscheiden waren. Die Gliede-
Administratoren ausdrücklich genannt sind), rung nach der Stellung im Beruf blieb unverändert.

20
Dem Verfasser sei erlaubt, hier eine, wenn auch weisfähiger Erkenntnis der tatsächlichen Zustände
weniger ernsthafte, persönliche Erinnerung an die fußen kann, so ist diese Erkenntnis nur durch eine bei
Berufszählung von 1907 einzufügen, die aus der Zeit den anderen Gewerben weniger notwendige, sehr
stammt, in der er Referent für die Berufszählung 1925 mannigfache Durchdringung der Verhältnisse zu er-
war. Im Rahmen der sehr ausführlichen Darstellung reichen.«
der Zählungsergebnisse von 1907 wurde auch ein Die erste reichseinheitliche V i e h z ä h l u n g fand am
Band der »Berufsbenennungen« herausgegeben. Hier- 10. Januar 1873 statt. Sie enthielt auch Rudimente
für waren alle überhaupt in den Haushaltslisten er- einer Betriebsstatistik, denn es wurde jeder Haushalt
schienenen Benennungen »verzettelt«, die Zettel alpha- befragt, ob vom Haushalt aus Landwirtschaft betrieben
betisch geordnet und ausgezählt worden. Dieses Ver- wird, und es wurde empfohlen, dabei auch die Größe
fahren führte zu dem etwas seltsamen Ergebnis, daß der landwirtschaftlichen Nutzfläche festzustellen. Die
gleichartige Tätigkeiten, für die es aber — vor allem zweite Viehzählung fand erst im Januar 1883, also
auch regional — verschiedene Bezeichnungen gibt, nach 10 Jahren, statt. Dieser 10jährige Turnus der
z.B. Schreiner/Tischler oder Metzger/Schlächter, an »großen« Viehzählungen wurde ab 1892 festgelegt,
verschiedenen Stellen nachgewiesen wurden, wobei wobei wegen der vielen Schlachtungen zur Weih-
nicht nur Schreiner und Tischler, sondern auch zu- nachtszeit der Termin auf den 1. Dezember vorverlegt
sätzlich Möbelschreiner, Stuhltischler usw. als beson- wurde. Beginnend mit dem Jahre 1897 wurden »Zwi-
dere Bezeichnung an anderer Stelle des Alphabets schenzählungen« mit verkleinertem Programm durch-
auftauchten. Es sollen dann — wie die Menschen so geführt, so daß neue Informationen jeweils nach
sind — hochgestellte Personen daran Anstoß genommen 5 Jahren zur Verfügung gestanden hätten. Tatsächlich
haben, daß die Zahl der Prostituierten viel zu gering wurden die Zeiträume verkürzt, denn es wurde bereits
sei — denn soweit dieser älteste Beruf der Welt über- 1900, 1904, 1907 und ab 1912 jährlich gezählt. Dazu
haupt offen angegeben wurde, fanden sich die übrigen kamen im ersten Weltkrieg noch zahlreiche kriegs-
Angehörigen dieses Berufs unter den verschiedensten und ernährungswirtschaftliche Viehzählungen.
Benennungen wie Bordellinsassin, Dirne, Freudenmäd- Vom Verfahren her interessant sind noch zwei kleinere
chen usw. Jedenfalls mußte der mit Zahlen versehene Statistiken: die S c h l a c h t v i e h - u n d F l e i s c h b e s c h a u
Band als irreführend eingezogen und eingestampft und der M a r k t v e r k e h r mit V i e h . Die Meldungen
werden, und es erschien nur ein Verzeichnis der der von den Landesregierungen bestimmten Zentral-
Berufsbenennungen (ohne Zahlenangaben). stellen bzw. der 40 ausgewählten Schlachtviehmärkte
Die Tatsache, daß einer der Bearbeiter der Zählung gingen unmittelbar an das Kaiserliche Statistische Amt
von 1907 sein mit Zahlen versehenes Exemplar vor der zur Bearbeitung.
Vernichtung bewahrt hatte, ermöglichte die behelfs-
Art und Umfang der Boden ben utzu ng , also des
mäßige Umrechnung der Zählungsergebnisse von
gesamten land- und forstwirtschaftlichen Grund und
1907 auf die stark veränderte Systematik der Zählung
Bodens sind erstmals 1878 und dann 1883, 1893, 1900
von 1925. Die Zusammenstellung aller vorkommenden
und 1913 festgestellt worden. Der ab 1893 vorgesehene
Berufsbenennungen erwies sich auch ais außerordent-
10jährige Turnus wurde nicht genau eingehalten, da
lich nützlich für die Aufstellung der systematischen und
wegen der Handelsvertragsverhandlungen die Zäh-
alphabetischen Verzeichnisse, die den Bearbeitern
lung auf das Jahr 1900 vorverlegt wurde. Erst 1913
späterer Berufszählungen für die Signierungsarbeiten
wurde wieder im vorgesehenen Turnus gezählt. In-
an die Hand gegeben werden mußten.
zwischen hatte aber die landwirtschaftliche Betriebs-
In den hier untersuchten Zeitabschnitt fallen auch ab
zählung von 1907 weitere Informationen über die
1904 die ersten Ansätze oder Versuche, ein l a u f e n d e s
Bodenbenutzung gebracht.
Bild der E r w e r b s t ä t i g keit zu gewinnen. Hierzu
müssen die damals zur »Arbeitsstatistik« zählenden Die Kommission hat von Anfang an jährliche Ermitt-
Arbeitsmarktmeldungen, vor allem auch der Verbände, lungen des E r n t e e r t r a g e s vorgesehen, wobei die
gerechnet werden, ferner die Mitgliederbewegung und erforderlichen Daten über die A n b a u f l ä c h e n aus
der Beschäftigungsgrad nach der Krankenkassen- den Bodenbenutzungserhebungen fortgeschätzt wer-
statistik, die verkauften Marken für die Invalidenver- den sollten. Die erste gleichmäßige Ermittlung der
sicherung usw. Ernteerträge fand 1878 statt, für das die Anbauflächen
bekannt waren. In der Folgezeit gingen die Bemühun-
gen dahin, die Schätzungen über die Anbauflächenver-
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei änderungen durch jährliche Anbauerhebungen zu er-
Die Anfänge einer laufenden Statistik der landwirt- setzen, was jedoch erst allmählich und in Etappen ge-
schaftlichen Produktion gehen auf Vorschläge der lang (1892, seit 1899 jährlich, 1904 verbessert). Die
Kommission zur weiteren Ausbildung der Statistik des Saatenstandsberichterstattung und vorläu-
Zollvereins zurück, die sich auf die Bodennutzung, fige E r n t e s c h ä t z u n g e n wurden 1893 eingeführt
die Ernteerträge und die Viehhaltung bezogen. In den und später verbessert.
»Motiven« 8 ) heißt es u.a. : »Erzeugung, Absatz und Kon- Der O b s t b a u sollte nach den Vorstellungen der Kom-
sumtion der landwirtschaftlichen Produkte gehören zu mission in die Anbau- und Erntestatistik einbezogen
den notwendigsten Gegenständen der volkswirtschaft- werden, was aber nicht geschah. Erst im Jahre 1900
lichen Erkenntnis.... Wenn deshalb die Landwirtschaft wurde eine O b s t b a u m z ä h l u n g durchgeführt und
nach der Kraft und Leistungsfähigkeit, die sie für Staat 1913 wiederholt.
und Gemeinwohl entwickelt, mit vollem Recht vor-
Für den H o p f e n b a u und den W e i n b a u , der ur-
sorgliche Förderung ihrer Interessen und Verkehrs-
sprünglich im Rahmen der allgemeinen Anbau- und
bedürfnisse fordert, welche allein auf richtiger, be-
Erntestatistik erfaßt wurde, galten ab 1900 bzw. 1902/
8
) Statistik des Deutschen Reiches, Bd. I, S. 116. 1908 besondere Bestimmungen, die vor allem eine

21
detaillierte Statistik der W e i η m o s t e r n t e nach Menge, 10. Gewerbliche Betriebszählungen,
Wert und Weinarten einführten. Unternehmensstatistik
Der erste Weltkrieg brachte zeitbedingt eine Reihe von Die Vorgänger der Gewerblichen Betriebszählungen
V o r r a t s e r h e b u n g e n , vor allem für Getreide und im Reich waren zwei im Zollverein 1848 und 1861 er-
Mehl, Kartoffeln, Heu und Stroh. stellte Gewerbestatistiken. Sie basierten auf den Fragen
Die l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n B e t r i e b s z d h I υ ng en der Volkszählungen nach dem »Beruf oder Erwerbs-
begannen 1882 in Verbindung mit der Berufszählung zweig« der Personen und brachten nur drei Tabellen.
dieses Jahres. Die auf der vierten Seite der Haushalts- Diese unterschieden die »Handwerker und die vor-
liste abgedruckten Fragen betrafen die Gesamtfläche herrschend für den örtlichen Bedarf beschäftigten Ge-
und ihre Zusammensetzung nach a) Ackerland, Wiesen werbetreibenden und Künstler« von den »Fabriken
usw., b) Holzland und c) sonstige Flächen. Ferner wurde und vorherrschend für den Großhandel beschäftigten
der Viehstand in sechs Positionen und die Maschinen- Gewerbeanstalten« ; die dritte Tabelle faßte zusammen,
verwendung festgestellt. was wir heute Dienstleistungsgewerbe nennen würden.
Auch hier geht die geistige Vorarbeit für die Zählungen
Welche Bedeutung der damalige Reichskanzler Fürst
im Reich auf einen noch heute sehr lesenswerten Be-
Bismarck dieser Zählung beimaß — und auch wieviel
richt der »Kommission« von 1871 zurück 9 ). Unter volks-
Zeit einem Reichskanzler damals noch zur Verfügung
wirtschaftlichen, ja philosophischen Gesichtspunkten
stand — zeigte sich darin, daß er den Aufbereitungs-
wird in eindringlicher, fast poetischer Sprache darge-
plan, der einen umfangreichen handgeschriebenen
legt, was zur Schilderung des Gewerbes in einem Lande
und sauber mit Fäden gehefteten Aktenband füllte,
an Informationen erforderlich wäre. Der Einfluß der
selbst durchgesehen hat. Der Band trug den Vermerk:
natürlichen und geographischen, der politischen und
»Die Randbemerkungen Seiner Durchlaucht sind mit
sozialen Verhältnisse auf die Gewerbestruktur wird be-
einem roten Kreis versehen.« Der Verfasser, der
tont. Industrie sei Kräfteverbrauch. Ein Bild der Arten
diesen Band noch in der Hand gehabt hat, konnte
und der Menge der in der Industrie verwendeten
u. a. feststellen, daß der Reichskanzler die vorgesehene
Naturkräfte und ihrer Ausnutzung sei ein Kulturmaß-
Größenklassengliederung im Bereich der Großbe-
stab. »Die vornehmste, wichtigste und wertvollste,
triebe eigenhändig abgeändert hatte.
indes auch ruhebedürftigste und vergänglichste Kraft
Die mit der Berufs- und Gewerbezählung 1895 ver- ist die des Menschen. . . . Der Menschenverbrauch
bundene Zählung der landwirtschaftlichen Betriebe aber entzieht sich nur zu häufig der exakten Beobach-
erfragte zusätzlich die Besitzverhältnisse an der be- tung an gegebener Stelle und zu gegebener Zeit . . . «
wirtschafteten Gesamtfläche. Die Fragen nach Vieh- Es wird daher für die Erfassung der sozialen Folge-
stand und Maschinenverwendung blieben und wurden erscheinungen plädiert. Die »Gewerbestatistik« darf
durch einige besondere Fragen ergänzt (Rüben zur sich nicht begnügen, lediglich die technische und tausch-
Zuckerfabrikation, Kartoffeln für Brennereizwecke, wirtschaftliche Seite der Produktion zu betrachten,
Milchhandel und Molkerei, Zugehörigkeit zu Molkerei- »sie muß den sozialen und ethischen Wirkungen der-
genossenschaften). selben eine ebenso große Aufmerksamkeit zuwenden«.
Die Zählung von 1907 enthielt zusätzlich Fragen nach Die Kommission ging davon aus, daß dieses weitge-
der Bodenbenutzung und Anbauflächen sowie nach steckte Ziel einer Gewerbestatistik nur durch Mono-
beschäftigten Personen, die nach Betriebsleitern, Fami- graphien für einzelne Industriezweige erreichbar wäre
lienangehörigen und fremden Arbeitskräften gegliedert und daß die allgemeine Gewerbestatistik nur die allen
und in ständige und nichtständige Kräfte unterteilt Gewerben eigentümlichen Merkmale erfassen könne.
waren.
Als solche wurden vorgeschlagen :
Die F o r s t s t a t i s t i k begann 1878 als Teil der land-
»a) der örtliche Sitz
wirtschaftlichen Bodenbenutzungserhebung, mit der
b) Name und etwaige Firma des Inhabers
sie auch 1883, 1893, 1900 und 1913 verbunden blieb.
c) der Gegenstand des Betriebes
1882 war sie Teil der landwirtschaftlichen Betriebs-
d) die Betriebsform
zählung. Das Hauptproblem war die Erfassung aller
e) die Zahl der Geschäftsinhaber (Arbeitgeber),
Forstflächen, auch wenn sie nicht mit landwirtschaft-
unterschieden nach dem Geschlecht
lichen Betrieben verbunden waren. Das gelang bei
f) die Zahl der außer den Betriebsinhabern im Be-
der Betriebszählung von 1907. Ab 1900 wurden zusätz-
triebe tätigen Personen (Arbeitnehmer) nach Ge-
lich zu den Flächen nach dem Besitzstand die Erträge
schlecht und Alter
des letztverflossenen Wirtschaftsjahres, die Betriebs-
und Holzarten und die Altersklassen des Hochwaldes g) die Zahl, Art und, soweit tunlich, auch die Kraft
festgestellt. der Motoren
h) bei Gewerben, für welche gewisse Arbeitsmaschi-
Die S e e f i s c h e r e i s t a t i s t i k besteht seit 1906 als nen und Vorrichtungen charakteristisch sind, deren
Anhang zur Statistik des auswärtigen Handels. Erst Zahl und Art.
von diesem Zeitpunkt an waren alle von deutschen Zu wünschen ist, daß die Aufnahme sich außerdem
Schiffen in der Küsten-, See- und Hochseefischerei ge- erstrecke auf:
fangenen und an Land gebrachten Fische und Seetiere
i) die Summe der jährlich gezahlten Gehalte und
bei den Zollbehörden anzumelden. Alle früheren Aus-
Löhne einschließlich des Geldwertes der Natural-
nahmen fielen fort. Für eine große Zahl von Fisch- leistungen
arten wurden Gewicht, ortsübliche Mengenangaben
k) die zum Besten der Arbeiter getroffenen Ein-
und Wert erfaßt. Die jährlichen Veröffentlichungen
richtungen.«
wurden ab 1909 durch eine ähnlich aufgebaute Boden-
s e e f i s c h e r e i s t a t i s t i k ergänzt. 9
) Abgedruckt in Statistik des Deutschen Reiches, Bd. I, S. 340ff.

22
Ihrer eigenen Forderung, daß eine Gewerbestatistik bewegten Triebwerken oder von Dampfkesseln ge-
die Produktionsfaktoren Natur, Arbeit und Kapital arbeitet wird«. Einmannbetriebe ohne Antriebsmaschi-
beschreiben müsse, glaubt die Kommission Rechnung nen wurden also nicht erfaßt. Die Gewerbesystematik
getragen zu haben. Der Einfluß der Natur soll durch wurde auf rd. 250 Positionen erweitert.
Nachweise der Gewerbe für nicht allzu große »Räume« Die wiederum mit der Volkszählung verbundene
— wie wir heute sagen würden — deren natürliche G e w e r b l i c h e B e t r i e b s z ä h l u n g 1895 blieb im
Gegebenheiten bekannt sind, nachgewiesen werden, Rahmen ihrer Vorgänger, nahm aber die Frage nach
vor allem durch die innerhalb dieser Bezirke vorhan- den Arbeitsmaschinen wieder auf und verlangte eine
denen bzw. benutzten Kraftquellen. Der Produktions- Unterteilung der tatsächlich Beschäftigten nach der
faktor Arbeit soll durch die Angaben über Arbeitgeber Art der Tätigkeit, wobei in den Musterbeispielen Berufs-
und Arbeitnehmer gekennzeichnet werden. Hinsicht- bezeichnungen vorgegeben wurden. Die Gewerbe-
lich des Produktionsfaktors Kapital begnügt sich die systematik wurde auf 220 Positionen reduziert.
Kommission mit dem Rückschluß, welchen die Zahl Die G e w e r b l i c h e B e t r i e b s z ä h l u n g 1 9 0 7 , die
der vorhandenen Arbeits- und Kraftmaschinen und letzte hier bis zum Ende des ersten Weltkrieges,
Arbeitsvorrichtungen hierauf gestattet. wiederholte das Programm der vorhergehenden Zäh-
Maßgebend für die Vorschläge war auch die Erkennt- lung von 1895, erweiterte jedoch die Gewerbesyste-
nis, daß die Arbeitgeber sich zu Angaben über die matik auf fast 400 Positionen.
Produktion nur sehr ausnahmsweise und auch dann Ein gewisser Überblick über die Entwicklung der Zahl
nur ungern verstehen würden, andererseits aber keine der Gewerbebetriebe und der in ihnen beschäftigten
Bedenken hätten, die Zahl der Arbeitnehmer und die Arbeiter konnte mit Hilfe der J a h r e s b e r i c h t e der
Lohnsumme anzugeben. Für die Erfassung der Lohn- G e w e r b e a u f s i c h t s b e a m t e n und Bergbehörden ge-
summe wird ferner geltend gemacht, daß sie die Be- wonnen werden. Die statistisch-tabellarische Bearbei-
träge, die dem Nationalvermögen durch Lohnarbeit tung dieser Berichte lag seit 1905 beim Kaiserlichen
zufließen, wiedergäbe und daß die Lohnsumme die Statistischen Amt, das schon seit 1892 bzw. 1896 Aus-
gewerbliche Leistung ohne Doppelzählungen messe, züge aus den Tabellen veröffentlicht hatte. Ein Mangel
was bei einer Erfassung der Produktion — gedacht dieser Statistik lag darin, daß sie sich nur auf die der
war wohl immer nur an die Bruttoproduktion — nicht Gewerbeaufsicht unterliegenden Betriebe erstreckte
der Fall sei. und dieser Kreis sich vielfach änderte. Ab 1910 waren
Die Kommission hat ihren Vorschlägen eine alpha- es die Betriebe mit mindestens 10 Arbeitern. Die
betische Liste von über 1 000 Gewerbebenennungen Statistik sollte zeigen, wieviel Betriebe vorhanden und
beigegeben und diese zu einer Gewerbe-Systematik wieviele davon im Laufe des Jahres besichtigt worden
verarbeitet, die 17 Gruppen, 77 Klassen und 445 Ord- waren. Der Statistik ging daher — zu Recht oder zu
nungen unterscheidet. Für 22 Positionen, die alle zum Unrecht — der Ruf nach, daß die Zahlenangaben, die
Bereich des Bergbaus, der Hüttenwerke, der Eisen- und eine Gliederung der Arbeiter nach Geschlecht und Alter
Stahlerzeugung und der Salinen gehören, wurden enthielten, für die im Laufe des Jahres nicht besichtigten
eingehendere Erhebungen vorgesehen. Betriebe sehr unzuverlässig waren.
Die Vorschläge der Kommission sind vergleichsweise Eine Statistik d e r E r w e r b s - und W i r t s c h a f t s -
ausführlich geschildert worden, weil sie zumindest g e s e l l s c h a f t e n , soweit sie als juristische Personen
die Betriebszählungen der ersten Hälfte der hier unter- in die Handelsregister eingetragen waren, begann
suchten 100 Jahre entscheidend beeinflußt und auch 1906 mit einer erstmaligen Bestandsaufnahme der
darüber hinaus noch gewirkt haben. Sie zeigen außer- deutschen Aktien-Gesellschaften. Es wurde eine Kartei
dem, mit wieviel Sachverstand und intellektueller Mühe entwickelt, die 1909 durch eine Erhebung bei den
definiert worden ist, was in der Gewerbestatistik ge- Amtsgerichten vervollständigt wurde und eine Fort-
messen werden sollte, auch wenn man sich schließlich schreibung des Bestandes und der Kapitaländerungen
auf Elemente der Aufwandsseite beschränkte und das für AG und GmbH erlaubten. Auch die Geschäftser-
Produktionsergebnis noch nicht allgemein zu erfragen gebnisse der Aktiengesellschaften wurden auf Grund
wagte. der veröffentlichten Bilanzen und Gewinn- und Verlust-
rechnungen seit 1909 auf ein einheitliches Muster ge-
Die erste » G e w e r b e s t a t i s t i s c h e A u f n a h m e « fand
bracht und statistisch zusammengestellt.
am 1. D e z e m b e r 1875 zusammen mit der Volks-
zählung statt. Alle in der obigen Liste unter a) bis h)
genannten Merkmale wurden erfragt, wobei man sich 11. Industrie und H a n d w e r k
auf die Gewerbetreibenden mit mehr als fünf Gehilfen Abgesehen von den im Rahmen der Gewerblichen
beschränkte. Die in den einzelnen Gewerbezweigen zu Betriebszählungen in größeren Zeitabständen anfallen-
erfassenden Maschinen usw. waren auf dem Frage- den Daten über die Struktur des produzierenden Ge-
bogen vorgegeben. Für die kleineren Betriebe begnügte werbes gab es bis zum ersten Weltkrieg keine den ge-
man sich mit wenigen, auf der Haushaltsliste zu samten Bereich umfassenden Statistiken. Als erster
machenden Angaben. Die Gewerbesystematik war Anfang einer allgemeinen B e s c h ä f t i g t e n s t a t i s t i k
mit rd. 200 Positionen weit weniger detailliert als der in d e r I n d u s t r i e kann jedoch die 1903 eingeführte
Vorschlag der Kommission (rd. 450 Positionen). m o n a t l i c h e B e r i c h t e r s t a t t u n g ü b e r den Ar-
Die B e t r i e b s z ä h l u n g vom 5. Juni 1882 schloß b e i t s m a r k t (fürdas Reichsarbeitsblatt) angesehen wer-
sich eng an das Muster von 1875 an. Die Frage nach den. Hierdurch sollten von rd. 700 Firmen, Wirtschafts-
den Arbeitsmaschinen [h) der obigen Liste] wurde verbänden, Handelskammern usw. Unterlagen für
nicht wieder gestellt. Diesmal wurden alle Betriebe Situationsberichte gewonnen werden. Es wurde haupt-
einbezogen, »in welchen mit Mitinhabern oder Ge- sächlich nach der Besserung oder Verschlechterung
hilfen oder mit Benutzung von durch elementare Kraft der Verhältnisse und ihrer Ursachen gefragt. Zahlen

23
brachte nur die Frage nach den beschäftigten Arbeitern. Das letzte Kriegsjahr brachte im Mai 1918 die erste
Aus diesen Berichten ist später die heutige »Industrie- W o h n u n g s z ä h l u n g in allen Gemeinden des Reiches
berichterstattung« hervorgegangen. mit über 5 000 Einwohnern. In den Industriebezirken
Eingehende P r o d u k t i o n s s t a t i s t i k e n wurden für konnten auch kleinere Wohngemeinden einbezogen
ausgewählte Industriezweige eingeführt, wobei für werden. Neben der Z a h l und G r ö ß e der be-
die Auswahl meist ausschlaggebend war, ob sich die w o h n t e n und l e e r s t e h e n d e n W o h n u n g e n wurde
fraglichen Industriezweige durch die Zolltarifpolitik der voraussichtliche mit dem Kriegsende auftretende
besonders gefährdet fühlten oder ob im Zuge der W o h η υ ηgs bed a rf zu ermitteln versucht. Hierzu
technischen Entwicklung besondere wirtschaftliche und wurde festgestellt, ob außer der Ehefrau oder der den
soziale Probleme auftraten. Neue Handelsvertragsver- Haushalt führenden Frau andere verheiratete oder
handlungen weckten immer wieder das Bedürfnis verwitwete Frauen anwesend waren, die nach dem
nach Informationen über die heimische Produktion. Kriege mit ihrem Ehemann oder ihren Kindern oder
Die jährliche Erzeugung der Bergwerke, Salinen und allein eine besondere Wohnung beziehen würden.
Hütten geht schon auf das Jahr 1860, also auf den In diesen Fällen wurde auch der letzte Wohnort des
Zollverein zurück. Die Bestimmungen mußten vielfach Ehemanns erfragt.
geändert werden, um sie der Entwicklung der Technik
anzupassen. 13. Binnenhandel
Schon im Jahre 1878 gab es Enqueten über die Tabak-,
Der Binnenhandel wurde im hier untersuchten Zeit-
Baumwolle- und Leinenindustrie, an denen das Amt
abschnitt noch nicht zum Gegenstand besonderer
wesentlich beteiligt war. Das Jahr 1895 brachte Er-
Statistiken. Dies bedeutet jedoch nicht, daß keinerlei
hebungen über Verhältnisse im Handwerk.
Informationen für diesen Bereich vorhanden waren.
Ab 1912 übernahm das Kaiserliche Statistische Amt
Die gewerblichen Betriebszählungen zeigten die Zahl
alle bisher zum Teil vom Reichsamt des Inneren ge-
der Betriebe und der Beschäftigten in den verschiedenen
führten Produktionsstatistiken. Die Betriebe wurden
Zweigen des Groß- und Einzelhandels, und auch die
unmittelbar mit Fragebogen befragt, die auf die Ver-
Ergebnisse der Berufszählungen konnten herangezogen
hältnisse des betreffenden Industriezweiges abgestellt
werden.
waren und mit den Interessenten verhandelt wurden.
Sie enthielten die wesentlichen Elemente der Aufwands-
seite und die Produktionsergebnisse. Die Erhebungen 14. Außenhandel
fanden in den einzelnen Zweigen zu wechselnden Ter- Die Anfänge der Außenhardelssta.tsNk gehen auf den
minen statt. Sie wurden zentral im Statistischen Amt auf- Zollverein zurück. Dieser war für seine Zwecke jedoch
bereitet. Eine Zusammenfassung war nicht beabsichtigt zunächst nur an den finanziellen Ergebnissen, also den
und auch nicht möglich. Untersucht wurden : Zolleingängen und an den Wirkungen der verein-
barten Zollgesetzgebung interessiert. Die für diese
23 Betriebszweige der Montan-, Hütten- und
zweite Aufgabe von jedem Mitgliedsstaat aufzustellen-
Eisenverarbeitungsindustrie
den »Kommerzialnachweisungen« sind bis 1842 nicht
23 Betriebszweige der Textilindustrie
einmal zusammengefaßt worden. Die Hauptmängel
5 Betriebszweige der Chemischen Industrie
dieser ausgesprochenen Zollstatistik lagen darin, daß
4 Betriebszweige der Stärkeindustrie
sie sich nur auf die einem Zoll unterworfenen Waren
die Kartoffeltrocknungsindustrie
bezog, daß nur Mengen erfaßt wurden und daß Nach-
die Kraftfahrzeugindustrie
weise der Herkunfts- und Bestimmungsländer fehlten.
die Bereifungs-, Ballonstoff- und
Der Nachweis der Grenzstrecken für den Warenein-
Flugzeugindustrie
tritt und -austritt war hierfür ein nur sehr unvoll-
die Zementindustrie
kommener Ersatz.
die Lederindustrie
Da man klar erkannt hatte, daß eine solche Statistik
Außerdem entwickelten sich im Zusammenhang mit als Grundlage für die innere und äußere Wirtschafts-
der wachsenden Zahl von Verbrauchsteuern jährliche politik unbrauchbar war, hat man seit der Reichs-
Angaben über die Erzeugung von Branntwein, Bier, gründung beharrlich, wenn auch schrittweise, an der
Tabak, Salz, Zucker, Essigsäure, Schaumwein, Leucht- Beseitigung der Mängel gearbeitet. Auch hier hat die
mittel, Zündwaren und Spielkarten. schon wiederholt erwähnte »Kommission« mit ihren
Die Statistik der D a m p f k e s s e l , D a m p f m a s c h i n e n umfangreichen Vorschlägen 10 ), die fast ohne Änderung
und D a m p f k e s s e l - E x p l o s i o n e n geht auf die Jahre 1872 in Kraft gesetzt wurden, wichtige Grundlagen
1877 und 1879 zurück. Die Bestandsstatistik beruhte gelegt. Die weiteren Etappen sind durch die Gesetze
auf einer vom Statistischen Amt ausgezählten Kartei, gekennzeichnet, die 1880 und 1906 in Kraft traten.
die für die Prüfungen durch die Revisionsstellen und Dazu kommen noch zahlreiche ergänzende Bundes-
Dampfkesselüberwachungsvereine aufzustellen war. ratsbeschlüsse.
Um eine für die Darstellung der wirtschaftlichen Lei-
12. B a u t ä t i g k e i t und Wohnungen stungen des Reichs verwendbare Statistik zu erhalten,
die die Bedeutung des Reiches als Handelspartner er-
Die ersten Versuche, die Bautätigkeit und den Woh-
kennen ließ, mußten die Nachweise zunächst auf alle
nungsmarkt statistisch zu durchleuchten, gehen auf
Waren, ohne Rücksicht auf die Zollpflicht, ausgedehnt
das Jahr 1902 zurück. Damals regte das Statistische
werden. Das wurde durch die Anmeldepflicht aller
Amt bei den Städtestatistikern Veränderungsnach-
Waren, die die Zollgrenze überschritten, ab 1880
weise über die Wohnungen und einen Nachweis über
erreicht. In dem so nachgewiesenen »Spezialhandel«
leerstehende Wohnungen an. Die Statistik blieb aber
auf einzelne Städte beschränkt. 10
) Siehe Statistik des Deutschen Reiches. Bd. I, S. 125ff.

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fehlten aber die in die Zollausschlüsse des Reichsge- so daß zu der sehr viel feineren Gliederung nach
bietes eingebrachten und von dort wieder ausgeführten Waren auch eine feinere Gliederung nach Ländern
Waren. Um den »Gesamteigenhandel« des Reiches kam.
nachweisen zu können, mußte dieser Lager- und Zoll- Die Statistik der Zollerträge ist als Teil der Außen-
ausschlußverkehr einbezogen werden, was verwal- handelsstatistik seit der Zollvereinszeit bis auf den
tungstechnisch recht schwierig war (ab 1906). heutigen Tag weitergeführt worden.
Auch der Weg von der reinen Mengenstatistik zur Die Außenhandelsstatistik für die deutschen Schutzge-
Berücksichtigung der Werte war lang und mühselig. biete wurde im Kaiserlichen Statistischen Amt seit 1890
Er begann damit, daß 1872 das Reingewicht als ein-
bis zum ersten Weltkrieg erstellt.
heitlicher Mengenmaßstab eingeführt wurde. Wertan-
gaben wurden nur für einige Einfuhrpositionen und
in zunehmendem Maße für die Ausfuhr erhoben. Die 15. V e r k e h r
Ausdehnung der Wertanmeldung auf die gesamte Auch die dem Statistischen Amte von Anfang an zuge-
Ausfuhr und auf einige weitere Einfuhrpositionen wurde wiesene Verkehrsstatistik geht auf die Berichte der viel-
erst 1911 beschlossen, nachdem — wie es damals fach erwähnten »Kommission« zurück, die der Schiff-
hieß — die Bedenken gegen solche Wertangaben aus fahrtsstatistik als Teil der Gewerbestatistik und als
den Kreisen von Handel und Industrie fast vollständig Teil der Verkehrsstatistik eine große Bedeutung zumaß.
geschwunden waren. Es sei daran erinnert, daß im Zeitabschnitt 1872 bis
Um wenigstens auf dem Wege der Schätzung Werte zum ersten Weltkrieg die deutsche Handelsflotte aufge-
für den Außenhandel zu gewinnen, wurde schon 1880 baut worden ist. Die Vorschläge der Kommission 11 )
eine beuchtlich große Kommission von 170 Sachver- sind mit wenigen Abänderungen 1872 bzw. 1873 in
ständigen eingesetzt, die alljährlich auf Grund der Kraft gesetzt worden.
Mengen die Werte schätzte. Seit der Einführung der In der S e e s c h i f f a h r t wurde die Bestandsstatistik der
Wertanmeldung für die gesamte Ausfuhr erstreckte Deutschen Seeschiffe (Bestand und Bestandsverände-
sich die Schätzung nur noch auf die Einfuhrwerte. Um rungen, Verunglückungen) von der Statistik der Schiff-
diese Schätzungsarbeit zu erleichtern, wurde das fahrtbewegung unterschieden. Diese wies vor allem
Statistische Warenverzeichnis ständig verfeinert, um den Seeverkehr in den deutschen Hafenplätzen nach,
nicht allzu heterogene Waren in einer Position zu also die ankommenden und abgehenden Schiffe, deren
haben. Flagge, Art (Segel- oder Dampfschiff) und Tragfähig-
keit, ob mit Ladung oder leer, ferner die Zahl der Be-
Ein besonderes Statistisches Warenverzeichnis — neben
satzungsmitglieder und die Herkunfts- bzw. Bestim-
dem Zolltarif — ist schon 1872 nach den Vorschlägen
mungshäfen. Ergänzend wurden die Reisen deutscher
der damaligen »Kommission« eingeführt worden mit
Seeschiffe zwischen außerdeutschen Hafenplätzen
dem Ziel, die wirtschaftspolitische Beurteilung der
nachgewiesen.
Handelsergebnisse zu erleichtern und, wenn auch nur
im beschränkten Maße, internationale Vergleiche zu Die ursprünglichen Bestimmungen sind in der Folge-
ermöglichen. Dieses ursprüngliche Verzeichnis von zeit einige Male präzisiert worden. Bis auf den erst
457 Positionen für die Einfuhr und 403 für die Ausfuhr 1925 eingeführten Nachweis des Güterverkehrs über
war 1888 auf 933 und 1900 auf 1152 Nummern ange- See enthält also bereits die 1873 eingeführte Statistik
wachsen. Zu dem ausdrücklichen Zweck, die Schätzung alle Sachverhalte, die bis auf den heutigen Tag nachge-
der Werte zu verbessern, wurden zahlreiche weitere wiesen werden.
Positionen zerlegt, so daß man 1906 bei 2 030 Einfuhr- In der B i n n e n s c h i f f a h r t wurden erstmals für 1872
positionen und 1 879 Ausfuhrpositionen angelangt war. und dann in 5jährigem Turnus Nachweise über die
Mit der obligatorischen Wertanmeldung — siehe deutschen Wasserstraßen selbst und über den Bestand
oben — wurde die Zahl der Positionen ab 1912 auf an Flußschiffen angeordnet. Dazu kamen jährliche
1 875 Einfuhrpositionen und 1 639 Ausfuhrpositionen Statistiken des Verkehrs der Fahrzeuge. Nachzuweisen
reduziert. waren Gattung, Heimatstaat, Tragfähigkeit, Herkunfts-
ort, ob beladen und auch die beförderten Güter (aus-
Für die Handelsvertragsverhandlungen waren Nach-
bzw. eingeladene Güter nach Gattung und Gewicht).
weise des Außenhandels nach Herkunfts- und Bestim-
Das erste Güterverzeichnis für die Binnenschiffahrts-
mungsländern von größter Wichtigkeit. Die entspre-
statistik ist eine Arbeit der »Kommission«, ebenso wie
chenden Angaben wurden seit 1880 erhoben. Auch
das beschreibende Verzeichnis der Wasserstraßen und
hier bereiteten die Zollausschlüsse große Schwierig-
das Verzeichnis der Wasserstände auf ihre Vorschläge
keiten. Im Durchschnitt der Jahre 1880 bis 1888 wurden
zurückgeht. Auch hier gilt, daß viele wesentliche Be-
bei der Einfuhr 17%, bei der Ausfuhr 23% als Anteil
standteile der heutigen Binnenschiffahrtsstatistik schon
der Zollausschlüsse nachgewiesen, da die eigentlichen
auf das Jahr 1872 zurückgehen. Die Vorschriften wur-
Herkunfts- und Bestimmungsländer nicht zu ermitteln
den im Jahre 1907 der technischen Entwicklung ange-
waren. Dieser Mangel wurde 1889 beseitigt. Die An-
paßt.
gaben bezogen sich auf die »Einkaufs- und Verkaufs-
länder«, erst ab 1906 wurde auf die »Herstellungs- Die Statistik der Güterbewegung auf den Eisen-
und Verbrauchsländer« umgestellt. Von da ab erschien b a h n e n wurde in Preußen eingeführt. Nachdem sich
z. B. Portugal als Herkunftsland des Portweins, wäh- über 70 deutsche Eisenbahnen bereit erklärt hatten,
rend vorher das Einkaufsland England nachgewiesen Statistiken nach einheitlichen Grundsätzen zu liefern,
worden war. Was dieser Wechsel für die Handelsver- übernahm ab 1909 das Kaiserliche Statistische Amt
tragsverhandlungen bedeutete, liegt auf der Hand. die umfangreichen Zusammenstellungs- und Veröffent-
lichungsarbeiten. Nachgewiesen wurden die Güter-
Die Zahl der nachzuweisenden Länder hat sich von
38 im Jahre 1880 schon bis 1905 auf 96 Länder erhöht, 1I
) Siehe Statistik des Deutschen Reiches, Bd. I, S. 229ff und 288ff.

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mengen nach einem 76 Positionen umfassenden Güter- der Unterstützungsbedürftigkeit. Bei Tod und Krank-
verzeichnis und nach 41 inländischen und 17 aus- heit wurde zusätzlich unterschieden, ob sie auf einen
ländischen Verkehrsbezirken. Unfall zurückgingen. Die Ausgaben, die Erstattungen
Die Hauptergebnisse der Eisenbahnbetriebsstatistik zwischen den Armenverbänden und die Armen-Straf-
sowie des Post-, Telegraphen- und Ferpsprechwesens sachen wurden ebenfalls festgestellt.
wurden den von den Eisenbahn- und Postbehörden Im Jahre 1896 wurden Erhebungen über die Ein-
herausgegebenen Statistiken entnommen, zusammen- w i r k u n g d e r A r b e i t e r v e r s i c h e r u n g auf die
gefaßt und in den Jahrbüchern veröffentlicht. A r m e n p f l e g e durchgeführt. Für den 10jährigen Zeit-
Die K r a f t f a h r z e u g e hielten im Jahr 1907 ihren Ein- raum von 1884 bis 1893 waren die Gesamtzahl der
zug in die Statistik. Am Beginn standen die Κ r a f t - jährlich unterstützten und die aufgewendeten Beträge
Verkehrsunfälle oder wie es damals hieß: nachzuweisen. Das Schwergewicht lag jedoch bei dem
»Statistik über schädigende Ereignisse beim Betriebe verbal zu beantwortenden Teil dieser Erhebung, der
mit Kraftfahrzeugen«. Jeweils zum I.Januar — also nach Entlastungen durch die Versicherungen fragte.
einmal jährlich — wurde ab 1907 der Bestand an Im Jahre 1885 begann die durch das Gesetz über die
Kraftfahrzeugenfestgestellt. Außerdem wurden ein- Krankenversicherung angeordnete und seitdem jähr-
mal im Jahr, aber nach Monaten unterteilt, die Grenz- lich bearbeitete Krankenversicherungsstati-
s t i k , die — wie es damals hieß — ein größeres Büro
übertritte a u ß e r d e u t s c h e r K r a f t f a h r z e u g e nach-
innerhalb des Amtes beanspruchte. Die einzelnen Orts-
gewiesen.
und Betriebskrankenkassen usw. sandten ihre Meldun-
gen unmittelbar an das Statistische Amt. Die Zusammen-
16. Geld und Kredit stellungen bringen die Mitgliederzahlen, Erkrankun-
Das Kaiserliche Statistische Amt hat sich seit dem gen, Krankheitstage, Todesfälle, Einnahmen und Aus-
Erscheinen des ersten Jahrbuchs 1880 bemüht, Angaben gaben, die nach 13 bzw. 15 Positionen zu untergliedern
zum Geld- und Kreditwesen aus den verfügbaren Ver- waren. Die Vorschriften sind im Laufe der Jahre vielfach
öffentlichungen zusammenzustellen. Sie erstreckten ergänzt und neuen gesetzlichen Regelungen angepaßt
sich auf die Münzausprägung, die Tätigkeit der Noten- worden. Interessant ist, daß die Statistik zu der Anord-
banken, den Privatdiskont, die Wechselkurse und die nung von einheitlichen Regeln für die Buchführung
Durchschnittskurse der Reichsanleihen. der Kassen führte.
Dazu trat ab 1900 die S p a r k a s s e n s t a t i s t i k , die vor Die Statistiken der Unfall- und der Invalidenver-
allem über Zahl der Kassen und Konten, die Gesamt- sicherung wurden nicht vom Statistischen Amt, sondern
guthaben der Einleger und die Veränderungen durch vom Reichsversicherungsamt bearbeitet.
neue Einlagen, Zinsgutschriften und Abhebungen unter-
richtete.
19. Arbeiterstatistik
Die Z u l a s s u n g von W e r t p a p i e r e n an deutschen
Börsen (ab 1897), eine Statistik der H y p o t h e k e n - Im Zusammenhang mit der zunehmenden Industriali-
a k t i e n b a n k e n (ab 1904) und Statistiken der Schuld- sierung und ihren gesellschaftlichen Folgewirkungen
v e r s c h r e i b u n g e n der Aktiengesellschaften und son- ergab sich ein großer Bedarf nach Untersuchungen
stigen privatrechtlichen Schuldner einerseits und der über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse
Bodenkreditinstitute andererseits vervollständigten das und die Lage der Arbeiterschaft in bestimmten Ge-
Programm. Für die Statistiken der Schuldverschrei- werbezweigen. Außer der Berufszählung von 1882,
bungen (ab 1910) hatten die Aussteller besondere Zähl- die eine umfassende Untersuchung zu diesem Thema
karten unmittelbar an das Kaiserliche Statistische Amt darstellte, sind zur Vorbereitung von Reichsgesetzen
einzusenden. Erhebungen veranstaltet worden, z. B. 1876 über die
Verhältnisse der Lehrlinge, Gesellen und Fabrikarbei-
ter, 1877 über Frauen- und Kinderarbeit in Fabriken,
17. Versicherungen (ohne Sozialversicherung)
1878 über die Tabak-, Eisen-, Baumwoll- und Leinen-
Bis zur Errichtung des Kaiserlichen Aufsichtsamtes industrie, 1885 über die Sonntagsarbeit u. a. m.
für Privatversicherungen im Jahre 1901, das von da ab Für diese Erhebungen, die wir heute wohl als »En-
alle statistischen Arbeiten über die ihm unterstellten queten« bezeichnen würden, mit denen aber auch viel
Versicherungen übernahm, hat das Statistische Amt Zahlenmaterial gewonnen wurde, ist 1892 die Kom-
ab 1896 die Statistik der Lebensversicherungsgesell- mission für A r b e i t e r s t a t i s t i k errichtet worden,
schaften und der Privat-Feuerversicherungsgesellschaf- und zwar nach § 1 des Regulativs: »Zur Mitwirkung bei
ten bearbeitet. Die Grundlage bildeten die Bilanzen den statistischen Erhebungen, welche bei der Vorberei-
und Geschäftsberichte dieser Versicherungen. tung und Ausführung der die Verhältnisse der ge-
werblichen Arbeiter (Titel VII der Gewerbeordnung)
betreffenden Gesetzgebung notwendig werden . . . « .
18. Sozialversicherung und
Der Vorsitzende wurde vom Reichskanzler ernannt,
öffentliche Sozialleistungen
sechs Mitglieder wurden vom Bundesrat, sieben vom
Im Jahre 1881 — also vor der Sozialversicherungsge- Reichstag gewählt, dazu kam ein Beamter des Stati-
setzgebung und zu ihrer Vorbereitung — wurde ver- stischen Amtes. Im Jahre 1902 wurde durch das Reichs-
sucht, den U m f a n g d e r ö f f e n t l i c h e n A r m e n p f l e g e haushaltsgesetz eine » A b t e i l u n g für Arbeiter-
zu erheben. Da nicht genügend zuverlässige Nachwei- statistik« innerhalb des Statistischen Amtes errichtet,
sungen geliefert werden konnten, blieben die Ergeb- die an Stelle der Kommission als neue ständige Ein-
nisse unveröffentlicht. Die Erhebung wurde 1885 mit richtung die Pflege der gewerblichen Arbeiterstatistik
guten Ergebnissen wiederholt. Nachgewiesen wurden gewährleisten sollte. Gleichzeitig wurde die Kommis-
die Zahl der unterstützten Personen und die Ursachen sion in einen B e i r a t für A r b e i t e r s t a t i s t i k umge-

26
wandelt, in dem der Präsident des Kaiserlichen Stati- Fleischergewerbe (Arbeitszeit)
stischen Amtes den Vorsitz erhielt. An der Zusammen- Fuhrwerksgewerbe (Arbeitszeit)
setzung (jetzt je sieben vom Reichstag und vom Bundes- Binnenschiffahrt (Arbeitszeit und Pausen an Werk-
rat Gewählte) und den Aufgaben änderte sich nichts, tagen)
sie behielten ihren gutachterlichen Charakter. Plätt- und Waschanstalten (Arbeitszeit)
Der neuen Abteilung oblag erstens die Sammlung, Fischindustrie (Arbeitszeit).
Zusammenstellung und periodische Veröffentlichung Die Untersuchungen wurden durch ähnliche Arbeiten
arbeitsstatistischer Daten und sonstiger für die Arbeits- ergänzt, die ohne Mitwirkung des Beirats durchge-
verhältnisse bedeutsamer Mitteilungen sowie zweitens führt wurden, z. B.
die Vornahme besonderer Untersuchungen mit Hilfe Notstandsarbeiten in deutschen Städten
schriftlicher und mündlicher Erhebungen sowie die Vergebung öffentlicher Arbeiten (Arbeitsverhält-
Erstattung von Gutachten. nisse)
Diese Abteilung hatte damit erheblich größere Rechte Gemeindearbeiter (Arbeitsverhältnisse)
(z. B. bei der Materialbeschaffung) als sie dem Amte Angestellte von Rechtsanwälten (Arbeitsverhält-
sonst zustanden. Im Verein mit dem Beirat waren es nisse).
praktisch die Rechte einer »Enquetekommission«, die
Als wichtigere Untersuchungen seien noch genannt
in erster Linie Gutachten zu erstatten hatte, wobei die
die zur Vorbereitung des Handwerkergesetzes (vom
Aufträge unter Angabe der hauptsächlich interessie-
26. Juli 1897) im Jahre 1895 und zur Kontrolle seiner
renden Probleme vom Reichsamt des Inneren kamen.
Wirkungen in den Jahren 1905 und 1907 durchgeführten
Da die Gewerbeordnung die Möglichkeit bot, die
E r h e b u n g e n ü b e r die V e r h ä l t n i s s e im H a n d -
Arbeitszeit gesetzlich zu regeln, betrafen die Er-
werk.
h e b u n g e n über die A r b e i t s v e r h ä l t n i s s e vor
allem die Arbeitsdauer, Beginn und Ende der Arbeits- In der größten Zahl der Fälle wurden die erforderlichen
zeit, Pausen, Überstunden, Sonntagsruhe, daneben Informationen als Stichprobe (meist 10% der vorhan-
wurden aber auch zahlreiche andere die Arbeitsbe- denen Einrichtungen) erhoben.
dingungen und die Lohnverhältnisse beleuchtenden Daß die »Abteilung für Arbeiterstatistik« im gewissen
Fragen gestellt. Als ein Beispiel, das Licht auf die Sinne ein Amt innerhalb des Amtes war, zeigt sich
damaligen Arbeitsbedingungen der Kellner wirft, seien auch darin, daß die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht in
hier die Fragen 18 bis 21 des 26 Fragen umfassenden der »Statistik des Deutschen Reiches«, sondern in einer
Fragebogens für Gast- und Schankwirtschaften (1894) Sonderreihe: »Erhebungen der Abteilung für Arbeiter-
zitiert: statistik« veröffentlicht wurden. Für die periodische
Veröffentlichung der gesammelten arbeitsstatistischen
»18. Wie viele von den Kellnern (einschließlich Ober-
Daten wurde das » R e i c h s a r b e i t s b l a t t « heraus-
kellner und Kellnerinnen) und Lehrlinge haben
gegeben. Es brachte teilsoriginale, teilssekundärstatisti-
beim Prinzipal
sche Ergebnisse vor allem über folgende Gebiete:
ci) Wohnung?
b) volle Beköstigung? Der Arbeitsmarkt nach monatlichen Berichten
c) teilweise Beköstigung? der Industrie
19. Erhalten die Kellner (Oberkellner) und Kellne-
Der Beschäftigungsgrad nach den Nachweisen
rinnen von dem Prinzipal ein bestimmtes Ge-
der Krankenkassen
halt und wieviel beträgt dasselbe monatlich?
Arbeitsvermittlung
20. Welche Ausgaben für dps Geschäft (für Bruch,
Arbeitslosigkeit in deutschen Fachverbänden
für Putzen, für Unterkellner, für Vertretung, für
Beschaffung von Zeitungen, Streichhölzern, Erlös aus dem Verkauf von Versicherungsmarken
Zahnstochern usw.) hat jeder Kellner (Ober- Stellenvermittlung und Arbeitslosigkeit in Ange-
kellner, Kellnerin) monatlich zu machen bzw. stelltenverbänden
wieviel wird ihm für die bezeichneten Zwecke Lohnstatistiken nach Aufzeichnungen der Orts-
monatlich vom Gehalt abgezogen ? krankenkassen
21. Welche Beträge hat jeder Kellner (Oberkellner) Bergarbeiterlöhne.
und Kellnerin monatlich als Pacht für die Stelle
an den Prinzipal zu entrichten?« Dazu kamen eine Fülle von jährlichen oder unregel-
mäßig erscheinenden Berichten über Organisationen,
Von der Kommission für Arbeiterstatistik bzw. unter
Gewerbe und Kaufmannsgerichte, Arbeiterversiche-
Mitwirkung des Beirats wurden die folgenden Berufs-
rung und vieles andere.
bzw. Gewerbezweige untersucht:
Bäckereien und Konditoreinen (Arbeitszeit) Das Kaiserliche Statistische Amt hatte vor dem ersten
Handelsgewerbe (Arbeitszeit, Kündigungsfristen, Weltkrieg auf dem Gebiet der Arbeiterstatistik auch
Lehrlingsverhältnisse) Aufgaben zu erfüllen, die über die eigentliche Statistik
Getreidemühlen (Arbeitszeit) hinausgingen und später auf damals noch nicht be-
Kellner und Kellnerin (Arbeits- und Gehaltsver- stehende Behörden wie das Reichsarbeitsministerium
hältnisse) und die Reichsarbeitsverwaltung übergeleitet wurden.
Binnenschiffahrts- und Flößereibetriebe (Sonntags- Am damaligen Arbeitsprogramm hatten diese Arbeiten
arbeit) einen erheblichen Anteil. Nimmt man die im Band 201
Kleider- und Wäschekonfektion (Arbeitsverhält- der Statistik des Deutschen Reiches abgedruckten An-
nisse) weisungen und Formulare für alle Statistiken als
Handelsgewerbe ohne offene Verkaufsstellen Maßstab, so entfällt von den 656 Seiten dieses Bandes
(Arbeitszeit) ein reichliches Drittel auf die »Arbeiterstatistik«.

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20. Finanzen und Steuern Einbezogen waren wichtige Nahrungs- und Genuß-
mittel (22 Reihen), einige industrielle Rohstoffe und
Die S t a t i s t i k d e r ö f f e n t l i c h e n F i n a n z e n nahm
Halbfabrikate (16 Reihen, davon 9 Textilien, 5 Metalle,
mit der Veröffentlichung über die Einnahmen und Aus-
Häute und Felle sowie Kautschuk), ferner Steinkohlen
gaben des Reiches ihren Anfang (seit 1872 bzw. 1880).
und Petroleum. Bei der Auswahl dieser 40 Reihen war
Später kamen die Überweisungen an die Bundesstaaten,
entscheidend, ob regelmäßige und fortlaufende Notie-
die Schulden und Matrikularbeiträge hinzu. Entspre-
rungen zu erhalten waren. Die G e t r e i d e p r e i s e
chende Angaben nach einheitlich vereinbarten For-
wurden im Rahmen einer »Fruchtmarktstatistik« be-
mularen sind ab Haushaltsvoranschlag 1901 und
sonders intensiv beobachtet. Hierfür erfolgten von
Haushaltsrechnung 1899 jährlich von den Bundes-
Märkten außerhalb des Großverkehrs der Produkten-
staaten geliefert und vom Statistischen Amt zusammen-
börsen tägliche telegraphische Meldungen, die auch
gestellt worden. Eine S c h u l d e n s t a t i s t i k gibt es
täglich im Reichsanzeiger veröffentlicht wurden.
für das Reich seit 1895 und die Länder seit 1902. Eine
Die Statistik der E i n z e l h a n d e l s p r e i s e begann mit
Statistik d e r I n h a b e r - S c h u l d v e r s c h r e i b u n g e n
der Sammlung von Lebensmittelpreisen, die aus landes-
der Stadt- und Landgemeinden und sonstiger öffent-
und gemeindestatistischen Veröffentlichungen entnom-
lich-rechtlicher Schuldner wurde 1909 aufgenommen.
men wurden und die teilweise bis auf das Jahr 1816
Die S t a t i s t i k d e r Z ö l l e und S t e u e r n gehtauf
zurückreichen. Seit 1883 wurden die Preisangaben für
den Beginn des Zollvereins zurück. Auch hier hat die
Lebensmittel, die von 34 Gemeinden gemeldet wurden,
zur weiteren Ausbildung der Statistik des Zollvereins
erst jährlich, ab 1892 auch monatlich zusammen-
gebildete Kommission wertvolle Arbeit geleistet. Sie gestellt.
hat die Statistik der Zoll- und Steuereinnahmen einer-
seits von der Statistik des Warenverkehrs und anderer- Das Kaiserliche Statistische Amt beschränkte sich in
seits von den Abrechnungen getrennt. Damit war der Preisstatistik dieser Periode bis zum ersten Welt-
eine besondere Zoll- und Steuerstatistik geboren. krieg auf den Nachweis der Preise einzelner ausge-
Nach Artikel 35 der Reichsverfassung hatte das Reich wählter Waren. Zusammenfassungen oder Preisindex-
die Gesetzgebung über das Zollwesen und über die berechnungen gab es für das Reich noch nicht.
Besteuerung des im Bundesgebiete gewonnenen Salzes,
Tabaks, Branntweins und Bieres sowie des Zuckers. 22. Löhne und G e h ä l t e r
Die statistische Bearbeitung der über die Zollbehörden
Die Lohnstatistik begann mit dem Bemühen, das bei
gemeldeten Daten übernahm das Statistische Amt.
anderen Stellen anfallende Material zu sammeln und
Diese Verbrauchssteuern wurden im Laufe der Zeit
zu veröffentlichen. So wurden seit 1892 die »ortsüblichen
auf weitere Waren ausgedehnt. Es kamen hinzu:
Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter«, die auf Grund
Spielkarten (1878), Schaumwein (1902), Zigaretten
des Krankenversicherungsgesetzes festgestellt werden
(1906), Essigsäure (1909), Leuchtmittel (1909) und
mußten, an Hand der Amtsblätter und ab 1903 die
Zündwaren (1909). Im Jahre 1917 kam eine Kohlen- V e r d i e n s t e und A r b e i t s z e i t e n im B e r g b a u nach
steuer hinzu. Für jede dieser steuerpflichtigen Waren den Berichten der oberen Bergbehörden zusammen-
gab es umfangreiche Meldungen, die auch die Pro- gestellt. Einer Initiative des Statistischen Amtes gelang
duktions- und Betriebsverhältnisse, Zahl der Betriebe, es, zumindest sechs Städtestatistische Ämter zur Liefe-
Betriebseinrichtungen, Anbauflächen usw. einbezogen. rung einer Loh η klassenstatisti k nach den Auf-
Vom Mai 1908 an wurden die Einnahmen aus der zeichnungen der Ortskrankenkassen zu bewegen.
R e i c h s t e m p e l a b g a b e für W e r t p a p i e r e monat- Außerdem enthalten die im Abschnitt 18. Arbeiter-
lich veröffentlicht. Maßgebend hierfür waren volks- statistik erwähnten Enquéten sporadisches lohnstatisti-
wirtschaftliche Gesichtspunkte (Bewegungen auf dem sches Material. In der ersten Hälfte der hier unter-
inländischen Geldmarkt, Umfang der Kapitalanlagen, suchten 100 Jahre gab es also noch keinen allgemeinen
vor allem auch in ausländischen Wertpapieren). statistischen Überblick über die Lohnkosten bzw. die
Mit dem Erbschaftssteuergesetz von 1906 wurde die Lohneinkommen. Als erster Versuch hierzu könnte
erste d i r e k t e Reichssteuer eingeführt. Um die die einmalige Erhebung über die Lohnverhältnisse
finanziellen Wirkungen dieses Gesetzes in seinen in den Kriegsjahren 1914, 1915 und 1916 angesehen
Einzelvorschriften übersehen zu können und eine werden, bei der eine breite fachliche Streuung und eine
brauchbare Grundlage für etwaige Gesetzesänderun- freiwillige Beantwortung der Fragebogen angestrebt
gen zu gewinnen, wurde eine Erbschaftsteuer- wurde. Es kamen aber nur 377 brauchbare Fragebogen
s t a t i s t i k beschlossen, die sich in ihrer Gliederung wieder herein.
eng an die Gesetzesvorschriften hielt.
Das Jahr 1913 brachte den einmaligen außerordent-
lichen W e h r b e i t r a g , der vom Vermögen und den 23. Wirtschaftsrechnungen und Versorgung
höheren Einkommen zu entrichten war. Die Veran- Das Kaiserliche Statistische Amt hat auf der Tagung
lagung wurde statistisch aufbereitet mit dem Ziel, des Verbandes Deutscher Städtestatistiker im Jahre
Grundlagen für eine Vermögens- und Einkommen- 1906 einen Beschluß über gemeinsame Erhebungen
steuerstatistik für das Reich zu gewinnen. von W i r t s c h a f t s r e c h n u n g e n minderbemittelter
Familien (bis 3000 Mark Jahreseinkommen) erreichen
können. Die vom Statistischen Amt gelieferten Haus-
21. Preise
haltsbücher wurden im Jahre 1907 von 852 Haushalten
Die G r o ß h a n d e l s p r e i s e wurden seit dem Januar geführt.
1879 auf Grund besonderer Vereinbarungen zwischen Mehr als Kuriosum sei erwähnt, daß nach der Ver-
dem Statistischen Amt und den geeigneten Handels- öffentlichung der Ergebnisse für die minderbemittelten
körperschaften monatlich eingesandt und veröffentlicht. Familien zwei höhere Beamte dem Statistischen Amt

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ihre seit 12 bzw.15 Jahren geführten Haushaltsbücher 26. Statistik und Forschung
spontan zur Verfügung stellten. Auch diese Ergebnisse
Die wissenschaftliche Analyse und Behandlung des
wurden veröffentlicht. Die Erhebungen sollten ab 1915
statistischen Materials ist bereits von der »Kommission«
laufend durchgeführt werden. Diese Pläne wurden
als ein wesentlicher und unerläßlicher Teil der Aufga-
jedoch durch den Ausbruch des Krieges vereitelt.
ben des Statistischen Amtes angesehen worden. Das
V e r s o r g u n g s b e r e c h n u n g e n auf Grund der Pro-
Amt hat diese Aufgabe offenbar sehr gern übernommen.
duktion und des Außenhandels oder der Besteuerung
Jede »deskriptive Statistik« — um einen heute gängigen
wichtiger Waren — vor allem Lebens- und Genuß-
und manchmal etwas von oben herab gebrauchten
mittel — wurden seit 1880 in den Statistischen Jahr- Ausdruck zu verwenden — ist ihrem Wesen nach
büchern veröffentlicht. »analytisch«. Die Auswahl der nachzuweisenden Sach-
verhalte und ihrer Merkmale, ihre Definition und ihre
Klassifikation, also die Frage »was« statistisch gemessen
24. Auslandsstatistik
werden soll, kann immer nur von den Substanz-
wissenschaften her beantwortet werden, also von der
Die Sammlung und Auswertung der Statistiken des Bevölkerungswissenschaft, der Soziologie, den Wirt-
Auslandes wurde frühzeitig begonnen, insbesondere schafts- und Sozialwissenschaften usw. Auch die sta-
im Hinblick auf die Außenhandelsbeziehungen der tistischen Anforderungen der Regierung oder der
Handelsvertragspartner. Seit dem Jahre 1903, in dem Politiker gehen letzten Endes auf solche substanz-
das Internationale Statistische Institut in Berlin tagte, wissenschaftlichen Überlegungen zurück. Erst wenn
wurde dem Statistischen Jahrbuch ein Internationaler es gilt, zu entscheiden »wie« statistisch gemessen werden
Teil angefügt. Er begann mit 31 Seiten und erreichte soll, kann der Statistiker allein über die formalen
vor dem Kriege einen Umfang von rd. 100 Seiten. Methoden des Messens und Zählens entscheiden.
Bei den auf die Vorbereitung, Erfassung oder Kontrolle
von Verwaltungsvorgängen ausgerichteten Statistiken
25. Internationale Z u s a m m e n a r b e i t sind die zu bearbeitenden Sachverhalte in ihren Defini-
tionen und Gruppierungen oft bereits durch die ge-
Der Hinweis, daß viele Statistiken erst Leben und setzlichen Bestimmungen vorgegeben, und die Aus-
zusätzliche Aussagekraft gewinnen, wenn sie mit den wertung der Ergebnisse für die speziellen Verwaltungs-
Ergebnissen anderer Länder verglichen werden kön- zwecke wird in den entsprechenden Regierungsstellen
nen, findet sich schon in den Berichten der oft vorgenommen. Das Amt hat sich aber stets bemüht,
zitierten »Kommission«. Mit dem Ziele, die statistischen auch diese Statistiken für eine breitere wissenschaftliche
Methoden zu vereinheitlichen, fanden schon seit 1851 Auswertung verwendbar zu machen. Als Beispiel
Internationale Statistische Kongresse statt. Es gelang
seien nur die Statistiken der natürlichen Bevölkerungs-
jedoch nicht, ihre Beschlüsse für die Regierungen ver-
bewegung genannt (Sterbetafeln).
bindlich zu machen. Im Jahre 1885 wurde das »Inter-
n a t i o n a l e Statistische Institut« gegründet, zu Mit der Gründung der Abteilung für Arbeiterstatistik
dessen Gründungsmitgliedern auch eine Reihe deut- (1902) sind dem Kaiserlichen Statistischen Amt enquete-
scher Statistiker gehörten. Das »Institut« trägt den artige Aufgaben zugewiesen worden und damit ein
Charakter einer Akademie, die ihre Mitglieder wählt. starker Einfluß auf die statistische Erfassung und
Es war anfangs eine Vereinigung »amtlicher Statisti- Darstellung der Verhältnisse der gewerblichen Ar-
ker«, denen es um einheitliche Verfahren bei den beiter.
Regierungsstatistiken ging. Die erste und bisher einzige Das Hauptgebiet freier wissenschaftlicher Forschung
Institutstagung auf deutschem Boden fand im Jahre bildeten jedoch die damaligen »Großzählungen«, also
1903 im Reichstagsgebäude in Berlin statt. die Volks-, Berufs- und Gewerbezählungen, deren
Ergebnisse außerordentlich sorgfältig und umfassend
Außer den Diskussionen über die Methoden strebte
dargestellt wurden. So lagen Ende 1899 18 Bände mit
das Institut die Sammlung und Veröffentlichung sta-
den Ergebnissen der Berufs- und Gewerbezählung von
tistischer Ergebnisse an. Im internationalen Vergleich
Juni 1895 vor. Um zu zeigen, welcher Beachtung
steht die Außenhandelsstatistik, bei der ja die gleichen
sich die Statistik damals erfreuen konnte, sei folgendes
Güterströme von zwei verschiedenen Ländern erfaßt
zitiert: »Zu diesem Werke haben seine Majestät der
werden, stets im Vordergrund des Interesses. Es kam
Kaiser, unter Übermittelung des Ausdrucks der vollsten
1913 so zur Brüsseler Konvention über die Außen-
Anerkennung für die hervorragende Leistung zu
handelsstatistik mit der Gründung einer besonderen
äußern geruht, daß es sich, wie auch im Reichstag
Stelle im Haag, dem Sitz des ständigen Bureaus des
angeregt, empfehlen würde, die wichtigsten Resultate
Internationalen Statistischen Instituts. Von ihr wurden
der Arbeit in einer kürzeren, gemeinverständlichen
die von den einzelnen Ländern gelieferten Außen-
Form zusammenzufassen und zu veröffentlichen, um
handelsstatistiken nach dem »Internationalen Waren-
sie so der Allgemeinheit in weiterem Umfange nutzbar
verzeichnis« veröffentlicht. Dieses Verzeichnis enthielt
zu machen, als dies bei der jetzt vorliegenden umfang-
den Versuch einer Gruppierung der Waren nach dem
reichen Publikation möglich sei« 1 2 ). Daraufhin verfaßte
Verarbeitungsgrad. Entsprechende Ergebnisse finden
der damalige Direktor des Amtes Hans von Scheel,
sich in den deutschen Statistischen Jahrbüchern der
der sich große Verdienste um eine weitblickende
Jahrgänge 1913 bis 1936. Als weitere internationale
wissenschaftliche Auswertung aller Statistiken erwor-
Organisation mit deutscher Beteiligung wurde das
ben hat, die Schrift: »Die Deutsche Volkswirtschaft
I n t e r n a t i o n a l e L a n d w i r t s s c h a f t s i n s t i t u t in Rom
am Schlüsse des 19. Jahrhunderts«.
gegründet (1905) — der Vorläufer der heutigen FAO.
Auch hier spielte die Vereinheitlichung der Statistiken 12
) Zitiert aus dem Nachruf für den 1902 verstorbenen Hans von
eine große Rolle. Scheel.

29
C. Zusammenfassung und Verschie- lich sehr geschrumpfte Jahrbücher erschienen, sind
bungen i m Schwergewicht des außer Betracht gelassen worden.

statistischen Programms Das Schwergewicht lag während des ganzen Zeitraums


bei der Außenhandels- und der Verkehrsstatistik, auch
wenn deren Anteil von rd. 40% im Jahrfünft 1880 bis
1984 auf knapp 35% im Zeitraum 1910/14 zurück-
Die Hintergründe wirtschaftlicher, gesellschaftlicher ging. Auch die inhaltlich noch nichtsehr breit gefächerte
und rechtlicher Art, die von der Reichsgründung bis Finanz- und Steuerstatistik nimmt in den Veröffent-
zum Ende des ersten Weltkrieges das Arbeitsprogramm lichungen anfangs einen wesentlich größeren Raum
des Kaiserlichen Statistischen Amtes bestimmten, sind ein; der Anteil ist von 16% auf 5% gesunken. Es zeigt
schon einleitend im Abschnitt A. Allgemeine Entwick- sich ferner, welche Sachgebiete in dieser Periode
lungstendenzen dargelegt worden. erst sehr spät oder noch gar nicht aufgenommen
Um zusammenfassend zu zeigen, wie sich das Pro- werden konnten. Hierzu gehören z. B. die Bildungs-
gramm ausgedehnt und die Schwergewichte im Laufe statistik (ab 1903), die Sozialversicherung (ab 1887)
und Löhne und Gehälter (ab 1910), während Bau-
der Zeit verschoben haben, ist hier der den einzelnen
tätigkeit und Wohnungen, der Groß- und Einzelhandel
Sachgebieten in den Statistischen Jahrbüchern ein-
und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen überhaupt
geräumte Platz als Maßstab genommen worden. Hier-
nicht erscheinen.
für muß die vielleicht etwas kühne Annahme gemacht
werden, daß die jeweiligen Bearbeiter der Jahrbücher Zusammenfassend läßt sich ferner sagen, daß die
stets darauf geachtet haben, alle Sachgebiete durch Bevölkerungsstatistik relativ gut ausgebaut war. Für
etwa gleichgewichtige Angaben zu repräsentieren. die allgemeine Beobachtung der wirtschaftlichen Ver-
Dies scheint allerdings für die Ergebnisse der Groß- hältnisse mußte man sich hauptsächlich auf die in
zählungen nicht zuzutreffen. Diese erschienen in um- großen zeitlichen Abständen erfolgenden »Struktur-
fangreichen Bänden der Statistik des Deutschen Reiches Erhebungen«, also die Berufszählungen, die landwirt-
und nur sehr sporadisch in den Jahrbüchern. Trotz schaftlichen und gewerblichen Betriebszählungen stüt-
aller Mängel erlaubt ein Vergleich auf dieser Basis zen. Reihen für eine kontinuierliche Beobachtung —
einige interessante Feststellungen. Um die Übersicht zu wenn auch teilweise noch recht mageren Inhalts —
erleichtern, sind die Jahre von 1880 bis 1914 zu fünf- gab es vornehmlich in der Landwirtschaft, im Außen-
jährigen Gruppen zusammengefaßt, die Kriegsjahre handel und Verkehr, im Geld- und Kreditwesen, bei
1915 bis 1918, in denen zwar regelmäßig, aber inhalt- den Finanzen und Steuern und bei den Preisen.

