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Helmut Glück / Michael Rödel (Hg.

Metzler Lexikon
Sprache
5. Auflage
Helmut Glck und Michael Rçdel (Hg.)

Metzler Lexikon
Sprache
5., aktualisierte und berarbeitete Auflage
Mit 52 Abbildungen und 12 vierfarbigen Karten

J. B. Metzler Verlag
Die Herausgeber Inhalt

Helmut Glck; Studium der Slavistik, Germanistik Vorwort V


und Nordistik in Tbingen und Bochum; Autorenverzeichnis IX
seit 1991 Professor fr Deutsche Sprachwissen- Hinweise fr die Benutzung XI
schaft an der Universitt Bamberg. Abkrzungen XIII
Bei J. B. Metzler sind erschienen: »Schrift und Allgemein verwendete Symbole XVI
Schriftlichkeit«, 1986 (vergriffen); Spezielle Symbole XVII
»Gegenwartsdeutsch«, SM 252, 2. Auflage 1997 Siglen von Periodica und Handbchern XVIII
(zus. mit Wolfgang W. Sauer). Artikel von A–Z 1
Bildquellenverzeichnis 795
Michael Rçdel; Studium der Germanistik, Anhang: Sprachkarten 797
Geschichts- und Erziehungswissenschaften
in Bamberg; seit 2016 Professor fr Didaktik
der deutschen Sprache und Literatur an der
Ludwig-Maximilians-Universitt Mnchen.

®
MIX
Papier aus verantwor-
tungsvollen Quellen

www.fsc.org FSC® C083411

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Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
ber http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Gedruckt auf sure- und chlorfreiem,


alterungsbestndigem Papier

ISBN 978-3-476-02641-5

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist


urheberrechtlich geschtzt. Jede Verwertung außerhalb
der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist
ohne Zustimmung des Verlages unzulssig und strafbar.
Das gilt insbesondere fr Vervielfltigungen,
bersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung
und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

ª 2016 J. B. Metzler Verlag GmbH, Stuttgart


www.metzlerverlag.de
info@metzlerverlag.de

Einbandgestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart (Foto: akg-images)


Satz: Dçrr + Schiller GmbH, Stuttgart
Druck und Bindung: Ten Brink, Meppel, Niederlande
V

