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Christian Krijnen

Kants „Kategorien der Freiheit“ und


das Problem der Einheit der Vernunft
Hans Wagner (†) zum 95. Geburtstag*

Abstract. The problem of the unity of Kant’s critical philosophy has inspired the
development of German idealism from the beginning. This paper discusses the
problem of the unity of theoretical and practical philosophy as the problem of an
original unity that precedes Kant’s legislation of nature and freedom. Whereas
from the perspective of the post-Kantian German idealists, a concept that con-
ceives of such an original and overarching unity as freedom seems to fail in Kant, it
is my thesis that within his conception of activity, Kant indeed offers a distinction
for constructing such a concept. Unfortunately, Kant’s distinction remains rather
implicit in his philosophy: the distinction between activity qua performance of
validity, and hence the subject as the logical instance that individuates or sin-
gularises validity (intentionality, act), and activity qua realisation of validity, and
hence the real or concrete subject as the factor that realises validity.

1 Die Einheit der Vernunft als Problem


1) Die Frage nach der Einheit und der Einheitlichkeit von Kants Kritizismus hat die
Entwicklung der deutschen idealistischen Philosophie von Anfang an beflügelt.
Ganz gleich, ob dabei sachlich an das Verhältnis von konstitutiven und regulativen
Prinzipien der Erkenntnis, das von Kritik und Metaphysik oder von theoretischer
und praktischer Vernunft gedacht wird beziehungsweise historisch an Reinholds
Versuch, die theoretische Philosophie durch eine neue Theorie des menschlichen
Vorstellungsvermögens (1789) mit einer angeblich fehlenden Grundlage zu verse-
hen, an J. G. Fichtes Bemühung, in der praktischen Vernunft die Grundlage von
theoretischer und praktischer Vernunft,von Denken und Wollen in der Weise eines
Primats des Wollens und damit der praktischen Vernunft zu bewältigen,¹ an
G. W. F. Hegels Unternehmen, durch eine Lehre von der absoluten Idee die Be-

* Hans Wagner, Kant-Forscher und einer der profiliertesten Erneuerer der Transzendentalphi-
losophie, lehrte von  bis  als Ordinarius in Bonn und wäre am Eröffnungstag unserer
Bonner Kant-Tagung  Jahre alt geworden.
 Vgl. SW I, S. ; SW III, S.  f.

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schränkungen des theoretischen Erkennens unter der Idee des Wahren und des
praktischen Erkennens unter der Idee des Guten ebenso aufzuheben wie das
theoretische und praktische Agieren des Geistes in seiner Lehre vom freien Geist:²
Es sind dies alles Bestrebungen, die in irgendeiner Form eingehen in den Ent-
wicklungsgang des späteren Idealismus etwa der Neukantianer und deren An-
liegen, die von Fichte angestoßene Debatte über einen (unkantischen) Primat der
praktischen Vernunft aufzugreifen, den inaugurierten Primat von seinen prakti-
schen Konnotationen zu befreien und zu einem umfassenden Idealismus der
Freiheit fortzubilden.³ Man denke aber auch an die Systementwürfe neuerer
Transzendentalphilosophen wie H. Wagner oder W. Flach.⁴ Für sie alle ist Kant
Inspirator; für sie alle ist Kants Kritizismus gerade in puncto Einheit und Ein-
heitlichkeit jedoch auch unbefriedigend – weniger eine Antwort als ein Problem.
Im Folgenden soll aus aktuellem Anlass das Problem der Einheit von theo-
retischer und praktischer Vernunft erneut zur Sprache kommen. Ich meine damit
nicht das Einheitsproblem, wie Kant es in der Kritik der Urteilskraft thematisiert
hat. Freilich, Kants Ausführungen zur reflektierenden Urteilskraft, zum Begriff des
intuitiven Verstandes und zu dem damit einhergehenden Welt-Entwurf, der
„Nomothetik der Freiheit […] und […] der Natur“ (KU, Ak. 5, S. 448) aus moral-
teleologischer Perspektive verbindet, haben in je unterschiedlicher Weise (un-
kantische) Überlegungen zu einer ursprünglichen Einheit von theoretischer und
praktischer Vernunft Vorschub geleistet. Kant indes hatte das Problem der Einheit
von theoretischer und praktischer Vernunft (das heißt der Vernunft in ihrem
theoretischen und praktischen Gebrauch) in seiner dritten Kritik traktiert als
Problem der Verwirklichung von Freiheit in einer naturgesetzlich determinierten
Welt. Er suchte eine Verbindung der in der Kritik der reinen Vernunft und der Kritik
der praktischen Vernunft grundgelegten Gesetzgebungen für das Reich der Natur
und das Reich der Freiheit,⁵ soll doch der „Freiheitsbegriff“ die durch seine Ge-
setze aufgegebenen Zwecke in der „Sinnenwelt“ (KU, Ak. 5, S. 176) verwirklichen.
Diese Problemexposition setzt offenbar die Einteilung der Vernunft in die von Kant
unterschiedenen Vermögen und die von ihm in kritischer Analyse herausgear-
beiteten transzendentalen Gesetzmäßigkeiten voraus. Es geht also um die The-
matisierung einer nachträglichen, nicht um die Bestimmung einer ursprünglichen,

 Vgl. WL II, S.  ff.; Enz, §§  ff.


 B. Recki (, S. ) spricht in Bezug auf Cassirer von einem „Fundamentalismus der Freiheit“
und plädiert für einen Rückgang auf Kant, ohne allerdings, wie mir scheint, die Komplexität der
Problemlage hinreichend ausdrücklich zu machen.
 Vgl. Wagner (); Flach ().
 Vgl. KU, Ak. , § IX.

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der Nomothetik der Natur und der Freiheit noch vorausliegenden und sie erst
ermöglichenden Einheit beziehungsweise Nomothetik.⁶
2) Das Erstaunliche an S. Zimmermanns unlängst erschienener Arbeit über
Kants „Kategorien der Freiheit“ ist, dass er, aufgrund einer eingehenden Kant-
Interpretation und ohne die systematischen Vorgaben Kants zu verlassen, ein
ursprüngliches Einheitsmodell der Vernunft liefert, und zwar auf der Grundlage
von Kants kritischer Erkenntnisbegründung in der Kritik der reinen Vernunft. ⁷
Damit präsentiert er etwas, das von Anfang an als Desiderat des Kant’schen
Kritizismus empfunden wurde und zu allerhand Kants Kritizismus übersteigenden
spekulativen Höhenflügen geführt hat. Freilich, Zimmermann muss im Zuge seiner
Bemühung, die Einheit der Vernunft qua Ursprung der Kategorien der Natur und
der „Kategorien der Freiheit“ (KpV, Ak. 5, S. 65) herauszuarbeiten, immer wieder
darauf hinweisen, dass es sich um die Konstruktion einer solchen Einheit aus
Kants Texten handelt; dass es dazu gerade in der Schrift, der Zimmermanns
hauptsächliches Augenmerk gilt, der Kritik der praktischen Vernunft, keine un-
mittelbaren Textbelege gibt.⁸ Von Kant eindeutig bekundet ist allerdings, dass die
Kritik der reinen Vernunft und die Kritik der praktischen Vernunft in einem ge-
meinsamen Vernunftbegriff begründet sind: dass es sich um ein und dieselbe
reine Vernunft handelt, die sich nur unterschiedlich, nämlich in theoretischer oder
in praktischer Hinsicht, betätigt.⁹ Zimmermanns Strategie zur Bestimmung der
Vernunfteinheit ist daher die der „analogischen Deutung“; er spürt der Analogie
zwischen den Kategorien der Freiheit und den Kategorien der Natur nach, die Kant
selbst in mehreren Hinsichten herausstellt, und legt dar, dass und wie Kant die
Kategorien der Freiheit analog zu den Kategorien der Natur konzipiert.¹⁰

 Für das Einheitsproblem der Kritik der Urteilskraft siehe etwa Krijnen (); Krijnen (),
S.  ff.; Düsing (); Krämling (). – Kant redet überhaupt von der Freiheit als von einem
„Schlußstein von dem ganzen Gebäude eines Systems der reinen […] Vernunft“ (KpV, Ak. , S. ).
Vgl. zu Kants Schlusssteinmetaphorik eingehend Fulda ().
 Vgl. Zimmermann ().
 Zum einheitlichen Vernunftbegriff qua Denk- bzw. Urteilsvermögen siehe etwa Zimmermann
(), S. , ; vgl. auch S. ; speziell zum Freiheitsbegriff S. ,  – ,  f.,  f.; zum
Selbstbewusstsein S.  f. – Illustrativ für den konstruktiven Charakter ist auch, dass sich
Zimmermann (S. , ) auf Willaschek (), S.  f. bezieht, wenn es darum geht, nicht nur
das Erfahren (theoretische Erkennen), sondern auch das Wollen als eine „propositionale Ein-
stellung“ aufzufassen, Willaschek selbst aber darauf hinweist, dass Kant eine solche Redeweise
unbekannt war. Vgl. auch die Schwierigkeiten bezüglich der Einheit der Vernunft, mit denen sich
Allison () konfrontiert sieht bei seinem Versuch, das Verhältnis von Autonomie, Freiheit und
Spontaneität zu bestimmen.
 Vgl. KpV, Ak. , S. , , ; GMS, Ak. , S. .
 Zimmermann (), S.  und Kap.  f.

