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Seminararbeit Kommunikation und Sprache im Internet WS 2010/2011

Kommunikation und Sprache im Internet

Seminararbeit

Forschungsseminar: Neuere psychologische Fachliteratur


LV-Nr.: 720180
Leiter: Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Leidlmair

von

Thomas Abbrederis

Uwe Leonbacher

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Seminararbeit Kommunikation und Sprache im Internet WS 2010/2011

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ........................................................................................................................................ 3
I. Kommunikation
1. Geschichte des Internets ......................................................................................................... 4
2. Aufbau des Internets ................................................................................................................ 5
3. Kommunikation im Internet ................................................................................................... 8
3.1. Allgemeines ................................................................................................................ 8
3.2. Arten von Kommunikation ................................................................................... 12

II. Sprache
1. Comptervermittelte Kommunikation ................................................................................ 14
2. Besonderheiten der Sprache der comutervermittelten Kommunikation .................. 14
3. Anonymität .............................................................................................................................. 15
4. Pseudonyme und Identitätsbildung / Selbstdarstellung ................................................ 16
5. Besonderheiten der Sprache ................................................................................................ 17
6. Netzjargon ................................................................................................................................ 19
Fazit ................................................................................................................................................ 20
Literaturverzeichnis .................................................................................................................... 21

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Einleitung

Das Internet ist das größte technologische Phänomen der Geschichte. Es wird dazu genutzt Daten
auszutauschen und damit zu kommunizieren. Diese Arbeit soll verdeutlichen wie das Internet
aufgebaut ist und wie dadurch die Wege der Informationen gekennzeichnet sind. Es wird auf die
verschiedenen Arten der Kommunikationswege eingegangen und im zweiten Teil auf deren
sprachlichen Inhalt und die daraus resultierenden Phänomene.

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I. Kommunikation

1. Die Geschichte des Internets

Als Reaktion auf den ersten Weltraumflug des sowjetischen Satelliten Sputnik wurde 1957 die
amerikanische Behörde ARPA (Advanced Research Projects Agency) gegründet. Zweck dieser
Behörde sollte die Erforschung militärischer Technologien sein und daher stand den
Wissenschaftlern genügend Budget zur Verfügung. Paul Baran hatte in diesem Rahmen die Idee des
Computernetzwerks, welche aus der Überlegung heraus entstand, bei einem gezielten
Nuklearangriff trotzdem noch die Infrastuktur für militärische Kommunikation aufrecht zu erhalten.
Die Idee des Netzwerks war geboren und 1969 wurden 3 Computer miteinander durch Leitungen
verbunden, das ARPANET. Mit der Einführung des TCP/IP (Transmission Control
Protocol/Internet Protocol) von Robert Kahn und Vinton Cerf 1973 war es nun möglich
verschiedene Netzwerke miteinander zu verbinden. Seit damals wächst die Zahl der verbunden
Computer und der verbunden Netzwerke exponentiell:

Quelle: http://web.eecs.utk.edu/~miturria/project/hostgrowth.gif
[Stand 07.03.2011]

1972 wurde von Ray Tomlinson die Email erfunden; er entwickelte ein Protokoll, welches das
Schreiben, Versenden und Lesen von Elektronischen Nachrichten ermöglichte. 1989 entwickelten

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Robert Cailliau und Tim Berners-Lee am europäisches Kernforschungszentrum CERN das HTML
(HyperText Markup Language), ein Protokoll das nun auch für Laien die Nutzung des Internets
ermöglichte. Zusammen mit der Entwicklung des ersten Browsers Mosaic (1992), mit dessen Hilfe
von die Protokolle nun auf jedem Rechner graphisch wiedergegeben werden konnte, war das WWW
geboren. 1990 wurde schließlich die Hardware die Hardware des ARPANET entfernt und das
Internet wird 1993 für kommerzielle Zwecke geöffnet.

