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DEUTSCHE NORM Entwurf Dezember 2001

Mechanische Schwingungen
Messung und Bewertung der Einwirkung von Schwingungen
auf das Hand-Arm-System des Menschen
Teil 1: Allgemeine Anforderungen
(ISO 5349-1:2001) Deutsche Fassung EN ISO 5349-1:2001
EN ISO 5349-1
ICS 13.160 Ersatz für
DIN V ENV 25349:1993-01
Mechanical vibration – Measurement and evaluation of human exposure
to hand-transmitted vibration – Part 1: General requirements
(ISO 5349-1:2001);
German version EN ISO 5349-1:2001
Vibrations mécaniques – Mesurage et évaluation de l’exposition des
individus aux vibrations transmises par la main – Partie 1: Exigences
générales (ISO 5349-1:2001);
Version allemande EN ISO 5349-1:2001

Die Europäische Norm EN ISO 5349-1:2001 hat den Status einer Deutschen Norm.

Nationales Vorwort
Die Europäische Norm EN ISO 5349-1 „Mechanische Schwingungen – Messung und Bewertung der
Einwirkung von Schwingungen auf das Hand-Arm-System des Menschen – Teil 1: Allgemeine Anforde-
rungen“ ist vom ISO/TC 108/SC 4 „Human exposure to mechanical vibration and shock“ in enger
Zusammenarbeit mit dem CEN/TC 231 „Mechanische Schwingungen und Stöße“ erarbeitet worden.
Die Deutsche Fassung wurde im Gemeinschaftsausschuss NALS/VDI C 7 „Schwingungseinwirkung
auf den Menschen“ ausgearbeitet.
Zu den im Inhalt zitierten Internationalen Normen und CEN-Berichten wird im Folgenden auf die
entsprechenden Deutschen Normen hingewiesen:
ISO 2041 siehe E DIN 1311 Bbl. 1
ISO 5348 siehe DIN ISO 5348
ISO 5349-2 siehe DIN EN ISO 5349-2
Normen der Reihe ISO 8662 siehe Normen der Reihen DIN EN 28662 und DIN EN ISO 8662
ISO 8041 siehe DIN V ENV 28041
ISO 10819 siehe DIN EN ISO 10819
CR 1030-1 und CR 1030-2 siehe DIN V 45695
IEC 61260 siehe DIN EN 61260
Die Deutschen Normen sind in Anhang NA aufgeführt.

Änderungen
Gegenüber DIN V ENV 25349:1993-01 wurden folgende Änderungen vorgenommen:
a) EN ISO 5349-1:2001 übernommen;
b) inhaltliche Änderungen siehe Vorwort.

Frühere Ausgaben
DIN V ENV 25349: 1993-01
Fortsetzung Seite 2
und 25 Seiten EN

Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik (NALS) im DIN und VDI

 DIN Deutsches Institut für Normung e. V. · Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, Ref. Nr. DIN EN ISO 5349-1:2001-12
nur mit Genehmigung des DIN Deutsches Institut für Normung e. V., Berlin, gestattet. Preisgr. 13 Vertr.-Nr. 2313
Alleinverkauf der Normen durch Beuth Verlag GmbH, 10772 Berlin
Seite 2
DIN EN ISO 5349-1:2001-12

Nationaler Anhang NA
(informativ)
Literaturhinweise
E DIN 1311 Beiblatt 1, Schwingungen und schwingungsfähige Systeme – Schwingungen und Stöße – Begriffe.
DIN V 45695, Hand-Arm-Schwingungen – Leitfaden zur Verringerung der Gefährdung durch Schwingungen –
Technische und organisatorische Maßnahmen (CR 1030-1:1995 + CR 1030-2:1995).
DIN V ENV 28041, Schwingungseinwirkung auf den Menschen – Messeinrichtung (ISO 8041:1990);
Deutsche Fassung ENV 28041:1993.
Normen der Reihe DIN EN 28662, Handgehaltene motorbetriebene Maschinen – Messung mechanischer
Schwingungen am Handgriff.
DIN EN 61260, Elektroakustik – Bandfilter für Oktaven und Bruchteile von Oktaven (IEC 61260:1995);
Deutsche Fassung EN 61260:1995.
DIN EN ISO 5349-2, Mechanische Schwingungen – Messung und Beurteilung der Einwirkung von Schwingungen
auf das Hand-Arm-System des Menschen – Teil 2: Praxisgerechte Anleitung zur Messung am Arbeitsplatz
(ISO 5349-2:2001); Deutsche Fassung EN ISO 5349-2:2001.
Normen der Reihe DIN EN ISO 8662, Handgehaltene motorbetriebene Maschinen – Messung mechanischer
Schwingungen am Handgriff.
DIN EN ISO 10819, Mechanische Schwingungen und Stöße – Hand-Arm-Schwingungen – Verfahren für die
Messung und Bewertung der Schwingungsübertragung von Handschuhen in der Handfläche (ISO 10819:1996);
Deutsche Fassung EN ISO 10819:1996.
DIN ISO 5348, Mechanische Schwingungen und Stöße – Mechanische Ankopplung von Beschleunigungs-
aufnehmern (ISO 5348:1998).
ENTWURF
prEN ISO 5349-1

August 2001

ICS 13.160 Ersatz


Ersatz für für ENV 25349:1992

Deutsche Fassung

Mechanische Schwingungen
Messung und Bewertung der Einwirkung von Schwingungen
auf das Hand-Arm-System des Menschen
Teil 1: Allgemeine Anforderungen
(ISO 5349-1:2001)

Mechanical vibration – Measurement and evaluation Vibrations mécaniques – Mesurage et évaluation de


of human exposure to hand-transmitted vibration – l’exposition des individus aux vibrations transmises
Part 1: General requirements (ISO 5349-1:2001) par la main – Partie 1: Exigences générales
(ISO 5349-1:2001)

Diese Europäische Norm wurde vom CEN am 10. Mai 2001 angenommen.
Die CEN-Mitglieder sind gehalten, die CEN/CENELEC-Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen
festgelegt sind, unter denen dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der Status einer nationalen Norm zu
geben ist.
Auf dem letzten Stand befindliche Listen dieser nationalen Normen mit ihren bibliographischen Angaben sind beim
Management-Zentrum oder bei jedem CEN-Mitglied auf Anfrage erhältlich.
Diese Europäische Norm besteht in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch). Eine Fassung in einer
anderen Sprache, die von einem CEN-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine Landessprache
gemacht und dem Management-Zentrum mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die offiziellen Fassungen.
CEN-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute von Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Irland, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz,
Spanien, der Tschechischen Republik und dem Vereinigten Königreich.

EUROPÄISCHES KOMITEE FÜR NORMUNG


EUROPEAN COMMITTEE FOR STANDARDIZATION
COMITÉ EUROPÉEN DE NORMALISATION

Management-Zentrum: rue de Stassart, 36 B-1050 Brüssel

 2001 CEN – Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in welchem Verfahren,
sind weltweit den nationalen Mitgliedern des CEN vorbehalten. Ref. Nr. EN ISO 5349-1:2001 D
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EN ISO 5349-1:2001

Inhalt
Seite
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1 Anwendungsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2 Normative Verweisungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
3 Begriffe und Formelzeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
3.1 Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
3.2 Formelzeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
4 Eigenschaften von Hand-Arm-Schwingungen . . . . . . . . . . . . . . 5
4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
4.2 Messeinrichtung für Hand-Arm-Schwingungen . . . . . . . . . . . . . . 6
4.3 Ankopplung der Hand an die Schwingungsquelle . . . . . . . . . . . . . 6
4.4 Messgröße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
4.5 Mehrachsige Schwingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
5 Kennzeichnung der Schwingungsbelastung des Hand-Arm-Systems . 8
5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
5.2 Tägliche Einwirkungsdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
5.3 Tages-Schwingungsbelastung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
6 Ergebnisbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Anhang A (normativ) Frequenzbewertungs- und Bandbegrenzungsfilter . . 10
Anhang B (informativ) Hinweise zu den Auswirkungen von
Hand-Arm-Schwingungen auf die Gesundheit . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Anhang C (informativ) Zusammenhang zwischen der
Schwingungsbelastung und Auswirkungen auf die Gesundheit . . . . . . 17
Anhang D (informativ) Faktoren, die die Auswirkungen der
Schwingungsbelastung des Hand-Arm-Systems des Menschen unter
Arbeitsbedingungen beeinflussen können . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Anhang E (informativ) Vorsorgemaßnahmen, die von
Arbeitssicherheitsverantwortlichen eingeführt werden sollten . . . . . . . 20
Anhang F (informativ) Hinweise für die Erfassung zusätzlicher
Informationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Anhang ZA (normativ) Normative Verweisungen auf internationale
Publikationen mit ihren entsprechenden europäischen Publikationen . . . 24
Literaturhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

Vorwort
Der Text der Internationalen Norm ISO 5349-1:2001 wurde vom Technischen Komitee ISO/TC 108 „Mechanical
vibration and shock“ in Zusammenarbeit mit dem Technischen Komitee CEN/TC 231 „Mechanische Schwingungen
und Stöße“ erarbeitet, dessen Sekretariat vom DIN gehalten wird.
Diese Europäische Norm muss den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung
eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis Februar 2002, und etwaige entgegenstehende nationale
Normen müssen bis Februar 2002 zurückgezogen werden.
Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden
Länder gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen:
Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Luxemburg,
Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik und
das Vereinigte Königreich.
Diese Europäische Norm ersetzt ENV 25349:1992.
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EN ISO 5349-1:2001

Anerkennungsnotiz
Der Text der Internationalen Norm ISO 5349-1:2001 wurde vom CEN als Europäische Norm ohne irgendeine
Abänderung, jedoch mit der folgenden Einschränkung genehmigt.
In Anhang E sind Vorsorgemaßnahmen genannt, die in den Bereich des betrieblichen Arbeitsschutzes und
damit unter den Artikel 137 (früher 118a) EG-Vertrag fallen. Nationale Rechtsvorschriften können abweichende
Anforderungen enthalten und sind daher zu beachten.
ANMERKUNG Die normativen Verweisungen auf Internationale Normen sind in Anhang ZA (normativ) aufgeführt.

Auszug aus dem ISO-Vorwort


Diese erste Ausgabe von ISO 5349-1 ersetzt ISO 5349:1986, die inhaltlich überarbeitet wurde. Sie stimmt in
den meisten Punkten mit dem Vorgängerdokument überein, unterscheidet sich jedoch inhaltlich in einigen
wesentlichen Punkten.
In der vorherigen Ausgabe beruhte die Bewertung der Schwingungseinwirkung auf der Richtungskomponente,
in der der größte Effektivwert der frequenzbewerteten Beschleunigung auftritt. In der vorliegenden Ausgabe
beruht die Bewertung auf dem Schwingungsgesamtwert (Vektorbetrag), nämlich der Wurzel aus der Summe
der Quadrate der drei Effektivwerte der frequenzbewerteten Komponenten der Beschleunigung. Diese Änderung
berücksichtigt die Tatsache, dass die Schwingungen einiger Maschinenarten nicht von einer einzigen Richtungs-
komponente bestimmt werden.
Wird die Schwingungsbelastung nach dem Verfahren mit dem Schwingungsgesamtwert ermittelt, ergeben sich
Werte, die größer als die für eine einzige Schwingungsrichtung angegebenen sind. Die messtechnische Erfassung
der Schwingungen in alle drei Richtungen liefert einen Schwingungsgesamtwert, der bis zum 1,7fachen der
größten Komponente beträgt (typischerweise ist es das 1,2- bis 1,5fache). Mit den Daten, die nach
ISO 5349:1986 ermittelt wurden, kann der Schwingungsgesamtwert aus den drei Komponenten berechnet
werden, wie in 4.5 des vorliegenden Teils von ISO 5349 gezeigt. Wenn nur die größte Einzelkomponente
bekannt ist, ist der Schwingungsgesamtwert durch Multiplikation dieses Wertes mit einem geeigneten Faktor
abzuschätzen, siehe dazu 4.5.
Die Tages-Schwingungsbelastung nach diesem Teil von ISO 5349 wird als energieäquivalenter 8-h-Wert der
Beschleunigung angegeben. Die vorherige Ausgabe verwendete eine Bezugsdauer von 4 h. Die Änderung hin
zur üblichen Bezugsdauer von 8 h passt die Bewertung der Schwingungseinwirkung an die Verfahren mit
zeitlicher Mittelwertbildung an, die bei der Bewertung der Einwirkung von Lärm und von Chemikalien auf den
Menschen allgemein angewandt werden. Die Verwendung einer Bezugsdauer von 8 h ist allein eine Frage der
Konvention und sagt nicht aus, dass die typische tägliche Einwirkungsdauer 8 h beträgt. 4-h-Werte lassen sich
einfach durch Multiplikation mit 0,7 in 8-h-Werte umrechnen.
Bisher hatte die Frequenzbewertung unter 16 Hz keinen Abfall und bei höheren Frequenzen einen von
– 6 dB/Oktave; sie galt in dem Frequenzbereich, der durch die Oktavbänder von 8 Hz bis 1 000 Hz gebildet
wird. Die Frequenzbewertung ist nun in Anhang A in mathematischer Weise als ein realisierbares Filter mit der
Bezeichnung Wh definiert. Darüber hinaus werden Bandbegrenzungsfilter mit den Eckfrequenzen 6,3 Hz und
1 250 Hz definiert. Die ebenfalls in Anhang A angegebenen Bewertungsfaktoren in Terzbändern weichen von
denen in der vorherigen Ausgabe geringfügig ab, da sie nun die Wh-Kurve einschließlich der Bandbegrenzung
wiedergeben.
Die Hinweise in Anhang C über die Beziehung zwischen Schwingungseinwirkung und der Ausbildung von
Durchblutungsstörungen entsprechen in weiten Teilen denjenigen in Anhang A der vorherigen Ausgabe; sie
sind jedoch auf die Betrachtung einer Auftretenshäufigkeit von 10 % beschränkt, um die Möglichkeit einer
falschen Anwendung dieser Beziehung einzugrenzen. Die Tages-Schwingungsbelastungen sind im Vergleich
zur vorherigen Ausgabe jetzt als energieäquivalente 8-h-Werte angegeben, die mit 1,4 multipliziert wurden, um
einen Schätzwert zu geben, der den Anstieg aufgrund der Änderung des Bewertungsverfahrens erfasst
(Verwendung des Schwingungsgesamtwertes statt der größten Einzelkomponente).
Die Anhänge A und ZA dieser Europäischen Norm sind normativ. Die Anhänge B bis F dienen nur der Information.