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Angesichts von Kants Schweigen zu essenziellen Momenten des Einheitsbe-


griffs der Vernunft kommt Zimmermann nicht umhin, Kants Philosophie in
kongenialer Weise mit, um den Hegel’schen Ausdruck zweckzuentfremden, Vor-
und Nachsätzen auszustatten.¹¹ Das Ergebnis ist aufschlussreich. Ich skizziere
knapp das für meine anschließenden Überlegungen Wichtigste, wobei ich den
Terminus ‚Vernunft‘ nicht im engem Sinne verwende als Vermögen zu schließen,
sondern, wie Zimmermann und Kant gelegentlich selbst, im weiten Sinne als
Inbegriff der oberen Erkenntnisvermögen und entsprechend generell von theo-
retischer und praktischer Vernunft rede:
Die Kategorien der Natur und die der Freiheit haben denselben Ursprung.
Dieser liegt in der sogenannten Urteilstafel der Kritik der reinen Vernunft, das heißt
in den „logischen Function[en] des Verstandes in Urtheilen“ (KrV, B 95); sie
fundiert die Kategorientafeln der Natur und der Freiheit. Die Kritik der reinen
Vernunft enthält insofern Kants allgemeine Vernunft- oder Rationalitätstheorie.
Dieses urteilstheoretische Verständnis der Vernunft geht dem „Auseinandertre-
ten“ von theoretischem und praktischem Vernunftgebrauch begrifflich voran,
denn es betrifft deren „gemeinschaftlichen Kern“¹², das „rationalitätstheoretische
Fundament“¹³; dieses Fundament „hintergreift“¹⁴ die Differenz von theoretischer
und praktischer Vernunft als dasjenige, woraus Kategorien abgeleitet werden.
Theoretische und praktische Urteile basieren auf denselben logischen Funktionen
des Urteils. Zwar traktiert die Kritik der reinen Vernunft den theoretischen, die
Kritik der praktischen Vernunft den praktischen Gebrauch der Vernunft, jedoch
entwickelt die erste Kritik in der sogenannten metaphysischen Deduktion¹⁵ auch
einen allgemeinen Begriff der Vernunft und legt fest,was Denken überhaupt heißt.
Die Kategorien der Freiheit sind für die Vernunft in ihrem praktischen Ge-
brauch das, was die Kategorien der Natur für die Vernunft in ihrem theoretischen
Gebrauch sind. Sie konstituieren Objektivität, näherhin praktische Objektivität.
Während die Naturkategorien die Erfahrung (theoretische Erkenntnis) von Ge-
genständen konstituieren, konstituieren die Freiheitskategorien das Wollen von
Gegenständen. Beide Kategorieninbegriffe lassen sich aus den logischen Ur-
teilsfunktionen des Denkens (usus logicus) entwickeln als Funktionen des realen,
also objektiven, Gebrauchs der Vernunft (usus realis), gleich, ob bezüglich des in
der sinnlichen Anschauung Gegebenen oder einer „Mannigfaltigkeit von Begeh-
rungen“ (KpV, Ak. 5, S. 65). Die Differenz von theoretischem und praktischem

 Hegel (), S.  f.
 Zimmermann (), S. ; vgl. S.  ff.
 Ebd., S. .
 Ebd., S. ; vgl. S. .
 Vgl. KrV, B  ff.

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Gebrauch ist keine des logischen, sondern eine des realen Gebrauchs der Ver-
nunft.
Beide Konstitutionsformationen von Gegenständlichkeit müssen urteils-
theoretisch verstanden werden: Kant fasst den menschlichen Intellekt insgesamt
qua oberes Erkenntnisvermögen als Denk- und damit als Urteilsvermögen. Denken
ist eine sich im Urteil vollziehende Synthesis. Die theoretische Vernunft und die
praktische Vernunft sind Weisen des Denkens und damit des Urteilens: Die Be-
stimmung von Erfahrungsgegenständen erfolgt in theoretischen Urteilen, die
Bestimmung des Willens erfolgt in praktischen Urteilen. Die Vernunft betätigt sich
zum einen, um das „Mannigfaltige der (sinnlichen) Anschauung unter ein Be-
wußtsein“ zu bringen, und zum anderen, um das „Mannigfaltige der Begehrungen
der Einheit des Bewußtseins […] zu unterwerfen“. Die Kategorien sind folglich so
oder so Bestimmungen der Einheit einer Synthesis von Mannigfaltigem (sei’s einer
Anschauungs- oder einer Begehrungsmannigfaltigkeit).
Während die theoretische Vernunft jedoch auf Gegenstände geht, die ihr
anderswoher gegeben sind, nämlich durch die sinnliche Anschauung, bezieht sich
die praktische Vernunft auf Gegenstände, die sie selber hervorbringen kann; denn
sie betrifft unmittelbar die Bestimmung des Willens durch die Vorstellung eines
Gegenstandes. Die Freiheitskategorien sind die Prinzipien möglicher Willensbe-
stimmung überhaupt, umfassen also die ganze praktische Vernunft: Deren Ka-
tegorienlehre betrifft den sinnlich-bedingten Willen ebenso wie den sittlich-be-
dingten. Wie die Naturkategorien die Formen aller Erfahrung von Gegenständen
ausmachen, so die Freiheitskategorien die Formen alles Wollens von Gegen-
ständen.
3) Zimmermann präsentiert also einen allgemeinen Vernunftbegriff, der der
Differenzierung in theoretische und praktische Vernunft zugrunde liegt. Zusam-
men mit dem Analogiegedanken von Natur- und Freiheitskategorien führt er ihn
zu einer konstruierenden Deutung der Kategorien der Freiheit. Trotz der Fülle an
Belehrung gerade in puncto Einheit, gibt es diesbezüglich auch Beunruhigendes.
Mag Zimmermann Kants Schweigsamkeit nicht zuletzt in der Kritik der praktischen
Vernunft beklagen – ausgerechnet hier äußert Kant sich auch einmal offen und
unzweideutig zur Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft, und zwar an
einer Stelle in der „Kritischen Beleuchtung der Analytik der reinen praktischen
Vernunft“ (KpV, Ak. 5, 89 ff.). Wenn ich recht sehe, geht Zimmermann auf diese
Stelle nicht ein. Für mich indes ist sie der Ausgangspunkt des problematisierenden
Teils meiner Überlegungen zu Kants Einheit der Vernunft. Der Kontext von Kants
Äußerung ist die von Zimmermann erkundete Analogisierung von theoretischer
und praktischer Vernunft:

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Demjenigen, der sich von den in der Analytik vorkommenden Sätzen hat überzeugen können,
werden solche Vergleichungen Vergnügen machen; denn sie veranlassen mit Recht die Er-
wartung, es vielleicht dereinst bis zur Einsicht der Einheit des ganzen reinen Vernunftver-
mögens (des theoretischen sowohl als praktischen) bringen und alles aus einem Princip
ableiten zu können; welches das unvermeidliche Bedürfniß der menschlichen Vernunft ist,
die nur in einer vollständig systematischen Einheit ihrer Erkenntnisse völlige Zufriedenheit
findet. (KpV, Ak. 5, S. 90 f.)

Da Kant offenbar seine eigene Analogisierung gut vor Augen steht, folgt unmit-
telbar, dass er selbst der Meinung ist, er habe das Problem der Einheit von
theoretischer und praktischer Vernunft und mit ihm das des Ursprungs von Natur-
und Freiheitskategorien (noch) nicht gelöst. Es muss also über das von Zimmer-
mann herausgearbeitete Einheitsmodell hinausgehende Aspekte geben, die Kant
veranlassen, doch recht ausführlich von einer aufgrund des Erreichten zwar be-
rechtigten, aber bislang unerfüllten Erwartung zu sprechen.
4) Nun kann es sich beim Einheitsproblem, das Kant dabei vorschwebt, nicht
um das Einheitsproblem der Kritik der Urteilskraft handeln. Immerhin sind hier die
beiden Gesetzgebungen der Natur und der Freiheit schon vorausgesetzt, und es
wird nach einer Möglichkeit gesucht, die unübersehbare Kluft zwischen beiden zu
überbrücken. In der „Kritischen Beleuchtung“ indes stellt Kant auf „Verglei-
chung“ ab: Praktische und theoretische (spekulative) Vernunft hätten dasselbe
Erkenntnisvermögen „zum Grunde“, nämlich „reine Vernunft“; es müsse der
„Unterschied“ beider durch „Vergleichung“ bestimmt und der „Grund“ (KpV,
Ak. 5, S. 89) dieses Unterschiedes angegeben werden. Das ist eindeutig Ur-
sprungsproblematik der Differenz,wie auch die Rede von der ‚Ableitung aus einem
Prinzip‘ anzeigt. So jedenfalls aus Kants Perspektive.
Die nachkantischen Idealisten, von Fichte über Hegel bis in den Neukantia-
nismus etwa Br. Bauchs hinein, haben die Kritik der Urteilskraft auch aus dieser
Einheitsperspektive gelesen und geschätzt. In ihr erblickten sie einen vielver-
sprechenden Ansatz, um die von Kant gestellte Aufgabe der ursprünglichen
Vereinigung von theoretischer und praktischer Vernunft zu bewältigen und so
Kants Forderung aus der ersten Kritik, die Welt müsse „als aus einer Idee ent-
sprungen vorgestellet werden“ (KrV, B 843 f.), gerecht zu werden. Hegel etwa lobt
Kant für seinen Begriff des ‚anschauenden‘, ‚intuitiven‘ Verstandes,¹⁶ da Kant mit
ihm an die Schwelle der konkreten Allgemeinheit des Begriffs stoße, auch wenn es

 Schon Fichte hatte die Kritik der Urteilskraft programmatisch geschätzt.Vgl. GA I/, S. ; II/
, S. , .

