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DER WASSERSTOFF.

Beispiel einer phänomenologischen Betrachtung


im Gegensatz zur heute üblichen atomistischen.
(Aus dem wissenschaftlichen Forschungsinstitut.)

Wilhelm Pelikan.

Gelegentlich des West-Ostkongresses der anthroposophischen Bewegung in Wien wurde


versucht zu zeigen, wie lebensfeindliche Atomistik und blindgewordene, bloß äußerliche
Phänomenologie in allen Wissenschaftsgebieten überwunden werden soll durch lebendigen
Goetheanismus. Ein dort gegebenes Beispiel, nur ein erster, schwacher Schritt allerdings, soll
hier wiedergegeben werden.
In der Chemie hat die heute übliche Betrachtungsweise das Bestreben, in maschinell-
mechanisch gedachten Atommodellen die Ursache aller Stoffäußerungen zu sehen; diese letzten
Ursachen allen Seins, diese Atommodelle von Bohr und Anderen müssen aber ihrem Wesen
nach eingestandenermaßen ebenso unbegreiflich sein, wie das allererste, ärmlichste Phänomen,
das sie zu erklären vorgeben.
Es wird nur die Arbeit, die man an dem ersten Phänomen mutig zu leisten hatte, immer weiter
geschoben, bis sie endlich auf das tote Geleise des Atommodells geschoben ist, und dort
vergessen wird.
Diesen Atomgespenstern der Gegenwart wurde durch Anthroposophie ein neuer Weg im
Herausbilden realer Wesensbilder der einzelnen Stoffe und Prozesse entgegengestellt.
Es ist hier versucht, ein solches reales Wesensbild, das des Wasserstoffs, herauszuarbeiten;
und jeder wird zugeben, wenn er dies hier Versuchte nachlebt und fortsetzt, das er nun wirklich
im innersten Erleben weiß, was der Wasserstoff ist. Er wird das geistige Band der einzelnen
Phänomene gefunden haben, während er früher wohl eine Unsumme von Einzeltatsachen
wusste, aber nichts vom Wesen des Wasserstoffs.
Das Gas der Gase, der Wasserstoff, soll sich uns erschließen.
Wenn wir vom Wasserstoff sprechen und zunächst das äußerlichste, seine Verbreitung, ins
Auge fassen, werden wir sogleich auf ein Universales, Umfassendes gewiesen; ein kosmisches
Element tritt uns in ihm entgegen, das sich in fast alle Äußerungen, die uns von nahen und
fernen Himmelskörpern zukommen, hineinmischt.
Das Spektroskop lässt seine Wirksamkeit auf der Sonne, auf den fernen Fixsternsystemen, bis
zu den letzten Spiralnebeln der Milchstraße erkennen. Wir werden auf einen Stoff aufmerksam,
der in eminentester Weise als ein in die Wirkungen des ganzen Kosmos Hineingeborenes zu
erkennen ist.
Wenn wir von der kosmischen in die irdische Wirkungssphäre schweifen, tritt er uns in ebenso
mannigfaltiger und umfassender Weise entgegen. Nicht nur die Ozeane, sondern auch jedes
Lebende auf unserer Erde muss sich auf die Kräfte des Wasserstoffs in irgendeiner Weise
stützen. Mit dem Kohlenstoff, dem Sauerstoff und dem Stickstoff ist er ja eine der materiellen
Grundlagen des Lebens.
Auch die systematische Chemie muss seine umfassende Wesensnatur anerkennen; er schwebt
in rätselhafterweise über dem periodischen System, kann nicht recht in es eingeordnet werden;
der Instinkt der Chemiker hat in ihm (Proutsche Hypothese) seit jeher etwas wie einen
Urzustand der Materie geahnt, und die modernsten Atomspekulanten versuchen hier wieder, ihn
als einen Grundbaustein der Materie in allen anderen chemischen Grundstoffen zu entdecken.
Wenn wir nun von jener äußerlichen zu einer mehr innerlichen Betrachtungsweise übergehen,
offenbart sich uns, in immer zahlreicheren Phänomenen immer deutlicher, die Wesensnatur des
Wasserstoffs. Wir wollen diese Wanderung Schritt für Schritt fortsetzen.
Der Wasserstoff ist das leichteste Gas, der Stoff, der uns die Natur des gasförmigen Zustandes
am reinsten darstellt. Seine Dichte, bezogen auf Luft, beträgt 0,694, 1 Liter wiegt bloß

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0,089873g. Seiner Leichtigkeit zufolge strebt er am kräftigsten von allen Stoffen, die wir
kennen, von der Erde weg, strebt am mächtigsten danach, sich auszudehnen in den ganzen
Kosmos. Was die Gasnatur auszeichnet, ist ihm im stärksten Maße eigen.
Hier ist es notwendig, einen Einblick in die Natur des gasförmigen Zustandes überhaupt zu
tun. Wenn der feste Körper sich durch seine streng bestimmte Eigenform auszeichnet, der
flüssige jene Form annimmt, die man ihm bietet, so widerstrebt das Gas jeder Form. Wird ihm
eine solche aufgezwungen, so äußert es seine innere Natur in einem neuen Phänomen, im
Gasdruck; und es setzt jedem neuen Formzwang den ihm entsprechenden Widerstand entgegen.
Wenn ich bei konstanter Temperatur das Volumen eines Gases um das 1-, 2-, 3fache
verkleinere, so wachst sein Gegendruck dazu proportional um das 1-, 2-, 3fache. Diese
Tatsache, mathematisch ausgesprochen führt zum Boyle-Mariotteschen Gesetz. Wer die innere
Wesensnatur jedes Gases als ein formverleugnendes anerkannt hat, wird dieses Gesetz wie
selbstverständlich aus ihr hervorgehen sehen. Es bedarf hierzu keiner gaskinetischen oder
ähnlichen Hypothese. In seiner jede Form aufgebenden Eigenschaft ist das Gas das Abbild des
Wärmewesens. Denn die Wirkungen der Wärme werden am besten dadurch charakterisiert, dass
man auf einen polaren Gegensatz zwischen formgebenden Kräften und der überall
formauflösenden Wärme hinweist. Wenn ich daher die Wesensnatur des Gases steigern will, so
wird mir dies durch die Wärme gelingen. Es wird dadurch das Gas ein immer treueres Abbild
des Wärmewesens werden. Diese Tatsache ergibt sich ohne jede Spekulation rein aus der
Betrachtung der Phänomene. Mathematisch diese Tatsache darstellen, heißt nichts anderes als
das Gay-Lussacsche Gesetz aussprechen. Beide Gesetze, organisch vereinigt, ergeben die
Zustandsgleichung der Gase, die also vollständig hypothesenfrei aus der Wesensnatur des
Gaszustandes erfolgt. Es ist die sogenannte Zustandsgleichung, p · v = R T.1
Wenn wir durch diesen Seitenblick das Gas als ein Abbild des Wärmehaften erkannt haben, so
muss uns der Wasserstoff als dasjenige Gas erscheinen, das am innerlichsten, am
weitgehendsten aus der Wärme geboren zu nennen ist. Er müsste also die formauflösende
Eigenschaft der Wärme in allerstärkstem Grade in seinen Phänomen manifestieren. Wir wollen
sehen, ob sich diese aus unserer phänomenologischen Betrachtungsweise hervorgehende
Voraussage überall in der Wirklichkeit finden lässt. Wir finden zunächst in der Tat ein
genaueres Gehorchen gegenüber der Zustandsgleichung als bei anderen Gasen. Er zeigt nämlich
selbst bei niedrigeren Temperaturen keine Überkompression, bei mittleren Drücken keinen
Binnendruck. Diese stärkere Zusammenziehung der Gase unter der Wirkung des Druckes ist ja
als eine Art Übergang zum flüssigen Zustand, als ein Vorbote der Verflüssigung zu betrachten.
Der Wasserstoff zeigt diese Abweichung erst bei ganz niederen Temperaturen. Vorher kann ihm
der Druck nichts anhaben. Er behauptet die Gasnatur. Andere Gase zeigen dieses Verhalten erst
bei hohen Temperaturen, das heißt, wenn man ihnen von außen viel Wärme zugeführt hat. Was
den anderen Gasen von außen zugeführt werden muss, hat der Wasserstoff in sich selbst. Der
Wasserstoff hat einen außerordentlich tiefen Verflüssigungspunkt, 252,50°, bei
Atmosphärendruck, und erstarrt bei –258°. Gerade dieser außerordentlich tiefe Temperaturgrad,
bei dem der Wasserstoff erst flüssig gemacht werden kann, zeigt, wie unnatürlich ihm der
flüssige und der feste Zustand, die ja im höheren Maße ein Geformtsein bedeuten, sind. Und
wenn er schon verflüssigt ist, so zeigt er doch durch seine äußerst geringe
Oberflächenspannung, die 1/35 von der des Wassers, 1/5 der der flüssigen Luft beträgt, sowie
durch seine außerordentlich geringe Dichte, 0,07, wie sehr er aus diesem ihm auf gezwungenen
Zustand wieder hinauf in dem ihm einzig angemessenen gasförmigen Zustand strebt.
Seine geringe Schmelzwärme (16 Kal.) und Verdampfungswärme (200 Kal.) zeigen ebenfalls,
wie wenig er in seiner Natur durch Wärme gesteigert zu sein braucht, um sich das Gassein zu
erkämpfen.
Ein weiteres, eigentümliches Phänomen, in dem er sich in Gegensatz zu allen anderen Gasen
stellt, die eben nicht so vollkommen Gas sind wie er, ist der positive Joule-Thomson-Effekt. Er
1
Entnommen Vorträgen Dr. E. Koliskos zum I. Dornacher Hochschulkurs, Oktober 1920.

