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PHLU.DE01.PS18.09_Röthlin Isabelle 23.11.

2018

Literatur im Fokus
Literarisches Lernen
Es gibt Lernprozesse, welche sich speziell auf die Beschäftigung mit literarischen Texten beziehen. Diese
Gesamtheit wird als literarisches Lernen bezeichnet. Literatur hat einen wichtigen Stellenwert in der Schule und
man versucht spezifische Lernprozesse dazu zu beschreiben. (Kaspar H. Spinner, Reader S. 23)

Literarische Kompetenz
Literarisches Lernen und der Erwerb von Lesekompetenz sind nicht nur hinsichtlich der Textsorte, um die es
geht, voneinander zu unterscheiden, sondern auch bezogen auf die Vermittlung durch die Medien.
Lesekompetenz bezieht sich nur auf das Lesen von Geschriebenem, während literarisches Lernen auch auditive
und visuelle Formen miteinbezieht. Für den Umgang mit literarischen Texten sind bestimmte Kompetenzen
wichtig, welche im Unterricht gefördert werden. Ziel des literarischen Lernens ist die literarische Kompetenz.
(Kaspar H. Spinner, Reader S.23)

Spinner – 11 Aspekte des Literarischen Lernens


Das Kernanliegen des Deutschunterrichts ist die Vermittlung von literarischer Kompetenz, in einer Kombination
von verschiedenen Fähigkeiten der Literatur. Spinner stellt 11 Aspekte des literarischen Lernens vor, welche alle
verschiedenen Bereiche der Literatur abdecken.

1. Beim Lesen und Hören Vorstellungen entwickeln: Literarische Texte sollen zur Vorstellungsbildung anregen.
2. Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen: Persönliches
Angesprochensein und Aufmerksamkeit steigern sich wechselseitig. Darin liegt auch das Ziel des literarischen
Lernens. Den Text auf verschiedene Arten zu entdecken, regt die Selbstreflexion an und dies kann das Interesse
der genauen Textwahrnehmung steigern.
3. Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen: Sprachliche Gestaltung ist für die ästhetische Wirkung
literarischer Texte wichtig. Es sollte angestrebt werden, dass die SuS zunehmend selbstständig Beobachtungen
zur sprachlichen Gestaltung anstellen können und dabei eine Freude am Entdecken entwickeln. Eigene
Experimente, wie zum Beispiel nach dem Muster literarischer Vorlagen einen Text schreiben, können besonders
effektiv sein.
4. Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen: Ein Text informiert nicht nur über die Figuren, sondern gibt
auch Anweisungen, sie sich vorzustellen. Ein intensiver Bezug zu literarischen Figuren entsteht in der Regel
dadurch, dass man eigene Gefühle, Sichtweisen und auch Wunschvorstellungen im Text wiederfindet. Zugleich
sollte man die Logik des Textes verstehen und merken, dass die Figuren Fremde sind. Der Zusammenhang von
der inneren Welt (Gefühle, Gedanken, Erfahrungen, Erinnerungen der Figuren) und den äusseren Handlungen ist
wichtig.
5. Narrative und dramaturgische Handlungslogik verstehen: Für ein literarisches Verständnis ist die Herstellung
innertextlicher Bezüge wichtig. Vieles versteht man nur, wenn man es in Beziehung setzen kann, mit etwas, was
schon vorher im Text gestanden hat.
6. Mit Funktionalität bewusst umgehen: Kinder haben oft Mühe den Unterschied von Realität und Fiktionalität zu
sehen. Es geht darum, ihnen den Unterschied ins Bewusstsein zu heben.
7. Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen: In literarischen Texten funktionieren Metaphern
und Symbole nicht so wie in der Alltagssprache. In der Literatur ist die wörtliche Bedeutung präsent. Die SuS
müssen lernen, was wortwörtlich zu verstehen ist und was nur im übertragenen Sinn gemeint ist.
8. Sich auf die Unabschliessbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen: Die SuS müssen lernen mit der Offenheit
literarischer Texte umzugehen. Dies fällt nicht immer leicht, da sie sich gewohnt sind, immer ein festes
Endresultat zu haben. Es ist aber wichtig, dass sie merken, dass es kein Richtig oder Falsch gibt.
9. Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden: Sich mit anderen über Texterfahrungen auszutauschen ist ein
wichtiger Teil des Literaturunterrichts. Es erfordert, dass die Teilnehmer ihre eigene Sinndeutung einbringen und
dass sie Vorschläge anderer annehmen.
10. Prototypische Vorstellungen von Gattung/Genres gewinnen: Es ist wichtig, dass die SuS Merkmale von
Märchen, Kurzgeschichten und Novellen etc. erkennen und benennen können.
11. Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln: Ein Einblick in die Literaturgeschichte gehört zur literarischen
Bildung, denn so können Einblicke in verschiedene Kulturen sichergestellt werden. (Kaspar H. Spinner, Reader S.
25-30)
PHLU.DE01.PS18.09_Röthlin Isabelle 23.11.2018