2. Aufbau des Internets

1983 wurde von der International Organization for Standardization ISO das Schichtenmodell für
den Aufbau des Internets eingeführt. Unter dem Namen Open System Interconnection Reference
Model OSI werden 7 Schichten beschrieben die die einzelnen Kommunikationsstandards festlegen.
Dieses Modell gibt vor wie und wann welche Daten verarbeitet werden.
Folgende graphische Darstellung zeigt den Aufbau:

Da die technischen Einzelheiten zu weit führen würden, wird im Folgenden nur kurz auf die
Aufgaben der einzelnen Schichten eingegangen:

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1. Bitübertragungsschicht
Diese Schicht bezeichnet die physikalische Form der Datenübertragung, vereinfacht gesagt die
Leitungen. Es kommt darauf an aus welchem Material diese Leitungen sind (z.B. Kupfer, Glasfaser
oder Luft bei Funk), wie lang diese sind und welche Funktion sie haben (Datenübertragung in eine,
in zwei oder gleichzeitig in zwei Richtungen) um entsprechende Ansprüche zu stellen.

2. Sicherungsschicht
In dieser Schicht geht es darum die Daten in Pakete zu teilen und korrekt zu versenden. Hierbei
wird jedes Datenpaket mit Nummern versehen und am Ende überprüft ob Fehler in der Verarbeitung
aufgetaucht sind und ob Pakete beim Versenden verloren gegangen sind. Bei hervortretenden
Fehlern werden diese behoben.

3. Vermittlungsschicht (Netzwerkschicht)
Wie weiter oben schon beschrieben setzt sich das Internet aus vielen einzelnen Netzwerken
zusammen. Die Aufgabe der Vermittlungsschicht ist das Finden eines Pfades von Sender zu
Empfänger. Dabei werden die verschiedenen Knotenpunkte analysiert und ein Weg ausgewählt.
Vergleichbar mit einem Studenten der in den 4. Stock in einen Seminarraum will; er kann den Lift
oder die Treppe nehmen, aber auch einen Stock mit dem Lift fahren und den Rest laufen, falls der
Lift im 1. Stock stecken bleibt usw... . Diese große Auswahl an Möglichkeiten wird berechnet und
dann die Entscheidung getroffen, welcher Weg genommen wird und welche Alternativen bei
Störungen zur Verfügung stehen.

4. Transportschicht
In dieser Schicht werden die Datenpakete und der Datenstrom überwacht und beim Empfänger
wieder in korrekter Reihenfolge zusammengesetzt.

5. Sitzungsschicht (Kommunikationsschicht)
Die Sicherungsschicht sorgt für die Stabilität der Verbindung. Falls die Verbindung unterbrochen
wird, werden hier Möglichkeiten gefunden diese wieder herzustellen.

6. Darstellungsschicht
Diese Schicht wird auch als Dolmetscher bezeichnet, da sie die verschiedenen Formate von Sender

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und Empfänger übersetzt. Zum Beispiel einen Text der in deutsch mit Zeichen wie „ä“, „ö“ und „ü“
geschrieben ist, kann nicht in allen Anwendungen so dargestellt werden. Deswegen würde diese
Schicht ein „ä“ in ein „ae“ umformen, falls notwendig. Die Bildschirmauflösung bei der
Darstellung von Internetseiten wäre ein weiteres Beispiel.

7. Anwendungsschicht
Die letzte Schicht in diesem Modell bietet schließlich für den Nutzer durch Dateneigabe Zugang auf
die einzelnen Anwendungen des Internets wie z.B. Email oder Browser (Internet Explorer, Firefox,
usw.).

Die folgende Darstellung zeigt den Lauf der Daten; die Eingabe der Daten erfolgt auf dem
Endsystem A auf Schicht 7 und wird dann von allen darunter liegenden Schichten verarbeitet und
dann versendet. Endsystem B decodiert diese erhaltenen Daten „von unten nach oben“ und
letztendlich kann der Nutzer diese wiederum be- bzw. verarbeiten.

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3. Kommunikation im Internet

"Kommunikation ist der Prozess des Austausches (senden und empfangen) von Informationen
zwischen zwei oder mehreren Personen."

