Sie sind auf Seite 1von 5

Frauen

DAV

o sind hier die Frauen?“ schrieb die Vor- gen, der dann im Vordergrund stand“, so Ulri-

W
Bergsteigen
sitzende des Lady Alpine Club ins Gäs- ke Seifert, Bundesvorsitzende im Familienaus-
tebuch des Alpinen Museums des Deut- ist längst schuss sowie Mitglied im Verbandsrat. „Vieles
schen Alpenvereins (DAV) in München. ist auch an gesellschaftlichen Konventionen ge-
Zuvor hatte sie sich dort die Ausstellung über
nicht mehr scheitert: Ging eine Frau mit Reifrock zum
die Zugspitze angeschaut. Die Leiterin des Mu- Männersache. Klettern, musste sie ihn ausziehen. Doch Hosen
seums konnte nur ratlos mit den Schultern waren für Frauen nicht erlaubt. Machten sie es
zucken: „Ich weiß es nicht“. Dennoch haben doch, durfte man ihre Leistungen nicht publik
Seit 1869 Jahren existiert der DAV. Bis machen, um nicht noch mehr gegen gesell-
1960 wurden Frauen in vielen Sektionen nur die Frauen bis schaftliche Konventionen zu verstoßen.“
als Ehefrauen mit Ehefrauenausweis aufge- heute keinen
nommen, ohne Versicherung und Mitbestim- Ulrike Seifert
mung. Nur günstige Hüttenübernachtungen angemessenen Reifröcke gibt es nicht mehr. Vorbehalte ge-
waren möglich. Dann mussten die Sektionen gen weibliche Bergambitionen schon. Deshalb
Frauen als ordentliche Mitglieder akzeptieren, Stellenwert in kümmert sich Ulrike Seifert um die gezielte
mit Stimmrecht in den Hauptversammlungen. den alpinen Förderung von Mädchen und Frauen durch
Doch die Umsetzung dauerte bis tief in die konkrete Maßnahmen, Projekte und Vorhaben,
1970er Jahre. 2003 verzeichnete der DAV von Verbänden – analog der in DAV Leitbild und Satzung fixier-
670.000 Mitgliedern rund 290.000 Frauen, ten Chancengleichheit von Frauen und Män-
11.000 weibliche im Vergleich zu 8.000 männ- auch nicht nern. Ihr Ziel: Im Verband ein Bewusstsein zu
lichen Neuzugänge. Dazu die Frauen, die auch im DAV. schaffen für Frauen, für deren Arbeit und Be-
ohne Mitgliedschaft im Verein erfolgreich alpi- dürfnisse, kurzum, für „Gender Mainstrea-
ne Sportarten ausüben. Doch: In alpinen histo- ming“ (siehe Artikel „Brennpunkt“), damit
rischen Aufzeichnungen wie aktuellen Medien „der Alpenverein nicht als Verein nur für Män-
tauchen ihre Namen – wenn überhaupt – nur  VON ANKE ner rüberkommt“.
äußerst selten auf. Warum? Es gibt Vereinsmitglieder, die sehen das an-
SCHLESIGER
„Ich glaube, früher sind die Frauen über- ders. Die sagen, dass schon genug für Frauen
wiegend mit ihrem Partner in die Berge gegan- gemacht wird, diese nur kommen müssten.