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besagt, dass der Wasserstoff sich bei adiabatischer Ausdehnung nach starker Kompression ohne
Arbeitsleistung erwärmt, während sich alle anderen Gase dabei abkühlen. Was bedeutet dies?
Wenn ein Gas sich selbst überlassen wird und nun seine eigenste Natur darin äußern kann, dass
es immer mehr, jede Form verleugnend, sich ins Grenzenlose ausdehnen will, so kann es dies
nicht aus eigener Kraft, sondern es muss mit dem Wärmewesen vereint sein. Der Wasserstoff
aber kann dies aus eigener Kraft; er trägt das schon in sich, was anderen Gasen erst von außen
zugeführt werden muss. Erst wenn man den Wasserstoff auf –200° abkühlt, bekommt man
einen negativen Joule-Thomson-Effekt. Die anderen Gase können einen positiven Effekt erst
dann äußern, wenn man sie auf sehr hohe Temperaturen erhitzt, z. B. Sauerstoff erst bei 1035°.
Erst bei dieser Temperatur ist der Sauerstoff so durchdrungen von seinen Wirkungen, wie der
Wasserstoff bei gewöhnlicher Temperatur.
Die Verwandtschaft des Wasserstoffs mit dem Wärmewesen, dieses innerlich
Durchdrungensein von ihm äußert sich auch in der hohen Wärmeleitfähigkeit des Wasserstoffs,
die das 7fache der Leitfähigkeit der Luft ist und überhaupt die größte bei einem Gas zu
normalen Bedingungen festgestellte ist.
In dieser Hinsicht erweist sich also der Wasserstoff durchaus intim als ein Abbild des
Wärmewesens.
Ein zweites Phänomen ist das geringe Verbindungsgewicht des Wasserstoffs, das kleinste von
allen Elementen. Er beteiligt sich an den chemischen Umsätzen mit der kleinsten Masse. Hier
bringt er, nur in einem anderen Gebiete, dasselbe zum Ausdruck, was er gerade durch seine
außerordentliche Leichtigkeit äußert. Er wirkt am wenigsten durch ponderable Eigenschaften;
seine Wirkungen sind, obgleich mächtig und bedeutend, doch am wenigsten dem Gewicht, dem
Verbundensein mit dem Irdischen, unterworfen. Auch sein inkommensurables Atomgewicht,
1,008, weist darauf hin, das er den irdischen Verhältnissen insbesondere dem Sauerstoff
inkommensurabel ist. Und auch dies weist auf den kosmischen Zug seines Daseins. Für O=16
werden ja soviele Atomgewichte kommensurabel zum Sauerstoff. Der Sauerstoff gehört, wie
wir in einem späteren Kapitel ausführen werden, ganz zum Irdischen. Diese Stoffe drücken also
aus, dass sie ebenfalls zum Irdischen Beziehungen haben, der Wasserstoff hingegen jenen
inkommensurabel ist.
Dieses Herausgehobensein aus dem Ponderablen bringt der Wasserstoff auch in einem anderen
Gebiet der Physik zum Ausdruck; er hat nämlich die kleinste Molekularrefraktion und trägt hier
auf dem neuen Gebiete des Optischen wieder seine ganze Wesenheit hinein. Wir sehen im
allgemeinen mit einem Zunehmen des Ponderablen eine Zunahme des Brechungsexponenten,
infolgedessen auch der Atomrefraktion verbunden; der Wasserstoff aber entzieht sich, soweit
dies möglich ist, dem Ponderablen und bringt die formverleugnende Gasnatur darin zum
Ausdruck, dass er auch die inneren Gestaltungsprinzipien überwindet, dem durchgehenden
Licht nicht Gestaltungskräfte aufprägt und es so von seinem Wege ablenkt. Auch dieses
Phänomen stimmt also vollständig zu dem Wesensbild, das wir uns vom Wasserstoff machen.
Ferner deutet die Kristallform des Wasserstoffs auf dasselbe.
Wasserstoff kristallisiert tesseral. Nun ist das tesserale Kristallsystem das der Wärme zunächst
liegende, indem es dem flüssigen Zustand am ähnlichsten durch seine Isotropität ist; tesseral
kristallisieren aus einem ähnlichen Grunde auch die meisten Metalle, weil sie innerlich
wärmedurchdrungen sind. Schon hier werden wir auf Beziehungen des Wasserstoffs zum
metallischen Zustand gewiesen.
Wasserstoff ist im Wasser sehr wenig löslich und zeigt dadurch, wie sehr er eigentlich ein aus
dem Irdischen in den Kosmos strebendes Element ist. Das er als Grundbestandteil des Wassers
neben dem Sauerstoff auftritt, wird wahrlich nicht seinen Kräften, sondern nur denen des
Sauerstoffs verdankt, der das zustande bringt, was keinem Element auf die Dauer gelingt,
nämlich den Wasserstoff an die Erde zu fesseln. In Alkohol sowie in organischen Flüssigkeiten
ist er aber erheblich leichter löslich; wir werden sehen, dass hochreduzierte,
kohlenwasserstoffähnliche Substanzen zu den Wirkungskräften des Wasserstoffs in einer tiefen

