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Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Gliederung

Einführung in die Volkswirtschaftslehre


Wirtschaftsinformatik
– Bachelor SS 2011 –
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Fachhochschule München

Steffen Henzel
ifo Institut für Wirtschaftsforschung (Henzel@ifo.de)

2. Juni 2011

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
Gliederung

Gliederung

A. Überblick
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte
1. Individuelle Nachfrage der Verbraucher, Marktnachfrage
und Konsumentenrente
2. Produktion der Unternehmen
3. Kosten der Produktion
4. Marktangebot bei vollkommener Konkurrenz
5. Analyse von Wettbewerbsmärkten
III. Marktstruktur und Marktmacht
6. Monopol
7. Monopolistische Konkurrenz

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
Gliederung

Gliederung

C. Einführung in die Makroökonomie


IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik
8. Stetige Entwicklung der Realwirtschaft
9. Preisstabilität
10. Hoher Beschäftigungsstand
11. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
12. Vereinfachung des Zielkatalogs
V. Die Rolle der Geldpolitik
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die
geschlossene Volkswirtschaft

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
Gliederung

Literatur

I Robert Pindyck und Daniel Rubinfeld,


Mikroökonomie, Pearson Studium, 7. Auflage 2009
I Gregory Mankiw und Mark Taylor: Grundzüge der
Volkswirtschaftslehre, Schäffer–Poeschel Verlag Stuttgart,
4. Auflage 2008
I Peter Bofinger, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre,
Pearson Studium, 2. Auflage 2006

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
Gliederung

Literatur

I Peter Bofinger und Eric Mayer: Grundzüge der


Volkswirtschaftslehre: Das Übungsbuch, Pearson Studium,
2009
I Knut Sydsaeter und Peter Hammond, Mathematik für
Wirtschaftswissenschaftler, Pearson Studium, 3. Auflage
2009
I Fred Böker, Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler:
Das Übungsbuch, Pearson Studium, 2011

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Einführung in die Volkswirtschaftslehre


Überblick

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Überblick

I Themen der Mikroökonomie


I Themen der Makroökonomie

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

A. Überblick

Die Volkswirtschaftslehre (VWL) befasst sich mit der


Analyse von Märkten.

I Sie zeigt, dass Märkte effizient sind, da sie die individuellen


Bedürfnisse der Marktteilnehmer so transformieren können,
dass sich für die Gesellschaft insgesamt ein positiver Effekt
ergibt.
I Sie zeigt zugleich, dass Märkte in der Lage sind, eine
Vielzahl von Informationen in optimaler Weise zu
verarbeiten.
I Sie verdeutlicht aber auch, dass Märkte Schwächen
aufweisen können bzw. zu unerwünschten Ergebnissen
führen können.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Überblick

Die VWL als Sozialwissenschaft basiert auf der Annahme, dass


die Wirtschaftsakteure bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse
diversen Restriktionen unterliegen,

I die sich aus der Knappheit der Ressourcen – Güter und


Produktionsfaktoren – ergeben.

Die VWL untersucht die Zusammenhänge bei der Zuordnung


dieser Ressourcen.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Überblick

Ziel der VWL ist es, Gesetzmäßigkeiten hinsichtlich des


wirtschaftlichen Verhaltens der Wirtschaftsakteure zu finden,

I um daraus generell Handlungsempfehlungen für die


Wirtschaftspolitik abzuleiten.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Überblick

Die VWL teilt sich in zwei Hauptgebiete auf:

I die Mikroökonomie und die Makroökonomie

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Die Mikroökonomie beleuchtet das Verhalten einzelner


Akteure, d.h. sie untersucht bspw.

I wie Unternehmen darüber entscheiden, welche Güter sie


anbieten, welchen Preis sie verlangen und wie viele
Arbeitnehmer sie einstellen;
I wie Haushalte ihre Kaufentscheidung treffen, wie ihre
Entscheidungen durch sich ändernde Preise und
Einkommen beeinflusst werden, und wo und wie lange sie
arbeiten.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Für die meisten Menschen ist die Tatsache, dass sie nicht alles
haben können, eine einfache, aber harte Lektion:

I Ressourcen sind knapp: “There is no such thing as a free


lunch...”!
I Alle Akteure sehen sich einem Trade-off gegenüber.
I Mehr Freizeit vs. weniger Einkommen / Konsum.
I Größere Wohnung vs. teurer Urlaub.
I Studium (Verzicht auf Einkommen heute) vs. berufliche
Tätigkeit (später geringere Einkommensmöglichkeiten).

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Die Mikroökonomie befasst sich mit den Begrenzungen,


mit denen Unternehmen und Haushalte stets konfrontiert sind.

I Unternehmen können die Produktion ihrer Güter nicht


beliebig erhöhen, da die benötigten Produktionsfaktoren –
wie bspw. Sachkapital, Facharbeiter oder Rohstoffe –
limitiert sind.
I Haushalte verfügen über begrenzte Einkommen, die für
eine Vielzahl von Gütern und Dienstleistungen ausgegeben
oder gespart werden können.1

1
Als Arbeitnehmer unterliegen Haushalte ebenfalls verschiedenen
Restriktionen, da sie bspw. abwägen müssen, ob sie eine berufliche Tätigkeit
sofort aufnehmen oder weiter in ihre Ausbildung investieren.
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Die Mikroökonomie analysiert das Verhalten der


Wirtschaftsakteure, die zwischen verschiedenen Alternativen –
also Handlungsmöglichkeiten – abwägen müssen.

I Dabei geht es auch um die Frage, wie die Akteure das


meiste aus den begrenzten Mitteln herausholen können:
Wie können die Haushalte als Konsumenten ihr begrenztes
Einkommen am besten auf die zum Kauf angebotenen
Güter und Dienstleistungen aufteilen?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Die Abwägungen der einzelnen Akteure beruhen – nicht allein,


aber häufig – auf den Preisen, mit denen sie konfrontiert sind.

I So müssen Unternehmen bspw. darüber entscheiden, ob sie


ihre Produkte verstärkt mit Kapital oder Arbeitskräften
herstellen. Die Entscheidung wird mitunter auf Grundlage
des Preises für Kapital und der Lohntarife getroffen.

In einer Marktwirtschaft werden Preise – in der Regel – auf


Märkten bestimmt!

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Ein Markt ist ein ökonomischer Ort, auf dem die


Marktteilnehmer – Anbieter und Nachfrager – eine
bestimmte Ware handeln.

I Durch die Interaktionen der Marktteilnehmer wird der


Preis der Ware bestimmt.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Märkte lassen sich anhand des Kriteriums des Wettbewerbs


katalogisieren in:

I kompetitive Märkte und nicht–kompetitive Märkte

Beide Formen werden wir betrachten.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Die Art des Wettbewerbs auf einem Markt

I beeinflusst insbesondere die Bildung des Preises, zu dem


die Waren gehandelt werden.

Je nach dem ob ein Markt kompetitiv oder nicht-kompetitiv ist,


können die Anbieter (evtl. auch die Nachfrager) die Preise mehr
oder weniger stark – zu ihren Gunsten – beeinflussen.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Mikroökonomie

Die Abgrenzung eines Marktes legt fest, welche Gruppen


von Anbietern und Nachfrager hier auftreten.
I Sie bezieht sich auch auf die Definition eines Marktes
– Wie viele Nachfrager treffen auf wie viele Anbieter?
– Welche Produkte werden berücksichtigt?
– Welcher geographische Raum ist relevant?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Makroökonomie

Die Makroökonomie befasst sich mit den


gesamtwirtschaftlichen Vorgängen in einer Volkswirtschaft, d.h.

I sie versucht die Entwicklung gesamtwirtschaftlicher


Schlüsselvariablen zu erklären.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Makroökonomie

Makroökonomische Schlüsselvariablen

I Das Gleichgewicht auf dem gesamtwirtschaftlichen


Gütermarkt
I Entwicklung des Preisniveaus
I Die Lage am Arbeitsmarkt, gemessen an der Veränderung
der Arbeitslosenquote
I Die Zahlungsbilanz, die alle wirtschaftlichen Transaktionen
zwischen den Inländern und Ausländern erfasst

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Themen der Makroökonomie

Die Makroökonomie versucht jedoch nicht nur die


Entwicklung dieser makroökonomischen Schlüsselvariablen zu
erklären, sondern auch

I Handlungsanweisungen für die Entscheidungsträger


der Wirtschaftspolitik abzuleiten, um mögliche
Zielverletzungen zu korrigieren, d.h. um stabilisierend
einzugreifen.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Ziele der Makroökonomie

Zu den Entscheidungsträgern der Wirtschaftspolitik zählt


insbesondere

I die Notenbank einer Volkswirtschaft, da diese bei


Instabilitäten des Wirtschaftsprozesses kurzfristig recht
flexibel eingreifen kann.

Aktive Fiskalpolitik entfaltet ihre Wirkung dagegen –


insbesondere kurzfristig – eher träge, weshalb sie sich für die
Stabilisierung des Wirtschaftsprozesses nur unzureichend eignet.
Jeder Staatseingriff setzt neue Rahmenbedingungen und führt
daher zu einer Verhaltensänderung der Akteure, die dem
gewünschten Impuls evtl. entgegenwirkt.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Ziele der Makroökonomie

Die Zielgrößen werden dabei meist über die Zeit hinweg


betrachtet. Potentielle Zielverletzungen, die kurzfristig
eintreten können:
I Ausgeprägte Schwankungen der Wirtschaft, also markante
konjunkturelle Schwankungen bspw. infolge von Schocks
– Abrupter Anstieg des Ölpreises
– Erfindung neuer Technologien
– Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt
I Verletzung der Preisstabilität
I Konjunktureller Anstieg der Arbeitslosenquote

Hinzu kommen Zielverletzungen, die das außenwirtschaftliche


Gleichgewicht betreffen.
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Allgemeine Anmerkungen

In der VWL werden Theorien zur Erklärung herangezogen.2

I Theorien werden entwickelt, um Einblicke in beobachtbare


wirtschaftliche Zusammenhänge zu erhalten, wobei immer
Annahmen zugrundegelegt werden.

Modelle stellen eine vereinfachte Abbildung einer Theorie


dar. Sie dienen nicht zuletzt auch dazu, die empirische Validität
von Theorien besser überprüfen zu können.

2
Wie in anderen Wissenschaften auch!
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Allgemeine Anmerkungen
Modelle können wir als Landkarten interpretieren, die es
erlauben, sich in einem komplexen Umfeld zurechtzufinden.
I Sie sind eine vereinfachte Darstellung der Realität, d.h.
sie vernachlässigen viele Aspekte, die wir alltäglich
beobachten.
I Die Vereinfachung ist jedoch kein Nachteil sondern wichtig,
um sich auf die wesentliche Zusammenhänge
konzentrieren zu können.
I Aber: Landkarten sollen eine Orientierungshilfe geben und
nicht verwirren. Übertragen heißt dies, dass Modelle
idealerweise so einfach gestrickt sein sollten wie möglich.
Ein Modell, das die ganze Buntheit der Wirklichkeit
berücksichtigte, würde nicht nützlicher sein als eine
Landkarte im Maßstab Eins zu Eins. (Joan Robinson)
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Allgemeine Anmerkungen

Modelle werden häufig mathematisch formuliert!

I Die Mathematik ist jedoch kein Selbstzweck, sie


übersetzt vielmehr die verbalen Argumente in eine präzise
Sprache, die es uns ermöglicht, die Zusammenhänge
konsistent darzustellen.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
A. Überblick

Allgemeine Anmerkungen
Modellbausteine eines – nur bedingt sinnvollen – Modells:

I Variablen, die durch das Modell erklärt werden sollen


(endogen bzw. unbekannt): Konsum (C), Investitionen (I),
BIP (Y).
I Gegebene Variablen (exogen bzw. bekannt): Zinsen (i).
I Parameter: a = 100, b = 0.8, c = 50, d = 0.3.
I Definitionsgleichungen: Y = C + I
I Verhaltensgleichungen:
C = a + bY
I = c − di
I Anmerkung: Die Zahl der Gleichungen entspricht der Zahl
der unbekannten Variablen.
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie

Einführung in die Volkswirtschaftslehre


Einführung in die Mikroökonomie

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie

Einführung in die Mikroökonomie

I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage


II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte
III. Marktstruktur und Marktmacht

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Märkte sind Institutionen, auf denen Anbieter und


Nachfrager zusammentreffen:

I Für die Analyse von Märkten ist das Verhalten der


Anbieter und der Nachfrager daher grundlegend.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Das Grundmodell von Angebot und Nachfrage hilft uns zu


verstehen, wie:
I die Pläne von Anbietern und Nachfragern koordiniert
werden,
I sich Preise bilden und warum sich diese ändern,
I Eingriffe seitens des Staates – bspw. in Form von
Preisregulierungen, Steuern, Subventionen oder
Importquoten – wirken.

Unsere Analyse konzentriert sich hier auf einen Markt, der


zumindest annähernd kompetitiv ist, so dass sowohl die
Anbieter als auch die Nachfrager über keine nennenswerte
Marktmacht verfügen.
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Das Angebot

Das Angebot der Produzenten beschreibt, welche Menge


eines Gutes zu einem bestimmten Preis verkauft werden soll:

QS = QS (P ), (1)

wobei QS die angebotene Menge des Gutes und P den Preis


bezeichnen.

I Wir unterstellen, dass die Produzenten mehr von dem Gut


verkaufen wollen, je höher der Preis ist.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Die Angebotskurve

Preis

Graphische Darstellung S
der Angebotskurve

P2

P1

Q1 Q2 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung der angebotenen Menge

Die Produzenten ändern ihre angebotene Menge, wenn sich der


Preis ändert:

I Wir beobachten hier eine Bewegung entlang der


Angebotskurve.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung des Angebots

Das Angebot der Produzenten wird, neben dem Preis des


Gutes, auch von weiteren Determinanten beeinflusst, wie z.B.:

I die Produktionstechnologie,
I die Kosten der Produktionsfaktoren: Preise für Kapital,
Rohstoffe, usw., Höhe der Löhne und Gehälter,
I oder staatliche Regulierungen, usw.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung des Angebots

Preis
Änderung des Angebots:
Die Kosten für Rohstoffe S S‘
sinken

P2

P1

Q0 Q1 Q2 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung des Angebots

Wir sprechen von einer Veränderung des Angebots,

I wenn sich die Angebotskurve – bspw. infolge gesunkener


Rohstoffpreise oder Löhne usw. – verschiebt.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Die Nachfrage

Die Nachfrage der Konsumenten gibt an, welche Menge


eines Gutes zu einem bestimmten Preis gekauft werden würde:

QD = QD (P ), (2)

wobei QD die nachgefragte Menge des Gutes und P den Preis


bezeichnen.

I Wir unterstellen, dass die Konsumenten mehr von dem Gut


kaufen wollen, je niedriger der Preis ist.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Die Nachfragekurve

Preis

Graphische Darstellung
der Nachfragekurve

P1

P2

Q1 Q2 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung der nachgefragten Menge

Die Konsumenten ändern ihre nachgefragte Menge, wenn sich


der Preis ändert:

I Auch hier beobachten wir eine Bewegung entlang der


Nachfragekurve.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung der Nachfrage

Auch die Nachfrage der Konsumenten wird, zusätzlich zum


Preis, von weiteren Determinanten beeinflusst. Hierzu zählen:

I Änderungen der Einkommen


I Änderungen der Preise der Substitutionsgüter,
I Änderungen der Preise der Komplementärgüter,
I Änderungen der Vorlieben (Präferenzen).

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung der Nachfrage

Preis

Änderung der Nachfrage:


Einkommen steigen

P1

P2

D‘
D

Q0 Q1 Q2 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Substitutionsgüter

Wir sprechen von Substitutionsgütern, wenn:

I die Erhöhung des Preises eines Gutes zu einer Erhöhung


der nachgefragten Menge eines anderen Gutes führt.

Substitutionsgüter sind bspw. Pepsi und Coca Cola, Honig und


Nutella, Kinobesuch und Blue-ray player. Wenn Güter perfekt
substituierbar sind (Diesel Benzin bei nebeneinander liegenden
Tankstellen), dann treten keine Preisunterschiede auf.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Komplementärgüter

Als Komplementärgüter bezeichnen wir Güter, bei denen:

I eine Erhöhung des Preises eines Gutes zu einem Rückgang


der nachgefragten Menge eines anderen Gutes führt.

Komplementärgüter sind bspw. Automobile und Kraftstoff oder


DVD Brenner und DVD Rohlinge, Bier und Aspirin...