Einleitung
Durch schwingungserzeugende Maschinen und Geräte oder vibrierende Werkstücke können Schwingungen
hoher Intensität auf die Hände und Arme der Bedienpersonen übertragen werden. Derartige Situationen treten
beispielsweise beim Umgang mit pneumatisch, elektrisch, hydraulisch oder mit Verbrennungsmotor betriebenen
Geräten, wie Kettensägen, Maschinen mit Schlagwerk oder Schleifer, auf.
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EN ISO 5349-1:2001

Abhängig von Arbeitsaufgabe und Arbeitsplatz können die Schwingungen lediglich auf einen Arm oder auf
beide Arme gleichzeitig einwirken und sogar über die Hand und den Arm bis zur Schulter übertragen werden.
Schwingungen einzelner Teile des menschlichen Körpers sowie die subjektive Empfindung von Schwingungen
sind häufig eine Ursache von Unwohlsein und möglicher Verminderung der Leistungsfähigkeit. Es wurde
herausgefunden, dass fortgesetzter, ständiger Gebrauch einer Reihe von schwingungserzeugenden Maschinen
im Zusammenhang mit verschiedenen Krankheitsbildern steht, welche Blutgefäße, Nerven, Knochen, Gelenke,
Muskeln oder das Bindegewebe von Hand oder Unterarm betreffen.
Die Schwingungseinwirkungen, die derartige Erkrankungen verursachen, sind weder im Hinblick auf die
Schwingungsamplitude und das Frequenzspektrum noch bezüglich ihrer täglichen oder kumulativen Einwirkungs-
dauer exakt bekannt. Die Anleitung, die in diesem Teil von ISO 5349 gegeben wird, beruht auf begrenzten
quantitativen Daten, die sowohl aus der praktischen Erfahrung als auch aus Laboruntersuchungen zur Aus-
wirkung von Hand-Arm-Schwingungen auf den Menschen stammen, sowie auf begrenzten Informationen über
die gegenwärtigen Einwirkungsbedingungen; es ist daher schwierig, ein umfassendes Verfahren zur Bewertung
von Schwingungseinwirkungen anzugeben. Ungeachtet dessen trägt die Anwendung der in diesem Teil von
ISO 5349 enthaltenen Informationen wahrscheinlich dazu bei, die Mehrheit der Bedienpersonen (Beschäftigte)
vor schwerwiegenden Gesundheitsschäden durch Hand-Arm-Schwingungen zu bewahren. Damit kann auch
die Neuentwicklung von handbedienten Maschinen unterstützt werden, mit denen das Risiko von Gesundheits-
beeinträchtigungen aufgrund von Schwingungen verringert wird. Es lassen sich aber keine Bereiche einer
ungefährlichen Schwingungseinwirkung ableiten, in denen schwingungsbedingte Erkrankungen nicht auftreten
können.
Die Anwendung dieses Teils von ISO 5349 trägt dazu bei, vergleichbare Daten zu sammeln, um so zur
Erhöhung der Arbeitssicherheit beizutragen. Besonderes Ziel dabei ist, durch diese Daten das gegenwärtige
Wissen über den Zusammenhang zwischen Schwingungsdosis und Auswirkung zu erweitern.
Dieser Teil von ISO 5349 legt die allgemeinen Anforderungen an die Messung und Bewertung der Einwirkung
von Schwingungen auf das Hand-Arm-System des Menschen fest. Er wird durch die Hinweise in ISO 5349-2
zur praktischen Anwendung von geeigneten Mess- und Bewertungsverfahren am Arbeitsplatz ergänzt. Die zu
verwendende Messeinrichtung, um Messungen nach ISO 5349 durchzuführen, ist in ISO 8041 umfassend
spezifiziert.
In Anhang A werden die Frequenzbewertung Wh und die Bandbegrenzungsfilter festgelegt, die zur Messung
der frequenzbewerteten Beschleunigung nach ISO 5349 erforderlich sind.
Anhang B enthält Hinweise zu den Auswirkungen von Hand-Arm-Schwingungen auf die Gesundheit, während
Anhang C eine Anleitung darstellt, die für die für die Festsetzung von Grenz- oder Schwellenwerten zuständigen
Stellen eine Hilfe sein kann. Anhang D enthält Informationen zu weiteren Faktoren, die einen Einfluss auf die
Einwirkung von Hand-Arm-Schwingungen auf den Menschen haben können. Anhang E enthält für diejenigen,
die für Arbeitssicherheit verantwortlich sind, Angaben zu Vorsorgemaßnahmen.
Um weitere Fortschritte auf diesem Gebiet zu erzielen und den quantitativen Vergleich von Schwingungs-
einwirkungsdaten zu ermöglichen, empfiehlt sich die Anwendung einheitlicher Verfahren zur Messung und
Dokumentation der Einwirkung von Hand-Arm-Schwingungen auf den Menschen. Weitere diesbezügliche
Informationen sind in Anhang F enthalten.

1 Anwendungsbereich
Dieser Teil von ISO 5349 legt allgemeine Anforderungen an die Messung und Angabe der Einwirkung von
Schwingungen fest, die in drei orthogonalen Richtungen auf das Hand-Arm-System übertragen werden. Er
definiert eine Frequenzbewertung sowie Bandbegrenzungsfilter, um einen Vergleich einheitlich ermittelter
Messwerte zu ermöglichen. Die ermittelten Werte können verwendet werden, um schädliche Auswirkungen
von Hand-Arm-Schwingungen im Frequenzbereich der Oktavbänder von 8 Hz bis 1 000 Hz vorherzusagen.
Dieser Teil von ISO 5349 gilt für periodische, stochastische und nichtperiodische Schwingungen. Vorläufig
gilt dieser Teil von ISO 5349 auch im Zusammenhang mit Erregung durch wiederholt auftretende Stöße
(Einzelstöße).
ANMERKUNG 1 Die Abhängigkeit zwischen der zeitlichen Einwirkung von wiederholt auftretenden Stößen und ihren Aus-
wirkungen beim Menschen ist noch nicht in vollem Umfang bekannt. Die Anwendung dieses Teils von ISO 5349 für diese
Art von Schwingungen sollte daher mit Vorsicht erfolgen.
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EN ISO 5349-1:2001

Dieser Teil von ISO 5349 stellt eine Anleitung zur quantitativen Bestimmung der Belastung mit Hand-Arm-
Schwingungen zur Verfügung, die sich aus der frequenzbewerteten Schwingbeschleunigung und der täglichen
Einwirkungsdauer ergibt. Er legt keine Grenzwerte für eine unschädliche Schwingungsexposition fest.
ANMERKUNG 2 Anhang C befasst sich mit der relativen Bedeutung verschiedener Charakteristika von Schwingungs-
belastungen, von denen angenommen wird, dass sie gesundheitliche Auswirkungen haben.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden normativen Dokumente enthalten Festlegungen, die durch Verweisung in diesem Text Bestandteil
des vorliegenden Teils von ISO 5349 sind. Bei datierten Verweisungen gelten spätere Änderungen oder Über-
arbeitungen dieser Publikationen nicht. Anwender dieses Teils von ISO 5349 werden jedoch gebeten, die
jeweils neuesten Ausgaben der nachfolgend angegebenen normativen Dokumente anzuwenden. Bei undatierten
Verweisungen gilt die letzte Ausgabe des in Bezug genommenen normativen Dokuments. Mitglieder von ISO
und IEC führen Verzeichnisse der gültigen Internationalen Normen.
ISO 2041, Vibration and shock – Vocabulary.
ISO 5349-2, Mechanical vibration – Measurement and evaluation of human exposure to hand-transmitted
vibration – Part 2: Practical guidance for measurement at the workplace.
ISO 8041, Human response to vibration – Measuring instrumentation.
IEC 61260, Electroacoustics – Octave-band and fractional-octave-band filters.

3 Begriffe und Formelzeichen


3.1 Begriffe
Für die Anwendung dieses Teils von ISO 5349 gelten die Begriffe nach ISO 2041.
ANMERKUNG Anhang B enthält als Hilfestellung für die Anwender dieses Teils von ISO 5349 eine Zusammenstellung
von medizinischen Fachausdrücken.

3.2 Formelzeichen
In diesem Teil von ISO 5349 werden die folgenden Formelzeichen benutzt:
ahw(t) momentaner Wert der frequenzbewerteten Beschleunigung in m/s2 der Hand-Arm-
Schwingung zum Zeitpunkt t in einer Richtung
ahw Effektivwert der frequenzbewerteten Beschleunigung in m/s2 der Hand-Arm-Schwingung in
einer Richtung
ahwx, ahwy, ahwz ahw-Werte in m/s2 für die x-, y- bzw. z-Richtung
ahv Schwingungsgesamtwert der Effektivwerte der frequenzbewerteten Beschleunigung
(bisher Vektorbetrag oder frequenzbewertete Beschleunigungssumme genannt); er ist die
Wurzel aus der Summe der Quadrate der ahw-Werte in m/s2 in den drei Schwingungs-
messrichtungen
ahv(eq,8h) Tages-Schwingungsbelastung (energieäquivalenter 8-h-Schwingungsgesamtwert) in m/s2
A(8) vereinfachte Schreibweise für die Tages-Schwingungsbelastung ahv(eq,8h)
Dy auf eine Personengruppe bezogene über einen längeren Lebensabschnitt gemittelte
Expositionszeit in Jahren
T Gesamtdauer der Einwirkung der Schwingung ahv an einem Tag
T0 Bezugsdauer von 8 h (28 800 s)
Wh Frequenzbewertung für Hand-Arm-Schwingungen

4 Eigenschaften von Hand-Arm-Schwingungen


4.1 Allgemeines
Das Verfahren nach diesem Teil von ISO 5349 berücksichtigt die folgenden Faktoren, von denen bekannt ist,
dass sie einen Einfluss auf die Auswirkungen der Schwingungsbelastung des Hand-Arm-Systems des
Menschen unter Arbeitsbedingungen haben:
a) Frequenzspektrum der Schwingungen;
b) Amplitude der Schwingungen;
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EN ISO 5349-1:2001

c) Einwirkungsdauer je Arbeitstag;
d) auf einen Gesamtzeitraum bezogene kumulierte Einwirkungsdauer.
In Anhang D sind weitere Faktoren aufgeführt, die einen Einfluss auf die Auswirkungen der Schwingungs-
belastung haben können, für die aber bisher keine genormten Verfahren bestehen, wie sie anzugeben sind.

