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BETONHANDBUCH

BETONHANDBUCH
Technische Daten / Begriffe / Erläuterungen

Zement, Beton, zementgebundener Mörtel und Estrich

VERFASSER

Dipl.-Ing. Stefan Bender-Graß


Anwendungsberatung

Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke


Anwendungsberatung

Dipl.-Ing. André Hahn


Anwendungsberatung

Dipl.-Ing. Alexander Paatsch


Technisches Marketing

Dipl.-Ing. Ralf Rösler


Anwendungsberatung

Dipl.-Ing. Hagen Uhlig


Anwendungsberatung

HERAUSGEBER

OPTERRA GMBH
Brühl 8
04109 Leipzig
www.opterra-crh.com

Stand August 2015


Haftungsausschluss

Alle im OPTERRA Betonhandbuch enthaltenen Informationen, einschließlich aller


Inhalte, Definitionen, Auskünfte, Ratschläge und Hinweise, erteilen wir nach bestem
Wissen und Gewissen und schließen hierfür jegliche Haftung aus. Für die Aktualität,
Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernehmen wir keinerlei Gewähr,
Garantie oder Haftung.

Die OPTERRA GmbH schließt daher jegliche Haftung für Schäden aus, die direkt
oder indirekt durch die Nutzung des Betonhandbuchs entstehen.

Die OPTERRA GmbH behält sich das Recht vor, ohne vorherige Ankündigung
Änderungen oder Ergänzungen der bereitgestellten Informationen vorzunehmen
oder die Veröffentlichung einzustellen.
Vorwort

Bewährte Informationen, aktualisiert und vorgestellt unter neuem Namen. Das


OPTERRA Betonhandbuch präsentiert sich nach seiner Novellierung auf dem
aktuellen Wissensstand der Betontechnologie. Seit 1998 gibt es das Nachschlage-
werk, das in regelmäßigen Abständen überarbeitet wird. Es ist damit ein umfas-
sendes Kompendium sowohl für Betontechnologen als auch für jede Fachkraft,
die sich mit dem Baustoff Beton beschäftigt.

Alle Ausgangsstoffe für die Herstellung von Beton werden in dem Handbuch aus-
führlich beschrieben. Der Anwender findet detaillierte Informationen zur Herstel-
lung und anschließenden Verarbeitung des Betons im Werk oder auf der Bau-
stelle. Auch die aktuell gültigen Normen sind berücksichtigt und verständlich
erklärt. In den anschließenden Kapiteln werden Betone für Sonderanwendungen
wie ZTV-ING Bauwerke oder den Straßenbau behandelt. Individuelle Hinweise zu
Verarbeitung und Einbau, die auf der langjährigen Erfahrung der OPTERRA An-
wendungsberater basieren, sind ebenso zu finden wie ein Kapitel zur Nachhaltig-
keit.

Dem Nutzer soll mit der Neuauflage des Betonhandbuchs ein hilfreiches und
nützliches Werkzeug für die tägliche Arbeit an die Hand gegeben werden. Es
navigiert durch die gültigen Normen und Regelwerke, erspart dem Fachmann
aber nicht das Studium der einzelnen Normen.

Hinweise und Anregungen, die der Weiterentwicklung des Werkes dienen,


sind jederzeit willkommen. Sie können per E-Mail an das Redaktionsteam unter
awb@opterra-crh.com gerichtet werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I 3


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

A Definitionen
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

A. 1 Begriffsbestimmungen
A. 1. 1 Zement
A. 1. 2 Beton
A. 1. 3 Mörtel

A. 2 Unterscheidungsmerkmale
A. 2. 1 Unterscheidungsmerkmale für Beton
A. 2. 2 Unterscheidungsmerkmale für zementgebundene Mörtel

B Ausgangsstoffe für Betone

B. 1 Zement
Dipl.-Ing. André Hahn

B. 1. 1 Zementarten
B. 1. 2 Bestandteile
B. 1. 2. 1 Allgemeines
B. 1. 2. 2 Hauptbestandteile
B. 1. 2. 3 Nebenbestandteile
B. 1. 2. 4 Calciumsulfat
B. 1. 2. 5 Zement-Zusätze
B. 1. 3 Normbezeichnung
B. 1. 4 Bautechnische Eigenschaften (Normanforderungen)
B. 1. 5 Lieferung und Kennzeichnung
B. 1. 6 Güteüberwachung/Übereinstimmungsnachweis
B. 1. 7 Zemente für den Bau von Fahrbahndecken aus Beton
B. 1. 8 Sonstige nicht genormte Zementeigenschaften und
ihre Bedeutung
B. 1. 9 Typische Anwendungsgebiete und Eigenschaften
verschiedener Zemente

Inhalt 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 2 Gesteinskörnungen für Beton und Mörtel
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

B. 2. 1 Gesteinskörnungsarten
B. 2. 1. 1 Leichte Gesteinskörnung
B. 2. 1. 2 Normale Gesteinskörnung
B. 2. 1. 3 Schwere Gesteinskörnung
B. 2. 2 Gesteinskörnung für Beton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2
B. 2. 2. 1 Kornklasse, Korngruppe, Lieferkörnung
B. 2. 2. 2 Bezeichnung
B. 2. 2. 3 Lieferung nach Bauproduktenverordnung (BauPVO)
B. 2. 2. 4 Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung
B. 2. 2. 5 Anforderungen
B. 2. 2. 6 Hinweise zur Verwendung von Gesteinskörnung im Beton
B. 2. 2. 7 Gesteinskörnung mit alkalireaktiver Kieselsäure
und vorbeugende Maßnahmen
B. 2. 2. 8 Sieblinien nach DIN 1045-2
B. 2. 2. 9 Kennwerte für Korngemische
B. 2. 2. 9. 1 Sieblinien-Kennwerte
B. 2. 2. 9. 2 Spezifische Oberfläche
B. 2. 2. 9. 3 Kennwerte für Sieblinien nach DIN 1045-2
B. 2. 2. 9. 4 Eigenfeuchte, Oberflächenfeuchte, Kernfeuchte
B. 2. 2. 9. 5 Wasseranspruch eines Korngemisches

B. 3 Zugabewasser
Dipl.-Ing. André Hahn

B. 3. 1 Definition und Norm


B. 3. 2 Klassifikation der Arten von Wasser
B. 3. 3 Anforderungen
B. 3. 4 Probenahme
B. 3. 5 Restwasser

B. 4 Betonzusätze
Dipl.-Ing. Stefan Bender-Graß

B. 4. 1 Definitionen
B. 4. 2 Betonzusatzmittel (BZM)
B. 4. 2. 1 Definition und Anforderungen
B. 4. 2. 2 Zugabemengen
B. 4. 2. 3 Wirkungsgruppen und Kennzeichnung
B. 4. 2. 3. 1 Betonverflüssiger (BV)
B. 4. 2. 3. 2 Fließmittel (FM)
B. 4. 2. 3. 3 Luftporenbildner (LP)
B. 4. 2. 3. 4 Dichtungsmittel (DM)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 5


B. 4. 2. 3. 5 Verzögerer (VZ)
B. 4. 2. 3. 6 Beschleuniger (BE, SBE)
B. 4. 2. 3. 7 Zusatzmittel für Einpressmörtel (EH)
B. 4. 2. 3. 8 Stabilisierer (ST)
B. 4. 2. 3. 9 Chromatreduzierer (CR)
B. 4. 2. 3. 10 Recyclinghilfen für Waschwasser (RH)
B. 4. 2. 3. 11 Schaumbildner (SB)
B. 4. 2. 3. 12 Verzögerer/Fließmittel (VZ/FM)
B. 4. 2. 3. 13 Viskositätsmodifizierer (VMA)
B. 4. 2. 4 Allgemeine Hinweise zur Handhabung, Lagerung und
Verwendung von Betonzusatzmitteln
B. 4. 3 Betonzusatzstoffe (BZS)
B. 4. 3. 1 Anforderungen
B. 4. 3. 2 Wirkungsweise und Anwendungsbereiche
B. 4. 3. 2. 1 Nahezu inaktive (inerte) BZS des Typs I
B. 4. 3. 2. 2 Puzzolanische BZS des Typs II
B. 4. 3. 2. 3 Organische Stoffe
B. 4. 3. 2. 4 Faserartige Stoffe
B. 4. 3. 2. 5 Sonstige Zusatzstoffe
B. 4. 3. 3 Kennwerte und technische Daten
B. 4. 3. 4 Anrechenbarkeit von Betonzusatzstoffen Typ II
B. 4. 3. 4. 1 k-Werte
B. 4. 3. 4. 2 Äquivalenter Wasserzementwert
B. 4. 3. 4. 3 Einsatz von Flugasche nach DIN EN 450-1
B. 4. 3. 4. 4 Einsatz von Silikastaub als Betonzusatzstoff
B. 4. 3. 4. 5 Gleichzeitiger Einsatz von Flugasche und Silikastaub
B. 4. 3. 4. 6 Einsatz von Hüttensandmehl als Betonzusatzstoff

Inhalt 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C Betonherstellung und -verarbeitung
nach DIN EN 206-1 / DIN 1045-2
C. 1 Begriffe, Betonarten, Expositionsklassen,
Druckfestigkeitsklassen
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 1. 1 Begriffe
C. 1. 2 Betonarten
C. 1. 2. 1 Beton nach Eigenschaften
C. 1. 2. 2 Beton nach Zusammensetzung
C. 1. 2. 3 Standardbeton
C. 1. 3 Expositionsklassen
C. 1. 3. 1 Grenzwerte für die Expositionsklassen bei
chemischem Angriff durch natürliche Böden und Grundwasser
C. 1. 4 Druckfestigkeitsklassen für Normalbeton und Schwerbeton

C. 2 Frischbetoneigenschaften
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 2. 1 Konsistenz
C. 2. 2 Luftgehalt

C.3 Betonzusammensetzung/Grundsätzliche
Anforderungen
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 3. 1 Mehlkorn- und Feinstsandgehalt


C. 3. 2 Anforderungen an Korngemische
C. 3. 2. 1 Kennzeichnung der Kornzusammensetzung durch
Regelsieblinien
C. 3. 2. 2 Bedeutung und Auswirkungen der Kornzusammensetzung
C. 3. 2. 3 Bedeutung des Größtkorns
C. 3. 2. 4 Zusammensetzung einer vorgegebenen Sieblinie aus
vorhandenen Korngruppen
C. 3. 3 Chloridgehalt
C. 3. 4 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe
Zement, Zugabewasser/Restwasser, Zusätze
C. 3. 5 Anforderungen bei Verwendung alkaliempfindlicher
Gesteinskörnung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 7


C. 4 Anforderungen an die Betonzusammensetzung
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 4. 1 Normanforderungen in Abhängigkeit von den Expositionsklassen


C. 4. 2 Zusätzliche Anforderungen an Betone
für spezielle Anwendungen

C. 5 Mischungsentwurf
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 5. 1 Stoffraumrechnung
C. 5. 2 Vorgehensweise bei der Mischungsberechnung

C. 6 Lieferung von Frischbeton


Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 6. 1 Informationen von der Baustelle an den Betonhersteller


C. 6. 2 Informationen vom Betonhersteller an die Baustelle
C. 6. 3 Lieferschein Transportbeton
C. 6. 4 Konsistenzeinstellung bei Lieferung
C. 6. 5 Dosieren der Betonausgangsstoffe

C. 7 Verarbeitung und Nachbehandlung des Betons


Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 7. 1 Befördern und Fördern, Einbringen und Verdichten,


Verarbeitungszeit
C. 7. 1. 1 Befördern von Frischbeton
C. 7. 1. 2 Fördern von Frischbeton
C. 7. 1. 3 Einbringen von Frischbeton
C. 7. 1. 4 Verdichten von Frischbeton
C. 7. 1. 5 Frischbetondruck shk,max auf lotrechte Schalungen
C. 7. 1. 6 Verarbeitungszeit von Frischbeton
C. 7. 2 Frischbetontemperatur/Außentemperatur
beim Betoniervorgang
C. 7. 2. 1 Ermittlung der Frischbetontemperatur
C. 7. 2. 2 Betonieren bei kühler Witterung und bei Frost
C. 7. 2. 3 Betonieren bei heißer Witterung
C. 7. 3 Betondeckung der Bewehrung
C. 7. 3. 1 Begriffe
C. 7. 3. 2 Verlegemaß cv
C. 7. 3. 3 Betondeckung der Bewehrung in Abhängigkeit
von den Expositionsklassen

Inhalt 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 3. 4 Vergrößerung oder Verminderung der Betondeckung
C. 7. 4 Nachbehandlung und Schutz von Beton
C. 7. 4. 1 Allgemeines
C. 7. 4. 2 Nachbehandlungsverfahren
C. 7. 4. 3 Nachbehandlungsdauer
C. 7. 4. 4 Schutz gegen extreme Temperaturen
C. 7. 4. 5 Schutz gegen sonstige schädigende Einflüsse
C. 7. 5 Ausschalfristen
C. 7. 6 Temperaturabhängige Festigkeitsentwicklung des Betons
C. 7. 7 Festbetontemperatur, Hydratationswärme, Massenbeton
C. 7. 7. 1 Ermittlung der Festbetontemperatur im Bauteilkern
C. 7. 7. 2 Besondere Maßnahmen bei der Herstellung von
massigen Bauteilen aus Beton

C. 8 Qualitätssicherung im Transportbetonwerk und


auf der Baustelle
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 8. 1 Erstprüfung
C. 8. 2 Konformitätskontrolle und Konformitätskriterien
C. 8. 3 Überwachungsprüfungen durch das Bauunternehmen
C. 8. 4 Konformitätskontrolle, Überwachung und Zertifizierung
C. 8. 5 Bewertung der Druckfestigkeit von Beton in Bauwerken
oder in Bauwerksteilen nach DIN EN 13791

C. 9 Fertigteile aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton


Dipl.-Ing. Hagen Uhlig

C. 9. 1 Anwendungsbereich
C. 9. 2 Begriffe
C. 9. 2. 1 Herstellung von Fertigteilen
C. 9. 3 Anforderungen
C. 9. 3. 1 Allgemeine Anforderungen
C. 9. 3. 2 Besondere Anforderungen an Baustoffe und
an die Nachbehandlung
C. 9. 3. 3 Anforderungen an Auslieferung und Transport
C. 9. 3. 4 Anforderungen an die technische und personelle Ausstattung
C. 9. 4 Konformitätskontrolle und Konformitätskriterien
C. 9. 4. 1 Werkseigene Produktionskontrolle
C. 9. 5 Kennzeichnung und Lieferschein von Betonfertigteilen
C. 9. 6 Beurteilung der Konformität

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 9


D Betone nach „Zusätzliche Technische
Vertragsbedingungen“ (ZTV)
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

D. 1 Betone nach ZTV-ING


D. 1. 1 Beton nach ZTV-ING, Teil 3, Massivbau
D. 1. 2 Beton nach ZTV-ING, Teil 5, Tunnelbau
D. 1. 2. 1 Geltungsbereich
D. 1. 2. 2 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe
D. 1. 2. 3 Anforderungen an den Spritzbeton
D. 1. 2. 4 Anforderungen an den Beton für Tunnelinnenschalen
D. 1. 2. 5 Prüfumfang bei Beton für Tunnelinnenschalen

D. 2 Wasserbauwerke aus Beton und Stahlbeton


nach ZTV-W LB 215
D. 2. 1 Anwendung
D. 2. 2 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe nach ZTV-W LB 215

D. 3 Betone für den Bau von Fahrbahndecken


nach ZTV Beton-StB 07
D. 3. 1 Anwendung
D. 3. 2 Begriffsbestimmungen
D. 3. 3 Dicke der Betondecken
D. 3. 4 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe
D. 3. 5 Anforderungen an die Betonzusammensetzung
D. 3. 6 Fahrbahndecken aus Beton mit Fließmittel

D. 4 Tragschichten im Straßenbau
nach TL Beton-StB 07
D. 4. 1 Anwendung
D. 4. 2 Begriffe
D. 4. 3 Anforderungen an die Ausgangsstoffe
D. 4. 4 Anforderungen an die Baustoffgemische
D. 4. 5 CE-Kennzeichnung und Lieferschein

Inhalt 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


E Selbstverdichtender Beton (SVB)
Dipl.-Ing. André Hahn

E. 1 Begriffe, Technische Daten


E. 1. 1 Normative Verweise
E. 1. 2 Rheologische Vorbetrachtungen
E. 1. 3 Begriffe, Anwendungsbereiche für SVB

E. 2 Anforderungen, Eigenschaften, Prüfungen


E. 2. 1 Ausgangsstoffe
E. 2. 2 Frischbeton
E. 2. 3 Festbeton

E. 3 Mischungsentwurf, Rezepturenentwicklung
E. 3. 1 Mehlkorn
E. 3. 2 Mörtel
E. 3. 3 Beton

E. 4 Hinweise für die Herstellung und Verarbeitung


von SVB
E. 4. 1 Herstellen
E. 4. 2 Einbringen
E. 4. 3 Schalung
E. 4. 4 Sichtbeton
E. 4. 5 Personal

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 11


F Spritzbeton
Dipl.-Bauing. Stefan Bender-Graß

F. 1 Einleitung

F. 2 Verfahren
F. 2. 1 Trockenspritzverfahren
F. 2. 2 Nassspritzverfahren

F. 3 Einsatzgebiete
F. 3. 1 Tunnelbau
F. 3. 1. 1 Die neue österreichische Tunnelbauweise (NÖT)
F. 3. 1. 2 Auskleidung von Hohlräumen
F. 3. 1. 3 Einschaliger Spritzbetonausbau
F. 3. 2 Bergbau
F. 3. 3 Hangsicherung
F. 3. 4 Baugrubensicherung
F. 3. 5 Verstärken
F. 3. 6 Instandsetzung
F. 3. 7 Sanierung historischer Bauwerke
F. 3. 8 Sonstiges/Anmerkungen

F. 4 Anforderungen an den Spritzbeton


F. 4. 1 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe
F. 4. 1. 1 Anforderungen an den Frischbeton
F. 4. 2 Klassifizierung von Spritzbeton
F. 4. 2. 1 Festigkeitsentwicklung des jungen Spritzbetons
F. 4. 3 ZTV-ING, Teil 5, Tunnelbau (geschlossene Bauweise)

F. 5 Sonderspritzbetone
F. 5. 1 Faserspritzbeton
F. 5. 2 Kunststoffmodifizierte Betone

F. 6 Zusätze
F. 6. 1 Zusatzmittel
F. 6. 2 Zusatzstoffe

F. 7 Bewertung der Übereinstimmung


F. 7. 1 Überwachungskategorien
F. 7. 2 Erstprüfung (Eignungsprüfung)
F. 7. 3 Produktionskontrolle/Überwachung

Inhalt 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


G Sichtbeton
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

H Sonderbetone

H. 1 Stahlfaserbeton
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

H. 1. 1 Allgemeines
H. 1. 2 DAfStb-Richtlinie „Stahlfaserbeton“
H. 1. 2. 1 Stahlfasern
H. 1. 2. 2 Leistungsklassen
H. 1. 3 Herstellung
H. 1. 3. 1 Prüfung Nachrisszugfestigkeit
H. 1. 3. 2 Prüfung des Stahlfasergehalts nach Anhang M
oder DAfStb-Richtlinie „Stahlfaserbeton“
H. 1. 4 Dauerhaftigkeit
H. 1. 5 Zusammenfassung der Anforderungen der
DAfStb-Richtlinie „Stahlfaserbeton“
H. 1. 5. 1 Anwendungsbereiche
H. 1. 5. 2 Fasern
H. 1. 5. 3 Festlegungen
H. 1. 5. 4 WPK – Werkseigene Produktionskontrolle
H. 1. 5. 5 Erstprüfung (je Sorte)
H. 1. 5. 6 Konformität
H. 1. 5. 7 Lieferschein
H. 1. 5. 8 Überwachung der Bauausführung

H. 2 Leichtbeton
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

H. 2. 1 Allgemeines
H. 2. 2 Gefügedichter Leichtbeton (Konstruktiver Leichtbeton)
H. 2. 2. 1 Grundsätze für den Mischungsentwurf von
gefügedichtem Leichtbeton
H. 2. 2. 2 Hinweise zur Verarbeitung von gefügedichtem Leichtbeton
H. 2. 2. 3 Leichtbeton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2,
ein Beispiel aus der Praxis (gefügedichter Leichtbeton)
H. 2. 3 Haufwerksporige Leichtbetone
H. 2. 3. 1 Normen für Betonprodukte aus haufwerksporigem Leichtbeton
H. 2. 3. 2 Grundsätze für den Mischungsentwurf von
haufwerksporigem Leichtbeton

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 13


H. 3 Strahlenschutzbeton
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

H. 3. 1 Allgemeines
H. 3. 2 Ausgangsstoffe
H. 3. 3 Betonzusammensetzung
H. 3. 4 Herstellen und Verarbeiten
H. 3. 5 Konformität von Strahlenschutzbeton
H. 3. 6 Widerstand von Beton gegen radioaktive Strahlung
H. 3. 7 Rezepturen für Strahlenschutz- bzw. Schwerbetone
H. 3. 8 Gesetzliche Grundlagen und Technische Regelwerke

Inhalt 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I Betonwaren
Dipl.-Ing. Hagen Uhlig

I. 1 Begriffsbestimmungen
I. 1. 1 Arten von Betonwaren

I. 2 Betonausgangsstoffe

I. 3 Herstellverfahren für Betonwaren


I. 3. 1 Einfluss der Ausgangsstoffe und des w/z-Werts
auf die Betonqualität
I. 3. 2 Herstellungseinflüsse auf die Qualität von Betonwaren

I. 4 Qualitätsanforderungen/Prüfungen

I. 5 Lagerung von Betonwaren

I. 6 Ausblühungen
I. 6. 1 Entstehung der Ausblühungen
I. 6. 2 Lagerungsart und Ausblühungen

I. 7 Terrazzoplatten
I. 7. 1 Begriffsbestimmung
I. 7. 2 Ausgangsstoffe
I. 7. 3 Anforderungen an Terrazzoplatten für den Innen-
und Außenbereich
I. 7. 4 Konformitätsbewertung und Konformitätskriterien

I. 8 Betonwerkstein
I. 8. 1 Gestaltungsmöglichkeiten von Betonwerkstein
I. 8. 1. 1 Gestaltungsmöglichkeiten über die Auswahl der Betonausgangs-
stoffe
I. 8. 1. 2 Bearbeitung und Behandlung von Betonwerkstein
I. 8. 1. 3 Nachträgliche Oberflächenbearbeitung von Betonwerkstein
I. 8. 2 Anforderungen an Betonwerkstein
I. 8. 3 Konformitätsbewertung und Konformitätskriterien

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 15


I. 9 Sonstige Betonprodukte und nicht genormte
Betonprodukte gemäß BGB-RiNGB
I. 9. 1 Sonstige Betonprodukte
I. 9. 1. 1 Anforderungen
I. 9. 1. 2 Konformitätsbewertung
I. 9. 1. 3 Kennzeichnung
I. 9. 2 Nicht genormte Betonprodukte gemäß BGB-RiNGB
I. 9. 2. 1 Anforderungen
I. 9. 2. 2 Güteüberwachung
I. 9. 2. 3 Kennzeichnung

Inhalt 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


K Estriche
Dipl.-Ing. Alexander Paatsch

K. 1 Definitionen
K. 1. 1 Begriffsbestimmungen
K. 1. 2 Unterscheidungsmerkmale
K. 1. 3 Normbezeichnungen

K. 2 Allgemeine Anforderungen

K. 3 Zementestriche
K. 3. 1 Ausgangsstoffe
K. 3. 2 Anforderungen
K. 3. 3 Hinweise für das Herstellen und Verarbeiten
von Zement-Estrichmörteln
K. 3. 4 Zementfließestriche
K. 3. 4. 1 Produkt
K. 3. 4. 2 Anlagen- und Transporttechnik
K. 3. 4. 3 Einbau und Nachbehandlung
K. 3. 4. 4 Zusammenfassung
K. 3. 5 Kunstharzmodifizierte Zementestriche

K. 4 Kennwerte unterschiedlicher Estricharten

K. 5 Fugenausbildung in Estrichen
K. 5. 1 Begriffsbestimmungen
K. 5. 2 Erforderliche Fugen
K. 5. 3 Hinweise zur Festlegung von Estrichfeldgrößen und Fugen
K. 5. 3. 1 Heizestriche und schwimmende Zementestriche
K. 5. 3. 2 Estrich auf Trennschicht

K. 6 Bewehrung von Estrichen

K. 7 Prüfung von Estrichen


K. 7. 1 Prüfung der Ausgangsstoffe
K. 7. 2 Prüfen des Estrichs
K. 7. 2. 1 Prüfungsarten
K. 7. 2. 2 Prüfvorschriften
K. 7. 2. 3 Erstprüfung
K. 7. 2. 4 Werkseigene Produktionskontrolle
K. 7. 2. 5 Erhärtungsprüfung
K. 7. 2. 6 Werkseigene Produktionskontrolle für ausgewählte Beispiele

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 17


L Putz- und Mauermörtel
Dipl.-Ing André Hahn

L. 1 Mauermörtel
L. 1. 1 Begriffe, Technische Daten
L. 1. 2 Mörtelarten, Mörtelzusammensetzungen und
Anforderungen nach DIN V 18580
L. 1. 2. 1 Normalmauermörtel (NM)
L. 1. 2. 2 Leichtmauermörtel (LM)
L. 1. 2. 3 Dünnbettmörtel (DM)
L. 1. 2. 4 Anwendung und Verarbeitung
L. 1. 3 Mauermörtel nach DIN EN 998-2
L. 1. 3. 1 Anforderungen an den Frischmörtel
L. 1. 3. 2 Eigenschaften des Festmörtels
L. 1. 4 Qualitätssicherung und Kennzeichnung

L. 2 Putzmörtel
L. 2. 1 Begriffe, Technische Daten
L. 2. 2 Zusammensetzung und Anforderungen
L. 2. 3 Putzmörtel nach DIN EN 998-1

Inhalt 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


N Nachhaltigkeit1
Dipl.-Ing. Alexander Paatsch

N. 1 Nachhaltiges Bauen mit zementgebundenen


Baustoffen
N. 1. 1 Begriffsbestimmungen

N. 2 Umweltwirkungen der Zement- und


Betonherstellung
N. 2. 1 Umweltwirkungen der Zementherstellung
N. 2. 2 Umweltwirkungen der Betonherstellung

N. 3 Zertifizierungssysteme für Gebäude


N. 3. 1 DGNB®-System
N. 3. 2 Weitere Zertifizierungs-Systeme

Regelwerke

Stichworte

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I Inhalt 19


A Definitionen
A. 1 Begriffsbestimmungen
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

A. 1. 1 Zement

Zement ist ein pulverförmiges Bindemittel, das unter Zugabe von Wasser
hydraulisch erstarrt und anschließend erhärtet. Nach Ablauf dieser Hydratati-
on entsteht Zementstein, der sich mit der Gesteinskörnung zu einem festen und
dauerhaften Kompositwerkstoff – dem Beton – verbindet.

Zemente bestehen aus Portlandzementklinker und weiteren latent-hydraulischen,


puzzolanischen oder nicht reaktiven Hauptbestandteilen. Diese werden im Ze-
mentwerk miteinander homogen vermischt oder gemeinsam vermahlen.

A. 1. 2 Beton

Beton ist ein künstlicher Stein, der aus einem Gemisch von Zement, Gesteinskör-
nung und Wasser – gegebenenfalls unter Zugabe von Betonzusätzen zur Erzeu-
gung bestimmter Eigenschaften – hergestellt wird.

Dem durch intensives Mischen der Komponenten erzeugten Frischbeton wird ei-
ne gewünschte Form gegeben, die er in erhärtetem Zustand – nach Ablauf der
Hydratation – beibehält.

A. 1. 3 Mörtel

Mörtel sind Gemische von einem oder mehreren Bindemitteln, zumeist feine Ge-
steinskörnungen und Wasser sowie bestimmten Zusätzen zur Erzeugung beson-
derer Eigenschaften. Bei Mörteln aus Baugipsen und Anhydritbindern kann die
Gesteinskörnung entfallen.

Zementgebundene Mörtel sind Gemische aus Zement als Bindemittel und feine
Gesteinskörnungen bis 4 mm Größtkorn (Trockenmörtel), die unter Wasserzu-
gabe verarbeitet werden (Frischmörtel). Auch hier können Zusätze beigegeben
werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I A 1


A. 2 Unterscheidungsmerkmale
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

A. 2. 1 Unterscheidungsmerkmale für Beton

Tafel A.1: Unterscheidung nach dem Erhärtungszustand

Frischbeton Beton, der noch verarbeitbar ist

Grüner Beton Beton unmittelbar nach dem Verdichten und noch vor dem
Erstarren

Junger Beton Beton nach dem Erstarren, der nicht mehr verarbeitbar ist

Festbeton Beton, der erhärtet ist

Tafel A.2: Unterscheidung nach der Trocken-Rohdichte 1)

Betonart Trocken-Rohdichte Beispiele für


[kg/dm3] oder [t/m3] Gesteinskörnungen

Leichtbeton 0,8 … 2,0 Naturbims, Hüttenbims,


Blähton, Blähschiefer,
Ziegelsplitt, geschäumte
Kunststoffkörnung

Normalbeton > 2,0 … 2,6 Sand, Kies (ungebrochen),


Brechsand, Splitt (gebrochen),
Hochofenstückschlacke

Schwerbeton > 2,6 Schwerspat (Baryt),


Magnetit,
Eisengranalien

Definition der „Dichte”-Begriffe siehe Kapitel B. 2. 1


1)

Bei nicht vorliegender Verwechslungsgefahr wird Normalbeton auch verein-


fachend nur als „Beton” bezeichnet.

A 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel A.3: Unterscheidung nach der Art der Bewehrung

Unbewehrter Beton ohne Bewehrung

Stahlbeton mit schlaffer Bewehrung

Spannbeton bewehrter Beton, zusätzlich mit vorgespannten Spannstählen

Faserbeton Bewehrung und Fasern aus unterschiedlichem Material 1)

Tafel A.4: Unterscheidung nach dem Ort der Herstellung oder des Einbringens

Baustellenbeton Beton, dessen Bestandteile auf der Baustelle zugemessen und


gemischt werden.

Transportbeton Beton, dessen Bestandteile außerhalb der Baustelle zuge­


messen und dort oder in Fahrzeugen gemischt werden. Nach
dem Transport zur Baustelle mittels Fahrzeugen wird Trans-
portbeton dort einbaufertig übergeben.

Betonerzeugnisse Betonfertigteile, Betonwaren und Betonwerksteine, die als


erhärtete Betonbauteile auf der Baustelle eingebaut werden.

Tafel A.5: Unterscheidung nach der maßgebenden Herstellungsnorm bzw.


Richtlinie

Beton nach Zusätzlichen ZTV des Bundesministeriums


Technischen Vertragsbedingungen für Verkehr und digitale Infrastruktur

Beton nach europäischer Normung DIN EN 206-1

DBV-Merkblatt "Stahlfaserbeton". Deutscher Beton- und Bautechnik-Verein, Berlin


1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I A 3


Tafel A.6: Unterscheidung nach den Druckfestigkeitsklassen für
Normal-/Schwerbeton und hochfesten Beton

Druckfestigkeitsklasse Charakteristische Charakteristische


Mindestdruckfestigkeit Mindestdruckfestigkeit
von Zylindern fck,cyl von Würfeln fck,cube
[N/mm2] [N/mm2]
C8/10 8 10
C12/15 12 15
C16/20 16 20
C20/25 20 25
C25/30 25 30
C30/37 30 37
C35/45 35 45
C40/50 40 50
C45/55 45 55
C50/60 50 60
Hochfester Beton
C55/67 55 67
C60/75 60 75
C70/85 70 85
C80/95 80 95
C90/1051) 90 105
C100/1151) 100 115

Für diese Druckfestigkeitsklassen ist eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder eine
1)

Zustimmung im Einzelfall erforderlich.

Tafel A.7: Sonstige Unterscheidungsmerkmale

Art des Förderns Schüttbeton/Pumpbeton/Spritzbeton/Unterwasser-


und Einbringens beton
Art der Verdichtung Stampfbeton/Rüttelbeton/Schleuderbeton/Walzbe-
ton/Vakuumbeton/Selbstverdichtender Beton (SVB)
Art der Oberflächenbeschaf- Sichtbeton/Waschbeton/Beton mit werksteinmäßig
fenheit des Festbetons bearbeiteter Oberfläche
Einwirkung Beton für:
der Umgebung – Unterwasserschüttung
– hohe Gebrauchstemperaturen
– Strahlenschutz
– Tresore
– Flüssigkeitsdichter (FD) Beton

A 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


A. 2. 2 Unterscheidungsmerkmale für zementgebundene Mörtel

Tafel A.8: Unterscheidung nach dem Herstellungsort

Werkmörtel in einem Werk genau dosiert zusammengesetzter Mörtel


(DIN EN 998)

Baustellenmörtel auf der Baustelle (meist nach Raumteilen) zusammengesetzt

Tafel A.9: Unterscheidung nach dem Bestimmungszweck

Mauermörtel Mörtel, der mit Mauersteinen zur Herstellung von Mauerwerk


verwendet wird (DIN EN 998-2)

Putzmörtel Mörtel, der an Decken oder Wänden (innen und außen)


ein- oder mehrlagig in bestimmter Dicke aufgetragen wird
(DIN EN 998-1)

Fugenmörtel Mörtel zum „Schließen” von Mauerwerks- oder Fliesenfugen


(teils ohne Gesteinskörnung)

Reparaturmörtel Mörtel zur Verwendung bei der Betoninstandsetzung;


falls Zementmörtel, dann zumeist mit Kunstharzdispersionen
vergütet

Einpressmörtel Mörtel, der im Spannbetonbau in die Hüllrohre gepresst


wird; stellt Verbund zwischen Beton und Spannstahl her und
schützt den Spannstahl vor Korrosion (DIN EN 447)

Schlitzmörtel Mörtel zum Schließen von Wandschlitzen und Installations-


schächten; meist mit Polystyrolkugeln als Körnung sowie
chemischen Zusätzen

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I A 5


B Ausgangsstoffe für Betone
Das nachfolgende Kapitel B enthält technische Daten und Begriffserläuterungen
zu Betonausgangsstoffen, die bei der Herstellung von Betonen nach nationaler
Normung (DIN) bzw. Allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung und/oder europä-
ischer Normung maßgebend sind.

Hiervon abweichende Regelungen aus Zusätzlichen Technischen Vertragsbedin-


gungen des Bundesministers für Verkehr (ZTV), die bei der Betonherstellung für
bestimmte Verkehrsbauten zu beachten sind, sind im Kapitel D aufgeführt.

B. 1 Zement
Dipl.-Ing. André Hahn

Zement ist ein feingemahlenes, hydraulisches Bindemittel für Mörtel und Beton,
das mit Wasser gemischt Zementleim ergibt.

Dieser erhärtet selbständig durch Hydratation sowohl an der Luft als auch unter
Wasser. Der dann entstehende Zementstein ist wasser- und raumbeständig.

Anmerkung
Es gibt auch Zemente, deren Erhärtung hauptsächlich auf anderen chemisch-
mineralogischen Verbindungen beruht, z.B. Calciumaluminat in Tonerdezement.
Tonerdezemente nach DIN EN 14647 sind nicht Gegenstand dieses Kapitels. Glei-
ches gilt für Sulfathüttenzement nach DIN EN 15743.

B. 1. 1 Zementarten

Die europäische Zementnorm DIN EN 197-1 regelt Normalzemente. Außerdem


werden darin auch besondere Eigenschaften von Zementen genormt. Das betrifft
Hochofenzemente mit von Normalzementen abweichenden Anfangsfestigkeiten
und Normalzemente mit hohem Sulfatwiderstand.

Zusätzlich gilt die DIN EN 14216 für Zemente mit sehr niedriger Hydratationswär-
me.

Die nationale „Restnorm” DIN 1164 regelt in Teil 10 Zemente mit niedrigem wirk-
samen Alkaligehalt (NA-Zement), in Teil 11 Zemente mit verkürztem Erstarren
und in Teil 12 Zemente mit einem erhöhten Anteil organischer Zusätze.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 1


Die Normalzemente nach DIN EN 197-1 werden in Abhängigkeit von Art und Men-
ge der verwendeten Hauptbestandteile fünf Hauptzementarten zugeordnet.

CEM I – Portlandzement
CEM II – Portlandkompositzement
CEM III – Hochofenzement
CEM IV – Puzzolanzement
CEM V – Kompositzement

Portlandzement (CEM l) enthält als Hauptbestandteil ausschließlich Portland­


zementklinker.

Portlandkompositzemente (CEM II) bestehen aus mehreren Hauptbestandteilen,


wobei der Portlandzementklinkeranteil mit Anteilen von 65 M.-% bis 94 M.-%
überwiegt.

Hochofenzemente (CEM III) enthalten neben Portlandzementklinker einen bedeu-


tenden Anteil gemahlenen Hüttensand als Hauptbestandteil.

Für die Zusammensetzung der Normalzemente nach DIN EN 197-1 ist Tafel B.1 zu
beachten.

Darüber hinaus werden die Normalzemente in Festigkeitsklassen unterteilt (siehe


Abschnitt B. 1. 3 und B. 1. 4). Aus den Festigkeitsklassen leiten sich mechanische
und physikalische Anforderungen an die Zemente ab (siehe Tafel B.4).

Nach DIN EN 14216 werden Sonderzemente mit sehr niedriger Hydratationswär-


me in Abhängigkeit von Art und Menge der verwendeten Hauptbestandteile in
drei Hauptzementarten unterteilt.

VLH III – Hochofenzement


VLH IV – Puzzolanzement
VLH V – Kompositzement

Hochofenzemente mit sehr niedriger Hydratationswärme werden bezüglich ihrer


Zusammensetzung in VLH III/B und VLH III/C unterteilt und entsprechen bezüg-
lich der Anteile der Hauptbestandteile CEM III/B und CEM III/C.

Die Bezeichnung der Normalzemente nach DIN EN 197-1 und ihre mögliche Zu-
sammensetzung sind in Tafel B.1 angegeben.

B 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.1: Bezeichnung der Normalzemente und Zusammensetzung nach
DIN EN 197-1
Zusammensetzung [M-%] 1)



Hauptbestandteile

Puzzolane Flugasche

Haupt- Bezeichnung Portland- Hütten- Silika- natürlich natürlich kiesel- kalk- Ge- Kalkstein Neben-
arten der zement- sand staub ge- säure- reich brannter bestand-
Normal- klinker tempert reich Schiefer teile
zemente

K S D 2)
P Q V W T L LL

CEM I Portland- CEM I 95 - 100 - - - - - - - - - 0 - 5
zement

Portland- CEM II/A-S 80 - 94 6 - 20 - - - - - - - - 0 - 5
hütten-
zement CEM II/B-S 65 - 79 21 - 35 - - - - - - - - 0 - 5

Portland-
silicastaub- CEM II/A-D 90 - 94 - 6 - 10 - - - - - - - 0 - 5
zement

Portland- CEM II/A-P 80 - 94 - - 6 - 20 - - - - - - 0 - 5


puzzolan-
zement CEM II/B-P 65 - 79 - - 21 - 35 - - - - - - 0 - 5

CEM II/A-Q 80 - 94 - - - 6 - 20 - - - - - 0 - 5

CEM II/B-Q 65 - 79 - - - 21 - 35 - - - - - 0 - 5

Portland- CEM II/A-V 80 - 94 - - - - 6 - 20 - - - - 0 - 5
CEM II flugasche-
zement CEM II/B-V 65 - 79 - - - - 21 - 35 - - - - 0 - 5

CEM II/A-W 80 - 94 - - - - - 6 - 20 - - - 0 - 5

CEM II/B-W 65 - 79 - - - - - 21 - 35 - - - 0 - 5

Portland- CEM II/A-T 80 - 94 - - - - - - 6 - 20 - - 0 - 5


schiefer-
zement CEM II/B-T 65 - 79 - - - - - - 21 - 35 - - 0 - 5

Portland- CEM II/A-L 80 - 94 - - - - - - - 6 - 20 - 0 - 5
kalkstein-
zement CEM II/B-L 65 - 79 - - - - - - - 21 - 35 - 0 - 5

CEM II/A-LL 80 - 94 - - - - - - - - 6 - 20 0 - 5

CEM II/B-LL 65 - 79 - - - - - - - - 21 - 35 0 - 5

Portland- CEM II/A-M 80 - 88 12 - 20 0 - 5
komposit
zement 3) CEM II/B-M 65 - 79 21 - 35 0 - 5

Hoch- CEM III/A 35 - 64 36 - 65 - - - - - - - - 0 - 5
ofen-
CEM III zement CEM III/B 20 - 34 66 - 80 - - - - - - - - 0 - 5

CEM III/C 5 - 19 81 - 95 - - - - - - - - 0 - 5

Puzzolan- CEM IV/A 65 - 89 - 11 - 35 - - - 0 - 5
CEM IV zement 3)
CEM IV/B 45 - 64 - 36 - 55 - - - 0 - 5

CEM V Komposit- CEM V/A 40 - 64 18 - 30 - 18 - 30 - - - - 0 - 5
zement 3)
CEM V/B 20 - 38 31 - 49 - 31 - 49 - - - - 0 - 5

Die Werte in der Tafel beziehen sich auf die Summe der Haupt- und Nebenbestandteile.
1)

2)
Der Anteil von Silikastaub ist auf 10 M.-% begrenzt.
3)
In den Portlandkompositzementen CEM II/A-M und CEM II/B-M,
in den Puzzolanzementen CEM IV/A und CEM IV/B und in den Kompositzementen
CEM V/A und CEM V/B müssen die Hauptbestandteile außer Portlandzementklinker
durch die Bezeichnung des Zements angegeben werden.

Anmerkung
Der Eindeutigkeit halber beziehen sich die Anforderungen an die Zusammenset-
zung auf die Summe aller Haupt- und Nebenbestandteile. Der gebrauchsfertige
Zement besteht aus den Haupt- und Nebenbestandteilen, dem erforderlichen
Calciumsulfat und den verwendeten Zusätzen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 3


Einschränkungen bei der Verwendung bestehen bei CEM IV-, CEM V- und
CEM III/C-Zementen.

Bei einigen CEM II-M-Zementen müssen insbesondere bei Verwendung für frost-
beanspruchte und chloridbeaufschlagte Bauteile Einschränkungen gemacht wer-
den, sofern diese nicht durch eine zugehörige bauaufsichtliche Zulassung aufge-
hoben wurden.

Zemente mit besonderen Eigenschaften nach DIN EN 197-1 bzw. DIN 1164,
Teile 10 bis 12, erhalten als Kurzzeichen die folgenden Kennbuchstaben:

LH – Zement mit niedriger Hydratationswärme (low heat of hydration)


SR – Zement mit hohem Sulfatwiderstand (sulfate resistent)
NA – Zement mit niedrigem wirksamen Alkaligehalt
FE – Zement mit frühem Erstarren
SE – Schnellerstarrender Zement
HO – Zement mit erhöhtem Anteil organischer Bestandteile

DIN EN 14216 regelt Zement mit sehr niedriger Hydratationswärme (Kurzzeichen


VLH, Hydratationswärme nach 7 Tagen  220 J/g).

Nähere Angaben zu Anforderungen, Prüfverfahren (Tafel B.2) und Grenzwerte


für Einzelergebnisse (Tafel B.3).

Nach DIN EN 197-1 werden Normalzemente mit hohem Sulfatwiderstand mit dem
Kurzzeichen SR (sulfate resistant) bezeichnet. Die Ziffer hinter dem Kurzzeichen
SR gibt bei Portlandzement an, wie hoch der Masseanteil in % an C3A im Klinker
in diesem Zement sein darf. An Hochofenzement mit mehr als 65 M.-% Hütten­
sand werden keine Anforderungen an den C3A-Gehalt gestellt; sie werden nur
mit SR gekennzeichnet. Puzzolanzemente mit hohem Sulfatwiderstand müssen
weniger als 9 M.-% C3A-Gehalt des Klinkers aufweisen.

Beispiel
Bezeichnung eines Portlandzements mit einem Massenanteil an C3A im Klinker
 3 %, der Festigkeitsklasse 42,5 mit hoher Anfangsfestigkeit und hohem Sulfat-
widerstand:

Portlandzement DIN EN 197-1 – CEM I 42,5 R – SR 3

B 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.2: Zusätzliche Anforderungen an Zement mit besonderen Eigenschaften

Zementart Anforderungen Prüfverfahren


VLH-Zement (DIN EN 14216)
CEM III/B und
CEM III/C
CEM IV/A und Hydratationswärme nach 7 Tagen DIN EN 196-8
CEM IV/B  220 J/g DIN EN 196-9
CEM V/A und
CEM V/B
LH-Zement (DIN EN 197-1)
CEM I bis CEM V Hydratationswärme nach 7 Tagen DIN EN 196-8
 270 J/g DIN EN 196-9
SR-Zement (DIN EN 197-1)
CEM I C3A-Gehalt  3,0 % 1) DIN EN 196-2
SO3-Gehalt  3,0 %
CEM III/B Zusammensetzung nach Tabelle B.1 von DIN Fachbericht
CEM III/C DIN EN 197-1 CEN/TR 196-4
NA-Zement (DIN 1164-10)
CEM I bis CEM V  0,60 % Na2O-Äquivalent
CEM II/B-S  21 % Hüttensand und  0,70 % Na2O-Äqui-
valent
 49 % Hüttensand und  0,95 %
Na2O-Äquivalent DIN EN 196-2 und
CEM III/A
 50 % Hüttensand und  1,10 % Na2O-Äqui- DIN Fachbericht
valent CEN/TR 196-4
CEM III/B Zusammensetzung nach Tabelle B.1 von
DIN EN 197-1 und  2,00 % Na2O-Äquivalent
CEM III/C Zusammensetzung nach Tabelle B.1 von
DIN EN 197-1 und  2,00 % Na2O-Äquivalent
FE-Zement (DIN 1164-11)
Festigkeitsklassen 32,5 N und 32,5 R
15 min  Erstarrungsbeginn < 75 min
Festigkeitsklassen 42,5 N und 42,5 R
CEM I bis CEM V DIN EN 196-3
15 min  Erstarrungsbeginn < 60 min
Festigkeitsklassen 52,5 N und 52,5 R
15 min  Erstarrungsbeginn < 45 min
SE-Zement (DIN 1164-11)
CEM I bis CEM V Erstarrungsbeginn  45 min DIN 1164-11,
Raumbeständigkeit: bestanden Anhang A
SR 3-Zemente mit einem C3A-Gehalt  3,0 % erfüllen alle Anforderungen nach DIN 1045-2
1)

für die Herstellung von Betonen mit erhöhtem Sulfatwiderstand.

Aus Tafel B.2 ist ersichtlich, dass mit steigendem Hütten­sandgehalt die Wirksam-
keit der Alkalien im Zement abnimmt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 5


Erläuterungen

Zement mit niedrigem wirksamen Alkaligehalt (NA-Zement)


Bei den Zementen mit niedrigem wirksamen Alkaligehalt wird aus prüftechni­
schen Gründen der Gesamtalkaligehalt – bestimmt als Na2O-Äquivalent – be-
grenzt. Während bei Portlandzement (CEM I) davon auszugehen ist, dass prak-
tisch der gesamte Alkaligehalt bei einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR)
wirksam wird, ist das bei den anderen NA-Zementen nicht der Fall. Die Grenz­
werte für den Gesamtalkaligehalt als Na2O-Äquivalent wurden für die hüttensand-
haltigen NA-Zemente so festgelegt, dass sie dem CEM I-NA-Zement mit einem
Na2O-Äquivalent von höchstens 0,60 gleichwertig sind.

Tafel B.3: Zusätzliche Anforderungen an Zement mit besonderen Eigenschaften –


Grenzwerte für Einzelergebnisse

Eigenschaften zu prüfende Zemente Grenzwerte


für Einzelergebnisse
VLH-Zement
Hydratationswärme in J/g VLH-Zement 250
oberer Grenzwert
LH-Zement
Hydratationswärme in J/g LH-Zemente 300
oberer Grenzwert
SR-Zement
C3A-Gehalt in M.-% 4
CEM I-SR 3
oberer Grenzwert
Hüttensandgehalt in M.-% CEM III/B-SR 66 … 80
oberer bzw. unterer Grenzwert CEM III/C-SR 81 … 95
NA-Zement
CEM II/B-S-NA 21 … 35
CEM III/A-NA 36 … 49
Hüttensandgehalt in M.-%
CEM III/A-NA 50 … 65
oberer bzw. unterer Grenzwert
CEM III/B-NA 66 … 80
CEM III/C-NA 81 … 95
CEM II/B-S-NA 0,75
CEM III/A-NA 1,15 1)
1,00 2)
Na2O-Äquivalent in M.-%
CEM III/B-NA 2,05
oberer Grenzwert
CEM III/C-NA 2,05
andere NA-Zemente 0,65
Nur wenn Zement mindestens 50 M.-% Hüttensand enthält.
1)

Nur wenn Zement höchstens 49 M.-% Hüttensand enthält.


2)

B 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 1. 2 Bestandteile

B. 1. 2. 1 Allgemeines

Die Bestandteile des Zements müssen, wenn nicht anders angegeben, grundsätz-
lich nach den Prüfverfahren der DIN EN 196 bestimmt werden.

B. 1. 2. 2 Hauptbestandteile

– Portlandzementklinker (K)

Portlandzementklinker wird durch Sinterung einer genau festgelegten Roh-


stoffmischung hergestellt, die Elemente enthält, die als Oxide dargestellt wer-
den: CaO, SiO2, Al2O3, Fe2O3 sowie geringe Mengen anderer Stoffe.
Portlandzementklinker ist ein hydraulisches Material, das nach Massenanteilen
mindestens zu zwei Dritteln aus Calciumsilikaten (3 CaO · SiO2 und 2 CaO ·
SiO2) bestehen muss. Der Rest besteht aus Aluminium und Eisen enthaltenden
Klinkerphasen und anderen Verbindungen.

– Hüttensand (granulierte Hochofenschlacke) (S)

Hüttensand entsteht durch schnelles Abkühlen einer Schlackenschmelze ge-


eigneter Zusammensetzung, die im Hochofen beim Schmelzen von Eisenerz
gebildet wird. Er enthält nach Massenanteilen mindestens zwei Drittel glasig
erstarrte Schlacke und weist bei geeigneter Anregung hydraulische Eigen-
schaften auf.

– Puzzolane (P, Q)

Puzzolane sind natürliche Stoffe mit kieselsäurehaltiger oder alumosilicatischer


Zusammensetzung oder eine Kombination daraus.

Hinweis
Obwohl Flugasche und Silikastaub gleichfalls puzzolanische Eigenschaften auf-
weisen, werden diese in gesonderten Abschnitten behandelt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 7


Puzzolane erhärten nach dem Anmachen mit Wasser nicht selbständig, son-
dern reagieren, fein gemahlen und in Gegenwart von Wasser bei normaler
Umgebungstemperatur mit gelöstem Calciumhydroxid [Ca(OH)2] unter Ent-
stehung von festigkeitsbildenden Calciumsilicat- und Calciumaluminatver-
bindungen. Diese Verbindungen sind denen ähnlich, die bei der Erhärtung
hydraulischer Stoffe entstehen. Puzzolane bestehen hauptsächlich aus reakti-
onsfähigen Siliciumdiox­id (SiO2) und Aluminiumoxid (Al2O3). Der Rest enthält
Eisen(III)oxid (Fe2O3) und andere Oxide. Der Anteil von reaktionsfähigem Cal-
ciumoxid (CaO) ist für die Erhärtung unbedeutend. Der Massenanteil an reakti-
onsfähigem Siliciumdioxid (SiO2) muss mindestens 25,0 % betragen.

Puzzolane müssen sachgerecht aufbereitet sein, das heißt, sie müssen je nach
Gewinnungs- bzw. Anlieferungszustand ausgewählt, homogenisiert, getrocknet
oder wärmebehandelt und zerkleinert sein.

• Natürliche Puzzolane (P)

Natürliche Puzzolane sind im Allgemeinen Stoffe vulkanischen Ursprungs


oder Sedimentgestein mit geeigneter chemisch-mineralogischer Zusammen-
setzung.

• Natürliches getempertes Puzzolan (Q)

Natürliche getemperte Puzzolane sind thermisch aktivierte Stoffe vulkani­


schen Ursprungs, Tone, Schiefer oder Sedimentgestein.

– Flugasche (V, W)

Flugasche wird durch die elektrostatische oder mechanische Abscheidung von


staubartigen Partikeln aus Rauchgasen von Feuerungen erhalten, die mit fein-
gemahlener Kohle befeuert werden. Asche, die durch andere Verfahren ent-
steht, darf in Zementen nach DIN EN 197-1 nicht verwendet werden.

• Kieselsäurereiche Flugasche (V)

Kieselsäurereiche Flugasche ist ein feinkörniger Staub, hauptsächlich aus


kugeligen Partikeln mit puzzolanischen Eigenschaften. Sie besteht im wesent-
lichen aus reaktionsfähigem Siliciumdioxid (SiO2) und Aluminiumoxid (Al2O3).
Der Rest enthält Eisen(III)oxid (Fe2O3) und andere Verbindungen.

B 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


• Kalkreiche Flugasche (W)

Kalkreiche Flugasche ist ein feinkörniger Staub mit hydraulischen und/oder


puzzolanischen Eigenschaften. Sie besteht im Wesentlichen aus reaktions-
fähigem Calciumoxid (CaO), reaktionsfähigem Siliciumdioxid (SiO2) und
Aluminiumoxid (Al2O3). Der Rest enthält Eisen(III)oxid (Fe2O3) und andere
Verbindungen.

– Gebrannter Schiefer (T)

Gebrannter Schiefer, insbesondere gebrannter Ölschiefer, wird in einem spe-


ziellen Ofen bei Temperaturen von etwa 800 °C hergestellt. Aufgrund der Zu-
sammensetzung des natürlichen Ausgangsmaterials und des Herstellungsver-
fahrens enthält gebrannter Schiefer Klinkerphasen, vor allem Dicalciumsilicat
und Monocalciumaluminat, sowie neben geringen Mengen an freiem Calcium­
oxid (CaO) und Calciumsulfat auch größere Anteile an puzzolanisch reagie-
renden Oxiden, insbesondere Siliciumdioxid (SiO2).
Dementsprechend weist gebrannter Schiefer in fein gemahlenem Zustand aus-
geprägte hydraulische Eigenschaften wie Portlandzement und daneben puzzo-
lanische Eigenschaften auf.

– Kalkstein (L, LL)



Kalkstein muss folgende Anforderungen erfüllen:

Der aus dem Calciumoxid (CaO) berechnete Calciumcarbonat-Gehalt (CaCO3)
muss einen Massenanteil von mindestens 75 % erreichen.

Der Gesamtgehalt an organischem Kohlenstoff (TOC) nach dem Prüfverfahren
DIN EN 13639 muss einem der folgenden Kriterien entsprechen:

• LL: darf einen Massenanteil von 0,20 % nicht überschreiten;

• L: darf einen Massenanteil von 0,50 % nicht überschreiten.

– Silikastaub (D)

Silikastaub entsteht bei der Reduktion von hochreinem Quarz mit Kohle in
Lichtbogenöfen bei der Herstellung von Silicium- und Ferrosiliciumlegierungen
und besteht aus sehr feinen kugeligen Partikeln mit einem Gehalt an amorphem
Siliciumdioxid von mindestens 85 M.-%.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 9


B. 1. 2. 3 Nebenbestandteile

Nebenbestandteile sind besonders ausgewählte, anorganische natürliche mine-


ralische Stoffe, anorganische mineralische Stoffe, die aus der Klinkerherstellung
stammen, oder Bestandteile wie oben beschrieben, es sei denn, sie sind bereits
als Hauptbestandteile im Zement enthalten.

B. 1. 2. 4 Calciumsulfat

Calciumsulfat wird den anderen Bestandteilen des Zements bei seiner Herstel-
lung zur Regelung des Erstarrungsverhaltens zugegeben. Calciumsulfat kann
Gips (Calciumsulfatdihydrat CaSO4 · 2 H2O), Halbhydrat (CaSO4 · 1/2 H2O) oder
Anhydrit (kristallwasserfreies Calciumsulfat CaSO4) oder eine Mischung davon
sein. Gips und Anhydrit liegen als natürliche Stoffe vor. Calciumsulfat ist auch als
Nebenprodukt bestimmter industrieller Verfahren verfügbar, z.B. Rauchgasent-
schwefelungsanlagengips (REA-Gips).

B. 1. 2. 5 (Zement)-Zusätze

Zusätze im Sinne der DIN EN 197-1 sind Bestandteile, die nicht zu den Hauptbe-
standteilen und/oder zum Calciumsulfat gehören, sondern dazu dienen, die Her-
stellung zu erleichtern oder die Eigenschaften von Zementen zu verbessern.

Die Gesamtmenge der Zusätze darf einen Massenanteil von 1,0 %, bezogen auf
den Zement (ausgenommen Pigmente), nicht überschreiten. Die Menge an orga-
nischen Zusatzmitteln im Trockenzustand darf einen Massenanteil von 0,5 %,
bezogen auf den Zement, nicht überschreiten.

Diese Zusätze dürfen nicht die Korrosion der Bewehrung fördern oder die Eigen-
schaften des Zements oder des mit dem Zement hergestellten Betons oder Mör-
tels beeinträchtigen.

B. 1. 3 Normbezeichnung

CEM-Zemente müssen mindestens durch:



– Angabe der Norm
– das Kurzzeichen der Hauptzementart (Tafel B.1)
– die Festigkeitsklasse 32,5, 42,5 oder 52,5 (Tafel B.4) charakterisiert werden.

Zementen mit hoher Anfangsfestigkeit wird in der Bezeichnung der Buchstabe R


(rapid = schnell) angefügt. Zemente mit üblicher (normaler) Anfangsfestigkeit er-
halten ein N. Hochofenzemente mit niedriger Anfangsfestigkeit werden mit dem
Buchstaben L (low = niedrig) gekennzeichnet.

B 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Beispiel 1:
Bezeichnung eines Portlandkompositzements mit einem Klinkergehalt von
80 M.-% bis 88 M.-% (A) sowie den weiteren Hauptbestandteilen Hüttensand und
Kalkstein (S-LL) der Festigkeitsklasse 52,5 mit hoher Anfangsfestigkeit (R):

Portlandkompositzement DIN EN 197-1 – CEM II/A-M(S-LL) 52,5 R

Beispiel 2:
Bezeichnung eines Portlandkalksteinzements mit einem Kalksteinanteil von
6 M.-% bis 20 M.-% (A), mit einem TOC-Gehalt  0,2 M.-% (LL) und der Festig-
keitsklasse 42,5 mit hoher Anfangsfestigkeit (R):

Portlandkalksteinzement DIN EN 197-1 – CEM II/A-LL 42,5 R

Beispiel 3:
Bezeichnung eines Hochofenzements mit einem Hüttensandanteil von 36 M.-%
bis 65 M.-% (A) der Festigkeitsklasse 42,5 mit normaler Anfangsfestigkeit (N),
niedriger Hydratationswärme und niedrigem wirksamen Alkaligehalt:

Hochofenzement DIN 1164-10 – CEM III/A 42,5 N-LH/NA

Normzemente können für besondere Anwendungsfälle durch zusätzliche Buch-


staben gekennzeichnet werden:

(st) Fahrbahndecken – Straßenbau


(ft) Fertigteile
(sp) Spritzbeton

Beispiel 4:
Bezeichnung eines Portlandzements der Festigkeitsklasse 42,5 mit normaler
Anfangsfestigkeit (N) speziell für Betonfahrbahndecken (st) (siehe Kapitel D. 3)

Portlandzement DIN EN 197-1 – CEM I 42,5 N (st)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 11


B. 1. 4 Bautechnische Eigenschaften (Normanforderungen)

a) Mechanische Anforderungen
– Normfestigkeit
– Anfangsfestigkeit

b) Physikalische Anforderungen
– Erstarrungsbeginn
– Raumbeständigkeit

c) Chemische Anforderungen

d) Anforderungen an die Dauerhaftigkeit

Normfestigkeit
Als Normfestigkeit von Zement ist die 28-Tage-Druckfestigkeit, bestimmt nach
DIN EN 196-1, festgelegt. Sie muss den Anforderungen nach Tafel B.4 entspre-
chen. Es werden vier Klassen von Normfestigkeit unterschieden:
Klasse 22,5, Klasse 32,5, Klasse 42,5 und Klasse 52,5.

Anfangsfestigkeit
Als Anfangsfestigkeit von Zement ist die Druckfestigkeit nach 2 oder 7 Tagen,
bestimmt nach DIN EN 196-1, festgelegt. Sie muss den Anforderungen nach
Tafel B.4 entsprechen.

Bezüglich der Normfestigkeit werden für die Anfangsfestigkeit definiert:

Kennbuchstaben für die Anfangsfestigkeit:


L – „Langsame Festigkeitsentwicklung” (Low = niedrig)
N – „Normale Anfangsfestigkeit” (Normal)
R – „Rasante Festigkeitsentwicklung” (Rapid = schnell)

B 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.4: Mechanische und pysikalische Anforderungen an Zemente nach
DIN EN 14216 und DIN EN 197-1

Festig- Norm Druckfestigkeit Erstar- Raum-


keits- [N/mm2] rungs- beständig-
klasse beginn keit
Anfangsfestigkeit Normfestigkeit (Dehnungs-
maß)
2 Tage 7 Tage 28 Tage [min] [mm]
22,5 DIN EN 14216 – –  22,5  42,5  75
32,5 L 1) DIN EN 197-1 –  12,0
32,5 N DIN EN 197-1 –  16,0  32,5  52,5  75
32,5 R DIN EN 197-1  10,0 –

42,5 L 1) DIN EN 197-1 –  16,0


 10
42,5 N DIN EN 197-1  10,0 –  42,5  62,5  60
42,5 R DIN EN 197-1  20,0 –

52,5 L  1)
DIN EN 197-1  10,0 –
52,5 N DIN EN 197-1  20,0 –  52,5 –  45

52,5 R DIN EN 197-1  30,0 –

Die Festigkeitsklasse L gilt nur für CEM III-Zemente.


1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 13


Erstarrungsbeginn
Der nach DIN EN 196-3 ermittelte Erstarrungsbeginn muss die Anforderungen
nach Tafel B.4 erfüllen.

Raumbeständigkeit
Das nach DIN EN 196-3 ermittelte Dehnungsmaß muss die Anforderungen nach
Tafel B.4 erfüllen.

Chemische Anforderungen
Die Eigenschaften der Zemente müssen für die Zementart und Festigkeitsklasse
in Tafel B.5 Spalte 3 bzw. Spalte 4, bei Prüfung nach den in Spalte 2 angegebe­
nen Normen den in Tafel B.5, Spalte 5, genannten Anforderungen entsprechen.

Tafel B.5: Chemische Anforderungen an Zemente nach DIN EN 197-1

Eigenschaft Prüfung nach Zementart Festigkeits- Anforderungen 1)


klasse
Glühverlust DIN EN 196-2 CEM I alle  5,0 %
CEM III
Unlöslicher DIN EN 196-2 2) CEM I alle  5,0 %
Rückstand CEM III
32,5 N
CEM I 32,5 R  3,5 %
CEM II 3) 42,5 N
Sulfatgehalt CEM IV
DIN EN 196-2 42,5 R
(als SO3) CEM V 52,5 N
52,5 R  4,0 %

CEM III  4)
alle
Chloridgehalt DIN EN 196-2 alle 5) alle  10,0 % 6)
Puzzolanität DIN EN 196-5 CEM IV alle erfüllt die Prüfung

Anforderungen sind als Massenanteil in Prozent des Zements angegeben.


1)

2)
Bestimmung des in Salzsäure und Natriumcarbonat unlöslichen Rückstands.
3)
Zementart CEM II/B-T darf bis 4,5 M.-% Sulfatgehalt (als SO3) für alle Festigkeitsklassen
enthalten.
4)
Zementart CEM III/C darf bis 4,5 M.-% Sulfatgehalt (als SO3) enthalten.
5)
Zementart CEM III darf mehr als 0,10 M.-% Chlorid enthalten, aber in dem Fall muss der tat-
sächliche Chloridgehalt auf der Verpackung oder dem Lieferschein angegeben werden.
6)
Für Spannbetonanwendungen können Zemente nach einer niedrigeren Anforderung her-
gestellt werden. In diesem Fall ist der Wert von 0,10 M.-% durch den niedrigeren Wert zu
ersetzen, der auf dem Lieferschein anzugeben ist.

B 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Chromatgehalt
Seit Januar 2005 müssen in Deutschland zusätzlich zur gesackten Ware auch
Silozemente (lose Ware) chromatreduziert ausgeliefert werden. Auch bei der
Verwendung chromatreduzierter Zemente sind die bisher geltenden Arbeits-
schutzvorschriften einzuhalten.

Anhang A der DIN EN 197-1 verweist auf nationale Vorschriften, Gefahrstoffver-


ordnung (GefStoffV) zusammen mit TRGS 613 „Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und
Verwendungsbeschränkungen für chromathaltige Zemente und chromathaltige
zementhaltige Zubereitung”. Im Allgemeinen werden Zemente mit einem Gehalt
von  2 ppm Chromat als chromatarm bezeichnet.

Anforderungen an die Dauerhaftigkeit


In vielen Anwendungsfällen, besonders unter extremen Umweltbedingungen, hat
die Auswahl des Zements einen Einfluss auf die Dauerhaftigkeit von Beton, Mör-
tel und Einpressmörtel, z.B. hinsichtlich Frostwiderstand, chemischem Wider-
stand und Schutz der Bewehrung.

Die Auswahl von Zement nach DIN EN 197-1, besonders im Hinblick auf Art und
Festigkeitsklasse für verschiedene Anwendungsfälle und Umweltklassen, muss
sich nach den entsprechenden Normen bzw. Vorschriften für Beton und Mörtel,
die am Ort der Verwendung gelten, richten.

B. 1. 5 Lieferung und Kennzeichnung

Die europäische Bauproduktenverordnung (BauPVO) verlangt für alle europäisch


harmonisierte Normen eine einheitliche CE-Kennzeichnung. Die CE-Kennzeich-
nung muss auf allen Verpackungen sowie Begleitdokumenten (Lieferschein) an-
gebracht werden (siehe Bild B.1)

Auf die Nennung einer Kennfarbe für die jeweilige Festigkeitsklasse für Säcke
und auf sogenannten Begleitdokumenten (witterungsfestes Siloblatt) kann ver-
zichtet werden. Bei Auslieferung von Zement mit besonderen Eigenschaften
nach DIN 1164 wird explizit die farbliche Kennzeichnung der Säcke und des wet-
terfesten Siloblattes gefordert.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 15


1

2 0840
3 OPTERRA Karsdorf GmbH
4 Straße der Einheit 25, 06638 Karsdorf

5 13

6 0840-CPR-5610-236100-01
7 EN 197:2011

Portlandkalksteinzement
8
EN 197-1 – CEM II/A-LL 42,5 R

9 Herstellung von Beton, Mörtel etc.

10 Die erklärte Leistung nach Stufen oder Klassen ist durch die
Normbezeichnung des Zements festgelegt

1 CE-Konformitätskennzeichnung, bestehend aus dem


CE-Symbol nach der Richtlinie 93/68/EWG

2 Kennnummer der Zertifizierungsstelle

3 Name oder Bildzeichen des Herstellers

4 Eingetragene Anschrift des Herstellers

5 Die letzen beiden Ziffern des Jahres, in dem die Kenn-


zeichnung zuerst angebracht wurde

6 Nummer des Zertifikats, Bezugsnummer der Leistungs-


erklärung

7 Nummer und Ausgabejahr der Europäischen Norm

8 Normbezeichnung, die auf das Zementprodukt und die


Festigkeitsklasse der DIN EN 197-1 hinweist

9 Verwendungszweck

10 Zusätzliche Angaben

Bild B.1: Beispiel für die CE-Kennzeichnung eines Portlandkalksteinzements

B 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Mit der CE-Kennzeichnung wird durch den Hersteller dokumentiert, dass er die
Verantwortung für die Übereinstimmung des Bauprodukts mit den Angaben in
der Leistungserklärung (früher Konformitätserklärung) übernimmt und für die
Einhaltung europäischer Rechtsvorschriften sorgt.

Leistungserklärung
Nr. 0840-CPR-0123-012345-12

1. Eindeutiger Kenncode des Produkttyps: CEM I 32,5 N – LH/SR 3


2. Verwendungszweck: Herstellung von Beton, Mörtel, Einpressmörtel usw.
3. Hersteller: Zement AG, Werk 1, Klinkerstraße 4, D-12345 Zementhausen
4. System zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit: 1+
5. Harmonisierte Norm: EN 197-1:2011
6. Notifizierte Stelle: Forschungsinstitut der Zementindustrie GmbH, NB 0840
7. Erklärte Leistung:

Wesentliche Merkmale Leistung


Normalzemente (Unterfamilien)
CEM I – LH/SR 3
Bestandteile und Zusammensetzung
Druckfestigkeit
32,5 N
(Anfangs- und Normfestigkeit)
Erstarrungsbeginn bestanden
Unlöslicher Rückstand bestanden
Glühverlust bestanden
Raumbeständigkeit
- Dehnungsmaß bestanden
- Sulfatgehalt bestanden
Hydratationswärme bestanden
Chloridgehalt bestanden
C3A im Klinker bestanden

Die Leistung des vorstehenden Produkts entspricht der erklärten Leistung.


Für die Erstellung der Leistungserklärung im Einklang mit der Verordnung (EU)
NR. 305/2011 ist allein der oben genannte Hersteller verantwortlich.

Unterzeichnet für den Hersteller und im Namens des Herstellers von:

Name: ………………………………………………………………………………………………………………………………….

Ort: …………………………………………….………………. Datum: ……………………………………………………..

Unterschrift: ……………………………………………………………………………………………………………………..

Bild B.2: Beispiel einer Leistungserklärung nach Bauproduktenverordnung (BauPVO)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 17


Dem Produkt wird eine Dokumentation beigefügt, in der jede Rechtsvorschrift
über gefährliche Stoffe aufgeführt und deren Einhaltung belegt wird, und zwar
zusammen mit weiteren Informationen, die von der einschlägigen Rechtsvor-
schrift gefordert wird. Diese Dokumentation wird gemäß Verordnung (EG)
Nr. 1907/2006 (REACH) als Sicherheitsdatenblatt für Produkte erstellt. Das
Sicherheitsdatenblatt ist dem Verwender des Produkts unaufgefordert zur Ver-
fügung zu stellen. Auf den Verpackungen und auf den Lieferscheinen sind die für
Zement entsprechenden Piktogramme und Gefahrenhinweise aufzudrucken.

Zement, chromatarm

enthält Portlandzementklinker (EC: 266-043-4;


CAS: 65997-15-1) und Prozessstäube aus der Zementklinker-
herstellung (EC: 270-659-9; CAS: 68475-76-3)

GEFAHR

Verursacht Hautreizungen
Verursacht schwere Augenschäden
Kann die Atemwege reizen

Schutzhandschuhe/Schutzkleidung/Augenschutz tragen.

BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang


GEFAHR behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene
Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.
Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen

BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser und Seife
waschen. Bei Hautreizung oder –ausschlag: Ärztlichen Rat
hinzuziehen.

Einatmen von Staub vermeiden.

Bei Einatmen: Die betroffene Person an die frische Luft brin-


gen und in einer Position ruhigstellen, die das Atmen erleich-
tert. Bei Unwohlsein GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder
Arzt anrufen.

Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.

Zement AG Inhhalt/Behälter geeigneten Abfallsammelstellen zuführen.


Klinkerstr. 4
D-12345 Zementhausen Bei sachgerechter trockener Lagerung für mindestens sechs
Tel.: +49 (9876) 543 21 Monate ab Herstelldatum chromatarm. Danach nicht mehr
Fax: +49 (9876) 543 22 verwenden.

Bild B.3: Kennzeichnung und Sicherheitshinweise gemäß Gefahrstoffverordnung

B 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Lieferung und Kennfarben für Sackzement nach DIN 1164
(Zement mit besonderen Eigenschaften)

Begleitdokumente müssen folgende Angaben enthalten:

– Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen)
– Nummer des Übereinstimmungszertifikats
– Gewicht: Brutto-Gewicht des Sackes (25 kg) oder
Netto-Gewicht des losen Zements

Begleitdokumente für losen Zement enthalten außerdem:

– Tag und Stunde der Lieferung


– amtliches Kennzeichen des Fahrzeugs
– Auftraggeber, Auftragsnummer und Empfänger

Kennfarben für Zemente mit besonderen Eigenschaften sind nur nach DIN 1164,
Teile 11 und 12, verbindlich. Darin werden Farben von Blatt und Aufdruck der Silo-
begleitscheine vorgeschrieben.

Tafel B.6: Kennfarben für die Festigkeitsklassen nach DIN 1164-11 und
DIN EN 1164-12

Festigkeitsklasse Kennfarbe Farbe des Ausdrucks


32,5 N schwarz
hellbraun
32,5 R rot
42,5 N schwarz
grün
42,5 R rot
52,5 N schwarz
rot
52,5 R weiß

B. 1. 6 Güteüberwachung/Übereinstimmungsnachweis

Zement nach DIN EN 197-1 (Normalzement), nach DIN 1164 (Zement mit beson-
deren Eigenschaften) und allgemein bauaufsichtlich zugelassene Zemente wer-
den durch

– die werkseigene Produktionskontrolle des Herstellers (Eigenüberwachung)


– eine anerkannte Überwachungsstelle (Fremdüberwachung) ständig überwacht.

Die Übereinstimmung des Zements mit den Anforderungen der Norm und der
Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung wird durch das Ü-Zeichen bescheinigt,
das durch ein Übereinstimmungszertifikat einer anerkannten Zertifizierungsstelle
bestätigt wird.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 19


Das Überwachungszeichen enthält den Namen des Herstellers, die Grundlage des
Übereinstimmungsnachweises (DIN EN 197-1, DIN 1164 oder die Zulassungsnum-
mer) und das Bildzeichen oder die Bezeichnung der Zertifizierungsstelle.

Bild B.4: Beispiele für Überwachungszeichen und Zeichen der Güteüberwachungs­


gemeinschaft VDZ

B. 1. 7 Zemente für den Bau von Fahrbahndecken aus Beton

Zemente für Fahrbahndecken aus Beton – teils auch als „Straßenbauzemente”


bezeichnet – müssen den spezifischen Anforderungen der ZTV Beton-Stb ent-
sprechen (siehe dazu auch Abschnitt D. 3).

Zur Vermeidung von Schäden an Fahrbahndecken aus Beton in Folge von Alkali-
Kieselsäure-Reaktion (AKR) wurden auch zusätzliche Forderungen an Zemente
formuliert. Diesbezüglich werden charakteristische Werte des Alkaligehalts von
Zementen für den Bau von Fahrbahndecken aus Beton wie folgt begrenzt:

CEM I und CEM II/A Alkaligehalt des Zements als Na20-Äquivalent  0,80 %

CEM II/B-T Alkaligehalt des Zements ohne Ölschiefer als


Na20-Äquivalent  0,90 %

CEM II/B-S mit Hütten- Alkaligehalt des Zements ohne Hüttensand als
sandgehalt  29 M.-% Na20-Äquivalent  0,90 %

CEM II/B-S mit Hütten- Alkaligehalt des Zements ohne Hüttensand als
sandgehalt  30 M.-% Na20-Äquivalent  1,00 %

CEM III/A mit Hütten- Alkaligehalt des Zements ohne Hüttensand als
sandgehalt  50 M.-% Na20-Äquivalent  1,05 %

B 20 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 1. 8 Sonstige nicht genormte Zementeigenschaften und
ihre Bedeutung

Mahlfeinheit
Die Mahlfeinheit von Zementen wird nach ihren spezifischen Oberflächen beur-
teilt, die gemäß DIN EN 196-6 mit Luftdurchlässigkeitsmessungen ermittelt wer-
den („Blaine-Wert” in cm2/g). In Zementwerken kommt für die Beurteilung von
Mahlfeinheiten oder Kornverteilungen auch das Verfahren der Lasergranulome-
trie im Rahmen der Prozesssteuerung zum Einsatz.

Die alte Zementnorm DIN 1164 forderte für Zemente eine Mahlfeinheit (nach
Blaine) von mindestens 2 200 cm2/g; zur Vermeidung des „Zementblutens” sind
gängige Zemente i. Allg. mit deutlich höheren Blaine-Werten aufgemahlen.

Farbe des Zements (Helligkeit)


Der Helligkeitsgrad eines Zements wird von den verwendeten Rohstoffen, dem
Herstellverfahren und der Mahlfeinheit bestimmt und ist nicht genormt. Feinge-
mahlene Zemente desselben Werks sind in der Regel heller als gröbere Zemente.
Aus der Zementfarbe ergeben sich keine direkten Rückschlüsse auf zu erwar-
tende Zementeigenschaften.

Zementtemperatur
Anlieferungsbedingte hohe Zementtemperaturen (70 °C bis 80 °C) haben auch
bei sofortiger Verwendung des Zements zur Frischbetonherstellung keinen
schädlichen Einfluss auf die Betonqualität, weil sie die Frischbetontemperatur nur
sehr eingeschränkt erhöhen.

Faustformel: (z ~ 300 kg/m3 Beton)

TBo = 0,1 · TZ + 0,2 · Tw + 0,7 · Tg [°C]

TBo = Frischbetontemperatur nach Mischbeginn


TZ, Tw, Tg = Ausgangstemperaturen von Zement, Wasser, Gesteinskörnung

Aus obiger Faustformel lässt sich ermitteln, dass z.B. eine um 20 K (°C) höhere
Zementtemperatur (80 °C statt 60 °C) die Frischbetontemperatur nur um 2 K
erhöhen würde.

Dichte und Schüttdichte


Richtwerte für die Dichte verschiedener Zementarten sind in Tafel B.7 aufgeführt.
Bezüglich der Schüttdichte gelten – für alle Zementarten – folgende Anhaltswerte:

lose eingelaufen ~ 0,9 kg/dm3 bis 1,2 kg/dm3


eingerüttelt ~ 1,6 kg/dm3 bis 1,9 kg/dm3 (teilweise entlüftet)

Erläuterungen zu den Begriffen Dichte und Schüttdichte siehe auch Seite B 24.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 21


Tafel B.7: Dichte verschiedener Zementarten

Zementart Kurzzeichen Dichte [kg/dm3]


Portlandzement CEM I 3,10
Portlandzement – SR CEM I-SR 3,20
Portlandhüttenzement CEM II/A-S
3,05
CEM II/B-S
Portlandpuzzolanzement CEM II/A-P
2,90
CEM II/B-P
Portlandschieferzement CEM II/A-T
3,05
CEM II/B-T
Portlandkalksteinzement CEM II/A-LL 3,05
Portlandflugaschezement CEM II/A-V 2,98
Hochofenzement CEM III/A
3,00
CEM III/B

Nacherhärtung
Die Nacherhärtung von Beton nach dem 28. Tag wird – außer von der Betonzu-
sammensetzung und weiteren Einflussgrößen (Nachbehandlung, Zementart
usw.) – auch von der Zementfestigkeitsklasse beeinflusst. Tafel B.8 enthält dies-
bezüglich Richtwerte für die zu erwartende Nacherhärtung.

Tafel B.8: Richtwerte für die Betondruckfestigkeit in Abhängigkeit von Zement­


festigkeitsklasse und Lagerungstemperatur 1)

Entwicklung der Betondruckfestigkeit [%] nach


Zement- ständige 3 Tagen 7 Tagen 28 Tagen 2) 90 Tagen 180 Tagen
festig- Lagerung
keits- bei
klasse
+ 5 °C 10 ... 20 20 ... 40 60 ... 75 3) 3)
32,5 N
+ 20 °C 30 ... 40 50 ... 65 100 110 ... 125 115 ... 130
32,5 R; + 5 °C 20 ... 40 40 ... 60 75 ... 90 3) 3)

42,5 N + 20 °C 50 ... 60 65 ... 80 100 105 ... 115 110 ... 120
42,5 R;
+ 5 °C 40 ... 60 60 ... 80 90 ... 105 3) 3)
52,5 N;
+ 20 °C 70 ... 80 80 ... 90 100 100 ... 105 100 ... 105
52,5 R
2)
Die 28-Tage-Druckfestigkeit bei ständiger 20 °C-Lagerung entspricht 100  %.
3)
Für eine ständige Lagerung bei 5 °C liegen keine Werte vor.

1)
Beton – Herstellung nach Norm, Schriftenreihe der Beton- und Zementindustrie, 20. Aufla-
ge, Verlag Bau+Technik, Düsseldorf 2014

B 22 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Faustregel 1:
Sofern durch Feuchteeinwirkung entstandene Zementklumpen noch zwischen
den Fingern zerdrückt werden können, sind eventuelle Festigkeitsminderungen
i. Allg. vernachlässigbar klein.

Faustregel 2:
Bei sachgemäßer Zementlagerung im Baustellensilo oder in Papiersäcken im tro-
ckenen Baulager ist durch die hygroskopische Feuchteaufnahme mit folgenden
Festigkeitsminderungen zu rechnen:

nach 3 Monaten: 8 % bis 10 %


nach 6 Monaten: 10 % bis 20 %
nach 12 Monaten: 20 % bis 30 %

Die höheren Werte gelten jeweils für feiner gemahlene Zemente.

Faustregel 3:
Folgende Maximal-Lagerungszeiten sollten nicht wesentlich überschritten werden:

bei CEM 52,5 – 1 Monat
bei CEM 42,5 – 1 bis 2 Monate
bei CEM 32,5 – 2 Monate

Bei trockener Lagerung ist Zement nicht frostempfindlich.

B. 1. 9: Typische Anwendungsgebiete und Eigenschaften


verschiedener Zemente

Tafel B.9: Typische Anwendungsgebiete und Eigenschaften verschiedener


Zemente

Typische Eigenschaften
Festig- Zementart Anfangs- Hydratati- Nach- Typische
keitsklasse festigkeit onswärme- erhärtung Anwendungsgebiete
entwicklung
massige Bauteile,
32,5 N CEM III niedrig gering gut
übliche Betonarten
CEM I
für alle üblichen
32,5 R CEM II/A normal normal normal
Betonarten
CEM II/B
CEM II/B für alle üblichen
42,5 N normal normal gut
CEM III Betonarten
CEM I hochfester Beton,
42,5 R CEM II/A hoch ausgeprägt normal Spannbeton, Fertig-
CEM II/B teile, schlanke Bauteile,
CEM I sehr kurze Ausschalfristen,
52,5 R sehr hoch gering Betonieren im Winter
CEM II/A ausgeprägt

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 23


B. 2 Gesteinskörnungen für Beton und Mörtel
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

Gesteinskörnungen sind ein Gemenge aus natürlichen und/oder künstlichen,


dichten und/oder porigen Körnern, das in bestimmter Zusammensetzung mit
Zement und Wasser zu Frischbeton gemischt wird.

Vorwiegend kommen ungebrochene oder zerkleinerte Natursteine und künstlich


hergestellte – vorwiegend mineralische – Stoffe (Schlacken, geblähtes Gestein)
zur Verwendung.