Erfahrungen und Einstellungen im selbst erlebten Literaturunterricht


In der Grundschule habe ich Bilderbuchgeschichten, Fabeln/Sagen, Gedichte, Kindergeschichten und Sachtexte
gelesen. Der Literaturunterricht wurde mit viel Kreativität gestaltet. Oftmals haben wir gezeichnet, Geschichten
erfunden, Bilder zugeordnet oder einfache Textverständnisse gelöst. Die Bücher habe ich nach meinen
damaligen Interessen und oft anhand des Bildes auf dem Buchdeckel ausgewählt. Ich hatte grosse Freude am
Lesen und war im Unterricht immer aktiv dabei. Noch heute habe ich diverse Bücher zu Hause, welche ich früher
sehr gerne gelesen habe.
In der Oberstufe kam ich mit den verschiedenen Genres in Kontakt. Es wurde viel interpretiert und analysiert.
Die Hintergrundinformationen zur Literatur, die verschiedenen Schreibstile und Epochen, sowie Autoren wurden
zu einem zentralen Aspekt. Der Literaturunterricht wurde oft in Gruppenarbeiten gestalten und der Austausch
war stets ein zentraler Punkt. Die Interpretation war der grösste Bestandteil meines Literaturunterrichts. Jedes
kleinste Detail musste interpretiert werden. Zum Teil hatte ich Gefallen am Interpretieren gefunden, manchmal
war es aber auch mühsam. Meine Lehrpersonen hatten meist eine sehr genaue Vorstellung davon, wie die
Interpretation sein sollte. Ich versuchte mich meist daran zu orientieren. Auch bei den Tests habe ich stets das
aufgeschrieben, was meine Lehrperson im Unterricht, als die richtige Interpretation bezeichnet hat. Im
Nachhinein finde ich dies sehr schade.

Interpretationssucht
Wichtig ist es zu wissen, dass es beim Interpretieren kein Richtig oder Falsch gibt. Oftmals ist es der Fall, dass die
Lehrperson eine explizite Vorstellung vorgibt und den SuS keinen Raum für eigene Vorschläge lässt. Dies
vermindert in einem sehr frühen Alter die Lust am Lesen. Literatur lebt davon, dass sie vieldeutig ist und eine
Menge von Interpretationen zulässt. Persönliche Sichtweisen sollten akzeptiert werden, auch wenn sie nicht mit
der Interpretation des Lehrers übereinstimmen. Es sollte nie das Ziel sein, sich der Interpretation des Lehrers
anzupassen. Nicht alle Leute sind gleich geübt und begabt was Interpretation betrifft. Die Mittteilung der
eigenen Leseerfahrung kann allerdings geübt werden. (Interview von Günter Grass & Martin Walser, Reader S.
21/22)

Aspekte des literarischen Lernens anhand eines aktuellen Lehrmittels aufzeigen


Die Grundansprüche steigern sich von Zyklus zu Zyklus. Es wird ein immer tiefer werdendes Verständnis für
literarische Texte angestrebt. Imagination, Einfühlungsvermögen, Perspektivenübernahme und Kreativität sind
zentrale Aspekte der Literatur. Allgemein ist zu sagen, dass Literatur zentral für den Spracherwerb ist. Anfangs
liegt der Fokus nur auf der Geschichte. Im weiteren Verlauf werden auch tiefgründiger Informationen zur
Geschichte wichtig. Das Bewusstwerden, dass jedes Buch ein Autor hat, ist schon im frühen Alter wichtig. Für
Kinder ist der Autor oft nicht existent. Sie denken, dass die Mutter oder der Vater die Geschichte erfunden hat.
Literarische Texte sollte man als Spielangebot sehen. Das Ziel ist es, den SuS Freude an der Literatur zu
vermitteln. Die SuS sollen versuchen über das Gelesene nachzudenken und ihre Gedanken in einer
Anschlusskommunikation auszutauschen. Es ist wichtig, dass die SuS ihre Gedanken und Gefühle, welche sie
während dem Lesen entwickeln, bei einem literarischen Gespräch mitteilen können.
Im Lehrmittel „die Sprachstarken“, hat es diverse Möglichkeiten, um im Bereich des literarischen Lernens zu
arbeiten. Ein Aufgabentyp ist das Schreiben von einem Lesetagebuch. Die SuS beschreiben wie sie einen Text
gelesen haben. Sie notieren sich wichtige Textstellen oder auch Zitate. Dies soll ihr Vorgang des Lesens sichtbar
machen und hilft ihnen darüber nachzudenken. So kann die schwierige Frage „wie habe ich gelesen?“,
beantwortet werden, in dem man den Prozess nachvollziehen kann. Das Lehrmittel enthält auch noch weitere
spannende Aufgaben im Bereich Literatur, wie zum Beispiel ein Gedicht schreiben, den Anfang oder Schluss
einer Geschichte zu schreiben, Figuren zu zeichnen oder beispielsweise ein Lesetheater durchzuführen. Das
Lesetheater im Lehrmittel „die Sprachstarken“, enthält Regieanweisungen, die das Theater anleiten. (Vorlesung
4)

Literatur:
Schurf, B & Wagner, A. (2013). Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die Sekundarstufe ll. Schweizer
Ausgabe. Berlin Cornelsen S.20. (Reader S. 21/22)
Spinner, K.H (2007). Literarisches Lernen.
In: Lesen nach PISA. Praxis Deutsch. Sonderheft/2007. S. 4-14. (Reader S. 23-30)
Stefanie Wyss und Werner Senn, Unterrichtsbilder und Unterrichtskonzept, V4, literarisches Lernen,
Pädagogische Hochschule: Luzern (22.10.2018)