4.2 Messeinrichtung für Hand-Arm-Schwingungen


4.2.1 Allgemeines
Die Messung von Hand-Arm-Schwingungen muss unter Verwendung von Geräten durchgeführt werden, die
die Anforderungen nach ISO 8041 erfüllen. Diese Geräte müssen vor und nach dem Einsatz auf ihre einwandfreie
Funktion überprüft werden. Die Kalibrierung muss auf ein anerkanntes Normal eines akkreditierten Labors
rückführbar sein.

4.2.2 Schwingungsaufnehmer
Der Schwingungsaufnehmer darf ein Beschleunigungsaufnehmer sein, der entweder für allgemeine Schwingungs-
messungen (bei Geräten ohne Schlagwerk) oder speziell für hohe Beschleunigungsspitzen, wie sie von Geräten
mit Schlagwerk verursacht werden, ausgelegt ist.
Die Schwingungsaufnehmer müssen den Bereich der vorkommenden Schwingungsamplituden korrekt verarbeiten
können und müssen über eine gute Messstabilität verfügen. Die Abmessungen der Schwingungsaufnehmer
müssen derart sein, dass sie die Bedienung der Maschine nicht beeinträchtigen sowie sich der Messpunkt
genau lokalisieren lässt.
ISO 5349-2 enthält weitere Hinweise zur Auswahl von Schwingungsaufnehmern.

4.2.3 Messort und Messrichtung der Schwingungsaufnehmer


Die auf die Hand einwirkenden Schwingungen sind in den drei Richtungen eines orthogonalen Koordinaten-
systems, wie in Bild 1 definiert, zu messen und anzugeben.
Zur praktischen Durchführung der Schwingungsmessungen darf die Ausrichtung des verwendeten Koordinaten-
systems auch unter Bezugnahme auf ein geeignetes basiszentrisches (gerätebezogenes) Koordinatensystem
erfolgen (siehe Bild 1), dessen Ursprung z. B. in dem vibrierenden Gerät, Werkstück, Handgriff oder Stellteil
(Stellelement), das von der Hand gegriffen wird, liegt (weitere Hinweise siehe ISO 8727).
Die Schwingungen in den drei Richtungen sollten möglichst gleichzeitig gemessen werden. Es ist auch zulässig,
nacheinander in jeder der drei Richtungen zu messen, sofern die Betriebsbedingungen während aller drei
Messungen ähnlich sind. Es ist so dicht wie möglich am Mittelpunkt der Greifzone der Maschine, des Geräts
oder des Werkstücks an der zu Schwingungen angeregten Fläche zu messen. Die Anordnung der Schwingungs-
aufnehmer (Messort) ist zu dokumentieren.
ANMERKUNG Die Schwingungsamplitude kann eine erhebliche Abhängigkeit vom Messort auf der vibrierenden Fläche
zeigen.
ISO 5349-2 enthält darüber hinausgehende Angaben zur Anordnung der Schwingungsaufnehmer.

4.2.4 Befestigung der Schwingungsaufnehmer


Die Schwingungsaufnehmer sollten starr angekoppelt werden. Weitere Hinweise zur Anbringung von
Beschleunigungsaufnehmern werden in ISO 5348 und ISO 5349-2 gegeben. Praktische Anleitungen zur
Anbringung von Schwingungsaufnehmern in schwierigen Situationen (wie z. B. an elastische Oberflächen oder
bei impulshaltigen Schwingungen) sowie zum Einsatz von in der Hand gehaltenen Adaptern sind ebenfalls in
ISO 5349-2 enthalten.

4.3 Ankopplung der Hand an die Schwingungsquelle


Obwohl zur Beschreibung der Schwingungsbelastung derzeit die Schwingbeschleunigung der Oberfläche, die
die Hand berührt, als hauptsächliche Bezugsgröße herangezogen wird, ist die Annahme sinnvoll, dass die
biologischen Auswirkungen zu einem großen Teil von der Ankopplung der Hand an die Schwingungsquelle
abhängen. In diesem Zusammenhang sollte beachtet werden, dass die Ankopplung die Schwingungsmess-
werte in erheblicher Weise beeinflussen kann.
Die Schwingungen sind unter Anwendung von Kräften zu messen, die für die Kopplung zwischen der Hand und
der schwingungserzeugenden Maschine oder dem vibrierenden Handgriff oder Werkstück unter typischen Be-
triebs- und Arbeitsbedingungen repräsentativ sind.
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EN ISO 5349-1:2001

a) „Handgriff“-Position
(In dieser Position umfasst die Hand in der allgemein üblichen Art einen zylindrischen Griff)

Biodynamisches Koordinatensystem
Basiszentrisches (gerätebezogenes, grifforientiertes) Koordinatensystem
b) „Handflächen“-Position
(In dieser Position drückt die Hand auf eine Kugelfläche)
ANMERKUNG Der Kopf (Fingeransatz) des dritten Mittelhandknochens ist der Ursprung des biodynamischen Koordinaten-
systems. Die zh-Achse (Achse des Koordinatensystems der Hand) wird durch die logitudinale Achse des dritten Mittel-
handknochens bestimmt; die positive Richtung zeigt in Richtung der Fingerspitze. Die xh-Achse geht durch den Ursprung
und steht senkrecht auf der zh-Achse; die positive Richtung zeigt nach vorne, wenn die Handfläche nach vorn gerichtet ist
(Hand in anatomischer Normalposition). Die yh-Achse steht senkrecht auf den anderen beiden Achsen; die positive
Richtung zeigt auf den Daumen. In der Praxis wird das basiszentrische (gerätebezogene, grifforientierte) Koordinaten-
system verwendet: Im Allgemeinen wird das Koordinatensystem in der y-z-Ebene so gedreht, dass die yh-Achse parallel zur
Achse des Griffs liegt.
Bild 1 – Koordinatensysteme für die Hand
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EN ISO 5349-1:2001

Die Kräfte zwischen der Hand und der Greifstelle sollten gemessen 1) und angegeben werden. Darüber hinaus
wird empfohlen, die Haltung der Bedienperson unter den jeweiligen Bedingungen und/oder bei den jeweiligen
Arbeitsverfahren zu beschreiben (siehe Anhänge D und F).

4.4 Messgröße
Die Messgröße zur Beschreibung der Schwingung ist der Effektivwert der frequenzbewerteten Beschleunigung,
angegeben in Meter je Quadratsekunde (m/s2).
Die Messung der frequenzbewerteten Beschleunigung macht Frequenzbewertungs- und Bandbegrenzungs-
filter erforderlich. Die Frequenzbewertung Wh spiegelt die zugrunde gelegte relative Bedeutung der einzelnen
Frequenzen wider, Schädigungen der Hand hervorzurufen. Die Frequenzbewertungskurve Wh und die Band-
begrenzungsfunktionen sind in Anhang A angegeben.
Der zu messende Effektivwert ist der zeitlineare Effektivwert (Intervall-Effektivwert). Die Mittelungsdauer ist so
zu wählen, dass ein repräsentativer Signalverlauf erfasst wird (siehe ISO 5349-2).
Für weitergehende Zwecke (Forschung, Prävention, technische Schwingungsminderung) wird dringend empfohlen,
Frequenzspektren zu ermitteln (weitere Informationen hierzu siehe Anhang F).

4.5 Mehrachsige Schwingungen


Es ist bekannt, dass die auf die Hand einwirkenden Schwingungen bei den meisten Maschinen Anteile aus
allen drei Messrichtungen enthalten. Es wird angenommen, dass die Schwingungen in jeder der drei Richtungen
gleiches Schädigungspotential haben. Messungen sollten daher in allen drei Richtungen durchgeführt werden.
Die Effektivwerte ahwx, ahwy und ahwz der frequenzbewerteten Beschleunigungen in der x-, y- und z-Richtung sind
separat anzugeben (siehe Anhang F).
Die Bewertung der Schwingungsbelastung (siehe Abschnitt 5) erfolgt jedoch auf Basis eines Wertes, der alle
drei Richtungen zusammenfasst; dieser kombinierte Wert wird als Schwingungsgesamtwert ahv bezeichnet
und ist als Wurzel aus der Summe der Quadrate der drei Schwingungskomponenten definiert:

2 2 2
a hv = a hwx + a hwy + a hwz (1)

Es kann in einigen Fällen vorkommen, dass die Durchführung von Schwingungsmessungen in drei Richtungen
unmöglich ist. Wenn nur in einer oder zwei Richtungen gemessen wird, muss dabei die Richtung mit den
höchsten Schwingungen eingeschlossen sein (sofern sie herausgefunden werden kann). Ausgehend von den
zur Verfügung stehenden Messwerten ist der Schwingungsgesamtwert durch sorgfältige Wahl eines Multipli-
kators abzuschätzen: Die Schwingungsamplitude in der Richtung mit den höchsten Schwingungen muss mit
einem Faktor zwischen 1,0 und 1,7 multipliziert werden, um den Schwingungsgesamtwert zu ergeben (weitere
Hinweise dazu siehe ISO 5349-2). Wenn der Schwingungsgesamtwert über einen Faktor abgeschätzt wurde,
sind neben den Messwerten in der oder den Einzelrichtungen der Faktor und eine Begründung für die
Entscheidung für diesen Wert anzugeben.

5 Kennzeichnung der Schwingungsbelastung des Hand-Arm-Systems


5.1 Allgemeines
Die Schwingungsbelastung hängt von der Schwingungsamplitude und von der Dauer der Einwirkung ab. Um
den Leitfaden in Anhang C zu den Auswirkungen auf die Gesundheit anwenden zu können, wird die
Schwingungsexposition als Schwingungsgesamtwert ahv angegeben.

5.2 Tägliche Einwirkungsdauer


Unter der täglichen Einwirkungsdauer wird die Zeit verstanden, während der an einem Arbeitstag Schwingungen
auf die Hand oder die Hände einwirken. Die Einwirkungsdauer kann kürzer als diejenige Zeit sein, während der
die Bedienperson mit den Maschinen oder an den Werkstücken arbeitet. Es ist wichtig, dass die Abschätzung
der täglichen Gesamt-Einwirkungsdauer auf repräsentativen Beobachtungen für die verschiedenen Einsatz-
bedingungen und -zeiten sowie auftretenden Unterbrechungen beruht (weitere Hinweise siehe ISO 5349-2).

1) Eine Internationale Norm zur Messung der Greif- und Andruckkräfte befindet sich in Vorbereitung.
Seite 9
EN ISO 5349-1:2001

5.3 Tages-Schwingungsbelastung
Die Tages-Schwingungsbelastung wird aus dem Effektivwert der frequenzbewerteten Schwingbeschleunigung
(Schwingungsgesamtwert) und der täglichen Einwirkungsdauer gebildet.
Um Vergleiche zwischen täglichen Schwingungseinwirkungen unterschiedlicher Dauer zu vereinfachen, ist
die Tages-Schwingungsbelastung in Form des frequenzbewerteten energieäquivalenten 8-h-Schwingungs-
gesamtwertes ahv(eq,8h) nach Gleichung (2) anzugeben. Zur Vereinfachung wird ahv(eq,8h) mit A(8) bezeichnet:

T
A ( 8 ) = a hv ----- (2)
T0

Dabei ist:
T Gesamtdauer der Einwirkung der Schwingung ahv an einem Tag
T0 Bezugsdauer von 8 h (28 800 s)
Wenn die Arbeit derart ist, dass sich die Tages-Schwingungsbelastung aus mehreren Tätigkeiten mit unter-
schiedlichen Amplituden zusammensetzt, ist die Tages-Schwingungsbelastung A(8) nach Gleichung (3) zu
berechnen:
n
1 2
A(8) = -----
T0 ∑ ahvi Ti (3)
i=1
Dabei ist:
ahvi Schwingungsgesamtwert der i-ten Tätigkeit
n Anzahl der einzelnen Schwingungseinwirkungen
Ti Dauer der i-ten Tätigkeit (Belastungsabschnitt)
Die jeweiligen Anteile zur Berechnung von A(8) sind einzeln anzugeben.
BEISPIEL Wenn für die jeweilige Einwirkungsdauer von 1 h, 3 h und 0,5 h (innerhalb desselben Arbeitstages) die
Schwingungsgesamtwerte 2 m/s2, 3,5 m/s2 und 10 m/s2 betragen, dann ist

1 2 2 2
A(8) = ------- [ ( 2 m/s 2 ) × 1 h + ( 3,5 m/s 2 ) × 3 h + ( 10 m/s 2 ) × 0,5 h ] = 3,4 m/s 2
8h

ANMERKUNG 1 Das Ergebnis der Berechnung in dem vorstehenden Beispiel ist mit einer Genauigkeit von zwei Ziffern
angegeben. Das impliziert jedoch in keiner Weise eine entsprechende Messunsicherheit, sondern ist einzig durch die
Berechnung bedingt. Unter üblichen Messbedingungen würde es bereits große Sorgfalt erfordern, für den Wert von A(8)
eine geringere Messunsicherheit als 10 % zu erreichen.
ANMERKUNG 2 Wenn Kriterien für die Zulässigkeit von Schwingungsbelastungen vorzuschreiben sind, wird empfohlen,
diese als A(8)-Werte anzugeben.