52 DAV Panorama 6/2004


FRAUEN IM DAV REPORTAGE

„Aber dass die Frauen nicht kommen, weil die Typische Frauenrollen sind es allemal: viel Ar-
Strukturen im DAV so männlich geprägt sind, beit, häufig im Sozialen, wenig Anerkennung
das sehen sie nicht“, sagt Seifert. Anders als und Wettbewerb. Ähnliche Verhältnisse prä-
Männer sind Frauen nicht die großen „Strip- sentieren sich in den elf Abteilungen der
penzieher“ im Verband und sind mit alther- Bundesgeschäftsstelle mit gerade einmal zwei
gebrachten Spielregeln und Zusammenhängen Abteilungsleiterinnen. Ebenso in den acht
oft nicht vertraut. „Wir müssen jungen Frauen Bundesausschüssen mit zehn, elf Mitgliedern,
beibringen, dass sie lernen, wie sie Gremienar- darunter ein oder zwei weibliche. In den Aus-
beit leisten; auf der anderen Seite müssen die schüssen „Breitenbergsteigen“ sowie „Hütten,
bestehenden Männergremien ihre Arbeits- Wege und Kletteranlagen“ fehlen sie ganz. Jen-
weisen und Strukturen ändern, damit Frauen seits der Gremienarbeit etabliert Ulrike Seifert
stärker ihre anderen Sicht- und Arbeitsweisen reine Frauen- und Mädchenangebote, wie zum
einbringen können“. Neue Arbeitsformen im Beispiel Skibergtouren nur für Frauen, die regel-
Ehrenamt wie Mentoring- und Coachingpro- „Dass die Frauen mäßig ausgebucht sind.
jekte oder Gender Trainings könnten hier nicht nicht kommen, weil
nur Frauen helfen, Gremienarbeit zielgerichte- die Strukturen im Heidi Cremer
ter und effektiver zu leisten. DAV so männlich Das Vergnügen einer reinen Frauentour kennt
Sie sieht Bergsteigen als eine gute Übung für geprägt sind, das Heidemarie Cremer. „Ich gehe einmal im Jahr
zukünftige Führungsaufgaben. „Frauen müssen sehen sie nicht.“ mit einer Frauengruppe in die Berge. In den
lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen“, Bregenzer Wald, ins Engadin, mache den Kar-
fordert sie. Auch wenn es bequemer sei, hinter 2004 kandidierte sie nischen Höhenweg. Die Touren sind immer
jemandem herzugehen, der in die Karte schaut, für das Amt der voll belegt.“ Entstanden ist diese Tour, weil die
weiß, wie die Lawinensituation und das Wet- Vizepräsidentschaft Männer in der Dürener Sektion regelmäßig oh-