30
Zweiter Teil

Die Zeit der Weimarer Republik (1919 bis 1932)


A. Allgemeine Entwicklungstendenzen des Volkseinkommens und der Zahlungsbilanz in
Gang setzte. Da Reparationsleistungen nur aus Zah-
Es wurde eingangs gesagt, daß die Staatsaufgaben lungsbilanzüberschüssen ökonomisch möglich waren
weitgehend die Aufgaben der amtlichen Statistik be- und die Handelsbilanz den wichtigsten Posten der
stimmen. Die Weimarer Republik hatte im Osten große Zahlungsbilanz bildete, gewann die Genauigkeit der
Gebietsverluste hinzunehmen, die einen Zustrom des Außenhandelsstatistik ein großes Gewicht.
für Deutschland optierenden Bevölkerungsteils zur Die enormen finanziellen Ansprüche an das Reich
Folge hatten. Dazu kamen die Kriegsverluste an waren mit ein Grund für die Steuerreform Erzbergers,
Menschenleben und der große Geburtenausfall wäh- durch die es zu einheitlichen Reichssteuern und einer
rend des ersten Weltkrieges. All dies führte zu erheb- Verteilung der Finanzmasse im Wege des Finanz-
lichen Wandlungen in der Bevölkerungs- und Wirt- ausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden
schaftsstruktur. In den Rückwirkungen auf die Sta- kam. Hieraus ergab sich eine erhebliche Erweiterung
tistik kamen dadurch bevölkerungspolitische und fami- der Finanz- und Steuerstatistik im Reichsamt.
lienpolitische Gesichtspunkte zum ersten Male zum Mit den Fortschritten der nationalökonomischen Theo-
Durchbruch. rie in der Welt, vor allem in den angelsächsischen
Erwähnt sei auch, daß die Neuorganisation des Ländern, wuchs überall das Interesse an der laufenden
Regierungsaufbaus zu Beginn des hier untersuchten Beobachtung des Wirtschaftsablaufs. Der Träger dieses
Zeitabschnitts nicht ohne Rückwirkung auf das Arbeits- Gedankens in Deutschland war Ernst Wagemann, der
programm des Statistischen Reichsamtes blieb. Neben Präsident des Statistischen Reichsamtes während des
dem Reichswirtschaftsministerium, das die vorgesetzte größten Teils der Weimarer Zeit sowie Gründer und
Behörde des Reichsamtes wurde, entstanden das Reichs- Leiter des Deutschen Instituts für Konjunkturforschung
ernährungsministerium, das Reichsarbeitsministerium (1924). Sein Hauptinteresse galt — neben Fragen des
und die Reichsarbeitsverwaltung, auf die ein erheblicher Geldwesens — der Erforschung der Wellenbewegun-
Teil der Aufgaben der »Abteilung für Arbeiterstatistik« gen im Wirtschaftsablauf, woraus sich Impulse für alle
überging. laufenden Statistiken ergaben, die als »Konjunktur-
Sieht man von den Nachwehen der Kriegswirtschaft barometer« verwendbar waren.
ab, so gilt auch für den Zeitabschnitt der Weimarer Im Frühjahr 1924 — also kurz nach dem Amts-
Republik im großen und ganzen eine liberale Wirt- antritt Wagemanns — wurde ein besonderes Referat
schaftsordnung bis zu den durch die Weltwirtschafts- zur Konj υ η ktu r b e o b a c h t u ng eingerichtet mit der
krise erzwungenen Beschränkungen. Die liberale Ord- Aufgabe, alle für die Darstellung des Wirtschafts-
nung wurde allerdings stark durch das ökonomisch ablaufs wichtigen Wirtschaftsvorgänge zahlenmäßig
kaum lösbare Problem der Reparationsverpflichtungen zu verfolgen und das laufend gesammelte Material
des Versailler Vertrages belastet. Diese führten, vor für eine Analyse des Konjunkturverlaufs auszuwerten.
allem im Zusammenhang mit der Ruhrbesetzung und Die Unterlagen für diese Arbeiten (Bewegungen auf
dem dort geleisteten passiven Widerstand, von einer den Geld-, Effekten- und Warenmärkten, Studium der
ständigen Geldentwertung zur galoppierenden Infla- Preisrelationen, aber auch Produktion, Verteilung und
tion des Jahres 1923, die erst Ende 1923 mit der Verbrauch) flössen aus den verschiedenen Arbeits-
Einführung der Rentenmark ein Ende fand. In dieser gebieten des Reichsamtes hier zusammen, und im
Zeit bestand ein dringendes Interesse an der sich über- Laufe der Zeit wurde ein regelmäßiges Berichterstat-
stürzenden Preisentwicklung; die Reichsindexziffer für tungssystem ausgebaut. Das gleiche gilt für die eben-
die Lebenshaltungskosten wurde schließlich wöchent- falls eingeführte r e g i o n a l e M a r k t s t a t i s t i k .
lich zweimal berechnet. Dem Studium der Verhältnisse im Ausland wurde große
Die Teuerung hatte ihre Rückwirkung auf die Löhne, Bedeutung beigemessen. Neben einer Ausländi-
was zur Einführung einer monatlichen Tariflohnsta- schen L ä n d e r s t a t i s t i k wurde eine I n t e r n a t i o -
tistik führte. Auch die Geld- und Kreditstatistiken n a l e H a n d e l s - und M a r k t s t a t i s t i k eingerichtet,
besaßen im Hinblick auf den Geldumlauf und die und ein W i r t s c h a f t s s t a t i s t i s c h e s A r c h i v sammelte
Situation auf den Kreditmärkten eine große Aktualität. in Form einer Wirtschaftskartei alle bedeutenden Vor-
Die Versuche, das Reparationsproblem durch den gänge des wirtschaftlichen und sozialen Lebens des
Dawesplan (1924) und den Youngplan (1929) zu lösen, In- und Auslandes seit Anfang des 19. Jahrhunderts.
verlangten Statistiken über die Leistungskraft der
deutschen Volkswirtschaft. Zusammenfassende Sta-
B. Die Entwicklung auf den einzelnen
tistiken dieser Art waren damals noch nicht vorhanden.
Eine der ersten Aufgaben, an denen der 1923 in das
Sachgebieten
Statistische Reichsamt eingetretene Verfasser mitzu- Da die Reichsgesetze und Bundesratsanordnungen aus
arbeiten hatte, war die Zusammenstellung von Unter- der kaiserlichen Zeit weiterhin gültig waren, wurde
lagen für die Dawesplan-Verhandlungen. Da es keine das vor dem Kriege erreichte Programm fortgesetzt.
Sozialprodukts- oder Volkseinkommensberechnungen Die Währungsreform 1923/24 war aber mit sehr ein-
gab, konnten nur, so gut es ging, einschlägige »Indi- schneidenden Abbaumaßnahmen und Einstellungssper-
katoren« zusammengestellt werden. Die Reparations- ren im öffentlichen Dienst verbunden, von denen auch
frage war aber die Triebfeder, die die Berechnung die Statistik nicht verschont blieb. Es kam so im

31
Juni 1924 zu einer generellen Überprüfung des Pro- sachenstatistik vom Reichsgesundheitsamt in das Sta-
gramms im Hinblick auf Einsparungsmöglichkeiten. tistische Reichsamt — wenig geändert. Die Kriegsfolgen
Sie wurden weniger in einer Kürzung des sachlichen verlangten eine Ergänzung der Sterbefälle durch eine
Programms als in einer Zurückstellung von Erweite- Statistik der Todeserklärungen.
rungsplänen, in der Verlängerung von Periodizitäten, Die Statistik der W a n d e r u n g e n blieb, wenn man
vor allem aber in einer organisatorischen Konzen- von den Volkszählungsergebnissen über den Wohnsitz
tration der statistischen Arbeiten beim Statistischen vor dem Kriege absieht, auf die überseeische Aus- und
Reichsamt und einer Auflösung der statistischen Einwanderung beschränkt, die man methodisch besser
»Kröpfe« bei anderen Dienststellen gefunden. zu erfassen suchte.

1. Volkszählungen
3. Gesundheitswesen
Wenn man von der Volkszählung 1919 absieht, die
allzu nahe am Kriegsende mit seinen noch nicht Die mit der Statistik der Sterbefälle verbundene
wieder konsolidierten Verhältnissen lag und deshalb — Todesursachenstatistik wurde fortgeführt. Die
abgesehen für Zwecke der Lebensmittelbewirtschaf- Statistik der K r a n k e n a n s t a l t e n wurde sachlich
tung — wenig verwendbar war, hat es im ganzen eingeschränkt und ab 1925 wieder vom Reichsgesund-
Zeitraum nur eine Volkszählung (am 16. Juni 1925) heitsamt auf das Statistische Reichsamt übergeleitet.
gegeben. Neben der ortsanwesenden Bevölkerung Das früher nur für einzelne ausgewählte Jahre fest-
wurde die Wohnbevölkerung festgestellt und dem gestellte H e i l - und P f l e g e p e r s o n a l wurde seit
Tabellenwerk zugrunde gelegt. Die Standardfragen 1927 jährlich nachgewiesen.
der Volkszählung 1910 (Stellung im Haushalt, Ge- Neu war eine im Jahre 1925/26 durchgeführte, recht
schlecht, Familienstand, Geburtsdatum, Religionszu- umfangreiche G e b r e c h l i c h e n z ä h l u n g , für die die
gehörigkeit, Staatsangehörigkeit) wurden wieder auf- Fürsorgeanstalten und Fürsorgepersonen die Erhe-
genommen. Neu hinzu kam die bereits 1900 einmal bungsbogen ausfüllten.
gestellte Frage nach der M u t t e r s p r a c h e . Die da- Auch die Statistik der L e i b e s ü b u n g e n wurde auf
maligen Ergebnisse, vor allem ihre auf Durchschnitts- Grund von Meldungen der Verbände ab 1923 auf-
werten für Verwaltungsbezirke beruhende kartogra- genommen.
phische Darstellung, waren eine der wesentlichsten
Unterlagen für die Abgrenzung der abzutretenden
Gebiete. Im Jahre 1925 wurde die Muttersprache vor 4. Unterrichtswesen
allem im Hinblick auf den Schutz sprachlicher Minder- Die durch den Krieg unterbrochenen Erhebungen über
heiten im verbliebenen Reichsgebiet erhoben. Bei die Volksschulen, Mittelschulen und höheren Schulen
der kartographischen Darstellung gab man sich große wurden unter Einbeziehung der Fortbildungsschulen
Mühe, die tatsächlichen Verhältnisse: deutsche Be- und beruflichen Fachschulen als »Reichsschulsta-
völkerung in den Städten, polnische Bevölkerung auf tistik« wieder aufgenommen. Die Erhebungen erfolg-
den Dörfern richtiger darzustellen. Mit Hilfe der Frage ten in fünfjährigen Abständen für die Jahre 1921,
nach dem l e t z t e n W o h n s i t z v o r d e m K r i e g e 1926 und 1931.
wurden die durch die Kriegsverhältnisse und Gebiets-
Die ursprünglich an Hand der Personalverzeichnisse
abtretungen hervorgerufenen Wanderungen nachge-
aufgestellte H o c h s c h u l s t a t i s t i k wurde auf Indi-
wiesen.
vidual zähIkarteη für jeden immatrikulierten Studenten
Die Kriegsverluste, der Geburtenausfall im Kriege umgestellt und damit sachlich wesentlich erweitert,
und der Geburtenrückgang nach dem Kriege, die auf vor allem durch Fragen über die soziale Herkunft
eine Periode ständig wachsender Geburtenüberschüsse der Studenten, ihre Vorbildung, Berufsziele usw.
folgten, rückten b e v ö l k e r u n g s p o l i t i s c h e Ü b e r -
l e g u n g e n in das Blickfeld, die zu den ersten V o r - 5. Rechtspflege
a u s b e r e c h n u n g e n d e r B e v ö l k e r u n g auf Grund ,
neuer Sterbetafeln führten. Die K r i m i n a l s t a t i s t i k , also die Statistik der rechts-
kräftig abgeurteilten Personen, wurde schon während
Auf Grund des bei der Volkszählung gewonnenen
des Krieges stark eingeschränkt. Ab 1924 wurde eine
Materials wurden auch zum ersten Male die Haus-
vereinfachte Zählkarte eingeführt, die allerdings die
h a l t e und F a m i l i e n unter eingehender Berück-
auf Grund des Jugendgerichtsgesetzes von 1923 neu
sichtigung der beruflichen und sozialen Stellung der
erforderlich gewordenen Fragen zusätzlich aufnahm.
Familienvorstände dargestellt. Dem durch die Woh-
nungsnot bedingten Zusammenleben mehrerer Fami-
lien in einem Haushalt und den kinderreichen Familien 6. Reichsheer und Reichsmarine
wurde besondere Beachtung geschenkt. Das Material Die im Kriege eingestellten Nachweisungen über das
erlaubte nur die Verwendung eines eingeschränkten Heeresergänzungsgeschäft und die Schulbildung der
Familienbegriffs, der nur die zusammen im Haushalt
Rekruten wurden zur Zeit der Reichswehr als Berufs-
lebenden Familienmitglieder erfaßte, die nicht oder
heer nicht wieder aufgenommen. Zahlen über die
nicht mehr im Haushalt lebenden Kinder der (biolo-
Haushaltsstärke und die Kriegsschiffe wurden seit
gischen) Familie aber außer Betracht lassen mußte.
1921 wieder veröffentlicht.

2. Bewegung der Bevölkerung 7. W a h l e n und A b s t i m m u n g e n


An der Statistik der G e b u r t e n und S t e r b e f ä l l e Die Wahlstatistik wurde umfangreicher, da zu den
wurde — abgesehen von der organisatorischen Rück- Reichstagswahlen die Reichspräsidentenwahlen
führung dieser Statistiken einschließlich der Todesur- von 1925 und 1932 hinzukamen sowie verschiedene

32
Präsidenten des Statistischen Reichsamtes

Ernst Delbrück Ernst Wagemann


1912—1924 1924—1933

Haus Kurfürstendamm 193/194, Berlin


Dienstgebäude des Statistischen Reichsamtes von 1925 bis 1935
Volksbegehren und Volksentscheide. In diesem Zeit- nehmern zugeordnet werden. Die Arbeiter der frühe-
abschnitt wurde der Präsident des Statistischen Reichs- ren Gruppe C2 »Gesellen etc. und Arbeiter, für die in
amtes als Reichswahlleiter eingesetzt, der für die amt- der Regel eine Vorbildung erforderlich ist . . . « wurden
liche Feststellung der Wahlergebnisse verantwortlich unter dem Gesichtspunkt aufgeteilt, ob sie einem für
war, eine Funktion, die früher beim Reichsamt des den Wirtschaftszweig charakteristischen oder einem
Innern lag. anderen (ausgewählten) Beruf angehören.
Im Prinzip sah man die sich aus der Kombination
8. Erwerbstätigkeit (Berufszählung) von Wirtschaftszweig und Stellung im Beruf ergeben-
Die Berufszählung des Jahres 1925 war mit einer den Gruppen als eine ausreichende Beschreibung
Volkszählung und einer landwirtschaftlichen und ge- der Berufs- und Erwerbstätigkeit an, also z. B. Selb-
werblichen Betriebszählung sachlich und organisa- ständige in der Landwirtschaft, Inhaber eines Betriebes
torisch verbunden, so daß man damals gern von der der Papiererzeugung, Geschäftsführer eines Tabak-
»Inventuraufnahme der deutschen Volkswirtschaft nach waren-Geschäftes usw., oder technische Angestellte
dem Kriege« sprach. Der wichtigste methodische im Maschinenbau, der Chemischen Industrie und vor
Fortschritt lag darin, daß man von der Gleichsetzung allem auch die Masse der ungelernten und angelernten
Beruf = Erwerbszweig abging, die in einer sehr viel Arbeiter in den einzelnen Wirtschaftszweigen. Eine
stärker industrialisierten Wirtschaft nicht mehr zutraf. Ausnahme bildeten vor allem die Positionen α und C2
An die Stelle der bisherigen Berufsverzeichnisse traten der gelernten Arbeiter. Hier wurden innerhalb der
sachlich zwei Systematiken: eine S y s t e m a t i k der Wirtschaftszweige alle in der Berufsordnung aufge-
W i r t s c h a f t s z w e i g e (mit 166 Positionen) und eine führten Berufe besonders ausgezählt. Auf diese Weise
B e r u f s o r d n u n g a u s g e w ä h l t e r , meist gelernter, war es möglich, zu zeigen, wie sich die Arbeiterschaft
Berufe (mit 193 Positionen). eines Wirtschaftszweiges berufsmäßig zusammensetzte
und ferner, wie sich die gelernten Berufe auf die ein-
Auf Grund der zum ersten Mal gestellten Frage nach
zelnen Wirtschaftszweige verteilten. Für die Fragen
der Art des Betriebes oder des Unternehmens (unter
der Berufsausbildung und der Berufsaussichten war
Angabe des Namens der Firma und deren Anschrift),
das so gewonnene Bild wesentlich aufschlußreicher als
in dem der Erwerbstätige arbeitete, wurde er zunächst
die bis 1907 übliche Zuweisung aller Schlosser zur
einem Wirtschaftszweig zugeordnet. Innerhalb jedes
Schlosserei, aller Tischler zur Tischlerei usw.
Wirtschaftszweiges blieb es bei einer auch früher
Der Übergang von einer rein beruflichen Gliederung
üblichen Aufgliederung nach der Stellung im Beruf,
auf eine betriebliche Gliederung der Erwerbstätigen
die 1925 die folgenden Positionen unterschied :
nach Wirtschaftszweigen entsprach auch den Entwick-
a) Sei bständ ige lungstendenzen in den Organisationen der Wirtschaft.
ai) Eigentümer, Inhaber, Handwerksmeister, Un- Während sich die Unternehmer stets »branchenmäßig«
ternehmer zusammengeschlossen hatten, waren die Arbeiterver-
02) Pächter eine und Gewerkschaften zunächst beruflich organi-
03) Administratoren, Direktoren, Geschäftsfüh- siert. Das führte, wie zum Teil heute noch in Groß-
rer, leitende Beamte britannien oder den USA, dazu, daß innerhalb des
afr. Hausgewerbetreibende gleichen Unternehmens verschiedene Tarifverträge
b) A n g e s t e l l t e und Beamte gelten. In Deutschland war der Verband der Ma-
schinisten und Heizer lange Zeit ein Beispiel für eine
bi) Technische Angestellte und Beamte, Fachper-
Berufsgruppe, die in vielen Wirtschaftszweigen tätig
sonal
war. Die Tarifverträge regelten dann aber in zu-
b2) Werkmeister und Aufsichtspersonal
nehmendem Maße die Arbeitsverhältnisse aller in
ba) Kaufmännische Angestellte und Verwaltungs-
einem Wirtschaftszweig beschäftigten Personen, eine
beamte, Büropersonal Regelung, die uns heute selbstverständlich erscheint.
c) A r b e i t e r Die Berufszählung von 1925 hat also zum ersten Male
ci) Arbeiter in den für den Wirtschaftszweig einen methodisch sauberen Überblick über die Ver-
charakteristischen Berufen teilung der Erwerbstätigen und auch ihrer nicht berufs-
C2) Betriebshandwerker und wichtige Hilfsberufe tätigen Angehörigen auf die einzelnen Wirtschafts-
Ca) Alle übrigen Arbeiter bereiche gebracht. Da die Zuteilung nach dem »Haupt-
m Mithelfende Familienangehörige beruf« angesichts der zahlreichen Fälle von neben-
mfr. Mithelfende von Hausgewerbetreibenden, beruflicher Tätigkeit vor allem in der Landwirtschaft
Hausangestellte nicht voll befriedigen konnte, wurde auf ergänzende
Nachweise über die »Nebenberufe« großer Wert
Im Vergleich zu den in den Jahren 1895 und 1907
gelegt.
verwendeten Gliederungen (siehe oben) ergaben sich
einige wichtige Verbesserungen. Die Gruppe der Der Nachweis der Veränderungen in der Wirtschafts-
»Sei bständ igen« ist in einer Weise aufgeteilt worden, struktur gegenüber der Zeit vor dem ersten Weltkriege
welche es erlaubt, die eine Unternehmerfunktion mußte sich infolge der einschneidenden Veränderun-
ausübenden Geschäftsführer usw. (03), die rechtlich gen in der systematischen Zuordnung auf die großen
einen Anstellungsvertrag besitzen, je nach Bedarf Wirtschaftsbereiche beschränken. Jeder Schritt vor-
auch der Gruppe der »Arbeitnehmer« (b + c) hin- wärts zu einer den Zeitverhältnissen besser ange-
zuzurechnen. Dem gleichen Zwecke dient der geson- paßten Systematik muß nun einmal mit Verzichten beim
derte Nachweis der Hausgewerbetreibenden (afr.). rückwärtigen Zeitvergleich bezahlt werden. Für de-
Die » M i t h e l f e n d e n F a m i l i e n a n g e h ö r i g e n « (m) tailliertere Untersuchungen standen außerdem die
können als besondere Gruppe, je nach dem Unter- zeitlich besser vergleichbaren Ergebnisse der gewerb-
suchungsziel auch den Selbständigen oder den Arbeit- lichen Betriebszählungen zur Verfügung.

3 3 3
Auf der Basis der Vorausberechnung der Bevölkerung Erwähnt seien auch einige kleinere neue Zählungen,
(siehe oben) und der Berufszählungsergebnisse wurde so die Hundezählung (1928), die Edelpelztierzählung
zum ersten Mal die v o r a u s s i c h t l i c h e Z a h l und (1931) und eine Erhebung über die Pferderassen (1932).
A l t e r s g l i e d e r u n g d e r E r w e r b s t ä t i g e n , nach An der ab März 1920 wieder monatlichen See-
Geschlechtern getrennt, für die Jahre 1925 bis 1940 f i s c h e r e i · und B o d e n s e e f i s c h e r e i s t a t i s t i k wurde
berechnet. methodisch nichts geändert. Für die Forsten und
Einen laufenden Überblick über die Beschäftigung in H o l z u n g e n brachten die Betriebszählung 1925 und
der gesamten Wirtschaft gab es auch in dem hier die Bodenbenutzungserhebung neues Material.
untersuchten Zeitabschnitt noch nicht. Man mußte Als eine der Folgen des Krieges und des Zustroms von
sich weiterhin mit der Statistik der Mitgliederbewegung Landwirten aus den abgetretenen Gebieten wurde
und des Beschäftigungsgrades nach der Kranken- 1919 das Reichssiedlungsgesetz erlassen. Die Mel-
kassenstatistik behelfen und mit den nicht mehr zum dungen über die auf Grund dieses Gesetzes getroffenen
Arbeitsgebiet des Reichsamtes gehörenden Statistiken Maßnahmen lagen statistisch unbearbeitet bei dem.
des Arbeitsmarktes (Arbeitseinsatz, Arbeitslosigkeit dem Reichsarbeitsministerium unterstehenden For-N
usw.). schungsmstitut für Siedlungswesen. Der Initiative der
Statistiker gelang es, mit Hilfe des Reichssparkommis-
sars das Material zu übernehmen und ab 1925 die
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei R e i c h s s i e d l u n g s s t a t i s t i k aufzubauen, wobei die
Jahre ab 1919 nachträglich bearbeitet wurden. Auch
Die der Beobachtung und Schätzung der landwirt- hier handelt es sich um eine Statistik von Verwaltungs-
schaftlichen Produktion dienenden Statistiken hatten maßnahmen auf Grund eines Reichsgesetzes, bei der
im großen und ganzen schon vor dem ersten Weltkrieg Landeskulturämter, Siedlungsämter usw. ihre Mel-
ihre Form gefunden, auch wenn in dem jetzt diskutierten dungen unmittelbar dem Statistischen Reichsamt zur
Zeitabschnitt vieles verbessert wurde. zentralen Aufbereitung zuleiteten.
Die l a n d w i r t s c h a f t l i c h e B e t r i e b s z ä h l u n g von
Beider B o d e n b e n u t z u n g hatte man sich seit 1913
1925 — die einzige im Zeitabschnitt 1919 bis 1932 —
mit der Erfassung der Veränderungen beholfen. Nach-
war ein Teil des großen Zählungswerkes der Volks-,
dem die Betriebszählung von 1925 Angaben über die
Berufs- und Betriebszählung 1925. Die Methode, die
Bodennutzung gebracht hatte, wurde 1927 wieder eine
Flächenbewirtschaftung über die Haushaltsliste zu
genaue Bodenbenutzungserhebung unter Vorgabe der
erfragen und Kleinstbetriebe damit abzudecken, wurde
katastermäßigen Vermessungsergebnisse für jeden
beibehalten. Der Land- und Forstwirtschaftsbogen
Erhebungsbezirk vorgenommen. Die Erhebungen der
wuchs von zwei Seiten im Jahre 1907 auf den doppelten
Anbauflächen, des S a a t e n s t a n d e s und die
Umfang an. Es blieben die Fragen nach den Flächen
E r n t e e r m i t t l u n g e n mit Hilfe der Saatenstandsbe-
und dem Besitzverhältnis, Bodenbenutzung, Personal,
richterstatter wurden laufend fortgesetzt, ebenso die
Maschinenverwendung, Viehstand und landwirtschaft-
Sonderstatistiken über den H o p f e n - und T a b a k -
a n b a u . Neu eingeführt wurden ab 1923 eine Statistik liche Nebengewerbe, wobei die Bodenbenutzung und
des H a n d e l s d ü n g e r v e r b r a u c h s und ab 1932 die Maschinenverwendung einen sehr erweiterten
die Statistik der G e t r e i d e v o r r ä t e in Mühlen und Katalog erhielten. Neu erfragte Sachverhalte waren
Lagerhäusern. Die Nachweise über die W e i n most- die -Eigentums- und Besitzwechselverhältnisse, ver-
e r n t e wurden durch Berichte über den Rebstand wendete Antriebsmaschinen und Kraftfahrzeuge, be-
ergänzt. Eine Obstbaumzählung (letzte 1913) wurde sondere technische Einrichtungen (u. a. Futtersilos,
in diesem Zeitabschnitt nicht wiederholt, aber ab Trocknungsanlagen, Beregnungsanlagen, Feldeisen-
1932 eine O b s t e r t r a g s s t a t i s t i k in den Haupt- bahnen). Die Fortschritte in der Technisierung der
obstbaugebieten eingeführt. Landwirtschaft sollten mit diesen erweiterten Befra-
gungen erfaßt werden.
Bei den allgemeinen V i e h z ä h l u n g e n ging man,
nachdem zwischen dem 1. Oktober 1915 und dem 1. Sep-
tember 1920 14 kriegswirtschaftliche Zählungen statt- 10. Gewerbliche Betriebszählung,
gefunden hatten, wieder auf die jährlichen Dezember- Unternehmensstatistiken
zählungen über. Seit 1931 wurde außerdem im Juni Die Statistik d e r G e w e r b e a u f s i c h t s b e h ö r d e n
und September der Bestand an W e i d e f e t t v i e h wurde nach Möglichkeit verbessert, so vor allem durch
erhoben. Die Sch we i η ezw isch e n z ä h I υ η g e η wur- eine Größenklassengliederung der Betriebe und die
den im Juni 1928 und 1929 wieder aufgenommen und Einbeziehung der Angestellten. Da die Ergebnisse der
in verfeinerter Form ab September 1929 vierteljährlich gewerblichen Betriebszählung 1907 kaum mehr ver-
durchgeführt. Ihr erklärtes Ziel war eine bessere Er- wendbar waren, mußte diese Statistik u. a. auch im
forschung der Marktverhältnisse und eine zweck- Hinblick auf die Reparationspolitik als Notbehelf
mäßige Marktgestaltung. Es sei daran erinnert, daß herangezogen werden.
in dieser Zeit im Institut für Konjunkturforschung die Die G e w e r b l i c h e B e t r i e b s z ä h l u n g 1925 erwei-
erste Arbeit über den »Schweinezyklus« erschien. Auch terte den von ihr erfaßten Bereich durch die Einbe-
die Statistik der S c h l a c h t g e w i c h t e , also des Fleisch- ziehung des gewerblichen Unterrichtswesens sowie der
anfalls, wurde auf eine vierteljährliche Periodizität Post und der Reichsbahn. Die Umwälzungen, die auf
umgestellt. allen Gebieten der Wirtschaft und der Technik seit der
Die Statistik der M i Ich ρ rod υ k t i o n begann 1929 letzten Zählung vor knapp 20 Jahren stattgefunden
mit Schätzungen durch besondere Kommissionen und hatten, zwangen zu einem Neuaufbau der » O r d n u n g
ab 1930 mit einer monatlichen Berichterstattung der d e r G e w e r b e a r t e n « . Für die »örtlichen und Wirt-
Molkereibetriebe. schaftseinheiten« wurden 467 nicht kombinierte und

34
88 kombinierte, insgesamt also 555 Gewerbearten Gewerbebetrieben), den Personalstand (in einer gegen-
unterschieden. Für den Nachweis der »technischen über 1907 vereinfachten Form), Zugtiere (neu), Kraft-
Einheiten« wurden 477 nicht kombinierte Gewerbe- maschinen, Kraftfahrzeuge und die schon erwähnten
arten und 90 Arten von Hilfsbetrieben, zusammen Listen der Zweigniederlassungen und der Teilbetriebe,
567 Positionen, unterschieden, gegen knapp 400 im wobei für diese nur eine restlose Aufteilung des Perso-
Jahre 1907. nals verlangt wurde. Die Frage nach der Verwendung
Der methodisch interessanteste Fortschritt lag in der motorischer Kraft war besonders eingehend ausge-
D e f i n i t i o n der E r h e b u n g s - und D a r s t e l l u n g s - staltet worden. Die bei allen früheren Zählungen er-
e i n h e i t e n . Diese Frage war bei den früheren Zäh- fragten Arbeitsmaschinen wurden in Anbetracht der
lungen nicht eindeutig geklärt. Erfaßt wurden auch weit fortgeschrittenen Spezialisierung nicht mehr er-
früher wohl hauptsächlich örtliche Einheiten. Die fragt.
über die Haushaltsliste erfaßten Gewerbetreibenden Alles in allem ergab sich so ein recht überlasteter Frage-
sollten allerdings, wenn sie mehrere Gewerbe neben- bogen, der als Einheitsbogen von allen großen und klei-
einander betrieben, für jedes Gewerbe einen gesonder- nen Betrieben auszufüllen war. Dem Verfasser ist in
ten Gewerbebogen ausfüllen. Was unter »verschiede- Erinnerung, daß eine sich offenbar überfordert füh-
nen Gewerben« zu verstehen war, ist 1907 nur durch lende Töpfersfrau die Frage nach den Kraftmaschinen
eine einzige Erläuterung auf dem Gewerbebogen, (acht Arten mit jeweils sechs Spalten) und die Frage,
»z. B. Gastwirtschaft und Fleischerei, Bäckerei und ob Pferde, Esel und Maultiere oder Rindvieh als Zug-
Weinausschank usw.«, definiert worden. Da beide tiere verwendet werden, mit dem Hinweis beantwor-
Beispiele eine Kombination von handwerklicher Pro- tete: »Mein Mann tritt seine Töpferscheibe mit dem
duktion und dem zum Handel zuzurechnenden Gast- Fuß, mal mit dem rechten, mal mit dem linken, und er
wirtsgewerbe darstellen, ist wohl kaum zu erwarten, ist im Betrieb auch der einzige Esel«.
daß größere horizontal oder vertikal kombinierte Die S t a t i s t i k d e r E r w e r b s - und W i r t s c h a f t s -
»örtliche Einheiten« auf diese Anweisung hin Auf- g e s e l l s c h a f t e n , die als juristische Personen im Han-
teilungen ihrer Betriebe vorgenommen haben. delsregister eingetragen sind, wurde regelmäßig fort-
Bei der Zählung 1925 wurde für jede ö r t l i c h e geschrieben. Die damit zusammenhängende Statistik
N i e d e r l a s s u n g die Ausfüllung des Gewerbebogens der B i l a n z e n d e r A k t i e n g e s e l l s c h a f t e n wurde
verlangt. Nur bei wesensverschiedenen Gewerbe- mit den Goldmark-Eröffnungsbilanzen 1925 wieder
zweigen in der Hand eines Gewerbetreibenden sollten aufgenommen. Ergänzend wurden auch die Ge-
getrennte Bogen ausgefüllt werden. Als Beispiel für schäftserg e b η i sse der G e n o s s e n s c h a f t e n zu-
die Wesensverschiedenheit wurde nur die »Schlosserei sammengestellt. Auch eine einzelne Einzelschrift über
und Kolonialwarenhandlung« genannt und der Hin- die K o n z e r η b i I d υ ng (Ende 1926) wurde herausge-
weis gegeben, daß eine Verbindung mit einem land- geben.
wirtschaftlichen Betrieb immer als wesensverschieden
zu gelten habe.
11. Industrie und H a n d w e r k
Um Angaben für das U n t e r n e h m e n — damals als
»Wirtschaftseinheit« bezeichnet — zusammenstellen Die P r o d u k t i o n d e r b e r g b a u l i c h e n B e t r i e b e
zu können, mußten die Hauptniederlassungen eine und der K o h l e n - , Eisen- und H ü t t e n i n d u s t r i e
Liste ihrer Zweigniederlassungen beifügen und die wurde unter vielfachen Anpassungen an veränderte
Zweigniederlassungen Sitz und Adresse ihrer Haupt- Verhältnisse weiterhin jährlich erfaßt und ein Teil
niederlassung angeben. Für die Aufbereitung mußte der Ergebnisse ab 1924 im Interesse einer schnelleren
das Material über die Zweigniederlassungen dann an Wirtschaftsbeobachtung monatlich veröffentlicht.
das für die Hauptniederlassung zuständige Landesamt Auch die P r o d u k t i o n s e r h e b u n g e n in a u s g e -
weitergeleitet werden. w ä h l t e n I n d u s t r i e z w e i g e n wurden fortgesetzt und
Als dritte Darstellungseinheit wurden die » T e i l b e - auf weitere Branchen ausgedehnt. Im Jahre 1932
t r i e b e « erfragt. Was als »Teilbetrieb« anzusehen ist, wurden laufend, d. h. jährlich, zum Teil auch monat-
wurde nur recht vage durch einzelne in Klammern lich bearbeitet: einzelne Zweige der Chemischen
gesetzte Musterbeispiele definiert, die sich auf die Industrie, Ledergerberei, Schuhindustrie, Konserven-
Worte »Gewerbezweige, Bestandteile, Produktions- industrie, Kunstseiden-, Kraftfahrzeug-, Bereifungs-,
stufen, Werke« beschränkten. Eindeutig war, daß Kalkindustrie, Elektrizitätswirtschaft. Dazu kamen Er-
offene Verkaufsstellen, Läden, Annahmestellen als hebungen in größeren zeitlichen Abständen. Die Me-
besondere Teilbetriebe zu gelten hatten. Es ist ver- thode spezieller Fragebogen für jeden erfaßten Indu-
ständlich, daß bei dieser Fragestellung keine einheit- striezweig wurde beibehalten, wobei es oft sehr enge
liche Aufteilung der örtlichen Einheiten auf das, was Abgrenzungen gab (ζ. B. Herstellung von Rheinisch-
wir heute »fachliche Unternehmensteile an einem Kraut, von Stearin oder von Kerzen usw.), so daß
Ort« nennen würden, zu erreichen war. Dem Verfasser diese Statistik gesamtwirtschaftlich gesehen wenig
ist bekannt, daß das Preußische Statistische Landesamt hergab.
damals bei allen größeren Betrieben mit Hilfe einer Die Statistik über die E r z e u g u n g v e r b r a u c h s t e u e r -
vorgegebenen möglichen Aufteilung zurückgefragt hat, p f l i c h t i g e r G e g e n s t ä n d e wurde dem jeweiligen
um einigermaßen verwertbare Ergebnisse zu erhalten. Verbrauchsteuerrecht angepaßt, wodurch teils einige
Die einzelnen Fragen bezogen sich auf die betriebene Waren fortfielen, teils neue hinzukamen.
Gewerbeart, Hausgewerbebetriebe, die Feststellung Die im Kriege eingestellte Statistik des D a m pf kessel-
ob Haupt- oder Zweigniederlassung, die Rechtsform bestandes wurde ab 1930 wieder aufgenommen.
des Unternehmens (mit einer neuen Zusatzfrage nach Die seit 1877 jährlich erfaßten D a m pf kesse I ex-
der finanziellen Beteiligung der öffentlichen Hand an p l o s i o n e n gehörten auch weiterhin zum Programm.

3* 35
Die im Rahmen der »Arbeiterstatistik« ab 1903 einge- der Betriebe und der Beschäftigten war nach wie vor
richtete Berichterstattung ausgewählter industrieller den gewerblichen Betriebszählungen zu entnehmen.
Betriebe über die Beschäftigungslage war 1920 mit Dazu lieferte die Umsatzsteuerstatistik, allerdings auch
anderen Teilen der »Arbeiterstatistik« zur Reichs- in größeren zeitlichen Abständen, Angaben über die
arbeitsverwaltung gekommen. Ab 1928 kehrte diese Umsätze.
I n d u s t r i e b e r i c h t e r s t a t t u n g in das Reichsamt zu- Da diese nur in längeren Abständen vorliegenden
rück, wo sie zu einem wichtigen Konjunkturindikator Informationen für die Konjunkturbeobachtung nicht
ausgebaut wurde. 1932 berichteten rd. 6000 Firmen genügten, wurden 1925/26 in Zusammenarbeit mit
über die im Durchschnitt des Monats beschäftigten dem Institut für Konjunkturforschung eine G r o ß -
Arbeiter und Angestellten, über die bei voller Ausnut- handels- und Ei nzel h a n d e l s b e r i c h t e r s t a t t u ng
zung aller Einrichtungen vorhandene Arbeiterplatz- aufgebaut, die auf repräsentativer Grundlage monat-
kapazität und über die tatsächlich geleisteten Arbeiter- lich den Verlauf der Umsätze nachwies.
stunden. Da es sich um eine freiwillige Beteiligung
der Firmen handelte, waren die einzelnen Industrie-
14. Außenhandel
zweige ungleich repräsentiert, so daß das Material
nur für die Darstellung der Bewegung in Relativzahlen Die Kriegsverhältnisse und die nachfolgenden Infla-
ausgenutzt werden konnte. Die Kapazitätsausnutzung tionsjahre haben dazu geführt, daß für die Jahre 1914
im Saison- und Konjunkturverlauf aufzuzeigen, war bis 1924 keine oder nur unvollständige Ergebnisse
aber das wichtigste Ziel dieser Statistik. Die sich vorliegen. Die Außenhandelsstatistik, die früher in der
beteiligenden Firmen erhielten die Ergebnisse mit Hauptsache dazu bestimmt war, mit ihren Einzelheiten
Streuungsbildern zurück, aus denen sie die Lage ihres Unterlagen für den Zolltarif und für Handelsvertrags-
Unternehmens im Rahmen der Branche erkennen verhandlungen zu liefern, wurde nach dem Kriege zu
konnten. Die Industrieberichterstattung wurde auf einem Politikum ersten Ranges. Bei den Erörterungen
diese Weise bewußt nicht nur der allgemeinen Wirt- über die Leistungskraft der deutschen Volkswirtschaft,
schaftsbeobachtung, sondern auch der vergleichenden sei es für Reparationszahlungen, sei es für die Sicher-
Betriebskontrolle und der Marktanalyse nutzbar ge- heit der Verzinsung und Rückzahlung von Auslands-
macht. krediten, waren Einfuhr und Ausfuhr und vor allem
der Außenhandelssaldo als wichtiger Teil der Zahlungs-
In den hier erörterten Zeitraum fällt auch die erste
bilanz entscheidende volkswirtschaftliche Daten. Daß
a l l g e m e i n e B e s t a n d s a u f n a h m e des deutschen
sie einige Jahre sehr ungenau, wenn nicht unbrauch-
H a n d w e r k s , allerdings nicht als eine Statistik des
bar waren, lag einmal daran, daß die Addition von
Reichsamtes, sondern als eine Arbeit des Enqueteaus-
Werten eines Jahres bei rapider Geldentwertung keine
schusses von 1926 in Zusammenarbeit mit den Hand-
sinnvollen Größen ergab, statistisch-methodisch aber
werksorganisationen.
auch in den Schwierigkeiten und Mängeln der Wert-
ermittlung.
12. B a u t ä t i g k e i t und Wohnungen
Vor dem Kriege war nur der Wert der Ausfuhr anzu-
Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg hatte nur Woh- melden, für die Einfuhr gab es noch keine individuellen
nungsmarktmeldungen einzelner Städte gekannt. Um Anmeldescheine, sondern nur von den Zollstellen ge-
den Zugang an Wohnungen nach dem ersten Welt- lieferte Übersichten, die mit Ausnahme für wenige
krieg zu erfassen, wurde 1923 eine Ba u t ä t i g keits- Waren, nur Mengenangaben enthielten. Im Jahre 1921
statisti k eingeführt, die auch die Zeit von 1919 bis wurde zwar die Anmeldung der Werte für alle Einfuhr-
1922 nachträglich einbezog. Diese jährliche Statistik waren vorgeschrieben, aber die rasch fortschreitende
brachte für das gesamte Reichsgebiet die Neubauten, Inflation zwang, zur Methode der Schätzung der Werte
Umbauten und Abgänge von Gebäuden und Wohnun- durch die Sachverständigenkommission zurückzukeh-
gen nach den b a u p o l i z e i l i c h e n A b n a h m e n . Für ren. Die Schätzungen wurden nicht mehr jährlich,
die Gemeinden über 50 000 Einwohner wurden monat- sondern monatlich vorgenommen, und zwar in fester
lich die Wohnungen nach der Größe unterteilt und Auslandswährung.
zusätzlich die erteilten B a u g e n e h m i g u n g e n erfragt, Nach der Stabilisierung der Währung traten die
ab 1930 wurde auch die Art der Bauherren festgestellt. Mängel dieses Verfahrens, insbesondere für Positionen
Das Jahr 1927 brachte nach neun Jahren eine neue mit sehr heterogenem Inhalt, immer stärker hervor,
R e i c h s w o h n u n g s z ä h l u n g , die mit der Feststellung so daß man für diese Positionen wieder auf die Angabe
der Zahl der Wohnungssuchenden verbunden war. der Werte zurückgriff. Große Schwierigkeiten bereite-
Ausgangspunkt war der bauliche Wohnungsbegriff — ten auch die Einfuhren aus Zollägern, für die keine
also nicht das Hauptmieterverhältnis zum Hauseigen- Wertangaben zu erhalten waren und bei denen man
tümer. Erfragt wurden die Art und Zahl der Räume, schließlich die Durchschnittswerte der unmittelbaren
die Belegung der Wohnungen mit mehreren Haushalten Einfuhr aus dem Auslande verwendete.
(Untermietern und Mitbewohnern), wobei auf die Das ganze Verfahren der Außenhandelsstatistik wurde
Verwandtschaftsverhältnisse der verschiedenen Haus- 1928 durch Gesetz neu und eingehend geregelt. Ein
halte zueinander Wert gelegt wurde. wichtiger Fortschritt lag darin, daß das Statistische
Reichsamt nunmehr auch für die Einfuhr Anmelde-
scheine mit Wertangaben erhielt, aus denen der
13. Binnenhandel
Name des Importeurs ersichtlich war und damit
Der Binnenhandel — also der Verteilungsgroßhandel klärende Rückfragen möglich wurden. Darüber hinaus
und der Einzelhandel — wurde auch in diesem Zeit- wurden die Begriffe des Importeurs und Exporteurs
abschnitt nur in begrenztem Maße Gegenstand besonde- genau definiert und nur diesen erlaubt, die Wertan-
rer Statistiken. Der Umfang des Handels nach der Zahl gaben zu machen. Dabei ging es vor allem darum, daß

36
der Handelsgewinn der Exporteure in den Ausfuhr- 17. Versicherungen (ohne Sozialversicherung)
werten enthalten war. Das Statistische Warenverzeich-
Auf dem Gebiete des privaten Versicherungswesens
nis und die Liste der nachzuweisenden Herkunfts- und
blieb es, wie vor dem Kriege, nur bei der Veröffent-
Bestimmungsländer wurden häufiger neuen Verhält-
lichung von Ergebnissen, die im Reichsaufsichtsamt
nissen angepaßt. Auch die Statistik der Zollerträge
für Privatversicherung bearbeitet wurden.
wurde nach einer Unterbrechung für die Jahre 1914
bis 1925 wieder aufgenommen.
Die internationale Beobachtung wurde ausgedehnt. 18. Sozialversicherung und
Die Außenhandelsergebnisse des Reichs wurden denen öffentliche Sozialleistungen
seiner Handelspartner gegenübergestellt, wodurch sich Die Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der K r a n -
nicht nur für die Handelsvertragsverhandlungen, son- k e n v e r s i c h e r u n g , die seit 1885 zusammengestellt
dern auch für marktanalytische Zwecke der Impor- wurden, erschienen weiterhin Jahr für Jahr. Statisti-
teure und Exporteure wichtige Unterlagen ergaben.
ken aus dem Bereich der übrigen Sozialversicherung
Auch die seit 1924 begonnene Allgemeine Statistik
wurden von den sie bearbeitenden Trägern der Sozial-
der Weltwirtschaft und des Auslandes ist in diesem
versicherung bzw. vom Reichsversicherungsamt für
Zusammenhang zu nennen.
Veröffentlichungszwecke übernommen.
Um einen Indikator für die Beschäftigungs- und Ein-
kommensentwicklung zu gewinnen, wurde auf Grund
15. V e r k e h r
von Meldungen der Postämter, die die Versicherungs-
marken verkauften, ab 1929 eine vierteljährliche
Am Programm der Verkehrsstatistik ist im Zeitabschnitt
S t a t i s t i k d e r B e i t r ä g e z u r I n v a l i d e n - und An-
1919 bis 1932 wenig geändert worden. Sie hatte als
g e s t e l l t e n v e r s i c h e r u n g aufgebaut.
Statistik der Verkehrsmittel und der Verkehrsleistun-
Auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege wurde durch
gen schon vor dem ersten Weltkrieg ein beachtliches
die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht vom
Niveau erreicht. Die Gebietsabtretungen zwangen zu
13. Februar 1924 die öffentliche Fürsorge für die Opfer
einer Überarbeitung des Verzeichnisses der Verkehrs-
des Krieges und der Inflation, die hilfsbedürftigen
bezirke. Die wichtigste Erweiterung war die Aufnahme
Jugendlichen, ferner die Wochenfürsorge und die all-
der G ü t e r v e r k e h r s s t a t i s t i k ü b e r See, so daß
nunmehr der Güterverkehr für die Eisenbahnen, die gemeine Armenfürsorge zusammenfassend geregelt.
Binnenschiffahrt und den Seeverkehr nachgewiesen Dies führte ab 1927 zu einer umfangreichen Statistik
werden konnte. Die ersten Angaben über den Luftver- d e r ö f f e n t l i c h e n F ü r s o r g e . Die Bezirks- bzw.
kehr wurden nicht im Reichsamt zusammengestellt. Landesfürsorgeverbände hatten zu berichten über den
Eine statistische Beobachtung des Straßenverkehrs gab gesamten Personenkreis und die Fürsorg e kosten, die
es noch nicht. Unterbringung in geschlossenen Fürsorgeeinrichtun-
gen und in Familien sowie über die Ausgaben und
Das größere Interesse an der Wirtschaftsbeobachtung
Einnahmen für die Fürsorge und Jugendhilfe. Diese
führte auch bei einigen Verkehrsstatistiken zum Über-
Jahresstatistik wurde ab Mitte 1932 durch einen viertel-
gang auf monatliche Nachweisungen (Binnenschiffs-
jährlichen Schnelldienst ergänzt.
verkehr, Schiffsverkehr und Güterverkehr über See).
Die Statistik der ö f f e n t l i c h e n J u g e n d h i l f e , für
die die Jugendämter Fragebogen auszufüllen hatten,
16. Geld und Kredit wurde ebenfalls ab 1927 begonnen, konnte aber nicht
auf alle Länder ausgedehnt werden.
In den Inflationsjahren beanspruchten alle Vorgänge In der Zeit der Auswirkungen der Weltwirtschafts-
auf dem Gebiete des Geldwesens verständlicherweise krise wurde ab 1930 eine Statistik der W o h l f a h r t s -
ein großes Interesse. Die verfügbaren Reihen wurden, e r w e r b s l o s e n eingeführt.
soweit es ging, im Interesse der laufenden Wirtschafts-
beobachtung auf eine monatliche Periodizität gebracht.
19. Arbeiterstatistik und O r g a n i s a t i o n
Ab 1921 wurde die Beobachtung der G e l d - , D e v i s e n -
des A m t e s
und E f f e k t e n m ä r k t e an Hand der Kurszettel stati-
stisch intensiviert. Ab 1923 wurden die A u s w e i s e Im Jahre 1920 wurden diejenigen Arbeitsgebiete der
d e r N o t e n b a n k e n im Hinblick auf die Entwicklung »Abteilung für Arbeiterstatistik«, die nicht rein stati-
des G e l d u m l a u f s ausgewertet. Die B i l a n z s t a t i - stischer Art waren, vor allem die Berichterstattung über
stik der B a n k e n und der B o d e n k r e d i t i n s t i t u t e den Arbeitsmarkt und die Arbeitsvermittlung und damit
wurden seit 1928 monatlich nachgewiesen. Auch die auch die Herausgabe des Reichsarbeitsblatts, vom
S p a r k a s s e n s t a t i s t i k wurde ab 1925 auf eine monat- Statistischen Reichsamt abgezweigt und dem neu ge-
liche Berichterstattung umgestellt. Die Statistik der gründeten »Reichsamt für Arbeitsvermittlung« über-
A u s g a b e von W e r t p a p i e r e n und der A u f n a h m e tragen. Diese Trennung ging nicht ganz schmerzlos
von A u s l a n d s a n l e i h e n gewann Mitte der 20er vonstatten, nochzumal das neue Reichsamt eine ge-
Jahre eine große Aktualität; auch hier gibt es seit wisse Tendenz hatte, auf Gebiete der allgemeinen
1924 monatliche Nachweise. Ab 1927 wurden die Statistik überzugreifen. Es bestand die Neigung, als
K a p i t a l a n l a g e n d e r Lebens- und S o z i a l v e r - »Geschäftsstatistiken« alles zu deklarieren, was man
s i c h e r u n g e n statistisch zusammengestellt und monat- zur Durchführung der Geschäfte brauchte, während
lich veröffentlicht. Auch die 1910 eingeführte Statistik die Statistiker diesen Begriff auf die im Geschäftsablauf
des U m l a u f s von S c h u l d v e r s c h r e i b u n g e n , die gewissermaßen als Nebenprodukt anfallenden stati-
im Kriege eingestellt worden war, wurde ab 1927 stischen Unterlagen beschränken. Es kam so zu einigen
wieder aufgenommen. Kompetenzstreitigkeiten, die jedoch mit Hilfe des

37
Reichssparkommissars erlaubten, einige Aufgaben und in die Haushaltsplanstatistik (seit 1929/30) und
»zurückzuerobern« (z. B. Statistik der Tarifverträge, in die Schuldenstatistik (für 1928 und 1929). Der
der Arbeitskämpfe, des Schlichtungswesens und der kihalt der Nachweisungen der Einnahmen und Aus-
Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände). Die beim gaben wurde für alle Gebietskörperschaften nach
Statistischen Reichsamt verbliebenen Aufgaben der Arten und Aufgabengebieten (Verwendungszwecken)
Abteilung für Arbeiterstatistik, die als solche mit ihren weitgehend unterteilt. Dazu kam eine P e r s o n a l -
besonderen Kompetenzen fortfiel, wurden einer neuen stand sstatisti k (von 1925/26 bis 1930/31 jährlich,
Abteilung III für Wirtschafts- und Sozialstatistik zuge- dann dreijährlich). Ab 1926/27 wurden die Rechnungs-
wiesen. und die Haushaltsplanstatistik durch eine Kassen-
Am T a g e seines 5 0 j ä h r i g e n Bestehens im Jahre s t a t i s t i k ergänzt. Die S c h u l d e n s t a t i s t i k für das
1922 bestand das Amt noch immer aus drei Ab- Reich wurde seit 1928 auf einen monatlichen Turnus,
teilungen, die allerdings durch Unterteilung der Ab- für die Länder und größeren Gemeinden auf viertel-
teilungen I und II praktisch auf fünf Abteilungen ange- jährliche Meldungen umgestellt.
wachsen waren. Die Geschäftsverteilung erscheint uns Sehr beachtlich sind auch die auf der Finanzstatistik
heute wenig systematisch: aufbauenden Untersuchungen, die über eine Darstel-
Abteilung IA Verwaltung und allgemeine Ange- lung der statistischen Ergebnisse weit hinausgehen.
legenheiten So wurde versucht, die Zusammenhänge zwischen dem
Abteilung IB Allgemeine Statistik (Bevölkerung, Verwaltungsaufbau und den Finanzen zu klären und
Geld und Kredit, Finanzen, Landwirt- damit Beiträge zur Verwaltungs- und Finanzreform
schaft, industrielle Produktion, Wahl- zu liefern. Auch die Zusammenhänge zwischen den
statistik, Kriminalstatistik, Wohnungs- öffentlichen Haushalten und der Wirtschaft wurden
zählungen, Schulstatistik, Dampf- analysiert, wobei auch das Ausland einbezogen wurde.
kessel) Über die internationalen Finanzen wurden Zusammen-
Abteilung IIA Auswärtiger Handel, Fischereistatistik stellungen für die Jahre 1925 bis 1932 veröffentlicht,
Abteilung IIB Steuerstatistik, Verkehrsstatistik eine internationale Schuldenstatistik wurde für die
Abteilung III Wirtschafts- und Sozialstatistik (Be- Zeit von 1927 bis 1932 herausgebracht.
rufs· und Betriebszählungen, Preise, Die Neuordnung des Steuersystems führte zu einer
Lebenshaltung, Handels-, Handwerks- erheblichen Erweiterung und Verbesserung der
und Landwirtschaftskammern, Bau- S t e u e r s t a t i s t i k e n . Die Veranlagung zur E i n k o m -
tätigkeit, Löhne und Gehälter, Kran- mens- und K ö r p e r s c h a f t s s t e u e r wurde für das
kenversicherung etc., Herausgabe von Jahr 1920 und wegen der Geldverhältnisse erst wieder
»Wirtschaft und Statistik«). ab 1925 im Reichsamt statistisch aufbereitet. Die
L o h n s t e u e r wurde für 1926 und 1928 bearbeitet.
Hinzu kam die U m s a t z s t e u e r s t a t i s t i k (ab 1918),
20. Finanzen und Steuern die V e r m ö g e n s t e u e r - und die E i n h e i t s w e r t s t a -
Die schon längere Zeit vor dem ersten Weltkrieg ge- t i s t i k , die ab 1924/25 für ausgewählte Jahre erstellt
führte, nach Umfang und Aufbau recht begrenzte und wurde, und ab 1922 die K a p i t a l v e r k e h rsteuer.
unter mangelnder Vergleichbarkeit leidende Finanz- Die E r b s c h a f t s t e u e r s t a t i s t i k wurde 1924 wieder
statistik für das Reich und die Länder konnte den aufgenommen.
Anforderungen der Weimarer Zeit nicht genügen. Der Umfang der V e r b r a u c h s t e u e r n wechselte mit
Die Weimarer Verfassung hatte die zentrale Reichs- der Art und Zahl der der Verbrauchsbesteuerung unter-
gewalt gestärkt und die alten Staatsaufgaben neu ver- worfenen Waren. Der wichtigste Zugang war die 1930
teilt. Durch die Reichsabgabenordnung und das Finanz- eingeführte M i n e r a l ö l s t e u e r .
ausgleichsgesetz aus dem Winter 1919/20 wurde ein
Auch auf dem Gebiete der Steuern wurden eine Reihe
einheitliches Verfahren und eine reichseigene Finanz-
von Sonderuntersuchungen durchgeführt, so über die
verwaltung geschaffen. Mit Ausnahme der sogenannten
Steuerkraft der Finanzamtsbezirke und Steuerbela-
Realsteuern (Grund-, Hauszins- und Gewerbesteuern)
stungsuntersuchungen für die gewerbliche Wirtschaft,
wurden alle großen Steuern vom Reich verwaltet und
die Wohnungswirtschaft, die Landwirtschaft, der öffent-
von ihm anteilsmäßig an Länder und Gemeinden über-
lichen Versorgungs- und Verkehrsunternehmen und
wiesen. Die Einführung der Reichshaushaltsordnung
der Verbrauchswirtschaft. Dazu kamen internationale
(31. Dezember 1922) regelte auch das Haushaftsrecht
Steuerbelastungsvergleiche.
der Länder und schuf eine einheitliche Systematik und
Gliederung der Haushalte von Reich und Ländern, Diese Arbeiten waren nur möglich, weil die Finanz-
was der Statistik sehr zugute kam. und Steuerstatistik in der hier erörterten Periode
Die Folgen des Krieges brachten dem Reich vollkom- großzügig mit Mitteln und Personal ausgestattet war
men neue Aufgaben und damit finanzielle Lasten, die und die Arbeitsmarktsituation für Akademiker nach
von einer geschwächten Volkswirtschaft aufzubringen der Inflation die Einstellung zahlreicher »billiger«
waren. Der auf Grund der Neuverteilung der wichtig- akademisch gebildeter Kräfte erlaubte, die nicht gleich
sten Einnahmen eingeführte Finanzausgleich zwischen — wie heute — als Angestellte des höheren Dienstes
dem Reich, den Ländern und den Gemeinden und Ge- bezahlt wurden.
meindeverbänden konnte zunächst nur ohne genügende
zahlenmäßige Unterlagen durchgeführt werden. Der 21. Preise
Aufbau einer umfassenden Finanzstatistik wurde daher Die Geldentwertung in den ersten Jahren nach dem
notwendig. Die wesentlichste Neuerung bestand in der ersten Weltkrieg und die Teuerung als ihr Spiegelbild
E i n b e z i e h u n g d e r G e m e i n d e n und G e m e i n d e - rückten den statistischen Nachweis der Preisentwick-
v e r b ä n d e in die Rechnungsstatistik (seit 1925/26) lung in den Mittelpunkt des Interesses. Die Sammlung

38
einzelner Großhandelspreise, die um verschiedene 22. Löhne und G e h ä l t e r
Waren erweitert wurde, und die Sammlung von
Das Jahr 1920 brachte die erste, weitgreifende Er-
Lebensmittelpreisen konnte den gestiegenen Anfor-
hebung der Löhne und Gehälter. In der Anleitung hieß
derungen, die sich vor allem in den Lohnverhand-
es: »Sie soll der Erkenntnis der tatsächlichen Zustände
lungen zeigten, nicht mehr gerecht werden. So wurde im
auf diesem vielumstrittenen Gebiete dienen und in Ver-
Dezember 1919 eine E r h e b u n g d e r K l e i n h a n d e l s -
bindung mit der gleichzeitig wiederholten Erhebung
preise für die wichtigsten Lebensbedürfnisse einge-
über die Teuerungsverhältnisse die dringend notwendi-
führt, verbunden mit einer Feststellung der amtlich gen Unterlagen für eine gesunde Lohn- und Gehalts-
zugeteilten Lebensmittelmengen. Dabei wurde ver- politik bieten«. Es wurden etwa 25 000 Betriebe be-
sucht, auch im Schwarzmarkt umgesetzte Mengen und fragt. Die Betriebe hatten u. a. Angaben über die Zahl
Preise zu ermitteln. Der Zweck dieser gemeindeweisen der Beschäftigten, die Arbeitszeit, die Lohn- bzw. Ge-
Erhebung war die Berechnung von Teuerungszahlen, haltssumme und über Sonderleistungen zu machen.
die vor allem auch regionale Unterschiede in der Sie mußten ferner für jeden Arbeiter und Angestellten
Teuerung erkennen lassen sollten. Auf diesem Material eine Individualkarte ausfüllen, die persönliche Angaben
wurde die R e i c h s i n d e x z i f f e r für die Lebens- und den Arbeitsverdienst für jede der 4 Wochen vom
h a l t u n g s k o s t e n einer fünfköpfigen Familie aufge- 2. bis 29. Februar 1920 ermittelte, wobei Arbeitszeit,
baut, zu der die Meldungen von 72 sogenannten Zeitlohn, Stücklohn und Überstundenzuschläge erfaßt
Eildienstgemeinden die Grundlage bildeten. Diese, die wurden. Die Ergebnisse dieser großangelegten Stati-
Preisentwicklung in einer Zahl ausdrückende Reichs- stik haben das Schicksal aller in Geldwerten ausge-
indexziffer wurde seit 1920 monatlich, auf dem Höhe- drückten Feststellungen jener Zeit geteilt, nämlich durch
punkt der Inflation im Herbst 1923 wöchentlich oder die rasch fortschreitende Geldentwertung ihre Aussage-
sogar zweimal wöchentlich berechnet. kraft größtenteils sehr schnell zu verlieren.
Auch die G r o ß h a n d e l s p r e i s e wurden seit 1921 in Für die laufende Beobachtung der Lohn- und Gehalts-
einer P r e i s i n d e x z i f f e r zusammengefaßt. Sie um- entwicklung wurden die T a r i f g e h ä l t e r für die Zeit
faßte ursprünglich nur 38 Rohstoffe und Halbwaren, ab 1920 jährlich und die T a r i f l ö h n e ab 1922 monat-
deren Zahl allmählich erhöht wurde. Im Dezember 1926 lich zusammengestellt und zu mit den Beschäftigten-
wurde die Waren- und Preisgrundlage erheblich zahlen gewogenen Durchschnitten zusammengefaßt.
erweitert, nämlich auf rd. 400 Waren und 800 Preis- Diese Daten wurden seit 1922 durch Nachweise über
meldungen, wobei im Laufe der Jahre die Zahl der die G e h ä l t e r d e r R e i c h s b e a m t e n ergänzt. Die
Preismeldungen auf rd. 1 000 erhöht wurde. Die Tariflohnstatistik wurde an Hand der Ergebnisse der
wichtigste Erweiterung lag in der Einbeziehung von Berufs- und Betriebszählung 1925 ab 1931 neubearbei-
230 industriellen Fertigwaren. Auch das Wägungs- tet und dabei erheblich verbessert und erweitert. Die
schema wurde auf Grund des jahresdurchschnittlichen erforderlichen Unterlagen gingen dem beim Statisti-
volkswirtschaftlichen Verbrauchs je Kopf der Bevölke- schen Reichsamt geführten Tarifarchiv auf Grund ge-
rung neu berechnet. Es ergab sich so die folgende setzlicher Bestimmungen zu.
Gruppierung :
Die Beobachtung der E f f e k t i v v e r d i e n s t e , also das
Ziel der Lohn- und Gehaltserhebung 1920, für die das
Zahl der Wägung
Indexgruppe Gesetz über Lohnstatistik vom Jahre 1922 bereits die
Waren Preise in % Ermächtigung gab, wurde erst 1927 wieder aufgenom-
men. Die Erhebungen für ausgewählte Industriezweige
Agrarstoffe 43 70 35
wurden zeitlich über die Jahre verteilt und nach je-
Kolonialwaren 10 17 3 weils drei Jahren wiederholt. Die für alle wichtigen Indu-
Industrielle Rohstoffe und strien vorliegenden Daten schließen sich methodisch
Halbwaren 117 176 38 und inhaltlich an das Muster der Erhebung von 1920 an.
Industrielle Fertigwaren 230 740 24 Die l a u f e n d e n V e r d i e n s t n a c h w e i s u n g e n für die
B e r g a r b e i t e r (Meldungen der oberen Bergbehör-
zusammen rd.400 rd.1000 100 den) wurden durch Nachwelse der Zechenverbände
für den Stein- und Braunkohlenbergbau ergänzt.
Als Basisjahr wurde trotz der Schwierigkeiten, die er-
Auch die O r t s l ö h n e wurden weiterhin zusammenge-
forderlichen Vorkriegspreise festzustellen, das Jahr
stellt.
1913 gewählt.
Die Weimarer Zeit, in der sich das Tarifvertragswesen
Die Preisbeobachtung wurde 1921 auf die F r a c h t e n
und die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit von
der Binnen- und Seeschiffahrt und 1922 auf die
Tarifverträgen durch das Reichsarbeitsministerium
Bau kosten ausgedehnt. Im Jahre 1932 kam eine Preis-
stark entwickelte, brachte also eine erhebliche Auswei-
indexziffer der aus d e r L a n d w i r t s c h a f t zum V e r -
tung des lohn- und gehaltsstatistischen Programms.
k a u f g e l a n g e n d e n E r z e u g n i s s e hinzu. Dies war
Dabei lieferte jedoch nur die Tariflohnstatistik einen
der erste Ansatz zu der heute üblichen »sektoralen«
gleichzeitigen Überblick über zahlreiche Wirtschafts-
Preisbeobachtung von »Erzeugerpreisen«. Unter
zweige, während ein solcher Überblick durch die
»Großhandelspreisen« wurden damals die Preise der
zeitlich gestaffelten Verdiensterhebungen noch nicht
»en gros« gehandelten Waren verstanden, so daß
zu gewinnen war.
— um die heutige Terminologie zu verwenden — im
Großhandelspreisindex Erzeugerabsatzpreise ab Hof
23. Wirtschaftsrechnungen und Versorgung
oder Fabrik mit Großhändler-Einkaufs- und -Verkaufs-
preisen gemischt waren. Die Intensivierung der Aus- Besonders bei der Aufstellung des Verbrauchsschemas
l a n d s b e o b a c h t u n g gilt auch für die P r e i s e , für für den Lebenshaltungspreisindex wurde es als großer
die ab 1920 monatliche Veröffentlichungen vorliegen. Mangel empfunden, daß die letzten Erhebungen über

39
Wirtschaftsrechnungen aus dem Jahre 1907 stammten. wandelt. Über die außenwirtschaftlichen Beziehungen
Vorschläge der internationalen Konferenz der Arbeiter- und das Ergebnis des Leistungsaustauschs im Waren-
statistiker in Genf im Jahre 1925 führten mit dazu, daß handel, im Dienstleistungsverkehr, den Zins- und Divi-
für das Jahr 1927 eine neue Erhebung über die dendenzahlungen, der Geld- und Devisenbewegung
W i r t s c h a f t s r e c h n u n g e n m i n d e r b e m i t t e l t e r Fa- und im Kapitalverkehr sollte die üblicherweise als
m i l i e n durchgeführt wurde, bei der auch die Wohn- »Zahlungsbilanz« bezeichnete Statistik Rechnung legen.
verhältnisse erfragt wurden. Etwa 2 000 Haushalts- Die 1928 errichtete »Abteilung für allgemeine Wirt-
bücher konnten verwendet werden. Besonders intensiv schaftsstatistik«, der die Untersuchung volkswirtschaft-
wurde der Nahrungsmittelverbrauch aufbereitet (Men- licher Struktur- und Konjunkturprobleme oblag, hatte
gen, Werte, Kaloriengehalt, Eiweißgehalt). Die Er- schon damals ihre Ziele hochgespannt13). Die Arbeiten
gebnisse wurden auf »Vollpersonen« schlüsselmäßig sollten zur Aufstellung einer »realen Wirtschaftsbilanz«
umgerechnet. führen, also in die quantitative Darstellung der Ver-
Die V e r b r a u c h s b e r e c h n u n g e n pro Kopf der Be- flechtung und des Zusammenwirkens der großen
völkerung wurden fortgesetzt, sie beschränkten sich wirtschaftlichen und sozialen Gruppen der deutschen
weiterhin auf landwirtschaftliche und auf verbrauchs- Volkswirtschaft, ein Ziel, das wir heute als volkswirt-
besteuerte Erzeugnisse. schaftliche Gesamtrechnungen bezeichnen.