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ihm nicht gelinge, die abstrakte Allgemeinheit des Begriffs zu überwinden.¹⁷ Und
der vielleicht beste Kant-Kenner des Neukantianismus, Br. Bauch, wird nicht
müde, Kants Kritik der Urteilskraft für deren systematische Einheitsfunktion und
die Überwindung der „Isolierung“ von „Form und Inhalt“ zu rühmen.¹⁸ Ihnen
allen ist das von Kant in der dritten Kritik ins Spiel gebrachte Einheitskonzept in
Form eines intellectus intuitivus, das für Kant einen bloß regulativen und in diesem
Sinne subjektiven Status hat, unzureichend: Es werde der gegenstandskonstitu-
ierenden, objektiven Leistung der Vernunft nicht gerecht; der Dualismus von Form
und Inhalt,von Subjekt und Objekt werde nicht überwunden und ein Hinausgehen
über Kant, um in den Grund von allem vorzustoßen, sei vonnöten.¹⁹ Dies führt im
nachkantischen Idealismus zu radikalen Uminterpretationen der Positionen und
Intentionen Kants, wie berechtigt solche Uminterpretationen auch sein mögen.
Handelt es sich bei der erwarteten zukünftigen Einsicht Kants weder um das
Einheitsproblem der dritten Kritik noch um eine Überbietung des hier entwickelten
regulativen Einheitskonzepts im Sinne der nachkantischen Idealisten, dann gilt
es, Ausschau zu halten nach einem anderen Problemkomplex, der eine Kant
befriedigende Einsicht bislang verhindert hat.

2 Kants Architektonik der Vernunft als


Herausforderung
1) Um die Frage nach dem Unzureichenden des bislang erreichten Einheitsbegriffs
der Vernunft zu beantworten, ohne dabei die Linie des Kant’schen Gedanken-
gangs zu verlassen beziehungsweise den Kant’schen Rahmen allenfalls zu stra-
pazieren, braucht es ein über Kants eigene Darlegungen hinausgehendes Pro-
blembewusstsein. Dieses lässt sich gewinnen, schaut man sich erneut die
Geschichte der nachkantischen Philosophie an, und zwar nicht unter dem Aspekt
der Einheitskonzeption der dritten Kritik, sondern mit Blick auf einen damit zwar
indirekt verbundenen, gleichwohl unabhängig von ihm thematisierbaren und
thematisierten Sachverhalt: den von Fichte wirkungsmächtig angestoßenen Ge-
danken, das Theoretische selbst als praktisch aufzufassen, die Differenz von

 Vgl.WL II, S. ; Enz, §§  ff., . Siehe auch frühe Arbeiten Hegels wie Glauben und Wissen
() und die Differenzschrift ().
 Bauch (), S.  f. u. ö.; Bauch (), S.  f. u. ö.; Bauch (), S.  u. ö.
 Vgl. zu Kants Kritik der Urteilskraft im deutschen Idealismus von Fichte bis Hegel etwa
Horstmann ().

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theoretischer und praktischer Vernunft also ins Praktische zurückzunehmen und


damit ein ursprünglicheres Verhältnis ins Spiel zu bringen:
Für Fichte ist „das Wollen […] der eigentliche, wesentliche Charakter der
Vernunft“ (SW III, S. 20 f.), das „praktische Vermögen die innigste Wurzel des Ich“
(SW III, S. 21).²⁰ Das Interesse an der Erkenntnis ist dabei sogar eine Äußerung und
Anwendung des sittlichen Interesses.²¹ Worauf es Fichte dabei ankommt, ist, dass
„ohne ein Streben überhaupt kein Object möglich sey“ (SW I, S. 264), dass Ver-
nunft nur theoretisch sein kann, wenn sie auch praktisch ist,²² dass also der Wille
nicht bloß nachträglich in Bezug auf ein als wahr oder gut Erkanntes ins Spiel
kommt, sondern die Erkenntnis selbst von der Wirksamkeit des Willens abhängt:
Wille und Denken machen keine bloß nebeneinander beziehungsweise getrennt
voneinander wirksamen Vermögen aus, sondern bilden einen inneren Zusam-
menhang, sind wesentlich aufeinander bezogen. Noch abgesehen davon, dass bei
Fichte eine über Kants Sprachgebrauch hinausgehende Bedeutung von ‚prakti-
scher Philosophie‘ vorherrscht, ‚praktische Philosophie‘ bei Fichte also etwas
anderes ist, als sie es bei Kant war:²³ Eine solche Ausdeutung der Lehre vom Primat
der praktischen Vernunft ist insofern unkantisch, als Kants Primat der praktischen
Vernunft,²⁴ trotz der Variationsbreite der Auslegungsvorschläge, wohl als Vor-
ordnung des praktischen Vernunftglaubens vor das theoretische Wissen gedeutet
werden muss.²⁵
Wenn heute R. Brandom betont, Intentionalität, Erkenntnis, Handlung seien
normative Größen, folglich einem allumfassenden Begriff von Normativität das
Wort redet und dabei Kant für diesen Gedanken lobt,²⁶ dann setzt er offenbar eine
von Fichte initiierte Deutungsrichtung fort, die von Hegel und den Neukantianern
aufgenommen wurde, allesamt eher orientiert am ‚Geist‘ als am ‚Buchstaben‘
Kants. Gerade eine derartige ‚aktivistische‘ Prägung der Philosophie zieht eine

 Allerdings ist ‚praktisch‘ vor allem beim frühen Fichte ein mehrdeutiger Begriff: Er steht
zum einen für eins der zwei Grundvermögen, zum anderen aber auch für die Einheit beider. Vgl.
Siemek (); Siemek ().
 Vgl. SW IV, S.  f.
 Genau auf diese Passage Fichtes spielt Br. Bauch (, S. ) in seiner Kant-Deutung an,
wenn er auf die Zweckbestimmtheit der Erkenntnis zu sprechen kommt, dass also bei Kant „alle
Theorie bereits unter der praktischen Bestimmung durch die Idee“ steht.
 Gerade in der frühen Phase (Wissenschaftslehre von ) schließt die praktische Philosophie
auch eine Ästhetik und eine Lehre vom gemeinen Menschenverstand ein (GA I/, S. ); bis-
weilen fungiert sie auch als Synonym für die Wissenschaftslehre selbst (GA II/, S. ). Siehe dazu
Breazeale (), S.  f.
 Vgl. KpV, Ak. , S.  ff.
 Siehe stellvertretend für viele Förster (), S.  ff.
 Siehe etwa Brandom (), S. ; Brandom ().

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Vielzahl von höchst intrikaten systematischen Problemen nach sich, die in dieser
Tradition der Philosophie, wie mir scheint, jedenfalls bislang gründlicher zur
Sprache kamen als in den gegenwärtigen Reaktualisierungsversuchen promi-
nenter Anerkennungstheoretiker.²⁷ Wie dem auch sei. Hegel hat sich genötigt
gesehen, auch den Fichte’schen Versuch, theoretische und praktische Vernunft im
Anfang der Grundlegung der Philosophie zur Einheit zu bringen, durch eine
spekulative Ideenlehre zu überbieten.²⁸ Und im werttheoretischen Kritizismus der
südwestdeutschen Neukantianer, die sich durchaus um eine Synthese von Kant
und Hegel bemühen,²⁹ hat sich eine intensive und anhaltende Debatte über den
Primat der praktischen Vernunft gerade angesichts der Notwendigkeit entspon-
nen, die unterschiedlichen Vernunftgebiete aus einem einheitlichen Grundver-
hältnis heraus zu verstehen³⁰ – eine Debatte, die in der Transzendentalphiloso-
phie der Nachkriegszeit zu weiteren Versuchen der Perfektionierung eines solchen
‚axiotischen Grundverhältnisses‘ geführt hat.³¹
In all diesen Bemühungen tritt ein einheitlicher Idealismus der Aktivität und
damit der Freiheit hervor, jedoch dergestalt, dass der Primat einer spezifisch
praktischen Vernunft zugunsten eines allgemeinen Vernunftbegriffs preisgegeben
wird. Für diesen einheitlichen Idealismus kann ein Rückgang auf Kants Archi-
tektonik der Vernunft so wenig eine Lösung sein, als Kants Verhältnisbestimmung
von theoretischer und praktischer Vernunft vielmehr den Ausgangspunkt der
Problemlage abgibt. Dass Kant selbst hervorgehoben hat, man könne keine
Wissenschaft zustande bringen, ohne eine Idee als Zweck zugrunde zu legen,³² die
Erkenntnis sich also schon für Kant als zweckbestimmt erweist³³ und damit als

 Siehe dazu etwa Krijnen () und Krijnen ().