B. 2. 1 Gesteinskörnungsarten

Tafel B.10: Unterscheidung nach der Rohdichte

Leichte Gesteinskörnung < 2,0 kg/dm3


Normale Gesteinskörnung 2,0 kg/dm3 bis 3,2 kg/dm3
Schwere Gesteinskörnung > 3,2 kg/dm3

Definition der verwendeten „Dichte“-Begriffe

Schüttdichte
Masse [kg] von 1 l = 1 dm3 Schüttgut einschließlich der Haufwerksporen und der
ggf. im Einzelkorn vorkommenden Eigenporen. Die Größe der Schüttdichte wird
beeinflusst von der Eigenfeuchte und davon, ob das Schüttgut lose eingefüllt
oder aber eingerüttelt wurde.

Rohdichte
Masse [kg] von 1 l = 1 dm3 festem bzw. plastischem Stoff ohne Haufwerksporen,
jedoch mit Eigenporen

Dichte
Masse [kg] von 1 l = 1 dm3 festem Stoff ohne Haufwerksporen und ohne Eigen­
poren; auch „Reindichte“ bzw. früher „Spezifisches Gewicht“ genannt

B 24 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 2. 1. 1 Leichte Gesteinskörnung

Als „leichte Gesteinskörnung” werden Gemenge aus natürlichen und/oder künst-


lichen mineralischen Stoffen mit ungebrochenen und/oder gebrochenen Körnern
bezeichnet, deren Kornrohdichte < 2,0 kg/dm3 beträgt. Die niedrige Rohdichte
ergibt sich aus der Porosität der Körner. Zur Herstellung von Beton und Mörtel
wird leichte Gesteinskörnung ggf. unter Zumischung von Gesteinskörnungen mit
dichtem Gefüge verwendet.

Begriffe, Bezeichnungen und Anforderungen an leichte Gesteinskörnung mit


porigem Gefüge zur Herstellung von Beton sind in DIN EN 13055-1 geregelt.
Leichte Gesteinskörnungen werden zur Herstellung von Leichtbeton verwendet.
Leichtbeton ist in DIN 1045-2 bzw. DIN EN 206-1 genormt (siehe Kapitel H. 2,
Seite H 7, Leichtbeton).

Die Regelanforderungen für diese Gesteinskörnungen sind im Anhang U von


DIN 1045-2 in Tabelle U.3 nachzulesen. Andere Anforderungen wie an den Frost-
Tausalz-Widerstand und den maximalen Chloridgehalt enthält Tabelle U.4 dieser
Norm.

Zur Anwendung kommen häufig Blähglas, Blähton, Blähschiefer und Naturbims.

Tafel B.11: Kornrohdichte und Schüttdichte von leichten Gesteinskörnungen und


Zuschlagstoffen

Stoffart Kornrohdichte Schüttdichte 1)


[kg/dm3] [kg/dm3]
Geschäumte Kunststoffpartikel < 0,1 < 0,1
Blähperlit 0,1 … 0,2 0,1 … 0,2
Naturbims 0,4 … 0,7 0,3 … 0,5
Holzwolle, Holzspäne 0,4 … 1,0 0,2 … 0,3
Blähton, Blähschiefer 0,4 … 1,9 0,3 … 1,5
Hüttenbims 0,5 … 1,5 0,4 … 1,3
Ziegelsplitt 1,2 … 1,8 1,0 … 1,5
lose eingefüllt
1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 25


B. 2. 1. 2 Normale Gesteinskörnung

Normale Gesteinskörnungen sind in der Regel natürliche Gesteine mit einem


dichten Gefüge. Sie können als sedimentäre Lockergesteine aus Ablagerungen an
Flussläufen (Kies und Sand), aber auch als sog. Festgesteine in Steinbrüchen als
gebrochene, natürliche Gesteinskörnungen gewonnen werden.

Für die Herstellung von Beton und Mörtel werden in der Regel normale Gesteins­
körnungen mit Rohdichten von 2,0 kg/dm3 bis 3,2 kg/dm3 verwendet.

Normale Gesteinskörnungen werden u.a. in DIN EN 12620 „Gesteinskörnung für


Beton“ und in DIN EN 13139 „Gesteinskörnungen für Mörtel“ geregelt.

Tafel B.12: Kornrohdichte und Druckfestigkeit von normalen Gesteinskörnungen

Stoffart Kornrohdichte Druckfestigkeit


[kg/dm3] [N/mm2]
Hochofenschlacke 2,40 … 2,90 80 … 240
Porphyr 2,55 … 2,80 180 … 300
Quarzit. Gestein 2,60 … 2,75 70 … 240
Granit 2,60 … 2,80 160 … 240
Dichter Kalkstein 2,65 … 2,85 80 … 180
Diabas 2,80 … 2,90 180 … 250
Gabbro, Diorit 2,80 … 3,00 170 … 300
Basalt 2,90 … 3,05 250 … 400

B 26 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 2. 1. 3 Schwere Gesteinskörnung

Schwere Gesteinskörnungen werden für die Herstellung von Sonderbetonen mit


Trockenrohdichten  3,0 kg/dm3 verwendet.

Häufig verwendete schwere Gesteinskörnungen sind in Tafel B.13 aufgelistet.

Eisenhaltige schwere Gesteinskörnungen sind trocken zu lagern.

Der Aufbau des Korngemisches (Darstellung der Sieblinie) erfolgt bei wesentlich
unterschiedlichen Rohdichten der verwendeten Korngruppen, wie bei leichter
Gesteinskörnung, auch nach Vol.-%.

Tafel B.13: Kornrohdichte und chemische Zusammensetzung von schweren


Gesteinskörnungen

Stoffart Kornrohdichte Chemische


[kg/dm3] Zusammensetzung
Baryt (Schwerspat) 3,9 … 4,3 Ba SO4
Natürlich

Magnetit (Magneteisenstein) 4,5 … 4,8 Fe3O4

Hämatit (Roteisenstein) 4,5 … 4,9 Fe2O3


Ilmenit (Titaneisen) 4,5 … 4,7 Fe Ti O3
Ferrosilicium 5,8 … 6,2 Fe, Si

überwiegende
chemische
Ferrophosphor 5,8 … 6,2 Fe, P

Elemente
Künstlich

Schwermetallschlacken 3,5 … 4,0 Si, Ca, Fe, O


Stahlgranalien ( 8 mm) 6,8 … 7,5 Fe
Stahlsand (0,2 … 3,0 mm) 7,5 … 7,6 Fe

Hinweis
Der Einsatz von schwerer Gesteinskörnung für die Herstellung von Strahlen-
schutzbeton ist in Kapitel H. 3 des Betonhandbuchs beschrieben.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 27


B. 2. 2 Gesteinskörnung für Beton nach DIN EN 206-1 / DIN 1045-2

Für die Herstellung von Normal- oder Schwerbeton mit geschlossenem Gefüge
gemäß DIN EN 206-1 sind hinsichtlich der Gesteinskörnungen folgende Anforde-
rungen festegelegt:

– Allgemeine Anforderungen
– Anforderungen an Kornzusammensetzung und Sieblinien
– Anforderungen an Lieferung und Lagerung

Allgemein soll nach DIN EN 206-1

– das Gesteinskörnungsgemisch möglichst grobkörnig und hohlraumarm sein,


– das Größtkorn den Erfordernissen des Mischens, Förderns, Einbringens und
Verarbeitens des Betons angepasst sein,
– die Nenngröße des Größtkorns  1/3 der kleinsten Bauteilabmessung sein,
– bei engliegender Bewehrung oder geringer Betondeckung der Korndurchmes-
ser des Größtkorns kleiner als der Abstand der Bewehrungsstäbe untereinan-
der und von der Schalung sein.

Für Lieferungen und Lagerungen der Gesteinskörnung gilt allgemein:

– keine Verunreinigung durch Fremdstoffe während des Transports oder der


Lagerung
– getrennt anzuliefernde Korngruppen sind so zu lagern, dass sie sich an keiner
Stelle vermischen.
– Korngemische sind so zu entladen und zu lagern, dass sie sich nicht entmi-
schen.

Anmerkung
Man unterscheidet bei der Herstellung von Gesteinskörnungen zwischen Korn-
gruppen („Lieferkörnungen”) und Korngemischen. Korngruppen werden durch
die Angabe von zwei Begrenzungssieben definiert (siehe Tafel B.18).

Diese Lieferkörnungen werden für die Herstellung von Beton, Asphalt, hydrau-
lisch gebundener bzw. ungebundener Baustoffgemische sowie beim Einbau von
Schichten im Straßenoberbau verwendet (siehe Tafeln B.18 bzw. B.15).

Korngemische hingegen können aus mehreren Korn­gruppen bestehen und wer-


den von den Kieswerken je nach Einsatzgebiet oder im Einzelfall auch auf Kun-
denwunsch individuell hergestellt. Solche im Werk hergestellten Gesteinskör-
nungsgemische werden umgangssprachlich als „Werksgemische” bezeichnet.

B 28 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Weitere spezielle Anforderungen an Gesteinskörnungen zur Herstellung von
Beton gemäß DIN EN 206-1 werden in DIN EN 12620 – Gesteinskörnungen für
Beton geregelt. Je nach Anwendung können zusätzliche Anforderungen an die
Gesteinskörnung gestellt werden. So z.B. an Gesteinskörnungen für den Beton-
straßenbau nach TL Gestein-StB.

Für die Verwendung von rezyklierten Gesteinskörnungen nach DIN 4226-100 ist
die DAfStb-Richtlinie „Beton nach DIN EN 206-1 und DIN 1045-2 mit rezyklierten
Gesteinskörnungen” zu beachten.

Für die Verwendung von wiedergewonnener Gesteinskörnung aus Restbeton


oder Restmörtel (Frischbeton oder -mörtel, der nicht eingebaut wurde bzw. beim
Reinigen von Betonwerk, Fahrmischer und Betonpumpe anfällt), ist DIN EN 1008
zu beachten.

B. 2. 2. 1 Kornklasse, Korngruppe, Lieferkörnung

Korngröße
Nennweite der Prüfsieböffnung, durch die das Korn eben noch hindurchgeht

Kornklasse
Gesteinskörnung mit Korngrößen zwischen zwei benachbarten Prüfsieben;
Bezeichnung erfolgt durch Angaben der unteren und oberen Prüf-Korngröße

Korngruppe
Benennung einer Gesteinskörnung mittels unterer (d) und oberer (D) Siebgrö-
ße, ausgedrückt als d/D. Diese Benennung schließt ein, dass einige Gesteinskör-
nungen durch das untere Sieb fallen (Unterkorn) und andere auf dem oberen
Sieb liegen bleiben (Überkorn).

Lieferkörnung
Andere gebräuchliche Bezeichnung für „Korngruppe”

Kornfraktion
Veraltete Bezeichnung für „Korngruppe”

Unterkorn
Anteil im Korngemisch, der bei der Prüfsiebung durch das untere Prüfsieb der
jeweiligen Korngruppe/Lieferkörnung hindurchfällt, weil es feiner ist als die
kleinere Nenn-Korngröße

Überkorn
Anteil, der bei der Prüfsiebung auf dem entsprechenden oberen Prüfsieb liegen
bleibt, weil er gröber ist als die größere Nenn-Korngröße

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 29


Größtkorn
Obere Prüf-Korngröße einer Korngruppe/Lieferkörnung

Kleinstkorn
Untere Prüf-Korngröße einer Korngruppe/Lieferkörnung

Tafel B.14: Siebgrößen zur Bezeichnung von Korngruppen/Lieferkörnungen (in


Deutschland sind nur Siebe der Reihe Grundsiebsatz plus Ergänzungssiebsatz 1
üblich)

Grundsiebsatz Grundsiebsatz plus Prüfsiebsatz


[mm] Ergänzungssiebsatz 1 [mm]
[mm]
0 0 0,063
1 1 0,125
2 2 0,25
4 4 0,5
5,6 (5)
1
8 8 2
4
11,2 (11) 8
16 16 16
22,4 (22)
31,5 (32) 31,5 (32) 31,5
45
63 63 63
Anmerkung
Die Zahlen in Klammern können zur vereinfachten Benennung von Korngruppen
(Lieferkörnungen) verwendet werden.

B 30 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.15: Anforderungen an Überkorn und Unterkorn nach Tab. 2, TL Gestein-StB

Korngruppe 1) Kategorie Überkorn Unterkorn


d/D D 1,4D 2) 2D 3) d d/2 2)
[mm/mm] [M.-%] [M.-%]
Füller siehe Tafel B.25
0/2 GF85 1 ... 15 – 0 – –
2/5 GC90/10 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 10 0 ... 5
5/8 GC90/15 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 15 0 ... 5
8/11 GC90/15 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 15 0 ... 5
11/16 GC90/15 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 15 0 ... 5
16/22 GC90/15 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 15 0 ... 5
0/5 GF85  4)
1 ... 15 0 ... 2 0 – –
0/5 GF80 5) 1 ... 20 0 ... 2 0 – –
5/11 GC90/20 4) 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
5/11 GC80/20  5)
1 ... 20 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
11/22 GC90/20 4) 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
11/22 GC80/20 5) 1 ... 20 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
22/32 GC90/20 4) 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
22/32 GC80/20 5) 1 ... 20 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
32/45 GC90/20 4) 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
32/45 GC80/20 5) 1 ... 20 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
45/56 GC90/20 4) 1 ... 10 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
45/46 GC80/20  5)
1 ... 20 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
0/2 GF85 1 ... 15 0 ... 2 0 – –
0/4 GF85 1 ... 15 0 ... 2 0 – –
2/4 GC85/20 1 ... 15 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
2/8 GC85/20 1 ... 15 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
4/8 GC85/20 1 ... 15 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
8/16 GC85/20 1 ... 15 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
16/23 GC85/20 1 ... 15 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
32/63 GC85/20 1 ... 15 0 ... 2 0 0 ... 20 0 ... 5
1)
Die Verwendung der Korngruppen ist in den Anhängen E - H der TL Gestein-StB geregelt.
2)
Wenn die aus 1,4D und d/2 errechneten Siebe nicht genau mit der ISO 565, R20-Reihe
übereinstimmen, muss stattdessen die nächstgrößere bzw. nächstkleinere Sieböffnungs-
weite verwendet werden.
3)
Ist der Siebrückstand auf D kleiner als 1 M.-%, so muss der Hersteller die typische Korngrö-
ßenverteilung aufzeichnen und angeben, wobei die Siebe D, d, d/2 und die zwischen d und
D liegenden Siebe des Grundsiebsatzes plus Ergänzungssiebsatz 1 enthalten sein müssen.
4)
Aus DIN EN 13043 (Gesteinskörnung für Asphalt, Straßen, Flugplätze und andere Verkehrs­
flächen)
5)
Aus DIN EN 13242 (Gesteinskörnung für ungebundene und hydraulisch gebundene
­Gemische für Ingenieur- und Straßenbau)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 31


B. 2. 2. 2 Bezeichnung

Tafel B.16: Feine und grobe Gesteinskörnung nach DIN EN 12620

Untere Obere Beispiele für


Siebgröße Siebgröße Korngruppen
d [mm] D [mm]
Feine Gesteinskörnung (Sand) 0 4 0/2, 0/4
Grobe Gesteinskörnung 2 4 2/4, 4/8, 8/16

Benennung
Die Zuordnung der Gesteinskörnung ist entsprechend Tafel B.18 vorzunehmen.

Tafel B.17: Benennungen von Gesteinskörnungen – Korngruppen (natürlich)

Gesteinskörnung mit Nicht gebrochene Gebrochene


Gesteinskörnung Gesteinskörnung
unterer Siebgröße oberer Siebgröße
d [mm] D [mm]
0 4 Sand Brechsand
4  32 Kies Splitt, Edelsplitt
32 45 Grobkies Schotter

Bezeichnungsbeispiele:

Beispiel 1
Normale Gesteinskörnung natürlichen Ursprungs (Kies) der Korngruppe 8/16
nach DIN EN 12620

Beispiel 2
Normale Gesteinskörnung natürlichen Ursprungs (gebrochenes Felsgestein) der
Korngruppe 16/22 nach DIN EN 12620

B 32 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Anforderungen an die Kornzusammensetzung (Lieferkörnungen) nach
DIN EN 12620

Tafel B.18: Übliche Korngruppen (Lieferkörnungen)

Gesteinskörnung Benennung d/D


Feine Gesteinskörnung
0/1 0/2 0/4
(Sand)

2/4 2/8 4/8 8/16 16/32


Grobe Gesteinskörnung
D/d < 2 oder D < 11,2 mm
2/5 5/8 5/11 8/11 11/16 11/22 16/22 22/32

2/16 4/16 4/32 8/32


Grobe Gesteinskörnung
D/d > 2 oder D > 11,2 mm
5/16 5/22 5/32 8/22 11/32

Korngemisch
0/8 0/16 0/32
D < 45 mm und d = 0

Tafel B.19: Zusammenstellung der Anforderungen an die Kornzusammensetzung


von feinen Gesteinskörnungen (Regelanforderung)

Korn- Grenzwerte (absolut) und zulässige Toleranzen 1) [M.-%]


Kategorie
gruppe für den Siebdurchgang durch die Prüfsiebe [mm]

GD2) f 3) 0,063 0,25 1 1,4 2 2,8 4 5,6 8

85 … 95
100
99 …100
0/1 GD85 f3 3
 25 5

85 95
100
…99 …100
0/2 GD85 f3 3
 25  20 5

85 … 95 …
100
99 100
0/4 GD85 f3 3
 20  20 5

Die Toleranzen gelten für die zulässige Abweichung von der vom Lieferanten angegebenen
1)

typischen Kornzusammensetzung; die Grenzwerte (absolut) sind einzuhalten (siehe Tabel-


le 4, DIN EN 12620).
2)
siehe Tabelle 2, DIN EN 12620
3)
siehe Tabelle 11, DIN EN 12620

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 33


Tafel B.20: Zusammenstellung der Anforderungen an die Kornzusammensetzung
von groben Gesteinskörnungen mit D/d  2 oder D  11,2 mm; Grundsiebsatz

Korn- Grenzwerte (absolut) [M.-%] für den


grup- Kategorie Siebdurchgang durch die Püfsiebe [mm]
pe
GD1) f 2) 0,063 1 2 4 5,6 8 11,2 16 22,4 31,5 45 63
0… 0 … 85 … 98 …
2/4 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0… 85 … 98 …
2/8 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0… 85 … 98 …
4/8 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0… 85 … 98 …
8/16 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0… 85 … 98 …
16/32 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
siehe Tabelle 2, DIN EN 12620
1)

siehe Tabelle 11, DIN EN 12620


2)

Tafel B.21: Zusammenstellung der Anforderungen an die Kornzusammensetzung


von groben Gesteinskörnungen mit D/d  2 oder D  11,2 mm; Grundsiebsatz +
Ergänzungssiebsatz 1 (Regelanforderungen)

Grenzwerte (absolut) [M.-%] für den


Korn- Kategorie
Siebdurchgang durch die Püfsiebe [mm]
grup-
pe GD1) f 2) 0,063 1 2 2,8 4 5,6 8 11,2 16 22,4 31,5 45 63
0… 0… 85 … 98 …
2/5 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0 … 85 … 98 …
5/8 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0… 85 … 98 …
5/11 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0 … 85 … 98 …
8/11 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0 … 85 … 98 …
11/16 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0… 85 … 98 …
11/22 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0 … 85 … 98 …
16/22 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
0… 0 … 85 … 98 …
22/32 GD85 f1,5 1,5 100
5 20 99 100
siehe Tabelle 2, DIN EN 12620
1)

siehe Tabelle 11, DIN EN 12620


2)

B 34 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.22: Zusammenstellung der Anforderungen an die Kornzusammensetzung
von groben Gesteinskörnungen mit D/d > 2 und D > 11,2 mm; Grundsiebsatz
(Regelanforderungen)

Korn- Kategorie Grenzwerte (absolut) und zulässige Toleranzen 1) [M.-%]


grup- für den Siebdurchgang durch die Prüfsiebe [mm]
pe
GD2) f 3) 0,063 1 2 4 8 16 22,4 31,5 45 63
25 90 98
1,5 0 … 5 0 … 15 100
…70 …99 …100
2/16 GD90 f1,5
 17,5

25 90 98
1,5 0 … 5 0 … 15 100
…70 …99 …100
4/16 GD90 f1,5
 17,5

25 90 98
1,5 0 … 5 0 … 15 100
…70 …99 …100
2/32 GD90 f1,5
 17,5

25 90 98
1,5 0 … 5 0 … 15 100
…70 …99 …100
8/32 GD90 f1,5
 17,5

Die Toleranzen gelten für die zulässige Abweichung von dem vom Lieferanten angege-
1)

benen typischen Siebdurchgang durch das betreffende Prüfsieb; die Grenzwerte (absolut)
sind einzuhalten (siehe Tabelle 3, DIN EN 12620).
2)
siehe Tabelle 2, DIN EN 12620
3)
siehe Tabelle 11, DIN EN 12620

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 35


Tafel B.23: Zusammenstellung der Anforderungen an die Kornzusammensetzung
von groben Gesteinskörnungen mit D/d > 2 und D > 11,2 mm; Grundsiebsatz + Er-
gänzungssiebsatz 1 (Regelanforderungen)

Korn- Kate­ Grenzwerte (absolut) und zulässige Toleranzen 1) [M.-%]


grup- gorie für den Siebdurchgang durch die Prüfsiebe [mm]
pe
GD2) f 3) 0,063 2,8 4 5,6 8 11,2 16 22,4 31,5 45 63
25 90 98
1,5 0…5 0 … 15 100
5/16 GD90 f1,5 …70 …99 …100
 15
25 90 98
1,5 0…5 0 … 15 100
5/22 GD90 f1,5 …70 …99 …100
 17,5
25 90 98
1,5 0…5 0 … 15 100
5/32 GD90 f1,5 …70 …99 …100
 17,5
25 90 98
1,5 0…5 0 … 15 100
8/22 GD90 f1,5 …70 …99 …100
 15
25 90 98
1,5 0…5 0 … 15 100
11/32 GD90 f1,5 …70 …99 …100
 15
Die Toleranzen gelten für die zulässige Abweichung von dem vom Lieferanten angege-
1)

benen typischen Siebdurchgang durch das betreffende Prüfsieb; die Grenzwerte (absolut)
sind einzuhalten (siehe Tabelle 3, DIN EN 12620).
2)
siehe Tabelle 2, DIN EN 12620
3)
siehe Tabelle 11, DIN EN 12620

Tafel B.24: Zusammenstellung der Anforderungen an die Kornzusammensetzung


von Korngemischen mit D  45 mm und d = 0; Grundsiebsatz (Regelanforderungen)

Korn- Kategorie Grenzwerte (absolut) und zulässige Toleranzen 1) [M.-%]


grup- für den Siebdurchgang durch die Prüfsiebe [mm]
pe G 2) f 3) 0,063 1 2 4 8 11,2 16 22,4 31,5 45 63
D

90 98
3,0 40 70 100
0/8 GD90 f3 …99 …100
 20  20
90 98
3,0 40 70 100
0/16 GD90 f3 …99 …100
 20  20
90 98
3,0 40 70 100
0/32 GD90 f3 …99 …100
 20  20
Der Grenzwert (absolut) ist mit den angegebenen Toleranzen einzuhalten (siehe Tabelle 6,
1)

DIN EN 12620).
2)
siehe Tabelle 2, DIN EN 12620
3)
siehe Tabelle 11, DIN EN 12620

B 36 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Füller, wie z.B. Gesteinsmehle, können nach DIN 1045-2 zur Verbesserung von
Frisch- u. Festbetoneigenschaften eingesetzt werden.

In Tafel B.25 sind Anforderungen an die Korngrößenverteilung von Füller


(Gesteinsmehl) aufgeführt. Der Inhalt dieser Tafel ist auch gleich lautend in
DIN EN 12620 enthalten.

Tafel B.25: Anforderungen an die Korngrößenverteilung von Füller (Fremdfüller)


nach TL Gestein-StB

Siebnennöffnungsweite Siebdurchgang maximale Spannweite der


Korngrößenverteilung 1)
[mm] [M.-%] [M.-%]

2 100 0

0,125 85 ... 100 10

0,063 70 ... 100 10


Der angegebene Bereich der Korngrößenverteilung beruht auf mindestens 20 Werten.
1)

90 % der angegebenen Ergebnisse müssen innerhalb dieses Bereiches liegen.


Alle Ergebnisse müssen jedoch innerhalb der Grenzbereiche in Spalte 2 liegen.
Die Prüfung erfolgt wöchentlich nach DIN EN 933-10.

Tafel B.26: Höchstwerte des Gehalts an Feinanteilen – Durchgang durch das Sieb
0,063 mm nach DIN EN 12620

Gesteinskörnung Maximaler Siebdurchgang [M.- %]

Grobe Gesteinskörnung 1,5

Korngemisch 3

Feine Gesteinskörnung 3

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 37


Tafel B.27: Regelanforderungen an Gesteinskörnungen nach DIN EN 1045-2;
Anhang U, Tabelle U.1

DIN EN 12620
Eigenschaft Regalanforderung
Abschnitt
Kornzusammensetzung
Grobe Gesteinskörnung mit 4.3.2 GC85/20
D/d  2 oder D  11,2
Feine Gesteinskörnungen Toleranzen nach
4.3.3
DIN EN 12620 (Tab. 4)
Korngemische 4.3.5 GA90
Kornform 4.4 FI50 oder SI55
Muschelschalengehalt für aus dem Meer SC10
4.5
gewonnene grobe Gesteinskörnung
Feinanteile
Grobe Gesteinskörnung 4.6 f1,5
Natürlich zusammengesetzte f3
4.6
Gesteinskörnung 0/8
Korngemisch 4.6 f3
Feine Gesteinskörnung 4.6 f3
Widerstand gegen Zertrümmerung 5.2 LANR oder SZNR
Widerstand gegen Verschleiß MDE NR
5.3
von groben Gesteinskörnungen
Widerstand gegen Polieren 5.4.1 PSVNR
Widerstand gegen Oberflächenabrieb 5.4.2 AAVNR
Widerstand gegen Abrieb durch AN NR
5.4.3
Spikereifen
Frost-Tau-Widerstand 5.7.1 F4
Magnesiumsulfat-Widerstand 5.7.1 MSNR
Chloride 6.2 Chloridgehalt  0,04 M.-%
Säurelösliches Sulfat für alle Gesteins- AS0,8
6.3.1
körnungen außer Hochofenschlacke
Säurelösliches Sulfat für Hochofen­
schlacken 6.3.1 AS1,0
Gesamtschwefel für alle Gesteins­
6.3.2  1,0 M.-%
körnungen außer Hochofenschlacken
Gesamtschwefel für Hochofenstück-
schlacken 6.3.2  2,0 M.-%
Leichtgewichtige organische
Verunreinigungen
6.4.1
Feine Gesteinskörnung (Sand) und G.4  0,5 M.-%
Grobe Gesteinskörnung, natürlich
zusammengesetzte Gesteins- 6.4.1
körnung 0/8 und Korngemische und G4  0,1 M.-%

B 38 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.28: Andere Anforderungen an Gesteinskörnungen nach DIN 1045-2;
Anhang U, Tabelle U.2

DIN EN 12620
Eigenschaft Regelanforderung
Abschnitt
Frost-Tau-Widerstand 5.7.1 F2 für XF3
Magnesiumsulfat-
5.7.1 MS25 für XF2; MS18 für XF4
Widerstandsfähigkeit 1)
Chloridgehalt  0,02 M.-%
für Spannbeton;
Chloride 2) 6.2 Chloridgehalt  0,15 M.-%
für unbewehrten Beton (gilt auch für
anderes eingebettetes Metall)
Alternativ kann auch eine Prüfung unter Verwendung einer 1 %igen NaCl-Lösung nach
1)

E DIN EN 1367-6 vereinbart werden. Gegenwärtig gibt es hierfür jedoch noch keine
allgemein anwendbaren Anforderungen. Wird bei diesem Versuch ein Masseverlust von
> 8 % festgestellt , sollte der ausreichende Frost-Tausalz-Widerstand im Betonversuch
nach DIN V 18004, Abschnitt 4, nachgewiesen werden.
Gesteinskörnungen, deren Masseverlust  8 % beträgt, können erfahrungsgemäß in den
gleichen Anwendungsgebieten verwendet werden wie Gesteinskörnungen der Kategorien
MS18 bis MS35 nach DIN EN 12620.
Gesteinskörnungen, die die vorgenannten Anforderungen nicht erfüllen, können in den
Expositionsklassen XF2 bzw. XF4 nur eingesetzt werden, wenn im Betonversuch die Ab-
witterung nach 56 Frost-Tauwechseln  500 g/m3 ist (vorläufiger Grenzwert, da noch
nicht genügend Erfahrungen bei der Beurteilung des Prüfverfahrens vorliegen – andere
Grenzwerte können deshalb im Einzelfall vereinbart werden).
2)
Andernfalls ist der Chloridgehalt des Betons nach DIN 1045-2, Abschnitt 5.2.7, nachzu­
weisen.

Anmerkung
Der Frost-Tausalz-Widerstand von groben Gesteinskörnungen kann auch mit ei-
ner Betonprüfung nachgewiesen werden, wenn die Anforderungen einer Katego-
rie nach DIN EN 12620, Tabelle 18, der Norm nicht erfüllt werden.

Die Prüfung (DIN CEN/TS 12390-9) wird an einer gesägten Betonfläche durchge-
führt. Wenn anstelle des Plattenverfahrens (gilt als europäisches Referenzverfah-
ren) das CDF-Verfahren (n. Setzer) angewendet werden soll, sollte als Prüffläche
eine gesägte Fläche herangezogen werden, um eine bessere Vergleichbarkeit der
Ergebnisse zu ermöglichen.

Im Plattenverfahren wird der Beton einer 3 %igen NaCl-Lösung ausgesetzt und


56 Frost-Tau-Wechseln unterzogen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 39


B. 2. 2. 3 Lieferung nach Bauproduktenverordnung (BauPVO)

Jeder Lieferung von Gesteinskörnung nach der Verordnung (EU) Nr. 305/2011
(BauPVO) muss ein Lieferschein beigefügt sein, der alle Informationen enthält,
die das Regelwerk für den jeweiligen Verwendungszweck vorsieht.

Auf Lieferscheinen für nicht überwachte und zertifizierte Produkte muss eindeu-
tig erkennbar sein, dass diese kein CE- oder Ü-Zeichen tragen.

In Deutschland unterliegen Gesteinskörnungen für Beton der Überwachung und


Zertifizierung gemäß Alkali-Richtlinie. Da europaweit die Bewertungskriterien
nicht einheitlich geregelt sind, müssen die Lieferscheine zusätzlich zum CE-Zei-
chen mit dem Ü-Zeichen versehen werden.

Folgende Angaben müssen enthalten sein:

– Seriennummer des Lieferscheins


– Lieferdatum (Datum der Abgabe ab Werk)
– Hinweis auf DIN EN 12620
– Herkunft – falls das Material über ein Lager ausgeliefert worden ist, müssen die
Herkunft und das Lager angegeben werden.
– Art der Gesteinskörnung (natürlich, industriell hergestellt, normal, schwer)
– einfacher Hinweis auf den petrographischen Typ (z.B. Elbekies, Porphyrsplitt
usw.)
– Korngruppe (z.B. 8/16)

Beispiel für die Erstellung eines Lieferscheins


Normale Gesteinskörnung natürlichen Ursprungs für Beton; Kies der Korn-
gruppe 8/16 siehe Bild B.5.

B 40 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Kies und Splitt AG Herstellwerk Lieferschein
Gewinnungsstraße 1 Gewinnungsstraße 1 Serien-Nr. 00001
45678 Musterstadt 45678 Musterstadt

Tel., Fax, E-Mail, Internet, Geschäftsführung,


Gerichtsstand, Bankverbindungen, AGB usw.

Kunde:

Lieferanschrift:

Fahrzeug:
0778
Datum:
04 (13)
Uhrzeit:
Kies- und Splitt AG
Menge (t):
Gewinnungsstraße 1, 45678 Musterstadt

12345

EN 12620:2013

(Natürliche) Gesteinskörnung für Beton


Kies

EN 12620 - 8/16 - E I - Material-Nr. xy

Weitere Angaben:

Eigenschaften und Kennwerte siehe Leistungserklärung


Alkali-
Richtlinine

TL Gestein-StB

BÜV NW

Unterschrift des Herstellers: Unterschrift des Empfängers:

Bild B.5: Muster eines Lieferscheins für grobe Gesteinskörnung (Beton); Hersteller
und Lieferer sind identisch 1)

Muster in Anlehnung an die Empfehlung des Bundesverbands Mineralische Rohstoffe e.V.


1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 41


B. 2. 2. 4 Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung

Der Hersteller muss über ein System der werkseigenen Produktionskontrolle ver-
fügen. Aus den Aufzeichnungen muss hervorgehen, welches Verfahren der Quali-
tätssicherung angewendet wird (Tabelle ZA.2a und 2b in DIN EN 12620).

Statt der bisherigen Erstprüfung ist eine „Typprüfung“ neuer Produkte (erstmals
produziert in einem Werk oder bei Produktionsbeginn in einem neuen Werk bzw.
neuen Vorkommen) erforderlich, die die Basis für die laufenden Prüfungen im
Rahmen der Werkseigenen Produktionskontrolle bildet.

Ändert sich eine Eigenschaft dauerhaft, ergibt sich daraus der neue Produkttyp
mit eigener Leistungserklärung.

In der Leistungserklärung (bisher Konformitätserklärung) werden alle wesent-


lichen Merkmale der jeweiligen harmonisierten Norm angegeben.

Auf Seite B 43 ist ein Beispiel einer Leistungserklärung gemäß Anhang III der
Verordnung (EU) Nr. 305/2011 (Bauproduktenverordnung) dargestellt.

B 42 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Leistungserklärung
gemäß Anhang III der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 (Bauproduktenverordnung)
für das Produkt „Gesteinskörnung für Beton 8/16“

Leistungserklärung Nr. 1/2015 – Sorte xyz

1. Eindeutiger Kenncode des Produkttyps: EN 12620 - 8/16

2. Typen-, Chargen- oder Serien-Nr. oder ein anderes Kennzeichen zur Identifika­
tion des Bauprodukts gemäß Artikel 11 Absatz 4: Sorte xyz

3. Vom Hersteller vorgesehener Verwendungszweck oder vorgesehene Verwen-


dungszwecke des Bauprodukts gemäß der anwendbaren harmonisierten tech-
nischen Spezifikation: Herstellung von Beton

4. Name, eingetragener Name oder eingetragene Marke und Kontaktanschrift des


Herstellers gemäß Artikel 11 Absatz 5: Kies und Splitt AG, Gewinnungsstraße 1,
45678 Musterstadt

5. Gegebenenfalls Name und Kontaktanschrift des Bevollmächtigten, der mit den


Aufgaben gemäß Artikel 12 Absatz 2 beauftragt ist: nicht zutreffend

6. System oder Systeme zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständig-


keit des Bauprodukts gemäß Anhang V: System 2+

7. Im Falle der Leistungserklärung, die ein Bauprodukt betrifft, das von einer har-
monisierten Norm erfasst wird: Die notifizierte Stelle XYZ hat die Erstinspektion
des Werks und der Werkseigenen Produktionskontrolle nach System 2+ vorge-
nommen und Folgendes ausgestellt:

Bescheinigung der Konformität der Werkseigenen Produktionskontrolle


Nr. XYZ-CPR-XXXX

8. Im Falle der Leistungserklärung, die ein Bauprodukt betrifft, für das eine Euro-
päische Technische Bewertung ausgestellt wird: nicht zutreffend

9. Erklärte Leistung: Siehe vollständige Auflistung am Ende dieser Erklärung.


Wenn gemäß den Artikeln 37 oder 38 die spezifische technische Dokumenta­
tion verwendet wurde, die das Produkt erfüllt: nicht zutreffend

10. Die Leistung des Produkts gemäß den Nummern 1 und 2 entspricht der erklär-
ten Leistung nach Nr. 9.
Verantwortlich für die Erstellung dieser Leistungserklärung ist allein der
Hersteller nach Nummer 4.

Unterzeichnet für den Hersteller und im Namen des Herstellers:

___________________________________ _____________________________
Name und Funktion Unterschrift

___________________________________
Ort und Datum

Bild B.6: Muster einer Leistungserklärung nach BauPVO für das Produkt
„Gesteinskörnung für Beton 8/16“

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 43


Tabelle … Beispiel für eine Übersicht der erklärten Leistungen (Sortenverzeichnis) 2)

Gesteinskörnungen nach DIN EN 12620 : 2013


Erklärte Leistungen der Produkte nach Ziffer 9 der zugehörigen Leistungserklärung gemäß BauPVO
Datum: Blatt Nr.: 1/1
Kies und Splitt Werk dd.mm.jjjj
Kiesgrubenstraße 1
45678 Musterdorf Petrographischer Typ: Quartärsand
und Kies (überwiegend Quarz)

Bescheinigung der Konformität der WPK: 0778-CPR-OPQR Werk: Musterdorf


Beschreibung der Produkte – Erklärte Leistungen der Korngruppen nach Ziffer 9 der Leistungserklärung
Nummer der Leistungserklärung … … … 1234 …
Material-Nr. 1 2 3 4 5
Konform … … … FL50 ..
Korngröße (Korngruppe) 0/2 0/4 2/8 8/16 16/32
Kornzusammensetzung – Kategorie … …. ….
Gc85/20 ….
(typische Zusammensetzung siehe Tabelle unten)
Rohdichte 2,63 Mg/m³

Reinheit
 Gehalt an Feinanteilen F1,5
 Qualität der Feinanteile MBNR, SENR
 Muschelschalengehalt SC10

Widerstand gegen Zertrümmerung LANR


Widerstand gegen Polieren PSVNR
Widerstand gegen Oberflächenabrieb AAVNR
Widerstand gegen Verschleiß MDE10
Widerstand gegen Spike-Reifen ANNR

Zusammensetzung
 Chloride < 0,04 M.-%
 Säurelösliches Sulfat AS0,8
 Gesamtschwefel < 1,0 M.-%
 Bestandteile, die das Erstarrungs- und
1)
Erhärtungsverhalten des Betons beeinflussen NPD

Karbonatgehalt < 0,5 M.-% CO2


Raumbeständigkeit
1)
 Schwinden infolge Austrocknen NPD
Wasseraufnahme 0,4% WA24l
Abstrahlung von Radioaktivität
Freisetzung von Schwermetallen
1)
NPD
Freisetzung von polyaromatischen
Kohlenwasserstoffen
Freisetzung anderer gefährlicher Substanzen
Dauerhaftigkeit
 Magnesiumsulfat-Wert MSNR
 Frost-Tau -Wechselbeständigkeit F4
 Frost-Tausalzwiderstand FEC8

Angaben der typischen Kornzusammensetzung feiner Gesteinskörnungen


Werktypische Kornzusammensetzung Kategorie der
Material- Korn- Durchgang durch das Sieb [mm] in M.-% Grenzabweichung nach
Nr. (s.o.) gruppe
0,063 0,250 1 2 4 Tabelle 4
1 0/1 2 55 98 - - GTC5
2 0/2 0,5 5 75 94 - GTC10
3 0/4 0,7 4 50 - 94 GTC20
… … … … … … … …
Angaben der typischen Kornzusammensetzung grober Gesteinskörnungen
Material- Korn- Durchgang durch das Kategorie der typischen Kornzusammensetzung und Grenzabweichung
Nr. (s.o.) gruppe mittlere Sieb in M.-%
5 16/32 50 G20/15
1)
NoNo
1) Performance DeterminedDetermined
Performance (Kennwert nicht festgelegt)
(Kennwert nicht festgelegt)

Bild B.7: Liefernachweis nach Bauproduktenverordnung – Erklärte Leistung


(Sortenverzeichnis) 2)

Muster in Anlehnung an die Empfehlung des Bundesverbands Mineralische Rohstoffe e.V.


2)

B 44 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


CE-Symbol (mindestens 5mm groß)

0778 Nummer der notifizierten Stelle

Kies und Splitt Werk Name des Herstellers

Kiesgrubenweg1, 45678 Musterdorf eingetragene Anschrift

04 (13) Letzte beiden Ziffern des Jahres, in dem die CE-


Kennzeichnung erstmals angebracht wurde

12345 Nummer der Leistungserklärung

EN 12620:2013 Bezug auf die technische Spezifikation


(Bezeichnung und Ausgabejahr der Norm)
Natürliche Gesteinskörnung für Beton Beschreibung des Produkttyps
EN 12620 – 8/16 –Material-Nr. xy Kenncode des Produkttyps

Kornform Fl50
Korngröße 8/16
Kornzusammensetzung GC 85/20
3
Rohdichte 2,63 kg/dm
Reinheit
• Gehalt an Feinanteilen f1,5
• Qualität der Feinanteile MBNR, SENR
• Muschelschalengehalt SC10
Widerstand gegen Zertrümmerung LANR
Widerstand gegen Polieren PSVNR
Widerstand gegen Abrieb AAVNR
Widerstand gegen Verschleiß MDENR
Widerstand gegenSpike-Reifen ANNR
Zusammensetzung
• Chloride <0,04 M.-%
• Säurelösliches Sulfat AS0,8
• Gesamtschwefelgehalt <1,0 M.-%
• Bestandteile, die das Erklärte Leistung
Erstarrungs- und
Erhärtungsverhalten des Betons NPD
zu den festgelegten, wesentlichen Merkmalen
beeinflussen
Karbonatgehalt <0,5 M.-% CO2
Raumbeständigkeit
• Schwinden infolge Austrocknung NPD
Wasseraufnahme WA241
Abstrahlung von Radioaktivität
Freisetzung von Schwermetallen
Freisetzung von polyaromatischen
Kohlenwasserstoffen NPD
Freisetzung sonstiger gefährlicher
Substanzen
Dauerhaftigkeit
• Magnesiumsulfat-Wert MSNR
• Frost-Widerstand F4
• Frost-Tausalzwiderstand FEC8

Bild B.8: Beispiel für CE-Kennzeichnung von Gesteinskörnung für Beton nach
System 2+

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 45


B. 2. 2. 5 Anforderungen

Nach DIN EN 12620 werden folgende grundlegende Eigenschaften/Anforde-


rungen an Gesteinskörnungen unterschieden:

a) Geometrische Anforderungen (Korngruppen, Kornzusammensetzung, Korn-


form, Gehalt an Feinteilen)
b) Physikalische Anforderungen (Widerstand gegen Zertrümmerung grober
Gesteinskörnung, Widerstand gegen Verschleiß grober Gesteinskörnung,
Widerstand gegen Polieren und Abrieb grober Gesteinskörnung, Kornroh-
dichte, Schüttdichte, Dauerhaftigkeit wie Frost-Tau-Widerstand, Raum-
beständigkeit)
c) Chemische Anforderungen (Chloride, schwefelhaltige Bestandteile, Bestand-
teile, die das Erstarrungs- und Erhärtungsverhalten des Betons verändern,
Carbonatgehalt von feinen Gesteinskörnungen)

B 46 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.29: Gesteinskörnungen für besondere Anwendungsgebiete nach
DIN EN 12620 – Erläuterungen zu den Lieferscheinangaben

Eigenschaften Kennzahl Kategorie Erläuterungen


Kornform von groben  35 Fl35 Fl= Plattigkeitskennzahl
Gesteinskörnungen (Flakiness Index)
 40 Sl40 Sl= Kornformkennzahl
(Shape Index)
Höchstwerte für den Gehalt an
Feinanteilen grober Gesteins- 1,5 f1,5 Feinanteile [M.-%]
körnung (Anteil < 0,063 mm)
Höchstwerte für den Gehalt an
Feinanteilen von feiner 3 f3 Feinanteile < 0,063 mm [M.-%]
Gesteinskörnung (Sand)
Widerstand gegen  26 SZ 26 Schlagzertrümmerungswert
Schlagzertrümmerung [M.-%]
Widerstand gegen Polieren und
Abrieb grober Gesteinskörnung  20 MDE20 MDE= Micro-Deval-Koeffizient
in befahrbaren Oberflächen
Frostwiderstand grober
Gesteinskörnung 4 F4 F = Frostwiderstand
Frost-Tausalz-Widerstand Massenverlust nach fünfmali-
(Magnesiumsulfat-Widerstands-  25 MS25 gem Eintauchen in gesättigte
fähigkeit) Magnesiumsulfatlösung
[Prozent]
Höchstwerte an wasserlöslichen
Chlorid-Ionen 0,15 Cl0,15 [M.-%]
Höchstwerte für den säure­-
löslichen Sulfatgehalt AS
(ausgedrückt als SO3) säurelöslicher Teil [M.-%]
alle Gesteinskörnungen  0,8 AS0,8
Hochofenstückschlacken  1,0 AS1,0
Höchstgehalt an
Gesamtschwefel Gesamtschwefel
S für Gesteinskörnungen 1 S1,0 bestimmt nach
S für Hochofenstückschlacken 2 S2,0 DIN EN 1744-1 [M.-%]
Höchstwerte der Anteile
leichtgewichtiger organischer
Verunreinigungen für feine  0,25 Q0,25 [M.-%]
Gesteinskörnungen (Sand)
Höchstwerte der Anteile leicht-
gewichtiger organischer Verun-
reinigungen für grobe Gesteins-  0,05 Q0,05 [M.-%]
körnungen, natürlich zusam-
mengesetzte Gesteinskörnun-
gen 0/8 und Korngemische

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 47


B. 2. 2. 6 Hinweise zur Verwendung von Gesteinskörnung im Beton

Kornzusammensetzungen
Für Beton mit Ausfallkörnung oder andere spezielle Verwendungszwecke können
zusätzliche Anforderungen vereinbart werden. Dies trifft auch für feine Gesteins­
körnungen (Sand) zu, wenn die Schwankungen der Kornzusammensetzung redu-
ziert werden sollen.

Muschelschalengehalt grober Gesteinskörnungen


Der nach DIN EN 933-7 bestimmte Muschelschalengehalt grober Gesteins­
körnungen darf 10 M.-% nicht überschreiten (Festlegung in Tabelle 10 in
DIN EN 12620 beachten).

Bestandteile, die die Oberflächenbeschaffenheit des Betons beeinflussen


Einige Bestandteile grober Gesteinskörnungen können zu Fleckenbildung, Verfär-
bungen oder zu Aussprengungen (sog. pop-outs) führen, falls sie in der Nähe der
Betonoberfläche liegen. Eisensulfide und Braunkohle können sich negativ im Be-
ton auswirken.

Bestandteile, die das Erstarren und Erhärten des Betons nachteilig beeinflussen
Huminsäuren und zuckerartige Stoffe können die Hydratationsgeschwindigkeit
des Zements verlangsamen, sodass infolge vorzeitiger Austrocknung die Qualität
des Betons erheblich beeinträchtigt wird.

Ebenso nachteilig wirken sich Tonminerale auf die Festigkeitsentwicklung, Fes­


tigkeit und Dauerhaftigkeit des Betons aus. Bei Verdacht sind betontechnolo-
gische Vergleichsprüfungen durchzuführen.

Schädliche Bestandteile allgemein


Als schädliche Bestandteile von Gesteinskörnungen gelten Stoffe, die

– das Erstarren oder Erhärten von Beton bzw. Mörtel stören,


– die Festigkeit oder Dichtheit des Betons herabsetzen,
– den Korrosionsschutz der Bewehrung beeinträchtigen,
– zu Absprengungen oder Verfärbungen des Betons führen.

Diesbezüglich ist die Gesteinskörnung grundsätzlich nach Augenschein sowie


ggf. nach Geruch zu beurteilen. Weitere Hinweise können sich aus der Herkunft
und den damit möglicherweise verbundenen Verunreinigungen ergeben.

Mürbe Gesteinskörnungen, die aus stark verwittertem Felsgestein stammen, und


einige Konglomerate sowie Breccien können folgende Gesteine enthalten:
Schiefer, Glimmer, Phyllit, Kreide, Mergel, Tonschiefer oder poröser Flint.

B 48 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Glimmer-Bestandteile
Bei Vorhandensein von Glimmer im Sand ist die Brauchbarkeit der Gesteins­
körnung hinsichtlich der Festigkeit nachzuweisen.

Feinanteile (Abschlämmbare Bestandteile)


Feinanteile in der Gesteinskörnung ( 0,063 mm), in der Regel tonige, lehmige
Substanzen und/oder feines Gesteinsmehl, können betonschädlich wirken, wenn
gewisse zulässige Mengen überschritten werden (siehe Tafel B.30). Sie binden
nicht mit Zement ab bzw. unterbrechen den festen Verbund zwischen Zement
und Gesteinskörnung.

Tafel B.30: Kategorien für Höchstwerte des Gehalts an Feinanteilen nach


DIN EN 12620

Gesteinskörnung Maximaler Siebdurchgang Kategorie f


durch das 0,063 mm-Sieb
[M.-%]
 1,5 f1,5
4 f4
Grobe Gesteinskörnung >4 fangegeben
Keine Anforderung fNR
3 f3
Natürlich  10 f10
zusammengesetzte  16 f16
Gesteinskörnung 0/8 > 16 fangegeben
Keine Anforderung fNR
3 f3
 11 f11
Korngemisch > 11 fangegeben
Keine Anforderung fNR
3 f3
 10 f10
Feine Gesteinskörnung  16 f16
(Sand)  22 f22
> 22 fangegeben
Keine Anforderung fNR

Anhaltswerte für den Gehalt an abschlämmbaren Bestandteilen liefert der


Absetzversuch 1). Normgerechte Werte liefert die Luftstrahlsiebung nach
DIN EN 933-1, auf die sich auch die Kategorien in Tafel B.30 beziehen.

Iken, H.-W.; Lackner, R.; Zimmer, U. P.; Wöhnl, U.; Breit, W.: Handbuch der Betonprüfung.
1)

6. Aufl. Verlag Bau+Technik, Düsseldorf 2012

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 49


Stoffe organischen Ursprungs
Diese können in der Gesteinskörnung sowohl in feinverteilter Form (z.B. humose
Stoffe) das Erhärten des Betons/Mörtels stören, als auch in körniger Form (z.B.
Holzreste, teils auch braunkohleartig) Verfärbungen oder Absprengungen infolge
Quellens/Schwindens an der Betonoberfläche hervorrufen.

Dem letztgenannten Effekt ist insbesondere bei der Herstellung von Sichtbeton,
Betondecken im Freien und Estrichen Beachtung zu schenken, d.h. dort sind ggf.
erhöhte Anforderungen zu vereinbaren.

Schwefelverbindungen
Nennenswerte Gehalte an schädlichen Schwefelverbindungen in der Gesteins­
körnung wie z.B.:

– Gips,
– Anhydrit und
– Alkalisulfate

können unter bestimmten Bauwerksverhältnissen störende Veränderungen im


Beton verursachen („Sulfattreiben”). Sulfide (z.B. Schwefelkies FeS2) gehen bei
Zutritt von Luft und Wasser unter Abspaltung von Schwefelsäure in Sulfate über
und können somit in „doppelter” Hinsicht schädigend auf den Beton wirken.

Schwerspat (BaSO4) ist in Wasser praktisch unlöslich und kann daher als Beton-
ausgangsstoff verwendet werden.

B. 2. 2. 7 Gesteinskörnung mit alkalireaktiver Kieselsäure


und vorbeugende Maßnahmen

Einige Gesteinskörnungen enthalten alkalireaktive Kieselsäure, die mit im Poren-


wasser des Betons gelöstem Alkalihydroxid zu einem Alkalisilikat reagieren kann.
Unter bestimmten Voraussetzungen führt diese Reaktion zu einer Volumenver-
größerung, die zu einer Schädigung des Betons führen kann. Diese Volumenver-
größerung wird als „Alkalitreiben” und die chemische Reaktion, die dies verur­
sacht, als „Alkali-Kieselsäure-Reaktion” (AKR) bezeichnet.

Die DAfStb-Richtlinie „Vorbeugende Maßnahmen gegen schädigende Alkalireak­


tion im Beton“ (Alkali-Richtlinie) ist für die Einstufung von Gesteinskörnungen
nach DIN EN 12620 in Verbindung mit DIN 1045-2 in einer Alkaliempflindlichkeits-
klasse anzuwenden.

In dieser Richtlinie werden die Prüfung, Einstufung, Überwachung und Zertifizie-


rung von Gesteinskörnungen hinsichtlich ihrer Alkaliempfindlichkeitsklasse und
die gegebenenfalls beim Beton zu ergreifenden Maßnahmen geregelt bzw. fest-
gelegt.

B 50 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Es erfolgt eine Klassifizierung der Gesteinskörnungen hinsichtlich ihrer Alkali­
empfindlichkeit in folgende Klassen:

E I (ohne oder mit Zusatzbezeichnung O und OF oder S):


Gesteinskörnungen, für die keine vorbeugenden Maßnahmen erforderlich
sind
E II (nur mit Zusatzbezeichnung O und OF):
Für die vorbeugende Maßnahmen erforderlich sind
E III (nur mit Zusatzbezeichnung O und OF oder S):
Gesteinskörnungen, für die vorbeugende Maßnahmen erforderlich sind

Die Zusatzbezeichnungen bedeuten:

O - Gesteinskörnungen mit Opalsandstein einschließlich Kieselkreide


F - Gesteinskörnungen mit Flint
S - weitere Gesteinskörnungen

Die vorbeugenden Maßnahmen gelten für die Feuchtigkeitsklassen WO, WF und


WA gemäß DIN 1045-2. Die Alkali-Richtlinie regelt auch die Prüfung, Überwa-
chung und Zertifizierung von Gesteinskörnungen in Verbindung mit DIN 1045-2.

Jede Gesteinskörnung nach DIN EN 12620 ist durch eine Zertifizierungsstelle in


eine Alkaliempfindlichkeitsklasse einzustufen.

Dabei unterscheidet die Richtlinie zwei Möglichkeiten, um Gesteinskörnungen in


eine Alkaliempfindlichkeitsklasse einzustufen:

a) durch eine petrografische Prüfung nach DIN EN 932-3 und geografische Zu-
ordnung der Gewinnungsstätte gemäß Abschnitt 4.2 ohne weitere Prüfungen
oder
b) durch eine petrografische Prüfung nach DIN EN 932-3 und geografische Zu-
ordnung der Gewinnungsstätte mit weiteren Prüfungen nach den Abschnit-
ten 4.3 oder 4.4 der Richtlinie (schematische Abläufe der Prüfungen sind der
Richtlinie zu entnehmen; sie sind nicht Bestandteil des Betonhandbuchs).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 51


Bild B.9: Eiszeitliche Ablagerungsgebiete in Norddeutschland und angrenzender
Bereich

Bei Gesteinskörnungen, mit denen im Bild B.9 dargestellten Anwendungsbereich


keine baupraktischen Erfahrungen vorliegen, ist durch die Überwachungsstelle zu
prüfen, ob diese den Gesteinskörnungen nach Abschnitt 4.3 oder 4.4 zugeordnet,
petrografisch geprüft und eingestuft werden können.

Das heißt, die Gesteinskörnungen größer 1 mm sind für die Erstprüfung nach An-
hang A der Richtlinie zu prüfen und in Alkaliempfindlichkeitsklassen einzustufen.
Dies betrifft Gesteinskörnung mit Opalsandstein einschließlich Kieselkreide und
Flint.

Nach Abschnitt 4.4 werden weitere Gesteinskörnungen über 2 mm (z.B. gebro-
chene Grauwacke, ungebrochene Gesteinskörnung (Kiese) aus den Ablagerungs-
gebieten der Elbe, Saale, Mulde und Elster) gemäß Anhang B geprüft und einge-
stuft.

B 52 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Ist eine Zuordnung zu diesen Gesteinskörnungen nicht möglich, darf die Beur­
teilung anhand der Prüfungen nach Anhang B.3 der Richtlinie vorgenommen
werden.

Bei Gesteinskörnungen, mit denen unter baupraktischen Bedingungen in den


Feuchtigkeitsklassen WO, WF und WA eine schädigende Alkali-Kieselsäure-
Reaktion aufgetreten ist, müssen durch eine gutachterliche Beurteilung (beson-
ders fachkundige Person) Sofortmaßnahmen zu deren Verwendung im Beton
festgelegt werden. Über die Gesteinskörnung und den Schaden ist der Unteraus-
schuss „Alkalireaktion im Beton“ des Deutschen Aussschusses für Stahlbeton zu
informieren. Dieser legt die anzuwendenden Prüfverfahren und gegebenenfalls
erforderliche Maßnahmen für diese Gesteinskörnungen fest.

Eine Gesteinskörnung gilt als unempfindlich hinsichtlich einer AKR-Reaktion und


kann in die Alkaliempfindlichkeitsklasse E I eingestuft werden, wenn folgende
Voraussetzungen erfüllt sind:

– die Gesteinskörnung stammt nicht aus dem eiszeitlichen Ablagerungsgebiet in


Norddeutschland gemäß Bild B.9 und enthält keinen Opalsandstein und keine
Kieselkreide
– der Gesamtflintanteil (wF) der Gesteinskörnung muss kleiner als 2,0 M.-% sein
Ist die Rohdichte des Flintanteils größer als 2 450 kg/m3, liegt der Grenzwert
für den reaktiven Flintanteil (wrF) bei  2,0 M.-%

Eine Einstufung in E I kann auch erfolgen, wenn keine gebrochene Grauwacke,


kein gebrochener Rhyolith, kein gebrochener Kies des Oberrheins und keine
rezyklierte Gesteinskörnung verwendet wird. Sind Anteile der vorgenannten
Gesteinskörnungen enthalten, ist deren Anteil mit maximal 10 M.-% begrenzt.

Eine E I-Einstufung ist auch ausgeschlossen, wenn Kiese und gebrochene Kiese
aus den Flussläufen und Ablagerungsräumen in den Gebieten der Saale, Elbe,
Mulde und Elster im angrenzenden Bereich gemäß Bild B.9 für die Betonherstel-
lung verwendet werden sollen.

Eine E I-Einstufung kann erfolgen, wenn mit der Gesteinskörnung im Anwen-


dungsbereich der Richtlinie baupraktische Erfahrungen gemacht worden sind,
und bisher keine AKR-Schäden an Bauteilen der Feuchtigkeitsklassen WF oder
WA aufgetreten sind.

Die ermittelte Alkali-Empfindlichkeitsklasse ist im Sortenverzeichnis und auf dem


Lieferschein der Gesteinskörnung als zusätzliche Bezeichnung anzugeben.

Beispiele
DIN EN 12620 – 8/16 – E II-O - E III-OF
DIN EN 12620 – 8/16 – E III-S
DIN EN 12620 – 8/16 – E I

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 53


Gemäß Teil 2 der „Alkali-Richtlinie” ist die Gesteinskörnung über eine Erstprüfung
in je eine der Alkali-Empfindlichkeitsklassen einzustufen und auf Einhaltung der
Grenzwerte hin zu überwachen. Für jede zu liefernde Korngruppe/Lieferkörnung
ist eine gesonderte Beurteilung erforderlich. In Tafel B.31 ist als Beispiel die Be-
urteilung der Alkali-Empfindlichkeit von Gesteinskörnung mit Opalsandstein ein-
schließlich Kieselkreide und Flint dargestellt.

Tafel B.31: Grenzwerte für die Beurteilung der Alkaliempfindlichkeitsklassen von


Gesteinskörnungen mit Opalsandstein einschließlich Kieselkreide und Flint nach
Anhang A der AKR-Richtlinie

Bestandteile Grenzwerte [M.-%]


für Alkaliempfindlichkeitsklassen
E I-OF E II-OF E III-OF
Opalsandstein  0,5  2,0 > 2,0
einschl. Kieselkreide
(über 1 mm)1)
Reaktionsfähiger  3,0  10,0 > 10,0
Flint (über 4 mm)
5 x Opalsandstein  4,0  15,0 > 15,0
einschl. Kieselkreide
+ reaktionsfähiger Flint
In den Prüfkornklassen 1/2 und 2/4 einschließlich reaktionsfähigem Flint
1)

Bei der Einstufung der Korngruppen/Lieferkörnungen dürfen die Prüfergebnisse


keinen der drei Grenzwerte dieser Empfindlichkeitsklasse überschreiten.

Im Anhang A der Alkali-Richtlinie (normativ) sind Prüfungen an Gesteinskörnun­


gen mit Opalsandstein einschließlich Kieselkreide und Flint beschrieben.

Die Prüfung und Einstufung der Gesteinskörnung in Alkaliempfindlichkeitsklassen


werden am Kornanteil größer als 1 mm durchgeführt.

Die petrografische Untersuchung soll Aufschluss über den Anteil an Opalsand­


stein einschließlich Kieselkreide und fraglichen Bestandteilen sowie an Flint ge-
ben. Sie wird an den nach Abschnitt A.4.3 der Richtlinie hergestellten Prüfkorn-
klassen über 4 mm durchgeführt.

Über die Bestimmung der Kornrohdichte wird beim Flint der reaktionsfähige An-
teil bestimmt. Je niedriger die Kornrohdichte ist, umso höher ist die Reaktivität
des Gesteins. Die Bestimmung wird an Prüfkornklassen über 4 mm durchgeführt.

Im Angang B (normativ) sind das Schnellprüfverfahren und der Betonversuch mit


Nebelkammerlagerung (40 °C) beschrieben. Mit dem Schnellprüfverfahren kön-
nen Korngruppen mit Korngrößen  2 mm geprüft werden.

B 54 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Der Betonversuch mit Nebelkammerlagerung (40 °C) ist als Referenzverfahren
festgelegt.

Alternativ darf der im informativen Anhang C beschriebene Betonversuch bei


60 °C über Wasser angewendet werden, sofern die Prüfstelle durch Teilnahme an
den regelmäßigen Vergleichsprüfungen des Deutschen Instituts für Bautechnik
(DIBt) anhand der festgelegten Kriterien nachgewiesen und dokumentiert hat,
dass beide Verfahren zur gleichen Bewertung führen. Dieses Verfahren ermög­
licht eine schnellere Einstufung von Gesteinskörnungen. In Zweifelsfällen gilt das
Referenzverfahren.

Tafel B.32: Vorbeugende Maßnahmen gegen schädigende Alkalireaktion im


Beton nach Alkali-Richtlinie

Alkali- Zementgehalt Feuchtigkeitsklasse und notwendige Maßnahmen


empfindlich-
keitsklasse [kg/m ]3
WO WF WA
E I; E I-S keine Festlegung – – –
E I-O – – –
E II-O – – NA-Zement
 330 1)
Austausch der
E III-O – NA-Zement
Gesteinskörnung
E I-OF – – –
E II-OF – NA-Zement NA-Zement
> 330 2)
Austausch der
E III-OF – NA-Zement
Gesteinskörnung
 300 – – –
300 < z
– – NA-Zement
E III-S  350
Austausch der
> 350 – NA-Zement
Gesteinskörnung
Bei z > 330 kg/m3 ist E I-OF bis E III-OF zu verwenden.
1)

Bei z  330 kg/m3 ist E I-O bis E III-O zu verwenden.


2)

Empfehlungen für die Schadensdiagnose und Instandsetzung von Betonbauwer-


ken, die infolge einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion geschädigt sind, hat der DAfStb
erarbeitet. Ausführlich werden auch unterschiedliche Untersuchungsmethoden
beschrieben 1).

Deutscher Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb): Empfehlung für die Schadensdiagnose und
1)

Instandsetzung von Betonbauwerken, die infolge einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion geschä-


digt sind. beton 64 (2015) H. 10

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 55


B. 2. 2. 8 Sieblinien nach DIN 1045-2

Die Kornzusammensetzung von Korngemischen lässt sich graphisch durch sog.


Sieblinien darstellen. Dies sind Diagramme, bei denen auf der Ordinate (senk-
recht) die Siebdurchgänge in Vol.-% (DIN 1045-2) oder M.-% in unverzerrtem
Maßstab aufgetragen werden, während auf der Abszisse (waagerecht) die Sieb-
weiten in logarithmischem Maßstab eingetragen sind. Da sich die Öffnungen auf-
einanderfolgender Normensiebe jeweils um den Faktor 2 unterscheiden, ergibt
sich somit auch auf der Abszisse ein gleichmäßiger Abstand der Lochweiten.
Je feiner das Körnungsgemisch, umso höher liegt die Sieblinie im Diagramm.

Die prozentualen Siebdurchgänge, und damit die Sieblinien, werden durch Sieb-
versuche mit dem Norm-Prüfsiebsatz (siehe Tafel B.14) an der getrockneten
Gesteinskörnung ermittelt. Sind alle Norm-Korngrößen im Körnungsgemisch in
bestimmten Mengen vorhanden, so ergibt sich eine Stetige Sieblinie. Fehlen eine
oder mehrere Korngruppen zwischen der feinsten und der gröbsten Gruppe, so
ergibt sich eine Unstetige Sieblinie mit waagerechtem Verlauf im Bereich der feh-
lenden Gruppen („Ausfallkörnung”).

In DIN 1045-2 sind für Kornzusammensetzungen mit einem Größtkorn von 8, 16,
32 und 63 mm jeweils „Regelsieblinien” angegeben (siehe Bilder B.10 bis B.13).
In diesen Regelsieblinien-Diagrammen sind für jedes Größtkorn die „Grenzsieb­
linien” A, B, C und U bzw. die dazwischen oder außerhalb liegenden „Sieblinien-
bereiche” 1 bis 5 definiert, wobei stets

– die untere (grobe) Grenzsieblinie mit A,


– die mittlere Grenzsieblinie mit B,
– die obere (feine) Grenzsieblinie mit C und
– die unstetige Grenzsieblinie mit U

bezeichnet ist. Die Angabe von Regel-Sieblinienbereichen begründet sich in der


Tatsache, dass in der Praxis linienförmige Idealsieblinien nicht einzuhalten sind.

B 56 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Maschensiebe Quadratlochsiebe
(DIN ISO 3310-1) (DIN ISO 3310-2)

Bild B.10: „Regelsieblinien“ für Korngemische mit einem Größtkorn von 8 mm


nach DIN 1045-2

Maschensiebe Quadratlochsiebe
(DIN ISO 3310-1) (DIN ISO 3310-2)

Bild B.11: „Regelsieblinien“ für Korngemische mit einem Größtkorn von 16 mm


nach DIN 1045-2

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 57


Maschensiebe Quadratlochsiebe
(DIN ISO 3310-1) (DIN ISO 3310-2)

Bild B.12: „Regelsieblinien“ für Korngemische mit einem Größtkorn von 32 mm


nach DIN 1045-2

Maschensiebe Quadratlochsiebe
(DIN ISO 3310-1) (DIN ISO 3310-2)

Bild B.13: „Regelsieblinien“ für Korngemische mit einem Größtkorn von 63 mm


nach DIN 1045-2

B 58 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Schlupfkorn
Als „Schlupfkörner” bezeichnet man einzelne, genau in die Hohlräume zwischen
Grobkörnern passende Körner. Theoretisch ist die Schlupfkorngröße  0,155 mm
des nächst größeren Korns (Kugelmodell).

Schlupfkörner sind i. Allg. eher ungünstig für die Kornzusammensetzung. Beson-


ders günstig hingegen ist ein Verhältnis der Korngrößen zueinander, bei dem
mehrere Körner mit verschiedenen kleineren Korngrößen etwa in solcher Menge
vorhanden sind, dass sich die Hohlräume zwischen größeren Körnern annähernd
vollständig ausfüllen.

Sperrkorn
Mit Sperrkorn wird eine Korngröße bezeichnet, welche kleiner als das Größtkorn
(bzw. Stützkorn des Korngemisches) ist, aber größer als das Schlupfkorn und so-
mit die gegenseitige Berührung des Stützkorns eines Kornhaufwerks verhindert.
Theoretisch ist die Sperrkorngröße  0,225 mm des nächst größeren Korns
(Kugelmodell).

In der Praxis liegt der „Sperrkornbereich” i. Allg. bei Korngrößen zwischen 2 mm
und 8 mm. Zu große Anteile dieser Korngruppe (mehr als 10 % bis 15 % der ge-
samten Gesteinskörnung) können einen überhöhten und unwirtschaftlichen
Mörtelbedarf erfordern.

Weitere Normanforderungen hinsichtlich der Gesteinskörnungen sind im


Kapitel C. 3. 2 wiedergegeben.

Bei Zusammensetzung von Korngemischen aus Korngruppen mit deutlich ver-


schiedener Rohdichte sind die Sieblinien abweichend vom Regelfall in der Or-
dinatenachse nicht auf M.-%, sondern auf Vol.-% (DIN 1045-2) zu beziehen. Die
Volumenanteile berechnen sich durch Division der Massenanteile durch die Korn-
rohdichte.

Ausfallkörnung
Korngemische mit Ausfallkörnungen (d.h. unstetigen Sieblinien) können eine be-
sonders „dichte” Packung der Gesteinskörner bewirken und dadurch ggf. zu ei-
ner wirtschaftlichen Betonmischung führen. Es ist jedoch stets durch eine Erst-
prüfung der Betonmischung festzustellen, ob ein gut verarbeitbarer Beton mit
ausreichender Festigkeit entsteht. Die Verwendung von Korngemischen mit Aus-
fallkörnungen kann im Vergleich zu Körnungen mit stetiger Sieblinie geringere

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 59


Betonfestigkeiten ergeben. Andererseits ergeben sich bei Verwendung von Aus-
fallkörnungen i. Allg. Verarbeitungsvorteile wie z.B.:

– Frischbeton neigt weniger zur Entmischung beim Transport auf Rutschen oder
Bändern (Absondern grober Gesteinskörner).
– Frischbeton neigt weniger zur Entmischung beim Rütteln (Absondern von
Zementschlämme).
– Zementmörtel ist schon vor dem Rütteln gleichmäßiger über die groben
Körner verteilt.
– Beim Rütteln pflanzen sich die Schwingungen auf größerem Umkreis fort, wenn
weniger kleine Körner, dafür aber mehr gleichmäßig große Körner im Frisch­
beton enthalten sind.
– Die Verwendung von weniger Korngruppen erfordert auch weniger Aufwand
bei Lagerhaltung und Dosierung.

Aus wirtschaftlichen Erwägungen und Umweltgründen wird die Kornzusammen-


setzung der örtlichen Rohstoffvorkommen im Regelfall bestimmen, ob eine Aus-
fallkörnung oder ein Korngemisch mit stetiger Sieblinie zum Einsatz kommen.

B 60 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 2. 2. 9 Kennwerte für Korngemische

B. 2. 2. 9. 1 Sieblinien-Kennwerte

Zur Abschätzung des Wasseranspruchs von Korngemischen werden der K-Wert


und/oder die D-Summe benutzt.

K-Wert bzw. „Körnungsziffer K”


Der K-Wert ist die Summe aller Rückstände in Masse-% auf den einzelnen Norm-
sieben des Prüfsiebsatzes (wobei das Sieb mit 0,125 mm Maschenweite wegge-
lassen wird) geteilt durch 100.

 aller Rückstände [M.-%]


K= (9 Prüfsiebe)
100

D-Summe bzw. „D-Wert”


Die D-Summe ist die Summe aller Durchgänge in Masse-% durch die einzelnen
Normsiebe des Prüfsiebsatzes (wobei das Sieb mit 0,125 mm Maschenweite weg-
gelassen wird). Hierbei sind auch bei kleinerem Größtkorn die Durchgänge bis
einschl. 63 mm zu berücksichtigen.

D=  aller Durchgänge [M.-%] (9 Prüfsiebe)

Umrechnung K-Wert in D-Summe


Zwischen K-Wert und D-Summe besteht folgende Beziehung:

100 K + D = 900 bzw.

Anzahl der Siebe · 100 – D


K=
100

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 61


Tafel B.33: Berechnungsbeispiel für K-Wert und D-Summe von
„Regelsieblinie” A32 (siehe Bild B.12)

Sieblochweite 0,25 0,5 1 2 4 8 16 31,5 63  K-Wert D-


[mm] Summe
Siebrückstand 98 95 92 86 77 62 38 0 0 548 5,48 /
[M.-%]
Siebdurchgang 2 5 8 14 23 38 62 100 100 352 / 352
[M.-%]

Hinweis
Bei der Ermittlung der Sieblinien-Kennwerte ist i. Allg. als Kornanteil (Rückstand
oder Durchgang) bis 0,5 mm der tatsächlich vorhandene Kornanteil der zu beur-
teilenden Sieblinie zu berücksichtigen.

Lediglich bei vergleichender Betrachtung einer beliebigen Sieblinie mit den


„Regelsieblinien” nach DIN 1045-2 ist für beide Sieblinien bei der Kennwert-
Berechnung der sich bei geradliniger Verbindung zwischen dem 0,25- und dem
1,0 mm-Prüfsieb bei 0,5 mm ergebende Kornanteil einzusetzen.

Obwohl in DIN EN 12620 keine Anforderungen an den Siebdurchgang durch die


Siebe 0,125 mm und 0,5 mm gestellt werden, müssen diese Siebe in den Prüf-
siebsatz aufgenommen werden, da die Siebdurchgänge für Feinanteil bzw. Mehl-
kornanteil mitgerechnet werden müssen. Der Durchgang durch das 0,5-mm-
Sieb wird darüber hinaus für die Berechnung des Wasseranspruchs (K-Wert) des
Korngemischs benötigt.

Allgemein gilt
Je größer das Größtkorn und je sandärmer das Körnungsgemisch, um so größer
ist der K-Wert bzw. um so kleiner ist die D-Summe.

B. 2. 2. 9. 2 Spezifische Oberfläche

Die „Spezifische Oberfläche” (auf ein Volumen bezogene Oberfläche) von Ge-
steinskörnungen stellt einen Kennwert dar, der den Zementverbrauch wesentlich
mitbestimmt, weil im Mörtel und Beton die Oberfläche einer bestimmten Korn-
menge von Zementleim umhüllt werden muss. Bei großer „Spezifischer Ober­
fläche” des Korngemisches wird daher entsprechend viel Zement verbraucht.

B 62 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Bei kugeliger Form der Gesteinskörnung beträgt die spezifische Oberfläche:

O  · d2 6
= =
V  · d3 d
6

Je größer der Korndurchmesser d, desto kleiner ist demnach die spezifische


Oberfläche. So liefert z.B. bei der „Regelsieblinie“ B32 (siehe Bild B.12) die Korn-
gruppe 0/0,25 etwa 2/3 und die Korngruppe 0,25/32 nur etwa 1/3 der spezifi­
schen Gesamtoberfläche.

Setzt man die mittlere Rohdichte von normaler Gesteinskörnung mit 2,60 kg/dm3
an, ergibt sich die spezifische Oberfläche je kg Gesteinskörnung (kugelige Form)
zu:

2,308
O = [m2/kg] d: [mm]
d

1 kg Gesteinskörnung von kugeliger Form hat demnach bei:

... 30 mm Durchmeser eine Oberfläche von 0,077 m2


... 1,0 mm Durchmesser eine Oberfläche von 2,308 m2
... 0,25 mm Durchmesser eine Oberfläche von 9,232 m2

Diese Relationen bleiben auch bei anderen Kornformen als der Kugelform erhal-
ten; die Absolutwerte können sich dort auf das 2- bis 3fache vergrößern.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 63


B. 2. 2. 9. 3 Kennwerte für Sieblinien nach DIN 1045-2

Für die „Regelsieblinien” nach DIN 1045-2 (siehe Bilder B.10 bis B.13) ergeben sich
mit den Berechnungsmethoden der vorausgehenden Kapitel die in Tafel B.34
aufgelisteten typischen Kennwerte.

Tafel B.34: Körnungsziffer K, D-Wert und Spezifische Oberfläche von Gesteins­


körnungen mit „Regelsieblinie”

Regel- Körnungsziffer D-Summe Spezifische Oberfläche


sieblinie K [m2/kg]

A8 3,63 537 2,24


B8 2,90 610 3,94
C8 2,27 673 5,93
U8 3,88 512 2,36

A 16 4,60 440 1,38


B 16 3,66 534 2,97
C 16 2,75 625 5,14
U 16 4,87 413 1,37

A 32 5,48 352 0,95


B 32 4,20 480 2,73
C 32 3,30 570 4,38
U 32 5,65 335 1,05

A 63 6,15 285 0,80


B 63 4,92 408 2,35
C 63 3,73 527 4,07
U 63 6,57 243 0,81

B. 2. 2. 9. 4 Eigenfeuchte, Oberflächenfeuchte, Kernfeuchte

Eigenfeuchte
Die Eigenfeuchte von Gesteinskörnungen setzt sich aus der Oberflächenfeuchte
und der Kernfeuchte zusammen (vergl. Bild B.15 im Kapitel B. 3).

Oberflächenfeuchte
Das außen an den Gesteinskörnern haftende Wasser wird als Oberflächenfeuchte
bezeichnet. Es steht bei der Betonherstellung zusammen mit dem Zugabewasser
für den Hydratationsvorgang (Zementsteinbildung) zur Verfügung. Die Oberflä-
chenfeuchte der Gesteinskörnung ist bei der Bestimmung von Konsistenz und
Wasserzementwert des Frischbetons zu berücksichtigen.

Zur Bestimmung der Oberflächenfeuchte muss die Eigenfeuchte der Gesteins­


körnung um den Betrag der Kernfeuchte vermindert werden.

B 64 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Kernfeuchte
Kernfeuchte ist die in den Poren der Gesteinskörnung vorhandene Feuchtigkeit.
Dieses Wasser nimmt am Hydratationsvorgang i. Allg. nicht teil und beeinflusst
daher Konsistenz oder Wasserzementwert des Frischbetons nicht direkt (Aus-
nahme bei poröser Gesteinskörnung).

Bestimmung der Eigenfeuchte (Darrversuch)


Eine Durchschnittsprobe der Gesteinskörnung wird abgewogen, bei über 100 °C
getrocknet und erneut gewogen. Aus dem Gewichtsverlust errechnet sich die
Eigenfeuchte hg wie folgt:

mg,h – mg,d
hg = · 100 [M-%]
mg,d

mg,h = Masse (Gewicht) der Probe vor dem Trocknen


mg,d = Masse (Gewicht) der Probe nach dem Trocknen

Tafel B.35: Anhaltswerte für die Kernfeuchte von natürlicher Gesteinskörnung der
Korngruppe 0/32 1)

Gesteinskörnung und Herkunft Kernfeuchte [M.-%]


Basalt 0,5
Moräne-Kies 0,8
Rhein-Kies 0,8
Weser-Kies 1,5
Elbe-Kies 1,5
Main-Kies 2,2

Scholz, W.; Hiese, W.; Möhring, R.: Baustoffkenntnis. 17. Aufl. Werner Verlag, Köln 2011
1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 65


B. 2. 2. 9. 5 Wasseranspruch eines Korngemisches

Der Wasseranspruch eines Korngemisches gibt die zur Erzielung einer bestimm-
ten Frischbetonkonsistenz erforderliche Wassermenge an. Korngröße, Kornform
und Gesteinsart beeinflussen diesen Wasseranspruch; feinere Korngruppen be-
deuten höheren Wasseranspruch. Der Wasseranspruch lässt sich anhand der
Sieblinie oder mittels Kennwerten empirisch schätzen („Wasseranspruchszahl”).

Tafel B.36: Richtwerte des Wasseranspruchs von 1 m3 verdichtetem Frischbeton


für Korngemische mit „Regelsieblinien” nach DIN 1045-2

Gesteinskörnung Wasseranspruch [kg/m3] bzw. [l/m3]


Frischbetonkonsistenz
Regelsieblinie Körnungsziffer K F1 F2 F3
A 32 5,48 120 145 165
A 16 4,60 130 160 175
B 32 4,20 140 170 190
B 16 3,66 155 180 205
C 32 3,30 165 195 215
C 16 2,75 180 210 230

Die „Wasseranspruchszahlen” in obiger Tafel stellen mittlere Richtwerte dar. Für


Korngemische mit ausgeprägt hohem Wasseranspruch sind sie um ca. 10 M.-% zu
erhöhen, für solche mit besonders geringem Wasseranspruch um etwa 10 M.-%
zu vermindern.

Für beliebige, von den „Regelsieblinien” abweichende Korngemische lassen sich


deren Wasseranspruchszahlen aus obiger Tafel durch Interpolation ermitteln.

Beispiel
Gesteinskörnung mit K-Wert 3,52/Frischbetonkonsistenz F2  Wasseranspruchs-
zahl laut Tafel B.36: ca. 186 kg/m3

Für beliebige Korngemische mit bekannter Körnungsziffer bzw. D-Summe lassen


sich Richtwerte des Wasseranspruchs auch auf graphischem Wege unter Ver-
wendung von Bild B.14 ermitteln.

B 66 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Bild B.14: Graphisches Verfahren zur Ermittlung von Richtwerten des Wasseran­
spruchs von Frischbeton für Korngemische mit bestimmter Körnungsziffer bzw.
D-Summe bezogen auf oberflächentrockene Gesteinskörnung

Beispiel
Gesteinskörnung mit K-Wert 3,85 (bzw. D-Summe 515); Frischbetonkonsistenz im
mittleren F3-Bereich: Wasseranspruch: ca. 194 kg/m3

Der tatsächlich erforderliche Wassergehalt zur Erreichung einer bestimmten


Frischbetonkonsistenz lässt sich erst durch eine Probemischung des Betons
(„Erstprüfung”) ermitteln.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 67


B. 3 Zugabewasser
Dipl.-Ing. André Hahn

B. 3. 1 Definition und Norm

Als Zugabewasser bezeichnet man denjenigen Anteil des Anmachwassers (im


Frischbeton enthaltenes Wasser), der der Mischung zugesetzt wird und nicht be-
reits mit der Gesteinskörnung (Oberflächen- oder Kernfeuchte) oder auch mit
Betonzusätzen in den Beton gelangt. Es gilt die Norm DIN EN 1008, in der umfas-
sende und verbindliche Informationen zu den Probenahmen und Prüfungen fest-
gelegt sind.

Abkürzungen:
h = humid (feucht) tot. = total (gesamt)
g = gravel (Gesteinskörnung) m = Masse (Gewicht)
eff. = effektiv k = Kern
o = Oberfläche w = Wasser

Bild B.15: Zusammensetzung von Beton-Anmachwasser

B 68 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 3. 2 Klassifikation der Arten von Wasser

Die Eignung eines Wassers für die Betonherstellung hängt von dessen Herkunft
ab.

Trinkwasser
Für Beton geeignet: keine Prüfung erforderlich

Restwasser aus Wiederaufbereitungsanlagen der Betonherstellung


Für Beton üblicherweise geeignet: muss die Anforderungen nach Anhang A der
Norm erfüllen. Nur für Betone bis einschließlich C50/60 oder LC50/55 verwen-
den; für hochfesten Beton und LP-Beton darf Restwasser nicht verwendet wer-
den.

Grundwasser
Kann für Beton geeignet sein: muss geprüft werden

Natürliches Oberflächen- und industrielles Brauchwasser


Kann für Beton geeignet sein: muss geprüft werden

Meerwasser oder Brackwasser


Wasser darf für unbewehrten Beton oder Beton mit eingebetteten Metallteilen
verwendet werden. Für die Herstellung von bewehrtem oder vorgespanntem
Beton i. Allg. ungeeignet.

Abwasser
Nicht geeignet!