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Beziehung stehen, er sich hier also in einem ihm nicht so fremden Reiche bewegt wie im
Wasser.
Ganz unvergleichlich größer ist aber die Löslichkeit des Wasserstoffs in den Metallen; wir
sehen hier zum erstenmal, wie der Wasserstoff zu dem Metallzustand in einem tiefen
Zusammenhang steht. Namentlich Platin, Palladium, Eisen, Kobalt, Nickel, haben die Fähigkeit,
Wasserstoff in außerordentlich großer Menge zu absorbieren. Dieses sei zunächst bloß als
Phänomen hingestellt, seine Bedeutung wird sich uns später enthüllen.
Wir wollen nun zum chemischen Wirken des Wasserstoffs übergehen und damit recht
eigentlich zum Mittelpunkt seines Wesens vordringen. Wenn wir uns das chemisch
Eigentümliche des Wasserstoffs zu einer reinen Anschauung bringen wollen, so müssen wir die
Einwirkung aller störenden Gegenkräfte ausschalten, wir müssen uns zunächst fragen: Was will
der Wasserstoff eigentlich mit den Stoffen machen, mit denen er sich verbindet? Wir müssen
also zunächst mit dem Studium der bloßen Wasserstoffverbindungen, der Hydride, beginnen.
Wir müssen die Tendenzen, die in der Bildung der Hydride liegen, bis zu ihren äußersten
Konsequenzen verfolgen, wir müssen die Wasserstoffkräfte von ihrer Entfaltung bis zu den
Erscheinungen hin verfolgen, an denen sie erlahmen.
Wir fragen uns: Wird der Wasserstoff auch hier zur Erscheinung bringen, dass er das Ebenbild
der Wärme ist, das Gas der Gase? Die Phänomene sollen uns darin Antwort geben. Der
Wasserstoff hat die Fähigkeit, sich mit einer Reihe von Stoffen, die der metalloidischen Seite
des periodischen Systems angehören, so zu verbinden, das er sie zu Gasen macht, sie
hinausführt, sie hinausreist in den kosmischen Zustand, von dem er selbst ganz durchwebt ist.
Mit den Elementen der Halogengruppe vereinigt er sich, zum Teil äußerst heftig, zu
Verbindungen, die dadurch, das sie ihn in sich aufnehmen, viel durchsichtiger, viel schwerer zu
verflüssigen als die Halogene selbst werden. Hiervon weicht nur das Fluor etwas ab, aber nur,
weil der Fluorwasserstoff durch die Kraft des Fluors sich zu H 2F2 polymerisiert. Wir haben das
gelbe schwere dichte Chlor (Siedepunkt –33,6°), das rotbraune flüssige Brom (Siedepunkt
+58,7°), das schon fast metallisch aussehende violette Jod (Siedepunkt +183,5°); wie sehr
verändern sie ihre Eigenschaften, sobald sie sich mit dem Wasserstoff verbinden! Drei farblose
Gase haben wir vor uns, Chlorwasserstoff (Siedepunkt –100°), Bromwasserstoff (Siedepunkt –
73 °), Jodwasserstoff (Siedepunkt –25 °).
Wir sehen, wie gewaltig die hinaufreißende, zu Gas machende Wirkung des Wasserstoffs ist.
Den Elementen der nächsten Gruppe des periodischen Systems, der Sauerstoffgruppe gegenüber
verhält sich der Wasserstoff ebenso. Wir müssen hier vom Sauerstoff absehen; sein Verhältnis
zum Wasserstoff muss einer eingehenden Betrachtung unterworfen werden, da wir hier vor
einem, für die Erde in elementarer Weise wichtigen Verhältnisse stehen. Im Schwefel, im Selen,
im Tellur, beweist der Wasserstoff auf eben dieselbe Weise seine Natur. Er macht Elemente mit
spielender Leichtigkeit zu gasförmigen Verbindungen, wenn sie ihm auch proportional dem mit
ihrer Dichte steigenden Atomgewicht einen immer wachsenderen Widerstand entgegensetzen.
Ein Phänomen, das sich in dem Entwickeln übler Gerüche dieser Hydride ausspricht. Wir
werden auf diese Erscheinung, die geistig zusammenhängt mit allen Verwesungsprozessen,
noch genauer zu sprechen kommen. Hier sei nur hingedeutet, wie eine phänomenologische
Betrachtungsweise Phänomene durcheinander erhellen und begreiflich machen kann unter
vollständigem Vermeiden hypothetischer Annahmen. Wer z. B. beim Betrachten des Elements
Schwefel gefunden hat, wie dieses bei aller Verbindungsfähigkeit doch das starke Bestreben
hat, elementar immer wieder zu erscheinen, sich in seinen vielen Modifikationen in sich selbst
zusammenzuziehen, für sich da sein zu wollen, der wird begreifen, das dieses Element seiner
innerlichen Auflösung durch die Verbindung mit dem Wasserstoff Widerstand entgegensetzt.
Dieser Widerstand bringt sich in den verschiedenen Gebieten des Physikalischen und
Chemischen auf verschiedene Weise zum Ausdruck. Einer davon ist der üble Geruch. Körper,
die dem Gaszustand zustreben, wie z. B. alkoholische und ätherische Substanzen, die nicht