(http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Kommunikation.shtml)
[Stand 07.03.2011]

Für jede Art von Kommunikation werden spezielle Kanäle gebraucht. Bei einem Gespräch
zwischen zwei Menschen wären die „technischen“ Daten die Frequenz mit der die Stimmbänder des
Senders, die Luft als Medium, das Sammeln des Schalls in der Ohrmuschel und das Verarbeiten
durch das Trommelfell und die Gehörknochen. Den technischen Aufbau dieser Kanäle für das
Internet wurde im oberen Absatz Rechnung getragen, doch nun soll genauer beschrieben werden wo
diese Kanäle errichtet werden und was sie charakterisiert.

3.1. Allgemeines

Wie bereits oben dargestellt gehen alle Daten zuerst durch die technische Verarbeitung und dann auf
„Reisen“. Welche Wege der Datenstrom nimmt, kann durch das Kommando trace route
„tracert [beliebige IP-Adresse oder Homepage]“
in der Windows-Konsole eingegeben werden. Für ein Beispiel von meinem Computer auf die Seite
der Universität Innsbruck:

Diese Darstellung zeigt die Netzwerkknotenpunkte an die durchlaufen werden, bis mein privater
Computer auf dem Server der Universität Innsbruck Daten abrufen kann. Mit Hilfe von
Internetseiten wie z.B. http://www.yougetsignal.com/tools/visual-tracert/ [Stand 07.03.2011] kann

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man sich die Wege der Informationen auch graphisch darstellen lassen,
http://www.geobytes.com/traceroutelocator.htm?GetLocation#MessagePath [Stand 07.03.2011]
zeigt an, in welcher Stadt sich das Ziel befindet und auf
http://www.giveawayoftheday.com/graphical+traceroute/ [Stand 07.03.2011] gibt es einige
kostenlose Programme mit denen man genau verfolgen kann welchen Weg die Informationen gehen
und wo eventuell mitgehört werden kann.
Anders als bei persönlichen Gesprächen kann man im Internet nicht beeinflussen wer mithört bzw.
mitliest. Meiner Meinung nach würden viele Leute anders kommunizieren, wenn sie wüssten wie
einfach es ist Daten abzufangen. 1996 wurde The Internet Archive gegründet und mithilfe dieses
Dienstes kann jeder Internetnutzer „in die Vergangenheit reisen“. Auf
http://www.archive.org/index.php [Stand 07.03.2011] kann jede beliebige Internetseite betrachtet
werden, wie sie in der Vergangenheit ausgesehen hat:

http://www.uibk.ac.at/ [Stand 21.02.2000]:

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http://www.uibk.ac.at/ [Stand 06.03.2011]:

Inzwischen werden auch Fotos und Audiodateien und Videos gespeichert. Dieses Archiv, was zur
Recherche für Forscher, Historiker und generell Interessierte Nutzer betrieben wird, zeigt, dass alles
was durch das Internet kursiert irgendwo gespeichert wird. Dieses Archiv ist öffentlich und
kostenlos und die Datenbank umfasst 150 Milliarden Seiten. Dies lässt vermuten, dass Militärs und
Geheimdienste sämtliche Daten speichern, die durch das Internet gesendet werden und dadurch
theoretischen Zugang zu allen Informationen haben, die die Nutzer tagtäglich im Internet
kommunizieren. Diese gewaltige Menge aufzuarbeiten schützt meiner Meinung nach die
Privatsphäre des Nutzers, denn zur Zeit können Informationen aus z.B. Texten, Bildern, Videos,
usw. nur von Menschen interpretiert werden und daher sind die zeitlichen Ressourcen zur
Aufbereitung der Datenmenge limitiert.
Wie groß diese Datenmenge ist lässt sich nur sehr schwer abschätzen. Vermutungen kann man
anstellen wenn man weiß, wie viele Menschen tatsächlich das Internet benutzen. Laut der Website
http://www.internetworldstats.com/ sind es knapp unter 2 Milliarden Menschen [Stand 07.03.2011]:

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Laut dem Video http://www.youtube.com/watch?v=lrYvdx9MyiI [Stand 07.03.2011] werden täglich


fast 247 Milliarden Emails versendet, 234 Millionen Webseiten werden betrieben und es würde über
412 Jahre dauern bis man alle Youtube-Videos gesehen hat.
Diese Zahlen sprechen für die unvorstellbare Fülle an Daten und Informationen die durch das Web
kommuniziert werden.
Um Nachzuvollziehen welche Informationen weltweit oder regional gerade von Bedeutung sind,
gibt es die Seite http://www.google.com/trends. Hier wird aufgelistet was z.B. in den USA gerade
am meisten gegoogelt wird. Für detaillierte Suchen stellt Google den Dienst Google Insight bereit;
http://www.google.com/insights/search/. Hier können, wie im Seminar bereits demonstriert,
verschiedene Begriffe eingegeben werden um herauszufinden wie oft und wo nach dem Begriff
gesucht wurde:

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Bei den genannten Beispielen handelt es sich jedoch um passive Interaktionen für den Nutzer. Die
Betreiber von beispielsweise einer Nachrichtenseite wollen die auf der Website bereitgestellten
Informationen verbreiten, um von einer gewissen Leserschaft aufgenommen zu werden. Diese Art
der Kommunikation setzt keine besondere Beziehung von Sender und Empfänger voraus. Im
folgenden Abschnitt wird nun auf die verschiedenen Arten von Kommunikation im speziellen
eingegangen.

3.2. Arten von Kommunikation

Im vorherigen Abschnitt wurde kurz auf die passive Kommunikation eingegangen in der ein
Empfänger von einer allgemein zugänglichen Quelle Informationen erhält, so kommuniziert die
Regierung zum Beispiel neue Gesetze über ihre Internetseite http://www.ris.bka.gv.at/ und durch
diese Veröffentlichung wird die Unwissenheit der Bürger ausgeschlossen.
Allgemein kann man folgende Formen von Kommunikation unterscheiden:

1 – n (einer zu vielen): In dieser Form gibt es einen Sender der Informationen an viele andere
sendet, zum Beispiel ein Dozent in einer Vorlesung, eine Zeitung mit den verschiedenen Artikeln
oder eben eine Website mit Gesetzen.

n – m (viele zu vielen): Beispiele hierfür sind Chatrooms, Diskussionsrunden oder Social Networks
(wie z.B. http://www.facebook.com/).

1 – 1 (eins zu eins): Ein Sender und ein Empfänger stehen im Wechselseitigen Austausch, face-to-
face oder durch irgendein Medium (Telefon, Chatprogramm, usw.) verbunden.

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Die Tabelle gibt einen Überblick über einige Kommunikationsmöglichkeiten im Internet:

Bezeichnung überwiegende Beschreibung / Beispiele


Form
Chat 1–n/n-m die Kommunikation erfolgt in Echtzeit / IRC, SPIN-Chat
1–1 / ICQ, MSN
Voicechat 1–1 Programme die ermöglichen über das Internet miteinander zu
reden und gleichzeitig zu schreiben / Battlecom, Teamspeak
Videochat 1–1 Programme mit deren Hilfe über das Internet sowohl Bild- als
auch Sprachübertragung ermöglicht wird / Skype, Google
Videochat
Forum n–m hier werden Informationen zeitversetzt zwischen meist mehreren
Nutzern ausgetauscht / http://portal.sowi-forum.com/,
http://www.psychologieforum.info/forum/index.php
Blog 1–n eine Person veröffentlicht Nachrichten und mehrere andere lesen
diese / Twitter, Failblog
Stream 1–n Bild- und/oder Tonübertragung im Internet, analog zu TV und
Radio / http://www.atdhenet.tv/
Videosharing 1–1/1–n man antwortet auf ein gesehenes Video mit einem anderen
Video / Youtube - Videoantworten
Kommentieren 1–n zu Beiträgen wie Videos, Nachrichten Artikel, usw. werden
Kommentare abgegeben bzw. andere Kommentare kommentiert /
http://www.youtube.com/, http://sueddeutsche.de/
Social Network alle Kombination aus allen Formen der Darstellung von
Informationen und deren Verarbeitung / Facebook, StudiVZ
Voice over IP 1–1 Telefonieren über das Internet sowohl mit anderen
Internetnutzern sowie mit Festnetz Telefonen
Email 1–1/1–n Analog zu Briefen, schriftliche Form der
Informationsübertragung