B. 3. 3  Anforderungen

Wasser für Beton muss die Anforderungen nach Tafel B.37 (Vorprüfung),
Tafel B.38 (Chloride) sowie an Schwefel- und Alkaligehalte erfüllen. Das Wasser
muss zusätzlich entweder die Anforderungen nach Tafel B.39 (Schädliche Stoffe)
oder die Anforderungen an Erstarrungszeit und Druckfestigkeit erfüllen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 69


Tafel B.37: Anforderungen und Prüfverfahren für die Vorprüfung von Zugabe-
wasser nach DIN EN 1008

Anforderungen Prüfverfahren 1)

Öle und Fette Nur Spuren sind erlaubt. 6.1.1

Reinigungs- Schaum muss innerhalb von 2 min zusammen-


6.1.1
mittel sinken.

Farbe Wasser aus anderen Quellen als Restwasser nach


3.2 1) klassifiziert: 6.1.1
Farbe muss schwach gelblich oder heller sein.

Restwasser aus Quellen nach 3.2 1). A.4


Schwebstoffe
Wasser aus anderen Quellen:
6.1.1
höchstens 4 ml Absetzvolumen

Restwasser aus Quellen nach 3.2 1).


Nur Geruch von Trinkwasser und leichter Geruch
von Zement und bei Flugasche im Wasser leichter
Geruch von Schwefelwasserstoff.
Geruch 6.1.1
Wasser aus anderen Quellen
Nur Geruch von Trinkwasser, kein Geruch von
Schwefelwasserstoff nach dem Hinzufügen von
Salzsäure.

Säuren pH > 4 6.1.1

Huminstoffe Nach dem Hinzufügen von NaOH muss die Far-


be qualitativ nachweisbar schwach gelblich braun 6.1.1
oder heller sein.

Verweis auf die zugehörigen Abschnitte in DIN EN 1008


1)

Anmerkung
Wasser, das eine oder mehrere der in Tafel B.37 angegebenen Anforderungen
nicht erfüllt, darf nur verwendet werden, wenn Erstarrungszeit und Festigkeit
entsprechend DIN EN 1008, Abschn. 6.1.3, überprüft wurden. Die chemischen An-
forderungen (Chloride, Schwefel, Alkalien, schädliche Verunreinigungen) müssen
vorher auf jeden Fall erfüllt werden.

B 70 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel B.38: Höchstchloridgehalt des Zugabewassers nach DIN EN 1008

Endgültige Verwendung Höchstchloridgehalt Prüfverfahren 1)


[mg/l]

Vorgespannter Beton oder Einpressmörtel 500

Beton mit Bewehrung oder eingebetteten 1 000


Metallteilen 6.1.2

Beton ohne Bewehrung und eingebetteten 4 500


Metallteilen

Verweis auf die zugehörigen Abschnitte in DIN EN 1008


1)

Anmerkung
Eine Überschreitung ist nur dann möglich, wenn nachgewiesen wird, dass der
Chloridgehalt (Cl-) des Betons den Höchstwert für die festgelegte Klasse nach
DIN EN 206-1, 5.2.7, nicht überschreitet.

Schwefel
Der Schwefelgehalt des Wassers, geprüft nach DIN EN 1008, Abschn. 6.1.3, und
ausgedrückt als Sulfat (SO42-), darf folgenden Wert nicht überschreiten:

SO42--Gehalt  2 000 mg/l

Alkalien
Sind alkaliempfindliche Gesteinskörnungen für den Beton zu erwarten, muss das
Wasser auf seinen Alkaligehalt nach DIN EN 1008, Abschn. 6.1.2, geprüft werden.
Der Alkaligehalt des Wassers, ausgedrückt als Na2O-Äquivalent, darf üblicherwei-
se folgenden Wert nicht überschreiten:

Na2O-Äquivalent  1 500 mg/l

Wenn dieser Grenzwert überschritten wird, darf das Wasser nur verwendet wer-
den, wenn andere Maßnahmen zur Vermeidung schädlicher Alkalisilikatreaktio­
nen ergriffen worden sind.

Wird eine chemische Analyse durchgeführt, gelten die in Tafel B.39 angegebenen
Werte.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 71


Tafel B.39: Anforderungen an schädliche Stoffe nach DIN EN 1008

Stoff Höchstgehalt
Prüfverfahren 1)
[mg/l]

Zucker 100

Phosphate, ausgedrückt als P2O5 100

Nitrate, ausgedrückt als NO3 –


500 6.1.2

Blei, ausgedrückt als Pb 


2+
100

Zink, ausgedrückt als Zn 2+ 100

Verweis auf die zugehörigen Abschnitte in DIN EN 1008


1)

Anmerkung
Vorab muss eine qualitative Prüfung durchgeführt werden; bei einem positiven
Ergebnis ist entweder der Gehalt des betreffenden Stoffs zu bestimmen oder es
sind Prüfungen der Erstarrungszeit und der Druckfestigkeit durchzuführen.

Erstarrungszeit und Festigkeit


Es sind vergleichende Versuche nach DIN EN 1008, Abschn. 6.1.3, mit dem zu
prüfenden und mit destilliertem oder entionisiertem Wasser durchzuführen:

Erstarrungsbeginn:  1 h und die Abweichung vom Erstarrungsbeginn mit Probe-


körpern aus destilliertem oder entionisiertem Wasser  25 %

Die mittlere Druckfestigkeit nach 7 d muss > 90 % der mittleren Druckfestigkeit
von mit destilliertem oder entionisiertem Wasser hergestellten Probekörpern be-
tragen.

B. 3. 4 Probenahme

Probenmenge  5 l
Analysezeit  2 Wochen nach Probenahme
Analysenhäufigkeit: jährlich (laufender Betrieb)

B. 3. 5 Restwasser

Restwasser aus dem Frischbetonrecycling darf für Betone bis zur Festigkeitsklas-
se C50/60 verwendet werden. Bei der Herstellung von Beton mit Luftporenbild-
ner darf Restwasser nicht zugegeben werden.

B 72 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Restwasser

Wasser:
- aus Restbeton/-mörtel
- vom Auswaschen der Betonkörnung

Spülwasser aus Reinigung:


- stationärer Mischer
- Fahrmischertrommel
- Betonpumpe

Wasser:
- zum Schleifen, Sägen und Wasser-
strahlen von Festbeton

Niederschlagwasser:
- Regen, Schnee, Eis

Anteilig Frischwasser

Bild B.16: Zusammensetzung von Restwasser

Restwasser muss die Anforderungen der DIN EN 1008, Abschn. A.4, erfüllen.
Wenn die Dichte von Restwasser  1,01 kg/l ist, dürfen die Mengen an Feststoff
vernachlässigt werden. Wenn die Dichte von Restwasser > 1,01 kg/l ist, sind die
Feststoffe und das Restwasser bei der Berechnung des Betons zu berücksichti-
gen (Tafel B.40).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 73


Tafel B.40: Feststoffe im Restwasser nach DIN EN 1008

Dichte des Restwassers Masse der Feststoffe Masse des Restwassers


[kg/dm3] [kg/dm3] [kg/dm3]

1,02 0,038 0,982

1,03 0,057 0,973

1,04 0,076 0,964

1,05 0,095 0,955

1,06 0,115 0,945

1,07 0,134 0,936

1,08 0,153 0,927

1,09 0,172 0,918

1,10 0,191 0,909

1,11 0,210 0,900

1,12 0,229 0,891

1,13 0,248 0,882

1,14 0,267 0,873

1,15 0,286 0,864

Anmerkung
Bei der Berechnung wurde eine Korndichte von 2,1 kg/dm3 für die Schätzung der
Feststoffe im Restwasser zugrunde gelegt. Falls andere Dichten gemessen wer-
den, darf die Tafel nach folgender Gleichung erneut berechnet werden:

  ·
1 – ww
Wfl =
1 – f f

Dabei ist:
Wfl die Masse der Feststoffe im Restwasser [kg/dm3]
ww die Dichte des Restwassers [kg/dm3]
f die Korndichte der Feststoffe [kg/dm3]

B 74 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Bei einigen Produktionsprozessen darf eine höhere Feststoffmenge verwendet
werden, sofern eine genügende Leistungseigenschaft des Betons nachgewiesen
werden kann.

Verwendung von Restwasser


Restwasser darf als Zugabewasser für Beton mit oder ohne Bewehrung oder ein-
gebettete Metallteile und auch für vorgespannten Beton verwendet werden, so-
fern die folgenden Anforderungen erfüllt sind:

– Die zusätzliche Masse an Feststoffen im Beton, die durch Verwendung von


Restwasser verursacht wird, muss < 1 M.-% der Gesamtmasse der in der
Mischung enthaltenen Gesteinskörnung betragen.
– Der mögliche Einfluss bei Verwendung von Restwasser muss bei besonderen
Anforderungen (z.B. Sichtbeton, vorgespannter Beton und aggressiven Um­
gebungsbedingungen) berücksichtigt werden.

Anmerkung
Das Merkblatt „Sichtbeton” gibt u.a. als in der Praxis bewährte Maßnahmen an,
auf den Einsatz von Restwasser und -beton zu verzichten. In Abhängigkeit von
der Porigkeits- und Farbtongleichmäßigkeitsklasse wird die Verwendung von
Restwasser ausgeschlossen.

– Die Restwassermenge muss gleichmäßig über eine Tagesproduktion verteilt


werden.

Prüfschema für Zugabewasser


DIN EN 1008, Anhang B, gibt ein Prüfschema vor, nach dem Wasser identifiziert
und analysiert werden kann.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 75


B. 4 Betonzusätze
Dipl.-Ing. Stefan Bender-Graß

B. 4. 1 Definitionen

Betonzusätze sind Stoffe, die dem Beton zugegeben werden, um Frisch- und/
oder Festbetoneigenschaften zu verändern bzw. zu verbessern. Hierbei kann es
auch vorkommen, dass die Verbesserung einer bestimmten Betoneigenschaft auf
Kosten einer anderen erfolgt. Nach Art und Zugabemenge unterscheidet man bei
den Betonzusätzen in
– Betonzusatzmittel (BZM) und
– Betonzusatzstoffe (BZS).

BETONZUSÄTZE
(DIN EN 206-1)

BETONZUSATZMITTEL BETONZUSATZSTOFFE
(BZM) (BZS)

– werden i.d.R. in flüssiger Form – fein verteilte i.d.R. pulverförmige


zugegeben. Stoffe

– verändern durch physikalische – um bestimmte Eigenschaften zu


und/oder chemische Wirkung erreichen bzw. zu verbessern:
bestimmte Frisch- und/oder • Verarbeitbarkeit
Festbetoneigenschaften: • Dichtigkeit/Festigkeit
• Verarbeitbarkeit • Farbe usw.
• Erstarren/Erhärten
• Frostwiderstand usw. – Volumenanteile sind i.d.R.
bei der Stoffraumrechnung zu
– als Volumenanteil bei der Stoffraum- berücksichtigen (Mehlkorngehalt !)
rechnung i.d.R. ohne Bedeutung
– DIN EN 206-1 unterscheidet zwei
Ausnahme: Bei Zugabe von flüssi- Arten von anorganischen BZS:
gen BZM > 3 l/m3 Beton muss die Typ I: nahezu inaktive (inerte)
darin enthaltene H2O-Menge beim BZS
w/z-Wert berücksichtigt werden! und
Typ II: puzzolanische oder latent-
– keine die Stahlkorrosion fördernde hydraulische BZS
BZM verwenden.
– keine die Dauerhaftigkeit des
– BZM-Mengen < 2 g/kg Zement Betons beeinträchtigende oder die
sind nur zulässig, wenn sie in einem Stahlkorrosion herbeiführende BZS
Teil des Zugabewassers aufgelöst verwenden.
sind.

Werden Betonzusätze verwendet (BZM, BZS), ist immer eine Erstprüfung erforderlich.
Somit dürfen für die Herstellung eines Standardbetons keine Betonzusätze verwendet
werden.

Bild B.17: Definition von Betonzusätzen

B 76 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 2 Betonzusatzmittel (BZM)

B. 4. 2. 1 Definition und Anforderungen

Betonzusatzmittel sind flüssige oder pulverförmige Stoffe, die dem Beton wäh-
rend des Mischvorgangs zugegeben werden. BZM beeinflussen durch chemische
und/oder physikalische Wirkung die Eigenschaften von Frisch- oder Festbeton
und werden in 14 Wirkungsgruppen unterteilt.

Für Betone nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 dürfen nur BZM gemäß DIN EN 934-2
„Zusatzmittel für Beton, Mörtel und Einpressmörtel Teil 2: Betonzusatzmittel“
oder Zusatzmittel mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung verwendet
werden.

Weiterhin ist DIN EN 934-3 „Zusatzmittel für Mauermörtel, Definitionen, Anforde-


rungen, Konformität, Kennzeichnung und Beschriftung” zu beachten.

In DIN EN 934-4 werden „Zusatzmittel für Einpressmörtel für Spannglieder“ und


in DIN EN 934-5 „Zusatzmittel für Spritzbeton“ geregelt.

Prüfverfahren für BZM werden in DIN EN 480 „Zusatzmittel für Beton, Mörtel und
Einpressmörtel – Prüfverfahren“ beschrieben.

BZM unterliegen bei der Herstellung einer werkseigenen Produktionskontrolle


(WPK) und einer Fremdüberwachung.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 77


B. 4. 2. 2 Zugabemengen

Zugabemengen für BZM müssen innerhalb der in Tafel B.41 angegebenen Gren-
zen liegen.

Tafel B.41: Zugabemengen für BZM in Abhängigkeit von der Betonart

Zugabemengen1) [ml (cm3)]


Anwendungsbereich bzw. g je kg Zement

Mindestzugabe 2) Höchstzugabe 3)
eines Mittels mehrerer Mittel

Beton, Stahlbeton und 50 60


Spannbeton

Beton mit alkaliempfind- 2 2) 20 4) oder 50 4) 4)



licher Gesteinskörnung

Hochfester Beton 70 5)
80

1)
Bei pulverförmigem BZM in Gramm
2)
BZM-Mengen < 2 ml/kg Zement möglich, wenn in einem Teil des Zugabewassers aufgelöst
3)
Maßgebend sind die Angaben des Zulassungsbescheids.
4)
Abhängig vom Alkaligehalt des BZM: Angaben im Prüfbescheid
5)
Eines verflüssigenden BZM

Beton der Konsistenzklassen  S 4, V 4 und  F 4 ist mit Fließmitteln (FM) herzu-


stellen.

Damit BZM ihre Wirkung im Beton entfalten können, ist ein Mindestwassergehalt
(l/m3) in Abhängigkeit von der BZM-Art unbedingt erforderlich.

B 78 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 2. 3 Wirkungsgruppen und Kennzeichnung

Tafel B.42: Wirkungsgruppen der Betonzusatzmittel und deren Kennzeichnung

Wirkungsgruppe Kurzzeichen 1) Farbkennzeichen 1) Einsatz mit


Betonverflüssiger BV Gelb CE/Ü-Zeichen
Fließmittel FM Grau CE/Ü-Zeichen
Luftporenbildner LP Blau CE/Ü-Zeichen
Dichtungsmittel DM Braun CE/Ü-Zeichen
Verzögerer VZ Rot CE/Ü-Zeichen
Erstarrungs-/
BE Grün CE/Ü-Zeichen
Erhärtungsbeschleuniger
Zusatzmittel für
SBE Grün Zulassung
Spritzbeton
Zusatzmittel für
EH Weiß CE/Ü-Zeichen
Einpressmörtel
Stabilisierer ST Violett CE/Ü-Zeichen
Chromatreduzierer CR Rosa Zulassung
Recyclinghilfen RH Schwarz Zulassung
Schaumbildner SB Orange Zulassung
Verzögerer/Fließmittel VZ/FM  2)
Grau CE/Ü-Zeichen
Viskositätsmodifizierer VMA – CE/Ü-Zeichen
1)
Kurzzeichen und Farbkennzeichen sind nicht mehr europäisch genormt. Um Verwechslungen
auszuschließen, werden diese aber weiterhin von den Zusatzmittelherstellern verwendet.
2)
Zusatzmittel mit mehreren Funktionen dürfen für Beton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2
nicht eingesetzt werden, mit Ausnahme BV/FM.

B. 4. 2. 3. 1 Betonverflüssiger (BV)

BV verbessern entweder die Verarbeitbarkeit des Frischbetons bei gleichem


Wassergehalt oder erhöhen die Festigkeit des Betons unter Einsparung von
Zugabewasser (5 l/m3 bis 10 l/m3 Beton).

Die Wirkung beruht hauptsächlich auf einer Dispergierung durch gleichpolare
aufgeladene Feinstteiloberflächen. Zusätzlich kann die Oberflächenspannung des
Wassers verringert werden. Mögliche Nebenwirkungen:

– Verzögernde Wirkung
– LP-Eintrag
– Festigkeitsminderung
– Erhöhte Schwindverformungen

Die Zugabe von BV erfolgt grundsätzlich an der Betonmischanlage.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 79


B. 4. 2. 3. 2 Fließmittel (FM)

Fließmittel sind besonders wirksame Betonverflüssiger, mit denen sich folgende


Anwendungsmöglichkeiten erschließen:

– Wassereinsparung (Wasserzementwertreduzierung) bei gleicher Konsistenz


– Wassereinsparung bei gleichzeitiger Verflüssigung
– Verflüssigung bis zum Fließbeton bei gleichem Wasserzementwert

Fließmittel werden zur Herstellung von fließfähigen Betonen (F4 bis F6) und
selbstverdichtenden Betonen (SVB) benötigt. Wegen der begrenzten Dauer der
verflüssigenden Wirkung dürfen Fließmittel bei Transportbeton nachträglich
zugemischt werden. Damit ist eine den Gegebenheiten angepasste Konsistenz­
einstellung möglich. Mögliche Nebenwirkungen: siehe B. 4. 2. 3. 1 Betonverflüssi-
ger.

B. 4. 2. 3. 3 Luftporenbildner (LP)

LP führen zur Bildung von kleinen, kugeligen, gleichmäßig verteilten Luftporen im


Beton. Der Porendurchmesser muss < 0,3 mm betragen. Die künstlich in den Be-
ton eingeführten kugelförmigen Poren bauen den Druck ab, der im Winter durch
das Gefrieren des in den Kapillarporen im Festbeton befindlichen Wassers ent-
steht. Die Luftporen erhöhen somit den Widerstand des Betons gegen Frost- und
Tausalzangriffe.

Zusätzlich bewirken LP, dass damit hergestellte Betone oder Mörtel geschmei-
diger und besser verarbeitbar werden. Gleichzeitig sinkt der Wasseranspruch und
der notwendige Mehlkorngehalt vermindert sich. Als „Faustregel” gilt, dass durch
1 Vol.-% zusätzlich eingeführte Luftporen etwa 5 l Wasser je m3 Beton/Mörtel ein-
gespart und der Mehlkorngehalt um ca. 10 kg vermindert werden kann, ohne dass
sich die Verarbeitbarkeit spürbar verändert.

Als positive Nebenwirkung bei der Verwendung von LP-Bildnern stellt sich teil-
weise eine verringerte Neigung des Betons zum „Bluten” ein.

Unerwünschte Nebenwirkungen beim Einsatz von Luftporenbildnern können sein:

– Verminderung der Betonfestigkeit


– erhöhtes Schwind- und Kriechmaß
– Beeinträchtigung der Pumpfähigkeit des Frischbetons

Bei der gemeinsamen Verwendung von LP-Bildnern und Fließmitteln ist die Ver-
träglichkeit beider Betonzusatzmittel unbedingt vorab zu prüfen. Weil der Luftpo-
reneintrag und die Luftporenstabilität sehr stark von der Betonzusammensetzung,
der Herstellung (Mischintensität, -dauer) und der Temperatur beeinflusst werden,
ist ein erhöhter Überwachungs- und Prüfaufwand beim LP-Beton erforderlich.

B 80 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 2. 3. 4 Dichtungsmittel (DM)

DM können beim Beton wasserabweisende (hydrophobe) Eigenschaften hervor-


rufen und die kapillare Wasseraufnahme reduzieren.

Die Zusammensetzung und Verarbeitung des Betons sowie seine Nachbehand-
lung haben allerdings einen weit größeren Einfluss auf die Wasserundurchlässig-
keit als ein DM. FD-, FDE-Betone usw. sind auch ohne DM sicher herstellbar.
Mögliche Nebenwirkungen:

– Festigkeitseinbuße
– LP-Eintrag
– erhöhte Schwindverformungen

B. 4. 2. 3. 5 Verzögerer (VZ)

VZ greifen verzögernd in die chemisch-mineralogische Reaktion (Hydratation)


des Zements ein. Dadurch bewirken sie eine Verzögerung beim Erstarren des
Zements, eine langsamere Wärmeentwicklung und eine längere Verarbeitbar-
keitszeit beim Beton.

Anwendung:

– bei der Herstellung großer/massiger Bauteile


– für Transportbeton, der über größere Entfernungen transportiert werden muss
– bei heißer Witterung

Weil die Wirksamkeit von VZ stark vom verwendeten Zement und von der Tem-
peratur abhängt, sind erweiterte Erstprüfungen – auch bei verschiedenen Tempe-
raturbereichen – erforderlich. Wenn die Verabeitbarkeitszeit um > 3 h verlängert
wird, ist die „Richtlinie für Beton mit verlängerter Verarbeitbarkeitszeit (verzö-
gerter Beton)” des DAfStb zu beachten.

VZ der Wirkstoffgruppen Saccharose und Hydrocarbonsäure dürfen in einigen


Bereichen nicht eingesetzt werden (z.B. ZTV-ING).

Durch VZ können Verarbeitbarkeit, Wasserundurchlässigkeit, Endfestigkeit


und Nacherhärtung des Betons positiv beeinflusst werden. Mögliche Neben­
wirkungen:

– „Umschlagen” (Umkehr der Wirkung bei erhöhter Dosierung: VZ  BE)


– erhöhte Schwindverformungen
– stärkere Ausblühneigung
– Farbunterschiede bei glattem Sichtbeton

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 81


B. 4. 2. 3. 6 Beschleuniger (BE, SBE)

Bei den Beschleunigern muss unterschieden werden:

– Erstarrungsbeschleuniger, die unmittelbar auf den Beton (beim Einsetzen von


Ankern und Steinschrauben oder beim Abdichten von Wassereinbrüchen) ein-
wirken, Erstarrungsanfang  30 min). Zusatzmittel für Spritzbeton (SBE) be-
wirken eine Erstarrungszeit von  10 min.
– Erhärtungsbeschleuniger, die einen steigernden Einfluss auf die Anfangsfestig-
keit (Betonfertigteile, Betonwaren) ohne Auswirkung auf die Erstarrungszeit
haben.

Zu den Erhärtungsbeschleunigern gehören auch die so genannten Frostschutz-


mittel, die aber auf der Baustelle für sich allein nicht ausreichen, die sonst not-
wendigen Winterbaumaßnahmen (Zement höherer Festigkeitsklasse, Erwärmen
des Betons, Schutz gegen Wärmeverlust nach dem Einbau des Betons usw.) zu
ersetzen. Mögliche Nebenwirkungen:

– Festigkeitseinbuße
– geringere Nacherhärtung
– geringere Wasserundurchlässigkeit
– Umkehr der Wirkung bei Fehldosierung

B. 4. 2. 3. 7 Zusatzmittel für Einpressmörtel (EH)

EH finden als Zusatzmittel bei der Herstellung von Einpressmörteln im Spann­


betonbau mit nachträglichem Verbund Verwendung. Sie

– verbessern die Fließfähigkeit des Einpressmörtels,


– vermindern den Wasseranspruch,
– vermindern das Absetzen des Einpressmörtels im Spannkanal („Bluten”),
– erleichtern ein vollständiges Umhüllen des Spannglieds,
– bewirken ein mäßiges Quellen des Mörtels (schrumpfausgleichende Volumen-
vergrößerung).

Wegen der letztgenannten Wirkung finden EH auch als Zusatzmittel bei der
Herstellung von Quellmörtel und Quellbeton zum fugenlosen Ausfüllen von Hohl-
räumen Verwendung.

Die Wirkung der EH hängt erheblich von der Verarbeitungstemperatur, Dosier-


menge und Zementzusammensetzung ab; entsprechende Erstprüfungen und
überwachende Güteprüfungen während der Bauausführung sind gemäß
DIN EN 445 bis DIN EN 447 erforderlich. Mögliche Nebenwirkungen:

– Erstarrungsverzögerung
– Minderung der Mörtelfestigkeit

B 82 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 2. 3. 8 Stabilisierer (ST)

ST sind Betonzusatzmittel, die das Zusammenhaltevermögen und die Verarbeit-


barkeit des Frischbetons verbessern sowie dem Absondern von Anmachwasser
(„Bluten”) und damit dem Entmischen des Frischbetons entgegenwirken.

ST wirken hauptsächlich physikalisch durch Viskositätserhöhung des Zement-


leims bzw. Veränderung der Oberflächenspannung des Anmachwassers.

Man verwendet ST als Zusatzmittel:

– bei Sichtbeton, um eine einheitliche Farbwirkung zu erzielen,


– bei Leichtbeton, um ein Aufschwimmen der leichten Gesteinskörnung
(Ent­mischung) zu verhindern,
– bei Estrichen zur Homogenitäts-Steigerung,
– bei Pumpbeton, um schwer pumpbare Betonmischungen pumpfähiger zu
machen,
– bei Spritzbeton, um den Rückprall zu verringern,
– bei Unterwasser-Bauwerken, um erosionsfeste Unter­wasserbetone einzubauen,
– bei Werkmörtel, um zu starkem Wassersaugen durch Mauersteine entgegenzu-
wirken.

Mögliche Nebenwirkungen:

– bei Überdosierung LP-Eintrag


– Kleben des Feinmörtels und dadurch schlechtere Verarbeitbarkeit

B. 4. 2. 3. 9 Chromatreduzierer (CR)

CR bewirken eine Reduktion des aus dem Zement stammenden löslichen Chrom
(VI) zu Chrom (III). Sie werden bei Zementestrichen und Mörteln verwendet, um
bei Hautkontakt Schutz vor Allergien usw. zu bieten.

B. 4. 2. 3. 10 Recyclinghilfen für Waschwasser (RH)

RH ermöglichen eine Wiederverwertung von Waschwasser (Mischer, Fahr-


mischer, Pumpe usw.).

B. 4. 2. 3. 11 Schaumbildner (SB)

SB dienen zur Herstellung von Schaumbeton bzw. Beton mit porosiertem Ze-
mentleim durch Einführung von künstlichen Luftporen großen Umfangs. Schaum-
bildner dürfen nicht für Beton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 eingesetzt werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 83


B. 4. 2. 3. 12 Verzögerer/Fließmittel (VZ/FM)

Sie bewirken eine Verbesserung der Verarbeitbarkeit zur Herstellung von Beto-
nen der Konsistenzklassen F4 bis F6 bei gleichzeitiger Verzögerung des Hydrata-
tionsvorgangs. Sie finden Anwendung bei fließfähigen Betonen, bei warmen Wit-
terungslagen und Massenbetonen.

B. 4. 2. 3. 13 Viskositätsmodifizierer (VMA)

Mit Viskositätsmodifizierer (VMA) soll die Entmischung des Betons durch Ver-
besserung der Kohäsion begrenzt werden.

B. 4. 2. 4 Allgemeine Hinweise zur Handhabung, Lagerung


und Verwendung von Betonzusatzmitteln

– Bei Anlieferung sind saubere Tanks und Behälter zu verwenden.


– Betonzusatzmittel sind geschützt vor Frost, starker Sonneneinstrahlung sowie
Verunreinigungen zu lagern; pulverförmige Mittel sind i. Allg. feuchteempfind-
lich.
– Bei flüssigen Zusatzmitteln empfiehlt sich nach längerer Lagerung vor dem
Gebrauch ein Durch­rühren oder Aufschütteln.
– Die Haltbarkeit ist i. Allg. zeitlich begrenzt. Bei Überschreiten der Haltbarkeits-
daten ist Rücksprache mit dem Hersteller zu nehmen.
– Bei der Lagerung sind die Richtlinien für das Lagern von wassergefährdenden
Stoffen zu beachten.
– Bei gleichzeitiger Zugabe verschiedener Zusatzmittel können sich planmäßig
erwünschte Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen gegenseitig beein-
flussen. Durch Erstprüfungen müssen Verträglichkeit und Wirksamkeit nachge-
wiesen werden.
– Bestimmte Betonzusatzmittel dürfen beim Transportieren, Lagern, Fördern und
Dosieren nicht untereinander in Kontakt kommen.
– Die Dosierung erfolgt über gravimetrisch oder volumetrisch arbeitende Dosier-
anlagen, welche i.d.R. vor der Verwendung anderer Zusatzmittel mit Wasser zu
spülen sind.
– Betonzusatzmittel sollten zusammen mit dem Wasser oder zuletzt der Beton-
mischung zugegeben werden. Die Zugabe auf die Trockenmischung verhindert
oder reduziert die Wirksamkeit.

B 84 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 3 Betonzusatzstoffe (BZS)

Einen Überblick über den Einsatz von BZS gibt Bild B.18.

Betonzusatzstoffe

Pigmente Faserartige
DIN EN 12878 Stoffe
Metalloxide Stahlfasern
Ruß Hydraulisch DIN EN 14889-1
wirkende Stoffe Polymerfasern
DIN EN 14889-2
Organische Glasfasern
Stoffe

Kunststoff- nahezu inaktive


emulsionen (inerte) Stoffe
Kunststoff- Natürliche
dispersionen Gesteinsmehle
Kunstharze DIN EN 12620

Latent-
Puzzolane
hydraulische Stoffe
natürlich

künstlich

Hüttensand- Flugasche
mehl 1) Trass DIN EN 450-1
DIN 51043 Silikastaub
DIN EN 13263-1
Phonolith Getempertes
Gesteinsmehl
DIN EN 12620

1)
Für Hüttensandmehl gilt die Stoffnorm DIN EN 15167-1 „Hüttensandmehl zur Verwen-
dung von Beton, Mörtel und Einpressmörtel – Teil 1: Definition, Anforderung und Kon-
formitätskriterien”. Für den Einsatz von Hüttensandmehl als Betonzusatzstoff ist in
Deutschland eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für
Bautechnik (DIBt) erforderlich.

Bild B.18: Wesentliche Betonzusatzstoffgruppen und -arten

DIN EN 206-1/DIN 1045-2 unterscheiden zwei Arten von anorganischen BZS.

Typ I: nahezu inaktive (inerte) BZS


Typ II: puzzolanische oder latent-hydraulische BZS

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 85


B. 4. 3. 1 Anforderungen

Die Eignung als BZS des Typs I ist nachgewiesen für:

– Gesteinsmehle (Füller) nach DIN EN 12620 bzw. TL Gestein-StB


– Pigmente nach DIN EN 12878
– Zusatzstoffe mit Allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung oder
Europäischer Technischer Zulasssung

Die Eignung als BZS Typ II ist nachgewiesen für:

– Flugasche nach DIN EN 450-1


– Trass nach DIN 51043
– Silikastaub nach DIN EN 13263-1
– Hüttensandmehl nach DIN EN 15167-1
– Zusatzstoffe mit Allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung oder
Europäischer Technischer Zulassung

Werden BZS zur Herstellung von Beton eingesetzt, ist immer eine Erstprüfung
erforderlich. Ihre Volumenanteile sind bei der Stoffraumrechnung zu berück-
sichtigen.

BZS vom Typ II dürfen, sofern die Eignung nachgewiesen ist, bei der Betonzu-
sammensetzung auf den Zementgehalt und den w/z-Wert angerechnet werden,
welches zum äquivalenten Wasserzementwert (w/z)eq = eq führt.

Die Eignung des k-Wertansatzes gilt für Flugasche (f) und Silikastaub (s) als
nachgewiesen.

B 86 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 3. 2 Wirkungsweise und Anwendungsbereiche

B. 4. 3. 2. 1 Nahezu inaktive (inerte) BZS des Typs I

Gesteinsmehl (Füller) als Betonzusatzstoff


Inerte BZS haben die Eigenschaft, sich unter normalen Bedingungen nicht an der
Reaktion mit Zement und Wasser zu beteiligen (inert = träge, unbeteiligt). Als
genormte, inerte Betonzusatzstoffe kommen i. Allg. Gesteinsmehle (Quarz- und
Kalksteinmehle) nach DIN EN 12620, zur Verwendung. Solche Gesteinsmehle be-
wirken als Zusatzstoff im Beton/Mörtel:

– Verbesserung der Verarbeitbarkeit und des Zusammenhalts von Betonen aus


feinteilarmen Sanden durch Erhöhung des Mehlkorngehalts
– Verbesserung der Verarbeitbarkeit und der Grünstandfestigkeit
(erdfeuchter Beton)
– Verbesserung und Stabilisierung des Wasserrückhaltevermögens
(Estriche, Mauer- und Putzmörtel)
– z.T. auch eine Erhöhung der Festigkeit durch eine „Füllerwirkung”

Pigmente
Farbpigmente (DIN EN 12878) werden dem Beton zur Erzielung einer gewünsch-
ten dauerhaften Farbwirkung zugegeben. Wegen der zu diesem Zweck grund-
sätzlich gestellten Anforderungen

– Lichtbeständigkeit,
– Wetterfestigkeit und
– Alkalibeständigkeit

kommen hauptsächlich synthetisch hergestellte, anorga­nische Farbpigmente


(überwiegend solche aus Metall­oxiden) zur Anwendung.

Da ein Übermaß an Pigmentzugabe den Wasseranspruch des Frischbetons erhö-


hen und sich auf bestimmte Betoneigenschaften nachteilig auswirken kann, soll
die Zugabemenge der Pigmente so begrenzt werden, dass eine ausreichende
Farbwirkung erzielt wird.

Übliche Pigmentzugabemenge: 2 M.-% bis 8 M.-% vom Zementgehalt


Maximal-Zugabemenge: ca. 10 M.-% vom Zementgehalt

Die Farbwirkung der Pigmente – und damit die unbedingt erforderliche Zugabe­
menge – lässt sich zuverlässig nur am ausgetrockneten Beton ermitteln und
hängt insbesondere auch von der verwendeten Zementart ab. Die Verwendung
von hellem Zement hat sich als positiv für eine gleichmäßige und „reine” Farb­
wirkung herausgestellt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 87


B. 4. 3. 2. 2 Puzzolanische BZS des Typs II

Puzzolanische BZS reagieren in Gegenwart von Wasser mit dem bei der Zement­
hydratation entstehenden Calziumhydroxid [Ca(OH)2] und bilden unlösliche,
zementsteinähnliche Hydratationsprodukte.

Für diese Reaktion, die im Vergleich zur Zementhydratation deutlich langsamer


und auf relativ niedrigem Festigkeitsniveau abläuft, sind im Wesentlichen die in
den Puzzolanen enthaltenen Anteile an reaktionsfähiger Kieselsäure (SiO2) maß-
geblich.

Puzzolanische Zusatzstoffe

– beeinflussen das Erhärtungsverhalten des Betons,
– verbessern den Kornaufbau im Mehlkornbereich,
– erfordern eine besonders gründliche Nachbehandlung des Betons, um die teil-
weise erst in höherem Alter einsetzenden puzzolanischen Erhärtungsreaktio­
nen wirksam werden zu lassen.

Bei Mörteln lässt sich die Verarbeitbarkeit verbessern (Geschmeidigkeit).

Folgende Puzzolane sind in Deutschland als BZS im Einsatz:

– Trass als natürliches Puzzolan nach DIN 51043


– Stein- und Braunkohlenflugasche als künstliches Puzzolan nach DIN EN 450-1
– Silikastaub als künstliches Puzzolan nach DIN EN 13263
– Hüttensandmehl nach DIN EN 15167-1

B 88 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Trass nach DIN 51043
Trass, ein natürliches Puzzolan aus gemahlenem, vulkanischem Tuffstein, kann
einem Beton dann als Zusatzstoff beigegeben werden, wenn er hinsichtlich Zu-
sammensetzung und Eigenschaften den Anforderungen der DIN 51043 ent-
spricht. Trass besteht vorwiegend aus Kieselsäure, Tonerde sowie chemisch bzw.
physikalisch gebundenem Wasser.

Als Puzzolan reagiert Trass bei Verwendung als Betonzusatzstoff mit dem bei
der Zementhydratation anfallenden Calciumhydroxid und verbindet sich mit die-
sem in einem realtiv langsam ablaufenden Erhärtungsvorgang zu einer zement-
steinähnlichen beständigen Verbindung. Dabei werden die Betoneigenschaften
wie folgt beeinflusst:

– Beton wird dichter und widerstandsfähiger gegen chemische Angriffe


– Durch teilweise Bindung der Kalkprodukte kann Kalkausblühungen entgegen-
gewirkt werden.
– Geringere Hydratationswärmeentwicklung, daher besonders auch für Massen-
beton geeignet

Flugasche bzw. Steinkohlenflugasche (DIN EN 450-1)


Flugasche (FA) wird als feinkörniger, mineralischer Staub als Verbrennungsrück-
stand in den Elektrofiltern von Kohlekraftwerken abgeschieden. Ihre Eigenschaf-
ten werden von der Art und Herkunft der Kohle und den Verbrennungsbedingun­
gen – insbesondere der Feuerungstemperatur – wesentlich beeinflusst.

Die Wirkungsweise von Flugasche als BZS beruht auf physikalischen und chemi­
schen Vorgängen.

Physikalische Wirkung
– Durch die Feinkörnigkeit (Korngrößenverteilung liegt etwa im Bereich üblicher
Zemente) kann ein „Füller”-Effekt erzielt werden. Bei überwiegend kugeliger
Partikelform (relativ geringe spezifische Oberfläche) kann der Wasseranspruch
des Frischbetons vermindert werden.

Chemische Wirkung
– Durch die puzzolanischen Eigenschaften der FA werden in Verbindung mit
dem Zement Hydratationsprodukte gebildet, die einen Beitrag zur Betonfestig-
keit einschließlich Nacherhärtung liefern.

Allgemeine Eigenschaften
Farbe: zementgrau bis dunkel
Rohdichte: ca. 2,4 kg/dm3
Schüttdichte: ca. 1,0 kg/dm3
Korngröße:  0,1 mm

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 89


Anmerkung
Flugasche, die bei der Feuerung mit Braunkohle anfällt, ist auf nationaler Ebene
zulässig, wenn der Gesamtgehalt an CaO weniger als 10 M.-% beträgt und die
Flugasche alle anderen Anforderungen der Norm DIN EN 450-1 erfüllt.

Die Verwendung von Flugasche als BZS kann in Kombination von deren physika-
lischen und chemischen Wirkungungen zur Veränderung folgender Betoneigen-
schaften führen:

– Reduzierung des Wasseranspruchs möglich


– Verbesserung von Pumpfähigkeit, Verarbeitbarkeit und Verdichtungswilligkeit
– geringere Entmischungsneigung und Wasserabsonderung
– Verringerung der Hydratationswärme
– Verringerung der Wasserdurchlässigkeit (dichteres Gefüge)
– Herabsetzung der Frühfestigkeit; höhere Endfestigkeit
– Erhöhung des Widerstands gegen chemischen Angriff

Flugaschen sind nicht einsetzbar für

– Einpressmörtel nach DIN EN 445 bis DIN EN 447.

Bei der Herstellung von „Sichtbeton” sollten mögliche Helligkeitsunterschiede


der Flugaschen vorab berücksichtigt werden.

Die Verwendung von Flugaschen als BZS ist bei den in DIN EN 206-1/DIN 1045-2
festgelegten Höchstwerten für den Mehlkorngehalt der Beton­mischung zu be-
rücksichtigen.

B 90 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Silikastaub nach DIN EN 13263-1
Silikastaub (Kurzzeichen SF = Silica Fume) ist ein SiO2-haltiger, reaktionsfähiger
Staub, der bei der Herstellung von Ferro-Silicium-Legierungen in Staubfiltern ab-
geschieden wird und in Pulverform oder – wegen der gleichmäßigeren Verteilbar-
keit – als Suspension zur Verwendung als Betonzusatzstoff geliefert wird.

Silikastaub besitzt ausgeprägte puzzolanische Eigenschaften und bewirkt bei


Verwendung als Betonzusatzstoff:

– Festigkeitssteigerung durch chemische Aktivität sowie Verbesserung der


„Packungsdichte” in der Betonstruktur (hochfester Beton)
– verbesserte „Klebewirkung” und somit verminderten Rückprall bei Spritzbeton
– Erhöhung von Druckfestigkeit und Wasserundurchlässigkeit des Festbetons in
größerem Ausmaß als durch Zugabe einer entsprechenden Zementmehrmenge
– Verbesserung des Frost- und Frost-Tausalz-Widerstands
– Verbesserung des Widerstands gegen chemischen Angriff (Eindringen von
Chloriden, schädigende Alkali-Reaktion)

Bei der Verwendung von Silikastaub ist zu beachten:

– Wie bei allen Puzzolanen sind besondere Maßnahmen bei der Beton-Nach­
behandlung zu ergreifen.
– Da 50- bis 100-mal feiner als Zement, ergibt sich ein sehr hoher Wasseran­
spruch, der üblicherweise eine hohe Fließmittelzugabe erforderlich macht.
– Suspensionswasser ist beim w/z-Wert zu berücksichtigen.
– Zusatzmengen zwischen 5 % und 15 % Silikastaub-Feststoff bezogen auf das
Zementgewicht
– Abschnitt 5.2.5 der DIN EN 206-1/DIN 1045-2, beachten

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 91


Hüttensandmehl nach DIN EN 15167-1
Hüttensand ist ein Nebenprodukt der Roheisenerzeugung im Hochofen. Durch
Mahlung erhält der Hüttensand die notwendige Feinheit, um die erforderliche
Reaktivität zu erreichen. Die Leistungsfähigkeit eines Hüttensandmehls hängt ins-
besondere von seiner chemischen Zusammensetzung, dem Glasgehalt und der
Feinheit ab.

Hüttensand bewirkt:

– im Frischbeton eine Verringerung der Neigung zur Wasserabsonderung


– im Festbeton eine Verbesserung der Festigkeitsbildung und des Widerstands
gegen chemische Angriffe

Getemperte Gesteinsmehle (Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung)


Getemperte Gesteinsmehle (Kurzzeichen GG) sind besonders feinkörnige Mahl-
produkte aus zuvor gebranntem („getemperten”) natürlichem Gestein. Die ge-
genüber dem Naturzustand gesteigerte puzzolanische Wirkung beruht auf beim
Brennen gebildetem, reaktionsfähigem SiO2.

Für die Verwendung von getempertem Gesteinsmehl als Betonzusatzstoff – das


wegen des beschränkten Vorkommens geeigneter Gesteine (z.B. Phonolith) nur
regionale Bedeutung hat – liegt eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung vor.

Getempertes Gesteinsmehl als BZS

– leistet einen eigenen Beitrag zur Betonfestigkeit,


– verbessert durch seine hohe spezifische Oberfläche das Wasserrückhaltever-
mögen der Betonmischung,
– begünstigt die Verarbeitbarkeit des Frischbetons.

B. 4. 3. 2. 3 Organische Stoffe

Organische BZS (Kunstharze, Kunststoffdispersionen, Kunststoffemulsionen) rea-


gieren normalerweise nicht mit den Zementbestandteilen, sondern weisen eigen-
ständige „Klebekräfte” auf, die die Betonfestigkeit beeinflussen.

Voraussetzung für die Verwendung in einem nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 her-
gestellten Beton ist die Erteilung einer bauaufsichtlichen Zulasssung des DIBt.

Organische BZS werden derzeit hauptsächlich bei Reparaturmörteln eingesetzt,


um deren Haft- und Kontaktverhalten, Verarbeitbarkeit, Zugfestigkeit und Dich-
tigkeit zu verbessern. Bei reinem Konstruktionsbeton haben organische Zusatz-
stoffe bisher noch keine breite Anwendung gefunden. Ein wesentlicher Nachteil
ist das ungünstige Verhalten im Brandfall.

B 92 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 3. 2. 4 Faserartige Stoffe

Faserartige BZS kommen als Stahl-, Glas-, Kohlenstoff- oder Kunststofffasern


zum Einsatz. Durch Faserzugabe wird bei Beton bzw. Mörtel eine Bildung vieler
sehr feiner Risse anstelle weniger breiter Risse nach Überschreiten der Zugfestig-
keit erzielt. Bei entsprechend dimensioniertem Verhältnis von Länge und Durch-
messer der Fasern wird eine Vergrößerung dieser feinen Risse durch die sie über-
brückenden Fasern verhindert bzw. verzögert.

Als geeignet gelten lose Stahlfasern nach DIN EN 14889-1, deren Konformität mit
dem System der Konformitätsbescheinigung „1” nachgewiesen worden ist.

Geklebte oder in einer Dosierverpackung zugegebene Stahlfasern werden hin-


sichtlich der Eignung im Rahmen einer Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung
geprüft.

Polymerfasern nach DIN EN 14889-2 müssen generell durch eine Allgemeine bau-
aufsichtliche Zulassung auf Eignung geprüft werden.

Technische Regelwerke:

– Richtlinie „Stahlfaserbeton” des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton


– DBV-Merkblatt „Stahlfaserbeton”
– Glasfaser-Beton (DBV-Sachstandsbericht: „Glasfaserbeton für Fertigteile”)
– Faserbeton mit Kunststoff-, Kohlenstoff- oder Zellulose-Fasern (DBV-Sach-
standsbericht: „Faserbeton mit synthetischen organischen Fasern”)

B. 4. 3. 2. 5 Sonstige Zusatzstoffe

Bentonit – ein stark quellfähiger Ton (Montmorillonit) mit thixotropen Eigen-


schaften – erhöht bei Einsatz als BZS die Wasserdichtigkeit und Fließfähigkeit
des Betons bzw. Pumpbetons. Normung oder eine Allgemeine bauaufsichtliche
Zulassung für die Verwendung von Bentonit als Betonzusatzstoff liegt nicht vor.
Daher wird Bentonit hauptsächlich im Bereich des Spezialtiefbaus (Schlitz-, Dich-
tungsschlitz- und Dichtungsschmalwände, Injektionen) eingesetzt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 93


B. 4. 3. 3 Kennwerte und technische Daten

In Tafel B.43 sind Kennwerte von BZS des Typs I und Typs II zusammengestellt.

Tafel B.43: Kennwerte und Grenzwerte für BZS Typ I und II

Technische Maß- Trass Gesteinsmehle Flug- Silikastaub


Anforderung einheit (DIN (DIN EN 12620) asche 1) (DIN EN 13263)
51043) DIN EN Suspen- Pulver
Kalkstein Quarz 450-1 sion

Dichte 
2)
kg/dm3 2,4 … 2,6 2,6 … 2,7 2,6 … 2,65 2,2 … 2,6 1,4 2,2

Schüttdichte 
2)
kg/dm3 0,7 … 1,0 1,0 … 1,1 1,3 … 1,5 1,0 … 1,1 – 0,3 … 0,6

Spezifische 180 000
Oberfläche cm2/g  5 000  3 500  1 000 ca. 2 000 – …
nach Blaine 250 000

Glühverlust M.-%  12,0 ca. 40,0 0,2  5,0  3,0  3,0

SO3-Gehalt M.-%  1,0  1,0  1,0  3,0  2,0  2,0

Cl-Gehalt M.-%  0,1  0,2  0,2  0,1  0,1  0,1

Kornanteil
> 0,045 mm M.-% – – –  40 – –
DIN EN 451-2

1)
Gilt für Flugasche (FA), Steinkohlenflugasche und Hartbraunkohlenflugaschen
2)
Empirischer Richtwert

B 94 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 3. 4 Anrechenbarkeit von Betonzusatzstoffen Typ II

B. 4. 3. 4. 1 k-Werte

k-Wert für Flugasche kf = 0,4


k-Wert für Hüttensandmehl kh = 0,4
k-Wert für Flugasche kf = 0,7 (bei Bohrpfahlbeton und Unterwasserbeton)
k-Wert für Silikastaub ks = 1,0
Bei Verwendung von Zementen, die Silikastaub als Hauptbestandteil enthalten,
darf Silikastaub nicht als Zusatzstoff verwendet werden.

B. 4. 3. 4. 2 Äquivalenter Wasserzementwert = (w/z)eq = eq

Der k-Wertansatz erlaubt es, Zusatzstoffe des Typs II bei der Berechnung des
w/z-Werts zu berücksichtigen. Dieser w/z-Wert wird als äquivalenter Wasser­
zementwert bezeichnet.

(w/z)eq = w/(z + kf · f)
(w/z)eq = w/(z + ks · s)
(w/z)eq = w/(z + kf · f + ks · s)

Zeichenerklärung:
w = Wassergehalt [kg/m3]
z = Zementgehalt [kg/m3]
f = Flugaschegehalt [kg/m3]
s = Silikastaubgehalt [kg/m3]
k = Anrechenbarkeits-Beiwert für Flugasche „f” und Silikastaub „s”

B. 4. 3. 4. 3 Einsatz von Flugasche nach DIN EN 450-1

Die Verwendung bei folgenden Zementen ist zulässig:

– Portlandzement (CEM I)
– Portlandsilikastaubzement (CEM II/A-D)
– Portlandhüttenzement (CEM II/A‑S oder CEM II/B‑S)
– Portlandpuzzolanzement (CEM II/A‑P)
– Portlandschieferzement (CEM II/A‑T oder CEM II/B-T
– Portlandflugaschezement (CEM II/A‑V)
– Portlandkalksteinzement (CEM II/A-LL)
– Portlandkompositzemente (CEM II/A‑M)
mit den Hauptbestandteilen S, D, P, V, T, LL
– Portlandkompositzemente (CEM II/B‑M (S-D, S-T, D-T))
– Hochofenzement (CEM III/A)
– Hochofenzement (CEM III/B mit bis zu 70 M.‑% Hüttensand)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 95


Die Höchstmenge Flugasche, die auf den w/z-Wert angerechnet werden darf, ist:

max. f = 0,33 · z bei Zementen ohne die Hauptbestandteile P, V und D


max. f = 0,25 · z bei Zementen mit dem Hauptbestandteil P oder V,
aber ohne Bestandteil D
max. f = 0,15 · z bei Zement mit dem Hauptbestandteil D

Falls mehr Flugasche zugegeben wird, darf diese Mehrmenge nicht bei der Be-
rechnung des äquivalenten w/z-Werts berücksichtigt werden.

B. 4. 3. 4. 4 Einsatz von Silikastaub als Betonzusatzstoff

Maximal zulässiger Silikastaubgehalt:

max. s = 0,11 · z

Die Verwendung bei folgenden Zementen ist zulässig:

– Portlandzement (CEM I)
– Portlandhüttenzement (CEM II/A‑S oder CEM II/B‑S)
– Portlandpuzzolanzement (CEM II A‑P, CEM II/B‑P)
– Portlandflugaschezement (CEM II/A­-V)
– Portlandschieferzement (CEM II/A‑T oder CEM II/B‑T)
– Portlandkalksteinzement (CEM II/A‑LL)
– Portlandkompositzemente (CEM II/A‑M
mit den Hauptbestandteilen S, P, V, T, LL)
– Portlandkompositzement (CEM II/B‑M (S‑V, S-T))
– Hochofenzement (CEM III/A, CEM III/B)

Die Anrechnung von Silikastaub auf den Mindestzementgehalt und den Wasser-
zementwert ist für die Expositionsklassen XF2 und XF4 nicht erlaubt.

B 96 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


B. 4. 3. 4. 5 Gleichzeitiger Einsatz von Flugasche und Silikastaub

Bei gleichzeitiger Verwendung von Flugasche und Silikastaub darf der Gehalt an
Silikastaub 11 M.-% bezogen auf den Zementgehalt nicht überschreiten.

Die Höchstmengen Flugasche und Silikastaub, die auf den w/z-Wert angerechnet
werden dürfen, sind:

max. f = 0,33 · z
max. s = 0,11 · z

Falls mehr Flugasche zugegeben wird, darf diese Mehrmenge nicht bei der Be-
rechnung des äquivalenten w/z-Werts berücksichtigt werden.

(w/z)eq = w/(z + 0,4 f + 1,0 s)


(außer bei Expositionsklassen XF2 und XF4)

Der Mindestzementgehalt darf bei gleichzeitiger Anrechnung für alle Expositions-


klassen außer XF2 und XF4 (Tabelle F.2.1 und F.2.2 in DIN 1045-2) reduziert wer-
den.

Um eine ausreichende Alkalität der Porenlösung sicherzustellen, sind folgende


Anforderungen zu beachten:

Bei gleichzeitiger Verwendung von CEM I, Flugasche und Silikastaub ist die zuläs-
sige Höchstmenge an Flugasche wie folgt zu berechnen:

max. f = 0,66 · z - 3 · s [M.-%]

Bei gleichzeitiger Verwendung von CEM II/A-S, CEM II/B-S, CEM II/A-T, CEM II/
B-T, CEM II/A-LL, CEM II/A-M (S-T, S-LL, T-LL), CEM II/B-M (S-T) sowie CEM II-
I/A, Flugasche und Silikastaub ist die zulässige Höchstmenge an Flugasche wie
folgt zu berechnen:

max. f = 0,45 · z - 3 · s [M.-%]

Mit allen anderen Zementen ist eine gemeinsame Verwendung von Flugasche
und Silikastaub als Betonzusatzstoff nicht zulässig.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I B 97


B. 4. 3. 4. 6 Einsatz von Hüttensandmehl als Betonzusatzstoff

Die Anwendung von Hüttensandmehl als Betonzusatzstoff ist in Deutschland


nicht in Normen geregelt. In der Bauregelliste A, Teil 1 (Ausgabe 2/2010) des
DIBT wurden Anwendungsregeln bauaufsichtlich eingeführt und die Eignung
des k-Wert-Ansatzes dafür anerkannt. Danach ist es möglich, Hüttensandmehl
nach DIN EN 15167-1 sinngemäß der Regelungen für Steinhohlenflugasche nach
DIN EN 206-1/DIN 1045-2 einzusetzen. Das bedeutet, dass Hüttensandmehl mit
einem k-Wert von 0,4 auf den äquivalenten Wasserzementwert angerechnet
werden darf. Die anrechenbare Menge ist auf ein Hüttensandmehl/Zement-Ver-
hältnis von 0,33 begrenzt. Eine gemeinsame Verwendung von Hüttensandmehl
mit Flugasche ist nicht vorgesehen 1).

1)
Verband Deutscher Betoningenieure: Betonzusatzstoffe. Report 18, Beckum 2012

B 98 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C Beton nach DIN EN 206-1 / DIN 1045-2
C. 1 Begriffe, Betonarten, Expositionsklassen,
Druckfestigkeitsklassen
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 1. 1 Begriffe

Baustellenbeton
Beton, der vom Verwender auf der Baustelle für die eigene Verwendung herge-
stellt wird.

Transportbeton
Beton, der in einem Transportbetonwerk gemischt und im frischen Zustand auf
die Baustelle gebracht wird.

Festlegung
Zusammenstellung dokumentierter Technischer Anforderungen an den Beton, die
dem Hersteller als Eigenschaften oder Zusammensetzungen vorgegeben werden.

Hersteller
Hersteller ist die Person oder Stelle, die den Beton herstellt.

Verwender
Verwender ist die Person oder Stelle, die den Frischbeton zur Herstellung eines
Bauwerks oder Bauteils verwendet.

Beton nach Eigenschaften


Beton mit festgelegten Eigenschaften, für deren Bereitstellung und Erfüllung der
Hersteller verantwortlich ist.

Beton nach Zusammensetzung


Beton mit festgelegter Zusammensetzung und ggf. vorgegebenen Ausgangs-
stoffen, für deren Einhaltung der Hersteller verantwortlich ist.

Standardbeton
Beton mit festgelegter Zusammensetzung durch vorgegebenen Mindestzement-
gehalt; Anwendung nur für bestimmte Mindestdruckfestigkeitsklassen und Expo-
sitionsklassen.

Betonfamilien
Eine Gruppe von Betonzusammensetzungen mit verlässlichem Zusammenhang
zwischen maßgebenden Eigenschaften.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 1


Charakteristische Festigkeit
Erwarteter Festigkeitswert(fck), unter den 5 % der Grundgesamtheit aller mög-
lichen Festigkeitsmesswerte der Menge des betrachteten Betons fallen.

Expositionsklasse
Klassifizierung der chemischen und physikalischen Umweltbedingungen sowie
Beanspruchung aus der Nutzung, denen der Beton ausgesetzt werden kann und
die auf den Beton, die Bewehrung oder metallische Bauteile einwirken können
und die nicht als Lastannahmen in die Tragwerksplanung eingehen.

Feuchtigkeitsklasse
Klassifizierung der Umgebungsbedingungen hinsichtlich einer möglichen schädi-
genden Alkalikieselsäurereaktion.

Überwachungsklasse
Einteilung des Betons in Klassen nach Festigkeit, Umweltbedingungen und beson­-
deren Eigenschaften mit unterschiedlichen Anforderungen an die Überwachung.

C. 1. 2 Betonarten

C. 1. 2. 1 Beton nach Eigenschaften

Durch den Verfasser der Eigenschaften sind festzulegen in Bezug auf


DIN EN 206-1 / DIN 1045-2:

– Druckfestigkeitsklasse
– Expositionsklasse
– Größtkorn der Gesteinskörnung
– Unbewehrt, Stahlbeton, Spannbeton
– Konsistenzklasse

Beispiel einer Festlegung


C25/30, Dmax = 32, XC4, XF1, Cl 0,40, F3

Die Anforderungen können erweitert werden hinsichtlich:

– Besondere Arten oder Klassen von Zement


– Besondere Anforderung an die Gesteinskörnung
– Luftporen (LP-Bildner)
– Frischbetontemperatur
– Festigkeitsentwicklung
– Wärmeentwicklung
– Verzögertes Ansteifen
– Wassereindringwiderstand
– Abriebwiderstand
– Spaltzugfestigkeit

C 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


– Besondere technische Anforderungen
– Gegebenenfalls ein von 28 Tagen abweichender Zeitpunkt des Druckfestig-
keitsnachweises

Die Anforderungen der Tafeln C.11 bis C.15 sind dabei zu berücksichtigen.

C. 1. 2. 2 Beton nach Zusammensetzung

Grundlage für Entwerfen und Vorgeben einer Betonzusammensetzung sind die


Ergebnisse der Erstprüfungen oder Erkenntnisse aus den Langzeiterfahrungen
mit vergleichbaren Leistungsanforderungen. Die beabsichtigte Leistungsfähigkeit
des Betons ist durch eine Erstprüfung nachzuweisen.

Grundlegende Anforderungen:

– Bezug auf DIN EN 206-1 und DIN 1045-2


– Zement: Art, Festigkeitsklasse, Menge
– w/z-Wert oder Konsistenz
– Gesteinskörnung: Art, Größtkorn, Sieblinie
– Zusätze: Art, Menge, Herkunft

Gegebenenfalls sind die Angaben zu erweitern:

– Herkunft aller Ausgangsstoffe


– Zusätzliche Anforderungen an die Gesteinskörnung
– Frischbetontemperatur
– Besondere technische Anforderungen

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 3


C. 1. 2. 3 Standardbeton

Verantwortlich für die Festlegung ist die nationale Normungsorganisation.

Festzulegen sind:

– Druckfestigkeitsklasse
– Expositionsklasse
– Nennwert des Größtkorns der Gesteinskörnung
– Konsistenzbezeichnung
– Festigkeitsentwicklung, falls erforderlich

Standardbeton darf nur verwendet werden für Normalbeton in der Druckfestig-


keitsklasse C16/20 und für die Expositionsklassen X0, XC1 und XC2.

Tafel C.1: Mindestzementgehalt für Standardbeton; Zement-Festigkeitsklasse 32,5;


Größtkorn der Gesteinskörnung 32 mm

Druckfestig- Mindestzementgehalt [kg/m3]


keitsklasse für Konsistenzbeschreibung
steif plastisch weich
C8/10 210 230 260
C12/15 270 300 330
C16/20 290 320 360

Der Zementgehalt muss erhöht werden bei Größtkorn der Gesteinskörnung


von 16 mm ............ um 10 %
von 8 mm ............ um 20 %

Er darf verringert werden


bei Zement der Festigkeitsklasse 42,5 .......... um max. 10 %
bei Größtkorn der Gesteinskörnung von 63 mm ...... um max. 10 %

Für Standardbeton gelten folgende Beschränkungen:

– Verwendung natürlicher Gesteinskörnungen


– Keine Verwendung von Zusatzmitteln bzw. Zusatzstoffen
– Mindestzementgehalte nach Tafel C.1
– Zemente nach DIN EN 197-1 und DIN 1164

C 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 1. 3 Expositionsklassen

Klassifizierung von Umgebungsbedingungen, denen ein Bauteil ausgesetzt sein


kann und die auf Beton, Bewehrung oder metallische Einbauteile einwirken kön-
nen und nicht Lasten im Sinne der Tragwerksplanung sind.

Die Einwirkungen der Umweltbedingungen sind in Tafel C.2 nach Expositionsklas-


sen eingeteilt. Die zu wählenden Expositionsklassen schließen die Anwendung
bestimmter Regeln oder Vorgaben am Ort der Verwendung des Betons nicht
aus. Der Beton kann mehr als einer Einwirkung ausgesetzt sein und ist dann als
Kombination von Expositionsklassen auszudrücken.

Tafel C.2: Expositionsklassen

1 Kein Korrosions- oder Angriffsrisiko


Beton ohne Bewehrung oder eingebettetes Metall in nicht betonangreifender
Umgebung wird Expositionsklasse X0 zugeordnet.

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


X0 Für unbewehrten Beton ohne Fundamente ohne Bewehrung,
Frostangriff, Verschleiß oder ohne Frost;
chemischen Angriff Innenbauteile ohne Bewehrung

2 Bewehrungskorrosion, ausgelöst durch Karbonatisierung


Beton, der Bewehrung oder anderes eingebettetes Metall enthält und Luft sowie
Feuchtigkeit ausgesetzt ist

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


XC1 trocken oder ständig nass Beton in Innenräumen ständig nass mit
üblicher Luftfeuchte (einschließlich
Küche, Bad und Waschküche in Wohn-
gebäuden);
Beton, der ständig in Wasser getaucht ist
XC2 nass, selten trocken Teile von Wasserbehältern;
Gründungsbauteile
XC3 mäßige Feuchte Betone, zu denen die Außenluft häufig
Zugang hat, z.B. offene Hallen, Innenräu-
me mit hoher Luftfeuchtigkeit z.B. in ge-
werblichen Küchen, Bädern, Wäschereien,
in Feuchträumen von Hallenbädern und in
Viehställen
XC4 wechselnd nass und trocken Außenbauteile mit direkter Beregnung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 5


Tafel C.2: Expositionsklassen Fortsetzung

3 Bewehrungskorrosion durch Chloride, ausgenommen Meerwasser


Beton, der Bewehrung oder anderes eingebettetes Metall enthält und chloridhalti­
gem Wasser, einschließlich Taumitteln ausgesetzt ist (ausgenommen Meerwasser)

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


XD1 mäßige Feuchte Beton im Sprühnebelbereich von
Verkehrsflächen; Einzelgaragen
XD2 nass, selten trocken Solebäder; Betone, die chloridhaltigen
Industrieabwässern ausgesetzt sind
XD3 wechselnd nass und trocken Teile von Brücken mit häufiger Spritz-
wasserbeanspruchung; Fahrbahndecken;
Parkdecks 1)
Ausführung nur mit zusätzichen Maßnahmen (z.B. rissüberbrückende Beschichtung, s.a.
1)

DAfStb Heft 526)

4 Bewehrungskorrosion durch Chloride aus Meerwasser

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


XS1 salzhaltige Luft, aber kein Außenbauteile in Küstennähe
unmittelbarer Kontakt mit
Meerwasser
XS2 unter Wasser Bauteile in Hafenanlagen, die ständig
unter Wasser liegen
XS3 Tidebereiche, Spritzwasser- Kaimauern in Hafenanlagen
und Sprühnebelbereiche

C 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.2: Expositionsklassen Fortsetzung

5 Frostangriff mit und ohne Taumittel


Durchfeuchteter Beton, der einem erheblichen Angriff durch Frost-Tau-Wechsel
ausgesetzt ist

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


XF1 mäßige Wassersättigung, Außenbauteile
ohne Taumittel
XF2 mäßige Wassersättigung, Bauteile im Sprühnebel- oder Spritz-
mit Taumittel wasserbereich von taumittelbehandelten
Verkehrsflächen, soweit nicht XF4;
Betonbauteile in der Wasserwechselzone
von Süßwasser
XF3 hohe Wassersättigung, Offene Wasserbehälter;
ohne Taumittel Bauteile in der Wasserwechselzone von
Süßwasser
XF4 hohe Wassersättigung, Verkehrsflächen, die mit Taumitteln
mit Taumittel behandelt werden;
Überwiegend horizontale Bauteile im
Spritzwasserbereich von taumittel-
behandelten Verkehrsflächen;
Räumerlaufbahnen von Kläranlagen;
Meerwasserbauteile in der Wasser-
wechselzone

6 Betonkorrosion durch chemischen Angriff


Beton, der einem chemischen Angriff durch natürliche Böden, Grundwasser, Meer-
wasser gemäß nachfolgender Tafel C.3 und Abwasser ausgesetzt ist

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


XA1 chemisch schwach Behälter von Kläranlagen;
Güllebehälter
XA2 chemisch mäßig Bauteile, die mit Meerwasser in Berüh-
angreifende Umgebung rung kommen;
Bauteile in betonangreifenden Böden
XA3 chemisch stark Industrieabwasseranlagen mit chemisch
angreifende Umgebung angreifenden Abwässern;
Futtertische der Landwirtschaft;
Kühltürme mit Rauchgasableitung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 7


Tafel C.2: Expositionsklassen Fortsetzung

7 Betonkorrosion durch Verschleißbeanspruchung


Beton, der einer erheblichen mechanischen Beanspruchung ausgesetzt ist

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


XM1 mäßige Tragende oder aussteifende Industrie-
Verschleißbeanspruchung böden mit Beanspruchung durch luft-
bereifte Fahrzeuge
XM2 starke Tragende oder aussteifende Industrie-
Verschleißbeanspruchung böden mit Beanspruchung durch luft-
oder vollgummibereifte Gabelstapler
XM3 sehr starke Tragende oder aussteifende Industrie-
Verschleißbeanspruchung böden mit Beanspruchung durch elasto-
mer- oder stahlrollenbereifte Gabel-
stapler; Oberflächen, die häufig mit
Kettenfahrzeugen befahren werden;
Wasserbauwerke in geschiebebelasteten
Gewässern, z.B. Tosbecken

C 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.2: Expositionsklassen Fortsetzung

8 Betonkorrosion infolge Alkali-Kieselsäure-Reaktion


Anhand der zu erwartenden Umwelteinflüsse hat die ausschreibende Stelle im
Leistungsverzeichnis die Betonbauteile einer der nachfolgenden Feuchtigkeits-
klassen zuzuordnen.

Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung (informativ)


WO Beton, der nach normaler – Innenbauteile des Hochbaus;
Nachbehandlung nicht län- – Bauteile, auf die Außenluft, nicht je-
gere Zeit feucht und nach doch z.B. Niederschläge, Oberflächen-
dem Austrocknen während wasser, Bodenfeuchte einwirken kön-
der Nutzung weitgehend nen und/oder die nicht ständig einer
trocken bleibt rel. Luftfeuchte von mehr als 80 % aus-
gesetzt sind
WF Beton, der während der Nut- – Ungeschützte Außenbauteile, die z.B.
zung häufig oder längere Zeit Niederschlägen, Oberflächenwasser
feucht ist oder Bodenfeuchte ausgesetzt sind;
– Innenbauteile des Hochbaus für Feucht-
räume, wie z.B. Hallenbäder, Wäsche-
reien und andere gewerblich genutzte
Feuchträume, in denen die rel. Luft-
feuchte überwiegend höher als 80 % ist;
– Bauteile mit häufiger Taupunktunter-
schreitung, wie z.B. Schornsteine,
Wärmeübertragerstationen, Filterkam-
mern und Viehställe;
– Massige Bauteile gemäß DAfStb-Richt-
linie „Massige Bauteile aus Beton”, de-
ren kleinste Bauteilabmessung 0,80 m
überschreiten (unabhängig vom
Feuchtezutritt).
WA Beton, der zusätzlich zu der – Bauteile mit Meerwassereinwirkung;
Beanspruchung nach Klasse – Bauteile unter Tausalzeinwirkung ohne
WF häufiger oder langzeitiger zusätzliche hohe dynamische Bean-
Alkalizufuhr von außen ausge- spruchung (z.B. Spritzwasserbereiche,
setzt ist Fahr- und Stellflächen in Parkhäusern);
– Bauteile in Industriebauten und land-
wirtschaftlichen Bauwerken (z.B. Gülle-
behälter) mit Alkalieinwirkung
WS Beton, der hoher dynamischer – Bauteile unter Tausalzeinwirkung mit
Beanspruchung und direktem zusätzlicher hoher dynamischer Bean-
Alkalieintrag ausgesetzt ist spruchung (z.B. Betonfahrbahndecken)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 9


C. 1. 3. 1 Grenzwerte für die Expositionsklassen bei chemischem Angriff
durch natürliche Böden und Grundwasser

Die nachfolgende Klasseneinteilung chemisch angreifender Umgebungen gilt für


natürliche Böden und Grundwasser mit einer Wasser-/Boden-Temperatur zwi-
schen 5 °C und 25 °C und einer Fließgeschwindigkeit des Wassers, die klein ge-
nug ist, um näherungsweise hydrostatische Bedingungen anzunehmen.

Der schärfste Wert für jedes einzelne Merkmal bestimmt die Klasse. Wenn zwei
oder mehrere angreifende Merkmale zur selben Klasse führen, muss die Umge-
bung der nächsthöheren Klasse zugeordnet werden, sofern für diesen Fall nicht
in einer speziellen Studie nachgewiesen wird, dass dies nicht erforderlich ist. Auf
eine spezielle Studie kann verzichtet werden, wenn keiner der Werte im oberen
Viertel (bei pH im unteren Viertel) liegt.

Tafel C.3: Grenzwerte für die Expositionsklassen bei chemischem Angriff durch
natürliche Böden und Grundwasser

Chemisches Referenzprüf- XA1 XA2 XA3


Merkmal Verfahren
Grundwasser
SO42- DIN EN 196-2  200 und > 600 und > 3 000 und
[mg/l] 1)  600  3 000  6 000
pH-Wert ISO 4316  6,5 und  5,5 < 5,5 und  4,5 < 4,5 und
 4,0
CO2 [mg/l] DIN 4030-2  15 und  40 > 40 und > 100 und bis
angreifend  100 zur Sättigung
NH4+ ISO 7150-1  15 und  30 > 30 und  60 > 60 und
[mg/l] 2) ISO 7150-2  100
Mg2+ ISO 7980  300 und > 1 000 und > 3 000 bis zur
[mg/l]  1 000  3 000 Sättigung
Boden
SO42- DIN EN 196-2 4) > 2 000 und > 3 0005) und > 12 000 und
[mg/kg] 3)  3 000 5)  12 000  24 000
insgesamt
Säuregrad DIN 4030-2 > 200 nicht nicht
Bauman-Gully anzutreffen anzutreffen
Falls der Sulfatgehalt des Grundwassers > 600 mg/l beträgt, ist dies im Rahmen der Festle-
1)

gung des Betons anzugeben.


2)
Gülle kann, unabhängig vom NH4+-Gehalt, in die Expositionsklasse XA1 eingeordnet werden.
3)
Tonböden mit einer Durchlässigkeit von weniger als 10-5 m/s dürfen in eine niedrigere Klas-
se eingestuft werden.
4)
Das Prüfverfahren beschreibt die Auslaugung von SO42- durch Salzsäure; Wasserauslau-
gung darf statt dessen angewandt werden, wenn am Ort der Verwendung des Betons
Erfahrung hierfür vorhanden ist.
5)
Falls die Gefahr der Anhäufung von Sulfationen im Beton – zurückzuführen auf wechseln-
des Trocknen und Durchfeuchten oder kapillares Saugen – besteht, ist der Grenzwert von
3 000 mg/kg auf 2 000 mg/kg zu vermindern.

C 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 1. 4 Druckfestigkeitsklassen für Normalbeton und Schwerbeton

Festbeton wird üblicherweise nach seiner Druckfestigkeit im Alter von 28 Tagen


klassifiziert. Für die Klassifizierung darf die charakteristische Mindestdruckfestig-
keit von Zylindern mit 150 mm Durchmesser und 300 mm Länge nach 28 Tagen
(fck,cyl) oder die charakteristische Mindestdruckfestigkeit von Würfeln mit 150 mm
Kantenlänge nach 28 Tagen (fck,cube) verwendet werden. Die Lagerung der Prüfkör-
per nach Norm erfolgt 28 Tage unter Wasser (Lagerung nach DIN EN 12390-2).

Tafel C.4: Druckfestigkeitsklassen für Normal- und Schwerbeton

Druckfestigkeits- Charakteristische Mindest- Charakteristische Mindest-


klasse druckfestigkeit von Zylindern druckfestigkeit von Würfeln
fck,cyl fck,cube
[N/mm2] [N/mm2]
C8/10 8 10
C12/15 12 15
C16/20 16 20
C20/25 20 25
C25/30 25 30
C30/37 30 37
C35/45 35 45
C40/50 40 50
C45/55 45 55
C50/60 50 60
Hochfester Beton
C55/67 55 67
C60/75 60 75
C70/85 70 85
C80/95 80 95
C90/105 1) 90 105
C100/115 1) 100 115
Für diese Festigkeitsklassen sind Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen bzw. Zustim-
1)

mung im Einzelfall notwendig

In der Regel wird die Druckfestigkeit nach 28 Tagen nachgewiesen. Für beson-
dere Anwendungen kann es notwendig sein, die Druckfestigkeit zu einem frü-
heren oder späteren Zeitpunkt zu bestimmen. Bei massigen Bauteilen nach
DAfStb-Richtlinie kann der Nachweis auch nach 56 Tagen geführt werden.

Umrechnung der Würfeldruckfestigkeiten

Andere Probekörper fc,dry (150 mm) = 0,97 x fc,dry (100 mm)


Unterschiedliche Normalbeton  C50/60 fc,cube = 0,92 x fc,dry
Lagerungsbedingungen Hochfester Beton  C55/67 fc,cube = 0,95 x fc,dry

fc,cube = Lagerung nach DIN EN 12390-2 (28 Tage unter Wasser)


fc,dry = Lagerung nach DIN EN 12390-2 Berichtigung 1 (7 Tage unter Wasser,
21 Tage an der Luft)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 11


C. 2 Frischbetoneigenschaften
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

Frischbeton muss so zusammengesetzt sein, dass er mit dem für das spezielle
Bauvorhaben vorgesehenen Verfahren für Fördern, Einbringen und Verdichten
verarbeitbar ist und dass die geforderten Festbetoneigenschaften erzielt werden.

C. 2. 1 Konsistenz

Die Konsistenz stellt ein Maß für die Verarbeitbarkeit und Verdichtbarkeit des
Frischbetons dar. Die bevorzugten Prüfverfahren sind die Prüfung des Ausbreit-
maßes (DIN EN 12350-5) und für steife Betone das Verdichtungsmaß (DIN EN
12350-4).

Weitere Prüfverfahren zur Konsistenzbestimmung des Frischbetons nach


DIN EN 206-1 sind das

– Setzmaß nach DIN EN 12350-2


– Setzzeitmaß (Vébé) nach DIN EN 12350-3

C. 2. 1. 1 Konsistenzklassen, Auswahlkriterien und Anforderungen

Konsistenzklassen definieren die Grenzen, in denen das Konsistenzmaß variieren


kann. Die Konsistenz darf entweder mit einer Konsistenzklasse (Tafel C.5) oder in
besonderen Fällen mit einem Zielwert festgelegt werden. Bei Zielwerten sind die
entsprechenden zulässigen Abweichungen zu berücksichtigen.

Tafel C.5: Konsistenzklassen des Frischbetons

Konsistenz- Klasse Ausbreitmaß Verdichtungsmaß Geeignete


bezeichnung [mm] [-] Verdichtungsmethoden
kräftiges Stampfen;
sehr steif C0 – > 1,46
sehr intensives Rütteln
C1 – 1,45 … 1,26
steif sehr intensives Rütteln
F1  340 –
C2 – 1,25 … 1,11 leichtes Rütteln
plastisch
F2 350 … 410 – oder Stochern
C3 – 1,10 … 1,04 leichtes Rütteln
weich
F3 420 … 480 – oder Stochern
leichtes Rütteln
sehr weich F4 490 … 550 –
oder Stochern
entlüften
fließfähig F5 560 … 620 – nur noch durch
leichtes Schwabbeln
sehr
F6  630 – analog Klasse F5
fließfähig

C 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Für Ortbeton sollte bevorzugt weicher Beton der Konsistenzklasse C3 und/
oder F3 („Regelkonsistenz”) eingesetzt werden. Hochfester Beton muss eine
Konsistenzklasse F3 oder weicher haben. Bei Ausbreitmaßen > 700 mm ist die
DAfStb-Richtlinie „Selbstverdichtender Beton” zu beachten.

Die Konsistenzbestimmung muss zum Zeitpunkt der Verwendung oder bei Trans-
portbeton bei Lieferung geschehen. Die Probeentnahme hat nach der Entladung
von ca. 0,3 m3 Beton zu erfolgen (siehe DIN EN 12350-1). Eine ordnungsgemäße
Stichprobe kann auch zu Beginn der Entladung entnommen werden, wenn der
Beton gut durchgemischt ist und eine Veränderung des Wassergehalts im Frisch-
beton ausgeschlossen wird.

Betone der Konsistenzbereiche C0 bis C2 und F1 und F2 sollten nur bei techni­
scher Notwendigkeit zum Einsatz kommen. Die Verwendung von Beton weicher
Konsistenz (F3: d = (450  30) mm) bietet folgende Vorteile:

– gut geeignet für feingliedrige Bauteile


– verarbeitungsgerechter Beton für dichtbewehrte Bauteile
– ergibt homogenen Bauwerksbeton
– ergibt i.d.R. einheitliche Betonoberflächen – geeignet für Sichtbeton
– wirtschaftlich wegen hoher Einbauleistung bei geringem Einbauaufwand
– keine nachträgliche Konsistenzveränderung auf der Baustelle

Transportbeton
Sofern bei Transportbeton nichts anderes vereinbart wird, liefert das Betonwerk
den Frischbeton immer in Konsistenz C3 bzw. F3 an die Baustelle. Fahrwege und
Fahrzeiten sowie Baustellengegebenheiten und Betoniertemperaturen sind zu
berücksichtigen.

Tafel C.6: Toleranzen für Zielwerte der Konsistenz

Prüfverfahren Ausbreitmaß Verdichtungsmaß [-]


Zielwert Alle Werte  1,26 1,25 … 1,11  1,10
Abweichung  30 mm  0,10  0,08  0,05

Anmerkung
Im Übergangsbereich zwischen steifen und plastischen Betonen kann je nach Zu-
sammenhaltevermögen des Betons die Anwendung des Ausbreitversuches oder
des Verdichtungsversuches als Konsistenzprüfverfahren sinnvoller sein. Bei Splitt-
beton (Beton mit gebrochener Gesteinskörnung), sehr mehlkornreichem Beton,
Leichtbeton und Schwerbeton ist bei plastischer und weicher Konsistenz oftmals
der Verdichtungsversuch zweckmäßiger. Werden Konsistenzzielwerte vereinbart,
sollten diese grundsätzlich vor der Betonlieferung schriftlich vereinbart werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 13


C. 2. 2 Luftgehalt

Beton, der im durchfeuchteten Zustand häufige und ausgeprägte Frost-Tau-


Wechsel erfährt bzw. gleichzeitig der Einwirkung von Tausalzen ausgesetzt ist,
muss zur Erzielung einer hinreichenden Widerstandsfähigkeit eine bestimmte
Menge gleichmäßig verteilter Luftporen enthalten.

Bei der Herstellung von Beton mit hohem Frost- und Tausalz-Widerstand muss
daher dem Frischbeton – außer bei sehr steifem Beton mit sehr niedrigem Was-
serzementwert (w/z < 0,40) – ein luftporenbildendes Betonzusatzmittel (Luft­
porenbildner LP) in solcher Menge zugegeben werden, dass der in Tafel C.7 an-
gegebene Luftporengehalt erreicht wird.

Tafel C.7: Erforderlicher Luftgehalt im Frischbeton unmittelbar vor dem Einbau

Größtkorn der Gesteinskörnung Mittlerer Luftgehalt


[mm] [Vol.-%]
8  5,5
16  4,5
32  4,0
63  3,5

Einzelwerte dürfen diese Werte um max. 0,5 Vol.-% unterschreiten.

Für sehr weiche Betone und bei Einsatz von FM ist der Mindestluftgehalt um
1 Vol.-% zu erhöhen. Das Merkblatt für die Herstellung und Verarbeitung von Luft-
porenbeton der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen ist zu
beachten.

Der Luftgehalt im Normal- und Schwerbeton ist nach DIN EN 12350-7 und im
Leichtbeton nach ASTM C173 zu prüfen.

Der Luftgehalt wird durch einen Mindestwert festgelegt.

Im DIN-Fachbericht 100, wird ein oberer Grenzwert festgelegt (Mindestwert +


4 Vol.-% absolut).

C 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 3 Betonzusammensetzung/
Grundsätzliche Anforderungen
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 3. 1 Mehlkorn- und Feinstsandgehalt

Mehlkorngehalt im Beton:

– Zementgehalt
– Kornanteil bis 0,125 mm Korngröße aus Gesteinskörnung
– Gehalt an Betonzusatzstoffen

Feinstsandgehalt im Beton:

– Kornanteil der Gesteinskörnung mit 0,125 mm bis 0,25 mm Korngröße


(nicht genormt)

Ein übermäßiger Mehlkorn- bzw. Feinstsandgehalt vergrößert den erforderlichen


Wassergehalt des Betons und beeinflusst bestimmte Eigenschaften des erhär-
teten Betons (z.B. Frostwiderstand, Frost-Tausalz-Widerstand, Verschleißwider-
stand) nachteilig. Andererseits benötigt der Beton für ein gutes Zusammenhalte-
vermögen und zur Vermeidung übermäßiger Entmischungen eine Mindestmenge
Mehlkorn bzw. Feinstsand.

Besonders wichtig ist ein optimal eingestellter Mehlkorn- und Feinstsandgehalt in


der Betonzusammensetzung für:

– Pumpbeton
– Sichtbeton
– dünnwandige bzw. eng bewehrte Bauteile
– wasserundurchlässigen Beton

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 15


Tafel C.8: Höchstzulässiger Mehlkorngehalt für Beton bis zur Betonfestigkeits-
klasse C50/60 und LC50/55

Höchstzulässiger Mehlkorngehalt
[kg/m3]
Expositionsklassen
Zementgehalt 1)
[kg/m3] XF, XM X0, XC, XD, XS, XA
Größtkorn der Gesteinskörnung
8 mm 16 … 63 mm 8 … 63 mm
 300 450 400 2) 550
 350 500 450 2)
550
Für Zwischenwerte ist der Mehlkorngehalt geradlinig zu interpolieren.
1)

Die Werte dürfen insgesamt um max. 50 kg/m3 erhöht werden, wenn


2)

– der Zementgehalt 350 kg/m3 übersteigt, um den über 350 kg/m3 hinausgehenden
Zementgehalt.
– ein puzzolanischer Zusatzstoff Typ II (z.B. Flugasche, Silica) verwendet wird, um dessen
Gehalt.