6 Ergebnisbericht
Wenn die Bewertung der Einwirkung von Hand-Arm-Schwingungen nach diesem Teil von ISO 5349 durchgeführt
wird, sind im Ergebnisbericht die folgenden Angaben zu machen:
– Name der Bedienperson, deren Schwingungsbelastung ermittelt wurde,
– die Tätigkeiten, die die Schwingungsbelastung hervorrufen,
– verwendete Maschinen, eingesetzte Werkzeuge und/oder Werkstücke,
– Messorte und Messrichtungen (Anordnung und Ausrichtung der Schwingungsaufnehmer),
– gemessene Effektivwerte der frequenzbewerteten Beschleunigung in den einzelnen Richtungen,
– Schwingungsgesamtwert jeder einzelnen Tätigkeit,
– Gesamtdauer jeder einzelnen Tätigkeit an einem Tag,
– Tages-Schwingungsbelastung.
Sofern Messungen nicht in allen drei Richtungen durchgeführt wurden, sind des weiteren der Faktor, mit dem
eine Abschätzung des Schwingungsgesamtwertes gefunden wurde, und eine Begründung für die Wahl dieses
Faktors anzugeben.
ANMERKUNG ISO 5349-2 enthält eine umfassendere Zusammenstellung der Angaben, die im Ergebnisbericht gemacht
werden sollten (siehe auch Anhänge D und F).
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EN ISO 5349-1:2001

Anhang A
(normativ)
Frequenzbewertungs- und Bandbegrenzungsfilter

A.1 Eigenschaften der Frequenzbewertungs- und Bandbegrenzungsfilter


Die Messung von ahw erfordert die Verwendung eines Frequenzbewertungs- und eines Bandbegrenzungs-
filters. Die Frequenzbewertung Wh bildet die angenommene Bedeutung der einzelnen Frequenzen bei der
Verursachung von Schädigungen der Hand ab. Der Bereich, in dem die Messwerte zur Vorhersage von
Schädigungen durch Schwingungen verwendet werden können (siehe Anhang C), ist auf den Arbeitsfrequenz-
bereich der Oktavbänder von 8 Hz bis 1 000 Hz beschränkt (d. h. auf den tatsächlichen Frequenzbereich von
5,6 Hz bis 1 400 Hz). Bandbegrenzende Hochpass- und Tiefpassfilter blenden den Einfluss von Frequenzen
außerhalb dieses Frequenzbereiches auf den Messwert aus, für die noch keine Vereinbarung über die
Frequenzabhängigkeit getroffen worden ist.
ANMERKUNG Die Frequenzabhängigkeit der Auswirkung von Schwingungen ist nicht unbedingt für alle Schwingungs-
richtungen gleich. Trotz dieser Tatsache wird z. Z. keine Empfehlung unterschiedlicher Frequenzbewertungen für
unterschiedliche Schwingungsrichtungen gegeben.
Die Frequenzbewertungs- und Bandbegrenzungsfilter dürfen in analoger oder digitaler Technik realisiert werden.
Sie sind in Tabelle A.1 in einer mathematischen Weise definiert, mit der Entwickler von Filtern vertraut sind,
und ihr prinzipieller Verlauf ist in Bild A.1 dargestellt. Weitergehende Einzelheiten und Fehlergrenzen der Filter
siehe ISO 8041.

Tabelle A.1 – Definition der Bandbegrenzungsfilter und des Frequenzbewertungsfilters der


Frequenzbewertung Wh

Bandbegrenzung a Frequenzbewertung a

f1 f2 Q1 f3 f4 Q2 K

6,310 1 258,9 0,71 15,915 15,915 0,64 1

Das Bandbegrenzungsfilter ist durch die Übertragungsfunktion Hb(s) definiert:


2
s2 4 p2 f2
H b ( s ) = ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
2 2
-
( s 2 + 2 p f1 s/Q 1 + 4 p 2 f 1 ) ( s 2 + 2 p f 2 s/Q 1 + 4 p 2 f 2 )

Dabei ist s = j2pf die Variable der Laplace-Transformierten.


Das Bandbegrenzungsfilter lässt sich durch ein zweipoliges Filter realisieren.

Das Frequenzbewertungsfilter ist durch die Übertragungsfunktion Hw(s) definiert:


2
( s + 2 p f 3 )2 p Kf 4
H w ( s ) = ------------------------------------------------------------------
2
-
( s 2 + 2 p f 4 s/Q 2 + 4 p 2 f 4 )f 3

Dabei ist s = j2pf die Variable der Laplace-Transformierten.


Das Frequenzbewertungsfilter lässt sich durch ein zweipoliges Filter realisieren.

Der Gesamtfrequenzgang ist die Funktion H(s) = Hb(s) · Hw(s).

a Die Werte von fn kennzeichnen die Resonanzfrequenzen (n = 1 bis 4); Qn kennzeichnet die Resonanzüberhöhung
(n = 1 oder 2); K stellt eine konstante Verstärkung dar.
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EN ISO 5349-1:2001

Bild A.1 – Kurve der Frequenzbewertung Wh für Hand-Arm-Schwingungen einschließlich


Bandbegrenzung (schematisch)

A.2 Umwandlung von Terzbandwerten in einen frequenzbewerteten


Beschleunigungswert
Alternativ zum Einsatz des Wh-Filters können zur Bestimmung der entsprechenden frequenzbewerteten
Beschleunigung die einzelnen Beschleunigungseffektivwerte aus einer Terzbandanalyse verwendet werden.
Dieser Effektivwert der frequenzbewerteten Beschleunigung ahw lässt sich wie folgt berechnen:

∑ ( Whi ahi )
2
a hw = (A.1)
i
Dabei ist:
Whi Bewertungsfaktor für das i-te Terzband, wie sie einzeln in Tabelle A.2 aufgeführt sind
ahi Beschleunigungseffektivwert in m/s2, der im i-ten Terzband gemessen wurde.
Die Terzbänder mit den Mittenfrequenzen von 6,3 Hz bis 1 250 Hz bilden den primären Frequenzbereich; die
Berechnung von ahw nach Gleichung (A.1) muss alle Terzbänder in diesem Frequenzbereich einschließen.
Frequenzen außerhalb des primären Bereichs (d. h. jene, die in Tabelle A.2 grau hinterlegt sind) tragen in der
Regel nicht wesentlich zum Wert von ahw bei und dürfen daher bei der Berechnung weggelassen werden. Das
setzt aber voraus, dass nachgewiesen wurde, dass am oberen und unteren Ende des Frequenzbereiches
keine signifikante Schwingungsenergie vorliegt.
Wenn der Gesamtwert der frequenzbewerteten Beschleunigung durch signifikante Komponenten am oberen
und unteren Ende des Frequenzbereiches beeinflusst wird, sollte die Anleitung in Anhang C zur Vorhersage
der Weiß-Finger-Krankheit aus Daten über die Schwingungsbelastung mit Vorsicht befolgt werden.
ANMERKUNG Wenn das Spektrum dominierende Anteile bei diskreten Frequenzen aufweist, kann es zu Abweichungen
zwischen dem nach dem oben beschriebenen Verfahren berechneten und dem direkt gemessenen frequenzbewerteten
Beschleunigungswert kommen. Abweichungen treten dann auf, wenn diese dominierenden Anteile bei Frequenzen auftauchen,
die von der Mittenfrequenz eines Terzbandes abweichen. Daher ist die Verwendung des Bewertungsfilters Wh oder Berech-
nungen auf der Basis von schmalbandigeren Frequenzanalysen zu bevorzugen. Liegt im letztgenannten Fall für eine
bestimmte Frequenz f oder ein schmalbandiges Frequenzband mit der Mittenfrequenz f die unbewertete Schwingbeschleu-
nigung a(f) vor, berechnet sich die entsprechende bewertete Beschleunigung ah( f ) zu ah( f ) = a( f ) H( j2pf ).
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EN ISO 5349-1:2001

Tabelle A.2 – Frequenzbewertungsfaktoren Whi für Hand-Arm-Schwingungen einschließlich


Bandbegrenzung a zur Umrechnung von Terzbandwerten in Werte der frequenzbewerteten
Beschleunigung

Nummer des Frequenzbandes b Nennwert der Mittenfrequenz Bewertungsfaktor


i Hz Whi

6 4 0,375
7 5 0,545

8 6,3 0,727
9 8 0,873
10 10 0,951
11 12,5 0,958
12 16 0,896
13 20 0,782
14 25 0,647
15 31,5 0,519
16 40 0,411
17 50 0,324
18 63 0,256
19 80 0,202
20 100 0,160
21 125 0,127
22 160 0,101
23 200 0,079 9
24 250 0,063 4
25 315 0,050 3
26 400 0,039 8
27 500 0,031 4
28 630 0,024 5
29 800 0,018 6
30 1 000 0,013 5
31 1 250 0,008 94

32 1 600 0,005 36
33 2 000 0,002 95

a Frequenzgang und Fehlergrenzen der Filter siehe ISO 8041.


b Index i ist die Nummer des Frequenzbandes nach IEC 61260.
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Anhang B
(informativ)
Hinweise zu den Auswirkungen von Hand-Arm-Schwingungen auf die Gesundheit

B.1 Allgemeines
Kraftbetriebene Fertigungsverfahren und Geräte, bei denen die Hände von Bedienpersonen Schwingungen
ausgesetzt werden, sind in verschiedenen Industriebereichen weit verbreitet. Beruflich bedingte Exposition
gegenüber Hand-Arm-Schwingungen kann durch handgehaltene Geräte mit Drehbewegung und/oder Schlagwerk,
wie sie in der verarbeitenden Industrie, in Steinbrüchen, im Bergbau sowie im Baubereich, in der Forst- und
Landwirtschaft, im öffentlichen Bereich und anderen Bereichen eingesetzt werden, entstehen. Exposition
gegenüber Hand-Arm-Schwingungen kann auch im Zusammenhang mit vibrierenden Werkstücken, die von
der Bedienperson in den Händen gehalten werden, oder von mit der Hand gehaltenen Lenk- oder Steuer-
einrichtungen, wie z. B. Lenkstangen von Motorrädern oder Lenkräder von Fahrzeugen, entstehen.
Übermäßige Einwirkung von Hand-Arm-Schwingungen kann Störungen der Fingerdurchblutung und der
neurologischen und motorischen Funktionen von Hand und Arm verursachen. Es wurde geschätzt, dass
zwischen 1,7 % und 3,6 % der Arbeitnehmer in den europäischen Ländern und den USA Hand-Arm-
Schwingungen ausgesetzt sind, die möglicherweise schädigend sind. Der Begriff „Hand-Arm-Vibrationssyndrom“
wird allgemein benutzt, um auf den Umfang von peripheren vaskulären, neurologischen und muskulo-skeletalen
Störungen zu verweisen, die mit Hand-Arm-Schwingungen in Verbindung stehen. Bedienpersonen, die Hand-
Arm-Schwingungen ausgesetzt sind, können von neurologischen und/oder vaskulären Störungen einzeln oder
gleichzeitig betroffen sein. Durch Hand-Arm-Schwingungen ausgelöste vaskuläre Störungen sowie anormale
Veränderungen von Knochen und Gelenken werden als Berufskrankheit in verschiedenen Ländern entschädigt.
Diese Störungen bzw. Schädigungen sind darüber hinaus Teil einer europäischen Liste anerkannter Berufs-
krankheiten.