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung der Nachfrage

Die Nachfrage der Konsumenten wird also zusätzlich beeinflusst


durch:

I Änderungen der Einkommen


I Änderungen der Preise der Substitutionsgüter,
I Änderungen der Preise der Komplementärgüter, aber auch
durch
I Änderungen der Präferenzen.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderung der Nachfrage

Wir sprechen von einer Veränderung der Nachfrage,

I wenn sich die Nachfragekurve – bspw. infolge von höheren


Einkommen, Änderungen der Preise der Substitutionsgüter
oder Komplementärgüter, oder Änderungen der
Präferenzen – verschiebt.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Marktgleichgewicht

Das Gleichgewicht auf einem Markt ist gekennzeichnet


durch:

QS = QD , (3)

d.h. Angebot und Nachfrage stimmen überein. Der Nachfrager


will zu dem gegebenen Preis nicht mehr von dem Gut kaufen
und der Produzent will genau diese Menge produzieren.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Marktgleichgewicht

Preis

Marktgleichgewicht: Der
Schnittpunkt von Angebot
P0 und Nachfrage bestimmt
Q0 und P0

Q0 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Marktgleichgewicht

Das Marktgleichgewicht bestimmt den gleichgewichtigen


Preis, bei dem:

I die angebotene Menge und die nachgefragte Menge exakt


identisch sind.

Anmerkung: In freien Märkten besteht die Tendenz, dass sich


die Preise in Richtung eines ausgeglichenen Marktes entwickeln.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Marktgleichgewicht

Preis

S
Überschuss

P1

P0

P2
Mangel
D

Q0 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Formale Darstellung

Wir unterstellen vereinfachend, dass das Angebot und die


Nachfrage durch folgende lineare Funktionen gegeben seien:

QS = a + bP (4)

QD = c − dP, (5)
wobei die Parameter a, b, c und d positiv sind.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Formale Darstellung

Im Marktgleichgewicht gilt: QS = QD , so dass wir für den


gleichgewichtigen Preis:
c−a
P = (6)
b+d
erhalten. Einsetzen von (6) in (4) oder (5) ergibt dann:
c−a c−a
Q=a+b =c−d . (7)
b+d b+d

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderungen im Marktgleichgewicht

Preis

S
S‘

P0
P1

Q0 Q1 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderungen im Marktgleichgewicht

Preis

P1

P0

D‘
D

Q0 Q1 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Veränderungen im Marktgleichgewicht

Preis

S S‘

P1
P0

D‘
D

Q0 Q1 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage und des Angebots

Die Elastizität misst allgemein, wie empfindlich eine Variable


auf eine andere reagiert.

I Insbesondere handelt es sich hierbei um eine Zahl, welche


die prozentuale Änderung angibt, die an einer Variable als
Reaktion auf eine Veränderung einer anderen Variablen um
ein Prozent auftritt.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage und des Angebots

Die Preiselastizität der Nachfrage misst die Empfindlichkeit


der nachgefragten Menge eine Gutes im Hinblick auf
Änderungen des Preises:

I Sie gibt an, welche prozentuale Änderung der nachgefragten


Menge eines Gutes eine Änderung des Preises des
betreffenden Gutes um ein Prozent nach sich zieht.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Die Preiselastizität der Nachfrage ist gegeben durch:


∆Q P0
Ep = , (8)
∆P Q0
mit: ∆Q = Q1 − Q0 und ∆P = P1 − P0 , wobei Q1 die
nachgefragte Menge zum Preis P1 und Q0 die nachgefragte
Menge zum Preis P0 bezeichnen.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Vereinfachend können wir (8) auch schreiben als:

∆Q P
Ep = . (9)
∆P Q
Normalerweise ist Ep negativ, da die nachgefragte Menge eines
Gutes sinkt, wenn der Preis des Gutes steigt!

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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Die Nachfrage nach einem Gut bezeichnen wir als:

I preiselastisch, wenn: |Ep | > 1, was bedeutet, dass der


prozentuale Rückgang der nachgefragten Menge größer als
der prozentuale Anstieg des Preises ist,
I preisunelastisch, wenn: |Ep | < 1.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Wir betrachten folgende lineare Nachfragekurve:

QD = 8 − 2P. (10)

Obwohl die Steigung der Kurve ∆Q/∆P konstant ist, verfügt


die Kurve über keine konstante Elastizität. Warum?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Preis

EP=-∞
4
Q=8-2P

EP=-1
2

EP=0

4 8 Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Je steiler die Nachfragekurve verläuft, desto geringer ist die


Elastizität der Nachfrage. Wir unterscheiden zwei Sonderfälle,
und zwar den einer:

I vollkommen elastischen Nachfrage (Ep = −∞), und den


einer
I vollkommen unelastischen Nachfrage (Ep = 0).

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität der Nachfrage

Preis

Vollkommen unelastische
Nachfrage

P
Vollkommen elastische
Nachfrage

Q Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Preiselastizität des Angebots

Die Preiselastizität des Angebots beschreibt die prozentuale


Änderung der angebotenen Menge infolge eines Anstiegs des
Preises um ein Prozent:

I Sie ist analog zur Preiselastizität der Nachfrage definiert.

Normalerweise ist die Elastizität positiv, da die Höhe der


angebotenen Menge steigt, wenn der Preis zunimmt!

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Ein Beispiel

Wir betrachten den Markt für Flachbildfernseher in einer


kleinen Stadt, in der das Angebot und die Nachfrage gegeben
sind durch:

QS = −400 + P (11)
1
QD = 800 − P. (12)
2
Wie viele Fernseher werden verkauft? Wie hoch ist der
Marktpreis?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Ein Beispiel

Im Marktgleichgewicht gilt: QS = QD , so dass:


1
−400 + P = 800 − P. (13)
2
Wir erhalten P = 800 und somit Q = 400. Wie sehen nun die
Preiselastizitäten des Angebots und der Nachfrage aus?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Ein Beispiel

Die Preiselastizität der Nachfrage können wir berechnen über:


∆QD P 1 800
EPD = =− × = −1. (14)
∆P Q 2 400
Für die Preiselastizität des Angebots ergibt sich analog:
∆QS P 1 800
EPS = = × = 2. (15)
∆P Q 1 400
Interpretation?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Kurzfristige und langfristige Elastizitäten

Bei der Analyse von Angebot und Nachfrage ist es wichtig,


zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Sicht zu
unterscheiden:

I So ist bei vielen Gütern die Nachfrage langfristig sehr viel


preiselastischer als kurzfristig.

Warum?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Kurzfristige und langfristige Elastizitäten

Preis
DSR
Nichtdauerhafte Konsumgüter:
Kurzfristige und langfristige
Nachfragekurven
DLR

Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Kurzfristige und langfristige Elastizitäten

Aber: Für einige Güter verhält es sich genau umgekehrt:

I hier ist die Nachfrage kurzfristig preiselastischer als


langfristig.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Kurzfristige und langfristige Elastizitäten

Preis
DLR
Dauerhafte Konsumgüter:
Kurzfristige und langfristige
Nachfragekurven
DSR

Menge

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Kurzfristige und langfristige Elastizitäten

Bei der Preiselastizität des Angebots treten ebenfalls


Unterschiede hinsichtlich der kurzfristigen und langfristigen
Betrachtung auf

I Bei den meisten Gütern ist das Angebot langfristig sehr


viel preiselastischer als kurzfristig.

Warum?

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Auswirkungen von staatlichen Eingriffen:


Preisregulierungen

Selbst in den Industrieländern beobachten wir, dass der


Staat häufig einzelne Märkte reguliert, und somit das
Marktergebnis beeinflusst
I Beispiele für Regulierungsmaßnahmen:
– Erhebung von Steuern
– Gewährung von Subventionen
– Preisregulierungen

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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Auswirkungen von staatlichen Eingriffen –


Preisregulierungen

Preis

Staatliche
Preisregulierung:
P0 Festlegung eines
Höchstpreise

Pmax
Überschussnachfrage
D

Q1 Q0 Q2 Menge 74 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Auswirkungen von staatlichen Eingriffen –


Preisregulierungen

Preisregulierungen führen dazu, dass einige Marktteilnehmer


gewinnen, während andere verlieren.
I Wie verhält es sich hier im Beispiel der staatlichen
Festlegung eines Höchstpreises? Wer gewinnt, wer verliert?
– die Konsumenten?
– die Produzenten?

Wie groß die Gewinne der Gewinner, und wie hoch die Verluste
der Verlierer sind werden wir an späterer Stelle noch ausführlich
diskutieren.

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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Übungsaufgabe 1

Betrachten Sie den Markt für DVD-Spieler in Deutschland! Wie


passen sich Angebot und Nachfrage kurzfristig an, wenn
folgende Ereignisse eintreten?

a. Der Preis für DVDs steigt


b. Deutschland führt Importzölle für DVD-Spieler aus Asien
ein
c. Der Preis von ”Blue Ray”–Spielern sinkt
d. Die Preise für Computer Chips, die zur Herstellung von
DVD-Spielern benötigt werden steigen
e. Das Einkommen der gesamten Bevölkerung nimmt zu

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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Übungsaufgabe 2
Unter den Elektrohändlern in einer kleinen Stadt herrscht ein
harter Konkurrenzkampf auf dem Markt für Flachbildfernseher.
Das Marktangebot der Elektrohändler und die Marktnachfrage
seien beschrieben durch folgende Funktionen:

1
QS = P − 40
10
1
QD = 80 − P
20
a. Bestimmen Sie das Gleichgewicht auf dem Markt für
Flachbildfernseher! Wie viele Flachbildfernseher werden
verkauft? Wie hoch ist der Marktpreis? Fassen Sie das
Marktergebnis in einer geeigneten Graphik zusammen!
b. Berechnen Sie die Preiselastizität der Nachfrage! Ist die
Nachfrage preiselastisch?
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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Übungsaufgabe 3

Die Marktforschung habe für den Fahrradmarkt die folgende


Angebots- und Nachfragefunktion ermittelt.

QS = 4P − 1500
QD = 2000 − 1P

a. Bestimmen Sie das Gleichgewicht auf dem Markt für


Fahrräder!
b. Unterstellen Sie nun, dass die Nachfrage nach Fahrrädern
aufgrund des milden Winters zunimmt. Die Nachfrage sei
nun QD = 2100 − 1P . Wie wirkt sich der milde Winter auf
den Preis der Fahrräder aus?

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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Übungsaufgabe 4

Es sei angenommen, dass die Nachfragekurve für ein Gut durch


folgende Gleichung angegeben wird: QD = 300 − 2P + 4I, wobei
I das durchschnittliche Einkommen bezeichnet. Die
Angebotskurve lautet: 3P − 50.

a. Bestimmen Sie den gleichgewichtigen Preis und die


gleichgewichtige Menge für das Gut, wenn I = 25
b. Bestimmen Sie den gleichgewichtigen Preis und die
gleichgewichtige Menge für das Gut, wenn I = 50
b. Zeichnen Sie zur Verdeutlichung Ihrer Antworten ein
geeignetes Diagramm

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B. Einführung in die Mikroökonomie
I. Grundlagen von Angebot und Nachfrage

Übungsaufgabe 5
Nehmen Sie an, Geschäftsreisende und Urlaubsreisende hätten
die folgenden Nachfragewerte für Flüge von München nach
Barcelona:
Preis Nachfragemenge für Nachfragemenge für
(Euro) Geschäftsreisende Urlaubsreisende
150 2250 1100
200 2000 800
250 1900 600
300 1850 100
a. Wie groß ist die Preiselastizität der Nachfrage für
Geschäftsreisende bzw. für Urlaubsreisende, wenn der
aktuelle Preis von 200 Euro auf 250 Euro steigt?
b. Warum weisen Geschäftsreisende eine andere
Preiselastizität als Urlauber auf?
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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

1. Individuelle Nachfrage der Verbraucher, Marktnachfrage


und Konsumentenrente
2. Produktion der Unternehmen
3. Kosten der Produktion
4. Marktangebot bei vollkommener Konkurrenz
5. Analyse von Wettbewerbsmärkten

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

1. Individuelle Nachfrage der Verbraucher,


Marktnachfrage und Konsumentenrente

Wir unterstellen, dass die Verbraucher bestrebt sind ihren


Nutzen zu maximieren, indem

I sie die für sie optimale Kombination an Gütern wählen, die


sie bei gegebenen Einkommen erwerben können.

Dabei handeln sie annahmegemäß rational.

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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Individuelle Nachfrage der Verbraucher

Die Nachfrage des Verbrauchers i für ein beliebiges Gut lässt


sich formal beschreiben durch:
i i
qD = qD (P, I, PS , PK ). (16)

Dabei bezeichnen:
i die nachgefragte Menge des Gutes
- qD
- P den Preis des Gutes
- I das Einkommen
- PS den Preis des Substitutionsguts
- PK den Preis des Komplementärguts

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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Individuelle Nachfrage der Verbraucher

Für die Nachfrage des Verbrauchers (16) können wir


vereinfachend schreiben:
i i
qD = qD (P ), (17)

sofern wir unterstellen, dass das Einkommen I und die Preise


des Substitutions– sowie des Komplementärguts, PS und PK ,
konstant sind.

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Individuelle Nachfrage der Verbraucher

Preis
Individuelle
Nachfragekurve

P2

P1

q2 q1 Menge

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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Individuelle Nachfrage der Verbraucher

Preis
Individuelle
Nachfragekurven

Auswirkung einer
Einkommenserhöhung

q1 q2 Menge

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktnachfrage

Die Marktnachfrage lässt sich allgemein

I aus den individuellen Nachfragen der Verbraucher


ableiten.

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Herleitung der Marktnachfrage: Ein Beispiel

Wir betrachten den Markt für Kaffee:

I Vereinfachend gehen wir davon aus, dass sich in diesem


Markt nur drei Konsumenten – Konsument A, B, C –
befinden.

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Herleitung der Marktnachfrage: Ein Beispiel

Tabelle: Bestimmung der Marktnachfrage

Preis Person A Person B Person C Markt


(Euro) (Einheiten) (Einheiten) (Einheiten) (Einheiten)
1 6 10 16 32
2 4 8 13 25
3 2 6 10 18
4 0 4 7 11
5 0 2 4 6

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktnachfrage

Formal erhalten wir die Marktnachfrage durch:


n
X
i
QD (P ) = qD (P ), (18)
i=1

wobei die Anzahl der Verbraucher im Markt durch n


i (P ) die nachgefragte Menge des
beschrieben wird, und qD
Verbrauchers i zum Preis P darstellt, mit i = 1, ..., n.3

3
Wir unterstellen hier vereinfachend, dass die Einkommen sowie die
Preise der Substitutions– und Komplementärgüter konstant sind.
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktnachfrage

Preis
5

Marktnachfrage

1
DA DB DC

5 10 15 20 25 30 Menge
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktnachfrage

Hinsichtlich der Marktnachfrage sind zwei Aspekte zu


beachten:

I Die Marktnachfrage verschiebt sich nach rechts, wenn


zusätzliche Konsumenten in den Markt eintreten
I Die Marktnachfrage wird von allen Faktoren beeinflusst,
die auf die Nachfrage der einzelnen Konsumenten wirken
– Demnach steigt die Marktnachfrage, wenn die Einkommen
der Konsumenten bspw. zunehmen

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Konsumentenrente

Verbraucher erwerben Güter, da sie durch den Kauf besser


gestellt werden

I Die Konsumentenrente (KR) misst den Vorteil der


Konsumenten, der sich der Teilnahme am Marktgeschehen
ergibt

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Konsumentenrente

Für einen einzelnen Verbraucher ist die KR gleich der


Differenz zwischen dem maximalen Betrag, den er für ein Gut
zu zahlen bereit ist, und dem Betrag, den er tatsächlich zahlt

I Angenommen eine Studentin wäre bereit für den Besuch


einer Ausstellung von Paul Klee 4 Euro auszugeben,
obwohl sie tatsächlich nur 3 Euro zahlen muss. Ihre KR
beträgt dann 1 Euro

Die aggregierte KR erhalten wir, indem wir die individuellen


KR aufsummieren

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Konsumentenrente

Preis
7 Prohibitivpreis

Konsumentenrente
5

4
Gleichgewichtspreis
3
Marktnachfrage

2
Tatsächliche Ausgaben
1
Gleichgewichtige Menge

5 10 15 20 25 30 Menge
(Tausend)
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Konsumentenrente

Die KR können wir formal berechnen durch:


1
KR = (P P − P ∗ )Q∗ , (19)
2
wobei Q∗ die gleichgewichtige Menge, P P den Prohibitivpreis
und P ∗ den gleichgewichtigen Preis darstellen
Im Beispiel erhalten wir für die KR dann:
1
(7 Euro − 3 Euro)15.000 = 30.000 Euro
2

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Übungsaufgabe 6

Nennen Sie die Größen, welche die Lage der


Marktnachfragekurve verändern!

I Zahl der Nachfrage


I Einkommen
I Präferenzänderung
I Preis des Substituts
I Preis des Komplements

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Übungsaufgabe 7

Betrachten Sie den Markt für italienisches Speiseeis in einer


kleinen Stadt! Die Marktnachfrage sei gegeben durch:

QD = 200 − 50P
a. Wie viele Portionen Eis werden nachgefragt, wenn der
Marktpreis für eine Portion bei 2 Euro liegt?
b. Wie hoch ist die Konsumentenrente? Berechnen und
skizzieren Sie die Lösung!