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durch innere Formkräfte dieses sich zum Gas Entäußern hemmen, haben angenehme, nicht
aggressive Gerüche.
Selbst das höchste Element dieser Gruppe, das Polonium, konnte man in letzter Zeit mit dem
Wasserstoff in Verbindung bringen.
Die nächste Gruppe des periodischen Systems, die Stickstoffgruppe, bildet ebenfalls eine
Reihe von gasförmigen Hydriden, das Ammoniak, den Phosphorwasserstoff, Arsenwasserstoff,
Antimonwasserstoff, alles übelriechende Gase, die sich immer schwerer herstellen lassen, je
höher das Atomgewicht steigt, auch immer leichter zersetzlich werden, aber doch durchaus
dargestellt werden können, wenn man den Wasserstoffkräften sozusagen zum vollen Ausleben
verhilft. Die nächste Gruppe des periodischen Systems kennt wieder eine ganze Reihe
gasförmiger Hydride, Kohlenstoffe, Silizium, Germanium, ja sogar Zinn und Blei können,
letzteres allerdings nur durch raffinierte experimentelle Bedingungen, ebenfalls mit dem
Wasserstoff zu gasförmigen Verbindungen gebracht werden. Auch das Bor liefert solche
Verbindungen. Die Summe dieser Phänomene lässt sich in der sogenannten Panethschen Regel
aussprechen, sie lautet: alle Elemente, die 4 Spalten links von einem Edelgas im periodischen
System stehen, und außerdem das Bor liefern gasförmige Hydride.
Das Betrachten der physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffs zeigte uns schon, wie ganz
er das Formverleugnende des Wärmewesens in sich trägt, wie er das Gas in seiner gesteigertsten
Form darstellt. Nun sprechen die chemischen Phänomene eine noch deutlichere,
überwältigendere Sprache zu uns. Die Kraft, andere Stoffe, und seien sie noch so dicht und
schwer, wie das Blei, zu Gasen zu machen, der Wasserstoff hat sie wirklich im höchsten Maße
zu eigen. Kein anderes Element kann sich hierin irgendwie mit ihm vergleichen. Die Frage, die
wir am Eingang der chemischen Betrachtung stellten, lässt sich also vollständig bejahen.
Wir haben bisher nur die eine Seite des Wirkens des Wasserstoffs angedeutet. Eine zweite tritt
uns entgegen, wenn wir betrachten, wie der Wasserstoff sich zu den Metallen verhält. Wenn der
Wasserstoff seine reduktiven Kräfte entfaltet, so macht er aus den Salzen das Metall frei. Ist
dies aber einmal so weit begonnen, so geht der Wasserstoff mit seinen Wirkungskräften nicht
mehr weiter; den metallischen Zustand hervorgerufen zu haben, genügt ihm, darüber hinaus
kann er nicht kommen. Man fasse den Gegensatz ins Auge: die bisher besprochenen
metalloidisch-metallischen Elemente reduziert er nicht bloß, sondern er macht sie sogar zu
Gasen. Entgegengesetzt äußert er sich gegenüber dem edleren metallischen Zustand, es genügt
ihm, diesen hervorgerufen zu haben.
Wir wollen nun zunächst so wie früher den gasförmigen, so jetzt den metallischen Zustand
kurz charakterisieren, indem wir das, was in den einzelnen Metallen sich nur stückweise
ausspricht, in seiner Urphänomenalität sehen: der metallische Zustand ist in gewisser Hinsicht
dem gasförmigen polarisch entgegengesetzt.
Er ist sein Gegenbild. Was für Eigenschaften sind denn im Allgemeinen mit dem metallischen
Zustand verknüpft? Ein gewisses Maß von Härte, Dichte, Elastizität, Geschmeidigkeit,
Zähigkeit, der spiegelnde metallische Glanz, und das ausgezeichnete Wärmeleitungsvermögen,
und elektrisches Leitvermögen, ferner die feine kristallinische Struktur. Spricht sich nicht in
allen diesen Teilphänomenen ein Gemeinsames aus? Zunächst die Elastizität: sie drückt aus, das
der metallische Körper in der Form verharren will, die er einmal hat. Zwingt man ihm einen
neuen Zustand auf, so leistet er einen, dem Zwang proportionalen Widerstand, und strebt
dadurch hartnackig in seine alte Form zurück. Man sieht darin ein gewisses In-Sich-Beharren,
ein Sich-Abschließen von äußeren Einflüssen.
Die Härte weist ebenfalls darauf hin, dass das Metall in seine Sphäre nicht gern etwas Fremdes
eindringen lässt. So ist es auch mit der Dichte, mit dem Grad von Masse, der mit der
Volumeneinheit verbunden ist. Die Masse offenbart sich ja in ihrem Widerstand gegen den
bewegenden Impuls durch ihre Trägheit, das heißt, sie will eben verharren, will dem ihr
wesensfremden Bewegungsimpuls nicht nachgeben. Je größer die Dichte, desto größer dieses
Beharrenwollen auf sich selbst. Im spiegelnden Glanz des Metalls spricht sich auch

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außerordentlich deutlich dieses in sich selbst Beharrenwollen aus. Das Licht, das von außen
hereinflutet, wird zurückgeworfen, der Glanz des Metalls ist der des Spiegels, und die am
meisten spiegelnden Körper sind ja auch Metalle. Seine Wesenssphäre schließt das Metall in
jeder Weise gegen Eingriffe von außen ab. Wie ganz dem entgegengesetzt verhält sich das Gas!
Vollkommene Ausdehnsamkeit, vollständiges Sich-Durchdringen-Lassen von allem
Strahlenden, Licht und Wärme; geringster Widerstand gegen das Eindringen in seine Sphäre,
Durchsichtigkeit; es sind die vollkommen gegenteiligen Verhältnisse. Wenn man ein Metall
innerlich um und umdrehen würde, sodass es in sein vollkommenes Gegenteil verkehrt würde,
so würden wir zu diesem gasförmigen Zustand kommen. Das Metall offenbart ferner in seiner
feinen kristallinischen Struktur ein hohes Maß von innerlichem Geformtsein, von Eigenform;
während das Gas in der Allform des Kosmos wurzelt, so hat das Metall seine ausgeprägte
Eigenform.
Aber das Metall hat auch andere Eigenschaften, die es auch in eine tiefe innerliche Beziehung
bringt zum Wärmewesen. Wenn diese Beziehung auch anderer Art ist als die des Gases, so ist
sie doch nicht weniger ausgesprochen. Zunächst müssen wir sagen: so wie alle Gase zusammen
eine Einheit bilden, indem sie in den Eigenschaften einander ähnlich sind, denselben
Ausdehnungskoeffizienten haben, ineinander diffundieren, so finden wir auch, dass die Metalle
weitgehend ähnliche Zuge auf weisen.
Schon wenn wir das einzelne Metall für sich betrachten: Wir haben eine Menge von einzelnen,
feinen Kriställchen, Kristalliten, die aber doch zu einer zusammenhängenden, geschmeidigen
und zähen Grundform verbunden sind. Ein Salzkristall hat eine viel größere Tendenz in lauter
kleine Kriställchen zu zersplittern. Es ist die Kraft viel geringer, die dieses Zersplitternwollen
aufhebt und alle Salzpartikelchen zu einer gemeinsamen Einheit verschmilzt. Im Metall ist
etwas, in dem als gemeinsamer Grundform die einzelnen Kristalliten wurzeln. Es kann hier das
Zersplittern niemals soweit gehen; das reine Metall ist geschmeidig, es lässt sich auswalzen zu
dünnen Blättchen, das heißt, man kann seine Form verändern, ohne das sie den inneren
Zusammenhang aufgeben will. Das geht beim Gold ja so weit, das man die dünnsten Häutchen
von Gold in der Dicke eines 1/1000 mm herstellen kann. In einer gewissen Art ist jedes
Metallteilchen mit dem anderen so fest zu einer Einheit verbunden, wie in einem Gase ein
Gasteilchen innigst verbunden ist mit der Gesamtheit. Ferner sehen wir, dass ebenso leicht, wie
die Gase ineinander diffundieren, die Metalle miteinander zu Legierungen verschmelzen.
Alle diese Metalle haben viel mehr Gemeinsames als die Metalloide, z. B. Schwefel und Jod.
Sie können sich weitgehend ineinander auflösen, die chemischen Unterschiede sind weitgehend
verwischt, wenn die Metalle miteinander zusammenwirken. Ferner ist die Kristallform der
metallischen Körper weitgehend die tesserale2.
Wie verschieden kristallisieren doch die Metalloide! Bei den Metallen tritt uns eine
Gleichförmigkeit in dieser Hinsicht auf.
Dieses Aufgeben gegenseitigen Unterschiedes, wir haben gesehen, dass es mit dem
Wärmewesen innigst zusammenhängt. Wir müssen also in den Metallen das Wärmewesen in
einer eigenartigen Weise wirksam sehen. Es zeigt sich dies auch darin, das man im periodischen
System, je höher man mit dem Atomgewicht kommt, immer mehr die Elemente zu metallischen
Zuständen hinstreben sieht. Jod, Tellur, Wismut, sie alle sind ja schon fast metallische Körper.
Das Aufsteigen aber in einer Reihe des periodischen Systems hat nicht nur mit dem Hingehen
zum metallischen Zustand, sondern auch mit dem Wärmewesen zu tun. Dieser Zusammenhang
wird ja durch die Dulong-Petitsche Regel ausgedrückt, die besagt, das das Produkt aus dem
Atomgewicht und spezifischer Wärme = 6,4 konstant ist.

