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Dragana Šarović

Zahnitrusion

Klassifikation von Zahnunfällen:


1. Zahnfrakturen:
 Schmelzriss
 Kronenfraktur (mit und ohne Pulpabeteiligung)
 Kronen-Wurzel-Fraktur (mit und ohne Pulpabeteiligung)
 Wurzelquerfraktur
2. Dislokationen:
 Konkussion
 Lockerung
 Laterale Dislokation
 Extrusion
 Intrusion
 Avulsion

Klinische und röntgenologische Befunde bei der Intrusion


Klinisch:
 Inzisalkante der Krone gegenüber den Nachbarzähne zeigt sich in Infraposition
 Zahn erscheint verkürzt
 Der Zahn ist nicht beweglich
 metallischer Perkussionsschall
 Vitalitätstest ist in der Regel negativ
 keine Perkussionsempfindlichkeit
 Dislokation nach apikal
 Verkeilung im Alveolarknochen
 Diskrepanz zwischen Gingiva und Zahnumfang
 keine Sulcusblutung
 Alveole bukkal aufgetrieben
 Bei einer Alveolarfortzatzfraktur kann eine Knochenstufe tastbar sein

Röntgenologisch
 Unterbrechung des Parodontalspaltes, insbesondere im apikalen Wurzelbereich
 Infraposition des Zahnes im Vergleich zu unverletzten Nachbarzähnen
 Speziell nach Intrusionstrauma werden stark gequetschte Alveolarknochenanteile resorbiert und
können in dieser Phase radiologisch als posttraumatische parodontale Tasche (s.u.) imponieren.

Therapie
Zähne mit offenem Apex mit gering-gradiger Intrusion (< 3mm) sollten der spontanen Re-Eruption in den
folgenden 3 Wochen überlassen werden. Eine Fotodokumentation sollte zur Prüfung des
Heilungsverlaufes herangezogen werden.
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Dragana Šarović

Zeigt das Abwarten bei gering-gradiger Intrusion keinen Erfolg oder ist der Zahn mittelgradig intrudiert (3
bis 6 mm), kann eine chirurgische oder kieferorthopädische (allmähliche) Reposition eingeleitet werden.

Bei starker Intrusion (> 6 mm) kann die chirurgische oder kieferorthopädische Reposition sofort
beginnen. Chirurgisch reponierte Zähne können für 1 bis 3 Wochen flexibel geschient werden. Nach
Abschluss der kieferorthopädischen Reposition kann sich eine flexible Schienung für 4 bis 6 Wochen
anschließen. Erst danach kann die Schienung entfernt werden.

Bei Vorliegen einer infizierten Pulpanekrose sollten dem Wurzelwachstum des Zahnes entsprechende
endodontische Maßnahmen eingeleitet werden. Bei gering-gradiger Intrusion kann es zu einer
vollständigen Ausheilung des Parodontalapparates und seltener zu einer Ankylose kommen.

Insbesondere bei schwerwiegenden Verletzungen parodontaler Strukturen (Intrusionen, Avulsionen und


teilweise auch ausgeprägte Dislokationen) ist mit einer hohen Gefahr von externen Wurzelresorptionen
zu rechnen. Die Beeinflussung der parodontalen Heilungsvorgänge durch systemische (Tetrazyklin -
Doxyzyklin) und lokal applizierbare Medikamente bzw. Lösungen (Schmelzmatrixproteine, Kortikoide,
Zellkulturmedien) findet seit einigen Jahren eine zunehmende Bedeutung. In der Literatur werden sie
oftmals als antiresorptive regenerationsfördernde Therapiekonzepte (ART) zusammengefasst. Wird eine
zusätzliche Infektion der infolge des Traumas nicht abwehrfähigen Pulpa nicht rechtzeitig behandelt, sind
infektionsbedingte Resorptionen zu erwarten. Unbehandelt können diese in kurzer Zeit zum Zahnverlust
führen.

Bei Fraktur des Alveolarfortsatzes sollte eine sofortige Reposition des Fragmentes und Zahnes mit rigider
Schienung über 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden (s. Alveolarfortsatzfraktur).

Bei Zähnen mit abgeschlossener Wurzelbildung sollte eine Extirpation der Pulpa zwei Wochen nach dem
Unfall durchgeführt werden, wobei Kalziumhydroxid als temporares Wurzelfüllmaterial verwandt wird.

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Alternativ - Wurzelkanalbehandlung sobald ein orthograder Zugang sicher herstellbar ist (Ledermix für 1
bis 2 Wochen aufgrund der antiresorptiven Wirkung)

Die endgültige Wurzelfüllung mit Guttapercha erfolgt erst dann, wenn röntgenologisch die parodontale
Heilung abgeschlossen ist.

Prognose
 Vor allem bei Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum ist die Wahrscheinlichkeit einer
Nekrose der Pulpa und einer progressiven Wurzelresorption hoch (etwas bessere Prognose bei
offenem Apex)
 Resorptionen in fast 100% der Fälle, oftmals infektionsbedingte Resorptionen bei nicht
adäquatem, zumeist verspätetem endodontischem Management!
 Bei mittelgradigen und schwerwiegenden Intrusionen kommt es aufgrund der schwerwiegenden
Schädigung des Zahnhalteapparates fast immer zu Ersatzresorptionen im Wurzelbereich und
einer Ankylose des Zahnes.
 Bei voranschreitender Resorption, Ankylose oder Entzündungszeichen kann es zum Verlust des
Zahnes kommen.

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