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

2. Produktion der Unternehmen

Unternehmen müssen zahlreiche Entscheidungen treffen:

I Welche Güter sollen sie produzieren?


I Wie sollen die Güter hergestellt werden?
I Wie viele Güter sollen produziert werden?

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produktion der Unternehmen

Für die Unternehmen ist die Technologie, mit der sie


produzieren entscheidend.

I Die Produktionsfunktion beschreibt die Beziehung


zwischen dem Output und den Produktionsfaktoren,
die auch als Inputs bezeichnet werden.

Zusätzlich müssen sie die Preise der Produktionsfaktoren


berücksichtigen, da letztere die Produktionskosten wesentlich
bestimmen.

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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produktionsfunktion der Unternehmen

Die Produktionsfunktion eines Unternehmens beschreiben


wir durch:4

q = F (K, L), (20)

wobei q den Output, K das Kapital und L die Arbeitsstunden


der Mitarbeiter darstellen.

4
Anmerkung: Den Output eines Unternehmens bezeichnen wir mit q,
während der Output einer Branche mit Q dargestellt wird
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurze und lange Frist

Unternehmen können ihrer Produktion nicht beliebig


erhöhen, da sich der Einsatz der Produktionsfaktoren nicht
immer flexibel variieren lässt:

– Der Einsatz neuer Anlagen braucht bspw. Zeit, da diese


erst geplant und errichtet werden müssen
– Maschinen müssen erst bestellt werden,
– Neue Fachkräfte können nicht immer sofort eingestellt
werden

Für die Unternehmen ist daher der Zeitraum, für den


unternehmerische Entscheidungen getroffen werden, bedeutend

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurze und lange Frist

Hinsichtlich des Zeitraums unterscheiden wir zwischen:

I der kurzen Frist, in der nicht alle Produktionsfaktoren


flexibel geändert werden können, und
I der langen Frist, in der alle Produktionsfaktoren variabel
sind.

Aus Gründen der Vereinfachung werden wir im Folgenden


hauptsächlich die kurze Frist betrachten.

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurze Frist

Für die Produktionsfunktion (20) gilt kurzfristig:

q = F (K, L), (21)

wobei annahmegemäß das Kapital K fix und Arbeit L variabel


ist.

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Produktion mit einem variablen Input

Menge der Menge des Produktions– Durchschnitts– Grenzprodukt


Arbeit (L) Kapitals (K) menge (q) produkt (q/L) (∆q/∆L)
0 10 0 – –
1 10 10 10 10
2 10 30 15 20
3 10 60 20 30
4 10 80 20 20
5 10 95 19 15
6 10 108 18 13
7 10 112 16 4
8 10 112 14 0
9 10 108 12 –4
10 10 100 10 –8

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Durchschnittsprodukt

Das Durchschnittsprodukt der Arbeit ist definiert als:


q
DPL = , (22)
L
und misst die Produktivität der Arbeitskräfte in Hinblick
darauf, welche Outputmenge jede Arbeitskraft durchschnittlich
produziert

106 / 392
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Grenzprodukt

Das Grenzprodukt der Arbeit ist definiert als:

∂F (K, L)
GPL = (23)
∂L
Für GPL können wir auch ∆q/∆L schreiben. Es misst die
Änderung der Outputmenge ∆q, die aus einer Erhöhung der
Arbeitskräfte ∆L um eine Einheit resultiert

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Produktion mit einem variablen Input

Output
D
112

Gesamtprodukt

60
B

3 4 8
Arbeit
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Produktion mit einem variablen Input

Output pro
Arbeitskraft

30

Grenzprodukt

E
20 Durchschnittsprodukt

3 4 8
Arbeit

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Wir unterstellen, dass die Produktionsfunktion einer


Unternehmung gegeben sei durch:

q = AK 2 L2 − BK 3 L3 (24)

wobei A und B positive Parameter darstellen. Wir können (24)


vereinfachen zu:

q = k1 L2 − k2 L3

sofern wir k1 = AK 2 und k2 = BK 3 setzen

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Das Durchschnittsprodukt der Arbeit lässt sich dann berechnen


als:

DPL = k1 L − k2 L2 (25)

Für das Grenzprodukt der Arbeit erhalten wir:

GPL = 2k1 L − 3k2 L2 (26)

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

x 10
5 Produktionsfunktion
12

10

8
Output
6

0
0 200 400 600 800
Arbeit

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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Durchschnitts- und Grenzprodukt


3000

2000

1000

0 Durchschnittsprodukt
Grenzprodukt
-1000

-2000

-3000
0 200 400 600 800
Arbeit

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Das Gesetz der abnehmenden Grenzerträge

Auf viele Produktionsprozesse trifft ein abnehmendes


Grenzprodukt zu

I Das Gesetz der abnehmenden Grenzerträge besagt,


dass sich der Zuwachs des Outputs ab einem gewissen
Punkt verringert, wenn sich der Einsatz eines Inputs – bei
Konstanz der anderen Inputs – gleichmäßig erhöht

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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Verbesserung der Technologie

Output

O3

O2

O1

Die Auswirkungen
technischen Fortschritts

Arbeit
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Ausblick: Die lange Frist

Für die Produktionsfunktion eines Unternehmens gilt


langfristig,

I dass alle Produktionsfaktoren flexibel sind

Das Unternehmen kann nun seinen Output produzieren, indem


es verschiedene Mengen von Kapital und Arbeit kombiniert

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Skalenerträge

Abschließend wollen wir noch untersuchen, in welchem Maß der


Output eines Unternehmens zunimmt,

I wenn beide Inputs – Kapital und Arbeit – proportional


erhöht werden

Dieser Zusammenhang wird durch die so genannten


Skalenerträge beschrieben

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Skalenerträge

Hinsichtlich der Skalenerträge unterscheiden wir 3 Fälle:

I Zunehmende Skalenerträge: bestehen, wenn der Output um


mehr als das Doppelte steigt, wenn sich die Inputs
verdoppeln.
I Konstante Skalenerträge: treten auf, wenn sich der Output
bei einer Verdoppelung der Inputs verdoppelt.
I Abnehmende Skalenerträge: bestehen, wenn der Output
um weniger als das Doppelte steigt, obwohl sich die Inputs
verdoppeln.

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Ein Beispiel

Angenommen die Produktionsfunktion eines Unternehmens


lautet:
√ √
q = 100 K L (27)

Sofern wir unterstellen, dass der Kapitaleinsatz bei K = 9


Einheiten und der Einsatz der Arbeitskräfte bei 81 Einheiten
liegt, dann erhalten wir:
√ √
q = 100 9 81 = 100 × 3 × 9 = 2700 (28)
√ √
Verdoppeln wir nun die Inputs dann gilt: 100 2K 2L

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Ein Beispiel

Der Output erhöht sich infolge der Verdoppelung der Inputs auf:
√ √
q = 100 2K 2L (29)
√ √
= 2 × 100 K L
√ √
= 200 9 81
= 5400

Der Output verdoppelt sich also. Es liegen somit konstante


Skalenerträge vor

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Übungsaufgabe 8

Kontrollfragen:

a. Was ist eine Produktionsfunktion? Wodurch unterscheidet


sich eine langfristige Produktionsfunktion von einer
kurzfristigen?
b. Warum weist eine Produktionsfunktion letztendlich in der
kurzen Frist abnehmende Grenzerträge des
Produktionsfaktors Arbeit auf?
c. Sie sind ein Arbeitgeber, der eine frei Stelle besetzen
möchte. Sollten Sie noch mehr Arbeitskräfte einstellen,
wenn das Durchschnittsprodukt dadurch zurückgeht? Was
sagt diese Situation über das Grenzprodukt der letzten von
Ihnen eingestellten Arbeitskraft aus?

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Übungsaufgabe 9

Die Produktionsfunktion eines Unternehmens sei:

q = KL − 0, 2K 2 − 0, 2L2

Das Kapital ist kurzfristig fix, wobei der konstante


Kapitaleinsatz bei K = 10 Einheiten liegt

a. Berechnen Sie die Funktionen der


Durchschnittsproduktivität und der Grenzproduktivität!
b. Bei welchem Wert von L ist die Grenzproduktivität gleich
Null?

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Übungsaufgabe 10

Betrachten Sie ein Unternehmen mit der Produktionsfunktion:

q = 20K α Lβ ,

wobei α = 0, 5 und β = 0, 5. Der Kapitaleinsatz liegt bei 4


Einheiten, der Arbeitseinsatz bei 49 Einheiten

a. Weist die Produktionsfunktion zunehmende, konstante


oder abnehmende Skalenerträge auf?
b. Wie ändern sich die Ergebnisse aus Teilaufgabe a. wenn
nun α = 0 und β = 0, 5 bzw. α = 1 und β = 0, 5?

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5. Kosten der Produktion

Für die Unternehmen sind neben der Technologie, mit der sie
ihre Güter produzieren,

I auch die Kosten der Produktion entscheidend

Welche Kosten sind wichtig?

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Ökonomische Kosten und buchhalterische Kosten

Ökonomen definieren Kosten anders als Buchhalter

I Buchhalterische Kosten umfassen die tatsächlichen


Ausgaben plus die Abschreibungen auf Anlagegüter, die
auf der Grundlage der zulässigen steuerlichen Regelungen
bestimmt werden

Ökonomische Kosten umfassen hingegen die Kosten aus der


Nutzung der wirtschaftlichen Ressourcen, einschließlich der so
genannten Opportunitätskosten.

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Opportunitätskosten

Ökonomen wägen stets zwischen Alternativen ab

I Da Ressourcen knapp sind, bedeutet ihr Einsatz für eine


Alternative, dass auf eine andere verzichtet werden muss

Die Opportunitätskosten bezeichnen diejenigen Kosten, die mit


den entgangenen Möglichkeiten verbunden sind

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Variable Kosten und Fixkosten

Wir unterteilen die Gesamtkosten (TK) eines Unternehmens


– die gesamten ökonomischen Kosten der Produktion – in zwei
Komponenten:

I Variable Kosten (VK): beschreiben die Kosten, die mit


Änderungen des Outputs variieren.
I Fixkosten (FK): bezeichnen Kosten, die von der Höhe des
Outputs unabhängig sind.

Generell gilt: TK = VK + FK. Die Zuordnung einzelner Kosten


zu den Fixkosten hängt allerdings vom betrachteten Zeitraum
ab, da langfristig nahezu alle Kosten variable sind!

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Kurzfristige Kosten eines Unternehmens

Output Fixkosten Variable Kosten Gesamtkosten


(FK) (VK) (TK)
0 50 0 50
1 50 50 100
2 50 78 128
3 50 98 148
4 50 112 162
5 50 130 180
6 50 150 200
7 50 175 225
8 50 204 254
9 50 242 292
10 50 300 350

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Verlauf der Kostenkurven

Kosten

TK

VK

175 A

50 FK

0 7 Output
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Grenzkosten und Durchschnittskosten

Die Grenzkosten (GK) beschreiben den Anstieg der Kosten,


der sich ergibt, wenn der Output um eine zusätzliche Einheit
erhöht wird
∆TK
GK = (30)
∆q
Anmerkung: Da ein Anstieg des Outputs nur die variablen
Kosten erhöht, können wir für (30) auch schreiben:
GK = ∆VK/∆q

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Grenzkosten und Durchschnittskosten

Die totalen Durchschnittskosten (TDK) sind definiert


durch:
TK
TDK = (31)
q
Die TDK unterteilen sich in die fixen Durchschnittskosten
(FDK) und die variablen Durchschnittskosten (VDK)

TDK = FDK + VDK, (32)

wobei FDK = FK/q und VDK = VK/q

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Kurzfristige Kosten eines Unternehmens

Output TK GK FDK VDK TDK


0 50 – – – –
1 100 50 50 50 100
2 128 28 25 39 64
3 148 20 16,7 32,7 49,3
4 162 14 12,5 28 40,5
5 180 18 10 26 36
6 200 20 8,3 25 33,3
7 225 25 7,1 25 32,1
8 254 29 6,3 25,5 31,8
9 292 38 5,6 26,9 32,4
10 350 58 5,0 30 35

Anmerkung: TK: Gesamtkosten; GK: Grenkosten; FDK: Fixe


Durchschnittskosten; VDK: Variable Durchschnittskosten; TDK: Totale
Durchschnittskosten
132 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Verlauf der Kostenkurven

Kosten

GK

TDK

VDK

25

FDK

7 Output
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel


Die Produktionsfunktion eines Unternehmens sei:

q = k L, (33)

wobei wir unterstellen,


√ dass das Kapital kurzfristig konstant ist,
so dass bspw.: k = A K. Die Gesamtkosten seien gegeben
durch:

C = FK + wL, (34)

d.h. sie setzen sich aus den Fixkosten und den variablen Kosten
zusammen, wobei letztere durch die Personalkosten wL
bestimmt werden
Frage: Wie können wir die Gesamtkosten in Abhängigkeit von q
umschreiben?
134 / 392
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel

Zunächst bilden wir die Umkehrfunktion von (33):


 q 2
L= (35)
k
Setzen wir L nun in die Funktion der Gesamtkosten (34) ein,
ergibt sich:
 q 2
C = FK + w (36)
k

Frage: Wie erhalten wir die Grenzkosten (GK), die totalen


Durchschnittskosten (TDK) und die variablen
Durchschnittskosten (VDK)?

135 / 392
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel

Die Grenzkosten ergeben sich, wenn wir (36) nach q ableiten:

∂C q
GK = = 2w 2 (37)
∂q k
Hinweis: Nachdifferenzieren nicht vergessen!!! Für die totalen
Durchschnittskosten erhalten wir:
FK q
TDK = + w 2, (38)
q k

wobei die variablen Durchschnittskosten:VDK = w kq2


entsprechen.

136 / 392
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Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel

Kalibrierung:

K = 50
A = 5
FK = 50
w = 4500

137 / 392
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel

Produktionsfunktion
200

150

Output
100

50

0
0 5 10 15 20 25 30
Arbeit

138 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel

Gesamtkosten und Variable Kosten


2000
Gesamtkosten
Variable Kosten
1500

1000

500

0
0 50 100 150
Output

139 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel

Grenzkosten und Durchschnittskosten


60

50

40 Grenzkosten
Totale Durchschnittskosten
30 Variable Durchschnittskosten

20

10

0
0 50 100 150
Output

140 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ausblick: Die Kosten in der langen Frist

Langfristig ist ein Unternehmen wesentlich flexibler...

I Es kann seine Kapazitäten erhöhen, bspw. durch


Investitionen in neues Sachkapital.
I Es kann neue Produkte entwickeln bzw. bestehende
Produkte ändern.
I Es kann die Anzahl der Arbeitskräfte variieren.

Durch diese Flexibilität werden die Gesamtkosten beeinflusst.

141 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ausblick: Die Kosten in der langen Frist

Da die Unternehmen langfristig flexibel entscheiden können

I sind alle Kosten variabel, d.h. es treten keine fixe Kosten


auf.

142 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Langfristige Durchschnittskosten

Sofern die Produktionsfunktion eines Unternehmens zunächst

I steigende Skalenerträge, danach konstante Skalenerträge


und anschließend fallende Skalenerträge aufweist,

verlaufen die langfristigen Durchschnittskosten u–förmig.

143 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Langfristige Durchschnittskosten

Kosten

LGK

LTDK

Output
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Übungsaufgabe 11
Angenommen die Produktionsfunktion eines Unternehmens sei:

q = 10 L,
wobei q den Output und L den einzigen Produktionsfaktor
Arbeit, gemessen in Stunden, bezeichnen. Der Lohnsatz w
beträgt 10 Euro pro Stunde. Es fallen Fixkosten in Höhe von 40
Euro an.
a. Bestimmen Sie die Kostenfunktion des Unternehmens C(q)
in Anhängigkeit vom Output q!
b. Berechnen Sie die totalen Durchschnittskosten (TDK), die
variablen Durchschnittskosten (VDK), die fixen
Durchschnittskosten (FDK) sowie die Grenzkosten (GK)!
Skizzieren Sie diese Kostenarten in einer geeigneten
Abbildung!
145 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Übungsaufgabe 12

Ein Unternehmen hat die Kostenfunktion:


1
C(q) = 1000 + q 2 + 19, 5q
2
Bei einem Output von q = 4 betragen die Grenzkosten
GK = 24, 5.

I Ist diese Aussage richtig?

146 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

6. Marktangebot bei vollkommener Konkurrenz

Wir betrachten das Verhalten von Unternehmen, die

I auf einem Markt mit vollkommenem Wettbewerb


agieren

147 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Annahmen der vollkommenen Konkurrenz

Wir sprechen von einem Markt auf dem vollkommene


Konkurrenz herrscht,
I wenn drei wesentliche Bedingungen erfüllt sind:
– Unternehmen sehen sich einer vollkommen elastischen
Nachfrage gegenüber und verhalten sich daher als
Preisnehmer.
– Die Güter sind homogen und daher direkte Substitute.
– Markteintritt bzw. Marktaustritt ist jederzeit möglich.