 Siehe dazu Krijnen (a). Hegel zeigt in seiner Logik, dass die Idee des Wahren und die Idee
des Guten nur innerhalb der absoluten Idee möglich sind (vgl. WL II, S.  ff.), und im Rahmen
seiner Philosophie des subjektiven Geistes, dass und wie der theoretische und der praktische Geist
aufeinander bezogen sind und im freien Geist zur Einheit kommen (vgl. Enz, §§  ff.).
 Krijnen (b).
 Vgl. Krijnen (), Kap. ..; Krijnen (b).
 Vgl. Wagner (), §  und Flach (), Kap. . Für einen Neukantianer wie Rickert
() u.ö. oder spätere Transzendentalphilosophen wie Wagner (), §§  und  oder Flach
(), insb. Kap.  und  gibt es so etwas wie ein allgemeines Selbstgestaltungsverhältnis
(axiotisches Grundverhältnis), das der Unterscheidung von theoretisch und praktisch noch zu-
grunde liegt und für die philosophische Systematik maßgebend ist. Auch für Husserl etwa ist der
Mensch berufen zu einem Leben in der Apodiktizität, Sein-zur-Vernunft, „Teleologischsein und
Sein-Sollen“, so dass er eine Teilung der Vernunft in „‚theoretische‘, ‚praktische‘ und ‚ästhetische‘
und was immer“ ablehnt (Hua VI, S.  f.).
 Vgl. KrV, B .
 Siehe auch KrV, B  f.

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bestimmt durch praktische Vernunft, mag die von Fichte eingeschlagene Bahn
wenigstens verständlich machen.
2) Das Problem der Kant’schen Architektonik reiner Vernunft betrifft also
weniger die in der Kant-Forschung viel diskutierten internen Verhältnisse prak-
tischer Vernunft, etwa zwischen Moral, Recht und Tugend oder einem reinen und
empirischen Willen, sondern das eher selten diskutierte Verhältnis von theoreti-
scher und praktischer Vernunft selbst.³⁴ Dies wundert angesichts der Textlage
nicht – denn es ist Kant schlicht unproblematisch.
Tatsächlich ist die von Aristoteles³⁵ vorgearbeitete und in der Schulphiloso-
phie des 18. Jahrhunderts aufgegriffene Einteilung der Philosophie in theoretische
und praktische beziehungsweise qua Gegenstände in das Gebiet der Natur und
das der Freiheit auch für Kant maßgeblich. Schon in der Kritik der reinen Vernunft
heißt es wegweisend auch für die weitere Entwicklung seiner Transzendental-
philosophie: Die „Gesetzgebung der menschlichen Vernunft (Philosophie)“ hat
zwei Gegenstände: „Natur und Freiheit“; die Philosophie der Natur geht auf „alles,
was da ist; die der Sitten nur auf das, was da sein soll“ (KrV, B 868).³⁶ In ihrem
metaphysischen Teil ist sie als Erkenntnis aus reiner Vernunft entweder „specu-
lativ“ (theoretisch) oder „praktisch“; entsprechend gibt es eine (kritisch grund-
gelegte) „Metaphysik der Natur“ und eine „Metaphysik der Sitten“; die erstere
enthält die reinen Vernunftprinzipien vom „theoretischen Erkenntnisse aller
Dinge“, die letztere die Prinzipien, die das „Thun und Lassen“ a priori bestimmen
(die „Moral“) (KrV, B 869). In der Kritik der praktischen Vernunft kehren derartige
Bestimmungen wieder, wobei jetzt zugleich ausdrücklich gemacht wird, dass die
Vernunft sich in ihrem praktischen Gebrauch mit „Bestimmungsgründen des
Willens“ (KpV, Ak. 5, S. 15) beschäftigt. Nicht anders in der Kritik der Urteilskraft,³⁷

 Es ist vielsagend, dass ein so eminenter Kant-Forscher wie H. Oberer zwar zu einer immer
bestimmteren Fassung der Gliederung von Kants praktischer Philosophie in kritische Grundle-
gung einerseits und Metaphysik der Sitten (Ethik und Rechtslehre) anderseits gelangt ist, der
Systemeinteilung von theoretischer und praktischer Philosophie, von Theorie und Praxis selbst
jedoch nicht eigens auf ihren Grund geht, sondern das Verhältnis beider vor allem bezüglich des
Übergangs von der dritten Antinomie (der logischen Möglichkeit der Freiheit) in die praktische
Grundlegung (moralisch-praktische Wirklichkeit der Freiheit) behandelt. Vgl. Oberer ();
Oberer (); Oberer (); Oberer (). Dieser Übergang wird sich insofern als überflüssig
erweisen, als die objektive Realität der Freiheit schon innerhalb einer umfassenden, die Tran-
szendentalphilosophie selbst einbeziehenden ‚theoretischen‘ Philosophie dargetan werden kann,
es auch so etwas wie das ‚Faktum‘ der theoretischen Geltungsdifferenz gibt und damit das Be-
wusstsein des theoretisch Normiertseins im Theoretischen.
 Aristoteles: Eth. Nic., VI. Buch.
 Vgl. KrV, B .
 Vgl. KU, Ak. , S.  f., .

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Kants „Kategorien der Freiheit“ und das Problem der Einheit der Vernunft 319

wo Kant, „wie gewöhnlich“ (KU, Ak. 5, S. 171), die Philosophie in theoretische und
praktische und die korrespondierenden Gegenstände in Natur und Freiheit be-
ziehungsweise in theoretische Erkenntnis und Willensbestimmung beziehungs-
weise in Naturphilosophie und Moralphilosophie (als „praktische Gesetzgebung
der Vernunft nach dem Freiheitsbegriffe“) einteilt.³⁸
Eine über die historische Referenz hinausgehende zureichende Begründung
für diese Einteilung gibt es bei Kant nicht. Gerade angesichts seiner Ausführungen
in der „Architektonik der reinen Vernunft“ (KrV, B 860) zum Verhältnis von
Wissenschaft, architektonischer Einheit und der damit einhergehenden Not-
wendigkeit einer apriorischen Einteilung des Ganzen aus dessen Zweck, darf man
jedoch ebenso eingehendere Auskunft verlangen³⁹ wie wegen des Erfordernisses,
den objektiven Geltungsausweis apriorischer Begriffe durch eine transzendentale
Deduktion darzutun.
Aufgrund der historisch vorliegenden Lage differenziert Kant in einer Weise,
in der die aktive, leistende Komponente im menschlichen Verhalten, die es etwa
auch in der theoretischen und der ästhetischen Erkenntnis gibt, primär unter
‚praktischen‘ Gesichtspunkten thematisch wird und größtenteils bleibt. Die Kri-
tiker können entsprechend geltend machen, es fehle bei Kant ein die mannig-
faltigen Freiheitskonzepte beziehungsweise -ansätze seines Denkens umfassender
Freiheitsbegriff, der als Einheitsgrund seiner Spezifikationen zu dienen vermag.
Bei Kant herrscht die Bestimmung der Freiheit als praktischer Freiheit vor, mag er
durchaus auch fundamentale Aspekte eines allgemeineren Freiheitsbegriffs her-
ausgearbeitet haben.
Zweifelsohne ist Willensfreiheit als Selbstbestimmung des Wollens eine für
den Menschen eminente Freiheitsbestimmung, gleich, ob man sie, gemäß dem bei
Kant uneinheitlichen Sprachgebrauch, als ‚ethisch‘, ‚moralisch‘ oder ‚sittlich‘
qualifiziert. Zwar zeigt Kant in der dritten Antinomie, und damit innerhalb der
theoretischen Philosophie, dass Freiheit (qua Vermögen, spontan, also nicht-
kausaldeterminiert, zu handeln) denkmöglich, und im Rahmen seiner praktischen
Philosophie, dass sie wirklich ist.⁴⁰ Aber schon im Nachweis der Denkmöglichkeit
einer solchen kosmologischen Freiheitskausalität wird klar, dass es Kant vor allem
um die Möglichkeit moralischer Freiheit für unser Handeln zu tun ist (der die

 Vgl. KU Ak. , S. ,  f.,  u. ö.