Die Liste beansprucht keine vollständige Darstellung sämtlicher Möglichkeiten und Formen der
Kommunikation und deren Mischformen, verschafft jedoch einen Überblick wie sich alte
Technologien (Telefonie → Voicechat, VoIP, Stream) zu neuen entwickeln und wie komplett neue
Formen der Kommunikation entstehen (z.B. Videosharing, Social Networks).
Im nun Folgenden Kapitel soll im Speziellen auf den Inhalt in diesen Kommunikationsformen
eingegangen werden; die Sprache bzw Schriftsprache im Internet.

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II. Sprache

1. Computervermittelte Kommunikation

Wie eingangs erwähnt beschreibt die Computervermittelte Kommunikation jede Art von
Verständigung zwischen Menschen, die über Computer encodiert und decodiert wird.

Erfolgten früher die meisten Internetkontakt noch unter Fremden, wie beispielsweise in öffentlichen
Chatrooms oder Foren, so geht es heute wieder vermehrt darum, bereits bestehende soziale
Kontakte weiterzuführen. Hierbei zu erwähnen wären die in jüngster Zeit äußerst populären Medien
Skype oder Facebook, in welchen eine Interaktion hauptsächlich zwischen bereits bekannten
Personen stattfindet

2. Besonderheiten der Sprache der computervermittelten


Kommunikation

Bis auf wenige Ausnahmen (wie z.B. Videokonferenzen via Skype) muss die computervermittelte
Kommunikation ohne verbale und nonverbale Verständigungsmittel wie Gestik, Mimik, Stimmlage,
Betonung etc. auskommen.

Wichtige Kriterien stellen laut Professor Leidlmair (2001, S.132) die „fehlende Möglichkeit des
„Sich-ausagierens“ sowie die „Geschwindigkeit des Nachrichtenflusses“ dar.

Damit ist gemeint, dass der User beim Schreiben stets am Computer sitzt und sich kaum bewegt.
Dem schnellen Wechsel der Gesprächsinhalte zu folgen erfordert ein hohes Maß an Konzentration.
Man kann nicht gestikulieren oder beispielsweise sich Wegdrehen bei Ärger, alles an Emotion und
Inhalt muss über die Tastatur wiedergegeben werden.

Weitere Probleme der rein textbasierte Kommunikation liegen im Nichtvorhandensein des


unmittelbaren Hörerrückmeldeverhalten in Form von Mimik (z.B. Unverständnis oder Skepsis

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im Gesicht des Gegenübers), oder auch Gestik, wie beispielsweise Schulterzucken als Zeichen von
Unwissenheit.
Dies führt häufig zu Missverständnissen. Man kann seinen Text nicht unmittelbar revidieren oder
erklären, außer der Kommunikationspartner würde sein Unverständnis direkt im Antworttext
kundgeben.

Allerdings sei bei dieser Eigenheit des Chattens angemerkt, dass viele Nutzer auch angeben, genau
dieses „Fehlen“ sei auch der „Reiz“ an der Sache. Wäre das nicht so interessant könnte man ja auch
gleich per Video kommunizieren, was von der Bandbreite her mittlerweile kein Problem mehr
darstellt.

Dadurch kommt es zudem auch verstärkt zu einer Bedeutungsprojektion in die Nachrichten des
Gesprächpartners. Da die jeweilige Interpretation abhängig ist, von der Stimmung des Lesers, aber
auch davon, wie gut sich die Kommunikationspartner kennen.
Zusätzlich sollte der Takt der Antworten aufeinander abgestimmt sein.
Dies fördert Attraktivität des Gegenübers und ein kontinuierliches Gespräch aufrechtzuerhalten
gestaltet sich leichter, wenn der Takt in dem die Messages eingehen mit dem eigenen Takt zu
antworten harmoniert.