ter ist. Um das zu lernen, bedarf es Übungs- und verlor die ne Frauen etwas unternahmen. Da habe es
möglichkeiten. Es kann nicht gelingen, wenn Wahl nur knapp. dann irgendwann von den Frauen geheißen:
Männer von vorneherein sagen: „Ich „Komm, lass uns auch mal was ohne
mach’ das“. Oder wie manche Frauen Männer machen“.
erzählen: „Ich kann keinen Schritt vor Ulrike Seifert Auch die 59-jährige sieht Unter-
meinem Mann gehen, das verträgt er schiede zwischen reinen Frauentouren
nicht“. und gemischten Gruppen. Ein früherer
Seit 1969 Mitglied im DAV, trat Kletterwart hätte immer gesagt: „Ehe-
Ulrike Seifert 1999 Lotte Pichlers Nach- paare in den Gruppen, das taugt nichts.
folge im Hauptausschuss an. 2004 Da verfällt jeder wieder in seine Rolle“.
kandidierte sie für das Amt der Vize- Abgesehen von ausbleibenden Ehe-
präsidentin und verlor nur knapp mit streitigkeiten sei das kulturelle Interes-
47 gegen 52 Prozent. Das Ergebnis se größer. „Wir schauen uns auch mal
motiviert sie, sich weiterhin verstärkt etwas an. Außerdem buchen wir meis-
für Frauenarbeit zu engagieren. Auch tens ein Appartement. Da wird das ge-
im Hinblick darauf, dass das Präsi- meinsame Kochen richtig zelebriert.“
dium nach wie vor ohne Frauen ist. Anspruch sei auf jeden Fall da: Um fal-
Obwohl laut Hauptversammlungsbe- schen Erwartungen vorzubeugen, ver-
schluss von 2002 Frauen gemäß ihrem merke sie in die Ausschreibung immer
Mitgliederanteil in allen Gremien ver- „Damentour für Frühaufsteher“.
treten sein sollten. Trotzdem genügt der Sektionsleite-
Neun der 354 Sektionen werden rin die eine Tour im Jahr. „Es gibt kei-
von weiblichen ersten Vorsitzenden ne Nachfrage nach weiteren Frauen-
geleitet. 37 Frauen sind zweite Vorsit- kursen, obwohl ich die Frauen immer
zende. Die meisten der weiblichen mal wieder darauf angesprochen ha-
Vorstände bekleiden das Amt der be.“ Viel hält sie ohnehin nicht von
Schriftführerin. Die Frauen, die sich in Geschlechtertrennung: „Ich empfinde
den Sektionen engagieren, sind über- es als Rückschritt, wenn Jungen und
wiegend Leiterinnen in der Jugend- Mädchen wieder getrennt trainieren.“
arbeit, im Wanderbereich, sind im Zumindest für das, was ihre Sektion
Klettersport und Naturschutz aktiv. im Mittelgebirge leisten müsse, wäre