148 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Annahmen der vollkommenen Konkurrenz

Jedes Unternehmen nimmt den Marktpreis als gegeben hin

I Ein einzelnes Unternehmen verhält sich als Preisnehmer,


da es nur einen sehr geringen Teil der gesamten
Gütermenge des Marktes verkauft, so dass es den
Marktpreis nicht beeinflussen kann

Auch die Verbraucher haben keinen Einfluss auf den


Marktpreis und nehmen diesen als gegeben hin

149 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Annahmen der vollkommenen Konkurrenz

Die Unternehmen produzieren homogene Güter

I Die Produkte der Unternehmen sind vollkommene


Substitutionsgüter, d.h. die Güter sind völlig gleichartig

Beispiele:

– Landwirtschaftliche Erzeugnisse (z.B. eine bestimmte


Kartoffelsorte), Rohstoffe (z.B. Holz, Kupfer, Eisen) usw.

150 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Annahmen der vollkommenen Konkurrenz

Jedes Unternehmen kann jederzeit

I in den Markt eintreten bzw. diesen verlassen

Zudem können die Verbraucher jederzeit von einem Anbieter


zu einem anderen wechseln

151 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ziel der Unternehmen

Wir unterstellen, dass die Unternehmen ihren Gewinn


maximieren

152 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Gewinn eines Unternehmens

Der Gewinn eines Unternehmens ist gegeben durch:

π = E(q) − C(q), (39)

wobei

I E(q) den Erlös, mit E(q) = P q, und


I C(q) die Kosten, mit: C(q) = F K + V K(q), bezeichnen

153 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Gewinn eines Unternehmens

Jedes Unternehmen verhält sich als Preisnehmer,

I d.h. es nimmt den Marktpreis P , ebenso wie die Preise der


Inputs, als exogen gegeben hin

Frage: Welcher Nachfrage steht ein Unternehmen gegenüber?

154 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Preis–Absatz–Funktion eines Unternehmens bei


vollkommener Konkurrenz

Preis

Marktnachfrage

Nachfragekurve eines
Unternehmens
P*

Output
155 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
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Gewinnmaximierung

Ein Unternehmen maximiert seinen Gewinn, indem

I es den optimalen Output q wählt

156 / 392
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Gewinnmaximierung

Erlös C(q)
Kosten
Gewinn
E(q)

0
q0 q* Output
π(q)

157 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Gewinnmaximierung

Bedingung erster Ordnung für ein Gewinnmaximum:

dπ dE(q) dC(q)
= − = 0, (40)
dq dq dq

wobei GE = dE(q)/dq den Grenzerlös und GK = dC(q)/dq


die Grenzkosten beschreiben
Da E(q) = P q, gilt für den Grenzerlös: GE = P , d.h. der
Grenzerlös stimmt mit dem Marktpreis überein!

158 / 392
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B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Grenzerlös und Grenzkosten

Der Grenzerlös (GE) bezeichnet

I den zusätzlichen Erlös, der entsteht, wenn eine Einheit


von q mehr verkauft wird

Die Grenzkosten (GK) stellen die zusätzlichen Kosten dar, die


anfallen, wenn eine zusätzlichen Einheit von q mehr produziert
wird

159 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Outputregel

Die Outputregel eines Unternehmen lautet:

GE(q) = GK(q), (41)

d.h. produziere den Output, bei dem der Grenzerlös (GE) den
Grenzkosten (GK) entspricht
Bei Wettbewerb gilt speziell: GE = P = GK(q)

160 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Outputregel: Ein Beispiel

Der Gewinn eines Unternehmens sei:

π = P q − C(q), (42)

mit: C(q) = q 2 + 6q + 100.5 Die Bedingung erster Ordnung für


ein Gewinnmaximum lautet:

= P − 2q − 6 = 0 (43)
dq

5
Anmerkung: Unser Beispiel stellt eine Vereinfachung dar, da hier
ausschließlich steigende Grenzkosten betrachtet werden
161 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Outputregel: Ein Beispiel

Den optimalen Output des Unternehmens erhalten wir dann


durch:
1
q = P −3 (44)
2
indem wir (43) nach q auflösen. Sofern P = 30, ist q = 12

162 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristige Angebotsentscheidung

Allgemein ist das Angebot eines Unternehmens kurzfristig


durch:6

qS = qS (P ) (45)

gegeben, wobei qS die angebotene Menge beschreibt. Das


Angebot gibt den Output als Funktion des Marktpreises an.

6
Das Angebot eines Unternehmens bezeichnet strenggenommen die
Angebotsfunktion
163 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristige Angebotsentscheidung

Preis GK

Nachfragekurve eines
Unternehmens
P* GE

Output

164 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristige Angebotsentscheidung

Das Angebot eines Unternehmens lässt sich allerdings

I nur mit Einschränkungen durch (45) darstellen, denn es


existieren zwei Ausnahmen, die wir beachten müssen.

165 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Zwei Ausnahmen

Zwei Ausnahmen:

I Die Angebotskurve eines Unternehmens muss auf dem


steigenden Teil der Grenzkostenkurve liegen. Warum? Ist
diese Bedingung nicht erfüllt, bedeutet dies: Eine Erhöhung
des Outputs würde bedeuten, dass sich der Erlös stärker
als die Kosten erhöht.
I Die Angebotskurve ist jener Teil der Grenzkostenkurve, der
oberhalb der durchschnittlichen variablen Kostenkurve
(VDK) liegt. Warum ?

166 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Zwei Ausnahmen

Angenommen ein Unternehmen produziert einen Output von


Null, muss aber Fixkosten in Höhe von FK bezahlen:

I ”Gewinn” aus der Produktion von Null Einheiten: −F K,


d.h. es entsteht ein Verlust in Höhe der Fixkosten
I Gewinn aus der Produktion von q Einheiten:
P q − F K − V K(q), wobei V K(q) die variablen Kosten
beschreiben

167 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Zwei Ausnahmen

Sofern der Verlust bei einer Produktion von Null Einheiten


geringer ist als der Verlust bei Produktion gilt:

−F K > P q − V K(q) − F K (46)

Durch Umformen erhält man die Stilllegungsbedingung:

V K(q)
V DK(q) = >P (47)
q

168 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristige Angebotsentscheidung

Für das Angebot eines Unternehmens gilt demnach


kurzfristig:

qS = qS (P ) fà 41 r P ≥ min VDK


(48)
qS = 0 fà 41 r P < min VDK

169 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristige Angebotsentscheidung

DK GK
DVK
GK TDK
P

VDK

Output

170 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristiger Gewinn

Wir wissen, dass der Gewinn eines Unternehmens bei


Wettbewerb gegeben ist durch:
 
C(q)
π = P q − C(q) = P − q, (49)
q

wobei C(q)/q die totalen Durchschnittskosten (TDK)


bezeichnen. Somit gilt:
C(q) C(q)
I π ≥ 0, sofern P ≥ q , und π < 0, sofern P < q

171 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristiger Gewinn

DK GK
DVK
GK TDK
P

VDK

D A
P* P=DE=GE
Gewinn

C B

q* Output

172 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristiger Verlust

DK GK
DVK
GK TDK
P

VDK

D A

Verlust
P* P=DE=GE
C B

q* Output

173 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Betriebsoptimum und –minimum

DK GK
DVK
GK DK
P

DVK

B
A: Betriebsoptimum
B: Betriebsminimum

Output

174 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Der Gewinn eines Unternehmens, das unter Wettbewerb agiert,


sei:7
 q 2
π = Pq − FK − w ,
10
wobei F K die Fixkosten und w den Lohnsatz bezeichnen
Frage: Wie können wir die kurzfristige Angebotsfunktion des
Unternehmens ermitteln?

7
Vergleiche ”Die Kosten in der kurzen Frist: Ein Beispiel”
175 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Die Bedingung erster Ordnung für ein Gewinnmaximum lautet:


dπ w q 
=P −2 =0
dq 10 10
Das kurzfristige Angebot erhalten wir, indem wir die Bedingung
erster Ordnung zunächst nach q auflösen.

176 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Demnach ist das kurzfristige Angebot des Unternehmens


gegeben durch:
P
qS = 50 ,
w
Das Angebot hängt also positiv vom Marktpreis P und negativ
vom Lohnsatz w ab.

177 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Wir unterstellen, dass:

P = 5
w = 10
F K = 40

Frage: Welche Menge bietet das Unternehmen an? Wie hoch ist
sein Gewinn?

178 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Ein Beispiel

Der Output des Unternehmens liegt bei:

q = 25

Der Gewinn des Unternehmens beträgt: π = 22, 5 Euro

179 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristige Angebotsentscheidung

Zusammenfassend gilt, dass das Angebot eines Unternehmens

I positiv vom Marktpreis und negativ vom Preis des


variablen Inputs abhängig ist

Ein Unternehmen stellt die Produktion jedoch ein, wenn der


Preis P unterhalb der variablen Durchschnittskosten VDK liegt.

180 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Reaktion eines Unternehmens auf den Anstieg eines


Inputpreises

Preis
Kosten
(Euro pro
Einheit) GK2
GK1

P*

q2 q1 Output
181 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristiges Marktangebot

Das kurzfristige Marktangebot der Unternehmen in einer


Branche können wir herleiten,

I indem wir für jeden Marktpreis die Summe über die


individuell angebotenen Mengen bilden.

182 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristiges Marktangebot

Das kurzfristige Marktangebot der Unternehmen in einer


Branche erhalten wir formal durch:
m
qSj (P ),
X
QS (P ) = (50)
j=1

wobei m die Anzahl der Unternehmen in der Branche darstellt,


und qSj (P ) die angebotene Menge von Unternehmen j zum Preis
P beschreibt, mit j = 1, ..., m

183 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Kurzfristiges Marktangebot

P
S1 S2 S3

Marktangebot (S)

P3

P2

P1

2 4 5 7 8 10 15 21 Output

184 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produzentenrente

Die Produzentenrente (PR) misst den Vorteil der


Unternehmen,

I der sich aus der Teilnahme am Marktgeschehen ergibt.

185 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produzentenrente eines Unternehmens

Die Produzentenrente eines Unternehmens lässt sich

I aus der über alle produzierten Einheiten gebildete Summe


der Differenzen zwischen dem Marktpreis und den
Grenzkosten berechnen.

Hinweis: Der Marktpreis eines Gutes ist für jede produzierte Einheit mit
Ausnahme der letzten höher als die Grenzkosten, vorausgesetzt die
Grenzkosten steigen. Folglich erzielt ein Unternehmen auf alle
Outputeinheiten, mit Ausnahme der letzten, eine Rente

186 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produzentenrente eines Unternehmens

Preis

GK

P
Produzentenrente DVK

q* Output

187 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produzentenrente eines Marktes

Preis
Kosten
(Euro pro
Einheit) S

B A
P*
Produzentenrente

D
C
Q* Output

188 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produzentenrente eines Marktes

Die Produzentenrente eines Marktes können wir formal


berechnen durch
1 ∗
PR = (P − P0 ) Q∗ , (51)
2
wobei P0 den Preis darstellt, bei dem die angebotene Menge
Null ist.

189 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Produzentenrente eines Marktes: Ein Beispiel

Wir betrachten einen Markt, in dem das Marktangebot durch

QS = 4P − 1500 (52)

gegeben ist. Der Marktpreis P ∗ beträgt 700 Euro


Frage: Wie hoch ist die Produzentenrente des Marktes?

190 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
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Produzentenrente eines Marktes: Ein Beispiel

Die Produzentenrente des Marktes ist:


1
PR = (700Euro − 375Euro) 1.300 = 211.250Euro (53)
2

191 / 392
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Langfristige Angebotsentscheidung

Langfristig sind die Unternehmen flexibel,

I da sie alle Inputs, inklusive der Betriebsgröße, verändern


können

Ebenso kann sich jedes Unternehmen dazu entschließen, in


einen neuen Märkte einzutreten, oder einen Markt zu verlassen

192 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Langfristige Angebotsentscheidung

Jedes Unternehmen maximiert auch langfristig seinen


Gewinn,

I die Gesamtkosten sind jedoch dadurch gekennzeichnet, dass


alle Kosten variabel sind

Ein Unternehmen wählt den Output, bei dem der Preis den
langfristigen Grenzkosten entspricht8

8
Dies setzt allerdings voraus, dass der Preis mindestens die langfristigen
Durchschnittskosten deckt!
193 / 392
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Langfristige Angebotsentscheidung

Preis
LGK
SGK LTDK

STDK
D A
P1 P1=GE
E
C B

G F
P2

q1 q2 q3 Output

194 / 392
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Langfristiges Gleichgewicht auf einem Markt bei


Wettbewerb

Der Anreiz für ein Unternehmen in einen Markt einzutreten

I ist dann gegeben, wenn es langfristig einen Gewinn erzielen


kann. Ebenso entscheidet sich ein Unternehmen aus einem
Markt auszutreten, wenn es langfristig einen Verlust
erwartet

Das langfristige Gleichgewicht an einem Markt bei Wettbewerb


ist deshalb dadurch gekennzeichnet, dass keine weiteren
Markteintritte bzw. –austritte vorgenommen werden

195 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
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Langfristiges Gleichgewicht auf einem Markt bei


Wettbewerb

Ein Gleichgewicht auf einem Markt liegt langfristig dann


vor,

I wenn alle Unternehmen einen ökonomischen


Nullgewinn erzielen

Wir sprechen von einem ökonomischen Nullgewinn, wenn der


Ertrag der Investition, der mit dem Eintritt in einem Markt
verbunden ist, genauso hoch ist, wie der Ertrag, der durch
anderweitige Investitionen erzielt werden kann

196 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
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II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Langfristiges Gleichgewicht auf einem Markt bei


Wettbewerb

Unternehmen Branche
Preis Preis
S1

LGK
P1 P1
LTDK
S2
P2 P2

q2 q1 Output Q1 Q2 Output

197 / 392
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Übungsaufgabe 13

Der Gewinn eines Unternehmens, welches in einem Umfeld der


vollkommenen Konkurrenz agiert, sei gegeben durch

π = P q − 0, 1q 2 − 40

wobei q den Output und P den Marktpreis bezeichnen

a. Leiten Sie die Angebotsfunktion des Unternehmens in


Abhängigkeit des Preises her! Angenommen es existieren
200 Unternehmen im Markt, die alle die gleiche
Kostenfunktion: C(q) = 0, 1q 2 + 40 aufweisen. Wie lautet
die Marktangebotsfunktion QS ?

198 / 392
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Übungsaufgabe 14

b. Die Marktnachfrage sei durch QD = 5010 − 2P gegeben.


Bestimmen Sie den gleichgewichtigen Marktpreis und die
gleichgewichtige Menge. Wie hoch ist der Gewinn eines
Unternehmens?
c. Bei welchem Preis wäre der Gewinn eines Unternehmens
gleich Null? (Hinweis: Berechnen Sie zunächst die
Outputmenge, die ein Unternehmen im Betriebsoptimum
produziert)

199 / 392
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Übungsaufgabe 15

Das Marktangebot auf einem Markt mit Wettbewerb sei


gegeben durch:

QS = −400 + P

Der Marktpreis liegt bei P = 800. Berechnen Sie die


Produzentenrente!

200 / 392
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Übungsaufgabe 16

Kontrollfragen

I Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit auf


einem Markt vollkommene Konkurrenz herrscht?
I Worin unterscheidet sich das Betriebsoptimum vom
Betriebsminimum? Unter welcher Voraussetzung fallen das
Betriebsoptimum und –minimum zusammen?
I Sie beobachten, dass die Unternehmen in einer Branche mit
vollkommener Konkurrenz Gewinne erzielen. Mit welcher
Reaktion rechnen Sie langfristig?

201 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

5. Analyse von Wettbewerbsmärkten

Märkte mit vollkommener Konkurrenz führen dazu,

I dass die gesamte ökonomische Wohlfahrt der


Marktteilnehmer – die der Produzenten und Konsumenten
– maximiert wird

Dies setzt allerdings voraus, dass kein Marktversagen auftritt


und keine staatlichen Eingriffe vorgenommen werden.