Tafel C.9: Obergrenze des Mehlkorngehalts ab der Betonfestigkeitsklasse C55/67


und LC55/60 bei allen Expositionsklassen (Richtwerte)

Zementgehalt 1) Höchstzulässiger Mehlkorngehalt 2)

[kg/m3] [kg/m3]
 400 500
450 550
 500 600
Für Zwischenwerte ist der Mehlkorngehalt geradlinig zu interpolieren.
1)

2)
Der Mehlkorngehalt darf erhöht werden, wenn ein puzzolanischer Zusatzstoff des Typs II
verwendet wird, um den Gehalt des Betonzusatzstoffes, jedoch insgesamt um höchstens
50 kg/m3. Eine Erhöhung ist nur bei Verwendung von Gesteinskörnungen bis zu einem
Größtkorn von 8 mm zulässig.

C 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 3. 2 Anforderungen an Korngemische

Grundsätzliche Anforderungen an die Kornzusammensetzung des Betons sind


in Kapitel B. 2. 2. 8 zusammengefasst. Geeignet sind normale und schwere Ge-
steinskörnungen entsprechend den Anforderungen nach DIN EN 12620 und leich-
te Gesteinskörnungen nach DIN EN 13055-1. Für rezyklierte Gesteinskörnungen
gilt zusätzlich DIN 4226-100.

Die Art der Gesteinskörnung, die Korngröße und die Kategorien (z.B. Kornform,
Feinststoffe) sind auszuwählen, wobei Folgendes zu berücksichtigen ist:

– Ausführung der Arbeiten


– Endverwertung des Betons
– Umgebungsbedingungen, denen der Beton ausgesetzt wird
– Gegebenenfalls zusätzliche Anforderungen

Das Nennmaß des Größtkorns der Gesteinskörnung (Dmax) ist unter Berücksichti-
gung der Betondeckung und der engsten Querschnittsmaße auszuwählen.

Nicht aufbereitete Gesteinskörnung darf nur für Beton  C12/15 verwendet wer-
den.

C. 3. 2. 1 Kennzeichnung der Kornzusammensetzung durch Regelsieblinien

Die Kornzusammensetzung eines bestimmten Korngemisches wird durch den


Buchstaben der Grenzsieblinie (A, B, C oder U) unter Zusatz des Zahlenwerts für
das Größtkorn (z.B. B 16) durch einen auf die Sieblinie bezogenen „Kennwert” für
die Kornverteilung oder den Wasseranspruch gekennzeichnet.

Möglich ist auch eine Kennzeichnung durch Angabe des Sieblinienbereiches der
entsprechenden Regelsieblinie. Allgemeine Verwendung finden Kornzusammen­
setzungen in den Sieblinienbereichen 3 und 4, während Kornzusammensetzun­
gen außerhalb dieser Bereiche gewissen Einschränkungen unterliegen:

– Korngemische unterhalb A sind schwer zu verarbeiten = Bereich 1


– Korngemische oberhalb C haben hohen Zementleimbedarf = Bereich 5

Die Grenzsieblinie U sollte von unstetigen Korngemischen (Ausfallkörnungen)


nicht unterschritten werden.

Bei Verwendung von Korngemischen mit ausschließlich gebrochenen Gesteins­


körnungen ist für eine optimale Kornzusammensetzung im Allgemeinen ein etwas
anderer Kornaufbau zu wählen als für Korngemische aus natürlichen Kiesen (gro-
be Gesteinskörnungen) und Sanden (feine Gesteinskörnungen).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 17


C. 3. 2. 2 Bedeutung und Auswirkungen der Kornzusammensetzung

Die Kornzusammensetzung („Kornaufbau”) eines Körnungsgemisches ist maß-


gebend für den Wasseranspruch und die Verarbeitbarkeit einer Betonmischung,
wobei insbesondere Anteil und Aufteilung des Kornbereiches  4 mm entschei-
dende Auswirkungen haben. Bei günstigem Kornaufbau (möglichst dichtes, hohl-
raumarmes Kornhaufwerk) wird zur Verarbeitung und Erzielung einer bestimm-
ten Festigkeit ein Minimum an Zementleim benötigt (technologische Vorteile:
geringeres Schwinden und Kriechen, niedrigere Wärmeentwicklung bei der Hy-
dratation). Unzweckmäßiger Kornaufbau führt i. Allg. zu vermehrtem Zementbe-
darf und erhöhtem Verdichtungsaufwand, woraus sich technologische Nachteile
z.B. bei Sichtbeton (erhöhtes Schwinden), Pumpbeton (erschwerte Förderung)
oder wasserundurchlässigem Beton (verminderte Dichtigkeit) ergeben können.

C. 3. 2. 3 Bedeutung des Größtkorns

Das Größtkorn (größtes im Korngemisch enthaltenes Korn) sollte so groß wie


möglich gewählt werden, weil grobkörnige Korngemische einen geringeren Was-
seranspruch aufweisen und somit weniger Zementleim bzw. weniger Zement bei
der Betonherstellung erfordern. Ein größer gewähltes Größtkorn bedeutet, dass

– bei gleichbleibender Wasserzugabe die Verarbeitbarkeit des Frischbetons ver-


bessert wird,
– bei gleichbleibender Verarbeitbarkeit die Wasserzugabe vermindert und die
Festigkeit des Betons erhöht wird
– oder bei gleich bleibender Verarbeitbarkeit und Betonfestigkeit die Zementzu-
gabe verringert werden kann.

Andererseits darf das Größtkorn allenfalls so groß gewählt werden, wie Herstel-
lung, Fördern und Verarbeiten des Frischbetons dieses erlauben:

– Größtkorn nicht größer als 1/3 bis 1/5 der kleinsten vorgesehenen Bauteilab-
messung
– Größtkorn nicht größer als den kleinsten lichten Abstand der Betonbewehrung
– Größtkorn nicht wesentlich größer als Dicke der Betondeckung

C 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 3. 2. 4 Zusammensetzung einer vorgegebenen Sieblinie aus
vorhandenen Korngruppen

Natürliche Körnungen, die meist als Gemenge von Körnern verschiedener Größe
vorkommen, werden im Kieswerk gewaschen und durch Siebung in Korngruppen
getrennt. Aus solchen getrennt gelagerten bzw. angelieferten Korngruppen wird
dann bei der Betonherstellung ein Korngemisch zweckentsprechend zusammen-
gesetzt, sodass das Korngemisch einer vorgegebenen Sieblinie oder einem ange-
strebten Sieblinienbereich entspricht.

Beispiel
Soll ein Korngemisch gemäß einer vorgegebenen Sieblinie (z.B. „Grenzsieblinie”
B 32) aus vorrätigen Korngruppen (z.B. 0/4, 4/8 und 8/32) zusammengesetzt
werden, so sind diese Korngruppen analog zur Vorgehensweise in Bild C.1 mit
den dort angegebenen Massenanteilen zur Gesamtkornmenge zusammenzu-
stellen.

Die gewünschte Sieblinie B 32 erhält man demnach durch Mischung von

– 47 M.-% der Korngruppe 0/4


– 15 M.-% der Korngruppe 4/8
– 38 M.-% der Korngruppe 8/32
Siebdurchgang [M.-%]

Lochweite [mm]

Bild C.1: Zusammenstellung von Betonkörnung nach „Regelsieblinie” B 32 aus den


Korngruppen 0/4, 4/8 und 8/32

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 19


C. 3. 3 Chloridgehalt

Der Chloridgehalt im Beton, ausgedrückt als Massenanteil von Chloridionen im


Zement, darf den Wert für die gewählte Klasse entsprechend Tafel C.10 nicht
überschreiten.

Tafel C.10: Höchstzulässiger Chloridgehalt im Beton nach DIN 1045-2 1)

Höchstzulässiger
Klasse des
Betonverwendung Chloridgehalt bezogen
Chloridgehalts
auf den Zement 3)
Ohne Betonstahl­bewehrung oder
Cl 1,0 1,0 M.-%
eingebettetem Metall 2)
Mit Betonstahlbewehrung oder
Cl 0,40 0,40 M.-%
anderem eingebetteten Metall
Mit Spannstahlbewehrung Cl 0,20 0,20 M.-%
1)
Grenzwerte der Tafel erfüllt, wenn der Chloridgehalt jedes Ausgangsstoffes die Anforde-
rungen der geringsten Einstufung des jeweils für ihn geltenden Regelwerks einhält.

Ausnahmen:
Für Gesteinskörnungen gelten nachstehende Grenzwerte des Chloridgehalts:
– 0,15 M.-% für Beton ohne Betonstahlbewehrung oder eingebettetes Metall
– 0,04 M.-% für Beton mit Betonstahlbewehrung oder anderem eingebetteten Metall
– 0,02 M.-% für Beton mit Spannstahlbewehrung

Für Zementart CEM III gilt als Grenzwert:


– 0,10 M.-% für alle Betone

2)
Ausnahme: korrosionsbeständige Anschlagvorrichtungen

3)
Bei Verwendung von Zusatzstoffen Typ II und Anrechnung auf den Zementgehalt gelten
die Höchstwerte für den Chloridgehalt (bezogen auf den Massenanteil im Zement und die
Gesamtmasse der Zusatzstoffe)

C 20 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 3. 4 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe
Zement, Zugabewasser/Restwasser, Zusätze

Als geeignet gilt Zement nach DIN EN 197-1, DIN 1164-10, DIN 1164-11, DIN 1164-12
und nach DIN EN 14216. Die Anwendungsbereiche für die Zemente sind den
Tafeln C.11 bis C.14 zu entnehmen.

Zusatzstoffe des Typs I und des Typs II müssen in gleicher Menge wie bei den
Erstprüfungen im Beton eingesetzt werden. Bei entsprechender Eignung dürfen
Zusatzstoffe des Typs II (Flugasche, Silikastaub) bei der Betonzusammensetzung
auf den Zementgehalt und Wasserzementwert angerechnet werden (Kap. B. 4. 3,
Betonzusatzstoffe).

Der Einsatz von Restwasser ist für Betone bis einschließlich Festigkeitsklasse
C50/60 oder LC50/55 erlaubt. Die Eignung des Restwassers ist nach
DIN EN 1008, Tabelle 10, zu überprüfen. Es ist sicherzustellen, dass Restwasser
frei von betonschädlichen Bestandteilen ist. Bei hochfestem Beton darf kein
Restwasser eingesetzt werden.

Bezüglich bestimmter Detailanforderungen an die Betonzusammensetzung, die


bei Zugabe von Betonzusatzmitteln bzw. Betonzusatzstoffen zu beachten sind,
wird auf die Ausführungen im Kapitel B. 4, Betonzusätze, verwiesen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 21


Tafel C.11: Anwendungsbereiche für Zemente nach DIN EN 197-1, DIN EN 1164-10,
DIN EN 1164-12 und FE-Zemente sowie CEM I-SE und CEM II-SE nach DIN 1164-11
zur Herstellung von Beton nach DIN 1045-2
Expositionsklassen Bewehrungskorrosion Betonangriff
kein durch durch Chloride Frostangriff aggre- Ver-

Spannstahlverträglichkeit
X = gültiger Korro- Karbona- verursachte sive schleiß
Anwendungsbereich sions- tisierung Korrosion chemi-
O = für die Herstellung Angriffs- verursachte sche
nach dieser Norm risiko Korrosion andere Chloride Umge-
nicht anwendbar Chloride aus bung
als Meer-
Meer- wasser
wasser

XC XC XC XC XD XD XD XS XS XS XF XF XF XF XA XA XA XM XM XM
XO 1 2 3 4 1 2 3 1 2 3 1 2 3 4 1 23) 33) 1 2 3
CEM I X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
CEM II S A/B X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
D X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X6)
P/Q A/B X X X X X X X X X X X X O X O X X X X X X O
V A X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
B X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
W A X X X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
B X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
T A/B X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
LL A X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
B X X X O O O O O O O O O O O O O O O O O O X
L A X X X X X X X X X X X O O O O X X X X X X X
B X X X O O O O O O O O O O O O O O O O O O X
M4) A X X X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
B X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
CEM III A X X X X X X X X X X X X X X X1) X X X X X X X
B X X X X X X X X X X X X X X X2) X X X X X X X
C X O X O O O X O O X O O O O O X X X O O O O
CEM IV4) A X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
B X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
CEM V4) A X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
B X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O

1) 2) 3) 4) 6)
siehe Fußnoten unter Tafel C.13

C 22 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.12: Anwendungsbereiche für CEM II-M-Zemente mit drei Hauptbestandtei-
len nach DIN EN 197-1, DIN 1164-10, DIN 1164-12 und FE-Zemente sowie CEM II-SE
nach DIN 1164-11 zur Herstellung von Beton nach DIN 1045-2
Expositionsklassen kein Bewehrungskorrosion Betonangriff
Korro-

Spannstahlverträglichkeit
X = gültiger sions- durch durch Chloride Frostangriff aggre- Ver-
Anwendungs- An- Karbona- verursachte sive schleiß
bereich griffs- tisierung Korrosion chemi-
O = für die Herstellung risiko verursachte sche
nach dieser Norm Korrosion andere Chloride Umge-
nicht anwendbar Chloride aus bung
als Meer-
Meer- wasser
wasser

XO XC XC XC XC XD XD XD XS XS XS XF XF XF XF XA XA XA XM XM XM
1 2 3 4 1 2 3 1 2 3 1 2 3 4 1 23) 33) 1 2 3

S-D; S-T;
S-LL; D-T;
D-LL;
T-LL; X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
S-V8);
V-T8);
A
V-LL8)

S-P; D-P;
D-V8);
X X X X X X X X X X X X O X O X X X X X X X5)
P-V8);
P-T; P-LL

S-D; S-T;
CEM II M
D-T;
X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X
S-V8);
V-T8)

S-P; D-P;
D-V8);
B P-T; X X X X X X X X X X X X O X O X X X X X X X5)
P-V8)

S-LL;
D-LL;
P-LL; X X X O O O O O O O O O O O O O O O O O O X5)
V-LL8);
T-LL
3) 5) 8)
siehe Fußnoten unter Tafel C.13

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 23


Tafel C.13: Anwendungsbereiche für Zemente CEM IV und CEM V mit zwei bzw.
drei Hauptbestandteilen nach DIN EN 197-1, DIN 1164-10, DIN 1164-12 und FE-Ze-
mente nach DIN 1164-11 zur Herstellung von Beton nach DIN 1045-2

Expositionsklassen kein Bewehrungskorrosion Betonangriff


Korro-
X = gültiger sions- durch durch Chloride Frostangriff aggre- Ver-
Anwendungsbereich Angriffs- Karbona- verursachte ssive schleiß
O = für die Herstellung risiko tisierung Korrosion che-
dieser Norm nicht verursachte andere Chloride mische
anwendbar Korrosion Chloride Umge-
aus
als Meer- Meer- bung
wasser wasser
XC XC XC XC XD XD XD XS XS XS XF XF XF XF XA XA XA XM XM XM
XO 1 2 3 4 1 2 3 1 2 3 1 2 3 4 1 23) 33) 1 2 3
CEM IV B (P)6)

A X X X X X X X X X X X X X O X O X X X X O O
CEM V B (S-P)7)

1)
Festigkeitsklasse  42,5 oder Festigkeitsklasse  32,5 R mit einem Hüttensand-Gehalt
von  50 M.-%.
2)
CEM III/B darf nur für die folgenden Anwendungsfälle verwendet werden:
a) Meerwasserbauteile: w/z  0,45; Mindestfestigkeitsklasse C35/45 und z  340 kg/m3
b) Räumerlaufbahnen: w/z  0,35; Mindestfestigkeitsklasse C40/50 und z  360 kg/m3;
Beachtung von DIN 19569-1
Auf Luftporen kann in beiden Fällen verzichtet werden.
3)
Bei chemischem Angriff durch Sulfat (ausgenommen bei Meerwasser) muss oberhalb
der Expositionsklasse XA1 Zement mit hohem Sulfatwiderstand (SR-Zement) verwendet
werden. Zur Herstellung von Beton mit hohem Sulfatwiderstand darf bei einem
Sulfatgehalt des angreifenden Wassers von SO42-  1 500 mg/l anstelle von SR-Zement
eine Mischung aus Zement und Flugasche verwendet werden und zwar Flugascheanteil
f  0,2 (z+f) bei CEM I, CEM II/A-S, CEM II/B-S, CEM II/A-V, CEM II/A-LL, CEM II/A-M mit
den Hauptbestandteilen S, V, T, LL und CEM II/B-M (S-T) sowie f  0,1 (z+f) bei CEM II/
A-T, CEM II/B-T und CEM III/A.
Anmerkung: Die Anforderungen an den Einsatz eines SR-Zements gelten als erfüllt, wenn

ein CEM III/B-SR, ein CEM III/C-SR oder ein CEM I-SR3 (oder niedriger) eingesetzt wird.
4)
Spezielle Kombinationen können günstiger sein. Für CEM II/M-Zemente mit drei
Hauptbestandteilen s. Tafel C.12
Für CEM IV- und CEM V-Zemente mit zwei bzw. drei Hauptbestandteilen s. Tafel C.13
5)
Zemente, die P enthalten, sind ausgeschlossen, da sie bisher für diesen Anwendungsfall
nicht überprüft wurden.
6)
Gilt nur für Trass nach DIN 51043 als Hauptbestandteil bis maximal 40 M.-%.
7)
Gilt nur für Trass nach DIN 51043 als Hauptbestandteil
8)
Zemente zur Herstellung von Beton nach DIN 1042-2 dürfen nur Flugaschen mit  5 M.-%
Glühverlust enthalten.

C 24 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.14: Anwendungsbereiche für Zemente nach DIN EN 14216 zur Herstellung
von Beton nach DIN 1045-2

Spannstahlverträglichkeit
Expositionsklassen kein Bewehrungskorrosion Betonangriff
Korro-
X = gültiger sions- durch durch Chloride ver- Frostangriff aggre- Ver-
Anwendungs- An- Karbonatisie- ursachte Korrosion ssive schleiß
bereich griffs- rung verurs- che-
O = für die Herstellung risiko achte Korro- andere Chloride mische
dieser Norm nicht sion Chloride aus Umge-
anwendbar als Meer- Meer- bung
wasser wasser
XC XC XC XC XD XD XD XS XS XS XF XF XF XF XA XA XA XM XM XM
XO 1 2 3 4 1 2 3 1 2 3 1 2 3 4 1 23) 33) 1 2 3
III/B
X O X O O O X O O X O O O O O X X X O O O O
III/C
IV/A
VLH
IV/B
X O X O O O O O O O O O O O O O O O O O O O
V/A
V/B

Anmerkung
Sollen Zemente zur Herstellung von Beton nach DIN 1045-2 verwendet werden,
die nach den Tafeln C.11 bis C.14 nicht anwendbar sind, bedürfen sie einer Allge-
meinen bauaufsichtlichen Zulassung.

C. 3. 5 Anforderungen bei Verwendung alkaliempfindlicher


Gesteinskörnung

Bei Verwendung von alkaliempfindlicher Gesteinskörnung zur Betonherstellung


ist grundsätzlich die DAfStb-Richtlinie „Vorbeugende Maßnahmen gegen schädi-
gende Alkalireaktion im Beton (Alkali-Richtlinie)”, zu beachten. Detailhinweise zu
Inhalt und Vorgaben dieser Richtlinie finden sich in den Kapiteln

– B. 1. 1 Zemente mit besonderen Eigenschaften (NA-Zemente)


– B. 2. 2. 7 Gesteinskörnung mit alkalilöslicher Kieselsäure und vorbeugende
Maßnahmen
– B. 3. 2 Alkalireiche Zugabewässer

Ablauf und Ausmaß der Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR) hängen insbesonde-


re von der Art und Menge der alkaliempfindlichen Gesteinskörnungsbestandteile,
ihrer Größe und Verteilung, dem Alkalihydroxid-Gehalt in der Porenlösung sowie
den Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen des erhärteten Betons ab.

Bei trockenem Beton kommt diese Reaktion zum Stillstand. Bei Alkalizufuhr von
außen wird die AKR verstärkt.

Eine AKR im Beton kann auch noch nach Monaten oder Jahren an einem zuvor
unter normalen Bedingungen erhärteten Beton zu Ausblühungen, Ausscheidun­
gen, Ausplatzungen von nahe an der Oberfläche liegenden alkaliempfindlichen
Gesteinskörnern (pop-outs), ferner zu netzartigen oder strahlenförmigen Rissen

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 25


führen. Das Ausmaß der Schäden nimmt zu, wenn mehrere ungünstige Bedin-
gungen zusammentreffen.

Da der wirksame Alkaligehalt des Betons zum überwiegenden Teil aus dem Ze-
ment kommt, kann er, wie für bestimmte Anwendungen vorgeschrieben, entwe-
der durch die Verwendung von Zement mit niedrigem wirksamen Alkaligehalt
(NA-Zement nach DIN 1164-10) oder durch Begrenzung des Zementgehalts deut-
lich gemindert werden. So ist u.a. der wirksame Alkaligehalt aller Betonzusatz-
stoffe (außer Flugasche nach DIN EN 450-1) auf 600 g/m3 Beton zu beschränken.

Der Gesamtalkaligehalt aller Betonzusatzmittel nach DIN EN 934-2 darf ebenfalls


600 g/m3 Beton nicht überschreiten. Der Hersteller von Beton mit alkaliempfind-
licher Gesteinskörnung hat dem Verwender anzugeben, für welche „Feuchtig-
keitsklasse” der Beton eingesetzt werden darf. Die Kurzbezeichnungen WO, WF
oder WA sind im Betonsortenverzeichnis und auf dem Beton-Lieferschein anzu-
geben. Bei Nichtkennzeichnung ist davon auszugehen, dass diese Betonsorte nur
für die Bauteil-Feuchtigkeitsklasse WO Verwendung finden darf.

C. 4 Anforderungen an die Betonzusammensetzung


Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 4. 1 Normanforderungen in Abhängigkeit von den Expositionsklassen

Tafel C.15: Grenzwerte für Zusammensetzung und Eigenschaften des Betons

Klasse max. Mindest- min z 2) min z 2) 3) min p andere


w/z druck- (bei Anrech- (Mindest- Anforde-
bzw. festigkeits- nung von Zu- luftge- rungen
(w/z)eq klasse 1) satzstoffen) halt)
[kg/m3] [kg/m3] [Vol.-%]
Kein Korrosions- oder Angriffsrisiko
X0 1 2) – C8/10 – – – –
Bewehrungskorrosion durch Karbonatisierung
XC1/XC2 0,75 C16/20 240 240 – –
XC3 0,65 C20/25 260 240 – –
XC4 0,60 C25/30 280 270 – –
Bewehrungskorrosion durch Chloride
XD1 0,55 C30/37 5) 300 270 – –
XD2 0,50 C35/45 5)6)11) 320 6) 270 – –
XD3 0,45 6) C35/45 5)6) 320 6) 270 – –
Bewehrungskorrosion durch Chloride aus Meerwasser
XS1 0,55 C30/37 5) 300 270 – –
XS2 0,50 C35/45 5)6)11) 320 6) 270 – –
XS3 0,45 6) C35/45 5)6) 320 6) 270 – –

C 26 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.15: Grenzwerte für Zusammensetzung und Eigenschaften des Betons
Fortsetzung

Klasse max. Mindest- min z 2) min z 2) 3) min p andere


w/z druck- (bei Anrech- (Mindest- Anforde-
bzw. festigkeits- nung von Zu- luftge- rungen
(w/z)eq klasse 1) satzstoffen) halt)
[kg/m3] [kg/m3] [Vol.-%]
Frostangriff mit und ohne Taumittel
XF1 0,60 C25/30 280 270 – F49)
XF2 0,55 7) C25/30 300 270 7) 4)
MS259)
0,50 7) C35/45 6)11) 320 6) 270 7) – MS259)
XF3 0,55 C25/30 300 270 4)
F29)
0,50 C35/45 6)11) 320 6) 270 – F29)
XF4 0,50 7) C30/37 320 6) 270 7) 4) 8)
MS189)
Betonangriff durch Verschleißbeanspruchung
XM1 0,55 C30/37 5) 300 6)13) 270 – –
XM2 0,55 C30/37 5)
300 6)13) 270 – Oberflächen-
behandlung
des Betons 10)
0,45 C30/45 5) 320 6)13) 270 – –
XM3 0,45 C35/45 5) 320 6)13) 270 – Hartstoffe n.
DIN 1100
Betonangriff durch aggressive chemische Umgebung
XA1 0,60 C25/30 280 270 6) – –
XA2 0,50 C35/45 5)6)11) 320 6) 270 – –
XA3 0,45 C35/45 5) 320 270 – 14)

1)
Mindestdruckfestigkeitsklasse gilt nicht für Leichtbeton.
2)
Bei 63 mm Größtkorn darf der Zementgehalt (min z) um 30 kg/m3 verringert werden.
3)
Für die Anrechnung von Zusatzstoffen sind die Hinweise in Kapitel B. 4. 3. 4 zu beachten.
4)
Mittlerer Luftgehalt im Frischbeton unmittelbar vor dem Einbau: Größtkorn 8 mm,
 5,5 Vol.-%; Größtkorn 16 mm  4,5 Vol.-%; Größtkorn 32 mm  4,0 Vol.-%; Größtkorn 63 mm
 3,5 Vol.-%. Einzelwerte dürfen diese Werte um max. 0,5 Vol.-% unterschreiten.
5)
Bei LP-Beton aufgrund gleichzeitiger Anforderung aus Expositionsklasse XF eine
Festigkeitsklasse niedriger.
6)
Für massige Bauteile (kleinste Bauteilabmessung  0,8 m) sind die Grenzwerte der DAfStb-
Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton”, zu beachten (siehe Kapitel C. 7. 7. 2).
7)
Die Anrechnung auf den Mindestzementgehalt und den Wasserzementwert ist nur bei
Verwendung von Flugasche zulässig. Weitere Zusatzstoffe des Typs II dürfen zugesetzt,
aber nicht auf den Zementgehalt oder den Wasserzementwert angerechnet werden. Bei
gleichzeitiger Zugabe von Flugasche und Silikastaub ist eine Anrechnung auch für die
Flugasche ausgeschlossen.
8)
Erdfeuchter Beton mit w/z-Wert  0,40 darf ohne Luftporen hergestellt werden.
9)
Gesteinskörnungen mit Anforderungen gegen Frost bzw. Frost und Taumittel
(DIN EN 12620)
10)
Z.B. Vakuumieren (siehe Betonhandbuch Seite C 46)
11)
Bei langsam und sehr langsam erhärtenden Betonen (r  0,3) eine Festigkeitsklasse
niedriger. Die Druckfestigkeit zur Einteilung in die geforderte Druckfestigkeitsklasse
nach DIN 1045-2, 4.3.1, ist auch in diesem Fall an Probekörpern im Alter von 28 Tagen zu
bestimmen.
12)
Nur für Beton ohne Bewehrung oder eingebettetes Metall
13)
Höchstzementgehalt 360 kg/m3; jedoch nicht für hochfesten Beton
14) 
Zusätzliche Schutzmaßnahmen für den Beton erforderlich, wie z.B. Beschichtungen oder
Sonderlösungen eines Gutachters

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 27


C. 4. 2 Zusätzliche Anforderungen an Betone für spezielle Anwendungen

Tafel C.16: Anforderungen an Beton, der unter Wasser eingebracht wird/„Unter-


wasserbeton” (tragende Bauteile) 1)2)

Wasserzementwert Der w/z bzw. (w/z)eq-Wert darf 0,6 nicht überschreiten. Er


muss niedriger gewählt werden, wenn es die Expositionsklasse
erfordert. (kf = 0,7 möglich, bei langem Feuchthalten des Be-
tons).
Mindestzement­ z  350 kg/m3 (bei Größtkorn 32 mm). Der Gehalt an Zement
gehalt und Flugasche (z+f) darf 350 kg/m3 nicht unterschreiten.
Mehlkorngehalt Die Grenzwerte des Mehlkorngehalts nach Tafel C.8 und C.9
können überschritten werden, wenn es die Verarbeitbarkeit
erfordert.
Verarbeitbarkeit Der Beton muss so beschaffen sein, dass er beim Einbringen
als zusammenhängende Masse fließt und ohne Verdichtungs­
energie ein geschlossenes Gefüge erhält.

Tafel C.17: Anforderungen an Beton mit hohem Wassereindringwiderstand 1)2)

Wasserzementwert Bei einer Bauteildicke bis 40 cm darf der w/z bzw. (w/z)eq-
Wert 0,6 nicht überschreiten. Bei Bauteildicken über 40 cm
beträgt der maximale w/z bzw. (w/z)eq-Wert 0,7.
Mindestzement­ z  280 kg/m3
gehalt Der Mindestzementgehalt beträgt 270 kg/m3, wenn Flugasche
zugegeben und auf den w/zeq-Wert angerechnet wird.
Betondruckfestigkeit Bei Bauteildicken d  40 cm muss die Mindestbetondruck-
festigkeitsklasse C25/30 sichergestellt werden.
Verarbeitbarkeit Die Einbaukonsistenz sollte der Konsistenzklasse F3 entspre-
chen oder weicher eingestellt werden.
Prüfverfahren und Konformitätskriterien für den Nachweis des Wassereindringwiderstands
1)

sind vor Lieferung des Betons zu vereinbaren.


2)
Bei der Planung und Ausführung von Wasserundurchlässigen Bauwerken (WU) sind
neben den Regelwerken DIN EN 206-1/DIN 1045 auch die Festlegungen der Richtlinie
„Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton” (WU-Richtlinie) des Deutschen Ausschusses
für Stahlbeton zu berücksichtigen.

Betone für hohe Gebrauchstemperaturen


Bauteile aus Beton, die planmäßig Gebrauchstemperaturen bis 250 °C ausgesetzt
sind, müssen unter Verwendung von geeigneten Gesteinskörnungen hergestellt
werden (z.B. Kalkstein). Besondere Anforderungen an diese Betone werden in
den Heften 337 und 526 des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton beschrieben.

Feinbeton (Zementmörtel) für Fugen und Zwischenbauteile


Beton für Fugen und Zwischenbauteile muss stets der Betonfestigkeitsklasse
C50/60 zugeordnet werden können (Gesteinskörnung nach DIN EN 12630-2;
gemischtkörnig bis 4 mm; Zementgehalt  400 kg/m3).

C 28 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.18: Betone beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen nach
DAfStb-Richtlinie

Flüssigkeitsdichter Beton Flüssigkeitsdichter Beton mit


(FD-Beton) Eignungsprüfung (FDE-Beton)
Anforderung Beton nach DIN EN 206-1 / Beton nach DIN EN 206-1 /
DIN 1045-2 mit vorgegebener DIN 1045-2 mit Begrenzung und
Zusammensetzung Nachweis des Eindringverhal-
tens durch Eignungsprüfungen
Beton- Festgelegt durch: Entspricht nicht in allen Punkten
zusammen- den Anforderungen an
setzung FD-Betone, z.B. Betonarten
möglich mit:
w/z von 0,45 bis einschließlich w/z < 0,45
0,50
(in flüssigen Zusätzen enthal-
tenes Wasser ist anzurechnen)
Zementleimgehalt  290 l/m3 Zementleimgehalt > 290 l/m3
(Flugasche angerechnet 0,4 x f)
Gesteinskörnung nach Gesteinskörnung nach
DIN EN 12620: DIN EN 12620:
– Dichtes Gefüge
– Mind. Regelanforderungen – porige Gesteinskörnung
– Unlösliche Gesteinskörnung (z.B. Leichtbeton)
bei Beaufschlagung mit – Größtkorn: 8 mm bis < 16 mm
starken Säuren
– Sieblinienbereich AB Anrechnung anderer minerali­
– Größtkorn: 16 mm bis 32 mm scher Zusatzstoffe als Flugasche
auf den Mindestzementgehalt
Verwendung von Flugasche
nach DIN EN 450-1 zulässig,
Anrechenbarkeit auf den
w/z-Wert mit:
w/(z+0,4 x f )  0,50;
f  0,25 x z

Verwendung von Restwasser Verwendung von Kunststoff-


zulässig bei Einhaltung des zusätzen oder Fasern
Mehlkorngehalts,
der Konsistenz des Ausgangs-
betons und des w/z-Werts.

Herstellung als LP-Beton mit


Luftporenbildner zulässig

Möglichst weiche Konsistenz Verwendung von hochfestem


Beton
Herstellung Überwachungsklasse 2 für den Beton nach DIN 1045-3,
und keine Neigung zum Bluten oder Entmischen, Nachbehandlung
Verarbeitung mind. bis 70 % der 28-Tage-Druckfestigkeit, jedoch nicht weniger
als sieben Tage

Weitere Anforderungen an den Beton, z.B. Eindringverhalten, Schädigungstiefe,


sowie an die Bemessung, Konstruktion, Bauausführung und Prüfung nach Richt­
linie nachweisen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 29


C. 5 Mischungsentwurf
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

Durch den Mischungsentwurf sollen die für eine geforderte Betonfestigkeit und/
oder „besondere Eigenschaft” des Betons sowie für die gewünschte Verarbeit-
barkeit des Frischbetons erforderlichen Stoffmengen von Zement, Wasser, Ge-
steinskörnung und ggf. Zusätzen pro m3 verdichteten Betons vorausbestimmt
werden. Eine solche Vorausberechnung kann die tatsächlichen Gegebenheiten
nur annähernd berücksichtigen; durch eine anschließende Erstprüfung können
sich Korrekturen ergeben.

Wie sich aus dem Flussdiagramm in Bild C.2 ergibt, sind beim Mischungsentwurf
mehrere – teilweise gegenseitig voneinander abhängige – „Einflussgrößen” zu be-
achten.

C. 5. 1 Stoffraumrechnung

Die Stoffraumgleichung

z w g f
+ + + + p = 1 000 [dm3]
z w g f

besagt, dass das Volumen von 1 m3 = 1 000 dm3 = 1 000 l verdichtetem Frisch­
beton sich aus der Summe der Volumenanteile („Raumanteile”) von Zement,
Wasser, Körnung, Betonzusatzstoffen und Luftporen ergibt.

In der Gleichung bedeuten:

z = Zementgehalt (Masse) [kg/m3]


w = Wassergehalt (Masse) [kg/m3]
g = Korngehalt (Masse) [kg/m3]
f = Gehalt an Zusatzstoffen (Masse) [kg/m3]
p = Luftgehalt (Porenvolumen) im verdichteten Frischbeton [dm3/m3]
 z = Dichte des Zements [kg/dm3]
w = Dichte des Wassers [kg/dm3]
g = Rohdichte der Gesteinskörnung [kg/dm3]
f = Dichte des Zusatzstoffs [kg/dm3]

C 30 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Bauteilabmessung
Festigkeitsklasse

Größtkorn
Vorhaltemaß Standardabweichung
Sieblinie

Körnungsziffer Konsistenz Betonfestigkeit fck Normfestigkeit 1)

Diagramm
Diagramm
(K, Konsistenz)
(Bild C.3)
(Bild B.14)

Expositionsklasse

Wasseranspruch
Wassermenge w/z-Wert
[kg/m3]

Zementgehalt LP-Gehalt
[kg/m3] [Vol.-%]

Stoffraumgleichung = 1 m3 = 1 000 l

Gesamtkörnung Zusatzstoff
[kg/m3] [kg/m3]

Anteile der Korngruppen Oberflächenfeuchte


[kg/m3] der Korngruppen

Einwaagemengen in den Korngruppen


Gf der Korngruppen enthaltenes Wasser

korrigierte Zugabe-
Wassermenge

Zement-Normdruckfestigkeit nach DIN EN 196-1


1)

Bild C.2: Berechnungsschema für Mischungsentwurf: Beton nach Eigenschaften

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 31


Berechnungsgrundlage ist die Beziehung

Masse
Stoffraum =
Dichte bzw. Rohdichte

Durch Umstellen der Stoffraumgleichung

g z w f
Vg = = 1 
000 – + + + p [dm3
[
ρg ρZ ρW ρf

lässt sich der Stoffraum des Korngemisches aus den übrigen Größen berechnen.
Durch weitere Auflösung der verbliebenen Gleichung

g = Vg · g [kg]

ermittelt man dann die Masse der oberflächentrockenen Gesteinskörnung.

C. 5. 2 Vorgehensweise bei der Mischungsberechnung

Die Stoffräume von Zement, Wasser und Betonzusatzstoffen sowie der Luftpo-
rengehalt für 1 m3 verdichteten Beton können wie folgt berechnet werden:

Dichte bzw. Rohdichte:

– Dichte von Zement siehe Tafel B.7


– Dichte von Wasser = 1,00 kg/dm3
– Dichte von Betonzusatzstoffen siehe Tafel B.43
– Rohdichte von Gesteinskörnungen siehe Tafeln B.11 bis B.13

C 32 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Vorab erforderliche Festlegungen:

– anzustrebende mittlere Druckfestigkeit des Betons


– anzustrebende Konsistenz des Frischbetons
– Art und Festigkeitsklasse des Zements
– Art und Größtkorn der Gesteinskörnung sowie der Kornzusammensetzung
– Art von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen

Wassergehalt w
Der erforderliche „Wassergehalt” (siehe Bild B.15) ergibt sich in Abhängigkeit
vom Kornaufbau des Korngemisches und der gewünschten Frischbeton-Konsis­
tenz, wobei die Auswirkungen von Zusatzmitteln bzw. Zusatzstoffen ggf. zusätz-
lich zu berücksichtigen sind (Bei Transportbeton auch das Ansteifen während der
Transportdauer).

Die Abschätzung des Wasseranspruches kann auf tabellarischem Wege (siehe


Tafel B.36) oder mit grafischem Verfahren (siehe Bild B.14) erfolgen. Bei „sau-
genden” Körnungen ist die Wasseraufnahme zu ermitteln und zu berücksichti-
gen.

Festlegung des Wasserzementwerts w/z–Wert


Als Wasserzementwert wird das Massenverhältnis des Wassergehalts w [kg] zum
Zementgehalt z [kg] im Beton bezeichnet:

Masse des Wassers w


w/z-Wert =  =
Masse des Zements z

w = Zugabewasser + Oberflächenfeuchte der Gesteinskörnung

Da der Zement chemisch und physikalisch nur etwa 40 % seiner Masse an Was-
ser bindet, fällt in einer Betonmischung mit einem w/z-Wert > 0,40 „Überschuss-
wasser” an, das die Entstehung eines Systems feinverästelter, oft zusammenhän-
gender Kapillarporen im Zementstein bewirkt. Das Kapillarporenvolumen steigt
analog zur Erhöhung des Wasserzementwerts.

Die Erhöhung des w/z-Werts bewirkt:

– Zementstein wird poröser


– Festigkeit und Dichtigkeit des Betons fallen ab
– Beton schwindet stärker
– Frostwiderstand im Beton verschlechtert sich
– Korrosionswiderstand der Bewehrung verschlechtert sich

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 33


Günstig sind w/z-Werte zwischen 0,40 und 0,60 (baupraktischer Bereich). Um
bestimmte Betoneigenschaften sicher zu erreichen, werden für die zu wählenden
Expositionsklassen höchstzulässige w/z-Werte (siehe Kap. C. 4. 1) vorgegeben.

Wirksamer (effektiver) Wasserzementwert


Bei wassersaugenden Gesteinskörnungen (Sandstein-, Leichtzuschläge usw.) er-
rechnet sich der wirksame w/z-Wert aus der für die Hydratation zur Verfügung
bleibenden Wassermenge, dividiert durch den Zementgehalt.

Bei Erhöhung des Luftporengehalts im Beton auf > 1,5 Vol.-% durch Betonzusatz-
mittel errechnet sich der wirksame w/z-Wert aus dem Wassergehalt w zuzüglich
des über 15 l/m3 hinausgehenden Luftporengehalts, dividiert durch den Zement-
gehalt z.

Aufgrund des Zusammenhangs zwischen Betondruckfestigkeit, Zementfestig-


keitsklasse und Wasserzementwert lässt sich der w/z-Wert graphisch aus dem
Diagramm in Bild C.3 ermitteln. Besonders zu beachten sind die Festlegungen in
den jeweiligen Expositionsklassen.

Zementgehalt z
Der erforderliche Zementgehalt pro Kubikmeter verdichtetem Beton errechnet
sich aus der Beziehung

w
z= [kg/m3]

w = erforderlicher Wassergehalt [kg/m3]


 = ermittelter Wasserzementwert

C 34 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015









%HWRQGUXFNIHVWLJNHLWIFGU\FXEH>1PP@








 





 fc,dry,cube:
mittlere 28-Tage-
Betondruckfestigkeit
 von 150 mm-Probe-
würfeln; Lagerung
(7 Tage unter Wasser,
 21 Tage an der Luft)
    
:DVVHU]HPHQWZHUWt
lTXLYDOHQWHU:DVVHU]HPHQWZHUW Z] HT

Bei hochfesten Betonen ist die Normenfestigkeit des Zements weniger bedeutsam
1)

für die Betonfestigkeit. Eine Absenkung des w/z-Werts sowie geeignete betontech-
nologische Maßnahmen sind von größerem Einfluss auf die Betonfestigkeit.

Bild C.3: Zusammenhang zwischen Betondruckfestigkeit, Festigkeitsklasse des


Zements 1) und Wasserzementwert 2)

Abschätzung des Porenvolumens p


erfolgt anhand von Erfahrungswerten (1 Vol.-% bis 3 Vol.-% = 10 dm3/m3 bis
30 dm3/m3) oder bei Verwendung von Luftporenbildnern unter Annahme der
dortigen Sollwerte.

Bestimmung der Gesteinskörnungsmenge


Die Gesteinskörnungsmenge g [kg/m3] lässt sich bei Kenntnis bzw. nach Festle-
gung der zuvor erörterten Werte mit Hilfe der umgeformten Stoffraumgleichung
(s. Kapitel C. 5. 1) errechnen. Man erhält die Masse der erforderlichen Gesteinskör-

Weber, R.: Guter Beton. 24. Aufl. Verlag Bau+Technik, Düsseldorf 2014
2)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 35


nung für 1 m3 verdichteten Frischbeton, wobei sich das Ergebnis auf oberflächen-
trockene Gesteinskörnung bezieht. Bei Verwendung feuchter Gesteinskörnung –
wie allgemein üblich – muss dessen Feuchtigkeitsgehalt (Oberflächenfeuchte) er-
mittelt und sowohl beim Gesteinskörnungsgewicht als auch beim Zugabewasser
berücksichtigt werden.

Nach prozentualer Aufteilung der Gesteinskörnungsmenge g in einzelne Korn-


gruppen entsprechend der angestrebten Sieblinie ist der Mehlkorngehalt zu
überprüfen (s. Tafeln C.8 und C.9).

Das Beherrschen der Stoffraumrechnung zur Herstellung von 1 m3 Beton, Mörtel,


Estrich usw. ist Grundvoraussetzung, um Mischungsberechnungen mittels Com-
puterprogrammen bzw. noch „von Hand” auf Formblättern durchführen zu kön-
nen.

C. 6 Lieferung von Frischbeton


Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 6. 1 Informationen von der Baustelle an den Betonhersteller

– Lieferdatum, Uhrzeit und Menge


– Festlegung des Betons entsprechend Kap. C. 1. 2
– Transport zur Baustelle
– Einbauverfahren
– Besonderheiten, Einschränkungen

C. 6. 2 Informationen vom Betonhersteller an die Baustelle

Der Verwender kann Angaben zur Betonzusammensetzung verlangen, die so-


wohl sachgerechtes Einbringen und Nachbehandeln des Frischbetons als auch
die Abschätzung der Festigkeitsentwicklung erlauben.

Folgende Angaben müssen auf Anfrage für Beton nach Eigenschaften erfüllt
werden:

– Art und Festigkeitsklasse des Zements


– Art der Gesteinskörnung
– Art und Gehalt der Zusatzstoffe, Art der Zusatzmittel
– Zielgröße des Wasserzementwerts
– Ergebnisse einschlägiger Betonprüfungen
– Festigkeitsentwicklung (Tafel C.19)
– Herkunft der Ausgangsstoffe
– Bei Fließbeton Konsistenzklasse oder Zielwert vor Zugabe des Fließmittels

C 36 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Bei Transportbeton können diese Angaben durch Verweis auf das Sortenver-
zeichnis ersetzt werden.

Für die Ermittlung der Nachbehandlungsdauer darf die Information über die
Festigkeitsentwicklung des Betons entweder durch Werte nach Tafel C.19 oder
durch eine Festigkeitsentwicklungskurve bei 20 °C zwischen 2 und 28 Tagen an-
gegeben werden.

Tafel C.19: Festigkeitsentwicklung von Beton bei 20 °C

Festigkeitsentwicklung Schätzwert
des Festigkeitsverhältnisses
fcm2/fcm28
schnell  0,5
mittel  0,3 bis < 0,5
langsam  0,15 bis < 0,3
sehr langsam < 0,15

Der Betonhersteller muss den Verwender auf Gesundheitsrisiken beim Umgang


mit Frischbeton aufmerksam machen.

C. 6. 3 Lieferschein Transportbeton

Vor dem Entladen des Betons muss der Hersteller der Baustelle einen Liefer-
schein für jede Betonladung übergeben, der mindestens folgende Angaben ent-
halten muss:

– Name des Transportbetonwerks


– Lieferscheinnummer
– Datum und Zeit des Beladens, d.h. Zeitpunkt des ersten Kontakts zwischen
Zement und Wasser
– Kennzeichen des LKW oder Identifikation des Fahrzeugs
– Name des Käufers
– Bezeichnung und Lage der Baustelle
– Einzelheiten oder Verweise auf die Festlegung, z.B. Nummer im Listenverzeich-
nis, Bestellnummer
– Menge des Betons in m3
– Bauaufsichtliches Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) unter Angabe von
DIN EN 206-1 / DIN 1045-2
– Name oder Zeichen der Zertifizierungsstelle
– Zeitpunkt des Eintreffens des Betons auf der Baustelle
– Zeitpunkt des Beginns des Entladens
– Zeitpunkt des Beendens des Entladens

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 37


Zusätzlich muss der Lieferschein folgende Einzelheiten enthalten:

a) Für Beton nach Eigenschaften:


– Festigkeitsklasse (gegebenenfalls von 28 Tagen abweichender Zeitpunkt
der Bestimmung der Druckfestigkeit)
– Expositionsklasse(n)
– Klasse des Chloridgehalts oder unbewehrten Betons, Stahlbetons, Spann­
betons
– Konsistenzklasse oder Zielwert der Konsistenz
– Grenzwerte der Betonzusammensetzung, falls festgelegt
– Art und Festigkeitsklasse des Zements
– Art der Zusatzmittel und Zusatzstoffe
– besondere Eigenschaften, falls gefordert
– Nennwert des Größtkorns der Gesteinskörnung
– Rohdichteklasse oder Zielwert der Rohdichte bei Leichtbeton oder Schwer-
beton
– Festigkeitsentwicklung des Betons
– Feuchtigkeitsklasse nach Tafel C.2
– ggf. Art und Menge der Fasern

b) Für Beton nach Zusammensetzung
– Einzelheiten über die Zusammensetzung, z.B. Zementgehalt und, falls
gefordert, Art des Zusatzmittels
– entweder Wasserzementwert oder Konsistenz durch Angabe der Klasse
oder des Zielwerts
– Nennwert des Größtkorns

c) Für Standardbeton
– Druckfestigkeitsklasse
– Expositionsklasse
– Nennwert des Größtkorns der Gesteinskörnung
– Konsistenzbezeichnung
– Festigkeitsentwicklung, falls festgelegt
– Feuchtigkeitsklasse nach Tafel C.2

Für hochfesten Beton muss der Lieferschein alle Wägedaten einschließlich der
o.g. Daten in a) und b), automatisch aufgedruckt, enthalten.

Außerdem sind anzugeben:

– Feuchtegehalt der Gesteinskörnung


– Menge des zudosierten Fließmittels auf der Baustelle
– Konsistenz unmittelbar vor und nach jeder Fließmittel-Zugabe an jedem
Fahrmischer

Bei der Herstellung von Baustellenbeton sind die Lieferscheinangaben entsprechend.

C 38 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Anmerkung
Wird auf der Baustelle Fließmittel zugegeben, so ist der Zeitpunkt der Zugabe,
die Zugabemenge sowie die geschätzte Restmenge in der Mischertrommel (vor
der Zugabe) auf dem Lieferschein zu vermerken.

C. 6. 4 Konsistenzeinstellung bei Lieferung

Eine nachträgliche Wasserzugabe ist nicht erlaubt, es sei denn, diese ist plan­
mäßig vorgesehen. In diesem Fall gelten die folgenden Bedingungen:

– die Gesamtwassermenge und die nachträglich noch zugegebene Wassermen-


ge nach Erstprüfung müssen auf dem Lieferschein angegeben werden
– der Fahrmischer muss mit einer geeigneten Dosiereinrichtung (Dosiergenauig-
keit 3 %) ausgestattet sein
– die Proben für die Produktionskontrolle sind nach der letzten Wasserzugabe zu
entnehmen

Liegt die Wasser- oder Zusatzmittelmenge, die auf der Baustelle dem Beton im
Fahrmischer zugegeben wurde, über dem zulässigen Wert der Festlegung, sollte
die Betoncharge im Lieferschein als „nicht konform” gekennzeichnet werden. Der
Name des Beteiligten, der die erhöhte Zugabe veranlasste, ist im Lieferschein
festzuhalten.

C. 6. 5 Dosieren der Betonausgangsstoffe

Für den Beton muss eine dokumentierte Mischanweisung vorhanden sein, die
Einzelheiten über Art und Menge der Ausgangsstoffe enthält.

Die Genauigkeit beim Dosieren der Ausgangsstoffe darf die Grenzwerte nach
Tafel C.20 für alle Betonmengen von 1 m3 oder mehr nicht überschreiten.

Tafel C.20: Toleranzen für das Dosieren der Betonausgangsstoffe

Ausgangsstoff Toleranz
Zement
Wasser
 3 % der erforderlichen Menge
Gesamte Gesteinskörnung
Zusatzstoffe und Zusatzmittel

Zemente, Gesteinskörnungen und pulverförmige Zusatzstoffe müssen nach Mas-


se dosiert werden. Andere Verfahren sind zulässig, wenn die Dosierungsgenauig-
keit nachgewiesen wird. Zugabewasser, Leichtgesteinskörnung, Zusatzmittel und
flüssige Zusatzstoffe dürfen nach Masse oder Volumen dosiert werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 39


C. 7 Verarbeitung und Nachbehandlung des Betons
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

C. 7. 1 Befördern und Fördern, Einbringen und Verdichten,


Verarbeitungszeit

Die Beförderung des Frischbetons (Anlieferung von einem Transportbetonwerk
oder von einer benachbarten Baustelle), die Art des Förderns vom Übergabe-
ort zur Einbaustelle, das Einbringen in die Schalung sowie die Verdichtungsart
müssen so auf die jeweilige Betonzusammensetzung abgestimmt sein, dass der
Frischbeton

– sich dabei nicht entmischt,


– nicht übermäßig abkühlt,
– sich nicht wesentlich erwärmt,
– nicht unzulässig austrocknet,
– keine „Verstopfer” verursacht.

C. 7. 1. 1 Befördern von Frischbeton

– Frischbeton sollte grundsätzlich mit dafür geeigneten Fahrzeugen befördert


werden, damit sichergestellt ist, dass beim Entleeren auf der Baustelle stets ein
gleichmäßig durchmischter Beton übergeben werden kann und dass auf dem
Transportweg keine Mischungsbestandteile (insbesondere kein Zementleim)
verlorengehen.

– Fahrzeuge für den Transport von werkgemischtem Beton mit weicher und
fließfähiger Konsistenz (F3 bis F6) müssen entweder während der Fahrt die
ständige Bewegung des Frischbetons durch ein Rührwerk (Muldenfahrzeug mit
Rührwerk oder Mischfahrzeug) oder das nochmalige Durchmischen vor Über-
gabe des Betons auf der Baustelle (Mischfahrzeug) ermöglichen.

– Frischbeton mit steifer Konsistenz darf auch in Fahrzeugen ohne Rührwerk


transportiert werden.

– Das Material der Ladefläche darf nicht mit dem Beton reagieren (z.B. Alumini-
umwanne).

– Mischfahrzeuge und Fahrzeuge mit Rührwerk sollten spätestens 90 min, Fahr-


zeuge ohne Rührwerk für die Beförderung von Beton steifer Konsistenz spätes­
tens 45 min nach Wasserzugabe vollständig entladen sein.

– Beschleunigtes oder verzögertes Erstarren infolge von Witterungseinflüssen ist


zu berücksichtigen.

– Wenn durch Zugabe von Zusatzmitteln die Verarbeitbarkeit des Betons um


mindestens drei Stunden verlängert wurde, gilt die DAfStb-Richtlinie für Beton
mit verlängerter Verarbeitbarkeitszeit (Verzögerter Beton).

C 40 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 1. 2 Fördern von Frischbeton

Das „Fördern” des Frischbetons beginnt mit der Übergabe auf der Baustelle; es
endet an der jeweiligen Einbaustelle. Als Fördergeräte kommen i. Allg. Kran- oder
Aufzugskübel und Pumpenanlagen, auch Förderbänder oder fahrbare Kübel
(„Japaner”, Schubkarren) zum Einsatz. Bei der Förderung mit Kran- oder Auf-
zugskübeln – vorwiegend für weichen Beton oder plastischen Beton – besteht
kaum Entmischungsgefahr, sofern die Verschlussklappen dicht schließen.

Pumpbeton muss so zusammengesetzt sein, dass er gut zusammenhält und kein
Wasser absondert – sich also nicht entmischt (ausreichenden Mehlkorngehalt be-
achten). Pumpbeton sollte mindestens plastische oder weiche Konsistenz aufwei-
sen. Zweckmäßig sind Kornzusammensetzungen knapp unterhalb der Sieblinie B
mit vorwiegend runder oder gedrungener Kornform. Fließmittel erleichtern das
Pumpen von Beton.

Grundsätzliche Anforderungen an Rohrleitungen für die Pumpförderung von


Frischbeton:

– es sind keine Leichtmetallrohre zulässig
– möglichst geradlinige Leitungen verwenden; Bögen vermeiden
– um ein „Abreißen” des Betonstroms zu vermeiden, sollen Leitungen nur waage-
recht oder senkrecht verlegt werden, nie schräg
– Steigleitungen gut befestigen
– Entfernung Betonpumpe – Steigleitung möglichst groß wählen, damit der
Druck der Betonsäule im Steigstrang von der Reibung des Betons in der Hori-
zontalleitung aufgenommen werden kann. Bewährt hat sich ein Längenverhält-
nis von 1 : 2 zwischen Horizontalleitung und Steigleitung
– der Einbau eines Absperrschiebers in die untere Horizontalleitung ist sinnvoll.

Mit Förderbändern sollte nur plastischer Beton gefördert werden; bei steifem
Beton oder weichem Beton besteht hier Entmischungsgefahr. Geschwindigkeit
und Neigung des Bands sind genau aufeinander abzustimmen. An der oberen
Umlenkrolle des Bands sollten Prellbleche angeordnet werden. Die Montage eines
Zementleim-Abstreifers an der Bandanlage ist sinnvoll.

Bei fahrbaren Förderbehältern besteht bei langen und/oder unebenen Wegen


Entmischungsgefahr (insbesondere bei weicher Betonkonsistenz).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 41


C. 7. 1. 3 Einbringen von Frischbeton

Für eine fachgerechte Betoneinbringung in die Schalung ist eine ausreichende


Abstimmung zwischen Verarbeitungsleistung der Betonierkolonne und angelie-
ferter Betonmenge erforderlich.

Große Fallhöhen, kompliziert geformte und/oder enge Schalung, hoher Be-


wehrungsgrad und Schüttkegelbildung vergrößern die Entmischungsgefahr.
Vor dem Einbringen des Betons sind Anschlussflächen an „Altbeton” vorzu­
nässen. Überschüssiges Wasser oder Wasserlachen von Regenfällen sind zu ent-
fernen, sodass allenfalls auf eine mattfeuchte Oberfläche anbetoniert wird. Die
Schalungen sind vor der Betoneinbringung von Holzspänen, Nägeln, Bindedraht-
resten oder sonstigen losen Gegenständen zu reinigen. Beim Einbringen soll der
Frischbeton nicht mehr als 1 m bis 2 m frei fallen; bei größeren Höhenunterschie-
den sind Schüttrohre, -rinnen oder Schläuche zu verwenden, die bis nahe an die
tiefste Einbaustelle führen. Entsprechende Einführöffnungen sind schon bei der
Schalungsplanung zu berücksichtigen (sog. „Betonierfenster”). Durch möglichst
kurze Abstände der Einbringstellen ist eine Frischbetonverteilung in gleichmä-
ßig dicker Schicht mit waagerechter Oberfläche anzustreben. Schüttkegel sind
zu vermeiden. Als Richtmaß für die Schichthöhe gelten 50 cm. Bewehrung und
Schalungsflächen zukünftiger Betonierabschnitte dürfen bei der Frischbetonein-
bringung nicht durch Beton verkrustet werden. Die Geschwindigkeit der Be-
toneinbringung ist insbesondere bei Stützen und Wänden auf die Tragfähigkeit
der Schalung abzustimmen; Unterbrechungen des Einbringungsvorgangs sind
möglichst zu vermeiden (Sichtbeton ! ).

Bei erhöhten Anforderungen an den Sichtbeton, bei dichter Bewehrung und be-
stimmten Betonkonstruktionen ist ein selbstverdichtender Beton (SVB) zu emp-
fehlen (siehe Kapitel E).

Da beim Betonieren mit höheren Steiggeschwindigkeiten zu rechnen ist, muss die


Schalung so ausgerichtet sein, dass sie dem zu erwartenden Frischbetondruck
standhält.

Die Schalung soll dicht sein, stabil und ist gegen Auftrieb zu sichern.

Für das Gelingen des Baukörpers ist im Vorfeld eine gut abgestimmte Einbau-
technologie zu erarbeiten. Der Beton muss so zusammengesetzt sein, dass ein
einwandfreies Fließen und Entlüften gewährleistet ist. Beton muss die erforder-
liche Konsistenz nach Übergabe des Betons noch eine ausreichende Zeit lang
aufweisen.

C 42 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Die Zeit ist in Abhängigkeit von den jeweiligen Bedingungen am Einbauort fest-
zulegen. Sie muss so groß sein, dass der in der Schalung vorhandene Beton stets
mit dem neu hinzukommenden Beton als zusammenhängende Masse in der Scha-
lung fließen und aufsteigen kann.

Die Mindestverarbeitbarkeitszeit (tvB) beträgt:

– für die Fertigteilherstellung tvB = > 20 Minuten


– für Transportbeton auf Baustellen tvB = > 45 Minuten

Es dürfen keine Trennschichten durch Überfließen bereits stagnierender Beton­


oberflächen entstehen.

C. 7. 1. 4 Verdichten von Frischbeton

Eine gute Verdichtung des in die Schalung eingebrachten Frischbetons ist erfor-
derlich, um dem Beton die für die Festigkeit und Dauerhaftigkeit erforderliche
Dichtigkeit zu geben. Besonders sorgfältig ist entlang der Schalung und in Scha-
lungsecken sowie bei eng angeordneter Bewehrung zu verdichten. Die einzelnen
Bewehrungsstäbe sind dicht mit Beton zu umhüllen.

Bei Verwendung von Innenrüttlern muss die Rüttelflasche noch in die untere, be-
reits verdichtete Schicht eindringen (Vernadeln). Bei besonderen Verhältnissen
(schnelle Steiggeschwindigkeit, hoher Wassergehalt, geringes Wasserrückhalte-
vermögen, Sichtbetonflächen, wasserundurchlässige Bauteile) empfiehlt sich ein
Nachverdichten des Betons.

Bei hochfestem Beton ist ein erhöhter Verdichtungsaufwand erforderlich, insbe-


sondere bei Verwendung von Silika-Suspension.

Verdichtungsarbeiten sollen von geschultem und erfahrenem Baustellenpersonal


durchgeführt werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 43


Die Konsistenz des zu verdichtenden Frischbetons bestimmt die Verdichtungs-
methode, wobei grundsätzlich zwischen den manuellen Methoden Stampfen,
Stochern oder Abziehen und dem maschinellen Rütteln unterschieden wird
(siehe hierzu Tafel C.21).

Eine „praktisch vollständige Verdichtung” kann dann angenommen werden, wenn

– sich der Frischbeton nicht mehr setzt,


– die Oberfläche geschlossen ist,
– nur noch vereinzelt Luftblasen aufsteigen.

So verdichteter Frischbeton hat üblicherweise noch einen Luftgehalt von


ca. 1,5 Vol.-%.

Bei Einsatz von Selbstverdichtendem Beton ist kein manuelles Verdichten mehr
notwendig – dieser entlüftet selbst.

Für Rüttelverdichtung allgemein zu beachten:


DIN 4235: „Verdichten von Beton durch Rütteln”

Tafel C.21: Geeignete Verdichtungsmethoden in Abhängigkeit von der


Frischbeton-Konsistenz

Verdichtungsart Konsistenz des Betons


steif plas­ weich sehr fließ- sehr
tisch weich fähig fließ-
fähig
F1 F2 F3 F4 F5 4) F6 4)
Stampfen 1) x
Stochern bzw. mehrmaliges x x x x
Abziehen 2)
Bohle x x x x
Oberflächenrütteln 3)
Platte x
Innenrüttler (Rüttelflasche) x x x x
Außenrüttler (Schalungs- x x x
rüttler)
Für untergeordnete Bauteile ohne hohe Güteanforderungen (z.B. Streifenfundamente); für
1)

verdichtete Schichtdicken  15 cm
2)
„Mehrmaliges Abziehen” geeignet als Verdichtungsmethode für sehr weichen oder fließfä-
higen Beton bei horizontalen Flächen (Decken, Bodenplatten usw.)
3)
Unter kräftig wirkenden Oberflächenrüttlern verdichtete Schichtdicke  20 cm
4)
Entlüften nur noch durch Schwabbeln oder Stochern

C 44 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Zusätzliche Hinweise für Verdichtung mit Innenrüttler

– Abstand der Eintauchstellen des Innenrüttlers („Rüttelflasche”) so wählen, dass


sich die von den Rüttelbewegungen erfassten Betonbereiche überschneiden
(Anhaltswert: Abstand der Eintauchstellen entspricht dem 10-fachen Durch-
messer der Rüttelflasche).
– Bei schichtweisem Betonieren ist die Rüttelflasche rasch bis hinab in die bereits
verdichtete Schicht (Eindringtiefe dort ca. 10 cm bis 15 cm) einzuführen und
dann langsam wieder bis zur Oberfläche herauszuziehen, um ein „Vernähen”
der Schichten herbeizuführen.
– Schließt sich die Betonoberfläche nach Herausziehen der Rüttelflasche nicht
oder entsteht dort eine dickere Schlempeschicht, so sind Betonkonsistenz und
Rütteldurchführung nicht ausreichend aufeinander abgestimmt.
– Rüttelflasche nicht zur „Betonverteilung” einsetzen, alternativ Fließbeton ein-
setzen.
– Bei dünneren Betonschichten empfiehlt sich schräges Eintauchen und Ziehen
der Rüttelflasche.
– Berühren von Schalungsflächen oder der Bewehrung mit der Rüttelflasche ver-
meiden.

Nachverdichten

– zusätzliche Maßnahme zur weiteren Gütesteigerung des Betons (Dichtigkeit,


Festigkeit)
– besonders für Betone mit höherem Wassergehalt oder geringem Wasserrück-
haltevermögen und nach Betoneinbringung mit hohen Steiggeschwindigkeiten
– im oberen Bereich höherer Bauteile oft unerlässlich
– Hohlräume, die sich unter horizontalen Bewehrungsstäben oder Einbauteilen
durch Nachsacken des Frischbetons gebildet haben, werden geschlossen.
– Nachverdichten kann mit Innenrüttlern, Oberflächenrüttlern oder bei waage-
rechten Betonflächen durch Rotorglätter erfolgen.
– Nachverdichten soll so spät wie möglich erfolgen, zu einem Zeitpunkt, an dem
der Beton noch verformbar (noch nicht erstarrt) ist.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 45


Vakuumverfahren für horizontale Betonoberflächen

– Erzeugt hohe Ebenflächigkeit und Verschleißfestigkeit der Oberfläche sowie


allgemein dichteren Beton (erhöhte Wasserundurchlässigkeit, Frostbeständig-
keit und Widerstand gegen chemischen Angriff); Schrumpf- und Schwindnei-
gung des Betons wird verringert.
– Wird erreicht durch Wasserentzug, wodurch sich der w/z-Wert des Frisch­
betons um 10 % bis 20 % verringert.
– Frischbeton wird zunächst normal eingebracht und verdichtet mit Innenrütt-
lern oder Vibrationsbohlen, anschließend erfolgt Vakuumbehandlung durch
teilflächiges Auflegen einer speziellen Saug- und Filtermatte (ca. 1 min pro cm
Deckendicke).
– Betonoberflächen sind unmittelbar nach der Vakuumbehandlung begehbar; sie
werden mit Rotorglättern (Scheiben- oder Flügelglätter) bearbeitet und an-
schließend nachbehandelt.

C. 7. 1. 5 Frischbetondruck hk,max auf lotrechte Schalungen


PD[LPDOHU)ULVFKEHWRQGUXFNKNPD[>N1P@

 K\GURVW 
 69%

K\GURVWDWLVFKH'UXFNK|KHKV>P@
ELVW(
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) )
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%HL.RQVLVWHQ]NODVVH)ELV)QXUELV W( K
]XHLQHU%HWRQLHUK|KHYRQPJOWLJ F N1P
 
       
6WHLJJHVFKZLQGLJNHLWY>PK@

ODQJVDPJHV%HWRQLHUHQ VFKQHOOHV%HWRQLHUHQ

Bild C.4: Frischbetondruck in Abhängigkeit von der Steiggeschwindigkeit und


der Konsistenzklasse (nach DIN 18218)

Für die Bemessung von Schalungskonstruktionen ist es von großer Bedeutung,


den zu erwartenden Schalungsdruck beim Betoneinbau zu kennen. Gerade bei
sehr weichen Betonen (SVB) kann es bei falscher Bemessung der Schalungskon-
struktion zum Versagen dieser Systeme kommen.

C 46 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 1. 6 Verarbeitungszeit von Frischbeton

– Beton sollte möglichst bald nach dem Mischen, Transportbeton möglichst so-
fort nach der Anlieferung, verarbeitet werden.
– Frischbeton muss auf jeden Fall eingebracht und verdichtet sein, bevor er an-
steift.
– Bei plastischen und weichen Betonen, die mit Innenrüttlern verdichtet werden,
ist das Ende der Verarbeitungszeit dann erreicht, wenn sich beim Herauszie-
hen des Rüttlers die Eintauchstelle in der Oberfläche des Frischbetons nicht
mehr schließt.
– Im Allgemeinen sollte Baustellenbeton bei trocken-warmem Wetter innerhalb
einer halben Stunde eingebracht und verdichtet sein, bei kühl-feuchter Witte-
rung innerhalb von ca. 1 Stunde.
– Die Verarbeitungszeit lässt sich durch Zugabe von „Erstarrungsverzögerern”
als Betonzusatzmittel verlängern, wobei dessen Wirkung temperaturabhängig
ist.
– Wird die Verarbeitungszeit durch Erstarrungsverzögerer um mindestens
drei Stunden verlängert, so ist die „DAfStb-Richtlinie für Beton mit verlängerter
Verarbeitungszeit (Verzögerter Beton)” zu beachten.

C. 7. 2 Frischbetontemperatur/Außentemperatur beim Betoniervorgang

Durch die Eigentemperatur des Frischbetons und/oder durch die witterungsbe-


dingte Außentemperatur beim Betoniervorgang wird i. Allg. sowohl die Verarbei-
tungszeit des Betons (Zeitspanne zwischen Mischen und Ansteifen) als auch der
Verlauf der späteren Festigkeitsentwicklung beeinflusst. Niedrige Temperaturen
lassen die Zementhydratation langsam, hohe Temperaturen lassen sie schnell er-
folgen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 47


C. 7. 2. 1 Ermittlung der Frischbetontemperatur

Graphisches Verfahren
Sind die Temperaturen von Zement, Gesteinskörnung und Wasser bekannt, so
kann die sich ergebende Frischbetontemperatur aus Bild C.5 abgeschätzt wer-
den.

Hinweis
Eine um 10 °C höhere Zementtemperatur erhöht die Frischbetontemperatur um
ca. 1 °C.

Bild C.5: Frischbetontemperatur in Abhängigkeit von der Temperatur der Ge-


steinskörnung und des Zugabewassers bei einer Zementtemperatur von +5 °C.

C 48 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Rechnerische Ermittlung
Die Temperatur des Frischbetons wird von den Temperaturen der Ausgangs-
stoffe und deren Wärmekapazität Q bestimmt, wobei gilt:

Q = Masse je m3 · spezifische Wärme c


cw ~ 4,2 kJ/kg · K für Wasser
cz,g,f ~ 0,84 kJ/kg · K für Zement, Gesteinskörnung und Zusatzstoff

Die spezifische Wärme des Wassers ist demnach ca. 5-mal größer als die der üb-
rigen Ausgangsstoffe. Hieraus ergibt sich folgende Formel:

0,84 (z · Tz + g · Tg + f · Tf) + 4,2 (hg · Tg + w · Tw)


Tb =
0,84 (z + g + f) + 4,2 (hg + w)

T b = Frischbetontemperatur [°C]
Tz, Tg, Tf , Tw = Temperaturen von Zement, Gesteinskörnung, Zusatzstoff
und Zugabewasser [°C]
z, g, f, hg, w = Masse von Zement, Gesteinskörnung, Zusatzstoff,
Eigenfeuchte der Gesteinskörnung, Zugabewasser [kg/m3]

Hinweis
Eigenfeuchte und Gesteinskörnung haben die gleiche Temperatur.

Einfluss der Zementtemperatur siehe Kapitel B. 1. 8.

Beeinflussung der Frischbetontemperatur


Eine gewünschte Veränderung der Frischbetontemperatur erfolgt zweckmäßi-
gerweise durch Erhöhen oder Erniedrigen der Temperatur des Zugabewassers,
weil dies technisch am einfachsten zu bewerkstelligen ist und die spezifische
Wärme von Wasser größer ist als die der übrigen Ausgangsstoffe. Auch ein An-
wärmen der Gesteinskörnung ist technisch machbar.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 49


C. 7. 2. 2 Betonieren bei kühler Witterung und bei Frost

Bei kühler Witterung und bei Frost ist der Frischbeton gemäß DIN 1045-3 mit den
in Tafel C.22 aufgeführten Mindesttemperaturen einzubringen und eine gewisse
Zeit gegen Wärmeverluste, Durchfrieren und Austrocknen zu schützen.

Tafel C.22: Mindesttemperaturen für Frischbeton bei kühler Witterung

Lufttemperatur [°C] Mindest-Frischbetontemperatur [°C]


Allgemein +5
+ 5 bis - 3 Einsatz von LH-Zementen + 10
Zementgehalt < 240 kg/m 3 1)
+ 10
<-3 Allgemein + 10 2)
Für Stahlbeton nicht zulässig
1)

Betontemperatur anschließend wenigstens drei Tage auf + 10 °C halten. Die Mindesttem-


2)

peraturen der Tafel C.22 müssen beim Einbringen in die Schalung vorliegen; je nach Trans-
port- und Förderweg ist der Frischbeton in der Mischanlage mit entsprechend höheren
Temperaturen herzustellen. Die in DIN 1045-3 genannte „allgemeine Obergrenze” für die
Frischbeton-Temperatur von + 30 °C darf beim „Betonmischen mit Dampfzufuhr” über-
schritten werden.

Bei Frosteinwirkung auf jungen Beton kommt nicht nur die Festigkeitsentwick-
lung praktisch zum Stillstand, sondern durch das Gefrieren des Wassers kann
auch das Betongefüge geschädigt werden. Sobald der Beton eine Druckfestigkeit
von mindestens 5 N/mm2 besitzt, übersteht er i.d.R. einmaliges Durchfrieren oh-
ne Schädigung.

Eine derartige Gefrierbeständigkeit kann bei Vorliegen folgender Randbedin-


gungen angenommen werden:

– Zementgehalt  270 kg/m3


– w/z-Wert  0,60
– Beton vor starkem Feuchtezutritt (z.B. Niederschläge) geschützt
– Verwendung von rasch erhärtenden Zementen (Festigkeitsklassen 32,5 R,
42,5 R und 52,5 R)
– Betontemperatur seit Einbringung mindestens 3 Tage lang  + 10 °C.

Richtwerte für andere Randbedingungen ergeben sich aus Tafel C.23.

C 50 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.23: Erforderliche Beton-Erhärtungszeit bis zum Erreichen der Gefrier­
beständigkeit (Beton mit w/z-Wert = 0,60)

Zementfestig- Vorerhärtungszeitkeitsklasse [Tage]


keitsklasse
Betontemperatur
+ 5 °C + 12 °C + 20 °C
52,5 R/42,5 R 0,75 0,5 0,5
42,5 N/32,5 R 2 1,5 1
32,5 N 5 3,5 2

Beton, der gefrierbeständig ist, erhärtet nach dem ersten Durchfrieren und Auf-
tauen normal weiter, sofern erforderliche Nachbehandlungen vorgenommen wer-
den. Mehrmalige Frost-Tau-Wechsel übersteht ein derart gefrierbeständiger Be-
ton meist nicht schadlos.

Luftporenbildner als Betonzusatzmittel erhöhen zwar den Widerstand des Fest-


betons gegen Frost- und Tausalzangriff, nicht aber die Gefrierbeständigkeit des
jungen Betons.

Betonverflüssiger setzen durch die Verminderung der Wasserzugabe bei gleich-


bleibender Verarbeitbarkeit den w/z-Wert herab, wodurch sich eine schnellere
Erhärtung bis zur Gefrierbeständigkeit ergibt. Eine solche schnellere Erhärtung
kann auch durch Zugabe eines Beschleunigers als Betonzusatzmittel bewirkt
werden.

Zemente mit schneller Festigkeits- und hoher Wärmeentwicklung sind für die
Herstellung von Betonbauwerken bei kühler Witterung besonders geeignet.

Grundsätzliche Anforderungen für das Betonieren bei kühler Witterung


und bei Frost

– Schalung und Bewehrung müssen frei von Schnee und Eis sein.
– Auf gefrorenem Baugrund darf nicht betoniert werden.
– An gefrorene Bauteile darf nicht anbetoniert werden.
– Durch Frost geschädigter Beton ist vor dem Weiterbetonieren zu entfernen
– Gefrorene Gesteinskörnung darf nicht verwendet werden.
– Wärmeverluste des eingebrachten Betons sind möglichst gering zu halten
(Abdecken der luftberührten Betonflächen mit wärmedämmenden Materialien,
Umschließen der Betonierstelle, Zuführen von Wärme). Das zum Erhärten not-
wendige Wasser darf dem Beton durch derartige Maßnahmen nicht entzogen
werden.
– Verlängerung der Ausschalfristen siehe Kapitel C. 7. 5
– Besondere Nachbehandlung siehe Kapitel C. 7. 4

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 51


In Abhängigkeit von der Dimension des zu betonieren­den Baukörpers werden bei
niedrigen Lufttemperaturen bzw. bei Frost die Frischbetontemperaturen gemäß
Tafel C.24 empfohlen.

Tafel C.24: Empfohlene Mindest-Frischbetontemperaturen in Abhängigkeit von


Lufttemperatur und Bauteil-Abmessung

Dimensionen des Baukörpers


(kleinste Abmessung)
< 300 mm 300 … 900 mm > 900 … 1 800 mm
Mindest-Temperatur des 13 10 7
Betons in der Schalung [°C]
Mindesttemperatur des Betons am Mischer [°C]
>0 16 13 10
Luft­
temperatur 0 … -18 18 16 13
[°C]
< -18 21 18 16

C 52 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 2. 3 Betonieren bei heißer Witterung

Die Frischbetontemperatur soll i.d.R. +30 °C nicht überschreiten, da sonst der


Erstarrungsvorgang beschleunigt wird und Einbußen bei der Betonfestigkeit
entstehen können. Eine Überschreitung dieser Grenztemperatur darf nur er-
folgen, wenn durch geeignete Maßnahmen sichergestellt ist, dass keine nachtei-
ligen Folgen für die Betonqualität zu erwarten sind.

Beim Einsatz von Betonzusatzmitteln – insbesondere bei Erstarrungsverzöger­-


ern – müssen zu erwartende „höhere” Betoniertemperaturen bei den erforder­
lichen Eignungsprüfungen Berücksichtigung finden.

Bei Transportbeton sind bei heißer Witterung die Misch- und Übergabezeiten
möglichst gering zu halten; ggf. können die Fahrzeuge durch Berieselungsan­
lagen o.Ä. gekühlt werden.

Der Einsatz von Zementen der Festigkeitsklasse 32,5 – vorzugsweise Portland-


hütten- und Hochofenzemente – sind besonders zu empfehlen. Bei sehr heißer
Witterung kann auch die Kühlung von Zugabewasser oder Gesteinskörnung er-
forderlich werden. Bzgl. besonderer Nachbehandlungsmaßnahmen für das Beto-
nieren bei heißer Witterung siehe Kapitel C. 7. 4. 4.

C. 7. 3 Betondeckung der Bewehrung

Um ausreichenden Verbund zwischen Bewehrung und Beton zu gewährleisten


und den Bewehrungsstahl dauerhaft gegen Korrosion zu schützen, ist eine dichte
und ausreichend dicke Betondeckung erforderlich.

Die Sicherstellung dieser Anforderungen soll durch die Anwendung der Fest­
legungen in DIN EN 1992-1-1 und DIN EN 1992-1-1/NA gewährleistet werden.

Für besondere Beanspruchungen (z.B. bei Bauwerken im „Technischen Umwelt-


schutz” oder bei hohem Gefährdungspotential) sowie aus Brandschutzgründen
DIN EN 1992-1-2 (Feuerwiderstand) können größere Betondeckungen oder wei-
tergehende Schutzmaßnahmen erforderlich werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 53


C. 7. 3. 1 Begriffe

Tafel C.25: Begriffe und Formelzeichen nach DIN EN 1992-1 und


DIN EN 1992-1-1/NA (Eurocode 2)

Begriffe Definitionen und Erläuterungen

Beton- Abstand zwischen Betonoberfläche und Oberfläche des Bewehrungs-


deckung stabs

cnom Nennmaß der Betondeckung; maßgebend für die Bemessung in der


statischen Berechnung; cnom = cmin + cdev

cmin Mindestmaß der Betondeckung; Kontrollmaß am erhärteten Bauteil


cmin = {cmin,b; cmin,dur – ccdur, – cdur,st – cdur,add; 10 mm} stets einzuhalten
ist die Forderung cmin  cmin,b

cdev Vorhaltemaß der Betondeckung zur Berücksichtigung unplanmäßiger


Abweichungen zur Gewährleistung von cmin im erhärtetem Beton;
Angabe in der Bewehrungszeichnung erforderlich

cv Verlegemaß der Bewehrung (siehe Bild C.6); Angabe auf der Beweh­
rungszeichnung erforderlich; maßgebend für die statische Bauteilbe-
messung (Nutzhöhe d)

cmin,b Mindestbetondecklung für den erforderlichen Verbund (engl. bond)

cmin,dur Mindestbetondeckung für die Dauerhaftigkeit (engl. durability)

ccdur, Additives Sicherheitselement in Deutschland (bei XD1, XS1 = 10 mm,


bei XD2 und XS2 = 5 mm

cdur,st Mögliche Betondeckungsreduzierung bei Verwendung nicht rostender


Bewehrung

cdur,add Mögliche Betondeckungsreduzierung bei Anwendung zusätzlicher


Schutzmaßnahmen

s Stabdurchmesser der Bewehrung (engl. stainless rebars)

n Vergleichsdurchmesser der Bewehrung eines Stabbündels

p Nenndurchmesser der Litze bei Spanngliedern

duct Hüllrohrdurchmesser

C 54 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.26: Mindestbetondeckung cmin,b – Anforderungen zur Sicherstellung des
Verbunds

Art der Bewehrung Mindestbetondeckung, cmin,b 1)

Betonstabstahl Stabdurchmesser (s)

Stabbündel Vergleichsdurchmesser (n)

Spannglieder mit sofortigem Verbund 2,5 p

Spannglieder mit nachträglichem Verbund Hüllrohrdurchmesser duct  80 mm

nach Festlegungen der Europäischen


Spannglieder ohne Verbund
Technischen Bewertung (ETB)
1)
Die Mindestbetondeckung, cmin,b ist in der Regel um 5 mm zu erhöhen, wenn das Größtkorn
der Gesteinskörnung größer als 32 mm ist und gegen eine unebene Oberfläche betoniert
wird.

Tafel C. 27: Mindestbetondeckung cmin, dur – Anforderungen zur Sicherstellung der


Dauerhaftigkeit und additiver Sicherheitsfaktor bei Betonstahl (DIN 488)

Dauerhaftigkeitsanforderung für cmin, dur


[mm]

Expositionsklasse nach Tabelle 4. 1 DIN EN 1992-1-1/NA


Anforderungs-
klasse XC2 XD1 XD2 XD3
(X0) XC1 XC4
XC3 XS1 XS2 XS3

S3 1) (10) 10 20 25 30 35 40

ccdur,  0 + 10 +5 0
1)
Für Deutschland wird im nationalen Anhang die Anforderungsklasse (structural class) S3
angesetzt. S3 entspricht einer Nutzungsdauer von ca. 50 Jahren.

Tafel C. 28: Mindestbetondeckung cmin, dur – Anforderungen zur Sicherstellung der


Dauerhaftigkeit und additiver Sicherheitsfaktor bei Spannstahl

Dauerhaftigkeitsanforderung für cmin, dur


[mm]

Expositionsklasse nach Tabelle 4. 1 DIN EN 1992-1-1/NA


Anforderungs-
klasse XC2 XD1 XD2 XD3
(X0) XC1 XC4
XC3 XS1 XS2 XS3

S3 1) (10) 20 30 35 40 45 50

ccdur,  0 + 10 +5 0
1)
Für Deutschland wird im nationalen Anhang die Anforderungsklasse (structural class) S3
angesetzt. S3 entspricht einer Nutzungsdauer von ca. 50 Jahren.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 55


C. 7. 3. 2 Verlegemaß cv

asd

Abstandhalter I (Längsstab)

w (Bügel)

ai
Verlegemaß cv cnom,w cnom, I

Verlegemaß cv: cnom,w


DIN EN 1992-1-1
Verlegemaß cv cnom, I - w
ai - i /2 - w
DIN EN 1992-1-2
asd - i /2 - w für dem Brandschutz

Bild C.6: Verlegemaß cv 1)

Das Verlegemaß cv ergibt sich als größtes Maß aus den Nennmaßen der Beton­
deckung für die Längsstäbe (I, engl.: longitudinal rebar) und Querbewehrung, wie
Bügel (w, engl.: wire stirrup) bzw. aus den erforderlichen Betondeckungen für
den Brandschutz.