DAV Panorama 6/2004 53


REPORTAGE BRENNER

das nicht notwendig. „Wenn die Mäd- redakteurin bei einem Frauenmagazin
chen von sich aus meinen, dass sie in an. Um Leute kennen zu lernen, trat
einer eigenen Gruppe aktiver sind, sie dem Verein bei. „Eigentlich bin ich
dann machen wir es. Ansonsten wird Triathletin, habe schon beim Ironman
es so bleiben.“ in Roth bei Nürnberg teilgenommen.
1970 trat Heidi Cremer dem DAV Aber Mountainbiken ist hier in dieser
bei, übernahm ein Jahr später die Ver- Gegend viel praktischer.“ So nahm sie
antwortung für die Jugendkasse, wur- dann regelmäßig an Ausfahrten mit
de 1972 Jugendleiterin. Seit 25 Jahren der M97 teil, einer Untergruppe der
ist sie nun die erste Vorsitzende ihrer Sektion München. Zehn von ihnen
Sektion. Sie war die zweite Frau nach entschlossen sich 2000, den Fach-
Ilse Dehn aus der Sektion Celle, die übungsleiterschein zu machen, darun-
eine DAV-Sektionsführung übernahm. ter zwei Frauen. Eine war sie.
Zwar gab es auch in Düren immer „Vor dem Schein habe ich ge-
weibliche Vorstände, doch nur in tradi- mischte Touren geführt, seit 2000 bie-
tionellen Frauenrollen wie Schriftfüh- te ich nur Frauen-Technik-Kurse an.
rerin oder Schatzmeisterin. „Als Vor- Inzwischen ist ein Riesen-Ansturm
sitzende habe ich schon den Weg darauf, ich könnte jedes Wochenende
gebahnt.“ Sie musste lernen, mit harter Kurse geben.“ Der Grund des Ange-
Kritik umzugehen: „Als ich versucht bots: Frauen sind bei Ausfahrten häu-
habe, durch Pacht von Gelände Kletter- fig sehr vorsichtig. Steigen lieber ab,
möglichkeiten in einer ansonsten fast schieben über Wurzeln, haben Angst
ganz gesperrten Eifel zu retten, bin ich bei einem schmalen Tritt im Wald.
schon ziemlich ins Kreuzfeuer geraten“. „Männer fahren da immer voraus,
Am 8. Mai 2004 wurde die gelern- machen schnell aus allem einen Wett-
te Sparkassenbetriebswirtin zur Vor- bewerb, die Frauen müssen versuchen,
sitzenden des Rheinisch-Westfälischen hinterher zu kommen“, erzählt die 34-
Landesverbandes gewählt, hatte zuvor jährige. Sie versucht, den Frauen in
zwölf Jahre lang den zweiten Vorsitz den Kursen mehr Sicherheit zu ver-
inne. Sie ist sich sicher, dass ihr NRW- mitteln, um später mit den beschrie-
Engagement nur zustande kam, weil benen Situationen besser umzugehen.
sie viele kennt, „auch die Geschichten, „Es ist wichtig, die Technik zu ken-
die gelaufen sind.“ Netzwerke helfen. nen, und dafür sind reine Frauen-
Wie die Zusammenarbeit mit der gruppen besser. Sonst machen die
„linksrheinischen Mafia“: Benachbar- Männer wieder alles, die Frauen
te Sektionen, die sich einmal im Jahr Marion Traub schauen nur zu.“
treffen, über Mitgliederbeiträge, Fi- „Aber die Ausfahrten sollten
nanzierungen sprechen. schon in gemischten Gruppen stattfin-
Deshalb nimmt sie auch an der Projekt- „Denen muss ich den“, gibt Marion Traub ihre Meinung und die
gruppe „Frauen im DAV“ um Ulrike Seifert klar machen, dass der Kursteilnehmerinnen wieder. Schließlich
teil. Obwohl sie die klassische Geschlechter- ich die Leiterin bin.“ wollten ja Frauen Männer kennen lernen und
trennung nicht so energisch propagiert, sieht umgekehrt. Klar, bei den Touren seien immer
sie Handlungsbedarf: „Männer behaupten im- Sie versucht, den ein bis zwei Männer dabei, die sich profilieren
mer, es ginge nur nach der Leistung. Aber wenn Frauen in den Kur- wollen. „Denen muss ich klar machen, dass ich
sie Platz machen müssten, dann wollen sie sen mehr Sicherheit die Leiterin bin. Nicht nur zeigen, wo es lang-
nicht weichen. Theoretisch klappt es, aber in zu vermitteln, um geht, sondern auch wie. Wir sind ja nicht ohne
der Umsetzung nicht“. Oder sie nähmen gern später mit den Grund Guide.“ Wer nicht gern harte Touren
jemanden aus den eigenen, männlichen Reihen, beschriebenen führe, der könne mittwochs am „After-Work-
getreu dem Motto: „Den kennen wir, da ist es Situationen besser Biking“ teilnehmen, bei dem die Anwesenheit
kein Risiko.“ umzugehen. mehrerer Leiter unterschiedliche Tempi auch in
einer großen Gruppe ermögliche. Zusätzlich
Marion Traub stehen reine Frauen-Ausfahrten im Programm.
Marion Traub ist seit 1998 im DAV. Sie zog be- Marion ist zufrieden mit Angebot und Team,
rufsbedingt nach München, fing als Kosmetik- genießt die gute Gruppenzusammenarbeit mit