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Das tesserale System ist ja auch das der Wärme am nächsten seiend; es ist dem flüssigen am nächsten und entsteht bei
polymorphen Modifikationen bei der höchsten Temperatur. Darin zeigen die Metalle also auch, wie sie am Wärmehaften
teilhaben, dass sie tesseral kristallisieren.

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Es werden also die Körper immer leichter erwärmbar, je höher ihr Atomgewicht steigt. Sie
sind also vielmehr von Wärmewirkungen durchdrungen und dadurch der Erwärmung leichter
zugänglich als die Körper, die in einer unteren Reihe des periodischen Systems stehen.3
Ein weiteres Phänomen, das uns in unübertrefflicher Deutlichkeit auf das innerliche
Verbundensein des metallischen Zustands mit dem Wärmewesen hinweist, ist die
Wärmeleitfähigkeit der Metalle, ferner das hohe elektrische Leitvermögen und die größere
Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes durch die Metalle hindurch. Kein anderer Körper
kann sich mit den Metallen in Bezug auf ihr Leitvermögen vergleichen. Was spricht sich nun
darin aus? Wenn wir einen metallischen Stab haben und an einem Ende ihm einen Wärme- oder
elektrischen Impuls geben, so wird dieser Impuls mit größter Schnelligkeit durch die gesamte
Masse des Metalls sich hindurch ausbreiten. Es ist das innerlich umgekehrte Verhalten zu den
Imponderablen im Vergleich zu dem des Gases.
Das Gas lässt sich von ihnen vollkommen durchstrahlen, sie leben in ihm wie in einer Sphäre,
von der sie am wenigsten abhängig sind.
Das Metall aber lässt ebenfalls in seiner Sphäre frei beweglich werden die Imponderabilien,
aber nur insoweit sie leitend auftreten. Wir wollen uns zunächst einmal klar machen, was für ein
Unterschied ist zwischen der leitenden und der strahlenden Wärme. Es soll dies rein
phänomenologisch geschehen, also abgesehen werden von jeder hypothetischen Annahme der
Gegenwart, sie beruhe nun auf Elektronenemission oder Atombewegung oder was es immer sei.
Im Gegensatz zu den Phänomenen der strahlenden Wärme stehen die der leitenden Wärme.
Leitende Wärme tritt ja nur auf, wenn Wärme, das Imponderable, vereinigt ist mit den Metallen,
mit Ponderablem; nun sehen wir, das die schlechten Wärmeleiter solche Stoffe sind, die
sozusagen in jedem ihrer kleinsten Teilchen das Bestreben haben, das Imponderable
festzuhalten. Wenn dieses überwunden wird, wenn jedes kleinste Körperteilchen im
Körperganzen im hohen Maße seine Einheit hat, dann werden diese verinnerlichten
Imponderabilien im Körperinneren frei beweglich, der Körper wird gutleitend für die
Imponderabilien. Also wir müssen genau unterscheiden: Imponderabilien, die frei hinstrahlen,
frei von Materialität und Imponderabilien, die in den Kerker der Materie hinabgestiegen sind, in
gewisser Hinsicht also selbst sich vermaterialisiert haben. Im zweiten Falle kommen wir zur
Wärmeleitung, und hier zeigen auch die Metalle, dass sie wie die Gase das Imponderable in sich
frei beweglich machen; aber es ist doch eine polar entgegengesetzte Art zu der der Gase.
Während die Gase das kosmische Imponderable frei durch sich hindurchstrahlen lassen, lassen
diese Metalle diese Imponderabilien in ihrer metallischen Sphäre frei beweglich sein, halten sie
aber nach außen hin verschlossen. Das Kosmische, das die Gase durchwirkt, ist, gleichnisweise
sei dies ausgedrückt, in die innere Sphäre der Metallität hineingezogen.
Gas und Metall, sie bilden einen polaren Gegensatz zueinander, deren höhere Einheit das
Wärmewesen ist. Wenn die Wärme sich als strahlendes Imponderables äußert, so ist ihr Abbild
das Gas; wenn sie sich als an das Ponderable gebunden äußert, so ist ihr zugeordnet das Metall.
Gas und Metall sind in gewisser Hinsicht eines die Umstülpung des anderen. Wie steht nun der
Wasserstoff zu all diesem? Er bildet die innere Polarität der Wärme in sich getreulich ab. Denn
er ist nicht nur das durchsichtigste, sondern auch das Gas mit dem größten
Wärmeleitungsvermögen. Und er hat nicht nur zum Gas, sondern auch zum metallischen
Zustand die tiefste Beziehung.
Durch seine reduktiven Kräfte hilft er dem Metall zum Dasein, aber ein zweites tritt noch
hinzu: er lässt sich von ihm aufnehmen, tritt ganz in die metallische Wirkungssphäre ein, ohne
sie wesentlich zu verändern. Auch die echt metallischen Körper bilden
Wasserstoffverbindungen; aber diese sind durchaus metallisch. Außerdem wird der Wasserstoff
nicht nur chemisch an die Metalle gebunden, sondern auch im höchsten Maße absorbiert. Sie
bieten ihm keinen Widerstand, sind für ihn durchdringlich, sodass man vielfach diese
Wasserstoffverbindungen mit Legierungen verglichen hat. Hierher gehören auch die
3
Wurde ausgeführt von Dr. Kolisko in seinen Vorlesungen über hypothesenfreie Chemie. Dornach und Stuttgart 1920.