 – wenn auch die Antwort nicht erwarten: vgl. KrV, B  f. über das Verhältnis des Urhebers
einer Wissenschaft zu der in seiner Wissenschaft wirksamen Idee.
 Zur Wandlung der kontrovers diskutierten diesbezüglichen Theoriebildung siehe etwa Düsing
(); Düsing () und Wagner (b); Wagner (a).

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320 Christian Krijnen

kosmologische Freiheit, auch transzendentale genannt, logisch vorhergeht).⁴¹ Die


„Freiheit im praktischen Verstande“ definiert er in der Kritik der reinen Vernunft
seinen Ethikschriften gemäß als „Unabhängigkeit der Willkür [beziehungsweise
des Willens; d. Verf.] von der Nöthigung durch Antriebe der Sinnlichkeit [Herv. d.
Verf.]“ (KrV, B 562) und als Vermögen des Menschen, sich in solcher Unabhän-
gigkeit „selbst zu bestimmen“. Hier wird all das praktisch genannt, was mit freier
Willkür zusammenhängt: „Praktisch ist alles,was durch Freiheit möglich ist“ (KrV,
B 828).⁴² Auf der Grundlage der gesicherten kosmologischen Freiheit der Kritik der
reinen Vernunft dreht sich sodann alles um die Willensfreiheit. In der praktischen
Philosophie (vor allem in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten und der Kritik
der praktischen Vernunft), in der die Wirklichkeit oder objektive Realität der
Freiheit dargetan wird, fasst Kant Freiheit von vornherein in der Perspektive des
‚Sittengesetzes‘ und damit im Kontext moralischer/sittlicher Erwägungen: Das
Problem des Wollens und dessen Geltungsbestimmtheit sind der Angelpunkt. Ein
freier Wille und ein Wille unter sittlichen Gesetzen sind ihm einerlei,⁴³ Wille und
praktische Vernunft fallen letztlich zusammen.⁴⁴
Vor dem Hintergrund der skizzierten Sachlage lässt sich gut verstehen, dass
von Fichte über Hegel, den Neukantianismus und die Phänomenologie bis in die
heutige Transzendentalphilosophie hinein Kants Gegensatz ‚theoretisch – prak-
tisch‘ beziehungsweise ‚Natur – Freiheit‘ als unzureichend empfunden wird, um
die innere Struktur der Vernunft zu explizieren, geschweige denn, dass die Moral
beziehungsweise das Praktische als höchste oder tiefste Systemsphäre fungiert.⁴⁵
Wie gesagt, praktisch ist für Kant alles, was durch Freiheit möglich ist.
Während die theoretische Philosophie in Kants Systematik nur zur logischen
Möglichkeit des Freiheitsbegriffs gelangt und über eine ‚negative‘ Bestimmung
von Freiheit (‚Nicht-Naturkausalität‘) nicht hinauskommt, lässt sich im Rahmen
der praktischen Philosophie nicht nur die objektive Realität des Freiheitsbegriffs
nachweisen, sondern sie liefert zugleich die ‚positive‘ Bestimmung des Frei-
heitsbegriffs. Darin liegt in Kants Systematik geradezu die Möglichkeit und die

 Vgl. KrV, B  f.,  f. – H. F. Fulda moniert zu Recht, Kants Idee von Freiheit in Verbindung
mit der allgemeinen Naturnotwendigkeit, also Kants kosmologische Freiheitsidee, sei vom Vorgriff
auf eine Metaphysik der praktischen Vernunft endlicher Subjekte geleitet.Vgl. Fulda (), S. ,
.
 Vgl. KrV, B  f.
 Vgl. GMS, Ak. , S. .
 Vgl. MSRL, Ak. , S. . Siehe auch KpV, Ak. , S. , , ; GMS, Ak. , S. , , ;
MSRL, Ak. , S. .
 Zum Einteilungsproblem des Systems siehe auch Krijnen (b), Kap.  ff. und Krijnen
(), speziell ....

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Kants „Kategorien der Freiheit“ und das Problem der Einheit der Vernunft 321

Aufgabe praktischer Philosophie. Sie hängt an der Gliederung ‚theoretisch –


praktisch‘ beziehungsweise ‚Natur – Freiheit‘.
Visiert man indes eine umfassende Philosophie der Erkenntnis an, die von
vornherein sowohl die Erkenntnis kultureller Sachverhalte einbezieht als auch
ihre eigene, philosophische Erkenntnis und dabei durchgängig zur Geltung bringt,
dass Erkenntnis selbst immer schon zweckbestimmt, nämlich wahrheitsorientiert,
ist, dann stellt sich heraus, dass Objektivität und Subjektivität der Erkenntnis,
objektive Geltung und subjektiver Vollzug der Erkenntnis intrinsisch zusam-
mengehören. Die Sphären des Theoretischen und des Praktischen lassen sich
folglich nicht mehr so trennen, dass sie sich jeweils begrenzen, dass das Theo-
retische oder die Natur aufhört, wo das Praktische oder die Freiheit anfängt. Auch
das erkennende Subjekt muss sich gemäß dem Gesetz theoretischer Verbind-
lichkeit verhalten können, wäre sonst doch keine Synthesis in Urteilen möglich.
So gesehen bildet Kants Gliederung keinen vollständigen Gegensatz: Es
kommt kein in sich begründetes Ganzes zustande, das die Vernunft ist. Vielmehr
müsste es ein übergreifendes ‚quasi-praktisches‘ Moment geben, das sich jenseits
des Gegensatzes von theoretisch und praktisch als Freiheit qualifiziert (ebenso wie
es ein übergreifendes ‚quasi-theoretisches‘ Moment geben müsste, das sich als
Normierungsdeterminante qualifiziert).
Es sind dies Gedankengänge, die so weit von denen Kants nicht liegen: In der
Pölitz-Metaphysik stellt Kant eingehende Betrachtungen über das Verhältnis von
Spontaneität und Freiheit an. Es ergibt sich ein enger, auch das Theoretische
einbeziehender Zusammenhang, den Kant trotz aller praktischen Färbung seiner
Ausführungen wie folgt formuliert: „Wenn ich sage: ich denke, ich handele etc.;
dann ist entweder das Wort Ich falsch angebracht, oder ich bin frei“ (V-Met-L1/
Pölitz, Ak. 28, S. 268 f.). Auf der Reflexionsebene eines solchen allgemeinen
Freiheitsbegriffs angesiedelt, lässt sich das Freiheitsproblem qua Nachweis der
objektiven Realität der Freiheit schon innerhalb der theoretischen Philosophie
lösen; denn die Freiheit qua Selbstbestimmung gemäß theoretischer Gesetzlich-
keit (Normativität) des erkennenden Subjekts erwiese sich als notwendige Be-
dingung möglicher Erkenntnis: Die Freiheit des Subjekts ist so objektiv real wie
theoretische Erkenntnis objektiv real ist.
Daraus ergeben sich gründliche Änderungen in der philosophischen Archi-
tektonik. Sie haben die nachkantischen Idealisten über Kant hinausgeführt. Ihnen
kam es nicht zuletzt auf die Herausarbeitung eines Freiheitsbegriffs an, der ein
durchgängiges, den Kant’schen Gegensatz ‚theoretisch – praktisch‘ umfassendes
und durchdringendes Verhältnis etabliert und folglich jeglicher Spezifikation von
Freiheit zugrunde liegt, gleich, ob der logischen Freiheit der Spontaneität, der
Willensfreiheit, der Handlungsfreiheit, der ästhetischen Freiheit usw. Freiheit
spielt schon in der theoretischen Philosophie der Gegenstandserkenntnis eine

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322 Christian Krijnen

Rolle, denn sie ist Bestimmungsstück jeglicher vernünftigen Tätigkeit. Kants Ar-
chitektonik muss daher als unzulänglich erscheinen: Vernünftig ist alles, was
durch Freiheit möglich ist.