Pickhardt, R.; Bose, T.; Schäfer, W.: Beton – Herstellung nach Norm. 20. Aufl.,
1)

Verlag Bau+Technik, Düsseldorf 2014

C 56 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 3. 3 Betondeckung der Bewehrung in Abhängigkeit von den
Expositionsklassen

Tafel C.29: Betondeckung der Bewehrung für die indikative Mindestfestigkeits-


klasse 2) des Betons 1)

Expositions- Festigkeits- Stabdurch- Mindest- Vorhalte- Nennmaß


klasse klasse messer 3) maß maß cnom
fck  bzw. n cmin cdev
[mm] [mm] [mm] [mm]

bis 10 cmin,dur = 10 10 20
12…14 cmin,b = 12…14 10 25
16…20 cmin,b = 16…20 10 30
XC1  C16/20
25 cmin,b = 25 10 35
28 cmin,b = 28 10 40
32 cmin,b = 32 10 45

bis 20 cmin,dur = 20 15 35
XC2  C16/20 25 cmin,b = 25 10 4) 35
XC3  C20/25 28 cmin,b = 28 10 4) 40
32 cmin,b = 32 10 4) 45

bis 25 cmin,dur = 25 15 40
XC4  C25/30 28 cmin,b = 28 10 4) 40
32 cmin,b = 32 10 4) 45

XD1, XS1  C30/37 6)


cmin, dur +
XD2, XS2  C35/45 6) bis 32 15 55
ccdur,  = 40
XD3 5), XS3  C35/45 6)
2)
Bei mehreren zutreffenden Expositionsklassen für ein Bauteil ist jeweils die Expositions-
klasse mit den höchsten Anforderung maßgebend (indikative Mindestfestigkeitsklasse)
3)
Bei Stabbündeln ist anstelle von , der Vergleichsdurchmesser n maßgebend.
4)
Da Verbundsicherung maßgeblich, hier nur mit cdev  10 mm nach DIN EN 1992-1-1, 4.4.1.2
5)
Für XD3 sind gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen zum Korrosionsschutz der Be-
wehrung notwendig.
6)
Bei Luftporenbeton, z.B. wegen gleichzeitiger Expositionsklasse XF, eine Festigkeitsklasse
niedriger

Pickhardt, R.; Bose, T.; Schäfer, W.: Beton – Herstellung nach Norm. 20. Aufl.,
1)

Verlag Bau+Technik, Düsseldorf 2014

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 57


C. 7. 3. 4 Vergrößerung oder Verminderung der Betondeckung

Vergrößerung der Betondeckung erforderlich bei

– Bauteilen aus Leichtbeton


Zusätzlich gilt, dass cmin mindestens 5 mm größer sein muss, als der Durchmes-
ser der größten porigen leichten Gesteinskörnung, außer bei Expositionsklasse
XC1.

– Verschleißbeanspruchungen
Alternativ zu zusätzlichen Anforderungen an die Gesteinskörnungen besteht
die Möglichkeit, die Mindestbetondeckung der Bewehrung cmin zu vergrößern
(Opferbeton).

Richtwerte für Opferbeton: bei XM1: cOpfer = + 5 mm


bei XM2: cOpfer = + 10 mm
bei XM3: cOpfer = + 15 mm

Betonieren gegen unebene Flächen, Vorhaltemaß erhöhen:

– generell um das Differenzmaß der Unebenheit (z.B. bei architektonischer


Gestaltung wie bei strukturierten Oberflächen, grobem Waschbeton)
– Mindesterhöhung um cuneben  + 20 mm
– bei Herstellung unmittelbar auf dem Baugrund um cuneben  + 50 mm

Verminderung der Betondeckung zulässig bei

– Bauteilen mit hoher Betondruckfestigkeit fck


Wenn fck um zwei Festigkeitsklassen höher liegt als erforderlich, um 5 mm
Ausnahme: Abminderung für XC1 unzulässig

– Bauteilen mit kraftschlüssiger Verbindung Fertigteil/Ortbeton


cmin  5 mm im Fertigteil; cmin  10 mm im Ortbeton
Bei Nutzung der Bewehrung im Bauzustand gelten jedoch die Tafelwerte für
cmin;b.

– Entsprechender Qualitätskontrolle
Bei Planung, Entwurf, Herstellung und Bauausführung (entsprechend
DBV-Merkblatt „Betondeckung und Bewehrung”) sind Abminderungen
zulässig, i.d.R. um 5 mm.

C 58 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 4 Nachbehandlung und Schutz von Beton

C. 7 . 4. 1 Allgemeines

Der junge Beton ist bis zum genügenden Erhärten der oberflächennahen Be-
reiche gegen schädigende Einflüsse wie

– starkes Abkühlen und Erwärmen,


– plötzliche Temperaturänderungen,
– starken Regen,
– mechanische Beanspruchungen,
– chemische Angriffe

und insbesondere gegen vorzeitiges Austrocknen zu schützen.

Nur durch gewissenhafte Nachbehandlung kann erreicht werden, dass

– das Frühschwinden gering bleibt,


– eine ausreichende Festigkeit der Betonoberfläche erreicht wird,
– eine ausreichende Dauerhaftigkeit der Betonrandzone gesichert ist,
– der Beton nicht gefriert,
– schädliche Erschütterungen, Stoß oder Beschädigungen vermieden werden.

Die Nachbehandlung sollte nach Abschluss des Verdichtens und so zeitig wie
möglich durchgeführt werden. Ihre Anwendung sollte möglichst als eine eigene
Position im Leistungsverzeichnis beschrieben sein.

C. 7. 4. 2 Nachbehandlungsverfahren

Gebräuchliche Verfahren für das Feuchthalten des Betons sind (auch in Kombi-
nation):

– Belassen in der Schalung
– Abdecken mit Folien, die an Kanten und Stößen gesichert sind
– Auflegen von Wasser speichernden Abdeckungen unter ständigem Feucht­
halten
– Aufrechterhalten eines sichtbaren Wasserfilms auf der Betonoberfläche
(Besprühen, Fluten)
– Aufsprühen von Nachbehandlungsmitteln mit nachgewiesener Eignung
(unzulässig in Arbeitsfugen und bei später zu beschichtenden Oberflächen;
Ausnahme Eignungsnachweis oder Betonabtrag)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 59


C. 7. 4. 3 Nachbehandlungsdauer

Die Nachbehandlungsdauer hängt von der Entwicklung der Betoneigenschaften


in der Randzone ab.

Die Dauer der Nachbehandlung richtet sich – ohne genaueren Nachweis der Fes­
tigkeit – nach der Expositionsklasse, der Oberflächentemperatur und der Festig­-
keitsentwicklung des Betons.

Tafel C.30: Mindestdauer der Nachbehandlung

Expositionsklasse Erforderliche Festigkeit im Ohne genaueren Nachweis


oberflächennahen Bereich der Festigkeit
X0, XC1 – 0,5 Tage 1)

alle außer X0, XC1, XM 50 % von fck Mindestdauer gemäß


Tafel C.31
XM 70 % von fck Mindestdauer gemäß
Tafel C.31 verdoppeln
Verarbeitbarkeitszeit < 5 h, Temperatur der Betonoberfläche  5 °C
1)

Tafel C.31: Mindestdauer der Nachbehandlung in Tagen 1) ohne genaueren Nach-


weis der Festigkeit im oberflächennahen Bereich (alle Expositionsklassen 2) außer
X0 und XC1)

Oberflächen- Festigkeitsentwicklung des Betons 4)


temperatur J 3) r = fcm,2 /fcm,285)
schnell mittel langsam sehr langsam
[°C] r  0,50 r  0,30 r  0,15 r < 0,15

 25 1 2 2 3

25 > J  15 1 2 4 5

15 > J  10 2 4 7 10

10 > J  5 6)
3 6 10 15

Fußnoten siehe Tafel C.32

C 60 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.32: Mindestdauer der Nachbehandlung in Tagen 1) von Beton der Exposi­
tionsklassen XC2, XC3, XC4 und XF1 nach DIN 1045-2 in Abhängigkeit von der
Frischbetontemperatur

Frischbetontemperatur Jfb zum Festigkeitsentwicklung des Betons 4)


Zeitpunkt des Betoneinbaus r = fcm,2 /fcm,285)
schnell mittel langsam
[°C] r  0,50 r  0,30 r  0,15

Jfb  15 1 2 4

10  Jfb < 15 2 4 7

5  Jfb < 10 4 8 14

NB-Zeit bei Verarbeitbarkeitszeit > 5 h angemessen verlängern


1)

2)
Für Expositionsklasse XM Werte verdoppeln
3)
Anstelle Oberflächentemperatur des Betons darf Lufttemperatur angesetzt werden
4)
Aus Mittelwerten der Druckfestigkeit nach 2 und 28 Tagen, ermittelt nach DIN EN 12390-3,
entweder bei der Eignungsprüfung oder aus bekanntem Verhältnis von Betonen vergleich-
barer Zusammensetzung (gleicher Zement, gleicher Wasserzementwert). Wird bei beson-
deren Anwendungen die Druckfestigkeit zu einem späteren Zeitpunkt als nach 28 Tagen
bestimmt, ist für die Ermittlung der Nachbehandlungsdauer
– der Schätzwert des Festigkeitsverhältnisses der mittleren Druckfestigkeit nach zwei Ta-
gen (fcm,2) zur mittleren Druckfestigkeit zum Zeitpunkt der Bestimmung der Druckfestig-
keit zu ermitteln
oder
– eine Festigkeitsentwicklungskurve bei 20 °C zwischen zwei Tagen und dem Zeitpunkt
der Bestimmung der Druckfestigkeit anzugeben.
5)
Zwischenwerte dürfen ermittelt werden.
6)
NB-Zeit bei Temperaturen < 5 °C um die Zeit der Temperaturen < 5 °C verlängern

C. 7. 4. 4 Schutz gegen extreme Temperaturen

Da die Betonfestigkeitsentwicklung bei Temperaturen < +5 °C nur noch sehr


langsam abläuft, werden i. Allg. Nachbehandlungsmaßnahmen in Form von wär-
medämmenden Abdeckungen sowie auch besondere Wärmezufuhr erforderlich.

Hohe Außentemperaturen > 25 °C oder ausgeprägte Sonneneinstrahlung be-


wirken eine schnelle Austrocknung der Betonoberflächen, insbesondere wenn
gleichzeitig Wind einwirken kann. Hier sind die Nachbehandlungsmaßnahmen mit
denjenigen zum „Schutz gegen vorzeitige Austrocknung” (s. Kapitel C. 7. 4. 2)
sinnvoll abzustimmen.

Plötzliche Temperaturänderungen (z.B. Abkühlung durch Schlagregen) können


zu erheblichen Temperaturdifferenzen zwischen Betonoberfläche und Betonkern
(durch Hydratationsvorgang erwärmt) führen und dadurch Spannungen verur-
sachen, die beim noch jungen Beton zu Rissen führen können. Durch geeignete
Nachbehandlung (Witterungsschutz) ist der Temperaturunterschied zwischen
Bauteil-Oberfläche und -Kern i.d. R. auf < 15 K zu begrenzen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 61


Geeignete Kombinationen von Nachbehandlungsmaßnahmen für verschiedene
Außentemperaturen sind in Tafel C.33 aufgeführt.

Tafel C.33: Geeignete Nachbehandlungsmaßnahmen für Beton in Abhängigkeit


von den herrschenden Außentemperaturen

Außentemperatur [°C]
Art Maßnahmen -3 5 10
unter bis bis bis über
-3 +5 10 25 25
Abdecken bzw. Nachbehandlungsfilm
aufsprühen und benetzen;
x
Folie/Nachbehandlungsfilm/

Holzschalung nässen;
Stahlschalung vor Sonnenstrahlung schützen
ggf. zusätzlich Wasser

Abdecken bzw. Nachbehandlungsfilm


x x
aufsprühen
Abdecken bzw. Nachbehandlungsfilm
aufsprühen und Wärmedämmung:
x 1)
Verwendung wärmedämmender Schalung –
z.B. Holz – sinnvoll
Abdecken und Wärmedämmung:
Umschließen des Arbeitsplatzes (Zelt) oder
Beheizung (z.B. Heizstrahler); zusätzlich x 1)
Betontemperaturen wenigstens 3 Tage lang
auf +10 °C halten
Wasser Durch Benetzen ohne Unterbrechnung
x
feuchthalten
Nachbehandlungsdauer um Anzahl der Frosttage verlängern; Betonoberfläche mindestens
1)

7 Tage vor Niederschlägen schützen

C. 7. 4. 5 Schutz gegen sonstige schädigende Einflüsse

Mechanische Beanspruchungen (z.B. starke Erschütterungen und heftige Schwin-


gungen) während des Erstarrens und in der ersten Erhärtungsphase des jungen
Betons können das Betongefüge oder den Verbund zwischen Beton und Be-
wehrung negativ beeinflussen. Hier ist eine „Nachbehandlung” in der Form erfor-
derlich, dass derartige Beanspruchungen durch entsprechende Planung des
Arbeitsablaufs bis etwa 36 Stunden nach dem Einbringen des Betons vermieden
werden.

Das Auftreffen von Regentropfen oder der Kontakt mit fließendem Wasser ist für
die junge Betonoberfläche durch geeignete Nachbehandlungsverfahren zu ver-
meiden.

Soweit erforderlich, sind Nachbehandlungsmaßnahmen zum Schutz des jungen


Betons gegen chemischen Angriff durch Stoffe aus dem Grundwasser, dem
Boden oder der Luft zu ergreifen.

C 62 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 5 Ausschalfristen

Grundsätzlich darf ein Betonbauteil dann ausgeschalt werden, wenn der Beton
ausreichend erhärtet ist, d.h., wenn alle zum Zeitpunkt des Ausschalens angrei-
fenden Lasten mit Sicherheit aufgenommen werden können. Tafel C.34 gibt An-
haltswerte für die Ausschalfristen; vor Anordnung der Ausschalung hat sich die
jeweilige Bauleitung von der ausreichenden Betonfestigkeit auf geeignete Weise
zu überzeugen.

Tafel C.34: Anhaltswerte für Ausschalfristen bei Betonerhärtungstemperaturen


 +5 °C

Zementfestig- Ausschalfristen bezogen auf


keitsklasse die Beton-Einbringung [Tage]
Seitliche Schalung der Rüstung von
Balkenschalung, Deckenplatten 1) Balken, Rahmen und
Schalung von weitgespannten
Wänden und Stützen Platten 1)
32,5 N 3 8 20
32,5 R, 42,5 N 2 5 10
42,5 R, 52,5 R 1 3 6
Nach dem Ausschalen sollten Hilfsstützen angeordnet werden
1)

– Die Ausschalfristen sind zu verlängern, wenn die Betontemperatur in der


Erhärtungszeit überwiegend bei < +5 °C lag.
– Bei Frost sind die Ausschalfristen für ungeschützen Beton mindestens um die
Dauer der Frosttage zu verlängern.

Ausrüsten und Ausschalen


Gerüste und Schalungen dürfen erst entfernt werden, wenn der Beton eine aus-
reichende Festigkeit hat, um

– die auf das Betonbauteil aufgebrachten Lasten aufnehmen zu können;
– ungewollte Verformungen aus elastischem und plastischem Verhalten des
Betons gering zu halten;
– eine Beschädigung der Oberflächen und Kanten durch das Ausschalen zu ver-
meiden.

Hierzu kann eine Erhärtungs- oder Reifegradprüfung sinnvoll sein. Bei der Er-
mittlung von Ausschalfristen sind zusätzlich aufgebrachte Lasten, z.B. aus dem
Arbeitsbetrieb, zu berücksichtigen.

Stützen, Pfeiler und Wände sollten vor den von ihnen gestützten Tragteilen aus-
geschalt werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 63


C. 7. 6 Temperaturabhängige Festigkeitsentwicklung des Betons

Die chemischen Vorgänge beim Erstarren und Erhärten des Betons sind in ausge-
prägter Weise temperaturabhängig. Je niedriger die Außentemperatur bzw. Be-
tontemperatur, um so langsamer gestaltet sich die Festigkeitsentwicklung des
jungen Betons. Bei einer Betontemperatur von 0 °C kommen die Erhärtungsvor-
gänge praktisch zum Stillstand. Die temperaturabhängige Verzögerung bzw. Be-
schleunigung der Erhärtung und Festigkeitsentwicklung ist bei Verwendung von
„langsam erhärtendem Zement” ausgeprägter und bei „schnellerhärtenden Ze-
menten” weniger ausgeprägt als bei Verwendung von Zementen mit „mittlerer
Erhärtungsgeschwindigkeit”.

Siehe auch Tafel B.8

Junger Beton, der anfangs bei höheren Temperaturen (> 20 °C) gelagert und
gegen vorzeitige Austrocknung ausreichend geschützt wurde, erreicht nach an-
schließender Lagerung bei 20 °C im höheren Alter geringere Druckfestigkeiten
im Vergleich zu gleichen Betonen, die stets bei 20 °C gelagert wurden. Umge-
kehrt haben niedrige Anfangs-Lagertemperaturen (Beton gegen Frosteinwirkung
und vorzeitiges Austrocknen wiederum ausreichend geschützt) nach einer an-
schließenden Lagerung bei 20 °C etwas höhere Druckfestigkeiten zur Folge.
Diese Druckfestigkeitssteigerung ist um so ausgeprägter, je größer die Anfangs-
verzögerung durch niedrige Temperaturen ist.

Obige Erkenntnisse sind beim Betonieren im Winter bzw. beim Betonieren in


warmer Umgebung von Bedeutung.

C. 7. 7 Festbetontemperatur, Hydratationswärme, Massenbeton

Bei massigen Bauteilen ist durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die
Temperaturdifferenz zwischen der Bauteiloberfläche und dem Bauteilkern nicht
zu groß wird (i.d.R. < 15 K), um „Temperaturrisse” zu vermeiden. Die Oberflächen­
temperatur wird wesentlich durch die Lufttemperatur bestimmt; die Festbeton­
temperatur im Bauteilkern ist abhängig von:

– Zementgehalt
– Hydratationswärmeentwicklung des Zements
– Frischbetontemperatur
– Wasserzementwert
– Bauteildicke
– Abkühlbedingungen

Anmerkung
Siehe auch DAfStb-Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton”

C 64 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 7. 1 Ermittlung der Festbetontemperatur im Bauteilkern

Um die geeigneten Nachbehandlungsmaßnahmen bei der Herstellung von Mas-


senbeton (z.B. wärmedämmende Einhüllung der Bauteiloberflächen, ggf. auch
zusätzliche Wärmezufuhr für die Oberflächen) festzulegen, ist die Festbetontem-
peratur im Bauteilkern zum Zeitpunkt des Temperaturmaximums zu ermitteln.

Zeitpunkt des Temperaturmaximums:

d > 3,50 m → Tmax = d + 1,0 [Tage]


d  3,50 m → Tmax = d + 0,5 [Tage]


d = Dicke des Bauteils [m]


Tmax = Zeit bis zum Erreichen des Temperaturmaximums im Bauteilkern,
gerechnet ab dem Zeitpunkt des Einbringens

Kerntemperatur zum Zeitpunkt des Temperaturmaximums:

tmax = tr + tH

tmax = maximale Kerntemperatur [°C]


t r = Frischbetontemperatur [°C]
tH = Temperaturanstieg im Kern durch Hydratation [K]

Temperaturanstieg im Kern durch Hydratation:

z · Hmax
ΔtH =
QBeton

z = Zementgehalt [kg/m3]
Hmax = Hydratationswärmeentwicklung des Zements [kJ/kg]
QBeton = Wärmekapazität pro m3 Beton [kJ/m3 · K]

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 65


Wärmekapazität pro m3 Beton

QBeton = z · cz + w · cw + g · cg

z, w, g = Zementgehalt, Wassergehalt, Gehalt an Gesteinskörnungen [kg/m3]


cz , cw , cg = Spezifische Wärmekapazität der Ausgangsstoffe [kJ/kg · K]
cw ~ 4,2 kJ/kg . K
cz bzw. cg ~ 0,84 kJ/kg . K

Rechenbeispiel
Gegeben: Bauteildicke d = 2,5 m
Verwendeter Zement: CEM III/A 32,5 N
Frischbetontemperatur: tr = 19 °C
Betonzusammensetzung: z = 300 kg/m3
w = 164 kg/m3
g = 1 850 kg/m3

a) Tmax = d + 0,5 = 2,5 + 0,5 = 3,0 Tage

b) Hmax ~ 240 kJ/kg

c) QBeton = z · cz + w · cw + g · cg
= 300 · 0,84 + 164 · 4,2 + 1 850 · 0,84 = 2 495 kJ/m3 . K
z · HTmax 300 · 240
d) ΔtH = = = 29 °C
QBeton 2 495

e) tmax = tr + ΔtH = 19 + 29 = 48 °C

Um eine Temperaturdifferenz von mehr als 15 K zwischen Bauteilkern und Bauteil­


oberfläche am 3. Tag nach dem Einbringen zu vermeiden, muss die Oberflächen-
temperatur des Betonteils zu diesem Zeitpunkt mindestens 33 °C betragen.

C 66 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 7. 7. 2 Besondere Maßnahmen bei der Herstellung von massigen
Bauteilen aus Beton

Die DAfStb-Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton”, ändert und ergänzt beste-
hende Regeln zu DIN EN 206-1 / DIN 1045-2 und DIN 1045-3, für Bauteile, deren
kleinste Bauteilabmessungen  0,8 m betragen.

Konstruktive, betontechnologische sowie bautechnische Maßnahmen sollen die


Temperaturänderungen infolge von Hydratationswärmeentwicklung und der da-
raus entstehenden Zwang- und Eigenspannungen wirksam begrenzen. Wird die
Betonzugfestigkeit infolge dieser Spannungen überschritten, kann es zur Rissbil-
dung kommen, die eine Beeinträchtigung der Dauerhaftigkeit des Betons zur Fol-
ge haben könnte.

Betontechnologische Maßnahmen zur Begrenzung der Rissgefahr

– Verwendung von Zementen mit niedriger Hydratationswärmeentwicklung (LH,


VLH)
– Verwendung von latent-hydraulischen oder puzzolanischen Zusatzstoffen mit
geringer Hydratationswärme­entwicklung (teilweiser Zementersatz)
– Anstreben des geringstmöglichen Zementgehalts (siehe Tabellen F.2.1 und
F.2.2 der Richtlinie)
– Kornaufbau mit möglichst geringem Zementleimanspruch (großes Größtkorn
der Gesteinskörnung wählen)
– Niedrige Frischbetontemperatur (evtl. Kühlung von Zugabewasser und/oder
Gesteinskörnung).

Grenzwerte nach Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton”

1. Absenken des Mindestzementgehalts in den Expositionsklassen XD2, XD3, XS2,


XS3, XF2, XF3, XF4 und XA2 auf 300 kg/m3
2. Absenken des Mindestzementgehalts bei Anrechnung von Zusatzstoffen in der
Expositionsklasse XA1 auf 240 kg/m3
3. Abminderung der Mindestdruckfestigkeitsklasse in den Expositionsklassen
XD2, XS2, XF2 und XF3 (jeweils ohne künstlich eingeführte Luftporen) sowie in
XD3, XS3 und XA2 auf C30/37
4. Erhöhung des Wasserzementwerts von 0,45 auf 0,50 in den Expositionsklas-
sen XD3 und XS3 (bei Verwendung von CEM II/B-V, CEM III/A oder CEM III/B
mit oder ohne Flugasche als Zusatzstoff oder bei anderen Zementen der Ta-
belle F.3.1 oder F.3.2 nach DIN 1045-2 in Kombination mit Flugasche als Zusatz-
stoff, wobei der Mindestflugaschegehalt 20 M.-% vom Zementgehalt plus Flug­
asche (z + f) betragen muss)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 67


Bautechnische Maßnahmen zur Vermeidung oder Minderung der Rissgefahr

– Verlängerte Ausschalfristen
– Spezielle Nachbehandlungsverfahren (Abführung der Hydratationswärme oder
Warmhaltung der Bauteiloberfläche)
– Betonieren in kleineren Abschnitten bzw. Blöcken
– Anordnen von Raumfugen (Dehnungsfugen) oder Scheinfugen
– Zum Nachweis der Konformität ist je 600 m3 und Produktionstag eine Probe zu
nehmen (stetige Herstellung).
– Erstellung eines Qualitätssicherungsplans im Werk und auf der Baustelle
– Der Nachweis der Druckfestigkeitsklasse ist nach 28 Tagen, 56 Tagen oder
nach 91 Tagen möglich.

C 68 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 8 Qualitätssicherung im Transportbetonwerk und
auf der Baustelle
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

Die Anforderungen zur werksseitigen Qualitätssicherung von Transportbeton


(Konformitätskontrolle) enthalten DIN EN 206-1/DIN 1045-2.

In einer Erstprüfung, die in der Regel durch das Transportbetonwerk durchge-


führt wird, soll ermittelt werden, wie ein neuer Beton zusammengesetzt sein
muss, um die geforderten Frisch- und Festbetoneigenschaften sicherzustellen.

C. 8. 1 Erstprüfung

Mit der Erstprüfung muss eine Betonzusammensetzung festgestellt werden, die


alle festgelegten Anforderungen an den Frisch- und Festbeton erfüllt. Auf eine
Prüfung kann verzichtet werden, wenn durch vorhandene Prüfergebnisse oder
Langzeiterfahrungen eine angemessene Betonzusammensetzung nachgewiesen
wird. Für Erstprüfungen ist bei Beton nach Eigenschaften der Hersteller verant-
wortlich.

Erstprüfungen müssen vor der Verwendung des neuen Betons oder einer neuen
Betonfamilie durchgeführt werden. Sie sind zu wiederholen, wenn eine wesent-
liche Änderung der Ausgangsstoffe vorgenommen wurde oder festgelegte An-
forderungen sich geändert haben.

Anforderungen
Frischbetontemperatur 15 °C bis 22 °C
Mind. 3 Probekörper aus jeweils 3 Chargen
Festigkeit = Mittelwert der Prüfergebnisse

Die Zeit zwischen dem Mischen und der Konsistenzprüfung ist festzuhalten. Un-
terschiede zwischen der Mischerart und dem Mischverfahren während der Erst-
prüfung und dem der laufenden Produktion sind zu berücksichtigen.

Die Druckfestigkeit des Betons mit der festgelegten Zusammensetzung muss die
Werte von fck um ein entsprechendes Vorhaltemaß überschreiten. Das Vorhalte-
maß muss so groß sein, damit die Konformitätskriterien eingehalten werden. Es
sollte ungefähr das Doppelte der erwarteten Standardabweichung sein, d.h. min-
destens 6 N/mm2 bis maximal 12 N/mm2.

Die Konsistenz zum Zeitpunkt des Einbringens muss innerhalb der Grenzen der
Konsistenzklassen liegen. Bezüglich anderer festgelegter Eigenschaften muss der
Beton die festgelegten Werte mit entsprechendem Vorhaltemaß erfüllen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 69


C. 8. 2 Konformitätskontrolle und Konformitätskriterien

Tafel C.35: Mindesthäufigkeit der Probenahme zur Beurteilung der Konformität


(Druckfestigkeit)

Mindesthäufigkeit der Probenahme


Herstellung Erste 50 m3 Nach den ersten
der Produktion 50 m3 der Produktion 1)
1 Probe je 200 m3 oder
2 Proben je Produktionswoche
Leichtbeton:
Erstherstellung
1 Probe je 100 m3 oder
(Anzahl der 3 Proben
1 Probe je Produktionstag
Prüfergebnisse  35)
Hochfester Beton:
1 Probe je 100 m3 oder
1 Probe je Produktionstag
1 Probe je 400 m3 oder
1 Probe je Produktionswoche
Leichtbeton:
Stetige Herstellung
1 Probe je 200 m3 oder
(Anzahl der -
1 Probe je Produktionstag
Prüfergebnisse > 35)2)
Hochfester Beton:
1 Probe je 200 m3 oder
1 Probe je Produktionstag
Die Probenahme muss über die Herstellung verteilt sein und für je 25 m3 sollte höchstens
1)

eine Probe genommen werden.


2)
Wenn die Standardabweichung der letzten 15 Prüfergebnisse größer als 1,37  wird, muss
die Probehäufigkeit der nächsten 35 Prüfergebnisse wieder der Erstprüfung entsprechen.

Die Konformität ist nachgewiesen, wenn die beiden, in Tafel C.36 angegebenen
Kriterien für die Erstherstellung oder stetige Herstellung erfüllt ist.

Tafel C.36: Konformitätskriterien für die Druckfestigkeit

Herstellung Anzahl „n” der Kriterium 1 Kriterium 2


Prüfergebnisse
für die Druckfestig- Mittelwert von Jedes einzelne
keit in der Reihe „n” Ergebnissen Prüfergebnis
fcm fci
[N/mm2] [N/mm2]
Erstherstellung 3  fck + 4  fck – 4
stetige  15  fck + 1,48 ,  fck – 4
Herstellung 3

C 70 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Für hochfesten Beton gilt abweichend von Tafel C.36:

Für die Erstherstellung:

Kriterium 1: fcm  fck + 5


Kriterium 2: fci  fck – 5

Für die stetige Herstellung:

Kriterium 1: fcm  fck + 1,48 ,   5 N/mm2


Kriterium 2: fci  0,9 fck

Soll die Konformität auf der Grundlage einer Betonfamilie nachgewiesen


werden, ist Kriterium 1 auf den Referenzbeton unter Berücksichtigung aller
umgerechneten Prüfergebnisse der Familie anzuwenden. Das Kriterium 2 ist auf
die ursprünglichen Prüfergebnisse anzuwenden.

Um bestätigen zu können, dass jeder einzelne Beton zur Familie gehört, ist der
Mittelwert aller nicht umgerechneten Prüfergebnisse (fcm) für einen einzelnen
Beton nach Kriterium 3 (siehe Tafel C.37) nachzuweisen.

Erfüllt ein Beton das Kriterium 3 nicht, so ist er aus der Familie auszu­schlie­ßen
und die Konformität gesondert nachzuweisen.

Tafel C.37: Bestätigungskriterien für Beton aus einer Betonfamilie

Kriterium 3
Anzahl n
der Prüfergebnisse für die
Mittelwert von n Ergebnissen (fcm)
Druckfestigkeit
für einen einzelnen Beton der Betonfamilie
eines einzelnen Betons
[N/mm2]

2  fck – 1,0

3  fck + 1,0

4  fck + 2,0

5  fck + 2,5

6 bis 14  fck + 3,0

 15  fck + 1,48 s

Es ist die Standardabweichung s (Schätzwert) aus mindestens 35 aufeinander


folgenden Prüfergebnissen zu ermitteln (Zeitraum der Probenahme länger
als drei Monate und unmittelbar vor der Produktion, deren Konformität nach­
gewiesen werden soll).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 71


Die Gültigkeit dieser Standardabweichung, die für den danach folgenden
Zeitraum angewandt werden darf, wird unter folgender Voraussetzung
(Verfahren 1) bestätigt:

0,63 s  s15  1,37 s

Dabei darf die Standardabweichung der letzten 15 Ergebnisse (s15) nicht signifi­
kant von der angenommenen Standardabweichung s abweichen.

Sollte s15 außerhalb dieser Grenzen liegen, muss ein neuer „Schätzwert” s aus den
letzten 35 verfügbaren Prüfergebnissen ermittelt werden.

C. 8. 3 Überwachungsprüfungen durch das Bauunternehmen

Tafel C.38: Überwachungsprüfung der Baustelle (DIN 1045-3)

Zeitpunkt Während der Bauausführung


Aufgabe Beurteilung der Identität des gelieferten Betons mit der
Grundgesamtheit, für die eine Übereinstimmungsbescheinigung
erstellt wurde
Anforderungen Erhärteter Beton muss die Annahmekriterien für die Druck-
festigkeitsprüfung erfüllen (Tafel C.42)

Zur Überprüfung der maßgebenden Frisch- und Festbeton­eigenschaften wird der


Beton in drei Überwachungsklassen eingeteilt. Bei mehreren zutreffenden Über-
wachungsklassen ist die höchste maßgebend (siehe DIN 1045-3).

C 72 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.39: Überwachungsklassen für Beton

Gegenstand Überwachungsklasse
1 21) 31)
Festigkeitsklasse für  C25/30 2)
 C30/37 und  C50/60  C55/67
Normal- und Schwer-
beton
Festigkeitsklasse
für Leichtbeton der
Rohdichteklassen
D1,0 … D1,4 nicht  LC25/28  LC30/33
anwendb.
D1,6 … D2,0  LC25/28 LC30/33, LC35/38  LC40/44
Expositionsklasse X0, XC, XF1 XS, XD, XA, XM 4), –
nach DIN 1045-2 XF2, XF3, XF4
Besondere – Beton mit hohem Wasser­ –
Betoneigenschaften3) eindringwiderstand, Un-
terwasserbeton, Beton für
Gebrauchstemperaturen
 250 °C, Strahlenschutz-
beton (ausgenommen
KKW)
1)
Das Bauunternehmen muss über eine ständige Betonprüfstelle verfügen.
Fremdüberwachung durch anerkannte Überwachungsstelle erforderlich.
2)
Spannbeton C25/30 ist stets in Überwachungsklasse 2 einzuordnen.
3)
Für besondere Anwendungsfälle (z.B. Verzögerter Beton, FD-/FDE-Beton)
sind die Richtlinien des DAfStb zu beachten.
4)
Gilt nicht für übliche Industrieböden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 73


Tafel C.40: Häufigkeit der Prüfungen an Beton nach Eigenschaften nach
DIN 1045-3

Prüfgegenstand Mindestprüfhäufigkeit für Überwachungsklasse


1 2 3
Lieferschein jedes Lieferfahrzeug
Konsistenzmessung1) in Zweifelsfällen beim ersten Einbringen jeder Betonzu­
sammensetzung; bei Herstellung von
Probekörpern für die Festigkeitsprüfung
Frischbetonrohdichte bei Herstellung von Probekörpern für die Festigkeitsprüfung;
von Leicht- und in Zweifelsfällen
Schwerbeton
Gleichmäßigkeit des Stichprobe jedes Lieferfahrzeug
Betons (Augenschein-
prüfung)
Druckfestigkeit an in in Zweifelsfällen 3 Proben je 3 Proben je
Formen hergestellten 300 m3 oder je 50 m3 oder je
Probekörpern2) 3 Betoniertage3) 1 Betoniertag3)
Luftgehalt von nicht zutreffend zu Beginn jedes Betonierabschnitts;
Luftporenbeton in Zweifelsfällen
Zusätzlich Augenscheinprüfung der Konsistenz als Stichprobe für die Überwachungs-
1)

klasse 1 bzw. an jedem Lieferfahrzeug für Überwachungsklassen 2 und 3.


2)
Prüfung muss für jeden verwendeten Beton erfolgen. Betone mit gleichen Ausgangsstoffen
und gleichem Wasserzementwert aber anderem Größtkorn gelten als ein Beton.
3)
Maßgebend, welche Forderung die größte Anzahl Proben ergibt.

C 74 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.41: Häufigkeit der Prüfungen an Beton nach Zusammensetzung nach
DIN 1045-3

Prüfgegenstand Mindestprüfhäufigkeit für Überwachungsklasse


1 2 3
Lieferschein jedes Lieferfahrzeug
Konsistenzmessung 1) beim ersten Einbringen jeder Betonzusammensetzung;
bei Herstellung von Probekörpern für die Festigkeitsprüfung;
bei Prüfung des Luftgehalts;
in Zweifelsfällen
Druckfestigkeit an in nach DIN EN 206-1, 8. 2. 1. 2 und Tabelle 13;
Formen hergestellten in Zweifelsfällen
Probekörpern
Luftgehalt von nicht zu Beginn jedes Betonierabschnitts;
Luftporenbeton zutreffend in Zweifelsfällen

Frischbetonrohdichte bei Herstellung von Probekörpern für die Festigkeitsprüfung


von Leicht- und
Schwerbeton
Rohdichte von erhär- an jedem Probekörper für die Festigkeitsprüfung;
tetem Leicht- oder in Zweifelsfällen
Schwerbeton
Zusätzlich Augenscheinprüfung der Konsistenz als Stichprobe für die Überwachungsklasse 1
1)

und an jeder Mischung bzw. an jedem Lieferfahrzeug für Überwachungsklassen 2 und 3

Andere Betoneigenschaften
Sind bei Beton nach Eigenschaften oder Beton nach Zusammensetzung andere
oder besondere Eigenschaften nachzuweisen, erfolgt der Umfang der Überwa-
chungsprüfung in Übereinstimmung mit entsprechenden Normen oder Richtlinien
bzw. ist er im Einzelfall festzulegen.

Probenahme
Die Betonproben für die Druckfestigkeitsprüfung von Beton nach Eigenschaften
müssen etwa gleichmäßig über die Betonierzeit verteilt und aus verschiedenen
Lieferfahrzeugen entnommen werden, wobei aus jeder Probe ein Probekörper
herzustellen ist.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 75


Tafel C.42: Annahmekriterien für die Ergebnisse der Druckfestigkeitsprüfung 1) der
Baustelle (Beton nach Eigenschaften – Transportbeton) nach DIN 1045-3

Anzahl „n” Kriterium 1 Kriterium 2


der Einzelwerte Mittelwert von „n”
Einzelwerten fcm Einzelwert fci
Überwachungsklassen Überwachungsklassen
1, 2, 3 1 und 2 3

[N/mm2] [N/mm2] [N/mm2]


3 bis 4  fck + 1
5 bis 6  fck + 2

7 bis 34  fck + σ 1)  fck - 4  0,9 fck

 35  fck + σ 2)

Schätzwert der Standardabweichung der Grundgesamtheit  = 4 N/mm2


1)

Schätzwert der Standardabweichung der Grundgesamtheit   3 N/mm2 bei Beton der


2)

Überwachungsklasse 2 und   5 N/mm2 bei Beton der Überwachungsklasse 3

Der Beton ist anzunehmen, wenn sowohl Mittelwert- als auch Einzelwert-Kriteri-
um erfüllt werden.

Konformitätskriterien für die Ergebnisse der Druckfestigkeitsprüfung von Beton


nach Zusammensetzung enthält die DIN EN 206-1/DIN 1045-2, 8. 2. 1. 3 (Konfor-
mitätskriterien für die Druckfestigkeit).

Hinweis
Grundsätzlich ist die Druckfestigkeit zur Einteilung in die Druckfestigkeitsklas-
se und zur Bestimmung der charakteristischen Festigkeit nach DIN EN 206-1 an
Prüfkörpern im Alter von 28 Tagen zu bestimmen. Dies gilt auch für den Nach-
weis der Konformität.

In Ausnahmefällen kann von diesem Grundsatz abgewichen werden, z.B.:

– bei Anwendung der DAfStb-Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton”


– wenn eine technische Erfordernis vorliegt (hohe Anforderungen an die Riss-
breitenbegrenzung oder hochfester Beton)
– bei Vorlage eines projektbezogenen Qualitätssicherungsplans durch das Bau-
unternehmen
– Angabe auf dem Lieferschein mit Hinweis auf Auswirkungen auf den Bauablauf
(Schalfristen, Nachbehandlung usw.)

C 76 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Häufigkeit der Prüfungen an Standardbeton nach DIN 1045-3
Für Standardbeton ist der Lieferschein jedes Lieferfahrzeugs zu überprüfen, die
Gleichmäßigkeit des Betons und die Konsistenz stichprobenartig nach Augen-
schein zu beurteilen und in Zweifelsfällen eine Konsistenzmessung vorzunehmen.

C. 8. 4 Konformitätskontrolle, Überwachung und Zertifizierung

Zur Qualitätsüberwachung von Transportbeton im Werk gehören die Konfor-


mitäts- und Produktionskontrolle des Transportbetonherstellers (Eigenüberwa-
chung), die Überwachung der Produktionskontrolle durch eine anerkannte Über-
wachungsstelle (Fremdüberwachung) und die Zertifizierung der Konformität
durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle. Transportbeton (Beton nach Eigen-
schaften), der auf die Baustelle geliefert wird, ist ein zertifiziertes Produkt. Die
Übereinstimmung mit den technischen Regeln (DIN EN 206-1/DIN 1045-2) wird
durch das Übereinstimmungszeichen dokumentiert, für das Kennzeichnungs-
pflicht besteht und der Hersteller verantwortlich ist.

Material- Bund Güteschutz Bundesüberwachungs-


prüfungsanstalten Beton- und Stahl- verband Transport-
betonfertigteile e.V. beton e.V.

Bild C.7: Übereinstimmungszeichen

Zur Qualitätssicherung bei der Verarbeitung von Beton der Überwachungsklas-


sen 1, 2 und 3 auf Baustellen gehört die Überwachung des Betonierens durch das
Bauunternehmen mit der Überprüfung der maßgebenden Frisch- und Festbeton­
eigenschaften (Eigenüberwachung) und bei Beton der Überwachungsklassen 2
und 3 zusätzlich die Überwachung durch eine dafür anerkannte Überwachungs-
stelle (Fremdüberwachung). Baustellen, auf denen Beton der Überwachungsklas-
sen 2 und 3 eingebaut wird, sind unter Angabe von „DIN 1045-3” und der Über-
wachungsstelle zu kennzeichnen.

Personal
Der Leiter der ständigen Prüfstelle muss ein in der Betontechnik erfahrener Fach-
mann sein, der die dafür notwendigen erweiterten betontechnologischen Kennt-
nisse durch eine Bescheinigung einer hierfür anerkannten Stelle nachweisen kann
(E-Schein). Zu den Aufgaben der Prüfstelle gehören neben der Überwachungstä-
tigkeit auch die Beratung des Bauunternehmens auf der Baustelle und die regel-

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 77


mäßige Schulung des Baustellenfachpersonals. Bei Verwendung von hochfestem
Beton (ab C55/67) dürfen auf Baustellen nur solche Führungskräfte eingesetzt
werden, die bereits an der Verarbeitung und Nachbehandlung von Beton min­-
des­tens der Festigkeitsklasse C30/37 verantwortlich beteiligt gewesen sind.
Das Personal ist vor jedem Bauvorhaben besonders zu schulen.

Überwachungsklasse Überwachungsklassen
1 2 und 3

Überwachung durch Überwachung durch Fremd-


das Bauunternehmen das Bauunternehmen überwachung

Baustellenpersonal

Bauleiter

ständige Betonprüfstelle 1) anerkannte


Überwachungs-
– Beratung des Bauunternehmers stelle
und der Baustelle
– Überprüfung
– Durchführung von Prüfungen der ständigen
– Überprüfung der Geräteaus­stat­- Betonprüfstelle
tung vor dem Betonieren, laufende und deren
Überprüfung und Beratung bei Ergebnisse
Verarbeitung und Nachbehandlung, – Überprüfung
Ergeb­nisse sind aufzuzeichnen der Baustelle
– Beurteilung und Auswertung – evtl. zusätzliche
der Ergebnisse Prüfungen

– Schulung des Fachpersonals – Aufzeichnung,


Überwachungs-
bei nicht unternehmenseigenen bericht
Prüfstellen:
– längerfristiger Vertrag,
mindestens 1 Jahr
– gleichzeitige Überwachung eines
Zulieferers unzulässig

1)
Leitung durch einen Betonfachmann mit nachgewiesenen Kenntnissen (E-Schein)

Bild C.8: Überwachung durch das Bauunternehmen und eine anerkannte Über-
wachungsstelle

C 78 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 8. 5 Bewertung der Druckfestigkeit von Beton in Bauwerken oder in
Bauwerksteilen nach DIN EN 13791

Die Verfahren nach dieser Norm dienen nicht als Ersatz für die Konformitätsprü-
fungen nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 bzw. DIN 1045-3.

Falls nach den in diesen Normen beschriebenen Verfahren keine ausreichende


Druckfestigkeit nachgewiesen werden konnte, darf die Bauwerksfestigkeit für
den Tragfähigkeitsnachweis nach DIN EN 13791 erfolgen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 79


Tafel C.43: Bewertung der Druckfestigkeit nach DIN EN 13791 – Abschätzung
der charakteristischen Bauwerksdruckfestigkeit von Normal-/Schwerbeton und
Leichtbeton

Prüfverfahren/ Bewertungs- Anzahl (n) Abschätzung Anmerkungen


Prüfnorm verfahren der Mess- der charakteristi-
stellen/ schen
Proben Druckfestigkeit
fck,is 2)
fck,is = Ein Bohrkern mit
Bei Prüfung von fm(n),is – 1,48 · s 3)
n  15 d  100 mm
Bohrkernen mit oder
Bewertung  150 mm und Ver-
Durchmesser fck,is = fis,niedrigst + 4
nach hältnis Länge zu
d = 100 mm (der niedrigere
Ansatz A Durchmesser gleich
und Länge Wert ist
Bohrkernprüfung 2,0 entspricht einem
l = 100 mm ist das anzuwenden)
nach Zylinder
Ergebnis mit
DIN EN 12504-1 1) fck,is = fm(n),is – k 4) 150 mm · 300 mm.
Würfel 150 mm
3  n  14 oder Bei Mindestdurch­
gleichzusetzen
messer dmin 50 mm
(Bohrkerne wer- Bewertung fck,is = fis,niedrigst + 4
nach (der niedrigere sind anerkannte
den an der Luft
Ansatz B Wert ist Umrechnungsfakto-
gelagert)
anzuwenden) ren anzuwenden.
Rückprallhammer
nach
Es sind mindestens
DIN EN 12504-2 6) Bezugskurve aus
18 Wertepaare aus
oder Ausziehkraft Korrelation mit n  15
fck,is = Bohrkern und Rück-
nach den Bohrkern- (Mess-
fm(n),is – 1,48 · s 5) prallprüfung der
DIN EN 12504-3 festigkeiten stellen)
oder jeweils selben Mess-
oder Ultraschallge- ( 18 Wertepaare)
fck,is = fis,niedrigst + 4 stelle zu ermitteln.
schwindigkeit nach
DIN EN 12504-4 (der niedrigere
Wert ist
Bezugsgerade W
anzuwenden)
Rückprallhammer aus Festigkeits- n9
nach und Rückprallprü- (Werte-
DIN EN 12504-2 6) fungen an Würfeln paare)
(fc,dry  10 Würfel)
Bezugstabelle
Nicht für
Rückprallhammer DIN EN 13791
n9 Leichtbetone
nach (ohne Korrelation –
(Werte) und
DIN EN 12504-2 6) mit der Bohrkern-
hochfeste Betone
festigkeit) 6)
Die Bohrkernprüfung nach DIN EN 12504-1 gilt als Referenzverfahren (Die Mindestanzahl der
1)

Bohrkerne wird in DIN 1045-3. A.2 festgelegt. Bei zerstörender Prüfung mindestens: d  100 mm
– einfache Anzahl, d < 100 mm und Größtkorn bis 16 mm – anderthalbfache Anzahl und bei Größt-
korn über 16 mm doppelte Anzahl der Prüfkörper. Bei zerstörungsfreier Prüfung ist die dreifache
Anzahl an Messstellen/Prüfkörpern notwendig).
2)
fck,is – charakteristische Druckfestigkeit des Bauwerksbetons
fm(n),is – Mittelwert von (n) Prüfergebnissen der Bauwerksdruckfestigkeit
fis – Prüfergebnis der Bauwerksdruckfestigkeit
fis,niedrigst – niedrigstes Prüfergebnis der Bauwerksdruckfestigkeit
fm(n),niedrigst – niedrigstes Prüfergebnis aus dem Mittelwert von (n) Prüfergebnissen der Bauwerks-
druckfestigkeit
3)
s – Standardabweichung der Prüfergebnisse oder Mindestwert von 2 N/mm2 – der größere Wert
ist maßgebend.
4)
Die Spanne k ist abhängig von der Anzahl der Prüfergebnisse:
bei n von 10 bis 14 ist k = 5, bei n von 7 bis 9 ist k = 6 und bei n von 3 bis 6 ist k = 7.
5)
s – Standardabweichung der Prüfergebnisse oder Mindestwert von 3 N/mm2 – der größere Wert
ist maßgebend.
6)
Für Leichtbetone und Hochfeste Betone ist dieses Verfahren nicht geeignet (Karbonatisierungs-
tiefe  5 mm; nicht bei geschädigten Betonoberflächen)

C 80 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Beispiel
Nach Ansatz B mit drei Prüfergebnissen/Bohrkernen:
n1 = 42,80 N/mm2, n2 = 40,90 N/mm2, n3 = 45,76 N/mm2

Mittelwert fm(3),is = 43 N/mm2

Charakteristische Bauteilfestigkeit fck,is = fm(3),is – k = 43 – 7 = 36 N/mm2 und


fck,is = fis,niedrigst + 4 = 41 + 4 = 45 N/mm2

Da der niedrigere Wert maßgebend ist, wird der Beton entsprechend nachfolgen-
der Tafel in die Betondruckfestigkeitsklasse C30/37 eingeordnet.

Tafel C.44: Charakteristische Bauwerksdruckfestigkeit in Bezug auf die Festig-


keitsklasse von Normal-/Schwerbeton nach DIN EN 206-1 in Anlehnung an Tab. 1
in DIN EN 13791

Druckfestigkeits- Verhältnis der Druck- Charakteristische Mindestdruckfestig-


klasse nach festigkeit von Bau- keit von Bauwerksbeton
DIN EN 206-1 werksbeton zur [N/mm2]
(Normal-/Schwer- charakteristischen
beton) Druckfestigkeit fck,is,Zylinder fck,is,Würfel
von genormten
Probekörpern
C8/10 0,85 7 9
C12/15 0,85 10 13
C16/20 0,85 14 17
C20/25 0,85 17 21
C25/30 0,85 21 26
C30/37 0,85 26 31
C35/45 0,85 30 38
C40/50 0,85 34 43
C45/55 0,85 38 47
C50/60 0,85 43 51
Hochfester Beton
C55/67 0,85 47 57
C60/75 0,85 51 64
C70/85 0,85 60 72
C80/95 0,85 68 81
C90/105 0,85 77 89
C100/115 0,85 85 98

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 81


Tafel C.45: Charakteristische Bauwerksdruckfestigkeit in Bezug auf die Festig-
keitsklasse von gefügedichtem Leichtbeton nach DIN EN 206-1 in Anlehnung an
Tab. NA.1 in DIN EN 13791 (Nationaler Anhang)

Druckfestigkeits- Verhältnis der Druck- Charakteristische Mindestdruckfestig-


klasse nach festigkeit von Bau- keit von Bauwerksbeton
DIN EN 206-1 werksbeton zur [N/mm2]
(gefügedichter charakteristischen fck,is,Zylinder fck,is,Würfel
Leichtbeton) Druckfestigkeit
von genormten
Probekörpern
LC8/9 0,85 7 8
LC12/13 0,85 10 11
LC16/18 0,85 14 15
LC20/22 0,85 17 19
LC25/28 0,85 21 24
LC30/33 0,85 26 28
LC35/38 0,85 30 32
LC40/44 0,85 34 37
LC45/50 0,85 38 43
LC50/55 0,85 43 47
Hochfester Beton
LC55/60 0,85 47 51
LC60/66 0,85 51 56
LC70/77 0,85 60 65
LC80/88 0,85 68 75

Tafel C.46: Rückprallzahlen und vergleichbare Druckfestigkeiten


nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 in Anlehnung an Tab. NA. 2 in DIN EN 13791

Druckfestig- Mindestmedian Mindestmedian


keitsklasse für jede Messstelle für jeden Prüfbereich
Skalenteile Skalenteile
C8/10 26 30
C12/15 30 33
C16/20 32 35
C20/25 35 38
C25/30 37 40
C30/37 40 43
C35/45 44 47
C40/50 46 49
C45/55 48 51
C50/60 50 53
Anmerkung
Bei älteren Bauwerken muss vor der Rückprallhammerprüfung die Karbonatisierungstiefe ge-
messen werden. Eine Bewertung nach Tafel C.46 darf nur dann erfolgen, wenn die Karbona-
tisierungstiefe  5 mm ist. Das Prüfverfahren ist nicht für Leichtbetone und hochfeste Betone
geeignet.

C 82 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.47: Bewertung der Bauwerksdruckfestigkeit nach DIN EN 13791 in Fällen,
in denen Zweifel an der Konformität des Betons bestehen

Größe Bewertungs- Anzahl (n) der Annahme- Annahme/


des Prüf- verfahren Messstellen/ kriterien Anmerkungen
bereichs Proben
fm(n),is 1)  0,85 · Annahme, dass ausrei-
(fck + 1,48 · s) chende Festigkeit be-
Bohrkernprüfung nach
n  15 und steht, bzw. der Beton
DIN EN 12504-1
Prüfbe- fis,niedrigst 2)
DIN EN 206-1/
reich mit  0,85 (fck – 4) DIN 1045-2 entspricht
3)

vielen Alternativ ist nach n  15


Beton- Vereinbarung zwi- Ergebnisse
chargen Annahme, dass
schen den Vertrags- aus indirekter fis,niedrigst  0,85 ·
ausreichende Festigkeit
partnern eine indirekte Prüfung und (fck – 4)
besteht
Prüfung plus Bohr- n2
kernprüfung 4) möglich Bohrkerne
Annahme, dass der Be-
Begrenzter
n=2 ton eine angemessene
Bereich mit
Bohrkernprüfung nach (Bohrstellen fis,niedrigst  0,85 · Festigkeit besitzt und
wenigen
DIN EN 12504-1 bzw. Bohrker- (fck – 4) aus einer übereinstim-
Beton-
ne) menden Gesamtheit
chargen
stammt

Anmerkung
Wenn die Betonfestigkeit kleiner als 0,85 (fck – 4) ist, gelten die Bemessungsannahmen nicht
mehr und das Bauwerk sollte auf dessen Tragfähigkeit begutachtet werden.
1)
fm(n),is – Mittelwert aus (n) Prüfergebnissen
2)
fis,niedrigst – niedrigster Einzelwert
3)
fck – charakteristische Druckfestigkeit genormter Prüfkörper
4)
Bohrkernentnahme aus dem Bereich, der bei der indirekten Prüfung den niedrigsten Wert
aufweist und fis,niedrigst  0,85 (fck – 4) entspricht.

Beispiel
Bewertung der Bauwerksdruckfestigkeit bei Zweifel an Konformität anhand von zwei Bohr-
kernen (C35/45):
fis = 46 N/mm2 und fis = 41 N/mm2; fck = 45 N/mm2
fis,niedrigst  0,85 (fck – 4) = 0,85 (45 – 4) = 35 N/mm2;
fis,niedrigst = 41 N/mm2  35 N/mm2

Es kann angenommen werden, dass der Beton eine angemessene Festigkeit besitzt und aus
einer übereinstimmenden Gesamtheit stammt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 83


C. 9 Fertigteile aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
Dipl.-Ing. Hagen Uhlig

Als Fertigteile aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton werden alle Bauteile be-
zeichnet, die in Werken, Feldfabriken oder an anderen Stellen vorgefertigt und
später in Bauwerken verwendet werden.

C. 9. 1 Anwendungsbereich

DIN EN 13369 legt Anforderungen, Begriffe, grundlegende Leistungsmerkmale,


Prüfverfahren und Konformitätsbewertungen fest, auf die in speziellen Produkt-
normen Bezug zu nehmen ist. Die Normen gelten für die Herstellung und Über-
wachung von Fertigteilen, die nach DIN EN 1992-1-1 entworfen und bemessen
sind und für die Beton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 verwendet wird. Die Pro­
duktion von Fertigteilen erfolgt in Einzel-, Serien- und Massenfertigung. Da-
für eignen sich Einzelformen, Zwillingsformen und Batterieformen in Fließ- oder
Standfertigung bzw. auf Fertigungstischen. Die gebräuchlichsten Fertigteile sind
Stützen, Riegel, Pfetten, Binder, Dach- und Deckenplatten, Raumzellen, Treppen
und Podeste, Außen- und Innenwände, Dreifachwände und Fundamente. Diese
Norm gilt nicht für bewehrte Fertigteile aus haufwerksporigem Leichtbeton und
für Betone mit einer Trockenrohdichte von < 800 kg/m3.

C. 9. 2 Begriffe

C. 9. 2. 1 Herstellung von Fertigteilen

Bei der Produktion von Fertigteilen werden diese oben angeführten Normen
durch spezielle Produktnormen ergänzt. So werden besondere Anforderungen an
Ausgangsstoffe, Formenbau, Bewehren, Nach- und Warmbehandlung, Entformen
und Lagern gestellt. Die Herstellung der Fertigteile sollte in geeigneter Weise vor
der Witterung geschützt erfolgen. Der Beton für Fertigteile muss mindestens fol-
gende Druckfestigkeiten aufweisen:

– Stahlbetonfertigteile  C20/25; LC  16/18


– Spannbetonfertigteile  C30/37; LC  16/18

C. 9. 3 Anforderungen

C. 9. 3. 1 Allgemeine Anforderungen

C 84 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.48: Definition

Begriff Definition
Maße – Hauptmaße: Länge, Breite, Höhe
– Kritisches Maß: kritischer Einfluss auf die
Leistungseigenschaften und die Standsicherheit
– Nennmaß: angestrebtes Maß gemäß Dokumentation
– Istmaß: festgestelltes Maß am Fertigteil
– Maße sind bei Bezugstemperaturen zwischen 10 °C und 30 °C
bei einem Bezugsalter von 28 Tagen zu bestimmen
Fugen – Tragende Fuge: Verbindung zwischen Fertigteilen, wo Zug-,
Druck, etc. -kräfte übertragen werden
– Bewegungsfuge: Fuge zwischen Bauteilen, um Bewegungen zu
gewährleisten
– Dehnfuge: Bewegungsfuge, um temperaturbedingte
Ausdehnung zu ermöglichen
Auflager Fläche, auf dem das Fertigteil aufliegt
– Lager: Bauteil zwischen Auflager und aufgelegtem Fertigteil
– Mörtelbett: Auflager aus Mörtel
Mechanische – Potentielle Festigkeit: Betondruckfestigkeit am laborgelagerten
Eigenschaften Zylinder oder Würfel
– Bauteilfestigkeit: Betondruckfestigkeit, die am Fertigteil mittels
Bohrkern etc. bestimmt wird
– Bemessungswert der Festigkeit: Division der charakteristischen
Druckfestigkeit durch den zugehörigen Teilsicherheitsbeiwert.

Tafel C.49: Anforderungen

Allgemein Anforderung
– Dokumentation – Projekt-/Baubeschreibung
– Bautechnische Unterlagen
– Zeichnungen, Statische Berechnungen
– Aufzeichnungen
– Maßtoleranzen
– Qualitätssicherung ➔ C. 8
– Schalung Die Auswahl des Schalungsmaterials richtet sich nach den An-
forderungen an die Fertigteiloberflächen, der Geometrie, der
Entschalbarkeit und der Anzahl der Belegungen. Die Betonober-
fläche ist das Spiegelbild der Schalhaut. Diese ist auf die Anfor-
derungen der gewünschten Oberfläche abzustimmen.
– Material Die gebräuchlichen Materialien sind Holz, Stahl, Kunststoffe,
Kunststoffmatritzen, Gips und Beton.
– Forderungen: – Ausreichend dicht gegen Verlust von Feinmörtel;
– Zweckentsprechende Schalungsvorbehandlung;
– Sauberkeit, evtl. Reinigungsöffnungen,
– Bei gestalteten Ansichtsflächen – besondere Anforderungen
an die Schalhaut ➔ DBV-Merkblatt „Sichtbeton”
– Trennmittel Der Einsatz der Trennmittel richtet sich nach dem Schalungsmateri-
al und der gewünschten Oberflächenbeschaffenheit der Fertigteile.
Es sollte beachtet werden, dass übermäßiger Auftrag zu „Wolken-
bildungen” und zu erhärtungsstörenden Effekten führen kann.
– Trennmittel- – Natürliche und künstliche Öle
arten: – Fette
– Wachse
– Emulsionen

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 85


Tafel C.49: Anforderungen Fortsetzung

– Einbauteile Mechanische Einbauteile und Verbindungsmittel müssen über die


gesamte Nutzungsdauer der Fertigteile ihre Eigenschaften beibe-
halten, dabei auch die erforderliche Duktilität aufweisen.
Es ist darauf zu achten, dass die Einbauteile ausreichend stabil und
fest sind und auch nicht beim Betoneinbau verschoben werden.
– Unschädlich für Beton (Bei Aluminiumeinbauteilen sind beson-
dere Maßnahmen notwendig.)
– Anordnung ist so zu wählen, dass ein einwandfreies Verdichten
beim Betonieren möglich ist.
– Bewehren Allg. Anforderungen DIN EN 1992-1-1; ➔ C. 7. 3
Die Betondeckung der Bewehrung für Betonstahl ist in Abhängig-
keit der Expositionsklasse und des Stabdurchmessers gemäß den
Ausführungsunterlagen auszuwählen (siehe auch Tafeln C.50 und
C.51).
– Eine Verminderung der Betondeckung ist zulässig, wenn
• fck um 2 Festigkeitsklassen höher liegt als erforderlich,
um 0,5 cm, mit Ausnahme XC1
• Bauteile mit kraftschlüssiger Verbindung Fertigteil/
Ortbeton cmin  0,5 cm im Fertigteil; cmin  1,0 cm im
Ortbeton der Fuge zugewandten Ränder
– Schweißen von Betonstahl DIN EN 1992-1-1, 3.2.5; DIN 1045-3
– DBV-Merkblatt „Rückbiegen von Betonstahl und Anforderungen
an Verwahrkästen”
– Schubverbindung: Einbauteil überträgt Schubkräfte
– Befestigungsmittel: verbindet Bauteile untereinander
– Abstandhalter Zur Sicherung der Betondeckung werden Abstandhalter (Faser-
beton, Kunststoff) etc. eingebaut. Dabei ist darauf zu achten, dass
Abstandhalter an der Betonoberfläche nicht sichtbar werden kön-
nen. Zementmörtelabstandhalter müssen mindestens die gleiche
Druckfestigkeit und mindestens den gleichen Korrosionsschutz
aufweisen wie der geforderte Beton.
– Vorspannen Für Spannbetonbauteile, wie z.B. mit nachträglichen oder ohne
Verbund, dürfen nur Spannverfahren inkl. Herstellung, Einbau und
Vorspannen eingesetzt werden, für die eine Allgemeine bauauf-
sichtliche Zulassung vorliegt. Beim Vorspannen dürfen nur Füh-
rungskräfte/Fachpersonal mit entsprechender Erfahrung und
Kenntnissen im Spannbetonbau eingesetzt werden.
– Spannglieder mit sofortigem Verbund
Sollte der Frischbeton nicht innerhalb von 3 Tagen nach dem
Vorspannen eingebracht sein, sind zeitlich begrenzte Schutz-
maßnahmen gegen Korrosion erforderlich.
– In jedem Fall muss die Betonfestigkeit zur Verankerung der
Litzen ausreichend sein.
– Spannglieder mit nachträglichem Verbund
Kann ein Ansammeln von Feuchte (auch Kondenswasser)
vermieden werden, sind folgende Zeitspannen bis zum Ein-
pressen möglich:
• Bis 12 Wochen zwischen Herstellung des Spannglieds und
dem Einpressen, jedoch nicht mehr als 4 Wochen frei in der
Schalung.
• Bis etwa 2 Wochen nach dem Vorspannen.
– Externe oder interne Spannglieder ohne Verbund
Einhaltung der Mindestbetondeckung. Spannglieder müssen
gegen Eindringen von Feuchte dicht sein. Winkelabweichung
sollte im zulässigen Bereich sein.

C 86 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.49: Anforderungen Fortsetzung

Allgemein Anforderung
– Vorspannen – Einpressen von Zementmörtel
Der Mischvorgang (w/z-Wert, Zementbeimengung, Verfah-
ren, Dauer) muss die nach DIN EN 447 geforderten Eigen-
schaften sicherstellen. Das Einpressen muss nach DIN EN 446
oder entsprechend der Allg. bauaufsichtlichen Zulassung er-
folgen.
– Einpressen von Korrosionsschutzmassen
Das Einpressen muss gleichmäßig und stetig erfolgen. Die tem-
peraturabhängige Volumenänderung und Verarbeitung der
verwendeten Korrosionsschutzmasse sind zu berücksichtigen.
– Betonieren – Herstellung, Einbau, Verdichten: DIN EN 206-1/DIN 1045-2;
➔ C. 1 bis C. 7
– Maßtoleranzen – Toleranzen im Hochbau: DIN 18203-1
– Grenzmaße für Betondeckung DIN EN 1992-1-1; ➔ C. 7. 3
– Grenzmaße für Tragsicherheit
1. Nennmaß der Abmessung c des Betonquerschnitts gilt für die
Querschnittsabmessung (Gesamtdicke eines Balkens oder ei-
ner Platte, Breite eines Balkens oder Steges, seitliche Abmes-
sung einer Stütze) als Grenzmaß ∆l:
für l  150 mm ∆l  10 mm
für l  400 mm ∆l  15 mm
für l  2 500 mm ∆l  30 mm
2. In Abhängigkeit von der Höhe h des Betonquerschnitts gilt
für die Lage der Spannglieder, bezogen auf die planmäßige
Lage als Grenzabmaß ∆h:
für h  200 mm ∆h =  6 mm
für h > 200 mm ∆h =  0,03 h oder  30 mm

Tafel C.50: Mindestbetondeckung für den Schutz der Bewehrung gegen


Korrosion; Einstufung der Umweltbedingungen nach DIN EN 13369,
Anhang A, Tab. A.1 (informativ)

Umwelt- Angriffsgrad Expositionsklassen


bedingungen nach DIN EN 206-1
A Null XO
B Schwach XC1
C Mäßig XC2, XC3
D Normal XC4
E Stark XD1, XS1
F Sehr stark XD2, XS2
G Außerordentlich stark XD3, XS3

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 87


Tafel C.51: Mindestbetondeckung [mm] für den Schutz der Bewehrung gegen
Korrosion nach DIN EN 13369, Anhang A, Tab. A.2 (informativ)

Bewehrungs- Sonstige Spannglieder Spannglieder


stäbe für Bewehrungs- mit mit
Platten stäbe sofortigem sofortigem
Verbund Verbund
für Platten
Cmin 1) Co 2) Umwelt-  Co < Co  Co < Co  Co < Co  Co < Co
bedin
gungen
C20/25 C30/37 A 10 10 10 10 10 – 10 –
C20/25 C30/37 B 10 10 10 10 15 – 15 –
C25/30 C35/45 C 10 15 15 20 20 25 25 30
C30/37 C40/50 D 15 20 20 25 25 30 30 35
C30/37 C40/50 E 20 25 25 30 30 35 35 40
C30/37 C40/50 F 25 30 30 35 35 40 40 45
C35/45 C45/55 G 30 35 35 40 40 45 45 50

Mindestbetonfestigkeitsklasse
1)

Maßgebende Betonfestigkeitsklasse
2)

Alternative Bedingungen

a) Abminderung der angegebenen Betondeckung in Tafel C.51 um 5 mm ist


möglich, wenn die Betondruckfestigkeitsklasse  C40/50 ist und die Wasser-
aufnahme des Betons < 6,0 % beträgt. Dabei muss die Mindestbetondeckung
mindestens 10 mm betragen.

b) Abminderung der angegebenen Betondeckung in Tafel C.51 um 10 mm ist


möglich, wenn die Betondruckfestigkeitsklasse > C50/60 ist und die Wasser-
aufnahme des Betons < 5,0 % beträgt. Dabei muss die Mindestbetondeckung
jedoch mindestens 10 mm betragen.

Anmerkung
Die in Tafel C.51 genannten Mindestbetondeckungen sind in DIN EN 13369 als
„informativ” beschrieben. Grundsätzlich sollten für die Planung von Mindest­
betondeckungen die Festlegungen in Kapitel C. 7. 3 des Betonhandbuchs
berücksichtigt werden.

Die Betondeckung nach Tafel C.51 gilt für Betonbauteile, die einer besonderen
Qualitätskontrolle mit festgelegten Kriterien unterliegen.

C 88 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 9. 3. 2 Besondere Anforderungen an Baustoffe und
an die Nachbehandlung

Für die Herstellung des Betons gelten DIN EN 206-1 / DIN 1045-2.

Tafel C.52: Besondere Anforderungen an Baustoffe und an die Nachbehandlung

Baustoff Anforderung
Größtkorn Gesteinskörung für Beton DIN EN 12620
der Recycelte Gesteinskörnung – aus eigener Herstellung – kann bis
Gesteins- < 10 M.-% 1) eingesetzt werden.
körnung Leichte Gesteinskörnung DIN EN 13055
Die Wahl des Größtkorns ist abhängig von:
– Berücksichtigung der Betondeckung
– lichtem Abstand zwischen den Bewehrungsstäben
– Gewährleistung eines fachgerechten Betonierens
Betonstahl u. Betonstabstahl, Betonstabstahlmatten im Lieferzustand DIN 488
Spannstahl müssen frei von losem Rost oder anderen schädlichen Stoffen, wie
z.B. Eis, Fett, Öl, Schmutz sein.
– Betonstähle nach Allg. bauaufsichtlicher Zulassung dürfen ab der
Festigkeitsklasse C70/85 nur verwendet werden, sofern dies in
der Zulassung geregelt ist.
– Biegen des Bewehrungsstahls muss in dafür geeigneten Vorrich-
tungen erfolgen. Temperatur des Stahls (tSt) soll mindestens 0 °C
betragen. Wenn tSt im Bereich 0 °C bis –5 °C liegt, muss die Bie-
gegeschwindigkeit angemessen reduziert werden.
– DIN EN 1992-1-1
Nach- – DIN EN 13369; ➔ C. 7. 4 ➔ Tafeln C.53 und C.54
behand- – bei XC0 und XC1  1/2 Tag, wenn Nachweis der Reife R
lung (unter Annahme konstanter Oberflächentemperatur von
20 °C eine Nachbehandlungsdauer von 12 h ergibt) 2)
Beschleunigte Das Einstellen einer günstigen Betontemperatur (Vorwärmen der
Hydratation Ausgangsstoffe, Dampfmischen) in Kombination mit wärmedäm-
durch mender Schalung und Abdecken der frischen Bauteile bei Nutzung
Warm- der frei werdenden Hydratationswärme ermöglicht kurze Ausschal-
behandlung zeiten. Durch die Wärmebehandlung sollen technische und wirt-
schaftliche Vorteile ausgenutzt werden (sehr schnelles Erreichen
der Abhebe- bzw. Vorspannfestigkeit, Unabhängigkeit von der
Jahreszeit, größere Stückzahl, Verkürzung der Fertigungszeit).
➔ Tafel C.55
Wärme- Wärmebehandlungsverfahren sind: Beheizen der Formen, Dampf-
behand- und Warmbehandlung in Kammern oder Tunneln, Infrarotstrahlung.
lungs- (DAfStb-Richtlinie zur Wärmebehandlung von Beton und
verfahren DIN EN 13369)
Entformen fcm  15 N/mm2 oder Nachweis einer geringeren Druckfestigkeit, mit
der die Fertigteile zuverlässig entformt werden können

Weitere Sonderregeln siehe DIN EN 13369


1)

Für Brückenbetonfertigteile mit einer längeren Nutzungsdauer als 50 Jahre und besonde-
2)

ren Umgebungsbedingungen können andere Anforderungen, als in Tafel C.50 genannt, ge-
stellt werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 89


Tafel C.53: Mindestdruckfestigkeit des Betons am Ende der Nachbehandlung 1)

Expositionsklasse am Einsatzort %-Erhärtung, bezogen Zylinder-/Würfel-


auf geforderte Druckfes­ druckfesitgkeit
tigkeit nach 28 Tagen [N/mm2]
X0; XC1 – 12/15
XC2, XC3, XC4, XD1, XD2, XF1 35 12/15 1)
Wechselnde feuchte und trockene
50 16/20 2)
Umgebung, andere Expositionsklassen
1)
Der Wert ist durch 0,25 · fck zu ersetzen, wenn 0,25 · fck  C12/15
2)
Der Wert ist durch 0,35 · fck zu ersetzen, wenn 0,35 · fck  C16/20

Tafel C.54: Nachbehandlungsverfahren

Verfahren Maßnahmen
– Belassen in der Schalung
A
–A  bdecken der Betonoberfläche mit
ohne Zugabe
­wasserundurchlässiger Folie;
von Wasser
Befestigung der Folie, um Zugluft zu vermeiden
–U mschließen mit Wasser haltender Abdeckung
B
– Wasserhaltung auf der Oberfläche
Zugabe
–B eachtung der Temperaturspannung zwischen Wasser-
von Wasser
u. Oberflächentemperatur des Fertigteils
zum Feuchthalten
– Besprühen der Flächen
C –N
 achweisführung über Wirksamkeit durch Erstprüfung
Verwendung –E
 insatz von NBM nur möglich, wenn kein späterer Auf-
von Nachbehandlungs- trag von Farben oder Ähnlichem erfolgt
mitteln (NBM)

Tafel C.55: Beschleunigte Hydratation durch Warmbehandlung

Vorwärmdauer / Maßnahmen / Einsatzbereiche


Höchsttemperatur
_ (Dokumentation, Vorwärmdauer, Wärmeanstieg;
T 1) Temperaturregieme)
_
T < 40 °C Geeignete Vorwärmdauer
_
T > 40 °C Temperaturunterschiede zwischen benachbarten Teilen bei
­Erwärmung- und Abkühlungsphasen  20 °C begrenzen
_
T  85 °C 2) Vorwiegend trockene oder mäßige Luftfeuchte der Umge-
bungen von Fertigteilen
_
T  65 °C 3) Feuchte oder wechselnd feuchte Umgebung der Fertigteile
_
T ist die mittlere Höchsttemperatur im Beton, Einzelwerte dürfen 5 °C höher sein.
1)

2)
Bei Temperaturen über 70 °C bis 85 °C ist durch eine Erstprüfung nachzuweisen, dass nach
90 Tagen die erforderliche Druckfestigkeit erreicht wird.
3)
Nachweis durch EP, ob Eignung gegeben.
Grenzwerte Na2O-Gehalt  3,5 kg/m3 im Beton
SO3-Gehalt  3,5 M.-% im Zement

C 90 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


C. 9. 3. 3 Anforderungen an Auslieferung und Transport

Tafel C.56: Anforderungen

Fertigteile Anforderung
Auslieferung nur wenn Fertigteile keine Beschädigung, die die Standsicher-
heit, die Gebrauchstauglichkeit und die Dauerhaftigkeit ge-
fährden, aufweisen. Fertigteil muss so bemessen sein, dass der
Transport und die Montage unter Gewährleistung der vollen
Funktion sicher möglich ist.
Transport Hersteller muss detaillierte Angaben machen, um transport­
bedingte Schädigungen zu vermeiden

C. 9. 3. 4 Anforderungen an die technische und personelle Ausstattung

Tafel C.57: Anforderungen an die technische Ausstattung

Anforderung
Herstellung überdachte Flächen; Witterungsschutz für Formen und Beton
Außentemperaturen allseitig geschlossene Räume für Herstellung und Nachbehand-
< +5 °C lung; Beheizungsmöglichkeit für dauerhafte Raumtempera-
turen  +5 °C
Fertigungs- und DIN EN 206-1/DIN 1045-2
Prüfeinrichtungen

Tafel C.58: Anforderungen an die personelle Ausstattung

Personell Anforderung
Technischer – ständige Anwesenheit des Werkleiters oder fachkundigen
Werkleiter Vertreters
– Verantwortlichkeit für:
• Formenauswahl
• Prüfung der Baustoffe und Einbauteile
• Zeitpunkt des Ausschalens
• Vermeiden von Überlastung fertiger Bauteile
• vorübergehende Sicherheitsmaßnahmen
• ordnungsgemäße Zwischenlagerung
• Erfüllung aller Anforderungen zur Herstellung
• ausreichende Erhärtung und Schadenfreiheit
• Kennzeichnung, Lieferscheine
Produktionspersonal muss ausreichende Kenntnisse und Erfahrung aufweisen
Ständige Beton- DIN EN 13369
prüfstelle DIN 1045-3
Produktionskonrolle Herstellwerk muss über eine werkseigene Produktionskon­
trolle (WPK) verfügen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 91


C. 9. 4 Konformitätskontrolle und Konformitätskriterien

Tafel C.59: Normenanforderungen

Konformitätskontrolle Anforderung
Betoneigenschaften DIN EN 206-1/DIN 1045-2; ➔ C. 8
Bewehren und Vorspannen DIN EN 1992-1-1 ➔ C. 8 ➔ C. 9. 3. 1 ff.
DIN EN 13369
Maßtoleranzen der Fertigteile – Toleranzen im Hochbau: DIN 18203-1
– Betondeckung: DIN EN 1992-1-1; ➔ C. 7. 3
– Tragsicherheit ➔ C. 9. 3. 1
– DIN EN 13369

C. 9. 4. 1 Werkseigene Produktionskontrolle

Für die Herstellung des Betons gelten DIN EN 206-1/DIN 1045-2 sinngemäß.

Tabelle C.60: Prüfung des Bewehrungsstahls

Gegenstand Prüfung Mindesthäufigkeit


Betonstahl Lieferschein jede Lieferung
Kennzeichen, Sorte, Art, jede Lieferung
Durchmesser
Lagerungsbedingungen in angemessenen Zeitabständen

C 92 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.61: Kontrolle der Herstellung der Betonfertigteile

Gegenstand Prüfung Mindesthäufigkeit


Formen, Schalung, Überprüfung der Maßhaltigkeit, der Sauber- jedes Betonteil
Bewehrung, keit und des Auftrags des Trennmittels;
Einbauteile Prüfung auf Verschleiß und Verformung
Schweißung an der DIN EN 1992-1-1: vorgesehene Schweißver­ jede Bewehrung
Bewehrung bindungen
Temperatur Außentemperatur, Temperatur im Ferti- jeden Arbeitstag
gungs- und Erhärtungsraum DIN 1045-3
Fertigteile Nachbehandlung DIN EN 13369, jeden Arbeitstag
DIN 1045-3 und DIN 1045-4
Wärmebehandlung Überprüfung der Funktion; jeden Arbeitstag
Einhalten des Temperaturverlaufs

Tafel C.62: Zusätzliche Kontrolle bei Spannbetonfertigteilen

Gegenstand Prüfung Mindesthäufigkeit


Zement 1)
Überprüfung von Lieferschein und Verpa- jede Lieferung
ckungsaufdruck bzw. Silozettel; Verwendung
von Zement nach DIN EN 197-1
Gesteinskörnung 1)
Überprüfung von Lieferschein und anderen jede Lieferung
Unterlagen, Chloridgehalt  0,02 %
Überprüfung der Lieferung nach Güte, Art u. jede Lieferung
Durchmesser nach Zulassung (Lieferschein)
Überprüfung der Transportfahrzeuge jede Lieferung
(trockene, luftige Lagerung, Ausschluss von
Verunreinigung durch korrosionsfördernde
Spannstahl
Stoffe)
Überprüfung der Lagerungsbedingungen bei Bedarf
(trockene, luftige Lagerung, Ausschluss von
Verunreinigung durch korrosionsfördernde
Stoffe)
Spannverfahren Überprüfung und Vorlage einer der Allg. jede Anwendung
bauaufsichtlichen Zulassung
Vorspannen Überprüfung der Spannprotokolle über durch- jeder
geführte Messungen (Einhaltung der im Spann- Spannvorgang
programm festgelegten Reihenfolge, der Vor-
spannkräfte und Spannwege)
Einrichten für das Überprüfung der Spanneinrichtung; halbjährlich
Vorspannen Maßtoleranzen nach DIN 1045-3
1)
Bei Vorspannung mit sofortigem Verbund

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 93


Tafel C.63: Kontrolle der fertigen Erzeugnisse (Fertigteile)

Gegenstand Prüfung Mindesthäufigkeit


Sichtprüfung auf jedes Fertigteil
Beschädigung

Zerstörungsfreie Ausreichende Anzahl bei gleichzeitigem Ver-


Prüfung der Beton- gleich mit Ergebnissen der Probekörper
druckfestigkeit nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2.
DIN EN 12504-2/ Bei gleicher Betonzusammensetzung u. gleicher
Fertigteile
DIN EN 13791 Beziehung zwischen Ergebnissen Probekörpern
u. der zerstörungsfreien Prüfung kann die Häufig-
keit der Prüfung gemäß Norm im Einvernehmen
mit der Überwachungsstelle vermindert werden.
Überprüfung der jedes Fertigteil
Kennzeichen und
Lieferscheine

C. 9. 5 Kennzeichnung und Lieferschein von Betonfertigteilen

Die Norm fordert für jedes Fertigteil eine Kennzeichnung, die deutlich lesbar ist
und die in Tafel C.64 aufgeführten Punkte enthält.

Tafel C.64: Kennzeichnung und Angaben auf dem Lieferschein

Gegenstand Anforderung an die Kennzeichnung


Fertigteil – Herstellwerk
– Herstellungstag
– Übereinstimmungszeichen
– wenn Verwechslungsgefahr besteht, ist die Einbaulage des Fertigteils
anzugeben
– sofern Fertigteile nur in einer bestimmten Lage befördert werden
dürfen, ist dies besonders zu kennzeichnen
Lieferschein – Herstellwerk
– Übereinstimmungszeichen
– Tag der Lieferung
– Expositionsklasse
– Eigengewicht des Fertigteils
– Empfänger der Lieferung
– Druckfestigkeitsklasse des verwendeten Betons
– Betonstahlsorte
– Positionsnummer, sofern erforderlich

C 94 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel C.64: Kennzeichnung und Angaben auf dem Lieferschein Forsetzung

Gegenstand Anforderung an die Kennzeichnung


Leistungs­ 1. Produkttyp
erklärung 2. Typen-, Chargen- oder Seriennummer
3. Verwendungszweck
4. Kontaktdaten Hersteller
5. Kontaktdaten Bevollmächtigter
6. System zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit
7. Leistung der notifizierten Stelle gemäß harmonisierter Norm
8. Leistung der notifizierten Stelle gemäß europäischer technischer
Bewertung
9. Erklärte Leistung des Bauprodukts (mit wesentlichen Merkmalen,
Leistung, harmonisierte techn. Spezifikation)
10. Verantwortlicher für die Erstellung der Leistungserklärung ist allein
der Hersteller. (i. Allg. der Geschäftsführer)

C. 9. 6 Beurteilung der Konformität

Die Konformitätskontrolle umfasst Handlungen und Entscheidungen, um die


Übereinstimmung des Fertigteils mit den bautechnischen Unterlagen nachzu-
prüfen. Die Konformitätskontrolle ist integraler Bestandteil der werkseigenen
Produktionskontrolle.