Vorwort zur ersten Auflage


Das Lexikon erfaßt den Gesamtbereich der heutigen Zur Konzeption und zur Auswahl
Sprachwissenschaft, soweit das in einem einbndi- der Stichwçrter
gen Handlexikon mçglich ist. Es richtet sich nicht
nur an die linguistische Fachwelt, sondern an die Das Lexikon ist keiner besonderen Richtung der
Philologie im allgemeinen, an ihre Nachbardiszipli- linguistischen Forschung verpflichtet. Bei theorie-
nen und nicht zuletzt auch an »das gebildete Publi- gebundenen Stichwçrtern wird auf deren konzeptio-
kum«, indem es neben im engeren Sinne linguisti- nellen Kontext hingewiesen. Die Autoren haben
schen Gesichtspunkten konsequent auch anthropo- ihre durchaus unterschiedlichen theoretischen
logische, kulturelle, soziale, areale, pragmatische, Orientierungen nicht verleugnet; allerdings waren
psychologische, textuelle und historische Aspekte sie gehalten, konkurrierende Orientierungen zu be-
der Sprache und ihrer Erforschung in angemesse- rcksichtigen. Insbesondere bei einigen Artikeln zur
nem Umfang bercksichtigt. Auch Grenzgebiete der Grammatik im engeren Sinn fhrte dies mitunter zu
Sprachwissenschaft zu anderen Disziplinen werden Darstellungen unter unterschiedlichen Vorausset-
erfaßt, so die Anatomie und Physiologie der zungen und Perspektiven. Das entspricht der Kon-
Sprech- und Hçrorgane, die Sprachpathologie, die zeption des Lexikons vollkommen, denn es will
Palographie, das Sprachenrecht, die Sprachdidak- nicht nur gesichertes Wissen vorlegen, sondern
tik und die Sprechwissenschaft. Dazu kommt eine auch Fragestellungen dokumentieren, die kontrovers
Reihe neuerer und neuester linguistischer Arbeits- diskutiert werden. Die Auswahl der Stichwçrter
bereiche wie zum Beispiel die Computerlinguistik orientiert sich in erster Linie an Lehrbchern, Gram-
und die Forschung ber knstliche Intelligenz, die matiken und Handlexika, die im Unterricht des
linguistische Informatik, die Diskursanalyse und die Faches Deutsch und der Schulfremdsprachen an
Ethnographie der Kommunikation. Der umfang- Gymnasien und in den philologischen Studiengn-
reichste Teilbereich bleibt jedoch die grammatische gen der Universitten verbreitet sind. Dabei wurden
Terminologie. Sie wird zum grçßten Teil am Bei- ausdrcklich auch in der DDR erschienene Werke
spiel des Deutschen und anhand von Beispielen aus bercksichtigt. Daneben wurde eine Reihe von
dem Deutschen erlutert. Andere Sprachen werden sprachwissenschaftlichen terminologischen Lexika
stets dann bercksichtigt, wenn dies aus sachlichen und Wçrterbchern in deutscher, englischer, franzç-
Grnden geboten ist; Entsprechendes gilt fr die sischer und russischer Sprache ausgewertet. Die
meisten anderen Teilbereiche. Die beiden wichtig- Auswahl ist nach systematischen Gesichtspunkten
sten Ausdrucksformen von Sprache werden syste- nicht durchgngig zwingend, denn es wurden solche
matisch auseinandergehalten: Fragen der gespro- Terminologien, die an sehr spezielle grammatik-
chenen Sprachform werden in Artikeln zu Phonetik, theoretische Schulen gebunden sind, nur zurckhal-
Phonologie, Sprechwissenschaft, Konversationsana- tend aufgenommen. Termini, die sich auf Spezifika
lyse u. a. behandelt, solche der geschriebenen von Grammatiken einzelner Sprachen oder Sprach-
Sprachform in den Artikeln zur Schriftlinguistik, gruppen beziehen, sind aufgenommen, soweit sie
zum Schreiben und Lesen und ihrem Erwerb, zur von sprachwissenschaftlichem oder allgemein kul-
Palographie u. a. turellem Interesse sind. Aufgenommen wurden ins-
Das Lexikon ist fr eine deutsche Leserschaft kon- besondere wichtige Termini aus den Grammatiken
zipiert, ist aber kein rein germanistisches Lexikon. der wichtigen Schulfremdsprachen (Englisch, Fran-
Es enthlt etwa 8 000 Stichwçrter (davon ca. 3 000 zçsisch, Latein, Griechisch, Russisch), auch wenn
Verweislemmata bzw. englische und franzçsische sie fr das Deutsche irrelevant sind.
Entsprechungen). Sie verteilen sich auf 30 Teilge-
biete, in die das Gesamtgebiet der Sprachwissen-
schaft fr die Zwecke dieses Lexikons aufgegliedert Sprache und Sprachen
wurde. Jedes dieser Gebiete wurde von einem oder
mehreren Fachleuten bearbeitet. Die fachlichen Zu- Etwa 1000 Artikel sind Sprachfamilien, Sprach-
stndigkeiten sind in der Autorenliste1 vermerkt. gruppen und Einzelsprachen gewidmet. Vollstndig-
Jeder Artikel ist mit dem Krzel des Autornamens keit im Sinne der Erfassung aller Sprachen, Sprach-
versehen. gruppen usw. eines Raumes konnte nur bei den
____________
1
In diesem Vorwort werden alle maskulinen Perso- ren und Autorinnen, Autor(inn)en, AutorInnen). Der
nenbezeichnungen  generisch verwendet, d. h. daß Herausgeber hat auf eine Vereinheitlichung an die-
z. B. Autorenliste als Liste der Autorinnen und Au- sem Punkt verzichtet, weil hier nicht nur der fach-
toren zu lesen ist. Im Hauptteil des Lexikons wer- liche, sondern auch der çffentliche Sprachgebrauch
den unterschiedliche Konventionen befolgt (Auto- schwankend ist.
VI Vorwort

