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Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien

Video-Thema – Manuskript & Glossar

Wiener Kaffeehäuser sind Weltkulturerbe

Der Kaffee und die Kaffeehäuser gehören zu Wien wie seine berühmten Sehenswürdigkei-
ten. Früher hatten die Kaffeehäuser eine große gesellschaftliche Bedeutung. Schauspie-
ler, Schriftsteller, Politiker trafen sich dort. Die Kaffeehäuser waren ein wichtiger Ort für
das gesellschaftliche und kulturelle Leben. Aber auch heute sind sie noch typisch für die
Kultur der österreichischen Stadt. Deshalb hat die UNESCO die Wiener Kaffeehäuser jetzt
zum Weltkulturerbe ernannt.

MANUSKRIPT ZUM VIDEO

SPRECHER:
Wien - das ist die Staatsoper, Kaiserin Sissi oder die Albertina. Und neben fast jeder Se-
henswürdigkeit findet man auch ein Kaffeehaus. Das Café Mozart aus dem Jahre 1794
prägt das Stadtbild ebenso wie die Künstlertreffs Central und Hawelka. Das Stammca-
fé des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard behauptet sich neben dem "Sa-
cher" mit seiner berühmten Torte und der Wiener Kette Aida aus den 1950er Jahren. In
direkter Nähe zum Burgtheater steht seit 1873 eines von Wiens größten Kaffeehäusern,
das "Landtmann". Das Café mit seinen gut 300 Plätzen im historischen Ambiente schät-
zen Einheimische wie Touristen.

GÄSTE 1:
Hier fühlt man sich wie vor 100 oder 150 Jahren.

GAST 2:
Es ist ganz einfach schön hier, ja!

GÄSTE 3:
Ins Kaffeehaus zu gehen, das hat bei uns Tradition und ist gemütlich und das hat was
Gewohntes. Das machen wir einfach sehr gern.

SPRECHER:
Das "Landtmann" hat immer schon Künstler angezogen. Zu den Gästen gehörten auch
viele Schauspieler wie Curd Jürgens, Romy Schneider oder Peter Ustinov. Die Besitzer
des "Landtmann" haben die UNESCO-Bewerbung unterstützt.

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BERND QUERFELD (Betreiber des "Landtmann"):


Es ist eine Riesenverantwortung eigentlich, wenn man sagt, naja, bewahren wir unsere
Traditionen, leben wir unsere Traditionen, führen wir sie fort und vermitteln sie. Das ist
eigentlich der Wunsch der UNESCO. Ich halte es für einen interessanten wichtigen
Schritt, den Menschen die hier in der Stadt leben oder auf Urlaub sind, zu sagen, wir er-
achten das als schützenswert.

SPRECHER:
Was genau die Wiener Kaffeehauskultur ausmacht, ist schwer zu fassen. Im Zuge der
UNESCO-Ehrung arbeitet der Club der Wiener Kaffeehausbesitzer gerade an einer Liste
mit Kriterien. Erste Ergebnisse: ein Sortiment an Zeitungen, eine große Kaffeeauswahl,
behagliche Beleuchtung, hausgemachte Torten und Nachtische, Kaffeehausmusik, ein
Glas Wasser noch zur kleinsten Kaffeegröße, dem kleinen Braunen, und der typische Wie-
ner Kaffeehaus-Ober. Kaffeehäuser - das sind aber vor allem gemütliche Warte- und Auf-
enthaltsräume für die der Gast Zeit mitbringen sollte.

BERND QUERFELD:
Schnippen geht gar nicht und eilig haben geht auch nicht, weil: Der Wiener wird sagen,
so eilig können sie es gar nicht haben. Gnädig heißt das. Gnädige Frau, so gnädig kön-
nen Sie es nicht haben. Jetzt sind Sie zwei Stunden gesessen, jetzt brauchen Sie auch
nicht in Eile verfallen.

SPRECHER:
Kaffeehausliteraten wie Karl Kraus oder Arthur Schnitzler gibt es kaum noch. Dafür fin-
den im "Landtmann" heute viele Geschäftsgespräche oder Pressekonferenzen statt: Bei
aller Tradition: Kaffeehäuser wollen auch modern sein. Wie die Kaffeehäuser der Zukunft
aussehen könnten, das zeigen junge Kreative gerade in einem so genannten Designlabor
im Wiener Museum für angewandte Kunst. Der Kaffeehaus-Spezialist Gregor Eichinger
gab den Anstoß für das "große Wiener Kaffeehausexperiment".

GREGOR EICHINGER (Architekt und Designer):


Das Kaffeehaus ist ein Ort, an dem die Bewohner der Stadt sichtbar werden. Und dieser
Ort wird dermaßen interessant und angenehm gemacht, dass man sich eigentlich nur
noch darauf konzentrieren kann, dass man kommuniziert oder sich informiert, das man
nachdenkt oder arbeitet.

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SPRECHER:
Die Designer entwarfen beispielsweise Fächer zwischen den Stühlen und Tischen, die
der Gast je nach Kommunikationsbedürfnis mit seinem Nachbarn schließen und öffnen
kann oder eine Box, in der der Ober das Handy versenkt, so dass der Gast seine volle
Aufmerksamkeit auf sein Gegenüber lenken kann.