B.2 Vaskuläre Störungen


Bedienpersonen, die Hand-Arm-Schwingungen ausgesetzt sind, können über zeitweiliges Blass- oder Weiß-
werden der Finger, ausgelöst durch Kälteeinwirkung, klagen. Derartige Störungen, die auf eine zeitweise
Unterbrechung der Fingerdurchblutung zurückzuführen sind, werden als Raynaudsches Phänomen bezeichnet
(nach dem französischen Arzt Maurice Raynaud, der diese Symptome 1862 erstmalig beschrieb). Es wird
davon ausgegangen, dass Schwingungen die Fingerdurchblutung stören und diese empfindlicher in Bezug auf
die vasokonstriktive (blutgefäßverengende) Wirkung von Kälte machen. Um das Raynaudsche Phänomen bei
Bedienpersonen, die Schwingungen ausgesetzt sind, zu erklären, berufen sich einige Forscher auf einen über-
mäßig starken zentralen vasokonstriktiven Reflex, der durch anhaltende Einwirkung von schädigenden
Schwingungen ausgelöst wird, während andere dazu tendieren, auf die Bedeutung der schwingungsbedingten
lokalen Veränderungen in den Blutgefäßen der Finger hinzuweisen. Zur Beschreibung schwingungsbedingter
vaskulärer Störungen werden verschiedene Begriffe verwendet, wie „tote“ oder „weiße Finger“, „beruflich
bedingtes Raynaudsches Phänomen“, „traumatische vasospastische Erkrankung“ und in letzter Zeit auch
„vibrationsbedingtes vasospastisches Syndrom“ (VVS). In vielen Ländern ist VVS eine offiziell geführte Berufs-
krankheit.
Zu Beginn kommt es zu Anfällen, bei denen die Fingerspitzen von einem oder mehreren Fingern weiß werden,
mit fortgesetzter Einwirkung von Schwingungen jedoch kann sich das Weißwerden bis zum Fingeransatz
ausdehnen. In manchen Fällen folgt einem Anfall, bei dem Finger weiß werden, eine Zyanose, d. h. eine
bläuliche Verfärbung der betroffenen Finger infolge eines verstärkten Sauerstoffentzugs aufgrund der unzureichen-
den Durchblutung. In der Erholungsphase, die allgemein durch Wärme oder örtliche Massage beschleunigt
wird, kann es bei den betroffenen Fingern infolge der reaktiven Zunahme der Durchblutung in den Blutgefäßen
der Haut zu Rötungen, eventuell in Verbindung mit Kribbeln und/oder Schmerzen kommen. Die Anfälle, bei
denen Finger weiß werden, treten im Winter häufiger als im Sommer auf und können von wenigen Minuten bis
zu mehr als einer Stunde dauern. Die Dauer ändert sich mit der Intensität der auslösenden Faktoren und dem
Grad des Vasospasmus; der Anfall endet gewöhnlich, wenn der gesamte Körper erwärmt ist. Bei fortgesetzter
Schwingungsexposition werden die Anfälle häufiger und treten das ganze Jahr über auf. In seltenen fort-
geschrittenen Fällen führen wiederholte und schwere Anfälle, bei denen Finger weiß werden, zu trophischen
Veränderungen (Geschwüren und Fäulnis) der Haut in den Fingerspitzen. Während eines Anfalls kann es bei
den betroffenen Bedienpersonen zu einem vollständigen Verlust des Tastsinns und der manipulativen
Geschicklichkeit kommen, was die Arbeitsleistung beeinflusst und das Risiko von akuten Verletzungen durch
Unfälle erhöht.
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EN ISO 5349-1:2001

In der Arbeitsmedizin wurden verschiedene Stufensysteme zur Klassifikation von VVS entwickelt. Die so genannte
Stockholm-Workshop-Skala von 1986 ist ein international anerkanntes Klassifikationssystem zur Einordnung
durch Kälte ausgelöster Raynaudscher Phänomene in den Formenkreis des Hand-Arm-Schwingungs-
syndroms. Die Skala besteht aus vier Stufen, die dem Ausmaß, der Häufigkeit und der Schwere von Anfällen,
bei denen Finger weiß werden, Rechnung tragen; sie ist in Tabelle B.1 beschrieben. Darüber hinaus wurde
eine auf Punkten basierende Skala zur Bewertung des Weißwerdens verschiedener Finger vorgeschlagen
(siehe [13]).
Zur objektiven Diagnose der Weiß-Finger-Krankheit werden verschiedene Laboruntersuchungsverfahren
eingesetzt. Die meisten dieser Untersuchungsverfahren basieren auf Kälteprovokation und der Messung
der Fingerhauttemperatur oder von Fingerdurchblutung und -blutdruck vor, während und nach Abkühlung
der Finger und Hände.
Epidemiologische Studien haben aufgezeigt, dass das Auftreten von VVS zwischen 0 und 100 % aller Mitglieder
in einer Gruppe schwingungsbelasteter Bedienpersonen stark variiert. Es scheint, dass die Wahrscheinlichkeit
und die Stärke der Weißfingersymptome von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, wie z. B. Charakteristik
der Schwingungseinwirkung (Frequenz, Amplitude, Richtung, Stoßhaltigkeit, Dauer), Art des Gerätes und des
Arbeitsverfahrens, Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftbewegung, Feuchtigkeit, Lärm), einigen biodyna-
mischen und ergonomischen Faktoren (Greifkraft, Andruckkraft, Armposition) und verschiedenen individuellen
Faktoren (Empfindlichkeit, Krankheiten und Wirkstoffe, wie z. B. Nikotin und spezielle Medikamente, welche die
periphere Durchblutung beeinflussen). Somit ergibt sich ein komplexer Zusammenhang zwischen Schwingungs-
einwirkung und der Bildung von Weißfingersymptomen. Epidemiologische Studien legen nahe, dass das
Auftreten von VVS mit zunehmender Dauer der Schwingungsexposition ansteigt. Es gibt Belege dafür, dass
sich die insgesamt erfolgte Schwingungsbelastung vor dem Auftreten weißer Finger ungefähr umgekehrt
proportional zur Intensität der Schwingungseinwirkung verhält (d. h., wenn die Stärke der Schwingung verdoppelt
wird, genügt die Hälfte an Expositionsjahren, um dieselbe Wirkung zu erzielen).
Nach Einführung von Motorkettensägen mit Anti-Vibrations-Systemen und arbeitsorganisatorischen Maßnahmen
zur Einschränkung der Einsatzzeit der Sägen in Verbindung mit Bemühungen, die Einwirkung anderer
schädigender Faktoren (z. B. Kälte und körperliche Anstrengung) zu reduzieren, lässt sich seit dem Ende der
siebziger Jahre ein Rückgang des Auftretens von VVS bei berufstätigen Forstarbeitern sowohl in Europa als
auch in Japan verzeichnen. Darüber hinaus wird über eine Gesundung von VVS bei im Ruhestand lebenden
Forstarbeitern berichtet. Ähnliche Ergebnisse sind für andere Gerätegruppen bisher noch nicht verfügbar.

Tabelle B.1 – Stockholm-Workshop-Skala (1986)

Vaskuläre Komponente

Stadium Stufe Beschreibung

0 – Keine Anfälle
1V Leicht Gelegentliche Anfälle, die nur die Fingerspitzen eines oder mehrerer Finger
betreffen
2V Mäßig Gelegentliche Anfälle, die die äußeren und mittleren (in seltenen Fällen
auch die unteren) Glieder eines oder mehrerer Finger betreffen
3V Schwer Häufige Anfälle, die alle Glieder fast aller Finger betreffen
4V Sehr schwer Wie im Stadium 3 mit trophischen Veränderungen an den Fingerspitzen

Sensorisch-neurale Komponente

Stadium Beschreibung

0SN Schwingungsbelastet, aber keine Symptome


1SN Vorübergehendes Taubheitsgefühl mit oder ohne Kribbeln
2SN Vorübergehendes oder permanentes Taubheitsgefühl, eingeschränkter Tastsinn
3SN Vorübergehendes oder permanentes Taubheitsgefühl, verminderte taktile Diskrimination
und/oder manipulative Geschicklichkeit
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B.3 Neurologische Erkrankungen


Arbeiter, die Hand-Arm-Schwingungen ausgesetzt sind, können unter Kribbeln und Taubheitsgefühl in Fingern
und Händen leiden. Bei fortgesetzter Schwingungsexposition kommt es meist dazu, dass sich diese Symptome
verschlimmern und zur Beeinträchtigung von Arbeitsleistung und Aktivitäten im täglichen Leben führen.
Schwingungsexponierte Bedienpersonen können bei klinischen Untersuchungen sowohl eine Verminderung
des normalen Tast- und Temperatursinns als auch eine Behinderung der manuellen Geschicklichkeit aufweisen.
Als ein weiterer Effekt von Hand-Arm-Schwingungen kann sich eine Reduzierung der Schwingungsempfind-
lichkeit der Haut an den Fingerspitzen ergeben. Epidemiologische Reihenuntersuchungen von schwingungs-
exponierten Bedienpersonen zeigen, dass das Auftreten von peripheren neurologischen Störungen in einem
Bereich von einigen Prozent bis zu 80 % aller Mitglieder in einer Gruppe schwingungsbelasteter Bedienpersonen
variiert und dass der Verlust der sensitiven Empfindungsfähigkeit die Benutzer eines breiten Gerätespektrums
betrifft.
Es scheint, dass sich sensorisch-neurale Störungen unabhängig von anderen schwingungsbedingten
Erkrankungen entwickeln können und dabei verschiedene pathologische Mechanismen widerspiegeln. Auf
dem Stockholmer Workshop 86 wurde eine Klassifikation für die neurologische Komponente des Hand-Arm-
Vibrationssyndroms vorgeschlagen, die aus drei Stufen entsprechend den beklagten Symptomen und den
Ergebnissen klinischer neurologischer Untersuchungen sowie psychophysikalischer Prüfverfahren, wie z. B.
taktile Diskrimination, vibrotaktile Empfindlichkeit und Präzisions-Manipulationen, bestand (siehe Tabelle B.1).
Schwingungsexponierte Bedienpersonen können manchmal Anzeichen und Symptome von Neuropathien, wie
z. B. das Karpaltunnelsyndrom (KTS), aufweisen, eine Erkrankung, die durch Quetschung des durch den
anatomischen Tunnel des Handgelenks verlaufenden mittleren Nervs (Nervus medianus) ausgelöst wird. KTS
scheint bei einigen Berufsgruppen, die schwingungserzeugende Geräte wie z. B. Gesteinsbohrer und Verdichter
benutzen, sowie bei Forstarbeitern aufzutreten. Es wird davon ausgegangen, dass ergonomische Belastungs-
faktoren, die Hand und Handgelenk betreffen (sich ständig wiederholende Bewegungen, kraftvolles Zugreifen
und ungünstige Haltung), KTS bei Bedienpersonen auslösen, die schwingungserzeugende Geräte handhaben.

B.4 Muskulo-skeletale Erkrankungen


B.4.1 Skeletale Erkrankungen
Frühere radiologische Untersuchungen ergaben ein häufiges Auftreten von Knochenschwund und Zysten in
den Händen und Handgelenken schwingungsexponierter Bedienpersonen. Allerdings konnten neuere Studien
keine höhere Häufigkeit im Vergleich zu Personen, die ebenfalls mit den Händen arbeiten, aber keinen
Schwingungen ausgesetzt sind, nachweisen. Bei Bergleuten, Straßenbauarbeitern und Metallarbeitern, die
Stoßbelastungen und niederfrequenten Schwingungen (< 50 Hz) hoher Intensität durch pneumatische Geräte
mit Schlagwerk ausgesetzt waren, konnte ein übermäßiges Vorkommen von Knochenarthrose an Hand- und
Ellenbogengelenken sowie Verknöcherungen an den Stellen des Sehnenansatzes, meist am Ellenbogen-
gelenk, festgestellt werden.
Von einigen wenigen Forschern wird darüber hinaus von übermäßigem Auftreten der Kienböckschen Krankheit
(Mondbeintod, Lunatummalazie) und von Pseudoarthrose des Kahnbeins im Handgelenk berichtet. Es gibt nur
wenige Erkenntnisse über ein erhöhtes Vorkommen von degenerativen Knochen- und Gelenkerkrankungen
der oberen Gliedmaßen bei Bedienpersonen, die mittel- oder hochfrequenten Schwingungen, wie sie von
Kettensägen oder bei Schleifarbeiten verursacht werden, ausgesetzt waren. Schwere körperliche Anstrengungen,
kraftvolles Zugreifen und zahlreiche biomechanische Faktoren können für das erhöhte Vorkommen von skeletalen
Verletzungen bei Bedienpersonen, die mit Geräten mit Schlagwerk arbeiten, verantwortlich sein. Örtliche
Schmerzen, Schwellungen sowie Gelenksteifheit und -rückbildung lassen sich mit den radiologisch ermittelten
Befunden von Knochen- und Gelenkdegeneration in Verbindung bringen. In manchen Ländern (z. B. Frankreich,
Deutschland, Italien) werden Knochen- und Gelenkerkrankungen bei Bedienpersonen, die handgehaltene
schwingungserzeugende Geräte benutzen, als Berufskrankheit anerkannt und die betroffenen Personen
entschädigt.