54 DAV Panorama 6/2004


FRAUEN IM DAV REPORTAGE

Die Hochtouren für den DAV führt Clau-


dia Bäumler fast immer mit ihrem Freund ge-
meinsam. Mit ihm geht sie auch privat auf Ex-
peditionen, wie 1992 im Pamir, 1999 auf den
Cho Oyu, 2002 dann – als zweite deutsche
Frau – erfolgreich auf den Mount Everest. Die
Resonanz auf ihre Angebote ist gut. Bei den
Männern. Frauen dagegen, die sie auffordert
mitzugehen, sind häufig abgeschreckt durch
ihre Erfahrung. „Du bist zu stark. Mit dir
kann ich mich nicht messen.“ Dabei sei bei
vielen Frauen nicht mangelndes Können, son-
dern Selbstunterschätzung typisch. Ein Bild,
das Männer gern stützten: „Ich habe schon
Heidi Cremer häufiger Sprüche gehört, dass wir von Touren
zurückgekommen sind und der Mann unten
im Tal zur wartenden Frau gesagt hat: ,Schatz,
Männern wie Frauen.„Vielleicht liegt es daran, „Ich empfinde es als sei froh, dass du nicht mitgegangen bist, das
dass wir noch sehr jung sind, so dass es bei uns Rückschritt, wenn war schon schwer.‘ Da bekomme ich schnell
nicht sehr traditionell abläuft.“ Allerdings sei Mädchen und einen Hals und mische mich ein.“
ganz entscheidend, wie gut der oder die einzel- Jungen wieder Mangelnde Kraft und Kondition durch
ne sei. „Je besser du bist, um so mehr wirst du getrennt trainieren.“ Technik ersetzen, das ist ihr Tipp an Frauen.
anerkannt.“ So richtet sie in ihrem Gletscherkurs das Au-
Seit 25 Jahren ist sie genmerk mehr darauf, dass Frauen ihre Tech-
Claudia Bäumler nun die Vorsitzende nik finden. „Und wenn es partout nicht funk-
Claudia Bäumler, Hochtourenführerin in der ihrer Sektion. tioniert, dann fragt man halt mal nach Hilfe.“
Sektion Überlingen, glaubt, dass viel an den Ein Stichwort, das sie nochmals auf „Frauen-
Frauen selbst liegt. „Das ist so wie in den Unter- „Vermutlich nehmen kurse“ bringt: „Ich glaube, bei den Jugend-
nehmen: Es wird gefordert, dass mehr Frauen reine Frauengruppen kursen würde eine Trennung von Mädchen
ins Management sollen. Aber viele Frauen wol- den Frauen die und Jungen helfen. Damit könnte man die
len gar nicht vorn stehen“. Deswegen kann die Hemmschwelle, ein- nächste Generation schon richtig auffrischen“,
Betriebswirtin, in leitender Funktion bei einem fach mal anzufangen.“ sieht die 35-jährige doch einen Sinn in der Ge-
Satellitenbauer tätig, dem Frauenthema nicht schlechtertrennung. Sprüche wie „Ich trau
viel abgewinnen. „Ich halte von einer speziellen Mangelnde Kraft und mich nicht, ich bin ein Mädchen“ mag sie gar
Frauenförderung, zum Beispiel reinen Frauen- Kondition durch nicht. „Man kann gut eingreifen, wenn man es
kursen, nicht viel. Da würde ich nie mitma- Technik ersetzen, das früh genug macht. Und dann am besten in rei-
chen.“ Ihrer Meinung nach sollten erwachsene ist ihr Tipp an Frauen. nen Mädchenkursen.“
Frauen mit 30, 40 Jahren genug Selbstbewusst-
sein haben, wissen, was sie können und das
auch durchsetzen. Sie bevorzugt gemischte Claudia Bäumler
Gruppen: „Die gehen weder in die Macho-Ecke,
wenn nur Männer teilnehmen, noch werden sie
zu zickig, wenn nur Frauen dabei sind“. Dann
lenkt sie ein wenig ein: „Vermutlich nehmen rei-
ne Frauengruppen den Frauen die Hemm-
schwelle, einfach mal anzufangen“.
Seit 1985 ist sie Mitglied der Sektion Über-
lingen, seit 1995 Fachübungsleiterin für Hoch-
touren. Als einzige Frau unter 15 Fachübungs-
leitern. Eine weitere Frau hat die Ausbildung
zur Übungsleiterin „Klettern“ begonnen. Dann
gibt es noch eine Wanderleiterin, zudem viele
Skiführerinnen, da Alpinski auch zur Sektion
gehört.