3 Vollzug und Realisierung der Geltung


1) Jedenfalls sieht es so aus. Im Folgenden will ich jedoch eine bei Kant eher
implizit gebliebene Unterscheidung herausarbeiten, die das skizzierte Verhältnis
von theoretischer und praktischer Vernunft kompliziert und der Architektonik
Kants insofern zu einer vertieften Plausibilität verhilft, als es wenigstens der Sache
nach gelingt, Freiheit zu einem durchgängigen Begriff zu machen, ohne dabei die
Möglichkeit einer Spezifizierung des Praktischen zu verlieren und ohne das
Theoretische in einem unkantischen Primat der praktischen Vernunft zu fundieren
oder Kants Ansatz einer übergreifenden Aktivitätsbestimmung gar zu einer
Selbstbewegung des Begriffs beziehungsweise zur Selbsterkenntnis der Idee als
Geist zu modeln.
Dazu muss man den Subjektbegriff als Begriff des agens, also des Aktiven oder
Handelnden, präziser in seiner Funktion fassen, als es Kant selbst getan hat,
dessen Begriffe von Freiheit, Spontaneität und Autonomie den Interpreten immer
wieder Rätsel aufgegeben haben und nach wie vor aufgeben. Ohne eine be-
stimmtere Einsicht in die Aktivität der Vernunft, bleibt Kants Architektonik opak.
Die übliche Entgegensetzung von Erkennen und Wollen trägt dem Wollen im
Erkennen gewiss ungenügend Rechnung. Gleichwohl ist es trotz aller Überwin-
dungsversuche mindestens erstaunlich, dass die Entgegensetzung von theoreti-
scher und praktischer Vernunft, ob bei Hegel oder im Neukantianismus etwa,
zurückkehrt, wenn auch in einem modifizierten Gewand.
Angesichts der Textlage, die bezüglich des Einheitsproblems unbefriedigend
ist, kann man im strikten Sinne kaum sagen, der Kant’sche Ansatz gebe eine
übergreifende Aktivitätsbestimmung her. Vielmehr handelt es sich um einen
Beitrag zur Konstruktion eines solchen Ansatzes. Meine diesbezügliche These ist,
dass die Differenz zwischen Aktivität qua Aktvollzug der Geltung und damit dem
Subjekt qua logischer Vollzugsinstanz (Intentionalität, Akt)⁴⁶ einerseits und Ak-
tivität qua Verwirklichung der Geltung und damit dem Subjekt qua Realisie-
rungsinstanz (Selbstgestaltungsinstanz) anderseits in hinreichender Bestimmtheit

 – es ist hier nicht erforderlich, das Subjekt als intentionaler Grund vom Subjekt als Voll-
zugsgröße der Intention (Akt) zu unterscheiden. Ich nehme beide Bestimmungen für gewöhnlich
zusammen als logische Qualifikationen der Vereinzelungsdimension der Geltung.

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Kants „Kategorien der Freiheit“ und das Problem der Einheit der Vernunft 323

hervorgekehrt werden muss. Das Subjekt ist Vereinzelungsinstanz der Geltung in


logischer wie in realer Hinsicht.
2) Kants transzendentales Denken in der Kritik der reinen Vernunft zielt auf die
Bestimmung der Ermöglichungsstruktur von Erkenntnis. An diesem transzen-
dental-subjektivitätstheoretischen Fundierungsgedanken unterscheidet er einen
objektiv-logischen und einen subjektiv-logischen Aspekt.⁴⁷
Der objektiv-logische Aspekt betrifft die Synthesis als Verbindung von reinem
Verstand und reiner Sinnlichkeit. Ihr Zusammenwirken konstituiert den Gegen-
stand der Erkenntnis. Es stellt sich heraus, dass der Gegenstand der Erkenntnis
seiner Form oder Gegenständlichkeit nach konstituiert ist durch Regeln bezie-
hungsweise durch die Regelhaftigkeit des Denkens, letztlich durch die sich in den
Kategorien entfaltende transzendentale oder ursprüngliche Einheit der Apper-
zeption. Die sogenannten ‚subjektiven‘ Bedingungen fundieren die Gegenständ-
lichkeit des Denkens, genauer: das Gegenständliche im Denken, die Gegen-
ständlichkeit des Gegenstandes. Der gegenständliche Sinn ist in der Eigenbe-
stimmtheit des Denkens, in dessen Synthesisfunktionen begründet.⁴⁸
In diese objektiv-logische Thematik der Gegenstandskonstitution spielt eine
subjektiv-logische Thematik hinein. Kant wendet sich nämlich auch dem gel-
tungsfunktionalen Zustandekommen der Gegenstandskonstitution durch das
Zusammenspiel von „Erkenntniskräften“ zu, betrachtet den „Verstand“, wie es
heißt, auch „in subjectiver Beziehung“ (KrV, A XVI f.). Die Thematik der Subjek-
tivität der Erkenntnis betrifft die Erkenntnis als Vollzug, also nicht die Gegen-
ständlichkeit des Gegenstandes, sondern die Gegenstandsgerichtetheit des Den-
kens. Das Subjekt erweist sich hier als der intentionale Grund der Erkenntnis.
Diese – für Kant sekundäre – Thematik spielt in der A-Auflage der Kritik, wo Kant
eingehend verschiedene Synthesisformen diskutiert,⁴⁹ eine wesentlich größere
Rolle als in der B-Auflage. Mit den Synthesisformen der Apprehension, Repro-
duktion und Rekognition bestimmt er die Vollzugsstruktur der Erkenntnis. Durch
den Erkenntnisvollzug wird „alle Erfahrung, als ein empirisches Product des
Verstandes möglich [Herv. d. Verf.]“ (KrV, A 98). Die Wirklichkeit der Erkenntnis
also (nicht deren Bestimmtheit) kommt durch die Formen der Synthesis qua
Momente des Erkenntnisvollzugs zustande.
Dieser Bezug auf das Subjekt als Vollzugsinstanz bleibt insofern durchgängig
erhalten, als die transzendentale Deduktion nicht nur auf den rein bestim-

 Vgl. Krijnen (a).


 Die „Einheit, welche den Gegenstand nothwendig macht“, ist nichts anderes als die „formale
Einheit des Bewußtseins in der Synthesis des Mannigfaltigen der Vorstellungen“ (KrV, A ).
 – die „Apprehension in der Anschauung“, die „Reproduction in der Einbildung“ und die
„Recognition im Begriffe“ (KrV, A  ff.).

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324 Christian Krijnen

mungslogischen Aspekt des Gegenstandes durch den urteilsmäßigen, kategorialen


Apparat abstellt, sondern zugleich eine apperzeptionstheoretische Pointierung
hat, die der Bestimmungsfunktionalität des Urteils über den Begriff der Sponta-
neität des Bestimmens einen subjektiv-logischen Nebensinn zukommen lässt.⁵⁰
Sie betrifft die Bestimmungskompetenz des ‚Ich denke‘, die das erkennende
Subjekt für sich beansprucht. Mit der Etablierung dieser Kompetenz etabliert Kant
im Grundsatz der synthetischen Einheit der Apperzeption, geltungstheoretisch
gesehen, zugleich ansatzweise das konkrete Subjekt. Indem es nämlich urteilt,
apperzipiert es sich als der Gegenstandsbestimmung kompetent. Das erkennende
empirische Subjekt wird als ein solches qualifiziert. Kant zufolge zeichnet es sich
durch eine Beziehung nicht nur auf das Mannigfaltige der sinnlichen Anschauung
aus, das es apperzipiert und das, wie Kant sagt, „in demselben Subject […] an-
getroffen wird“, sondern auch durch eine Beziehung auf das, wie Kant sagt, „Ich
denke“, welches „muß alle meine Vorstellungen begleiten können“ (KrV, B 131 f.).
Ohne die Inanspruchnahme dieser Bestimmungskompetenz gibt es keine Ge-
genstandsbestimmung. Gegenständliche Vorstellungen sind keine bloßen Zu-
standsmodifikationen des Subjekts, sondern Ergebnis einer Synthesis von Man-
nigfaltigem.
Das Mannigfaltige der sinnlichen Anschauung und das Denken kommen in
einem konkreten, jeweiligen Subjekt zusammen und stehen beide unter der Be-
dingung der transzendentalen Einheit des Selbstbewusstseins als dem funda-
mentalen und durchgängigen Geltungsprinzip der Erkenntnis. Erkenntnis ist
Bestimmung des Gegenstandes durch ein denkendes Subjekt. Dieses erweist sich
als logische Vollzugsinstanz der Geltung und damit als ein unerlässliches Moment
der Erkenntnisbeziehung, als Funktion der Geltungsvereinzelung, als intentio-
naler Grund der Erkenntnis. Kant fasst diesen Erkenntnisvollzug, diese „Verbin-
dung […] eines Mannigfaltigen überhaupt“ als einen „Actus der Spontaneität“
(KrV, B 129 f. u. ö.). Er fasst ihn also nicht als Freiheit. Gleichwohl muss dieser Akt
der Spontaneität einen ‚Zustand von selbst anfangen können‘, das heißt nicht
durch Naturkausalität bestimmt, sondern ein (transzendental, kosmologisch)
freier Akt sein,⁵¹ ist er doch durch objektive Erkenntnisgesetzlichkeit bestimmbar:
Der Freiheitsbegriff entspringt insofern der urteilslogischen Aktanalyse.
Es spricht nichts dagegen, eine solche Intentionalitätsstruktur auch im
Praktischen angelegt zu sehen; denn in der praktischen Philosophie wird die
Willkür als bestimmbar durch den reinen Willen gedacht. Das Subjekt als inten-

 Für eine Interpretation, in der Kants Apperzeptionstheorie in die Bestimmungslogik integriert


wird, siehe Flach (), S.  ff.
 Vgl. KrV, B .