Tafel C.65: Konformitätskontrolle, Aufgaben und Anforderungen

Konformität Aufgaben/ Anforderung


Hersteller – Erstprüfung des Betons
– Werkseigene Produktionskontrolle
– Betoneigenschaften ➔ DIN EN 206-1/DIN 1045-2
– Bewehren und Vorspannen ➔ DIN EN 1992-1-1
– Maßtoleranzen der Fertigteile ➔ DIN EN 1992-1-1; Produkt-
normen
– Konformitätskontrolle ➔ C. 8. 2
Anerkannte Über- Überwachung der Herstellung von Betonfertigteilen und der
wachungsstelle werkseigenen Produktionskontrolle gemäß WPK-Handbuch
und Zertifizierung der Fertigteile ➔ C. 8. 4

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I C 95


D Betone nach „Zusätzliche Technische
Vertragsbedingungen“ (ZTV)
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

D. 1 Betone nach ZTV-ING

Die ZTV-ING (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen) und Richtlinien für


Ingenieurbauten stützt sich innerhalb des Sachgebiets Betonbau im Wesent-
lichen auf die Normen DIN EN 206-1 und DIN 1045-2. Trotzdem gibt es Besonder-
heiten und zum Teil Abweichungen von diesen Normen.

Im Folgenden sollen aus dem insgesamt zehn Teile umfassenden Werk auszugs-
weise die Teile 3 (Massivbau) und 5 (Tunnelbau) betrachtet werden.

D. 1. 1 Beton nach ZTV-Ing, Teil 3, Massivbau

Teil 3 der ZTV-ING bildet die Vertragsgrundlage für den Bau von Brücken,
Stützwänden und anderen Ingenieurbauwerken im Zuge der Errichtung von
Fernstraßen und Eisenbahnstrecken.

Tafel D.1: Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Ausgangs- Grundsätzliche Zusätzliche Anforderungen


stoff Anforderungen

Zement Zemente nach Für nicht genormte Zemente ist die Zustimmung
DIN EN 197-1 des Auftraggebers erforderlich; Tabellen F.3.1 und
und DIN 1164 F.3.2 in DIN 1045-2 beachten

Gesteins­ Gesteins­ Anteil leichtgewichtiger organischer Verunreini-


körnung körnung nach gungen muss bei grober Gesteinskörnung der
DIN EN 12620 Kategorie Q0,05 und bei feiner Gesteinskörnung der
oder Kategorie Q0,25 entsprechen; Kornform von grober
DIN EN 13055-1 Gesteinskörnung muss der Kategorie SI20 entspre-
chen; grobe Gesteinskörnung muss eng abgestuft
sein; Korngemische 0/8 dürfen nicht eingesetzt
werden.

Korngemische bis 8 mm Gröstkorn müssen in


mindestens zwei getrennten Korngruppen,
Gesteinskörnungen größer 8 mm in mind. drei
getrennten Korngruppen zugegeben werden.
Ergänzung zu DAfStb-Richtlinie „Alkalirichtlinie”:
Bauwerke im Bereich von Bundesfernstraßen sind
der Feuchtigkeitsklasse WA zuzuordnen; im an-
grenzenden Bereich (Bild 2-1 der Richtlinie) ist die
Alkaliemepfindlichkeitsklasse durch eine Zertifizie-
rungsstelle einzustufen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 1


Tafel D.1: Anforderungen an die Betonausgangsstoffe Forsetzung

Ausgangs- Grundsätzliche Zusätzliche Anforderungen


stoff Anforderung
Zugabewasser Zusätzliche Untersuchungen zur Eignung des Zu-
gabewassers sind dem Auftraggeber vorzulegen.
Zusatzmittel Zusatzmittel Für nicht genormte Zusatzmittel ist dem Auftrag-
nach geber eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung
DIN EN 934 vorzulegen; Betonzusatzmittel mit den Wirkstoff-
gruppen Saccharose und Hydrogencarbonsäure
dürfen nicht verwendet werden; Verzögerungs-
zeiten über zwölf Stunden sind mit dem Auftrag­
geber abzustimmen. Eine Nachdosierung von Fließ-
mitteln ist möglich, falls der Beton nicht soweit
zurückgesteift ist, dass das Ausbreitmaß kleiner
ist, als die Ausgangskonsistenz vor Erstdosierung
auf der Baustelle. Bei Verwendung von Luftporen-
bildnern ist das Merkblatt für die Herstellung und
Verarbeitung von LP-Beton der Forschungsgesell-
schaft für Straßen- und Verkehrswesen zu beach-
ten.
Fließmittel der Wirkstoffgruppe Polycarboxylat­
ether dürfen verwendet werden, wenn die Erst-
prüfung unter gleichen Temperaturbedingungen
wie am Einbauort durchgeführt wurde.
Zusatzstoffe Genormte Bei Spanngliedverankerungen mit direktem Kon-
Zusatzstoffe takt zum Beton ist DIN-Fachbericht 100 „Beton”
Abschnitt 5.2.5.1. zu beachten;
Flugaschezugabe max. 60 % des Zementgehalts;
Anrechenbarkeit auf den w/z-Wert max. 80 kg/m3;
Flugaschezugabe bei Verwendung von Zement
CEM III/B nur bei massigen Bauteilen, ansonsten ist
die Zustimmung vom Auftraggeber einzuholen;
Silikastaub muss vor der Zugabe in den Beton als
homogene Suspension eingestellt werden (Ausnah-
me Betontrockengemisch bei Spritzbeton)
Die gleichzeitige Verwendung von Flugasche und
Silikastaub bedarf der Zustimmung des Auftragge-
bers. Dies gilt auch bei Verwendung von Flugasche
und Zement, der bereits Silikastaub als Bestandteil
enthält.

D 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel D.2: Zuordnung zu den Expositionsklassen (Frost; Tausalz bzw. Frost und
Tausalzangriff)

Bauteil Expositionsklassen
Vorwiegend horizontale und direkt mit Frost und Taumit-
XF4 und XD3
tel beaufschlagte Flächen
Nicht vorwiegend horizontale Flächen (Spritzwasserbe-
XF2 und XD2
reich), die mit Frost und Taumittel beaufschlagt werden
Betonflächen im Sprühnebelbereich
XF2 und XD1
(Pfeiler und Widerlager unter Talbrücken)
Trogsohlen (RstO), Tunnelsohlen, wasserundurchlässige
XD2
Betonkonstruktionen
Trogsohlen (RstO), Tunnelsohlen ohne Wasserdruck oder
XD1
mit aufliegender Folie
Tunnelinnenschalen ohne Wasserdruck oder mit auflie-
XF2 und XD1
gender Folie
Tunnelwände (wasserundurchlässige Betonkonstruktion)
XF2 und XD2
in offener Bauweise
Einfahrbereiche von Tunnelbauwerken XF2 und XD2

Tafel D.3: Anforderungen an die Betonzusammensetzung

Expositions­ XF2 XF3 XD2 oder XF4 und


klassen XA2 XD3
Max. w/z- Wert 0,50 0,50 0,50 0,50 0,50
Mindestdruck­ C30/37 C30/37 C25/30 C30/37 C30/37;
festigkeitsklasse (LP) C25/30 1)
Mindestzement- 320 320 320 320 320
gehalt min. z
[kg/m3]
Mindestzement- 270 + 50 270 + 50 270 + 50 270 + 50 keine
+ Flugaschege- Anrechnung
halt min. z + FA möglich
[kg/m3] 2)
Anforderungen NaCl-Verfah- F2 F2 F2 NaCl-Verfah-
an die Ge- ren  8 M.-% ren  8 M.-%
steinskörnung F2 F2
Für Überbauten Widerlager, Stützen, Pfeiler, Brücken­
gilt Tunnelsohlen, Tunnelwände, Tunnelinnenschalen, kappen,
grundsätzlich Trogsohlen, Trogwände Betonschutz-
DIN EN 206-1 / wände
DIN 1045-2
Brückenkappen
1)

Bei Festigkeitsnachweis nach 56 Tagen gilt (270 + 20) kg/m3.


2)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 3


Tafel D.4: Anforderungen an die Betondeckung nach ZTV-ING

Art des Bauteils Mindestmaße cmin Nennmaße cnom


[cm] [cm]

allgemein 4,0 4,5

erdberührt 5,0 6,0 1)

betonberührte 2,0 2,5


Kappenbauteile
1)
Nennmaß für die Tunnelinnenseite

Tafel D.5: Besondere Anforderungen an Kappenbeton nach ZTV-ING

Besondere Kappen werden in die Expositionsklassen XF4 und XD3


Eigenschaften (hoher Widerstand gegen Frost- und Tausalz-Beanspruchung)

Betonfestigkeit Mindestbetondruckfestigkeit für Kappenbeton C25/30

Zement Die Verwendung von CEM II/M-Zementen (Portlandkomposit­


zementen) bedarf der Zustimmung des Auftraggebers. Für
Beton von Kappen darf kein CEM III-Zement verwendet wer-
den.

Betonzusatzmittel Zur Erzielung des notwendigen Mindestluftgehalts (Mikroluft-


poren) werden Luftporenbildner eingesetzt. Der Luftgehalt im
Frischbeton, unmittelbar vor dem Einbau, muss entsprechend
den Festlegungen in Tab. 3.1.1 in Teil 3 der ZTV-ING nachge-
wiesen werden.

Nachbehandlung Gegen Frosteinwirkung sind Schutzmaßnahmen so lange


erforderlich, bis der Beton eine Mindestdruckfestigkeit von
5 N/mm2 erreicht hat. Alle weiteren geeigneten Nachbehand-
lungsmaßnahmen sind weiterzuführen, bis der Beton des ober-
flächennahen Bereichs 70 % der charakteristischen Festigkeit
hat. Ohne genauen Nachweis ist die Nachbehandlungsdauer
nach DIN 1045-3, Tabelle 2, zu verdoppeln.

D 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Sonstige Regelungen und Hinweise der ZTV-ING, Teil 3, für die Betonherstellung:

– Hochfester Beton und selbstverdichtender Beton (SVB) dürfen nur mit Zustim-
mung des Auftraggebers verwendet werden.
– Fließmittel darf grundsätzlich nur Beton der Konsistenzklasse F2 bzw. C2 oder
steifer zugegeben werden. Frischbeton der Konsistenzklasse F3 bzw. C3 darf
Fließmittel nur dann zugegeben werden, wenn diese Konsistenzklasse durch
verflüssigende Zusatzmittel eingestellt wurde.
– Bei Einbau von Beton der Überwachungsklassen 2 und 3 hat der Auftrag­
nehmer dem Auftraggeber rechtzeitig nachzuweisen, dass die Baustelle einer
dafür anerkannten Überwachungsstelle gemeldet ist.
– Beton der Expositionsklasse XF1 ist stets der Überwachungsklasse 2 zuzuord-
nen.
– Maßnahmen für Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen sind Bestand-
teil der ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 4.
– Risse über 2 mm Breite müssen entsprechend Teil 4 behandelt werden.
– Die Abreißfestigkeit ist an Betonflächen je angefangene 500 m2 Einzelfläche an
je sechs Abreißversuchen nachzuweisen.
– Spritzbeton ist Beton nach DIN 18551 und kann als Betonersatz verwendet wer-
den (siehe ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 4)
– ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 5, beschreibt das Füllen von Rissen und Hohlräumen
in Betonbauteilen
– ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 6, beschreibt den Mauerwerksbau

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 5


D. 1. 2 Beton nach ZTV-ING, Teil 5, Tunnelbau

D. 1. 2. 1 Geltungsbereich

Abschnitt 1: Geschlossene Bauweise


Dieser Abschnitt gilt für die bautechnische Ausführung neuer sowie für die Erhal-
tung bestehender Straßentunnel. Es werden Regelungen für Tunnel in geschlos-
sener Bauweise als Spritzbetonbauweise behandelt.

Abschnitt 2: Offene Bauweise


Dieser Abschnitt gilt für die bautechnische Ausführung neuer sowie für die Er-
haltung bestehender Straßentunnel. Die Regelungen gelten sinngemäß auch für
Trogbauwerke.

Abschnitt 3: Geschlossene Bauweise – Maschinelle Vortriebsverfahren

Abschnitt 4: Betriebstechnische Ausstattung

Abschnitt 5: Abdichtung von Straßentunneln mit Kunststoffdichtungsbahnen

Im Folgenden sollen die Abschnitte 1 und 2 aus betontechnischer Sicht näher be-
schrieben werden.

D 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


D. 1. 2. 2 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Tafel D.6: Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Aus- Vorschrift Spritzbeton Beton für Tunnelinnenschale


gangsstoff
ZTV-ING und Beton allgemein 2) WU-Beton 3)
DIN 18551 1)
Zement DIN EN 197-1 – oder bauauf- – Alle für die – Möglichst nie­
DIN 1164-10 sichtlich zuge- Erstellung drige Tempera-
DIN 1164-11 lassener Ze- notwendigen turentwicklung
ment Betonrezepte im Bauteil
– Bei Einsatz von sind mindestens – SR-Zement bei
Beschleunigern zwei Wochen starkem che-
(SBE) ist eine vor Betonierbe- mischen Angriff
geeignete Kom- ginn beim AG durch sulfathal-
bination von vorzustellen. tige Wässer und
Zement und – Herstellung, Böden
Zusatzmittel in Verarbeitung – Kombination
der Erstprüfung und Überwa- (CEM I + SFA)
zu ermitteln. chung nach ist bis Sulfat-
– nur Einsatz von DIN 1045-3 konzentration
alkalifreiem von max.
Beschleuniger 1 500 mg/l
bei offener Bau-
weise zulässig
Gesteins­ DIN EN 12620 – Gesteinskör- – erhöhter Widerstand gegen Frost
körnung nung mit Eigen- und Taumittel je nach Expositions-
feuchte oder klasse
ofengetrocknet – grobe Gesteinskörnung
– max. Schwan- Kategorie Q0,05
kung der Eigen- – feine Gesteinskörnung
feuchte Kategorie Q0,25
hg  1,0 M.-% – gebrochene, grobe Körnung SI20
– soll gemischt-
körnig sein

Beton- DIN EN 12620 – günstig – Wasser abwei-


zusatz­ DIN EN 450-1 Gesteinsmehle sende Dich-
mittel/ DIN EN 934-2 – Höchstzugabe- tungsmittel
-zusatz- Prüfbescheid menge an SBE – (DM) sind nicht
stoffe des DIBt darf nicht über- zulässig
schritten wer-
den.
1)
DIN 18551 Spritzbeton – Nationale Anwendungsregeln zur Reihe DIN EN 14487 und Regeln
für die Bemessung von Spritzbetonkonstruktionen
2)
Für einen erhöhten Brandschutz ist bei neuen Straßentunneln der Beton für die Tunnel­
innenschale mit Polypropylenfasern (2 kg/m3) vorzusehen. Dabei sollen die Fasern eine
Länge von 6 mm und einen Durchmesser von 0,016 mm bis 0,020 mm aufweisen (bei
Abweichungen von Menge bzw. Geometrie ist die Eignung des Betons in Brandversuchen
nachzuweisen).
3)
Wasserundurchlässige Betonkonstruktion

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 7


D. 1. 2. 3 Anforderungen an den Spritzbeton

Tafel D.7: Anforderungen an Spritzbeton

Allgemein Es gilt DIN 18551


Betonzusammen- – Zement- und Zusatzmittel müssen hinsichtlich der Erstar-
setzung rungsbeschleunigung und des Festigkeitsabfalls abge-
stimmt sein.
– Auf versinterungsarme Zusammensetzung ist zu achten
(Drainage).
Sicherung – Betonfestigkeitsklasse C20/25
(Spritzbetonaußen-
– Rückprall darf weder überspritzt noch wiederverwendet
schale)
werden.
– Mindestbetondeckung cmin  3 cm
Erstprüfungen – Ergebnisse sind dem AG spätestens zwei Wochen vor
Beginn der Spritzbetonarbeiten vorzulegen.
– Vorlage Druckfestigkeit nach 12 und 24 Stunden, sowie
nach 3, 7 und 28 Tagen
Überwachung des – Prüfung der Frühfestigkeit in den ersten 24 Stunden und
Betonierens nach 3 und 7 Tagen
– Mindesthäufigkeit: eine Serie je 100 m3 bzw.  5 Tage

D 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


D. 1. 2. 4 Anforderungen an den Beton für Tunnelinnenschalen

Tafel D.8 Anforderungen an den Beton für Tunnelinnenschalen

Beton allgemein WU-Beton 1)


Betonzusammensetzung Ist insbesondere abzustimmen auf:
– Verarbeitbarkeit
– Bauteilabmessungen
– Bewehrungsanordnung
– Betonierverfahren
– Dauerhaftigkeit

Möglichst niedrige Betontemperaturerhöhung beim


Erhärtungsvorgang unter Einhaltung der
Mindestausschalfestigkeit
Mindestausschalfestigkeit In Abhängigkeit von der niedrigsten zu erwartenden
Frischbetontemperatur

Ausschalzeitpunkt  12 Stunden nach Einbringen des letzten Betons


Frischbetontemperatur  25 °C
Mindestdicke der Innen- dmin  30 cm dmin  40 cm
schale

Größtwert dmax  dsoll + 30 cm bzw.


(kleinerer Wert  1,5 dsoll
maßgebend)
Wassereindringtiefe –  3,0 cm (DIN EN 12390-8)
Betondeckung Erhöhte Betondeckung aus Brandschutzgründen:
– tunnelinnenseitig: cmin = 5 cm, cnom = 6 cm
– gebirgsseitig: cmin = 5 cm
Zulässige Rissbreite – allgemein gilt:
 0,20 mm;

– bei drückendem
Wasser  0,15 mm
Nachbehandlung  3 Tage mit Nachbehandlungswagen
Wasserundurchlässige Betonkonstruktion
1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 9


D. 1. 2. 5 Prüfumfang bei Beton für Tunnelinnenschalen

Vorlage der Ergebnisse der Erstprüfungen spätestens zwei Wochen vor Beto-
nierbeginn beim Auftraggeber (AG).

Tafel D.9: Prüfumfang bei Beton für Tunnelinnenschalen

Eigenschaft Erstprüfung Überwachungsprüfungen


Druckfestigkeit Jeweils 3 Würfel zum Mindestdruckfestigkeit vor
Ausschalzeitpunkt sowie jedem Ausschalen
nach 12 und 24 Stunden,
3, 7 und 28 Tagen
(gegebenenfalls 56 Tage)
Temperaturentwicklung – Dokumentation des Tem-
peraturverlaufs während
der ersten 36 Std. in ver-
schiedenen Bauteiltiefen:
– erste 5 Blöcke
– bei Rezepturänderung
Zusätzlich ist bei WU-Beton 1) nachzuweisen:
Ausbreitmaß, Luftgehalt, – Bei jeder Probenahme
Frischbetontemperatur
Spaltzugfestigkeit 3 Zylinder nach 28 Tagen –
(d/h = 150/300 mm)
Wasserundurchlässige Betonkonstruktion
1)

D 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


D. 2 Wasserbauwerke aus Beton und Stahlbeton
nach ZTV-W LB 215

D. 2. 1 Anwendung

Die ZTV-W gelten für den Bau von Schleusen, Hebewerken, Wehren, Sperrwer-
ken, Schöpfwerken, Dükern, Hafenbauten, Uferwänden, turmartigen Bauwerken
usw. einschließlich der Nebenanlagen. Sie gelten jedoch nicht für Straßen- und
Eisenbahnbrücken, Tunnel und tunnelartige Bauwerke (siehe ZTV-ING).

D. 2. 2 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Tafel D.10: Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Ausgangsstoff Vorschrift Zusätzliche Anforderungen


Zement DIN EN 197 und DIN 1164 Für Zemente, die nicht in
CEM I, CEM II/A-S, CEM II/B-S, ZTV-W aufgeführt sind, sind
CEM II/A-T, CEM II/B-T, dem Auftraggeber Allgemei-
CEM II/A-LL, CEM II/A-M (S- ne bauaufsichtliche Zulas-
LL), CEM II/A-M (S-T), sungen vorzulegen. Bei mas-
CEM II/B-M (S-T), sigen Bauteilen (d > 0,8 m
CEM II/A-M (T-LL), CEM III/A, sind Zemente mit niedriger
CEM III/B1) Wärmeentwicklung (LH) zu
verwenden.
Gesteinskörnung Gesteinskörnung nach Vorbeugende Maßnahmen
DIN EN 12620 sowie leichte gegen schädigende Alkali­
Gesteinskörnung nach reaktion im Beton entspre­-
DIN EN 13055-1 chend Alkali-Richtlinie des
DAfStB beachten. Abwei-
chende Anforderungen von
Regelanforderungen beachten
Zugabewasser DIN EN 1008 Die Verwendung von Brun-
nenwasser oder Restwasser
aus Wiederaufbereitungsan-
lagen bedarf der Zustimmung
des Auftraggebers
Zusatzmittel Betonverflüssiger (BV), Fließ- Andere Zusatzmittel sind nur
mittel (FM), Luftporenbildner mit Zustimmung des Auftrag-
(LP), Verzögerer (VZ) nach gebers möglich
DIN EN 934-2
Zusatzstoffe Flugasche nach DIN EN 450-1 Ein Wechsel der Flugasche
oder mit Allgemeiner bauauf- während der Bauausführung
sichtlicher Zulassung ist mit dem Auftraggeber ab-
zustimmen
Silikastaub nach Die Verwendung bedarf der
DIN EN 13263-1 Zustimmung des Auftrag­
gebers
Nicht für Beton in Vorsatzschalen nach ZTV-W LB 219, Schutz und Instandsetzung von
1)

Betonbauteilen in Wasserbauwerken

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 11


D. 2. 3 Anforderungen an die Betonzusammensetzung
nach ZTV-W LB 215

Die ZTV-W beschreibt in Anlehnung an Tabelle 1, „Expositionsklassen“ von


DIN EN 206-1/DIN 1045-2, in Tabelle 2.1 eigene wasserbauspezifische Zuord-
nungen von Bauteilen, die bei der Planung Berücksichtigung finden sollten.
Tragende Bauteile für Wasserbauwerke sind in der Regel in der Betonfestigkeits-
klasse C20/25 herzustellen. Dabei darf der w/z-Wert von 0,65 nur mit Zustim-
mung des Auftraggebers überschritten werden.

Betone für Wasserbauwerke müssen einen hohen Wasser­eindringwiderstand


nach Abschnitt 5.5.3 in DIN EN 206-1/DIN 1045-2 aufweisen (Wassereindringtie-
fe  30 mm). Frostprüfungen in den Expositionsklassen XF3 und XF4 sind, wenn
nicht anders vereinbart, nach den Abnahmekriterien des Merkblatts „Frostprü-
fung von Beton” der Bundesanstalt für Wasserbau durchzuführen. Für die Expo-
sitionsklassen XD3 und XS3 sind Betone unter Verwendung hüttensandhaltiger
Zemente (Hüttensandgehalt  21 M.-%) oder Beton mit Flugasche (Mindestflug­
aschegehalt 50 kg/m3) herzustellen.

Bei Bauteilen mit hohem Widerstand gegen mechanische Beanspruchung (XM2)


ist ein Beton der Festigkeitsklasse C35/45 mit einem Mindestzementgehalt von
320 kg/m3 und einem w/z-Wert  0,45 zu verwenden.

Für Beton massiger Bauteile (Bauteildicken über 0,80 m) mit Meerwasserbeauf-


schlagung oder für die Expositionsklassen XA2 bzw. XA3 sind zusätzliche Verein­
barungen im Bauvertrag zu treffen. Ein Zementwechsel innerhalb einer Beton­
sorte ist nicht zulässig. Das Lieferwerk ist dem Auftraggeber zu benennen.

Die Verwendung mehrerer Zementarten in einer Betonsorte ist grundsätzlich


nicht zulässig.

Die Konsistenz wird grundsätzlich nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 eingestellt.


Die Prüfung sowie die Lieferung und der Einbau von Beton in Konsistenzklassen
über F4 ist mit dem Auftraggeber abzustimmen. Bei gleichzeitigem Einsatz von
verflüssigenden Zusatzmitteln (BV, FM) und Luftporenbildnern (LP) sowie bei
weichen Betonen ( C3 bzw. F3) ist der Mindestluftgehalt nach DIN EN 206-1/
DIN 1045-2 um 1 Vol.-% zu erhöhen. Die Konsistenz darf bei Lieferung ausschließ-
lich mit Fließmitteln auf den festgelegten Wert gebracht werden. Eine nachträg-
liche Wasserzugabe ist nicht erlaubt.

D 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Der Auftragnehmer hat dem Auftraggeber spätestens zwei Wochen vor Beginn
der Erstprüfung (Eignungsprüfung) folgende Angaben vorzulegen und mit ihm
abzustimmen:

– Konzept für die Betonherstellung (Baustellenbeton oder Transportbeton)


– bei Transportbeton Angaben zur Transportentfernung einschließlich der
Ersatz­anlage(n)
– Art, Eigenschaften, Herkunft und Verfügbarkeit der Betonausgangsstoffe und
Betonrezepturen
– geplante Betonausführung
– Der Nachweis des Frost- und Frost-Tausalz-Widerstands der Gesteinskörnung
darf zu keinem Zeitpunkt der Bauausführung älter als 6 Monate sein.

Neben einer Reihe von Festlegungen zu durchzuführenden Prüfungen im Rah-


men der Erstprüfung (Eignungsprüfung) beschreibt die ZTV-W in der Anlage 1
der Vorschrift u.a. die Herstellung eines großformatigen Betonblocks, an dem die
quasiadiabatische Temperaturerhöhung der zu prüfenden Betonsorte gemessen
werden muss.

Die Frischbetontemperatur darf bei massigen Bauteilen (> 0,80 m) an der Ein-


baustelle 25 °C nicht überschreiten.

Der Lieferschein muss eine Gegenüberstellung von Soll-Einwaage und Ist-Ein-


waage mit Angaben der Differenzen enthalten.

Die angesetzte Oberflächenfeuchte der Gesteinskörnung (gesamt oder getrennt


nach einzelnen Korngruppen) muss nachvollziehbar ausgeführt werden.
Kopien der Lieferscheine sind dem Auftraggeber bei Anlieferung zu übergeben.

Tafel D.11: Lieferscheinangaben bei Transportbeton entsprechend ZTV-W LB 215

lfd. Angaben auf dem Lieferschein Automa- Vordruck


Nr. tischer bzw.
Aus- handschriftl.
druck Eintragung
1 Name, Anschrift und Telefonnummer des Lieferwerks X
2 Lieferscheinnummer X
3 Datum und Uhrzeit des Beladens X
4 Kennzeichen des Fahrzeugs X
5 Name des Abnehmers (Käufers) X
6 Bezeichnung und Lage der Baustelle X
7 Einzelheiten oder Verweise auf die Festlegung, X
z.B. Nummer im Listenverzeichnis, Sortenschlüssel,
Bestellnummer

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 13


Tafel D.11: Lieferscheinangaben bei Transportbeton entsprechend ZTV-W LB 215
Forsetzung

lfd. Angaben auf dem Lieferschein Automa- Vordruck


Nr. tischer bzw.
Aus- handschriftl.
druck Eintragung
8 Bauaufsichtliches Übereinstimmungszeichen mit X
Angabe von DIN EN 206-1
9 Name und Zeichen der Zertifizierungsstelle X
10 Uhrzeit des Eintreffens auf der Baustelle X
11 Uhrzeit des Beginns der Entladung auf der Baustelle X
12 Uhrzeit des Beendens der Entladung auf der Baustelle X
13 Betonfestigkeitsklasse X
14 Expositionsklasse(n) X
15 Festigkeitsentwicklung X
16 Art der Verwendung des Betons X
(unbewehrt, Stahlbeton, Spannbeton)
17 Zielwert der Konsistenz X
18 Herkunft, Art und Festigkeitsklasse des Zements X
19 Herkunft, Wirkstoffgruppe (Typbezeichnung), Bezeich- X
nung der Zusatzmittel sowie Herkunft und Art der
Zusatzstoffe
20 Besondere Eigenschaften, z.B. längere Verarbeitungszeit X
21 Nennwert des Größtkorns der Gesteinskörnung X
22 Rohdichteklasse bei Leichtbeton oder Zielwert der X
Rohdichte bei Schwerbeton
23 Ist-Einwaage Gesteinskörnung je Korngruppe X
24 Ist-Einwaage Zement X
25 Ist-Einwaage Zusatzstoff X
26 Ist-Einwaage je Zusatzmittel X X 1)
27 Oberflächenfeuchte der Gesteinskörnung X
(gesamt oder getrennt für jede Korngruppe)
28 Ist-Einwaage Wasser (Zugabewasser + Oberflächen- X
feuchte + Wasser aus Zusatzmittel bei > 3 l/m3 Beton)
29 Soll-Einwaage aller Betonausgangsstoffe X
gemäß Zeilen 23 bis 28
30 Differenz Soll-/Ist-Einwaage X
für alle Betonausgangsstoffe
31 Betonliefermenge des Fahrzeugs in m3 X

Bei Dosierung von Fließmittel auf der Baustelle sind der Zeitpunkt der Zugabe und die
1)

geschätzte Restmenge in der Mischertrommel vor der Zugabe anzugeben.

D 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


D. 3 Beton für den Bau von Fahrbahndecken gemäß
ZTV Beton-StB 07

D. 3. 1 Anwendung

Der Betonstraßenbau wird durch die ZTV Beton-StB 07 als Regelwerk für die
Herstellung, Anforderungen und Besonderheiten bei der Planung, Konstruktion
und Ausführung geregelt.

Daneben stehen zwei weitere Regelwerke zur Verfügung:

1) Die TL Beton-StB 07: Technische Lieferbedingungen für Baustoffe und Bau-


stoffgemische für Tragschichten mit hydraulischen Bindemitteln und Fahr-
bahndecken aus Beton
2) Die TP Beton-StB 07: Technische Prüfvorschriften für Baustoffgemische und
fertige Leistungen von Tragschichten mit hydraulischen Bindemitteln und
Fahrbahndecken aus Beton

D. 3. 2 Begriffsbestimmungen

Fahrbahndecken aus Beton sind der obere Teil des Oberbaus. Sie liegen auf der
Tragschicht oder einer anderen geeigneten Unterlage. Betondecken erfüllen die
Funktion der Fahrbahndecke und auch ganz oder teilweise die der Tragschicht.
Bild D.1 zeigt im Detail den Aufbau einer Straße in der Betonbauweise.

Bild D.1: Betonbauweise - Damm/Einschnitt


Die Fahrbahndecke kann ein- oder zweischichtig hergestellt werden.
Die obere Schicht wird als Oberbeton, die untere als Unterbeton bezeichnet.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 15


D. 3. 3 Dicke der Betondecken

Die Bemessung der Fahrbahnen und Verkehrsflächen erfolgt in der Regel nach
der RStO (Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflä-
chen). Die Belastungsklassen werden in Abhängigkeit von der dimensionierungs-
relevanten Beanspruchung definiert (äquivalente 10-t-Achsübergänge in Mio.).

Tafel D.12: Belastungsklassen in Abhängigkeit der dimensionierten Beanspruchung


nach RStO 12

Äquivalente 10 t-Achsübergänge Belastungsklasse


[Mio.]
über 32 Bk 100
über 10 bis 32 Bk 32
über 3,2 bis 10 Bk 10
über 1,8 bis 3,2 Bk 3,2
über 1,0 bis 1,8 Bk 1,8
über 0,3 bis 1,0 Bk 1,0
bis 0,3 Bk 0,3

Tafel D.13: Dicke der Betondecke von Fahrbahnen nach RStO 12

Dicke der Betondecke [cm]


Belastungsklasse auf
HGT Schotter Frostschutz
Bk 100 27 29 –
Bk 32 26 28 –
Bk 10 25 27 –
Bk 3,2 24 26 –
Bk 1,8 23 24 –
Bk 1,0 – – 21
Bk 0,3 – – 21

D 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


D. 3. 4 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Fahrbahndecken aus Beton werden aus Zement, Gesteinskörnungen, Wasser und


Betonzusätzen hergestellt.

Für die Herstellung der Betondecken sind Portland-, Portlandhütten-, Hochofen-


und Portlandschieferzement nach DIN EN 197-1 zu verwenden. Die Zemente müs-
sen mindestens der Festigkeitsklasse 32,5, Hochofenzement mindestens der Fes­
tigkeitsklasse 42,5 entsprechen.

Über die Anforderungen der DIN EN 197-1 hinaus werden an „Straßenbau­


zemente” der Festigkeitsklassen 32,5 und 42,5 – ausgenommen bei frühhoch-
festem Straßenbeton – erhöhte Anforderungen gestellt (Tafel D.15). Die höchst-
zulässigen Alkaligehalte der Zemente sind in Tafel D.14 aufgeführt.

Der Wasserzementwert darf bei Decken der Belastungsklassen Bk 100, Bk 32,


Bk 10, Bk 3,2 und Bk 1,8 den Wert 0,45, bei Decken der Belastungsklassen Bk 1,0
bis Bk 0,3 den Wert 0,5 nicht überschreiten.

Die Gesteinskörnung für Fahrbahndeckenbeton muss den Anforderungen der


TL Gestein-StB 04 entsprechen.

Die Gesteinskörnung muss nach DIN EN 12620 bzw. den TL Gestein-StB 04


güteüberwacht sein. An die Gesteinskörnung werden entsprechend der ange-
wendeten Bauweise zusätzliche Anforderungen gestellt. Zur Vermeidung von
Schäden an Fahrbahndecken aus Beton ist der Nachweis für die Eignung von
Gesteinskörungen entsprechend der Verfahren V1 bis V3 des Allgemeinen Rund-
schreibens Straßenbau (BMVBS) Nr.04/2013 zu erbringen.

Zugabewasser und Zusatzmittel müssen die Anforderungen der DIN EN 1008


bzw. DIN EN 934 erfüllen.

Betonzusatzstoffe/Füller müssen den Anforderungen der DIN EN 450 und


TL Gestein-StB 04 entsprechen.

Die Anforderungen an die Ausgangsstoffe sind in Tafel D.15 zusammengestellt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 17


Tafel D.14: Höchstzulässige Alkaligehalte von Zementen für den Bau von Fahr-
bahndecken aus Beton nach TL Beton – StB 07, Tabelle 2 (Fahrbahndecken­
zement bei Feuchtigkeitsklasse WS) 1)

Zement Hüttensandgehalt Alkaligehalt Alkaligehalt


des Zements des Zements
ohne Hüttensand bzw.
gebranntem Schiefer
Na2O-Äquivalent Na2O-Äquivalent
[M.-%] [M.-%] [M.-%]
CEM I –  0,80 –
CEM II/A-S, -T, -LL –  0,80 –
CEM II/B-T – –  0,90
CEM II/B-S 21 … 29 –  0,90
CEM II/B-S 30 … 35 –  1,00
CEM III/A 36 … 50 –  1,05
1)
Die Feuchtigkeitsklasse WS gilt für Gesteinskörnungen in Fahrbahndecken aus Beton der
Bauklassen SV und I bis III gemäß RStO (Richtlinie für die Standardisierung des Oberbaus
von Verkehrsflächen).

D 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel D.15: Zusätzliche Anforderungen an die Ausgangsstoffe für Fahrbahndecken
(Auswahl)

Aus- Vorschrift Zusätzliche Anforderungen


gangs-
stoff
Zement DIN EN 197-1 CEM I, CEM II/A-S, B-S, A-T, B-T, A-L, CEM III/A  42,5 6)
DIN 1164-10 – Erstarren bei 20 °C  2 Stunden 1)
– Mahlfeinheit  3 500 cm2/g 2)
– Wasseranspruch  28,0 M.-% 2)
– 2-Tage-Druckfestigkeit  29,0 N/mm2 2)
– Na2O-Äquivalent  0,8 M.-% 2) 6)
Festigkeitsklasse 42,5 R für frühhochfesten Straßenbeton
mit FM
Ge- TL für den Ober- und Unterbeton bei zweischich- für den
steins- Gestein-StB tigem Einbau Unter­
körnung beton 4)
Für Deckenbeton wird hoher Frost- und Tausalz-Widerstand
(F2) gefordert: (Prüfung nach DIN EN 1367-1, Anhang B,
Natriumchloridverfahren) Masseverlust  8 % (bei Frostein-
wirkungszone III (RstO)  5 % Anteil leicht gewichtiger,
organischer Verunreinigungen:
Feine Gesteinskörnung mLPC 0,25, grobe Gesteinskörnung
mLPC 0,05. Bei den Belastungsklassen Bk 100 bis Bk 1,8 Ge­-
steinskörnung > 8 mm: Mind. 50 % gebrochene Körnung der
Kategorie C90/1; Anteil gebrochen. ges. mind. 35 % in
der Kornform Kategorie SI20 oder FI20. Bei den Belastungs­
klassen Bk 100 bis Bk 1,8 müssen bei zweischichtiger Herstel-
lung und einem Oberbeton mit einer Dicke von 4 cm die Ge-
steinskörnung > 4 und  8 (gebrochen) der Kategorie C100/07)
entsprechen. Dabei muss die Kornform der Kategorie SI15
oder FI15 entsprechen. Im Deckenbeton der Belastungsklas-
sen Bk 100 bis Bk 1,8 müssen die gebr. Körnungen einen
Widerstand gegen Polieren von PSV535) haben.
Beton- DIN EN Wirksamkeitsprüfung erforderlich bei Kombinationen
zusatz- 934-2 LP/FM oder LP/BV; Abstandsfaktor  0,20 mm;

mittel Mikroluftporengehalt L 300  1,5 Vol.-%
Beton- DIN EN Eine Anrechnung auf den Zementgehalt ist nicht zulässig,
zusatz- 450-1 und
stoff TL Ge-
stein-Stb 04
1)
Gilt nicht für Festigkeitsklasse 42,5 R für frühhochfesten Straßenbeton
2)
Gilt nur für Portlandzement CEM I 32,5 R
3)
Bei zweischichtiger Herstellung der Decke; ebenso für den Beton bei einschichtiger
Herstellung
4)
Bei zweischichtiger Herstellung der Decke ist für den Unterbeton hoher Frostwiderstand F2
gefordert.
5)
Siehe Allgemeines Rundschreiben Straßenbau Nr. 14/2006 „Fahrbahndecken aus Beton mit
Waschbetonoberflächen”
6)
Siehe Allgemeines Rundschreiben Straßenbau Nr. 12/2006 (BMVBW)
7)
Die Verwendung oder Mitverwendung von Gesteinskörnung der Kategogie C90/1 ist nur mit
­Zustimmung des Auftraggebers zulässig.

Die Zementtemperatur soll bei Anlieferung Tz < 80 °C betragen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 19


D. 3. 5 Anforderungen an die Betonzusammensetzung

Fahrbahndeckenbeton nach DIN EN 206 bzw. ZTV Beton- StB 07 ist ein Be-
ton mit hohem Frost-, Tausalz- und hohem Verschleißwiderstand. Für alle Belas­
tungsklassen gilt die Expositionsklasse XF4.

Fahrbahndecken aus Beton sind der Feuchtigkeitsklasse WS der DAfStb-Richt­


linie „Vorbeugende Maßnahmen gegen schädigende Alkalireaktion im Beton“
(Alkali-Richtlinie) zuzuordnen. Die Anforderungen an die Gesteinskörnung dieser
Richtlinie sind zu beachten.

Die Verschleißbeanspruchung ist bei Decken der Belastungsklassen Bk 1,0 bis


Bk 0,3 durch die Expositionsklasse XM1 (mäßige Beanspruchung) festgelegt. Die
Belastungsklassen Bk 100 bis Bk 1,8 werden der Expositionsklasse XM2 (starke
Beanspruchung) zugeordnet. Die starke Verschleißbeanspruchung gilt nur für
den Oberbeton. Bei Ausführung der Waschbetonbauweise entfällt die Obergren-
ze des Zementgehalts.

Dem wird mit den hohen Anforderungen an die Gesteinskörnung der Deckschicht
hinsichtlich der Kategorien Kornform bzw. Kornformkennzahl und dem PSV-Wert
(Widerstand gegen Polieren) Rechnung getragen.

Alle Belastungsklassen sind in die gleiche Druckfestigkeitsklasse (C30/37) einge-


ordnet.

Der Beton muss eine bestimmte Menge an Feinanteilen besitzen, damit er sich
gut verarbeiten lässt, sich nicht entmischt und damit er ein geschlossenes Gefü-
ge erhält. Gegebenenfalls werden dem Beton deshalb Betonzusatzstoffe zugege-
ben, die aber weder auf den Zementgehalt noch auf den w/z-Wert angerechnet
werden dürfen.

Der Gesamtgehalt an feinkörnigen Bestandteilen, Zement + evtl. Zusatzstoff +


Feinstsand (Sand kleiner 0,25 mm), darf 450 kg/m3 (bei Gröstkorn 8 mm,
500 kg/m3) nicht überschreiten.

Bei Decken aus Beton mit Fließmittel, der einen höheren Zementgehalt aufweisen
kann, ist der Gesamtgehalt Mehlkorn + Feinstsand auf 500 kg/m3 begrenzt.

D 20 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel D.16: Anforderungen an den Fahrbahndeckenbeton

Belastungs- Anforderungen
klasse
Zementgehalt Bk 100, Festlegung durch Erstprüfung
Bk 32 bis  340 kg/m3 2) 4)
Bk 1,8
Kornzusammensetzung Bk 100, – mind. 3 Korngruppen:
der Gesteinskörnung Bk 32 bis (davon  35 M.-% Splitt)
Bk 1,0 0/2, 2/8, > 8 mm oder 0/4, 4/8, > 8 mm
– Größtkorn: 16 mm, 22 mm oder 32 mm
– Siebdurchgang: 1 mm  27 M.-%
2 mm  30 M.-%
Bk 0,3 – mind. 2 Korngruppen: 0/4 und > 4 mm
– Größtkorn: 16 mm, 22 mm oder 32 mm
Mehlkorn- und Bk 100 bis – allgemein  450 kg/m3
Feinstsandgehalt Bk 0,3 – bei 8 mm Größtkorn  500 kg/m3 2) 4)
 0,25 mm
Mindestluftgehalt des Bk 100 bis – für Beton ohne BV oder FM:
Frischbetons Bk 0,3 Einzelwert  3,5 Vol.-%
bei Größtkorn 32 mm Tagesmittelwert  4,0 Vol.-%
bzw. 22 mm 1) – für Beton mit BV und/oder FM
Einzelwert  4,5 Vol.-%
Tagesmittelwert  5,0 Vol.-%
Druckfestigkeit Bk 100 bis
Bk 1,0 C30/37 5)

Bk 0,3
Biegezugfestigkeit 2) Bk 100 bis F 4,5
Bk 1,8
Bk 1,0 und F 3,5
Bk 0,3
Nachbehandlungs- Bk 100 bis – Nassnachbehandlung  3 Tage
verfahren Bk 0,3 – Nachbehandlungsmittel mit Sperrkoef-
fizient S  75 % 3); zusätzliche Nassnach­
behandlung bei Lufttemperaturen > 30 °C,
starker Sonneneinstrahlung, starkem Wind
oder relativer Luftfeuchte < 50 %
– Abdeckung mit Folien
– wasserhaltende Abdeckungen  3 Tage
feucht halten
– Imprägnierungen
1)
Bei Korngemischen mit 16 mm Größtkorn ist der Mindestluftgehalt des Frischbetons um
0,5 Vol.-% zu erhöhen. Bei Größtkorn 8 mm ist der Mindestluftgehalt um 1,5 Vol.-% zu
erhöhen.
2)
Nur bei der Erstprüfung nachzuweisen.
3)
Die Verwendung von Nachbehandlungsmitteln mit erhöhtem Hellbezugswert (Weißwert)
ist zweckmäßig.
4)
Beton für Fahrbahndecken, bei dem planmäßig Oberflächenmörtel entfernt wird (Wasch-
betondeckschicht), muss mindestens 420 kg/m3 Zement enthalten. Aufgrund des hohen
Zementgehalts darf die Obergrenze für Mehlkorn- und Feinstsandgehalt von 500 kg/m3
überschritten werden.
5)
Die im Rahmen der Kontrollprüfungen ermittelte Druckfestigkeit am Bohrkern (H = D =
150 mm) muss als Einzelwert  35 N/mm2 und als Mittelwert  40 N/mm2 betragen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 21


D. 3. 6 Fahrbahndecken aus Beton mit Fließmittel

Zwei Anwendungsbereiche werden unterschieden:

– Frühhochfester Straßenbeton mit FM


Der Einsatz erfolgt dort, wo nur eine kurzzeitige Verkehrssperrung möglich ist
(Tagesbaustellen).
– „Weicher” Straßenbeton mit FM
Der Einsatz erfolgt dort, wo Gleitschalungsfertiger nicht eingesetzt werden
können bzw. wo deren Einsatz nicht sinnvoll ist, wie z.B. bei kleinen Baulosen
und Feldern mit ungünstigen Abmessungen.

In der Tafel D.18 sind die wichtigsten Anforderungen zum Straßenbeton mit
Fließmittel zusammengestellt.

Werden bei der Erstprüfung die Luftporenkennwerte bestimmt und werden hier-
bei der Abstandsfaktor L von 0,20 mm und der Gehalt an Mikroluftporen A300
von 1,8 Vol.-% nicht überschritten, ist wie bei Beton ohne BV bzw. FM bei einem
Größtkorn von 8 mm ein mittlerer Luftgehalt von 5,5 Vol.-%, von 16 mm
4,5 Vol.-% und von 32 mm bzw. 22 mm von 4,0 Vol.-% ausreichend. Dabei dürfen
die Einzelwerte des Luftgehalts des Frischbetons bei einem Größtkorn 8,0 mm
6,0 Vol.-%, bei 16 mm 5,0 Vol.-% und bei 32 mm bzw. 22 mm 4,5 Vol.-% nicht
überschreiten.

Bei Waschbeton mit einem Größtkorn 8 mm der Konsistenzklassen C1 oder C2,
der mit Fließmittel oder Verflüssiger hergestellt wird, ist ein mittlerer Luftgehalt
von 4,5 Vol.-% ausreichend (Einzelwert 4,0 Vol.-%), vorausgesetzt, dass bei der
Erstprüfung die Luftporenkennwerte bestimmt worden sind und der Abstands-
faktor L von 0,20 mm nicht überschritten und ein Mikroluftgehalt von 1,8 Vol.-%
nicht überschritten wurde.

Beim Nachweis der Festigkeit an Bohrkernen in einem Alter über 60 Tagen ist ein
Zeitbeiwert z in Abhängigkeit vom verwendeten Zement und vom tatsächlichen
Prüfalter zu berücksichtigen. (Tab. 1a aus TP-Beton StB). Dabei sind die Wer-
te der Bohrkernprüfung mit dem jeweiligen Zeitbeiwert zu multiplizieren (Zwi-
schenwerte sind linear zu interpolieren).

Tafel D.17: Prüfalter

Prüfalter Zeitbeiwert z
(Tage) CEM I CEM II/III
60 1,0 1,0
120 0,92 0,95
180 0,88 0,93
 360 0,82 0,92

D 22 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


In der Erstprüfung muss die Druckfestigkeit (Mittel aus drei Probekörpern, Würfel
150 mm und Lagerung unter Wasser bei 20 °C) mind. 30 N/mm2 betragen. Ein-
zelwerte dürfen 26 /mm2 nicht unterschreiten.

Tafel D.18: Richtwerte für den Straßenbeton mit Fließmittel

„Weicher” Straßenbeton Frühhochfester Straßen-


mit Fließmittel beton mit Fließmittel

Betonzusammensetzung
Zementfestigkeitsklassen i.d.R 32,5 R 42,5 R
Zementgehalt 340 … 360 kg/m 3
350 … 380 kg/m3
Gesteinskörnung – Größtkorn i.d.R. 22 mm (16 mm, 32 mm auch möglich)
– Hoher Frost- und Tausalz-Widerstand
– Korngröße > 8 mm mit hohem Polierwiderstand
Sieblinie Stetige Sieblinie zwischen A und B;
Ausfallkörnung möglich
Siebdurchgang 1 mm  27 M.-%
Siebdurchgang 2 mm  30 M.-%
Mehlkorn- und
 500 kg/m3
Feinstsandgehalt
Luftporenbildner nach Erstprüfung
Fließmittel 1) 1 … 2 M.-% 2 … 3 M.-%
vom Zementgehalt vom Zementgehalt
Frischbeton
Ausgangsbeton:
– Ausbreitmaß bis 39 cm –
– Verdichtungsmaß – 1,40 … 1,20
w/z-Wert bei Tausalzbeanspruchung möglichst < 0,40
 0,45
Beton mit Fließmittel:
– Ausbreitmaß 42 … 49 cm 35 … 41 cm
Festbeton
Druckfestigkeit2): Bk 100 bis Bk 1,0
– Einzelwert nach 2 Tagen – WN  25 N/mm2
– Mittelwert nach 2 Tagen – WS  28 N/mm2
Bk 1,0 bis Bk 0,3

– Einzelwert nach 2 Tagen – WN  18 N/mm2
– Mittelwert nach 2 Tagen WS  21 N/mm2

Einzelwert und
Druckfestigkeit jeder Serie Tafel D.16
nach 28 Tagen
1)
Bei Decken der Belastungsklassen Bk 1,0 und Bk 0,3 ist die Verwendung von Betonverflüs-
siger zulässig.
2)
WN – Druckfestigkeit jedes Probekörpers
WS – Mittlere Druckfestigkeit in Betondecken bei Kontrollprüfung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 23


D. 4 Tragschichten im Straßenbau gemäß TL Beton-StB 07

Im folgenden Kapitel werden nur Tragschichten mit hydraulischen Bindemitteln


behandelt.

D. 4. 1 Anwendung

Die TL Beton-StB 07 wird für den Bau von Tragschichten für Straßen und Wege
aller Art sowie für andere Verkehrsflächen angewendet.

Anmerkung
In die TL Beton konnten die bisherigen Regelungen aus den ZTVT (Zusätzliche
Technische Vertragsbedingungen für Tragschichten im Straßenbau) im Wesent-
lichen übernommen werden.

Auch die Entspannung bzw. Unterteilung der Tragschichten durch Kerben erfolgt
vergleichbar mit bisherigen Regelungen.

Bei Verwendung einer Zwischenlage aus Vliesstoff kann künftig auf das Kerben
verzichtet werden.

D. 4. 2 Begriffe

Tragschichten sind der untere Teil des Oberbaus. Sie liegen zwischen der Fahr-
bahndecke und dem Untergrund bzw. dem Unterbau.

Je nach Zusammensetzung werden folgende Tragschichten unterschieden:



– Tragschichten ohne Bindemittel
• Frostschutzschichten
• Kies- und Schottertragschichten

– Tragschichten mit hydraulischen Bindemitteln
• Verfestigungen
• Hydraulisch gebundene Tragschichten (HGT)
• Betontragschichten

– Asphalttragschichten

D 24 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


D. 4. 3 Anforderungen an die Ausgangsstoffe

Die technischen Anforderungen an die Ausgangsstoffe für Tragschichten im Stra-


ßenbau sind in nachfolgender Tafel D.19 zusammengestellt.

Tafel D.19: Anforderungen an die Ausgangsstoffe

Baustoff Vorschrift Anforderungen


Untergrund TL Gestein-StB 04 Grobkörnige Böden nach DIN 18196
ZTVE-StB Abs. 3.1 gemischtkörnige Böden.
Gesteinskörnung TL Gestein-StB 04 Natürliche und künstliche Mineralstoffe,
DIN EN 12620 Recyclingbaustoffe, Mineralstoffe müssen
nach RG Min-StB oder DIN EN 12620
güteüberwacht sein.
Bindemittel DIN EN 197-1, Zemente nach DIN EN 197-1 1) oder
DIN 1164-10 und DIN 1164 sowie hydraulische Boden- und
DIN EN 13282-1 Tragschichtbinder.
Betonzusatzmittel DIN EN 934 Bei gleichzeitigem Einsatz von LP/FM
oder LP/BV ist die Einhaltung des Ab-
standsfaktors von  0,20 mm und des
Mikroluftporengehalts  1,5 Vol.-% durch
Wirksamkeitsprüfung nachzuweisen.
Zugabewasser DIN EN 1008 Trinkwasser; natürliches Wasser.
Im Zweifelsfall ist eine Prüfung nach
DIN 4030 erforderlich.
Zugelassen sind auch Zemente mit einer Bauaufsichtlichen Zulassung für die Expositions-
1)

klasse XF1.

Für Stahlwerksschlacke (SWS), Schmelzkammergranulat (SKG), Steinkohlen-


flugasche (SFA), Hausmüllverbrennungsasche (HMVA) und Recyclingbaustoffe
(RC) gelten über die Anforderungen der TL Min-StB hinaus die Anforderungen
der jeweiligen Technischen Lieferbedingungen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 25


D. 4. 4 Anforderungen an die Baustoffgemische

Die technischen Anforderungen an die Baustoffgemische für Tragschichten im


Straßenbau sind in nachfolgender Tafel D.20 zusammengefasst.

Tafel D.20: Anforderungen an die Baustoffgemische

Tragschicht Böden Bindemittel Baustoffgemisch


Mineralstoffe
Verfestigung Geeignet sind Böden und Zemente, Zusammensetzung nach
Mineralstoffgemische bis hydraulische Eignungsprüfung;
63 mm Größtkorn; Prü- Tragschicht- Bindemittelgehalt > 3 M.-%
fung Frostwiderstand (am binder mittlere Druckfestigkeit:
erhärteten Baustoffge- – unter Asphaltschichten
misch), wenn im Boden/ 28 d = 7 N/mm2
Mineral­stoffgemisch der – unter Betondecke
Kornanteil < 0,063 mm 28 d  15 N/mm2
zwischen 5 M.-% und Einzelwerte  2 N/mm2
15 M.-% liegt. um den Mittelwert
– Längenänderung < 1 ‰
bei Prüfung des Frost-
widerstands
Hydraulisch ungebrochene und/oder Zemente, Zusammensetzung nach
gebundene gebrochene Mineral- hydraulische Eignungsprüfung;
Tragschicht stoffgemische; Korngrö- Tragschicht- Bindemittelgehalt > 3 M.-%
(HGT) ßenverteilung innerhalb binder (keine Druckfestigkeit
vorgegebener Sieblinien schnell – unter Asphaltschichten
(Tafel D.21). Frostwider- erstarrenden 28 d = 7 ... 12 N/mm2
standsprüfung Kornanteil Bindemittel) – unter Betondecken
< 0,063 mm zwischen 28 d  15 N/mm2
5 M.-% und 15 M.-% am er- Einzelwerte  2 N/mm2
härteten Baustoffgemisch um den Mittelwert
nach TP Beton-StB 07 – Längenänderung < 1 ‰
bei Prüfung des Frost-
widerstands
Betontrag- ungebrochene und/oder Zement Zusammensetzung nach
schicht gebrochene Mineralstoffe mind. Eignungsprüfung;
Festigkeits- Beton nach DIN EN 206-1/
klasse 32,5 N DIN 1045-2
Festigkeitsklasse C12/15,
C20/25.
Bei Einsatz von FM gilt
ZTV Beton-StB 07

Tafel D.21: Kornverteilung im Mineralstoffgemisch für hydraulisch gebundene


Tragschichten

Körnung Kornanteil im Mineralstoffgemisch [M.-%]


der gröbsten
< 0,063 mm > 2,0 mm an Überkorn
Kornklasse
0/32
 15 55 … 84  10  10
0/45

D 26 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Gesteinskörnungen und Baustoffgemische für Tragschichten mit hydraulischen
Bindemitteln müssen den Anforderungen der TL Gestein-StB 04, entsprechen.
Sie werden nach TL G SoB-StB güteüberwacht. Dabei werden folgende Prü-
fungen unterschieden:

– Erstprüfungen (Eignungsprüfungen)
– Eigenüberwachungsprüfungen
– Kontrollprüfungen

Die Prüfungen umfassen, soweit erforderlich:

– die Probenahme
– das versandfertige Verpacken der Probe
– den Transport der Probe von der Entnahmestelle zur Prüfstelle
– die Untersuchung einschließlich Prüfbericht

D. 4. 5 CE-Kennzeichnung und Lieferschein

Der Lieferschein muss eine Gegenüberstellung von Soll-Einwaage und Ist-Ein-


waage mit Angaben der Differenzen enthalten. Die angesetzte Oberflächen-
feuchte der Gesteinskörnung (gesamt oder getrennt nach einzelnen Korngrup-
pen) muss nachvollziehbar ausgeführt werden. Kopien der Lieferscheine sind
dem Auftraggeber bei Anlieferung zu übergeben.

CE-Konformitätskennzeichnung
bestehend aus dem CE-Zeichen
nach der Richtlinie 93/68/EWG

0123 Kennnummer der Zertifizierungs-


stelle
AnyCo Ltd, PO Box 21, B-1050 Name oder Bildzeichen und einge-
tragene Anschrift des Herstellers
15 Die letzten beiden Ziffern des
Jahres, in dem die Kennzeichnung
angebracht wurde
0123-BPR-0023 Nummer des Zertifikats
EN 13282-1 Nummer der Europäischen Norm
Schnell erhärtende hydraulische Beschreibung
Tragschichtbinder des Produkts
HRB E3 Normbezeichnung
Zusätzliche Angaben (sofern gefordert)

Bild D.2: Beispiel für die CE-Kennzeichnung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I D 27


E Selbstverdichtender Beton (SVB)
Dipl.-Ing. André Hahn

E. 1 Begriffe, Technische Daten

E. 1. 1 Normative Verweise

Bei selbstverdichtendem Beton (SVB) sind ergänzende Regeln zu beachten. Das


sind die Teile 8 bis 12 der DIN EN 12350. Die DAfStb-Richtlinie „Selbstverdichten-
der Beton“ formuliert Ergänzungen und Änderungen zu DIN EN 1992-1-1, DIN EN
1992-1-1/NA, DIN EN 206-1/DIN 1045-2, DIN EN 13670 und DIN 1045-3.

E. 1. 2 Rheologische Vorbetrachtungen

Die Viskosität beschreibt die „Zähigkeit” einer Flüssigkeit. Zur Ermittlung entspre-
chender Kennwerte an Zementsuspensionen werden überwiegend Viskomaten
mit geeigneten Paddeln eingesetzt. Wird das Paddel durch die Suspension be-
wegt, entstehen in Abhängigkeit von den Schergeschwindigkeiten Scherspan-
nungen, die sich messen lassen. Die funktionale Abhängigkeit der Scherspannung
von der Schergeschwindigkeit beschreibt das rheometrische Verhalten von Flüs-
sigkeiten bzw. Suspensionen.

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Bild E.1: Rheometrische Grundlagen 1)

Grube, H.; Rickert, J.: Selbstverdichtender Beton – ein weiterer Entwicklungsschritt des
1)

5-Stoff-Systems Beton. Betontechnische Berichte 1998-2000, Verlag Bau+Technik,


Düsseldorf 2001

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 1


Reine Flüssigkeiten können z.B. Wasser oder Öl sein. Sie besitzen keine Fließgren-
ze, sie fließen ohne äußere Einwirkung, allerdings in unterschiedlicher „Zähigkeit”,
sprich Viskosität. Suspensionen wie die Mehlkorn-Wasser-Suspensionen im Beton
(Zement+Zusatzstoff+Mehlkorn+Wasser) haben zusätzlich in Abhängigkeit vom
Wassergehalt eine mehr oder weniger stark ausgeprägte spezifische Fließgrenze.
Bei den üblichen Regelkonsistenzmessungen mittels Ausbreitversuch wird die-
se Fließgrenze durch das „Schlagen” des Tisches überwunden – bei dem Einbau
entsprechender Regelbetone durch das Einsetzen von Innen- oder Außenrüttlern.
Selbstverdichtende Betone fließen bereits unter dem Einfluss der Schwerkraft.

E. 1. 3 Begriffe, Anwendungsbereiche für SVB

Selbstverdichtender Beton (SVB) ist ein Hochleistungsbeton bezüglich der Ver-


arbeitbarkeit. Er verdichtet/entlüftet allein unter dem Einfluss der Schwerkraft
und besitzt ­dabei das Vermögen, Bewehrungszwischenräume und Schalung voll-
ständig auszufüllen. Sein Restporenvolumen entspricht dem üblicher verdichteter
Rüttelbetone. Die Konsistenz selbstverdichtender Betone liegt deutlich a ­ ußerhalb
der Regelungen der DIN 1045-2.

SVB lässt sich nach der Mischungszusammensetzung unterscheiden. Es wird un-


terschieden in Mehlkorntyp, Stabilisierertyp und Kombinationstyp. Selbstverdich­
tende Betone als Mehlkorntyp weisen einen höheren Mehlkorngehalt auf, meist
oberhalb der zulässigen Höchstgrenzen nach DIN 1045-2. Das Grobkorn derar-
tiger Betone wird in einer optimierten Mehlkorn-Wasser-Fließmittel-Suspensi-
on (Leim) in der Schwebe gehalten, es liegt weniger packungs­dicht als bei her-
kömmlichen Rüttelbetonen.

Beim Stabilisierertyp wird durch Zugabe von Zusatzmitteln die Viskosität des
üblichen Leims deutlich erhöht, sodass alle erforderlichen Eigenschaften des SVB
ohne zusätzliches Mehlkorn erreicht werden können. Eine Optimierung, beson-
ders der Mehlkornzusammensetzung, sollte aber auch hier durchgeführt werden.
Zu diesem Typ liegen bislang kaum praktische Erfahrungen vor.

Der Kombinationstyp nutzt Vorteile aus beiden vorgenannten Mischungskonzep-


ten. Es kann SVB im Vergleich zum Mehlkorntyp mit weniger Mehlkorn hergestellt
werden. Weiteres Potenzial ergibt sich aus der möglichen Erhöhung der
Robustheit der mehlkornreichen Mischungen.

Anwendung findet SVB sowohl in Fertigteil- als auch in Transportbetonwerken.


Besonders bei Bauteilen mit hohen Bewehrungsgraden oder schwierigen geo-
metrischen Verhältnissen zeigen sich die deutlichen Verarbeitungsvorteile bei
meistens gleichmäßigen Sichtbetoneigenschaften. Lärmminderung, geringerer
Personalbedarf und geringere Investitionskosten stehen höheren Kosten für die
Betonherstellung und Qualitätssicherung gegenüber. Auch die höhere Empfind-
lichkeit selbstverdichtender Betone gegenüber Schwankungen der Herstellungs-
bedingungen und Ausgangsstoffe ist zu beachten.

E 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


E. 2 Anforderungen, Eigenschaften, Prüfungen

E. 2. 1 Ausgangsstoffe

Selbstverdichtende Betone besitzen eine höhere Empfindlichkeit gegenüber


Schwankungen der Ausgangsstoffe als Normalbetone. Der Hersteller von SVB
sollte mit den Lieferanten der Ausgangsstoffe Toleranzbereiche für einzel-
ne Grenzwerte der Ausgangsstoffe vereinbaren. Die Anforderungen aus der
DAfStb-Richtlinie „Vorbeugende Maßnahmen gegen schädigende Alkalireaktion
im Beton” sind besonders zu beachten.

Zement
Prinzipiell können alle Zemente nach DIN EN 197 oder DIN 1164 für die Herstel-
lung selbstverdichtender Betone eingesetzt werden. Die Anwendungsbereiche
für Zemente nach den Expositionsklassen entsprechend der DIN 1045-2 müssen
beachtet werden. Eine hohe Gleichmäßigkeit, speziell des Wasseranspruchs, ist
für die Produktion von SVB erforderlich.

Zusatzstoffe
Es dürfen Zusatzstoffe im Sinne der DIN 1045-2 eingesetzt werden. Ein gleich-
bleibender Wasserbedarf dieser Mehlkornbestandteile ist zu sichern. Die Ver-
wendbarkeit von Kalksteinmehl als Zusatzstoff für selbstverdichtenden Beton ist
nachzuweisen. Flugasche nach DIN EN 450-1 wird in der Regel zum Erreichen des
höheren Mehlkorngehalts eingesetzt. Der höchstzulässige Mehlkorngehalt wird
auf 650 kg/m3 begrenzt.

Gesteinskörnung
Als geeignet gelten Gesteinskörnungen nach DIN EN 12620. Ein gleichmäßiger
Mehlkornanteil, gleichmäßige Kornverteilungen und Wasseransprüche (minimaler
Zementleimbedarf) sind wichtige Kriterien für das zielsichere Erreichen der für
die Selbstverdichtung erforderlichen Eigenschaften.

Der Einsatz von rezyklierten Gesteinskörnungen ist nicht gestattet. Nicht aufbe-
reitete (natürliche zusammenge­setzte) Gesteinskörnung darf nicht verwendet
werden.

Zusatzmittel
SVB muss mit Fließmitteln hergestellt werden. Als besonders geeignet haben
sich in der Praxis Fließmittel, z.B. auf PCE-Basis (Polycarboxylatether), erwiesen.
Durch den Einsatz dieser Fließmittel wird die Fließgrenze der Mehlkornsuspen-
sion herabgesetzt, ohne die Viskosität wesentlich zu verringern. Damit wird das
Fließen ermöglicht, ohne die Entmischungsgefahr zu steigern. Die Hinweise der
Hersteller zur Lagerung ihrer Produkte sind zu beachten. Gegebenenfalls sind die
Fließmittel vor der Dosierung aufzurühren.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 3


Verwendung von Restwasser
Bei Kenntnis des Feststoffgehalts des Restwassers und entsprechenden Erstprü-
fungen des SVB wird der Einsatz von Restwasser unter bestimmten Bedingungen
gestattet. Der Einsatz von Restwasser ist jedoch wegen der ohnehin hohen Sensi-
bilität des SVB nicht zu empfehlen.

Für die Herstellung von SVB sind unbedingt Ausgangsstoffe mit gleichbleiben­
den Eigenschaften zu verwenden. Diese Eigenschaften sollten häufiger als beim
üblichen Beton kontrolliert werden.

Tafel E.1: Zusätzliche Kontrolle der Ausgangsstoffe für SVB

Ausgangs- Prüfung Zweck Mindesthäufigkeit


stoff
Zement Wasserbedarf oder Einhalten der verein- Jede Lieferung vor der
Wasseranspruch barten Anforderungen Betonherstellung
Gesteins- Siebversuch an feiner Einhalten der verein- Einmal je Produktions-
körnung Gesteinskörnung barten Anforderungen tag vor der Betonher-
stellung
Wassergehalt Bestimmung der Einmal durch Darrver-
Zugabewassermenge such vor der Beton-
herstellung und durch
automatische Mes-
sung an der feinen Ge-
steinskörnung wäh-
rend der Produktion
Zusatz­ Dichte Einhalten der festge- Jede Lieferung vor der
mittel legten Anforderungen Betonherstellung
Zusatz- Flugasche: Einhalten der verein- Jede Lieferung vor der
stoffe Wasseranspruch barten Anforderungen Betonherstellung
Gesteinsmehl:
Wasseranspruch
Von den Ausgangsstoffen sollen Rückstellproben bis zum erfolgten Festigkeitsnach-
weis oder zum vereinbarten Zeitpunkt aufbewahrt werden.
Die Prüfungen an den Betonausgangsstoffen können auch durch Daten der werksei-
genen Produktionskontrolle des Lieferanten ersetzt bzw. ergänzt werden.

E 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Prüfverfahren zur Bestimmung des Wasseranspruchs von Ausgangsstoffen
Die Bestimmung des Wasseranspruchs zur Erzielung der Normsteife nach
DIN EN 196-3 kann zur Prüfung des Wasserbedarfs der Zemente genutzt werden.

Durch Nutzung dieses Verfahrens nach Vicat lassen sich auch die Wasserbedarfs-
zahlen für Flugaschen ermitteln.

Ein weiteres Verfahren ist die Bestimmung des P-Werts nach Okamura. Es wird
im normativen Anhang der DAfStb-Richtlinie „Selbstverdichtender Beton” aus-
führlich beschrieben und kann für die Bestimmung des Wasseranspruchs von
Zement, Flugasche, Kalksteinmehl und von Mischungen aus diesen Stoffen an-
gewendet werden. Der P-Wert ist eine dimensionslose Kenngröße und be-
schreibt ein Volumenverhältnis Wasser zu Feststoff, bei der das Wasser-Fest-
stoff-Gemisch noch nicht fließt. Das prinzipielle Vorgehen lässt sich wie folgt
beschreiben. Es werden verschiedene fließfähige Mehlkorn-Wasser-Mischungen
(Leim) hergestellt. Dabei wird nur das Volumen des Wassers variiert. Der Hae-
germann-Trichter wird mit Leim gefüllt und anschließend hochgezogen. Der
Leim fließt auf einer sauberen, trockenen Glasplatte – nur unter Einwirkung der
Schwerkraft. Das Setzfließmaß wird gemessen. Der Versuch wird mindestens
dreimal durchgeführt. Die gemessenen Setzfließmaße müssen in das relative
Setzfließmaß, den Wert Gamma (), umgerechnet werden.

Relatives Setzfließmaß:  = (Setzfließmaß/100)2 - 1

Der P-Wert kann grafisch ermittelt werden. Dazu werden die entsprechenden
Wertepaare in ein Diagramm (siehe Bild E.2) eingetragen. Die Punkte werden
durch eine Gerade verbunden. Der Schnittpunkt dieser Geraden mit der Ordinate
entspricht dem gesuchten Wert.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 5


Tafel E.2: Beispiel zur Bestimmung des Wasseranspruchs nach Okamura

Wasser-Feststoff-Verhältnis VW/VP 0,95 0,99 1,03 1,07

Feststoff [l] 0,27 0,27 0,27 0,27

Dichte [kg/dm ] 3
2,98 2,98 2,98 2,98

Einwaage [g] 805 805 805 805

Wasser [l] 0,257 0,267 0,278 0,289

Einwaage [g] 257 267 278 289

Setzfließmaß [mm] 172 204 230 250

rel. Setzfließmaß  1,96 3,16 4,29 5,25


9:93





3









      

UHO6HW]µLH‰PD‰

Bild E.2: Grafische Bestimmung des P-Werts

In diesem Beispiel ergibt sich ein P-Wert von ca. 0,88.

Die Ermittlung des P-Werts kann auch rechnerisch mittels linearer Regression
aus den Wertepaaren VW/VP und  nach folgender Funktion ermittelt werden.

VW
= m ·  + P
VP

E 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Die Bestimmung des Wasseranspruches nach Puntke ist ebenfalls ein praxisbe-
währtes Verfahren. Bei diesem Verfahren wird der Sättigungswasserbedarf bei
der erreichbaren Packungsdichte des Korngefüges bestimmt. Dieser Wasseran-
spruch ist ein charakteristischer Kennwert für die Korngrößenverteilung und die
Kornform des Prüfguts. Das Verfahren korreliert gut mit der Bestimmung der
Normsteife von Zementen („Vicat-Verfahren”) und hat den Vorteil, dass es auch
bei z.B. Gesteinsmehlen, Sanden und Feinkorngemischen angewendet werden
kann. Detaillierte Angaben zur Durchführung dieser Prüfung finden sich im nor-
mativen Anhang P.2 der DAfStb-Richtlinie „Selbstverdichtender Beton”. Eine
getrocknete Probe von etwa 100 g wird in einen Becher gefüllt und auf 0,01 g
genau gewogen. Mittels Spritzflasche und Dosierpipette wird schrittweise Was-
ser zugegeben. Durch sorgfältiges Durchmischen und wiederholtes Aufstoßen
des Bechers aus etwa 5 cm Höhe ist der Sättigungspunkt erreicht, wenn sich die
Oberfläche des Gemenges ebnet und Glanz zeigt. Anschließend wird die zuge-
gebene Wassermenge durch Rückwägung auf 0,01 g genau bestimmt. Es sind
mindestens drei Versuche durchzuführen. Maßgebend für die Berechnung ist der
kleinste Wert aus den Einzelbestimmungen. Für die rechnerische Auswertung
werden die Dichten der im Gemisch enthaltenen Stoffe benötigt.

Der Wasseranspruch nach Puntke, WP ergibt sich aus folgender Gleichung:

mW

pW
WP = · 100 [Vol.-%]
mK mW
+
pK pW

Hierin bedeuten:
mW Masse des Wasserbedarfs bei Sättigung in dichtester
Lagerung [cm3]
mK Masse des eingewogenen Feststoffs, [g]
pW Dichte des Wassers [g/cm3]
pK Kornrohdichte des Feststoffs [g/cm3]

Es empfiehlt sich, dieses Verfahren auch ergänzend zu den Siebversuchen der


feinen Gesteinskörnung zu praktizieren, denn die Kornverteilung, der Körnungs-
wert, von feinen Gesteinskörnungen erfasst nicht deren Haufwerksporenanteile.
Der Einfluss der Formen und Oberflächen der Körner wird ebenso nicht berück-
sichtigt. Der Wasseranspruch nach Puntke beschreibt den Haufwerksporenraum
und entspricht einem unteren Grenzwert des erforderlichen Leimvolumens zur
Realisierung fließfähiger Systeme.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 7


E. 2. 2 Frischbeton

Die wesentliche Eigenschaft selbstverdichtender Betone ist im Vergleich zu üb-


lichen Betonen ihre besondere Rheologie. Ein sehr gutes Fließvermögen und eine
ausreichende Viskosität sind gleichzeitig Voraussetzungen für das erforderliche
homogene Zusammenhalten des Frischbetons. Der Beton soll sich nur unter der
Einwirkung der Schwerkraft verdichten, das heißt Entlüften ohne Entmischen. Die
gröberen Gesteinskörner sollen vom Leim/Mörtel in der Schwebe gehalten wer-
den und gleichmäßig verteilt auch über weite Wege durch die Schalung und Be-
wehrung fließen. Zur gleichzeitigen Überprüfung von Fließfähigkeit und Visko-
sität darf gemäß Anhang M der DAfStb-Richtlinie „Selbstverdichtender Beton“
auch die Kombinationsprüfung mit Auslaufkegel angewendet werden.

Tafel E.3: Ausgewählte zusätzliche Prüfungen bei SVB

Prüf- Prüfverfahren Anforderung Mindesthäufigkeit


gegenstand
Konsistenz Prüfung nach Verarbeitbarkeitsbe- Jedes Lieferfahrzeug
DIN EN 12350-8 oder reich wie in Erstprü-
alternativ Kombinati- fung festgelegt
onsprüfung mit Aus-
laufkegel
Trichter- Prüfung nach Verarbeitbarkeitsbe- Jedes Lieferfahrzeug
auslaufzeit DIN EN 12350-9 oder reich wie in Erstprü-
alternativ Kombinati- fung festgelegt
onsprüfung mit Aus-
laufkegel
Sedimen- Prüfung nach Wie festgelegt Mit Betonierbeginn,
tations- DIN EN 12350-11 bei Herstellung von
neigung Probekörpern für die
Festigkeitsprüfung
und in Zweifelsfällen
Luftgehalt Prüfung nach Wie festgelegt Zu Beginn jedes Be-
von Luft­ DIN EN 12350-7 tonierabschnitts und
porenbeton in Zweifelsfällen

Hinweis
Für SVB der Expositionsklassen XF2, XF3 und XF4 sind die Luftporenkennwerte (Mikroluft­
porengehalt und Abstandsfaktor) im Rahmen der Erstprüfungen zu ermitteln. Dabei darf der
Gehalt an Mikroluftporen bestimmt nach DIN EN 480-11 1,8 Vol.-% nicht unterschreiten. Der
Abstandsfaktor darf maximal 0,20 mm betragen.

E 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Zur Bestimmung des Setzfließmaßes werden Geräte nach Bild E.3 benötigt.

Weiterführende Informationen zum Prüfverfahren finden sich in den Teilen 8 und


12 der DIN EN 12350.

Setzkegelstumpf

(h = 300 mm,
doben = 100 mm
dunten = 200 mm) Blockierring
(d = 300 mm)

50
0
m
m

m
0

m
90

 900 mm

Bild E.3: Bestimmung des Setzfließmaßes mit Blockierring (schematisch)

Im Regelfall erfolgt die Prüfung ohne Blockierring. Im Rahmen von Erstprüfungen


sollten bei bewehrten Bauteilen diese Konsistenzmessungen mit Blockierring
durchgeführt werden, um den der Betonfließrichtung entgegenwirkenden Wider-
stand der Bewehrung zu berücksichtigen. In Abhängigkeit vom Bewehrungsgrad
und der geometrischen Bauteilverhältnisse werden für die Prüfung nach DIN EN
12350-12 zwei unterschiedliche Blockierringe festgelegt, dabei variieren Anzahl
und Abstände der eingesetzten glatten Stahlstäbe (Durchmesser 18 mm und Län-
ge 125 mm).

Tafel E.4: Blockierringe nach DIN EN 12350-12

Blockierring Ringdurchmesser Stabanzahl Stababstände


[mm] [Stück] [mm]
mit engem Spalt 300  2 16 41  1
mit breitem Spalt 300  2 12 59  1

Die Blockierneigung lässt sich ergänzend auch in weiteren Verfahren prüfen, z.B.
mit dem L-Kasten-Versuch nach DIN EN 12350-10.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 9


Mithilfe des Setzfließmaßes können auch Angaben zur Viskosität des Betons er-
mittelt werden. Dazu wird die Zeit gestoppt, die der Beton nach dem Ziehen des
Setztrichters bis zur Erreichung der 500-mm-Marke benötigt (Fließzeit t500-Zeit).

Die Trichterauslaufzeit (tV) liefert eine genauere Messgröße für die Beschreibung
der Viskosität. Bei diesem Verfahren wird die Zeit gemessen, die der Frischbeton
benötigt, um vollständig aus einem Trichter entsprechend Bild E.4 auszulaufen
(siehe dazu DIN EN 12350-9).

mm 515 mm
75
450 mm

Schieber oder
150 mm

Verschlussklappe

65 mm

Bild E.4: V-Trichter zur Bestimmung der Trichterauslaufzeit (schematisch)

Zur Ermittlung des Luftgehalts des Frischbetons wird der übliche LP-Topf nach
DIN EN 12350-7 eingesetzt. Allerdings darf der Beton, wie auch generell bei der
Probekörperherstellung zu beachten, weder durch Rütteln noch durch Stochern
verdichtet werden. Die Prüfung ist 5 min nach dem Befüllen durchzuführen.

E 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Der Nachweis der Sedimentationsstabilität selbstverdichtenden Betons kann am
Frischbeton mittels Siebversuch nach DIN EN 12350-11 erbracht werden. Dieses
Prüfverfahren ist bei Betonen mit Fasern oder leichter Gesteinskörnung nicht an-
wendbar.

Abdeckung gegen
Verdunstung
 10 l Probebehälter  11 l
Frischbeton
15 Minuten
Standzeit

Probebehälter
500  50 mm
 4,8 kg

Siebblech (5 mm
quadratische Maschenweite)
Auffangbehälter

Waage (Belastbarkeit  10 kg;


Genauigkeit 0,01 kg)

Bild E.5: Bestimmung der Sedimentationsstabilität im Siebversuch

Der nach 15 min Absetzzeit obere Teil einer Probemenge wird auf ein definiertes
Sieb gegeben. Nach 120 s wird das Sieb entfernt und aus dem Durchgang wird
die Entmischung wie folgt berechnet:

SR = (mps – mp) · 100 / mc

Hierin bedeuten:
SR Entmischung [%]
mps Masse des Siebauffangbehälters inkl. des Siebdurchgangs [g]
m p Masse des Siebauffangbehälters [g]
m c ursprüngliche Masse des auf das Sieb gegebenen Betons [g]

Ein hoher Entmischungswiderstand ist für die Qualität von SVB eine wesentliche
Voraussetzung.

Die Prüfung der Sedimentationsstabilität ist besonders erforderlich bei selbstver­


dichtenden Betonen mit höheren Setzfließmaßen und/oder niedrigen Viskositäten.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 11


Für Konsistenzen können sowohl Zielwerte als auch Konsistenzklassen festgelegt
werden. Für einzelne Prüfergebnisse gelten folgende zulässige Abweichungen:

Setzfließmaß  50 mm
t500-Zeit  15 % vom Zielwert (jedoch nicht weniger als  1 s und
nicht mehr als  3 s)
Trichterauslaufzeit  3 s (bei Zielwert < 9 s)
 5 s (bei Zielwert  9 s)

Die für selbstverdichtenden Beton gültigen Konsistenzklassen nach SVB-Richt­


linie sind in Tafel E.5 aufgeführt.

Tafel E.5: Konsistenzklassen für SVB

Klasse Prüfparameter Grenzwerte Maß-


einheit
SF1 Setzfließmaß 1) 550 … 650 mm
Setzfließ-
SF2 Setzfließmaß 1) 660 … 750 mm
maßklassen
SF3 Setzfließmaß 1) 760 … 850 mm
VS1 t500-Zeit 1) < 2,0 s
Viskositäts- VS2 t500-Zeit 1)  2,0 s
klassen VF1 Trichter- < 9,0 s
VF2 auslaufzeit 2)
9,0 … 25,0 s
PL1 L-Kasten-Wert  0,80 mit 2 Bewehrungsstäben
Blockier- PL2 L-Kasten-Wert  0,80 mit 3 Bewehrungsstäben
neigungs-
klassen PJ1 Blockierring-  10 mit 12 Bewehrungsstäben mm
PJ2 neigungsmaß 1)
 10 mit 16 Bewehrungsstäben mm
Sedimenta­ SR1 Sedimentierter  20 %
tionsklassen SR2 Anteil 3)  15 %
Gilt nicht für Beton mit einem Größtkorn über 40 mm
1)

2)
Gilt nicht für Beton mit einem Größtkorn über 22,4 mm
3)
Gilt nicht für Beton mit Fasern oder leichten Gesteinskörnungen

Zwischen Klassen unterschiedlicher Prüfverfahren besteht keine genaue Korrela-


tion, sie sind nicht direkt vergleichbar (z.B. VS1/VS2 und VF1/VF2).

Die Konsistenz des selbstverdichtenden Betons muss zum Zeitpunkt der Verwen-
dung bestimmt werden bzw. bei Transportbeton zum Zeitpunkt der Lieferung.

Sollten Anforderungen an die Dauer der Aufrechterhaltung der festgelegten Kon-


sistenz festgelegt sein, können weitere Konsistenzprüfungen notwendig werden.

E 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


E. 2. 3 Festbeton

Die Prüfung der Sedimentationsstabilität kann auch am Festbeton beurteilt wer-


den. Dabei handelt es sich um ein nicht genormtes Verfahren, welches jedoch im
Rahmen von erweiterten Eignungsprüfungen sehr gut geeignet ist, Korn- und Po-
renverteilung des SVB zu veranschaulichen. Ein Kunststoffrohr mit einem Durch-
messer von 100 mm und einer Höhe von 500 mm wird mit Frischbeton gefüllt.
Das Rohr ist beim Befüllen um ca. 45° zu neigen, damit der SVB beim Hinabflie-
ßen an der Rohrwandung entlüften kann. Bis zum Erhärten des Betons ist die
Form erschütterungsfrei zu lagern. Für die Prüfung wird die erhärtete SVB-Säule
in Längsrichtung mittig aufgesägt. Die Schnittflächen werden dann visuell bezüg-
lich der Verteilung der groben Gesteinskörnung beurteilt.

Bild E.6: Versuchsablauf zur Veranschaulichung der Sedimentationsneigung von


SVB

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 13


Alle weiteren Festbetoneigenschaften sind bezüglich Prüfumfang und Prüfhäufig­
keit auf der Baustelle nach DIN 1045-3 nachzuweisen. Weitere Eigenschaftsnach­
weise können sich auch aus anderen Normen, Richtlinien oder zusätzlichen Ver-
einbarungen ergeben. Generell sind die selbstverdichtenden Betone für die
Prüfkörper ebenso wie die für die Bauteile zu verarbeiten, d.h., sie sind ohne zu-
sätzliche Verdichtungsenergie herzustellen und anschließend erschütterungsfrei
zu lagern.