B.4.2 Muskuläre Erkrankungen


Bedienpersonen, die über längere Zeit Schwingungen ausgesetzt sind, können unter Muskelschwäche,
Schmerzen in Händen und Armen sowie verringerter Muskelkraft leiden. Es wurde herausgefunden, dass
Schwingungsexposition auch mit einer Verringerung der Greifkraft in Verbindung steht. Bei einigen Personen
kann die Muskelermüdung zu Behinderungen führen. Direkte mechanische Verletzungen oder Schädigung
peripherer Nerven werden als mögliche ätiologische Faktoren für solche Muskelsymptome betrachtet.
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EN ISO 5349-1:2001

Tendinitis und Tendovaginitis (d. h. Entzündungen der Sehnen und Sehnenscheiden) der oberen Gliedmaßen
sowie die Dupuytren-Kontraktur, eine Erkrankung des Gewebes der Handinnenfläche, werden als weitere
arbeitsbezogene Erkrankungen bei schwingungsexponierten Bedienpersonen geführt. Diese Krankheiten
scheinen eher mit ergonomischen Belastungsfaktoren, bedingt durch schwere körperliche Arbeit, in Verbindung
zu stehen; der Zusammenhang mit Hand-Arm-Schwingungen ist jedoch nicht schlüssig.

B.5 Andere Erkrankungen


Einige Studien weisen darauf hin, dass bei Bedienpersonen, die von VVS betroffen sind, ein größerer Hörverlust
auftritt, als dies aufgrund von Alterserscheinungen und Lärmbelastung durch schwingungserzeugende Geräte
zu erwarten ist. Es wird angenommen, dass VVS-Betroffene dem zusätzlichen Risiko einer Gehörschädigung
aufgrund von schwingungsbedingten Verkrampfungen (Vasokonstriktionen) der Gefäße, die zur Blutversorgung
des Innenohrs dienen, ausgesetzt sind. Zusätzlich zu den Erkrankungen des peripheren Nervensystems wird
von russischen und japanischen Forschern bei schwingungsexponierten Bedienpersonen über weitere nachteilige
gesundheitliche Auswirkungen, welche das endokrine und zentrale Nervensystem betreffen, berichtet. Das
klinische Erscheinungsbild, als „Vibrations-Krankheit“ bezeichnet, umfasst Anzeichen und Symptome in
Verbindung mit Funktionsstörungen der oberen Gehirnzentren (z. B. anhaltende Müdigkeit, Kopfschmerzen,
Reizbarkeit, Schlafstörungen, Impotenz, elektroenzephalographische Anomalien). Diese Befunde sind jedoch
mit Vorsicht zu interpretieren; es bedarf weiterer sorgfältig vorbereiteter epidemiologischer und klinischer
Forschungsarbeiten, um die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen Erkrankungen des zentralen
Nervensystems und der Exposition gegenüber Hand-Arm-Schwingungen zu bestätigen.

B.6 Verzeichnis medizinischer Fachausdrücke


Dupuytren-Kontraktur : Verhärtungen des faserigen Bindegewebes der Handinnenfläche, die das Ausstrecken
der Finger, hauptsächlich von Ringfinger und kleinem Finger, verhindern
Epidemiologie: Die Untersuchung des Auftretens – Prävalenz und Inzidenz – von Krankheiten oder Störungen
innerhalb einer Bevölkerungsgruppe. Die berufliche Epidemiologie untersucht den Zusammenhang zwischen
der Exposition gegenüber beruflich bedingten Risikofaktoren und ihren möglichen schädigenden Auswirkungen
auf die Gesundheit.
Hand-Arm-Vibrationssyndrom: die Gesamtheit aller Symptome und Anzeichen (neurologisch, vaskulär und
muskulo-skeletal) in Verbindung mit Erkrankungen, die durch Hand-Arm-Schwingungen verursacht werden
Inzidenz: die Anzahl neuer Fälle einer Krankheit oder einer gesundheitlichen Störung innerhalb einer Bevölke-
rungsgruppe über einen angegebenen Zeitraum
Karpaltunnelsyndrom: Symptome von Taubheitsgefühl, Kribbeln oder brennendem Schmerz der innenliegenden
Hautoberflächen von Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger, die häufig während der Nacht auftreten und
durch eine Quetschung oder Reizung des mittleren Nervs in dem durch die Handgelenksknochen gebildeten
Tunnel hervorgerufen werden. Als sichtbare Folgen können sich Einschränkungen und Behinderungen der
Handfunktionen bilden.
Kienböcksche Krankheit (Mondbeintod): eine Störung des Mineral- und Gewebeaufbaus des Mondbein-
Knochens im Handgelenk
Knochenzyste: eine anormale Aushöhlung der Knochenstruktur
Osteo-Arthrose: Knochen- und Gelenkdegeneration
Prävalenz: die Häufigkeit vorhandener Fälle einer Krankheit oder gesundheitlichen Störung innerhalb einer
Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt
Raynaudsches Phänomen: Anfälle, bei denen die Finger aufgrund unzureichender Durchblutung weiß werden.
Ursache sind krampfartige Verengungen der Blutgefäße in den Fingern, welche durch Kälte oder Erregungen
ausgelöst werden. Man spricht von der primären Raynaudschen Krankheit, wenn das Symptom der weißen Finger
keiner bestimmten Ursache zugeordnet werden kann, und vom sekundären Raynaudschen Phänomen, wenn
sich Ursachen identifizieren lassen. Schwingungsbedingte weiße Finger sind eine Form des sekundären
Raynaudschen Phänomens; sie werden durch Exposition gegenüber Hand-Arm-Schwingungen verursacht.
Sensorische Störungen: Anomalien bei der Wahrnehmung von leichten Berührungen, Schmerzen, Temperatur,
Schwingungen und starkem Druck, Behinderungen bei der Gefühlsunterscheidungsfähigkeit (Zweipunkt-
Diskrimination, Wahrnehmungssinn für Oberflächenbeschaffenheit, Größe und Form)
Tendinitis: Entzündung von Sehnen
Tenosynovitis: Entzündung von Sehnen und Sehnenscheiden
Vasokonstriktion: Verringerung des Durchflusses bei Blutgefäßen durch Verengung, besonders als Auswirkung
eines verstärkten Zusammenziehens (Kontraktion) des Muskelgewebes, welches die Blutgefäße umgibt
Zyanose: bläuliche Verfärbung der Haut oder anderer Gewebe durch sauerstoffarmes Blut in den äußeren Adern.
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Anhang C
(informativ)
Zusammenhang zwischen der Schwingungsbelastung und Auswirkungen
auf die Gesundheit

C.1 Hintergrund des Bewertungsverfahrens


Dieser Anhang befasst sich mit der relativen Bedeutung verschiedener Charakteristika von Schwingungs-
belastungen, von denen angenommen wird, dass sie gesundheitliche Auswirkungen haben. Er legt keine
Grenzwerte für eine unschädliche Schwingungsexposition fest.
Von der Frequenzbewertung, die in diesem Teil von ISO 5349 festgelegt ist und auf derjenigen in dem Vorgänger-
dokument (ISO 5349:1986) basiert, wird angenommen, dass sie das beste momentan verfügbare Verfahren
darstellt, um das relative Potential zu bewerten, das verschiedene Frequenzen im Hinblick auf die Auslösung
schwingungsbezogener Gesundheitsauswirkungen im Hand- und Armbereich haben.
Es ist nicht bekannt, ob diese Frequenzbewertung im Einzelnen die Risiken des Auftretens von vaskulären,
neurologischen oder muskulo-skeletalen Störungen berücksichtigt. Im Moment wird sie zur Bewertung aller
biologischen Auswirkungen von Hand-Arm-Schwingungen eingesetzt.
Es wird davon ausgegangen, dass Schwingungen in jeder der drei orthogonalen Richtungen, wie sie in Bild 1
dargestellt sind, gleichermaßen schädlich sind und dass für alle drei Richtungen dieselbe Frequenzbewertung
vorgenommen werden darf. Das Risiko einer möglichen Schädigung durch Hand-Arm-Schwingungen wird
daher anhand des Schwingungsgesamtwertes ahv für eine mit der Hand in Kontakt befindliche Fläche
abgeschätzt, der sich aus den drei frequenzbewerteten Beschleunigungswerten der einzelnen Richtungen
zusammensetzt, wie in diesem Teil von ISO 5349 festgelegt.
Es wird angenommen, dass das Verfahren in diesem Teil von ISO 5349 zur Ermittlung des energieäquivalenten
8-h-Schwingungsgesamtwertes näherungsweise den Zusammenhang zwischen verschiedenen Schwingungs-
intensitäten und täglichen Expositionszeiten wiedergibt.
ANMERKUNG 1 Bei diesem Verfahren wird davon ausgegangen, dass sich die tägliche Einwirkungsdauer, nach der es
zur Bildung von Erscheinungsformen von schwingungsbedingten Erkrankungen des Hand-Arm-Systems kommt, umgekehrt
proportional zum Quadrat der frequenzbewerteten Beschleunigung verhält. Wenn die Schwingungsintensität z. B. halbiert
wird, kann die tägliche Einwirkungsdauer um den Faktor 4 verlängert werden, sodass sich derselbe Effekt einstellt.
ANMERKUNG 2 Es besteht ein Mangel an Daten, mit denen sich eine Beziehung zwischen täglicher Einwirkungsdauer
und gesundheitlichen Auswirkungen herstellen lässt. Die gewählte Zeitabhängigkeit basiert auf einer konstanten Schwingungs-
energie je Tag.
ANMERKUNG 3 Die Zeitabhängigkeit der Tages-Schwingungsbelastung sollte nicht auf sehr kurze Zeiten oder sehr hohe
Beschleunigungen extrapoliert werden. Derartige Einwirkungen können mit anderen, akuten Schädigungen des Hand-
Arm-Systems in Verbindung stehen.

C.2 Generelle Gesundheitsauswirkungen


Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei jemandem zur Bildung von Erscheinungsformen schwingungsbedingter
Erkrankungen des Hand-Arm-Systems kommt (siehe Anhang B), hängt von seiner Anfälligkeit, möglichen bereits
vorhandenen Krankheiten, der gesundheitlichen Verfassung sowie arbeits- und umgebungsbezogenen und
persönlichen Faktoren (siehe 4.1 und Anhang D) ab. Das Auftreten von Symptomen innerhalb einer Gruppe
von Personen, von denen jede gleichartige Arbeit unter Anwendung eines oder mehrerer ähnlicher Geräte
oder Fertigungsverfahren, bei denen Schwingungen in die Hand eingeleitet werden, ausführt, ist darüber
hinaus von individuellen und expositionsbedingten Faktoren abhängig. Bei Gruppen, in denen Personen die
gleiche Arbeit nicht fortsetzen, wird das Auftreten schwingungsbedingter Symptome auch von der Personal-
Fluktuation innerhalb dieser Gruppe beeinflusst.
ANMERKUNG Aus Untersuchungen geht hervor, dass bei Personen, die einem energieäquivalenten 8-h-Schwingungs-
gesamtwert A(8) von weniger als 2 m/s2 in der Kontaktfläche der Hand ausgesetzt sind, Symptome schwingungsbedingter
Hand-Arm-Erkrankungen selten sind; nicht belegt ist dafür ein A(8)-Wert von weniger als 1 m/s2.