3. Anonymität

Die (Teil-)Anonymität in Chatrooms oder Foren begünstigt zwar Offenheit, Kreativität und
Freiraum – allerdings (ver-) führt sie gerade in Kommunikationssituationen auch zu erhöhter
Emotionalität bis hin zu Aggressivität

Ein Problem hierbei ist die Entpersonalisierung durch das Internet und die Kommunikation, die
nicht mehr Face-to-Face stattfindet.
Durch die Projektion, Interpretation und die Fixierung auf den Bildschirm kommt es zu einer
Gruppendynamik mit komplexen sozialen Strukturen.
Dies geht einher mit erhöhter Emotionalität – einer „Potenzierung der Gefühle“.
Beleidigungen häufen sich und somit verwundert es nicht, dass bereits auch diverse
Informationsseiten existieren welche rüpelhaftem Verhalten entgegenwirken sollen.

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Diese Verhaltensregeln werden allgemein als Netzetiquette (Netiquette) bezeichnet.


Die Netiquette ist eine von Internetnutzern selbst geschaffene Liste mit Verhaltensregeln für
die Kommunikation im Internet Sie sollen daran erinnern dass am anderen Ende doch noch ein
Mensch sitzt und ging ursprünglich aus dem Usenet hervor.

Als weitere durchaus positive Aspekte der computervermittelten Kommunikation sind jedoch die
Multimedialität sowie die Interaktivität anzusehen. So können Text-, Ton- und
Bildelemente in einer Kommunikation relativ schnell zusammengefügt werden und Inhalte
veranschaulicht beziehungsweise vermittelt werden.

4. Pseudonyme und Identitätsbildung/Selbstdarstellung

Eine Eigenheit von chats oder Foren ist es mit einem Pseudonym beziehungsweise einem
Nickname seine eigentliche Identität zu verschleiern, aber auch sich für die Zeit der Telepräsenz
unverwechselbar zu machen. Der Nickname ist der Schlüssel zur Kontaktaufnahme (Sassen, 2000).
Da er von jedem selbst gewählt werden kann dient dieser auch als ein Akt der Selbstinszenierung.

Der gewählte Username vermittelt stets eine mehr oder weniger unterschwellige Botschaft, und
führt zu einer ersten Einschätzung durch andere.
So wecken z.B. Namen wie „honey86“ oder „Gänseblümchen123“ andere Assoziationen
als das allseits beliebte „Cybergirl“ oder etwa „Gravedigger“.
Die Pseudonyme sollen zum Teil Hinweise auf bestimmte Interessensbereiche und
kommunikative Einstellungen geben, ganz abgesehen von den geschlechtsspezifischen
Implikationen des jeweiligen Pseudonyms (Siever, Schlobinski & Runkehl 2005)
Diese Namen werden meist mit großem Bedacht gewählt, da sie mehr als im realen Leben zur
Bildung eines ersten Eindrucks herangezogen werden.
Oft werden neben dem eigentlichen Namensteil, welcher rein spekulative Vermutungen bezüglich
der Person zulässt, auch noch Teile eingebaut, die auf eindeutige Merkmale hinweisen sollen. Zum
Beispiel können die Buchstaben m oder w für männlich oder weiblich stehen.

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Zahlen weisen üblicherweise auf das Alter der Person hin, wobei dies etwas verwirrend sein kann,
da die Angabe entweder als Geburtsdatum (meist nur Zweistellig z.B. 86) oder als Alter ausgedrückt
in Jahren angegeben wird.
Ab und zu lassen sich in solchen Pseudonymen auch noch Hinweise auf Wohnort, sexuelle
Orientierung oder Ähnliches finden.
Wichtig ist natürlich zu bedenken, dass keine dieser Informationen korrekt sein muss, auch wenn
eine Person glaubwürdig erscheint. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Pseudo-
Identifizierbarkeit.
Ein günstiger Eindruck muss nicht unbedingt ein positiver sein muss. Entscheidend für eine
gelungene Selbstdarstellung ist lediglich die erfolgreiche Darstellung der eigenen Person in
gewünschter Weise.