24. Volkswirtschaftliche Bilanzen 25. Auslandsstatistik


Das Bedürfnis, im Zusammenhang mitden Reparations- Die Ansätze zur Beobachtung des Auslandes wurden
forderungen die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirt- seit dem Jahre 1924, in dem ein besonderes Referat
schaft statistisch fundiert in einer Zahl ausdrücken zu »Ausländische Wirtschaftsstatistik« geschaffen wurde,
können, hat zur Aufnahme a m t l i c h e r V o l k s e i n - systematisch ausgebaut. Es erhielt vom Reichswirt-
k o m m e n s b e r e c h n u n g e n im Statistischen Reichs- schaftsministerium den Auftrag, Material für die Auf-
amt geführt. Es war u. a. notwendig, bessere Meß- gaben der deutschen Wirtschafts- und Handelspolitik
instrumente der Leistungsfähigkeitzu finden als den von zu liefern und Berichte über die weltwirtschaftliche
der Dawes-Kommission konstruierten, recht zweifel- Lage anzufertigen. Insbesondere setzten die neu zu
haften »Wohlstandsindex«, der zur Anpassung der schließenden Handelsverträge eine genaue Kenntnis
Reparationen an die Leistungskraft dienen sollte. der Wirtschaft der Partnerländer voraus. Zu nennen
Einen weiteren Anstoß gab der 1926 eingesetzte En- sind hier auch die das Ausland einbeziehenden Steuer-
quete-Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- belastungsvergleiche, die im Zusammenhang mit dem
und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft und Reparationsproblem angestellt wurden, und die Zu-
insbesondere deren Wandlungen seit der Vorkriegs- sammenstellungen über die internationalen Finanzen.
zeit. Dieser erteilte dem Reichsamt den Auftrag, die Die Hauptaufgabe der Auslandsstatistik blieb die Be-
Größe des deutschen Volkseinkommens in der Vor- richterstattung an die Ministerien und andere amtliche
kriegszeit zu ermitteln und ein ausführliches Gut- Stellen, vielfach in der Form von Länderberichten. Die
achten darüber vorzulegen. Die Frucht dieser Arbeit, regelmäßige Veröffentlichung des rechhaltigen Mate-
bei der auch die Methoden des Auslandes sorgfältig rials lag bis 1925 beim Reichswirtschaftsministerium,
untersucht wurden, ist in der 1932 erschienenen Einzel- von 1926 bis 1933 bei dem mit dem Reichsamt in Perso-
schrift Nr. 24 zur Statistik des Deutschen Reiches nieder- nalunion verbundenen Institut für Konjunkturfor-
gelegt. Sie trägt den Titel: »Das deutsche Volksein- schung. Im Jahre 1928 wurde ein Text- und Tabellen-
kommen vor und nach dem Kriege.« werk »Die Wirtschaft des Auslandes 1900 bis 1927«
Von den drei Wegen, das Sozialprodukt — wie wir herausgebracht, in dem die Wirtschaftsstruktur und
heute sagen würden — zu berechnen, ist damals im ihre Entwicklung für die 45 wichtigsten Länder der
Hinblick auf das vorhandene statistische Ausgangs- Welt dargestellt wurde. Im Jahre 1929 folgte eine Er-
material die sogenannte »personale Methode« ange- gänzung um weitere 16 Länder.
wendet worden, also die Summierung aller an natür-
Der wachsende Umfang der auslandsstatistischen Ar-
liche und nichtnatürliche Personen fließenden Ein-
beiten findet sein Spiegelbild im internationalen Teil
kommen. Die tragende Säule bildete die Einkommen-
des Statistischen Jahrbuchs, der von 46 Seiten im Jahre
steuerstatistik, die allerdings in vieler Hinsicht (z. B.
1920 auf 200 Seiten im Jahre 1932 vergrößert wurde.
Landwirtschaft, kleine Einkommen) der Ergänzung
durch Schätzungen bedurfte. Für die Berechnung über
die Entstehungsseite, also als Summe der erzeugten 26. I n t e r n a t i o n a l e Z u s a m m e n a r b e i t
Güter und Dienstleistungen fehlten die erforderlichen Das Ende des ersten Weltkrieges brachte die Gründung
Produktionsstatistiken. Auch eine Berechnung von der des »Völkerbundes« mit Sitz in Genf, dem das Deutsche
Verwendungsseite her, also als Summe von Verbrauch Reich im Jahre 1926 beitrat. Diese neuartige Organi-
und Kapitalbildung, scheiterte am Materialmangel. sation der Regierungen eines sehr großen Teiles der
Hinsichtlich des V o l k s v e r m ö g e n s , für das eine Welt hatte sich die internationale Zusammenarbeit
Reihe von privaten Schätzungen aus der Vor- und auf nahezu allen Gebieten des staatlichen Lebens zum
Nachkriegszeit vorlag, ist es im Reichsamt bei methodi- Ziel gesetzt. Der Ausgangspunkt bildete stets das
schen Vorstudien geblieben. statistische Bild der jeweils in Angriff genommenen
Probleme. Der Völkerbund nahm sich daher der Samm-
Auch der Aufbau einer Z a h l u n g s b i l a n z - S t a t i s t i k
lung und Veröffentlichung statistischer Daten an und
geht auf Wünsche des Enquete-Ausschusses und damit
in Zusammenhang damit auch der Vereinheitlichung
auf das Jahr 1926 zurück. Als Folge des ersten Welt- 13
) Nach W. Reichardt: Der Statistische Dienst in Deutschland.
krieges hatten sich Ausmaß und Richtung der inter- Extrait de la Revue Internationale des Sciences administratives,
nationalen Kapital- und Güterströme erheblich ge- année 1935, No. 1 Brüssel 1935.

40
der Wirtschafts- und Finanzstatistiken. Die sogenannte Aktualisierung trug vor allem auch die neue Zeit-
»Arbeitsstatistik« fiel in die Zuständigkeit des als schrift »Wirtschaft und Statistik« bei.
Unterorganisation des Völkerbundes gegründeten Die Reparationsfrage gab darüber hinaus den Anstoß,
» I n t e r n a t i o n a l e n A r b e i t s a m t e s « . Die Gesund- die wirtschafts- und finanzwissenschaftlichen Arbeiten
heitsstatistiken wurden von der Weltgesundheitsorga- zu intensivieren und damit von der traditionellen Dar-
nisation betreut. Daneben war das I n t e r n a t i o n a l e stellung, die stets auch der Wirtschaftsanalyse diente,
Land wi rtschaftsi nstitut in Rom weiter tätig. Die in das Gebiet der Wirtschaftsforschung vorzudringen.
neuen Organisationen, denen die Regierungen der Als Beispiele seien nur die Entwicklung der Volks-
Mitgliedsstaaten angehörten, übernahmen den halb- einkommensberechnungen und die Steuerbelastungs-
amtlichen Teil der bisherigen Arbeiten des privaten vergleiche genannt.
Internationalen Statistischen Instituts, dessen Stellung Die stärksten Impulse zur Konjunkturbeobachtung hin
als internationales Zentrum für die Vereinheitlichung gingen von der Persönlichkeit Ernst Wagemanns aus.
von Regierungsstatistiken an Bedeutung einbüßte. Die Personalunion in der Leitung des Reichsamtes und
Die Bemühungen des Völkerbundes führten zur des Deutschen Instituts für Konjunkturforschung, die
»Internationalen Konvention über Wirt- räumliche Verbindung und die engen personellen
schaftsstatistik« vom Jahre 1928. An der Aus- Kontakte, die bis zur Mitarbeit von Angehörigen des
arbeitung dieser Konvention und an ihrer Unter- Reichsamtes im Konjunkturinstitut gingen, machen es
zeichnung waren Vertreter des Statistischen Reichs- nicht leicht, die Leistungen des Reichsamtes von denen
amtes beteiligt. Zu einer Ratifizierung durch den des Konjunkturinstituts zu trennen. Jedenfalls waren
Reichstag ist es wegen des Zeitalters der Regierung erhebliche Teile des Amtes und nicht nur die für die
mit Notverordnungen unter dem Reichskanzler Brü- inländische und ausländische Wirtschaftsbeobachtung
ning nicht mehr gekommen. eingerichteten Referate (siehe S. 31) an diesen auch
Die Konvention enthielt reichlich allgemein gehaltene wirtschaftstheoretisch fundierten Arbeiten beteiligt.
Verpflichtungen zur Aufstellung und Veröffentlichung
von Wirtschaftsstatistiken vor allem auf dem Gebiet C. Zusammenfassung und Verschie-
des Außenhandels und der industriellen Produktion. bungen i m Schwergewicht des
Behandelt wurde ferner die Berufstätigkeit, die Land-
statistischen Programms
und Forstwirtschaft, Fischerei und die Preisindex-
ziffern. Zur genaueren Ausarbeitung der Methoden Die zum Teil schon im Abschnitt A. Allgemeine Ent-
wurde durch die Konvention ein kleiner »Ausschuß wicklungslinien dargelegten Tendenzen und die aus
Statistischer Sachverständiger« eingesetzt, dem auch der Entwicklung der einzelnen Sachgebiete zu ziehen-
der Präsident des Statistischen Reichsamtes angehörte. den Schlüsse seien hier kurz zusammengefaßt:
Der Verfasser dieser Abhandlung war von Ende 1930 Das vor dem ersten Weltkrieg erreichte Arbeitspro-
bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges Sekretär gramm ist zwar teilweise durch den Krieg unter-
dieses Ausschusses. brochen, aber nach dem Kriege in vollem Umfange
Der Ausschuß hat mit deutscher Beteiligung in den weitergeführt worden, wobei auf vielen Gebieten
Jahren 1931 und 1933 getagt, ohne daß wegen der methodische Verbesserungen und sachliche Erweite-
politischen Entwicklung die Ergebnisse seiner Arbeit rungen stattfanden.
noch Einfluß auf die deutsche Statistik nehmen konnten. In der Bevölkerungsstatistik ist das Interesse an der
In den ersten Jahren wurde an der Außenhandels- zukünftigen Bevölkerungsentwicklung und die Fami-
statistik gearbeitet, vornehmlich an einer Mindest- lien- und Haushaltsstatistik als neues Element hervor-
Länderliste und an einer Mindest-Warenliste für den zuheben. Der Nachweis der Erwerbstätigkeit blieb
Außenhandel, der Vorläuferin der heutigen Waren- auf eine, allerdings methodisch sehr modernisierte
klassifikation der Vereinten Nationen für die Außen- Berufszählung beschränkt. Zu nennen ist auch der
handelsstatistik. Eine weitere Arbeit galt dem Nach- Ausbau der Industrieberichterstattung zu einem Instru-
weis der internationalen Warenströme für Nahrungs- ment der Beobachtung der Beschäftigungslage.
mittel und Rohstoffe auf der Grundlage der Einfuhr- Die Landwirtschaftsstatistik wurde vor allem durch die
anschreibungen aller Länder. Milchproduktion erweitert und die Untersuchung der
Beim I n t e r n a t i o n a l e n A r b e i t s a m t wurden Kon- Eigentums- und Besitzverhältnisse, zu denen im weiteren
ferenzen der »Arbeitsstatistiker« abgehalten. Auch Sinne auch die Reichssiedlungsstatistik zu rechnen ist,
hier gab es einen Ausschuß Statistischer Sachverständi- gewannen an Bedeutung.
ger mit deutscher Beteiligung. Das Arbeitsgebiet um- In der Gewerbestatistik blieb es bei der — erheblich
faßte die Sammlung und Vereinheitlichung von Sta- verbesserten — Darstellung der Zahl und Größe der
tistiken über Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Löhne, Betriebe und Unternehmen. Die Produktionsstatistik
Verbraucherpreise und Lebenshaltungskosten, Sozial- blieb weiterhin auf ausgewählte Industriezweige be-
versicherung, Betriebsunfälle, Streiks usw. schränkt, sie wurde allerdings durch die Bautätigkeits-
Mit dem Austritt des Deutschen Reichs aus dem Völker- statistik ergänzt. In diesem Zusammenhang sei auch
bund und seinen Sonderorganisationen im Jahre 1933 die Reichswohnungszählung genannt.
fand diese internationale Zusammenarbeit ein vorläufi- In der Außenhandelsstatistik war die Verbesserung der
ges Ende. Werterfassung, in der Verkehrsstatistik die Erfassung
des Güterverkehrs in der Seeschiffahrt das hervor-
27. Statistik und Wirtschaftsbeobachtung stechendste Ereignis.
In der Weimarer Zeit hat das Statistische Reichsamt Da das Reich die Wohlfahrtspflege vereinheitlichte,
die wissenschaftliche Darstellung der Ergebnisse aller entstand eine umfassende Fürsorge- und Jugendhilfe-
Statistiken im erreichten Rahmen weitergeführt. Zur statistik.

41
Der Ausbau der Statistik der öffentlichen Finanzen Greift man auch für diesen Zeitraum zur Beurteilung
und der Steuern, der Preisstatistik, der Lohn- und von Verschiebungen im Schwergewicht des Arbeits-
Gehaltsstatistik und die Aufnahme von Volkseinkom- programms auf die Veröffentlichungen im Jahrbuch
mens- und Zahlungsbikinzberechnungen stellen be- zurück, so zeigt sich folgendes Bild :
deutende Vervollständigungen des statistischen Pro- Die Ausdehnung des Arbeitsprogramms spiegelt sich
gramms dar. im Umfang der Jahrbücher (ohne den internationalen
Teil) wider. Er ist von rd. 350 Seiten im Durchschnitt
Auf sehr vielen Sachgebieten wurde zu einer monat-
der Jahre 1919/23 Über472 Seiten 1924/28 auf 524 Seiten
lichen Periodizität der Statistiken übergegangen, um
1929/32 gestiegen.
die Wirtschaftsbeobachtung zu erleichtern.
Zum umfangreichsten Sachgebiet sind die Finanzen
Wichtig ist ferner, daß das Statistische Reichsamt um- und Steuern aufgerückt, auf sie entfielen 1932 17%
fangreiches Material zur Wirtschaftsbeobachtung des des Jahrbuchinhalts, der Außenhandel, der 1910/14
Inlandes und vor allem auch des Auslandes sammelte noch knapp 25% beanspruchte, ist auf 15% zurück-
und veröffentlichte und wirtschaftswissenschaftliche gefallen. Am Ende der Periode sind bereits alle Sach-
Untersuchungen auf verschiedenen Gebieten durch- gebiete vertreten, die auch heute in den Jahrbüchern
führte, z. ß. die Steuerbelastungsuntersuchungen. erscheinen.

42
Dritter Teil

Die Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945)


A. Allgemeine Entwicklungstendenzen Betrieb und der Kontrolle seiner Leistungen dienstbar
gemacht werden. Wollte man Doppelbefragungen ver-
Die Zeit des Nationalsozialismus zeigt besonders deut- meiden, so mußten die Statistiken zwangsläufig zu den-
lich, wie stark Inhalt und Organisation der Statistik jenigen Stellen abwandern, die mit der Bewirtschaftung
von den Aufgaben abhängig sind, die sich der Staat und Überwachung betraut waren.
setzt. Anders als unter der liberalen Ordnung der vor- Die sich daraus ergebenden tiefgreifenden Folgen des
angegangenen Jahrzehnte brachte der Nationalsozia- nationalsozialistischen Systems auf das amtliche sta-
lismus eine weitgehende Regelung und Beaufsichtigung tistische Programm, die sich vielfach außerhalb der
des Gemeinschaftslebens durch den Staat und eine Arbeiten des Reichsamts manifestierten, sollen hier
Vielfalt neu geschaffener Organe. Die Autarkie, also nicht näher dargelegt werden. Die 12 Jahre des
die Unabhängigkeit in der Ernährung und Rohstoff- Regimes, so schicksalsschwer sie waren, bedeuten doch
versorgung vom Ausland, und die Aufrüstung waren nur einen vorübergehenden Abschnitt in den hier
die erklärten wirtschaftlichen Ziele. Der »Neue Plan« erörterten 100 Jahren der statistischen Entwicklung,
Schachts regelte 1935 den Außenwirtschaftsverkehr auf und die Methoden der Planwirtschaft haben, wenn
der Basis, daß nicht mehr importiert werden darf, man von den allerersten Übergangsjahren nach dem
als durch die Ausfuhr bezahlt werden kann mit allen Zusammenbruch absieht, mit dem Regime ein Ende
sich daraus ergebenden Genehmigungs- und Kontroll- gefunden. Die Darstellung dieses Zeitabschnitts be-
verfahren. Der zweite »Vierjahresplan« Görings hat schränkt sich daher auf Entwicklungen, die das Arbeits-
innerwirtschaftlich die Produktions-, Absatz- und Ver- programm des Reichsamtes betrafen und die, wie sich
brauchslenkung ständig erweitert und verfeinert und später gezeigt hat, einen Dauerwert besaßen.
hierfür zahlreiche amtliche und halbamtliche Über-
wachungsstellen geschaffen, von denen der Reichs-
B. D i e Entwicklung auf den einzelnen
kommissar für die Preisbildung eine der wichtigsten
war. Es entstanden die weitverzweigten »Organisa-
Sachgebieten
tionen des ständischen Aufbaus der Wirtschaft« und
1. Volkszählungen
auf allen anderen Gebieten des gesellschaftlichen
Lebens oder — um die damalige Ausdrucksweise zu
Im Zeitabschnitt 1933 bis 1945 haben zwei Volks-
gebrauchen — des Gemeinschaftslebens. Zu den
zählungen stattgefunden, 1933 und 1939, die beide mit
Reichsgruppen der gewerblichen Wirtschaft und dem
Berufs- und Betriebszählungen verbunden waren. Im
Reichsnährstand kamen die Arbeitsfrontorganisation,
überschwenglichen Stil der damaligen Zeit wurde die
jeweils mit regionalem und fachlichem Unterbau, ferner
erste als die Eröffnungsbilanzdes nationalsozialistischen
die Reichskulturkammer, der Reichsbund der Beam-
Reiches, die zweite — nach dem Anschluß Österreichs —
ten, der Rechtswahrerbund und viele andere.
als die des neuen Großdeutschen Reiches bezeichnet.
Alle diese Organisationen hatten das Bedürfnis, sich
Methodisch schließen sich, was den Standardfragenkreis
zunächst einmal über den ihnen zugewiesenen Bereich
anbelangt, beide Zählungen dem P r o g r a m m v o n
zu orientieren, so daß es zu einer Unzahl statistischer
1925 an. Statt des »Wohnsitzes vor dem Kriege« wurde
Erhebungen kam, die nicht miteinander koordiniert
wieder der G e b u r t s o r t erfragt. Die Frage nach der
waren. Doppelbefragungen und methodisch-technische
Unzulänglichkeiten belasteten schließlich die Wirtschaft M u t t e r s p r a c h e wurde nur für die östlichen Grenz-
so stark, daß es zur Errichtung des »Statistischen Zen- gebiete und für Mittelschleswig ausgewertet und auf
tralausschusses« kam. Diesfer Zentralausschuß sollte die in diesen Gebieten heimischen nichtdeutschen
die erforderliche Koordinierung der statistischen Be- Muttersprachen beschränkt.
dürfnisse und der dafür notwendigen Erhebungen vor- Den Stempel »nationalsozialistischen Gedankengutes«
nehmen. Ohne die Genehmigung des Zentralausschus- trug die 1939 erstmals gestellte Frage nach der
ses durften keine Erhebungen mehr durchgeführt »Volkszugehörigkeit«, d . h . nach dem Volk »zu
werden. Auf längere Sicht hätte sich daraus ein dem dem der einzelne sich innerlich« bekermt. Die Antwort
Inhalt nach koordiniertes wirtschaftsstatistisches Ge- auf diese Frage hat später bei der Vertreibung der
samtprogramm ergeben sollen. Sudetendeutschen eine unerwartete Rolle gespielt.
Der grundlegende Wandel ist von dem damaligen Die » R a s s e z u g e h ö r i g k e i t « , die auf eine Erfassung
Präsidenten W. Reichardt 14 ) auf die Formel gebracht der Juden und der »jüdisch Versippten« hinauslief,
worden: Von der Wirtschaftsstatistik zur Bewirtschaf- wurde mit einer Ergänzungskarte über Ab-
tungsstatistik. Während es bisher Aufgabe der Statistik stammung erfragt. Auf diesen Ergänzungskarten, die
war, die von den Einzelnen erhobenen Daten als den Zählern im verschlossenen Umschlag zu übergeben
Massenerscheinungen zu gruppieren und auszuwerten, waren, standen auch die Fragen nach dem Geburtsort
also der Feststellung und Beobachtung von allgemeinen und nach einem abgeschlossenen H o c h s c h u l - und
Wirtschaftsvorgängen zu dienen, sollten jetzt die Ein- F a c h s c h u l s t u d i u m . Dabei sollte die Frage nach der
zelangaben für die Verwaltung und Bewirtschaftung, Vorbildung vor allem der Adressensammlung dienen.
die Zuteilungen und Genehmigungen an den einzelnen Die methodisch wichtigste Erweiterung von allgemeiner
Bedeutung lag bei beiden Zählungen auf dem Gebiet
u
) W. Reichardt: Die Reichsstatistik in: Die Statistik in Deutschland der Familienstatistik. Die Frage nach dem
nach dem heutigen Stand. Herausgegeben von Friedrich Burg-
dörfer, Berlin 1940, Erster Band, S. 77ff. E h e s c h l i e ß u n g s j a h r und nach allen in der jetzi-

43
gen Ehe g e b o r e n e n K i n d e r n , also einschließlich Zählkarte erhoben wurde. Die ärztliche Bescheinigung
der verstorbenen und der nicht mehr im Familien- der Todesursache konnte verbessert und auf die
haushalt lebenden Kinder erlaubte die Verwendung größte Zahl der Todesfälle ausgedehnt werden. Das
eines b i o l o g i s c h e n F a m i l i e n b e g r i f f s . Ohneeinen internationale Todesursachenverzeichnis, das schon
solchen Begriff sind Untersuchungen zur Geburtenfrage 1932 übernommen worden war, wurde in der revi-
kaum möglich. Die sonst vorhandenen Angaben über dierten Fassung von 1938 beibehalten.
das Lebensalter, Beruf und soziale Stellung des Ehe- Die Statistik d e r K r a n k h e i t e n blieb zunächst
mannes und der Ehefrau erlaubten wertvolle Kombi- auf die meldepflichtigen und gesundheitspolitisch zu
nationen. überwachenden übertragbaren Krankheiten
Die Tatsache, daß diese familienstatistischen Fest- beschränkt, zu denen eine einmalige Reichszählung
stellungen unter dem Nationalsozialismus eingeführt der G e s c h l e c h t s k r a n k e n (1934) kam. Neuent-
und mit der etwas bombastischen Terminologie jener wickelt wurde seit 1937 unter freiwilliger Mitarbeit
Zeit behängt waren, hat die Wiederaufnahme fami- einer größeren Zahl von K r a n k e n k a s s e n eine im
lienstatistischer Untersuchungen nach dem Kriege Statistischen Reichsamt aufbereitete Statistik der
sehr erschwert, obgleich sachliche Feststellungen zum K r a n k h e i t s f ä l l e nach K r a n k h e i t s a r t e n (53 Po-
Problem der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung sitionen auf Grund des internationalen Verzeichnisses),
mit ihren weitreichenden wirtschaftlichen und gesell- gegliedert nach Altersgruppen der Kranken und der
schaftlichen Folgen zu jeder Zeit ihre Bedeutung haben. Dauer der Arbeitsunfähigkeit.
Bei der Auswertung der Volkszählung erhielt das Die Statistik der K r a n k e n a n s t a l t e n wurde kaum
Problem »Volk und Raum«, also Untersuchungen über verändert weitergeführt.
die Siedlungsweise und die Bevölkerungsdichte, ein Das große Interesse des Nationalsozialismus an der
großes Gewicht. Die Stärkung der Zentralgewalt körperlichen Ertüchtigung, vor allem auch der Jugend,
erlaubte es 1933 zum ersten Male, ein das ganze führte zur Einrichtung einer in ihren Zielen weitge-
Reich umfassendes amtliches Gemeindeverzeichnis her- spannten amtlichen Sportstatistik. Angestrebt
auszubringen. wurde die Beantwortung der folgenden Fragen: Wer
treibt Sport? Wo wird Sport getrieben? Wie wird
2. Bewegung der Bevölkerung Sport getrieben? Auswirkungen auf den Gesundheits-
zustand? Wiviel Geld wird aufgewendet? Wie sieht
Die familienstatistischen Feststellungen der Volkszäh- es mit der Sportstatistik im Ausland aus? Noch vor den
lung über Bestand, die Dauer und die Kinderzahl der Olympischen Spielen 1936 in Berlin lag eine Statistik
bestehenden Ehen fanden ihre logische Ergänzung in der Sportstätten vor. Die Sporttreibenden wurden
einem entsprechenden Ausbau der Geburtensta- aus den Mitgliederstatistiken der sporttreibenden Orga-
t i s t i k (die damals den Namen »Fortpflanzungssta- nisationen gewonnen, deren es viele gab. Die Sport-
tistik« erhielt). Auf den standesamtlichen Geburten- finanzstatistik begann mit den Aufwendungen der
meldungen wurde nach dem Geburtsjahr und dem öffentlichen Hand. Auch die seit 1935 geführte Statistik
Eheschließungsjahr der Mutter und der Ordnungs- der J u g e n d h e r b e r g e n ist hier zu nennen.
nummer der Geburt gefragt. Entsprechend wurden
auch die S t e r b e f a l l s t a t i s t i k und die Statistik der
4. Unterrichts- und Bildungswesen
E h e s c h e i d u n g e n ausgebaut und damit eine Fort-
schreibung der Familienstatistik von Jahr zu Jahr Die vom Reichsamt mit fünfjährlichen Zeitabständen ge-
ermöglicht. führte Reichsschulstatistik wurde ab 1935 jährlich
Zeitbedingt waren bei der E h e s c h l i e ß u n g Fragen erhoben. Dabei rückte die V o l k s s c h u l s t a t i s t i k in
nach einem Ehestandsdarlehen, nach der rassischen den Vordergrund, denn ab 1937 wurden die anderen
Einordnung und nach der etwaigen Blutsverwand- Schulzweige nicht mehr im Reichsamt bearbeitet,
schaft der Eheschließenden aufgenommen worden. sondern anderen Organisationen zugewiesen.
Das für die Fortschreibung der Familienstatistik erfor- Neu eingerichtet wurde für die Jahre 1933/34 und
derliche Datum der Eheschließung war seit jeher 1936/37 eine Statistik der L a n d w i r t s c h a f t s s c h u l e n
bekannt. und Wirtschaftsberatungsstellen, die jedoch ebenfalls
Die Einführung einer reichseinheitlichen polizeilichen an andere Stellen abgegeben werden mußte.
Meldeordnung 1938 machte es möglich, auf Grund der Im Jahre 1934 ist — erstmalig und einmalig — eine
polizeilichen An- und Abmeldungen eine Binnen- umfassende Erhebung über das ö f f e n t l i c h e Volks-
w a n d e r u n g s s t a t i s t i k für das gesamte Reich aufzu- b ü c h e r e i w e s e n im ganzen Reichsgebiet durchgeführt
bauen. Bis dahin bestand sie nur für Preußen. worden.
Die Vorausberechnung der Bevölkerungsent- Das Jahr 1935 brachte eine einmalige amtliche Erhe-
wicklung wurde intensiviert und die gesamte Bevölke- bung über L i c h t s p i e l t h e a t e r .
rungsstatistik bewußt auf die Ziele der Bevölkerungs-
politik (Geburtenförderung, Schutz der Kinderreichen 5. Rechtspflege
usw.) ausgerichtet. Hierzu gehört auch die Statistik
Auf dem Gebiet der vom Reichsamt bearbeiteten
der Ehestandsdarlehen, die eine frühzeitige
Rechtspflegestatistiken, insbesondere der Statistik
Eheschließung fördern sollte.
d e r a b g e u r t e i l t e n Personen, hat sich, abgesehen
von Anpassungen der Zählkarte an die Zeitumstände
3. Gesundheitswesen und der Umstellung auf eine vierteljährliche Periodi-
Die wichtigste gesundheitsstatistische Quelle blieb auch zität (seit 1936), nichts geändert.
im untersuchten Zeitabschnitt die T o d e s u r s a c h e n - Im Jahre 1935 wurde eine »Polizeiliche Kriminalsta-
s t a t i s t i k , die seit 1934 mit einer reichseinheitlichen tistik« für die der Polizei zur Kenntnis gekommenen

44
Vergehen und VerbrecHen eingeführt. Ihre Bearbei- Wenn sich durch diese Manipulation auch der Er-
tung wurde jedoch dem Reichskriminalpolizeiamt über- kenntniswert der Ergebnisse gegenüber 1925 nicht
tragen. verändert hat, so besitzt die konsequente Gliederung
aller Erwerbstätigen nach den drei Gliederungsprin-
zipien : Betriebszugehörigkeit, soziale Stellung und indi-
6. Reichsheer und Reichsarbeitsdienst
viduelle Berufstätigkeit mancherlei praktische Vorteile
Die Veröffentlichungen über die Haushaltsstärke von (z. B. bei der Anwendung der Berufsordnung auf die
Heer und Marine wurden ab 1935 eingestellt. Nach- Statistik der Arbeitsvermittlung).
weise der Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes wur- Während 1933 wegen der noch nicht überwundenen
den für die Zeit ab 1933 in »Wirtschaft und Statistik« Wirtschaftskrise nach der A r b e i t s l o s i g k e i t gefragt
veröffentlicht. wurde (mit einer Unterscheidung von Fürsorge-,
Pflicht-, Notstandsarbeitern und Arbeitsdienst), fiel
7. Wahlen und A b s t i m m u n g e n diese Frage im Jahre 1939 fort.
Außerhalb der Berufszählungen brachte nach wie vor
Die Wahlstatistik wurde durch die Zusammenstellung
von den im Reichsamt bearbeiteten Statistiken nur die
der Ergebnisse der Volksabstimmungen von 1933,
Κ r a n ken kassenstatisti k einen gewissen allgemei-
1934 und 1938 ergänzt.
nen Überblick über die Beschäftigungslage, der seit
1932 monatlich gegeben wurde.
8. Erwerbstätigkeit (Berufszählungen)
Die wichtigste Quelle für die Beschäftigungsstatistik,
Das vom Statistischen Reichsamt bearbeitete statistische jetzt A r b e i t s e i n s a t z s t a t i s t i k genannt, wurde die
Bild der Erwerbstätigkeit der gesamten Bevölkerung Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen-
beschränkte sich auch in diesem Zeitraum auf die versicherung, die ihrerseits in Zusammenhang mit der
Berufszählungen der Jahre 1933 und 1939. Methodisch Einziehung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
blieben diese Zählungen in dem für die Berufszählung über die Krankenkassen eine Mitgliederstatistik dieser
1925 gültigen Rahmen. Die Systematik der Wirtschafts- Kassen einrichtete. Nach der Einführung der Arbeits-
zweige für die b e t r i e b l i c h e Zuordnung der buchpflicht im Jahre 1935 entstand eine umfassende
Erwerbstätigen (und ihrer Angehörigen) wurde nur K a r t e i a 11 e r a r be i ts b υ c h pf I i c hti g e η Personen,
wenig verändert (145 Positionen). Die s o z i a l e Glie- in die sehr viele Merkmale aufgenommen waren. Sie
derung wurde vereinfacht, indem 1939 nur noch sollte mit großem Aufwand auf dem laufenden gehalten
unterschieden wurden : werden, was nur in Zeiten einer sehr strengen Lenkung
des Arbeitseinsatzes und der Meldung jedes Arbeits-
Selbständige
platzwechsels an das Arbeitsamt Erfolg versprach.
Mithelfende Familienangehörige
Beamte
9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
Angestellte
Arbeiter. Die nationalsozialistische Agrarpolitik versuchte, die
Die wichtigsten Veränderungen gegenüber 1925 liegen deutsche Volksernährung durch Mehrerzeugung und
darin, daß die früher zu den Selbständigen gerechne- landwirtschaftliche Marktordnungen zu sichern. Pro-
ten Geschäftsführer, Direktoren usw. auf Grund ihres pagandistisch sprach man von der »landwirtschaft-
Vertragsverhältnisses zu den Angestellten gezählt wur- lichen Erzeugungsschlacht«. Hierfür wurden zuver-
den und die Hausgewerbetreibenden zu den Arbeitern. lässige Angaben über die landwirtschaftliche Produk-
Die »Mithelfenden« wurden in die Nähe der Selbstän- tion gebraucht, die nach wie vor nicht unmittelbar
digen gerückt, Beamte und Angestellte getrennt nach- erfragt, sondern aus Anbauflächen und Ernteerträgen
gewiesen. Die Hausgehilfen wurden den Arbeitern je Hektar errechnet wurde. Das bereits vorhandene
zugerechnet. Um die Unterscheidung der Arbeiter statistische Arbeitsprogramm wurde ergänzt und me-
von den Angestellten zu erleichtern, wurde nach der thodisch verbessert.
Versicherungspflicht (Angestellten- oder Invalidenver- Die Statistik der B o d e n n u t z u n g und der A n b a u -
sicherung) gefragt. f l ä c h e n wurde ab 1935 auf einen jährlichen Turnus
Die B e r u f s o r d n u n g , die der Gliederung nach der gebracht. Das Verfahren der (unkontrollierten) Indi-
individuellen Tätigkeit zugrunde liegt, wurde 1933 vidualerhebung, das im ersten Weltkrieg und auch
hinsichtlich der Zahl der auszuwählenden Berufe bei der Betriebszählung 1933 angewendet wurde, hatte
von 193 auf 236 Positionen erweitert. Im Jahre 1939 im Endergebnis stets zu geringe Nutzflächen gebracht
wurden zunächst 262 wichtige, meist gelernte Berufe (1933: 7,4% zu wenig). Andererseits führte dieses
unterschieden. Zusätzlich wurden dann, um eine System zu besseren Resultaten für die Aufteilung nach
Gliederung aller Erwerbstätigen nach der individuellen Fruchtarten als die Erhebungen bei der Gemeinde-
Tätigkeit zu ermöglichen, die nur durch ihre Betriebs- behörde. Man hat dann ab 1938 die Vorteile beider
zugehörigkeit charakterisierten Erwerbstätigen in »Be- Verfahren zu vereinigen versucht, was zu Vorerhebun-
rufsarten« umgewandelt. Aus den nicht zu den be- gen wegen der Katasterflächen und zu Haupterhe-
sonders ausgewählten Berufen gehörenden Selbstän- bungen für die Bodenbenutzung zwang. Es wurde
digen der Schlosserei wurden so Schlossereibesitzer ferner vom »Belegenheitsprinzip« auf das »Betriebs-
(ohne Schlosser), aus den »sonstigen Arbeitern« des prinzip« übergegangen, d. h. der Betriebsinhaber mel-
Steinkohlenbergbaus usw. die Kokerei-, Schwelerei- dete für seinen ganzen Betrieb, gleichgültig in welcher
und Brikettarbeiter. In anderen Wirtschaftszweigen Gemeinde seine Nutzflächen lagen.
wurden entsprechend aus den »sonstigen Arbeitern« Im Rahmen der Autarkiebestrebungen, die insbeson-
die Berufsarten der Chemiewerker, der Textilwerker, dere hinsichtlich der Eiweißversorgung schwierig zu
der Papierwerker, der Lederwerker usw. geschaffen. realisieren waren, wurden Bodenbenutzungs-Nach-

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erhebungen für die l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Zwi- Erfassung des Viehstandes wurde gekürzt. Die damalige
s c h e n f r ü c h t e (vielfach Futterfrüchte) als die wichtig- Arbeitslosigkeit in der Industrie erforderte eine be-
sten Eiweißlieferanten (hauptsächlich über den Vieh- sondere Erfassung in der in ihrem Beruf arbeitslosen
magen) eingeführt. Sondererhebungen zur Bodenbe- Familienangehörigen, um die nicht betriebsnotwendi-
nutzung gab es für das R e b l a n d , für die A r z n e i - , gen »Mithelfenden« auszuschalten.
G e w ü r z - und D u f t p f l a n z e n und für die a b l a ß - Die Betriebszählung des Jahres 1939 brachte wieder
b a r e n Fischteiche. Auch die Erhebung über den eine erhebliche Erweiterung des Fragebogens. Dies
g e p l a n t e n A n b a u von G e m ü s e (1939) ist hier zu war zum Teil durch die Verbindung mit der Boden-
nennen, ebenso wie die Erhebungen über die Baum- benutzungserhebung des gleichen Jahres bedingt. Für
s c h u l e n (ab 1938). die Bodennutzung und den Anbau auf dem Ackerland
Am Verfahren der E r n t e e r m i t t l u n g durch die wurden 62 Positionen gebraucht gegen nur 24 im
Saatenstandsberichterstatter wurde im Prinzip nichts Jahre 1933. Um den vollständigen Nachweis der
geändert. Man gab sich jedoch große Mühe, die Gesamtfläche zu sichern, ist auf Grund der Boden-
Leistungsfähigkeit des Berichterstatterstabes durch benutzungsvorerhebung (Katasterunterlagen) die Ge-
Schulungen usw. zu verbessern. Die Berichterstattung samtfläche in jeden Bogen vor der Austeilung einge-
wurde seit 1933 in den Hauptgemüsegebieten auf die tragen worden. Auch die Kataloge der Viehhaltung
G e m ü s e e r n t e ausgedehnt. Auch für die O b s t e r n t e und der landwirtschaftlichen Maschinen wurden er-
lagen seit 1933 Ergebnisse vor, die durch drei Obst- weitert, Fragen über die Deputatentlohnung und die
baumzählungen (1932/33, 1934, 1938) gestützt Unterbringung von Arbeiterfamilien in Werkswoh-
wurden. nungen neu aufgenommen.
Die landwirtschaftliche Produktionsstatistik wurde
durch einen Ausbau der Statistik der L a g e r r ä u m e 10. Arbeitsstättenzählungen, Unternehmens-
und der G e t r e i d e v o r r ä t e ergänzt, in die vor allem statistiken
die Vorräte der zweiten Hand (Mühlengewebe) und
der dritten Hand (Brauereien, Mälzereien usw.) ein- Von den beiden »Betriebszählungen« der Jahre 1933
bezogen wurden. Auch der V e r b r a u c h und die und 1939 ist nur die letztere methodisch interessant.
V o r r ä t e an i n d u s t r i e l l e n E r z e u g n i s s e n in der Die » G e w e r b l i c h e B e t r i e b s z ä h l u n g 1933« war
Landwirtschaft wurde für die Wirtschaftsjahre 1935/36 eine Wiederholung der Zählung von 1925 in stark
und 1938/39 festgestellt. vereinfachter Form. Man kam mit einer zweiseitigen
Fragekarte statt eines vierseitigen Fragebogens aus.
Die bereits vorhandenen und recht vollständigen
Verzichtet wurde auf eine Erhebung der »Wirtschafts-
Statistiken der V i e h wi rtsch aft wurden weiterhin
einheiten« (Unternehmen), so daß die dafür erforder-
ergänzt. So wurden ab 1934 monatlich die Kälber-
lichen Fragen (Haupt- und Zweigniederlassungen,
geburten, seit 1935 jeweils Anfang Juni die Schafe
Rechtsform) fortfallen konnten. Auch die Aufbereitung
gezählt, seit 1939 die Milchkühe und Färsen zum glei-
nach Teilbetrieben wurde auf wichtigere Gewerbe-
chen Zeitpunkt festgestellt und 1936 einmalig die
zweige beschränkt. Der Katalog der Maschinenver-
Rassenzugehörigkeit der Rinder, Schweine, Schafe
wendung wurde gekürzt. Dagegen wurden bei den
und Ziegen erhoben.
Personalfragen die Arbeiter in gelernte, angelernte
Die S e e f i s c h e r e i - und B o d e n s e e f i s c h e r e i s t a - und ungelernte aufgegliedert und besondere Fragen
t i s t i k wurde ab 1939 auf die sonstigen Binnen- über das Personal der Kleinbetriebe gestellt.
f i s c h e r e i g e w ä s s e r ausgedehnt und auch durch die Die Zählung des Jahres 1939 umfaßte zum erstenmal
schon erwähnte einmalige Erhebung der ablaßbaren nicht mehr allein die »Gewerblichen Betriebe«, sondern
Fischteiche ergänzt. alle A r b e i t s s t ä t t e n (mit Ausnahme der Landwirt-
Die F o r s t s t a t i s t i k wurde zeitweilig durch Holz- schaft). Hinzu kamen auf diese Weise alle Büros,
e i n s c h l a g s - und V e r k a u f s n a c h w e i s u n g e n und Behörden, Parteidienststellen, öffentliche Betriebe und
durch Meldungen ausgewählter Sägewerke und Holz- Verwaltungen und die freien Berufe. Die Zählung
handlungen über die H o l z v o r r ä t e vervollständigt. wurde bewußt als eine Generalstatistik für alle Zweige
Im Rahmen der allgemeinen Agrarpolitik des National- des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens an-
sozialismus spielte die Beobachtung der Eigentums- gesehen, die den allgemeinen Rahmen für die Ab-
v e r h ä l t n i s s e eine wichtige Rolle. Die Siedlungs- grenzung von Spezialstatistiken für einzelne Bereiche
statistik, nunmehr als B a u e r n s i e d l u n g bezeichnet, liefern sollte. Solche Spezialstatistiken waren die mit
wird seit 1933 jährlich geführt und seit 1935 durch eine der Zählung verbundene Handwerksbetriebszählung
Statistik der K l e i n s i e d l u n g (Bewilligungsbescheide und die Einzelhandelsbetriebszählung (siehe unten).
und Anwärterlisten) erweitert. Die E r b h ö f e und die Die Arbeitsstättenzählung 1939 nahm die Dreigliede-
U m l e g u n g e n werden erfaßt, dazu kam 1938 eine rung der Zählung von 1925 wieder auf. Erhoben wurde
allgemeine Statistik des Land- und forstwirt- die ö r t l i c h e Einheit, die im Hinblick auf die
schaftlichen Grundeigentums. angestrebte Raumordnung und die Siedlungsziele im
Osten auch die wichtigste Bearbeitungseinheit blieb.
L a n d w i r t s c h a f t l i c h e B e t r i e b s z ä h l u n g e n haben
Die W i r t s c h a f t s e i n h e i t e n wurden wiederum im
1933 und 1939 in Verbindung mit der Volks- und Be-
Sinne von Unternehmen — also nicht von Konzernen —
rufszählung stattgefunden. Die Zählung von 1933 kam
nach der Rechtsform zusammengestellt und räumliche
mit einem zweiseitigen Fragebogen aus gegenüber vier
und sachliche Verflechtungen aufgezeigt. Im Bereich
Seiten im Jahre 1925. Der Fragenkreis blieb im Prinzip
des Einzelhandels konnte so die Verbreitung des
der gleiche wie 1925, jedoch wurden die Fragen
Filialsystems nachgewiesen werden. Für die Aufteilung
nach den Eigentums- und Besitzverhältnissen einge-
nach t e c h n i s c h e n Betriebseinheiten konnte
schränkt, da damals schon andere Pläne zur Fest-
diesmal auf die für Bewirtschaftungs- und Lenkungs-
stellung des Grundeigentums schwebten. Auch die

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zwecke sehr straffe Organisation der gewerblichen verblieben nur die im Zusammenhang mit der Ver-
Wirtschaft zurückgegriffen werden. Wer mit seinem b r a u c h s b e s t e u e r u n g erhobenen P r o d u k t i o n s -
Produktionsprogramm in mehrere »Fachuntergrup- v e r h ä l t n i s s e . Auch der seltene Fall, daß im altein-
pen« fiel, mußte eine entsprechende Aufteilung vor- gefahrenen Programm der Statistik einmal etwas
nehmen. gestrichen wird, soll hier vermerkt werden. Er betrifft
Das systematische V e r z e i c h n i s der Arbeits- allerdings nur die Einstellung der Statistik der D a m p f -
stätten war mit dem Organisationsschema der Wirt- kesselexplosionen.
schaftsgruppen, Fachgruppen und Fachuntergruppen Die Vorarbeiten für einen umfassenden Produk-
in Einklang gebracht worden, so daß im Grunde die tionszensus nach angelsächsischem Vorbild hatten
Tiefengliederung der Systematik über die Art der bereits noch der gewerblichen Betriebszählung von
Aufteilung nach Teilbetrieben oder technischen Ein- 1925 eingesetzt. Die Beschränkung der Informationen
heiten entschied. Die Systematik unterschied 4 Abtei- auf die Beschäftigten — neben den Angaben über
lungen, 34 Gruppen, 259 Klassen und 820 Arten, ins- Kraftmaschinen und Kraftfahrzeuge — wurde als unbe-
gesamt 917 kleinste Positionen. Diese weitgehende friedigend empfunden und eine Einbeziehung der
Untergliederung wurde nur beim Nachweis der tech- Produktionsleistung (brutto und netto) angestrebt. Im
nischen Einheiten verwendet. Bei den örtlichen Ein- Anschluß an die Betriebszählung 1933, die das Adres-
heiten begnügte man sich wegen der örtlich vielfach senmaterial lieferte, wurde dann auch eine Nacher-
vorhandenen horizontalen und vertikalen Kombinatio- hebung angeordnet, die die Produktion aller wichtigen
nen mit einem Nachweis nach Gruppen und Klassen, Industriezweige gleichzeitig erheben sollte. In einem
die durch besondere Kombinationspositionen (17 kom- Aufsatz 15 ) über »Statistik der Industriewirtschaft« hat
binierte Klassen und 71 kombinierte Arten) ergänzt Direktor Dr. Bramstedt vom Statistischen Reichsamt
wurden. Sinngemäß wurde beim Nachweis der Unter- einen umfassenden und hochfliegenden Plan einer
nehmen verfahren. industriewirtschaftlichen Gesamtrechnung als Zielvor-
stellung entwickelt, der viele Elemente unserer heutigen
Die erfragten Merkmale deckten sich weitgehend mit
»Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen« für den
dem Fragenkatalog von 1925 (also Beschäftigte, Kraft-
»Sektor Industrie« enthielt.
maschinen, Kraftfahrzeuge, Haupt- und Zweignieder-
lassungen, Rechtsform). Die Kennzeichnung der Art In die Tat umgesetzt wurde allerdings nur, was für
der Arbeitsstätte war durch eine Frage nach der die wehrwirtschaftliche Planung als notwendig erachtet
Organisationszugehörigkeit erleichtert. Die Kraftfahr- wurde. Dazu gehörte zunächst ein umfassendes Bild
zeuge wurden eingehender erfragt. Einen breiten der gesamten Industrie, denn von der zu planenden
Raum nahmen die Sonderfragen für Handwerksbe- Umverteilung der Arbeitskräfte und Rohstoffe im
triebe und Betriebe des Einzelhandels ein, deren Kriegsfall wurden alle Industriezweige als Gebende
Ergebnisse an anderer Stelle behandelt werden (siehe oder Nehmende betroffen. Im Mittelpunkt standen die
Abschnitt B. 11. und B. 13a). erwarteten Schwierigkeiten in der Rohstoffversorgung,
Die übrigen, sich über den ganzen Bereich der die zu Darstellungen des Rohstoffflusses in Form von
Wirtschaft erstreckenden Statistiken wurden fortgeführt »Industriestammbäumen« oder »Fließbildern« führten,
und erweitert. So wurde der Bestand an U n t e r - also zu produktionstechnischen Verflechtungsbildern,
nehmen seit 1935 jährlich nachgewiesen, nachdem die wir heute als Input/Output-Tabellen aufbauen
die Erwerbs- und Wirtschaftsgesellschaften durch die würden. Rohstoffbilanzen und ihre mutmaßliche Ent-
offenen Handelsgesellschaften und Einzelfirmen ergänzt wicklung und Planung für den Kriegsfall sind für
worden waren. Die G e s c h ä f t s e r g e b η isse der mehrere Hundert Roh- und Halbstoffe aufgestellt
A k t i e n g e s e l l s c h a f t e n und G e n o s s e n s c h a f t e n worden. Alle diese Daten sind natürlich nicht ver-
wurden weiterhin teils vierteljährlich, teils jährlich öffentlicht worden. Immerhin ist aus allem der erste
zusammengestellt und auch die K o n z e r n b i l d u n g deutsche Industriezensus entstanden, dessen volkswirt-
weiterverfolgt. schaftlich wichtige Daten in der Schrift »Die deutsche
Industrie. Gesamtergebnisse der amtlichen Produk-
tionsstatistik« bekanntgegeben worden sind. Diese
11. Industrie und H a n d w e r k meist als »Industriezensus 1936« bezeichnete Schrift
Die größten Umstellungen und methodischen Fort- hat in der Nachkriegszeit sowohl bei den Besatzungs-
entwicklungen sind in der nationalsozialistischen Zeit mächten wie für den Aufbau der Bundesstatistik eine
auf dem Gebiete der I n d u s t r i e s t a t i s t i k zu ver- gewisse Berühmtheit erlangt.
zeichnen. Diese Entwicklungen vollzogen sich allerdings Statistisch-methodisch waren Generalerhebungen in
zum Teil außerhalb des Statistischen Reichsamts, das mehrjährigen Abständen als Totalerhebungen vor-
seine bisherigen produktionsstatistischen Arbeiten mit gesehen, deren Ergebnisse durch Jahreserhebungen
dem dazugehörenden Personal zeitweilig an das Reichs- oder kurzfristigere Statistiken auf repräsentativer
amt für wehrwirtschaftliche Planung abgeben mußte. Grundlage fortgeschrieben werden sollten. Diese kurz-
Der Grundgedanke hierfür war, daß die statistische fristigen Statistiken wurden in die Hand der Fach-
Erfassung der Planungsunterlagen und die Planung gruppen der Reichsgruppe Industrie gelegt. Das Reichs-
selbst in einer Hand liegen sollten und die wehr- amt mußte in diesem Zusammenhang auch die seit
wirtschaftliche Planung als solche keine statistische langen Jahren entwickelte I n d u s t r i e b e r i c h t e r s t a t -
Aufgabe darstellte. tung, die durch Angaben über den nach Inland und
Die bis 1933 durchgeführten Produktionsstatisti- Ausland unterteilten Absatz erweitert worden war, an
ken für a u s g e w ä h l t e I n d u s t r i e z w e i g e , für die Reichsgruppe Industrie abgeben.
deren Auswahl jeweils konkrete handelsvertragliche
,rj
) Paul Bramstedt: Statistik der Industriewirtschaft in: Die Statistik
oder zolltarifliche Probleme maßgebend gewesen wa- in Deutschland nach ihrem heutigen Stand. Herausgegeben von
ren, gingen dem Reichsamt zeitweilig verloren. Es Friedrich Burgdörfer, Berlin 1940.

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Wenn die nationalsozialistische Periode weitgehend politisch, handelspolitisch und unter Autarkiegesichts-
durch methodische Fortschritte in der Industriesta- punkten überwacht, und alle mit diesen Aufgaben
tistik — zeitweilig außerhalb der Reichsamtsaufga- betrauten Dienststellen waren auf die Außenhandels-
ben — gekennzeichnet ist, so sind auch auf dem Ge- statistik angewiesen. Die Aufgabe, die Nahrungsmittel-
biet der H a n d w e r k s s t a t i s t i k im Reichsamt Fort- und Rohstoffversorgung zu siebern, erzwang vielfach
schritte erzielt worden. Ab April 1936 wurde eine eine Verlagerung auf andere Bezugsländer. Das Prin-
monatliche H a n d W e r k s b e r i c h t e r s t a t t u n g aufge- zip der Gegenseitigkeit im Außenhandelsverkehr ver-
baut. Die Möglichkeit hierzu bot die Einführung des langte schnelle und zeitgerechte Nachweise für die
Befähigungsnachweises und die schon seit 1929 er- einzelnen Partnerländer.
richtete Handwerksrolle. Die berichtenden Betriebe, Die Aufgabe, den länderweisen Außenhandelsverkehr
deren Zahl sich von anfänglich 15 000 auf rd.20 000 nach Art, Menge und Wert nachzuweisen, hatte die
erhöhte, wurden von den Handwerkskammern aus- Außenhandelsstatistik nach ihrer Neuordnung im Jahre
gesucht, die auch die Meldungen sammelten und an das 1928 auch bisher erfüllt. An der grundsätzlichen Metho-
Reichsamt weiterleiteten. Erfragt wurden Beschäftigte
dik wurde daher durch die neue gesetzliche Regelung
(7 Positionen), Lohnsumme, Gesamtwert der Einkäufe,
von 1939 nichts geändert, aber zahlreiche Verfeine-
Umsatz.
rungen wurden eingeführt. Sie betrafen einmal das
Die eingehenden Sonderfragen bei der Arbeitsstätten- Warenverzeichnis, das feiner untergliedert und der
zählung führten zu einer speziellen H a n d w e r k s - Systematik der Produktions- und Lagerstatistiken, aber
z ä h l u n g 1939. Die Handwerksbetriebe konnten auf auch der Organisationsform der Wirtschaft angepaßt
Grund der allgemeinen Fragen nach der Organisa- wurde. Auch das Länderverzeichnis wurde wegen der
tionsform ausgegliedert werden. Außer den für alle Gegenseitigkeit des Handels ausführlicher gestaltet
Arbeitsstätten erhobenen Sachverhalten gaben die und Ländergruppen aufgelöst. Auf die Vollständigkeit
Sonderfragen Auskunft über die persönlichen Ver- und Richtigkeit der Anmeldungen wurde größter
hältnisse der selbständigen Handwerker. Sie dienten, Wert gelegt und Kontrollen eingerichtet. Die Schnellig-
wie die Erfragung des Alters und Familienstandes, keit wurde gefördert und das Ziel angestrebt, zeit-
des Eheschließungsjahres und der Kinderzahl dazu, getreue Monatsberichte 14 Tage nach Ablauf des
Unterlagen für die Bevölkerungspolitik und die Mittel- Monats vorzulegen. Hierzu mußte insbesondere das
standspolitik zu beschaffen. Ferner wurde nach der Anmeldeverfahren des über die Freihäfen Hamburg
Ausbildung und der Berechtigung zur Lehrlingsan- und Bremen laufenden Außenhandels neu geregelt
leitung gefragt. Durch Fragen nach dem Haus- und werden.
Grundbesitz, durch Verbindung mit der Landwirt-
Aber nicht nur der Staat, sondern auch die Wirtschaft
schaft, offenen Ladengeschäften oder anderen ge-
w a r a n einer verfeinerten Außenhandelsstatistik äußerst
werblichen Tätigkeiten sollten die wirtschaftlichen Ver-
interessiert. Das Prinzip der Gegenseitigkeit, bei dem
hältnisse der Handwerker durchleuchtet werden.
das Empfangsland deutscher Exporte noch mit staat-
lich erwünschten Nahrungsmitteln oder Rohstoffen
12. Bautätigkeit und Wohnungen zahlen mußte, drohte das Außenhandelsgeschäft stark
zu reduzieren. Es galt also, auf der Basis der in- und
Die B a u t ä t i g k e i t s t a t i s t i k wurde zum Teil sachlich ausländischen Außenhandelsstatistik Möglichkeiten für
erweitert und die Programme für die kleineren Ge- Dreiecksgeschäfte zu finden, bei denen der Ausgleich
meinden vervollständigt. Ab 1936 wurde eine monat- der Handels- und Devisenbilanz dadurch gesichert
liche Periodizität eingeführt, die mit Beginn des Krieges wurde, daß Deutschland in das Land A exportierte
in eine vierteljährliche umgewandelt wurde. und den Gegenwert aus dem Land Β einführte, nachdem
Eine Wohnungszählung fand im Zeitraum 1933 bis die Länder A und Β durch entsprechende mit deutscher
1945 nicht statt. Hilfe zustandegekommene Handelsgeschäfte unter sich
hierfür die Voraussetzungen geschaffen hatten.

13. Binnenhandel
15. V e r k e h r
Zu der laufenden Großhandels- und Einzelhandels-
berichterstattung brachte die Arbeitsstättenzählung Die Verkehrsstatistik wurde in allen ihren bisher vor-
1939die erste Berei.chszählung für den Einzel- handenen Zweigen weitergeführt und vielfach ergänzt.
h a n d e l . Die für alle Arbeitsstätten vorliegenden Beim s c h i e n e n g e b u n d e n e n V e r k e h r wurde ab
Daten wurden durch Sonderfragen ergänzt, die der 1937 der Personenverkehr der Straßenbahnen und
näheren Darstellung der Betriebsstruktur dienen soll- ab 1939 der Personen- und Güterverkehr der Privat-
ten. Vor allem wurden sämtliche Betriebsformen vom und Kleinbahnen einbezogen und monatliche Ergeb-
Warenhaus bis zum Straßenhandel unterschieden. nisse gebracht. Für die B i n n e n s c h i f f a h r t kam es
Fragen nach Versandhandel und Teilzahlungsgeschäf- 1934 zu einer Zählung der Betriebe, ferner wurde die
ten gestellt und die Verbindung mit landwirtschaft- Statistik des Umladeverkehrs, die es seit 1902 für Um-
licher oder gewerblicher Tätigkeit erkundet. ladungen zwischen Bahn und Schiff gab, auf alle Um-
ladungen von und zu den Binnenwasserstraßen aus-
gedehnt.
14. Außenhandel
Die wichtigsten Neuerungen betrafen jedoch den
Die wichtigsten, auf die Außenhandelsstatistik zurück- S t r a ß e n v e r k e h r . Die vor allem durch militärische
wirkenden Wandlungen lagen nicht in Mängeln der Gesichtspunkte bestimmte Einführung des Kraftfahr-
statistischen Methodik, sondern in den zahlreichen zeugbriefes ab 1934 erlaubte es, die schon seit 1907
staatlichen Eingriffen in die Ordnung des Außenhandels geführte Statistik des Κ r a f t f a h rzeug bestandes zu
selbst. Der Außenhandel wurde devisenpolitisch, preis- verbessern und eine laufende Statistik der N e u z u -

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Präsidenten des Statistischen Reichsamtes

Wolfgang Reichardt Curt Godlewski


1933—1940 1940—1945

Neue Königstraße, Berlin


Dienstgebäude des Statistischen Reichsamtes von 1935 bis 1945
lassungen einzurichten. Auch die S t r a ß e n und Auch für diese Ziele reichte das statistische Bild der
die R e i c h s a u t o b a h n e n wurden ab 1936 in das Haushaltslage der öffentlichen Hand und ihrer Ver-
statistische Programm aufgenommen. Die G ü t e r - schuldung aus, so daß an der Methodik nichts geändert
v e r k e h r s s t a t i s t i k , die für die Eisenbahnen und die zu werden brauchte.
See- und Binnenschiffahrt bereits bestand, wurde seit Es darf allerdings nicht übersehen werden, daß die
1937 durch den G ü t e r f e r n v e r k e h r mit K r a f t - Gebietskörperschaften weiterhin den wichtigsten Teil
f a h r z e u g e n vervollständigt. Auch die P e r s o n e n - der öffentlichen Finanzgebarung repräsentierten. Da-
v e r k e h r s s t a t i s t i k wurde durch den Linienverkehr neben entstanden aber zahlreiche Parteistellen und
mit K r a f t f a h r z e u g e n ergänzt. Schließlich wurde politische, soziale und wirtschaftliche Organisationen,
1935 die Statistik der S t r a ß e n v e r k e h r s u n f ä l l e die öffentliche Zwecke erfüllten. Ihre Finanzgebarung
wieder eingeführt. Die erste, 1906 begonnene Statistik blieb im dunkeln.
dieser Art war im ersten Weltkrieg eingestellt worden. Die wichtigste Erweiterung des Arbeitsprogramms lag
Nachrichten über den L u f t v e r k e h r wurden zwar im in den Schritten zum Aufbau einer Vermögensstatistik,
Statistischen Jahrbuch gebracht, aber im Reichsluft- die das Bild der Einnahmen und Ausgaben, der Ver-
fahrtministerium bearbeitet. schuldung und des Personalstandes der Gebietskörper-
schaften durch Nachweise über ihr Vermögen er-
16. Geld und Kredit gänzen sollte. So wurde 1936 die S t a t i s t i k des
ö f f e n t l i c h e n V e r m ö g e n s d e r G e m e i n d e n und
Die im Reichsamt geführten Geld- und Kreditstatistiken G e m e i n d e v e r b ä n d e eingeführt und diese 1937 auf
traten in der Zeit des Nationalsozialismus an Bedeutung die L ä n d e r ausgedehnt. Die P e r s o n a l s t a n d s s t a -
etwas zurück, da sich die Wirtschaftspolitik unmittel- t i s t i k sollte für bevölkerungspolitische Ziele und
baren Eingriffen in den Wirtschaftsablauf zuwandte. einen Familienlastenausgleich nutzbar gemacht wer-
Das Instrumentarium ist hauptsächlich 1933 durch eine den. Sie wurde daher mit erweiterter Fragestellung
Statistik der Tätigkeit der B a u s p a r k a s s e n bereichert verselbständigt.
worden. Die Entwicklung bei der Postsparkasse
wurde aus Nachweisungen des Postsparkassenamtes Die reichseinheitliche Regelung des Steuerrechts machte
übernommen. weitere Fortschritte. Auch wenn die Realsteuern, also
die Grundsteuer und die Gewerbesteuer, Gemeinde-
steuern blieben, wurden diese Steuern einheitlich ge-
17. Versicherungen (ohne Sozialversicherung) regelt und den Gemeinden nur die Höhe der Hebesätze
Auf diesem Sachgebiet blieb es auch im Zeitraum 1933 überlassen. Damit war die Grundlage für die G e -
bis 1945 bei Jahrbuchveröffentlichungen der schon w e r b e s t e u e r s t a t i s t i k geschaffen, deren Ergebnisse
1901 an das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherun- für die Neuregelung des Gemeindefinanzausgleichs
gen übergegangenen Statistik. gebraucht wurden. Die Hauptstatistik wurde für 1937
und 1938, die Statistik der Meßbeträge laufend ab 1937
erstellt. Im Jan re 1938 wurde auch die G r u n d s t e u e r -
18. Sozialversicherung und
s t a t i s t i k als Reichsstatistik aufgenommen.
öffentliche Sozialleistungen
Die V e r b r a u c h s t e u e r n wurden in Anpassung an
Auch auf diesem Sachgebiet brachte die nationalsoziali- die Gesetzgebung 1933 durch die Fettsteuer und 1934
stische Zeit keine nennenswerten Änderungen des im durch die Schlachtsteuer ergänzt.
Statistischen Reichsamt bearbeiteten Programms, mit
Die Berechnungen über die s t e u e r l i c h e B e l a s t u n g
Ausnahme der Tatsache, daß die Statistik der
wurden von 1934 bis 1939 für die gewerbliche Wirt-
ö f f e n t l i c h e n J u g e n d h i l f e ab 1937 auf das gesamte
schaft und 1937 und 1938 für die Landwirtschaft weiter-
Reichsgebiet ausgedehnt wurde. Die Tätigkeiten des
geführt.
Regimes auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege (z. B.
NS-Volkswohlfahrt, Winterhilfswerk) fanden keinen
statistischen Niederschlag im Reichsamt. 21. Preise

Die nationalsozialistische Preispolitik führte vielfach


19. Ehemalige Arbeiterstatistik zu einem Übergang von freien, am Markte gebildeten
Dieser Bereich, der vor dem ersten Weltkrieg eine Preisen zu einem System »geordneter« — also staatlich
große Bedeutung hatte und nach dem Weltkrieg an die festgesetzter— Preise. So sind z.B. mit der Einführung
Reichsarbeitsverwaltung abgegeben wurde, ist hier der landwirtschaftlichen Marktordnung seit 1934an die
nur aufgeführt, um die Kontinuität der Darstellung Stelle der Getreidebörsen- und Schlachtviehmarkt-Notie-
mit den früheren Zeitabschnitten zu sichern. An der rungen die vom Reichsnährstand festgesetzten Preise
Aufgabenverteilung hat sich auch im Zeitraum 1933 getreten. Zu den festgesetzten Grundpreisen kamen
bis 1945 nichts mehr geändert. meist Auf- und Abschläge je nach Art und Güte der
Ware, nach dem Gebiet und der Jahreszeit des Ver-
kaufs. Die Auswirkungen dieser Preispolitik schufen
20. Finanzen und Steuern
daher hauptsächlich Probleme in der Sammlung des
Die nach dem ersten Weltkrieg systematisch auf- und Ausgangsmaterials, besonders weil man auf die Ver-
ausgebaute Statistik der öffentlichen Finanzen und gleichbarkeit mit früheren Preisreihen großen Wert
Steuern wurde in all ihren Teilen aufrechterhalten legte.
und weiter vervollständigt. In der nationalsozialisti- Die Zahl der in die monatlichen Nachweise der Groß-
schen Zeit hat sich vor allem die Finanzpolitik mit handelspreise einbezogenen Waren und Preisreihen
ihren neuen Zielen der Arbeitsbeschaffung und der wurde erhöht. Hinzugekommen sind vor allem Preise
Aufrüstung gegenüber der Weimarer Zeit geändert. für Baustoffe, die Erlöse für Rundholz der staatlichen

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Forstverwaltungen, die Erlöse für versteigerungsfähiges noch das Körpergewicht und die Körpergröße und die
Holz in Gemeinde- und Privat-Forsten und für Schnitt- Art der Berufstätigkeit der Haushaltsmitglieder er-
holz. Bei den Einzelhandelspreisen wurden zusätzlich mittelt, wodurch vor allem die Umrechnungsmodali-
die Preise für Fleisch und Fettwaren in 48 Gemeinden täten auf »Vollpersonen« verfeinert werden sollten.
mit Schlachtviehmärkten seit 1934 monatlich erhoben. Im Jahre 1938 wurden ergänzend die Wirtschafts-
Das Programm der Indexberechnungen, das bereits rechnungen von 600 Familien l a n d w i r t s c h a f t l i c h e r
die Indexziffern der Großhandels- und Fertigwaren- A r b e i t e r erhoben, bei denen die Naturaleinkommen,
preise, der Verkaufspreise landwirtschaftlicher Pro- sei es aus empfangenen Deputaten oder eigener Land-
dukte, der Baukosten und der Lebenshaltungskosten bewirtschaftung und Viehhaltung, besonders schwie-
umfaßte, wurde durch einen P r e i s i n d e x d e r säch- rige Probleme aufwarfen.
l i c h e n B e t r i e b s m i t t e l d e r L a n d w i r t s c h a f t und Die V e r b r a u c h s b e r e c h n u n g e n pro Kopf der
einen Index der W e l t m a r k t p r e i s e vervollständigt. Gesamtbevölkerung wurden erweitert, sie blieben aber
nach wie vor auf Nahrungs- und Genußmittel und ver-
22. Löhne und G e h ä l t e r brauchsbesteuerte Waren beschränkt.

Durch die Schaffung der »Arbeitsfront« und die ge-


setzliche »Ordnung der nationalen Arbeit« verlor die 24. Volkswirtschaftliche Bilanzen
Tariflohnstatistik zugunsten der Statistik der Effektiv- Für die nationalsozialistische Staatsführung, deren
verdienste an Bedeutung. Ziel es war, die gesamte Volkswirtschaft »zu ordnen«
Die vorhandene Statistik d e r Effe kti ν ve rd i e η ste und Höchstleistungen der Eigenproduktion und der
in ausgewählten Gewerbezweigen in jeweils 3jährigem Selbstversorgung zu erreichen, waren zusammen-
Turnus wurde als Grundlage für eine straff geführte fassende Daten für bestimmte volkswirtschaftliche Vor-
Lohnpolitik nicht als ausreichend angesehen. Es kam gänge ein wichtiges Hilfsmittel der Wirtschaftslenkung.
daher im Jahre 1935 zu einer Umstellung des Er- Für die bereits in der Weimarer Zeit entwickelten
hebungsverfahrens. Ein gleichzeitiger Überblick über Instrumente hatte sich die Bezeichnung »Volkswirt-
eine möglichst große Zahl von Gewerbezweigen wurde schaftliche Bilanzen« eingebürgert, obgleich dieser
durch die Ausdehnung auf 21 Gewerbezweige erreicht, Ausdruck für den statistischen Nachweis von Be-
zu denen — aus anderer Quelle — noch die Berg- wegungsvorgängen — und nicht von Bestandsverände-
arbeiterlöhne kamen. Erfaßt wurde damit etwa die rungen wie in der kaufmännischen Bilanz — etwas
Hälfte der in Industrie und Bergbau überhaupt be- unglücklich war. Diese »Volkswirtschaftlichen Bi-
schäftigten Arbeiter. Auf dieser breiteren Grundlage lanzen« sind als Teile einer auch im Konzept noch
fanden v i e r t e l j ä h r l i c h e E r h e b u n g e n statt, bei nicht vorhandenen volkswirtschaftlichen Gesamtrech-
denen das Repräsentativverfahren beibehalten wurde. nung anzusehen. Ihr Gegenstand war die Zusammen-
Zur Vereinfachung ging man jedoch von der Einzeler- fassung wertmäßig zu erfassender Vorgänge, die
hebung für jeden Arbeiter zur Erhebung von Lohn- möglichst die gesamte Volkswirtschaft betrafen.
s u m m e n für m e h r e r e L e i s t u n g s g r u p p e n von Sachlich blieb es bei den V o l k s e i n k o m m e n s b e -
Arbeitern und Arbeiterinnen über. Anzugeben waren r e c h n u n g e n , der Z a h I υ η g s b i I α η ζ sowie der in
im Prinzip die Wochenlöhne und die Arbeitsstunden, Zusammenarbeit mit dem Institut für Konjunkturfor-
so daß Stunden- und Wochenverdienste nachgewiesen schung berechneten und geschätzten Statistik der
werden konnten. Eine Trennung nach Lohnformen K a p i t a l b i l d u n g und d e r I n v e s t i t i o n e n . Im Jahre
unterblieb, es wurde nur noch die Zahl der Zeit- bzw. 1934 erschien eine zusammenfassende Darstellung
Stücklöhner erfragt. Das so gewonnene Material wurde über die G e l d k a p i t a l bi Id ung und K r e d i t v e r -
zusätzlich (nach dem Kettenverfahren) zu Lohn- s c h u l d u n g . Zu nennen sind hier ferner die 1934 be-
i n d e x z i f f e r n verarbeitet, die die Veränderungen gonnenen Schätzungen der B e t r i e b s a u s g a b e n der
des Lohnniveaus unter Ausschaltung der sich ändern- L a n d w i r t s c h a f t , die mit Hilfe von Schätzungen des
den Zahl der Arbeiter wiedergeben. Konjunkturinstitutes über die Verkaufserlöse der Land-
Zu dieser laufenden vierteljährlichen Statistik der wirtschaft zu einer » G e l d b i l a n z der L a n d w i r t -
Arbeiterverdienste, deren Ergebnisse jeweils vor Be- schaft« zusammengestellt werden konnten.
ginn der nächsten Erhebung vorlagen, kam 1934
noch eine G e h a l t s e r h e b u n g im B a n k g e w e r b e .
25. Auslandsstatistik
Die sich auf Lohnsummen stützende Verdienststatistik
konnte naturgemäß keine Streuung der Individualver- Auch unter dem Nationalsozialismus wurde die Be-
dienste aufzeigen. Diese zusätzliche Information sollte obachtung der Wirtschaft des Auslandes intensiv fort-
durch E i n z e l l o h n e r h e b u n g e n in längeren Zeit- gesetzt. Nach der Trennung des Reichsamtes vom
abständen gewonnen werden. Es kam jedoch nur im Konjunkturinstitut erschienen die Halbjahresberichte
Jahre 1938 zu einer solchen Erhebung in der Landwirt- unter dem Titel »Die Weltwirtschaftslage« als Sonder-
schaft und in der metallverarbeitenden Industrie. beilagen zu »Wirtschaft und Statistik«. Das im Reichsamt
zur Verfügung stehende umfangreiche Material wurde
1936 in einem »Handbuch der Weltwirtschaft« ver-
23. Wirtschaftsrechnungen und Versorgung
öffentlicht. Der Stoff blieb nach Ländern gegliedert
Im Jahre 1937 wurde eine neue Erhebung von W i r t - und brachte für 80 Länder Jahreszahlen fur 1913 und
s c h a f t s r e c h n u n g e n , diesmal für g e w e r b l i c h e ab 1920, für die Jahre seit 1925 außerdem Monats-
A r b e i t e r , durchgeführt, an der sich 2 600 Familien zahlen. Der publizistische Erfolg dieses Handbuchs
beteiligten. Dabei wurden die ernährungswissenschaft- war beachtlich.
lichen Unterlagen weiter verfeinert. Zu den schon Auch der Internationale Teil des Jahrbuchs nahm
1927 erfragten und berechneten Angaben wurden weiterhin an Umfang zu, und zwar von 225 Seiten

50
im Jahre 1933 auf 336 Seiten im letzten Jahrbuch C. Zusammenfassung und Verschie-
1941/42. Mehr als ein Drittel des Jahrbuchs war damit bungen i m Schwergewicht des
den internationalen Übersichten gewidmet. Der Inter-
statistischen Programms
nationale Teil des deutschen Jahrbuchs war auch im
Ausland ein beliebtes Nachschlagewerk. Gegenüber Die enge Bindung des Programms der amtlichen Sta-
den Jahrbüchern, die vom Völkerbund und seinen tistik an die Aufgaben, die der Staat sich stellte, zeigt
Unterorganisationen nach dem ersten Weltkrieg her- sich auch in der nationalsozialistischen Zeit. Vor allem
ausgegeben wurden, hatte das deutsche Jahrbuch reichte das statistisch unterentwickelte Instrumentarium
den Vorteil, die wichtigsten ^Ergebnisse auf allen auf dem Gebiete der industriellen Produktionsstatistik
Sachgebieten der Statistik an einer Stelle zusammen- für die Planung und Lenkung der Produktion und der
zufassen. Versorgung nicht aus und wurde erweitert. Anderer-
seits zeigte sich, daß andere Ziele der Wirtschafts- und
Gesellschaftspolitik nicht grundsätzlich auch ein ande-
26. Internationale Z u s a m m e n a r b e i t res statistisches Programm verlangen. Die Sachver-
halte, die statistisch gemessen werden müssen, bleiben
Nachdem das Deutsche Reich im Oktober 1933 aus
vielfach die gleichen und unbeeinflußt von der Politik,
dem Völkerbund ausgetreten war, beschränkten sich
für die die Statistik die Ausgangsdaten liefert. So ist
die internationalen Kontakte auf die Mitarbeit im
auch im Zeitraum 1933 bis 1945, wenn man von den
Internationalen Statistischen Institut, als dessen ge-
Wirren der letzten Kriegsjahre absieht, das gesamte
wählter Präsident in den Jahren 1931 bis 1936 Friedrich
erreichte statistische Instrumentarium beibehalten
Zahn, der damalige Präsident des Bayerischen Stati-
und verbessert worden. Die starke Zentralgewalt er-
stischen Landesamtes, fungierte.
reichte auch leichter die Vereinheitlichung statistischer
Der Verfasser hat sich als Sekretär des Genfer Aus- Programme und ihre Ausdehnung auf das gesamte
schusses Statistischer Sachverständiger bemüht, das Reichsgebiet.
Statistische Reichsamt intern über den Fortgang der
internationalen Arbeiten zu informieren. Der damit Die bevölkerungspolitischen Ziele einer Geburten-
zu erreichende Einfluß auf die Weiterentwicklung der förderung durch Ehestandsdarlehen und des Familien-
deutschen Statistik war verständlicherweise sehr gering. lastenausgleichs führten im Verein mitdem Rassenwahn
zu entsprechenden Ergänzungen der Volkszählung
Die Genfer Arbeiten jener Zeit betrafen außer der
und der übrigen Bevölkerungsstatistik, aber auch der
schon früher erwähnten Außenhandelsstatistik die
Bereichszählung im Handwerk.
folgenden Sachgebiete, für die Berichte und Emp-
fehlungen veröffentlicht wurden: Klassifikation der Der Aufbau der Statistik der Erwerbstätigkeit vollzog
Wirtschaftszweige (für Zwecke der Berufszählungen), sich, abgesehen von den Berufszählungen, außerhalb
Holzstatistik, Kapitalbildung und Investitionen, Woh- des Reichsamtes auf der Basis der Arbeitsbuchkartei
nungsstatistik, Indices der industriellen Produktion, der Arbeitsämter.
Bankenstatistik, Fremdenverkehr, Zahlungsbilanzen.
Im Internationalen Arbeitsamt wurde 1938 eine Kon- Die Statistik der landwirtschaftlichen Produktion wurde
vention über die Statistik der Löhne und der Arbeits- vor allem durch ein methodisch sicherer fundiertes
zeiten abgeschlossen. Die Bundesrepublik ist diesem System von Bodenbenutzungserhebungen (Vor-, Haupt-
internationalen Abkommen im Jahre 1954 beigetreten. und Nacherhebungen) verbessert.