DAV Panorama 6/2004 55


REPORTAGE BRENNER

heute drei bis viermal im Jahr für das Jugend-


kursteam.
Sie glaubt, dass die Frauen in der JDAV
gleichberechtigt sind. „Ich kenne jetzt kein
Thema, wo ich kämpfen müsste. Vielleicht bei
leistungsorientierten Geschichten.“ Doch al-
lein, dass in der Bundesjugendleitung drei oder
vier Frauen säßen, sei doch ein gutes Zeichen.
„Aber ich denke, dass Frauen schon mehr das
Organisatorische machen, das Einkaufen, Ko-
chen... zumindest war das schon immer auf den
großen Jugendfahrten so, die wir organisiert
haben.“ Es fällt ihr schwer, ein einheitliches
Urteil über die JDAV abzugeben. Es hinge viel
von den unterschiedlichen Teams ab: die einen
seien offen strukturiert, würden viel diskutieren
und dann sehr kreativ sein. Andere dagegen
würden hierarchisch alles von oben herab ent-
scheiden. „Ich habe auch schon erlebt, wie
Männer sich immer durchgesetzt haben.“
In die Frauenprojektgruppe ist die angehen-
de Lehrerin eher zufällig hineingeraten. Sie
sieht es gemäßigt, findet nicht alles gut, hält
aber vieles für sinnvoll. Wie die Präsentations-
seminare für Fachübungsleiterinnen, um die
Frauen auf höherwertige Posten vorzubereiten.
Auch den Netzwerkgedanken: Sie selbst ist
froh, dass sie jederzeit auf ihre Freundinnen zu-
rückgreifen kann: „Ich weiß, wenn ich etwas
Kathrin Faller plane, auf wen ich da bauen kann.“ Oder Men-
toring: „Wenn du da niemanden hast, bist du
in den DAV-Strukturen verloren“. Nur so wür-
Kathrin Faller „Wenn du da de rechtzeitig für Nachwuchs in den Ämtern
Das sieht die 27-jährige Kathrin Faller ähnlich. niemanden hast, gesorgt: „Mir ist das zum Beispiel in meiner
„Die Sektionen müssten sensibilisiert werden, bist du in den Allgäuer Sektion aufgefallen, dass es dort eher
dass sie mehr für Mädchen um die 13, 14 Jah- DAV-Strukturen seltener ist, sich einen Nachfolger heranzu-
re machen. Einfach, um sie zu halten.“ So et- verloren.“ ziehen“.
was wie den Kurs „Girls Power“ im Jugend- Bei allen Unterschieden, eines haben die
kursprogramm des Jugendreferats, der Mädchen In die Frauenpro- fünf Frauen gemeinsam: Viele bekannte Frauen
um die 14 mit Zelten und Biwakieren an- jektgruppe ist die aus der alpinen Szene fallen ihnen nicht ein.
spricht. Die angehende Lehrerin glaubt, dass angehende Lehrerin Kathrin Faller überlegt: „Hmm, mir fällt keine
man Mädchen in dem Alter noch einmal gut eher zufällig hinein- ein... doch, meine Jugendleiterin Irmgard
greifen könne. Ansonsten sei das Angebot in geraten. Sie sieht Feuerstein, die hat ihr kleines Kind mit auf
der JDAV gemischt-geschlechtlich geprägt. es gemäßigt, findet Klettertouren genommen, hat es gestillt in Klet-
„Das hat auch seine Vorteile, denn so lernen nicht alles gut, terpausen, ist dann weitergeklettert.“ Heidi
die Jugendlichen miteinander umzugehen, auf hält aber vieles Cremer nennt andere: „Die Sportkletterin
Schwächere Rücksicht zu nehmen“, so Kathrin für sinnvoll. Kathrin Sedlmaier, die Extremalpinistin Wanda
Faller. Rutkiewicz. Und Lotte Pichler, ehemalige
Die Ergotherapeutin war jahrelang als Ju- Bundesleiterin, die hat gepowert.“ „Helga
gendleiterin in ihrer Sektion Weiler im Allgäu Hengge, Gabi Hupfauer, Barbara Hirschbich-
aktiv, hat viele Gruppenfahrten auch ins Aus- ler“, steuert Claudia Bäumler bei. Und fügt
land organisiert. Vier Jahre lang vertrat sie hinzu: „Ich glaube, dass viele Frauen nicht be-
dann die JDAV im Kreisjugendring im Vor- kannt sind, weil sie wirklich nur als Deko ge-
stand, war dort Schriftführerin. Und arbeitet sehen werden“. 

56 DAV Panorama 6/2004