202 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Analyse von Wettbewerbsmärkten

Wir werden zunächst die Effizienz eines Marktes mit


Wettbewerb beleuchten,

I ehe wir dann die Wohlfahrtsverluste beschreiben, die sich


durch staatliche Eingriffe – bspw. Preisregulierungen,
Preisstützungen oder Steuern – ergeben

203 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Effizienz eines Wettbewerbsmarktes

Die Effizienz eines Marktes mit Wettbewerb zeigt sich darin,

I dass die gesamte ökonomische Wohlfahrt der


Marktteilnehmer, gemessen an der Gesamtrente, maximal
ist

Die Gesamtrente (GR) setzt sich aus der Produzenten– und


Konsumentenrente zusammen

204 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Effizienz eines Wettbewerbsmarktes

Preis
PP
S

Konsumentenrente
P*
Produzentenrente

P0
D

Q* Menge

205 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Effizienz eines Wettbewerbsmarktes: Ein Beispiel

Auf einem Markt mit Wettbewerb sei das Marktangebot und


die –nachfrage gegeben durch:

QS = −400 + P
1
QD = 800 − P
2

Für das Gleichgewicht am Markt gilt: P = 800 und Q = 400


Frage: Wie hoch ist die Gesamtrente?

206 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Effizienz eines Wettbewerbsmarktes: Ein Beispiel

Die Gesamtrente ergibt sich aus der Summe der Produzenten–


und Konsumentenrente. Die Produzentenrente am Markt
beträgt:
1
PR = (800 Euro − 400 Euro) × 400 = 80.000 Euro
2
Die Konsumentenrente ergibt sich durch:
1
KR = (1600 Euro − 800 Euro) × 400 = 160.000 Euro
2
Für die Gesamtrente erhalten wir somit:
GR = 80.000 Euro + 160.000 Euro = 240.000 Euro

207 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktversagen

Unregulierte Märkte mit Wettbewerb sind jedoch


ineffizient,

I sofern es zu Marktversagen – durch Externalitäten oder


Informationsasymmetrien – kommt

In diesem Fall können staatliche Eingriffe wünschenswert sein!9

9
Siehe Robert Pindyck und Daniel Rubinfeld, Mikroökonomie,
Pearson Studium, 7. Auflage 2009, insbesondere Kapitel 17 und 18.
208 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktversagen

Externalitäten

I Externalitäten treten auf, wenn die Aktivitäten der


Marktteilnehmer zu Kosten führen, die nicht im Marktpreis
enthalten sind. Die Kosten der Umweltverschmutzung sind
hierfür beispielhaft. Ohne staatliche Eingriffe besteht für
die Produzenten kein Anreiz, die gesellschaftlichen Kosten
der Verschmutzung zu berücksichtigen

209 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Marktversagen

Informationsasymmetrien

I Asymmetrische Informationen bedeuten, dass die


Marktteilnehmer unterschiedlich informiert sind. So
könnten die Verbraucher bspw. nicht über ausreichende
Informationen hinsichtlich der Qualität eines Produktes
verfügen, um eine optimale Kaufentscheidung zu treffen.
Staatliche Eingriffe können daher auch hier wünschenswert
sein, etwa in Form von Vorschriften bezüglich einer
Garantie oder einer wahrheitsgemäßen Kennzeichnung

210 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Effizienz eines Wettbewerbsmarktes

Sofern kein Marktversagen vorliegt,

I führen staatliche Eingriffe jedoch zu Wohlfahrtsverlusten,


da sich die Gesamtrente verringert

Dies werden wir anhand von drei Beispielen diskutieren:


Preisregulierungen, Preisstützungen und Steuern

211 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Staatliche Preisregulierungen

Staatliche Preisregulierungen treten auf, wenn

I Höchstpreise bzw. Mindestpreise implementiert werden

212 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Staatliche Preisregulierungen: Höchstpreis

Preis

Nettowohlfahrtsverlust
S

KR
B
P*
A C

Pmax
PR
Knappheit

Q1 Q* Q2 Menge

213 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Staatliche Preisregulierungen: Mindestpreis

Preis

Nettowohlfahrtsverlust
S

KR
Pmin
A B
P*
C
PR

Q1 Q* Q2 Menge

214 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Staatliche Preisstützungen

Sofern der Staat durch Preisstützungen in einen Markt


eingreift

I bewirkt dies, dass die Produzenten höhere Einkommen


erzielen können

Preisstützungen seitens des Staates bedeuten, dass dieser einen


Stützungspreis PS festlegt und danach den Teil des Outputs
aufkauft, der notwendig ist, um den Marktpreis auf dem
gewünschten Niveau zu halten

215 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Staatliche Preisstützungen

Preis

S
Qg
KR
PS
D
A B
P*

PR

D+Qg
D
Q1 Q* Q2 Menge

216 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Auswirkungen einer Steuer

Eingriffe des Staates in einen Markt bei Wettbewerb durch

I Steuern bewirken ebenfalls, dass Ineffizienzen auftreten

Um dies zu zeigen, betrachten wir die Auswirkungen einer


Stücksteuer, d.h. eine Steuer in Höhe eines bestimmten
Geldbetrages pro verkaufte Einheit10

10
Diese unterscheidet sich von einer Umsatzsteuer; die Effekte beider
Steuerarten sind jedoch gleich. Stücksteuern werden bspw. auf Benzin oder
Zigaretten erhoben
217 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Auswirkungen einer Steuer

Preis

Nettowohlfahrtsverlust
S
Einnahmen des
KR Staates
Pb
A t B
P*
D C
Ps
PR

Q1 Q* Menge

218 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Auswirkungen einer Steuer

D
Preis Preis S
Pb
(a) (b)
S
t
Pb
P* P*
Ps
D
t

Ps

Q1 Q* Menge Q1 Q* Menge
Abhängigkeit der Auswirkungen einer Steuer von den Elastizitäten des
Angebots und der Nachfrage 219 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Übungsaufgabe 17

Auf einem Markt mit Wettbewerb sind das Marktangebot und


die –nachfrage gegeben durch:

1
QS = P − 40
10
1
QD = 80 − P
20
a. Berechnen Sie die Gesamtrente des Marktes!
b. Stellen Sie in einer geeigneten Graphik die Produzenten–
und Konsumentenrente maßstabsgetreu dar!

220 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
II. Produzenten, Konsumenten und Wettbewerbsmärkte

Übungsaufgabe 18

Kontrollfragen

I Wodurch zeichnet sich die Effizienz eines Marktes mit


Wettbewerb aus?
I Diskutieren Sie, wann staatliche Eingriffe in einen Markt
mit Wettbewerb gerechtfertigt sein können!
I Nennen Sie Beispiele von staatlichen Eingriffen die zu
Marktineffizienzen führen!

221 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

III. Marktmacht

6. Monopol
7. Monopolistische Konkurrenz

222 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

6. Das Monopol

Sofern ein Unternehmen über ein Monopol verfügt,

I steht es der gesamten Marktnachfrage gegenüber

Ein Monopolist hat die uneingeschränkte Kontrolle darüber,


welche Menge seines Gutes angeboten wird

223 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Das Monopol

Ein Monopolist bietet ein Gut an,

I für das es keine nahen Substitute gibt. Er verfügt daher


über Marktmacht, d.h. er kann den Marktpreis
beeinflussen

Allerdings bedeutet dies nicht, dass der Monopolist jeden


belieben Preis für sein Gut verlangen kann11

11
Zumindest nicht, wenn er gewinnmaximierend handelt
224 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Das Monopol

Allgemein gilt, dass auch ein Monopolist danach strebt,

I seinen Gewinn zu maximieren

225 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinn des Monopolisten

Der Gewinn des Monopolisten ist gegeben durch:

π = E(Q) − C(Q), (54)

wobei

I E(Q) den Erlös, mit: E(Q) = P (Q)Q, und


I C(Q) die Kosten bezeichnen

226 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinn des Monopolisten

Wir unterstellen, dass der Monopolist seinen Gewinn


maximiert,

I indem er die optimale Höhe seines Outputs Q wählt12

Da er einer fallenden Nachfrage gegenübersteht, muss er jedoch


dabei berücksichtigen, dass Änderungen des Outputs den
Marktpreis beeinflussen

12
Alternativ könnte er auch den optimalen Preis festlegen
227 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten

Die Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten ist gegeben


durch:

P (Q) = a − bQ, (55)

wobei a, b > 0. Sie ist mit der Marktnachfrage – aufgelöst nach


dem Marktpreis – identisch

228 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Preis-Absatz-Funktion des Monopolisten und Grenzerlös

Preis

Preis-Absatz-Funktion
des Monopolisten

Grenzerlös des
Monopolisten D
0
Output
GE

229 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Erlös des Monopolisten

Der Erlös des Monopolisten entspricht:

E(Q) = P (Q)Q = aQ − bQ2 , (56)

wobei P (Q) = a − bQ. Sofern der Monopolist sich dafür


entscheidet, seinen Output zu erhöhen, hat dies zwei
Wirkungen auf den Erlös:

I einen Mengeneffekt, da Q steigt, und


I einen Preiseffekt, da P entsprechend der
Preis-Absatz-Funktion (55) sinkt

230 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Grenzerlös des Monopolisten

Für den Grenzerlös des Monopolisten erhalten wir:

dE(Q)
GE = = a − 2bQ (57)
dQ
Der Grenzerlös geht also mit einer zunehmenden Outputmenge
zurück

231 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinnmaximierung

Ein Monopolist maximiert seinen Gewinn:

π = P (Q)Q − C(Q) = (a − bQ) Q − C(Q), (58)

indem er die optimale Höhe seines Outputs Q wählt. Da der


Monopolist die Outputmenge festlegt, wird der Preis durch die
Marktnachfrage bestimmt!

232 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinnmaximierung

Erlös
Kosten C(Q)
Gewinn

E(Q)

0
Q0 QM Output
π(Q)

233 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinnmaximierung

Die Bedingung erster Ordnung für ein Gewinnmaximum


lautet:
dπ dC(Q)
= a − 2bQ − =0 (59)
dQ dQ
wobei

I der Grenzerlös durch GE = a − 2bQ, und


I die Grenzkosten durch GK = dC(Q)/dQ gegeben sind

234 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Outputregel

Die Outputregel des Monopolisten lautet:

GE(Q) = GK(Q), (60)

d.h. produziere den Output, bei dem der Grenzerlös (GE) mit
den Grenzkosten (GK) übereinstimmt
Beim Monopol gilt allerdings, dass der Grenzerlös eine fallende
Funktion des Outputs ist!13

13
Bei Wettbewerb gilt: GE = P . Dies trifft hier nicht zu!
235 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinnmaximierung

Preis

Cournot Punkt GK

PM

D
0
QM Output
GE
236 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinnmaximierung

Preis

Gewinn des Monopolisten

GK

PM
TDK

D
0
QM Output
GE
237 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Ein Beispiel

Der Gewinn eines Unternehmens, das über ein Monopol verfügt


sei:

π = P (Q)Q − C(Q)

wobei die Preis–Absatz–Funktion durch: P (Q) = 40 − Q und


die Kostenfunktion durch: C(Q) = 50 + Q2 gegeben sind
Fragen: Der Monopolist maximiert seinen Gewinn, indem er die
optimale Outputmenge wählt. Wie können wir diese ermitteln?
Welcher Preis ergibt sich? Wie hoch fällt der Gewinn aus?

238 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Ein Beispiel

Die Bedingung erster Ordnung für ein Gewinnmaximum lautet:



= 40 − 2Q − 2Q = 0
dQ

Die optimale Outputmenge beträgt also QM = 10 Einheiten

239 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Ein Beispiel

Für den Marktpreis erhalten wir demnach:

P M = 40 − QM = 30

Der Gewinn des Monopolisten liegt bei: π = 150 Euro

240 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Gewinnmaximierung

50

45

40

35

30
Preis

25 Marktnachfrage
Grenzerlös
Grenzkosten
20
Totale Durchschnittskosten

15

10

0
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45
Output
241 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Ursachen für die Bildung von Monopolen

Die Ursachen für die Bildung von Monopolen sind vielfältig

I Sofern ein Markt durch hohe Eintrittsbarrieren


gekennzeichnet ist, kann es zur Bildung eines Monopols
kommen
I Ein Unternehmen kann allein auf einen wesentlichen
Produktionsfaktor zurückgreifen
I Staatliche Lizenzen, bspw. in Form von Patenten
I Ein Unternehmen kann ein Gut kostengünstiger herstellen
als alle Konkurrenten, d.h. es liegen sinkende
Durchschnittskosten vor

242 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Wohlfahrtsverluste eines Monopols

Monopole führen zu Wohlfahrtsverlusten,

I da die angebotene Menge geringer als die bei Wettbewerb


ausfällt, und der Preis zudem höher ist

243 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Wohlfahrtsverluste eines Monopols

Preis

GK

PM

P*

D
0
QM Q* Output
GE
244 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Wohlfahrtsverluste eines Monopols

Preis
Nettowohlfahrtsverlust
des Monopols

GK
KR
PM

A
P*

PR
D
0
QM Q* Output
GE
245 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Faustregel zur Preisbildung im Monopol

Um zu klären, wie ein Monopolist in der Praxis den


optimalen Output

I bzw. den optimalen Monopolpreis festlegt, betrachten wir


nochmals seinen Grenzerlös, für den gilt:

dP (Q) ∆P ∆P Q
GE = Q+P = Q+P =P + P (61)
dQ ∆Q ∆Q P

246 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Faustregel zur Preisbildung im Monopol

Wir wissen, dass die Outputregel des Monopolisten besagt,

I wähle den Output, bei dem gilt: GE = GK. Ferner ist:


∆P Q 1
= , (62)
∆Q P EP
wobei EP die Preiselastizität der Nachfrage beschreibt

247 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Faustregel zur Preisbildung im Monopol

Eine Faustregel für die Preisbildung im Monopol erhalten wir,


wenn wir GE = GK setzen und die Gleichungen (61) und (62)
zusammenfassen:
GK
P = (63)
1 + E1P

Demnach setzt der Monopolist seinen Preis, indem er einen


Aufschlag auf seine Grenzkosten festlegt

248 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Faustregel zur Preisbildung im Monopol: Ein Beispiel

Für die Preisbildung gilt:


GK
P =
1 + E1P

Sofern die Preiselastizität der Nachfrage −4 beträgt und die


Grenzkosten gleich 8 Euro pro Einheiten sind, ist der optimale
Preis gleich 12 Euro, da:
8 Euro/[1 + (−1/4)] = 8 Euro/0, 75 = 12 Euro

249 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Natürliches Monopol

Ein natürliches Monopol liegt vor, wenn

I ein Unternehmen den gesamten Markt allein zu niedrigeren


Kosten versorgen kann, als dies mehrere Unternehmen
zusammen könnten

Dies ist dann gegeben, wenn ein Unternehmen durchweg


sinkende Durchschnittskosten aufweist

250 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Preisregulierung beim natürlichem Monopol

Preis

Cournot Punkt

PM

Pr
TDK
Pc GK
0
QM Qr Qc Output
GE
251 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Übungsaufgabe 19

Angenommen ein Unternehmen verfügt über ein Patent bei der


Produktion des Gutes Q, so dass es keine Konkurrenz
befürchten muss. Die Preis–Absatz–Funktion des Unternehmens
ist gegeben durch

P (Q) = 220 − 2Q.

Die Kostenfunktion lautet: C(Q) = Q2 + 40Q.

a. Geben Sie an, welche Menge der Monopolist zu welchem


Preis verkauft? Welchen Gewinn realisiert er?
b. Erstellen Sie eine maßstabsgetreue Zeichnung für die
Lösung des Monopolfalls

252 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Übungsaufgabe 19

c. Welche gleichgewichtige Outputmenge würde sich ergeben,


wenn auf dem Markt vollkommener Wettbewerb herrscht?
Wie hoch wäre in diesem Fall der Marktpreis? (Hinweis:
Unterstellen Sie dabei, dass die Grenzkostenkurve des
Monopolisten mit der Grenzkostenkurve aller Unternehmen
bei Wettbewerb identisch ist)
d. Skizzieren Sie in einer geeigneten Graphik den
Nettowohlfahrtsverlust, der sich durch das Monopol ergibt!

253 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Übungsaufgabe 20

Kontrollfragen

I Welche Eigenschaften weist die Preis–Absatz–Funktion


eines Monopolisten auf?
I Worin unterscheidet sich die Outputregel eines
Monopolisten von der eines Unternehmens bei
Wettbewerb?
I Nennen Sie drei Ursachen, durch die Monopole entstehen
können!
I Durch welche Besonderheit ist ein natürliches Monopol
gekennzeichnet?