Die industrielle Produktionsstatistik wurde — zeit-


27. Statistik und Wirtschaftsbeobachtung weilig außerhalb des Reichsamtes — für Zwecke der
wehrwirtschaftlichen Planung auf eine breite Grund-
Die enge Verquickung des Reichsamtes mit dem lage gestellt. Die Erfassung des Rohstoffverbrauchs
Konjunkturinstitut, die zu manchen Doppeltätigkeiten und der Bruttoproduktion lieferte auch für volks-
führte, hatte neben ihren sachlichen Vorteilen auch wirtschaftliche Betrachtungen alles Material, was man
Nachteile vor allem personalrechtlicher Art. Es kam normalerweise in einem Industriezensus erhebt. Auch
so im Jahre 1933 zu einer Trennung beider Einrich- die Industrieberichterstattung wurde von einer reinen
tungen und zur Entlassung des Präsidenten Wagemann Beschäftigtenstatistik mit Hilfe der Fragen nach dem
aus dem Reichsamt, wobei sich der damalige Reichs- Absatz im Inland und Ausland zu einer Art Produktions-
wirtschaftsminister Hugenberg auf die Bestimmungen statistik, die jedoch ebenfalls aus dem Arbeitsgebiet
des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten- des Reichsamtes ausschied.
tums berief. Die Leitung des bald in »Deutsches Institut
für Wirtschaftsforschung« umbenannten Konjunktur- Die allgemeine Arbeitsstättenzählung erfaßte zum
instituts blieb weiter in den bewährten Händen Wage- ersten Mal alle Bereiche der Erwerbstätigkeit. Sie wurde
manns. durch Bereichszählungen ergänzt, und zwar für das
Handwerk und den Einzelhandel. Auch der schon er-
Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen wähnte Industriezensus 1936 kann als eine solche, auf
Reichsamt und Konjunkturinstitut blieb weitgehend der Arbeitsstättenzählung aufbauende Bereichszählung
erhalten, vor allem bei den »Volkswirtschaftlichen angesehen werden. Die Handwerksberichterstattung
Bilanzen«. Die Wirtschaftsbeobachtung des Auslandes wurde ergänzend zur Industrieberichterstattung auf-
verblieb beim Reichsamt, das Halbjahresberichte zur genommen.
Weltwirtschaftslage veröffentlichte und das »Handbuch
der Weltwirtschaft« herausgab. Das Schwergewicht In der Außenhandelsstatistik kam es zu einer stärkeren
analytischer Arbeiten des Reichsamtes lag weiterhin Aufgliederung nach Waren und Ländern, die Genauig-
bei den Darstellungen der statistischen Ergebnisse in keit und die Schnelligkeit der Nachweise wurden
»Wirtschaft und Statistik«. erhöht.

4· 51
In der Verkehrsstatistik ist die Einbeziehung der Straße Sektorenstudie über die Betriebsausgaben und Erlöse
neben Schienen- und Wasserwegen das wichtigste der Landwirtschaft bereichert.
Ereignis. Mißt man auch für diesen Zeitraum die Gewichtsver-
änderungen der einzelnen Sachgebiete am Inhalt der
Die Statistik der öffentlichen Finanzen wurde in
Jahrbücher, so zeigt sich ein weiterer Ausgleich. Der
Richtung auf eine Vermögensstatistik der öffentlichen
Umfang der Jahrbücher, der sich mit 527 Seiten im
Hand erweitert. Die Realsteuern der Gemeinden wur-
Durchschnitt der Jahre 1933 bis 1935 noch auf der Höhe
den in die Steuerstatistik einbezogen.
der Vorperiode 1929/32 hielt, wuchs weiterhin rasch
Die Preisstatistik wurde durch einen Preisindex für die an und überschritt seit 1938 die Zahl von 600 Seiten
sächlichen Betriebsmittel der Landwirtschaft und einen (ohne den internationalen Teil).
Index der Weltmarktpreise erweitert. Neue Erhebun- Auch wenn das Sachgebiet Außenhandel auf etwa 12%
gen von Wirtschaftsrechnungen für gewerbliche und der Seitenzahl zurückfiel, nahm es erneut den ersten
landwirtschaftliche Arbeiter fanden statt. Platz ein, dicht gefolgt von der Landwirtschaft mit 11%
und den vom ersten auf den dritten Platz zurückge-
Die Statistik der Effektivverdienste der Arbeiter wurde fallenen Finanzen und Steuern mit knapp 10%. Stärkere
in einer großen Zahl von Industriezweigen gleichzeitig, Zunahmen — immer am Platzanteil im Jahrbuch
und zwar vierteljährlich, durchgeführt. gemessen — weisen ferner die Statistik der Erwerbs-
tätigkeit, die Bevölkerungsstatistik, die Preise und die
Die Volkswirtschaftlichen Bilanzen wurden durch eine Wirtschaftsrechnungen auf.

52
Vierter Teil

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg (1945 bis 1972)


I. Die Übergangsjahre bis zur Gründung der Bundesrepublik
(1945 bis 1949)
Die Entwicklung der Statistik in den ersten Nach- Russen und Amerikanern einnahmen 15 ). Bei dieser
kriegsjahren ist nur auf dem Hintergrund der neu ent- Sachlage kam es, vor allem wegen der französischen
stehenden staatlichen Organisation verständlich. Die Haltung, nie zum Schwur, und es wurden keine neuen
Reichsgewalt hatte zu existieren aufgehört. Am Ende gesamtdeutschen Zentralbehörden geschaffen.
des Krieges gab es außer den Gemeinde- und Kreis- Daraufhin schlossen im Dezember 1946 die beiden
verwaltungen überhaupt keine deutschen staatlichen angelsächsischen Militärregierungen die britische und
Regierungsstellen mehr. Das Reich war in Besatzungs- die amerikanische Zone zur »Bizone« zusammen und
zonen aufgeteilt. Die zentrale Gewalt stellte der in übertrugen ab I.Januar 1947 deren wirtschaftliche
Berlin residierende Kontrollrat der vier Besatzungs- Aufgaben einer deutschen »Verwaltung für Wirtschaft«
mächte dar. In den westlichen Zonen entstanden mit Sitz in Minden. Daneben wurden Verwaltungen
— mehr oder weniger rasch — die heutigen Länder für Ernährung und Landwirtschaft, für Verkehr, für
mit deutschen Landesregierungen, die jedoch nur unter Finanzen und für die Post und das Fernmeldewesen
der allmählich milder werdenden Kontrolle der Militär- eingerichtet, die alle in verschiedenen Städten ihren
regierungen arbeiten konnten. Sitz hatten.

Die vier Länder der amerikanischen Zone (Bayern, Die ziemlich verworrenen Organisationsprobleme der
Baden-Württemberg, Großhessen und Bremen) be- Bizone sollen hier nicht näher dargelegt werden. Das
saßen im Stuttgarter Länderrat eine Koordinierungs- wichtigste ist, daß ein »Wirtschaftsrat« gewissermaßen
stelle, die jedoch keine Regierungsbefugnisse hatte. als Parlament und ein »Exekutivrat« aus je einem Ver-
Alle Reichszuständigkeiten waren hier auf die Länder treter der Länder geschaffen wurde. Dieser Exekutiv-
übergegangen. rat hat damals den Verfasser zum Leiter des Statisti-
schen Amtes ernannt und damit freie Bahn für den
In der britischen Zone wurden die Reichszuständig- Aufbau des Amtes gegeben. Die Besetzung und Zu-
keiten von besonderen Zonenbehörden wahrgenom- sammenfassung der »Verwaltungen« bot die meisten
men. Eine von ihnen war das Statistische Amt für die Schwierigkeiten. Den Abschluß bildete das sogenannte
britische Besatzungszone in Hamburg. Die Offiziere Frankfurter Statut. Es verdoppelte die Mitglieder des
der Militärregierung saßen im gleichen Hause wie die »Wirtschaftsrats«, und eines der ersten Gesetze dieses
Deutschen, denen mehr eine Beraterfunktion zukam. Wirtschafts rats war das Gesetz über die Errichtung
Die Länder dieser Zone (Nordrhein-Westfalen, Nieder- eines Statistischen Amtes des Vereinigten Wirtschafts-
sachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg) wurden erst gebietes vom 21. Januar 1948. Der Exekutivrat wurde
allmählich neugebildet, größtenteils aus ehemals preu- durch einen »Länderrat« ersetzt und ein »Verwaltungs-
ßischen Gebietsteilen, für die es — anders als in der rat« unter einem Oberdirektor als echtes Exekutiv-
amerikanischen Zone — keine überkommene Ver- organ eingesetzt. Im Aufbau entsprach der Verwal-
waltungsorganisation gab. tungsrat einem »Kabinett«, dem die Direktoren der
einzelnen Verwaltungen angehörten und in dem auch
Am längsten dauerte die Konsolidierung in der fran- die Leiter des Rechtsamtes, des Personalamtes und des
zösischen Zone, in der — für die Statistik — alle Ent- Statistischen Amtes Sitz, aber kein Stimmrecht hatten.
scheidungen noch sehr lange bei verschiedenen Dienst- Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland
stellen der Besatzungsmacht verblieben. Die Neubil- wurden die Behörden des Vereinigten Wirtschaftsge-
dung von Ländern war hier besonders erschwert, bietes in die Behördenorganisation des Bundes über-
da Südwürttemberg und Südbaden abgetrennte TeHe geleitet.
ehemaliger Länder waren und auch die Neubildung des
In diesen Übergangsjahren gingen die Verwaltungs-
Landes Rheinland-Pfalz ehemals preußische, bayerische
und Regierungsbefugnisse nach und nach immer stärker
und hessische Gebiete zusammenschloß. Für das Saar-
in deutsche Hände über. Es bestanden zwar bis in die
gebiet galt noch lange ein Sonderstatus.
ersten Jahre der Bundesrepublik hinein für alle Be-
Die sowjetische Besatzungszone wurde zunächst eben- hörden entsprechende Kontroll- oder Aufsichtsinstan-
falls in fünf Länder bzw. Verwaltungseinheiten geglie- zen der Militärregierung, die anfangs noch Befehle
dert, ging aber mit der Schaffung von zentralen Zonen- erteilten, im Laufe der Zeit von der Uniform zur Zivil-
behörden sehr bald eigene Wege. Über die weitere kleidung übergingen und am Schluß, wenigstens soweit
politische Gestaltung des verbliebenen Reichsgebietes es die Statistik betraf, nur noch an der Information über
kam es im Kontrollrat sehr bald zur Uneinigkeit. die Tätigkeiten interessiert waren. Sie haben sich,
Die Meinungsverschiedenheiten betrafen vor allem das alles in allem, als kollegiale Helfer beim Wiederaufbau
Verhältnis einer zukünftigen Zentralgewalt zu den der Statistik erwiesen.
Ländern. Die Sowjets plädierten für eine starke Zen- Der etwas schwierige staatsrechtliche Hintergrund
tralgewalt, die Franzosen hätten am liebsten gar keine ist hier relativ ausführlich dargestellt worden, da der
neue Zentralgewalt gesehen. Die Amerikaner befür- Wiederaufbau der deutschen Statistik sich ständig
worteten einen sehr weitgehenden Föderalismus, wäh- 1S
) Tilman Pünder: Das bizonale Interregnum. Grotesche Verlags-
rend die Briten eine Mittelstellung zwischen den buchhandlung KG 1966, S. 32ff.

53
diesen sich wandelnden Verwaltungszuständigkeiten gesetzt worden, z.B. die Berechnung von Preisin-
anpassen mußte, und zwar nicht nur organisatorisch, d e x z i f f e r n d e r L e b e n s h a l t u n g und die Statistik
sondern auch sachlich. der A r b e i t s v e r d i e n s t e . Auf Wunsch des Länder-
Es wird hier darauf verzichtet, für die Zeit, in der es rates wurde auch die G e m e i n d e f i n a n z s t a t i s t i k
noch keine dem Statistischen Reichsamt vergleichbare und die kommunale V e r s c h u l d u n g s s t a t i s t i k für
Zentralstelle gab, dem Wiederaufbau der Statistik die Etatjahre 1946/47 sowie die Länderfinanzstatistik für
in den einzelnen Zonen nachzugehen. Was vom alten 1947/48 wieder aufgenommen. Nach der Währungs-
Reichsamt an Personal, zerbombten Räumen und nicht reform wurden die E i n z e l h a n d e l s u m s ä t z e , die
ausgelagertem Material in Berlin übriggeblieben war, Statistik der G r o ß h a n d e l s p r e i s e , der Preisindex der
befand sich im sowjetischen Sektor und bildete, so- s ä c h l i c h e n B e t r i e b s m i t t e l der L a n d w i r t s c h a f t
weit es nicht wie in allen Zonen von der Militär- und die B i l a n z s t a t i s t i k wieder aufgenommen. Bei
regierung beschlagnahmt wurde, den Grundstock des den S t e u e r s t a t i s t i k e n mußte es bei der Planung
Statistischen Amtes für die sowjetische Besatzungszone. bleiben, da wegen der Währungsreform Mitte 1948
Auch das Statistische Amt der britischen Besatzungszone erst das Finanzjahr 1949/50 die erste mögliche Grund-
ist aus einer Verlagerungsstelle des Reichsamtes her- lage bildete. Für die Berechnung des V o l k s e i n -
vorgegangen. Innerhalb der amerikanischen Zone k o m m e n s und des S o z i a l p r o d u k t s fehlten die
befand sich nur die nach Bad Nauheim verlagerte meisten der früher verwendeten Berechnungsunter-
Industrieberichterstattung der ehemaligen Reichs- lagen, insbesondere die Steuerstatistiken. Es mußte
gruppe Industrie. Die Landwirtschaftsstatistik war daher nach neuen, mit den erreichbaren Statistiken
nach Wildbad ausgelagert worden und damit in zu bewältigenden Methoden gesucht werden.
französischen Händen. Die B e v ö l k e r u n g s s t a t i s t i k gehörte ursprünglich
Auch wenn der Gedanke verlockend war, frei von allen nicht in die Zuständigkeit des Vereinigten Wirtschafts-
traditionellen Bindungen die deutsche Statistik neu gebietes, dem nur wirtschaftliche Aufgaben zugedacht
aufzubauen, so bestand dazu nicht allzuviel Gelegen- waren. Da jedoch der Bedarf an Bevölkerungszahlen
heit. Was auf statistischem Gebret zu geschehen hatte, groß war, wurde ab Januar 1949 dem Statistischen Amt
befahlen zunächst die Militärregierungen, zum Teil auch diese Zuständigkeit übertragen. Die Bevölke-
noch auf Grund von Vereinbarungen im Kontrollrat. rungsstatistik, sonst Grundlage und Beginn aller stati-
So kam es am 29. Oktober 1946 zur ersten — und stischen Arbeit, steht als »Nachkömmling« deshalb
einzigen — vierzonalen V o l k s z ä h l u n g , die jedoch im Organisationsplan des Amtes auch heute noch an
in den ersten unruhigen Zeiten und durch Überset- letzterStelle 16 ).
zungsfehlerin den Zählpapieren zu wenig brauchbaren Die Übergangsjahre haben viele organisatorische
und bald überholten Ergebnissen führte. Einige Länder Probleme gebracht, vor allem galt es, die Statistik
hatten mit der Volkszählung eine Wohnungszählung wieder aus den Verwaltungen herauszulösen und bei
verbunden, die wegen der Einweisung der Flüchtlinge den Statistischen Ämtern zu zentralisieren. Hierfür
und Vertriebenen als vordringlich angesehen wurde. hatten die angelsächsischen Militärregierungen, die
Eine Koordinierung der Programme hat jedoch nicht von ihren Heimatverhältnissen an »unausgelöste« Sta-
stattgefunden. tistiken bei den einzelnen Ministerien gewöhnt waren,
Die Ernährung und Versorgung der Bevölkerung mit wenig Verständnis. Besonders zäh wurde um soge-
industriellen Gütern und die Rohstoffversorgung des nannte Bewirtschaftungsstatistiken gekämpft. So ver-
produzierenden Gewerbes mußten zunächst mit den blieben bei der vom Verwaltungsrat beschlossenen
kriegswirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden ge- Kompetenzverteilung zwischen dem Statistischen Amt
sichert werden. Hierfür mußten die überall wieder und den Verwaltungen z. B. der Produktionsbericht,
in Gang gesetzten l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Pro- die Berechnung einer Produktionsindexziffer, die soge-
d u k t i o n s s t a t i s t i k e n und die I n d u s t r i e b e r i c h t - nannten Fachstatistiken im gewerblichen Bereich bei
erstattung einschließlich der Produktions- der Verwaltung für Wirtschaft.
m e l d u n g e n die erforderlichen Zahlenunterlagen lie- Dem Statistischen Amt sind jedoch sowohl bei seiner
fern. Hierzu kam bald auch die B a u b e r i c h t e r s t a t - Errichtung wie durch den eben genannten Verwaltungs-
tung. Die Übersicht über die Versorgungslage mußte ratsbeschluß erhebliche Koordinierungsbefugnisse bei
durch die A u ß e n h a n d e l s s t a t i s t i k ergänzt werden. den Bewirtschaftungs- und den Geschäftsstatistiken
Hier stellten die Organisation des Außenhandels, die übertragen worden. Das Amt hat hierauf großen Wert
Währungsprobleme, vor allem aber das zu den gelegt, denn es hat als fernes Ziel stets vor Augen ge-
anderen Zonen nichtdurch eine Zollgrenze abgeschlos- habt, mit dem Neuaufbau der deutschen Statistik zu
sene Wirtschaftsgebiet ziemlich unüberwindliche einem Gesamtbild der Wirtschafts- und Gesellschafts-
Schwierigkeiten. Um diese, wenn auch unvollkommen, struktur und des Wirtschaftsablaufs zu kommen. Es
zu beheben, wurde die I n t e r z o n e n h a n d e l s s t a t i - hat daher jede neue Statistik als einen Baustein betrach-
stik auf Grund von Warenbegleitscheinen eingeführt. tet, der sich möglichst gut in das Gesamtgebäude ein-
Die V e r k e h r s s t a t i s t i k lag und blieb zunächst bei passen und damit die Voraussetzung für die Aufstellung
den Verkehrsträgern, nur die B i n n e n s c h i f f a h r t s - Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen schaffen
s t a t i s t i k wurde wieder durch die Statistischen Ämter sollte. Dazu gehörten auf der Basis theoretischer Vor-
aufgenommen. stellungen über den Wirtschaftskreislauf vor allem eine
Die Geldwertverhältnisse in der Zeit vor der Wäh- möglichst einheitliche Begriffsbildung für alle einschlä-
rungsreform im Juni 1948, in der der Schwarzmarkt und gigen Statistiken, einheitliche Systematiken, aufein-
der Tauschhandel eine wichtige Rolle spielten, nahmen ander abgestimmte Termine usw.
allen auf Geldwerten basierenden Statistiken meist
16
ihren Sinn. Trotzdem waren einige Statistiken schon ) Zum Stand der Statistik in der Bizone siehe die Schrift: Das
Statistische Amt des Vereinigten Wirtschaftsgebietes. Aufbau — Auf-
sehr früh durch Kontrollratsbeschluß wieder in Gang gabengebiet— Tätigkeitsbericht 1948, Wiesbaden 1949.

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Alles in allem läßt sich sagen, daß trotz des er- Anordnung von Statistiken die Grundlagen für den
zwungenermaßen pragmatischen Vorgehens und trotz systematischen Aufbau des statistischen Programms be-
des Vorherrschens des Dringlichkeitsprinzips bei der reits in diesen Übergangsjahren gelegt worden sind.

II. Die Zeit des Statistischen Bundesamtes

A. Allgemeine Entwicklungstendenzen Das Statistische Bundesamt hat stets die Überzeugung


vertreten, daß in einer marktwirtschaftlichen Ord-
Nachdem die erste Regierung der Bundesrepublik nung, in der verhältnismäßig wenig unmittelbar »ver-
Deutschland sich im Herbst 1949 unter Konrad waltet« wird, die Statistik nicht nur unmittelbaren Ver-
Adenauer konstituiert hatte, wurde die Statistik dem waltungszwecken zu dienen habe, sondern ein fun-
Bundesinnenministerium unterstellt. Das Amt arbeitete diertes Gesamtbild der wirtschaftlichen, finanziellen
weiter unter dem etwas schwerfälligen Titel »Statisti- und sozialen Entwicklung und Zusammenhänge liefern
sches Amt des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, mit der müsse. Abgesehen von den hierfür erforderlichen
Führung der Statistik für Bundeszwecke beauftragt«. Darstellungen der Bevölkerimgs- und Wirtschafts-
Erst ein Jahr später erhielt es die Bezeichnung struktur gehörte hierzu auch der Aufbau kurzfristiger,
»Statistisches Bundesamt« in Anlehnung an die traditio- der Konjunktur- oder Wirtschaftsbeobachtung dienen-
nellen Namen des »Statistischen Reichsamtes« und der der Indikatoren, die die wichtigsten Aggregate, z. B.
»Statistischen Landesämter«, obgleich sprachlich wohl die Entwicklung der Beschäftigung, der Produktion,
ein Bundesamt für Statistik richtiger gewesen wäre. der Umsätze, des Außenhandels, der Löhne und
Preise und möglichst auch der Investitionen, für die
Der geographische Bereich, für den das neue Bundes- bedeutendsten Sektoren der Wirtschaft nachweisen
amt zuständig war, lag nicht von Anfang an fest. Die sollten. Alle diese laufenden Wirtschaftsvorgänge soll-
besondere Situation B e r l i n s hatte auch ihre Auswir- ten in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen
kungen auf die Statistik. Zunächst konnten aus techni- zusammengefaßt werden.
schen Gründen keine Zahlen Berlins einbezogen wer-
den, da die vom Vereinigten Wirtschaftsgebiet über- Es kam diesen Plänen der Statistiker zu Hilfe, daß die
nommenen Statistiken erst nach und nach in Berlin zunehmende Beteiligung der Bundesrepublik an zahl-
eingeführt werden konnten. Anfangs sprachen auch reichen internationalen Organisationen solche Sozial-
manche politischen Gründe für eine Sonderbehandlung produktsberechnungen erzwang. Es begann mit der
der geteilten Stadt. Im Laufe der Zeit sind jedoch Marshallplan-Hilfe, dem sogenannten European Recov-
alle statistischen Ergebnisse vom Bundesgebiet ohne ery Program (ERP), aus dem die OEEC in Paris her-
Berlin (West) auf das Bundesgebiet einschließlich vorging, und die die Berechnung eines Maßstabes der
Berlin (West) umgestellt worden. Daß diese Frage ein volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verlangte.
Politikum darstellte, zeigte sich auch darin, daß das Hierfür galt im Ausland überall das »Gross National
Statistische Amt der Vereinten Nationen — auf Druck Product«, das wir mit Bruttosozialprodukt bezeichnen.
der Sowjetunion — in seine Veröffentlichungen nur Dieser Maßstab spielt z. B. für die Beiträge zu den
Zahlen ohne Berlin (West) aufnehmen wollte. Eine internationalen Einrichtungen eine Rolle und hätte
weitere Änderung des geographischen Bereichs brachte höchste Bedeutung erlangt, wenn die Europäische
die Rückgliederung des S a a r l a n d e s am I.Januar Verteidigungsgemeinschaft in der ursprünglich ge-
1957. Auch hier verging einige Zeit, bis das Saarland planten Form zustande gekommen wäre. Die Bundes-
Ergebnisse für alle Bundesstatistiken liefern konnte. republik hätte dann einen bestimmten Prozentsatz
ihres Sozialprodukts in Geld an die gemeinsame Kasse
Die politische und wirtschaftliche Lage der Bundesrepu- einzahlen müssen.
blik konsolidierte sich in Anbetracht der mehr als
schwierigen Anfangssituation überraschend schnell. Das Gesetz über die Statistik für Bundeszwecke vom
Wirtschaftlich waren die Weichen schon 1948 gestellt 3. September 1953 hatte jede Tätigkeit des Bundesamtes
worden, als nach der Währungsreform die meisten an förmliche, rechtsverbindliche Anordnungen (Ge-
Bewirtschaftungsvorschriften kurzerhand aufgehoben setze oder Rechtsverordnungen) gebunden. Das Bun-
wurden. Die »soziale Marktwirtschaft« wurde seitdem desamt konnte also seine Ziele hinsichtlich des Statisti-
unter Ludwig Erhard zu der zunächst noch politisch schen Programms nur erreichen, wenn es jeweils ein
umstrittenen — einer der ersten Direktoren der Ver- Bundesministerium fand, das bereit war, diese auf all-
waltung für Wirtschaft in Minden, Dr. Agartz, war gemeine Zwecke der Wirtschaftsbeobachtung zielenden
überzeugter Planwirtschaftler gewesen — nach der Wünsche in der Gesetzesvorlage für eine bestimmte,
Annahme des Godesberger Programms durch die meist den Verwaltungsbedürfnissen des betreffenden
Sozialdemokratische Partei Deutschlands zur allge- Hauses dienende Statistik zu berücksichtigen. Das war
nicht immer leicht, aber alles in allem doch erfolgreich.
mein anerkannten Wirtschaftsordnung. Auf die Be-
Auf diese Weise konnte Stein für Stein für das Gesamt-
dürfnisse dieser Wirtschaftsordnung eines freien Wett-
bild zusammengetragen und das Gebäude der Volks-
bewerbs, die jedoch auf soziale Ziele Rücksicht nehmen
wirtschaftlichen Gesamtrechnungen errichtet werden.
sollte, mußte sich die amtliche Statistik ausrichten.
Trotz der im Grundsatz geltenden Ordnung der Wett- Die Aufstellung Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnun-
bewerbswirtschaft verblieben Bereiche mit stärkeren gen hatte sehr erwünschte Nebenwirkungen auf das
unmittelbaren Staatseingriffen, meist in der Form von statistische Programm, denn es zeigten sich die Lücken
Subventionen und Steuervorteilen. Hierzu gehörten im Material, das notwendig war, um die Entstehung,
vor allem die Landwirtschaft, der Kohlenbergbau, das Verteilung und Verwendung des Sozialprodukts stati-
Wohnungswesen und das Verkehrswesen. stisch nachzuweisen. Wenn die Ergebnisse verschiede-

55
ner Statistiken zusammengebaut werden müssen, treten die Führung automatisierter Register usw., auch neue
die Abweichungen in den Begriffen der gezählten Sach- Möglichkeiten für die Erweiterung des allgemeinen
verhalte zu Tage und können nach Möglichkeit berei- statistischen Programms geschaffen. Mit Hilfe der EDV
nigt werden. Die Verwendung einheitlicher Klassifi- läßt sich ferner die Bereitstellung und Auswertung von
kationen sowie eine klare Abgrenzung der verschiede- Statistiken erheblich verbessern. Dies soll durch den
nen Wirtschaftsbereiche ohne Doppelerfassungen und Aufbau einer Statistischen Datenbank geschehen, die
ohne das Weglassen unbequemer Randerscheinungen Teil eines allgemeinen Informationssystems der öffent-
drängt sich auf. All dies erforderte eine Fülle von Ko- lichen Verwaltung sein wird. Die neuen Möglichkeiten
ordinierungsarbeiten, die manchmal von denen, die der Automation außerhalb und innerhalb des statisti-
in »ihrer« Statistik etwas ändern sollten, nicht gern ge- schen Dienstes haben allerdings auch erhebliche Pro-
sehen wurden. Im großen und ganzen aber hat das bleme und Schwierigkeiten geschaffen. Ihre Lösung
Bundesamt bei diesen Arbeiten, die von Anfang an ist eine Zukunftsaufgabe, die in dieser der Vergan-
besonderen Referaten für die methodische Koordi- genheit gewidmeten Abhandlung nicht erörtert werden
nierung und die Systematiken übertragen worden sind, soll.
Unterstützung gefunden.

Als das Instrument der Volkswirtschaftlichen Gesamt-


rechnungen einmal vorlag, wurde es auch für inner-
deutsche Zwecke in zunehmendem Maße benutzt.
Für die Aufstellung des Bundeshaushaltsplans und die
B. Die Entwicklung auf den einzelnen
dafür erforderlichen Schätzungen der Einnahmen und Sachgebieten
Ausgaben bildeten sie eine unentbehrliche Grundlage.
Die Wirtschaftsbeobachtung durch die Ministerien, die 1. Volkszählungen und Mikrozensus
Bundesbank und die wirtschaftswissenschaftlichen For-
schungsinstitute bediente sich der Kategorien und der a) V o l k s z ä h l u n g e n
Größen der Gesamtrechnungen. Das gleiche gilt für
Sieht man von der — vierzonalen — Volkszählung
den im Jahre 1964 errichteten »Sachverständigenrat
1946 ab, die schon im Abschnitt »Übergangsjahre«
zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Ent-
erwähnt wurde, so haben bisher im Bundesgebiet in
wicklung«, für den das Bundesamt als Geschäftsstelle
Einklang mit dem international empfohlenen Rhythmus
fungiert. Die Beteiligung des Statistischen Bundesamtes
Volkszählungen in den Jahren 1950, 1961 und 1970
an der Wirtschaftsbeobachtung wird noch näher unter-
stattgefunden. Das Bestreben, von dem 10jährlichen
sucht werden.
Turnus durch Zwischenzählungen zu einem Abstand
Seit 1969, unter dem damaligen Bundeswirtschaftsmini- von fünf Jahren zu kommen, wurde bisher nur durch
ster Karl Schiller, wurde die Statistik sehr viel stärker zur die Verbindung der Wohnungszählung 1956 mit einer
Fundierung wirtschaftspolitischer Entscheidungen her- Bevölkerungsfeststellung erreicht. Alle Nachkriegszäh-
angezogen. Die Politik der Globalsteuerung ist ohne lungen sind mit einer Berufszählung und einer Zählung
die Grundlage Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnun- der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten verbunden
gen nicht denkbar. Auch das Stabilitätsgesetz verlangt gewesen, die Zählung 1950 außerdem mit einer
eine ständige statistische Beobachtung der Beschäfti- Gebäude- und Wohnungszählung. Die landwirtschaft-
gung, des Wirtschaftswachstums, der Preise, der Außen- lichen Betriebe wurden getrennt zu etwas anderen
wirtschaft, der Einkommen usw. Terminen gezählt.

Ansätze zur zusammenfassenden und auswertenden Bei der Volkszählung 1970 sind zum ersten Male
Statistik zeigen sich auch auf anderen Gebieten. So ist aus Gründen der Arbeits- und Kostenersparnis nicht
ein Institut für Bevölkerungsforschung in der Gründung alle Merkmale bei der gesamten Bevölkerung, sondern
begriffen, das in Verwaltungsgemeinschaft mit dem nur bei einer Stichprobe von 10% erhoben worden.
Statistischen Bundesamt, hauptsächlich auf die Statistik Dazu gehören vor allem die Zuzugs- und Vertriebenen-
gestützt, die Bevölkerungsfragen wissenschaftlich ana- fragen, die Geburtenstatistik, Teile der Bildungssta-
lysieren soll. Ein weiteres Beispiel bildet der Umwelt- tistik und die Ermittlung des Berufs.
schutz, für den ein Sachverständigenrat eingesetzt
Die Volkszählungen sollen vor allem regional sehr
worden ist, dessen Geschäftsführung dem Statistischen
tief gegliederte Einwohnerzahlen bringen. Im Prinzip
Bundesamt übertragen wurde.
stehen auch alle persönlichen Merkmale einschließlich
Der bisher überschaubare Zeitabschnitt der Tätigkeit des Berufs zur Verfügung, sie können jedoch nur in
des Statistischen Bundesamtes ist dadurch gekenn- beschränktem Umfange ausgezählt werden. Der Be-
zeichnet, daß zu der Arbeit an den einzelnen Statistiken darf an amtlichen Einwohnerzahlen, die nur mit Total-
auf allen Sachgebieten, die an Bedeutung keinesfalls zählungen festgestellt werden können, war stets groß
verloren, sondern ebenfalls erheblich gewonnen haben, und ist noch gewachsen, da immer mehr gesetzliche
die Gesamtschau und die Darstellung der Zusammen- Vorschriften — es sind beinahe 100 — an die Einwohner-
hänge getreten ist. Daneben hat die sich ständig ver- zahlen anknüpfen oder an sie gebunden sind, z. B.
stärkende internationale Zusammenarbeit, die an der Finanzausgleich, die Wahlkreiseinteilung, die Auf-
anderer Stelle noch näher dargelegt wird, die Auf- hebung der Wohnungszwangswirtschaft, um nur diese
gaben des Amtes erweitert und das Programm der zu nennen. Trotz der großen Fortschritte in der
Statistik in zunehmendem Maße beeinflußt. Methodik der Fortschreibung der Einwohnerzahlen
Schließlich hat in den letzten Jahren die technische kann mangels erforderlicher Kontrollen und der
Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung nicht fortschreibbaren Merkmale (z. B. über die Er-
und die damit eröffneten Möglichkeiten der Auto- werbstätigkeit) auf Volkszählungen nicht verzichtet
matisierung von Verwaltungsvorgängen, wie z. B. werden.

56
Präsidenten des Statistischen Bundesamtes

Gerhard Fürst Patrick Schmidt


1948—1964 1964—1972

Hildegard Bartels
seit Februar 1972
Da die Fortschreibung der Bevölkerung vor allem Ehepartnern aus wirtschaftlichen Gründen mußte
wegen fehlender polizeilicher Abmeldungen und wegen ebenfalls beobachtet werden. Auch in der Zählung
der mit der Möglichkeit eines zweiten Wohnsitzes von 1961 zeigen die Fragen an e h e m a l i g e K r i e g s -
verbundenen Probleme erfahrungsgemäß im Laufe g e f a n g e n e und I n t e r n i e r t e , daß die Kriegsfolgen
der Zeit zu überhöhten Zahlen führt, können aus noch nicht überwunden waren.
den genannten und auch aus weiteren Gründen Die Frage nach der S t a a t s a n g e h ö r i g k e i t konnte
bei den Volkszählungen Über- und Untererfassungen wegen der ungeklärten Staatsangehörigkeitsverhält-
vorkommen. Die Volkszählung 1950 hat, wie die nisse der großen Zahl von Heimatvertriebenen und
Zählung von 1956 ergab, zweifellos eine Übererfassung ausländischen Flüchtlingen 1950 noch nicht gestellt
gebracht. Die noch ungeklärten Schicksale der Gefan- werden. Von 1961 an gehörte die Feststellung der
genen und Vermißten, die Tatsache, daß der Ernährer A u s l ä n d e r wieder zum Programm. 1970 hatte die
der Familie schon einen neuen Arbeitsplatz gefunden Zählung der Ausländer wegen der inzwischen stark
hatte, die Familie aber noch auf dem Lande saß, angewachsenen Zahl der ausländischen Arbeitskräfte
und das allgemeine Bestreben, im Hinblick auf die und der von diesen nachgezogenen Familien und wegen
Wohnungsbewirtschaftung die Wohnung in der Haus- der Freizügigkeit im Raum der Europäischen Wirt-
haltsliste möglichst stark belegt erscheinen zu lassen, schaftsgemeinschaft (EWG) erhöhte Bedeutung.
dürften die Hauptgründe der Übererfassung gewesen Bei der Zählung 1950 war die Zahl der in d e r
sein. b e s t e h e n d e n Ehe g e b o r e n e n Kinder erfragt wor-
Wegen der Erfahrungen des Jahres 1950 wurden bei den. Die Kombination dieser Angaben mitdem Geburts-
den Zählungen von 1961 und 1970 der zweite Wohnsitz jahr und Eheschließungsjahr erbrachten Zahlen über
bzw. eine weitere Wohnung oder Nebenwohnung die Fruchtbarkeit der bestehenden Ehen. Der Versuch,
erfragt. Großer Wert wurde auf Vollständigkeits- bei der Zählung von 1961 die Fragen nach der Zahl
kontrolle gelegt, für die verschiedene, zum Teil auch und dem Geburtsdatum der ehelich geborenen Kinder
wissenschaftlich recht interessante Methoden entwickelt und nach der Ordnungszahl der Ehen wieder einzu-
wurden. Leider haben diese Kontrollarbeiten die Auf- führen, um wichtige Unterlagen für die langfristige
bereitungsarbeiten verzögert, denn Genauigkeit und Bevölkerungsvorausschätzung zu gewinnen, scheiterte
Schnelligkeit sind nun einmal zwei schwer miteinander am Veto des Bundestages. Diese Fragen waren nun
in Einklang zu bringende Forderungen an eine Statistik. einmal zu stark mit dem bevölkerungspolitischen
Die zunehmende Bedeutung der Raumordnung, für die Odium des Nationalsozialismus belastet.
die Volkszählungen regional tiefgegliederte Ergebnisse Bei der Zählung 1970 Konnten die auch von allen
bereitstellen müssen, hat im Verein mit den Plänen zur internationalen Gremien empfohlenen Fragen zur
Sanierung der Städte dazu geführt, daß bei der G e b u r t e n s t a t i s t i k wieder aufgenommen werden,
Zählung 1970 Vorkehrungen getroffen wurden, um d. h. die Frage nach einer früheren Ehe und nach
sehr kleine regionale Bausteine unabhängig von den der Ordnungszahl und dem Geburtsjahr aller ehelich
Verwaltungsgrenzen zu jeder gewünschten »Region« geborenen Kinder einer Frau. Besonders die Kombi-
zusammenstellen zu können. nation mit den übrigen Merkmalen ermöglichte viele
Für alle Volkszählungen ist der schon früh eingeführte soziologisch und familienpolitisch wichtige Einsichten.
Begriff der »Wohnbevölkerung« beibehalten worden. Die bildungspolitisch relevanten Fragen nach der
Im Hinblick auf die Bedürfnisse der Wohnbaupolitik A u s b i l d u n g wurden 1950 überhaupt nicht gestellt.
und der Wohnungswirtschaft wurden 1950 die aus- 1961 wurde nach der Hochschul- und Fachschulausbil-
einandergerissenen Familien besonders ausgezählt. dung gefragt, während 1970 auch alle allgemein-
Neben den Begriff der Wohnbevölkerung trat die Aus- bildenden Schulen einbezogen wurden. Es ist so mög-
zählung der Wohnberechtigten. lich, das Ausbildungsniveau der gesamten Bevölkerung
darzustellen und Fragen des Ersatzbedarfs und des
Zum Standardprogramm aller drei Volkszählungen
Nachwuchsproblems zu klären.
im Bundesgebiet gehörten die Fragen nach dem
Geschlecht, dem G e b u r t s d a t u m , dem F a m i l i e n - Die P e n d e l w a n d e r u n g , also die Wanderung zwi-
stand, dem E h e s c h l i e ß u n g s j a h r und der Reli- schen Wohnort und Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte,
g i o n s z u g e h ö r i g k e i t , zu denen noch die Frage nach ist bei allen drei Volkszählungen ausgezählt worden.
der V e r t r i e b e n e n - bzw. F l ü c h t l i n g s e i g e n s c h a f t 1961 und 1970 wurden im Hinblick auf die verkehrs-
getreten ist. 1950 wurde zusätzlich noch der W o h n - politischen Probleme auch die b e n u t z t e n V e r k e h r s -
sitz am 1. Septem ber 1939 und die M u t t e r - m i t t e l und der Z e i t a u f w a n d festgestellt.
s p r a c h e erfragt. Mit Hilfe dieser Fragen konnten Die Statistik d e r H a u s h a l t e und der in einer
nicht nur die Vertriebenen und Flüchtlinge besser abge- Haushaltsgemeinschaft lebenden Familien wurde ab
grenzt, sondern auch die umfangreichen innerdeut- 1950 auf eine neue Grundlage gestellt. Während früher
schen Wanderungen, die während und nach dem zur Definition des Haushaltes neben der Wohngemein-
Kriege stattgefunden hatten, sichtbar gemacht werden. schaft die schwer festzustellende Verpflegungs- oder
Zu ähnlichen Zwecken wurde 1961 der Zeitpunkt des Wirtschaftsgemeinschaft herangezogen worden war,
Zuzugs in die Bundesrepublik festgestellt und 1970 wurde nur noch das einzige Merkmal der Wohn-
erneut der Wohnsitz vor dem Kriege und die Tatsache gemeinschaft als entscheidend angesehen. Damit deckte
des Zuzugs erfragt. sich der Begriff des »Haushalts« mit dem in der gleich-
Die ersten Nachkriegsverhältnisse machten 1950 selbst zeitigen Wohnungszählung verwendeten Begriff der
die Erfassung des Familienstandes schwierig. Die »Wohnpartei«. Untermieter galten als eigener Haus-
verheirateten Frauen, deren Ehemann in Kriegsge- halt.
fangenschaft oder vermißt war, mußten besonders Voraussetzung für die statistische Darstellung der
ausgezählt werden. Das NichtZusammenleben von H a u s h a l t s - und Fami I i e n s t r υ k t u r war 1961 und

5 57
1970 die Typisierung der Haushalte und Familien (z. B. Verkehrsmittel und eine Erhebung über Führerschein-
Zahl der Generationen im Haushalt, »Normalfamilie«, inhaber und die Ausnutzung der Fahrerlaubnisse.
Elternteile mit oder ohne Kinder, Ehepaare ohne Diese bunte Palette zeigt, daß der Mikrozensus zu einem
Kinder usw.). beweglichen Instrument für die Untersuchung aktueller
Die typisierten F a m i l i e n wurden aus den Haushalten Probleme geworden ist.
herausgeschält und nach der Zahl der Kinder, nach Da in der Bundesrepublik jede statistische Arbeit einer
der Zahl der Verdiener und in Verbindung mit sozio- rechtsverbindlichen Anordnung bedarf, sei hier die
ökonomischen Merkmalen aus der Berufszählung ge- zur Darstellung des Bevölkerungsstandes unerläßliche
gliedert. Feststellung des G e b i e t s s t a n d e s genannt, die
Die Familie ist in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg 1957 gesetzlich angeordnet wurde. Außer Namens-
mehr und mehr zum Objekt sozial- und familienpoli- und Grenzänderungen gehören hierzu die Feststel-
tischer Maßnahmen geworden. Ein besonderes Fami- lungen der Bevölkerung für die Verwaltungsbezirke
lienministerium wurde errichtet, und verschiedene verschiedener Art (z. B, Amtsgerichte, Wahlkreise,
Berichte müssen auf Grund gesetzlicher Anordnungen Arbeitsämter, Finanzämter, Zollämter, Kammerbe-
(z. B. Jugendwohlfahrtsgesetz) oder Anforderungen zirke usw.).
des Bundestages erstattet werden (z. B. Frauenenquète,
Lage der Familien). Die Volks- und Berufszählungen 2. Bewegung der Bevölkerung
und der nachstehend behandelte Mikrozensus sind die
Die Statistik der Sterbefälle litt auch in den ersten
wichtigsten Lieferanten des für diese Berichte erfor-
Jahren der Bundesrepublik noch unter den Nachwir-
derlichen statistischen Materials.
kungen des Krieges. Um zu einer zeitgerechten
b) M i k r o z e n s u s Statistik zu kommen, mußten Sonderregelungen für die
nachträglich bekannt gewordenen und damit nach-
Einen sehr großen Fortschritt in der Statistik des Bevöl-
träglich beurkundeten Sterbefälle und für die Todes-
kerungsstandes brachte im Oktoberl 957dersogenannte
erklärungen von Kriegsvermißten getroffen werden.
» M i k r o z e n s u s « , d. h. die Einführung einer R e p r ä -
Die gesamte Statistik d e r n a t ü r l i c h e n B e v ö l k e -
s e n t a t i v s t a t i s t i k d e r B e v ö l k e r u n g und des Er-
r u n g s b e w e g u n g , also Eheschließungen, Geburten
w e r b s l e b e n s . Die mit diesem neuen Instrument erar-
und Sterbefälle, wurde dann 1957 durch Gesetz geregelt,
beiteten bevölkerungsstatistischen Erkenntnisse wer-
wobei im Prinzip der vor dem zweiten Weltkrieg
den hier, die übrigen im Abschnitt »Erwerbstätigkeit«
erreichte Stand beibehalten wurde, einschließlich der
behandelt. Befragt werden jährlich 1%, vierteljährlich
Fragen nach der Ordnungsnummer der Geburten.
0,1% der Haushalte, das waren zum Beginn 210 000
Auch die Statistik der gerichtlichen Ehelösungen
bzw. 21 000 Haushalte und etwa die dreifache Zahl
wurde in früher üblichem Umfang wieder aufgenom-
von Personen. Im Vergleich zu den meist nur 2 000 Per-
men. Das Gesetz legalisierte auch die Berechnung von
sonen erfassenden Meinungsbefragungen privater Mei-
G e b u r t e n t a f e l n , H e i r a t s t a f e l n , allgemeinen und
nungsforschungsinstitute ist dies eine recht beachtliche
nach dem Familienstand gegliederten S t e r b e t a f e l n ,
Grundlage. Sie erlaubte in regionaler Sicht immerhin
Ehedauertafeln.
noch die Feststellung von Ergebnissen für die Bundes-
länder und die Regierungsbezirke. Das kostensparende Die W a n d e r u n g s s t a t i s t i k wurde frühzeitig wieder
Repräsentativverfahren muß nun einmal mit dem in Gang gesetzt und auf Grund der bei der Fortschrei-
Verzicht auf regional tiefgegliederte Ergebnisse bezahlt bung der Bevölkerung gemachten, manchmal enttäu-
werden. schenden Erfahrungen verbessert. Die wichtigste Re-
form bestand darin, daß für die Binnenwanderungen
In einer wachsenden Volkswirtschaft, in der die Bevöl-
nur die Zuzüge erfaßt und von der Zuzugsgemeinde
kerung zunahm und vor allem der Wohlstand sich in
der Herkunftsgemeinde gemeldet wurden. Da die
ungeahnter Schnelligkeit ausbreitete, nahmen auch
polizeilichen Anmeldungen sich als sicherer erwiesen
die Strukturwandlungen in Gesellschaft und Wirtschaft
als die Abmeldungen, die vor allem bei der Begründung
ein schnelleres Tempo an. Strukturerhebungen im
eines zweiten Wohnsitzes (durch Studierende usw.)
Abstand von 10 Jahren genügten nicht mehr, um
oft unterlassen wurden, brauchten die Abmeldungen
die Probleme zu überschauen. Der M i k r o z e n s u s
nur für den Wegzug über die Grenzen der Bundes-
bot die neue Möglichkeit, Jahr für Jahr die Bevöl-
republik herangezogen zu werden.
k e r u n g nach den w i c h t i g s t e n , bei den V o l k s -
z ä h l u n g e n e r f a ß t e n M e r k m a l e n zu gliedern. Daß dabei nicht alle Probleme völlig bewältigt werden
Z u s a t z e r h e b u n g e n erlaubten es, besondere Pro- konnten, zeigt die schon erwähnte Diskrepanz zwischen
bleme statistisch zu klären. So wurden z. B. die Her- den Ergebnissen der F o r t s c h r e i b u n g der Bevöl-
kunftsgebiete der Vertriebenen (1964) festgestellt und k e r u n g (mit Hilfe der natürlichen Bevölkerungs-
die Religionszugehörigkeit (1966) mit zahlreichen son- bewegung und der Wanderungen) und denen der
stigen Merkmalen der Bevölkerung in Verbindung Volkszählungen. Trotz dieser noch nicht ganz besei-
gebracht. Vielfach fielen die untersuchten Probleme tigten Mängel liefert die auch in der regionalen
außerhalb des Rahmens der Bevölkerungsstatistik. Auf Tiefengliederung verbesserte Fortschreibung den un-
dem Gebiet des Gesundheitswesens wurde z. B. die entbehrlichen, aktuellen Überblick über den Bevöl-
Ausbildung in erster Hilfe, Unfälle und Vergiftungen kerungsstand.
von Jugendlichen, körperliche und geistige Behin- Auch die V o r a u s b e r e c h n u n g e n d e r B e v ö l k e -
derung, Erkrankungen und Unfälle mit Hilfe des r u n g s e n t w i c k l u n g sind auf der Grundlage verbes-
Mikrozensus erfragt. Dazu kommen sieben erwerbs- serter Ausgangsdaten ausgebaut worden. Die starke
statistische Sachverhalte, die an anderer Stelle genannt und konjunkturabhängige Zu- und Abwanderung über
sind, ferner die Nutzungsarten von Bodenflächen, die Bundesgrenzen, also das Gastarbeiterproblem, hat
Urlaubs- und Erholungsreisen, die dabei benutzten die stets schwierigen Annahmen über die Wanderungen

58
zusätzlich erschwert. Auch die Frage der voraus- eine Änderung des Grundgesetzes zu »Gemeinschafts-
zuschätzenden Geburten ist in den allerletzten Jahren aufgaben« des Bundes und der Länder erklärt wurden.
problematischer geworden. Schnellen Veränderungen Die Statistik d e r a l l g e m e i n b i l d e n d e n S c h u l e n ,
in der Ausgangssituation wurde durch eine häufigere von der unter dem Nationalsozialismus nur die Volks-
Revision der Vorausberechnungen begegnet. schulstatistik dem Reichsamt verblieben war, wurde
Auf die Zusammenschau aller Bevölkerungsfragen und wieder auf alle Schularten ausgedehnt. Unterschieden
die I n t e n s i v i e r u n g der b e v ö l k e r u n g s w i s s e n - werden z. Z. Volks-, Sonder- und Realschulen, Gymna-
schaftlichen A n a l y s e n wurde bereits hingewiesen. sien, Schulen mit neu organisiertem Schulaufbau und
Freie Waldorfschulen. Für diese liegen gleichartige
und reichhaltig gegliederte Angaben vor über die
3. Gesundheitswesen
Schulen, die Schüler und die Lehrer. Entsprechende
Auf dem Gebiet der Statistik des Gesundheitswesens Angaben werden auch für die Einrichtungen des zwei-
ist es in der Bundesrepublik zu einer Neuverteilung ten Bildungsweges erhoben, der zunehmend an Bedeu-
der Aufgaben zwischen dem Statistischen Bundesamt, tung gewonnen hat.
dem Bundesgesundheitsamt und dem Bundesministe- Die Statistik d e r b e r u f s b i l d e n d e n S c h u l e n , zu
rium für Arbeit und Sozialordnung gekommen. Von denen die Berufsschulen, Berufsaufbauschulen, Berufs-
den Krankheitsstatistiken läuft die Statistik der fachschulen, Fachschulen und Schulen des Gesund-
m e l d e p f l i c h t i g e n K r a n k h e i t e n weiterhin über heitswesens gehören, bringt, ähnlich wie für die all-
den statistischen Dienst der Länder und dann parallel gemeinbildenden Schulen, Angaben über Schulen,
zum Statistischen Bundesamt und zum Bundesgesund- Schüler und Lehrer, die den besonderen Problemen
heitsamt, das das Material hauptsächlich unter seuchen- dieser Schulgattung angepaßt sind.
polizeilichen Gesichtspunkten auswertet. Die Statistik Besondere statistische Programme wurden festgelegt
der G e s c h l e c h t s k r a n k h e i t e n ist dem Bundesamt fürdie I n g e n i e u r s c h u l e n , fürdie (nicht den Univer-
verblieben. Die weit wichtigere, 1937 eingeführte Sta- sitäten eingegliederten) Pädagogischen Hochschulen
tistik der K r a n k h e i t s a r t e n der gesetzlichen Kran- und l e h r e r b i l d e n d e n E i n r i c h t u n g e n . Auch die
kenversicherung ging an das Arbeitsministerium. S t u d i e n s e m i n a r e für das L e h r a m t wurden stati-
Die T o d e s u r s a c h e n s t a t i s t i k wurde im früheren stisch durchleuchtet.
Umfang wieder aufgenommen und vor allem durch Die H o c h s c h u l s t a t i s t i k wurde ab 1950 wieder
einen Ausbau der ärztlichen Todesbescheinigungen ver- aufgenommen. Die Fragestellung wurde erweitert
bessert. und die Periodizität auf halbjährliche Statistiken ver-
kürzt. Auf diese Weise entwickelte sich die sogenannte
Die Statistik der Berufe des G e s u n d h e i t s w e s e n s G r o ß e H o c h s c h u l s t a t i s t i k , die auf der Individual-
und die Κ ra η keη hausstatisti k wurden ohne nen- befragung der Studierenden beruht und eine Gliede-
nenswerte inhaltliche Veränderungen auch in der Bun- rung nach zahlreichen persönlichen Merkmalen zu-
desrepublik weitergeführt. läßt, darunter z. B. auch die Finanzierung des Studiums
oder die berufliche Stellung und Schulbildung der
Die Sonderuntersuchungen mitHilfedesMikrozensus
Eltern. Die sogenannte K l e i n e H o c h s c h u l s t a t i s t i k
sind bereits an anderer Stelle genannt worden. beruht auf den Berichten der Hochschulen über den
Die vom Statistischen Bundesamt zum Abschnitt »Bil- Hochschulbesuch, wobei u. a. Inländer und Ausländer
dung und Kultur« gerechnete S p o r t s t a t i s t i k (die in sowie Studienanfänger besonders nachgewiesen wer-
den früheren Zeitperioden zum Gesundheitswesen den. Dazu kommen Statistiken d e r H o c h s c h u l l e h r e r
zählte) ist in der Nachkriegszeit durch eine bisher und des wissenschaftlichen Personals, der H a b i l i -
einmalige, 1965 durchgeführte Zählung der Turn- und t a t i o n e n und der H o c h s c h u l p r ü f u n g e n .
Sportstätten vertreten, aie auch die Mitglieder der
Das Bundesgesetz ü b e r die H o c h s c h u l s t a t i s t i k
Turn- und Sportvereine erfaßt hat.
von 1971 konsolidiert weitgehend den erreichten Stand,
ordnet zahlreiche weitere Hochschulstatistiken, z. B.
4. Bildung und Kultur, Unterrichtswesen über den Baubestand, das Personal, die Lehrveranstal-
tungen und die Kosten an und sichert vor allem den
Da nach dem Grundgesetz das Schulwesen zunächst
Aufbau von »Verlaufsstatistiken« für den Studiumsab-
unter die ausschließliche Kompetenz der Länder fiel,
lauf jedes Studierenden auch für die Fälle des Hoch-
war eine Bundesgesetzgebung für die Schulstatistik
schulwechsels, so daß die Semesterzahl, ein Wechsel
nicht zulässig. Die Einheitlichkeit der Schulstatistik
der Fachrichtung, eine vorzeitige Beendigung des
konnte dennoch so weit als möglich erhalten werden,
Studiums ohne Abschluß und der Abschluß statistisch
denn die Kultusministerkonferenz der Länder hat
sichtbar gemacht werden kann. Die Grundvoraus-
schon sehr frühzeitig im Mai 1950 das neu errichtete
setzung hierfür ist die Führung eines zentralen Regi-
Bundesamt mit der Koordinierung und Zusammenfas-
sters der Studierenden beim Statistischen Bundesamt
sung der Schulstatistiken der Länder beauftragt. Es
in automatisierter Form, das die elektronische Ver-
war nicht leicht, die Einheitlichkeit zu sichern, denn
arbeitung erlaubt.
Statistiken können nur durch einstimmige Beschlüsse
der Kultusminister und der das Geld bereitstellenden Die Bedeutung einer guten Schul-, Berufsschul-, Fach-
Finanzminister der Länder angeordnet werden. Dar- schul- oder Hochschulbildung für die zukünftige Lei-
über hinaus hatte sich das Schulwesen in den einzelnen stungsfähigkeit der Bevölkerung wurde in den beiden
Ländern recht unterschiedlich entwickelt, was einheit- letzten Jahrzehnten zunehmend erkannt. Dazu kamen
liche statistische Zusammenstellungen erschwerte. Nur die vielfachen Pläne zur Bildungsreform, die sich über
für die Hochschulstatistik wurde eine bundesgesetzliche alle Stufen erstrecken und zum Teil Gesamtschulen
Regelung möglich, nachdem Hochschulfragen durch und Gesamthochschulen, die Umwandlung von Fach-

5· 59
schulen in Fachhochschulen und ähnliches zum Ziele Abgänge während dieses Zeitraums erkennbar macht,
haben, von der inneren Reform des Hochschulwesens noch nicht erreicht ist, so sind doch zahlreiche Schritte
mit ihren mannigfachen und unterschiedlichen Zielen in der angedeuteten Richtung getan oder vorbereitet
ganz zu schweigen. Allen diesen Entwicklungen mußte worden, vor allem, um die Grundlagen für eine Vor-
sich die Statistik des Bildungswesens anpassen. ausschätzung der Erwerbstätigen zu verbessern.