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Kants „Kategorien der Freiheit“ und das Problem der Einheit der Vernunft 325

tionaler Grund ist im Theoretischen wie im Praktischen wirksam, auch wenn sich
die logische Struktur theoretischer und praktischer Geltungsvollzüge unter-
scheidet, wodurch Akte zu spezifisch theoretischen beziehungsweise praktischen
Akten werden. Eine nähere Charakterisierung der spezifischen Differenzen müsste
den oben schon berührten Kontrast zwischen theoretischer Vernunft bezie-
hungsweise Erkennen und praktischer Vernunft beziehungsweise Wollen her-
vorkehren, also Selbstbestimmung (Freiheit) qua Bestimmung einer anderswoher
gegebenen Mannigfaltigkeit und Selbstbestimmung (Freiheit) qua Bestimmung
der Willkür durch den Willen thematisieren, sagen wir kurz: äußere Selbstbe-
stimmung und innere Selbstbestimmung.
3) Darauf kommt es hier jedoch nicht an. Es kommt vielmehr darauf an, dass
im Praktischen das intentionale Subjekt nicht bloß als Korrelationsmoment im
Gefüge einer Geltungsgesetzlichkeit in Anspruch genommen und in dieser
Funktion sodann philosophisch thematisch wird, sondern auch in einer anderen
Hinsicht: in einer Hinsicht, in der es zwar im Theoretischen ebenfalls wirksam,
aber eben nicht thematisch ist, da für die Geltungsbestimmtheit des Theoretischen
irrelevant. Das intentionale Subjekt ist im Praktischen nämlich philosophisch
thematisch in Bezug auf die Gründe seiner Selbstbestimmung, das heißt bezüglich
der Weise seines Determiniertseins durch die Geltung. Daraus ergibt sich eine
eigene Art der Geltungsgesetzlichkeit: die praktische.
Praktische Vernunft und Wille fallen bei Kant bekanntlich zusammen. Die
praktische Vernunft betrifft die Bestimmung des Willens und damit die Bestim-
mungsgründe des Willens. Vernünftiges Begehren ist Begehren aufgrund von
‚Begriffen‘, ‚Grundsätzen‘, ‚Regeln‘, ‚Zwecken‘, ‚Prinzipien‘, kurz: nicht von
sinnlichen, sondern von begrifflichen Vorstellungen. Solches Begehren betrifft
damit nicht unmittelbar das Subjekt als intentionalen Grund und damit als lo-
gische Vollzugsinstanz der Geltung, sondern als Realisierungsinstanz der Geltung.
Dies wird deutlich, blickt man auf Kants Bestimmungen praktischer Vernunft:
a) Während die theoretische Vernunft mit der Erkenntnis von Gegenständen
zu tun hat, die ihr „gegeben“ sind, geht es der praktischen Vernunft darum, ihre
Gegenstände, gemäß ihrer Erkenntnis, „wirklich zu machen“, das heißt, die
praktische Vernunft hat es zu tun mit einem „Willen“ (KpV, Ak. 5, S. 89). Sie bezieht
sich auf Gegenstände, die sie selber hervorbringen und damit verwirklichen kann;
in ihrem praktischen Gebrauch nämlich bestimmt die Vernunft den Willen durch
die Vorstellung von Objekten und verhilft diesen sodann mittels der Kausalität des
Willens zur Existenz, das heißt, sie werden realisiert. Der Gegenstand des Be-
gehrens, das Begehrte, ist nicht der Wille, sondern unsere Handlungen und deren
(beabsichtigte) Folgen. Während der Gegenstandsbezug theoretischer Vernunft
(also der theoretischen Vernunfterkenntnis) darin besteht, den Gegenstand „bloß
zu bestimmen“, besteht der Gegenstandsbezug praktischer Vernunft (sprich der

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326 Christian Krijnen

praktischen Vernunfterkenntnis) darin, den Gegenstand auch „wirklich zu ma-


chen“ (KrV, B IX f.). Während die theoretische Erkenntnis (Erfahrung) sich aus-
zeichnet durch ein rezeptives Verhältnis zu ihrem Gegenstand, zeichnet sich die
praktische Erkenntnis (Wollen) aus durch ein aktives, produktives Verhältnis zu
ihrem Gegenstand: Bestimmung und Verwirklichung des Willens gehören in der
praktischen Vernunft zusammen. Gegenstand der „praktischen Erkenntniß“ zu
sein, heißt, wie Kant auch einmal formuliert, „die Beziehung des Willens auf die
Handlung, dadurch er, oder sein Gegentheil, wirklichgemacht würde“ (KpV, Ak. 5,
S. 57).⁵² Das Begehrungsvermögen ist für Kant geradezu das Vermögen, „durch
seine Vorstellungen Ursache von der Wirklichkeit der Gegenstände dieser Vor-
stellungen zu sein“ (KpV, Ak. 5, S. 9 Anm.).
b) Die praktische Vernunft betrifft, logisch gesehen, zunächst die Gründe der
Willensbildung und damit die Gründe der Zwecksetzung selbst.Willensbildung ist
Zwecksetzung, Setzung des zu Begehrenden. Hinsichtlich der Bestimmungs-
gründe des Willens qua „Vermögen der Zwecke“ (KpV, Ak. 5, S. 59)⁵³ unterscheidet
Kant, grob gesprochen, technisch-praktische und moralisch-praktische Prinzipi-
en, je nachdem, ob der die Kausalität des Willens bestimmende Begriff ein Na-
turbegriff (letztlich: Glückseligkeit) ist oder der Freiheitsbegriff qua reine Selbst-
bestimmung und damit die Geltung selbst.⁵⁴ Es handelt sich dabei um zwei
Ebenen der Selbstbestimmung des konkreten Subjekts, nicht um das Subjekt als
Aktvollzugsgröße: Das Subjekt als Aktvollzugsgröße ist in der Selbstbestimmung
des konkreten Subjekts vorausgesetzt. Indem die praktische Vernunft zunächst die
Gründe der Zwecksetzung selbst betrifft, betrifft sie die Selbstgestaltung eines
Zwecke setzenden (und sodann verwirklichenden) Subjekts und damit eines
realen, konkreten Subjekts. – Das Verhältnis von Wille und Willkür bringt beide
zusammengehörenden Momente des menschlichen Begehrungsvermögens der-
gestalt zum Ausdruck, als es zum einen die Dimension der Bestimmung des
Willens, zum anderen die Verwirklichung des Willens durch Handlungen in den
Vordergrund rückt: Handlung und Bestimmungsgrund der Handlung gehören
zusammen,⁵⁵ die praktische Vernunft deckt sowohl die Dimension der Bestim-
mungsgründe als auch die der Entscheidung zur Ausführung des Willens ab.
c) Die Unterscheidung von Subjekt qua logischer Vollzugsgröße und qua
konkretem und damit realem Subjekt der Selbstbestimmung, das heißt der
Selbstgestaltung, lenkt den Blick schließlich auf eine dritte Bestimmung Kants, die

 Siehe auch GMS, Ak. , S. : Hier denkt Kant den Willen als Vermögen, sich selbst gemäß der
Vorstellung von Gesetzen zum Handeln zu bestimmen.
 Vgl. KU, Ak. , S. ; MSTL, Ak. , S. .
 Vgl. KrV, B , ; GMS, Ak. , S.  ff.; KU, Ak. , S. . Siehe auch MSRL, Ak. , S. .
 Vgl. MSRL, Ak. , S. ,  ff.

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Kants „Kategorien der Freiheit“ und das Problem der Einheit der Vernunft 327

relevant ist, um zu einem bestimmten umfassenden Freiheitsbegriff zu gelangen:


Kant kennt auch „Handlungen des Verstandes“ (KrV, B 94).⁵⁶ Dieser Handlungs-
begriff ist jedoch sehr weit; er ist nicht auf den Bereich des Praktischen beschränkt
beziehungsweise auf das absichtliche Herbeiführen eines Ereignisses in der Au-
ßenwelt.⁵⁷ In diesem weiten Sinne heißt ‚handeln‘ ganz allgemein: bewirken, ei-
nen Effekt hervorbringen. Insofern handeln auch Gemütskräfte wie Verstand oder
Wille. Dabei entnimmt Kant den Terminus „Handlung des Verstandes“ zwar der
neuzeitlichen Logik,⁵⁸ gibt dieser Redeweise jedoch eine urteilstheoretische
Wendung: Der Verstand ist ihm ein Vermögen zu urteilen und die „Functionen des
Verstandes“ lassen sich über die „Functionen der Einheit in den Urtheilen“ finden.
Für das architektonische Einheitsproblem ist dieser weite Handlungsbegriff
insofern unergiebig,⁵⁹ als es zur Bewältigung dieses Problems um ein besonderes
Bewirken, nämlich um ein Bewirken aus Freiheit, gehen muss:⁶⁰ nicht um agere,
sondern um facere. Der enge Handlungsbegriff der Metaphysik der Sitten ist da
mehr als hilfreich. Hier bestimmt Kant „That“ als eine den „Gesetzen der Ver-
bindlichkeit“ unterworfene Handlung; folglich kommt das „Subject“ nach der
„Freiheit seiner Willkür“ und damit als „Urheber der Wirkung“ in Betracht.
Handlung und Wirkung können dem Subjekt „zugerechnet werden“ (MSRL, Ak. 6,
S. 223). Den Aktor einer solchen Handlungskonstellation bezeichnet Kant als
„Person“, das heißt dasjenige Subjekt, „dessen Handlungen einer Zurechnung
fähig sind“.
Gerade wenn man (α) den Verstand als geltungsfunktionalen Inbegriff auf-
fasst, dann handelt er im skizzierten engen Sinne nicht. Er, beziehungsweise
allgemein gesprochen: die Vernunft, ist vielmehr ein Inbegriff von Geltungsge-
setzen, denen das erkennende Subjekt als Vollzugsinstanz der Geltung unter-

 Vgl. KrV, B .