C.3 Auftreten von zeitweisem Weißwerden der Finger


(schwingungsbedingte weiße Finger)
Es gibt verschiedene Ansätze, um die Schwingungsbelastung abzuschätzen, bei der es in Personengruppen,
die gleichartige Arbeit unter Anwendung eines oder mehrerer ähnlicher Geräte oder Fertigungsverfahren
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ausführen, zum Auftreten verschiedener Formen der Weiß-Finger-Krankheit kommt. Bild C.1 zeigt die Tages-
Schwingungsbelastung A(8), die bei ungefähr 10 % der exponierten Personen das Weißwerden der Finger
auslöst. Die angegebenen Werte gelten für auf eine Personengruppe bezogene gemittelte Gesamtexpositions-
zeiten, die sich über einen längeren Lebensabschnitt im Bereich von einem Jahr bis zu zehn Jahren erstrecken.
Dazugehörige diskrete Werte sind in Tabelle C.1 enthalten.
Eine Interpolation für Expositionsbedingungen mit Werten, die zwischen denen in der Tabelle C.1 dargestellten
liegen, ist zulässig. Für diesen Zweck kann die folgende Beziehung verwendet werden:

Dy A ( 8 ) –1,06
---------- = 31,8  -----------2  (C.1)
Jahr  m/s 

Dabei ist:
A(8) Tages-Schwingungsbelastung (energieäquivalenter 8-h-Schwingungsgesamtwert an einer mit der Hand
in Berührung stehenden Fläche)
Dy die auf eine Personengruppe bezogene über einen längeren Lebensabschnitt gemittelte Expositionszeit
in Jahren
ANMERKUNG 1 Diese empirische Beziehung zwischen der Schwingungsbelastung und dem Auftreten der Weiß-Finger-
Krankheit entspricht derjenigen, die in Anhang A des Vorgängerdokuments (ISO 5349:1986) angegeben ist; sie basiert auf
[10]. Es wurden jedoch Korrekturfaktoren verwendet, um den Gebrauch des energieäquivalenten 8-h-Schwingungsgesamt-
wertes in diesem Teil von ISO 5349 zu berücksichtigen.
ANMERKUNG 2 Die in diesem Teil von ISO 5349 gegebenen Hinweise zu Durchblutungsstörungen beruhen auf
epidemiologischen Untersuchungen mit Maschinen, deren Schwingungen hauptsächlich oberhalb des Bereichs 30 Hz bis
50 Hz liegen (z. B. Kettensägen, Schleifmaschinen, Gesteinsbohrmaschinen). Daher sollten Messergebnisse mit dominieren-
den Anteilen der frequenzbewerteten Beschleunigung bei niedrigeren Frequenzen, insbesondere unterhalb etwa 20 Hz,
nur mit Vorsicht herangezogen werden. Es wird nämlich bei Bedienpersonen solcher Maschinenarten von Auswirkungen
auf die Knochen und Gelenke der oberen Gliedmaßen berichtet (siehe Anhang B).
ANMERKUNG 3 Die Beziehung in Gleichung (C.1) dient nicht zur Voraussage des Risikos des Auftretens einer Weiß-Finger-
Krankheit bei irgendeiner bestimmten Person innerhalb der Gruppe.
ANMERKUNG 4 Bild C.1 und Tabelle C.1 können dazu verwendet werden, die Expositionsbedingungen so zu gestalten,
dass die gesundheitlichen Risiken von Hand-Arm-Schwingungen in einer Gruppe von beruflich exponierten Personen
verringert werden. Die Werte in Tabelle C.1 und Bild C.1 wurden aus Untersuchungen mit Arbeitern gewonnen, die in ihrem
Berufsleben bis zu 25 Jahre Schwingungen von Handmaschinen mit bis zu 30 m/s2 ausgesetzt waren. Nahezu alle
Untersuchungen befassten sich mit Gruppen von Personen, die fast täglich bei ihrer Arbeit mit einem bestimmten Typ einer
motorbetriebenen Maschine oder einem Fertigungsverfahren zu tun hatten, bei dem Schwingungen in die Hand eingeleitet
wurden. Die Beschleunigungswerte sind aus Untersuchungen abgeleitet, in denen Werte der frequenzbewerteten
Beschleunigung in nur einer, der dominierenden Schwingungsrichtung angegeben sind.
ANMERKUNG 5 Bei Geräten oder Verfahren, bei denen sich das Verhältnis des Schwingungsgesamtwertes zur größten
Einzelkomponente signifikant von den im Vorwort zu diesem Teil von ISO 5349 genannten typischen Werten unterscheidet,
kann es zu Abweichungen von den in Tabelle C.1 und Bild C.1 dargestellten Werten kommen. Bei Gruppen von Bedien-
personen, bei denen sich arbeitsbezogene und/oder umgebungsbedingte Faktoren deutlich von denjenigen unterscheiden,
die gewöhnlicherweise in ähnlichen Berufen auftreten, kann es ebenfalls zu Abweichungen von den in Tabelle C.1 und
Bild C.1 dargestellten Werten kommen.

Wenn für eine angegebene (lebensabschnittsbezogene) Gesamtexpositionsdauer die Tages-Schwingungs-


belastung A(8) denjenigen Wert übersteigt, der bei 10 % der Personen in einer Gruppe zu einem Auftreten der
Weiß-Finger-Krankheit führt, kann mit einem häufigeren Auftreten der Weiß-Finger-Krankheit gerechnet
werden.

Tabelle C.1 – Werte der Tages-Schwingungsbelastung A(8), von der erwartet werden kann,
dass sie bei 10 % der Personen, die dieser Belastung einer gegebenen Anzahl Dy von Jahren
ausgesetzt sind, die Weiß-Finger-Krankheit auslöst

Dy in Jahren 1 2 4 8,0

A(8) in m/s2 26 14 7 3,7


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Bild C.1 – Schwingungsbelastung, bei der in einer Gruppe schwingungsbelasteter Personen


das Auftreten von VVS in 10 % der Fälle zu erwarten ist

Anhang D
(informativ)
Faktoren, die die Auswirkungen der Schwingungsbelastung des Hand-Arm-Systems
des Menschen unter Arbeitsbedingungen beeinflussen können
Das in diesem Teil von ISO 5349 beschriebene Verfahren zur Bewertung der Schwingungsbelastung berück-
sichtigt die Schwingungsintensität, die Frequenzzusammensetzung, die Einwirkungsdauer an einem Arbeitstag
und die während eines Lebens bisher akkumulierte Schwingungsbelastung. Die Auswirkungen der Schwingungs-
belastung des Hand-Arm-Systems des Menschen unter Arbeitsbedingungen können darüber hinaus durch
folgende Faktoren beeinflusst werden:
a) Richtung der auf die Hand übertragenen Schwingungen;
b) Arbeitsverfahren und persönliche Geschicklichkeit der Bedienperson;
c) Alter der Bedienperson oder jegliche Art von Prädisposition ihrer Konstitution oder Gesundheitszustandes;
d) zeitlicher Ablauf der Schwingungseinwirkung und die Arbeitstechnik, d. h. Dauer und Häufigkeit von Arbeits-
und Pausenzeiten, ob das Gerät während einer Arbeitspause abgelegt oder im Leerlauf gehalten wird usw.;
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e) Ankopplungskräfte, wie Greif- und Andruckkraft, die von der Bedienperson über die Hände auf das Gerät
oder das Werkstück ausgeübt werden 2), sowie der auf die Haut wirkende Druck;
f) Stellung von Hand und Arm sowie Körperhaltung während der Einwirkung (Winkel von Hand-, Ellenbogen-
und Schultergelenk);
g) Typ und Zustand der schwingungserzeugenden Maschinen und handgehaltenen Geräte samt dem
angebrachten Zubehör oder der Werkstücke;
h) Größe und Lage der Stellen an den Händen, die den Schwingungen ausgesetzt sind.
Die folgenden Faktoren beeinflussen in spezieller Weise die Durchblutungsstörungen, die durch Hand-Arm-
Schwingungen verursacht werden können:
i) klimatische Umgebungsbedingungen und andere Ursachen, durch die die Temperatur der Hände oder des
Körpers herabsetzt wird,
j) Krankheiten, die Durchblutungsstörungen verursachen,
k) Wirkstoffe, welche die periphere Durchblutung verändern, wie z. B. Nikotin, bestimmte Arzneien oder
Chemikalien in der Arbeitsumgebung,
l) Lärm.
Obwohl die Bedeutung aller obengenannten Faktoren im Zusammenhang mit dem Auftreten schwingungs-
bedingter Gesundheitsstörungen noch nicht mit ausreichender Genauigkeit bekannt ist und genormte Verfahren
zur Erfassung einiger dieser Faktoren in diesem Teil von ISO 5349 nicht festgelegt sind, empfiehlt es sich zur
Sammlung aussagekräftiger Expositionsverläufe, alle diese Faktoren zu erfassen und anzugeben (siehe
Anhang F).

Anhang E
(informativ)
Vorsorgemaßnahmen, die von Arbeitssicherheitsverantwortlichen eingeführt werden sollten

E.1 Medizinische Vorsorgemaßnahmen im Zusammenhang mit regelmäßiger


Einwirkung von Hand-Arm-Schwingungen
Folgende Schritte sollten ergriffen werden:
a) Jeder Arbeiter, auf dessen Hände Schwingungen einwirken, sollte vor der Einstellung
– körperlich untersucht werden,
– Aufzeichnungen über vorangegangene Schwingungsbelastungen vorlegen;
b) alle Personen, die schwingungserzeugende Geräte benutzen, sollten über die Risiken der Einwirkung von
Hand-Arm-Schwingungen unterrichtet werden;
c) Personen mit den im Folgenden genannten gesundheitlichen Voraussetzungen sind einem erhöhten Risiko
ausgesetzt und sollten vor dem Benutzen schwingungserzeugender Geräte sorgfältig untersucht werden:
– primäre Raynaudsche Krankheit,
– Krankheiten, die eine Beeinträchtigung der Durchblutung der Hände verursachen,
– frühere Verletzungen/Schädigungen der Hand, die Durchblutungsstörungen oder Deformationen von
Knochen und Gelenken verursachen,
– andere Fälle des sekundären Raynaudschen Phänomens,
– Störungen des peripheren Nervensystems,
– Störungen des muskulo-skeletalen Systems;
d) es sollten Vorkehrungen zur Erfassung der Symptome sowie Vereinbarungen für regelmäßig stattfindende
medizinische Untersuchungen der betroffenen Risikogruppen getroffen werden.
In einigen Ländern besteht die Empfehlung, dass Jugendliche (unter 18 Jahren) bestimmte schwingungs-
erzeugende Geräte nicht benutzen sollen.
ANMERKUNG Ein Verzeichnis medizinischer Fachausdrücke ist in Abschnitt B.6 enthalten.

2) Eine Internationale Norm zur Messung der Greif- und Andruckkräfte befindet sich in Vorbereitung.
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E.2 Technische Vorsorgemaßnahmen zur Reduzierung der Auswirkungen


der Schwingungsexposition der Hände
Folgende Schritte sollten ergriffen werden:
a) Sofern eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Arbeitsverfahren besteht, sollte das Verfahren
verwendet werden, das die niedrigste Schwingungsbelastung zur Folge hat;
b) sofern eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Geräten besteht, sollte das Gerät (einschließlich
Zubehör) verwendet werden, das die niedrigste Schwingungsbelastung zur Folge hat;
c) die Geräte sollten sorgfältig nach den Angaben des Herstellers gewartet werden;
d) die Geräte sollten keine kalten Gase oder Flüssigkeiten über die Hände der Bedienperson ausströmen lassen;
e) nach Möglichkeit sollten beim Arbeiten unter kalten Umgebungsbedingungen die Griffe der schwingungs-
erzeugenden Geräte beheizt werden;
f) es sollten keine Geräte eingesetzt werden, deren Handgriffe so geformt sind, dass in der Berührungsfläche
ein hoher Druck auf die Haut entsteht;
g) sofern eine Wahlmöglichkeit besteht, sollte das Gerät ausgesucht werden, das die geringsten Ankopp-
lungskräfte (Greif- und Andruckkraft) erfordert;
h) das Gewicht handgehaltener Maschinen sollte möglichst gering sein, sofern nicht andere Parameter, wie
Schwingungsintensität oder Ankopplungskräfte, ansteigen.
Schwingungsmindernde Handschuhe, auch als Anti-Vibrations-Handschuhe bezeichnet (zur Definition siehe
ISO 10819), können von Nutzen sein, wenn nachgewiesen werden kann, dass sie die Schwingungsbelastung,
wie in diesem Teil von ISO 5349 definiert, verringern können. (Von schwingungsmindernden Handschuhen
sollte jedoch nicht erwartet werden, dass sie eine ausreichende Schutzmaßnahme gegen Hand-Arm-Schwin-
gungen darstellen.)

E.3 Administrative (arbeitsorganisatorische) Vorsorgemaßnahmen


zur Reduzierung der Auswirkungen der Schwingungsexposition der Hände
Folgende Schritte sollten ergriffen werden:
a) Es sollte eine angemessene Einweisung der Bedienperson in die korrekte Bedienung des Gerätes stattfinden;
b) es wird davon ausgegangen, dass die Gefährdungen durch Schwingungen verringert werden, wenn
konstante Schwingungsexposition über längere Zeiträume vermieden wird. Daher sollten Arbeitsabläufe so
gestaltet werden, dass sie auch Zeiträume aufweisen, in denen keine Schwingungsexposition vorhanden ist;
c) es sollte dafür gesorgt werden, dass es der Bedienperson nicht kalt ist.