5. Rechtspflege Auch die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ge-


winnen an Aussagekraft, wenn die Zahl der Erwerbs-
Von den Statistiken über die O r g a n i s a t i o n , das
tätigen, der Einkommensbezieher und der Verbraucher
P e r s o n a l und den G e s c h ä f t s a n f a l l der Gerichte
bekannt ist. Besonders vordringlich ist es, die Zahl der
gehören nur die ordentlichen Gerichte zum Arbeits- Erwerbstätigen zu kennen, da die gesamtwirtschaft-
gebiet des Bundesamtes. Für die Verwaltungs-, die liche »Produktivität«, also das Bruttoinlandsprodukt
Arbeits- und die Sozialgerichte beschränkt sich seine pro Kopf der Erwerbstätigen, zu einem äußerst wich-
Tätigkeit auf die Veröffentlichung der Ergebnisse. tigen Orientierungsdatum für die Wirtschafts- und
Die p o l i z e i l i c h e K r i m i n a l s t a t i s t i k wurde wieder Sozialpolitik geworden ist. Die Statistik der Erwerbs-
aufgenommen, blieb aber beim Bundeskriminalamt. tätigkeit wird nachstehend in drei Unterabschnitten
Die S t r a f v e r f o l g u n g s s t a t i s t i k über die abgeurteil- behandelt, die nach den wichtigsten statistischen Quel-
ten Personen wurde den Veränderungen des Straf- len unterschieden sind.
rechts angepaßt und auf Grund von Vereinbarungen
mit den Ländern im Bundesamt zusammengestellt. Im a) Berufszäh I υ ngen
Jahre 1959 kam eine S t r a f v o l l z u g s s t a t i s t i k hinzu,
Die drei mit den Volkszählungen verbundenen Berufs-
die Auskunft über die Anstalten und über die Gefan-
zählungen der Jahre 1950, 1961 und 1970 bauten auf
genen und Verwahrten gibt. Im Zuge der Moderni-
den Modellen der Jahre 1925 und 1939 auf und haben
sierung des Strafvollzugs wird ab 1962 aucH eine
sie verschiedentlich weiterentwickelt.
B e w ä h r u n g s h i l f e s t a t i s t i k geführt, bei der die
Im Jahre 1961 wurde die in früheren Zählungen stets
Bewährungshelfer über die ihnen unterstellten Perso-,
gleichgesetzte hauptberufliche Tätigkeit oder Haupt-
nen berichten.
erwerbsquelle durch getrennte Fragen nach der Betei-
l i g u n g am E r w e r b s l e b e n und nach der über-
6. Bundeswehr w i e g e n d e n Q u e l l e für den L e b e n s u n t e r h a l t
Dieser Bereich ist hier nur wegen der Parallelität ersetzt. Die Kombination beider Merkmale hat 1961
zu den übrigen Zeitabschnitten aufgeführt. Das Sta- und 1970 wesentlich sinnvollere Abgrenzungen der
tistische Bundesamt hat keinerlei Zahlen über die Erwerbstätigen und der übrigen Bevölkerungsgruppen
Bundeswehr zusammengestellt oder veröffentlicht. erlaubt. Unter dem Einfluß international empfohlener
bzw. vereinbarter Erwerbstätigkeitskonzepte wurde
7. W a h l e n seit 1961 auch nach der Wochenarbeitszeit gefragt,
Der Präsident des Statistischen Bundesamtes hat bei wobei nur jeweils eine von vier vorgegebenen Gruppen
allen Bundestagswahlen als Bundeswahlleiter fungiert. anzukreuzen war (1970: unter 15, 15 bis 24, 25 bis 36,
Die W a h l s t a t i s t i k wurde den Neuerungen im Wahl- über 36 Stunden). Diese Angaben erlaubten auch
verfahren (Erst- und Zweitstimmen, Briefwahl) ange- einen Nachweis der Teilzeitarbeit, die zunehmend
paßt. an Bedeutung gewonnen hat. Auch die Abgrenzung
Durch eine r e p r ä s e n t a t i v e W a h l s t a t i s t i k , die zwischen Haupt- und Nebenberuf wurde erleichtert.
etwa 2% der Wahlberechtigten erfaßt, konnte die Die 1925 eingeführte und 1939 weiterentwickelte
Wahlbeteiligung und Stimmabgabe nach Geschlecht D o p p e l g r u p p i e r u n g nach dem persönlichen, indi-
und Alter und die Art der Kombination von Erst- viduellen B e r u f und nach der B e t r i e b s z u g e h ö r i g -
und Zweitstimmen festgestellt werden. Das Wahl- k e i t wurde beibehalten. Die Grundsystematik der
geheimnis wird dadurch gesichert, daß in ausgewählten Wirtschaftszweige wurde für Berufszählungszwecke
größeren Wahlbezirken Stimmzettel ausgegeben wer- 1961 in 118 Positionen zusammengefaßt. Die Klassi-
den, aus denen das Geschlecht und die Altersgruppe fizierung der ausgeübten Berufe unterschied 1961
der Wähler ersichtlich ist. Diese Statistik liefert sehr insgesamt 437, im Jahre 1970 zusammen 1 672 Posi-
interessante Einblicke in das Wahlverhalten der jün- tionen.
geren und älteren Wähler beider Geschlechter.
Die Zählung von 1970 ergänzte die Fragen über den
ausgeübten Beruf durch Angaben über eine praktische
8. Erwerbstätigkeit
Berufsausbildung und damit den e r l e r n t e n Beruf.
Das Statistische Bundesamt hat sich in den letzten
Diese Fragen sollen im Verein mit der Feststellung,
Jahrzehnten bemüht, einen laufenden Überblick über
ob eine v o l l - o d e r h a l b a u t o m a t i s c h e oder eine
die Zahl der Erwerbstätigen zu schaffen. Auch hierfür
sonstige M a s c h i n e b e d i e n t wird, dazu dienen,
kamen vielfache Impulse aus der »Gesamtschau«,
die Zusammenhänge von erlerntem und ausgeübtem
die es erlauben soll zu zeigen, welche Teile der
Beruf in der Abhängigkeit vom Alter zu untersuchen
Bevölkerung sich vor oder in der schulischen und
und Aufschlüsse über die Zweckmäßigkeit der gegen-
beruflichen Ausbildung befinden, in welchem Alter
wärtigen Ausbildungsgänge bringen.
und Umfang die Bevölkerung in das Erwerbsleben
eintritt, wann und in welchem Alter die Menschen Die 1939 vorgenommene Reduzierung der »Stellung
aus dem Erwerbsleben ausscheiden und wie groß im Beruf« auf fünf Hauptgruppen (Selbständige,
die Zahl der »Alten« ist. Wenn auch das Ideal einer Mithelfende, Beamte, Angestellte, Arbeiter) wurde im
Verlaufsstatistik, die nicht nur den Bestand am Ende Prinzip beibehalten, aber nach s o z i o - ö k o n o m i -
eines Zeitraums für jeden Jahrgang und jede Bevöl- schen M e r k m a l e n weiter unterteilt. Hierzu dienten
kerungsgruppe aufzeigt, sondern auch die Zu- und bei den Selbständigen die in allen drei Zählungen ge-

60
stellten Fragen nach der Größe der landwirtschaftlich Berufszählung 1970), die Betreuung der Kinder
genutzten Fläche bzw. nach der Zahl der von ihnen erwerbstätiger Mütter, der Umfang des Urlaubs-
beschäftigten Arbeitnehmer. Bei den Beamten wurde anspruchs, Ausbildung und berufliche Fortbildung.
nach Laufbahngruppen unterschieden. Bei der Zählung Der Mikrozensus ist in den letzten 10 Jahren also
1970 wurde zum ersten Male eines der wichtigsten nicht nur eine Quelle für Erwerbstätigen-Zahlen für
Merkmale einer sozialen Gliederung, nämlich das die allgemeine Wirtschaftsbeobachtung geworden, son-
E i n k o m m e n aus E r w e r b s t ä t i g keit erfragt, wobei dern darüber hinaus ein bewegliches Instrument zur
eine von sieben vorgegebenen Einkommensgruppen Klärung von Sonderproblemen in Verbindung mit
anzukreuzen war. Ob der Versuch, die Führungskräfte gesetzgeberischen Überlegungen und Maßnahmen.
in Wirtschaft und Verwaltung auf den verschiedenen
Ebenen (d. h. vom Vorarbeiter über die Werkmeister c) Sonstige S t a t i s t i k e n d e r E r w e r b s t ä t i g keit
u.dgl. bis zu den Leitern, Geschäftsführern u.dgl. eines Die vor dem Kriege auf der Grundlage der Arbeits-
Unternehmens) festzustellen, zu brauchbaren Ergeb- bücher und der Meldepflicht für jeden Arbeitsplatz-
nissen geführt hat, kann im Zeitpunkt der Abfassung wechsel entstandene Kartei der Arbeitsämter hat auch
dieser Untersuchung noch nicht beurteilt werden. in den ersten Jahren nach dem Kriege noch als wich-
Es sei daran erinnert, daß die Verbindung mit der tigste Quelle der Beschäftigtenstatistik gedient. Zuneh-
Volkszählung eine Kombination der berufsstatistischen mende Diskrepanzen mit den Ergebnissen der Berufs-
Merkmale mit allen sonst für jede Person erhobenen zählung 1961 und des Mikrozensus haben zu Über-
Merkmalen, insbesondere auch den bildungsstatisti- prüfungen der Κ a rtei und schließlich z u r E i n s t e l l u n g
schen Merkmalen, erlaubt. Die Fülle der Kombinations- i h r e r statistischen A u s w e r t u n g geführt. Große
möglichkeiten gilt auch für die schon im Abschnitt Karteien leiden nun einmal unter den Schwierigkeiten
»Volkszählungen« erwähnte H a u s h a l t s - und Fami- der Fortschreibung, wenn die dafür erforderlichen
lienstatistik. Meldungen der Zu- und vor allem der Abgänge nicht
Die Möglichkeiten einer r e g i o n a l e n A u s w e r t u n g vollständig zu erreichen sind.
der Berufszählung sind dadurch etwas eingeschränkt Im Zusammenhang mit der Automatisierung der
worden, daß die Fragen nach dem individuellen Beruf Rentenversicherung, bei der die Versicherten selbst ein
und die sozio-ökonomischen Merkmale für eine ver- großes Interesse an der Vollständigkeit der für sie ge-
feinerte Gliederung nach der Stellung im Beruf nur in buchten Angaben haben, ist geplant, eine neue
einer Stichprobe von 10% der Bevölkerung gestellt S t a t i s t i k d e r ( v e r s i c h e r u n g s p f l i c h t i g e n ) Ar-
wurden. b e i t n e h m e r aufzubauen, die auch Auskünfte über
das versicherungspflichtige Einkommen bringen soll.
b) Mi krozensus Das Statistische Bundesamt hat die Zahl der Erwerbs-
Der mit seinem bevölkerungsstatistischen Teil bereits tätigen Jahr für Jahr auf Grund aller verfügbaren
im Abschnitt B. 1 dargestellte Mikrozensus ist seit 1957 Quellen berechnet, wobei für kleinere Bereiche Schät-
als eine Repräsentativstatistik der Bevölkerung und des zungen stattfinden mußten. Für einige größere Bereiche
Erwerbslebens angeordnet worden. Insbesondere die stehen außer den Berufszählungen und dem Mikro-
vierteljährlichen Erhebungen sollten einen laufenden zensus Beschäftigtenzahlen aus der Land Wirtschafts-
Überblick über die Entwicklung der Erwerbstätigkeit statistik, der Industrie- und Bauberichterstattung, der
bringen. Die Mikrozensusbefragungen boten alle Mög- Handwerksberichterstattung usw. zur Verfügung, die
lichkeiten einer »kleinen Berufszählung«. Das Verfah- mit mancherlei Schwierigkeiten ein Gesamtbild der
ren einer Befragung durch Interviewer erlaubte dar- Erwerbstätigen ergeben.
über hinaus Fragestellungen, die bei einer Selbst-
eintragung der Bevölkerung in Haushaltslisten ohne
eine seriöse Kontrolle kaum möglich sind. Der Mikro- 9. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
zensus hat auf diese Weise auch als Pionier für die In keinem Wirtschaftsbereich sind in den gut zwei Jahr-
Fragestellungen der Berufszählung 1970 gedient. Er zehnten des Bestehens der Bundesrepublik die Struktur-
erlaubte es, nach »Erwerbstätigen« und »Tätigkeits- wandlungen so nachhaltig gewesen wie in der Land-
fällen« zu unterscheiden und damit die Nebenberufs- wirtschaft. Der rasche technische Fortschritt innerhalb
fragen sauber und gründlich zu klären. Die Fragen und außerhalb der Landwirtschaft, der Arbeitskräfte-
des Krankenversicherungsschutzes und der Beitrags- bedarf und die kräftig wachsenden Einkommen in den
zahlung zur Rentenversicherung konnten einbezogen, anderen Wirtschaftsbereichen führten zur zum Teil
die Arbeitszeit und ihre Verteilung auf die Wochentage, erwünschten Abwanderung von Arbeitskräften und zur
die Gründe von Arbeitsausfällen u. dgl. oder die mit Auflösung insbesondere kleinerer landwirtschaftlicher
der Erwerbstätigkeit der Frauen zusammenhängenden Betriebe, von denen viele betriebswirtschaftlich nicht
Fragen näher untersucht werden. Die für die EWG mehr rationell arbeiten konnten. Dies alles führte zu
erforderlichen Auskünfte über die Arbeitskräfte und umfangreichen, vielfältigen und kostspieligen staatli-
die Gründe und Dauer der Arbeitssuche konnten eben- chen Förderungsmaßnahmen. Die mit dem Landwirt-
falls mit diesem Instrument erhoben werden. schaftsgesetz vom 5. September 1955 und dem darin
Zum allgemeinen Programm des Mikrozensus haben geforderten jährlichen »Grünen Bericht« und dem
eine Reihe von Zusatzerhebungen mit besonderen Grünen Plan eingeleiteten innerdeutschen Stützungs-
Fragezielen stattgefunden. Untersucht wurden die maßnahmen (Marktordnung und Einkommens-
berufliche Ausbildung, die Sonntags- und Nachtarbeit, ausgleich) wurden durch die gemeinsame Agrarpolitik
die Erwerbstätigkeit der Frauen (insbesondere Zeit- der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit
punkt und Gründe einer Beendigung oder Wieder- ihrem gemeinsamen Agrarfonds teils übernommen,
aufnahme), die Merkmale der von den Erwerbstätigen teils ergänzt und erweitert. Um kontrollieren zu kön-
ausgeübten Tätigkeiten (eine Art Probeerhebung zur nen, ob all diese Maßnahmen sinnvoll und erfolgreich

61
angesetzt sind, muß man die Struktur der Betriebe, b u n g e n wurden für alle Betriebe wie bei früheren
deren Zahl und Arbeitskräfte ständig abgenommen Betriebszählungen die Rechtsform, die Besitzverhält-
haben, erkennen können. Die Produktion pflanzlicher nisse, die Betriebsfläche nach Nutzungsarten, Kultur-
und tierischer Erzeugnisse mußte erfaßt oder berechnet arten, Pflanzenarten, die Viehhaltung, die Arbeits-
werden, um Verkaufserlöse und Betriebsausgaben kräfte, die Arbeitszeiten und die Maschinenverwendung
berechnen und die Ertragslage der verschiedenen erfragt. Dazu kamen Fragen nach den Erwerbs- und
Betriebsgrößen und Produktionsrichtungen beurteilen Unterhaltsquellen der Betriebsinhaber sowie der mit-
zu können. Hierzu kam noch die dornenvolle Aufgabe helfenden Familienangehörigen und nach der über-
des Einkommensvergleichs mit anderen Wirtschafts- betrieblichen Zusammenarbeit. Besonders eingehend
zweigen. Für die Landwirtschaft zeigte sich in diesem wurden die Pachtverhältnisse und die Art vertraglicher
Zeitabschnitt deutlich, daß jedes Abweichen vom Bindungen (Anbaufläche, Liefermenge, Preis usw.)
System der freien Wettbewerbswirtschaft einen grö- ergründet.
ßeren Zahlenbedarf zur Folge hat, denn auf eine sta- Das Frageprogramm der R e p r ä s e n t a t i v e r h e b u n g
tistische Kontrolle der Wirkung von Hilfsmaßnahmen in der Landwirtschaft diente der Klärung der sozialen
kann nicht verzichtet werden. Sicherung der Betriebsinhaber und ihrer Familien-
Die deutsche Landwirtschaftsstatistik konnte auf ein angehörigen, erfragte außerbetriebliche Einkünfte,
methodisch gut entwickeltes Instrumentarium und auf fachliche Vorbildung, Absatzverhältnisse, bauliche und
eine eingespielte Zusammenarbeit mit den Gemeinde- technische Verhältnisse usw., kurz, Fragen, die mit der
behörden aus früheren Zeiten zurückgreifen. Es mußte Leistungsfähigkeit der Betriebe in Zusammenhang
allerdings die »Berichtsunwilligkeit« aus der Bewirt- stehen. Mit Sondererhebungen sollte Material über die
schaftungs- und Schwarzmarktzeit überwunden wer- betrieblichen Z u s a m m e n s c h l ü s s e in d e r Land-
den. Es wird von Fällen berichtet, daß damals in den und F o r s t w i r t s c h a f t und über den Einsatz land-
Dörfern die Bauern mit Glockengeläut gewarnt wur- wirtschaftlicher Maschinen gegen Entlohnung
den, die Viehzähler sind da, und daß daraufhin manche gewonnen werden. Zum ersten Male werden die Ergeb-
für den Schwarzmarkt reservierten Schweine schnell nisse für die gesamte Land- und Forstwirtschaft nach
aus den Ställen in die Schlafzimmer getrieben wurden, einer einheitlich auf dem geschätzten Betriebseinkom-
um sie den Augen der Viehzähler zu entziehen. Heute men basierenden Systematik nachgewiesen.
weiß demgegenüber jeder Landwirt, daß er bei unvoll- Die E W G - S t r u k t u r e r h e b u n g 1966/67 hatte das
ständigen oder falschen Angaben u. U. die staatlichen Ziel, für die gemeinsame Agrarpolitik, die beträcht-
Hilfen für seinen Betrieb vermindert. liche finanzielle Folgen für die Mitgliedstaaten hat,
Dem systematischen Ausbau der Landwirtschaftssta- einheitliche statistische Grundlagen im gesamten Be-
tistik in der Bundesrepublik soll hier durch eine etwas reich der EWG zu schaffen. Dabei wurde ein Teil der
andere Anordnung der Statistiken als in den früheren 1971 neu in die landwirtschaftliche Betriebszählung
Zeitabschnitten Rechnung getragen werden. aufgenommenen Fragen bereits vorweggenommen,
so z. B. die Merkmale Buchführung und vertragliche
a) S t a t i s t i k e n d e r l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Bindungen.
Produktionsgrundlagen Auf Grund einer Verordnung des EWG-Ministerrats
Die wichtigsten Erhebungen über die Zahl und Struktur ist seit Ende 1964 ein W e i η baυ kataste r eingerichtet
der landwirtschaftlichen Betriebe sind die l a n d w i r t - worden, das, zumindest bei der ersten Auszählung
s c h a f t l i c h e n B e t r i e b s z ä h l u n g e n geblieben, auch 1965/66, eine genaue statistische Durchleuchtung der
wenn seit einiger Zeit die Entwicklung der Betriebszahl Betriebsverhältnisse im Weinbau erlaubt hat. In Ab-
in Zusammenhang mit laufenden Erhebungen (Boden- ständen von etwa 10 Jahren, erstmalig 1977, ist eine
nutzung, Viehzählung, Arbeitskräftestatistik) festge- vollständige Neuaufstellung des Katasters vorgesehen,
stellt werden kann. Betriebszählungen haben in den da die laufende Fortschreibung aller Merkmale nicht
Jahren 1949, 1960 und 1971, also in etwa 10jährlichen durchführbar ist.
Abständen, aber losgelöst von den Volks- und Berufs- Die m e n s c h l i c h e A r b e i t s k r a f t als eine der wich-
zählungen stattgefunden; dazu kommt noch eine E W G - tigsten Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft
S t r u k t u r e r h e b u n g in d e r Land wi rtschaft von wird auf Grund eines Gesetzes von 1964 für jedes
1966/67. zweite Wirtschaftsjahr erhoben. Sie basiert im Erhe-
Organisatorisch wurden die Zählungen 1960 und bungsjahr auf vierteljährlichen Feststellungen.
1971 in Haupterhebungen und Nacherhebungen ge- Auch für die Ausrüstung mit S c h l e p p e r n und
trennt. 1960 gab es eine Nacherhebung über die M ä h d r e s c h e r n gibt es in Ergänzung zu den Betriebs-
A r b e i t s k r ä f t e , die inzwischen zu einer laufenden zählungen Jahresauszählungen, die technisch an die
Erhebung geworden ist. Besondere Erhebungen über Anträge für Gasölverbilligung geknüpft sind.
den G a r t e n b a u und die B i n n e n f i s c h e r e i gab es
im Anschluß an beide Zählungen. Anstelle der um- b) S t a t i s t i k e n , die d e r Feststellung der
fassenden Forsterhebung 1961 wird 1972 eine Reprä- P r o d u k t i o n , d e r V e r k a u f s e r l ö s e und der
s e n t a t i v e r h e b u n g in d e r F o r s t w i r t s c h a f t mit E r t r a g s l a g e in der L a n d w i r t s c h a f t d i e n e n
wenigen, 1961 nicht erhobenen Merkmalen durch- In allen Bereichen außerhalb der Landwirtschaft wird
geführt. Für den Winter 1972/73 ist eine W e i n b a u - der Produktionserfolg, also die produzierten bzw. abge-
e r h e b u n g vorgesehen. setzten Mengen und ihre Werte unmittelbar bei den
Die Zählung 1971 brachte mit einer Erweiterung Unternehmen erfragt. Zu einer direkten Erfragung
und Ausrichtung des Programms auf moderne Problem- der Verkaufserlöse, zu der die Frage nach der Buch-
stellungen auch eine Z e r l e g u n g d e r H a u p t e r h e - führung in der EWG-Erhebung erstmals den Weg
bung in Vollerhebungen und eine Repräsentativerhe- ebnen sollte, ist es aber noch nicht gekommen. Es gibt
bung bei rd. 20% der Betriebe. Bei den V o l l e r h e - nur eine Buchführungsstatistik für ausgewählte land-

62
wirtschaftliche Betriebe mit Hilfe der Buchstellen. Sie Das Aufkommen großer Brütereien und Geflügel-
wird jedoch nicht im Bundesamt bearbeitet. Das Pro- schlachtereien und der damit einhergehende wach-
duktionsergebnis in der Landwirtschaft ist also in der sende Anteil des Geflügels am Fleischverbrauch der
Zeit der Bundesrepublik weiterhin »global« berech- Bevölkerung hat unter dem Einfluß der EWG zu einer
net worden. Es wurden, wie früher üblich, Anbau- besonderen G e f l ü g e l s t a t i s t i k ab 1967 geführt, die
flächen und Viehbestände festgestellt und mit der es erlaubt, die Lage am Geflügelmarkt von den in die
Leistung je Einheit (z. B. Hektarerträge) multipliziert, Brutschränke eingelagerten Eiern, die Zahl der ge-
wobei einige wichtige methodische Verbesserungen schlüpften Küken bis zur Menge des geschlachteten
eingeführt wurden. Geflügels zu verfolgen.
Die B o d e n n u t z u n g s e r h e b u n g e n sind nach dem Die Statistik der S c h l a c h t u n g e n und der S c h l a c h t -
zweiten Weltkrieg wieder jährlich im alten Umfang g e w i c h t e , die Ergebnisse der S c h l a c h t t i e r - und
eingeführt und 1964 gesetzlich in die bis heute nur F l e i s c h b e s c h a u sowie d i e M i l c h e r z e u g u n g s - und
wenig veränderte Form gebracht worden. Es blieb bei - V e r w e n d u n g s s t a t i s t i k und die F i s c h e r e i s t a t i -
einer Vorerhebung, mit der die volle Erfassung der stik wurden ohne wesentliche Änderungen gegenüber
B e t r i e b s f l ä c h e n nach Hauptnutzungsarten gesichert dem vor dem Kriege erreichten Stand wieder in das
wurde. Auf dieser Grundlage werden die jährlichen Programm der kurzfristigen Agrarstatistiken der Bun-
Veränderungen in der Zahl der Betriebe festgestellt. desrepublik aufgenommen.
Die Haupterhebung im Mai bringt die An b a u f l ä c h e n 10. Arbeitsstättenzählungen, U n t e r n e h m e n s -
und eine Nacherhebung im Oktober erfaßt den Anbau statistiken
von Zwischenfrüchten. Für den Gemüseanbau und die
a) A r b e i t s s t ä t t e n z ä h l u n g e n
Baumschulen finden entsprechende Erhebungen statt.
Neu eingeführt wurden stichprobenweise Nachprüfun- Die Arbeitsstättenzählung 1950, die mit der Volkszäh-
gen durch besondere Feldbegehungen. Diese Kontroll- lung verbunden war, bot die erste Möglichkeit, einen
ergebnisse werden gegebenenfalls zur Berichtigung der Überblick über die durch die Kriegsfolgen stark er-
Hauptergebnisse herangezogen. Auch d i e O b s t b a u m - schütterte Wirtschaftsstruktur zu gewinnen. Viele Be-
z ä h l u n g e n sind durch das Gesetz von 1964 zum triebe waren zerstört und eingegangen, andererseits
gesicherten Bestandteil des Programms geworden. sind mit dem Zustrom an Flüchtlingen auch viele
Betriebe neu entstanden. Die Abtrennung der sowjeti-
Der Zeitpunkt wird jeweils festgesetzt, die letzte Zäh-
schen Besatzungszone hat alte Wirtschaftsverflechtun-
lung hat 1965 stattgefunden.
gen zerrissen und den Aufbau mancher im Westen
Für die E r n t e e r m i t t l u n g haben sich in den Jahren
kaum vertretenen Industriezweige erzwungen. Die
der Bundesrepublik zwei grundsätzlich verschiedene
Notwendigkeit, überhaupt erst einmal einen Über-
Verfahren herausgebildet. Die E r t r a g s s c h ä t z u n g e n
blick zu gewinnen, hat das Programm der Zählung
durch S a c h v e r s t ä n d i g e , also das frühere System
von 1950 bestimmt.
der B e r i c h t e r s t a t t u n g über den Wachstumsstand
und die Erträge an Feldfrüchten und des Grünlandes, Gegenüber der letzten Zählung von 1939 beschränkte
für Gemüse und Obst, Reben und Weinmosterträge man sich auf nur zwei Erhebungs- und Darstellungs-
sind wieder eingeführt und nach Möglichkeit verbessert einheiten, nämlich die Arbeitsstätte als örtliche Einheit
worden. Als zweites Verfahren, unter dem Stichwort und das Unternehmen als wirtschaftlichè Einheit. Auf
»Besondere E r n t e e r m i t t l u n g « , sind schon seit die Teilbetriebe oder technischen Einheiten wurde
1 9 4 8 o b j e k t i v e M e s s u n g e n getreten, bei denen nach verzichtet. Es wurde festgestellt, ob die Arbeitsstätte
einem ausgeklügelten Stichprobenverfahren ein Teil nach dem 31. Dezember 1944 gegründet wurde und ob
der Felder abgeerntet und Probedrüsche vorgenom- und wo sie eventuell früher gelegen hatte.
men werden. In der ersten Nachkriegszeit brachten Auszählungsmerkmale waren die Rechtsform der
die üblichen Ertragsschätzungen meist zu niedrige Unternehmen, die Beschäftigten und zum ersten Male
Ergebnisse, so daß die Versorgungslage und der bei einer Arbeitsstättenzählung der Umsatz als Maßstab
Einfuhrbedarf nicht zutreffend beurteilt werden konn- für die wirtschaftliche Leistung. Dazu kamen Sonder-
ten. Die Militärregierungen haben daher auf das fragen für den Einzel- und Großhandel, die auf die
objektive Messungsverfahren gedrungen und Fahr- Betriebsformen abgestellt waren (z. B. Fachgeschäft,
zeuge für die Meßtrupps zur Verfügung gestellt. Das Warenhaus, Kleinpreisgeschäft usw.). Auch die Kraft-
ursprünglich nur für Winterroggen, Winterweizen fahrzeuge wurden erhoben. Alles in allem war das
und Kartoffeln angewendete Verfahren ist im Laufe Zählungsprogramm 1950 gegenüber 1939 stark ver-
der Zeit auf weitere Feldfrüchte ausgedehnt worden. kürzt, nur um den Umsatz erweitert.
Das Verfahren hat allerdings auch seine Mängel, da Die A r b e i t s s t ä t t e n z ä h l u n g 1961 erhielt bewußt
die Stichproben eine »Vollernte« ergeben und die den Charakter einer Rahmenzählung mit wenigen
Ausfälle, die bei einem normalen Ernteverfahren nicht Auszählungsmerkmalen. Die Arbeitsstätten- oder Be-
vermieden werden können, berücksichtigt werden triebszählungen waren anfänglich die einzigen Quellen
müssen, bevor aus der Berichterstattung und der über die Wirtschaftsstruktur. Nachdem es für eine
besonderen Ernteermittlung auf die tatsächliche Ernte ganze Reihe von Wirtschaftsbereichen Sonder-Bereichs-
geschlossen werden kann. zählungen laufender Art oder auch in größeren zeit-
Die statistische Erfassung der Produktion tierischen lichen Abständen gibt, haben die Arbeitsstättenzählun-
Ursprungs stützt sich nach wie vor auf die a l l g e m e i n e gen ihren Monopolcharakter verloren. Ihnen ist einmal
V i e h z ä h l u n g im Dezember jeden Jahres und auf die Aufgabe des unerläßlichen Gesamtüberblicks über
die auf Stichprobenbasis durchgeführten V i e h z w i - die Zahl der Arbeitsstätten und vor allem die Beschäf-
s c h e n z ä h l u n g e n , die im März und September nur tigten geblieben. Wo es keine Bereichszählungen gibt,
die Schweinehalter, im Juni außerdem auch Rindvieh- vor allem in kleineren Randbereichen, bleibt die Ar-
und Schafhalter einbeziehen. beitsstättenzählung die einzige Informationsquelle. Die

63
Vollständigkeit der Erhebung erlaubt eine weitgehende 90000 Kapitalgesellschaften werden jährlich zusam-
regionale Aufgliederung der Ergebnisse. Diese ist mengestellt. Die B i l a n z s t a t i s t i k wurde nur für die
ein wichtiges Orientierungsmittel für die Raumordnung, zur Veröffentlichung ihrer Jahresabschlüsse verpflich-
aber auch für die Abgrenzung von Verkaufsbezirken teten Aktiengesellschaften wieder in Gang gesetzt.
oder des Wirkungsbereichs von Verbänden. Für die Da das Statistische Bundesamt die Möglichkeit hatte,
fachliche Gliederung diente die aus der Grundsyste- bei der Aufstellung des gesetzlichen Veröffentlichungs-
matik der Wirtschaftszweige abgeleitete Arbeitsstätten- schemas mitzuwirken, ist die Bilanzstatistik, insbeson-
systematik, in der rd. 600 kleinste Einheiten unter- dere auch für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrech-
schieden wurden. nungen, eine zusätzliche Quelle geworden. Die Bilanz-
Die zweite Aufgabe besteht in der Abgrenzung der statistik wurde seit 1953 durch die Statistik der
Bereiche und in der Adressensammlung für die sich Jahresabschlüsse der öffentlichen Wirt-
anschließenden Bereichszählungen und in der Kon- s c h a f t s u n t e r n e h m e n ergänzt. Die Zusammenstel-
trolle der Vollständigkeit der laufenden Bereichszäh- lung des statistischen Teils der G e w e r b e a u f s i c h t
lungen. Hierzu dienten z. B. Fragen nach der Ein- blieb im Bundesministerium für Arbeit und Sozialord-
tragung in die Handwerksrolle, der Zugehörigkeit nung und gehört damit nicht mehr zum Programm
zu Kammern, der Beteiligung am Industriebericht des Bundesamtes.
oder am Baubericht. Die Hauptmerkmale blieben die
11. Industrie und H a n d w e r k
Rechtsform und die Beschäftigten (auch Teilzeitbeschäf-
a) M e t h o d i s c h e M e h r g l e i s i g k e i t der
tigten), außerdem wurden die Unternehmen von Ver-
b u n d e s d e u t s c h e n Statistik
triebenen und Flüchtlingen ermittelt. Da die Umsatz-
Für den wichtigen Bereich des »Warenproduzierenden
steuerstatistik inzwischen den Verlauf der Umsatz-
Gewerbes«, das im Jahre 1971 rd. 54% des Sozial-
entwicklung erkennen ließ, wurde auf die Frage nach
dem Umsatz verzichtet. produkts erzeugte, ist in der Bundesrepublik in den
letzten Jahrzehnten zäh am Aufbau eines systematisch
Die A r b e i t s s t ä t t e n z ä h l u n g 1970 blieb in ihrer vollständigen und klarer übersehbaren statistischen
Zielsetzung und den erhobenen Merkmalen dem 1961 Instrumentariums gearbeitet worden. Dieser Prozeß
entwickelten Rahmen treu. Den Entwicklungen der ist am Ende der hier untersuchten 100 Jahre noch nicht
Zeit folgend, wurden bei den Beschäftigten die aus- abgeschlossen, denn die seit längerem diskutierte
ländischen Arbeitnehmer gesondert erfragt. Die Lohn- »Reform der Industriestatistik« hat sich noch nicht in
und Gehaltssumme ist 1970 erstmalig in das Merkmals- einer neuen gesetzlichen Regelung niedergeschlagen.
programm aufgenommen worden.
Das Ziel und die Aufgabe war von Anfang an klar. Es
galt, ein statistisches Bild der Industriestruktur und des
b) K o s t e n s t r u k t u r s t a t i s t i k Produktionsablaufs zu zeichnen.
Eine wesentliche Bereicherung des statistischen Pro- Die Schwierigkeiten begannen mit der Zweiteilung,
gramms im Hinblick auf die Gesamtdarstellung des ja eigentlich Dreiteilung des darzustellenden Bereichs.
Wirtschaftsablaufs bildet die Kostenstrukturstatistik. Unterschieden wurde die »Industrie« vom »Handwerk«,
Sie wurde in der Bundesrepublik erstmalig 1950 in wobei beide Teile nicht betriebswirtschaftlich definiert
Verbindung mit der Arbeitsstättenzählung durchgeführt werden konnten. Als »Handwerk« gilt, wer in die Hand-
und 1959 durch ein besonderes Gesetz geregelt. Auf- werksrolle eingetragen ist und damit unter die Bestim-
gabe der Kostenstrukturstatistik ist es, auf repräsen-
mungen der Handwerksordnung fällt, die als Instru-
tativer und freiwilliger Basis ein Bild des »Aufwandes«
ment der Mittelstandspolitik in den ersten Nachkriegs-
für die Produktion von Waren und Leistungen und
jahrzehnten von einiger Bedeutung war. Wer nicht
seiner Zusammensetzung zu liefern und damit die
zum Handwerk gehörte, wurde als »Industrie« ange-
Produktions- und Umsatzstatistiken, die das Produk-
sehen und wurde — bis hinunter zum Einmann-
tionsergebnis, also den »Ertrag«, darstellen, zu ergän-
Betrieb — zur Industrieberichterstattung herangezogen.
zen. Die Statistik erfaßt in einem vierjährlichen Turnus
Es blieb allerdings, wie die Arbeitsstättenzählung von
nacheinander a) Industrie und Handwerk, b) Groß-
1961 zeigt, ein nicht ganz zu unterschätzender Rest
handel (einschließlich Verlagswesen), c) Einzelhandel,
von »Kleingewerbe« als dritter Teil des Produzierenden
Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe und d) Ver-
Gewerbes, auf den rd. 10% aller Arbeitsstätten, aber
kehrsgewerbe und Freie Berufe. Auf diese Weise wer-
nur 1,2% der Beschäftigten entfielen.
den über alle Wirtschaftsbereiche hinweg Angaben
Die Aufteilung der Statistiken nach »Industrie« und
über die Kostenrelationen gewonnen, wobei — je
»Handwerk«, an der, um es einmal übertrieben aus-
nach Bereich — bis zu 20 Kostenfaktoren nachgewiesen
zudrücken, aus nahezu weltanschaulichen Gründen
werden. Die Ergebnisse sind in vieler Hinsicht, vor
festgehalten werden mußte, hat in einigen Wirtschafts-
allem für den Vergleich der Kostenstruktur des eigenen
zweigen recht unliebsame Folgen. Es seien hier nur die
Unternehmens mit der der Branche, für die Unterneh-
Möbelherstellung oder das Baugewerbe genannt, in
men selbst interessant, was sich im Ausmaß der frei-
denen betriebswirtschaftlich gleichartig organisierte
willigen Beteiligung zeigt. Die Kostenstrukturstatistik
Betriebe zum Teil zur »Industrie«, zum Teil zum
erlaubt aber vor allem die Aufstellung vollständiger
»Handwerk« gerechnet werden müssen, wodurch
»Produktionskonten« für die Volkswirtschaftlichen Ge-
samtrechnungen. z. B. das Bild der Möbelproduktion nach Arten, das nur
für die Industrie gegeben werden kann, unvollständig
c) Ü b r i g e Unternehmensstatistiken bleibt und vielleicht sogar irreführt.
Da diese Zweiteilung in der Statistik eine bundesdeut-
Die vor dem Kriege geführte Bestandsstatistik aller
sche Besonderheit ist, die die übrigen EWG-Länder
Wirtschaftsunternehmen wurde nur für die K a p i t a l -
nicht kennen, wurde es im Zuge der Integration der
g e s e l l s c h a f t e n wieder aufgenommen. Veränderun-
EWG-Statistiken erforderlich, zu einem Bilde des
gen der Zahl und des Nominalkapitals von rd.

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Gustav-Stresemann-Ring 11, Wiesbaden
Dienstgebäude des Statistischen Bundesamtes seit 1955
gesamten warenproduzierenden Gewerbes zu kom- wurden daher nach der Währungsreform auch auf
men. Diese Notwendigkeit wird auch von den deut- ausdrücklichen Wunsch der Industrie beibehalten. Am
schen Spitzenverbänden durchaus anerkannt, nochzu- Inhalt und Aufbau dieser Berichte, wie sie 1957 gesetz-
mal nichts im Wege steht, die in die Handwerksrolle lich konsolidiert wurden, hat sich in den letzten 25 Jah-
eingetragenen Unternehmen im Rahmen einer einheit- ren kaum etwas geändert. Nachgewiesen werden im
lichen Statistik für bestimmte Zwecke gesondert nach- monatlichen Industriebericht die Betriebe (mit 10 und
zuweisen. mehr Beschäftigten), die Beschäftigten nach der Stel-
Eine weitere methodische Mehrgleisigkeit ergibt sich lung im Betrieb, die geleisteten Arbeiterstunden, die
daraus, daß die Statistiken dieses Bereichs meist auf Bruttosummen der Löhne und Gehälter sowie der
der örtlichen Einheit aufbauen, teils aber auch für Inlands- und Auslandsumsatz. Selbst die aus der Be-
Unternehmen erhoben werden. In der Industriebericht- wirtschaftungszeit stammenden detaillierten Fragen
erstattung finden sich außerdem Ansätze zur fachlichen nach dem Energieverbrauch sind bis heute beibehal-
oder technischen Einheit (nach sogenannten »beteiligten ten worden. Zusatzerhebungen bringen alle zwei
Industriegruppen« im Gegensatz zur »hauptbeteiligten Jahre eine genauere Unterteilung der Beschäftigten,
Industriegruppe«). Darüber hinaus gibt es noch zahl- vor allem die Unterteilung nach den beiden Geschlech-
reiche störende Varianten bei der Definition der tern. Auch Fragen der Wasserversorgung, die für die
Darstellungseinheiten, auf die hier nicht näher ein- Probleme des Umweltschutzes große Bedeutung haben,
gegangen werden kann. werden geklärt.

Auch ein weiteres Problem soll hier nur angedeutet Der monatliche Ρ rod υ kt i ο ns-E i I be r i c h t, der nur
werden, da es zwar seit längerem diskutiert wird, die Produktionsmengen von rd. 600 Erzeugnissen und
aber noch keinen konkreten Niederschlag in der Erzeugnisgruppen erhebt, liefert wichtige Ausgangs-
Industriestatistik gefunden hat. Die » ö r t l i c h e Ein- daten fürden P r o d u k t i o n s i n d e x .
heit« ist für Regionaluntersuchungen und das »U nter-
Die v i e r t e l j ä h r l i c h e P r o d u k t i o n s s t a t i s t i k erfaßt
nehmen« für die Analyse von Aufwand und Ertrag
für rd. 5 500 Waren und Warengruppen Menge und
die am besten geeignete Darstellungseinheit. Beide
Werte der zum Absatz bestimmten Produktion. Für
haben jedoch den Nachteil, daß sie nur nach dem
zahlreiche, zur Weiterverarbeitung bestimmte Waren
Schwerpunkt ihrer Tätigkeit klassifiziert werden kön-
wird außerdem die Menge der »Gesamtproduktion«,
nen und dabei »branchenfremde« Teile mit sich ziehen.
also einschließlich der im eigenen Betrieb weiter-
Je häufiger die Unternehmen verschiedene Produk-
verarbeiteten Mengen, erfragt (z. B. Papierzellstoff in
tionszweige umfassen, desto wichtiger wird der Nach-
einer Zellstoff-Fabrik, die nur einen Teil des Papier-
weis » f a c h l i c h e r U n t e r n e h m e n s t e i l e « . Auch das
zellstoffs absetzt, den anderen Teil in der örtlich ver-
industriestatistische Programm der EWG sieht diese
bundenen Papierfabrik oder in einem anderen, zum
dritte Darstellungseinheit vor, die auf der Produktion
gleichen Unternehmen gehörenden Betrieb selbst ver-
möglichst homogener Waren beruht. Nachweise für
arbeitet).
die aus fachlichen Unternehmensteilen gebildeten
»Branchen« sind für die Darstellung produktions- In diesem Zusammenhang ist auch die Statistik der
wirtschaftlicher Verflechtungen wichtig, aber auch für A u f t r a g s e i n g ä n g e und der A u f t r a g s b e s t ä n d e
einen genaueren Nachweis der Investitionen. Wenn zu nennen, die mit ihrer Auskunft über zukünftig
ein als Lederfabrik klassifiziertes Unternehmen (oder zu erwartende Umsätze einen sehr wichtigen, in die
örtliche Einheit) die Herstellung von Kunstleder auf- Zukunft weisenden Indikator für die Konjunkturbeob-
nimmt, so sollten die dafür erforderlichen Investitionen achtung liefert. Sie wurde seit 1951 zunächst im Wirt-
nicht in der Lederherstellung, sondern in der Kunst- schaftsministerium geführt und ab 1964 vom Stati-
stoffverarbeitung erscheinen. stischen Bundesamt übernommen.
Bisher mußte das Statistische Bundesamt mit diesen Die vorstehend genannten Berichte liefern das erfor-
Mehrgleisigkeiten leben, wobei neben den unterschied- derliche Material für den I n d e x d e r i n d u s t r i e l l e n
lichen Definitionen der Unternehmens- oder Betriebs- N e t t o p r o d u k t i o n , den I n d e x der i n d u s t r i e l l e n
einheit vor allem unterschiedliche Klassifikationen B r u t t o p r o d u k t i o n für Investitions- und Verbrauchs-
zusätzliche Probleme schufen. Der Statistiker konnte güter, den I n d e x d e r A r b e i t s p r o d u k t i v i t ä t und
diese Ungleichheiten allein nicht überwinden, da sie die A u f t r a g s i nd ices. Auf die mit diesen Berech-
zum Teil gesetzlich, u. a. durch die Handwerksord- nungen verbundene vielfältige Problematik kann hier
nung, fundiert sind. nicht eingegangen werden. Die Indices haben sich aber
als handliche Instrumente zur Wirtschaftsbeobachtung
b) Die k u r z f r i s t i g e n B e r i c h t e r s t a t t u n g e n bewährt.
Es ist weiter oben (Abschnitt I) dargelegt worden,
daß die in den Übergangsjahren nach dem Kriege Für den B e r e i c h des H a n d w e r k s wurde 1960 eine
noch in Kraft befindlichen Bewirtschaftungsmaßnah- vierteljährlicheHandwerksberichterstattung
men dazu führten, d i e l n d u s t r i e b e r i c h t e r s t a t t u n g , auf Stichprobenbasis (rd. 6% aller Handwerksunter-
den monatlichen Prod υ k t i o n s - E i I b e r i c h t und die nehmen) eingeführt. Sie bringt Daten über die Beschäf-
zunächst monatlichen, dann vierteljährlichen Pro- tigten und den Umsatz, getrennt für den Handwerks-
d u k t i o n s m e l d u n g e n schnell wieder in Gang zu und den Handelsumsatz.
setzen. Die mit diesen Statistiken gewonnenen Unter- Die Trennung nach »Industrie« und »Handwerk« ist
lagen erwiesen sich auch nach der Aufhebung der im Baugewerbe besonders problematisch. Die Bau-
Bewirtschaftung als äußerst nützliche Instrumente für b e r i c h t e r s t a t t u n g erfaßt daher monatlich alle Be-
die Konjunkturbeobachtung, und zwar nicht nur für triebe des B a u h a u p t g e w e r b e s mit 20 und mehr
staatliche Zwecke, sondern auch für die Marktbeob- Beschäftigten, im Juni einmalig alle Betriebe ohne
achtung durch die Wirtschaft selbst. Diese Statistiken Rücksicht auf die Größe. Erfaßt werden, wie bei der

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Industrieberichterstattung, Beschäftigte, Lohn- und Ge- der zeitgerechten Abgrenzung für kürzere Perioden
haltssumme, Arbeitsstunden, Umsätze, die beiden letz- nur jährlich erhoben werden können, nämlich der
ten Merkmale jeweils nach Art der Bauten gegliedert. Materialverbrauch, die sonstigen Vorleistungen u. dgl.
Das vorwiegend handwerklich organisierte Ausbau- Der wichtige Posten des M a t e r i a l v e r b r a u c h s , der
gewerbe wird im Rahmen der Handwerksberichterstat- für die Berechnung der Nettoproduktion und die Volks-
tung erfaßt. In die industriellen Produktionsindices wird wirtschaftlichen Gesamtrechnungen gebraucht wird,
die Bauindustrie einbezogen. Daneben werden auch konnte nur schwer in die Statistik eingeführt werden.
besondere Produktionsindices für das Bauhauptge- Im Abstand von vier Jahren fallen auf verhältnismäßig
werbe, das Ausbaugewerbe und das gesamte Bau- schmaler repräsentativer Grundlage nur Daten aus
gewerbe berechnet. Die Auftragseingänge und der Kostenstrukturstatistik an (siehe Ziffer 10b). Erst-
-bestände werden seit 1971 erfaßt. Erste Ergebnisse malig nach dem Krieg wurde der Materialverbrauch
in Form von Indices liegen bereits vor. insgesamt im Rahmen der Nettoleistungserhebung 1950
Da die E n e r g i e - und W a s s e r w i r t s c h a f t , die auf breiter Grundlage erhoben. Der Wareneingang
weitgehend in öffentlichen Händen liegt, nach der (als der leichteste Weg zur Erfassung des Material-
deutschen Abgrenzung nicht zur »Industrie« gerechnet, verbrauchs) konnte zum ersten Male in seiner Zusam-
von der EWG aber in den Industriezensus für 1962 mensetzung nach Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen für
einbezogen wurde, sind 1963 besondere Rechtsanord- das Jahr 1954 festgestellt werden.
nungen für diesen Bereich erlassen worden. Die Sta- Die nächste Gelegenheit bot der erste gemeinsame
tistiken bringen monatliche — und mit erweitertem EWG-Industriezensus für 1962 und der Zensus 1967,
Programm jährliche — Daten über Elektrizitäts-, Gas- in denen sowohl die Material- und Wareneingänge als
und Wasserversorgung und auch über das öffentliche auch die entsprechenden Vorräte erfaßt wurden, so
Abwasserwesen. daß der Materialverbrauch errechnet werden konnte.
Die kurzfristige, also monatliche bzw. vierteljährliche Die Wareneingänge, Warenvorräte und der Material-
Beobachtung der Vorgänge im Produzierenden Ge- verbrauch im Handwerk werden jeweils für ein Jahr,
werbe, der das Hauptinteresse des Wirtschaftsministe- aber nur in vierjährlichem Turnus erhoben (1960,
riums galt, ist durch die verschiedenen Berichterstat- 1964, 1968). Auch für das Baugewerbe und die öffent-
tungen weitgehend gesichert. liche Energie- und Wasserversorgung wird der Mate-
rialverbrauch erhoben, so daß hier Informationen für
Monatliche bzw. vierteljährliche Ergebnisse liefern
den gesamten Bereich des Produzierenden Gewerbes
auch eine Reihe von Sonderstatistiken für einzelne
vorliegen.
Industriezweige. Es handeltsich dabei teils um Industrie-
zweige, die schon seit der Zeit vor dem ersten Welt- Der für das schnelle wirtschaftliche Wachstum ent-
krieg besonders intensiv beobachtet wurden oder die scheidende Faktor der I n v e s t i t i o n e n , und zwar der
im Hinblick auf die Außenhandelspolitik eine Sonder- Zugang und Abgang von Sachanlagen, ist erst seit
stellung beanspruchen. In der nationalsozialistischen 1964 als regelmäßige, jährliche Statistik in das Arbeits-
Zeit waren diese Statistiken auf die Reichsgruppen programm des Bundesamtes aufgenommen worden.
übergeführt und zum Teil nach dem Kriege von den Die Investitionserhebung erfaßt ebenfalls den gesamten
Verbänden wieder aufgenommen worden. Es hat Bereich des Produzierenden Gewerbes. Neben den
hier einiges Hin und Her über die Zuständigkeiten Bauten und Ausrüstungsinvestitionen wird — aller-
zwischen den Verbänden, dem Bundesamt für gewerb- dings zur Zeit nur für den Bereich der Industrie —
liche Wirtschaft und dem Statistischen Bundesamt auch der Wert der Material- und Warenbestände und
gegeben. Im Verlaufe der Zeit sind dabei einige Sta- der Bestände an selbsthergestellten fertigen und unfer-
tistiken wieder zur Statistischen Zentralstelle zurück- tigen Erzeugnissen, also der V o r r ä t e , jährlich erho-
gekehrt. ben.
Zu diesen Sonderstatistiken gehören die Eisen- und Unter den Jahresstatistiken ist auch die sogenannte
S t a h l s t a t i s t i k , für die das Bundesamt eine Zweig- U n t e r n e h m e n s e r h e b u ng zu erwähnen. Sie wurde
stelle in Düsseldorf unterhält, die L e d e r s t a t i s t i k , die 1963 eingeführt, um jährliche Daten über die Beschäf-
T e x t i l s t a t i s t i k , die H o l z s t a t i s t i k und die D ü n g e - tigung und die Umsätze für aus U n t e r n e h m e n gebil-
rn i t t e l s t a t i s t i k. dete Wirtschaftszweige zu erhalten. Dies war erforder-
lich, da in den monatlichen Berichterstattungen diese
Beim Bundesamt für gewerbliche Wirtschaft wird die
Angaben nur für Wirtschaftszweige vorhanden sind,
N i c h t e i s e n - und E d e l m e t a l l s t a t i s t i k , die M i n e -
die aus einer Addition von B e t r i e b e n ( = ö r t l i c h e r
r a l ö l s t a t i s t i k und R o h t a b a k s t a t i s t i k geführt. Aus
E i n h e i t e n ) hervorgehen. Das Unternehmen bildet
der amtlichen Statistik ausgeschieden ist eine der
aber die Ausgangseinheit für die Statistiken des Mate-
ältesten Statistiken, nämlich über den K o h l e n b e r g -
rialverbrauchs (und damit der Nettoproduktionswerte),
b a u , die einem besonderen Verein für die Statistik
der Investitionen sowie vor allem für die Sektoren-
der Kohlewirtschaft übertragen wurde.
abgrenzung in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrech-
nungen. Auch die weitere Aufteilungen des Produktions-
c) J a h r e s s t a t i s t i k e n aufwandes erlaubende Kostenstrukturstatistik geht von
den Unternehmen aus, desgleichen die Bilanzstatistiken
Die kurzfristigen Berichterstattungen zur Konjunktur- und auch die Steuerstatistiken. Ein Zusammenbau
beobachtung waren mit ihren Daten über Beschäftigte, von Ergebnissen aus verschiedenen Statistiken ist nur
Produktion und Umsatz in erster Linie auf das Produk- möglich, wenn sie auf der gleichen Darstellungseinheit
tionsergebnis, also auf die Ertragsseite, ausgerichtet. beruhen. Es war daher erforderlich, das vor allem für
Von der Aufwandsseite wird nur die Lohn- und Gehalts- regionale Zwecke brauchbare Bild auf der Basis der
summe und der Energieverbrauch laufend beobachtet. örtlichen Einheiten konsequent durch Unternehmens-
Es fehlten Tatbestände, die wegen der Schwierigkeiten statistiken zu ergänzen.

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Ein gewisser Zwang zum Ausbau der Jahreserhebungen werk wichtige Fragen ergänzt (z. B. Vertriebenen-
in der Industrie geht auch von den I n t e g r a t i o n s - eigenschaft des Eigentümers, Absatzrichtungen, Export-
b e m ü h u n g e n der E W G aus. Während in der erlöse).
Bundesrepublik das Schwergewicht bei den kurzfristi- Zusammenfassend läßt sich sagen, daß diese in größe-
gen Konjunkturindikatoren lag, waren andere Partner- ren zeitlichen Abständen stattfindenden sogenannten
länder in erster Linie an Jahresstatistiken interessiert, »Strukturerhebungen« Angaben über die Zahl der
die die Ausgangsdaten für die Volkswirtschaftlichen Einheiten, ihre Zugehörigkeit zu den Wirtschafts-
Gesamtrechnungen liefern. zweigen und die Rechtsform als eigentliche Struktur-
d) S t a t i s t i k e n z u r S t r u k t u r des merkmale bringen. Der Faktor »Arbeit« wird nicht
Produzierenden Gewerbes durch die vorhandenen Arbeitsplätze (und ihre Kapa-
Da die monatlichen, vierteljährlichen und jährlichen zitätsausnutzung) dargestellt, sondern nach wie vor
Statistiken in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch durch die Zahl der Beschäftigten. Der Faktor »Kapital«
Material geliefert haben, das eine Beurteilung der wird nicht durch die vorhandenen Sachanlagen reprä-
Strukturveränderungen möglich macht, haben die sentiert, sondern nur durch die jährlichen Zu- und
Strukturerhebungen alten Stils etwas an Gewicht ein- Abgänge. Das Strukturbild wird hauptsächlich durch
gebüßt. Die historisch älteste Strukturstatistik, die den Nachweis der Produktionsvorgänge und des
A r b e i t s s t ä t t e n z ä h l u n g e n (siehe Ziffer 10a) wird Produktionsergebnisses bestimmt, also nicht durch
nach wie vor gebraucht, um die Bereichsabgrenzung »Bestandsdaten«, sondern durch »Strömungsdaten«,
des »Produzierenden Gewerbes« vornehmen und um die jedoch viele Rückschlüsse auf die Industriestruktur
kontrollieren zu können, welcher Teil des Bereiches zulassen.
durch die detaillierten Bereichsstatistiken erfaßt wird.
Alle in den vorhergehenden Abschnitten behandelten 12. Bautätigkeit und Wohnungen
Statistiken sind — mit Ausnahme der jährlichen Die umfangreichen Zerstörungen von Wohnungen
Erhebungen im Bauhauptgewerbe — keine »Total- durch die Kriegsereignisse im Verein mit dem gewal-
zählungen« im wörtlichen Sinne, denn sie schließen tigen Zustrom von Vertriebenen und Flüchtlingen hat
teils die Betriebe bzw. Unternehmen mit weniger als die Unterbringung der Bevölkerung zu einem vor-
10 bzw. 20 oder 50 Beschäftigten aus Gründen der dringlichen Problem gemacht. Die Zwangswirtschaft
Arbeits- und Kostenersparnis aus den Erhebungen auf dem Wohnungsmarkt wurde beibehalten und nur
aus. Zum Teil stellen sie auch echte Stichproben dar, allmählich gelockert. Der Staat hat durch Finanzie-
die auf die Gesamtmasse hochgerechnet werden müs- rungsmaßnahmen verschiedener Art (z. B. Zuschüsse
sen. Wenn man für die Zwecke der Konjunkturbeob- zum sozialen Wohnungsbau, Steuererleichterungen,
achtung auch auf die kleinen Betriebe verzichten Zinsverbilligungen) den Wohnungsbau nachhaltig ge-
kann, so müssen die Volkswirtschaftlichen Gesamt- fördert. Für die Statistik stellte sich dadurch die Aufgabe,
rechnungen doch stets den gesamten Bereich im Auge den Wohnungsbestand und seine Nutzung zu erfassen,
haben, so daß schon allein für diesen Zweck Total- ihn durch den Zugang und Abgang von Gebäuden
erhebungen aller vorhandenen Einheiten zumindest und Wohnungen auf den jeweils neuesten Stand fort-
von Zeit zu Zeit notwendig sind. zuschreiben und den noch verbliebenen und zukünf-
tigen Wohnungsbedarf zu ermitteln oder zumindest
Der Anstoß, einen regelrechten I n d u s t r i e z e n s u s
die statistischen Grundlagen für Schätzungen bereit-
durchzuführen, ging für das Jahr 1962 von der EWG
zustellen. Im vorliegenden Abschnitt werden nur die
aus. Der Industriezensus, genauer der Zensus des Informationen behandelt, die aus Wohnungszählungen
Produzierenden Gewerbes, wurde 1967 wiederholt, stammen, und aus der sogenannten Bautätigkeitssta-
und die Rechtsgrundlage sieht Wiederholungen in tistik, die auf Meldungen der Baubehörden beruht.
drei- bis fünfjährlichen Abständen vor. Dargestellt wer- Die Tätigkeit der Bauwirtschaft ist bereits als Teil des
den Unternehmen und Betriebe (sowie die Zusammen- Produzierenden Gewerbes im vorhergehenden Ab-
hänge zwischen Unternehmens- und Betriebsstruktur), schnitt 11. behandelt worden.
Rechtsform, Beschäftigte, Lohn- und Gehaltssumme,
Investitionen, Vorräte, Materialverbrauch, Umsätze,
a) G e b ä u d e - und W o h n u n g s z ä h l u n g e n
Brutto- und Nettoproduktionswerte. Die wichtigeren
Die Wohnungszählungen des Jahres 1946, die in den
Tatbestände werden nach Größenklassen gegliedert,
Ländern im Zusammenhang mit der Volkszählung,
wobei als Merkmal für die Größengliederung neben
aber ohne Abstimmung der Methoden und Definitionen
den seit langem üblichen Beschäftigten auch die
durchgeführt worden waren, lieferten keine brauch-
Umsätze und die Nettoproduktionswerte herangezogen
baren Unterlagen für das in der Bundesrepublik neu
werden.
geschaffene Wohnungsbauministerium. Trotz mancher-
Das von den Bedürfnissen der EWG an vergleichbaren lei Bedenken wurde daher eine W o h n u n g s z ä h l u n g
Industriestatistiken bestimmte Programm konnte 1962 im J a h r e 1950 mit der Volkszählung verbunden. Der
und 1967 zum Teil aus anderen vorhandenen Statistiken Bestand an Wohnraum und die Art und Weise seiner
erfüllt werden. So hatten schon 1956 und 1963 H a n d - Nutzung sollten festgestellt werden, auch wenn in
w e r k s z ä h l u n g e n stattgefunden, die alle Handwerks- Anbetracht des vorgesehenen Flüchtlingsaustausches
zweige, also auch das Dienstleistungshandwerk, um- zwischen den Ländern und der vielfach noch aus-
faßten. Bei der gesetzlichen Anordnung der Hand- einandergerissenen Familien — der Mann hatte oft
werkszählung 1968 wurde die Notwendigkeit, die schon an einem neuen Ort Arbeit gefunden, konnte
Ergebnisse in den Industriezensus (im EWG-Sinne) aber seine auf dem Dorfe lebende Familie noch nicht
einbauen zu können, berücksichtigt. Das sachliche nachziehen — es von Anfang an klar war, daß das
Programm deckt sich nahezu mit dem des Industrie- statistische Bild vielfach vorläufige Zustände zeigen
zensus. Es wird durch einzelne, speziell für das Hand- würde. Insbesondere war es gefährlich, aus der Zahl

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der Wohnparteien ohne eigene Wohnung auf den nissen folgend wurden zusätzlich die Wohnparteien
Wohnungsbedarf zu schließen. Die Gebäude wurden ausländischer Arbeitnehmer, die Unterbringung junger
nach dem Baujahr unterschieden, Notwohngebäude Ehepaare und die leerstehenden Wohnungen besonders
ausgegliedert und die Ausstattung der Wohnungen untersucht.
und die Mietpreise bei den Gebäudeeigentümern
Aus der Entwicklung des Programms der bisherigen
erfragt. Die Zeitverhältnisse hatten dazu geführt, daß
Wohnungszählungen und Wohnungsstichproben zeigt
eine als bauliche Einheit zu definierende Wohnung an
sich, daß zu den quantitativen Versorgungsproblemen
mehrere Wohnparteien (als Hauptmieter) vergeben
der ersten Nachkriegsjahre qualitative Gesichtspunkte
worden war, so daß die Probleme der gemeinsamen
getreten sind. Auch die schrittweise Aufhebung der
Küchenbenutzung usw. erfaßt werden mußten. Auch
Wohnungszwangswirtschaft, die gesetzlich an vielleicht
die Dach- und Kellerwohnungen oder sonstige Not-
nicht ganz befriedigende statistische Kriterien gebunden
wohnungen wurden unterschieden. Die Verbindung
wurde, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Die
mit der Volks- und Berufszählung erlaubte es, die
1 % - W o h n u n g s s t i c h p r o b e 1972 führt die Entwick-
Belegung der Wohnungen auch nach sozialen Gruppen
lung weiter und erfaßt daher nicht nur die klassischen
zu untersuchen.
Merkmale früherer Erhebungen, sondern sucht soweit
Schon im Jahre 1956 erwies es sich als notwendig, als möglich auch statistische Unterlagen für das Moder-
eine neue S t a t i s t i k d e r W o h n - und M i e t v e r h ä l t - nisierungsprogramm des Altwohnungsbestandes und
nisse und des W o h η υ η g s bed a rfs durchzuführen. für die Ziele des Städtebauförderungsgesetzes und des
Die Wohnungen wurden nach der Wohnwürdigkeit Bundesbaugesetzes zu liefern. Dazu kommt, daß dem
unterschieden, das Wohnverhältnis (Eigentums-, Miet- Sofortprogramm der Bundesregierung über den Um-
wohnung usw.), Größe und Belegung festgestellt, weltschutz Rechnung getragen werden muß.
jeweils für die verschiedenen Geschädigtengruppen.
Eine Stichprobe von 10% aller Wohnungen ermittelte Die vier allgemeinen Wohnungszählungen und vier
zusätzlich die soziale Stellung und die Einkommens- Wohnungsstichproben in der Bundesrepublik inner-
quelle des Haushaltsvorstandes sowie die Mieten nach halb von 22 Jahren — nachdem die letzte Vorkriegs-
Baualtersjahren. Diese Unterscheidung war für die Wohnungszählung 1939 stattgefunden hatte — sind
Mietpolitik wichtig. ein Musterbeispiel dafür, wie die unmittelbare staat-
liche Einflußnahme auf einen Wirtschaftssektor, hier
Im Jahre 1957 wurde eine r e p r ä s e n t a t i v e (1%) den Wohnungs- und Städtebau, zur Erweiterung des
Wohnungsstichprobe vorgenommen, die vor statistischen Programms führt, sei es für die Vor-
allem der Klärung des Wohnungsbedarfs dienen sollte. bereitung, sei es für die Wirkungskontrolle gesetz-
Interviewer ermittelten in Ergänzung der aus der Zäh- licher Maßnahmen. Besondere Beispiele hierfür sind
lung von 1956 bekannten Tatbestände die Wohnfläche die Statistik der W o h η ra υ m ve rg a be η im öffent-
und Ausstattung der Wohnungen und die Einkommen lich geförderten sozialen Wohnungsbau, die 1960 ein-
der Wohnparteien, diefür die Beurteilung der Realisier- gestellt wurde, und die 1963 eingeführte W o h n g e l d -
barkeit von Wohnwünschen wesentlich sind. Bei den s t a t i s t i k , die beide mit dem allmählichen Abbau der
Wohnwünschen wurde nach Größe, Lage, Ausstattung Wohnungszwangswirtschaft in Zusammenhang stehen.
der gewünschten Wohnung gefragt, aber auch nach
der angestrebten Wohnform (Eigentum, Miete), den b) B a u t ä t i g k e i t s s t a t i s t i k
Finanzierungsmöglichkeiten und der Mietzahlungs- Die schon vor dem zweiten Weltkrieg bestehende Bau-
bereitschaft. Die 1%-Erhebung wurde mit annähernd tätigkeitsstatistik wurde als monatliche Statistik auf
gleichem Programm im Jahre 1960 wiederholt. Grund von Anordnungen der Länder schon 1950
Die G e b ä u d e z ä h lung 1961 als Teil der Volkszählung wieder aufgenommen und ab 1960 durch Bundesgesetz
1961 bot die nächste Gelegenheit, die Gebäudeeigen- geregelt.
tümer über die Wohnverhältnisse in ihren Häusern Bauherren bzw. Bauaufsichtsbehörden berichten über
zu befragen. Neu war die Typisierung der Wohn- die erteilten B a u g e n e h m i g u n g e n , wobei die wich-
gebäude an Hand des Baualters und des baulichen tigsten Größenmerkmale der Bauten erhoben werden,
Zustandes, der Wasserversorgung und der Abwässer- u. a. auch der umbaute Raum und die veranschlagten
und Fäkalienbeseitigung. Hiermit sollten vor allem reinen Baukosten. Unterschieden werden auch die
die Sanierungsgebiete in den Städten und der Ersatz- Bauherrengruppen und die Bauten aus Fertigteilen.
bedarf an Wohnungen festgestellt werden. Die Statistik der B a u f e r t i g s t e l l u n g e n erhebt die
gleichen und einige zusätzliche Merkmale (ζ. B. Aus-
Das Jahr 1965 brachte eine neue 1 % - W o h n u n g s -
stattung von Wohnungen, Förderung mit öffentlichen
s t i c h p r o b e , bei der neben den auch früher erfragten
Mitteln). Auch der Abgang von Wohngebäuden, Woh-
Merkmalen die Förderung mit öffentlichen Mitteln und
nungen und Wohnräumen wird festgestellt.
besonders die Ausstattung der Wohnungen nach der
Art der Heizanlagen und geplanter Umstellungen sowie Eine wichtige Kontrolle bietet die an jedem Jahresende
der Zustand der sanitären Einrichtungen und hierfür vorgenommene Statistik des B a u ü b e r h a n g e s . Sie
geplante Einbauten, die Ausstattung der Küchen und erfaßt alle genehmigten, aber noch nichtfertiggestellten
die Abstellmöglichkeiten für private Kraftwagen fest- Baumaßnahmen und den jeweiligen Zustand der
gestellt wurden. Bauten.
Die Wohnungszählungen und die Bautätigkeitsstatistik
Drei Jahre später fand wieder eine totale G e b ä u d e - ermöglichen eine j ä h r l i c h e F o r t s c h r e i b u n g des
und W o h n u n g s z ä h l u n g (1968) statt. Der umfang- W o h n u n g s b e s t a n d e s . Sie wird durch Veränderun-
reiche Katalog der Merkmale, der sich bei früheren gen ergänzt, die sich aus der Freigabe bzw. Inanspruch-
Zählungen herausgebildet hatte, wurde auch diesmal nahme von Wohnungen durch die ausländischen Streit-
nahezu vollständig wieder erfragt. Den Zeitverhält- kräfte ergeben. Problematisch bleibt die Erfassung

68
des für gewerbliche Zwecke zweckentfremdeten Wohn- Dieses schon recht umfangreiche Programm der Total-
raums. erhebung (1968) wurde durch die repräsentative
Die Informationen über die Bautätigkeit werden durch Ergänzungserhebung (1970) um die folgenden Merk-
verschiedene Sonderstatistiken ergänzt, z. B. über den male ergänzt. V e r m ö g e n und S c h u l d e n sind im
T i e f b a u , die F i n a n z i e r u n g durch Kapitalsam- Hinblick auf die Mittelstandspolitik ein wichtiges Merk-
m e l s t e l l e n und die B e w i l l i g u n g öffentlicher mal für Einzelunternehmen, die oft über eine zu
M i t t e l für den Wohnungsbau. schmale Kapitalbasis klagen. Die Anschaffung und der
Verkauf von Anlagevermögen, also die I n v e s t i t i o -
13. Binnenhandel und H a n d e l m i t der D D R nen, wurden u. a. auch für die Zwecke der Volkswirt-
schaftlichen Gesamtrechnungen gebraucht. Der
a) S t r u k t u r e r h e b u n g e n
W a r e n e i n g a n g wurde nach den W a r e n a r t e n er-
Zur Kennzeichnung der Struktur der Betriebe und fragt, woraus sich auch das V e r k a u f s s o r t i m e n t er-
Unternehmen im Einzel- und Großhandel nahm man gab. Neben der betriebswirtschaftlichen Bedeutung
bei der Arbeitsstättenzählung 1950 das im Jahre 1939 dieser Zahlen dienen sie ebenfalls den Gesamtrech-
eingeführte Verfahren wieder auf. Die für alle Betriebe nungen, ζ. B. für die Berechnung des privaten Ver-
vorhandenen Merkmale wurden durch Sonderfragen brauchs oder der Marktverflechtungen. Sie werden fer-
überdie Betriebsform im Einzelhandel (zehn Positionen) ner als Wägungsunterlage für Preisindices gebraucht.
und im Großhandel (vier Typen) ergänzt. Dazu kamen Der Wareneingang wurde ferner nach B e z u g s q u e l -
Feststellungen über den Lagerraum. len und B e z u g s g e b i e t e n , der Umsatz teilweise auch
Die Erkenntnis von der wachsenden Bedeutung des nach K u n d e n k r e i s e n und A b s a t z g e b i e t e n geglie-
Dienstleistungssektors und die als Folge von Rationali- dert.
sierungsmaßnahmen im Handelsbereich einsetzenden
Der Überblick über die Vielfältigkeit des Programms
tiefgreifenden Strukturwandlungen führten dazu, daß
der Handels- und Gaststättenzählung zeigt, daß hier
in den Jahren 1960 und 1968/70 besondere, von der in der Bundesrepublik nach dem Kriege Neuland
Arbeitsstättenzählung losgelöste H a n d e l s - und Gast- beschritten wurde. Während es früher nur Bereichs-
stätte η zä h I υ η g e η stattgefunden haben. Aufbau und zählungen für die Landwirtschaft, die Industrie und das
Programm beider Zählungen ähneln sich sehr. Zu Handwerk gab, wurde damit ein Bereich statistisch
einer Totalerhebung aller Unternehmen des Bereichs, näher durchleuchtet, dessen Beitrag zum Bruttoinlands-
unter Einbeziehung der offenen Verkaufsstellen von produkt etwa fünfmal so groß ist wie der der Landwirt-
Industrieunternehmen, kam in ein- bzw. zweijähr- schaft und der nahezu ein Drittel des Beitrages des
lichem Abstand eine repräsentative Ergänzungserhe- warenproduzierenden Gewerbes erreicht.
bung mit eingehenderem Programm. Die Hauptauf-
gabe dieser Zählungen war es, Unterlagen für ein-
b) M o n a t l i c h e B e r i c h t e r s t a t t u n g e n d e r
gehende Analysen der Betriebs- und Beschäftigten-
Betriebe
struktur sowie der regionalen Verteilung dieser Wirt-
schaftsbereiche bereitzustellen. Ferner sollten die Aus- Die laufende monatliche Statistik der E i n z e l h a n d e l s -
wirkungen der verschiedenen Betriebsformen und u m s ä t z e ist auf repräsentativer Grundlage schon im
modernen Verkaufsmethoden auf die Zahl, Art und Vereinigten Wirtschaftsgebiet wieder aufgenommen
Größe der Betriebe nachgewiesen werden. worden. Ab 1951 folgten die U m s ä t z e im G r o ß -
h a n d e l . Durch ein Bundesgesetz von 1960 wurde
Erfragt wurden die Rechtsform des Unternehmens festgelegt, daß monatliche Meßzahlen des Umsatzes
und die V e r t r i e b e n e n - bzw. F l ü c h t l i n g s e i g e n - und der Beschäftigten für den Einzelhandel, den
schaft des Inhabers, ferner die Art der B i n d u n g Großhandel, aber auch für das G a s t g e w e r b e zu
beim W a r e n b e z u g . Die Beschäftigten wurden erstellen sind. Im Groß- und Einzelhandel werden
nach Voll- und Teilbeschäftigten und der Stellung jährlich außerdem der Wareneingang und die Lager-
im Betrieb unterschieden, da die Teilbeschäftigung im bestände erhoben.
Einzelhandel ganz besondere Bedeutung gewonnen
Alle diese Statistiken dienen der Konjunkturbeobach-
hat. Diese Unterscheidung ist auch für die Produktivi-
tung und liefern sehr wichtige Ausgangsdaten für eine
tätsberechnungen wichtig. Zu den schon 1950 getrof-
schnelle, vorläufige Berechnung des Sozialprodukts.
fenen Unterscheidungen nach der B e t r i e b s f o r m
Sie sind auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichts-
(ζ. B. Einzelgeschäfte, Filialbetriebe, Warenhäuser
punkten für die Unternehmen selbst von Bedeutung,
usw.) kamen Nachweise der B e d i e n u n g s f o r m (ζ. B.
denn sie erlauben es, Veränderungen der »Handels-
Selbstbedienung, Cash and Carry usw.). Die Erfassung
spannen« und der Schnelligkeit des Warenumschlages
der V e r k a u f s f l ä c h e im Einzelhandel ist neben den
zu berechnen.
Beschäftigten und dem Umsatz ein wichtiges Merkmal
der Betriebsgröße und eine betriebswirtschaftlich wich- Es sei hier auch die mit dem gleichen Gesetz von 1960
tige Bezugszahl. geregelte, auch schon früher geführte F r e m d e n -
v e r k e h r s s t a t i s t i k erwähnt. Zusatzerhebungen des
Neben dem U m s a t z wurden der W a r e n e i n g a n g Mikrozensus haben eingehend gegliederte Infor-
und die W a r e n b e s t ä n d e und damit der R o h e r t r a g mationen über U r l a u b s - und E r h o l u n g s r e i s e n
erhoben sowie die Löhne und G e h ä l t e r als einer gebracht.
der wichtigsten Kostenfaktoren.
Der besonderen Struktur des Gastgewerbes wurde c) Statistik des W a r e n v e r k e h r s z w i s c h e n
durch Fragen, nach der B e t r i e b s a r t (ζ. B. Hotel, B e r l i n ( W e s t ) und dem ü b r i g e n
Gasthof, Café usw.), der Ausstattung, den Öffnungs- Bu n d e s g e b i e t
zeiten und der Beherbergungskapazität Rechnung Während es für die innerdeutschen Warenströme nur
getragen. die nach Verkehrsbezirken gegliederte Güterverkehrs-

69
statistik gibt, wird der Warenverkehr mit Berlin an g e biet (Spezialhandel) wurde aufrechterhalten. Hier-
Hand der Warenbegleitscheine, die für das Passieren für muß der L a g e r v e r k e h r erfaßt werden, und es
der DDR erforderlich sind, festgestellt. Die besondere können so die verschiedenen Formen des Z o l l v e r -
Situation Berlins erfordert einen Überblick über die kehrs nachgewiesen und die Z o l l e r t r ä g e berechnet
wirtschaftliche Verflechtung mit dem übrigen Bundes- werden. Dazu tritt die Statistik der D u r c h f u h r .
gebiét und die Kenntnis des Transportvolumens nach Nachdem Einfuhrverfahren werden k o n t i n g e n t i e r t e
Verkehrsmitteln. und l i b e r a l i s i e r t e E i n f u h r e n unterschieden, wobei
der Anteil der Liberalisierung ständig zugenommen
d) Statistik des W a r e n v e r k e h r s mit der D D R hat. Die Erfragung der L i e f e r b e d i n g u n g e n , also
und B e r l i n ( O s t ) ob cif- oder fob-Werte, dient einer besseren Auf-
Der Warenverkehr mit der sowjetischen Besatzungs- gliederung der Zahlungsbilanz nach dem Waren- bzw.
zone ist schon im Vereinigten Wirtschaftsgebiet stati- Dienstleistungsverkehr. Für die Zwecke der Bundes-
stisch erfaßt worden. Grundlage sind bis heute die bank wird die Ausfuhr auch nach der W ä h r u n g und
Warenbegleitscheine geblieben. Die Statistik hat ein der F ä l l i g k e i t der Ausfuhrforderungen gegliedert.
doppeltes Gesicht. Der Warenaustausch mit der heu- Das »Woher« und »Wohin« der Waren ist einer der
tigen DDR gilt als innerdeutscher Handel. Er unterliegt Grundpfeiler der Außenhandelsstatistik geblieben. Ne-
nicht den Zollbestimmungen. Die vereinbarten Kon- ben dem U r s p r u n g s l a n d der Einfuhr und dem
tingente werden über diese Statistik abgerechnet, die Ve r b ra υ c h s I α η d der Ausfuhr werden auch die
damit unmittelbar Verwaltungszwecken dient. Volks- E i n k a u f s - bzw. K ä u f e r l ä n d e r nachgewiesen und
wirtschaftlich gesehen ist dieser Warenaustausch für damit ein besserer Einblick in die Handelswege gewon-
die Bundesrepublik Handel mit einem anderen Wäh- nen. Die länderweise Gliederung des Außenhandels
rungsgebiet. Er ergänzt damit die Außenhandelsstati- orientiert sich am harmonisierten Länderverzeichnis
stik, und der Handel mit der DDR geht in den »Außen- der EWG. Unterschieden wurden Anfang 1972 rd.
beitrag« der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 180 Positionen.
ein. Den zweiten Grundpfeiler bildet der Nachweis der
Die Statistik des Warenverkehrs mit der DDR unter- Art, der M e n g e und des G e w i c h t s der gehandelten
scheidet rd. 6 500 Warenpositionen, die sich aus dem Waren. Mit der zunehmenden Differenziertheit des
Warenverzeichnis für die industrielle Produktions- Sortiments der produzierten und gehandelten Waren
statistik und der Erzeugnisgliederung für die Land- besteht eine klare Tendenz zu einer immer feineren
wirtschaft ergeben. Die Zusammenfassung mit dem Gliederung, an der besonders die Unternehmen der
Außenhandel ist nur über Umrechnungen möglich. Wirtschaft interessiert sind. Das deutsche W a r e n -
Auch hier zeigt sich, wie die Politik in die Statistik v e r z e i c h n i s weist über 8 000 Positionen auf, von
eingreift. Wenn die DDR nicht als »Ausland« gilt, denen rd. 4 000-auf den Zolltarif zurückgehen. Die
können die Handelsbeziehungen auch kein »Außen- restlichen Aufteilungen sind erforderlich, um den
handel« sein. Außenhandel auch nach dem Warenverzeichnis für
die industrielle Produktionsstatistik, nach dem EWG-
14. Außenhandel
und nach dem internationalen Warenverzeichnis für
Die Außenhandelsstatistik konnte auf erprobte Verfah- den Außenhandel sowie nach Investitions- und Ver-
ren früherer Zeiten zurückgreifen. Die Ein- und Aus- brauchsgütern umgruppieren zu können. Für alle
fuhr der Waren nach Menge, Wert in DM und in Versorgungsüberlegungen und Marktbeobachtungen
US-Dollar und nach Herstellungs- und Verbrauchs- ist die Kenntnis der aus der heimischen Produktion
ländern wurde bereits im Vereinigten Wirtschafts- + Einfuhr — Ausfuhr im Inland zur Verfügung stehen-
gebiet nachgewiesen. Das Verfahren ist verbessert den Güter unentbehrlich.
und den Empfehlungen der Vereinten Nationen sowie Um die innerdeutsche regionale Analyse des Außen-
den internationalen Erfordernissen, besonders der handels möglich zu machen, wurde schon Anfang der
OECD und späterder EWG angepaßt worden. Die Zahl 50er Jahre das i n n e r d e u t s c h e H e r s t e l l u n g s l a n d
der nachgewiesenen Merkmale wurde erhöht. Da an der ausgeführten Waren festgestellt. Ab 1970 wird auch
den Innengrenzen der EWG die zollamtlichen Kontrol- das Z i e l l a n d erfaßt, wobei allerdings größere Unge-
len bisher aufrechterhalten wurden, konnte auch der nauigkeiten in Kauf genommen werden müssen, denn
Erhebungsweg über die Zollanmeldestellen weiterhin der Importeur kann den endgültigen Verbleib der
beschritten werden. Mit der starken Entwicklung des eingeführten Waren häufiger nicht mit Genauigkeit
Außenhandels ist die Außenhandelsstatistik vor allem angeben. Immerhin wird wertvolles Material über die
auch ein quantitatives Problem geworden. Während Beteiligung der Bundesländer am deutschen Außen-
1950 rd. 250 000 Anmeldescheine monatlich bearbeitet handel gewonnen. Diese Informationen werden ergänzt
werden mußten, ist diese Zahl bis 1971 auf rd. durch den Nachweis des Außenhandels von Firmen mit
1,8 Millionen angewachsen. Sitz in den Hansestädten Hamburg, Bremen und
Der Nachweis des Warenaustausches mit anderen Lübeck, in Berlin und im Saarland (Abrechnung der
Volkswirtschaften, der für handels- und zollpolitische besonderen Saarkontingente).
Zwecke, aber auch für die Aufstellung der Zahlungs- Eine weitere Verbesserung der Außenhandelsstatistik
bilanz sowie für die Konjunkturbeobachtung seit jeher liegt in dem seit 1968 vorgenommenen Nachweis der
erforderlich war, hat in der Bundesrepublik noch an G r e n z a b s c h n i t t e und der beteiligten V e r k e h r s -
Bedeutung gewonnen, vor allem im Hinblick auf die z w e i g e bei der Einfuhr. Inwieweit die Einfuhr im
Währungspolitik, die Regionalpolitik und die private Schiffs-, Bahn-, Straßen- oder Luftverkehr erfolgt,
Marktforschung. kann aus der Anmeldestelle abgeleitet werden. Es
Die Unterscheidung der Ein- und Ausfuhr in das werden auf diese Weise verkehrspolitisch sehr wich-
W i r t s c h a f t s g e b i et (General handel) und in das Ζ ο II- tige Fragen beantwortet.