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Überspannungserscheinungen. Wasserstoff, an metallischen Kathoden entwickelt, wird oft nicht
bei normaler Zersetzungsspannung frei, erst bei einer höheren; dadurch zeigt sich die innige
Beziehung des Wasserstoffs zum Metallischen in diesem Festhalten jenes an diesem über die
Zersetzungsspannung hinaus.
Aber man hat im Wasserstoff vielfach etwas Metallisches überhaupt gesehen. Es wird dies
noch näher ausgeführt werden. Hier sei nur erwähnt, dass der Wasserstoff in Metallen gelöst
einwertig auftritt, wie sonst nur ein Metall, das er größtenteils elektropositiv wirkt, vom
elektrischen Strom mit den Metallen zusammen ausgeschieden wird, so das man ihn vielfach im
periodischen System über die einwertigen Alkalimetalle setzte. Manche andere Phänomene, z.
B. das der Wasserstoffentartung4 unterstützen diese Annahme.
Eine dritte Seite des Wasserstoffwirkens müssen wir noch kennenlernen. Trat er auch bisher
elektropositiv und metallähnlich auf, so gibt es doch Fälle, in denen er elektronegativ auftritt, ja
in gewisser Hinsicht beinahe halogenähnlich ist. Man fasse ins Auge, wie der Wasserstoff zu
den Alkalimetallen und zu den Erdalkalimetallen sich verhält. Von anderer Seite her lassen sich
die Alkalimetalle besonders charakterisieren als diejenigen Stoffe, die so stark die Tendenz
haben, Salz zu bilden, das die Verbindungen aller möglichen Elemente mit ihnen, Sulfide,
Nitride, Oxyde, die hier zu Superoxyden äußerst leicht gemacht werden, dann auch die
Superoxyde, abgesehen von den Verbindungen mit echte Salze bildenden Anionen, alle diese
Verbindungen äußerst salzähnlich sind. Und nun tritt der Wasserstoff diesen Elementen, die die
Salze bildenden katexochen sind, gegenüber und hier wird ebenfalls Salz gebildet.
Hier muss er sich dem Wesen der Alkalimetalle unterwerfen und diese Verbindungen,
Lithium-, Natrium-, Kalzium-, Rubidium-, Cäsium-, Kaliumhydrid usw. sind durchaus Salze.
Schon äußerlich als weise, salzähnliche Pulver gekennzeichnet, durch Vereinigung der
betreffenden Alkalimetalle mit dem Wasserstoff oft unter Feuererscheinung entstehend, lassen
sie sich auch kristallisieren und geben farblose, tesserale Kristalle, dissoziieren elektrolytisch,
sind also durchaus echte Salze. Hier tritt nun das Merkwürdige auf, dass der Wasserstoff bei der
Elektrolyse entgegen aller sonstiger Gepflogenheit zur Anode geht, also elektronegativ auftritt,
wie sonst nur irgendein echtes Anion.
So tritt uns der Wasserstoff in dieser merkwürdigen dreifachen Weise entgegen, die wir
zusammenfassend nochmals wiederholen.
1. Alle Elemente, die vier Stellen vor einem Edelgas stehen und das Bor, also Elemente der
rechten Seite des periodischen Systems, kann der Wasserstoff in den gasförmigen Zustand
erheben.
2. Seine reduktiven Kräfte bringen den echten metallischen Zustand zum Vorschein, zu dem er
auch eine tiefe innerliche Beziehung gewinnt.
3. Das, was mit der Erde zu tun hat, also alles echte Salzbildende, widersteht ihm. Hier wird er
hineingebunden ins Irdische oder bleibt ihm machtlos gegenüber. Tonerde und Magnesia wird
der Wasserstoff nicht reduzieren können.
So sehen wir tatsächlich im Wasserstoff etwas wie einen Urzustand der Materie. Sowohl zu
den Metalloiden, als auch zu den Metallen äußert er seine Verwandtschaft, sowohl
elektropositiv als auch elektronegativ vermag er sich zu geben. Man kann sagen, in ihm ist wie
in einem uranfänglichen Keim alles das veranlagt, was sich dann in dem ganzen Reichtum des
periodischen Systems äußert. Und wenn man dies erkannt hat, dann wird man nicht mehr
versuchen, den Wasserstoff in diese oder jene Gruppe des periodischen Systems einzuordnen,
wie man es so vielfach versucht hat, ohne in der Wirklichkeit damit zurecht zu kommen,
sondern es ergibt sich von selbst, dass er über dem System steht, eigentlich ihm das ganze
System zugeordnet ist, alle Gruppen.
Diese Erkenntnis ist eine reale. Sie ergibt sich rein phänomenologisch ohne zu allerlei
hypothetischen Atommodellen greifen zu müssen. Man sieht allerdings, dass der Instinkt der
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Wasserstoffentartung: Bei tiefen Temperaturen verhält sich der Wasserstoff physikalisch wie ein einatomiges Gas, kommt
also der Einatomigkeit der Alkalimetalle gleich.

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Forscher schon richtig führt, wenn er sie überall auf den Wasserstoff, als etwas Uranfängliches
hinweist. Aber dieses Uranfängliche ist nicht ein Mechanisch-Atomistisches. Ebenso wie die
reiche Entfaltung der Pflanzen mit allen ihren unendlichen Einzelheiten einen Keimzustand in
ihrem einfacheren unscheinbaren Samenkorn hat, ohne dass sie deswegen mechanisch aus lauter
solchen kleinen Samenkörnern aufgebaut wären, wenn sie einmal vollendet sind, ebenso kann
man beim Wasserstoff hinweisen auf etwas Uranfängliches in der materiellen Entwicklung und
man kann so zu einer entwicklungsgeschichtlichen Betrachtung des periodischen Systems
kommen, ohne zu spekulativen Hypothesen greifen zu müssen.
Wir wollen fortfahren in der Charakterisierung des Wasserstoffs. Wenn wir ihn so in die
Gesamtheit des Zusammenwirkens der chemischen Elemente eingreifen sehen, so können wir
aus dem Vorangeschilderten entnehmen, dass er nun die Fähigkeit hat, ein Oben und Unten zu
trennen; indem er einerseits den einen Teil der Elemente hinaufreißen will aus der Erde in den
Kosmos, als ein Oben, und zurück lässt den metallischen Zustand als ein Unten. Dieses innerste
Bestreben ist das Urphänomen der Dissoziation und wenn das Wasser als Lösungsmittel
dissoziierend wirkt, das heißt, die Tendenz hat, das in ihm gelöste Salz auseinanderfallen zu
lassen, in Metallkation und Anion, so sehen wir hierin eine Metamorphose dieses
Wasserstoffbestrebens, ein Oben und Unten zu trennen. Das Wasser ist ja eine neue
Wirkungssphäre, in die sich der Wasserstoff begeben muss, durch den Sauerstoff bezwungen.
Hier im Wasser erlebt er also eine Metamorphose des Daseins und wir müssen alle die
Eigenschaften, die wir beim Wasserstoff charakterisiert haben, metamorphosiert im Wasser
wiederfinden. Und diese Metamorphose des zweifachen Verhaltens des Wasserstoffs als eines
Hervorrufers des Gegensatzes von Oben und Unten ist die dissoziative Kraft des Wassers. Auf
diese Tatsache kann man erst näher eingehen, wenn man eine phänomenologische Darstellung
des Sauerstoffs, welche ebenfalls bereits ausgeführt worden ist, gegeben hat; denn ebenso wie
die Wasserstoffkräfte, spielen ja auch die Sauerstoffkräfte ins Wasser hinein. Aber schon hier
lässt sich ein allgemeines über dissoziative Flüssigkeiten angeben: sie müssen alle in
Metamorphose die Eigenschaften eines Körpers darstellen, der in seinem Grundwirken dem
Wasserstoff ähnlich ist, z. B. die Methylgruppe im Alkohol.
Dieses zweifache verschiedene Wirken des Wasserstoffs, und Auftreten als ein
Elektropositives und Elektronegatives, zeigen uns, das der Wasserstoff eine innerliche Polarität
in sich trägt. Dieses ist auch der tiefere Grund, warum er nicht einatomig, sondern zweiatomig
auftritt, indem er nämlich diese seine innerliche Polarität in sich ausgleicht. Alle Körper, die
eine solche Polarität in sich tragen, müssen auch zweiatomig auftreten. In diesem
Gewahrwerden auf das Ausgleichen innerlichen Gegensatzes kann man ebenfalls etwas
erblicken, was mechanische Vorstellungen zur Erklärung dieses Phänomens unnötig macht.
Wir haben bisher das Wirken des Wasserstoffs, wie er für sich isoliert wirkt, dargestellt. Nun
bleibt uns die Aufgabe, aus dieser Isoliertheit wieder herauszutreten ins volle wirkliche Leben,
denn eine solche Betrachtungsweise ist einzig und allein die uns angemessene. Wir müssen nun
suchen, wie sich diese Wirkungsweise des Wasserstoffs, die wir gleichsam als Anatom mit dem
Seziermesser des Experiments gefunden haben, nun in dem vollen Lebendigen des
Erdenwirkens wiederfindet. Wir haben ja künstliche Bedingungen eines Experimentes anstellen
müssen, um solche Verbindungen, wie z.B. den Phosphorwasserstoff, herzustellen; wie lange
spottete der Wismutwasserstoff allen Versuchen, ihn zu erhalten! Wir müssen also sagen, das
Wesen des Wasserstoffs zeigt sich uns nicht in der unverhüllten Weise in der Natur, in der wir
ihn in unserer vorangegangenen Betrachtung erkannt haben. Nun muss es wieder ungeheuer
aufschlussreich für das Wesen des Wasserstoffs sein, wenn wir charakterisieren, wie seine
Kräfte ins natürliche Dasein hineinwirken, ob und wo sie ungetrübt in die Erscheinung treten,
und wie sie auf die mannigfaltigste Weise durch andere Daseinsfaktoren modifiziert, gehemmt,
und befordert werden. Dass die Wasserstoffwirkung nicht rein zutage tritt, das ist die Tat des
mächtigsten Gegners des Wasserstoffprozesses, des Sauerstoffprozesses. Man kann bildlich
sagen: wo der Wasserstoff irgendein Element in ein Gas verwandelt, hinwegzuführen sucht von