Mit der Einhaltung der Normen und Richtlinien zu SVB wird sichergestellt, dass
selbstverdichtender Beton gleiche Festbetoneigenschaften aufweist wie Normal-
beton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2.

E. 3 Mischungsentwurf, Rezepturentwicklung

Größtenteils wurden in Deutschland bisher SVB des Mehlkorntyps praktiziert.


Die in den folgenden Abschnitten dargestellten Schritte zur Rezepturerstellung
sollten aber auch bei der Entwicklung selbstverdichtender Betone des Kombina-
tionstyps zur Verbesserung der Robustheit des Betons beitragen. Sogar Betone
der Konsistenzklasse F6 (siehe Kapitel C. 2) können durch eine analoge Optimie-
rung der Mehlkornbereiche und der Mörtelzusammensetzung wesentlich unemp-
findlicher gegenüber Schwankungen der Wassergehalte werden.

Bild E.7: Stufenweise Rezepturentwicklung

E 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


E. 3. 1 Mehlkorn

Je besser sich die (volumenmäßigen) Kornverteilungskurven der Ausgangsstoffe


ergänzen, um so höher sind die möglichen Packungsdichten und um so geringer
der erforderliche Wassergehalt. Granulometrische Betrachtungen im Vorfeld un-
terstützen die richtige Ausgangsstoffauswahl. Des Weiteren sollten auch unter-
schiedliche Proben der Ausgangsmaterialien bezüglich ihrer Kornverteilung bzw.
ihres volumenbezogenen Wasseranspruches betrachtet werden, um bereits den
Leim/die Mehlkorn-Suspension möglichst robust einzustellen. In einigen Fällen
kann es zweckmäßig sein, sogar mit mehr als einem Zusatzstoff zu arbeiten, um
die Packungsdichte des Mehlkorns weiter zu verdichten. Zuverlässige Anhalts-
werte für eine günstige Zusammensetzung des Leims liefern dabei die Verfahren
nach Abschnitt E. 2. 1 (Okamura und Puntke), die beide auch für Mehlkorn-
Gemische angewendet werden können.

Bild E.8: Leimoptimierung durch Optimierung der Packungsdichte (Beispiel)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 15


Mit der Methode nach Okamura lassen sich auch verschiedene Mischungsverhält-
nisse der Leimbestandteile untersuchen. Das Mischungsverhältnis mit dem ge-
ringsten P-Wert entspricht dann dem der größten Packungsdichte. Je größer
dabei der Anstieg der Geraden nach Bild E.2 für den Leim ist, umso robuster er-
weist sich später der SVB.

Besondere Aufmerksamkeit bedarf der Fließmittelauswahl. Die Wirksamkeit des


PCE wird besonders beeinflusst von der Temperatur, aber auch von den spezifi­
schen Eigenschaften, z.B. des Zements. Der Temperatureinfluss sollte bereits in
Leimversuchen untersucht werden. Dazu können Setzfließmaße und Trichteraus-
laufzeiten temperaturvariiert gemessen werden. Die Temperaturvarianten erge-
ben sich aus den später zu erwartenden Praxisbedingungen. Zur Auswahl des
Fließmittels könnten so zum Beispiel drei Versuche bei 15 °C, 20 °C und 25 °C
Leimtemperatur durchgeführt werden. Der reine Wassergehalt des Leims mit
Fließmittel sollte bei etwa 10 % unterhalb des ermittelten ßP-Werts liegen. Die ab-
soluten Setzfließmaße können nach Abschnitt E. 2. 2 (Bestimmung des P-Werts
nach Okamura) ermittelt werden. Für Trichterfließzeiten eignen sich z.B. Trichter
mit einer Wandungssteigung von 2:1, einem Nenninhalt von 0,6 l, und einem
Durchmesser der Auslauföffnung von ca. 15 mm. Beachtet werden sollte auch die
unmittelbare Wirksamkeit des Fließmittels; geringfügige Über- oder Unterdosie-
rungen sollten das System nicht „zum Kippen” bringen. Auch lässt sich bereits in
diesen Vorversuchen die später zu erwartende Verarbeitbarkeitszeit des SVB ab-
schätzen.

Der Einsatz weiterer Zusatzmittel kann für bestimmte Eigenschaften des SVB
erforderlich sein. Deren Einfluss auf die Fließfähigkeit und Viskosität der Mehl-
korn-Suspension sollte ebenfalls mit erfasst werden. Luftporenmittel (LP) leisten
als Nebeneffekt häufig einen Beitrag zur Stabilisierung der Mischung, die Entmi-
schungsgefahr verringert sich etwas. Stabilisierer (ST) können die Viskosität und
damit den Zusammenhalt der Mischung deutlich erhöhen.

Entscheidende Vorteile umfangreicher Leimversuche sind die dafür benötigten


geringen Materialmengen, die nur leichte körperliche Belastung des Laborperso-
nals bei der Durchführung der Leimoptimierung und die vielfältigen dadurch ge-
wonnenen Vorkenntnisse, unter deren Beachtung zielsicher und mit geringerem
Aufwand ein relativ robuster SVB erstellt werden kann.

E 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


E. 3. 2 Mörtel

Zur Erstellung eines geeigneten Mörtels sind der optimierten Mehlkornsuspensi-


on die entsprechenden Mengen der feinen Gesteinskörnung (Sand) zuzugeben.
Die dafür erforderliche Menge an Leim wird erfahrungsgemäß etwas größer sein
als der bestimmte Hohlraumgehalt des Sands. Für die Versuche sollte luftge-
trockneter Sand verwendet werden, da gedarrter Sand zum Saugen neigen kann
und den Mörtel unter Umständen sehr schnell ansteifen lässt. Dem Leim wird so
viel Sand zugegeben, dass die erforderliche Fließfähigkeit und Viskosität erreicht
wird. Möglicherweise können über geringfügige Variationen der Fließmittelmen-
ge und des Wassergehalts Korrekturen zur Erreichung der Zielwerte realisiert
werden.

Ausreichende Fließfähigkeiten des Mörtels sind bei Setzfließmaßen ab ca. 24 cm


bis 26 cm gemessen mit dem Haegermann-Trichter auf der Glasplatte gegeben.
Zusätzlich zur eigentlichen Messung sollte der Mörtel auch immer augenschein-
lich beurteilt werden.

Die Untersuchung zur Viskosität des Mörtels wird an einem speziellen V-Trichter
durchgeführt.

Bild E.9: Mörtelfließtrichter zur Bestimmung der Mörtelfließzeit

Mit Trichterfließzeiten des Mörtels zwischen ungefähr 7 s und 13 s lassen sich aus-
reichend stabile Mörtel für selbstverdichtenden Beton herstellen. Die Durchfüh-
rung dieser Versuche sollte auch immer von der visuellen Beurteilung des Mörtels
und der Betrachtung der möglichen Verarbeitbarkeitszeit begleitet werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 17


E. 3. 3 Beton

Kornform und Kornverteilung der groben Gesteinskörnung bestimmen den er-


forderlichen Mörtelgehalt. Letztlich nimmt die grobe Gesteinskörnung (in diesem
Fall größer 2 mm) im SVB dann einen Anteil von ca. 30 % ein. Die Verfahren zur
Prüfung selbstverdichtender Betone wurden bereits im Abschnitt E.2.2 darge-
stellt; diese sind im Rahmen der Rezepturentwicklung beziehungsweise Erstprü-
fung anzuwenden. Im Regelfall liegen die Setzfließmaße zwischen 650 mm und
750 mm und die zugehörigen Trichterauslaufzeiten im Bereich von etwa 10 s bis
20 s. Feste Grenzwerte sind allerdings weniger zweckmäßig, um SVB zu erfas-
sen. Der Hersteller hat in den Erstprüfungen den optimalen Verarbeitungsbereich
für seinen SVB zu ermitteln, d.h., in diesem Bereich fließt und entlüftet der Be-
ton ausreichend, ohne zu sedimentieren oder zu blockieren. Dieser Bereich wird
auch als SVB-Verarbeitungsfenster bezeichnet. In Abhängigkeit von der Frisch-
betontemperatur müssen häufig auch verschiedene Verarbeitungsfenster für den
gleichen SVB festgelegt werden. Befindet sich bei der späteren Verwendung des
SVB ein Wert außerhalb dieses Bereiches, so muss der Beton verworfen werden,
wenn keine geeigneten und erprobten Korrekturmaßnahmen, wie zum Beispiel
eine Fließmittelnachdosierung, eingeleitet werden können, um den Beton wie-
der in das Verarbeitungsfenster zu bringen. Auch technologisch bedingte übliche
Schwankungsbreiten des Wassergehalts sollten nicht zu Ergebnissen außerhalb
des Verarbeitungsbereichs führen.

Bild E.10: SVB-Verarbeitungsfenster (Beispiel)

In einem abschließenden Verarbeitungsversuch sollte die Eignung des SVB für


bestimmte Anwendungsbedingungen, z.B. Pumpen, Transport- und Verarbeitbar-
keitszeit, ermittelt werden. Für die Erstprüfung können zusätzliche Festbetonprü-
fungen, zum Beispiel ab XF2, vorgeschrieben werden.

E 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


E. 4 Hinweise für die Herstellung und Verarbeitung von SVB

E. 4. 1 Herstellen

Für die Herstellung bestehen hohe Anforderungen an die Dosiergenauigkeit.


Die Wägeeinrichtungen und Dosiergeräte müssen vor jedem Betoniertag über-
prüft werden. Die Geräte zur stetigen Ermittlung der Eigenfeuchte der feinen
Gesteinskörnungen sind ebenfalls vor dem Herstellen des SVB zu kontrollieren.
Das kann durch Darren der Gesteinskörnung erfolgen. Alle benötigten Mess- und
Laborgeräte sind auf ihre Funktionstüchtigkeit zu prüfen. An den Mischwerk­
zeugen und den Fahrmischern sind ebenfalls Funktionskontrollen durchzuführen.
Die Mischzeiten müssen unbedingt eingehalten werden, Fließmittel auf PCE-Basis
benötigen längere Mischzeiten.

E. 4. 2 Einbringen

Die Fördertechnik muss beim Umgang mit SVB auf diesen abgestimmt sein. Be-
tonierkübelverschlüsse müssen so dicht ausgebildet sein, dass kein Leim verloren
gehen kann. Vor nicht erschütterungsfreien längeren Transporten ohne Rührwerk
oder Umwälzeinrichtung des SVB ist abzuraten. Ein erhöhter Reinigungsaufwand
der eingesetzten Geräte sollte auch eingeplant werden.

Bei dem Einbringen von SVB gilt es zu beachten, dass der Beton selbstständig
entlüften kann. Das Entlüften wird bei höherer Viskosität länger dauern. Zu nied-
rig darf die Viskosität des frischen SVB aber auch nicht sein, da er sonst zum
Sedimentieren neigen kann. Daher sollten zunächst alle Maßnahmen ergriffen
werden, die das zusätzliche Eintragen von Luft verhindern. Fallhöhen können ver-
mieden werden durch den Einsatz von Betonierkübeln mit Schlauch oder Beto-
nierrohr oder durch das Einbringen des SVB mit Betonpumpe. Die Betonierge-
schwindigkeit muss so schnell sein, dass der Beton frisch in frisch eingebracht
wird, aber auch so langsam, dass der Beton ausreichend entlüften kann. Beim
Fließen in der Schalung des Bauteils entlüftet der SVB. Oft sind daher längere
Fließwege günstiger als ein Verteilen des Betons.

Viele selbstverdichtende Betone neigen zur Ausbildung der so genannten


„Elefantenhaut”. Das ist eine sehr dichte und relativ feste Mehlkornschicht, die
sich bereits deutlich vor dem Erstarren des SVB bilden kann. Bei mehrlagigen
Betonagen ist das unbedingt zu vermeiden, da der Verbund zwischen der vor-
handenen Betonlage und dem neu eingebrachten frischen SVB wegen dieser
Trennschicht nicht gewährleistet wäre.

E. 4. 3 Schalung

Bei der Bemessung und Ausführung der Schalung sollte von dem vollen hydro-
statischen Druck des SVB ausgegangen werden. Der SVB unterfließt auch Aus-
sparungen vollflächig, auf die dann der volle hydrostatische Druck als Auftrieb

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I E 19


wirkt. Die Schalungsfugen müssen ausreichend dicht sein. Die Schalung muss so
ausgebildet sein, dass der eingebrachte SVB erschütterungs- und schwingungs-
frei erstarren kann.

Die Schalung für Sichtbeton sollte in einem unbeschädigten Zustand sein, jede
Unregelmäßigkeit zeichnet sich auf der späteren Betonoberfläche ab. Es sollte
immer Schalung gleichen Einsatzalters eingesetzt werden. Unbeschichtete Holz-
schalungen sollten mit einer Zementsuspension vorbehandelt werden.

E. 4. 4 Sichtbeton

Mit selbstverdichtendem Beton lassen sich sehr gute Sichtbetone realisieren. Da-
für müssen die Frischbetoneigenschaften optimal abgestimmt sein, die Umge-
bungsbedingungen und Baustellenbedingungen sind zu berücksichtigen. Die re-
alisierten Sichtbetoneigenschaften sind abhängig vom Hersteller des Betons, von
der Rezeptur, vom Lieferer, vom Hersteller der Schalung, vom Verwender der
Schalung, von anderen Gewerken, die Einfluss auf die Beschaffenheit der mon-
tierten Schalung nehmen können, von der Betoniermannschaft und von der Art
und Dauer der Nachbehandlung. Die Forderung, die Nachbehandlung unmittelbar
nach dem Einbau des Betons zu beginnen, gilt generell bei SVB-Anwendungen.

Weitere Hinweise für die Planung, Ausschreibung und Ausführung von Sichtbe-
ton formuliert das Merkblatt „Sichtbeton”, herausgegeben von DBV und VDZ.

E. 4. 5 Personal

Das Personal für die Herstellung und Verarbeitung selbstverdichtender Betone


sollte vor der ersten Herstellung besonders geschult werden. Die Schulungen
sind im Rahmen der erforderlichen werkseigenen Produktionskontrolle zu doku-
mentieren. In einem Qualitätssicherungsplan sollten u.a. alle Verantwortlichkeiten
geregelt werden.

Die Herstellung und Verarbeitung selbstverdichtender Betone erfordert eine um-


fangreiche und sorgfältige Vorbereitung. Die Verarbeitung von SVB sollte der
Verwender dem Hersteller mindestens zwei Werktage im Voraus mitteilen.

Für das Einbringen und Verdichten des Betons wird weniger Personal benötigt.
Der Prüfaufwand ist jedoch deutlich höher und erfordert mehr und besonders
ausgebildetes Personal.

Durch den Einsatz selbstverdichtender Betone verbessern sich die Arbeitsbedin-


gungen. Das gilt im Fertigteilwerk und auf der Baustelle. Die Lärmentwicklung ist
deutlich geringer als bei der Verdichtung konventioneller Betone und der Anteil
an körperlicher Arbeit des Personals reduziert sich.

E 20 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


F Spritzbeton
Dipl.-Ing. Stefan Bender-Graß

F. 1 Einleitung

Der Begriff Spritzbeton wird im technischen Sprachgebrauch als Bezeichnung für


eine Technologie verwendet, die sowohl den Baustoff als auch die Verfahrens-
technik umfasst. Deshalb wird Spritzbeton weltweit in gesonderten technischen
Regelungen erfasst. In Deutschland sind dies DIN EN 14487 „Spritzbeton“ und
DIN 18551 „Spritzbeton – Nationale Anwendungsregeln zur Reihe DIN EN 14487
und Regeln für die Bemessung von Spritzbetonkonstruktionen“.

Der Spritzbeton (Trockenspritzverfahren) wurde in den USA 1910 als ein Verfah-
ren zur pneumatischen Förderung von Mörtel erfunden.

Das Nassspritzverfahren entwickelte sich aus Mörtelpumpen und Betonpumpen.
Damit wurden große Leistungen mit hohem Geräteaufwand erreicht. Dies wurde
besonders im Tunnelbau interessant, da Maschinen mit hydraulisch ferngesteu-
erten Düsen, die sogenannten Manipulatoren oder Spritzroboter, die Herstellung
des Spritzbetons mechanisierten und das Unfallrisiko vor Ort minimierten.

F. 2 Verfahren

F. 2. 1 Trockenspritzverfahren

Beim Trockenspritzverfahren wird als Grundmischung Trockenbeton oder Tro-


ckenmörtel mittels einer Spritzmaschine in die Förderleitung eingeschleust und
dann pneumatisch zur Einbaustelle geblasen. Dabei bewegt sich das Spritzgut
frei im Druckluftstrom der Förderleitung schwimmend. Dies ist die sogenannte
Dünnstromförderung. Erst an der Einbaustelle, kurz vor Auftreffen auf die Auf-
tragsfläche, wird die erforderliche Menge Zugabewasser und ggf. flüssige Zu­
sätze in der Spritzdüse beigemischt.

F. 2. 2 Nassspritzverfahren

Das Nassspritzverfahren zeichnet sich dadurch aus, dass die Grundmischung be-
reits als fertiger Beton oder Mörtel der Förderleitung der Spritzmaschine zuge-
führt wird. Der Transport in der Förderleitung zur Einbaustelle erfolgt dann ent-
weder im Dünnstrom, wie beim Trockenspritzverfahren, oder im Dichtstrom
mit Pumpen. Bei der Dünnstromförderung wird die Grundmischung schwim-
mend zum Strahlrohr des Nassspritzverfahrens gefördert. Die Druckluft, die das
Gemisch durch die Förderleitung treibt, dient gleichzeitig zum Auftragen des
Spritzbetons.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I F 1


Die Dichtstromförderung ist eine Fließförderung. Die Grundmischung wird als
Frischbeton durch die Förderleitung zur Spritzdüse gepumpt und dort mittels
zugeführter Druckluft gleichzeitig aufgerissen, beschleunigt und aufgespritzt.
Die Zugabe von Zusatzmitteln erfolgt ebenfalls an der Spritzdüse.

Der Vorteil des Nassspritzverfahrens gegenüber dem Trockenspritzverfahren


liegt vor allem in dem geringeren Anteil „Rückprall”.

Trockenspritzverfahren

Grundmischung
Zugabewasser und
ggf. flüssige Zusätze

Trocken- stets
Treibluft spritz- Dünnstromförderung
maschine Spritzdüse

Nassspritzverfahren

Grundmischung

Nass- entweder
Treibluft spritz- Dünnstromförderung
maschine Stahlrohr

Grundmischung
Treibluft und
ggf. flüssige Zusätze

oder
Beton-
Dichtstromförderung
pumpe Spritzdüse

Bild F.1: Trockenspritzverfahren und Nassspritzverfahren 1)

Ruffert, G.; Brux, G.; Badzong, H.-J.: Spritzbeton. Expert Verlag, Renningen 1995
1)

F 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


F. 3 Einsatzgebiete

F. 3. 1 Tunnelbau

Man unterscheidet bei der Anwendung von Spritzbeton im Tunnelbau grundsätz-


lich drei Anwendungsbereiche:

– Vortriebssicherung mit Spritzbeton (NÖT)


– Auskleidung/Abdichtung mit Spritzbeton
– Einschalige Tunnelbauweise

F. 3. 1. 1 Die neue österreichische Tunnelbauweise (NÖT)

Hauptaufgabe des Spritzbetons ist in erster Linie die Sicherung der Ausbruchflä-
che und die Verstärkung des Hohlraumrands. Zusätzlich soll das Eigentragverhal-
ten des entstandenen Gewölbes verbessert werden, da während der Bauphase
das Gewölbe die gesamte Gebirgslast zu tragen hat.

F. 3. 1. 2 Auskleidung von Hohlräumen

Der Auftrag dünner Spritzbetonschichten auf Hohlräume im standfesten Gebirge


dient hier nur zur Abdichtung gegen eindringendes Wasser.

F. 3. 1. 3 Einschaliger Spritzbetonausbau

Tunnel werden in Deutschland in der Regel zweischalig gebaut. Dabei dient der
Spritzbeton nur zur temporären Sicherung beim Vortrieb. Es gibt aber Überle-
gungen, die erste Sicherungsschale gleich so stark zu bewehren und aufzusprit-
zen, dass sie als endgültig tragender Ausbau genutzt werden kann.

Folgende Fragen sind dabei zu beantworten:

– Wasserundurchlässigkeit
– komplette Ummantelung der Bewehrung
– Fugenausbildung
– Kosten

F. 3. 2 Bergbau

Ähnlich wie im Tunnelbau wird Spritzbeton auch im Bergbau eingesetzt. Dabei


werden nicht nur Füllorte und größere Kammern gesichert, sondern zunehmend
auch der Streckenvortrieb.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I F 3


F. 3. 3 Hangsicherung

Hangsicherungen sind erforderlich, um Felsböschungen, die durch Baumaßnah-


men entstehen oder durch Baumaßnahmen berührt werden, standfest zu ma-
chen, damit keine Gefahr für Menschen oder Konstruktionen entstehen kann. Da-
bei wird ein Verbundsystem zwischen anstehendem Gestein und eingebrachtem
Baustoff hergestellt.

F. 3. 4 Baugrubensicherung

Die Anwendung von Spritzbeton, auch in Verbindung mit stützenden Stahlpro­


filen oder Ankern, ermöglicht die Freihaltung des unterirdischen Arbeitsraums
ohne störende Aussteifungen. Es werden zwei Arten der Baugruben­sicherung
unterschieden:

– Böschungssicherung
– Berliner Verbau

F. 3. 5 Verstärken

Bei der Verstärkung von tragenden Betonbauteilen handelt es sich um eine nach-
trägliche Maßnahme zur Beseitigung von Konstruktionsmängeln oder zur nach-
träglichen Erhöhung der Standsicherheit durch höheren Lasteintrag.

Gewölbe von Brücken können bei größerer Verkehrslast oder schlechter Erhal-
tung mit einem Verstärkungsbogen aus bewehrtem Spritzbeton versehen wer-
den, ohne dass der Verkehr behindert wird.

F. 3. 6 Instandsetzung

Die Instandsetzung mit Spritzbeton dient dazu, die Standsicherheit, für die ein
Bauwerk bemessen wurde, wieder herzustellen. Es gibt eine Vielzahl von Schä-
den, zu deren Beseitigung Spritzbeton eingesetzt werden kann. Dabei unter-
scheidet man zwischen „natürlichen” und „unnatürlichen” Einflüssen. Unter natür-
lichen versteht man Ursachen wie z.B.

– Karbonatisierung oder
– Tausalzeinfluss.

Unnatürliche Ursachen sind Brandschäden oder sonstige mechanische Beschädi-


gungen, die kurzfristig auftreten, aber ebenfalls zu einer dauerhaften Schädigung
der Betonkonstruktion führen.

F 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


F. 3. 7 Sanierung historischer Bauwerke

Dabei handelt es sich in der Regel um zwei unterschiedliche Aufgaben. Einerseits


geht es darum, die vorhandene Bausubstanz, die meist aus Natursteinmauerwerk
besteht, unter weitestgehender Beibehaltung des ursprünglichen Zustands zu
konservieren. Andererseits kann es erforderlich sein, konstruktive Probleme zur
Sicherung der Standfestigkeit der Gebäude zu lösen.

F. 3. 8 Sonstiges/Anmerkungen

Für Spritzbeton bieten sich noch wesentlich größere Einsatzmöglichkeiten, da


Spritzbeton fast ohne Schalung auskommt und sich auch fast jeder geometri-
schen Form anpassen kann.

Die Ausführung von Spritzbeton wird in der DIN EN 14487-2 geregelt.

F. 4 Anforderungen an den Spritzbeton

Bei der Herstellung von Spritzbeton sind die Festlegungen der DIN 18551 „Spritz-
beton – Nationale Anwendungsregeln zur Reihe DIN EN 14487 und Regeln für
die Bemessung von Spritzbetonkonstruktionen” zu beachten. Damit ist auch die
Anwendung der Normen DIN EN 14487-1 „Spritzbeton – Teil 1: Begriffe, Festle-
gungen und Konformität” und DIN EN 14487-2 „Spritzbeton – Teil 2: Ausführung”
in Deutschland geregelt.

Parallel zur deutschen Norm muss sich die Fachwelt, auch beim Tunnelbau, auf
internationale Erfahrungen stützen. Wichtige Aussagen zur modernen Tunnel­
bautechnologie findet man z.B. in der österreichischen Richtlinie „Spritzbeton“
der Österreichischen Vereinigung für Beton und Bautechnik (ÖVBB).
Diese Richtlinie berücksichtigt die Erfahrungen der Praxis zurückliegender Jahre,
auch bei Spritzbetontechnologien mit alkalifreien Erstarrungsbeschleunigern.

Ein weiteres wichtiges Regelwerk sind die Zusätzlichen Technischen Vertragsbe-


dingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten (ZTV-ING) mit Teil 5, Tunnelbau
(siehe Kapitel D 1. 2).

F. 4. 1 Anforderungen an die Betonausgangsstoffe

Die Anforderungen an Spritzbeton für den Tunnelbau sind u.a. in Tafel D.6 und
D.7 des Betonhandbuchs aufgeführt.

Das betrifft im Wesentlichen auch die zu verwendenden Zemente nach DIN EN


197-1, DIN 1164 oder bauaufsichtlich zugelassene Zemente und Spezialbinde-
mittel. Mittlerweile liegen genügend Erfahrungen über den Einsatz von modifi-
zierten, speziell für das Nassspritzverfahren geeigneten Normzementen vor.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I F 5


F. 4. 1. 1 Anforderungen an den Frischbeton

Für die Zusammensetzung und die Konsistenz des Frischbetons gelten die Fest-
legungen in DIN EN 206-1/DIN 1045-2. Zusatzmittel sind mit einer Grenzabwei-
chung von  3 % zuzugeben.

Für die Konsistenz beim Nassspritzverfahren gilt:

– Dünnstromförderung: steif bis plastisch


– Dichtstromförderung: plastisch bis fließfähig

F. 4. 2 Klassifizierung von Spritzbeton

In der DIN EN 14487-1 wird die Qualität des Spritzbetons über dessen Güteeigen-
schaften beschrieben. Diese können planerisch entsprechend vorgegeben wer-
den und untergliedern sich in:

– Konsistenz der Frischbetonmischung


– Expositionsklassen
– Frühfestigkeitsentwicklung (Junger Spritzbeton)
– Druckfestigkeit
– Faserverstärkter Spritzbeton

F. 4. 2. 1 Festigkeitsentwicklung des jungen Spritzbetons

Junger Spritzbeton, bis zu einem Alter von 24 h, kann entsprechend seiner Früh-
festigkeitsentwicklung klassifiziert werden.
Druckfestigkeit [N/mm2]

Zeit [min] Zeit [h]

Bild F.2: Frühfestigkeitsklassen J1 bis J3 mit den Festigkeitskurven A, B und C


nach DIN EN 14487

F 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


F. 4. 3 ZTV-ING, Teil 5, Tunnelbau (geschlossene Bauweise)

Im Abschnitt 5.2.2 „Spritzbeton” der ZTV-ING, Teil 5, ist ergänzend zu den Anfor-
derungen nach DIN 18551 u.a. festgelegt, dass der Alkaligehalt des Spritzbetons
zu minimieren ist. Das Gesamt-Na2O-Äquivalent, bezogen auf den Zementgehalt,
muss kleiner als 1,5 M.-% sein.

Für den Spritzbeton dürfen nur alkalifreie Beschleuniger verwendet werden. Das
heißt, dass das Na2O-Äquivalent des Beschleunigers kleiner 1,0 M.-% (bezogen
auf den Beschleuniger) betragen muss.

Betontechnologisch sowie von konstruktiver Seite sind Vorkehrungen zu schaf-


fen, die eine Auslaugung des Spritzbetons weitgehend verhindern.

F. 5 Sonderspritzbetone

DIN EN 206-1 beschreibt Betone mit besonderen Eigenschaften. Diese lassen sich
bis auf zwei Ausnahmen problemlos durch entsprechende betontechnologische
Maßnahmen auch im Betonspritzverfahren herstellen.

Diese Ausnahmen sind:

– Beton mit Luftporen


– Unterwasserbeton

Beide Einsatzgebiete scheitern an der Verfahrenstechnik des Spritzens.

F. 5. 1 Faserspritzbeton

Faserspritzbeton lässt sich durch Zugabe unterschiedlichster Faserarten herstel-


len:

– Kunststofffasern
– Glasfasern
– Stahlfasern

Dabei hat sich, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus, der Stahl-
faserspritzbeton weitestgehend durchgesetzt.

Die Verarbeitung von Stahlfaserspritzbeton kann mit allen handelsüblichen


Spritzmaschinen durchgeführt werden. Die Fasern werden der Grundmischung
zugegeben. Um eine intensive Durchmischung zu gewährleisten, sollte ein
Mischer mit zusätzlicher Dosierhilfe für die Faserzugabe verwendet werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I F 7


Da das Größtkorn des Spritzbetons mit 8 mm bis 11 mm relativ gering bemessen
ist, benötigt man sehr dünne (0,4 mm) und kurze (10 mm bis 30 mm) Fasern
oder dünne Späne. Die Dosierung wird im Allgemeinen zwischen 2 M.-% und
8 M.-% (bezogen auf die Betonmasse) betragen.

Durch die Zugabe von Fasern können folgende Festbetoneigenschaften verbes-


sert werden:

– Zugfestigkeit
– Scherfestigkeit
– Verformungsverhalten (Duktilität)
– Schlagfestigkeit
– Widerstand gegen dynamische Belastung

(s.a. DBV-Merkblatt „Stahlfaserbeton“ und Richtlinie des DAfStb „Stahlfaser­


beton”)

F. 5. 2 Kunststoffmodifizierte Betone

Eine zusätzliche Gruppe bilden die kunststoffmodifizierten Spritzbetone/-mörtel.


Sie kommen in der Regel für die Instandsetzung von korrosionsgeschädigten Be-
tonbauteilen zum Einsatz.

Die bekanntesten kunststoffmodifizierten Betone und Mörtel sind sog. PCC (Po-
lymer Cement Concretes), die meist als Betonersatzsysteme eingesetzt werden.
Bei der Anwendung in der Spritztechnologie sind es die SPCC (Spreable PCC)
Betone/-mörtel.

Dem Mischgut aus Gesteinskörnung, Zement und sonstigen Zusätzen wird bei
beiden Systemen – ob im Trocken- oder Nassspritzverfahren – eine Polymer-
komponente zugemischt. Diese gibt es handelsüblich als wasserdispergierbares
Kunststoffpulver, als Kunststoffdispersion oder auch als wasserdispergierbares
Epoxidharz.

Der Umgang mit kunststoffmodifizierten Betonen beim Schutz und bei der
Instandsetzung von Betonbauteilen des Brücken- und Ingenieurbaus ist in der
ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 4, verfahrenstechnisch beschrieben und geregelt.

F 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


F. 6 Zusätze

Betonzusätze gelten allgemein als geeignet, wenn eine gültige bauaufsichtliche


Zulassung vorliegt. Darüber hinaus sind die Anforderungen in verschiedenen Nor-
men geregelt.

F. 6. 1 Zusatzmittel

– Betonverflüssiger, Fließmittel und Verzögerer beim Nassspritzverfahren


– Spezielle Zusatzmittel für Spritzbeton (SBE)

Mit SBE soll ein sofortiges Erstarren des Spritzbetons nach dem Auftreffen auf
die Spritzfläche gewährleisten. Diese SBE-Mittel gibt es sowohl in pulverförmiger
als auch in flüssiger Form.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:

– alkalihaltigen,
– alkaliarmen und
– alkalifreien Beschleunigern.

Alkaliarme und alkalifreie Beschleuniger unterscheiden sich dadurch, dass alkali­


freie Mittel wesentlich höher dosiert werden müssen, um den gewünschten Effekt
zu erzielen.

F. 6. 2 Zusatzstoffe

Als Zusatzstoffe kommen hauptsächlich Flugaschen, Gesteinsmehle oder auch


Farbpigmente in Frage. Diese müssen den Anforderungen der Normen entspre-
chen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I F 9


F. 7 Bewertung der Übereinstimmung

F. 7. 1 Überwachungskategorien

Für die Konformitätskontrolle des Spritzbetons sind in der DIN EN 14487-1 drei
Überwachungskategorien vorgesehen. Welche Kategorie zur Ausführung kom-
men soll, ist vom Planer und dem Auftraggeber, unter Berücksichtigung der
Eigenschaften des Projekts und der geplanten Nutzungsdauer, vorgegeben.
Hinweise für die Auswahl der Überwachungskategorien befinden sich in den
Tabellen A.1 bis A.4.

F. 7. 2 Erstprüfung (Eignungsprüfung)

Die Prüfung von Spritzbeton ist in DIN EN 14488, Teile 1-7, beschrieben. Zusätz-
lich gilt die ZTV-ING, Teil 5 Tunnelbau, 5. 2. 2. 2 Erstprüfungen.

Die Erstprüfung ist erforderlich, da alle geforderten Eigenschaften zum endgül-


tigen Einsatztermin nachgewiesen werden müssen.

Für die Erstprüfung werden Probeflächen angelegt. Üblich sind sogenannte


Spritzkisten mit den Abmessungen 50 cm x 50 cm x 12 cm. Anschließend wird
die Rohdichte geprüft und die Festigkeitsentwicklung beobachtet. Bei beschleu-
nigtem Spritzbeton ist das Erstarrungs- und Erhärtungsverhalten in den ersten
Stunden wichtig.

Die DIN EN 14488-2 „Prüfung von Spritzbeton, Teil 2: Druckfestigkeit von jungem
Spritzbeton“ sieht für die Prüfung der Frühfestigkeit zwei Prüfverfahren vor:

– Verfahren A: Eindringnadel (Prüfbereich 0,2 N/mm2 bis 1,2 N/mm2)


– Verfahren B: Treibbolzen (Prüfbereich 3,0 N/mm2 bis 16 N/mm2)

Nach ausreichendem Erhärten des Spritzbetons werden aus den Spritzkisten


Bohrkerne gezogen und diese im Betonlabor auf ihre Druckfestigkeit geprüft.

Nachzuweisen ist die Druckfestigkeit nach 6, 12 und 24 Stunden sowie nach 3, 7


und 28 Tagen (ZTV-ING, Teil 5, Tunnelbau (geschlossene Bauweise)).

F 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


F. 7. 3 Produktionskontrolle/Überwachung

In DIN EN 14487-1, Abs. 7.4.1, wird die Produktionskontrolle beschrieben, womit


der Nachweis der vereinbarten Eigenschaften während der Bauausführung ge-
führt wird.

Die Produktionskontrolle umfasst bei Spritzbeton die Überprüfung der Aus-


gangsstoffe der Grundmischung und Spritzbetoneigenschaften des Frischbetons
sowie des erhärteten Betons.

Der Frischbeton ist regelmäßig auf Rohdichte und Wassergehalt (Darren) zu prü-
fen. Die Festigkeit des erhärteten Spritzbetons ist in der Regel an Bohrkernen
von 10 cm Durchmesser und 10 cm Höhe nachzuweisen.

In den ersten Minuten und Stunden wird die Festigkeitsentwicklung mit Hilfe
einer Eindringnadel und eines Treibbolzens geprüft.

Zur Bestimmung der Frühfestigkeit des eingebauten Spritzbetons ist mindestens


alle fünf Betoniertage eine Prüfung vorzunehmen (ZTV-ING, Teil 5).

Besondere Eigenschaften, z.B. Wasserundurchlässigkeit, sind durch entspre-


chende Prüfungen an Probeköpern (Bohrkerne) nachzuweisen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I F 11


G Sichtbeton
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

Als Sichtbeton bezeichnet man im Allgemeinen einen Beton, dessen Ansichts­


flächen gestalterische Funktionen erfüllen und ein vorausbestimmtes Aussehen
haben sollen. Die Gestaltung kann über die Art der Schalung oder durch eine
Bearbeitung der Betonoberfläche nach dem Ausschalen erfolgen.

Betontechnologische und betontechnische Voraussetzungen für das Erreichen


der gestellten Forderungen sind z.B.:

–– gleichbleibende Betonzusammensetzung,
–– geschlossenes Gefüge,
–– sachgemäße Fugen- und Kantenausbildung,
–– dichte, rüttelfest und saubere Schalung und
–– sachgemäße Nachbehandlung.

Die Beurteilung von Sichtbetonflächen erfolgt:

–– anhand der vertraglichen Vereinbarungen,


–– nach dem Merkblatt „Sichtbeton“ des Deutschen Beton- und Bautechnik-
Vereins (DBV) und des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ) sowie
–– für Betonwerkstein nach DIN V 18500.

Das DVB/VDZ-Merkblatt „Sichtbeton“ präzisiert die Anforderungen an Sicht­


beton durch die Definition von vier Sichtbetonklassen, die zwei Grundkategorien
zugeordnet werden können:

–– Sichtbeton mit geringen Anforderungen: Sichtbetonklasse SB1


–– Sichtbeton mit normalen oder besonderen Anforderungen: Sichtbetonklassen
SB2, SB3 und SB4

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I G 1


H Sonderbetone
H. 1 Stahlfaserbeton
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

H. 1. 1 Allgemeines

Stahlfasern beeinflussen die mechanischen Eigenschaften eines Betons wesent­


lich im Nachbruchbereich und werden im ungerissenen Zustand aufgrund ihres
geringen Einflusses hinsichtlich Zugfestigkeit, Druckfestigkeit und E-Modul nicht
betrachtet. Gegenüber unbewehrtem Beton ist bei Beton mit Stahlfasern das
Bruchversagen deutlich weniger spröde bei gleichzeitig höherer Restfestigkeit.
Diese Effekte werden durch die rissüberbrückende Wirkung hinsichtlich der Zug­
kraftübertragung der Fasern ermöglicht. Voraussetzung hierfür ist ein guter Ver­
bund zwischen Fasern und Matrix. Die Wirkung der Stahlfasern hängt in der Re­-
gel von Menge, Verteilung, Orientierung, Material und Verankerung ab. Die Last­
einleitung an den Fasern erfolgt teilweise über die Mantelfläche und maßgeblich
an den Endkröpfungen. Die Prüfung der (Biege-)Zugfestigkeit erfolgt an Balken
mit einem Querschnitt von 150 mm x 150 mm. Dies führt aufgrund der geringen
Prüfkörperabmessungen zu vergleichsweise großen Prüfstreuungen, ermöglich
jedoch eine noch relativ einfache Handhabung der Proben.

H. 1. 2 DAfStb-Richtlinie „Stahlfaserbeton“

Die Richtlinie ändert bzw. ergänzt die entsprechenden Abschnitte der DIN 1045-2
bis -3 und DIN EN 206-1.

H. 1. 2. 1 Stahlfasern

Die meistverwendete Faserart für Normalbeton ist die mit Endverankerung mit­
tels Abkröpfungen. Die Bandbreite an Materialien und Verankerungen für Fasern
ist entsprechend der Anwendungsmöglichkeiten hoch. Für hoch- und ultrahoch­
feste Betone werden hochfeste Mikrofasern in hohen Dosierungen verwendet.
Stahlfasern müssen den Anforderungen nach DIN 14889-1 (Fasern für Beton –
Teil 1: Stahlfasern – Begriffe, Festlegungen und Konformität genügen.

Übliche Stahlfasern besitzen eine Dichte von 7,88 kg/dm3 und eine Länge von
20 mm bis 60 mm bei einem Durchmesser von 0,2 mm bis 1,3 mm.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 1


H. 1. 2. 2 Leistungsklassen

Die Richtlinie nimmt eine Klassifizierung des Stahlfaserbetons anhand der


Nachrissbiegezugfestigkeit in zwei Leistungsklassen vor, in die Leistungsklasse L1
für kleine Verformungen und in die Leistungsklasse L2 für größere Verformungen
und in Kombination mit Betonstahlbewehrung. Die Leistungsklasse ist zusätzlich
zur Druckfestigkeitsklasse und zu den Expositionsklassen vom Planer anzugeben.

Im Rahmen der Erstprüfung wird hierfür über die Nach­risszugfestigkeit die


Leistungsklasse ermittelt. Die aufnehmbare Last wird bei den Durchbiegungen
0,5 mm bzw. 3,5 mm aus der Last-Verformungs-Line abgelesen bzw. berechnet.
Der Versuch wird verformungs- bzw. weggesteuert durchgeführt.

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L

mit l, b, h =
Auflagerabstand, Breite und
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Höhe des Probekörpers in mm
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Bild H.1: Ermittlung der Nachrissbiegezugfestigkeit

Tafel H.1: Verformungswerte und Leistungsklassen für Stahlfaserbeton nach


DAfStb-Richtlinie „Stahlfaserbeton“

Leistungsklasse Nachweise im Grenzzustand Verformungswerte


der … im Versuch nach Teil 2,
Anhang O, dieser Richtlinie
L1 Gebrauchstauglichkeit L1 = 0,5 mm
Tragfähigkeit/Gebrauchs­
L2 tauglichkeit bei Verwendung L2 = 3,5 mm
von Betonstahlbewehrung

H 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel H.2: Leistungsklassen L1 und L2 für Stahlfaserbeton mit zugehörigen Grund­
werten der zentrischen Nachrisszugfestigkeiten nach DAfStb-Richtlinie „Stahl­
faserbeton“

Grundwerte der zentrischen Nachrisszugfestigkeit ƒfct0 [N/mm2]


Verformung 1 Verformung 2
L1 ƒ ct0,L1
f
L2 ƒ ct0,L2
f
ƒfct0,u ƒfct0,s3)
0 < 0,16 0 – – –
0,4 1)
0,16 0,4 1)
0,10 0,15 0,15
0,6 0,24 0,6 0,15 0,22 0,22
0,9 0,36 0,9 0,23 0,33 0,33
1,2 0,48 1,2 0,30 0,44 0,44
1,5 0,60 1,5 0,38 0,56 0,56
1,8 0,72 1,8 0,45 0,67 0,67
2,1 0,84 2,1 0,53 0,78 0,78
2,4 0,96 2,4 0,60 0,89 0,89
2,7 2) 1,08 2,7 2) 0,68 1,00 1,00
3,0 2)
1,20 3,0 2)
0,75 1,11 1,11
Nur für flächenhafte Bauteile (b > 5h)
1)

2)
Für Stahlfaserbeton dieser Leistungsklassen ist eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung
oder Zustimmung im Einzelfall erforderlich.
3)
Gilt für L2/L1  1,0, für L2/L1 > 1; siehe Absatz (4) der Richtlinie.

H. 1. 3 Herstellung

Die Stahlfasern müssen zur Sicherung der Dosierung und Homogenität nach
Teil 2 der Richtlinie im Herstellwerk zugegeben werden. Stahlfaserbeton ist
grundsätzlich als Beton nach Eigenschaften herzustellen.

Übliche Dosierungen von Stahlfasern bewegen sich zwischen 20 kg/m3 und


80 kg/m3 Beton.

H. 1. 3. 1 Prüfung Nachrisszugfestigkeit

Die Prüfung der Nachrisszugfestigkeit ist mit großen Streuungen behaftet, die
aus der Fasermenge und -orientierung im Rissquerschnitt resultieren. Entspre­
chend groß ist der Einfluss der Herstellung der Probekörper.

Zusätzliche Einflussgrößen bei der Prüfung, wie z.B die Steifigkeit des Prüfpres­
senrahmens, sind zu berücksichtigen.

Für jeden Stahlfaserbeton ist eine Erstprüfung durchzuführen und jährlich zu be­
stätigen.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 3


H. 1. 3. 2 Prüfung des Stahlfasergehalts nach Anhang M der
DAfStb-Richtlinie „Stahlfaserbeton“

Auswaschversuch

–– Entnahme von drei Teilproben (je ein Eimer) aus jeweils einem Drittel der
Ladung des Mischfahrzeugs
–– Berechnung der Masse und des Volumens verdichteten und abgezogenen
Frischbetons in den Eimern
–– Auswaschen der Stahlfasern und anschließendes Trocknen und Abkühlen
–– Separieren der Fasern durch einen starken Magneten und Berechnung der
Menge

–– Alternativ: Absonderung der Fasern ohne Auswaschung

Induktives Verfahren

–– Messung des Stahlfasergehalts über Induktion mittels eines speziellen Geräts

H. 1. 4 Dauerhaftigkeit

Hinsichtlich der Dauerhaftigkeit verhält sich Stahlfaserbeton in der Regel


günstiger als Stahlbeton, da wegen der vergleichsweise geringen räumlichen
Ausdehnung der Fasern keine Makrokorrosion auftritt und somit nur Korrosions­
produkte mit geringem Volumen erzeugt werden. Aufgrund der nicht einzuhal­
tenden Betondeckung kann aber sichtbarer Rost an der Betonoberfläche auftre­
ten.

Für den Nachweis des Feuerwiderstands von Bauteilen aus Stahlfaserbeton mit
Betonstahlbewehrung gelten die Regelungen von DIN EN 1992-1-2 in Verbindung
mit DIN EN 1992-1-2/NA.

H 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 1. 5 Zusammenfassung der Anforderungen der DAfStb-Richtlinie
„Stahlfaserbeton“

H. 1. 5. 1 Anwendungsbereiche

Anwendung bei

–– Bemessung und Konstruktion von Tragwerken des Hoch- und Ingenieurbaus


aus Stahlfaserbeton
–– Stahlfaserbeton mit Betonstahlbewehrung
–– Stahlfaserbeton bis zur Druckfestigkeitsklasse C50/60
–– nicht tragenden Bauteilen möglich

keine Anwendung bei

–– Bauteilen aus vorgespanntem Stahlbeton


–– gefügedichtem oder haufwerksporigem Leichtbeton
–– hochfestem Beton ab C55/67
–– Stahlfaserbeton ohne Betonstahlbewehrung bei Expositionsklassen XS2, XD2,
XS3 sowie XD3, bei denen Stahlfasern rechnerisch zum Ansatz gebracht wer­
den
–– selbstverdichtendem Beton (SVB)
–– Stahlfaserspritzbeton

H. 1. 5. 2 Fasern

–– Stahlfasern mit formschlüssiger, mechanischer Verankerung (gewellt, gekröpft,


aufgestauchte Köpfe)
–– nach DIN EN 14889-1 „Fasern für Beton”

H. 1. 5. 3 Festlegungen

–– Leistungsklasse für Stahlfaserbeton

H. 1. 5. 4 WPK – Werkseigene Produktionskontrolle

–– Zugabe der Fasern nur im Herstellwerk


–– Vergleich mit Stahlfasergehalt aus dem Protokollausdruck der Mischanlage
oder Produktionsaufzeichnungen (Mischanweisung)
–– Mindestwert des Stahlfasergehalts darf nicht unterschritten werden
–– Variation des Fasergehalts ist unzulässig
–– Prüfung der Gleichmäßigkeit der Faserverteilung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 5


H. 1. 5. 5 Erstprüfung (je Sorte)

–– Festlegung eines Mindestfasergehalts zur Erreichung einer Leistungsklasse


–– Prüfung der Konsistenz
–– Prüfung der Druckfestigkeit
–– Prüfung der Nachrissbiegezugfestigkeit an mind. sechs Balken
(150 mm x 150 mm x 700 mm)
–– Jährliche Bestätigungsprüfung

Anwendung von Interpolation bzw. Extrapolation

–– Interpolation hinsichtlich Stahlfasergehalt (max. 20 kg) bei gleicher Festig­


keitsklasse
–– Interpolation hinsichtlich Betonfestigkeit bei gleichem Fasergehalt
–– Extrapolation der Druckfestigkeit bei nicht mehr als 5 N/mm2

H. 1. 5. 6 Konformität

–– Nachweis des dokumentierten Stahlfasergehalts über den unteren Wert der


Grenzabweichung nach Tab. 17 der Richtlinie: 0,95 mf,min

H. 1. 5. 7 Lieferschein

–– Angabe der Leistungsklasse

H. 1. 5. 8 Überwachung der Bauausführung

–– Überwachungsklasse 1 bei Leistungsklasse  L1 – L1,2


–– Überwachungsklasse 2 bei Leistungsklasse > L1 – L1,2
–– Prüfung des Stahlfasergehalts in Zweifelsfällen bei ÜK2 oder alternativ eine
Bestimmung der Nachrissbiegezugprüfung

H 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 2 Leichtbeton
Dipl.-Ing. Ralf Rösler

H 2. 1 Allgemeines

Unter Leichtbeton, auch LC (Lightweight Concrete) genannt, versteht man Be­


tone, deren Trockenrohdichte kleiner als 2000 kg/m3 ist.

Die im Vergleich zum Normalbeton niedrigere Rohdichte kann durch Verwen­


dung von leichter Gesteinskörnung nach DIN EN 13055-1 und/oder durch eine
porige Betonmatrix erreicht werden.

Je nach Zusammensetzung sowie Herstellverfahren unterscheidet man folgende


Leichtbetonarten:

–– gefügedichter Leichtbeton (konstruktiver Leichtbeton)


–– haufwerksporiger Leichtbeton
–– Porenbeton (früher Gasbeton)
–– Schaumbeton

H 2. 2 Gefügedichter Leichtbeton (Konstruktiver Leichtbeton)

Gefügedichter Leichtbeton mit geschlossenem Gefüge nach DIN EN 206-1/


DIN 1045-2 ist ein Beton mit Trockenrohdichten von 800 kg/m3 bis 2000 kg/m3,
bei dem an Stelle von natürlichen groben Gesteinskörnungen teilweise oder voll­
ständig natürliche oder künstliche leichte Gesteinskörnungen eingesetzt werden.

Zur weiteren Reduzierung der Trockenrohdichte kann auch die Sandkorngruppe


gegen Leichtsand ausgetauscht werden.

Gefügedichter Leichtbeton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 wird in Druckfestig­


keitsklassen (siehe Tafel H.3) sowie in Rohdichteklassen (siehe Tafel H.4) einge­
teilt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 7


Tafel H.3: Druckfestigkeitsklassen für Leichtbeton

Druckfestigkeits- Charakteristische Mindest­ Charakteristische Mindest­


klasse druckfestigkeit von Zylindern druckfestigkeit von Würfeln
fck,cyl fck,cube 1)
[N/mm2] [N/mm2]
LC8/9 8 9
LC12/13 12 13
LC16/18 16 18
LC20/22 20 22
LC25/28 25 28
LC30/33 30 33
LC35/38 35 38
LC40/44 40 44
LC45/50 45 50
LC50/55 50 55
Hochfester Leichtbeton
LC55/60 55 60
LC60/66 60 66
LC70/77 2) 70 77
LC80/88  2)
80 88
Es dürfen auch andere Werte verwendet werden, wenn das Verhältnis zwischen diesen
1)

Werten und der Referenzfestigkeit von Zylindern mit genügender Genauigkeit festgestellt
und dokumentiert worden ist.
2)
Für diese Festigkeitsklassen sind Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen bzw. Zustim­
mung im Einzelfall notwendig.

Tafel H.4: Klasseneinteilung von Leichtbeton nach der Rohdichte

Rohdichte-
D1,0 D1,2 D1,4 D1,6 D1,8 D2,0
klasse
Rohdichte-  800 > 1 000 > 1 200 > 1 400 > 1 600 > 1 800
bereich und und und und und und
[kg/m3]  1 000  1 200  1 400  1 600  1 800  2 000

H 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 2. 2. 1 Grundsätze für den Mischungsentwurf
von gefügedichtem Leichtbeton

Die Betondruckfestigkeit wird im Gegensatz zum Normalbeton durch die Druck­


festigkeit der leichten Gesteinskörnung bestimmt.

Die Anforderungen an die Zusammensetzung von Leichtbeton werden wie bei


Normalbeton über die Festlegungen in DIN EN 206-1/DIN 1045-2, Grenzwerte für
die Betonzusammensetzung und Eigenschaften (siehe Tafel C.15) entsprechend
der Expositionsklassen definiert.

Die Trockenrohdichte des Leichtbetons kann mit folgen­der Gleichung abge­


schätzt werden. Dabei wird angenommen, dass ca. 20  M.-% des Anmachwassers
vom Zementgehalt chemisch gebunden werden und im erhärteten Beton verblei­
ben.

d = (1,2  z + g) / 1 000 [kg/dm3]

Dabei ist:

d = Trockenrohdichte [kg/dm3]
z = Zementgehalt [kg/dm3]
g = Gesteinskörnungsgehalt, trocken [kg/dm3]

Um den Temperaturanstieg im Bauteil infolge der Hydratationswärmeentwick­


lung und der geringen Wärmeleitfähigkeit der Gesteinskörnungen einzudämmen,
wird der Einsatz von Zementen mit niedrigerer Wärmeentwicklung (LH-Zemente,
siehe Tafel B.2 und B.3) empfohlen.

Die Kornzusammensetzung sollte stetigen Sieblinien folgen, jedoch sind Ausfall­


körnungen auch möglich.

Der Sandanteil kann aus Natursand, Leichtsand oder je nach gewünschter Tro­
ckenrohdichte auch aus einem Gemisch aus Natursand und Leichtsand bestehen.

Bei der Festlegung der Zugabewassermenge muss zur wirksamen Wassermenge


(w/z-Wert und Konsistenz) das Saugwasser berücksichtigt werden, das durch die
leichte Gesteinskörnung aufgenommen wird. Anhaltswerte liefert die Prüfung der
Wasseraufnahme nach DIN V 18004.

Weil die leichten Gesteinskörner während des Mischvorgangs durch die Reibung
zum Teil zerkleinert werden, erhöht sich der tatsächliche Wasserbedarf beträcht­
lich.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 9


Für die Verarbeitungseigenschaften des Leichtbetons ist ein Mindestmörtelge-
halt notwendig, der bei Fertigteilen niedriger sein kann als bei Transportbeton
(je nach Anwendungsfall ca. 560 bis 600 Festraumliter Mörtelmatrix).

Die Differenz aus 1 000 dm3 minus dem Mörtelgehalt ergibt das Volumen für die
grobe leichte Gesteinskörnung.

In der Erstprüfung von Leichtbetonen muss immer ein Abgleich des Entwurfs mit
dem erhaltenen Leichtbetonvolumen erfolgen. Erst die Prüfung der Ergiebigkeit
stellt die Einhaltung gezielter Anforderungen (z.B. Mindestzementgehalt) sicher.
Die tatsächliche Ergiebigkeit sollte nicht mehr als 4 Vol.-% bis 6 Vol.-% gegen­
über dem Entwurf liegen.

Tafel H.5: Empfohlene leichte Gesteinskörnungen (natürliche und künstliche) für


ausgewählte Leichtbetondruckfestigkeitsklassen

Naturbims LC12/13

Schaumlava LC20/22

Gesinterte Flugasche LC25/28

Blähschiefer LC40/44

Blähton LC50/55

H. 2. 2. 2 Hinweise zur Verarbeitung von gefügedichtem Leichtbeton

Die leichte Gesteinskörnung sollte nach Möglichkeit volumetrisch dosiert werden.

Bei einer Dosierung nach Gewicht ist es notwendig, den Feuchtegehalt und die
Schüttdichte der Gesteinskörnungen regelmäßig zu kontrollieren.

Die leichte Gesteinskörnung wird als erste in den Mischer gegeben und mit einem
Teil des Anmachwassers vorgemischt. Flüssige Zusatzmittel werden vorzugswei­
se mit dem restlichen Anmachwasser zugegeben, um deren Wirksamkeit infolge
des Saugens der Körnung nicht zu beeinträchtigen.

Gegenüber Normalbeton ist die Mischzeit bei Leichtbeton zu erhöhen.

Um das Ansteifverhalten von gefügedichtem Leichtbeton sicher bestimmen zu


können, sollte in der Erstprüfung 10 Minuten nach dem Mischen erstmalig die
Konsistenz geprüft und dann in Abhängigkeit vom geplanten Ende des Beton­
einbaus in Abständen von ca. 30 Minuten wiederholt werden. Dabei hat sich die
Prüfung über das Verdichtungsmaß als vorteilhaft erwiesen, weil dieses bessere
Rückschlüsse auf das Ansteifverhalten gegenüber der Ausbreitmaßbestimmung

H 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


zulässt. Die Begründung liegt in der besonderen Rheologie des weichen Leicht­
betons.

Gefügedichter Leichtbeton wird in der Regel mit Betonkübeln eingebaut. Sollte


der Beton jedoch gepumpt werden müssen, ist die Eignung dazu in einem geson­
derten Pumpversuch sehr zu empfehlen.

Wegen der geringeren Masse gegenüber Normalbeton erfolgt die Verdichtung


von Leichtbetonen mit Außenrüttlern, die eine deutlich geringere Frequenz als
Außenrüttler von Normalbetonen haben. Wegen der geringeren Masse gegen­
über Normalbeton ist auch beim Verdichten mittels Innenrüttler ein höherer Auf­
wand notwendig.

Gefügedichter Leichtbeton ist ausreichend lange nachzubehandeln, indem er vor


Austrocknung geschützt wird.

Leichtbeton erwärmt sich infolge der geringen Wärmeleitfähigkeit der Gesteins­


körnungen stärker als Normal­beton.

Um Risse zu vermeiden, ist es ratsam, den Beton möglichst spät auszuschalen


oder mit einer Wärmedämmung in Form von Matten abzudecken.

H. 2. 2. 3 Leichtbeton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2,


ein Beispiel aus der Praxis (gefügedichter Leichtbeton)

Tafel H.6: Betonzusammensetzung eines Leichtbetons der Festigkeitsklasse


LC12/13, D 1,2 1)

Zementart CEM III/A 42,5 N


Zementgehalt z kg/m3 330
Gesamtwasser kg/m3 177
Saugwasser kg/m3 126
Gesteinskörnung
F3.5 2/8 dm3/m3 390
K-Sand 0/2 dm3/m3 270
Zusatzstoff
Art Flugasche
Gehalt kg/m3 30
Zusatzmittel
Art BV
Gehalt [M.-% v.z] 0,85
Flüssigfarbe [M.-% v.z] 1,50
Restporen dm3/m3 12

Klußmann, R.; Koppe, P.; Paatsch, A.: Dostmann, M.: Energieeffizienter Monolith aus einge­
1)

färbtem Leichtbeton. Beton-Informationen 51 (2011) H. 5/6, S. 55-59

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 11


Tafel H.7: Frischbetoneigenschaften 1)

Ausbreitmaß Temperatur Frischbetonrohdichte


[mm] [°C] [kg/dm3]
10 min 45 min Luft Beton
560 500 20 18 1,370

Tafel H.8: Druckfestigkeit geprüft an Würfeln (150 mm) 1)

Prüfalter Bruchlast fc,dry


[kN] [N/mm2]
2d 171 8
2d 165 7
7d 251 11
7d 286 13
28 d 398 16
28 d 413 17
56 d 531 22
56 d 501 20

H. 2. 3 Haufwerksporige Leichtbetone

Haufwerksporige Leichtbetone, auch LAC (Lightweight Aggregate Concrete) ge­


nannt, werden entweder aus porigen, natürlichen oder künstlichen Gesteinskör­
nungen oder aus dichten, natürlichen Gesteinskörnungen hergestellt.

Gekennzeichnet wird dieser Beton dadurch, dass nach dem Verdichten zwischen
den Gesteinskörnern definierte Hohlräume verbleiben. Es wird nur soviel Zement­
leim bzw. Mörtel zugegeben, dass die Gesteinskörner in dichtester Lage umhüllt
und punktförmig miteinander verkittet werden. Als Richtwert kann eine Menge
von 200 l losem Leichtsand je m3 Leichtbeton angenommen werden.

In der Regel wird nur eine Korngruppe der groben Gesteinskörnung eingesetzt
(sog. Einkornbeton).

Klußmann, R.; Koppe, P.; Paatsch, A.: Dostmann, M.: Energieeffizienter Monolith aus einge­
1)

färbtem Leichtbeton. Beton-Informationen 51 (2011) H. 5/6, S. 55-59

H 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 2. 3. 1 Normen für Betonprodukte aus haufwerksporigem Leichtbeton

DIN EN 1520: Vorgefertigte bewehrte Bauteile aus haufwerksporigem Leicht­


beton mit statisch anrechenbarer oder nicht anrechenbarer Be­
wehrung

DIN 4213: Anwendung von vorgefertigten bewehrten Bauteilen aus hauf­


werksporigem Leichtbeton in Bauwerken

DIN 18148: Hohlwandplatten aus Leichtbeton

DIN V 18151-100: Hohlblöcke aus Leichtbeton

DIN V 18152-100: Vollsteine und Vollblöcke mit besonderen Eigenschaften

DIN 18162: Wandplatten aus Leichtbeton, unbewehrt

Weitere Einsatzgebiete für haufwerksporige Leichtbetone mit normaler Gesteins­


körnung sind z.B. Filterrohre, Dränbeton zur Entwässerung von Straßenflächen
oder in Lärmschutzwänden.

H. 2. 3. 2 Grundsätze für den Mischungsentwurf von haufwerksporigem


Leichtbeton

Die Mischungsberechnung für den Stoffraum von einem m3 Leichtbeton folgt


einem anderen Algorithmus als der beim Normalbeton. Man füllt etwa 1000 l mit
der groben Gesteinskörnung und verkittet die Kontaktflächen mit einem Fein­
mörtel aus Zementleim und feiner Gesteinskörnung.

Der w/z-Wert ist bei diesem Leichtbeton von untergeordneter Rolle, da dieser
durch die Eigenschaften des Mörtels bestimmt wird, welcher die Körner umhüllen
und untereinander verkitten muss. Die richtige Konsistenz dieses Mörtels muss
demnach in Versuchen ermittelt werden.

Um die Festigkeit eines haufwerksporigen Leichtbetons zielsicher erreichen zu


können, benötigt man sehr viel Erfahrung im Umgang mit diesem Baustoff. Um
wertvolle Zeit und Material zu sparen, ist es ratsam, bei der Rezepturfindung die
Beratung durch Hersteller leichter Gesteinskörnungen in Anspruch zu nehmen.

Die Druckfestigkeit von LAC nach DIN EN 1520 wird anhand von Referenzprobe­
körpern statistisch nach Tafel H.9 nachgewiesen. Referenzprobekörper sind ent­
weder Bohrkerne mit einer ihrem Durchmesser entsprechenden Länge oder Wür­
fel, die aus den vorgefertigten Elementen entnommen werden.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 13


Tafel H.9: Festigkeitsklassen und -anforderungen für LAC nach DIN EN 1520

Festigkeiten in N/mm2
Festigkeitsklasse LAC LAC LAC LAC LAC LAC LAC LAC LAC
2 4 6 8 10 12 15 20 25
ƒck 2 4 6 8 10 12 15 20 25
ƒc3 1) 4 7 9  11  13  15  18  24  29
ƒc,n 2)
 ƒck + Kn  sn 3)

ƒcmin 4)
für n < 6  1,5  3,5  5,5  7,0  9,0  11  14  19  24
ƒcmin 4) für 6  n  9  1,5  3,0  4,5  6,0  7,5  9,0  12  17  22
ƒcmin 4)
für n  10  1,5  3,0  4,0  5,5  7,0  8,0  11  16  21
Geforderte Mindestdruckfestigkeit jedes Prüfsatzes von drei aufeinander folgenden Probe­
1)

körpern
2)
Geforderte Mindestdruckfestigkeit einer Prüfserie mit n  6 Probekörpern. Die von der An­
zahl n der Probekörper abhängigen Kn-Werte sind aus der Tabelle 4 in DIN EN 1520 zu ent­
nehmen. Sie liegen zwischen Kn = 1,87 (n = 6) und Kn = 1,48 (n  15).
3)
sn ist die Standardabweichung der Druckfestigkeit einer Prüfserie mit n Prüfergebnissen.
4)
Kleinster Einzelwert der Druckfestigkeit einer Prüfserie von n Probekörpern

Tafel H.10: Rohdichteklassen für LAC nach DIN EN 1520

Roh­
dichte- 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8 2,0
klasse
Mittlere
Trocken-  400 > 500 > 600 > 700 > 800 > 900 > 1000 > 1200 > 1400 > 1600 > 1800
rohdichte
[kg/m3]  500  600  700  800  900  1000  1200  1400  1600  1800  2000

H 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 3 Strahlenschutzbeton
Dr.-Ing. Carsten Geisenhanslüke

H. 3. 1 Allgemeines

Strahlenschutzbetone sind Sonderbetone. Ihre Zusammensetzung und besonde­


ren Eigenschaften werden nicht von DIN-Normen erfasst.

Strahlenschutzbetone können als

–– Schwerbeton (Trockenrohdichte > 2,6 kg/dm3) unter Verwendung von


schwerer Gesteinskörnung, aber auch als
–– Normalbeton (Trockenrohdichte > 2,0 kg/dm3 bis 2,6 kg/dm3)

zur Anwendung kommen.

Zum Schutze des Menschen wurden vom Gesetzgeber her Höchstwerte für die
zulässige Strahlenbelastung festgelegt. Dem Beton fällt dabei die Aufgabe zu,
die gefährliche Strahlung abzuschwächen.

In Tafel H.11 ist zusammengefasst, auf welchen Gebieten Strahlenschutzbeton an­


gewandt wird.

Die Bauteildicken können in Abhängigkeit von der Strahlungsart und der Betonzu­
sammensetzung im Meter- oder nur im Millimeterbereich (-, -Strahlung) liegen.

Tafel H.11: Anwendungen von Strahlenschutzbetonen


Einsatz- Strahlen­ Abzuschir­ Für die bautechni­ Schwere Gesteinskörnung
gebiete quellen mende sche Abschirmung und Zusatzstoffe
Strahlung maßgebende
Einflussgrößen
Radio­ Ordnungszahl und Mit hoher Dichte
 - Strahlung Dichte Baryt Schwermetall-
nuklide
Ordnungszahl und schlacken
Röntgen­ Röntgen-
Dichte Ilmenit Ferrosilizium
Medizin, geräte strahlung
Magnetit Ferrophosphor
Elektronen- Ordnungszahl und Hämatit Eisengranulat
For­ strahlung Dichte Stahlsand
schung, Teilchen- Ordnungszahl und Mit hoher Ordnungszahl
be­  - Strahlung Dichte
Technik, schleuni­ Baryt Schwermetall-
ger Wasserstoffgehalt, schlacken
Industrie, Neutronen Absorptionsquer-
Mit Kristallwasser
schnitt und Dichte
Limonit Serpentin
Vertei- Ordnungszahl und
digung  - Strahlung Dichte Zusatzstoffe mit hohem
Kern-
reakto­ Wasserstoffgehalt, Absorptionsquerschnitt
ren Neutronen Absorptionsquer- Colemanit Borfritte
schnitt und Dichte Borcalzit Borcarbid

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 15


Der Nachweis der Strahlenschwächung ist nicht Aufgabe des Betontechnologen.
Vom Strahlenschutz-Verantwortlichen müssen die erforderlichen Kennwerte für
den Beton­entwurf unter Beachtung konstruktiver Gesichtspunkte, insbesondere
der Bauteildicke, benannt werden:

–– Festigkeitsklasse (C25/30 oder C30/37)


–– Festbetonrohdichte
–– Gehalt an chemisch gebundenem Wasser
–– Anteil von Zusatzstoffen mit hohem Absorptionsquerschnitt
–– chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Gesteinskörnung

Strahlenschutzbetone sind Betone nach Eigenschaften (Zielwert der Rohdichte,


Strahlenschwächung usw.). Für Strahlenschutzbetone werden in der Regel
schwere Gesteinskörnungen verwendet. Dieses gilt auch für die Herstellung von:

–– Ballastbeton und
–– Schallschutzbeton

Es gelten die einschlägigen betontechnologischen Normen.

H. 3. 2 Ausgangsstoffe

Zement
Grundsätzlich sind alle Zemente nach DIN EN 197-1 und DIN 1164 (Zement mit be­
sonderen Eigenschaften) geeignet. Weil die Bauteilquerschnitte i.d.R. sehr dick
sind, werden Zemente mit niedriger Hydratationswärme (LH-Zemente mit gerin­
ger Anfangsfestigkeit) verwendet.

Gesteinskörnungen und borhaltige „Zusatzstoffe”


Die für Strahlenschutzbetone verwendeten Gesteinskörnungen lassen sich wie
folgt einteilen:

–– Normale Gesteinskörnung
–– Natürliche schwere Gesteinskörnung
–– Künstliche schwere Gesteinskörnung
–– Gesteinskörnung mit Kristallwasser

und darüber hinaus borhaltige „Zusatzstoffe” zur Verbesserung der Neutronen­


absorption.

In Tafel H.12 sind die für Strahlenschutzbetone verwendeten Gesteinskörnungen


und Zusatzstoffe einschließlich der wichtigsten Kennwerte zusammengestellt.

H 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel H.12: Gesteinskörnungen u. „Zusatzstoffe” für Strahlenschutzbetone

Stoffgruppe Chem. Kornroh- Eisen- Kristall- Bor- Chemische Richt-


(verfügbare Bezeichnung dichte gehalt wasser gehalt Elemente preis
Korngrößen) [kg/dm3] [M.-%] [M.-%] [M.-%] (Hauptbestandteile) (Normale
Gesteins-
körnung
= 1)

Normale
Gesteinskörnungen:
– Kiessand SiO2 2,6 … 2,7 – – – Si, Al, Ca, K, Na, Mg, C, O 1
– Kalkstein CaCo3 2,6 … 2,8 – – – Ca, C, O 1…3
– Granit 2,6 … 2,8 – – – Si, Al, K, Na, O 1…3
– Basalt 2,9 … 3,1 < 10 – – Si, Al, Fe, Mg, O 1…3

Natürliche schwere
Gesteinskörnungen:
– Baryt (Schwerspat) Ba So4 ( 85 M.-%) 4,0 … 4,3 – – – Ba, S, O 10 … 15
– Ilmenit (Titaneisenstein) FeTiO3 4,6 … 4,7 35 … 40 – – Fe, Ti, O 10 … 15
– Magnetit (Magneteisenst.) Fe3O4 4,6 … 4,8 60 … 70 – – Fe, O 10 … 25
– Hämatit (Roteisenstein) Fe2O3 4,7 … 4,9 60 … 70 – – Fe, O 10 … 25
-
Künstliche schwere
Gesteinskörnungen:
– Schwermetallschlacken 1) 3,5 … 3.8 < 25 – – Si, Ca, Fe, O 5 … 10
– Ferrosilicium 5,8 … 6,2 80 … 85 – – Fe, Si 20 … 35
– Ferrophosphor 6,0 … 6,2 65 … 70 – – Fe, P 30 … 40
– Stahlgranalien ( 8 mm) Fe 6,8 … 7,5 90 … 95 – – Fe 30 … 45
– Stahlsand (0.2 ... 3 mm) Fe 7,5 … 7,6 rd. 95 – – Fe 50 … 60
-
Gesteinskörnungen
mit erhöhtem
Kristallwassergehalt:
– Limonit (4 ... 16 mm) Fe2O3 . n H2O 3,6 … 3,8 50 … 55 10 … 12 – Fe, O, H 15 … 20
– Serpentin Mg6 [(OH)6Si4O11] . H2O 2,5 … 2,6 – 11 … 13 – Si, Mg, O, H 10 … 20

Borhaltige Zusatzstoffe:
– Borcalcit (B2O3 + CaO + H2O) 2,3 … 2,4 – 16 … 20 rd. 13 B, Ca, O, H 40 … 65
– Colemanit (2CaO . 3B2O3 . 5H2O) 2,3 … 2,4 – 16 … 20 rd. 13 B, Ca, O, H 40 … 65
– Borfritte (B2O3 + SiO2 + Na2O) 2,4 … 2,6 – – rd. 15 B, Si, Na, O rd. 200
– Borcarbid B 4C 2,4 – – rd. 78 B, C rd. 3 300

Der Schwermetallgehalt kann starken Schwankungen unterliegen.


1)

Für eine gute Verarbeitbarkeit und eine hohe Betonrohdichte ist die Kornzusam­
mensetzung möglichst im Sieblinienbereich A/B zu wählen. Sehr häufig entspre­
chen die lieferbaren Korngruppen der schweren Gesteinskörnung nicht der vom
Normalbeton her bekannten Zusammensetzung; daher hat sich eine Kornzusam­
mensetzung mit vermindertem Mehlkornanteil als günstig erwiesen.

Tafel H.13 gibt für drei Korngemische mit unterschiedlichem Größtkorn die
Durchgänge in Vol.-% in Abhängigkeit von der Siebweite an (Sieblinien).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 17


Tafel H.13: Günstige Sieblinien für Strahlenschutzbetone

Korngemisch Durchgänge in Vol.-% für Siebweiten [mm]


0,25 0,5 1 2 4 8 16 31,5
0/32 5 12 17 25 35 50 70 100
0/16 8 17 25 35 50 70 100 100
0/8 11 25 35 50 70 100 100 100

Achtung
Durchgänge sind wegen der stark unterschiedlichen Gesteinskörnungsrohdichte
in Volumen-% errechnet worden!

Gesteinskörnungen müssen den Forderungen der DIN EN 12620 entsprechen.

Werke/Lieferanten von schwerer Gesteinskörnung unterliegen i. Allg. keiner


Güteüberwachung nach DIN EN 12620. Der Hersteller muss daher verbindliche
Angaben über Zusammensetzung und Gleichmäßigkeit seiner schweren Ge­
steinskörnung machen können. Schwere Gesteinskörnungen müssen nachfol­
gende Grundbedingungen erfüllen:

–– Gewährleistung der chemisch-mineralogischen Zusammensetzung, der Korn­


rohdichte, des Kristallwassergehalts, der Kornzusammensetzung
–– Festigkeit und Dichtheit des Strahlenschutzbetons dürfen durch die Beschaf­
fenheit der Gesteinskörnungen nicht beeinträchtigt sein.
–– Abrieb durch Lagerung sowie beim Mischen und Verarbeiten des Betons müs­
sen gering sein.
–– Oberflächenbeschaffenheit der Gesteinskörnung darf die Haftung im Mörtel
bzw. im Beton nicht mindern.
–– Gesteinskörnung muss frei von betonschädigenden und stahlangreifenden
Bestandteilen sein.
–– Mindestdruckfestigkeit der schweren Gesteinskörnung D  80 N/mm2

Betonzusätze

–– Betonzusatzstoff (BZS)
Flugasche (FA) darf verwendet werden.
–– Betonzusatzmittel (BZM)
Verwendet werden Verflüssiger (BV), Fließmittel (FM) und Verzögerer (VZ).

Weil Reaktionen zwischen BZM und schweren Gesteinskörnungen nicht auszu­


schließen sind, ist eine erweiterte Erstprüfung erforderlich!

H 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 3. 3 Betonzusammensetzung

Anrechenbarer gebundener Wasser(stoff)gehalt

–– Allgemein gültige Erkenntnisse zur Wasserbindung in Zementstein und in


schweren Gesteinskörnungen sind zzt. nicht vorhanden.

Tafel H.14 gibt Anhaltswerte für den chemisch gebundenen Wasser(stoff)ge­


halt des Zementsteins, der unter verschiedenen Lagerungs- und Betriebsbedin­
gungen angenommen werden kann. Detailliertere Aussagen erfordern aufwen­
dige experimentelle Untersuchungen entsprechend des jeweiligen Einzelfalls.

Den anrechenbaren Kristallwassergehalt der Gesteinskörnungen bei üblichen Kli­


maverhältnissen zeigt Tafel H.12. Bei Betriebstemperaturen T  80 °C entwässern
die Gesteinskörnungen je nach Temperatur und Einwirkungszeit. Einen ausrei­
chend hohen Kristallwassergehalt behalten limonithaltige Gesteinskörnungen
i. Allg. bis T  150 °C; serpentinithaltige Gesteinskörnungen bis T  350 °C Be­
triebstemperatur.

Rohdichte

–– Die für den Mischungsentwurf ausschlaggebende Festbetonrohdichte b kann


durch Festlegung einer bestimmten Frischbetonrohdichte b,h unter Berück­
sichtigung produktionsbedingter Streuungen nach folgender Beziehung einge­
halten werden:

b,h = b + 1,645 . s + w - wzs [kg/m3]

Darin sind:
b,h = Frischbetonrohdichte [kg/dm3]
 b = vorgeschriebene Festbetonrohdichte [kg/dm3]
1,645 = Verteilungszahl nach Student
s = Standardabweichung der Frischbetonrohdichte [kg/dm3]
Für Schätzungen s = 0,01 b möglich!
w = Wassergehalt im Frischbeton [kg/m3]
wzs = gebundener Wasser(stoff)gehalt im trockenen Zementstein [kg/m3]

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 19


Tafel H.14: Anhaltswerte für den anrechenbaren gebundenen Wasser(stoff)gehalt
wzs im trockenen Zementstein

Betriebstemperatur wzs  1)
[°C] [°kg/m3]
< 40 0,2 · z + 30 0,19 ... 0,23
40 … 100 ·z bei weitgehender Hydratation 2)

ca. 200 0,55 ·  · z 0,14 ... 0,19


ca. 300 0,45 ·  · z nach 28 d-Wasserlagerung

1)
Die höheren Werte ergeben sich bei  > 0,5 sowie nach 28 d-Wasserlagerung für
– R-Zemente
– Zemente mit hohem C3S-Gehalt und größerer Mahlfeinheit
2)
Bauteile, die vor dem Austrocknen geschützt sind, und massige Bauteile im Alter von
 3 Monaten

Druckfestigkeit
Übliche Festigkeitsklassen für Strahlenschutzbetone (C25/30 und C30/37 bzw.
C35/45) werden mit den in Tafel H.12 genannten Gesteinskörnungen zielsicher
erreicht. Analog zum Normalbeton hängt die Festigkeit im Wesentlichen vom
w/z-Wert, von der Zementfestigkeit und dem Verdichtungsporenanteil ab.

Frischbetoneigenschaften

–– LP-Gehalt bei verdichtetem Beton mit:


• natürlichen schweren Gesteinskörnungen: ca. 1,5 Vol.-%
• künstlichen schweren Gesteinskörnungen: ca. 3,0 Vol.-%

–– Der erforderliche Wassergehalt für eine bestimmte Konsistenz entspricht in et­


wa dem von Normalbeton. Der Wassergehalt sollte möglichst gering gehalten
werden, weil sonst
• die Rohdichte des Betons abnimmt,
• das Schwinden und die Neigung zur Rissbildung gefördert wird.

Bei weichen Betonkonsistenzen und stark unterschiedlichen Gesteinskörnungs­


rohdichten besteht permanent die Gefahr von Entmischungen.

H 20 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Besondere Eigenschaften entspr. DIN EN 206-1

–– Frost-Tausalz-Widerstand ist für Strahlenschutzbeton i.d.R. nicht erforderlich.


Wird Schwerbeton (Ballast- oder Schallschutzbeton) hergestellt, dann gelten
die für Normalbeton bekannten betontechnologischen Grundsätze der
DIN EN 206-1.
–– Widerstand gegen chemischen Angriff kann für schwere Gesteinskörnungen
nicht ohne weiteres angenommen werden. Für den jeweils zu erwartenden
chemischen Angriff ist die Beständigkeit der Gesteinskörnungen zu prüfen.

Mischungsentwurf
Es gelten die vom Normalbeton bekannten Stoffraum-Beziehungen (Mischungs­
entwurf).

Beispiel – Geforderte Eigenschaften:

Strahlenschutzbeton C30/37, F 3

b = 3,2 kg/dm3
Luftgehalt p = 2 Vol.-%
Betriebstemperatur < 40 °C

Ausgangsstoffe:
CEM III/B 32,5 N–LH/SR = 300 kg/m3
 z = 3,0 kg/dm3
w/z = 0,60
Wasser = 180 kg/m3
Schwere Gesteinskörnung: g s = 4,2 kg/dm3
Normale Gesteinskörnung: g n = 2,7 kg/dm3

Berechnung:
Volumenanteil der Gesteinskörnung:

( )
z w
V g = 1 000 – z + w + p [dm3]

V g = 1 000 –
( 300
3,0
+
180
1,0
+ 20 ) = 700 dm3

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 21


Massenanteil der Gesteinskörnungen unter Berücksichtigung der Frischbeton­
dichte b, h

b, h = b + 1,645 · s + w - wzs

aus Tafel H.14 mit wz s = 0,2 · z + 30

b, h = 3 200 + 1,645 · 0,01 · 3 200 + 180 – (0,2 · 300 + 30)


b, h = 3 343 kg/m3
g = b, h – (z + w)
g = 3 343 – (300 + 180)
g = 2 863 kg/m3

Aufteilung der Gesamtmasse auf die beiden Kornarten (normale und schwere
Gesteinskörnung) zwei Gleichungen mit zwei Unbekannten!

Gleichung 1:
g = gs + gn gn = g – gs (Substitution)

Gleichung 2:
gs gn gs g - gs
Vg =  +  =  +  (Auflösung nach gs)
gs gn gs gn

g
(Vg –  ) · g s · g n
gn
gs =
g n - g s

Vg · g s · g n – g · g s
gs = g n – g s

700 · 4,2 · 2,7 – 2 863 · 4,2


gs =
2,7 – 4,2

gs = 2 725 kg/m3 (Schwere Gesteinskörnung)



gn = g – gs = 2 863 - 2 725

g n = 138 kg/m3 (Normale Gesteinskörnung)

Die Gesteinskörnungen sind nun noch entsprechend der gewünschten Sieblinie


auf die Korngruppen aufzuteilen.

H 22 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 3. 4 Herstellen und Verarbeiten

Lagern der Gesteinskörnungen

–– Das Vermischen verschiedener Gesteinskörnungen sowie Verunreinigungen


sind zu vermeiden.
–– Eisenhaltige Gesteinskörnungen sind trocken zu lagern (Verfärbungen des
Betons durch Rostbildung). Ein leichter Rostanflug hat keine Auswirkungen.

Dosieren und Mischen

–– Alle Betonausgangsstoffe sind nach Masse bzw. Gewicht zu dosieren.

Achtung
Bei der Herstellung von Schwerbeton ist auf eine mögliche Überlastung des
Mischers zu achten!

Beispiel:
Gesucht ist das jeweilige Gewicht (Masse) mN bzw. ms von Beton mit

–– einer Normalbetonrohdichte N = 2,4 kg/dm3 und


–– einer Schwerbetonrohdichte N = 4,8 kg/dm3.

Die Mischungsgröße soll in beiden Fällen


v = vN = vS = 2,0 m3 betragen.

Masse Normalbeton:
mN = N · vN = 2 400 kg/m3 · 2,0 m3 = 4 800 kg
mN = 4,8 t

Masse Schwerbeton:
mS = S · vS = 4 800 kg/m3 · 2,0 m3 = 9 600 kg
mS = 9,6 t

Das Ergebnis zeigt, dass in dem hier gewählten Beispiel 2,0 m3 Schwerbeton
doppelt so schwer sind wie Normalbeton der gleichen Menge. Soll die Masse
(Gewicht) des Schwerbetons mS nicht größer sein als die des Normalbetons
(mN = 4 800 kg), so muss die Mischungsgröße vS verringert werden!

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 23


Aus der Forderung: m = mN = mS = 4 800 kg ergibt sich:

m 4 800 kg
vS = = = 1,0 m3
s 4 800 kg/m3

Um den Mischer nicht zu überlasten, darf bei der Herstellung von Schwerbeton
nur noch die Hälfte der Mischungsgröße angesetzt werden.