254 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

7. Monopolistische Konkurrenz

Sofern ein Unternehmen keinem vollständigen Wettbewerb


ausgesetzt ist

I verfügt es über ein gewisses Maß an Marktmacht

Die Entscheidungen eines Unternehmens hängen von der


jeweiligen Wettbewerbssituation ab

255 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Wir betrachten ein Unternehmen,

I das in einem Umfeld der monopolistischen Konkurrenz


agiert, d.h. es produziert ein Gut, für das es keine
vollkommene, aber nahe Substitute gibt

Derartige Güter können Jeanshosen verschiedener Hersteller,


verarbeitete Lebensmittel, bspw. Joghurt, Säfte, usw., oder
kosmetische Produkte, wie Deos oder Zahnpasta sein

256 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Kennzeichen der monopolistischen Konkurrenz

I Zahlreiche Unternehmen konkurrieren miteinander, indem


sie differenzierte Güter anbieten, die leicht gegeneinander
austauschbar sind, aber keine vollkommenen Substitute
darstellen
I Der Eintritt in den Markt ist jederzeit möglich, d.h. es ist
relativ leicht für neue Unternehmen ihre eigenen Marken
einzuführen. Etablierte Unternehmen können hingegen
relativ leicht den Markt verlassen, indem sie ihre Marken
zurückziehen

257 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Sofern ein Unternehmen in einem Umfeld der


monopolistischen Konkurrenz operiert,

I steht es – wie beim Monopol – einer fallenden


Nachfragekurve gegenüber, die jedoch hier nur einen Teil
der gesamten Marktnachfrage ausmacht

258 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Kurzfristig kann ein Unternehmen einen Gewinn erzielen,

I indem es den Output wählt, bei dem der Grenzerlös (GE)


den Grenzkosten (GK) entspricht

Das Marktergebnis ist mit dem des Monopols identisch

259 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Kurzfristiger Gewinn eines Unternehmens bei


monopolistischer Konkurrenz

Preis

Kurzfristiger Gewinn eines Unternehmens


bei monopolistischer Konkurrenz

GK

PSR
TDK

DSR
0
QSR Output
GESR

260 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Falls die Unternehmen im Markt einen Gewinn erzielen,

I besteht jedoch für neue Unternehmen ein Anreiz in den


Markt einzutreten, so dass die einzelnen Marktanteile
sinken

Dies führt dazu, dass aus Sicht eines einzelnen Unternehmens


die individuelle Nachfrage zurückgeht

261 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Realisieren die Unternehmen langfristig

I einen Gewinn von Null, werden keine weiteren Eintritte in


den Markt stattfinden

Langfristig stellt sich somit ein Gleichgewicht ein

262 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Langfristiges Gleichgewicht bei monopolistischer


Konkurrenz

Preis

GK
TDK
PLR

DLR
0
QLR Output
GELR

263 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Monopolistische Konkurrenz

Auch bei der monopolistischen Konkurrenz kommt es

I trotz des Wettbewerbs zu Wohlfahrtsverlusten, die sich


daraus ergeben, dass die angebotene Menge vergleichsweise
zu niedrig und der Preis zu hoch ist

264 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Wohlhahrtsverlust bei monopolistischer Konkurrenz

Preis
Nettowohlfahrtsverlust bei
monopolistischer Konkurrenz

GK
TDK
PLR

DLR
0
QLR Output
GELR

265 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
B. Einführung in die Mikroökonomie
III. Marktmacht

Übungsaufgabe 21

Kontrollfragen

I Nennen Sie die Merkmale, durch die ein Markt mit


monopolistischer Konkurrenz gekennzeichnet ist!
Diskutieren Sie, was passiert, wenn ein neues Unternehmen
in den Markt eintritt und seine eigene Marke etabliert!
I Unterstellen Sie, dass die Unternehmen auf einem Markt
mit monopolistischer Konkurrenz kurzfristig Gewinne
realisieren. Mit welcher Reaktion rechnen Sie langfristig?
Stellen Sie Ihre Überlegungen graphisch dar!

266 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie

Einführung in die Volkswirtschaftslehre


Einführung in die Makroökonomie

267 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie

Einführung in die Makroökonomie

IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik


V. Die Rolle der Geldpolitik
VI. Ein stilisiertes Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

267 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie

Literatur

I Peter Bofinger, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre,


Pearson Studium, 2. Auflage 2006, Kapitel 15
I Peter Bofinger, Eric Mayer und Timo
Wollmershäuser, ”Das BMW-Modell: Neukeynesianische
monetäre Makroökonomie für die Lehre”, WiSt 33 (10),
2004, 574–581.

268 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Die Makroökonomie beleuchtet die gesamtwirtschaftlichen


Vorgängen in einer Volkswirtschaft, d.h.

I sie betrachtet die Entwicklung gesamtwirtschaftlicher


Schlüsselvariablen und versucht, diese zu erklären.

269 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Makroökonomische Schlüsselvariablen

I Das Gleichgewicht auf dem gesamtwirtschaftlichen


Gütermarkt
I Entwicklung des Preisniveaus
I Entwicklung der Arbeitslosenquote
I Die wirtschaftlichen Transaktionen zwischen den In– und
den Ausländern

270 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Ziel ist es

I Handlungsanweisungen für die Entscheidungsträger


der Wirtschaftspolitik abzuleiten, um mögliche
Zielverletzungen zu korrigieren, d.h. um stabilisierend
einzugreifen

271 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Als Entscheidungsträger der Wirtschaftspolitik betrachten


wir insbesondere

I die Notenbank einer Volkswirtschaft, da diese bei


kurzfristigen Instabilitäten des Wirtschaftsprozesses recht
flexibel eingreifen kann

Die Reaktion der Fiskalpolitik ist dagegen kurzfristig eher


träge, weshalb sie sich für die Stabilisierung des
Wirtschaftsprozesses nur unzureichend eignet.14

14
Langfristige Maßnahmen der Wirtschaftspolitik – d.h. strukturpolitische
Maßnahmen – bleiben hier zeitlich bedingt unberücksichtigt.
272 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Zu den Zielverletzungen, die insbesondere kurzfristig


eintreten können, zählen wir:

I Ausgeprägte Schwankungen der Wirtschaft, also markante


konjunkturelle Schwankungen bspw. infolge von Schocks
I Verletzung der Preisstabilität
I Konjunktureller Anstieg der Arbeitslosenquote

Hinzu kommen Zielverletzungen, die das außenwirtschaftliche


Gleichgewicht betreffen.

273 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Überblick

8. Stetige Entwicklung der Realwirtschaft


9. Preisstabilität
10. Hoher Beschäftigungsstand
11. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
12. Vereinfachung des Zielkatalogs

274 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

8. Stetige Entwicklung der Realwirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes dient als


Maßstab für die realwirtschaftliche Entwicklung:

I Reales Bruttoinlandsprodukt lässt sich als Indikator


für Wohlstand interpretieren
Bemerkung: Die Verwendung des realen BIP als Wohlstandsindikator ist
allerdings umstritten (siehe ”Der Kult ums BIP”, Der Spiegel 38/2009, S.
78–81.)

275 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stetige Entwicklung der Realwirtschaft

Definition des Bruttoinlandsprodukts:

I Wert aller Waren – Güter und Dienstleistungen – die


innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einer
Volkswirtschaft hergestellt werden

276 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Reales Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

2500 Mrd. Euro

2000

1500
Reales Bruttoinlandsprodukt

1000

500

Quelle: OECD, eigene Berechnungen


0
1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

277 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Reales Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

Dimensionen des realen Bruttoinlandsprodukts:

I 1761 Mrd. Euro im Jahr 1991


I 2255 Mrd. Euro im Jahr 2007
I Zuwachs des realen BIP zwischen 1991 und 2007 von ca.
28%

Auswirkung der Finanzkrise im Jahr 2009:

I Rückgang des realen BIP um 4,7% gegenüber dem Vorjahr

278 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Änderungsrate des realen Bruttoinlandsprodukts in


Deutschland

6
%

0
1971 1973 1975 1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009

-2
Veränderungsrate des realen
Bruttoinlandsprodukts

-4

Quelle: OECD
-6
279 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Reales Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

Allgemein können wir das realen Bruttoinlandsprodukt


unterteilen in

I die Binnennachfrage, die den privaten Konsum, die


Investitionen sowie den Staatsverbrauch umfasst, sowie
I den Außenbeitrag, der die Exporte abzüglich der Importe
beschreibt.15

15
In die Binnennachfrage fließen auch die ausländischen Güter mit ein, die
entweder konsumiert oder investiert werden!
280 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Reales Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

Es gilt die Identität:

Y = C + I + G − (Ex − Im) (64)

281 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Anteil der realen Binnennachfrage am realen BIP in


Deutschland

93 %

92

91

90

89

88

87 Reale Binnennachfrage relativ zum


realen Bruttoinlandsprodukt

86

85

Binnenachfrage: privater Konsum, Investionenen, Staatsverbrauch;


84 Importierte Waren fließen mit ein

Quelle: OECD
83
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
282 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Anteil des realen Außenbeitrags am realen BIP in


Deutschland

10
%

Realer Außenbeitrag relativ zum


realen Bruttoinlandsprodukt
6

Außenbeitrag: Reale Exporte abzüglich reale Importe

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

-2 Quelle: OECD

283 / 392
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C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Phasen des Konjunkturzyklus

Phasen des Konjunkturzyklus:

I. Aufschwung
II. Hochpunkt / Boom
III. Abschwung
IV. Tiefpunkt (evtl. Rezession)

284 / 392
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C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Ausgeprägte konjunkturelle Schwankungen

Das Ziel ausgeprägte konjunkturelle Schwankungen zu


glätten, lässt sich dadurch beschreiben,

I dass die Abweichungen des realen


Bruttoinlandsprodukts vom so genannten
Potentialoutput möglichst gering bleiben sollten

285 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Potentialoutput

Der Potentialoutput ist der mögliche Output,

I der bei Normalauslastung aller Kapazitäten produziert


werden kann.

Approximativ wird der Potentialoutput häufig durch den


Trend des realen Bruttoinlandsprodukts gemessen.

286 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Reales Bruttoinlandsprodukt und Potentialoutput

2500 Mrd. Euro

2000

1500

Reales Bruttoinlandsprodukt
Potentialoutput

1000

500

Quelle: OECD, eigene Berechnungen


0
1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

287 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Konzept der Outputlücke

Outputlücke:

I Relative Abweichung des aktuellen realen


Bruttoinlandsprodukts von seinem Trend.

Die Outputlücke stellt einen Maßstab dar, der geeignet ist, den
Konjunkturzyklus zu skizzieren.

288 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Konzept der Outputlücke

Formal ist die Outputlücke definiert durch:

Y −Y
y= , (65)
Y
wobei y die Outputlücke, Y das tatsächliche reale
Bruttoinlandsprodukt und Y den Trend des realen
Bruttoinlandsprodukts beschreiben.

289 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stilisierte Darstellung des Konjunkturzyklus anhand der


Outputlücke

Prozent
Outputlücke

II. Hochpunkt

Zeit

I. Aufschwung III. Abschwung I. Aufschwung

IV. Tiefpunkt
290 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Entwicklung der Outputlücke in Deutschland

4
%

0
1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010
-1

-2
Outputlücke
-3

-4

-5

Quelle: OECD, eigene Berechnungen


-6

291 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

9. Stabiles Preisniveau

Das Ziel eines stabilen Preisniveaus reflektiert,

I dass Geld nur dann seine Funktionen erfüllen kann, wenn


sein Wert über die Zeit hinweg stabil ist.

292 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stabiles Preisniveau

Zu den Funktionen von Geld zählen:

I die Funktion eines Zahlungsmittels


I die Funktionen eines Wertspeichers
I die Funktion einer Recheneinheit

Bei hoher Inflation kann Geld diese Funktionen nicht mehr


erfüllen. Es entstehen hohe Transaktions– und
Informationskosten (“menu costs”, “Schuhlederkosten” der
Inflation).

293 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Funktionen eines Zahlungsmittels

Geld wird nur dann als Tauschmittel akzeptiert, wenn sein Wert
stabil ist:

I Ist dies nicht der Fall, fällt die Wirtschaft in den Zustand
des Naturaltausches zurück (Hungriger Schneider sucht
frierenden Bäcker).

294 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Funktionen eines Wertspeichers

Ohne stabiles Geld wäre es für die Akteure unmöglich, ihre


Ersparnisse längerfristig mit Wertsteigerung anzulegen:

I Kreditgeber werden tendenziell schlechter gestellt.


I Die Folge wäre die Flucht ins Sachkapital (Immobilien,
Gold)

295 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Funktionen einer Recheneinheit

Bei hoher Inflation fällt es den Akteuren schwer zu erkennen:

I ob ein einzelnes Gut gegenüber den anderen Gütern teurer


geworden ist – Veränderung der relativen Preise – oder ob
das Preisniveau insgesamt gestiegen ist

296 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stabiles Preisniveau

Die Europäische Zentralbank (EZB) bewertet das Ziel der


Preisstabilität anhand

I der Entwicklung des harmonisierten Verbraucherpreisindex.

Preisstabilität liegt vor, wenn der Anstieg der Inflationsrate –


gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex –
mittelfristig bei ”unter, aber nahe bei 2%” liegt.

297 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stabiles Preisniveau

Preisindex für die Lebenshaltung:

I Der Index der Verbraucherpreise spiegelt die


Verbrauchsgewohnheiten der Menschen wider

298 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Zusammensetzung des Preisindex für die Lebenshaltung


in Deutschland im Jahr 2000

299 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Preisindex für die Lebenshaltung

Berechnung des Preisindex für die Lebenshaltung (März 2006):


P März 2006 2000
pi x
Preisindex März 2006 = P 2000 2000i .
p i xi

300 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stabiles Preisniveau

Berechnung der Inflationsrate (März 2006):


 
Preisindex März 2006
Inflationsrate März 2006 = − 1 ·100.
Preisindex März 2005

Konkrete Werte:
 
109, 5
Inflationsrate März 2006 = − 1 · 100 = 1, 8%
107, 6

301 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stabiles Preisniveau

Berechnung der Inflationsrate allgemein:


 
P1
π= − 1 · 100,
P0

wobei π die Inflationsrate bezeichnet.

302 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland

8
%
1. Ölkrise Inflationsrate
7
2. Ölkrise

Wiedervereinigung
5

3
Einführung
des Euro
2

Quelle: Deutsche Bundesbank


0
1960 1963 1966 1969 1972 1975 1978 1981 1984 1987 1990 1993 1996 1999 2002 2005 2008 2011

-1

303 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Stabiles Preisniveau

Bei der Messung der Verbraucherpreise treten allgemein


statistische Verzerrungen auf,

I so dass die Veränderung der Preise nie exakt ermittelt


werden kann.

Jährliche Inflationsraten in Höhe von bis zu 2% werden daher


als kompatibel mit dem Ziel eines stabilen Preisniveaus
betrachtet.

304 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

10. Hoher Beschäftigungsstand

Die Sicherung eines hohen Beschäftigungsstands:

I dient dem Ziel der Vermeidung von Arbeitslosigkeit,


d.h. die Arbeitslosenquote sollte so gering wie möglich
ausfallen

305 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Hoher Beschäftigungsstand

Zu den Arbeitslosen in Deutschland zählen:

I wer das 15., aber noch nicht das 65. Lebensjahr vollendet
hat,
I wer vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis
steht oder nur eine kurzzeitige Beschäftigung ausübt,
I wer der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht,
I wer nicht arbeitsunfähig erkrankt ist,
I und wer ein versicherungspflichtiges, mindestens 15
Stunden wöchentlich umfassendes Beschäftigungsverhältnis
mit einer Dauer von mehr als 7 Kalendertagen sucht.

306 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Arbeitslosenquote

Definition der Arbeitslosenquote:


Anzahl der Arbeitslosen
u= (66)
Anzahl der zivilen Erwerbspersonen

307 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Hoher Beschäftigungsstand

Zu den zivilen Erwerbspersonen in Deutschland zählen:

I alle sozialversicherungspflichtige Beschäftigte zwischen 15


und 64 Jahren, einschließlich Auszubildende, geringfügig
Beschäftigte und Beamte – ohne Soldaten – sowie alle
gemeldeten Arbeitslose.

308 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland

14
%

12

10

4
Westdeutschland
Deutschland
2

Quelle: Deutsche Bundesbank


0
1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010

309 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Hoher Beschäftigungsstand

Allerdings ist das Ziel eines hohen Beschäftigungsstands ist


nicht näher quantifiziert

I Allgemeiner Konsens: Vollbeschäftigung liegt bereits vor,


wenn die Arbeitslosenquote bei etwa 4% liegt. Dies gilt
deshalb, weil auch bei guter konjunktureller Lage
Arbeitslosigkeit existieren kann.

310 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

11. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Das Ziel eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts wurde


primär für ein System fester Wechselkurse festgelegt:

I Im Kern besagte es, dass die Zahlungsbilanz eines Landes


ausgeglichen sein sollte.

311 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Die Zahlungsbilanz

Die Zahlungsbilanz umfasst

I alle Leistungs– und Finanztransaktionen, die zwischen dem


In– und Ausland stattfinden

312 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Zahlungsbilanz

Stark vereinfachte Aufteilung in

I Leistungsbilanz und Kapitalbilanz

313 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Leistungsbilanz

Die wichtigsten Teilbilanzen:


I Handelsbilanz
- erfasst die Ein– und Ausfuhren von Waren
I Dienstleistungsbilanz
- bildet alle Leistungstransaktionen ab, die sich aus dem
Reiseverkehr, den Transporten, den Finanzdienstleistungen
usw. zusammensetzen.
I Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen
- umfasst vor allem Kapitalerträge und –aufwendungen
(Zinszahlungen aus dem Ausland und in das Ausland) sowie
Einkommen aus unselbständiger Arbeit.