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der Erde, da prallt mit ihm der Sauerstoff zusammen und schleudert das entfesselte Element
wieder zurück in die Erde. Er ist der wichtigste Gegner des Wasserstoffs, denn ihm allein
gelingt es, diesen leichtesten, in seinen Auflösungskräften so gewaltigen Stoff herabzuzwingen
zum flüssigen Wasser. Man beachte die Dichte aller Wasserstoffverbindungen! Wie leicht, wie
gasförmig macht der Wasserstoff seine Verbindungen! Und man betrachte dagegen den Sprung,
den Sturz, der in der Bildung des Wassers auftritt. Ein noch klareres Bild über diese eine
Grundtatsache des Daseins, der Gegnerschaft des Wasserstoffs und Sauerstoffs, wird sich
ergeben, wenn wir, nachdem wir das Wesen des Sauerstoffs einer phänomenologischen
Betrachtungsweise unterzogen haben, nun in einer chemischen Metamorphosenlehre das
Wasser betrachten werden. Dies kann man aber schon hier aussprechen, dass die
Sauerstoffkräfte das freie Auswirken des Wasserstoffs überall in der Natur aufs kräftigste
hemmen.
Gibt es noch einen Prozess in der Natur, der uns die Wasserstoffkräfte in einer gewissen Weise
rein darstellt? Wo treten uns alle diese Hydride, Schwefel-, Phosphor-, Arsenwasserstoff usw.,
Ammoniak, alle die hochreduzierten Amine, durch einen natürlichen Prozess gebildet,
entgegen? In allen Verwesungsprozessen.
Diese werden ja durch Sauerstofftätigkeit ebenfalls dann in mannigfaltiger Weise modifiziert,
aber das primäre ist doch, das solche Prozesse stattfinden, welche die oben genannten Hydride
in der Natur entstehen lassen.
Was ist nun aber der Verwesungsprozess? Ist wieder ein Auflösen der physischen Form. Ein
Leichnam, das heißt ein Körper, der von den ihn schaffenden Lebensprinzipien verlassen ist, ein
Leichnam allein ist es, der verwest. Hier sehen wir, wo diesem Formauflösungsprozess nichts
mehr entgegenwirken kann, weil das, was ihm im natürlichen, inneren Dasein die Waage halt,
der Lebensprozess sich zurückgezogen hat und dort sofort die Wesenskräfte des Wasserstoffs
sich zur volleren Erscheinung bringen.
Man beobachte folgende drei Stufen:
1. Die Wärme ist das Formauflösende, das alles zu einer Eigenform gelangte Eigensein eines
Stoffes in einem allgemeinen Kosmischen auflöst, alle Körper hintreibt zum Gassein.
2. Der Wasserstoff ist in gewisser Hinsicht ein Abbild der Wärme; so mächtig wie sie, ist er
nicht mehr, denn ihre Kraft ist ja in ihm als Stoff hineinerstarrt. Wärme ist noch unmateriell,
Wasserstoff schon materiell; der Wasserstoff ist ebenfalls ein Formauflösendes, er trägt, wenn
auch nicht mehr so allgemein wie die Wärme, so doch viele Stoffe hinauf ins Dasein des
Gaszustandes.
3. Wenn ich nun den Organismus durch die Wärme auflöse, das heißt ihn der trockenen
Destillation unterwerfe, so kommt es zur Bildung hochreduzierter Substanzen,
Kohlenwasserstoffe, ja auch des Wasserstoffs selbst. Hier haben wir auch Formauflösendes
durch Wärme, und die Wesenskräfte des Wasserstoffs treten sofort auf.
Halten wir dagegen die Verwesung, so kommt es ebenfalls zu einer Formauflösung, nämlich
zu der des individuell gestalteten Lebewesens, und ebenfalls treten hier die hochreduzierten
Wasserstoffverbindungen ins Dasein.
Aber bis zur Einzelheit kann man in dieser Betrachtung fortfahren.
Wenn wir Körper, wie den Schwefel betrachten, die durch ihre chemischen Erscheinungen
deutlich zeigen, dass sie das Bestreben haben, ein elementares Eigendasein zu führen, indem sie
immer wieder elementar erscheinen, polymorph auf treten, sich polymerisieren, so sehen wir,
das diese Körper, wenn sie mit dem Wasserstoff in Verbindung treten, üble Gerüche bilden.
Bildlich gesprochen, das egoistische Eigensein lässt sich nur widerstrebend auflösen.
Dieser Widerwille äußert sich in der Entwicklung eines üblen Geruches. Sehen wir wiederum
nun ins Lebendige; solche Lebewesen, die ein unegoistisches Dasein führen, indem sie
vollkommen das Dasein führen, das ihnen vom Kosmos gegeben wird, also die Pflanzen,
verwesen, ohne üble Gerüche zu bilden. Das Tier aber, das ein egoistisches Dasein führt, sich
abgeschlossen hat vom Kosmos, in seiner Leibhaftigkeit begrenzt ist, durch das Fressen anderer