Die Wahl des Benutzernamens ist also ein wichtiger, wenn auch nur einer von vielen Schritten zur
Etablierung einer Netzidentität.

Ein weiterer, beliebter Schritt zur Identitätsbildung beziehungsweise Selbstdarstellung, ist die
Verwendung einer so genannten Signatur am Ende von Nachrichten. Diese sind vor allem in
Onlineforen, oder im Emailverkehr sehr gebräuchlich und ermöglichen dem User eine Art
Standardbotschaft automatisch jeder versandten Nachricht anzufügen.
Wie leicht vorzustellen ist, sind diese Signaturen von verschiedenartigsten Inhalten, diese reichen
von Verkaufsangebote über Informationen welches Auto der User fährt bis hin zu Zitaten oder
kurzen Gedichten.

5. Besonderheiten der Sprache

Wie eingangs erwähnt fehlt es der computervermittelten Kommunikation an wesentliche


Bestandteile der realen Kommunikation, wie Gestik, Mimik, Tonlage und Betonung sowie ein
unmittelbares Hörerrückverhalten.
Auffallend ist auch die sich im Laufe der Zeit, eigens entwickelte Sprache, welche die Regeln der
Rechtschreibung ohne Probleme außer Kraft setzt.

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Häufig gezeigte Sonderformen:


• Assimilationsformen: „war’s“
• Reduktionsformen: „nich“
• Iterationen: „waaaaaaas?“
• Satzabbrüche
• umgangssprachliche Ausdrucksweisen Dialektismen
• Lautwörter: „igitt“, „aua“
• Tastaturfehler:
o Verdreher („gluabst“ statt glaubst)
o Anschlagfehler (z.B. „Bibliothelen“)
o Fehlerhafte Groß- und Kleinschreibung („HALLO“, „das auto“ etc.)

In diesem Zusammenhang ist oft auch von „Oralliterarität“ (Voigt, 2003) oder „schriftlichen
Mündlichkeit“ (Sandbothe 1997) die Rede.

Die netzspezifische Sprache zeichnet sich durch drei Funktionen aus:

• zum einen die Ökonomiefunktion:


Durch eine Verkürzung der Sprache wird Aufwand und Zeit gespart.

• Identitätsfunktion:
Entsteht durch die Verwendung ganz spezifischer Expressionszeichen (auf die ich gleich noch
eingehen werde) und Fachbegriffe

• Interpretationsfunktion:
Bedeutet, dass über die Verwendung von Umgangssprache, spezieller Zeichen oder auch
durch Tippfehler weitere Informationen über den Kommunikationspartner selbst gegeben
werden bzw. wie der Inhalt interpretiert werden soll.

Mit der Zeit haben sich dadurch in der Internetsprache ganz spezifische Charakteristika
herausgebildet, welche als Netzjargon bezeichnet werden.

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6. Netzjargon

Akronyme
Darunter versteht man eine Sonderform von Abkürzung, bei welcher ein Kurzwort aus den
Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet wird, wobei auch häufig Wortteile verwendet werden.
Im Netzjargon werden diese häufig zur Beschreibung von Gefühlen oder Stimmungen benutzt.
Beispiele hierfür wären etwa „lol“ welches das Akronym von „laughing out loud“ ist, was soviel
heißen soll, wie dass der Chatter lachen muss. Oder „hdl“ als deutsches Beispiel welches für „hab
dich lieb“ stehen soll.
Häufig werden die Verkürzungen zwischen Sternchenzeichen gesetzt, um eine Handlung wie
Grinsen (*g*) zu verdeutlichen, welche in diesem Augenblick geschieht

Homophone Abkürzung

Eine andere Form der Abkürzungen (aber nicht mit den den Akronymen zu verwechseln) welche
sich dadurch auszeichnen, dass sie laut gelesen ebenso klingen als wären sie ausgeschrieben.
So wird das englische „see you“ einfach mit „cu“, oder „night“ durch „n8“ abgekürzt.
Man findet also eine durchaus lautmalerische, onomatopoetische Sprache.