314 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Entwicklung des Leistungsbilanzsaldos relativ zum


Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

10
%

2 Deutschland

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

-2

Quelle:OECD
-4

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kapitalbilanz

Bildet ab:

I wie die Leistungstransaktionen zwischen dem Inland und


dem Ausland finanziert wurden und
I welche Finanztransaktionen zwischen den Inländern und
den Ausländern stattgefunden haben.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Kapitalbilanz

Die wichtigsten Teilbilanzen:


I Bilanz der Direktinvestitionen
- zeigt in welchem Umfang sich Inländer an ausländischen
Unternehmen beteiligt haben (und umgekehrt)
I Bilanz der Wertpapieranlagen
- umfasst alle Käufe und Verkäufe von Aktien,
festverzinslichen Anleihen und Geldmarktpapieren durch
Inländer im Ausland und durch Ausländer im Inland
I Zusammenfassung der Kredite durch Banken, den Staat
sowie Unternehmen und Privatpersonen

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. KurzfristigeDEUTSCHE
Ziele der Wirtschaftspolitik
BUNDESBANK
EUROSYSTEM

Exkurs: Wichtige Posten der Zahlungsbilanz – Deutsche


Zahlungsbilanzstatistik
Stand vom 11.3.2010

Bundesbank (10.3.2010)
I. Zahlungsbilanz

1. Wichtige Posten der Zahlungsbilanz

Mio €
Leistungsbilanz, Vermögensübertragungen und Kapitalbilanz (soweit statistisch erfasst)
Leistungsbilanz 1)
Erwerbs- und
Außenhandel 2) Dienstleistungen 4) Vermögenseinkommen

Ausfuhr (fob) Einfuhr (cif) Saldo

Ergän-
zungen
saison- saison- saison- zum
Ursprungs- bereinigte Ursprungs- bereinigte Ursprungs- bereinigte Außen- Ein- Aus- Ein- Aus-
werte Werte werte Werte werte Werte handel 3) nahmen gaben Saldo nahmen gaben Saldo
Zeit 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
1999 510 008 . 444 797 . + 65 211 . − 8 153 80 819 126 854 − 46 035 86 860 98 275 − 11 415
2000 597 440 . 538 311 . + 59 128 . − 9 071 92 787 141 793 − 49 006 115 986 124 320 − 8 335
2001 638 268 . 542 774 . + 95 495 . − 7 420 101 447 151 308 − 49 862 101 889 112 822 − 10 932
2002 651 320 . 518 532 . + 132 788 . − 8 552 110 767 146 495 − 35 728 103 891 121 909 − 18 019
2003 r) 664 455 . 534 534 . + 129 921 . − 11 148 111 478 145 983 − 34 506 104 803 119 870 − 15 067
2004 r) 731 544 . 575 448 . + 156 096 . − 16 470 120 896 150 271 − 29 375 136 929 116 498 + 20 431
2005 r) 786 266 . 628 087 . + 158 179 . − 14 057 135 911 161 589 − 25 677 160 830 135 934 + 24 896
2006 r) 893 042 . 733 994 . + 159 048 . − 12 888 156 586 170 326 − 13 740 200 243 155 350 + 44 893
2007 r) 965 236 . 769 887 . + 195 348 . − 9 907 168 690 180 294 − 11 603 239 177 195 672 + 43 506
2008 r) 984 140 . 805 842 . + 178 297 . − 12 618 180 103 187 134 − 7 031 219 397 176 780 + 42 617
2009 r) 802 731 . 666 806 . + 135 925 . − 9 226 166 756 176 193 − 9 437 167 181 133 383 + 33 797
2007 1.Vj. r) 237 888 235 490 189 648 191 730 + 48 239 + 43 760 − 2 664 38 927 40 571 − 1 645 57 778 43 573 + 14 206
2.Vj. r) 238 512 239 270 190 328 191 520 + 48 183 + 47 750 − 2 343 40 908 42 356 − 1 448 61 493 59 750 + 1 743 318 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik DEUTSCHE
BUNDESBANK

Exkurs: Wichtige Posten der Zahlungsbilanz – Deutsche Zahlungsbilanzstatistik


Stand vom 11.3.2010

Bundesbank (10.3.2010) I. Zahlungsbilanz

Kapitalbilanz (lang- und kurzfristiger Kapitalverkehr)


Saldo der
Leistungsbilanz Vermögens- Saldo des übrigen Kapitalverkehrs
übertra-
gungen darunter:
und Kauf/
Verkauf Saldo der lang- kurz- Verände- Saldo der
von immat- Wert- fristige fristige rung der statistisch
eriellen papier- Kredite Kredite Währungs- nicht
Saldo der nichtprodu- Saldo der trans- der der reserven aufglie-
laufenden saison- zierten Ver- Direkt- aktionen Monetären Monetären zu Trans- Saldo der derbaren
Über- Ursprungs- bereinigte mögens- investi- und Finanz- Finanz- Finanz- aktions- Kapital- Trans-
tragungen werte Werte gütern tionen 5) derivate insgesamt institute 6) institute 6) werten 7) bilanz 8) aktionen
14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 Zeit
− 24 785 − 25 177 . − 154 − 49 384 − 11 471 + 37 924 − 7 476 + 60 427 + 12 535 − 10 396 + 35 726 1999
− 27 950 − 35 235 . + 6 823 + 153 822 − 164 910 + 39 430 − 24 490 + 38 251 + 5 844 + 34 187 − 5 775 2000
− 26 856 + 424 . − 387 − 14 829 + 39 027 − 42 024 − 43 211 − 33 096 + 6 032 − 11 794 + 11 757 2001
− 27 517 + 42 973 . − 212 + 36 739 + 66 020 − 143 272 − 15 412 − 88 671 + 2 065 − 38 448 − 4 313 2002
− 28 283 + 40 917 . + 311 + 23 521 + 52 422 − 138 145 − 38 526 − 73 078 + 445 − 61 758 + 20 529 2003 r)
− 27 849 + 102 833 . + 435 − 24 753 + 7 644 − 107 345 − 3 828 − 85 265 + 1 470 − 122 984 + 19 717 2004 r)
− 28 712 + 114 630 . − 1 369 − 22 880 − 39 173 − 69 764 − 79 705 + 16 483 + 2 182 − 129 635 + 16 374 2005 r)
− 27 206 + 150 106 . − 258 − 50 280 − 24 667 − 102 121 − 86 345 − 63 644 + 2 934 − 174 133 + 24 285 2006 r)
− 32 206 + 185 137 . + 110 − 62 798 + 57 579 − 213 329 − 110 889 − 40 623 − 953 − 219 502 + 34 254 2007 r)
− 34 303 + 166 963 . − 209 − 75 202 + 9 575 − 131 096 − 133 401 + 310 − 2 008 − 198 730 + 31 976 2008 r)
− 31 991 + 119 069 . − 186 − 19 507 − 70 383 − 51 088 + 1 152 + 59 750 + 3 200 − 137 777 + 18 895 2009 r)
− 11 202 + 46 934 + 42 180 + 140 − 10 358 − 21 236 − 16 416 − 19 373 + 8 882 + 100 − 47 911 + 836 2007 1.Vj. r)
− 5 145 + 40 990 + 46 050 + 358 − 19 731 + 25 821 − 78 290 − 20 518 − 40 356 − 1 359 − 73 559 + 32 210 2.Vj. r) 319 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Bei der Formulierung des Ziels eines außenwirtschaftlichen


Gleichgewichts war Deutschland Teilnehmer am Festkurssystem
von Bretton Woods (1949 – 1970):

I Demnach sollte die Wirtschaftspolitik so betrieben werden,


dass sie mit diesem System vereinbar war.

Seit 1973 bestehen jedoch flexible Wechselkurse, so dass die


Definition eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts seitdem
unklar ist.

320 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Devisenkurs des USD an der Frankfurter Börse in Euro

1.8

1.6

1.4

1.2

0.8

0.6
Wechselkurs USD/EUR

0.4

0.2

0
1954 1957 1960 1963 1966 1969 1972 1975 1978 1981 1984 1987 1990 1993 1996 1999 2002 2005 2008 2011

321 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Das Interesse an einem Abbau der außenwirtschaftlichen


Ungleichgewichte hat jüngst

I vor allem im Zusammenhang mit den aktuellen Problemen


der Weltwirtschaft stark zugenommen

322 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Außenwirtschaftliche Ungleichgewichte:
Leistungsbilanzsaldos relativ zum Bruttoinlandsprodukt

10 %

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

-5

Deutschland
-10
Italien
Spanien
Griechenland
-15

Quelle: OECD
-20
323 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Außenwirtschaftliche Ungleichgewichte:
Leistungsbilanzsaldos relativ zum Bruttoinlandsprodukt

12 %

10

0
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
-2

-4

-6 USA China

Quelle: OECD
-8

324 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Wechselkurs des Yuan zum USD

10
CNY/USD

Wechselkurs Yuan/USD
3

Quelle: Reuters
0
1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011

325 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Entwicklung der Währungsreserven in China

3500
Mrd. USD

3000

2500

2000

1500

Währungsreserven: Total reseres minus gold


1000

500

Quelle: IWF
0
1985 1990 1995 2000 2005 2010

326 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

15. Vereinfachung des Zielkatalogs

Letztlich beschränkt sich die Makroökonomie auf zwei primäre


Ziele, die insbesondere für die kurze Frist relevant sind:

I Stetige wirtschaftliche Entwicklung


I Stabiles Preisniveau

Implizit ist hier das Ziel eines hohen Beschäftigungsstands


mitinbegriffen, da:

I die Entwicklung der Arbeitslosenquote ist relativ eng mit


den Schwankungen des Bruttoinlandsprodukts verbunden.

327 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Okunsches Gesetz

Nach Arthur Okun (1962) besteht eine negative Beziehung


zwischen der Veränderung der Arbeitslosigkeit – gemessen an
der Veränderung der Arbeitslosenquote – und der Entwicklung
des realen Bruttoinlandsprodukts:

I Okunsches Gesetz

328 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Okunsches Gesetz für Deutschland (1970-2010)

6 Prozentuale Änderung des


realen Bruttoinlandsprodukts

Änderung der Arbeitslosenquote


0
-2 -1.5 -1 -0.5 0 0.5 1 1.5 2 2.5

-2

-4
Neue Regelung der Kurzarbeit (2009)

Quelle: OECD, Deutsche Bundesbank. Eigene Berechnungen


-6

329 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Interdependenz der Zielverletzungen

Interdependenz der Zielverletzungen bei konjunkturelle


Schwankungen:

I In einem Aufschwung der Wirtschaft besteht die Gefahr,


dass es zu Inflation kommen kann, d.h. die Inflationsrate
steigt
I In einem Abschwung hingegen besteht die Gefahr, dass sich
die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft

330 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Outputlücke und Inflationsrate in Deutschland

8
%

0
1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

-2
Outputlücke
Inflationsrate
-4

Quelle: OECD, eigene Berechnungen


-6

331 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Outputlücke und Veränderung der Arbeitslosenquote in


Deutschland

0
1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010
-1

-2

-3 Outputlücke - in Prozent

-4 Absolute Veränderung der


Arbeitslosenquote - in Prozentpunkte

-5

Quelle: OECD, eigene Berechnungen


-6
332 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Übungsaufgabe 22

Kontrollfragen:

I Erläutern Sie die Ziele der Wirtschaftspolitik, die


insbesondere kurzfristig gelten!
I Welche Phasen des Konjunkturzyklus lassen sich
unterscheiden?
I Ist ein konjunktureller Tiefpunkt stets mit einer Rezession
identisch?

333 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Übungsaufgabe 23

Kontrollfragen:

I Worin unterscheidet sich das tatsächliche


Bruttoinlandsprodukt vom Produktionspotential? Wie
lässt sich das Produktionspotential approximativ messen?
I Definieren Sie die Outputlücke!
I Zeichnen Sie, wie sich die Entwicklung der Outputlücke in
den konjunkturellen Verlauf einordnen lässt?

334 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
IV. Kurzfristige Ziele der Wirtschaftspolitik

Übungsaufgabe 24

Kontrollfragen:

I Nennen Sie zwei wirtschaftspolitische Zielverletzungen, die


tendenziell in wirtschaftlichen Boomphasen und
Tiefpunktphasen auftreten können!
I Definieren Sie Inflation! Woran wird diese gemessen? Wie
wird die Inflationsrate berechnet?

335 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

V. Die Rolle der Geldpolitik

Prinzipiell ist die Notenbank eines Landes

I für die Implementierung der Geldpolitik verantwortlich.

336 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Rolle der Geldpolitik

Zentrales Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), Artikel 105


des EG–Vertrags:

I ”Das vorrangige Ziel (...) ist es, die Preisstabilität zu


gewährleisten”

Ferner:

I ”Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der


Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die
allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft”

337 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Rolle der Geldpolitik

Theoretisch betrachtet versucht die Notenbank eine


gesellschaftliche Verlustfunktion der Form:

L = (π − π0 )2 + λy 2 (67)

zu minimieren, wobei π die aktuelle Inflationsrate, π0 das


Inflationsziel und y die aktuelle Outputlücke bezeichnen.
Ferner: λ ≥ 0.

338 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Rolle der Geldpolitik

Definition des Inflationsziels seitens der EZB

I Die EZB interpretiert ihren Auftrag in der Form, dass sie


mittelfristig einen Anstieg der Inflationsrate – gemessen am
harmonisierten Verbraucherpreisindex – von ”unter, aber
nahe bei 2%” anstrebt.

Die Zielrate der Inflation liegt demnach bei π0 = 2%.

339 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Rolle der Geldpolitik

Die Steuerungsgröße der Notenbank ist der Leitzins:

I Konkret im Fall der EZB ist es der Zinssatz der


Hauptrefinanzierungsgeschäfte

340 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Optimale Geldpolitik

Optimale Handlungsanweisung für die Notenbank:

I Setze den Leitzins so, dass die gesellschaftliche


Verlustfunktion (67) ihr Minimum erreicht.

Dies ist dann der Fall, wenn die tatsächliche Inflationsrate dem
Inflationsziel entspricht: π = π0 , und die Outputlücke
geschlossen ist: y = 0.

341 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Optimale Geldpolitik

Für eine Notenbank ist es jedoch nicht leicht bei der praktischen
Umsetzung ihrer Geldpolitik stets optimal zu handeln:

I Die Struktur einer Volkswirtschaft ist äußerst komplex – es


können lange und variable Wirkungsverzögerungen
auftreten.
I Es besteht Unsicherheit darüber, ob unsere Modelle alle
wirtschaftlichen Zusammenhänge angemessen abbilden.
I In der Realität treten laufend Schocks auf – Angebots– und
Nachfrageschocks –, deren Eintreffen kaum zu antizipieren
sind.

342 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Darstellung der Geldpolitik anhand einer einfachen


Regel

Vereinfachend werden wir das Verhalten der Notenbank daher


alternativ durch

I eine praktische Regel beschreiben, die so genannte Taylor


Regel – John Taylor (1993) – aus der sich konkrete
Handlungsanweisungen für die Geldpolitik ableiten lassen.

343 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Darstellung der Geldpolitik anhand einer einfachen


Regel
Die Taylor Regel lautet allgemein:

i = i0 + e(π − π0 ) + f y. (68)

Dabei bezeichnen:

– i: Leitzins der Notenbank


– π: aktuelle Inflationsrate
– π0 : Inflationsziel
– y: Outputlücke
– i0 : neutraler Nominalzins

Ferner ist: e, f > 0.


344 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Darstellung der Geldpolitik anhand einer einfachen


Regel

Handlungsanweisung für die Notenbank:

I Setzte den Leitzins i entsprechend (68) so, dass er mit dem


neutralen Nominalzins i0 übereinstimmt, wenn die aktuelle
Inflationsrate dem Inflationsziel entspricht, d.h. π = π0 ,
und die Outputlücke geschlossen ist, d.h. y = 0

Die Höhe des neutralen Nominalzinses ist generell unbestimmt. Wir


unterstellen vereinfachend, dass der neutrale Nominalzins durch das
durchschnittliche Niveau des Nominalzinses im Zeitraum von 1999 bis 2010
bestimmt wird, das bei knapp 3% lag.

345 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Darstellung der Geldpolitik anhand einer einfachen


Regel

Handlungsanweisung für die Notenbank:

I Weiche mit dem Leitzins i von i0 ab, wenn die aktuelle


Inflationsrate nicht mit dem Inflationsziel übereinstimmt:
π 6= π0 , und/ oder die Ouputlücke ungleich Null ist: y 6= 0.