GREGOR EICHINGER:
Eine Besonderheit ist, dass das Wiener Kaffeehaus aufgrund seiner Größe Raum und
Zeit anbietet und auf der Rechnung steht dann aber nur der Kaffee.

SPRECHER:
Doch geht diese Rechnung für die traditionellen Häuser auf? Schließlich wird auch das
Wiener Stadtbild immer mehr von Kaffeeketten erobert.

BERND QUERFELD:
Der Konsum von Kaffee steigt, der Stellenwert von Kaffee steigt, und - und da helfen
auch die Ketten mit.

SPRECHER:
Im Landtmann beschwert sich jetzt niemand mehr, wenn ein Caffè Latte, der in Wien auch
"Kaffee verkehrt" heißt, 4,70 Euro kostet. Die Ketten haben ähnliche Preise – und das oh-
ne die nun von der UNESCO ausgezeichnete Wiener Kaffeehauskultur.

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GLOSSAR

Kaffeehaus, das – die Bezeichnung für große Cafés in Österreich

Weltkulturerbe, das – der Titel für etwas, das ganz besonders bedeutend für die Kultur ist
und geschützt werden sollte; den Titel vergibt die → UNESCO

etwas prägen – etwas bestimmen

Stadtbild, das – die Art, wie eine Stadt aussieht

Künstlertreff, der – ein Ort, an dem sich Künstler treffen

Stammcafé, das – das Café, in das man sehr oft geht

sich behaupten – hier: existieren können

Torte, die – ein runder Kuchen mit viel Sahne

Kette, die – hier: eine Firma, die viele Filialen hat (zum Beispiel das Café Starbucks)

Ambiente, das – die Atmosphäre

etwas schätzen – etwas mögen; etwas gut finden

Einheimische, die (Plural) – die Leute, die hier wohnen

gewohnt – vertraut; gut bekannt

jemanden anziehen – hier: jemanden zu sich ziehen; jemanden locken

UNESCO, die (aus dem Englischen) – die Abkürzung für United Nations Educational,
Scientific and Cultural Organization (deutsch: Organisation der Vereinten Nationen für Er-
ziehung, Wissenschaft und Kultur)

bewahren – schützen; erhalten

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Riesenverantwortung, die – umgangssprachlich für: die sehr große Verantwortung

etwas fortführen – etwas weitermachen

etwas vermitteln – hier: etwas bekannt machen

etwas für etwas halten – finden, dass etwas so ist

etwas als schützenswert erachten – finden, dass etwas geschützt werden sollte

etwas ausmachen – hier: etwas bestimmen

im Zuge von etwas – gleichzeitig mit etwas

Ehrung, die – die Auszeichnung; der Preis

Club, der – hier: Gruppe von Personen, die ein bestimmtes Interesse haben

schwer zu fassen sein – schwer zu erklären sein

Kriterium, das – das Merkmal

Sortiment, das – die Auswahl; das Angebot

behaglich – gemütlich

Beleuchtung, die – das elektrische Licht in einem Raum

hausgemacht – selbst gemacht

Ober, der – der Kellner

schnippen (umgangssprachlich) – ein Geräusch mit den Fingern machen

etwas geht gar nicht (umgangssprachlich) – etwas ist absolut unpassend

es eilig haben – nur wenig Zeit haben

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gnädig (aus dem Wiener Dialekt) – hier: eilig

gnädige Frau, die – eine altmodische, sehr höfliche Anrede

sie sind gesessen (aus dem Wiener Dialekt) – eigentlich: sie haben gesessen

in etwas verfallen – hier: plötzlich etwas tun

Kaffeehausliterat, der – Schriftsteller, der im Kaffeehaus schreibt

Designlabor, das – Ort, an dem Neues entwickelt wird

anwenden – benutzen

Angewandte Kunst, die – eine Bezeichnung für eine Kunstrichtung, die Gegenstände
erfindet, die man auch in der Praxis benutzen kann

Anstoß, der – hier: der Gedanke, der die Ursache für etwas ist

dermaßen – in dem Maße

entwerfen – erfinden

Fächer, der – ein Gerät, das man mit der Hand hin und her bewegt, um kühle Luft zu er-
zeugen

versenken – hier: verschwinden lassen

seine Aufmerksamkeit auf sein Gegenüber lenken – sich auf die Person, die einem
gegenüber sitzt, konzentrieren

aufgrund - wegen

die Rechnung geht auf – umgangssprachlich für: etwas klappt

Häuser, die (Plural) – hier: Cafés

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etwas erobern – hier: mehr und mehr bestimmen

Stellenwert, der – die Bedeutung

Caffè Latte (aus dem Italienischen) – ein Kaffee mit Milch, deutsch: der Milchkaffee

etwas/jemanden auszeichnen – etwas/jemanden ehren; etwas /jemandem einen Preis


geben

Autoren: Charlotte Radziwill/Bettina Schwieger


Redaktion Raphaela Häuser

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