Sprachen Europas angestrebt werden. Fr alle bri- liche Beispiele aus dem Deutschen oder den Schul-
gen Sprachrume wurde so verfahren, daß fr die fremdsprachen bringt. Komplizierte Konzepte, die
hçheren Gliederungsebenen (Sprachstamm, Sprach- sich mitunter bei bestimmten Termini erçffnen,
familie, Sprachzweig) lngere Artikel verfaßt wur- kçnnen in einem Lexikon nicht einfacher gemacht
den, in denen alle oder ein Großteil oder wenigstens werden, als sie sind, und werden mit der vom Ge-
die wichtigen Einzelsprachen erwhnt werden (z. B. genstand erforderten Komplexitt dargestellt.
Papuasprachen, Sdamerikanische Sprachen). Ent-
sprechendes gilt in geeigneten Fllen fr mittlere
Gliederungsebenen (z. B. Bantusprachen, Pamir- Deutsch, Englisch, Franzçsisch
sprachen). Diese Artikel enthalten in der Regel
einen Hinweis auf das Sondersammelgebiet einer Alle Eintrge sind in deutscher Sprache verfaßt. In
wissenschaftlichen Bibliothek ( Verzeichnis der den Kopf vieler Eintrge sind jedoch die englischen
Sondersammelgebiete). Viele, jedoch – aus Grn- und franzçsischen Entsprechungen des Lemmas
den des Umfangs – nicht alle in solchen Artikeln aufgenommen, soweit sie keine Internationalismen
oder in den Sprachenkarten erwhnten Einzelspra- sind bzw. nicht nur systematische orthographische
chen sind als Verweislemmata aufgenommen. Fr Unterschiede aufweisen (Flle wie z. B. engl. frz. K c L
die Artikel zu Einzelsprachen galt als Auswahlprin- statt dt. K k L, K -isme L bzw. K -ism L statt K -ismus L sind
zip, daß die betreffende Sprache aus linguistischen nicht bercksichtigt). Die Aufnahme der englischen
(z. B. typologischen), demographisch-soziologi- und franzçsischen Terminologie soll das Lexikon
schen (Sprecherzahl, Verwendung als Schriftspra- fr auslndische Germanisten bzw. Linguisten
che usw.) oder historischen Grnden von Bedeutung leichter benutzbar machen, die eine der beiden
ist; die Abgrenzung war oftmals schwierig und Sprachen als erste bzw. Wissenschaftssprache bes-
wurde gemeinsam mit den Bearbeitern fr die ein- ser beherrschen, ebenso fr Studierende und Lehrer
zelnen Sprachzweige getroffen. Dieses Prinzip hat von Fremdsprachenphilologien im Inland, die das
dazu gefhrt, daß kleine Sprachzweige/Sprachgrup- Lexikon als Nachschlagewerk bei der Lektre eng-
pen (z. B. die paloasiatischen Sprachen) manchmal lischer bzw. franzçsischer Fachtexte verwenden
besser dokumentiert werden als große (z. B. die wollen.
sinotibetischen Sprachen). Schließlich werden sol-
che Sprachen in Einzelartikeln oder in Verweisen
erwhnt, deren Namen aus außerlinguistischen Lexikographischer Kontext
Grnden in Deutschland gelufig sind, z. B. aus
verbreiteten literarischen Werken. – Die dialektale Das Lexikon steht im Zusammenhang mit anderen
Gliederung von Sprachen wird nur beim Deutschen Fachlexika des Verlags, nmlich dem Metzler Lite-
in Einzelartikeln und in einer Dialektkarte vollstn- ratur Lexikon (1. Aufl. 1984, 2. Aufl. 1991) und
dig dokumentiert. Fr andere »große« Sprachen dem Metzler Philosophie Lexikon (1. Aufl. 1996,
sind ihre Dialekte teils im Artikel zu dieser Spra- 2. Aufl. 1998). Im vorliegenden Lexikon werden
che, teils in Einzelartikeln behandelt. deshalb Gebiete wie Stilistik, Rhetorik, literarische
Formen, Philosophie und Logik nicht vorrangig be-
rcksichtigt. Ein Teil der hier vorgelegten Artikel
Zielgruppen zu den Gebieten Stilistik, Rhetorik, literarische For-
men wurde (teilweise mit Krzungen und Vernde-
Das Lexikon wendet sich an Studierende, Lehrer rungen) mit freundlicher Genehmigung der Heraus-
und Hochschullehrer philologischer Fcher und an- geber aus dem Literaturlexikon bernommen. Die
derer Disziplinen, in denen Sprache einen relevan- Herausgeber des Metzler Lexikon Philosophie ha-
ten Forschungsgegenstand darstellt (Historiker, ben in diesem Lexikon den Großteil der Artikel fr
Theologen, Psychologen, Soziologen, Pdagogen, die Gebiete Philosophie und Logik verfaßt, so daß
Philosophen, Rechtswissenschaftler usw.), an Ange- eine inhaltliche Verzahnung dieser Lexika erreicht
hçrige von »Sprachberufen« (z. B. Redakteure, wird.
Journalisten, bersetzer, Pfarrer, Werbefachleute,
Juristen, Angehçrige von Sprachheilberufen), an
Oberstufenschler von Gymnasien, an Lehrende Was der Herausgeber noch mitteilen will
und Studierende der Germanistik im Ausland, Do-
zenten an Goethe-Instituten und – last but not least Die Entstehung dieses Lexikons geht einerseits auf
– an interessierte Laien. Diese Vorstellungen von einige Diskussionen mit Bernd Lutz zurck, der als
den potentiellen Zielgruppen schlagen sich im Le- Verlagsleiter das lexikographische Profil des Ver-
xikon in seiner quasi-enzyklopdischen Ausrich- lags ausweiten wollte. Andererseits verdankt es
tung und darin nieder, daß jeder Autor beim Ver- seine Entstehung meiner berzeugung, daß das Ver-
fassen seiner Artikel auf grçßtmçgliche Verstnd- fassen eines breit angelegten, alle Teilgebiete der
lichkeit geachtet hat und nach Mçglichkeit anschau- heutigen Sprachwissenschaft abdeckenden Fachle-
Vorwort VII