70
15. V e r k e h r Bei der B i n n e n s c h i f f a h r t ist die schon früher
Die zu den ältesten Zweigen der amtlichen Statistik geführte Statistik des Bestandes an Binnenschif-
gehörende Verkehrsstatistik wurde im Zuge der tech- fen 1969 durch eine U n t e r n e h m e n s s t a t i s t i k ver-
nischen Entwicklung weiter ausgebaut. Mit der See- vollständigt worden, die für alle in der Binnenschiffahrt
und Binnenschiffahrt hatte es begonnen, dazu kam der tätigen Unternehmen Angaben über die Zahl und
Eisenbahnverkehr und ab 1937 der Straßenverkehr. Kapazität ihrer Schiffe, die Beschäftigten und zum Teil
Alle diese Statistiken wurden in der Bundesrepublik auch Umsätze bringt. Die Statistik des Schiffs- und
wieder aufgenommen. Zu ihnen trat der Luftverkehr G ü t e r v e r k e h r s und der U n f ä l l e auf den Binnen-
und als jüngster Verkehrsträger die Rohrfernleitungen. wasserstraßen wurde im früher üblichen Umfang im
Die Verkehrsstatistiken wurden weiterhin stark unter Statistischen Bundesamt weitergeführt.
»funktionalen« Gesichtspunkten gesehen, sie brachten Die Eisen bah nstatisti k, zu der die Deutsche Bun-
vor allem Fahr- und Beförderungsleistungen nach desbahn und die nichtbundeseigenen Eisenbahnen eine
Verkehrszweigen. Diese Daten waren schwer in das Fülle von Angaben liefern, ist 1965 rechtsverbindlich
Bild der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ein- geregelt und dem Statistischen Bundesamt übertragen
zufügen, da die in den übrigen wichtigen Wirtschafts- worden. Nachgewiesen werden zahlreiche Bestands-
bereichen vorhandenen Angaben der Unternehmen zahlen und betriebsstatistische Daten, Unfälle, vor allem
und Betriebe über Beschäftigte und Umsätze fehlten. aber die Personen- und Gepäckbeförderung und der
Hierfür gab es nur Teilmaterial aus den Arbeitsstätten- Güterverkehr (nach Gütergruppen, Tonnenkilometern,
zählungen und der Kostenstrukturstatistik, bis der Verkehrsbezirken usw.) und die Einnahmen aus diesen
Verkehrszensus 1962 zum erstenmal »institutionell« Leistungen.
gegliederte Ergebnisse brachte. Das Statistische Bundes-
amt hat sich bei jeder neuen Anordnung von Statistiken Von den S t r a ß e n v e r k e h rsstatisti ken gehören
bemüht, auch Angaben nach Unternehmen in das nur einige Teile zum Aufgabengebiet des Bundesamtes.
Programm aufnehmen zu lassen. Die Statistik der ü b e r ö r t l i c h e n S t r a ß e n (nach
Länge, Breite, Art der Fahrbahndecke usw.) liegt
Die starke Einflußnahme des Staates auf das Verkehrs-
beim Bundesverkehrsminister. Die G e m e i n d e s t r a -
geschehen, z. B. durch die monopolartige Stellung
ß e n s t a t i s t i k folgt dem Berichtsweg über die Landes-
öffentlicher Verkehrsunternehmen, durch Konzessio-
ämter zum Bundesamt.
nierung, Registrierungs- und Sicherheitsvorschriften,
Bau und Unterhaltung von Verkehrswegen und die Der K r a f t f a h r z e u g b e s t a n d und die erteilten Fahr-
damit zusammenhängende Tarif- und Steuerpolitik, und F a h r l e h r e r l a u b n i s s e werden im Kraftfahrt-
internationale Verkehrsabkommen usw., hatte zur Bundesamt bearbeitet. Der Mikrozensus hat 1963
Folge, daß unmittelbare Verwaltungsbedürfnisse bei einmalig die Führerscheininhaber und die Ausnutzung
den Verkehrsstatistiken eine ungleich größere Rolle der Fahrerlaubnisse repräsentativ erhoben.
spielten als bei anderen Wirtschaftsstatistiken. Eine 1968 gesetzlich angeordnete Statistik der Per-
Hiermit in Zusammenhang steht die sonst in keinem s o n e n b e f ö r d e r u n g im S t r a ß e n v e r k e h r ist als
Bereich anzutreffende organisatorische Zersplitterung Unternehmenserhebung konzipiert, aus der neben
der Verkehrsstatistiken. Wenn dem Statistischen Bun- der Art, Kapazität und Tätigkeit der Unternehmen
desamt nach dem Kriege auch der wichtigste Teil der auch Angaben über Beschäftigte und Umsätze ge-
Verkehrsstatistiken übertragen wurde, so stehen dane- wonnen werden.
ben als erhebende und aufbereitende Stellen vor allem
Der G ü t e r v e r k e h r mit K r a f t f a h r z e u g e n wird
das Kraftfahrt-Bundesamt und die Bundesanstalt für
hinsichtlich des Fahrzeugbestandes und der monatlichen
den Güterfernverkehr, aber auch das Bundesverkehrs-
Leistungen, einschließlich des Werkverkehrs, von der
ministerium selbst, das Luftfahrtbundesamt, das Bundes-
Bundesanstalt für Güterfernverkehr und dem Kraft-
amt für gewerbliche Wirtschaft und die Seeberufs-
fahrt-Bundesamt statistisch betreut. Auch hier gibt es
genossenschaft. Dem Statistischen Bundesamt fiel damit seit 1970 eine Unternehmensstatistik im G ü t e r k r a f t -
die recht dornenvolle Aufgabe zu, ohne starke Koordi- v e r k e h r , die in mehrjährlichen Abständen durch-
nierungsbefugnisse aus den zahlreichen, methodisch geführt werden soll. Sie bringt vor allem auch Daten
vielfach voneinander abweichenden Quellen Infor- über den Güternahverkehr.
mationen über den Personen- und Güterverkehr für
alle Verkehrszweige zusammenzustellen. Eine der Der g r e n z ü b e r s c h r e i t e n d e V e r k e h r mit Kraft-
Voraussetzungen hierfür war die einheitliche Anwen- fahrzeugen und der Beri i η v e r k e h r werden außer-
dung des »Güterverzeichnisses für die Verkehrssta- halb des Statistischen Bundesamtes bearbeitet.
tistik«.
Die K r a f t f a h r z e u g f a h r l e i s t u n g e n werden seit
Die einzelnen Verkehrszweige werden nachstehend 1966 im Stichprobenverfahren in mehrjährlichem Tur-
in der Reihenfolge ihrer Einführung abgehandelt. nus vom Statistischen Bundesamt erhoben.
Von der S e e s c h i f f a h r t s s t a t i s t i k gehören die Sta-
Die seit 1948 wieder aufgenommene Statistik der
tistik des Bestandes an Seeschiffen, die See-
S t r a ß e n v e r k e h rsu nfäl le hat sich mit dem zuneh-
mannsstatistik und die U n f ä l l e auf See nicht mehr
menden Straßenverkehr zu einer umfangreichen, nach
zum Bundesamt. Dieses veröffentlicht nur die Ergeb-
zahlreichen Merkmalen gegliederten monatlichen Sta-
nisse. Die S e e v e r k e h r s s t a t i s t i k , also der Schiffs-
tistik mit zusätzlichen Jahresaufbereitungen entwickelt.
und Güterverkehr über See und im Nord-Ostsee-Kanal
und der Personenverkehr über See mit dem Ausland, Der L u f t v e r k e h r hat nach dem Kriege sich schnell
ist wieder im früheren Umfang aufgenommen worden zu einem bedeutenden Verkehrszweig entwickelt. Sta-
(Schiffs- und Güterverkehr nach Häfen, Flaggen, Ver- tistiken wurden bereits seit 1951 geführt, auch wenn
kehrsbeziehungen, Verkehrsbezirken, Gütergruppen die deutsche Lufthoheit erst 1954 zurückgewonnen
usw.). wurde. Da Bund, Länder und Gemeinden große Mittel

71
in den Wiederaufbau der Lufthansa und in den Bau die Erfassung des »organisierten Hypothekarkredits« —
von Flughäfen investiert haben, wurden statistische wurde im Statistischen Bundesamt wieder aufgenom-
Unterlagen für den Ausbau des Verkehrsnetzes und die men. Die seit 1933 im Reichsamt geführte Statistik der
damit zusammenhängenden Finanzierungs- und Tarif- Bausparkassen ging an das Bundesaufsichtsamt für
fragen gebraucht. Es galt ferner, die Vorrechte aus- das Versicherungs- und Bausparwesen über.
ländischer Fluggesellschaften auf der Basis von Gegen-
seitigkeitsverträgen zu beseitigen, wozu die Kenntnis Von den Statistiken der W e r t p a p i e r m ä r k t e , also
des Verkehrsaufkommens unerläßlich war. Auch der der Emissionsstatistik, der Investmentstatistik, der Bör-
Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) muß- senumsätze, gingen diese früher zum Bereich des
ten vertragsgemäß Angaben geliefert werden. Die zentralen Statistischen Amtes gehörenden Teile an die
Luftverkehrsstatistik ist so zu einer 1967 durch Gesetz Deutsche Bundesbank. Auch die Renditen festverzins-
geregelten und im Statistischen Bundesamt zentral licher Wertpapiere werden dort berechnet. Nur die
bearbeiteten Statistik geworden, die Angaben über die Statistik der Effe kteη k υ rse (Aktienindex) ist dem
Unternehmen bringt (Zahl und Art der Luftfahrzeuge, Bundesamt verblieben.
Beschäftigte, Umsätze) und ferner das Verkehrsauf- Die Statistik der K o n k u r s e und V e r g l e i c h s v e r -
kommen eingehend analysiert (Personen, Fracht und
f a h r e n ist schon 1950 im alten Umfange wieder
Post, ein- und ausgeladene Mengen, Durchgangs-
aufgenommen worden.
verkehr, Flüge, Flugkilometer, Personenkilometer, Ka-
pazitätsauslastung, Tonnenkilometer usw., nach Ver- 17. Versicherungen (ohne Sozialversicherungen)
kehrsbeziehungen und Gütergruppen). Die Luftver-
Auf dem Gebiet des privaten Versicherungswesens
k e h r s u n f ä l l e vervollständigen das Bild.
blieb es auch in der Bundesrepublik bei der schon
Die jüngste Form des Transportes, der Rohrfern- früher durchgeführten Zuständigkeitsverteilung. Alle
l e i t u n g s v e r k e h r , stellt vielfach einen Teil des grenz- hierzu gehörenden Statistiken werden im Bundesauf-
überschreitenden Warenverkehrs dar. Art und Menge sichtsamt für das Versicherungs- und Bausparwesen
des Durchsatzes (Rohöl, Mineralölprodukte usw.) und geführt. Der Hauptgrund hierfür ist, daß die für
Aufsichtszwecke einzureichenden Unterlagen gleich-
die tonnenkilometrische Leistung werden festgestellt.
zeitig für die statistische Auswertung dienen. Im Stati-
Der eingangs bereits erwähnte V e r k e h r s z e n s u s
stischen Bundesamt wird jedoch für Zwetke der Volks-
1962, für den die Arbeitsstättenzählung 1961 das Adres-
wirtschaftlichen Gesamtrechnungen eine Aufbereitung
senmaterial geliefert hatte, brachte zum ersten und bis-
der Bilanzen und Erfolgsrechnungen der Versiche-
her einzigen Male Daten über die g e w e r b l i c h e n
rungsunternehmen vorgenommen.
V e r k e h r s u n t e r n e h m e n und ih re örtlichen Arbeits-
stätten. Seine Aufgabe war, Zahl und Größe dieser 18. Sozialversicherung und öffentliche
Unternehmen, gemessen an der Zahl der Beschäftig- Sozialleistungen
ten, der Verkehrsmittel und -einrichtungen (Ladekapa-
zitäten) und des Umsatzes festzustellen. Ferner wurden Von den Statistiken der S o z i a l v e r s i c h e r u n g ging
außer diesen gewerblichen Verkehrsunternehmen alle die seit der Einführung der gesetzlichen Krankenver-
übrigen Unternehmen nach dem von ihnen betriebenen sicherung im Statistischen Reichsamt geführte Kranken-
W e r k v e r k e h r befragt, wobei die Transportmittel kassenstatistik nach dem Kriege an das Bundesarbeits-
und die Beschäftigten im Vordergrund standen. Dabei ministerium über. Dort werden auch die Statistiken
wurde ersichtlich, in welchen Wirtschaftszweigen und der gesetzlichen Rentenversicherungen und der Unfall-
für welche Verkehrsaufgaben (An- oder Abtransport versicherung geführt. Die Statistiken der Arbeitslosen-
von Waren) der Werkverkehr eine größere Rolle versicherung und der Arbeitslosenhilfe liegen als echte
spielt. Die Zusammenfassung beider Erhebungsteile Geschäftsstatistiken bei der Bundesanstalt für Arbeit,
zeigte, von wem das gesamte volkswirtschaftliche die auch die Statistik über Kindergeld bearbeitet.
Verkehrsaufkommen bewältigt wird. Auch die Statistiken der K r i e g s o p f e r v e r s o r g u n g
werden im Arbeitsministerium geführt. In die Statistik
16. Geld und Kredit über die Leistungen an Vertriebene, Flüchtlinge und
Der größte Teil der Statistiken des Geld- und Kredit- Kriegsgeschädigte auf Grund des Lastenausgleichs-
wesens ist durch das Bundesbankgesetz in die Zu- gesetzes ist das Statistische Bundesamt bei der Auf-
ständigkeit der Deutschen Bundesbank gekommen und bereitung der Schadensberechnung eingeschaltet.
von dieser nach dem Kriege erheblich ausgebaut und Andere Statistiken von »Verwaltungsvorgängen« liegen
systematisiert worden. Die wichtigsten Unterlagen hier- bei den Lastenausgleichsämtern.
für lieferten die laufend einzureichenden Zwischen- Von den F ü r s o r g e s t a t i s t i k e n wurde die Statistik
bilanzen der Banken. Es wurde so eine konsolidierte der offenen und geschlossenen F ü r s o r g e und
Bilanz des Bankensystems aufgebaut, das Geldvolumen der ö f f e n t l i c h e n J u g e n d h i l f e schon 1950 auf
und die Bankenliquidität berechnet. Dazu kamen die Grund von Anordnungen der Länder wieder aufge-
Ausweise der Bundesbank selbst, Angaben zur zen- nommen. Dazu kamen zeitbedingte S o n d e r e r h e -
tralen Währungsposition und die Statistik der Min- bungen, ζ. Β. über die Lager und Lagerinsassen, über
destreserven. Auch die Statistik der Devisenkurse, der die unterstützten Staatenlosen usw. Die methodisch
Geld- und Zinssätze und der Ausgleichsforderungen interessanteste Erhebung war die Stichprobenstatistik
wird in der Bundesbank geführt. über die sozialen Verhältnisse der Renten- und Unter-
Von den zahlreichen Statistiken über die Kreditinsti- stützungsempfänger (1953/54). Hierbei wurden Infor-
tute blieb der gesamte Bankensektor bei der Bundes- mationen aus den verschiedensten Quellen zusammen-
bank. Nur die Statistik der Boden- und K o m m u n a l - geführt, so daß der Bezug mehrerer Renten und Unter-
k r e d i t i n s t i t u t e und die Statistik d e r H y p o t h e - stützungen, die Wirkung von Kürzungsvorschriften
k e n b e w e g u n g — letztere seit 1962 beschränkt auf usw. kontrolliert werden konnten.

72
Der gesamte Bereich der Fürsorgestatistiken, also Einflüsse auf die Wirtschaft durch die Art der geplanten
die Sozialhilfe, die Kriegsopferfürsorge und die Jugend- Ausgaben. Die »Eventualhaushalte«, die als zusätzliche
hilfe, ist 1960 durch Verordnung, 1963 durch Gesetz Investitionshaushalte in der Rezession 1966/67 veraus-
zusammenfassend geregelt worden. Diese vielfach gabt worden sind, machen, ebenso wie die mittel-
gegliederten Statistiken sind auf die gesetzlichen Be- fristige Vorausplanung des Finanzgebarens, diese Ten-
stimmungen ausgerichtet, um deren Wirkung in per- denz deutlich.
soneller und finanzieller Hinsicht überblicken zu kön- Die Bearbeitung des umfangreichen Sektors der Ge-
nen. Auch hier werden »Verwaltungsvorgänge« sta- meindefinanzen mit seiner großen Zahl von Melde-
tistisch ausgewertet. pflichtigen wurde dadurch erleichtert, daß eine auf
die Gliederung der Finanzstatistik ausgerichtete Haus-
19. Arbeiterstatistik
haltsordnung für die Gemeinden verbindlich eingeführt
Dieser im Kaiserlichen Statistischen Amt einmal be- werden konnte. Im Rahmen der staatlichen Haushalts-
deutende Bereich ist hier wegen der Parallelität der reform wurden im Jahre 1969 auch für Bund und
Darstellung für die unterschiedenen Zeitabschnitte Länder einheitliche Grundsätze des Haushaltsrechts
erneut aufgeführt. Wie die vorangehende Ziffer 18 beschlossen und ein Gruppierungs- und Funktionen-
zeigt, ist von den Resten der dem Reichsamt ver- plan geschaffen.
bliebenen »Arbeiterstatistik« im weitesten (ehemaligen)
Der im Laufe des ersten Nachkriegsjahrzehnts erreichte
Sinne dem Statistischen Bundesamt nichts mehr ver-
Stand der Statistik ist im Jahre 1960 im Gesetz über die
blieben.
Finanzstatistik kodifiziert worden. Dieses Gesetz ent-
20. Finanzen und Steuern hält — mit wenigen Ergänzungen — das heute gültige
a) Ö f f e n t l i c h e Finanzen Programm.

Die Statistik der Bundes- und Länderfinanzen auf Grund Die S t a t i s t i k d e r Η a υ s h a I ts w i rtsc h aft von
der jährlichen Rechnungsabschlüsse und die Statistik Bund, L ä n d e r n und G e m e i n d e n umfaßt einmal
der Gemeindefinanzen, ebenfalls nach den Jahres- die schon erwähnte jährliche Statistik der H a u s h a l t s -
abschlüssen, aber mit einer zusätzlichen Vierteljahres- ansätze. Hierfür werden nur die größeren Gemein-
statistik, und die Statistik der Schulden der öffentlichen den (mit 10 000 und mehr Einwohnern) herangezogen.
Hand sind bereits mit der »Gemeinsamen Anordnung Die J a h r e s r e c h n u n g s s t a t i s t i k wird umfassend
vom I.Juni 1949« im Vereinigten Wirtschaftsgebiet geführt, sie bezieht den Lastenausgleichsfonds und das
wieder in Gang gesetzt worden. Die methodischen ERP-Sondervermögen des Bundes, die Länder und
Grundlagen wurden im wesentlichen aus der Zeit alle Gemeinden und Gemeindeverbände ein. Die
vor dem zweiten Weltkrieg übernommen. Die Ergeb- Einnahmen und Ausgaben werden nach etwa 30 »Ar-
nisse wurden im Statistischen Bundesamt für alle ten« (ζ. B. Personalausgaben, laufende Sachausgaben,
Gebietskörperschaften zu einem »Gesamtbudget« zu- Kapitalrechnung, besondere Finanzierungsvorgänge
sammengefaßt. usw.) und nach rd. 80 funktional abgegrenzten »Auf-
gabenbereichen« untergliedert (ζ. B. Schulwesen, Ver-
Das Grundgesetz der Bundesrepublik hat die ver-
kehrswesen usw.). Die Jahresstatistik wird für ausge-
schiedenen Träger der öffentlichen Aufgaben festgelegt.
wählte Sachverhalte ergänzt durch eine V i e r t e l j a h -
Durch diese Verteilung und Verquickung der Auf-
r e s s t a t i s t i k d e r F i n a n z w i r t s c h a f t , die außer
gaben und Zuständigkeiten, durch die Gemeinsamkeit
Bund und Ländern wiederum nur die größeren Ge-
der Ansprüche aller Gebietskörperschaften an den
meinden einbezieht und sich auf ausgewählte Sachver-
»Steuerzahler« und durch das System wechselseitiger
halte (ζ. B. Bauinvestitionen und Schuldenbewegung
Zuweisungen (Finanzausgleich) wurde das öffentliche
bei den Gemeinden) beschränkt.
Finanzgebaren zu einer inneren Einheit verknüpft,
die einen statistischen Überblick über die Gesamtheit Die Statistik ü b e r den S t e u e r h a u s h a l t stellt
der Einnahmen und Ausgaben erforderte. die kassenmäßigen Steuereinnahmen des Bundes und
Die Bedeutung der öffentlichen Einnahmen und Aus- der Länder monatlich, die der Gemeinden viertel-
gaben für die gesamte Volkswirtschaft ist durch die jährlich zusammen. Sie bietet ein zusammenfassendes
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, für die die Bild des Aufkommens aus allen Steuerarten. Hier sei
Finanzstatistiken eine wichtige Quelle sind, zunehmend auch der jährliche R e a l s t e u e r v e r g l e i c h genannt,
herausgestellt worden. Das öffentliche Finanzgebaren der vielfach auch als Teil der Steuerstatistik angesehen
mit seinem unvermeidlichen Einfluß auf das Wirtschafts- wird.
wachstum, den Konjunkturverlauf und die Preisent-
Die S t a t i s t i k d e r ö f f e n t l i c h e n S c h u l d e n um-
wicklung ist daher im Laufe der Jahre immer bewußter
faßt alle Gebietskörperschaften, was im kommunalen
für die Steuerung der Wirtschaftsentwicklung einge-
Bereich rd. 20 000 Gemeinden und Gemeindeverbände
setzt worden. Hierzu war es notwendig, neben der
bedeutet. Inländische Alt- und Neuschulden, Auslands-
traditionellen rein fiskalischen Betrachtungsweise zu-
schulden, Bürgschaften, Laufzeiten u. a. werden unter-
nehmend ökonomische Gesichtspunkte in der Finanz- schieden. Eine v i e r t e l j ä h r l i c h e Schuldenstati-
statistik zur Geltung zu bringen, eine Entwicklung, die stik, die nur die größeren Gemeinden einbezieht,
noch längst nicht abgeschlossen ist. Das Prinzip der unterscheidet vor allem schwebende und fundierte
Wirtschaftssteuerung mit Hilfe der öffentlichen Haus- Schulden, Schuldenaufnahmen und -tilgungen.
halte zwang außerdem zu möglichst zeitnahen Ergeb-
nissen, die durch die Einführung einer Statistik der Auch die P e r s o n a l s t a n d s s t a t i s t i k wurde ausge-
Haushaltsansätze erreicht worden ist. Auch wenn baut. Anfang 1950 wurde einmalig zur Vorbereitung
»Soll« und »Ist« manchmal auseinanderklaffen, so lie- gesetzgeberischer Maßnahmen der unter den Arti-
fert eine solche Statistik doch Einblick in die finanz- kel 131 des Grundgesetzes fallende Personenkreis
wirtschaftlichen Planungen und die zu erwartenden (verdrängte Berufsbeamte, langjährige Angestellte und

6a 73
Arbeiter, berufsmäßige Wehrmachtsangehörige usw.) nur die tiefgehenden Gliederungen nach Wirtschafts-
statistisch erhoben. Die jährliche P e r s o n a l s t a n d s - zweigen genannt, die für steuerliche Zwecke allein
s t a t i s t i k erhebt jeweils am 2. Oktober das vorhan- nicht erforderlich wären.
dene Personal der Hoheits- und Kämmereiverwaltun- Infolge der Währungsverhältnisse sind die Steuer-
gen und der Wirtschaftsunternehmen einschließlich statistiken — abgesehen von einer vierteljährlichen
Bundesbahn und Bundespost und gliedert es vor allem Umsatzsteuerstatistik und einigen Verbrauchsteuer-
nach Aufgabenbereichen, Geschlecht, Dienstverhältnis statistiken — bundeseinheitlich erstmalig für das Jahr
und Laufbahngruppen. Diese Unterlagen, die die Ent- 1950 wieder in Gang gesetzt worden, und zwar die
stehung und Zusammensetzung des Personalaufwandes Einkommensteuerstatistiken (Lohnsteuer, veranlagte
erkennen lassen, reichten jedoch für die Beurteilung Einkommensteuer, Körperschaftsteuer), die Einheits-
besoldungspolitischer Maßnahmen nicht aus. Für den wertfortschreibungen des Grundbesitzes auf den
öffentlichen Dienst konnte die Einkommensentwicklung 21. 6. 1948, die Statistik der Umsatzsteuerveranlagung
nur mit Hilfe von Annahmen berechnet werden und alle Verbrauchsteuern. Die vierteljährliche Um-
(Durchschnittsgehälter für bestimmte Dienstaltersstufen satzsteuerstatistik wurde als Schnellstatistik einige Jahre
jeder Besoldungsgruppe, Familienstand, Kinderzahl), weitergeführt. Die .Steuerstatistiken haben dann 1966
während für die Einkommensentwicklung in der Wirt- eine einheitliche gesetzliche Grundlage erhalten, die
schaft Statistiken über die effektiven Verdienste zur das zur Zeit gültige Programm festgelegt hat.
Verfügung standen. Um diese Lücke zu füllen, wurde
für 1968 eine P e r s o n a l s t r u k t u r e r h e b u n g durch- Die E i n k o m m e n s t e u e r s t a t i s t i k wird für die »ver-
geführt, die auf der Grundlage von Individualzähl- anlagten Einkommen« in dreijährlichem Turnus durch-
blättern umfassende Daten über die Zusammensetzung geführt (1968, 1971). Sie bringt alle steuerrechtlich
des Personals nach Alter, Geschlecht, Vor- und Aus- relevanten Ergebnisse nach Größenklassen des Ge-
bildung usw. sowie nach besoldungspolitisch wichtigen samtbetrags der Einkünfte und nach Wirtschaftszweigen
Merkmalen gegliederte Angaben über die Effektiv- gegliedert. Um eine von Lücken und Doppelzählungen
verdienste im öffentlichen Bereich geliefert hat (siehe freie Zusammenfassung mit der Lohnsteuerstatistik zu
auch Ziffer 22). sichern, werden die veranlagten Lohnsteuerpflichtigen
b) S t e u e r n gesondert ausgewiesen.
Die K ö r p e r s c h a f t s t e u e r s t a t i s t i k , die ebenfalls
Die gemeinsame Aufgabe aller Steuerstatistiken ist es,
dreijährlich zu den gleichen Zeitpunkten durchgeführt
die Struktur der Quellen laufend zu beobachten, aus
wird, bringt die entsprechenden Angaben für die juri-
denen die für den Staat lebenswichtigen Steuererträge
stischen Personen.
fließen, die rd. Dreiviertel aller Einnahmen bringen.
Während die Statistik der kassenmäßigen Steuerein- Die L o h n s t e u e r s t a t i s t i k erfaßt alle Einkommens-
nahmen zur »Finanzstatistik« gerechnet wird, geht es bezieher mit Einkünften aus unselbständiger Arbeit und
hier um die statistische Auswertung aller Angaben Versorgungsbezügen, soweit sie nicht unter den gesetz-
über die einzelnen Steuerpflichtigen, die aus den vor- lich fixierten Einkommensgrenzen bleiben oder ande-
liegenden steuerlichen Unterlagen (Erklärungen, Ver- rerseits diese Grenzen nach oben überschreiten und
anlagungsbescheide, Überwachungslisten usw.) ge- damit veranlagungspflichtig werden. Für diese im
wonnen werden können. In der Bundesrepublik gleichen dreijährlichen Rhythmus wie die übrigen
wurde — wie in jedem Staatswesen — eine »Steuer- Einkommenstatistiken durchgeführte Lohnsteuerstati-
gerechtigkeit« angestrebt. Die steuerlichen Belastungen stik ist ein Stichprobenverfahren entwickelt worden,
sollen in wirtschaftlich und sozial tragbaren Grenzen das die Zahl der zu bearbeitenden Lohnsteuerkarten
bleiben, auch wenn oder gerade weil die Steuerpolitik auf rd. 67000 reduziert.
als wichtiges Instrument der Wirtschaftspolitik einge-
Die im Jahre 1953 wieder aufgenommene V e r m ö -
setzt wird. Diese allgemeinen Ziele haben zu einem
g e n s t e u e r s t a t i s t i k wird zur Zeit ebenfalls in drei-
sehr komplizierten Steuerrecht geführt, das Sonder-
jährlichen Abständen, zuletzt für 1969, bearbeitet. Sie
vergünstigungen verschiedenster Art, Freibeträge, Be-
bezieht alle natürlichen und nichtnatürlichen Personen
rücksichtigung des Familienstandes und der Kinderzahl
mit unbeschränkter und beschränkter Vermögen-
kennt. Die Steuerstatistiken sollen die Wirkungen
steuerpflicht ein und gliedert die Vermögen nach
dieser Regelungen auf die betroffenen Gruppen von
Vermögensarten, wobei — wie bei allen Steuer-
Steuerpflichtigen sichtbar machen und es ferner er-
statistiken — die gesetzlichen Regelungen die auszu-
lauben, die finanziellen Auswirkungen getroffener
zählenden Merkmale bestimmen.
oder geplanter gesetzlicher Maßnahmen abzuschätzen.
Das Programm der Steuerstatistiken wird daher stark Die Statistik d e r E i n h e i t s w e r t e wird getrennt
vom Steuerrecht bestimmt. für die gewerblichen Betriebe (alle drei Jahre, zuletzt
1969) und für den Grundbesitz (Stichtag 1. Januar 1964)
Die Steuerstatistiken sind über ihre eigentlichen durchgeführt.
steuerpolitischen Zwecke hinaus eine sehr wichtige
Informationsquelle für die Wirtschafts- und Sozial- Die E r b s c h a f t s t e u e r s t a t i s t i k wird seit 1953 — mit
politik (z. B. mittelstands-, agrar- und familienpoli- Unterbrechung in den Jahren 1963 bis 1966 — jähr-
tische Fragen). Die Steuerstatistiken liefern mit den aus lich durchgeführt. Die Ergebnisse sollen jedoch ab
ihnen abzuleitenden Daten über die Steuerbemes- 1967 nur alle sechs Jahre zugleich für die vorher-
sungsgrundlagen — wie Einkommen, Gewinne und gehenden fünf Jahre — erstmals für 1972 — zusam-
Umsätze, Verbrauch — unentbehrliche Ergebnisse mengestellt werden.
für die Aufstellung Volkswirtschaftlicher Gesamtrech- Die U m s a t z s t e u e r s t a t i s t i k erfaßt in zweijähr-
nungen. Das Bundesamt hat sich daher mit Erfolg lichem Turnus — zuletzt für 1970 — alle Unternehmen
bemüht, die Steuerstatistiken auch für die Wirtschafts- mit Jahresumsätzen über 12000 DM. Seit dem Jahre
analyse nutzbar zu machen. Als Beispiel hierfür seien 1968 beruht die Erhebung auf dem ab 1. Januar 1968

74
geltenden Umsatzsteuerrecht, mit dem der Übergang Währung ihres Landes umgerechnet werden soll —
von der kumulativen Allphasen-Umsatzsteuer zur Mehr- eine dritte Aufgabe hinzu: der i n t e r n a t i o n a l e
wertsteuer vollzogen wurde. Sie umfaßt primär die aus Ν i vea υ ve rg I e i c h der Preise.
steuerpolitischer Sicht wichtigen Tatbestände, liefert Um alle diese sich nach dem zweiten Weltkrieg stellen-
aber mit ihrer tiefen Gliederung der Umsätze nach den Aufgaben lösen zu können, wurde frühzeitig ein
Wirtschaftszweigen zum Teil in Kombination mit Um- an die Sozialproduktsberechnungen anknüpfendes Sy-
satzgrößenklassen zugleich wichtige Unterlagen für stem für die gesamte Preisstatistik entwickelt 17 ). Es
wirtschaftsstatistische Analysen. sieht Indices d e r V e r k a u f s p r e i s e für alle produ-
Die V e r b r a u c h s t e u e r s t a t i s t i k e n , denen wir in zierenden Wirtschaftssektoren vor, um die Preisent-
allen Perioden der untersuchten 100 Jahre begegnet wicklung auf jeder Stufe des Wirtschaftskreislaufs
sind, werden in der auch früher üblichen Art aufge- verfolgen und die Bruttoleistung jedes Sektors defla-
stellt. Sie bringen meist auch Angaben über die Her- tionieren zu können. Für die gleichen Sektoren wurden
stellungsbetriebe. Die Liste der statistisch erfaßten Indices d e r E i n k a u f s p r e i s e gebraucht, um zu
Verbrauchsteuern enthält zur Zeit die folgenden einer Deflationierung der Nettoleistung jedes Be-
Waren: Tabak, Bier, Mineralöl, Branntwein (Mono- reichs zu kommen und die unterschiedliche Entwick-
pol), Schaumwein, Zucker, Salz, Leuchtmittel, Zünd- lung der Einkaufs- und der Verkaufspreise jedes
waren (Monopol), Essigsäure, Spielkarten. Wirtschaftsbereiches nachweisen zu können. Einkaufs-
preisindices wurden ferner gebraucht für die Sektoren
Die erstmalig für 1958 durchgeführte G e w e r b e - der endgültigen Verwendung der Güter, also für die
steuerstatistik einschließlich Lohnsummensteuer- Investitionen, den privaten Verbrauch und den Staats-
statistik beschränkt sich zur Zeit auf die Jahre 1966 verbrauch, zu denen noch der Nachweis der Import-
und 1970. und Exportpreise kommt.
21. Preise Für die angedeuteten Berechnungen ist es erforderlich,
Jede marktwirtschaftlich orientierte Volkswirtschaft, über eine m ö g l i c h s t g r o ß e S a m m l u n g von Preis-
in der der Ausgleich von Angebot und Nachfrage sich r e i h e n zu verfügen, damit Gruppierungen unter den
über die Preise vollzieht, ist auf eine schnelle, zuver- verschiedensten Gesichtspunkten möglich sind, z. B.
lässige und regelmäßig dargebotene Orientierungs- nach der Herkunft der Waren aus den einzelnen Wirt-
möglichkeit über die Preise oder zumindest über die schaftszweigen, nach dem produktionstechnischen Zu-
Preisbewegungen angewiesen. Dies gilt insbesondere sammenhang, nach dem Stadium der Verarbeitung,
für die Bundesrepublik, da hier die Stabilität der Preise der Dauerhaftigkeit, dem Verwendungszweck usw.
als eines der hervorragenden, wenn nicht gar als Das angestrebte Gesamtsystem der Preisstatistik konnte
wichtigstes Ziel der Wirtschaftspolitik angesehen wird. natürlich nicht mit einem Schlage verwirklicht werden.
Die Kenntnis der Preisentwicklung ist nicht nur für die Es ist jedoch im Laufe der Jahre gelungen, einen Stein
laufende Wirtschaftsanalyse wesentlich, sondern auch nach dem anderen in das vorgesehene Gebäude einzu-
in Zusammenhang mit der Kostenanalyse und Lohn- bauen. Die ersten Preisstatistiken sind schon im Ver-
politik, ganz zu schweigen von ihrer großen sozial- einigten Wirtschaftsgebiet wieder angeordnet worden.
politischen Bedeutung. Schließlich sind vielfach auch Dabei handelt es sich um die Wiederaufnahme der
privatrechtlich vereinbarte Leistungen oft mit Gleit- Vorkriegsstatistiken, für die allerdings von vornherein
klauseln an die Preisentwicklung gebunden. neue, mit dem Gesamtkonzept übereinstimmende Me-
In den früheren Zeitabschnitten war der Nachweis der thoden angewendet wurden. Zu diesen frühen Statisti-
durchschnittlichen P r e i s e n t w i c k l u n g für verschie- ken gehören die Erzeuger- und Großhandelspreise des
dene Waren und Dienstleistungen das alleinige Ziel Inlands, die Preise der sächlichen Betriebsmittel der
der Preisstatistik. Es wurde mit Preisindices (nach der Landwirtschaft, Baustoffe und Bauleistungen, Einzel-
Laspeyres-Formel) gelöst, die aussagten, wie sich die handelspreise und Preise der Lebenshaltung sowie die
Preise eines »Warenkorbes« des Basisjahres in den Sammlung von Auslandspreisen.
darauffolgenden Zeiträumen entwickeln. Nach dem
Kriege kam, vor allem unter dem Einfluß der Volks- Bis zum Ende des hier untersuchten Zeitraums, also
wirtschaftlichen Gesamtrechnungen, eine zweite wich- im Jahre 1972, lagen die folgenden Teile des Gesamt-
tige Aufgabe hinzu, nämlich die D e f l a t i o n i e r u n g systems vor:
von W e r t g r ö ß e n . Es galt, Wertgrößen der ver- Verkaufspreise der produzierenden
schiedensten Art von mengen- und qualitätsmäßig Sektoren
wechselnder Zusammensetzung von den Preisein- Das umfangreiche, gesammelte Preismaterial wird zu
flüssen zu befreien (mit Hilfe von Preisindices nach der folgenden meist weitgehend untergliederten Indices
Paasche-Formel). Als Beispiel sei die Berechnung des verarbeitet:
»realen« Wachstums des Sozialprodukts — also zu Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte
konstanten Preisen — genannt oder die Berechnung
Erzeugerpreise für Schnittblumen und
von »Reallöhnen«. Die Vorstellungen über diese »rea-
Topfpflanzen
len« Entwicklungen und ihr Vergleich mit den »Nomi-
Erzeugerpreise forstwirtschaftlicher Produkte
nal«-Entwicklungen und dadurch mit der Preisentwick-
Erzeugerpreise industrieller Produkte
lung sind aus der Wirtschaftsanalyse und aus der
Baupreise
Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik nicht mehr weg-
zudenken. Schließlich kam — vor allem auch unter dem Großhandelsverkaufspreise
Einfluß der Wiedergutmachungsgesetzgebung, nach Einzelhandelsverkaufspreise
der die Begünstigten wählen konnten, ob die ihnen Frachtraten
zustehende Wiedergutmachungsleistung nach dem 17
) Siehe G.Fürst U.H.Bartels: Preisindices im volkswirtschaft-
Wechselkurs oder nach der »Kaufkraftparität« in die lichen Güterkreislauf, Wirtschaft und Statistik, Heft 9/1949.

6a* 75
Postgebühren hat jedoch der Gesichtspunkt der L o h n k o s t e n paral-
Preise für Leistungen des Beherbergungs- und lel an Bedeutung gewonnen. Die Entwicklungen auf
Gaststättengewerbes dem Lohngebiet sind gekennzeichnet durch bezahlte
Verkaufspreise für Ausfuhrgüter Feiertage, längeren bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung
im Krankheitsfall und vor allem durch gesetzliche und
Einkaufspreise der produzierenden und tarifliche sowie freiwillige Sozialleistungen (ζ. B. zu-
der verwendenden Sektoren sätzliche Altersversorgung, Wohnungen, Kantinen,
Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel Sportplätze, Kindergärten usw.) und Maßnahmen zur
(Einkaufspreisindices für alle übrigen Sektoren Vermögensbildung. Diese Entwicklung hat dazu ge-
müssen z. Z. für Deflationierungszwecke des führt, daß den Arbeitgebern höhere Personal kosten
Sozialprodukts behelfsmäßig aus der vorliegen- erwachsen, ohne daß die Arbeitnehmer diese Beträge,
den Sammlung der Verkaufspreise berechnet die auch nicht immer dem einzelnen Arbeitnehmer zu-
werden. Da dieses Verfahren methodisch nicht gerechnet werden können, als Erhöhung ihres Lohn-
einkommens empfinden. Die unterschiedlichen Perso-
ganz einwandfrei ist, werden diese Indices nicht
nalkosten spielen für die Wettbewerbsfähigkeit vor
veröffentlicht.)
allem innerhalb der EWG eine große Rolle. Dies hat
Einkaufspreise für Auslandsgüter
dazu geführt, daß das Programm der Lohn- und Ge-
Einkaufspreise für Grundstoffe
haltsstatistik zunehmend durch EWG-Verordnungen
(Einkaufspreise für Investitionsgüter werden aus
bestimmt worden ist.
den Verkaufspreisen industrieller Produkte und
von Bauwerken behelfsmäßig berechnet.) Die Lohn- und Gehaltsstatistiken sind noch durch ein
Preise der Lebenshaltung. Gesetz des Wirtschafts rates des Vereinigten Wirtschafts-
gebietes vom 22. August 1949, also kurz vor der Er-
Alle vorstehend genannten Preisindices beziehen sich
richtung der Bundesrepublik, ungefähr in der vor dem
auf die laufende Produktion und den laufenden Ver-
Kriege geltenden Form wieder in Gang gesetzt worden.
brauch. Preise für vorhandene Vermögensobjekte
Das bedeutet, daß eine laufende Statistik der Tarif-
werden nur für B a u l a n d gesammelt und verarbeitet.
löhne, eine vierteljährliche Statistik der Effektivver-
Der hier verfügbare Raum erlaubt es nicht, auf die dienste (Lohnsummen für Leistungsgruppen), und in
vielfachen Erweiterungen des Umfangs innerhalb aller mehrjährlichem Turnus Statistiken der Löhne in der
aufgeführten Kategorien und auf die mannigfachen gewerblichen Wirtschaft und in der Land- und Forst-
methodischen Verbesserungen, vor allem auch der wirtschaft wiederauflebten. Das zur Zeit gültige Pro-
Klassifizierungen, einzugehen. Neue Wege wurden vor gramm ist weitgehend durch das Gesetz über die
allem bei den Baupreisen beschritten. Die Preisindices Lohnstatistik von 1956 festgelegt worden.
der Lebenshaltung, die es früher nur für die fünf-
Die laufenden S t a t i s t i k e n d e r E f f e k t i v v e r d i e n s t e
köpfige Arbeiterfamilie gab, werden jetzt berechnetfür:
werden jährlich für die Landwirtschaft erhoben, und
alle privaten Haushalte zwar für alle in die Hausgemeinschaft aufgenommenen
Angestellten- und Beamtenhaushalte mit höherem männlichen familienfremden Arbeitskräfte. Von den
Einkommen (4-Personen-Haushalte) außerhalb der Hausgemeinschaft lebenden Arbeits-
Arbeitnehmerhaushalte mit mittlerem Einkommen kräften werden nur drei Gruppen männlicher Arbei-
des alleinverdienenden Haushaltsvorstandes ter und eine Gruppe weiblicher Arbeiter in größeren
(4-Personen-Haushalte) Betrieben erfaßt. Die vierteljährliche V e r d i e n s t e r -
Renten- und Sozialhilfeempfänger-Haushalte h e b u n g in I n d u s t r i e und H a n d e l erfaßt im Stich-
(2-Personen-Haushalte) probenverfahren die Arbeiter in der Industrie und die
einfache Lebenshaltung eines Kindes Angestellten in der Industrie, im Handel, bei den
Die Erkenntnis, daß der Familientyp der Arbeiterfamilie Banken und Versicherungen. Erhoben werden Brutto-
von vier Personen mit nur einem Verdiener nur einen Wochen- und Stundenverdienste, bezahlte und geleistete
geringen Bruchteil aller Familien darstellte und daß Wochenstunden, Mehrarbeitsstunden, gegliedert nach
die Lebenshaltung stark durch das Zusammenfließen Wirtschaftszweigen, Leistungsgruppen und Geschlecht.
mehrerer Einkommen in einer Familie erhöht wird, Eine halbjährliche V e r d i e n s t e r h e b u n g im H a n d -
w e r k vervollständigt das Bild.
hat dazu geführt, daß der Preisindex für die Lebenshal-
tung aller privaten Haushalte in den Vordergrund
Die Statistiken der effektiven Verdienste werden er-
gerückt worden ist.
gänzt durch die T a r i f l o h n s t a t i s t i k . Diese Statistik
Die Berechnung von » K a u f k r a f t p a r i t ä t e n « mußte stellt neben den vierteljährlich berechneten Indices
in Ermangelung anderer Vergleichsunterlagen auf die tariflich vereinbarten Leistungen, vor allem auch
den Verbrauch von Arbeiterfamilien gegründet werden. Familienzulagen, Urlaubsdauer, Urlaubsbezahlung,
Der internationale Niveauvergleich der Preise ist Bezahlung bei Krankheit und ähnliches zusammen.
nicht nur durch die Wiedergutmachungsleistungen Sie liefert immerhin auch gewisse Anhaltspunkte zu
stimuliert worden, sondern auch die Frage der Besol- dem konjunktur- und lohnpolitisch wichtigen, statistisch
dung der deutschen Auslandsvertretungen spielte eine allerdings sehr schwer zu fassenden Problem der über-
große Rolle. Das gesammelte Preismaterial hatesferner tariflichen Bezahlung (Lohndrift).
erlaubt, Kaufkraftparitäten für Touristen zu errechnen.
Die vor dem Kriege nicht mehr recht zum Zuge ge-
22. Löhne und G e h ä l t e r kommenen L o h n s t r u k t u r e r h e b u n g e n auf der Ba-
sis von Individualzählblättern wurden Teil des ζ. Z.
Die Lohn- und Gehaltsstatistik wurde vor dem Kriege gültigen Programms. In der Landwirtschaft werden sie
und wird auch heute noch vielfach nur als Statistik der unregelmäßig, in der gewerblichen Wirtschaft und im
Loh nei η kom men gesehen. In der Nachkriegszeit Dienstleistungsbereich etwa drei- bis sechsjährlich

76
durchgeführt. Für den öffentlichen Dienst war eine des privaten Verbrauchs unterscheidet die Art der ver-
solche Erhebung 1968 Teil der Personalstrukturstati- brauchten Waren und Dienstleistungen, die Herkunfts-
stik. Diese Strukturerhebungen erlauben, in Verbin- bereiche, die Dauerhaftigkeit und den letzten Ver-
dung mit persönlichen Merkmalen der Beschäftigten, wendungszweck. Außerdem war eine Gliederung nach
den Nachweis der Schichtung der Verdienste, was Käufergruppen möglich, ζ. B. nach der Familiengröße,
z. B. für die Festlegung der Versicherungsgrenzen der Zahl der Verdiener im Haushalt (die für einen höhe-
wichtig ist. ren Lebensstandard oft entscheidend ist), nach der Ein-
kommenshöhe und nach sozialen und beruflichen
Die schon eingangs kurz gekennzeichneten A u f w e n -
Merkmalen. Bei der Erhebung für 1969 wurden außer-
d u n g e n d e r A r b e i t g e b e r für P e r s o n a l kosten
dem die Relationen zwischen Einkommen, Verbrauch
werden auf Grund von EWG-Verordnungen auf Stich-
und Ersparnis und die Formen der Vermögensbildung
probenbasis im Produzierenden Gewerbe, im Straßen-
näher untersucht. Die Ergebnisse der Wirtschaftsrech-
verkehrsgewerbe und im Handel und Dienstleistungs-
nungen haben neben ihrer Funktion, der staatlichen
gewerbe erhoben. Außer dem Entgelt für die geleistete
Wirtschaftsbeobachtung zu dienen, große Bedeutung
Arbeit werden alle »Nebenkosten« in weiter Auf-
für die Produktions- und Absatzplanung der Unter-
fächerung erfragt.
nehmen erlangt.
Über die für die Ve r mög ens bi I d υ η g d e r A r b e i t -
Die Wirtschaftsrechnungen haben es ferner erlaubt,
n e h m e r angebotenen und tatsächlich in Anspruch
das statistische Bild der V e r s o r g u n g zu erweitern.
genommenen Leistungen ist 1964 eine besondere Sta-
So konnte die Ausrüstung der einzelnen Haushalts-
tistik geführt worden.
typen mit dauerhaften Gebrauchsgütern, wie ζ. B.
Staubsauger, Waschmaschinen, Rundfunk- und Fern-
23. Wirtschaftsrechnungen und Versorgung
sehgeräten, Kraftfahrzeugen und viele andere, nach-
gewiesen werden. Die Versorgung (pro Kopf der Be-
Wirtschaftsrechnungen ausgewählter privater Haus-
völkerung) kann dank der aufeinander abgestimmten
halte wurden in den früheren Zeitabschnitten vor allem
Warenverzeichnisse der heimischen Produkte und des
mit dem Ziel erhoben, Wägungsunterlagen für die
Außenhandels (Versorgung = Produktion + Einfuhr
Preisindexziffer der Lebenshaltung zu gewinnen. Für
den gleichen Zweck wurden die Wirtschaftsrechnungen — Ausfuhr) für eine große Zahl von Waren berechnet
schon im Vereinigten Wirtschaftsgebiet wieder in das werden. Die früheren Berechnungen für Nahrungs-
Programm aufgenommen. Zu den Arbeitnehmerhaus- mittel und verbrauchsteuerpflichtige Erzeugnisse wur-
halten der mittleren Verbrauchergruppe, den » I n d e x - den fortgesetzt.
haushalten«, traten bald die » R e n t n e r h a u s h a l t e «
als untere Verbrauchergruppe, die beide laufend, 24. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen
Monat für Monat, beobachtet wurden. Im Jahre 1953
Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bringen
wurden zum ersten Mal für ein Jahr bäuerliche Haus-
mit Hilfe eines Kontensystems, in dem alle Wirtschafts-
halte einbezogen, die wegen des Naturalverbrauchs
vorgänge doppelt verbucht werden, ein zusammenhän-
aus eigener Erzeugung oder der Deputatentlohnung
gendes und in sich geschlossenes Bild des Wirtschafts-
besondere Schwierigkeiten boten. Im Auftrag der
ablaufs. Die Aufstellung dieses Systems stellt zweifellos
Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für
eine der größten wissenschaftlichen Leistungen der
Kohle und Stahl wurden die Verbrauchsausgaben
amtlichen Statistik in der Nachkriegszeit dar 1 8 ). Ge-
im Steinkohlenbergbau, dem Eisenerzbergbau und der
zeigt werden können zur Zeit die Entstehung des
eisenschaffenden Industrie untersucht. Dazu kamen in
Sozialprodukts und seine Verwendung, die im Wirt-
der Zeit von 1957 bis 1959 Sondererhebungen für
schaftsprozeß entstehenden Einkommen, ihre Vertei-
andere Zweige des Bergbaus (Kali, Steinsalz, Braun-
lung und Umverteilung (hauptsächlich durch den Staat
kohle). Ab 1964 wurde der Überblick über die »Index-
und die Sozialversicherungen), der letzte Verbrauch
haushalte« und die »Rentnerhaushalte« durch einen
und die Ersparnis, die Vermögensveränderungen und
weiteren Haushaltstyp »Beamte und A n g e s t e l l t e
die Veränderungen der Forderungen und Verbind-
mit h ö h e r e m E i n k o m m e n « vermehrt.
lichkeiten für die großen Sektoren der Volkswirtschaft.
Alle genannten Untersuchungen erfaßten nur eine sehr Unterschieden werden dabei die Sektoren: Unterneh-
geringe Zahl von Haushalten (zwischen 150 bis 400 je men, Staat, private Haushalte und private Organi-
Haushaltstyp). Die gewonnenen Aussagen über die sationen ohne Erwerbscharakter.
Verbrauchsveränderungen reichten zwar zur Kon- Ergänzt werden die Konten durch eine größere Zahl
trolle der Preisindexberechnungen aus, sie erlaubten von Tabellen, in denen die wirtschaftlichen Vorgänge
aberwegen der geringen Zahl und der Auswahl einiger für die Zwecke der Analyse weiter unterteilt oder
weniger Haushaltstypen keinerlei »Hochrechnung« anders zusammengefaßt werden. Als Beispiele seien
auf den gesamten privaten Verbrauch. hier nur die eingehende Aufgliederung der Beiträge
Es war daher ein sehr großer Fortschritt, daß für das der einzelnen Wirtschaftsbreiche zum Bruttoinlands-
Jahr 1962/63 zum ersten Mal eine E i n k o m m e n s - produkt und die Input-Output-Tabellen genannt. Nach-
und V e r b r a u c h s s t i c h p r o b e gesetzlich angeordnet dem die Berechnung der Investitionen für rd. 20 Jahre
wurde, die auf einer echten Stichprobenbasis rd. vorlagen, konnte 1971 eine Schätzung des reproduzier-
50 000, also etwa 0,25% aller Haushalte aller Kate- baren Anlagevermögens gewagt werden.
gorien erfaßte. Diese Statistik wurde für 1969 wieder- 1β
) Siehe Hildegard Bartels und Mitarbeiter: Das Kontensystem für
holt. Dieses Material erlaubte es, den privaten Ver- die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Bundesrepublik
Deutschland.
brauch, auf den etwas mehr als die Hälfte des Sozialpro- 1.Teil: Das angestrebte Kontensystem, Wirtschaft und Statistik,
dukts entfällt, unter zahlreichen Gesichtspunkten zu Heft 6/1960.
2. Teil: Das ausgefüllte, vereinfachte Kontensystem, Wirtschaft und
gliedern. Die für diesen Zweck entwickelte Systematik Statistik, Heft 10/1960.

77
Der koordinierende Einfluß, der von den Volkswirt- unentbehrliches Hilfsmittel der Wirtschaftsbeobachtung
schaftlichen Gesamtrechnungen auf alle Statistiken und als Orientierungsmittel für die Wirtschafts-,
ausgegangen ist, die als ihr Ausgangsmaterial dienen, Finanz- und Sozialpolitik durchgesetzt.
ist schon im Zusammenhang mit den allgemeinen Ent-
wicklungstendenzen in der Zeit der Bundesrepublik 25. Auslandsstatistik
dargelegt worden (siehe Seite 55f.). Trotz aller Be- Die Bevölkerungs- und Wirtschaftsbeobachtung des
mühungen um einheitliche Abgrenzungen, Begriffe, Auslandes konnte bei der stets zu knappen Ausstattung
Gliederungen usw. sind umfangreiche Umrechnungen des Bundesamtes mit Personal und Sachmitteln nicht
und ergänzende Schätzungen erforderlich. wieder in dem vor dem zweiten Weltkrieg üblichen
Über die Kräfte, die sehr frühzeitig zu einer Aufstellung Rahmen aufgenommen werden. Der Wiederaufbau
Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen zwangen, ist der bundesdeutschen Statistik mußte oft Vorrang bean-
ebenfalls schon im Abschnitt über die allgemeinen Ent- spruchen vor der Zusammenstellung von Zahlen aus
den Veröffentlichungen des Auslandes. Im Rahmen des
wicklungstendenzen berichtet worden (siehe Seite 55).
Möglichen wurde — schon wegen der Schwierigkeiten
Das Bundesamt stand vor der äußerst schwierigen Auf-
der Sprachen und der schweren Zugänglichkeit des
gabe, gewissermaßen das Dach des statistischen Ge-
verstreuten statistischen Auslandsmaterials — die Aus-
bäudes zu errichten, bevor die Grundmauern und Ver-
landsstatistik wieder aufgenommen. Soweit als möglich
strebungen vorhanden waren. Die Militärregierung
wurde dabei die Wahrung einheitlicher Gesichtspunkte
bediente sich dabei des probaten Mittels, sehr behelfs-
angestrebt und das Material auf die der deutschen
mäßige, eigene Schätzungen vorzunehmen, von denen
Statistik entsprechenden systematischen Gliederungen
sie nur abzugehen gewillt war, wenn das Bundesamt
umgerechnet. Eines der Ziele war ferner, Umfang
eigene, besser fundierte Zahlen vorlegte.
und Qualität der » I n t e r n a t i o n a l e n Ü b e r s i c h t e n «
Da infolge der Geldverhältnisse das Rückgrat der
des Statistischen Jahrbuchs aufrechtzuerhalten. Hierzu
früheren Volkseinkommensberechnungen, die Einkom-
kamen laufende Veröffentlichungen in den »Inter-
mensteuerstatistiken, zunächst nicht vorhanden waren,
nationalen Monatszahlen«.
wurde die Schätzung des Sozialprodukts von der Ent-
stehungsseite, also mit Hilfe der Produktionsstatistiken Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Länderberichte
in Angriff genommen. Dazu war es erforderlich, den und unter diesen die über Entwicklungs- und soziali-
Anteil der neugeschaffenen Bundesrepublik an den stisch-kommunistische Länder, weil für diese der Bedarf
Ergebnissen für das frühere Reichsgebiet zu ermitteln. besonders groß und das Material methodisch und
Eine der wichtigsten Quellen hierfür war der Industrie- sprachlich schwer zugänglich ist. Ferner werden Län-
zensus 1936. Die so für 1936 gewonnenen Zahlen derkurzberichte veröffentlicht, um wichtiges Material
wurden so lange mit den verschiedensten Indices fort- für ausgewählte Länder kurzfristig und konzentriert
geschrieben, bis der Anfall statistischer Ergebnisse zur Verfügung stellen zu können.
— vor allem aus den Zählungen um das Jahr 1950 — Zu diesen Länderberichten treten Veröffentlichungen
eine Neuberechnung auf der Basis von Nachkriegs- für einige a u s g e w ä h l t e F a c h g e b i e t e .
statistiken erlaubte.
26. I n t e r n a t i o n a l e Z u s a m m e n a r b e i t
Die konsequente Weiterentwicklung des statistischen Nach dem zweiten Weltkrieg erreichte die internatio-
Programms im Hinblick auf besseres Ausgangsmate- nale Zusammenarbeit ein in früheren Epochen unge-
rial für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ahntes Ausmaß, das aus Raumgründen hier nur mit
— so z. B. der Ausbau der Einkommensstatistiken und ganz flüchtigen Strichen skizziert werden kann. Die
der Verbrauchs- und Investitionsstatistiken — lieferte Zahl der weltweit arbeitenden internationalen Orga-
ständig neues Baumaterial und neue Verstrebungen, die nisationen — vielfach Sonderorganisationen der Ver-
in das vorläufig errichtete Gebäude eingepaßt werden einten Nationen — und der regionalen Organisationen,
mußten, um seine Stabilität zu sichern. Daß dies nicht die mehr oder weniger stark an der Sammlung, Weiter-
ohne gelegentliche Revisionen der vorläufigen Zahlen entwicklung und Vereinheitlichung der Statistiken ihres
möglich war, liegt auf der Hand. Anlaß zu solchen Aufgabenbereiches interessiert sind, schwoll auf über
Revisionen ergab sich auch aus den internationalen 30 an. Dazu kamen noch rd. ein Dutzend regionale
Vereinbarungen, z. B. aus dem »System of National Organisationen. Diese internationale Zusammenarbeit
Accounts« (SNA) der Vereinten Nationen, vor allem stellt eine früher kaum vorhandene neue Aufgabe für
aber aus dem daran anknüpfenden gemeinsamen die Bundesstatistik dar, die erhebliche Ansprüche an
System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen der die Zeit und Kraft der leitenden Mitarbeiter des Stati-
EG (ESVG), das als Variante des SNA zu betrachten ist. stischen Bundesamtes stellt. Andererseits bedeutet der
internationale kollegiale und persönliche Erfahrungs-
Die Aufstellung der Gesamtrechnungen erfolgte ständig
austausch einen großen Vorteil für die Weiterentwick-
in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundes-
lung des deutschen statistischen Programms. Im Aus-
bank, die das Material für die Finanzierungskonten
land bereits erprobte Methoden können übernommen
beitrug. Auch die Statistik der Z a h l u n g s b i l a n z ist
und auf diese Weise manche Umwege und Kosten
nach dem Kriege auf die Bundesbank übergegangen.
erspart werden. Andererseits sind auch deutsche Erfah-
Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und die rungen und methodische Neuerungen in die inter-
auf ihnen aufbauenden gesamtwirtschaftlichen Voraus- nationalen Programme eingegangen. Die kurze Dar-
schätzungen, die hauptsächlich das Bundeswirtschafts- stellung dieser Zusammenarbeit soll hier — in histo-
und -finanzministerium vornimmt und die in einem rischer Reihenfolge — auf die allerwichtigsten Organi-
interministeriellen Ausschuß unter Vorsitz des Präsi- sationen beschränkt werden.
denten des Statistischen Bundesamtes verabschiedet Die ersten internationalen Kontakte standen unter
werden, haben sich als ein modernes und mittlerweile dem Zeichen einer starken Reserviertheit gegenüber

78
uns Deutschen. Wir mußten zeigen, daß die Führungs- Die statistischen Arbeiten bei den S o n d e r o r g a n i -
kräfte im neuen Deutschland nicht dem Bilde ent- s a t i o n e n nahmen in ähnlichem Maße an Umfang zu.
sprachen, das sich vielen unserer Nachbarn auf Grund Genannt seien nur die wichtigsten: die Internationale
des Auftretens der Deutschen als Besatzungsmacht im Arbeitsorganisation (ILO), die Organisation für Ernäh-
Kriege eingeprägt hatte. Daß dies gelungen ist, zeigen rung und Landwirtschaft (FAO), die Weltgesundheits-
die freundschaftlichen Beziehungen, die sich im Laufe organisation (WHO), die Organisation für Erziehung,
der Zeit zu den Kollegen in West und Ost herausge- Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und die Inter-
bildet haben. nationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO). In diesen
Im Zusammenhang mit der Marshallplan-Hilfe begann und den übrigen hier nicht genannten Sonderorgani-
1948 die organisierte Zusammenarbeit bei der O E E C sationen ist die Bundesrepublik Mitglied.
in Paris. Diese inzwischen zur O r g a n i s a t i o n für Der Europarat hat sich insbesondere demographischer
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent- Probleme angenommen.
w i c k l u n g ( O E C D ) gewordene Einrichtung hat sich Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaften
auf dem Gebiet der Konvertibilität der europäischen für Kohle und Stahl (1953) und der Europäischen
Währungen und der größeren Freizügigkeit im west- Wirtschaftsgemeinschaft — EWG — (1958) trat das
lichen Europa große Verdienste erworben. Im Jahre Statistische Amt d e r E u r o p ä i s c h e n G e m e i n -
1949 wurde hier das erste vereinfachte System Volks- schaften auf den Plan. Während es bei allen übrigen
wirtschaftlicher Gesamtrechnungen erarbeitet, das spä- internationalen Organisationen letzten Endes immer
ter in das System der Vereinten Nationen übergeleitet nur zu »Empfehlungen« kam, für deren Annahme nur
wurde. Die statistische Aktivität dieser Organisation eine Art moralische Verpflichtung, aber kein rechtlicher
ist klugerweise eingeschränkt worden, nachdem die Zwang bestand, wurde die Zusammenarbeit in der
Arbeiten der Konferenz Europäischer Statistiker bei der EWG sehr viel enger und vielfach rechtsverbindlich.
ECE in Genf größere Bedeutung gewannen. Die Pro- Auf einigen Gebieten, z. B. der Lohnstatistik, wurden
duktivitätsstatistik hat von der OEEC zahlreiche An- »Verordnungen« des Rates erlassen, die unmittelbar
regungen empfangen. In letzter Zeit stehen Voraus- geltendes Recht für alle Mitgliedsstaaten schufen. Da-
schätzungen des Angebots und der Nachfrage von neben wurden vom Rat »Richtlinien« verabschiedet,
Arbeitskräften, die Entwicklung eines integrierten nach denen die nationale Gesetzgebung handeln muß.
Systems bevölkerungs- und sozialstatistischer Daten, Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften
Bildungs- und Forschungsausgaben und der Fremden- ist ähnlich wie ein nationales Statistisches Amt aufge-
verkehr auf dem Programm. baut. Es ist bemüht, die nationalen Statistiken zu
harmonisieren und zu ergänzen, um nicht nur zu ver-
Die früheren Arbeiten des Völkerbundes sind auf die
gleichbaren und für die Gemeinschaft addierbaren
Vereinten Nationen übergegangen. Der Ausschuß
Ergebnissen zu kommen, sondern darüber hinaus zu
statistischer Sachverständiger ist geblieben, aber aus
einem einheitlichen statistischen Programm für die
dem Sekretariat dieses Ausschusses wurde das Stati-
Zwecke der Gemeinschaft. Auf dem Gebiet der Wirt-
stische Amt der V e r e i n t e n N a t i o n e n . Dieses
schaftsstatistik im weitesten Sinne wird hier nahezu
Amt arbeitet weitgehend über die regionalen Unter-
das gesamte Programm der Bundesstatistik behandelt.
organisationen. Im Rahmen der »Economic
Um die ganze Breite der internationalen Zusammen-
C o m m i s s i o n for Europe« (ECE) in Genf, der die
arbeit in der Statistik anzudeuten, seien hier noch die
Bundesrepublik als Vollmitglied angehört, wurde die
ständige » K o n f e r e n z E u r o p ä i s c h e r S t a t i s t i k e r « Zentralkommission für die Rheinschiffahrt, die Donau-
gegründet. In ihr arbeiten alle europäischen Staaten kommission, der Europarat in Straßburg, der Brüsseler
aus West und Ost, zu denen die Sowjetunion gehört, Zollrat und die Europäische Verkehrsministerkonfe-
die USA, Kanada, Japan und Israel, zusammen. In renz (CEMT) genannt.
diesem Gremium sind also alle hochentwickelten Indu-
Nachdem die »amtlichen Statistiker« so zahlreiche
striestaaten vertreten, die sich als erste an den oft
Stellen der Begegnung und Zusammenarbeit gefunden
recht ehrgeizigen Plänen des Statistischen Amtes der
haben, sind die Probleme der amtlichen Statistik beim
Vereinten Nationen versuchen können.
I n t e r n a t i o n a l e n Statistischen Institut etwas in
Die Konferenz Europäischer Statistiker arbeitet prak- den Hintergrund geraten. Hier beherrscht die Entwick-
tisch auf allen Gebieten der amtlichen Statistik und hat lung der mathematischen Methoden auf allen statisti-
eher zuviel als zuwenig Probleme in Angriff genommen. schen Sachgebieten das Programm.
Die Entwicklung des Systems Volkswirtschaftlicher Ge- Erwähnt sei noch die nach dem Kriege gegründete,
samtrechnungen unter Berücksichtigung des Vergleichs aus gewählten Mitgliedern bestehende I n t e r n a t i o -
zwischen den west- und osteuropäischen Staaten mit n a l e O r g a n i s a t i o n zum S t u d i u m des V o l k s e i n -
unterschiedlichem Wirtschaftssystem, gemeinsame k o m m e n s und des V o l k s v e r m ö g e n s , die viele
Empfehlungen für die großen Volks-, und Berufszäh- Anregungen auf dem Gebiet der Volkswirtschaftlichen
lungen, die Wohnungszählungen und laufenden Woh- Gesamtrechnungen gebracht hat.
nungsstatistiken, die Statistiken des Produzierenden
Gewerbes, Binnenhandels, Gaststättengewerbes, Ver-
27. Statistik und Beobachtung der
kehrsgewerbes, die dazugehörigen Systematiken und
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
die Probleme der elektronischen Datenverarbeitung
Entwicklungen
standen neben zahlreichen anderen Fragen auf dem
Programm; neuerdings auch die Entwicklung eines Ähnlich wie die amtliche Statistik mußten auch die In-
integrierten Systems der Bevölkerungs- und Sozial- stitutionen der Wirtschaftsforschung nach dem Kriege
statistik und in diesem Zusammenhang auch die Erar- neu aufgebaut werden. Das früher beherrschende Insti-
beitung sozialer Indikatoren. tut für Wirtschaftsforschung in Berlin, das eine zu-

79
nehmende Zahl von regionalen Zweigstellen eröffnet kutiert und verabschiedet. Vorausschätzungen der
hatte, verlor diese nahezu monopolartige Stellung, Bevölkerungsentwicklung führt das Statistische Bun-
behauptete sich aber als eines der führenden Institute. desamt weitgehend in eigener Regie durch, an anderen,
Die wichtigste Zweigstelle in Essen verselbständigte z. B. der Vorausschätzung der Erwerbspersonen oder
sich. In München entstand das Ifo-Institut für Wirtschafts- Vorausschätzungen für Zwecke der Bildungsplanung,
forschung. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft, der ist es weitgehend beteiligt.
Weltwirtschaftsdienst in Hamburg und eine Reihe ande- Zukünftige Entwicklungen können nur unter bestimm-
rer wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute ten hypothetischen Annahmen vorausgeschätzt werden.
nahmen ihre Tätigkeit wieder auf. Die Festlegung dieser Hypothesen oder politischer
Der Vorschlag des damaligen Bundeswirtschaftsmini- Zielvorstellungen ist jedoch keine Aufgabe des Stati-
sters Ludwig Erhard, wieder wie in den Zeiten Wage- stikers mehr, sondern der politisch geprägten Instan-
manns ein zentrales Institut für Wirtschaftsbeobachtung zen. Dem Statistiker fällt dabei die Rolle zu, darauf zu
in Personalunion mit dem Leiter des Statistischen Bun- achten, daß die politisch bedingten Wunsch- und Ziel-
desamtes zu errichten, wurde nicht verwirklicht. Der vorstellungen im Rahmen des möglich Erscheinenden
Verfasser als der damalige Präsident des Bundesamtes bleiben.
hielt eine solche Verbindung nicht für glücklich. Ein
Neben der Beobachtung der wirtschaftlichen und sozia-
Wirtschaftsforschungsinstitut muß unabhängig und in
len Verhältnisse hat die wissenschaftliche Durchdrin-
der Lage sein, auch die Wirtschaftspolitik der Regierung
gung der Bevölkerungsentwicklung an Bedeutung ge-
zu kritisieren, was bei einer Behörde immer zu Schwie-
wonnen. Ein eigenes mit dem Bundesamt in Verwal-
rigkeiten führen würde. Auch die haushalts- und perso-
tungsgemeinschaft verbundenes Institut für Bevölke-
nalrechtlichen Probleme, die früher zur Trennung ge-
rungsforschung ist in der Gründung begriffen.
führthatten und die in ähnlicher Art beim Ifo-Institut auf-
traten, solange eine enge Verquickung mit dem Baye-
rischen Statistischen Landesamt bestand, ließen die C. Zusammenfassende Darstellung des
Verbindung nicht für zweckmäßig erscheinen. in der Bundesrepublik erreichten
Um-den entstandenen Pluralismus der Institute etwas zu statistischen Programms
überbrücken, wurde die »Arbeitsgemeinschaft wirt-
schaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute« gegrün- Da es von Anfang an das erklärte Ziel des Statistischen
det, der auch das Statistische Bundesamt angehört. Bundesamtes war, zu einem statistischen Gesamtbild
Als wichtigste Leistung der Arbeitsgemeinschaft ist der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur und des
die sogenannte »Gemeinschaftsdiagnose« der Wirt- Wirtschaftsablaufs zu kommen (vgl. S. 54), soll in der
schaftslage durch die wichtigsten Institute anzusehen. zusammenfassenden Darstellung des Zeitabschnittes
Ferner wurde beim Statistischen Bundesamt ein Arbeits- nach dem zweiten Weltkrieg kurz gezeigt werden,
kreis der Institute eingerichtet, in dem die Fortentwick- inwieweit dieses Ziel eines Geamtbildes bisher verwirk-
lung des statistischen Instrumentariums für die Zwecke licht werden konnte. Abweichend von den Zusammen-
der Wirtschaftsbeobachtung erörtert wird. fassungen für die früheren Zeitabschnitte soll dabei von
den zu messenden Sachverhalten und nicht von den
Neben den privaten Instituten beobachten und analy- einzelnen statistischen Sachgebieten ausgegangen
sieren nach dem Kriege auch die wichtigsten Bundes- werden.
ministerien und die Deutsche Bundesbank die Entwick-
Jedes Gesamtbild der Wirtschafts- und Gesellschafts-
lung auf ihren Gebieten und geben Lageberichte her-
struktur muß von den Menschen, also von der Be-
aus. Als Beispiele seien hier der Jahreswirtschafts-
v ö l k e r u n g ausgehen. Die durch mehrere Volkszäh-
bericht, der Finanzbericht, der Grüne Bericht, der
lungen ermittelte B e v ö l k e r u n g s z a h l konnte durch
Sozialbericht, der Raumordnungsbericht, der Bericht
Verbesserungen der Statistiken der Geburten und
über die Lage der Frauen genannt. Daneben arbeiten
Sterbefälle und vor allem der Wanderungsstatistik
Bundesinstitute, z. B. auf dem Gebiet der Arbeitsmarkt-
laufend fortgeschrieben werden. Fortschreibungsdaten
forschung, der Raumordnung, über Agrarfragen usw.
im Verein mit dem Mikrozensus erlaubten es, auch die
Für alle diese Arbeiten liefert das Statistische Bundes-
Altersstruktur der Bevölkerung, gegliedert nach dem
amt wesentliches Tatsachenmaterial und führt Sonder-
Geschlecht und dem Familienstand, evident zu halten.
berechnungen durch. Sehr eng ist auch die Mitarbeit
Der Altersaufbau der Bevölkerung ist ein sehr bedeuten-
beim 1964 gegründeten »Sachverständigenrat zur
des Merkmal der Gesellschaftsstruktur. Der laufende
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwick-
statistische Nachweis der Altersstruktur erlaubt es,
lung«, dessen Geschäftsführung beim Statistischen
drei wichtige Bevölkerungsgruppen zu unterscheiden:
Bundesamt liegt.
Alle mit der Wirtschafts- und Gesellschaftsbeobachtung a) die Kinder, Jugendlichen und noch in der Aus-
befaßten Stellen bemühen sich um die Prognose zu- bildung befindlichen Personen,
künftiger Entwicklungen. Die Statistik liefert hierfür das b) die Erwerbstätigen und die im erwerbsfähigen
Ausgangsmaterial und die Kenntnis der Entwicklungen Alterstehenden Personen,
in der Vergangenheit. Vorausschätzungen der Entwick- c) die alten Leute.
lung des Sozialprodukts mußten bereits für den Mar- Das statistische Bild der ersten Gruppe ist in vieler
shallplan geliefert werden. Seit jener Zeit führt der Hinsicht verbessert und vervollständigt worden. Der
Präsident des Statistischen Bundesamtes den Vorsitz in Zugang, also vor allem die Geburtenstatistik, wurde
einem interministeriellen Arbeitskreis für gesamtwirt- durch Daten über das Heiratsalter der Eltern und die
schaftliche Vorausschätzungen, in dem auch die Geburtenfolge intensiviert, wodurch bessere Unter-
Bundesbank und einige Institute mitwirken. In diesem lagen für die Vorausschätzung der Bevölkerungsent-
Arbeitskreis werden die Vorausschätzungen, die das wicklung gewonnen wurden, zu denen auch die Sterbe-
Bundeswirtschafts- und Finanzministerium vorlegt, dis- tafeln, Heiratstafeln usw. gehören.