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Lebewesen einzig und allein bestehen kann, dieses Tier entwickelt eine Form, die ihr
egoistisches Dasein auch im Verwesungsprozess äußert. Bis in solche Feinheiten hinein kann
eine im Goetheschen Sinne forschende Wissenschaft dringen. Sie überwindet Schranken, die
den heutigen Schulwissenschaften unübersteiglich sind.
Es gibt also nicht nur einen Wasserstoff, sondern auch einen Wasserstoffprozess. Über dem
bloß materiellen-chemischen Stoff schweben die Prozesse und eine wahrhaft chemische
Betrachtung hat eigentlich dieses Prozessuale in erster Linie ins Auge zu fassen. Einer solchen
Betrachtungsweise ist dann der materielle Wasserstoff nichts anderes als der typischste
Repräsentant des Wasserstoffprozesses.
Wir wollen zunächst den Wasserstoffwerdeprozess ins Auge fassen. Aus den vorangegangenen
Ausführungen leuchtet ein, dass ein primärer Wärmezustand als ein dem Wasserstoff
Übergeordnetes anzusehen ist. Nun ist Wärme das letzte der Imponderabilien und eigentlich
schon die erste Stufe des Ponderabelwerdens.
Man kann sagen, mitten durch die Wärme geht ein Riss.
Das Licht ist äußerlich nicht wahrnehmbar. Nur beleuchtete Körper sind sichtbar, das Licht an
und für sich ist nur geistig wahrnehmbar.
Und wer nicht begriffen hat, was es heißt: mir leuchtet etwas ein, es wird mir etwas geistig
hell, der wird niemals das Wesen des Lichtes begreifen. Die Wärme ist auch noch innerlich
wahrnehmbar als seelische Wärme. Man kann sich innerlich warm fühlen; Wärme ist aber auch
etwas, was schon äußerlich wahrgenommen werden kann.
Die Zustände des Ponderablen können nur mehr äußerlich wahrgenommen werden. Die
Trennungslinie zwischen innen und außen geht durch die Wärme hindurch. Die Wärme wird
mit sich selbst uneins, möchte man sagen, und das ist der Grund, warum man dann die Wärme
in strahlende und leitende Wärmephänomene auseinanderklaffen sieht. Nun wird aus den
Wärmewesen der Wasserstoff herausgeboren. Er trägt die Wärmenatur und auch den Zwiespalt
in sich. Er ist der letzte Stoff, der sie noch zusammenhält, wenn auch dieser Riss im Wasserstoff
noch viel deutlicher geworden ist als in der Wärme. Wir können daher als
Wasserstoffwerdeprozess das Hervorgehen des Wasserstoffs aus dem Wärmewesen bezeichnen.
Diesem Prozess im Makrokosmos entspricht ein Prozess im Mikrokosmos: der
Herzbildeprozess. Die Form des Herzens und die Art des Funktionierens stellt in einem tiefen
Zusammenhang mit der Bluttemperatur. Man beachte, wie die wechselwarmen Tiere,
Amphibien, Lurche, bis zu den Vögeln hinauf ein ganz anders gebautes Herz haben als der
Mensch, sodass man sagen kann: Die Herzform ist tatsachlich mit der Blutwärme aufs innigste
verbunden; so wie aus der Wärme der Welt der Wasserstoff geboren wird, so wird aus der
Wärme des Blutes das menschliche Herz geboren.
Dieses menschliche Herz hat in sich ebenfalls das Zwiespältige des Wärmewesens; es klafft
auseinander in die verschiedenen Herzkammern, die aber doch noch im ganzen Herzmuskel zu
einer organischen Einheit verbunden sind. So wie sich im Wasserstoff die Gegensätze im
periodischen System noch begegnen, um aber dann getrennt zu werden, so ist im Herzen das
noch vereinigt, was sogleich herausdifferenziert wird in oben und unten. Man beachte, wie die
Ausbildung des Herzens auch in einem Zusammenhang steht zur tierischen Hauptorganisation
und tierischen Rumpforganisation überhaupt und wie im Menschen die vollkommenste
Trennung dieser polaren Gegensatze gleichzeitig mit der vollkommenen Ausbildung des
Herzens erreicht ist. Der Geistesforscher hat daher guten Grund, den Herzbildeprozess mit dem
Wasserstoffbildeprozess zusammenzubringen. Das Herz ist ja auch der reduktivste Muskel des
menschlichen Körpers; im Wasserstoff haben wir die erste Trennung, aber noch in seiner Natur
zusammengehalten, von oben und unten. In der Fortentwicklung klafft sie auseinander und
differenziert sich in das ganze periodische System, indem sie zunächst die polaren Gegensatze
in sich heraussetzt; im menschlichen Herzen haben wir noch vereinigt, obgleich schon getrennt,
was dann sich auseinander differenziert in den ganzen menschlichen Körper.

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Nun wollen wir einen zweiten Prozess besprechen, den eigentlichen Wasserstoffprozess.
Überall, wo wir einen Prozess sich so auswirken sehen, das er ein Einheitliches in zwei polare
Teile trennt, den einen Teil in einen mehr kosmischen Zustand führt, ihn mehr zu einer Allheit
macht, während er den anderen Teil zu einer Eigenheit sich abschließen lässt, überall dort
werden wir vom Wasserstoffprozess sprechen können. Der Wasserstoff setzt alle Dinge in
Beziehung zum Kosmos, entweder trägt er sie in einen äußeren kosmischen Zustand oder bildet
er ihren inneren Kosmos aus. Gase sind Repräsentanten des ersten Zustandes, Metalle solche
des zweiten. Dissoziationen, Hydrolysen sind Form des Wasserstoffprozesses.
Zum Schluss kann man sich gedrängt fühlen, in einer künstlerischen Weise das Wesen des
Wasserstoffs darzustellen, genau so wie der Künstler das Wesen eines Menschen im Kunstwerk
darstellen kann. Wenn der Wasserstoff sein Eigenwesen aussprechen könnte, so würde dies
vielleicht so sein.
Ich bin der Wärme Ebenbild, das leichteste, das Gas der Gase.
Mich stört die Form, auflösen möchte ich alles, o so leicht, so schwebend zu sein, sich
auszudehnen ins Unendliche. Sei du noch so schwer und dicht, ich entreiße dich der Form, die
dich fesselt; mir gleich kannst du werden, wenn du dich mir hingibst; denn die Gaskräfte trage
ich so stark in mir, das ich vieles mir gleich machen kann. Meine Kräfte, sie werden auch deine
leibliche Form auflösen im Urschoß.
Die Erde widersteht mir; der Sauerstoff besiegt mich. Dem Salzbildenden muss ich mich
unterwerfen. Das Erdebildende kann ich nicht aufrütteln.
Mit den Metallen verstehe ich mich gut; ich helfe ihnen zum Sein.
In ihre Sphäre kann ich untertauchen, in ihrer inneren Wärme finde ich das Gegenbild meiner
selbst.
Ich bin ein Urältestes; trage die Uranfänge in mir, das Urpolare, das Oben und Unten. Darum
führe ich auch alles in einen Urzustand. In mir ruht noch in ihrem Keim die Vielheit der Stoffe.
Ich bin das Elektrischnegative, das Sulphurische; das elektropositive Metall- und
Basengebärende bin ich auch. Darum kann man mich keiner Gruppe der Elemente zuordnen,
sondern nur alle mir; ich schwebe über allem, in mir schlummern die Taten des Uranfänglichen;
ein Wärmesein war das erste.

Rudolf Steiner über den vorangehenden Artikel in einer Diskussion:


Von der Phänomenologie ist bis zum Jahre 1919 überhaupt nicht gesprochen worden. Ich war genötigt, davon
zu sprechen, als ich diese Verhältnisse feststellen mußte. Das, was Sie Phänomenologie nennen, haben Sie in
die Anthroposophische Gesellschaft hineingetragen. Sie haben mir hier die Führung entwunden, in dem Sie die
Gelehrsamkeit hineingetragen haben. Deshalb haben Sie die Verantwortung für die Dinge, die hereingekommen
sind. Die Gemeinschaft der Gelehrten hat die Phänomenologie hereingetragen. (…) Nun wird es so dargestellt,
als ob ich es hineingetragen hätte. Die Forscher sind es, welche diesen Tatbestand in die Anthroposophie
hineingebracht haben. Ich würde es von mir abweisen, für so etwas Verantwortung zu übernehmen wie für
diesen Artikel über den Wasserstoff in der ‹Drei›. (…) Wenn Sie sich an diese Methode halten, die
herausgewachsen ist aus der Anthroposophie selber, dann werden Sie den Mut nicht zu verlieren brauchen. Aber
das Hereintragen der Universitätsmethoden geht nicht. Die Frage ist die: Will sich die Gesellschaft jetzt so
einsetzen, daß mir nicht mehr ins Gesicht geschlagen wird durch die Anthroposophische Gesellschaft wie
seither? 5

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Zu Dr. Theberat gesprochen. Das vollständige Zitat ist abgedruckt in: Rudolf Steiner: Das Schicksalsjahr 1923 in der Geschichte der
Anthroposophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner Gesamtausgabe Band 259, Dornach 1991, S. 242f.

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