E.4 Ratschläge für Personen, die schwingungserzeugende


handbediente Geräte benutzen
Folgende Ratschläge werden gegeben:
a) Lassen Sie das Gerät die Arbeit verrichten, und greifen Sie es so locker wie möglich, vorausgesetzt, dass
dies in Übereinstimmung mit einer sicheren Arbeitsweise und der Kontrolle über das Gerät möglich ist; das
Gerät sollte auf dem Werkstück ruhen oder so weit wie möglich von diesem abgestützt werden;
ANMERKUNG In manchen Fällen kann eine Erhöhung der Andruck- und Greifkraft die gemessene Beschleunigung
verringern; das ist jedoch in der Regel nicht vorteilhaft.
b) informieren Sie den zuständigen Vorarbeiter, wenn außergewöhnliche Schwingungen auftreten;
c) tragen Sie geeignete Kleidung und passende Handschuhe, die Sie warm und trocken halten, insbesondere
bei der Arbeit, unterwegs und beim Einsatz schwingungserzeugender Geräte;
d) verringern oder vermeiden Sie vor und während der Arbeit mit schwingungserzeugenden Geräten das
Rauchen von Tabak oder den Genuss von Schnupftabak, da Nikotin die Blutversorgung von Händen und
Fingern reduziert;
e) suchen Sie medizinischen Rat, wenn Sie Anfälle von weißen oder blauen Finger oder lange Zeitabschnitte
von Kribbeln und/oder von Taubheitsgefühl der Finger bemerken.

E.5 Weitere Hinweise


Weitere Ratschläge sind in CR 1030-1 und CR 1030-2 enthalten.
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Anhang F
(informativ)
Hinweise für die Erfassung zusätzlicher Informationen

F.1 Einleitung
Die derzeit hauptsächlich verwendeten Größen zur Darstellung der Intensität der Einwirkungen von Hand-Arm-
Schwingungen sind ahv und A(8), wie sie in diesem Teil von ISO 5349 definiert sind. Da diejenigen Eigenschaften
von Schwingungen, die zu gesundheitlichen Störungen führen, noch nicht vollständig erfasst sind, es ist
möglich, dass mit zunehmendem Wissensstand die Notwendigkeit bestehen wird, bestimmte Aspekte des
Bewertungsverfahrens, wie z. B. Frequenzbewertung, Frequenzbereich, zeitliche Abhängigkeit und die Art, wie
mehrachsige Schwingungen bewertet werden, zu ändern. Es kann außerdem notwendig werden, für
unterschiedliche Auswirkungen von Hand-Arm-Schwingungen auf den Menschen unterschiedliche Analysier-
verfahren festzulegen.
Um den zukünftigen Nutzen von Schwingungsmessungen unter Anwendung dieses Teils von ISO 5349 so groß
wie möglich werden zu lassen und um den Kenntnisstand über die Auswirkungen von Hand-Arm-Schwingungen
voranzutreiben, ist es erforderlich, dass bei der Messung und Beurteilung von Schwingungseinwirkungen
zusätzliche Informationen aufgenommen werden. Dieser Anhang nennt Hinweise für die Erfassung nützlicher
Zusatzinformationen.

F.2 Schwingungsquelle und Gebrauch der Geräte


Es sollte eine eindeutige Beschreibung des schwingungserzeugenden Gerätes mit Angaben über Typ, Alter,
Masse, Größe und Zustand erfolgen. Die Schwingungscharakteristik eines schwingungsbehafteten Gerätes
kann stark variieren. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Bandbreite von Schwingungszuständen im
Zusammenhang mit verschiedenen Werkstücken und Materialien, Arbeitsbedingungen, Gebrauchsweisen und
zeitlichen Abläufen der Exposition (einschließlich Unterbrechungen) erfasst wird.
Die Position und Ausrichtung der Hände der Bedienperson an dem schwingungsemittierenden Gerät oder dem
Werkstück sollten dokumentiert werden. Die Körperhaltung der Bedienperson, insbesondere im Hinblick auf
Hände und Arme, sollte beschrieben werden.
Die Ankopplungskräfte zwischen der Hand und der Greifstelle beeinflussen wahrscheinlich die in die Hand
eingeleitete Schwingungsenergie, wenngleich die dabei wirkenden Effekte noch nicht vollständig erfasst sind.
Es ist möglich, dass es zukünftige Schwingungsmessnormen erforderlich machen, diese Kräfte zu bestimmen.
Wo dies möglich ist, sollten die Ankopplungskräfte gemessen oder abgeschätzt werden 3).
Umgebungsfaktoren, wie Lärm, Temperatur und Chemikalien am Arbeitsplatz usw., sollten dokumentiert
werden, soweit möglich.

F.3 Messeinrichtung
Dieser Teil von ISO 5349 schreibt vor, dass das System zur Messung oder Aufzeichnung den Anforderungen
von ISO 8041 entspricht. Für den Fall, dass die Anforderungen dieses Teils von ISO 5349 übertroffen werden
(z. B. wenn der Frequenzbereich größer ist), sollte eine vollständige Beschreibung der Messeinrichtung
abgegeben werden.
Position und Ausrichtung der Schwingungsaufnehmer am Gerät oder Werkstück und die Art der Befesti-
gung sollten komplett beschrieben werden. Die Gesamtmasse des oder der Schwingungsaufnehmer und
Befestigungsmittel sollte angegeben werden.
Die Art der Befestigung des Beschleunigungsaufnehmers kann einen großen Einfluss auf den Frequenzgang
der Messeinrichtung haben. Es ist wichtig sicherzustellen, dass jegliche Resonanzfrequenz ausreichend höher
als die obere Grenze des Frequenzbereiches ist, in dem gemessen wird.

3) Eine Internationale Norm zur Messung der Greif- und Andruckkräfte befindet sich in Vorbereitung.
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F.4 Schwingungsrichtungen
Dieser Teil von ISO 5349 legt fest, dass die Schwingungen für jede der drei Richtungen x, y und z getrennt
gemessen und angegeben werden. Es ist daher erstrebt, Daten für alle drei Messrichtungen (einschließlich der
frequenzbewerteten Effektivwerte, der Frequenzspektren und Zeitverläufe, sofern verfügbar) anzugeben.
ANMERKUNG Die Angabe von Daten für alle Messrichtungen ist aus den folgenden Gründen empfehlenswert:
a) Einige gegenwärtig empfohlene Bewertungsverfahren basieren auf dem Schwingungsgesamtwert, während andere den
gemessenen Wert der größten Einzelkomponente verwenden;
b) die Auswirkungen der Schwingungsrichtung auf die Gesundheit sind noch nicht vollständig erfasst.

F.5 Schwingungszeitverläufe
Nach Möglichkeit sollten Beschleunigungszeitverläufe aufgezeichnet und aufbewahrt werden. Aufgezeichnete
Schwingungszeitverläufe sind nur begrenzt verwendungsfähig, wenn die Grenzen des Frequenzbereichs und
die Filtercharakteristik der Bandbegrenzung nicht angegeben sind.
ANMERKUNG Die Aufbewahrung von Zeitverläufen ist aus folgenden Gründen wünschenswert:
a) Es können Untersuchungen zur Identifikation von Messabweichungen (z. B. Nullpunktverschiebung, Messbereichsüber-
schreitung) durchgeführt werden.
b) Es lassen sich verschiedene Verfahren der Frequenzanalyse auf dieselben Daten anwenden.
c) Die Effektivwertbildung, wie sie von diesem Teil von ISO 5349 gefordert wird, muss nicht das am besten geeignete
Verfahren der Bewertung sein. So lassen sich auch andere Auswertungen (z. B. Erfassung der Spitzenbeschleunigungen,
überenergetische Mittelung) anhand eines gespeicherten Zeitverlaufs der Schwingungen durchführen.
d) Eine andere Form der Analyse kann bei stoßhaltigen Schwingungen geeignet sein (z. B. bei Maschinen mit Schlagwerk).
Beispielsweise kann auch die Analyse von Spitzenwerten oder Scheitelfaktoren nützlich sein; bezüglich derartiger
Analysierverfahren wurden noch keine Vereinbarungen getroffen.

F.6 Frequenzanalyse
Zusätzlich zu den frequenzbewerteten Beschleunigungen ist die Angabe von (unbewerteten) Beschleunigungs-
effektivwerten der einzelnen Terzbänder innerhalb des Frequenzbereichs der Messeinrichtung wünschenswert.
Darüber hinaus können Spektren mit konstanter Bandbreite (z. B. Leistungsdichtespektren) ein nützliches visuelles
Verfahren zur Überprüfung von Messdaten bezüglich ihrer Frequenzabhängigkeit und zur Aufdeckung von Messab-
weichungen sein. (Es ist wichtig, dass bei der Angabe von Spektren auch die Frequenzauflösung angegeben wird.)
ANMERKUNG Eine Frequenzanalyse ist aus folgenden Gründen wünschenswert:
a) Die nachfolgende Überprüfung der Messergebnisse mit Hilfe von Terzbanddaten sowie alternative Frequenzbewertungen
sind auf einfache Weise möglich. (Dies ist besonders dann hilfreich, wenn keine Zeitverläufe der Schwingungen gespeichert
werden.)
b) Die Information aus einem Frequenzspektrum (besonders dann, wenn eine Frequenzanalyse mit konstanter Bandbreite
durchgeführt wurde) kann sehr nützlich bei der Aufdeckung von folgenden Messabweichungen sein: Messbereichsüber-
schreitungen oder Nullpunktverschiebungen, die sich bei tiefen Frequenzen äußern, sowie Probleme der Befestigung
des Schwingungsaufnehmers, welche sich bei hohen Frequenzen äußern.
c) Eine Schmalbandanalyse kann dabei helfen, die Entstehungsmechanismen der Schwingungen herauszufinden, und
kann somit Ingenieuren Informationen zur Verfügung stellen, die Schwingungen bei kritischen Frequenzen zu verringern.

F.7 Frequenzbereich
Obwohl die Frequenzbewertung Wh nur in einem bestimmten Bereich definiert ist, wird empfohlen, dass der
Frequenzmessbereich so groß wie praktisch machbar sein sollte, wenn Zeitverläufe und/oder Frequenz-
analysen anzugeben sind. Da jedoch der Frequenzgang der Aufnehmerbefestigung oberhalb von etwa
1 000 Hz problematisch sein kann, sollte die Gültigkeit jeder Art von Messdaten bei hohen Frequenzen
nachgewiesen werden.
ANMERKUNG Die Erfassung von Messdaten innerhalb eines größeren Frequenzbereichs ist wünschenswert, da manche
Forscher davon überzeugt sind, dass Frequenzen oberhalb von 1 250 Hz von einer größeren Bedeutung sein können als in
diesem Teil von ISO 5349 angegeben, besonders bei stoßhaltigen Schwingungen.

F.8 Epidemiologische Informationen


Das Verständnis der Auswirkungen von Schwingungen auf die Gesundheit (einschließlich des vaskulären, des
neurologischen und des muskulo-skeletalen Systems) lässt sich durch die kontinuierliche Aufnahme von
Studien verbessern, bei denen sowohl die Schwingungsbelastung (nach diesem Teil von ISO 5349 und unter
Berücksichtigung der Aussagen dieses Anhangs ermittelt) als auch die gesundheitlichen Auswirkungen
erfasst werden.
Hinweise zur Aufnahme von epidemiologischen Daten sind nicht mehr Thema dieses Anhangs.
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EN ISO 5349-1:2001

Anhang ZA
(normativ)
Normative Verweisungen auf internationale Publikationen mit ihren
entsprechenden europäischen Publikationen
Diese Europäische Norm enthält durch datierte oder undatierte Verweisungen Festlegungen aus anderen
Publikationen. Diese normativen Verweisungen sind an den jeweiligen Stellen im Text zitiert, und die Publi-
kationen sind nachstehend aufgeführt. Bei datierten Verweisungen gehören spätere Änderungen oder Über-
arbeitungen dieser Publikationen nur dann zu dieser Europäischen Norm, falls sie durch Änderung oder
Überarbeitung eingearbeitet sind. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe der in Bezug
genommenen Publikation (einschließlich Änderungen).
ANMERKUNG Ist eine internationale Publikation durch gemeinsame Abweichungen modifiziert worden, gekennzeichnet
durch (mod.), dann gilt die entsprechende EN.

Publikation Jahr Titel EN Jahr

ISO 5349-2 2001 Mechanische Schwingungen – Messung und EN ISO 5349-2 2001
Bewertung der Einwirkung von Schwingungen
auf das Hand-Arm-System des Menschen –
Teil 2: Praxisgerechte Anleitung zur Messung
am Arbeitsplatz
ISO 8041 1990 Schwingungseinwirkung auf den Menschen – ENV 28041 1993
Messeinrichtung
IEC 61260 1995 Elektroakustik – Bandfilter für Oktaven und EN 61260 1996
Bruchteile von Oktaven
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EN ISO 5349-1:2001

Literaturhinweise
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