Emoticons

Zum Netzjargon zählen auch die „Emoticons“. Dieser Begriff setzt sich zusammen aus den
Wörtern, „emotion“ und „icon“ und bezeichnet ein Zeichen (icon) für ein Gefühl (emotion).
Gebildet werden Emoticons durch Schriftzeichen, welche im Zusammenhang ein Bild
Ergeben(„ :-) “). Sie sind dem Smiley nachempfunden. So kann ein Autor, um seine gute oder
schlechte Stimmung auszudrücken.

Nötig werden diese Zeichen – ebenso wie die, moderneren Smileys ( Bezeichnung für in Grafiken
umgewandelte Emoticons ), da bei der computervermittelten Kommunikation Mimik, Gestik und
Stimmlage des Gesprächspartners wegfallen und somit die Notwendigkeit besteht, seine Gefühle
oder Betonungen anderweitig zu verdeutlichen.

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Leetspeek
Eine andere Form der Sprache im Internet und zugleich Möglichkeit, sich von anderen Usern
abzugrenzen, bietet die „Leetspeak“. Hier werden Buchstaben durch ähnlich aussehende Zahlen
ersetzt. Dieses Wort leitet sich ab vom „englischen Wort elite“ und wird meistens geschrieben als
„1337“. Die Ersetzung durch Zahlen nutzt die optische Ähnlichkeit von Zahlen und Sonderzeichen
zu Buchstaben.
Die gängigsten Übertragungen sind „1“ anstelle von „I“ oder „l“, die Zahl „3“ für ein „E“, eine „7“
statt eines „T“
Ursprünglich wurde diese Sondersprache genutzt, um zu verhindern, dass abgehörte E-Mails
oder andere digitale Dokumente automatisch von Computern ausgelesen und gefiltert werden
können.
Inzwischen stellt sie eine Art Geheimsprache dar, welche die Abgrenzung einer Community von
anderen (unerfahrenen) Internetnutzern ermöglicht.

Grund für diese Eigenarten des Netzjargons ist vor allem die Zeitknappheit für Antworten
aufgrund der hohen Textflussgeschwindigkeit während des Chats. Zudem wird versucht, Textinhalte
wie Emotionen möglichst knapp und treffend auszudrücken um somit
möglichen Missverständnisse oder langen Erklärungen vorzubeugen.

Fazit

Aus all diesen Besonderheiten folgt, „Die Sprache des Internet erweist sich als
ausgesprochen innovativ. Die Innovationen stehen in einem Zusammenhang zu den
besonderen Bedingungen der Kommunikationsform“ (Haase, Huber,
Krumeich&Rehm 1997). Innovationen und Sprache gehen hier also Hand in Hand.
Sprache war immer schon von den Medien abhängig, in denen es publiziert wurde
und diese Medien haben auch immer zu der Veränderung der Sprache beigetragen.

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Literaturverzeichnis

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Döring, N. (1997). Kommunikation im Internet: Neun theoretische Ansätze. In Batinik,


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Leidlmair, K. (2001). Sexualität im Netz – Wenn die Schrift zur Stimme wird
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http://www.urbanfischer.de/journals/sexuologie
Runkel, J., Schlobinski, P., Siever, T. (1998), Sprache und Kommunikation im
Internet, 27-115, Westdeutscher Verlag
Sandbothe M. (1997). Digitale Verflechtungen. Eine medienphilosophische Analyse
von Bild, Sprache und Schrift im Internet. Beck, Klaus & Gerhard Vowe (Hrsg.).
Computernetze – ein Medium öffentlicher Kommunikation? Berlin. S 145-157.

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Siever T., Schlobinski P., Runkehl J. (2005). Websprache.net. Sprache und


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