Die Parameter e und f stellen Gewichte dar, die anzeigen, wie


aggressiv die Geldpolitik auf Abweichungen der aktuellen
Inflationsrate vom Inflationsziel bzw. der Outputlücke von Null
reagiert. Häufig werden e = 1, 5 und f = 0, 5 verwendet.

346 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Darstellung der Geldpolitik anhand einer einfachen


Regel

Konkrete Handlungsanweisung für die Notenbank:

I Restriktive Geldpolitik i > i0 , wenn: π > π0 und/ oder


y > 0,
I Expansive Geldpolitik i < i0 , wenn: π < π0 und/ oder
y < 0.

347 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Leitzins der EZB und Taylor–Zins

7
Prozent

1 Taylorzins
Tatsächlicher Zins

0
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
-1

-2

-3

-4 348 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Übungsaufgabe 25

Erklären Sie, warum es für eine Notenbank nicht leicht ist, bei
der praktischen Umsetzung der Geldpolitik stets optimal zu
handeln!

349 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Übungsaufgabe 26

Unterstellen Sie, dass sich das Verhalten einer Notenbank durch


folgende einfache Regel beschreiben lässt:

i = i0 + e(π − π0 ) + f y, (69)

wobei i den geldpolitischen Leitzins, i0 den neutralen


Nominalzins, π die aktuelle Inflationsrate, π0 das Inflationsziel
und y die Outputlücke beschreiben. Ferner ist: e, f > 0 und
e > f.

350 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
V. Die Rolle der Geldpolitik

Übungsaufgabe 26

Fragen:

I Welche wirtschaftspolitischen Ziele verfolgt die Notenbank?


Welche Handlungsanweisungen für die Notenbank lassen
sich aus der Taylor–Regel ablesen?
I Welche Ereignisse müssen erfüllt sein, damit die Notenbank
einen neutralen geldpolitischen Kurs einschlägt? Welche
Ereignisse kennzeichnen eine restriktive Geldpolitik?
I Erläutern Sie, welche Informationen die Parameter e und f
beinhalten? Interpretieren sie die Ziele der Geldpolitik für
den Fall, dass f = 0!

351 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die


geschlossene Volkswirtschaft

Wir stützen unsere folgenden Betrachtungen auf ein

I einfaches makroökonomisches Modell (MGV) für eine


geschlossene Volkswirtschaft

352 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Ein stilisiertes Modell für die geschlossene


Volkswirtschaft

Wir verwenden das Modell, um wirtschaftliche Zusammenhänge


möglichst einfach, aber strukturiert darzustellen. Konkret
wollen wir untersuchen,

I wie die Notenbank auf makroökonomische Zielverletzungen


reagiert, die infolge von gesamtwirtschaftlichen Störungen –
so genannte Angebots– und Nachfrageschocks – auftreten.

353 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Ein stilisiertes Modell für die geschlossene


Volkswirtschaft

Das MGV umfasst folgende Akteure:

I Unternehmen,
I private Haushalte
I sowie die Notenbank, die für die Implementierung der
Geldpolitik verantwortlich ist.

354 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Ein stilisiertes Modell für die geschlossene


Volkswirtschaft

Wir unterstellen, dass eine Vielzahl von Unternehmen existiert,


die

I jeweils ein differenziertes Gut herstellen, und dabei in


einem Umfeld der monopolistischen Konkurrenz operieren.

Jedes Unternehmen verfügt über ein gewisses Maß an


Marktmacht, was bedeutet, dass es den Preis seines Gutes
festlegen kann.

355 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Ein stilisiertes Modell für die geschlossene


Volkswirtschaft

Zentrale Baussteine des Modells:

I IS Gleichung, die das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht


auf dem Gütermarkt beschreibt
I Neukeynesiansische Phillipskurve, welche die Preissetzung
der Unternehmen widerspiegelt
I Die Reaktionsfunktion der Notenbank, die wir durch eine
einfache Taylor Regel darstellen.

356 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Ein stilisiertes Modell für die geschlossene


Volkswirtschaft

Vorgehensweise

I Darstellung der IS Gleichung


I Darstellung der Phillipskurve
I Zusammenfassung des Gesamtmodells

357 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

IS Gleichung

Die IS Gleichung beschreibt

I das Gleichgewicht auf dem aggregierten Gütermarkt.

358 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

IS Gleichung

Die IS Gleichung ist bestimmt durch:

y = a − br + ε1 , (70)

wobei y die Outputlücke und a eine positive Konstante


bezeichnen.
Zudem: b > 0

359 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

IS Gleichung

Die IS Gleichung (70) legt nahe, dass die Outputlücke y


abhängig ist:

I vom Realzins r, sowie


I einem Schockterm ε1 , der einen Nachfrageschock
bezeichnet.

Sofern die Outputlücke geschlossen ist, d.h. y = 0, gilt


a
r= , (71)
b
unter der Annahme, dass keine Störungen auftreten, also:
ε1 = 0.

360 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Der Realzins

Der Realzins weicht prinzipiell vom Nominalzins ab, sofern wir


unterstellen, dass Inflation existiert. Es gilt:
1+i
= 1 + r, (72)
1 + πe
wobei i den Nominalzins und π e die erwartete Inflationsrate
bezeichnen.
Nach ausmultiplizieren:

1 + i = 1 + r + rπ e + π e . (73)

361 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Der Realzins

Durch Umformen erhalten wir:

i = r + πe, (74)

da für relativ kleine Werte von r und π e näherungsweise gilt:

rπ e ∼
= 0.

362 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Der Realzins

Der Realzins ist also durch:

r = i − πe, (75)

gegeben.
Dieser Zusammenhang wird als Fisher Gleichung (Irvin Fisher,
1867–1947) bezeichnet.

363 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Neukeynesianische Phillipskurve

Die Neukeynesianische Phillipskurve (NKPK) leitet sich aus


dem Preissetzungsverhalten der Unternehmen ab.

364 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Neukeynesianische Phillipskurve

Die NKPK beschreibt die Dynamik der Inflationsrate:

π = π e + cy + ε2 , (76)

wobei π die aktuelle Inflationsrate bezeichnet.


Ferner ist: c > 0.

365 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Neukeynesianische Phillipskurve

Die Darstellung der NKPK (76) impliziert, dass die aktuelle


Inflationsrate abhängig ist von:

I der erwarteten zukünftigen Inflationsrate: π e


I der Outputlücke: y, sowie
I einem Schockterm: ε2 , der einen Angebotsschock
beschreibt.

366 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Zusammenhang zwischen Inflationsrate und


Outputlücke in Deutschland (1970 – 2009)

8
Inflationsrate

Outputlücke
0
-6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4

Quelle: OECD, Deutsche Bundesbank. Eigene Berechnungen -1


367 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Neukeynesianische Phillipskurve

Da in der NKPK die aktuelle Inflationsrate

I von der zukünftig erwarteten Inflationsrate π e abhängig ist,


müssen wir noch klären, wie die Erwartungen gebildet
werden.

Vereinfachend unterstellen wir, dass die erwarteten


Inflationsrate identisch mit dem Inflationsziel der Notenbank π0
ist, d.h. wir setzen fortan: π e = π0 .16

16
Dies stellt eine stark vereinfachende Annahme dar!
368 / 392
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Reaktionsfunktion der Notenbank

Die Reaktionsfunktion der Notenbank beschreiben wir durch


eine Taylor–Regel:

i = i0 + e(π − π0 ) + f y, (77)

wobei e, f > 0.

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Zusammenfassung des Modells

Das MGV umfasst insgesamt die Gleichungen:

y = a − br + ε1 (78)

π = π0 + cy + ε2 (79)
i = i0 + e(π − π0 ) + f y (80)
r = i − π0 , (81)
wobei wir unterstellen, dass π e = π0 .

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre
C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Langfristiges Gleichgewicht

Unsere Volkswirtschaft befindet sich in einem langfristigen


Gleichgewicht, wenn

I die Unternehmen den Potentialoutput produzieren, was


bedeutet, dass die Outputlücke geschlossen ist: y = 0

Die Notenbank setzt ihren Leitzins gleich i = i0 , d.h. gleich dem


neutralem Nominalzins. Die Inflationsrate entspricht dem
Inflationsziel: π = π0 .

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C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Langfristiges Gleichgewicht

Ferner ist der Realzins identisch mit:


a
r=
b
Dies alles bedeutet, dass im langfristigen Gleichgewicht keine
Störungen – also Schocks im Sinne von unerwarteten
Ereignissen – auftreten, d.h.:

ε1 = 0
ε2 = 0

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C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Gesamtwirtschaftliche Störungen

Was passiert jedoch, wenn die Wirtschaft von Störungen


betroffen ist, die dazu führen, dass:

I die Outputlücke nicht länger geschlossen ist (y 6= 0)


und/oder die tatsächliche Inflationsrate vom Inflationsziel
abweicht (π 6= π0 )?

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C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Gesamtwirtschaftliche Störungen

Mögliche Schocks

I Nachfrageschock, bspw. ein unerwarteter Anstieg der


Staatsausgaben oder eine unerwartete Verringerung der
Sparquote: ε1 > 0.
I Angebotsschock, bspw. ein unerwarteter Anstieg des
Ölpreises oder der Löhne: ε2 > 0.

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C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Beispiel Nachfrageschock: Absolute Änderung der


Sparquote

1.2
Prozentpunkte

0.8

0.6

0.4

0.2

0
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
-0.2

-0.4 Absolute Änderung der Sparquote in


Deutschland

-0.6

Quelle: OECD
-0.8

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C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Beispiel Angebotsschock: Prozentuale Änderung des


Ölpreises

80
Prozent

60

40

20

0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

-20

Prozentuale Veränderung des


Ölpreises gegenüber dem Vorjahr
-40

Quelle:OECD
-60

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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Gesamtwirtschaftliche Störungen

Generell gilt, dass makroökonomische Zielverletzungen


durch Störungen – also durch Schocks – verursacht werden
können:

I dies ist ein wichtiger Erklärungsansatz dafür, dass


konjunkturelle Schwankungen auftreten, in denen das
tatsächliche reale Bruttoinlandsprodukt vom
Potentialoutput abweicht.

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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Gesamtwirtschaftliche Störungen

Wir untersuchen nun, wie die Notenbank zur Stabilisierung der


Wirtschaft beiträgt, sofern diese von Schocks getroffen wird.
Dabei betrachten wir die Effekte:

I eines positiven Nachfrageschocks: ε1 ↑, bzw.


I eines negativen Angebotsschocks: ε2 ↑

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C. Einführung in die Makroökonomie
VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Auswirkungen eines positiven Nachfrageschocks

Outputlücke Inflationsrate
0.2
0.3
0.25 0.15
Prozent

Prozent
0.2
0.1
0.15
0.1 0.05
0.05
0 0
2 4 6 8 10 2 4 6 8 10
Zeit Zeit
Zinssatz der Notenbank Realzins
0.25 0.25

0.2 0.2

0.15 0.15
Prozent

Prozent

0.1 0.1

0.05 0.05

0 0
2 4 6 8 10 2 4 6 8 10
Zeit Zeit
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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Auswirkungen eines positiven Nachfrageschocks

Wir sehen, dass sich die Outputlücke infolge des positiven


Nachfrageschocks nach oben öffnet, d.h. y ↑

I Die Unternehmen erhöhen aufgrund der gestiegenen


Nachfrage ihre Preise, so dass die Inflationsrate steigt: π ↑.
I Die Notenbank passt ihren Leitzins nach oben an: i ↑
(restriktive Geldpolitik, da nun i > i0 ), mit dem Ziel die
Inflationsrate wieder an das Inflationsziel anzupassen und
die Outputlücke zu schließen.
I Wir beobachten, dass auch der Realzins steigt: r ↑.17

17
Der Realzins steigt hier im gleichem Ausmaß wie der Nominalzins. Dies
liegt an der vereinfachenden Annahme, dass die erwartete Inflationsrate π e
mit π0 identisch ist, d.h. konstant ist.
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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Auswirkungen eines positiven Nachfrageschocks

Im Ergebnis sehen wir, dass es der Notenbank gelingt, den


Wirtschaftsprozess nach einiger Zeit zu stabilisieren:

I Die Erhöhung des Leitzinses bremst die wirtschaftliche


Entwicklung, so dass sich letztendlich die Ouputlücke
schließt, d.h. y = 0, und die Inflationsrate auf π = π0
reduziert.

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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Auswirkungen eines negativen Angebotsschocks

Outputlücke Inflationsrate
0

0.25
-0.1
0.2
Prozent

Prozent
-0.2 0.15

0.1
-0.3
0.05

-0.4 0
2 4 6 8 10 2 4 6 8 10
Zeit Zeit
Zinssatz der Notenbank Realzins
0.4 0.4

0.3 0.3
Prozent

Prozent

0.2 0.2

0.1 0.1

0 0
2 4 6 8 10 2 4 6 8 10
Zeit Zeit
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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Auswirkungen eines negativen Angebotsschocks

Die Unternehmen erhöhen ihre Preise nach dem Eintreffen des


Schocks, so dass die Inflationsrate steigt: π ↑

I Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt, d.h. die


Outputlücke öffnet sich nach unten: y ↓, da nicht nur die
Inflationsrate sondern auch der Realzins steigt: r ↑

Die Notenbank reagiert mit einer Anhebung ihres Leitzinses auf


die gestiegene Inflation: i ↑.

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Auswirkungen eines negativen Angebotsschocks

Allerdings steht die Notenbank vor einem Zielkonflikt, da:

I die Inflationsrate steigt, während


I die Outputlücke entgegengesetzt nach unten aufgeht.

Sie reagiert mit einer Anhebung ihres Leitzinses in dieser


Situation, da sie das Ziel der Preisniveaustabilität höher als das
Ziel eines stetigen konjunkturellen Verlaufs gewichtet.

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Zusammenfassung

Insgesamt sehen wir, dass die Notenbank auf Störungen der


Wirtschaft mit der Anpassung ihres Leitzinses recht flexibel
reagieren kann,

I um die wirtschaftliche Entwicklung zu stabilisieren.

Der Erfolg dieser Maßnahme stellt sich jedoch zeitverzögert ein.

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Zusammenfassung

Da wir bislang nur das Verhalten der Notenbank in einem


Modell für die geschlossene Volkswirtschaft untersucht haben,
stellt sich die Frage:

I welche Effekte treten ein, wenn wir Außenhandel zulassen?

Bevor wir diese Frage beantworten, werden wir zunächst die


Charakteristika des Devisenmarkts sowie die Bildung von
Wechselkursen näher beleuchten.

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Exkurs: Sind unsere Ergebnisse empirisch


nachvollziehbar?

Schätzung eines Vektorautoregressiven (VAR) Modells:


n
X
Xt = A + Bi Xt−i + ηt
i=0

wobei Xt einen Vektor mit endogenen Variablen darstellt, der


das reale BIP, die Inflationsrate sowie einen kurzfristigen
Nominalzins, welcher sich als Instrument der Notenbank
interpretieren lässt, umfasst.
Daten: OECD. Schätzzeitraum: 1991Q1–2009Q4

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Exkurs: Empirische Impuls–Antworten auf einen


positiven Nachfrageschock

Realer Output Inflation Zinssatz


0.8 0.1 80

0.6 0.08
60
0.4 0.06

0.2 0.04 40

0 0.02 20
-0.2 0
0
-0.4 -0.02

-0.6 -0.04 -20


0 10 20 0 10 20 0 10 20

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VI. Ein stilisiertes makroökonomisches Modell für die geschlossene Volkswirtschaft

Exkurs: Empirische Impuls–Antworten auf einen


negativen Angebotsschock

Realer Output Inflation Zinssatz


0 0.2 30

-0.1 0.15
20

-0.2 0.1
10
-0.3 0.05

0
-0.4 0

-0.5 -0.05 -10


0 10 20 0 10 20 0 10 20

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Übungsaufgabe 27

Betrachten Sie das Modell für die geschlossene Volkswirtschaft:

y = a − br + ε1

π = π0 + cy + ε2
i = i0 + e(π − π0 ) + f y
r = i − π0

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Übungsaufgabe 27

Allgemeine Fragen:

I Interpretieren Sie die IS Gleichung!


I Wodurch ist das langfristige Gleichgewicht gekennzeichnet?
I Erläutern Sie, warum der Nominalzins vom Realzins in
einer inflationären Wirtschaft abweicht!

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Übungsaufgabe 27

Diskutieren Sie anhand der Struktur des Modells die


Auswirkungen eines temporären negativen Angebotsschocks,
d.h. ε2 > 0:

I Was könnten die Ursachen für einen negativen


Angebotsschock sein? Nennen Sie ein Beispiel!
I Wie wird die Inflationsrate π auf den Schock zunächst
reagieren? Wie passen sich die übrigen Variablen nach dem
Schock an?
I Diskutieren Sie die geldpolitischen Maßnahmen der
Notenbank, die sie infolge des Schocks ergreifen wird! Über
welche Mechanismen wirkt die Geldpolitik stabilisierend?

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