80
Der Mikrozensus hat einige Sonderprobleme dieser langer Jahre seines Lebens steht für den einzelnen
Altersgruppe klären helfen (z. B. die sogenannten Menschen die Erwerbstätigkeit im Vordergrund. In
Schlüsselkinder). In gleicher Richtung wirkte der Einbau Anlehnung an die von den Volkswirtschaftlichen Ge-
von Altersgliederungen in zahlreiche Statistiken. samtrechnungen geschaffenen Denkkategorien läßt
sich das statistische Bild der Wirtschaftsstruktur und
Die erheblich verbesserte Schulstatistik im weitesten
Sinne gibt Auskunft, wie viele Jugendliche sich in den all- des Wirtschaftsablaufs in drei Komplexe gliedern:
gemeinbildenden Schulen und in den Schulen zur Be- a) die Produktionsgrundlagen, die Produktionsvor-
rufsausbildung befinden. Die Hochschulstatistik ist gänge und die Produktionsergebnisse 19) (oder das
dabei als erste zu einer »Verlaufsstatistik« geworden, Angebot an Gütern),
die nicht nur Veränderungen durch den statischen b) die Entstehung, Verteilung und Verwendung der
Vergleich zweier Zeitpunkte messen kann (Saldo- Einkommen,
veränderungen), sondern die Zugänge und Abgänge c) Verbrauch, Investitionen und der Außenbeitrag
und die Gründe hierfür über den ganzen Zeitraum (oder die Nachfrage nach Gütern).
hinweg nachweisen kann. Damit ist der erste Schritt Als vierter Komplex, der besonders in die Gruppen a)
in Hinblick auf ein integriertes System der Bevölke- und c) hinübergreift, sei hier aufgeführt
rungs- und Sozialstatistik, das zu einem wesentlichen d) Preise.
Teil auch aus Verlaufsstatistiken bestehen wird, getan.
Zu den statistischen Daten über die P r o d u k t i o n s -
Die zweite Bevölkerungsgruppe der im erwerbsfähigen
g r u n d l a g e n gehört von alters her der alle 10 Jahre
Alter stehenden Personen steht im Brennpunkt der Be-
durch die Arbeitsstättenzählungen gewonnene Über-
rufszählungen, die über die Art der wirtschaftlichen
blick über die Arbeitsstätten (als örtliche Einheiten),
Tätigkeit, die soziale Stellung und die individuelle Be-
die Unternehmen und in zunehmendem Maße auch
rufstätigkeit Auskunft geben. Auch hier hat der Mikro-
über fachliche Unternehmensteile. Ergänzend hierzu
zensus erlaubt, das früher nur in großen Zeitabständen
sind laufende Statistiken, insbesondere in der Land-
vorliegende Bild in den großen Linien auf dem laufen-
wirtschaft, in Industrie und Handwerk so ausgebaut
den zu erhalten. Erwähnt sei auch die allgemeine
worden, daß sie Veränderungen in der Zahl der wirt-
Arbeitsstättenzählung mit ihrem Gesamtüberblick über
schaftenden Einheiten kurzfristiger erkennen lassen.
die Beschäftigten. Die Statistiken über die Erwerbs-
Konsequent ist das »Unternehmen« als Erhebungs-
tätigkeit aus den genannten Quellen werden durch
und Darstellungseinheit neben den »Betrieben« oder
zahlreiche kurzfristige Statistiken über die Beschäf-
neben reinen Leistungsnachweisen (z. B. im Verkehrs-
tigung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen und im
wesen) zur Geltung gebracht worden. Die »Unter-
öffentlichen Bereich ergänzt.
nehmen« bilden gewissermaßen die Zellen des Wirt-
Die dritte Bevölkerungsgruppe der »alten Leute«, schaftskörpers, für die alle Vorgänge nachgewiesen
also der Rentenempfänger und Pensionäre, der Sozial- werden können. Auch die »Sektoren« der Volkswirt-
hilfeempfänger usw. ist gleichfalls auf den verschie- schaftlichen Gesamtrechnungen sind als Summen von
densten Wegen statistisch dargestellt worden. Unternehmen gebildet.
Bei den hier kurz skizzierten statistischen Nachwei- Der Zahl der wirtschaftenden Einheiten wird durch
sungen zur Bevölkerungsstruktur liegt das Schwerge- weitere Merkmale, wie Rechtsform oder Betriebsform
wicht auf der Ausbildung, der Erwerbstätigkeit und den und vor allem durch Gliederungen nach der Größe ein
Unterhaltsquellen. Hierfür liegt zweifellos das reich- stärkerer Aussagewert verliehen. In dieser Richtung
haltigste statistische Material vor, besonders wenn ist manches geschehen. So sind z. B. im Produzierenden
man die zahlreichen, wenn auch immer noch unvoll- Gewerbe zu der überkommenen Größengliederung
ständigen statistischen Informationen über die Ein- nach der Zahl der Beschäftigten Größenklassen nach
kommens· und Verbrauchsverhältnisse der Bevölke- dem Umsatz und dem Nettoproduktionswert gebildet
rung mit heranzieht. Daneben dürfen aber andere worden.
Aspekte der Gesellschaftsstruktur nicht übersehen wer-
Zu den Produktionsgrundlagen gehören die Produk-
den. Die Statistik der Bundestagswahlen gibt Einblick
tionsfaktoren »Kapital« und »Arbeit«. Die unternehme-
in die politische Denkweise der Bevölkerung. Die Straf-
rische Leistung entzieht sich der unmittelbaren statisti-
verfolgungsstatistik und zum Teil auch die Fürsorge- schen Erfassung. Die zahlreichen Statistiken der Be-
statistik beleuchtet asoziale Verhaltensweisen. Die schäftigung — also des Faktors »Arbeit« — sind schon
Lebensgewohnheiten der Bevölkerung ergeben sich im Zusammenhang mit der Bevölkerungs- und Er-
teils aus den Wohnungsstatistiken, teils aus der Ein- werbstätigkeitsstatistik genannt worden. Die Erfassung
kommens- und Verbrauchsstichprobe; Sonderpro- des »Kapitals«, also der Sachanlagen und der Vorräte,
bleme, wie z. B. Urlaubs- und Erholungsreisen sind ist weit schwieriger, sie ist aber nach dem Kriege auf
vom Mikrozensus untersucht worden. All dies sind zwei- vielen Gebieten vorangekommen. Wenn man von den
fellos nur Bruchstücke, aber die generelle Unter- wertmäßigen Nachweisen in den Bilanz-, Einheitswert-
suchung der Freizeitgestaltung gehört — es sei erlaubt und Steuerstatistiken absieht, konnten die Bestände
zu sagen glücklicherweise — nicht oder noch nicht zum an Sachanlagen nur auf Teilgebieten erhoben werden
Aufgabenbereich der amtlichen Statistik. Schließlich (Gebäude, Maschinenbestände in der Landwirtschaft,
liegen schon umfassende Informationen über die Alters- im Baugewerbe, Kraftfahrzeuge und andere Verkehrs-
sicherung und die Sicherung gegen Krankheit, Unfall mittel usw.). Große Fortschritte wurden jedoch bei den
und bei Frühinvalidität vor. Z u g ä n g e n und A b g ä n g e n von Sachanlagen erzielt,
also bei der Statistik der Investitionen (einschließlich
Wenden wir uns nun vom statistischen Bild der Bevöl-
kerung den Nachweisen über die W i rtschaftsvor- " ) Vgl. hierzu: Die statistische Erfassung der Produktionsgrund-
lagen— Vorgänge und Ergebnisse in den Bereichen der Wirtschaft,
g ä n g e zu. Das Bild der Bevölkerung ist immer eng Statistik der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 233, Stand 1959.
mit der Wirtschaftsstatistik verknüpft, denn während Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz.

81
der Vorräte). Auf dieser Basis konnte der Wert des ge- Die Statistiken der Produktionsgrundlagen, Produk-
samten reproduzierbaren Anlagevermögens schät- tionsvorgänge und Produktionsergebnisse waren schon
zungsweise berechnet werden. in früheren Zeitabschnitten der deutschen Statistik
relativ gut entwickelt. Neben der Erweiterung dieser
Die statistisch zu erfassenden P r o d u k t i o n s v o r -
Statistiken auf möglichst viele Wirtschaftsbereiche ver-
g ä n g e entsprechen der Aufwandsseite eines Pro-
langte das angestrebte Gesamtbild des Wirtschafts-
duktionskontos, wie es in den Volkswirtschaftlichen
ablaufs vor allem eine bessere statistische Durchleuch-
Gesamtrechnungen nachgewiesen wird. Das vollstän-
tung der übrigen weiter oben genannten statistischen
digste und am tiefsten gegliederte Bild aller Aufwands-
Komplexe.
posten liefert — auf Stichprobenbasis — die Kosten-
strukturstatistik. Die beiden größten Aufwandsposten Die Statistik der E i n k o m m e n beschränkte sich
bilden zunächst der Materialverbrauch und die Löhne früher auf die Einkommen- und Lohnsteuerstatistiken,
und Gehälter, also die Kosten des Faktors »Arbeit«. aus denen die personelle Verteilung der Einkommen
Die Material- und Wareneinkäufe, die vor allem auch — soweit sie steuerpflichtig waren — und gewisse Hin-
für den Nachweis des Nettoproduktionswertes ge- weise auf die Herkunft der Einkommen ersehen werden
braucht werden, sind in der Industrie zuerst in sehr konnten. Die unter Benutzung aller Produktionssta-
großen Zeitabständen erhoben worden, dann in Zu- tistiken aufgebauten Nachweise der Entstehung des
sammenhang mit Anforderungen der EWG mit dem Sozialprodukts liefern nunmehr einen besseren Über-
sogenannten Industrie-Zensus verbunden und auf kür- blick über die in den einzelnen Wirtschaftsbereichen
zere Intervalle gebracht worden. Für den Handel entstehenden Einkommen (aus unselbständiger Arbeit
konnten jährliche Meßzahlen des Wareneingangs ein- und aus Unternehmertätigkeit und Vermögen). Das
geführt werden. Bild der Umverteilung der Einkommen (vor allem durch
Die Löhne, Gehälter und sonstigen Personalkosten, den Staat und die Sozialversicherungen) wurde syste-
also der zweite große Aufwandsposten, konnte — als matisch ausgebaut. Hier helfen die Finanz- und Steuer-
Lohnsumme — über zahlreiche Bereichsstatistiken, statistiken.
neuerdings auch über die Arbeitsstättenzählung und Als wichtigster Fortschritt hinsichtlich der personellen
über laufende Berichterstattungen statistisch erfaßt und Einkommensverteilung und der Verwendung der Ein-
durch Angaben über geleistete oder bezahlte Arbeits- kommen für den Verbrauch und die Ersparnis ist die
zeiten ergänzt werden. Die Lohnstatistiken (Effektiv- Tatsache anzusehen, daß das Tabu der Frage nach den
löhne und -gehälter, Tariflöhne, Nebenkosten) ver- Einkommen in Zusammenhang mit statistischen Erhe-
vollständigen das Bild. bungen gebrochen werden konnte. Den Einkommen-
und Lohnsteuerstatistiken fehlten die kleinen, ein großer
Der statistische Nachweis des P r o d u k t i o n s e r g e b -
Teil der landwirtschaftlichen und die nicht steuerpflich-
nisses, also der mengen- und wertmäßigen Produk-
tigen Einkommen (Sozialversicherungsrenten), und sie
tion von Waren und Dienstleistungen, wurde für eine
konnten keine Aussagen über das Haushalts- und
wachsende Zahl von Wirtschaftsbereichen erbracht.
Familieneinkommen machen, das oft für die Lebens-
Zu diesen Produktionsstatistiken sind auch die Umsatz-
haltung entscheidend ist. Auch wenn man sich zunächst
statistiken zu zählen, in denen die an andere Unter-
mit der Zuordnung zu vorgegebenen Einkommens-
nehmen oder Verbraucher verkauften Waren und
gruppen zufriedengeben mußte, ist es über Mikro-
Leistungen sichtbar werden. Die Unterlagen für die
zensusbefragungen, Wohnungsstichproben bis hin zur
Schätzung der landwirtschaftlichen Produktion wurden Volkszählung 1970 doch gelungen, die Einkommens-
verbessert. Die kurzfristigen Berichterstattungen für höhe als eines der wichtigsten Merkmale der sozialen
die Industrie, das Baugewerbe, das Handwerk, das Gliederung zu erfassen. Die Einkommens- und Ver-
Verkehrswesen, den Einzelhandel und Großhandel, das brauchsstichproben haben darüber hinausgehende
Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe bringen lau- genauere Angaben über das Einkommen und die
fend Umsatz- und Produktionsmeldungen, wozu z. B. Ersparnis gebracht.
auch der Rohertrag im Handel,dietonnenkilometrischen
Leistungen aller Verkehrsträger, die Fremdenmeldun- Im Gesamtbild der Einkommen werden die Einkommen
gen und Übernachtungen oder auch das Mietauf- aus unselbständiger Arbeit, also die Löhne und Ge-
kommen im Wohnungswesen gehören. Die Umsatz- hälter, sehr viel genauer durchleuchtet als die Ein-
steuerstatistik kann in diesem Sinne als die umfassendste kommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen,
Statistik der »Produktionsergebnisse« angesehen wer- was zu dem Wort von den »gläsernen Taschen der
den. Für den Bereich des Produzierenden Gewerbes Arbeitnehmer« geführt hat. Man darf allerdings nicht
kann mit Hilfe des »Industriezensus« im Rahmen der übersehen, daß die Erfassung der Einkommen aus
EWG neben der Bruttoproduktion durch Abzug des Unternehmertätigkeit und Vermögen methodisch sehr
Materialverbrauchs auch die Nettoproduktion nach- viel schwierigere Probleme aufwirft und zumindest die
gewiesen werden. Mit Hilfe dieses Begriffs sind die größeren Einkommen dieser Art vollständig in den
wirtschaftspolitisch wichtigen Berechnungen der Pro- Steuerstatistiken erscheinen. Die laufenden Verdienst-
duktivität, d. h. der Produktionsergebnisse (netto) je statistiken sind durch Berechnungen der tariflichen
Beschäftigten, je Arbeiter und je Arbeiterstunde auf- Löhne und Gehälter ergänzt worden, und die in
genommen worden, die im Nachweis der gesamt- mehrjährlichen Abständen vorgenommenen Lohn-
wirtschaftlichen Produktivität in den Volkswirtschaft- strukturerhebungen erlauben den Nachweis der Streu-
lichen Gesamtrechnungen gipfeln. ung oder Schichtung der Lohn- und Gehaltseinkommen.
Die ständig verbesserten und erweiterten Statistiken Auch wenn auf dem Wege zum Gesamtbild der
des Auftragseingangs und neuerdings auch der Auf- Einkommen manche Fortschritte gemacht worden sind,
tragsbestände — also der zukünftigen Umsätze — so blieben doch noch gewichtige Lücken, z. B. die Auf-
sind ein wichtiger Konjunkturindikator geworden. teilung der dem Gesamtbetrag nach bekannten Ren-

82
ten- und Sozialleistungen in ihrer Zuordnung auf ein- tionsstatistiken. Die Ausfuhr spiegelt die Nachfrage
zelne Empfänger oder Haushalte. Eine einmalige aus dem Ausland wider und stellt damit vom Stand-
Stichprobenerhebung hat gezeigt, wie komplex dieses punkt der deutschen Volkswirtschaft eine Form der
Problem ist, da nicht nur Renten aus verschiedenen letzten Verwendung von Gütern dar. Ein wichtiger
Quellen bei einer Person oder einem Haushalt zu- Beitrag der Außenhandelsstatistik zum Gesamtbild sind
sammenfließen, sondern diese Renteneinkommen auch die Bemühungen um den Ausbau der Warensyste-
vielfach mit Arbeitseinkommen usw. zusammenfallen. matiken in einer Weise, die die Zusammenfügung mit
Der Mikrozensus, die Wohnungsstichproben und die den Produktionsstatistiken erlaubt.
Einkommens- und Verbrauchsstichprobe haben mit
der Erfassung der Haushaltseinkommen aus allen Daß beim Aufbau der P r e i s s t a t i s t i k der Blick stets
Quellen einen Teil dieser Problematik gelöst. auf das Gesamtbild gerichtet war, ist im Abschnitt
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß das vielfach über die Preisstatistik (II. B. 24) zusammenfassend dar-
im Brennpunkt der sozialpolitischen Wünsche und gelegt worden und braucht hier nicht wiederholt
Interessen stehende statistische Bild der V e r m ö g e n s - zu werden.
b i l d u n g und V e r m ö g e n s v e r t e i l u n g über An- Auch die Krönung des angestrebten Gesamtbildes des
fänge noch nicht hinausgekommen ist. Die Vermögen- Wirtschaftsablaufs durch die Aufstellung V o l k s w i r t -
steuerstatistik bleibt wegen der Bewertungsfragen und s c h a f t l i c h e r G e s a m t r e c h n u n g e n , deren Aufbau
der relativ hohen Freigrenzen unbefriedigend, da die im Abschnitt II. B. 24 beschrieben wurde, sei hier nur
naturgemäß verhältnismäßig bescheidenen angespar- noch einmal hervorgehoben.
ten Vermögen der Arbeitnehmer, um die es sozial-
politisch geht, unter diese Freigrenzen fallen. Erheb- Wenn für den letzten Zeitabschnitt der hier behandelten
liche Fortschritte in der Vermögenserfragung sind mit 100 Jahre die Entwicklung der Gesamtschau als das
der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe eingeleitet wesentlich Neue in den Vordergrund gerückt wurde,
worden. Alle diese Versuche haben das Eigentum an so darf darüber nicht vergessen werden, daß die alten
materiellen Gütern im Auge. Das Problem des stati- Aufgaben der amtlichen Statistik ihre Bedeutung nicht
stischen Nachweises des »geistigen Kapitals« ist bisher verloren haben. In allen Zeitabschnitten mußte die
nur über Fragen nach dem Ausbildungsstand berührt amtliche Statistik Unterlagen für die Vorbereitung
worden. oder die Kontrolle gesetzlicher Maßnahmen liefern.
Die großen Strukturerhebungen der Volks-, Berufs-,
Die Statistiken der Nachfrage, also der l e t z t e n Ver-
Betriebs- und Arbeitsstättenzählungen, die vor dem
w e n d u n g aller Güter und Dienstleistungen durch
ersten Weltkrieg das Programm der Reichsstatistik
die privaten Haushalte, die Organisationen ohne Er-
weitgehend bestimmten, werden heute ebenso ge-
werbscharakter, den Staat und die Investoren, sind
braucht wie alle in der Zeit zwischen den beiden
systematisch ausgebaut worden. Zu nennen sind die
Weltkriegen entwickelten Indikatoren zur kurzfristi-
Einkommens- und Verbrauchsstichproben, die Woh-
gen Beobachtung der Bevölkerungs- und Wirtschafts-
nungszählungen, die Statistik der öffentlichen Haus-
entwicklung. In der Zeit nach dem zweiten Weltkriege
halte, der Verbrauchssteuern und die Statistik der
ist die Wirtschafts- und Währungspolitik sehr viel
Investitionen. Der zweite Weg, den Verbrauch global
stärker als früher auf wirtschaftstheoretische Über-
aus Produktion + Einfuhr — Ausfuhr zu berechnen,
legungen gestützt worden. Das Stabilitätsgesetz ver-
ist insbesondere durch eine bessere Vergleichbarkeit
langt schließlich eine Globalsteuerung, also die Beein-
und bessere Möglichkeiten der Zusammenfügung der
flussung der wichtigsten globalen Größen wie Be-
in den einschlägigen Warensystematiken nachgewie-
schäftigung, Wachstum, Einkommensentwicklung, Zah-
senen Positionen geebnet worden.
lungsbilanz, Preise usw. Für diesen neuen Stil der
Hierseidie Statistik des A u ß e n h a n d e l s erwähnt. Politik hat die amtliche Statistik mit dem Blick auf das
Die Einfuhr ergänzt das Angebot aus der inländischen Gesamtbild die adäquaten statistischen Instrumente
Produktion und rückt damit in die Nähe der Produk- geliefert.

83
Tabellenteil

Lange Reihen
für das Deutsche Reich
und die Bundesrepublik Deutschland
Erläuterungen
Α . Auswahl der heutigen Bundesrepublik umgerechnet werden
Die Tabellen sollen einen möglichst langfristigen Über- können (was bei einigen regional aufgegliederten
blick über die zahlenmäßig erfaßten Tatbestände aus Zählungsergebnissen möglich ist), so ist immer noch
dem wirtschaftlichen und sozialen Leben vermitteln. kein voller Vergleich möglich, da die Bevölkerungs-
Es sind deshalb vor allem Angaben aus statistischen und Wirtschaftsstruktur der Bundesrepublik durch die
Erhebungen zusammengestellt worden, die schon seit großen Verschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg
mehreren Jahrzehnten zum Arbeitsprogramm der amt- eine wesentlich andere als die der entsprechenden Ge-
lichen Statistik gehören. In verschiedenen Fällen reichen biete des früheren Deutschen Reiches ist. Durch die
die Daten über einen Zeitraum von 100 und mehr Bildung von Gliederungs- und Beziehungszahlen (Pro-
Jahren zurück. zentangaben, Pro-Kopf-Berechnungen usw.) lassen sich
Ergänzend hierzu wurden auch einige Übersichten mit jedoch wertvolle Erkenntnisse über langfristige Ent-
Angaben aufgenommen, für die nur Material aus der wicklungen aus den dargebotenen Reihen gewinnen.
Zeit des Zweiten Weltkrieges vorliegt. Es handelt sich Beim Nachweis von Zahlen für das Reichsgebiet
um eine begrenzte Zahl von Nachweisungen, die als handelt es sich immer um den jeweiligen Gebietsstand,
Unterlage für die allgemeine Bevölkerungs- und Wirt- mit Ausnahme der Jahre ab 1938, für die — wie in den
schaftsbeobachtung von Interesse sind, und die immer- Fußnoten ausdrücklich vermerkt — stets der Stand vom
hin auch schon eine Spanne bis zu 20 Jahren umfassen. 31. 12. 1937 zugrunde gelegt ist.
Falls in den Angaben für das B u n d e s g e b i e t — vor
Der Beginn der Reihen deckt sich nicht immer mit dem
allem in der Zeit von 1946 bis 1959 — das Saarland und
Einführungsjahr der jeweiligen Erhebung, weil manche
Berlin (West) wegen fehlender statistischer Unterlagen
Statistiken bis zur »Veröffentlichungsreife« eine ge-
nicht enthalten sind, so ist dies ebenfalls in Fußnoten
wisse Anlaufzeit benötigen.
vermerkt. Die Tabelle auf Seite 90 enthält ausführliche
Bei j ä h r l i c h e n Erhebungen sind für die Zeit der Bevölkerungszahlen, darunter auch solche für das
beiden Weltkriege und die darauffolgenden Jahre bis Bundesgebiet ohne Saarland und/oder ohne Berlin
zur jeweiligen Währungsstabilisierung meist keine (West), mit denen die Berechnung von Bezugsgrößen er-
brauchbaren Zahlen vorhanden. Es treten deshalb leichtert wird.
Lücken in den Reihen auf. Bei Z ä h l u n g e n , die nur 2. M e t h o d e n
in größeren Zeitabständen durchgeführt werden, liegen Störungen im Zeitvergleich ergeben sich auch in sach-
zwischen den Angaben mehr oder minder regelmäßige licher Hinsicht. Bei vielen Statistiken haben sich im
Intervalle. Laufe der Jahrzehnte Fragestellung, Begriffsabgren-
zung, systematische Gruppierungen, Erhebungstechnik
B. Gliederung
usw. so geändert, daß die Ergebnisse oft nur bedingt
Die Tabellen sind *in die aus den Statistischen Jahr- vergleichbar sind.
büchern und sonstigen Querschnittsveröffentlichungen
Bei der Auswahl des Materials wurde zwar darauf ge-
gewohnten Sachkapitel eingeordnet worden. Der Um-
achtet, inhaltlich voll oder zumindest annähernd über-
fang der Kapitel hängt davon ab, wieviel Angaben aus
einstimmendes Zahlenmaterial zusammenzustellen. In
zurückliegender Zeit zusammengetragen werden konn-
vielen Fällen, die in den Vorbemerkungen zu den ein-
ten. Für bereits seit langem eingeführte statistische Er-
zelnen Kapiteln oder in Anmerkungen zu den Tabellen
hebungen, wie ζ. B. aus den Bereichen Bevölkerung,
näher erläutert sind, mußte jedoch ein mehr oder
Landwirtschaft oder Außenhandel, ist das Material
minder großer methodischer Bruch in Kauf genommen
naturgemäß reichhaltiger als bei vielen Wirtschafts-
werden.
statistiken, weil letztere zumeist erst in neuerer Zeit in
das Arbeitsprogramm der amtlichen Statistik aufge- 3. W e r t a n g a b e n
nommen wurden. Eine weitere Beeinträchtigung des Vergleichs resultiert
aus den Veränderungen im Geldwert. Die in den Ta-
Den Kapiteln sind kurzgefaßte Vorbemerkungen vor-
bellen vorkommenden Wertangaben können zumin-
angestellt, in denen zunächst einige allgemeine Erläu-
dest auf einigen wichtigen Gebieten mit Hilfe der nach-
terungen über den Beginn der statistischen Nach-
gewiesenen Preisindices deflationiert und damit in
weisungen, ihre methodischen Grundlagen sowie über
Änderungen in den Erhebungskonzepten gegeben wer- ihrer Aussage korrigiert werden. Anhaltspunkte für
den. Darüber hinaus werden die wichtigsten Begriffe die allgemeine Preisentwicklung lassen sich — wenn
erläutert. auch mit Einschränkungen — außerdem aus dem
Vergleich der nominalen mit der realen Sozialpro-
C. Vergleichbarkeit duktsentwicklung gewinnen.
Lange Reihen können nur mit Vorbehalten und Ein- D. Q u e l l e n
schränkungen gebildet werden. Bei der Beurteilung der Die Angaben stammen zum größten Teil aus den Er-
hier nachgewiesenen Zahlen ist deshalb insbesondere hebungen der Statistischen Ämter. In verschiedenen
folgendes zu beachten: Fällen sind auch Unterlagen anderer amtlicher oder
1. G e b i e t nichtamtlicher Stellen herangezogen worden. Es han-
Die in den Tabellen enthaltenen Angaben beziehen delt sich grundsätzlich um bereits gedruckt vorliegende
sich bis 1945 im allgemeinen auf das Deutsche Reich Ergebnisse. Nur ausnahmsweise sind in einzelnen
und danach auf die Bundesrepublik Deutschland. Die Tabellen Gruppierungen vorgenommen worden, die
absoluten Zahlen sind somit wegen der unterschied- in dieser Form noch nicht veröffentlicht vorliegen.
lichen regionalen Abgrenzung nicht miteinander ver- Näheres über das verwendete Material ergibt sich aus
gleichbar. Selbst wenn frühere Zahlen auf das Gebiet dem Quellennachweis auf Seite 271.

87
Abkürzungen

Maßeinheiten

St = Stück I = Liter
Mill = Million hl = Hektoliter
Mrd = Milliarde BRT = Bruttoregistertonne
Μ = Mark NRT = Ν etto registerton ne
RM = Reichsmark g = Gramm
DM = Deutsche Mark kg = Kilogramm
Rpf = Reichspfennig dz = Doppelzentner
Pf = Pfennig t = Tonne
ha = Hektar Std = Stunde
km = Kilometer tkm = Tonnenkilometer
qkm = Quadratkilometer kW = Kilowatt
cbm = Kubikmeter kWh = Kilowattstunde

Sonstige A b k ü r z u n g e n

Vj. = Vierteljahr a.n.g. = anderweitig nicht genannt


Hj. = Halbjahr cif = cost, insurance, freight; Kosten,
Rj. = Rechnungsjahr Versicherungen und Fracht inbegriffen
D = Durchschnitt fob = free on board; frei an Bord
M D = Monatsdurchschnitt
JD = Jahresdurchschnitt

Zeichenerklärung

- = nichts vorhanden
0 = mehr als nichts, aber weniger als
die Hälfte der kleinsten Einheit, die
in der Tabelle zur Darstellung
gebracht werden kann
. = kein Nachweis vorhanden
. . . = Angaben fallen später an

88
I. Gebiet und Bevölkerung

Vorbemerkung

Allgemeines

Nach der territorialen Neuordnung der Nachfolgestaaten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation auf
dem Wiener Kongreß wurde 1816 erstmals in Preußen innerhalb der neuen Grenzen eine Volkszählung
durchgeführt. Die anderen Länder des Deutschen Bundes führten in der Folgezeit Volkszählungen durch, deren
Ergebnisse jedoch wegen der unterschiedlichen Erhebungszeitpunkte und der unterschiedlichen Abgrenzung der
Merkmale kaum untereinander vergleichbar sind. Erst mit der Schaffung des Norddeutschen Zollvereins 1834
wurde im größten Teil des späteren Deutschen Reichs eine größere Einheitlichkeit des Vorqehens erreicht. Von
da an fand bis 1867 alle drei Jahre Anfang Dezember eine Volkszählung in den Mitgliedsländern des Zoll-
vereins statt. Die übrigen deutschen Länder schlossen sich diesem Verfahren erst 1867 an, so daß am 3. Dezember
dieses Jahres erstmals in allen deutschen Ländern zum gleichen Zeitpunkt gezählt wurde. Die nächste Volks-
zählung erfolgte dann nach der Reichsgründung, am 1. Dezember 1871. Vom 1. Dezember 1875 an wurden
Volkszählungen im Fünf-Jahres-Turnus durchgeführt. Die letzte Zählung vor dem Ersten Weltkrieg war am
1. Dezember 1910. Danach vergingen fast 15 Jahre, bis am 16. Juni 1925 wieder eine das gesamte damalige
Reichsgebiet umfassende Volkszählung stattfinden konnte. Eine vorher — im Oktober 1919 — durchgeführte
Zählung hatte, da die Verhältnisse noch nicht wieder konsolidiert waren, nur behelfsmäßigen Charakter. Der
mit der Zählung 1925 wieder angestrebte Fünf-Jahres-Rh/thmus konnte infolge der Weltwirtschaftskrise nicht
eingehalten werden. So fand die nächste Zählung erst acht Jahre später am 16. Juni 1933 statt, der im Abstand von
sechs Jahren am 19. Mai 1939 die letzte Zählung vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges folgte. Die nächste
Volkszählung, die am 29. Oktober 1946 auf Anordnung der Besatzungsmächte durchgeführt wurde, konnte aus
den gleichen Gründen wie die von 1919 die normalerweise geforderten Ansprüche nicht erfüllen, war aber für die
Bewältigung der damaligen Notsituation von großer Bedeutung. Es war die letzte Zählung, die mit einem ein-
heitlichen Erhebungsprogramm in den vier Besatzungszonen gleichzeitig stattfand. Ihr folgte am 13. September
1950 die erste Volkszählung im Bundesgebiet. Weitere Volkszählungen im Abstand von etwa zehn Jahren
fanden am 6. Juni 1961 und am 27. Mai 1970 statt.

Erläuterungen zu den T a b e l l e n

Die Zählungen vor dem 3. Dezember 1867 hatten nicht immer einen einheitlichen Bevölkerungsbegriff. In den
durch Zollverträge miteinander verbundenen Ländern wurde zwischen 1834 und 1867 die sog. Zollabrech-
nungsbevölkerung festgestellt. Es handelt sich hierbei im wesentlichen um die dauernd wohnhafte Be-
völkerung. Dieser Bevölkerungsbegriff wurde 1863 dahingehend präzisiert, daß Personen, die länger als ein
Jahr abwesend waren, nicht zur Zollabrechnungsbevölkerung gezählt wurden. Bei der Zählung 1867 wurde
daneben erstmals auch die ortsanwesende Bevölkerung festgestellt, d.h. alle Personen, die sich zum
Stichtag der Zählung im Zählungsgebiet aufhielten. Dieser Bevölkerungsbegriff stand in der Folgezeit im Vorder-
grund. Im Kaiserreich wurde die ortsanwesende Bevölkerung allein als maßgeblich nachgewiesen. Bei der
Zählung 1925 wurde erstmals der Begriff der Wohnbevölkerung verwendet, der in etwa an den Bevölkerungs-
begriff zwischen 1834 und 1867 anschließt. Zur Wohnbevölkerung zählten alle Personen, die am Zählungsstichtag
im Zählungsgebiet ihren ständigen Wohnsitz hatten, einschl. der vorübergehend Abwesenden sowie ausschließ-
lich der vorübergehend Anwesenden. Personen mit mehreren Wohnsitzen wurden an dem Ort zur Bevölkerung
gezählt, an dem sie sich am Stichtag der Zählung befanden. Davon abweichend wurden Untermieter (einschl.
Hausangestellte, Schüler und Studierende mit zweitem Wohnsitz) stets an ihrem Arbeits- bzw. Studienort zur
Wohnbevölkerung gerechnet. Dieser Bevölkerungsbegriff liegt, mit nur unwesentlichen Abweichungen, allen
seitherigen Volkszählungen sowie der Bevölkerungsentwicklung zugrunde, wobei im einzelnen folgende Zu-
ordnungsregeln gelten :
Personen mit nur einer Wohnung gehören zur Wohnbevölkerung der Gemeinde, in der sich diese Wohnung
befindet. Personen mit mehr als einer Wohnung oder Unterkunft werden der Wohnbevölkerung derjenigen
Gemeinde zugeordnet, von der aus sie ihrer Arbeit oder Ausbildung nachgehen. Soweit sie weder berufstätig
sind noch sich in Ausbildung befinden, ist die Wohnung oder Unterkunft maßgebend, in der sie sich über-
wiegend aufhalten.
Personen mit weiterer Wohnung im Ausland (z. B. Arbeiter auf Montage, Deutsche, die im Ausland studieren)
werden der Wohnbevölkerung ihrer im Bundesgebiet liegenden Heitmatgemeinde zugerechnet.
Soldaten im Grundwehrdienst oder auf Wehrübung werden der Wohngemeinde vor ihrer Einberufung, Patien-
ten in Krankenhäusern sowie Personen in Untersuchungshaft ihrer Wohngemeinde zugeordnet.
Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit, Angehörige des Bundesgrenzschutzes und der Bereitschaftspolizei in Ge-
meinschaftsunterkünften gehören ebenso wie Strafgefangene sowie alle sonstigen Dauerinsassen von Anstalten
und das in Anstalten wohnende Personal zur Wohnbevölkerung der Anstaltsgemeinde.
Zur Wohnbevölkerung gehören auch die in der Bundesrepublik wohnenden Ausländer und Staatenlosen.
Nicht zur Wohnbevölkerung gehören hingegen die Angehörigen der ausländischen Stationierungsstreitkräfte
sowie der ausländischen diplomatischen und konsularischen Vertretungen mit ihren Familienangehörigen.

89
I. Gebiet und Bevölkerung

1. Fläche und Bevölkerung


Bevölkerung Einwohner
Stichtag Fläche1)
der männlich weiblich je qkm
insgesamt
Volkszählung
1 000 qkm 1 000 Anzahl

Reichsgebiet

1.12. 1871 . 540,6 41 058,8 20152,1 20 906,7 76


1.12. 1875 . 539,8 42 727,4 20 986,7 21 740,7 79
1.12. 1880 . 540.5 45 234,1 22 185,4 23 048,6 84
1.12. 1885 . 540.6 46 855,7 22 933,7 23 922,0 87
1.12. 1890 . 540,5 49 428,5 24 230,8 25197,6 91
2.12. 1895 . 540.7 52 279,9 25 661,3 26 618,7 97
1.12. 1900 . 540.7 56 367,2 27 737,2 28 629,9 104
1.12. 1905 . 540.8 60 641,5 29 884,9 30 756,6 112
1.12. 1910 . 540.9 64 926,0 32 040,2 32 885,8 120
16. 6. 1925 . 468.7 62 410,6 30 196,8 32 213,8 133
16. 6. 1933 . 468.8 65 218,5 31 685,6 33 532,9 139
17. 5. 1939 2 ). 470,4 69 314,1 33 910,9 35 403,2 147

Bundesgebiet

17. 5.1939 248,6 43 008,3 21 038,0 21 970,3 173


29.10.1946 248,6 46 544,4 20 796,9 25 747,5 187
13. 9.1950 248,6 50 808,9 23 722,9 27 086,0 204
6. 6.1961 248,6 56 184,9 26 418,3 29 766,7 226
27. 5.1970 248,6 60 650,6 28 866,7 31 783,9 244
2
F Neuvermessungen zurück. — ) Gebietsstand: 31.12.1937.

2. Bevölkerungsentwicklung
Bevölkerung Bevölkerung Bevölkerung Bevölkerung
Jahr 1) Jahr 1) Jahr 1) Jahr 1)
1 000 je qkm 1 000 je qkm 1 000 je qkm 1 000 je qkm

Reichsgebiet

24 831 46 1846 34 733 64 1890 49 241 91 1932 65 716 140


25 917 48 1849 35128 65 1900 56 046 104 1933 66 027 140
27 041 50 1852 35 930 66 1910 64 568 119 1934 66 409 141
28111 52 1855 36112 67 1925 63166 134 1935 66 871 142
29 019 54 1858 36 961 68 1926 63 630 135 1936 67 349 143
29 768 55 1861 38137 70 1927 64 023 136 1937 67 831 144
30 609 57 1864 39 390 73 1928 64 393 137 1938 2 ) 68 558 146
31 590 58 1867 40 089 74 1929 64 739 138 19392 69 314 147
32 785 61 1871 40 997 76 1930 65 084 138
33 722 62 1880 45 095 83 65 429 139
Bundesgebiet
13 726 55 1864 19 600 79 1934 41 168 166 1956 . 53 008 213
14150 57 1867 19 950 80 1935 41 457 167 1957 . 53 656 216
14 580 59 1871 20 410 82 1936 41 781 168 1958 . 54 292 218
15130 61 1880 22 820 92 1937 42118 169 1959 54 876 221
15 270 61 1890 25 433 102 1938 42 576 171 1960 55 433 223
15860 64 1900 29 838 120 1939 43 008 173 1961 . 56175 226
16170 65 1910 35 590 143 1946 3 ) 46190 186 1962 56 938 229
16 570 67 1925 39 017 157 1947 46 992 189 1963 57 587 232
17 010 68 1926 39 351 158 1948 48 251 194 1964 58 266 235
17 440 70 1927 39 592 159 1949 49198 198 1965 59 012 238
17 780 72 1928 39 861 160 1950 50173 201 1966 59 638 240
17 970 72 1929 40107 161 1951 50 528 203 1967 59 873 241
18 230 73 1930 40 334 162 1952 50 859 205 1968 60184 242
18 230 73 1931 40 527 163 1953 51 350 207 1969 60 848 245
18 600 75 1932 40 737 164 1954 51 880 209 1970 60 651 244
19 050 77 1933 40 956 165 1955 52 382 211 1971 61 284 247
') 1816 bis 1910 im Dezember, 1925 und 1933 im Juni, 1939 im Mai, 1946 im Oktober, 1950 im September, 1961 im Juni, 1970 im Mai, 1926
bis 1932 und 1934 bis 1938 Jahresmitte; ab 1947 Jahresdurchschnitte. — 2 ) Gebietsstand: 31.12.1937. — 3 ) Einschl. Personen in Kriegsge-
fangenen·, Zivilinternierten- und Flüchtlingslagern, mit Ausnahme von Hamburg, Bremen, Saarland und Berlin (West), jedoch ohne Aus-
länder in IRO-Lagern.

Anmerkung: Da verschiedene Tabellen dieses Bandes für die Jahre von 1946 bis 1959 nur Angaben für das Bundesgebiet ohne Saarland
oder für das Bundesgebiet (ohne Saarland und Berlin) enthalten, wird nachstehend die entsprechende Bevölkerung wiedergegeben:

Bundesgebiet ohne Saarland Bundesgebiet (ohne Saarland und Berlin)


Jahr 1) Bevölkerung Jahr 1) Bevölkerung Jahr 1) Bevölkerung Jahr 1) Bevölkerung

1946 45 336 1953 50 380 1946 43 323 1953 48172


1947 46117 1954 50 902 1947 44 067 1954 48 710
1948 47 349 1955 51 398 1948 45 247 1955 49 203
1949 48 274 1956 52 018 1949 46169 1956 49 797
1950 49 228 1957 52 658 1950 47 081 1957 50 434
1951 49 576 1958 53 279 1951 47 413 1958 51 056
1952 49 897 1959 53 845 1952 47 728 1959 51 634
1946 im Oktober, 1950 im September, übrige Jahre Jahresdurchschnitte.

90
I. Gebiet und Bevölkerung

Β. Bevölkerungsentwicklung in den Ländern des Bundesgebietes


Nord-
Stichtag der Schles- rhein- Rhein- Baden-
Bundes- wig Hol- Ham- Nieder- Saar- Berlin
Volkszählung bzw. Bremen West- Hessen land- Württem- Bayern
gebiet burg sachsen land (West)
Jahresende stein falen Pfalz berg

Bevölkerung in 1 000

1.12.1871 20 410 865 475 2 497 155 4 264 1 871 1 832 3 349 4 303 327 472
1. 12.1880 22 820 634 198 4 926 2 071 3 613 4668 713
1. 12.1890 25 433 869 236 5 865 2 209 3 763 4 930 1 131
1.12.1900 29 838 1 073 303 7 507 2 516 2304 4107 5 415 1 638
1. 12.1910 35 590 1 333 1 378 408 9 575 2 960 2 542 4 654 6 029 703 2 312
16. 6.1925 39 017 1 378 1 568 3 958 459 10 964 3198 2 690 4 964 6 451 835 1 ) 2 545
16. 6.1933 40 956 1 420 1 676 4128 502 11 587 3 355 2 841 5186 6 700 881 2 ) 2683
17. 5.1939 43 008 1 589 1 712 4 540 563 11 945 3 479 2 960 5 476 7084 910 2 750

31.12.1950 50 336 2 543 1 583 6 730 553 13 075 4 275 2 987 6 375 9111 949 2155
31.12.1951 50 726 2 469 1 614 6 655 567 13 366 4 314 3 043 6 469 9100 957 2172
31.12.1952 51 052 2 405 1 637 6 588 578 13612 4 341 3 092 6 562 9 084 966 2187
31.12.1953 51 640 2 325 1 673 6 542 592 14 003 4388 3147 6 728 9 071 974 2198
31.12.1954 52127 2 284 1 702 6 506 607 14 295 4 431 3189 6 873 9 067 981 2192
31.12.1955 52 698 2 257 1 732 6 485 623 14 590 4 487 3 227 7 022 9 085 987 2 203
31.12.1956 53 319 2 251 1 760 6 480 644 14 877 4 541 3 266 7161 9122 993 2 223
31.12.1957 53 994 2 263 1 785 6 507 663 15180 4 596 3 307 7 284 9179 1 004 2 227
31.12.1958 54 606 2 273 1 804 6 535 676 15 430 4 645 3346 7400 9 253 1 021 2 223
31.12.1959 55123 2 286 1 818 6 566 690 15 612 4 693 3 366 7 513 9 335 1 040 2 204
31.12.1960 55 785 2304 1 829 6 612 702 15 799 4 771 3 398 7 664 9 448 1 061 2197

31.12.1961 56 589 2 329 1 841 6 675 712 16 029 4 861 3 439 7 839 9 594 1 083 2189
31.12.1962 57 247 2 351 1 847 6 732 718 16195 4 937 3 474 7 991 9 731 1 097 2174
31.12.1963 57 865 2 376 1 855 6 786 725 16 361 5 005 3 510 8108 9 847 1 106 2186
31.12.1964 58 587 2406 1 857 6 854 733 16 554 5 087 3 545 8 257 9 976 1 117 2 200
31.12.1965 59 297 2 439 1 854 6 921 742 16 736 5170 3 582 8 426 10101 1 127 2197
31.12.1966 59 793 2 473 1 847 6 967 750 16 835 5 240 3 613 8 534 10 217 1 132 2185
31.12.1967 59 948 2 500 1 833 6 993 752 16 843 5 263 3 625 8 565 10 280 1 131 2163
31.12.1968 60 463 2 529 1 823 7 039 754 16 951 5333 3 645 8 714 10 406 1 129 2141
31.12.1969 61 195 2 557 1 817 7100 756 17130 5 423 3 671 8 910 10 569 1 127 2134
31. 12. 1970 61 001 2 511 1 794 7122 735 17 005 5 425 3 659 8 954 10 561 1 121 2115
31.12.1971 61 503 2 543 1 782 7181 739 17138 5 490 3 679 9 055 10 691 1 122 2 084

Einwohner je q k m

1.12.1871 82 55 631 53 385 125 89 92 94 61 127 983


1.12.1880 92 842 490 145 98 101 66 1485
1. 12.1890 102 1 154 584 172 105 105 70 2 356
1.12.1900 120 1 425 751 220 119 116 115 77 3 412
1.12.1910 143 85 1 830 1 011 281 140 128 130 85 273 4 817
16. 6.1925 157 88 2 082 83 1 136 322 151 136 139 91 325') 5 300
16. 6.1933 165 91 2 225 87 1 244 340 159 143 145 95 3432) 5589
17. 5.1939 173 101 2 273 96 1394 351 165 149 153 100 354 5 729
31. 12.1950 202 162 2 102 142 1 369 384 203 151 178 129 370 4488
31.12.1951 204 158 2 143 140 1 404 393 204 153 181 129 373 4 525
31.12.1952 205 153 2 174 139 1 431 400 206 156 184 129 376 4 556
31.12.1953 208 148 2 221 138 1 466 411 208 159 188 129 379 4 578
31.12.1954 210 146 2 260 137 1 503 420 210 161 192 129 382 4 566
31.12.1955 212 144 2 299 137 1 544 429 213 163 196 129 384 4 589
31.12.1956 217 144 2 336 137 1 595 437 215 165 200 129 387 4 631
31.12.1957 217 144 2 369 137 1 643 446 218 167 204 130 391 4 639
31.12.1958 226 145 2 395 138 1 675 453 220 169 207 131 398 4 631
31.12.1959 222 146 2 414 139 1 709 459 222 170 210 132 405 4 591
31.12.1960 227 147 2 429 139 1 238 464 226 171 214 134 413 4 576
31.12.1961 228 149 2 444 141 1 764 471 230 173 219 136 422 4 559
31.12.1962 230 150 2 453 142 1 779 476 234 175 224 138 427 4 528
31.12.1963 233 152 2 463 143 1 795 481 237 177 227 140 431 4 554
31.12.1964 236 153 2 466 145 1 814 486 241 179 231 141 435 4 583
31.12.1965 239 156 2 463 146 1 839 492 245 181 236 143 439 4 577
31.12.1966 241 158 2 453 147 1 857 495 248 182 239 145 441 4 552
31.12.1967 241 159 2 433 148 1862 495 249 183 240 146 441 4 506
31.12.1968 243 161 2 420 148 1 868 498 253 184 244 147 440 4 461
31. 12.1969 246 163 2 413 150 1 872 503 257 185 249 150 439 4 446
31.12.1970 245 160 2 382 150 1 820 499 257 184 250 150 437 4 406
31. 12. 1971 247 162 2 366 151 1 830 503 260 185 253 152 437 4 341
2
') 19.7.1927. — ) 25.6.1935.
I. Gebiet und Bevölkerung

4. Gemeinden mit 100 000

Bevölkerung

Gemeinde
um 1819 um 1852 1.12.1871 1.12.1890 1.12.1900 1.12.1910

Aachen 33 626 52 687 74146 103 470 135 245 156143


Augsburg 29 809 39 340 51 220 75 629 89170 102 487
Berlin (West) 472 000 1 131 000 1 638 000 2 312 365
Bielefeld 6 617 11 290 21 834 39 950 63 046 78 380
Bochum 2122 5833 21 192 47 601 65 551 136 931
Bonn 10 565 18 439 26 030 39 805 50 736 87 978
Bottrop 360 5 396 13 595 24 847 47162
Braunschweig 32 645 39 410 57 883 101 047 128 226 143 552
Bremen 38 408 57 055 82 807 125 684 163 297 247 437
Bremerhaven 241 4 563 10 596 16 414 20 315 24165
Darmstadt 18 200 30 465 33 537 55 883 72 381 89 807
Dortmund 4 453 13 546 44 420 89 663 142 733 214 226
Düsseldorf 26 655 28 411 69 365 144 642 213 711 358 728
Duisburg 229 483
Essen 4 751 10 552 51 513 78 706 118 862 294 653
Frankfurt am Main 41 458 67 332 91 040 179 985 288 989 414 576
Frei bürg im Breisgau 9 432 16 441 24 668 48 909 61 504 83 324
Gelsenkirchen 505 844 7 825 28 057 36 935 169 513
Göttingen 8 379 11 099 15 847 23 689 30 234 37 594
Hagen 2609 6106 20 070 35 428 50 612 88 605
Hamburg 127 985 179 594 239107 323 923 705 738 931 035
Hannover 25134 31 876 87 626 163 593 235 649 302 375
Heidelberg 9 717 14 564 19 983 31 739 40121 56 016
Heilbronn 6 885 13 687 18 955 29 941 37 891 42 688
Herne 843 4 417 13 920 27 863 57147
Karlsruhe 16 841 24 299 36 582 73 684 97185 134 313
Kassel 23 296 36 654 46 362 72 477 106 034 153196
Kiel 7 075 16 274 31 764 69172 107 977 211 627
Koblenz 14 888 25 380 28 748 32 664 45147 56 487
Köln 56 420 101 091 129 233 281 681 372 529 516 527
Krefeld 105 376 106 893 129 406
Leverkusen 1 441 2 512 5 815 15 363
Ludwigshafen am Rhein — 2 296 7 874 28 768 61 914 83 301
Lübeck 24143 26 098 39 743 63 590 82 098 98 656
Mainz 25 400 36 741 53 282 71 395 84 251 110 634
Mannheim 18 714 24 316 39 606 79 058 141 131 193 902
Mönchengladbach 1 588 4 083 26 354 49 628 58 023 66 414
Mülheim a. d. Ruhr 5 456 11 112 14 267 27 903 38 280 112580
München 53 672 106 715 169 693 349 024 499 932 596 467
Münster (Westf.) 17 972 25 222 34 730 49 340 63 754 90 254
Neuss 6 458 9 384 13 996 22 635 28 472 37 224
Nürnberg 26 854 53 638 83 214 142 590 261 081 333 142
Oberhausen — — 12 805 25 249 42148 89 900
Offen bach am Main 6 600 13 087 22 622 35 064 50 468 75 583
Oldenburg (Oldenburg) 5 955 10 872 13 574 21 310 26 797 30 242
Osnabrück 9 037 13 718 23 308 39 929 51 573 65 957
Recklinghausen 2 223 4 040 4 858 14 041 34 019 53 701
Regensburg 18 933 25 898 29185 37 934 45 429 52 624
Remscheid 7145 13 232 22 003 40 371 58103 72159
Rheydt 2 331 4 831 13 766 26 830 34 036 43 999
Saarbrücken 105 089
Salzgitter
Solingen 3 515 7 949 14 040 36 540 45 260 50 536
Stuttgart 22 686 50 003 91 623 139 817 176 699 286 218
Trier 15 318 19 762 21 442 36166 43 506 49112
Wiesbaden 5466 16151 35 450 64 670 86111 109 002
Wilhelmshaven 108 5838 15 471 22 682 35 044
Würzburg 26 465 29 848 40 005 61 039 75 499 84 496
Wuppertal

*) Gemeinden im heutigen Bundesgebiet.

92
I. Gebiet und Bevölkerung

und mehr Einwohnern*)


Bevölkerung

Gemeinde
16. 6.1925 16. 6.1933 17. 5.1939 13. 9.1950 6. 6.1961 27. 5.1970

155 816 162 774 162164 130 278 169 769 173 475 Aachen
165 522 176 575 185 369 185 183 208 659 211 566 Augsburg
2 544 619 2683 099 2 750 494 2146 952 2197 408 2122 346 Berlin (West)
86 062 121 031 129 958 154 277 175 517 168 937 Bielefeld
211 249 314 546 305 485 289 804 361 382 343 968 Bochum
90 249 98 659 166 495 201 829 270 874 274 518 Bonn
77 315 86 218 83 385 93 268 111 548 106 657 Bottrop
146 725 156 840 196 068 223 760 246 085 223 700 Braunschweig
294 966 323 331 450 084 444 549 564 517 582 277 Bremen
23 896 25 779 112 831 114 070 141 849 140 455 Bremerhaven
89 465 93 222 115171 94 723 136 412 141 224 Darmstadt
321 743 540 875 542 352 507 349 641 480 639 634 Dortmund
432 633 498 600 541 410 500 516 702 596 663 586 Düsseldorf
272 798 440 419 434 646 410 783 502 993 454 839 Duisburg
470 524 654 461 670 801 610 632 732 484 698 434 Essen
467 520 555 857 553 464 532 037 683 081 669 635 Frankfurt am Main
90 475 99122 110110 109 702 145 027 162 222 Freiburg im Breisgau
208 512 332 545 317 704 315 583 382 842 348 292 Gelsenkirchen
41 514 47149 64 524 94 983 103 742 108 991 Göttingen
99 736 148 314 151 847 146 525 195 690 200 909 Hagen
1 079126 1 129 307 1 711 936 1 605 690 1 832 427 1 793 823 Hamburg
422 745 443 920 471 020 444 581 573 282 523 941 Hannover
73 034 84 641 86 467 116 488 125 264 121 023 Heidelberg
45 520 60 308 78 330 65 596 90191 101 660 Heilbronn
68 249 98 595 94 649 111 591 113 207 104 077 Herne
145 694 154 902 190 081 198 842 241 929 259 245 Karlsruhe
171 234 175179 216141 162132 207 507 214156 Kassel
213 881 218 335 279 000 264 600 280 290 271 719 Kiel
58 322 65 257 92 908 68 593 101 452 119 434 Koblenz
700 222 756 605 772 221 594 941 809 247 848 352 Köln
131 098 165 305 171 553 172 660 213 965 222 250 Krefeld
30178 43 586 50137 65 556 94194 107 546 Leverkusen
101 869 107 344 144 425 123 869 165 761 176 031 Ludwigshafen am Rhein
120 788 129 427 155 321 239 274 236 060 239 339 Lübeck
108 537 142 627 137 480 103 508 151 907 172195 Mainz
247 486 275162 285 753 245 634 313 890 332 163 Mannheim
115 302 126 631 128 306 124 879 152185 151 090 Mönchengladbach
127 400 133 279 137 540 149 589 185 708 191 468 Mülheim a. d. Ruhr
680 704 735 388 840188 830 810 1 085 053 1 293 590 München
106 418 122 210 114 304 118 889 182 721 198 371 Münster (Westf.)
44 890 55 771 59 654 63 478 92 916 114613 Neuss
392 494 410 438 423 383 364 717 454 520 473 555 Nürnberg
105 436 192 345 191 842 202 808 256 773 246 736 Oberhausen
79 362 81 329 87 058 89 023 116 202 117 306 Offenbach am Main
52 723 66 951 79 020 122 809 125198 130 852 Oldenburg (Oldenburg)
89 079 94 277 108 466 111 631 141 855 143 905 Osnabrück
84 518 87 411 86 313 104 791 130 581 125 237 Recklinghausen
76 948 81 106 95 631 117 291 125 047 129 589 Regensburg
76 827 101 188 103 915 103 276 126 892 136 419 Remscheid
45124 77 261 77 339 78 302 94 004 100 077 Rheydt
133 580 111 696 130 705 127 989 Saarbrücken
45 598 100 667 110 276 118 201 Salzgitter
51 929 140162 140 466 147 845 169 930 176 420 Solingen
341 967 415 028 496 490 497 677 637 539 633 158 Stuttgart
58140 76 692 102 867 90 777 105 735 103 724 Trier
102 737 159 755 191 955 220 730 253 280 250122 Wiesbaden
25 403 28 016 113 686 101 229 100197 102 732 Wilhelmshaven
89 910 101 003 107 515 78 443 116 883 117147 Würzburg
408 602 402119 363 803 421 349 418 459 Wuppertal

93
I. Gebiet und Bevölkerung

5. Gemeinden und Bevölkerung nach Gemeindegrößenklassen

Davon mit . . . bis unter . . . Einwohnern


Stichtag der Gemeinden
Volkszählung insgesamt weniger 2000 5000 10 000 20 000 50 000 100 000
als und
2000 5000 10 000 20 000 50 000 100 000 mehr

Reichsgebiet
Zahl der Gemeinden

1.12.1910 75 939 72199 2 441 702 326 172 51 48


16. 6.1925 63 556 60126 2 249 637 283 166 50 45
16. 6.1933 50 881 47 362 2 290 682 284 164 47 52
17. 5.1939 1 ) 48 595 44 772 2 456 750 318 188 52 59

Bevölkerung
1 000

1.12.1871 41 059 26 219 5 093 2 562 2 020 1 459 1 689 1 969


1.12.1890 49 428 26185 9 427 2 989 3 389 1 442 5 996
1.12.1910 64 926 25 955 7 298 4 939 4 233 5152 3 526 13 823
16. 6.1925 62 411 22 219 6 753 4 307 3 889 4 984 3 547 16 711
16. 6.1933 65 218 21 479 6 909 4 651 3 930 5 028 3 418 19 802
17. 5.1939 1 ) 69 314 20 873 7490 5156 4 417 5 792 3664 21 922

Prozent

1.12.1871 100 63,9 12,4 6,2 4,9 3,6 4,1 4,8


1.12.1890 100 53,0 19,1 6,0 6,9 2,9 12,1
1.12.1910 100 40,0 11,2 7,6 6,5 7,9 5,4 21,3
16. 6.1925 100 35,6 10,8 6,9 6,2 8,0 5,7 26,8
16. 6.1933 100 32,9 10,6 7,1 6,2 7,7 5,2 30,4
17. 5.1939 1 ) 100 30,1 10,8 7,4 6,4 8,4 5,3 31,6

Bundesgebiet
Zahl der Gemeinden

1.12.1871 942 174 67 29 15 4


1.12.1890 1 116 241 106 54 13 16
1.12.1910 27 699 25 623 1 414 367 144 87 32 32
16. 6.1925 2 ) 27 000 24 773 1 500 396 161 100 34 36
16. 6.1933 3 ) 25 398 23161 1 492 421 160 93 31 40
17. 5.1939 24 716 22 419 1 509 439 171 104 31 43
13. 9.1950*) 24164 20 918 2156 617 248 139 38 48
6. 6.1961 24 503 20 994 2 201 725 299 181 50 53
27. 5.1970 22 510 18 704 2 211 829 417 229 61 59

Bevölkerung
1 000

1.12.1871 20 410 12 662 2 715 1 198 912 916 997 1 010


1.12.1890 25 433 12 523 3 303 1 619 1 450 1 659 917 3 962
1.12.1910 35 590 12 513 4164 2 520 2 007 2604 2163 9 619
16. 6.1925 2 ) 39 017 12460 4 489 2 674 2188 2 862 2444 11 900
16. 6.1933 3 ) 40 956 12163 4448 2 812 2168 2 727 2 301 14 337
17. 5.1939 43 008 11 826 4 581 2999 2 354 3154 2 265 15 829
13. 9.1950*) 50 809 12 969 5 948 4 558 3 793 4 656 2 968 15 917
6. 6.1961 56185 11 636 6 447 5196 4 468 5 613 3 632 19193
27. 5.1970 60 651 11 353 6 772 5 783 5 683 7 179 4 238 19 643

Prozent

1.12.1871 100 62,0 13,3 5,9 4,5 4,5 4,9 4,9


1.12.1890 100 49,2 13,0 6,4 5,7 6,5 3,6 15,6
1.12.1910 100 35,2 11,7 7,1 5,6 7,3 6,1 27,0
16. 6.1925 2 ) 100 31,9 11,5 6,9 5,6 7,3 6,3 30,5
16. 6.1933 3 ) 100 29,7 10,9 6,9 5,3 6,7 5,6 35,0
17. 5.1939 100 27,5 10,7 7,0 5,5 7,3 5,3 36,8
13. 9.1950*) 100 25,5 11,7 9,0 7,5 9,2 5,8 31,3
6. 6.1961 100 20,7 11,5 9,2 8,0 10,0 6,5 34,2
27. 5.1970 100 18,7 .. 11,2 9,5 9,4 11,8 7,0 32,4
2 3 4
') Gebietsstand: 31.12.1937. — ) Saarland: 19. 7.1927. — ) Saarland: 25. 6.1935. — ) Saarland: 14.11.1951.