 Siehe dazu Gerhardt (); Zimmermann (), S. , Anm. .
 Siehe dazu Brandt (), S.  – .
 Siehe auch KrV, B , wo Kant Handlung mit „Kraft“, „Thätigkeit“ und „Substanz“ verbindet
und ganz allgemein fasst als Verhältnis von „Subject“ qua Substratum (Substanz) zur „Wirkung“.
Vgl. KrV, B  ff. Siehe zudem den Abschnitt „Was heißt handeln“ in der Pölitz-Metaphysik. Dieser
Abschnitt ist auch deshalb interessant, weil Kant hier „agere“ als Handeln im weiten Sinne un-
terscheidet von „facere“ als „Thun“ qua Handeln in einem engen Sinne: Handeln aus Freiheit.
Über agere und facere siehe auch KU, Ak. , S. .
 K. Reich arbeitet, wie Kant in der Kritik der reinen Vernunft, mit diesem weiten Handlungs-
begriff, wenn er die Handlung als „Funktion“ erwägt, die sich dann gerade als „Gesetz“ (Reich
(), S. ) der Handlung ergibt. Als Gesetz (bzw. Einheit, Identität) der Handlung ist sie selbst
freilich keine Handlung im Sinne dessen, was ihr als Fall des Gesetzes unterworfen ist.

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328 Christian Krijnen

worfen ist, wodurch sich die Geltung (als Prinzip) vereinzelt (zum Konkretum).⁶¹
Dass die Vernunft gemäß Kants transzendentaler Wende in der Begründungs-
problematik sich selbst das Gesetz gibt,⁶² das heißt autonom ist, ändert nichts an
diesem Sachverhalt; denn die so gefasste Autonomie betrifft die Bestimmtheit des
Gesetzes, also des Geltungsgrundes selbst. (β) Auch das Subjekt als bloße Akt-
vollzugsgröße, die das Mannigfaltige zur Einheit synthetisiert, handelt im engen
Sinne nicht; denn als solche Vollzugsinstanz ist es gar nicht als Person, sondern
nur als logisches Moment der Erkenntnisgesetzlichkeit in Anspruch genommen
und damit allenfalls als logisches Vereinzelungsmoment der Geltung. (γ) Als
Person, und folglich als sinnlich-intelligible Einheit, als reales, konkretes Subjekt,
als Entität, die nicht nur durch Natur bestimmt, sondern auch durch Freiheit
bestimmbar ist, ist der Mensch Thema der praktischen Philosophie Kants. Diese
kehrt also, anders als die theoretische Philosophie, die Sollensbestimmtheit selbst
des Subjekts hervor. Auch die Annahme beziehungsweise das Verwerfen von
Regeln oder Zwecken ist eine Handlung des (inneren) Willkürgebrauchs; hier
kommt das Subjekt als Person in Betracht und damit eine eigentümliche, eine
praktische Gesetzlichkeit ins Spiel. Das Subjekt ist als das reale Subjekt, das es ist,
thematisch als Realisierungsinstanz der Geltung.

4 Schluss
Mit den Verfechtern einer unkantischen Primatlehre der praktischen Vernunft im
Sinne eines allgemeinen, das Theoretische und Praktische übergreifenden Frei-
heitsbegriffs lässt sich gegen Kant ins Feld führen: Das Subjekt als Aktvollzugs-
größe muss als bestimmbar durch Geltungsgesetzlichkeit, also nicht nur bestimmt
durch Naturgesetzlichkeit, und daher als frei gedacht werden. Theoretische und
praktische Vernunft können nicht wie bei Kant gegeneinander definiert werden.
Gegen die Verfechter eines umfassenden Freiheitsbegriffs lässt sich aus Kant’scher
Sicht wiederum ins Feld führen: Die Bestimmbarkeit des Subjekts durch Freiheit
ist nicht eigens Thema der theoretischen Philosophie, sondern der praktischen
Philosophie. Hier geht es um die Selbstgestaltung des Subjekts. Gemäß Kants
Architektonik ist sie per definitionem praktisch, letztlich gar moralisch. Jegliche
Zwecksetzung, auch das Streben nach theoretischer oder ästhetischer Erkenntnis,
unterliegt als Zwecksetzung praktischer Gesetzlichkeit, mag sich das Subjekt im

 – im Kontext der praktischen Philosophie sagt Kant auch einmal, nicht der Wille, sondern die
Willkür sei frei (vgl. MSRL, Ak. , S. ).
 Vgl. die berühmten Formulierungen aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS,
Ak. , S.  ff.,  f.). Siehe auch KpV, Ak. , S. .

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Kants „Kategorien der Freiheit“ und das Problem der Einheit der Vernunft 329

Zuge seiner Selbstgestaltung auch theoretischer oder ästhetischer Gesetzlichkeit


unterwerfen. Als eine solche Unterwerfung unterliegt sie der praktischen Ge-
setzlichkeit. Diese beeinträchtigt als praktische also nicht die theoretische oder
ästhetische Eigengesetzlichkeit, sondern betrifft das Verhältnis des Subjekts qua
Realisierungsinstanz zur Geltung.
Angesichts dessen ließe sich zwar nicht dem Buchstaben, sehr wohl aber dem
Geist nach von einem Primat der praktischen Vernunft sprechen: von einem Pri-
mat der Selbstgestaltung im Sinne einer generellen Umspannungsfähigkeit
praktischer Normativität und damit der Geltungsverwirklichung. Sofern die
praktische Vernunft rückgebunden ist an eine allgemeine Vernunfttheorie der
theoretischen Vernunft, ließe sich analog auch von einem Primat der theoreti-
schen Vernunft als Primat der objektiven Geltung des und jedweden Normieren-
den reden.
Lässt man dies als eine Strapazierung von Kants Architektonik gelten, dann
bricht eine entscheidende Differenz zu Hegel auf, der, ebenfalls von Kant aus-
gehend, zu einer grundlegend anderen Vernunftarchitektonik kommt. Während
etwa im Neukantianismus oder in der Transzendentalphilosophie der Gegenwart
Kants Selbstgestaltungsmodell sich, wenn auch in stark modifizierter Form, da-
hingehend gehalten hat, dass überhaupt die Welt des Menschen konzipiert wird
als Ergebnis von Selbstgestaltungsverhältnissen, ganz gleich, welcher Art nor-
mativer Gesetzlichkeit sich das verdankt (samt einem dazugehörigen Geltungs-
primat der ‚theoretischen‘ Vernunft), löst Hegel das Selbstgestaltungsmodell
durch ein Selbsterkenntnismodell ab. In diesem Modell geht es um die Selbster-
kenntnis der absoluten Idee als des absoluten Geistes, und entsprechend erweist
sich die Logik nicht nur als erste, sondern durch die Realphilosophie hindurch
auch als die letzte Wissenschaft des philosophischen Systems. Die Evaluation von
Kants Einheitsmodell der Vernunft liefe, ginge man die Evaluierungsaufgabe
gründlich an, auf eine Auseinandersetzung mit der – freilich von den üblichen
ontologisch-geistmetaphysischen Vorurteilen befreiten – Hegel’schen Option
hinaus und also mit dem womöglich bedeutendsten ebenjener radikalen Umin-
terpretationen Kant’scher Positionen und Intentionen,⁶³ die bislang beiseitege-
lassen wurden – die aber Freiheit zum Ursprung des philosophischen Systems
machen.⁶⁴

 Vgl. Krijnen (); Krijnen ( b); Krijnen (); Krijnen ().
 Indem Freiheit bei Hegel dem spekulativ verstandenen Begriff selbst zugedacht wird, ergibt
sich ein anderes Freiheitsverständnis als bei Kant: Freiheit als durchgängiges Bei-sich-selbst-Sein
im Anderen. Vgl. Fulda (). Bezüglich der Einheit der Vernunft gehen damit auch epistemo-
logische Fragen einher, wie sie Zeidler () in seinem Versuch umtreiben, Kants urteilslogi-
schen Ansatz schlusslogisch zu verwandeln.

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