Die erforderliche Mischzeit ist in Vorversuchen zu bestimmen, um

–– die Homogenität der Mischung sicherzustellen und


–– den übermäßigen Abrieb der schweren Gesteinskörnungen

zu verhindern (Erfahrungswert: 1 min bis 2 min).

Schalung und Rüstung

Durch eine größere Rohdichte beim Beton mit schwerer Gesteinskörnung er­
geben sich höhere Lastannahmen, die bei der statischen Berechnung einfließen
müssen. Vorteilhaft ist der Einsatz von „verlorenen” Schalungsankern, weil das
nachträgliche Verschließen von Ankerlöchern mit Strahlenschutzmörtel zum
Problem werden kann.

Schwerbeton als Transportbeton

–– Mit Entmischungen – insbesondere bei weichen Betonen – ist zu rechnen, wenn


Gesteinskörnungen mit stark unterschiedlichen Kornrohdichten verwendet
werden.
–– Auf Grund der hohen Frischbetonrohdichte beim Schwerbeton ist auf eine
Überladung der Fahrmischer zu achten (siehe Pkt. „Dosieren und Mischen”).

Fördern, Einbringen, Verdichten

–– Bei Schwerbeton erfolgt der Einbau überwiegend mit Kübeln oder über För­
derbänder. In Abhängigkeit von der Mischungszusammensetzung ist auch der
Einsatz einer Betonpumpe möglich.
–– Die Gefahr der Entmischung ist bei unterschiedlichen Rohdichten der Gesteins­
körnung immer gegeben.
–– Die Fallhöhe des Betons muss daher so klein wie möglich gehalten werden.

H 24 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


–– Der Verdichtungsaufwand bei Schwerbeton ist höher als bei Normalbeton.
Rüttelabstände, Eintauchtiefen und Rüttelzeit müssen bei Einsatz von Innen­
rüttlern so gering wie möglich vorgesehen werden, wobei Vorversuche sinnvoll
sind.
Bei Aussenrüttlern ist die verringerte Wirkungstiefe zu berücksichtigen; eine
Nachverdichtung wird empfohlen.
–– Wenn Bauteile mit unregelmäßigen Abmessungen, Rohrdurchführungen oder
Aussparungen herzustellen sind, dann werden mit dem Prepakt-Verfahren
gute Erfolge erreicht: Gepackte Gesteinskörnung mit d  32 mm, Mörtel mit
d  4 mm.

Das Puddel-Verfahren, bei dem in schichtweise eingebrachten Mörtel größere


schwere Körnungen (Stahlgranalien) eingerüttelt werden, eignet sich besonders
bei Verwendung von Körnungen mit sehr unterschiedlich hoher Rohdichte.

Arbeitsfugen ( möglichst vermeiden )



Sind Arbeitsfugen erforderlich, so sollte bei Normaltemperaturen innerhalb von
4 bis 8 Stunden weiterbetoniert werden. Niedrigere Temperaturen vergrößern,
höhere Temperaturen verkürzen die angegebene Zeitspanne. Die Schlämme des
älteren Betons ist mit einem Druckwasserstrahl zu beseitigen, bis das Grobkorn
freiliegt. Stehendes Wasser durch ölfreie Druckluft entfernen. Die Betonoberflä­
che soll vor dem Weiterbetonieren nur noch mattfeucht sein.

Nachbehandlung (NB)
Grundsätzlich gelten DIN EN 13670 und DIN 1045-3, wobei die Nachbehandlungs­
dauer aber deutlich zu verlängern ist:

a) Zur Vermeidung von Rissen


b) Um den für die Neutronen-Absorption wichtigen Gehalt an chemisch
gebundenem Wasser zu erhöhen.

Die sorgfältige und ununterbrochene feuchte Nachbehandlung sollte 14 Tage


nicht unterschreiten; andere Autoren geben einen Zeitraum von ca. vier Wochen
an.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 25


H. 3. 5 Konformität von Strahlenschutzbeton

Herstellung: als Beton nach Eigenschaften (DIN EN 206-1/DIN 1045-2)

Produktionskontrolle: gemäß DIN EN 206-1 und DIN 1045-3



Zusätzlich sollten im Rahmen der Produktionskontrolle folgende Kennwerte
nachgewiesen werden:

–– Kornrohdichte und, wenn erforderlich, die chemische Zusammensetzung und


der Kristallwassergehalt der Gesteinskörnungen
–– Frisch- und Festbetonrohdichte
–– Prüfhäufigkeit und Vorhaltemaße nach Vereinbarung

Der Nachweis der Druckfestigkeit von Schwerbeton kann bereits nach 28 Tagen,
sollte aber besser erst nach 56 Tagen an Würfeln mit einer Kantenlänge von
a = 200 mm erfolgen.

Bei anderen Prüfkörperformen gelten die Umrechnungsfaktoren der DIN 1045-2


nicht !

H. 3. 6 Widerstand von Beton gegen radioaktive Strahlung

Durch Strahlenabsorption kann die Betontemperatur stark ansteigen; dabei


kommt es neben der Entwässerung der Gesteinskörnungen bereits bei Tempera­
turen zwischen 100 °C und 250 °C zu Festigkeitsverlusten des Betons von 20 %
bis 25 %. Nach heutigem Wissensstand kann Neutronenstrahlung mit einer Fluenz
von mehr als 1019 Neutronen/cm2 bzw. Gammastrahlung mit einer Dosis über
2 · 1014 J/g zu einer Verschlechterung der mechanischen Eigenschaften führen
(Festigkeit, Elastizitätsmodul, Wärmedehnzahl). Solche Strahlenbelastungen
treten z.B. in Reaktordruckbehältern auf.

Neben der Berücksichtigung dieser Faktoren bei der Bemessung bzw. konstruk­
tiven Gestaltung des Bauwerks müssen dann besonders strahlenbeständige Ge­
steinskörnungen ausgewählt werden.

H 26 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


H. 3. 7 Rezepturen für Strahlenschutz- bzw. Schwerbetone

Angaben zur Zusammensetzung von Strahlenschutzbetonen und zu ausge­


führten Bauwerken befinden sich z.B. in 1) und 2).

H. 3. 8 Gesetzliche Grundlagen und Technische Regelwerke

Verordnung über den Schutz vor Schäden durch Röntgenstrahlen (Röntgenver­


ordnung) vom 8.1.1987 (BGB, Bl. I, S. 114). Verordnung über den Schutz vor Schä­
den durch ionisierende Strahlen (Strahlenschutzordnung) vom 30.6.1989 (BGB,
Bl. I, S. 1321) mit Berichtigung vom 16.10.1989 (BGB, Bl. I, S. 1926).

Normen für den Strahlenschutz


DIN 6812: Medizinische Röntgenanlagen bis 300 kV – Regeln für die Aus­
legung des baulichen Strahlenschutzes
DIN 6814: Begriffe in der radiologischen Technik
DIN 6844: Nuklearmedizinische Betriebe – Regeln für die Errichtung und
Ausstattung
DIN 6846: Medizinische Gamma-Bestrahlungsanlagen – Strahlenschutzregeln
für die Herstellung und Errichtung
DIN 6847-2: Medizinische Elektronenbeschleuniger-Anlagen – Regeln für die
Auslegung des baulichen Strahlenschutzes
DIN 25401: Begriffe der Kerntechnik
DIN 25413: Klassifikation von Abschirmbetonen nach Elementanteilen

Merkblätter für den Strahlenschutz


Merkblatt des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins:
–– „Strahlenschutzbeton”
Merkblatt des Vereins Deutscher Zementwerke
–– „Schwerbeton/Strahlenschutzbeton”

Wandschneider, R.; Pick, R.: Betone, Mauerwerk, Estrich und Putz im bautechnischen Strah­
1)

lenschutz. Beton-Informationen 22 (1982) H. 5, S. 47/50


Erbe, M.; Schulte, F.: Schwerbeton für die Duisburger Klinik, Beton-Informationen 31 (1991)
2)

H. 2, S. 23

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I H 27


I Betonwaren
Dipl.-Ing. Hagen Uhlig

I. 1 Begriffsbestimmungen

Betonwaren sind Produkte, die vorrangig in Stahlformen durch Stampfen, Pres­


sen, Rütteln/Vibration, Schleudern oder Walzen des Betons ihre Gestalt erhal­
ten. Zum überwiegenden Teil wird sehr steifer Beton (Konsistenz F1/C1) verarbei­
tet. Nach erfolgter Verdichtung werden die Produkte/Bauteile in der Regel sofort
entschalt (Grünstandfestigkeit).

I. 1. 1 Arten von Betonwaren

– Betonwerksteine nach DIN V 18500


Betonwerksteine ist der Sammelbegriff für Bauteile (Werkstücke) aus bewehr­
tem oder unbewehrtem Beton, die vorgefertigt werden oder deren Sichtflä­
chen werksteinmäßig bearbeitet oder besonders gestaltet sind.
Beispiele: Bodenplatten, Treppenstufen, Fensterbänke usw.

– Nicht genormte Betonprodukte


Das sind bewehrte und unbewehrte werkmäßig gefertigte Produkte aus Beton,
für die keine Anforderungen in Normen oder keine sonstigen vom Bund Güte­
schutz Beton (BGB) anerkannten technischen Regeln bestehen. Anforderungen
und Prüfungen an nicht genormte Betonprodukte sind in der Richtlinie des
BGB enthalten. Beispiel: Rasengittersteine

– Genormte Betonerzeugnisse
In Tafel I.1 sind beispielhaft bewehrte und unbewehrte Betonwaren, die in Nor­
men geregelt sind, zusammengestellt.

Haupteinsatzgebiete: – Straßen- und Tiefbau
– Garten- und Landschaftsgestaltung

Tafel I.1: Genormte Betonwaren (Auszug)

Betonwaren Norm
Betonwerksteine DIN V 18500
Pflastersteine aus Beton DIN EN 1338
Platten aus Beton DIN EN 1339
Bordsteine aus Beton DIN EN 1340
Abgasanlagen – Bauteile – Betonformblöcke DIN EN 1858
Terrazzoplatten DIN EN 13748

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 1


I. 2 Betonausgangsstoffe

In Tafel I.2 sind die Ausgangsstoffe für die Herstellung von Betonwaren zusam­
mengefasst.

Tafel I.2: Zusammenstellung der Ausgangsstoffe

Anforderungen Erfahrungswerte

Zement – Zement nach DIN EN 197-1 Zementgehalte:


– vorwiegend Festigkeits- – Vorsatzbeton
klasse 42,5; 52,5 350 kg/m3 … 420 kg/m3
– Kernbeton  270 kg/m3
– Einschalenbeton
320 kg/m3 … 400 kg/m3

Gesteinskörnung – Gesteinskörnung nach Sieblinienbereiche:


(natürliche und DIN EN 12620 – Kies 
künstliche) – stetige Sieblinie oder – Splitt  / 
Ausfallkörnung Größtkorn max d:
– leichte Gesteinskörnung – Vorsatzbeton  5 mm
nach DIN EN 13055-1 – Kernbeton
– Schmelzkammerschlacken Kies d  16 mm
– Schmelzkammergranalien Splitt d  11 mm

Betonzusatzstoffe – Gesteinsmehle nach – Füllerwirkung,


DIN EN 12620 ca. 50 kg/m3
– FA nach DIN EN 450-1, – 50 kg/m3 … 100 kg/m3
Allg. bauaufsichtliche
Zulassung
– Silikastaub nach
DIN EN 13263-1 – 5 M.-% … 8 M.-% v. Zement-
– Farbpigmente nach gehalt
DIN EN 12878

Betonzusatzmittel BV, FM und LP nach – Bei Einsatz von FM auf Ba­


DIN EN 934-2 sis von Polycarboxylatether
(PCE) kann ein höherer
Wassergehalt vorgetäuscht
werden. Günstig ist die Er­
mittlung des Gesamtwas­
sergehalts mittels „Darren”
oder durch andere ähnliche
Verfahren.

Kunstharze – modifizierte Polymere


– Silane
– Silikone

w/z-Wert Der w/z-Wert richtet sich 0,35 … 0,50


nach Herstellverfahren der
Betonwaren und den Anfor­
derungen an das Produkt.
Vorwiegend Betonfestigkeits­
klasse C35/45 … C50/60

I 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 3 Herstellverfahren für Betonwaren

In Tafel I.3 sind die wichtigsten Verfahren zur Herstellung von Betonwaren ge­
nannt.

Tafel I.3: Herstellverfahren für Betonwaren

Herstellverfahren Einsatzgebiete
Brettfertigung Pflastersteine, Bordsteine, Gossen- und Rasengittersteine
Mehrlagenfertigung Pflastersteine, Gossensteine
Bodenfertigung Bordsteine, Blockstufen, Palisaden, Pflanzkübel
Gießen Sonderelemente, Betonmobiliar

I. 3. 1 Einfluss der Ausgangsstoffe und des w/z-Werts


auf die Betonqualität

Tafel I.4: Zusammenstellung der Einflüsse und Auswirkungen

Mängel Auswirkungen
Zement – falsche Zementart – Minderfestigkeiten, poröses Gefüge
– zu niedrige Festigkeitsklasse – Verdichtungswilligkeit des
– zu niedriger Zementgehalt Betons zu gering
Gesteins- – Betonmischung: zu grob – verdichtungsunwillig, poröses
körnung Gefüge
zu fein – Beton klebt,
steigender Wasseranspruch
– Gesteinskörnung verun- – Minderfestigkeiten, Abplatzun­gen
reinigt (organische/ auf der Betonoberfläche, geringere
quellende Bestandteile) Dauerhaftigkeit
– keine Farbstabilität – Farbschwankungen
Zusatzstoffe – FA-/Füllergehalt zu hoch – Minderfestigkeiten, Verringerung
des Frost-Tausalz-Widerstands
– Farbstoffzugabe zu niedrig – geringe Farbintensität
Zusatzmittel – Zugabemenge zu hoch – geringe Grünstandfestigkeit,
Ausbauchungen, Beton klebt
– kann höheren Wassergehalt
vortäuschen
– geringe Druck- und Biege-
zugfestigkeit
w/z-Wert – zu hoch – geringe Grünstandfestigkeit,
Ausbauchungen, geringe Dauer­
haftigkeit; Beton wird heller
– zu niedrig – Mischung zu trocken,
poriges Gefüge, ungenügendes
Zusammenhaltevermögen, Wasser­
aufnahmefähigkeit steigt, geringer
Frostwiderstand

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 3


I. 3. 2 Herstellungseinflüsse auf die Qualität von Betonwaren

In Tafel I.5 sind mögliche Auswirkungen auf die Qualität von Pflastersteinen in
Folge unterschiedlicher Herstellungseinflüsse zusammengestellt.

Tafel I.5: Einflüsse und Auswirkungen auf die Qualität von Pflastersteinen wäh­
rend der Herstellung

Einflüsse Auswirkungen
Füllen der Form: – zu kurz – Steinhöhe zu niedrig
– zu schnell – ungleichmäßige Befüllung,
ungenügende Verdichtung
– zu langsam – Steinhöhe zu hoch
Verdichtung: – zu kurz – Minderfestigkeiten, poröses Gefüge,
geringe Dauerhaftigkeit
– zu lang – Gefügelockerung, Kleben am Stempel,
Abhebungen
– ungleichmäßig – Minderfestigkeiten, Rissbildung, schräge
Flächen
Formen: – verschlissen – unscharfe Kanten und Sichtfläche,
Höhendifferenzen
Absetzen der Steine: – ungenau – Rissbildung, Abplatzungen,
Gefügeschädigung

I 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 4 Qualitätsanforderungen/Prüfungen

Tafel I.6 gibt ausgewählte Prüfungen für Betonwaren wieder.

Tafel I.6: Prüfungen bei der Betonwarenherstellung (ausgewählte Beispiele)

Maße Druck- Biege­ Spalt­ Bruch­ Frost u. Was- Ab- Gleit- Äußere Spez.
festig- zug- zug- last- Frost- ser- rieb- u. Be­ An-
keit festig­ festig­ klassen Tau- auf- wider­ Rutsch- schaf­ for-
keit keit salz- nahme stand wider­ fen- der-
Wider­ stand heit un­
stand gen
Pflaster­ X X X X X X1) X
steine
Platten X X X X X X X1) X X
Bord­ X X X X X X1) X
steine
Form- X X2) X X X
stücke
Abgas­ X X X X X3)
anlagen,
Bauteile,
Beton­
form-
blöcke
Rinnen­ X X X X
platten4)
Bauteile X X X X X
für
Außen-
treppen4)
Großfor­ X X X X X
matige
Fertig­
teile
(Winkel­
stützen)
Kabel- X X X X X X X
kanal­
bauteile

Wenn Oberfläche geschliffen oder poliert wurde


1)

2)
Scheiteldruckfestigkeit
3)
Feuerwiderstand, Rußbrandbeständigkeit, Kondensatbeständigkeit, Korrosionswiderstand,
Temperatur
4)
BGB-RiNGB

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 5


Die unterschiedlichen Kategorien bzw. „Qualitätsklassen” in den europäischen
Normen werden durch die „Technischen Lieferbedingungen für Bauprodukte zur
Herstellung von Pflasterdecken und Plattenbelägen” (TL Pflaster-StB) hinsicht­
lich ihrer Anwendung in Deutschland beschrieben. Dabei werden die Eigenschaf­
ten der Baustoffgemische und Baustoffe festgelegt, die für den Anwendungsfall
erforderlich sind. Die jeweiligen Produkteigenschaften der gültigen europäischen
Norm bleiben als Grundforderungen erhalten, es sei denn, die TL Pflaster-StB
sieht eine höhere Kategorie vor. Weitere Präzisierungen der Qualitätsanforde­
rung können von den Bundesländern vorgenommen werden.

Tafel I.7: Ausgewählte Anforderungen der DIN EN 1338 „Pflastersteine aus Beton”
und TL Pflaster-StB

Spaltzugfestigkeit Charakt. Einzelwert der Spalt­ Bruchlast


Spaltzugfestigkeit zugfestigkeit
 3,6 N/mm2 > 2,9 N/mm2  250 N/mm
Spaltflächenlänge
Anforderungen Dicke d. Pflaster Länge Breite Dicke
Maße [mm] [mm] [mm] [mm]
Zulässige < 100 2 2 3
Abweichungen  100 3 3 4
Max. Differenz Länge der Klasse Kenn­zeichnung Max. Differenz
Diagonalen [mm]
 300 keine keine keine
> 300 1 J 5
> 300 2 K 3
> 300 3 L 2
Ebenheit und Messlänge Max. konvex Max. konkav
Wölbung [mm] [mm] [mm]
300 1,5 1,0
400 2,0 1,5
Wasser- Klasse Kennzeichnung Wasseraufnahme
aufnahme [M.-%]
1 A Keine Anforderung
2 B  6,0 als Mittelwert
Frost-Tausalz- Klasse Kennzeichnung Masseverlust bei
Widerstand Prüfung [kg/m2]
3 D  1,0
Mittelwert:
kein Wert > 1,5
Abrieb- Klasse Kenn­zeichnung Anforderungen
widerstand
Anhang G1) Anhang H1)
1 F Keine Anforderung Keine Anforderung
3 H  23 mm  20 000 mm3/
5 000 mm2
4 I  20 mm  18 000 mm3/
5 000 mm2
Dicke der Vorsatzschicht bei Betonpflaster: Forderung > 4 mm
Forderung gemäß TL Pflaster-StB
1)
Anhang der gültigen Norm

I 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel I.8: Ausgewählte Anforderungen der DIN EN 1339 „Platten aus Beton”

Anforde­ Klasse Kenn- Nennmaß Länge Breite Dicke


rungen zeich-
Maße nung [mm] [mm] [mm] [mm]
1 N Alle 5 5 3
2 P  600 2 2 3
< 600 3 3 3
3 R Alle 2 2 2
Max. Differenz Länge der Klasse Kennzeichnung Max. Differenz
Messung der Diagonalen [mm]
Diagonalen
 850 1 J 5
> 850 8
 850 2 K 3
> 850 6
 850 3 L 2
> 850 4
Ebenheit und Wölbung Messlänge Max. konvex Max. konkav
[mm] [mm] [mm]
300 1,5 1,0
400 2,0 1,5
500 2,5 1,5
800 4,0 2,5
Wasseraufnahme Klasse Kennzeichnung Wasseraufnahme
[M.-%]
1 A Keine Anforderung
2 B  6,0 als Mittelwert
Frost-Tausalz-Widerstand Klasse Kennzeichnung Masseverlust bei Prüfung
[kg/m2]
3 D  1,0
Mittelwert: kein Wert > 1,5
Abriebwiderstand Klasse Kenn- Anforderungen Anforderungen
Prüfverfahren zeichnung Anhang G1) Anhang H 1)
1 F Keine Anforderung Keine Anforderung
2 G  26 mm  26 000 mm3/5 000 mm2
3 H  23 mm  20 000 mm3/5 000 mm2
4 I  20 mm  18 000 mm3/5 000 mm2
Biegezugfestigkeit Klasse Kenn- Charakt. Biegezugfestigkeit Einzelwert
zeichnung [N/mm2] [N/mm2]
1 S 3,5  2,8
2 T 4,0  3,2
3 U 5,0  4,0
Bruchlastklassen Klassen- Kenn- Charakt. Bruchlast Mindestbruchlast
nummer zeichnung [kN] [kN]
30 3 3,0 2,4
45 4 4,5 3,6
70 7 7,0 5,6
110 11 11,0 8,8
140 14 14,0 11,2
250 25 25,0 20,0
300 30 30,0 24,0
Dicke der Vorsatzschicht bei Platten: Forderung > 4 mm
Forderung gemäß TL Pflaster-StB

Anhang der gültigen Norm


1)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 7


Tafel I.9: Ausgewählte Anforderungen der DIN EN 1340 „Bordsteine aus Beton”

Ebenheit und Messlänge Zulässige Abweichung


Geradheit [mm] [mm]
300  1,5
400  2,0
500  2,5
800  4,0
Wasseraufnahme Klasse Kennzeichnung Wasseraufnahme
[M.-%]
1 A Keine
Anforderung
2 B  6,0 als Mittelwert
Frost-Tausalz- Klasse Kennzeichnung Masseverlust
Widerstand bei Prüfung
[kg/m2]
3 D  1,0 als Mittelwert:
kein Wert > 1,5
Abriebwiderstand Klasse Kenn- Anforderungen
Prüfverfahren zeichnung
Anhang G 1) Anhang H 1)
1 F Keine Keine
Anforderung Anforderung
3 H  23 mm  20 000 mm3/
5 000 mm2
4 I  20 mm  18 000 mm3/
5 000 mm2
Biegezugfestigkeit Klasse Kenn- Charakt. Einzelwert
zeichnung Biegezugfestigkeit
[N/mm2] [N/mm2]
1 S 3,5  2,8
2 T 5,0  4,0
3 U 6,0  4,8
Dicke der Vorsatzschicht bei Borden: Forderung > 4 mm
Forderung gemäß TL Pflaster-StB

Anhang der gültigen Norm


1)

I 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel I.10: Ausgewählte Prüfpläne – Überprüfung der Ausrüstung

Betonpflaster Platten Bordsteine


Maßnahmen / DIN EN DIN EN DIN EN
Gegenstand 1338 1339 1340
Prüfverfahren
Häufigkeit
Prüf- u. Korrekte Funktion / Nach größeren Reparaturen
Messausrüstung Genauigkeit oder 1 x / Jahr
Lagerung Vermeidung Wöchentlich
der Materialien von Verunreinigung
Dosiereinrichtung Korrekte Funktion / Täglich
Genauigkeit
Mischer Verschleiß u. korrekte Wöchentlich
Funktion
Formen Sauberkeit u. Zustand Täglich

Tafel I.11: Ausgewählte Prüfpläne – Prüfung der Materialien

Betonpflaster Platten Bordsteine


Maßnahmen / DIN EN DIN EN DIN EN
Gegenstand 1338 1339 1340
Prüfverfahren
Häufigkeit
Zement Lieferscheine Jede Lieferung
Gesteinskörnung Lieferscheine und Jede Lieferung
Sichtprüfung
Korngrößenverteilung 1 x wöchentlich oder bei Problemen
Verunreinigung Bei Bedenken
Betonzusatzmittel Sichtprüfung Jede Lieferung
Betonzusatzstoff / Sichtprüfung Jede Lieferung
Pigmente
Wasser aus nicht Prüfung nach Aus Gewässern 3 x / Jahr oder
öffentlichem Netz Vorschrift andere Quellen 1 x / Jahr
Wiederaufbe- Prüfung auf Feststoffe Wöchentlich oder bei Bedenken
reitetes Wasser und Verunreinigung

Tafel I.12: Ausgewählte Prüfpläne – Prüfung des Produktionsverfahrens

Betonpflaster Platten Bordsteine


Maßnahmen / DIN EN DIN EN DIN EN
Gegenstand 1338 1339 1340
Prüfverfahren
Häufigkeit
Mischungs- Konformität der Täglich
zusammensetzung Zusammensetzung
Frischbeton Sichtprüfung Täglich für jeden Mischer
Produktion Konformität gemäß Täglich
WPK Handbuch
Kennzeichnung Sichtprüfung Täglich
Lagerung Sichtprüfung Täglich
Lieferung Sichtprüfung Täglich

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 9


Tafel I.13: Kurzübersicht über Probenahmeplan für Erstprüfung und Produkt­
prüfung der DIN EN 1338 „Pflastersteine aus Beton”
Betonpflaster
Anzahl der Proben
Gegenstand
der Prüfung Erst- Weitere
Forderungen Täglich
prü- Typprüfung
je Maschine 1)2)
fung
Aussehen DIN EN 1338 20 Bei Bedenken:
20
Form und Maße bzw. Tafel I.7 8 8
Dicke der Vorsatzschicht bzw. Tafel I.7 8 8
Spaltzugfestigkeit bzw. Tafel I.7 8 8
Abriebwiderstand bzw. Tafel I.7 4 1 x jährlich je Ober-
(verschied. Klassen) flächenfamilie 3)
Witterungswiderstand 1 x jährlich je Ober-
– Wasseraufnahme bzw. Tafel I.7 3 flächenfamilie 3)
– Frost-Tausalz-Wider­ bzw. Tafel I.7 3 1 x jährlich je Ober-
stand flächenfamilie 3)
Die reduzierte Prüfung bedeutet, dass der Stichprobenumfang der normalen Prüfung
1)

halbiert wird.
2)
Die verschärfte Prüfung erfordert die doppelte Anzahl an Proben
(Erfolgt, wenn 2 von 5 aufeinander folgenden Proben zurückgewiesen wurden).
3)
Eine Oberflächenfamilie umfasst Pflastersteine mit Vorsatzmischungen mit gleichen
Hauptgesteinskörnungen und Oberflächenbehandlungen

Tafel I.14: Kurzübersicht über Probenahmeplan für Erstprüfung und Produkt­


prüfung der DIN EN 1339 „Platten aus Beton”
Platten
Anzahl der Proben
Gegenstand
der Prüfung Erst- Weitere
Forderungen Täglich
prü­ Typprüfung
je Maschine 1)2)
fung
Aussehen DIN EN 1339 10 Bei Bedenken:
10
Form und Maße bzw. Tafel I.8 8 8
Dicke der Vorsatzschicht bzw. Tafel I.8 8 8
Biegezugfestigkeit bzw. Tafel I.8 8 8
Bruchlastklassen bzw. Tafel I.8 8 8
Abriebwiderstand bzw. Tafel I.8 3 1 x jährlich je Ober-
(verschied. Klassen) flächenfamilie 3)
Witterungswiderstand
– Wasseraufnahme bzw. Tafel I.8 3 1 x jährlich je Ober-
– Frost-Tausalz-Wider­ bzw. Tafel I.8 3 flächenfamilie 3)
stand
Die reduzierte Prüfung bedeutet, dass der Stichprobenumfang der normalen Prüfung hal­
1)

biert wird.
2)
Die verschärfte Prüfung erfordert die doppelte Anzahl an Proben
(Erfolgt, wenn 2 von 5 aufeinander folgenden Proben zurückgewiesen wurden).
3)
Eine Oberflächenfamilie umfasst Platten mit Vorsatzmischungen mit gleichen
Hauptgesteinskörnungen und Oberflächenbehandlungen

I 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel I.15: Kurzübersicht über Probenahmeplan für Erstprüfung der DIN EN 1340
„Bordsteine aus Beton”

Bordsteine aus Beton


Anzahl der Proben Weitere
Gegenstand der Prüfung Typprüfung
Forderungen
Erst­ Häufigkeit 1) 2)
prüfung
Aussehen DIN EN 1340 8 Täglich,
bei
Bedenken: 10
Form und Maße bzw. Tafel I.9 8 8 5)

Dicke der Vorsatzschicht bzw. Tafel I.9 8 8 5)

Biegezugfestigkeit bzw. Tafel I.9 8 8 5)

Abriebwiderstand bzw. Tafel I.9 3 1 x jährlich je


(verschied. Klassen) Oberflächen­
familie 4)
Witterungsbeständigkeit 3)
– Wasseraufnahme bzw. Tafel I.9 3 1 x jährlich je
Oberflächen­
familie 4)
– Frost-Tausalz- bzw. Tafel I.9 3 1 x jährlich je
Widerstand Oberflächen­
familie 4)
1)
Die reduzierte Prüfung bedeutet, dass der Stichprobenumfang der normalen Prüfung
halbiert wird.
2)
Die verschärfte Prüfung erfordert die doppelte Anzahl an Proben
(Erfolgt, wenn 2 von 5 aufeinander folgende Proben zurückgewiesen wurden).
3)
Die Witterungsbeständigkeit der betreffenden Klassen ist zu prüfen.
4)
Eine Oberflächenfamilie umfasst verschiedene Oberflächenbearbeitungen bei gleicher
Rezeptur.
5)
Je Fertigungslinie und je 4 Produktionstage

I. 5 Lagerung von Betonwaren

In Tafel I.16 sind die möglichen Lagerungsarten von Betonwaren zusammenge­


stellt.

Tafel I.16: Lagerungsarten

Herstellverfahren Lagerungsart/Lagerungsort
– Brettfertiger – Hochregal in Fertigungshalle
– Mehrlagenfertiger – Stapel und/oder Hochregal
– Bodenfertiger – Ort der Herstellung
– Formenfertigung – Fertigungshalle

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 11


I. 6 Ausblühungen

Helle, schleierartige Verfärbungen auf der Sichtbetonoberfläche bezeichnet man


im Allgemeinen als Ausblühungen. Sie haben keinen Einfluss auf die Güte des Be­
tons und sind auch insbesondere kein Zeichen dafür, dass der Beton nicht die ge­
forderten Festigkeiten erreicht hat. Ausblühungen können lediglich das Erschei­
nungsbild beeinträchtigen.

I. 6. 1 Entstehung der Ausblühungen

Das im Zementstein vorhandene Überschusswasser diffundiert durch das Kapil­


larporensystem des Betons nach außen, wodurch auch Calciumhydroxid an die
Oberfläche gelangt. Dort wandelt es sich unter dem Einfluss von CO2 der Luft in
nicht wasserlösliches Calciumcarbonat um. Das Wasser verdunstet, und die hel­
len Ausblühungen verbleiben auf der Betonoberfläche.

Chemische Formel:
Ca (OH)2 + CO2 + H2O CaCO3 + 2 H2O

Durch den Zugang von „Fremdwasser” (Niederschlagswasser, Kondenswasser


usw.) kann die Ausblühneigung erhöht werden.

Entstehung und Intensität von Ausblühungen ergeben sich aus einem Zusam­
menwirken verschiedener Faktoren.

Dazu zählen:

– Betonzusammensetzung
– Umgebungstemperatur
– Klimabedingungen
– Art der Schalung und des Trennmittels
– Ausschalfristen
– Nachbehandlungsmethode, Betonalter usw.

Ausblühungen werden unter Witterungseinfluss im Allgemeinen schwächer und


verschwinden im Laufe der Zeit.

I 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 6. 2 Lagerungsart und Ausblühungen

Mögliche Maßnahmen zur Reduzierung von Ausblühungen gibt Tafel I.17 an.

Tafel I.17: Möglichkeiten zur Reduzierung von Ausblühungen

Ursache Auswirkungen Gegenmaßnahmen

– offene und zugige – zu schneller Abtrocknungs- – Türen und Tore schließen


Hallen prozess an der Oberfläche – Zugluft vermeiden
 Erhöhung Diffusions-
druck, Ausblühungen

– ungedämmte – Kondenswasserbildung – Wärmedämmung


Fertigungs- und  Tropfwasser führt zu einbauen
Lagerhallen Ausblühungen

– zu enge – Trocknungsprozess dauert – Stapelabstand erhöhen


Abstapelung zu lang  Ausblühneigung
im Lager steigt

– Freilagerung ohne – untere Lagen bleiben zu – Folienhaube auf erste


Witterungsschutz lange feucht  Ausblüh- Lage aufbringen
neigung steigt

Durch Imprägnierung und Hydrophobierung der Betonoberflächen kann die Ent­


stehung von Ausblühungen vermindert werden. Eine Gewährleistung, dass nach
derartigen Maßnahmen keinerlei Ausblühungen mehr auftreten werden, kann
allerdings auch hier nicht übernommen werden. Dazu sind die in diesem Zusam­
menhang auftretenden physikalischen und chemischen Prozesse in ihrer Art viel
zu komplex, als dass sie zielsicher beherrschbar wären.

I. 7 Terrazzoplatten

I. 7. 1 Begriffsbestimmung

Terrazzoplatten gemäß DIN EN 13748 sind genormte Platten, die ein- oder zwei­
schichtig mittels Rüttel- und/oder Pressverfahren oder ähnlichen Verfahren als
Platten oder Blöcke hergestellt und im Anschluss auf ihre festgelegte Größe
geschnitten werden.

Allgemein werden Terrazzoplatten, ein- oder zweischichtig, mit ausgewählten


Ausgangsstoffen wie Grau- oder Weißzementen, verschiedenen Gesteinskör­
nungen, Betonzusatzmitteln, Betonzusatzstoffen mit besonders gestalteten
Oberflächen produziert.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 13


I. 7. 2 Ausgangstoffe

Es dürfen nur Stoffe zum Einsatz gebracht werden, deren Eignung nachgewiesen
und in der werkseigenen Produktionskontrolle dokumentiert wurden. Siehe hier­
zu auch Tafel I.2: Zusammenstellung der Ausgangsstoffe.

I. 7. 3 Anforderungen an Terrazzoplatten
für den Innen- und Außenbereich

Tafel I.18: Ausgewählte Anforderungen der DIN EN 13748-1 „Terrazzoplatten für


die Verwendung im Innenbereich”

Anforderungen Klasse Kenn- Dicke Zulässige


zeichnung Abweichung
Maße [mm] [mm] [%]
Vorsatzschicht Dicken-
Th I >4
klasse I
Dicken-
Th II >8
klasse I
Kantenlänge 3
Dicke der Platte  40 3
< 40 2
Wasseraufnahme Wasserauf-
nahme [M.-%]
 8 als
Mittelwert
Abriebwiderstand Anforderungen
Prüfverfahren nach Böhme  30 cm3/
50 cm2
Biegezugfestigkeit Mittl. Biege- Mindestbiege-
zugfestigkeit zugfestigkeit
[MPa] [MPA]
Aus 4 Probekörpern 5 4
Bruchlast- Klassen Kenn- Oberfläche Bruchlast
klassen zeichnung [cm2] [kN]
1 BL I Keine Anforderungen
2 BL II  1 110  2,5 1)
3 BL III > 1 110  3,0 1)
keine Einzelergebnisse
1)

I 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel I.19: Ausgewählte Anforderungen der DIN EN 13748-2 „Terrazzoplatten für
die Verwendung im Außenbereich”

Anforderungen Klasse Kenn- Dicke Anforderungen Zulässige


zeichnung Abweichung
Maße [mm] [mm] [%]
Vorsatzschicht Dickenklasse I Th I >4
Dickenklasse I Th II >8
Kantenlänge 3
 40 3
Dicke der Platte
< 40 2
Wasser- Klasse Kenn- Wasseraufnahme
aufnahme zeichnung [M.-%]
1 A Keine Prüfung
2 B  6 als Mittelwert
3 D Keine Prüfung
Frost-Tausalz- Klasse Kenn- Masseverlust
Widerstand zeichnung bei Prüfung
[kg/m2]
1 A Keine Prüfung
2 B Keine Prüfung
3 D  1,0 Mittelwert
Kein Wert > 1,5
Abriebwider­ Klasse Kenn-
stand zeichnung
Prüfverfahren 1 F Keine Prüfung
nach Böhme
2 G  26 cm3/50 cm2
3 H  20 cm3/50 cm2
4 I  18 cm3/50 cm2
Biegezug- Klasse Kenn- Mittl. Biege- Mindestbiege-
festigkeit zeichnung zugfestigkeit zugfestigkeit
[MPa] [MPa]
1 ST  3,5 2,5
2 TT  4,0 3,2
3 UT  5,0 4,0
Bruchlast- Klasse Kenn- Mittl. Mindest-
klassen zeichnung Bruchlast bruchlast
[MPa] [MPa]
30 3T 3,0 2,4
45 4T 4,5 3,6
70 7T 7,0 5,6
110 11T 11,0 8,8
140 14T 14,0 11,2
250 25T 25,0 20,0
300 30T 30,0 24,0

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 15


I. 7. 4 Konformitätsbewertung und Konformitätskriterien

Der Nachweis erfolgt über:

– Erstprüfung
– Werkseigene Produktionskontrolle
– Fremdüberwachung und Zertifizierung

Tafel I.20: Kurzübersicht über Probenahmeplan und Konformitätskriterien für


Erstprüfung der DIN EN 13748-1/-2 „Terrazzoplatten für Innen- und Außenbe­
reich”

Anzahl der Proben


Gegenstand der Prüfung Forderungen Erstprüfung Konformitätskriterien
Aussehen 8 DIN EN 13748
Muss jede Platte
Form und Maße 8
erfüllen
Abriebwiderstand DIN EN 13748 3 DIN EN 13748
bzw. Tafeln
Gleit- u. Rutschwiderstand I.18 und I.19 Mittelwert aus 5
5
(wenn gefordert) Proben
Witterungswiderstand
– Wasseraufnahme 3 DIN EN 13748
– Frost-Tausalz-Widerstand 3 DIN EN 13748

I. 8 Betonwerkstein

I. 8. 1 Gestaltungsmöglichkeiten von Betonwerkstein

I. 8. 1. 1  Gestaltungsmöglichkeiten über die Auswahl


der Betonausgangsstoffe

Über die Kombination von verschiedenen Betonausgangsstoffen, wie zum Bei­


spiel hellem und/oder dunklerem Zement, natürlichen und künstlichen Gesteins­-
körnungen, verschiedenen Farben und den sich daraus ergebenden verschieden­
en Betonzusammensetzungen sind die vielfältigsten Gestaltungsmöglichkeiten
von Betonwerkstein realisierbar (siehe hierzu auch Tafel I.2: Zusammenstellung
der Ausgangsstoffe). Durch zusätzliche Bearbeitung und Behandlung des Beton­
werksteins können fast alle Wünsche an die Gestaltung und das Aussehen der
Produkte erfüllt werden.

I 16 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel I.21: Zemente

Zementarten Mögliche Farbnuancen


Portlandzemente/SR-Zemente hell- bis dunkelgrau
Weißzemente weiß bis hell
Portlandschieferzemente grau bis bräunlich
Portlandkalksteinzemente helles grau
Hochofenzemente hellgrau bis weiß

Tafel I.22: Gesteinskörnungen

Farbe Gesteinsart
weiß bis gelblich Quarz, Kalkstein
rot bis rotbraun Granit, Porphyr, Diorit
grünlich bis dunkelgrün Diabas, Granit
blaugrau Porphyrit, Kalkstein
grau Granit, Kalkstein
schwarz Basalt
schwarz-weiß geadert Kalkstein

Betonzusatzstoffe
Einsatz von lichtechten, farb- und alkalibeständigen Farben und Betonzusatz­
stoffen. In Verbindung mit Hydrophobierungsmitteln kann die Farbintensitäts­
wirkung noch weiter erhöht werden.

I. 8. 1. 2  Bearbeitung und Behandlung von Betonwerkstein

Tafel I.23: Übersicht über Bearbeitung und nachträgliche Behandlung


von Betonwerkstein

Frühzeitige Nachträgliche Nachträgliche


Bearbeitung Bearbeitung Behandlung
Schleifen
Hydrophobierung
Polieren
Beschichtung
Strahlen
Waschen Lasur
Flammstrahlen
Säuern Anstrich
Spalten
Fotobeton Polymerversiegeln
Sägen
Polierwachs
Spitzen
Nanokomponenten
Stocken

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 17


I. 8. 1. 3 Nachträgliche Oberflächenbearbeitung von Betonwerkstein

Tafel I.24: Übersicht über Bearbeitungsarten und deren Bearbeitungstiefen am


Betonwerkstein

Bearbeitungsart Tiefe Bemerkung


[mm]
Geschliffen/ 4 Abhängig vom freizulegenden
Feingeschliffen Korndurchmesser
Poliert – Kein zusätzlicher Abtrag = Feingeschliffen
Gesägt – Dieser Beton enthält keine Bewehrung
Ausgewaschen 4…6
Feingewaschen 2
Gestrahlt 1…2
Flammgestrahlt 4…8
Abgesäuert 0,5
Gespalten – Dieser Beton enthält keine Bewehrung
Bossiert 5…6
Gespitzt 5 … 10
Gestockt 6
Scharriert 4…5

Anmerkung
Bearbeitungstiefen sind bei der Betondeckung zu berücksichtigen.

Die Mindestbetondeckung ist in jedem Fall einzuhalten.

I 18 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 8. 2 Anforderungen an Betonwerkstein

Der Betonwerkstein muss die in Tafel I.25 aufgeführten Anforderungen bei der
Auslieferung bzw. nach 28 Tagen der Herstellung aufweisen.

Tafel I.25: Übersicht über ausgewählte Anforderungen an Betonwerkstein

Art Größte Länge Breite Dicke Ebenheits-


Seitenlänge toleranz
[mm] [mm] [mm] [mm] [%]
Stufen und  1 500 3 3 2 0,3
Stufenbeläge > 1 500 5 5 2 0,3
Fassaden-  1 000 3 3 3
platten und > 1 000 … 2.500 4 4 3 DIN 18202
Elemente > 2 500 … 4.000 5 5 5
> 4 000 DIN 18203
Sonstige  1 000 2 2 3 0,3
Werkstücke > 1 000 … 2.500 4 4 3 0,3
> 2 500 5 5 3 0,3
Vorsatz- Platten,
>8
betondicke Stufen u.
> 15
Beläge
Biegezug- Mittelwert Kl. Einzelwert
festigkeit [N/mm2] [N/mm2]
Platten, Stufen
u. Stufenbe­ >5 >4
läge
Druck- Mindestdruckfestigkeit
festigkeit [N/mm2]
Alle Bauteile C25/30
Wasser- Masseanteil
aufnahme [M.-%]
Alle Bauteile 7
Schleif- Härteklasse Volumenverlust
verschleiß Einzelwert
Nach I  18 cm3/50 cm2
Böhme
II  30 cm3/50 cm2
Beton- Bewehrte Beachtung der Mindestbetondeckung nach der Ober-
deckung Bauteile flächenbearbeitung

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 19


I. 8. 3 Konformitätsbewertung und Konformitätskriterien

Der Nachweis erfolgt über:

– Erstprüfung
– Werkseigene Produktionskontrolle
– Fremdüberwachung und Zertifizierung

Tafel I.26: Art und Häufigkeit der Prüfungen im Rahmen der


Werkseigenen Produktionskontrolle und der Fremdüberwachung

Erzeugnis Gegenstand Häufigkeit


der Prüfung
Bodenplatten Festigkeit 1 x je Fertigungswoche,
Vorsatzdicke jedoch mind. 1 x je 1 000 Stück,
Maße abhängig von der Betonzusammenset­
Ebenheit zung und den produzierten Formaten
Fassadenplatten Festigkeit 1 x je Fertigungsmonat,
Fassadenelemente Vorsatzdicke abhängig von der Betonzusammenset­
Stufen zung und den produzierten Formaten
Stufenbeläge
Sonstige Werkstücke Maße 1 x je Fertigungswoche,
Ebenheit abhängig von der Betonzusammenset­
zung und den produzierten Formaten

I. 9 Sonstige Betonprodukte und nicht genormte


Betonprodukte gemäß BGB-RiNGB

I. 9. 1 Sonstige Betonprodukte

Sonstige Betonprodukte wie Hangbefestigungen, Blockstufen, Palisaden usw.


haben im Wesentlichen eine landschaftsgestalterische Funktion.

Die Anforderungen an die Produkte sind in DIN EN 13198 „Betonfertigteile –


Straßenmöbel und Gartengestaltungselemente“ beschrieben.

I 20 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 9. 1. 1 Anforderungen

Die Anforderungen ergeben sich aus der späteren Anwendung und Nutzung der
Produkte. Im Allgemeinen sind die Produkte nach 28 Tagen zu prüfen.

Tafel I.27: Ausgewählte Anforderungen nach DIN EN 13198

Anforderungen Hauptmaß Aneinander- Keine Aneinander-


  reihung 1) reihung 1)
[m] [mm] [mm]
Zulässige 1 5  15
Maßabweichungen >1  10  15
Mindestdruck- Max. Wasser- Mindest- Bemerkung
festigkeitsklasse aufnahme betondeckung
[M.-%] [mm]
C20/25 keine Anforderung 20 2) Größtkorn
D  5,6 mm
C25/30 keine Anforderung 20 2)

C30/37 keine Anforderung


C35/45 6,5 15 2)
C40/50 6 10 2) max. Bauteildicke
< 80 mm 3)
LC12/13 4) keine Anforderung 20 2)
Witterungs- Mindestbeton- Wasseraufnahme
widerstand festigkeitsklasse [M.-%]
Produkte für Außen
ohne Frost ohne FTW Prüfung  7,5
mit Frost, ohne Tausalz C30/37 ohne FTW Prüfung 7
mit Frost und Tausalz C35/45 ohne FTW Prüfung 6
mit Frost, ohne Tausalz LC12/13 4) ohne FTW Prüfung  15
  Masseverlust bei
Prüfung
[kg/m2]
Produkte für Außen
ohne Frost und Tausalz C35/45 FTW Prüfung  1,5

Fluchtgerechte Ausrichtung für Produkte, die untereinander verzahnt oder verbunden sind.
1)

2)
Bei Einsatz von korrosionsbeständiger Bewehrung darf Mindestbetondeckung um 5 mm
verringert werden. Bei nachträglicher Oberflächenbearbeitung muss die Mindestbetonde­
ckung ständig gewährleistet sein.
3)
Nur Einsatz von korrosionsbeständiger Bewehrung
4)
Leichtbeton

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 21


I. 9. 1. 2 Konformitätsbewertung

Die Übereinstimmung des Produkts mit den festgelegten und deklarierten Pro­
dukteigenschaften ist kontinuierlich nachzuweisen.

Sie umfasst die Erstprüfung des Produkts und die Werkseigene Produktionskon­
trolle (siehe Kapitel C. 9. 4 Konformitätskontrolle und Konformitätskriterien).

I. 9. 1. 3 Kennzeichnung

Die Kennzeichnung sollte im Allgemeinen am Produkt erfolgen. Ist diese nicht


möglich, sind die in Tafel I.28 aufgeführten Punkte an der Verpackung sichtbar
anzubringen.

Tafel I.28: Kennzeichnung der Produkte

Kennzeichnung Produkt Lieferschein / Rechnung


oder Herstellererklärung
Hersteller oder Werk X X
Herstellungsdatum X X
Hinweis auf DIN EN 13198 X X
Produktbezeichnung X
Anschrift des Werks X
Hinweis auf gültige Normen X
EN Nummer X

I 22 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 9. 2 Nicht genormte Betonprodukte gemäß BGB-RiNGB

Die Richtlinie des Bundes Güteschutz für „Nicht genormte Betonprodukte”


(BGB-RiNGB) gilt für unbewehrte und bewehrte werksmäßig gefertigte Produkte
aus Beton, wie z.B. Fahrbahnplatten, Rasengittersteine, Bauteile für den Küsten­
schutz usw., die unmittelbar dem Fahrzeugverkehr ausgesetzt sind.

I. 9. 2. 1 Anforderungen

Die Anforderungen an die Produkte ergeben sich durch die auftretenden dyna­
mischen Belastungen und Umwelteinflüsse. Dabei werden fünf Produktgruppen
unterschieden:

1. Produktgruppe (PG1):
Betonprodukte, auf die u.a die Fahrzeugbelastungen einwirken
Beispiele: Rasengittersteine, Fahrbahnplatten, Baumscheiben u.Ä.

2. Produktgruppe (PG2):
Betonbauteile für den Ufer- und Küstenschutz
Beispiele: Deichabschlussplatten, Deckwerksteine u.Ä.

3. Produktgruppe (PG3):
Betonbauteile für spezielle Anwendungen
Beispiel: Schüttgutboxen

4. Produktgruppe (PG4):
Gefügedichte sonstige Betonprodukte

5. Produktgruppe (PG5):
Haufwerksporige sonstige Betonprodukte

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 23


Tafel I.29: Ausgewählte Anforderungen nach BGB-RiNGB

Produktgruppe: Einheit PG1 PG2 PG3 PG4 PG5


Grenzabmaße
Länge [mm] 5 3 5 5 5
Breite [mm] 5 3 5 5 5
Höhe / Dicke [mm] 5 5 5 5 5
Druckfestigkeit

Bohrkern

Mittelwert von drei Proben [N/mm2] 43 51 30 26

Einzelwert [N/mm ] 2
35 43 22 18

Probekörper 1)

Mittelwert von drei Proben [N/mm2] 49 59 34 29

Einzelwert [N/mm ] 2
41 51 26 21

Biegezugfestigkeit

Mittelwert von drei Proben [N/mm2] 6,0 7,0 5,0 4,0

Einzelwert [N/mm2] 5,0 6,0 4,0 3,5

Max. Wasseraufnahme 2)

Einzelwert [M.-%] 6 6 7 8

Frostwiderstand

Gesteinskörnung MS18 X X X X X

Widerstand gegen Frost und Tausalz 3)

Masseverlust bei Prüfung

Mittelwert [kg/m2]  1,0  1,0

Grenze für den Einzelwert [kg/m ]


2
 1,5  1,5

Mit Kantenlänge von 150 mm


1)

2)
Prüfung ist sinngemäß nach DIN EN 1097-6 bzw. DIN EN 1340 durchzuführen.
3)
Prüfung ist sinngemäß nach DIN EN 1340 durchzuführen. Andere Verfahren sind in Abstim­
mung mit fremdüberwachender Stelle möglich.

I 24 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


I. 9. 2. 2 Güteüberwachung

Die Nachweisführung erfolgt auf der Basis der werkseigenen Produktionskontrol­


le und den Forderungen der BGB-RiNGB.

Die Dokumentation ist auf der Basis der Anforderungen der BGB-RiNGB® durch­
zuführen.

Die Zertifizierung und Fremdüberwachung erfolgt gemäß den Vorgaben des


Bundes Güteschutz.

Der Mindestprüfumfang der Richtlinie ist in Tafel I.30 dargestellt.

Tafel I.30: Mindestprüfung nach BGB-RiNGB

Gegenstand der Prüfung Werkseigene Produktionskontrolle Fremdüber-


Anzahl der Proben Prüfzeitraum wachung
Aussehen / 3 je 5 Produktionstage 2 x jährlich
äußere Beschaffenheit
Form und Maße 3 je 5 Produktionstage 2 x jährlich
Festigkeit 3 je 15 Produktions­ 2 x jährlich
tage
ggf. Frostwiderstand 3 je 15 Produktions­ 2 x jährlich
tage
Frost-Tausalz-Widerstand 3 alle 2 Jahre 2 x jährlich

I. 9. 2. 3 Kennzeichnung

Die Kennzeichnung sollte im Allgemeinen am Produkt erfolgen. Ist dies nicht


möglich, sind die in Tafel I.31 aufgeführten Punkte an der Verpackung sichtbar
anzubringen.

Tafel I.31: Kennzeichnung der Produkte

Kennzeichnung Produkt Lieferschein / Rechnung oder Herstellererklärung


Hersteller oder Werk X X

Herstellungsdatum X X

BGB-RiNGB:06 X X

Gütezeichen X X

Produktbezeichnung X X

Anschrift des Werks X

Liefermenge X

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I I 25


K Estriche
Dipl.-Ing. Alexander Paatsch

Geltende Normen für Estriche:


DIN EN 13318: Estrichmörtel und Estriche – Begriffe
DIN EN 13813: Estrichmörtel und Estrichmassen – Eigenschaften und
Anforderungen
DIN EN 13454-1: Calciumsulfat-Binder, Calciumsulfat-Compositbinder und
Calciumsulfat-Werkmörtel für Estriche – Teil 1: Begriffe und
Anforderungen
DIN EN 13454-2: Calciumsulfat-Binder, Calciumsulfat-Compositbinder und
Calciumsulfat-Werkmörtel für Estriche – Teil 2: Prüfverfahren
DIN EN 13892: Prüfverfahren für Estrichmörtel und Estrichmassen
DIN 18560: Estriche im Bauwesen – Teile 1, 2, 3, 4, 7
DIN 18353: ATV – Estricharbeiten
(VOB/C, Technische Vertragsbedingun­gen)

K. 1 Definitionen

K. 1. 1 Begriffsbestimmungen

Estrich
Schicht, die direkt auf den tragenden Untergrund (mit oder ohne Verbund) oder
auf einer zwischenliegenden Trenn- bzw. Dämmschicht verlegt wird, um:

–– eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen


–– unmittelbar als Boden genutzt zu werden
–– einen Bodenbelag aufzunehmen

Estrichmörtel
Ausgangsmischung für Estriche, bestehend aus:

–– Bindemittel
–– Gesteinskörnungen
–– Dispersionsmittel (Wasser, Bitumen, Kunstharz)
–– Estrichzusatzmitteln und/oder -zusatzstoffen

Anmerkung
Der Begriff „Estrich” wird im deutschen Sprachgebrauch sowohl für Estrichmör-
tel als auch für das fertige Bauteil verwendet.

Tragender Untergrund
Bauteil, das die statische Last und die Verkehrslasten aufnimmt.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 1


K. 1. 2 Unterscheidungsmerkmale

Tafel K.1: Unterscheidung nach der Verbindung zum tragenden Untergrund

Verbundestrich Estrich, der mit dem tragenden Untergrund verbunden ist


DIN 18560-3
Estrich auf Estrich ohne Verbund, der auf einer Trennschicht und/oder
Trennschicht Sperrschicht zum tragenden Untergrund eingebaut wird
DIN 18560-4
Schwimmender Estrich, der auf einer schall- und/oder wärmedämmenden
Estrich Schicht verlegt wird und vollständig von allen aufgehenden
DIN 18560-2 Bauteilen (Wände, Rohrleitungen usw.) getrennt ist

Tafel K.2: Unterscheidung nach der Art des verwendeten Bindemittels

Estrichbezeichnung Bindemittel Sonstige Bestandteile

Zementestrich 1) Zement Gesteinskörnung, Wasser,


DIN 18560-1 DIN EN 197-1 bzw. bau- Zusätze
aufsichtlich zugelassene
Zemente

Kunstharz- Zement Gesteinskörnung, Wasser,


modifizierter DIN EN 197-1 bzw. bau- Zusatzstoff aus Kunstharz-
Zementestrich aufsichtlich zugelassene dispersion oder dispergier-
Zemente baren Kunstharzen

Calciumsulfatestrich Calciumsulfatbinder Gesteinskörnung, Wasser,


DIN EN 13454-1 DIN EN 13454-1 Zusätze

Gussasphaltestrich Bitumen Gesteinskörnung, Zusätze


DIN 18560-1 nach DIN 1995

Magnesiaestrich 2)
Magnesiumoxid, Gesteinskörnung, Zusätze
DIN 18560-1 wässrige Lösung aus
Magnesiumsalz

Kunstharzestrich Kunstharz Gesteinskörnung, Zusätze

Bitumenemulsionsestrich Bitumenemulsion, Zement Gesteinskörnung, Zusätze

1)
Terrazzo = Zementestrich aus gebrochenem, natürlichem Gestein und
geschliffener Oberfläche
2)
Steinholzestrich = Bezeichnung für Magnesiaestrich mit Zusätzen aus Holz  1 600 kg/m3

K 2 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel K.3: Unterscheidung nach der Herstellungsart

Fertigteilestrich 1) Estrich, der aus industriell vorgefertigten, plattenförmigen


Bauteilen hergestellt wird.

Baustellenestrich Estrich, der durch Verwendung von Werkmörtel


(Trockenmörtel oder Frischmörtel) oder auf der
Baustelle gemischtem Estrichmörtel besteht.

Fließestrich Estrich, der aus einem selbstnivellierenden Estrichmörtel


hergestellt wird.

Anmerkung:
Der Begriff „Fließestrich” bezeichnet auch allgemein Estrich-
mörtel, der ohne nennenswerten Verteilungs- und Verdich-
tungsaufwand eingebracht werden kann.

Nicht in DIN 18560 genormt – sonst immer Sonderkonstruktion


1)

Tabelle K.4: Unterscheidung nach besonderen Aufgaben bzw. Einsatzbereichen

Hartstoffestrich Zementgebundene Hartstoffestriche sind ein- oder zwei-


schichtige Estriche aus Zement und Hartstoffen nach DIN 1100
mit einem besonders hohen Widerstand gegen Verschleiß und
einer besonders hohen Festigkeit.

Ausgleichsestrich Estrich, der größere Unebenheiten des Untergrundes ausglei-


chen soll. Zumeist wird der eigentliche Estrich dann darauf
aufgebracht.

Nutzestrich Estrich, der ohne zusätzlichen Belag genutzt


(begangen, befahren) wird.

Heizestrich Estrichplatte, in die eine Fußbodenheizung unmittelbar ein-


DIN 18560-2 gebaut ist bzw. bei der Heizelemente unterhalb des Estrichs
in der Dämmschicht oder in einem Ausgleichsmörtel verlegt
sind. Besondere Anforderungen an Dicke, Randabstand etc.
sind zu beachten.

Fließestrich Estrich, der aus einem selbstnivellierenden Mörtel hergestellt


wird bzw. ohne nennenswerten Verteilungs- und Verdich-
tungsaufwand eingebracht und verarbeitet werden kann.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 3


K. 1. 3 Normbezeichnungen

In der Norm DIN EN 13813 sind für Zementestriche, Calciumsulfatestriche,


Mag­nesiaestriche und Gussasphaltestriche die folgenden Benennungen und
Kurz­zeichen festgelegt:

Estrich 1) = allgemeine Benennung


DIN EN 13813 = DIN-Hauptnummer
– CA = Kurzzeichen für Calciumsulfat-
estrich
– AS = Kurzzeichen für Gussasphalt-
estrich
– MA = Kurzzeichen für Magnesiaestrich
– CT = Kurzzeichen für Zementestrich
– SR = Kunstharzestrich
C5 … C80 = Druckfestigkeitsklassen nach
DIN EN 13813
F 3 … F 20 = Biegezugfestigkeitsklassen nach
DIN 18560-3 bzw. DIN 18560-7
–S = schwimmend verlegt
–V = im Verbund eingebaut
–T = auf Trennschicht eingebaut
10 … 80 3) = Nenndicke der Estrichschicht
[mm]
Beanspru- = Hochbeanspruchbarer Estrich
chungs- nach DIN 18560-1 und
gruppe DIN 18560-7
I … III 2) 4)
H 45 = Heizestrich mit 45 mm Über-
deckung der Heizelemente
nach DIN 18560-2
1)
Bei hochbeanspruchbaren Estrichen nach DIN 18560-7 finden die Allgemein-Benennungen
„Gussasphaltestrich”, „Magnesiaestrich” oder „Hartstoffestrich” Verwendung.
2)
Bei Hartstoffestrichen wird der Festigkeitsklasse ein Abkürzungsbuchstabe für die Art der
verwendeten „Hartstoffgruppe” gem. DIN 1100 nachgestellt:
A = „allgemein” (Naturstein und/oder dichte Schlacke oder Gemische davon mit Stoffen
der Gruppen M und KS)
M = Metall
KS = Elektrokorund und Siliziumkarbid
Zementestriche der Festigkeitsklasse CT-C60 und CT-C70 werden als Hartstoffestriche
ausgeführt
3)
Bei zweischichtigen Estrichen sind die Nenndicken beider Schichten anzugeben
(z.B. 10/30 = 10 mm Dicke der oberen Schicht und 30 mm Dicke der unteren Schicht)
4)
Beanspruchungsgruppe I (schwer), II (mittel), III (leicht)

K 4 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


K. 2 Allgemeine Anforderungen

–– Gleichmäßigkeit bei Dicke, Rohdichte und mechanischen Eigenschaften in jeder


Schicht
–– Wird schwimmender Estrich als Gefälleestrich ausgeführt, muss bereits im
tragenden Untergrund das notwendige Gefälle vorhanden sein (gleichmäßige
Schichtdicke).
–– Estrichoberflächen sind mit Ebenheitstoleranzen nach DIN 18202 auszuführen.

Tafel K.5: Ebenheitstoleranzen für Estrichoberflächen und den tragenden Unter-


grund nach DIN 18202

Bauteil Grenzwerte in mm (Stichmaße)


bei einem Abstand der Messpunkte bis
0,1 m 1m 2m 3m 4m 6m 8m 10 m 15 m1)
Estrichoberfläche 2 4 6 8 10 2)
11 11 12 15
Estrichoberfläche
mit im Leistungs-
verzeichnis
1 3 5 7 9 10 11 12 15
vereinbarten
„erhöhten
Anforderungen”
Tragender Untergrund
zur Aufnahme von Estri-
chen (z. B. nicht flächen- 5 8 9 11 12 13 14 15 20
fertige Oberseiten von
Unterbeton)
1)
Spalte gilt auch für Messpunktabstände > 15 m.
2)
15 mm zulässig bei Gussasphaltestrichen, die auf > 5 % geneigten Flächen herzustellen sind
(DIN 18354).

–– Die Oberfläche muss die für den Verwendungszweck ausreichende Festigkeit


besitzen (zusätzliche Anforderungen an Verschleißwiderstand sind auf die
Festigkeitsklassen abzustimmen).

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 5


–– Anforderungen an die Trockenrohdichte können sich aus der Wärmeleitfähig-
keit und/oder der Eigenlast ergeben.

Tafel K.6: Trockenrohdichten für Estriche

Estrichart Trockenrohdichte
[kg/dm3]
Zementestrich (schwimmend) 1,85 … 2,10
Verbundzementestrich 2,00 … 2,30
Calciumsulfatestrich 1) 1,80 … 2,20
Hartstoffestrich  2,30
Gussasphaltestrich 2,10 … 2,50
Magnesiaestrich 0,40 … 2,20
Bitumenemulsionsestrich 1,60 … 2,50
1)
Zement- und Calciumsulfatestriche auch als Leichtestrich mit Trockenrohdichten
 1,4 kg/dm3

–– Die Estrichdicke ist auf die jeweilige Estrichart, die Größe der zu erwartenden
Belastung und den Verwendungszweck abzustimmen.

Tafel K.7: Anforderungen an Estrichdicken nach DIN 18560-1

Estrichdicke [mm]
Nenndicke Kleinster Mittelwert
Einzelwert
10  – 1)  10
15  – 1)  15
20  15  20
25  20  25
30  25  30
35  30  35
40  35  40
45  40  45
50  45  50
60  50  60
70  60  70
80  70  80
> 80 2)  – 1)  Nenndicke

1)
Diese Werte sind im Einzelfall zu vereinbaren.
2)
Betontechnologische Grundsätze nach DIN EN 206-1 sind zu beachten.

–– Gussasphaltestriche mit Nenndicken  40 mm sind zweischichtig einzubauen.

K 6 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Tafel K.8: Anforderungen an die Nutzschichtdicke mehrschichtiger Estriche bzw.
die Dicke einer Hartstoffschicht nach DIN 18560-1

Ober- bzw. Nutzschichtdicke [mm]


Nenndicke Kleinster Mittelwert aus
Einzelwert mindestens
10 Proben

<4  Nenndicke -20 %  Nenndicke


4 3 4
5 3 5
6 4 6
8 5 8
10 6  10
15  10  15
20  15  20

Anforderungen an den Verschleißwiderstand sind nur erforderlich bei schleifen-


den, rollenden und/oder stoßenden Beanspruchungen.

Die Beurteilung des Verschleißwiderstands erfolgt bei Zement- und sonstigen


Estrichmörteln nach Böhme, indem der Abrieb „A” (Abrieb = Abrasion) in
cm3/50 cm2 nach Tafel K.9 bestimmt wird.

Tafel K.9: Verschleißwiderstand nach Böhme und Biegezugfestigkeit der Hart-


stoffschicht für die Bestätigungsprüfung nach DIN 18560-7

Verschleißwiderstand Biegezugfestigkeit
[cm3/50 cm2] [N/mm2]
Festigkeitsklasse
Größter Mittelwert Kleinster Mittelwert
Einzelwert Einzelwert
F9A 8 7 8 9
F 11 M 5 4  10  11
F 9 KS 2,5 2 8 9

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 7


K. 3 Zementestriche

K. 3. 1 Ausgangsstoffe

Bindemittel
–– Zemente nach DIN EN 197-1 oder bauaufsichtlich zugelassene Zemente
–– Häufig eingesetzte Zemente sind:
Portlandkalksteinzemente CEM II/A-LL 32,5 R und 42,5 R
Portlandhüttenzemente CEM II/B-S 32,5 R und 42,5 N
Portlandzemente CEM I in den Festigkeitsklassen 32,5 R und 42,5 R

Gesteinskörnung
–– Gesteinskörnung nach DIN EN 12620
–– für zementgebundene Hartstoffestriche Gesteinskörnung nach DIN 1100
–– für Estriche im Außenbereich, Anforderungen an die Gesteinskörnung hinsicht-
lich Frost- bzw. Frost-Tausalz-Widerstandsfähigkeit (Tafel B.27)

Zugabewasser
–– Darf keine Bestandteile enthalten, die das Erhärten oder andere Eigenschaften
des Estrichs ungünstig beeinflussen.

Zusätze
–– Dürfen keine nachteiligen Auswirkungen auf den Estrich oder auf angrenzende
Bauteile haben.

Ergänzende Hinweise
–– Für die Herstellung bzw. Mischungszusammenstellung von Zement-Estrich­
mörteln gelten im Wesentlichen die gleichen Grundsätze wie für die Beton­
herstellung.
–– Zement der Festigkeitsklasse 32,5 ist die Regel; für höhere End- und Anfangs-
festigkeiten ist Festigkeitsklasse 42,5 vorteilhaft.
–– Schutz gegen zu schnelles Austrocknen (Nachbehandlung) ist erforderlich bei
Verwendung von Zementen mit langsamer Anfangserhärtung.
–– Niedrige Zementgehalte in Abhängigkeit von der Festigkeitsklasse anstreben.
–– Zementgehalt bei üblicher Estrichkonsistenz ca. 320 kg/m3
–– Zementgehalt bei Estrichen auf Dämmschicht ca. 280 kg/m3
–– Insbesondere bei der Herstellung von Industrieestrichen sind geeignete Maß-
nahmen zur Nachbehandlung zu ergreifen.

K 8 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


–– Gesteinskörnung-Größtkorn so groß wie möglich wählen, jedoch gilt:
Estrichdicke  40 mm : Größtkorn  8 mm
Estrichdicke > 40 mm : Größtkorn  16 mm
–– Druckluftförderung nur bis 8 mm Größtkorn möglich
–– Kornzusammensetzung sollte in oberer Hälfte des Bereiches A/B der Regel-
sieblinien nach DIN 1045-2 liegen (Bilder B.10 und B.11). In der Praxis wird häu-
fig die Regelsieblinie B angestrebt.
–– Gesteinskörnung mit Größtkorn 8 mm : Sand 0/2 ca. 65 % und Kiessand 2/8
ca. 35 %
–– Gesteinskörnung mit Größtkorn 16 mm: Korngruppe 0/2, 2/8 und 8/16 zu je
einem Drittel
–– Anteil an Feinanteilen in der Gesteinskörnung  3 M.-%
–– w/z -Wert möglichst niedrig einstellen
–– Die Zugabe von Luftporenbildnern (LP) erhöht den Frost-Tausalz-Widerstand
(z.B. bei Garagenböden).
–– Bei Heizestrichen dürfen nur solche LP-Mittel verwendet werden, die den Luft-
gehalt des Mörtels nach DIN EN 196-1 maximal um 5 Vol.-% erhöhen.
–– Kunstharzdispersionen können zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit, zur
Verhinderung von zu schneller Austrocknung und zur Erhöhung der Biegezug-
festigkeit eingesetzt werden.

K. 3. 2 Anforderungen

Tafel K.10: Festigkeitsklassen und -anforderungen für Zementestriche nach


DIN 18560-1 (Auswahl)

Werkseigene Produktionskontrolle nach 28 Tagen

Druckfestigkeit Biegezugfestigkeit
[N/mm2] [N/mm2]

Festigkeits- Kleinster Mittelwert Mittelwert


klasse Einzelwert jeder Serie jeder Serie
(Nennfestigkeit) (Serienfestigkeit) (Serienfestigkeit)

CT-C12 12  15  3
CT-C20 20  25  4
CT-C30 30  35  5
CT-C40 1) 40  45  6
CT-C50 1) 50  55  7
CT-C60 M 1) 2) 55  70  11
CT-C70 A 1) 2) 65  75  9
CT-C70 KS 1) 2) 65  75  9

Erstprüfung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2.2, zweiter Absatz in DIN 18560-1)


1)

M, A, KS: Hartstoffgruppe nach DIN 1100


2)

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 9


K. 3. 3 Hinweise für das Herstellen und Verarbeiten
von Zement-Estrichmörteln

Herstellung
–– Die Dosierung nach Gewicht ist der Dosierung nach Raumteilen stets
vorzuziehen.
–– Bei Verwendung von Werk-Trockenmörtel wird auf der Baustelle lediglich
Wasser zugegeben.

Mischen
–– Stets maschinell

Einbau des Estrichmörtels


–– Einbau sofort nach Beendigung des Mischvorgangs
–– Danach erfolgt das Verteilen, Abziehen und Verdichten.
–– Erschwernisse bei der Verdichtung von schwimmenden Estrichen bedingt
durch Rückfederung des Dämmstoffs können durch eine „weichere” Konsistenz
vermindert werden.

Glätten
–– Nach dem Verdichten ist die Oberfläche durch Abreiben bzw. Glätten (mit
Estrichglättmaschinen) fertigzustellen. Eine strukturierte Oberfläche kann
z.B. mittels „Besenstrich” hergestellt werden.
–– Der Glättvorgang erfolgt, wenn die Oberfläche noch matt-feucht erscheint.
–– Bei vorzeitiger Oberflächenbehandlung besteht die Gefahr des Aufsteigens
von „Zementschlämme”; bei zu später Bearbeitung kann keine geschlossene
Oberfläche mehr entstehen.
–– „Pudern” der Oberfläche mit Zement, nachträgliches Nässen oder Aufbringen
von Feinmörtel zur Erreichung einer geschlossenen Oberfläche sind unzulässig.

Temperaturen
–– Mörtel- und Umgebungstemperatur bei Einbau und mind. drei Tage lang
 + 5 °C.

K 10 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Nachbehandlung und Schutz
–– Eingebauten Estrich mindestens eine Woche lang vor Zugluft, Sonneneinstrah-
lung oder sonstigen schädigenden Einflüssen schützen.
–– Bei schwimmendem Estrich und Estrich auf Trennschicht im Wohnungs-
bau wird eine ausreichende Nachbehandlung durch Schließen von Gebäude­
öffnungen (Fenster, Türen, usw.) im Allgemeinen erreicht.
–– Bei Industrieestrichen haben sich zur Nachbehandlung faltenfrei aufgelegte
Folien bewährt.
–– In Abhängigkeit vom Belag kann auch ein geeignetes Nachbehandlungsmittel
aufgesprüht werden.
–– Haarrisse, Netzrisse, Trennrisse, mehlende und staubende Oberflächen sind
häufig auf eine fehlende bzw. ungeeignete Nachbehandlung zurückzuführen.
–– Eine Bearbeitung von Rissen ist nur dann erforderlich, wenn die Trag- oder
Gebrauchsfähigkeit eingeschränkt ist.

Hinweis
Für die Ausführung von Estrichlegearbeiten sollten die Empfehlungen des BEB,
Bundesverband Estrich und Belag e.V., beachtet werden.

K. 3. 4 Zementfließestriche

Fließestrich wird aus einem Mörtel hergestellt, der entweder selbstnivellierende
Eigenschaften aufweist oder aber aufgrund seiner Konsistenz mit vergleichs­
weise geringem Verteilungs- und Verdichtungsaufwand eingebaut werden kann.
Moderne, werkseitig hergestellte Estrichmörtel bieten ein perspektivisch interes-
santes Potenzial, da insbesondere Fließ­estrichmörtel aufgrund ihrer Vorteile beim
Einbau – gegenüber konventionellen Estrichen – wesentlich zur Rationalisierung
der Bauabläufe beitragen können.

Auch unter baupraktischen Bedingungen ist es möglich, mit dem entsprechenden


technologischen und personellen Aufwand zielsicher Zementfließestriche herzu-
stellen.

Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse bezüglich Herstellung, Einbau und Nach-


behandlung von Zementfließ­estrich werden in diesem Abschnitt zusammenge-
fasst dargestellt 1).

Besondere Bedeutung wird dabei den Schnittstellen zwischen den beteiligten


Gewerken beigemessen, um eine reibungslose Abwicklung auf der Baustelle und
somit ein dauerhaft schadensfreies Estrichbauteil sicherzustellen.

IWM Industrieverband Werkmörtel e.V., Zementfließestrich - Hinweise für die Planung und
1)

Ausführung, Duisburg 03/2013

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 11


Zementfließestrich-Mörtel werden in drei Lieferformen unterschieden:

–– Werk-Trockenmörtel (Sack- oder Siloware)


–– Mehrkammer-Silomörtel
–– Werk-Frischmörtel

Anwendungsbereiche für Zementfließestriche:

–– als schwimmender Estrich


–– als Heizestrich
–– als Verbundestrich
–– als Estrich auf Trennschicht

Generell sind Estriche gemäß DIN 18560 in bestimmten, durch den Planer fest-
zulegenden Einbaudicken auszuführen. Dabei sind übliche Ausgangsstoffe für
die Beton- oder Mauermörtelproduktion nicht zwangsläufig auch für Zement-
fließestriche geeignet. Insbesondere die Sensibilität des Bauteils Estrich be-
darf erhöhter Aufmerksamkeit und entsprechender materialspezifischer Kon-
sequenzen. Die Ausbildung des Estrichs als dünne Schale, die Qualität seiner
Oberfläche sowie weitere zahlreiche Eigenschaften sind wesentlich für die Beur-
teilung der Gesamtestrichqualität durch die Folgegewerke.

K 12 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


K. 3. 4. 1 Produkt

Ausgangsstoffe
Zementfließestriche bestehen i.d.R. aus Zement, Gesteinskörnungen unter-
schiedlicher Korngruppen, ggf. Zusatzstoff, Wasser und Zusatzmitteln. Eine hohe
Gleichmäßigkeit der Ausgangsstoffe ist die Grundlage für die Herstellung von
Zementfließestrichen.

Zement
In gängigen Rezepturen finden Portlandzemente (CEM I 32,5 R) mittlerer Fein-
heit Anwendung. Daneben bieten Portlandkompositzemente (CEM II-Zemente)
auf Grund ihrer günstigen Eigenschaften, wie z.B. einer guten Kornabstufung und
moderaten Festigkeitsentwicklung, eine ausgezeichnete Alternative. Grundsätz-
lich sind Zemente mit hohem Wasseranspruch und zu rascher Festigkeitsent-
wicklung ungeeignet, ebenso Zemente, die das Wasserabsetzen („Bluten”) för-
dern.

Gesteinskörnung
Besonders bei den Gesteinskörnungen ist darauf zu achten, dass deren Eigen-
schaften so gering wie möglich schwanken. Für die Fließestrichproduktion müs-
sen die Gesteinskörnungen frei von aufschwimmenden, quellfähigen Bestand­
teilen organischen Ursprungs (Holz, Kohle, o.Ä.) sein. Die Regelanforderungen
nach DIN EN 12620 reichen hier nicht aus.

Um der besonderen Wichtigkeit der Gleichmäßigkeit der Zusammensetzung der


Gesteinskörnungen Sorge zu tragen, empfiehlt es sich, bezüglich der Eigenschaf-
ten der Gesteinskörnungen eine gesonderte Qualitätsvereinbarung mit dem Lie-
feranten zu treffen, da die Anforderungen an Gesteinskörnungen als Ausgangs-
stoff für Zementfließestriche über die der einschlägigen Normen hinausgehen.
Die Qualität der Gesteinskörnungen ist zwingend bei jeder Lieferung zu kontrol-
lieren.

Üblicherweise werden Gesteinskörnungen mit einem Größtkorn von 4 mm oder


8 mm verwendet, wobei jedoch nicht alle für die Mörtel- oder Betonproduktion
geeigneten Sande für die Fließestrichherstellung in Frage kommen (besondere
Beachtung verdienen dabei die Siebdurchgänge des Mehlkorn- und Feinstsand-
bereichs sowie abschlämmbare Bestandteile). Als sinnvoll haben sich gedrun-
gene, runde Kornformen erwiesen. Es können in besonderen Anwendungsfällen
aber auch Splitte (hohe Biegezugfestigkeiten des damit hergestellten Estrichs)
Verwendung finden.

In jedem Fall müssen die Gesteinskörnungen gefügedicht sein. Sogenannte


„Wassersäufer” führen zu ungewollter nachträglicher Hydratation und können
die Ursache für spätere Risse oder Aufschüsselungen sein.

Stand: 08/2015 OPTERRA Betonhandbuch I K 13


Zusatzstoffe
Grundsätzlich soll der Einsatz von Zusatzstoffen die rheologischen Eigenschaften
des Zementfließestrichs positiv beeinflussen. Hierfür eignen sich Gesteinsmehle,
wie z.B. Kalksteinmehl, besonders gut. Erfahrungsgemäß sollte auf den Einsatz
von Flugasche verzichtet werden.

Zusatzmittel
Im Allgemeinen können Fließmittel (FM), Verzögerer (VZ) und Stabilisierer (ST),
ggf. Entschäumer verwendet werden. Durch Eignungsversuche sind die optima-
len Zugabemengen zu ermitteln. Die Erfahrung zeigt, dass sich die FM neuester
Generation (Basis PCE) ausgezeichnet eignen, da sich trotz Verringerung des
effektiven w/z-Werts eine sehr gute Verarbeitbarkeit erzielen lässt, meist über
einen ausreichend langen Zeitraum hinweg. Aufgrund des breiten Angebots an
PCE-Fließmitteln sind intensive Voruntersuchungen Voraussetzung dafür, das
geeignete Produkt festzulegen. Die unterschiedlichen Liefer­formen des Zement-
fließestrichmörtels erfordern, bedingt durch unterschiedliche Herstellungstech-
nologien, ent­sprechen­de Wirkstoffkombinationen. Dem ist bei der Mischungs­
zusammensetzung Sorge zu tragen.

Wasser
Zementfließestrich ist mit Frischwasser herzustellen. Die Verwendung von Rest-
wasser ist auszuschließen.

Zusammensetzung
Notwendigerweise ist die geeignete Zusammensetzung für Zementfließestriche
stets durch Erstprüfungen – einschließlich einem Pumpversuch – nachzuweisen.
Der Nachweis der durch Erstprüfungen festgelegten Zusammensetzung und der
daraus resultierenden Eigenschaften ist laufend und streng zu überwachen.

Zementgehalt
Um verschiedene Eigenschaften, wie z.B. das Austrocknen, die Festigkeitsent-
wicklung sowie das Schwinden, kontrolliert einzugrenzen, ist der Zementgehalt
auf ein Minimum zu begrenzen. Der notwendige Zementgehalt ergibt sich aus
dem zielsicheren Erreichen verschiedener Eigenschaften, wie Fließfähigkeit
(Rheologie) und Festigkeitsklasse des Estrichs.

Zusammensetzung der Gesteinskörnung


Eine zielsichere Herstellung von Zementfließestrich hängt wesentlich von der
Gleichmäßigkeit der Gesteinskörnungen ab, wobei das Körnungsgemisch einen
möglichst geringen und konstanten Wasseranspruch haben sollte.

K 14 I OPTERRA Betonhandbuch Stand: 08/2015


Einfluss der Zusatzstoffe
Im Sinne einer Minimierung des Wasseranspruchs kann die Kornverteilung im
Feinstkornbereich durch Zugabe geeigneter Zusatzstoffe verbessert werden. Ein
besserer Effekt ist jedoch durch den Einsatz eines optimierten Portlandkomposit-
zements erzielbar.

Schwankungen in den Eigenschaften eingesetzter Zusatzstoffe schlagen sich in


den Verarbeitungseigenschaften der Zementfließestriche nieder. Die Neigung
zum Wasserabsetzen und Sedimentieren sowie die Wirksamkeit der Fließmittel
und der Luftgehalt sind direkt von der Gleichmäßigkeit der Zusatzstoffe abhän-
gig (Sedimentation kann die Oberflächenhärte vermindern und das Aufschüsseln
der Zementfließestriche verstärken).

Einfluss der Zusatzmittel


Fließmittel erhöhen die Benetzbarkeit und wirken somit Wasser reduzierend bei
gleicher Verarbeitbarkeit des Estrichs. Bei Veränderungen in den Estrichaus-
gangsstoffen bzw. bei Überdosierungen kann der Einsatz von Fließmitteln ein
Sedimentieren der Gesteinskörnung, eine unkontrollierte Erhöhung des Luftge-
halts bzw. eine signifikante Erhöhung der Erhärtungszeit des Estrichs bewirken.
Eine Verringerung der Oberflächenfestigkeit, ggf. ein Aufschüsseln des Estrichs,
kann die Folge sein. Daher sind in Wirksamkeitsprüfungen die Zusatzmittel (be-
sonders auch hinsichtlich ausreichend langer Verarbeitbarkeitszeit) auf die
Estrichmischung abzustimmen.

Gesamtwassergehalt
Zur Optimierung des Trocknungsverhaltens (Minimierung des Austrocknungs-
schwindens, möglichst frühe Belegereife) muss bei der Zusammensetzung eines
Zementfließestrichs ein möglichst geringer Gesamtwassergehalt angestrebt wer-
den. Um den in der Eignungsprüfung festgelegten Gesamtwassergehalt konstant
halten zu können, muss die Feuchte der Gesteinskörung stets bekannt sein und
berücksichtigt werden. Dies erfordert eine laufende Feuchtemessung im Herstell-
werk sowie die regelmäßige Kontrolle am fertig gemischten Estrich (Darren).

Luftporengehalt
Ein optimierter LP-Gehalt kann das Austrocknen des Estrichs positiv unterstützen
und gleichzeitig das Verformungsverhalten positiv beeinflussen. Zu hohe LP-Ge-
halte vermindern die Festigkeit (besonders die Oberflächenfestigkeit) sowie die
Pumpwilligkeit. In der Praxis hat sich ein Luftgehalt von 8 Vol.-% bis 10 Vol.