94
I. Gebiet und Bevölkerung

6. Bevölkerung nach Altersgruppen


Davon im Alter von . .. bis unter ... Jahren
Bevöl-
Stichtag der kerung
Volkszählung insgesamt unter 6 6 — 15 15 — 20 20 — 45 45 — 65 65 und mehr

1 000 % 1 000 % 1 000 % 1 000 % 1 000 % 1 000 %

Reichsgebiet
Insgesamt

1.12.1871 41 059*) 6190 15,1 7 899 19,2 3 746 9,1 14 482 35,3 6 821 16,6 1 891 4,6
1.12.1880 45 234*) 7 316 16,2 8 700 19,2 4 227 9,3 15 631 34,6 7169 15,8 2130 4,7
1.12.1885 46 856 7136 15,2 9 434 20,1 4 438 9,5 16 092 34,3 7 408 15,8 2 348 5,0
1.12.1890 49 428 7 595 15,4 9 777 19,8 4 803 9,7 16 999 34,4 7 733 15,6 2 521 5,1
1.12.1900 56 367 8 713 15,5 10 902 19,3 5 319 9,4 20 057 35,6 8 625 15,3 2 750 4,9
1. 1.1911 64 992 9 408 14,5 12 824 19,7 6 285 9,7 23 312 35,9 9 924 15,3 3 239 5,0
16. 6.1925 62 411 7135 IIA 8 937 14,3 6 543 10,5 24 228 38,8 11 974 19,2 3 594 5,8
1. 1.1934 65 362 5 797 8,9 9 997 15,3 4 086 6,3 27 250 41,7 13 596 20,8 4 637 7,1
17. 5.1939 1 ) . . . . 69 314 6 947 10,0 9 207 13,3 6 045 8,7 27105 39,1 14 620 21,1 5 390 7,8

Männlich

1.12.1871 20 152*) 3101 15,4 3 958 19,6 1 852 9,2 7 037 34,9 3 294 16,3 892 4,4
1.12.1880 22 185*) 3 665 16,5 4 353 19,6 2101 9,5 7 630 34,4 3 420 15,4 988 4,5
1.12.1885 22 934 3 576 15,6 4 719 20,6 2 203 9,6 7 850 34,2 3 508 15,3 1 077 4,7
1.12.1890 24 231 3 808 15,7 4 898 20,2 2 392 9,9 8 334 34,4 3 655 15,1 1 143 4,7
1.12.1900 27 737 4 369 15,8 5 462 19,7 2666 9,6 9 945 35,9 4 069 14,7 1 227 4,4
1. 1.1911 32 075 4 737 14,8 6 434 20,1 3148 9,8 11 625 36,2 4 711 14,7 1 421 4,4
16. 6.1925 30197 3 627 12,0 4 515 15,0 3 285 10,9 11 378 37,7 5 804 19,2 1 588 5,3
1. 1.1934 31 764 2 949 9,3 5 078 16,0 2 067 6,5 13121 41,3 6 445 20,3 2104 6,6
17. 5.1939 1 ) . . . . 33 911 3 548 10,5 4 677 13,8 3 077 9,1 13 400 39,5 6 729 19,8 2 479 7,3

Weiblich

1.12.1871 20 907*) 3 089 14,8 3 941 18,8 1 893 9,1 7 445 35,6 3 527 16,9 998 4,8
1. 12.1880 23 049*) 3 651 15,8 4 348 18,9 2126 9,2 8 001 34,7 3 750 16,3 1 142 5,0
1.12.1885 23 922 3 560 14,9 4 715 19,7 2 234 9,3 8 241 34,5 3900 16,3 1 271 5,3
1.12.1890 25198 3 787 15,0 4 879 19,4 2 410 9,6 8 665 34,4 4 078 16,2 1 379 5,5
1.12.1900 28 630 4 344 15,2 5 440 19,0 2 653 9,3 10113 35,3 4 556 15,9 1 524 5,3
1. 1.1911 32 917 4 671 14,2 6 390 19,4 3137 9,5 11 688 35,5 5 213 15,8 1 818 5,5
16. 6.1925 32 214 3 508 10,9 4 422 13,7 3 258 10,1 12 851 39,9 6170 19,2 2006 6,2
1. 1.1934 33 598 2848 8,5 4 919 14,6 2 019 6,0 14129 42,1 7152 21,3 2 533 7,5
17. 5.1939 1 ) . . . . 35 403 3 399 9,6 4 530 12,8 2 968 8,4 13 705 38,7 7 890 22,3 2 911 8,2

Bundesgebiet
Insgesamt
2
17. 5.1939 ) . . . . 40 258 4 089 10,2 5 497 13,7 3 586 8,9 15848 39,4 8 300 20,6 2 938 7,3
13. 9.1950 3 ) . . . . 50 809 4121 8,1 7 730 15,2 3 659 7,2 18 099 35,6 12 437 24,5 4 763 9,4
6. 6.1961 56 185*) 5 282 9,4 6 905 12,3 3683 6,6 19 257 34,3 14 802 26,3 6 221 11,1
27. 5.1970 60 651 *) 5 737 9,5 8 321 13,7 4 820 5 ) 7,9 20 002 6 ) 33,0 13 779 22,7 7 992 13,2

Männlich

17. 5.1939 2 ) . . . . 19 794 2088 10,5 2 790 14,1 1 830 9,2 7 831 39,6 3 864 19,5 1 391 7,0
13. 9.1950 3 ) . . . . 23 723 2110 8,9 3 941 16,6 1 863 7,9 8 085 34,1 5 595 23,6 2129 9,0
6. 6.1961 26 418*) 2 708 10,3 3 537 13,4 1 883 7,1 9 270 35,1 6 521 24,7 2483 9,4
27. 5.1970 28 867 2 940 10,2 4 267 14,8 2 465 5 ) 8,5 10 293 6 ) 35,7 5 815 20,1 3 087 10,7

Weiblich

17. 5.1939^) . . . . 20 464 2 001 9,8 2 707 13,2 1 756 8,6 8 017 39,2 4 436 21,7 1 546 7,6
13. 9. 19503) . . . . 27 086 2 012 7,4 3 789 14,0 1 797 6,6 10 013 37,0 6 842 25,3 2 633 9,7
6. 6.1961 29 767*) 2 574 8,6 3 367 11,3 1 800 6,0 9 987 33,6 8 281 27,8 3 738 12,6
27. 5.1970 31 784 2 798 8,8 4 054 12,8 2 355 5 ) 7,4 9 7096) 30,5 7 964 25,1 4 904 15,4
2 3
Gebietsstand : 31. 12. 1937. — ) Bundesgebiet ohne Beri in. — ) Saarland : 14. 11. 1951.— *) Einschl. Personen ohne Altersangabe. -
5
) Altersgruppe von 15 bis unter 21 Jahren. — 6 ) Altersgruppe von 21 bis unter 45 Jahren.

95
I. Gebiet und Bevölkerung

7. Bevölkerung nach Familienstand

Devon
Bevölkerung
insgesamt
Stichtag der Verheiratet
Ledig Verwitwet Geschieden
Volkszählung

1 000 °/o 1 000 % 1 000 % 1 000 %

Reichsgebiet

Insgesamt
3
1.12.1871 41 059 ) 24 860 60,6 13 770 33,5 2 355 5,7 70 0,2
1.12.1880 45 234 27152 60,0 15 377 34,0 2 643 5,8 62 0,1
1.12.1885 46 856 28145 60,1 15 855 33,8 2 788 6,0 68 0,1
1.12.1890 49 428 29 650 60,0 16 771 33,9 2 933 5,9 75 0,2
1.12.1900 56 367 33 520 59,5 19 593 34,8 3162 5,6 92 0,2
1.12.1910 64 926 38108 58,7 23 230 35,8 3 451 5,3 138 0,2
16. 6.1925 62 411 33 009 52,9 25 437 40,8 3 681 5,9 283 0,4
16. 6.1933 65 218 32 091 49,2 28 628 43,9 4 005 6,1 495 0,8
17. 5.1939 1 ) 69 314 31 989 46,2 32 335 46,6 4 324 6,2 667 1,0

Männlich

1.12.1871 20152 3 ) 12 570 62,4 6 868 34,1 687 3,4 24 0,1


1.12.1880 22185 13 767 62,1 7 671 34,6 727 3,3 21 0,1
1.12.1885 22 934 14 249 62,1 7 911 34,5 751 3,3 23 0,1
1.12.1890 24 231 15 058 62,2 8 372 34,6 775 3,2 25 0,1
1.12.1900 27 737 17099 61,7 9 798 35,3 809 2,9 31 0,1
1.12.1910 32 040 19 516 60,9 11 608 36,2 867 2,8 49 0,2
16. 6.1925 30197 16 492 54,6 12 727 42,2 876 2,9 101 0,3
16. 6.1933 31 686 16 213 51,2 14 311 45,1 979 3,1 183 0,6
17. 5.1939 1 ) 33 911 16 395 48,3 16212 47,8 1 052 3,1 252 0,7

Weiblich

1.12.1871 20 907 3 ) 12 290 58,8 6 903 33,0 1 668 8,0 46 0,2


1.12.1880 23 049 13 385 58,1 7 706 33,4 1 916 8,3 41 0,2
1.12.1885 23 922 13 895 58,1 7 944 33,2 2 037 8,5 45 0,2
1.12.1890 25198 14 592 57,9 8 399 33,3 2158 8,6 50 0,2
1.12.1900 28 630 16 421 57,4 9 795 34,2 2 353 8,2 61 0,2
1.12.1910 32 886 18 592 56,5 11 622 35,3 2 584 7,9 89 0,3
16. 6.1925 32 214 16 517 51,3 12 710 39,4 2804 8,7 183 0,6
16. 6.1933 33 533 15 878 47,4 14317 42,7 3 026 9,0 312 0,9
17. 5.1939 1 ) 35 403 15 594 44,0 16123 45,5 3 272 9,2 415 1,2

Bundesgebiet

Insgesamt

17. 5.1939 43 008 20 230 47,0 19 809 46,1 2 573 6,0 396 0,9
13. 9.1950 2 ) 50 809 22 734 44,7 23 264 45,8 4111 8,1 700 1,4
6. 6.1961 56185 23 002 40,9 27 425 48,8 4 830 8,6 915 1,6
27. 5.1970 60 651 24 039 39,6 30 290 49,9 5197 8,6 1 125 1,9
Männlich

17. 5.1939 21 038 10 309 49,0 9 928 47,2 648 3,1 153 0,7
13. 9.1950 2 ) 23 723 11 224 47,3 11 452 48,3 803 3,4 244 1,0
6. 6.1961 26 418 11 653 44,1 13 680 51,8 783 3,0 295 1,1
27. 5.1970 28 867 12 470 43,2 15 247 52,8 767 2,7 384 1,3
Weiblich

17. 5.1939 21 970 9 921 45,2 9 881 45,0 1 925 8,8 243 1,1
13. 9.1950 2 ) 27 086 11 510 42,5 11 812 43,6 3 308 12,2 456 1,7
6. 6.1961 29 767 11 349 38,1 13 745 46,2 4 047 13,6 620 2,1
27. 5.1970 31 784 11 569 36,4 15 043 47,3 4 430 13,9 742 2,3
2 3
') Gebietsstand: 31.12.1937. — ) Saarland : 14.11. 1951. — ) Einschl. Personen ohne Angabe des Familienstandes.

96
I. Gebiet und Bevölkerung

8. Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit


Davon
Bevölkerung Angehörige der Sonstige
Stichtag der insgesamt
Volkszählung Römisch-Katholischen Zusammen dar. jüdische Religions-
Evangelischen Kirche gemeinschaft
Kirche
1 000 % 1 000 °/o 1 000 % 1 000 %

Reichsgebiet

Insgesamt

1.12.1871 41 059 25 582 62,3 14 869 36,2 608 1,5 512 1,3
1.12.1880 45 234 28 331 62.6 16 233 35,9 670 1,5 562 1,2
1.12.1885 46 856 29 370 62,7 16 786 35,8 700 1,5 563 1,2
1.12.1890 49 428 31 027 62,8 17 675 35,8 727 1,4 568 1,1
1.12.1900 56 367 35 231 62,5 20 328 36,1 808 1,4 587 1,0
1.12.1905 60 641 37 647 62,1 22110 36,5 885 1,4 608 1,0
1.12.1910 64 926 39 991 61,6 23 821 36,7 1 113 1,7 615 1,0
16. 6.1925 62 411 40 015 64,1 20193 32,4 2 203 3,5 564 0,9
16. 6.1933 65 218 40 865 62,7 21 172 32,5 3181 4,8 500 0,8
17. 5.1939 1 ) 69 314 42103 60,8 23 024 33,2 4188 6,0 222 0,3

Männlich

16. 6.1925 30197 19170 63,5 9 798 32,4 1 229 4,1 274 0,9
16. 6.1933 31 686 19 545 61,7 10 287 32,5 1 853 5,8 239 0,8
17. 5.1939 1 ) 33 911 20143 59,4 11 258 33,2 2 511 7,4 94 0,3

Weiblich

16. 6.1925 32 214 20 845 64,7 10 395 32,3 973 3,0 290 0,9
16. 6.1933 33 533 21 320 63,6 10 885 32,5 1 328 4,0 261 0,8
17. 5.1939 1 ) 35 403 21 960 62,0 11 766 33,2 1 677 4,7 128 0,4

Bundesgebiet

Insgesamt

1.12.1871 2 ) 19 938 10182 51,1 9 469 47,5 286 1,4


1.12.1890 2 ) 24 302 12 553 51,7 11 399 46,9 350 1,4
1.12.1910 2 ) 33 277 17110 51,4 15 625 47,0 542 1,6
16. 6.1925 2 ) 36 473 18 518 50,8 17006 46,6 949 2,6 287 0,8
16. 6.1933 2 ) 38 273 19137 50,0 17 848 46,6 1 288 3,4 250 0,7
17. 5.1939 2 ) 40 258 19 568 48,6 18 681 46,4 2009 5,0 104 0,3
13. 9.1950 3 ) 50 809 26173 51,5 22 529 44,3 2108 4,1 22 0,0
6. 6.1961 56185 28 726 51,1 24 796 44,1 2663 4,7 23 0,0
27. 5.1970 60 651 29 697 49,0 27 061 44,6 3 893 6,4 32 0,1

Männlich

16. 6.1925 2 ) 17 820 9 000 50,5 8 289 46,5 531 3,0 139 0,8
16. 6.1933 2 ) 18 720 9 260 49,5 8 699 46,5 761 4,1 119 0,6
17. 5.1939 2 ) 19 794 9 460 47,8 9118 46,1 1 216 6,1 44 0,2
13. 9.1950 3 ) 23 723 12 016 50,6 10 458 44,1 1 249 5,3 12 0,1
6. 6.1961 26 418 13 274 50,2 11 665 44,2 1 480 5,6 12 0,1
27. 5.1970 28 867 13 778 47,7 12880 44,6 2 209 7.7 17 0,1

Weiblich

16. 6.1925 2 ) 18 652 9 518 51,0 8 717 46,7 418 2,2 148 0,8
16. 6.1933 2 ) 19 553 9 876 50,5 9149 46,8 527 2,7 131 0,7
17. 5.1939 2 ) 20 464 10108 49,4 9 563 46,7 792 3,9 60 0,3
13. 9.1950 3 ) 27 086 14157 52,3 12 070 44,6 859 3,2 10 0,0
6. 6.1961 29 767 15 452 51,9 13131 44,1 1 184 4,0 10 0,0
27. 5.1970 31 784 15 919 50,1 14181 44,6 1 684 5,3 14 0,1
') Gebietsstand: 31.12.1937. — 2 ) Bundesgebiet ohne Berlin. — 3 ) Saarland : 14.11.1951.

7 97
I. Gebiet und Bevölkerung

9. Haushalte nach Haushaltsgröße*)


1 000

Haushalte Bevölkerung

Privathaushalte davon in

Stichtag bzw.
davon
Monat
insgesamt Anstalts- insgesamt Anstalts- Privat-
haushalte
zusammen Ein- Mehr-

personenhaushalte haushalten3)

Reichsgebiet

1.12.1871 8 731,9 35,1 8 696,8 535,5 8161,3 41 058,8 749,1 40 309,7

1.12.1875 9199,8 33,3 9166,5 572,8 8 593,6 42 727,4 855,4 41 872,0

1.12.1880 9 652,0 43,2 9 608,9 604,2 9 004,7 45 234,1 1 010,1 44 224,0

1.12.1885 9 999,6 33,1 9 966,5 677,7 9 288,7 46 855,7 1 164,7 45 691,0

1.12.1890 10 617,9 33,7 10 584,2 747,7 9 836,6 49 428,5 1 320,5 48 108,0

1.12.1895 11 256,2 49,6 11 206,6 788,8 10 417,8 52 279,9 1 474,9 50 805,0

1.12.1900 12 260,0 81,3 12178,7 870,6 11 308,1 56 367,2 1 630,2 54 737,0

1.12.1905 13 274,5 61,1 13 213,5 965,8 12 247,7 60 641,5 1 864,2 58 777,3

1.12.1910 14 346,7 63,3 14 283,4 1 045,1 13 238,2 64 926,0 2 115,8 62 810,2

16. 6.1925 15 349,2 74,4 15 274,9 1 026,0 14 248,8 62 410,6 1 549,6 60 861,0

16. 6.1933 17 735,6 40,7 17 694,9 1 482,3 16 212,6 65 218,5 1 272,8 63 945,7

17. 5.1939 1 ) 20 411,5 76,7 20 334,8 1 983,7 18 351,1 69 314,1 2 858,2 66 455,9

Bundesgebiet

13. 9.1950 16 681,9 32,3 16 649,6 3 228,6 13 421,0 50 798,0 948,3 49 849,8
2
25. 9.1956 ) 17 576,6 3 370,0 14 206,6 51 936,2

Okt. 1957 18 318,0 3 353,0 14 965,0 53 860,0

6.6. 1961 19 429,9 31,1 19 398,8 4125,6 15 273,3 56174,8 1 441,9 54 733,0

Okt. 1962 20 179,0 4 510,0 15 669,0 56 747,0 1 619,0 55 128,0

April 1963 20 269,0 4 591,0 15 678,0 57 040,0 1 621,0 55 419,0

April 1964 20 720,0 4 959,0 15 761,0 57 686,0 1 843,0 55 843,0

Mai 1965 21 211,0 5143,0 16 068,0 58 897,0 1 685,0 57 212,0

April 1966 21 542,0 5 295,0 16 247,0 59 551,0 1 507,0 58 044,0

April 1967 21 670,0 5 411,0 16 259,0 59 832,0 1 461,0 58 371,0

April 1968 21 976,0 5 614,0 16 362,0 60 067,0 1 369,0 58 698,0

April 1969 22 234,0 5 821,0 16 413,0 60 709,0 1 579,0 59130,0

27. 5.1970 21 990,5 5 527,1 16 463,4 60 650,6 1 526,3 60175,9*)

April 1971 22 777,0 6169,0 16 608,0 61 180,0 1 240,0 59 940,0

*) Bis 1939, 1950, 1961 und 1970 Ergebnisse der Volkszählungen; 1956 Ergebnisse der Wohnungszählung; im übrigen Ergebnisse des
Mikrozensus.
') Gebietsstand: 31. 12. 1937. — 2 ) Bundesgebiet ohne Saarland. — 3 ) Für 1875 bis 1895 geschätzt. — 4 ) Einschl. mehrfach gezahlter Haus-
haltsmitglieder.

98
II. Bevölkerungsbewegung
Allgemeines Vorbemerkung

Seit 1841 wurde in allen deutschen Staaten des späteren Deutschen Reiches die natürliche Bevölkerungs-
bewegung (Zahl der Eheschließungen, Geburten- und Sterbefälle) durch amtliche statistische Anschreibungen
regelmäßig festgestellt. Diese Erhebungen beruhen ursprünglich auf den Eintragungen in den Kirchenbüchern,
seit dem Erlaß des Personenstandsgesetzes im Jahre 1875 auf den Aufzeichnungen der Standesbeamten. Gericht-
liche Ehelösungen wurden in einigen deutschen Staaten ebenfalls schon frühzeitig registriert, doch nur im Rahmen
der Geschäftsstatistik der Gerichte. Auch nach der Einführung der Zivilehe durch das Personenstandsgesetz
änderte sich daran wenig. Gesamtergebnisse für das Deutsche Reich werden ab 1888 nachgewiesen. Wurden vor
1872 weitgehend nur Gesamtzahlen ermittelt, enthielt das Minimalprogramm für die Bundesstaaten seitdem auch
Angaben über Lebend- und Totgeborene nach dem Geschlecht und der Legitimität sowie über Gestorbene nach
dem Geschlecht. Obwohl in den Zählkarten schon ab 1875 in allen Bundesstaaten eine Reihe weiterer Merkmale
erfragt wurde, z. B. Alter, Konfession, Familienstand und Beruf der Eheschließenden, Tag und Stunde der Geburt
bzw. des Todes, Familienstand und Beruf der Gestorbenen und einzelne Bundesstaaten noch darüber hinaus-
gingen, liegen Ergebnisse für das gesamte Deutsche Reich in tieferer Gliederung erst seit 1901 vor. Neben der Aus-
zählung der meisten der oben genannten Merkmale wurden erstmals auch die Mehrlingsgeburten und die Ge-
storbenen nach dem Alter und nach Todesursachen nachgewiesen, die gestorbenen Säuglinge auch nach dem
Geschlecht und der Legitimität. Mit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches wurden 1900 auch die gericht-
lichen Ehelösungen auf eine gemeinsame rechtliche Grundlage gestellt und diese Statistik verbessert. Eine einheit-
liche Scheidungsstatistik im Deutschen Reich gibt es allerdings erst seit 1934.
Eine Statistik der überseeischen Wanderungen (d. h. der Aus- und Einwanderungen über Seehäfen) wurde
1871 eingeführt. Sie basierte auf den Verzeichnissen der Einschiffungshäfen. Als Auswanderer wurden alle im
Deutschen Reich ansässigen Personen gezählt, die das Reichsgebiet dauernd (auf mindestens ein Jahr) über reichs-
deutsche Häfen verließen sowie die bisher im Ausland ansässigen Personen, die über reichsdeutsche Häfen aus-
reisten, um sich im Ausland niederzulassen (Durchwanderer). Ergänzend hierzu wurde auch in gewissem Um-
fang die Auswanderung deutscher über fremde Häfen erfaßt. 1937 wurden einheitliche Aus- und Einreiselisten
eingeführt. Im Jahre 1938 wurde für das Reichsgebiet eine Statistik der gesamten Aus- und Einwanderung über die
Reichsgrenzen (einschl. derjenigen auf dem Landwege) aufgenommen. Erhebungsgrundlage waren reichseinheit-
lich die aufgrund der Reichsmeldeordnung von 1938 erforderlichen polizeilichen An- und Abmeldungen. Von
1953 bis 1958 wurde im Bundesgebiet eine Ein- und Auswanderungsstatistik durchgeführt, die auf Kontrollen an
den Grenzübergangsstellen beruhte. Als Erhebungspapiere dienten besondere Ein- und Auswanderungskarten.
Diese Statistik war jedoch wegen Erfassungsschwierigkeiten unvollständig und wurde deshalb 1959 eingestellt.
An ihre Stelle trat die Statistik der Zu- und Fortzüge über die Auslandsgrenzen des Bundesgebietes, die ebenso wie
die Statistik der Wanderungen innerhalb des Bundesgebietes auf den polizeilichen An- und Abmeldungen beruht.

Erläuterungen zu den T a b e l l e n

Die Eheschließungen werden nach dem Registrierort ausgezählt. Es werden grundsätzlich sowohl Deutsche
als auch Ausländer, die im Bundesgebiet heiraten, erfaßt. Eine Ausnahme gilt nur für Fälle, in denen beide Ehe-
gatten Mitglieder der im Bundesgebiet stationierten ausländischen Streitkräfte sind.
Ebenso wie die Eheschließungen wurden früher auch die Geborenen und die Gestorbenen an dem Ort
registriert, wo sich der Personenstandsfall ereignete. Wegen der zunehmenden Inanspruchnahme der in den
Städten befindlichen Entbindungsanstalten und Krankenhäuser durch die ländliche Bevölkerung wurde 1933 das
Wohnortprinzip in die amtliche Statistik eingeführt. Nach Feststellung der vorläufigen monatlichen Ergebnisse
nach dem Ereignis- bzw. Registrierort erfolgte deshalb eine Umsortierung der Geburtenzählkarten nach dem
Wohnort der Mutter und der Sterbefallzählkarten nach dem Wohnort des Gestorbenen.
Die Unterscheidung der Kinder nach ehelich und nichtehelich Geborenen richtet sich nach den Vor-
schriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 1591 ff). Die Bezeichnung »nichtehelich« wurde aufgrund des Gesetzes
über die rechtliche Stellung der nichtehelichen Kinder von 1969 anstelle der bisherigen Bezeichnung »unehelich«
eingeführt. Ein Kind, das nach Eingehen der Ehe oder bis zu 302 Tagen nach Auflösung der Ehe geboren wird,
gilt, unbeschadet der Möglichkeit einer späteren Anfechtung der Ehelichkeit, als'ehelich.
Für die Unterscheidung von Lebend- und Totgeborenen gilt ab 1958 die Definition, daß eine Lebendgeburt
vorliegt, wenn bei einem Kind nach der Scheidung vom Mutterleib entweder das Herz geschlagen oder die Nabel-
schnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat. Hat sich keines der genannten Merkmale des
Lebens gezeigt und ist die Leibesfrucht mindestens 35 cm lang, so gilt sie als totgeboren; ist sie weniger als 35 cm
lang, handelt es sich um eine Fehlgeburt. Fehlgeburten werden in den Personenstandsbüchern nicht beurkundet.
Vor 1958 galt ein Kind als lebend geboren, wenn die natürliche Lungenatmung eingesetzt hatte. Totgeborene
zählen in der Statistik als Geborene und sind daher in den Zahlen der Gestorbenen nicht enthalten, obwohl sie
vom Standesbeamten in das Sterbebuch eingetragen werden.
Bei den Sterbefällen handelt es sich nur um die im Berichtszeitraum Gestorbenen. Nachträglich beurkundete
Sterbefälle aus früheren Jahren, insbesondere Kriegssterbefälle, sind in den Zahlen nicht enthalten. Für sie wird
eine besondere Statistik geführt. Dasselbe gilt für die gerichtlichen Todeserklärungen.

7* 99
II. Bevölkerungsbewegung

Die Säuglingssterblichkeit, ausgedrückt als Verhältnis der im ersten Lebensjahr gestorbenen Kinder auf
1 000 Lebendgeborene, wird im allgemeinen unter Berücksichtigung der Geburtenentwicklung berechnet. Stö-
rende Einflüsse durch Schwankungen der Geborenenzahlen sind dadurch ausgeschaltet. Berechnungen nach
Geschlecht und Altersmonaten auf der Grundlage der Sterbejahrmethode von Rahts werden ab 1952 jährlich
nachgewiesen. Bei der Ermittlung der Säuglingssterblichkeit ehelicher und nichtehelicher Kinder können die
nachträglich erfolgten Legitimierungen nichtehelicher Kinder nicht berücksichtigt werden. Die Zahl der Legi-
timierungen nichtehelich geborener Kinder dürfte die Zahl der erfolgreichen Anfechtungen der Ehelichkeit von
Kindern übersteigen. Die Sterblichkeit der ehelichen Säuglinge ist daher geringfügig zu hoch, die der nichtehe-
lichen dagegen etwas zu niedrig berechnet.
Grundlage für die gerichtlichen Ehelösungen sind für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Vorschriften des
Ehegesetzes. Die nachstehenden Tabellen beziehen sich ausschließlich auf die Ehescheidungen, da die
beiden anderen im Gesetz unterschiedenen Arten der Ehelösung, nämlich die Nichtigkeit und die Aufhebung der
Ehe, zahlenmäßig nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen.
Die in Tabelle 12 enthaltenen Angaben über die Auswanderung nach ausgewählten Zielgebieten weisen er-
hebliche Erfassungsunterschiede auf und sind deshalb nicht durchgehend vergleichbar. In der Zeit bis zum
Zweiten Weltkrieg wurden nur die Auswanderungen über die Seehäfen mehr oder weniger vollständig erfaßt
(siehe oben). Entsprechende Angaben für die Zeit von 1946 bis 1953 beruhen auf einer Zusammenstellung der
OECD unter Mitwirkung der Vereinten Nationen, des Internationalen Arbeitsamtes und des Zwischenstaatlichen
Komitees für Europäische Auswanderung. Ab 1954 handelt es sich um die Fortzüge über die Auslandsgrenzen
des Bundesgebietes aufgrund der polizeilichen Abmeldescheine. Nach den bisherigen Erfahrungen geben die
Zahlen über die Fortzüge von Deutschen nach dem außereuropäischen Ausland ein ungefähres Bild vom Umfang
der »Auswanderung« nach Übersee. Dabei muß hingenommen werden, daß die Zahlen auch Personen umfassen,
die beispielsweise als Entwicklungshelfer, Ärzte, Techniker, Kaufleute und Studenten zwar für längere Zeit ins
Ausland gehen, im strengen Sinne jedoch nicht als Auswanderer anzusehen sind, weil sie nach einiger Zeit
wieder zurückkehren. Bei den Wanderungen zwischen dem Bundesgebiet und dem europäischen Ausland handelt
es sich nur zu einem kleinen Teil um Aus- und Einwanderung im eigentlichen Sinne. Diese Wanderungen spiegeln
in der Hauptsache das Ausmaß der Fluktuation ausländischer Arbeitnehmer wider.
In Tabelle 13 ist die Gesamtwanderung seit 1950 dargestellt. Die Zahlen über die Wanderungen über die
Grenzen des Bundesgebietes enthalten nicht nur Angaben über die Wanderungen aus dem bzw. nach dem Aus-
land, sondern auch über die Wanderungsbewegung zwischen der Bundesrepublik und der DDR, Berlin (Ost)
sowie den früheren Ostgebieten des Deutschen Reiches. Bei den Wanderungen innerhalb des Bundesgebietes
(Binnenwanderung) entspricht jedem Zuzug in der einen ein Fortzug in einer anderen Gemeinde. Zur Erfassung
dieser Wanderungen genügt demnach die Bearbeitung lediglich eines Meldescheins. Seit 1953 werden dazu im
allgemeinen die Anmeldescheine herangezogen.

100
II. Bevölkerungsbewegung

1. Eheschließungen, Geborene und Gestorbene

Überschuß Überschuß
der Ge- Gestorbene der Ge-
Mittlere Ehe- Gestorbene Ehe-
Lebend- borenen ( + ) Lebend- (ohne borenen (+)
Be- schlie- (ohne schlie-
Jahr völkerung geborene Totgeb.) bzw. Ge- ßungen geborene Totgeb.) bzw. Ge-
ßungen
storbenen storbenen
(-) (-)

1 000 Anzahl auf 1 000 Einwohner

Reichsgebiet

1841 32 979 270 713 1 201 587 864 075 +337 512 8,2 36,4 26,2 + 10,2
1842 33 298 278 023 1 251 102 902 529 +348 573 8,3 37,6 27,1 + 10,5
1843 33 605 275 363 1 209 762 905 608 +304 154 8,2 36,0 26,9 + 9,1
1844 33 922 278 355 1 216 429 830 345 +386 084 8,2 35,9 24,5 + 11,4
1845 34 284 278 899 1 278 286 867 729 +410 557 8,1 37,3 25,3 + 12,0
184Ó 34 610 273129 1 244 369 939 436 +304 933 7,9 36,0 27,1 + 8,8
1847 34 784 250 689 1 156 820 983 981 +172 839 7,2 33,3 28,3 + 5,0
1848 34 839 265151 1 160 533 1 011 954 +148 579 7,6 33,3 29,0 + 4,3
1849 35 004 287 389 1 333 379 947 476 +385 903 3,2 38,1 27,1 + 11,0
1850 35 303 299 916 1 311 724 903 521 +408 203 8,5 37,2 25,6 + 11,6

1851 35 620 296 753 1 306 877 889 601 +417 276 8,3 36,7 25,0 + 11,7
1852 35 858 274 404 1 271 446 1 018135 +253 311 7,7 35,5 28,4 + 7,1
1853 35 989 274 580 1 244192 978 650 +265 542 7,6 34,6 27,2 + 7,4
1854 36 923 255 278 1 226 769 972 726 +254 043 7,1 34,0 27,0 + 7,0
1855 36136 252 503 1 162 945 1 016 284 +146 661 7,0 32,2 28,1 + 4,1
1856 36 257 272 853 1 215 390 913913 +301 477 7,5 33,5 25,2 + 8,3
1857 36 524 304 558 1 315 034 991 753 +323 281 8,3 36,0 27,2 + 8,9
1858 36 828 313 652 1 354 817 985176 +369 641 8,5 36,8 26,8 + 10,0
1859 37188 298 639 1 393 339 956 924 +436 415 8,0 37,5 25,7 + 11,7
1860 37 609 302 397 1 367 012 873 364 +493 648 8,0 36,3 23,2 + 13,1

1861 38 001 295 434 1 357 355 972 989 +384 366 7,8 35,7 25,6 + 10,1
1862 38 360 312 247 1 358 896 945 530 +413 366 8,1 35,4 24,6 + 10,8
1863 38.763 330 335 1 454 340 996 193 +458 147 8,5 37,5 25,7 + 11,8
1864 39187 334 613 1 481 778 1 027 756 +454 022 8,5 37,8 26,2 + 11,6
1865 39 545 353 807 1 488 620 1 091 419 +397 201 8,9 37,6 27,6 + 10,0
1866 32 765 314 202 1 505 287 1 217 591 +287 696 8,0 37,8 30,6 + 7,2
1867 40 031 363 491 1 471 747 1 045 534 +426 213 9,1 36,8 26,1 + 10,6
1868 40 223 357 916 1 481 727 1 110 620 +371 107 8,9 36,8 27,6 + 9,2
1869 40 493 384 267 1 529 387 1 089 503 + 4 3 9 884 9,5 37,8 26,9 + 10,9
1870 40 804 313 961 1 569 206 1 117 875 +451 331 7,7 38,5 27,4 + 11,1

1871 40 995 336 745 1 414 248 1 212 869 +201 379 8,2 34,5 24,6 + 4,9
1872 41 185 423 900 1 626 037 1 194 732 +431 305 10,3 39,5 29,0 + 10,5
1873 41 532 416 049 1 648117 1 174 293 + 4 7 3 824 10,0 39,7 28,3 + 11.4
1874 41 983 400 282 1 683 440 1 122 396 +561 044 9,5 40,1 26,7 + 13,4
1875 42 510 386 746 1 724 412 1 172 393 +552 019 9,1 40,6 27,6 +13,0
1876 43 057 366 930 1 761 046 1 134 452 + 6 2 6 594 8,5 40,9 26,3 + 14,6
1877 43 608 347 792 1 744 659 1 152 023 +592 636 8,0 40,0 26,4 +13,6
1878 44127 340 016 1 714 433 1 157 960 + 5 5 6 473 7,7 38,9 26,2 + 12,6
1879 44 639 335113 1 735 871 1 143 773 +592 098 7,5 38,9 25,6 + 13,3
1880 45 093 337 342 1 696 175 1 173 205 +522 970 7,5 37,6 26,0 + 11,6

101
II. Bevölkerungsbewegung

1. Eheschließungen, Geborene und Gestorbene

Überschuß Überschuß
der Ge- der Ge-
Mittlere Ehe- Gestorbene borenen ( + ) Ehe- Gestorbene
Lebend- Lebend- borenen ( + )
Be- schlie- geborene (ohne bzw. Ge- schlie- (ohne ! bzw. Ge-
Jahr völkerung geborene
ßungen Totgeb.) storbenen ßungen Totgeb.) storbenen
(-) (-)

1 000 Anzahl auf 1 000 Einwohner

Reichsgebiet
1881 45 426 338 909 1 682 149 1 156 391 +525 758 7,5 37,0 25,5 +11,6
1882 45 717 350 457 1 702 348 1 176 853 + 525 495 7,7 37,2 25,7 +11,5
1883 46 014 352 999 1 683 699 1 190 002 +493 697 7,7 36,6 25,9 +10,7
1884 46 335 362 596 1 725 583 1 203 500 +522 083 7,8 37,2 26,0 +11,3
1885 46 705 368 619 1 729 927 1 199 742 +530185 7,9 37,0 25,7 + 11,4
1886 47103 372 326 1 746 133 1 233 737 +512 396 7,9 37,1 26,2 + 10,9
1887 47 540 370 659 1 757 079 1 151 924 +605155 7,8 36,9 24,2 +12,7
1888 48 020 376 654 1 761 407 1 142 826 +618 581 7,8 36,6 23,7 + 12,8
1889 48 512 389 339 1 772 570 1 153 087 +619 483 8,0 36,4 23,7 + 12,7
1890 49 239 395 356 1 759 253 1 199 006 + 560 247 8,0 35,7 24,4 + 11,4

1891 49 767 399 398 1 840 172 1 164 421 +675 751 8,0 37,0 23,4 + 13,6
1892 50 279 398 775 1 795 971 1 211 402 +584 569 7,9 35,7 24,1 + 11,6
1893 50 778 401 234 1 865 715 1 248 201 +617 514 7,9 36,8 24,6 + 12,2
1894 51 339 408 066 1 841 205 1 144 331 +696 874 7,9 35,9 22,3 + 13,6
1895 52 001 414 218 1 877 278 1 151 488 +725 790 8,0 36,1 22,1 + 13,9
1896 52 753 432107 1 914 749 1 098 966 +815 783 8,2 36,3 20,8 + 15,5
1897 53 569 447 770 1 926 690 1 142 056 +784 634 8,4 36,1 21,3 + 14,6
1898 54 406 458 877 1 964 731 1 117 860 +846 871 8,4 36,1 20,5 + 15,6
1899 55 248 471 519 1 980 304 1 185197 +795 107 8,5 35,9 21,5 + 14,4
1900 56 046 476 491 1 996 139 1 236 382 +759 757 8,5 35,6 22,1 + 13,6

1901 56 874 468 329 2 032 313 1 174 489 +857 824 8,2 35,7 20,7 + 15,1
1902 57 767 457 208 2 024 735 1 122 492 +902 243 7,9 35,1 19,4 + 15,6
1903 58 629 463150 1 983 078 1 170 905 +812 173 7,9 33,8 20,0 + 13,9
1904 59 475 477 822 2 025 847 1 163183 +862 664 8,0 34,0 19,6 + 14,5
1905 60 314 485 906 1 987153 1 194 314 +792 839 8,1 33,0 19,8 + 13,2
1906 61 153 498 990 2 022 477 1 112 202 +910 275 8,2 33,1 18,2 + 14,9
1907 62 013 503 964 1 999 933 1 117 309 +882 624 8,1 32,3 18,0 + 14,2
1908 62 863 500 620 2 015 052 1 135 490 +879 562 8,0 32,1 18,1 + 14,0
1909 63 717 494127 1 978 278 1 094 217 +884 061 7,8 31,0 17,2 + 13,9
1910 64 568 496 396 1 924 778 1 045 665 +879113 7,7 29,8 16,2 + 13,6

1911 65 359 512 819 1 870 729 1 130 784 +739 945 7,8 28,6 17,3 +11,3
1912 66146 523 491 1 869 636 1 029 749 +839 887 7,9 28,3 15,6 + 12,7
1913 66 978 513 283 1 838 750 1 004 950 +833 800 7,7 27,5 15,0 + 12,4
1914 67 790 460 608 1 818 596 1 291 310 +527 286 6,8 26,8 19,0 + 7,8
1915 67 883 278 208 1 382 546 1 450 420 - 67 874 4,1 20,4 21,4 - 1,0
1916 67 715 279 076 1 029 484 1 298 054 - 2 6 8 570 4,1 15,2 19,2 - 4,0
1917 67 368 308 446 912109 1 345 424 - 4 3 3 315 4,7 13,9 20,6 - 6,6
1918 66 811 352 543 926 813 1 606 475 - 6 7 9 662 5,4 14,3 24,8 -10,5
1919 62 897 844 339 1 260 500 978 380 + 282 120 13,4 20,0 15,6 + 4,5
1920 61 794 894 978 1 599 287 932 929 +666 358 14,5 25,9 15,1 + 10,8

1921 62 473 740 330 1 581 130 869 555 +711 575 11,9 25,3 13,9 + 11,4
1922 61 185 681 891 1 404 215 880 626 +523 589 11,1 23,0 14,4 + 8,6
1923 61 577 581 277 1 297 449 857 898 +439 551 9,4 21,1 13,9 + 7,1
1924 61 953 440 039 1 270 820 759 075 +511 745 7,1 20,5 12,3 + 8,3
1925 62 411 482 792 1 292 499 744 691 + 547 808 7,7 20,7 11,9 + 8,8
1926 62 866 483 198 1 227 900 734 359 +493 541 7,7 19,5 11,7 + 7,9
1927 63 252 538 463 1 161 719 757 020 +404 699 8,5 18,4 12,0 + 6,4
1928 63 618 587175 1 182 815 739 520 +443 295 9,2 18,6 11,6 + 7,0
1929 63 957 589 611 1 147 458 805 962 +341 496 9,2 17,9 12,6 + 5,3
1930 64 294 562 648 1 127 450 710 850 +416 600 8,8 17,5 11,1 + 6,5

102
II. Bevölkerungsbewegung

1. Eheschließungen, Geborene und Gestorbene


Überschuß Ι Überschuß
Mittlere Ehe- Gestorbene2) der Ge- Ehe- Gestorbene . χ
Be- schlie- Lebend- (ohne borenen (+) Lebend- (ohne |borenen ( + )
schlie- τ } . . χ ι bzw. Ge-
Jahr völkerung ßungen geborene Totgeb.) bzw. Ge- geborene Totgeb.)
ßungen s f o r b e n e n
storbenen
(-) (-)
1 000 Anzahl auf 1 000 Einwohner

Reichsgebiet

1931 64 631 515 403 1 031 770 725 816 +305 954 8,0 16,0 11,2 +4,7
1932 64 911 509 597 978 210 699 620 + 278 590 7,9 15,1 10,8 +4,3
1933 65 218 631 152 956 971 729 499 +227 472 9,7 14,7 11,2 +3,5
1934 65 595 732147 1 182 789 716 957 +465 832 11,2 18,0 10,9 + 7,1
1935 66 871 651 435 1 263 976 792 018 +471 958 9,7 18,9 11,8 +7,1
1936 67 349 609 770 1 278 583 795 793 +482 790 9,1 19,0 11,8 + 7,2
1937 67 831 670 265 1 277 046 794 367 +482 679 9,1 18,8 11,7 + 7,1
19381) 68 424 645 062 1 348 534 799 220 +549 314 9,4 19,6 11,6 + 7,9
19391) 69 314 774163 1 413 230 854 3483) +558 882 11,2 20,4 12,3 +8,1
19401) 69 838 613103 1 402 258 885 5913) +516 667 8,8 20,0 12,7 + 7,3
19411) 70 244 504 200 1 308 232 844 4353) +463 797 7,2 18,6 12,0 +6,6
19421) 70 834 525 459 1 055 915 847 8613) + 208 054 7,4 14,9 12,0 +2,9
19431) 70 411 514 095 1 124 718 853 2463) +271 472 7,3 16,0 12,1 +3,9

Bundesgebiet

1938 42 576 405 432 828173 485 537 +342 638 9,5 19,5 11,4 +8,0
1946 45 346 400 399 732 998 588 331 +144 667 8,8 16,1 13,0 +3,2
1947 47 555 482193 781 421 574 628 +206 793 10,1 16,4 12,1 +4,3
1948 48 914 525160 806 074 515 092 +290 982 10,7 16,5 10,5 +6,0
1949 49 802 506 199 832 803 517194 +315 609 10,2 16,8 10,4 +6,4
1950 50 601 535 708 812 835 528 747 +284 088 10,7 16,2 10,5 +5,7

1951 51 194 522 946 795 608 543 897 +251 711 10,3 15,7 10,8 +5,0
1952 51 603 483 358 799 080 545 963 +253117 9,5 15,7 10,7 +5,0
1953 52196 462101 796 096 578 027 +218 069 9,0 15,5 11,3 +4,2
1954 52 685 453168 816 028 555 459 +260 569 8,7 15,7 10,7 +5,0
1955 53174 461 818 820128 581 872 +238 256 8,8 15,7 11,1 +4,5
1956 53 800 478 352 855 887 599 413 +256 474 9,0 16,1 11,3 +4,8
1957 53 692 482 590 892 228 615 016 +277 212 9,0 16,6 11,5 +5,2
1958 54 373 494110 904 465 597 305 +307 160 9,1 16,7 11,0 +5,7
1959 55 015 503 981 951 942 605 504 +346 438 9,2 17,3 11,0 +6,3
1960 55 577 521 445 968 629 642 962 +325 667 9,4 17,4 11,6 +5,9

1961 56173 529 901 1 012 687 627 561 +385126 9,4 18,0 11,2 +6,9
1962 56 947 530 640 1 018 552 644 819 +373 733 9,3 17,9 11,3 +6,6
1963 57 606 507 644 1 054123 673 069 +381 054 8,8 18,3 11,7 +6,6
1964 58 290 506182 1 065 437 644 128 +421 309 8,7 18,2 11,0 +7,2
1965 59 041 492128 1 044 328 677 628 +366 700 8,3 17,7 11,5 +6,2
1966 59 676 484 562 1 050 345 686 321 +364 024 8,1 17,6 11,5 +6,1
1967 59 872 483 101 1 019 459 687 349 +332110 8,1 17,0 11,5 +5,5
1968 60165 444150 969 825 734 048 +235 777 7,4 16,1 12,2 +3,9
1969 60 842 446 586 903 456 744 360 +159 096 7,3 14,8 12,2 +2,6
1970 60 6514) 444 510 810 808 734 843 + 75 965 7,3 13,4 12,1 + 1,3
19715) 61 713 431 823 778 531 730 671 + 47 860 7,0 12,6 11,8 +0,8

1
) Gebietsstand: 31.12.1937. — 2 ) Ab 1946 ohne nachträglich beurkundete Kriegssterbefälle und gerichtliche Todeserklärungen.—
3
) Ab 1. 9. 1939 ohne Sterbefälle von Wehrmachtsangehörigen. — 4 ) Stand: 27. 5. — 5 ) Vorläufige Ergebnisse.

103
II. Bevölkerungsbewegung

2. Eheschließende nach d e m bisherigen Familienstand der Ehegatten


Von 100 eheschließenden Männern bzw. Frauen waren vor der Eheschließung
Ehe-
Jahr schließungen ledig verwitwet geschieden ledig verwitwet geschieden
insgesamt
Männer Frauen

Reichsgebiet
468 329 89,9 9,3 0,8 93,7 5,5 0,8
457 208 89,9 9,3 0,8 93,7 5,4 0,9
463150 89,9 9,2 0,9 93,7 5,3 1,0
477 822 89,9 9.2 0,9 93,7 5,3 1,0
485 906 89.7 9.3 1,0 93,7 5.3 1,0
498 990 90,0 8,9 1,1 93,7 5,2 1,1
503 964 90,0 8,8 1,2 93,7 5,2 1,1
500 620 90,0 8,9 1,1 93,6 5,2 1,2
494127 89,9 8,9 1,2 93,5 5,2 1,3
496 396 89.8 8,9 1.3 93.5 5.2 1.3
512 819 90,0 8,6 1.4 93.6 5,0 1.4
523 491 90,0 8,6 1.4 93,5 5,0 1.5
513 283 90.0 8.5 1.5 93.5 5,0 1.5
460 608 90.1 8,0 1,9 93,0 4.8 2,2
278 208 87,8 9.6 2.6 91.2 5.9 2,9
279 076 86.7 10,9 2,4 91.0 6,7 2,3
308 446 86.8 11,0 2,2 90.1 8,0 1,9
352 543 84,5 13,1 2,4 87.7 10,5 1,8
844 339 86.3 11,8 1,9 86.2 12,5 1,3
894 978 88.4 9,2 2.4 87.8 10,5 1.7
740 330 87.7 9,0 88.3 9.4
3,3 2,3
681 891 87.8 8,6 3.6 89.7 7,7 2.6
581 277 87.2 8,9 90.4 6,7
3,9 2,9
440 039 85.8 10,0 4,2 90.3 6.5 3,2
482 792 87.0 8,9 4,1 91.8 5.0 3.2
483 198 87.4 8,6 4,1 92.4 4.3 3.3
538 463 88.1 7,9 4,0 93,1 3,7 3.2
587 175 88.7 7.4 3,9 93.6 3,3 3,1
589 611 88.8 7.2 4.0 93.8 3.1 3.1
562 648 88.5 7,4 4.1 93.7 3.0 3.3
515 403 88,5 7.3 4.2 93.9 2,9 3.2
509 597 88,7 7.0 4.3 94.1 2,7 3.2
631 152 90.1 5,9 4,0 94,7 2,3 3.0
732 147 90,5 5,3 4,2 94.4 2.3 3.3
651 435 89.2 6.1 4.7 93.5 2,7 3.8
609 770 88.9 6.3 4.8 93.2 2,9 3.9
620 265 88.3 6.4 5.2 92,5 3.2 4,3
645 062 87,7 6.7 5.6 91,7 3.4 4,9
Bundesgebiet
482193 80,9 8.8 10,2 80.3 13,8 5,9
525160 79,7 8,2 12,1 79,9 12,5 7,6
506199 80,5 7.4 12,1 81,5 10,4 8,0
535 708 80,7 6,6 12.7 80.7 11,0 8,3
522 946 82.4 5.8 11.8 82,9 9.2 7,9
483 358 83.5 5.5 11,0 85,1 7,4 7,6
462101 84.0 5,4 10.5 86.5 5,9 7.6
453 168 84.1 5.4 10.6 87.1 5.1 7.8
461 818 84,4 5,2 10,4 87.6 4.4 7.9
478 352 85.3 4.9 9.8 88.8 3.5 7.7
482 590 85.4 5,0 9.5 88,9 3,7 7.5
494110 86,0 5,0 9.0 89,5 3,4 7.1
503 981 86.5 4,8 8.7 90,0 3,1 6.8
521 445 87.1 4.6 8.3 90.2 3,0 6,7
529 901 87.3 4.5 8,3 90.4 3,0 6.6
530 640 87.4 4.4 8.1 90.3 3,0 6,7
507 644 87.2 4.6 8,2 89,9 3,0 7.1
506 182 87,0 4.5 8,5 89.5 3,0 7,5
492128 86.6 4.6 8.9 88,8 3.0 8.2
484 562 86,4 4.6 9,0 88.4 3.1 8,5
483101 86,2 4.7 9,0 88,0 3.3 8.7
444150 85,6 4,7 9,7 87,3 3,0 9.8
446 586 85,6 4,6 9,7 87,2 3,0 9.9
444 510 85,4 4,5 10,2 86,8 2,9 10,3
') Gebietsstand: 31.12.1937.

104
II. Bevölkerungsbewegung

3. Durchschnittliches H e i r a t s a l t e r nach d e m bisherigen Familienstand der Ehegatten


Durchschnittliches Heiratsalter in Jahren

Männer Frauen
Jahr
Familienstand vor der Eheschließung Familienstand vorder Eheschließung
insgesamt insgesamt
Ledig Verwitwet Geschieden Ledig Verwitwet Geschieden

Reichsgebiet

1911 28,9 27,4 42,9 39,4 25,7 24,8 40,2 36,0


1912 29,0 27,4 43,1 39,5 25,7 24,7 40,4 36,1
1913 29,0 27,5 43,2 39,4 25,7 24,7 40,4 35,9

1920 30,3 28,6 44,2 39,1 26,9 25,7 35,7 35,7


1921 30,1 28,3 45,1 39,2 26,8 25,5 37,0 35,4
1922 29,8 27,9 45,2 39,4 26,5 25,3 38,1 35,2
1923 29,6 27,6 45,1 39,7 26,3 25,1 38,9 35,4
1924 29,9 27,6 45,1 39,9 26,5 25,3 39,3 35,5
1925 29,6 27,5 45,4 39,7 26,4 25,3 40,0 , 35,6
1926 29,5 27,4 45,7 39,5 26,3 25,3 40,4 35,6
1927 29,3 27,4 46,0 39,1 26,2 25,3 40,6 35,4
1928 29,2 27,4 46,1 39,2 26,1 25,3 40,8 35,6
1929 29,2 27,4 46,2 39,5 26,1 25,3 40,8 35,7

1930 29,3 27,5 46,4 39,4 26,1 25,3 41,0 35,9


1931 29,3 27,5 46,4 39,3 26,1 25,3 41,0 35,7
1932 29,3 27,5 46,4 39,1 26,1 25,3 41,0 35,5
1933 29,1 27,5 46,5 38,9 26,0 25,4 40,7 35,2
1934 29,0 27,5 46,6 39,1 26,1 25,4 40,4 35,3

19381) 30,6 28,8 47,5 39,7 27,2 26,2 41,0 35,9

Bundesgebiet

19472) 31,1 28,4 46,7 38,2 27,1 25,1 35,2 34,4

19482) 31,1 28,3 47,6 38,5 27,3 25,3 36,0 34,2


19492) 30,3 27,6 47,1 38,3 26,7 24,7 36,1 34,0
19503) 30,1 28,1 48,7 39,5 27,4 25,4 36,3 34,8

19513) 30,5 27,8 50,0 39,9 27,1 25,2 36,9 35,2


19523) 30.5 27,6 51,0 40,3 26,9 25,1 38,4 35,8

19533) 30,1 27,4 51,8 40,6 26,8 25,0 39,7 36,2


19543) 29,5 26,7 51,6 40,2 26,1 24,4 40,4 35,9
19553) 29,8 27,0 52,5 40,7 26,2 24,4 41,7 36,5
1956 29,4 26,8 52,7 40,6 26,0 24,4 42,3 36,8
1957 29,3 26,6 53,8 40,9 25,8 24,1 43,8 37,1
1958 29,0 26,3 54,1 40,9 25,6 23,9 44,6 37,0
1959 28,7 26,0 54,5 40,7 25,3 23,8 45,2 37,0
1960 28,5 25,9 54,7 40,7 25,2 23,7 45,6 36,7

1961 28,4 25,9 54,9 40,4 25,2 23,7 46,1 36,6


1962 28,3 25,8 55,1 40,1 25,2 23,7 46,4 36,2
1963 28,4 25,9 55,4 39,9 25,3 23,7 46,9 36,0
1964 28,5 25,9 56,0 39,4 25,3 23,7 47,0 35,6
1965 28,5 26,0 56,1 39,3 25,4 23,7 47,1 35,4
1966 28,6 26,0 56,3 39,1 25,3 23,6 47,3 35,3
1967 28,6 26,0 56,9 39,1 25,3 23,5 47,9 35,3
1968 28,5 25,8 56,8 38,8 25,2 23,3 47,5 35,3
1969 28,4 25,7 57,0 38,7 25,0 23,1 47,8 35,2

1970 28,3 25,6 57,1 38,4 24,9 23,0 48,1 35,0

') Gebietsstand: 31.12.1937. — 2 ) Bundesgebiet (ohne Saarland und Berlin). — 3 ) Bundesgebiet ohne Saarland.

7a 105
II. Bevölkerungsbewegung

4. Eheschließungen nach der Religionszugehörigkeit der Ehegatten

Von den Eheschließungen entfielen auf


konfessionell einheitliche Ehen konfessionell gemischte Ehen
Ehe-
schließungen darunter darunter
Jahr
insgesamt zusammen3) zusammen3)
Mann u. Frau Mann u. Frau Mann evangelisch Mann röm.-kath.
evangelisch röm.-kath. Frau röm.-kath. Frau evangelisch

Anzahl °/o

Reichsgebiet

1901 ... 468 329 91,2 59,2 31,0 8,8 3,9 4,4
1902 ... 457 208 91,3 59,6 30,7 8,7 3,9 4,4
1903 ... 463150 91,2 59,7 30,4 8,8 4,0 4,4
1904 ... 477 822 90,9 59,4 30,5 9,1 4,2 4,5
1905 ... 485 906 90,9 59,5 30,4 9,1 4,1 4,5
1906 ... 498 990 90,7 59,6 30,1 9,3 4,2 4,6
1907 ... 503 964 90,5 59,1 30,5 9,5 4,3 4,7
1908 ... 500 620 90,5 59,2 30,4 9,5 4,2 4,7
1909 ... 494127 90,4 59,4 30,1 9,6 4,3 4,6
1910 ... 496 396 90,1 59,2 30,0 9,9 4,4 4,8
1911 ... 512 819 90,0 59,3 29,8 9,9 4,5 4,8
1912 ... 523 491 89,7 59,2 29,6 10,3 4,6 4,9
1913 ... 513 283 89,6 58,8 29,9 10,4 4,7 4,9
1914 ... 460 608 88,0 60,3 26,9 12,0 5,3 5,6
1915 ... 278 208 85,1 59,4 25,1 14,9 6,9 6,8
1916 ... 279 076 85,7 57,3 27,7 14,3 6,4 6,8
1917 308 446 86,4 56,9 28,8 13,6 6,0 6,6
1918 ... 352 543 86,5 55,3 30,4 13,5 5,8 6,7
1919 844 339 89,4 59,1 29,3 10,6 4,5 5,2
1920 894 977 88,8 60,1 27,4 11,2 4,7 5,3
1921 731 157 88,2 59,7 27,1 11,8 4,7 5,3
1922 681 891 87,1 60,4 25,2 12,9 5,2 5,5
1923 581 277 86,7 59,9 25,1 13,3 5,3 5,6
1924 440 039 86,4 59,8 24,8 13,5 5,4 5,6
1925 482 792 86,2 59,0 25,3 13,8 5,4 5,6
1926 483 198 85,7 58,4 25,3 14,3 5,5 5,6
1927 538 463 85,2 57,9 25,1 14,8 5,5 5,6
1928 587175 84,6 57,3 25,0 15,4 5,5 5,7
1929 589 611 84,2 56,6 25,2 15,8 5,7 5,7
1930 562 648 84,1 56,4 25,2 15,9 5,7 5,6
1931 515 403 83,9 56,1 25,3 16,1 5,8 5,6
1932 509 597 83,5 55,9 24,9 16,5 5,8 5,6
1933 631 152 84,2 56,2 25,5 15,8 5,8 5,7
1934 732147 84,8 57,9 24,9 15,2 5,8 5,7
1935 651 435 85,0 57,4 26,0 15,0 5,9 5,7
1936 609 770 84,9 56,6 26,6 15,1 5,9 5,7
1937 620 265 83,5 54,9 26,7 16,5 5,9 5,8
19381) 645 062 81,1 51,5 26,9 18,9 6,1 6,1

Bundesgebiet
2
1951 ) 493 563 74,5 39,0 34,7 25,5 10,8 10,0
19522) 455 410 74,8 39,0 34,9 25,2 10,9 10,0
19532) 435 250 74,9 38,9 35,2 25,1 10,9 10,0
19542) 427 408 74,6 38,6 34,7 25,4 10,9 10,1
19552) 435 516 74,4 38,7 34,4 25,6 10,9 10,3
1956 478 352 74,5 39,5 33,7 25,5 10,7 10,2
1957 482 590 74,4 39,7 33,4 25,6 10,7 10,4
1958 494110 74,5 40,1 33,2 25,5 10,7 10,4
1959 503 981 74,3 40,6 32,6 25,7 10,6 10,6
1960 521 445 74,1 40,3 32,7 25,9 10,8 10,7
1961 529 901 73,9 40,2 32,6 26,1 10,8 10,8
1962 530 640 73,6 40,2 32,2 26,4 10,9 10,9
1963 507 644 72,9 39,6 32,1 27,1 11,3 11,2
1964 506 182 72,3 39,2 31,8 27,7 11,5 11,3
1965 492128 71,6 38,9 31,2 28,4 11,8 11,6
1966 484 562 71,1 38,4 30,7 28,9 12,0 11,7
1967 483 101 70,7 37,4 31,5 29,3 12,2 12,0
1968 444150 69,9 38,4 29,8 30,1 12,5 12,2
1969 446 586 69,6 37,1 30,6 30,4 12,7 12,2
1970 444 510 68,8 35,6 30,7 31,2 12,8 12,3
') Gebietsstand: 31.12.1937. — 2 ) Bundesgebiet (ohne Saarland und Berlin). — 3 ) Ohne Eheschließungen zwischen Ehegatten mit in den
Quellen nicht namentlich aufgeführter Religionszugehörigkeit und Ehegatten ohne Angabe der Religionszugehörigkeit.

106
II. Bevölkerungsbewegung

5. Geborene nach Geschlecht und L e g i t i m i t ä t

Lebendgeborene Totgeborene I

und zwar Nicht- Tot-


ehelich geborene Knaben
darunter Lebend- auf 1 000 auf 1 000
Geborene geborene lebend-
Jahr insgesamt zusammen zusammen nicht- Lebend-
ehelich auf 1 000 aeborene
weiblich nichtehelich und Tot-
Lebend- Mädchen
geborene
geborene

Reichsgebiet

1872 1 692 227 1 626 037 791 979 142 675 66190 7 970 88 39,1 1 053
1873 1 711 283 1 648117 802 998 150 440 67166 7 828 91 39,2 1052
1874 1 752 976 1 683 440 819 560 144154 69 536 7 926 86 39,7 1 054
1875 1 798 591 1 724 412 837 612 147 607 74179 7 966 86 41,2 1 059
1876 1 834 605 1 761 046 857 022 73 559 40,1 1 055
1877 1 815 792 1 744 659 850 468 149 690 71 133 7464 86 39,2 1 051
1878 1 785 080 1 714 433 835 773 147 027 70 647 7 602 86 39,6 1051
1879 1 806 741 1 735 871 845 707 151 957 70 870 7 864 88 39,2 1 053
1880 1 764 096 1 696 175 825 809 67 921 38,5 1 054

1881 1 748 686 1 682 149 820 465 150 883 66 537 7 571 90 38,0 1 050
1882 1 769 501 1 702 348 828 567 156 526 67153 7 931 92 38,0 1055
1883 1 749 874 1 683 699 820105 153 684 66175 7 610 91 37,8 1 053
1884 1 793 942 1 725 583 839 882 162 640 68 359 8 048 94 38,1 1055
1885 1 798 637 1 729 927 842 553 162 024 68 710 8 233 94 38,2 1 053
1886 1 814 499 1 746133 850 832 163 837 68 366 7 981 94 37,7 1052
1887 1 825 561 1 757 079 857 023 164162 68 482 7 956 93 37,5 1 050
1888 1 828 379 1 761 407 858197 66 972 36,6 1 052
1889 1 838 439 1 772 570 864120 65 869 35,8 1 051
1890 1 820 264 1 759 253 856 208 61 011 33,5 1 055

1891 1 903 160 1 840 172 895 286 62 988 33,1 1 055
1892 1 856 999 1 795 971 873 262 61 028 32,9 1057
1893 1 928 270 1 865 715 908 364 168 919 62 555 7 433 91 32,4 1 054
1894 1 904 297 1 841 205 897 559 170 555 63 092 7 743 93 33,1 1 051
1895 1 941 644 1 877 278 914 668 168 575 64 366 7 696 90 33,2 1 052
1896 1 979 747 1 914 749 933 095 177 422 64 998 7 937 93 32,8 1052
1897 1 991 126 1 926 690 938 576 176 043 64 436 7 991 91 32,4 1 053
1898 2 029 891 1 964 731 957 599 177 395 65160 7 825 90 32,1 1052
1899 2 045 286 1 980 304 964 584 175 843 64 982 7 661 89 31,8 1 053
1900 2 060 657 1 996 139 971 191 172 207 64 518 7 437 86 31,3 1 055

1901 2 097 838 2 032 313 989 107 172 320 65 525 7 363 85 31,2 1055
1902 2 089 414 2 024 735 986 664 169 786 64 679 7 297 84 31,0 1 052
1903 2 046 206 1 983 078 966 624 163 362 63128 7172 82 30,9 1052
1904 2 089 347 2 025 847 985 888 168 439 63 500 7 281 83 30,4 1 055
1905 2 048 453 1 987153 966 281 167 501 61 300 6 993 84 29,9 1056
1906 2 084 739 2 022 477 984 558 170 020 62 262 7040 84 29,9 1054
1907 2 060 973 1 999 933 972 471 171 906 61 040 7 272 86 29,6 1 057
1908 2 076 660 2 015 052 980 879 176 685 61 608 7 427 88 29,7 1 054
1909 2 038 357 1 978 278 963 548 176 383 60 079 7 317 89 29,5 1 053
1910 1 982 836 1 924 778 937 642 172 384 58 058 7 200 90 29,3 1053

1911 1 927 039 1 870 729 910164 169 914 56 310 7142 91 29,2 1 055
1912 1 925 883 1 869 636 907 859 176 515 56 247 7 342 94 29,2 1059
1913 1 894 598 1 838 750 895 015 176 579 55 848 7 398 96 29,5 1 054
1914 1 874 389 1 818 596 884 368 176 270 55 793 7 644 97 29,8 1056
1915 1 425 596 1 382 546 672 717 153143 43 050 6 279 111 30,2 1 055
1916 1 062 287 1 029 484 498 430 112 703 32 803 4 974 109 30,9 1065
1917 939 938 912109 440 812 104 066 27 829 4 267 114 29,6 1 069
1918 956 251 926 813 447 161 120122 29 438 5131 130 30,8 1073
1919 1 299 404 1 260 500 606 136 138 990 38 904 6 313 110 29,9 1080
1920 1 651 593 1 599 287 771 932 179 422 52 306 8 628 112 31,7 1072

7a* 1(
II. Bevölkerungsbewegung

5. Geborene nach Geschlecht und Legitimität


Lebendgeborene Totgeborene

und zwar Nicht- Tot-


ehelich geborene Knaben
darunter Lebend- auf 1 000 auf 1 000
Geborene geborene lebend-
Jahr insgesamt zusammen zusammen nicht- Lebend-
ehelich auf 1 000 und Tot- geborene
weiblich nichtehelich Lebend- Mädchen
geborene
geborene

Reichsgebiet

1921 1 611 490 1 560 447 767 973 164 804 50 973 8 365 106 31,6 1073
1922 1 450 893 1 404 215 678 528 149 238 46 678 106 32,2 1075
1923 1 340 154 1 297 449 627 425 133 670 42 705 103 31,9 1073
1924 1 313 625 1 270 820 614 548 132 332 42 805 104 32,6 1073
1925 1 336 327 1 292 499 625 832 152 667 43 828 7 785 118 33,0 1 065
1926 1 269 419 1 227 900 595 530 151 928 41 519 7 644 124 32,7 1062
1927 1 200 029 1 161 719 563 954 142 745 38 310 6 682 123 31,9 1060
1928 1 220 777 1 182 815 573 763 144 381 37 962 6 577 122 31,1 1062
1929 1 183 728 1 147 458 556 299 138 531 36 270 6 064 121 30,6 1063
1930 1 163 381 1 127 450 547122 135 292 35 931 5 901 120 30,9 1 061

1931 1 063 921 1 031 770 500 269 121 225 32151 5158 118 30,2 1 062
1932 1 007 798 978 210 474110 113 831 29 588 4 615 116 29,4 1063
1933 985 067 956 971 463 498 102117 28 096 4121 107 28,5 1065
1934 1 214 936 1 182 789 571 762 100 894 32147 3906 85 26,5 1069
1935 1 297 075 1 263 976 611 636 98194 33 099 3 622 78 25,5 1067
1936 1 312 053 1 278 583 619 537 98 385 33 470 3 646 77 25,5 1 064
1937 1 308 607 1 277 046 619 044 97 768 31 561 3 326 77 24,0 1063
19381) 1 380 267 1 348 534 652 401 102 493 31 733 3 216 76 23,0 1 067
Bundesgebiet

1938 847 316 828175 54 698 19141 66,0 22,6

1945 520 000 2 )


1946 750 289 732 998 352 589 120 084 17 291 3 866 163,8 23,0 1079
1947 798 431 781 421 376 662 92 602 17 010 3 042 118,5 21,3 1075
1948 823 927 806 074 387 457 82 448 17 853 2836 102,3 21,7 1080
1949 851 511 832 803 401 389 77 503 18 708 2 741 93,1 22,0 1075
1950 830 953 812 835 391 891 79 075 18118 2 723 97,3 21,8 1 074

1951 813 398 795 608 385 026 76 703 17 790 2 529 96,4 21,9 1066
1952 816 225 799 080 386 037 72140 17145 2 351 90,3 21,0 1 070
1953 812 552 796 096 385 912 69 055 16 456 2048 86,7 20,3 1 063
1954 832 807 816 028 395162 68 733 16 779 2040 84,2 20,1 1 065
1955 836 686 820128 396 893 64 427 16 558 1 912 78,6 19,8 1 066
1956 872 016 855 887 414 772 63 954 16129 1 791 74,7 18,5 1 064
1957 908139 892 228 431 408 64172 15 911 1 607 71,9 17,5 1 068
1958 919 547 904 465 437 604 61 914 15 082 1 463 68,5 16,4 1 057
1959 966 893 951 942 461 151 63 716 14 951 1 429 66,9 15,5 1 064
1960 983 678 968 629 470 447 61 330 15 049 1 343 63,3 15,3 1059

1961 1 027 391 1 012 687 492 097 60 269 14 704 1 238 59,5 14,3 1058
1962 1 032 913 1 018 552 494 751 56 648 14 361 1 178 55,6 13,9 1 059
1963 1 068114 1 054123 512 311 55 120 13 991 1 106 52,3 13,1 1 058
1964 1 07