xikons Kompetenz und Krfte eines einzelnen weit mit wertvoller Kritik zur Seite gestanden sind.
bersteigt. Um ber das Gesamtgebiet wirklich um- Meine Frau und meine Tçchter haben vor allem in
fassend zu informieren, mußte deshalb eine Viel- der Endphase der Fertigstellung oft unter dem Le-
zahl von Spezialisten fr die einzelnen Bereiche xikon leiden mssen; ihnen danke ich dafr, daß sie
gewonnen und ihre Arbeit sorgfltig koordiniert mich in diesen Monaten recht gelassen ertragen
werden. In diesem Lexikon wurde dieser Weg be- haben. Fr das Nachtragen und berprfen einer
schritten: insgesamt hat es ber 70 Autoren. Schon Unzahl griechischer und lateinischer Etymologien
vorhandene Fachlexika waren als Quellen, Muster und Beispiele und fr die Markierung lateinischer
und durchaus auch als Vorbilder, mit denen sich Vokallngen danke ich meiner Frau und Gregor
Herausgeber und Autoren intensiv auseinanderzu- Bauer, aber auch Erika Schmidt; die Verantwortung
setzen hatten, von großem Wert. Dieses Lexikon fr eventuelle Fehler liegt jedoch bei mir. Unschtz-
geht aber von anderen konzeptionellen Vorausset- bare Hilfe beim Korrigieren der Ergebnisse des
zungen aus: es ist ein wirkliches Gemeinschafts- Konvertierens von Dateien und anderen redaktio-
werk vieler Fachwissenschaftler – anders wre es nellen und technischen Arbeiten leisteten Julia
nicht zu realisieren gewesen. Ob es mir gelungen Dahm und Martina Rolland, aber auch Jost Gippert,
ist, immer im notwendigen Maße ihre unterschied- Sebastian Kempgen, Ariane Reimann, Marianne
lichen berzeugungen, Orientierungen, stilistischen Wilke und Annette Wnsch. Jost Gippert danke
Vorlieben und auch ihre Temperamente textsorten- ich außerdem fr seine vorzglichen Sprachenkar-
gerecht zu vereinheitlichen, muß dem Urteil der ten. Schwer, aber sicher nicht niedrig einzuschtzen
Benutzer berlassen bleiben. ist der Beitrag, den Kollegen und Studenten wohl
Dem Deutschen Akademischen Austauschdienst aller Autoren in Diskussionen und Seminaren fr
und namentlich Hans Gnther Schmidt habe ich die Entwicklung vieler Artikel von Entwrfen zu
fr ein Stipendium im Jahre 1989 zu danken, das Endfassungen geleistet haben. Bernd Lutz und Ute
mir die konzentrierte Arbeit an der Liste der vorge- Hechtfischer vom Metzler-Verlag schließlich habe
sehenen Eintrge ermçglicht hat. Fr kritische und ich zu danken fr ihre Gelassenheit und Geduld in
ermunternde Diskussionen zu den ersten Fassungen den Krisen des Frhjahrs 1993 und bei den vielen
der Liste der Eintrge danke ich besonders meiner Verzçgerungen bei der Fertigstellung des Manu-
Frau Annette Glck-Schmidt und Wolf Thmmel, skripts.
die mir auch, ebenso wie Danile Clment, Norbert
Fries, Jost Gippert und Sebastian Kempgen, als
Leser von vorlufigen Fassungen vieler Artikel Bamberg, im August 1993 Helmut Glck

Vorwort zur 5. Auflage


Rund 23 Jahre nach seiner Erstpublikation erscheint Die Liste der Sondersammelgebiete wurde gestri-
das Metzler Lexikon Sprache nun in seiner fnften chen, weil die DFG sie durch anders strukturierte
Auflage. Die Rckmeldungen der letzten Jahre ha- »Fachinformationsdienste fr die Wissenschaft« er-
ben gezeigt, dass das Lexikon ungeachtet der Ver- setzt hat. Auch die »Internetadressen fr Lingui-
nderungen in der Medienlandschaft weiterhin sten« entfallen in dieser Auflage, weil die heutigen
nachgefragt ist und von jenen Zielgruppen verwen- Suchroutinen sie berflssig erscheinen ließen.
det wird, die schon im Vorwort zur ersten Auflage Das Deutsche bleibt die »Leitsprache« des Lexi-
genannt wurden. Fachlexika werden feste Bestand- kons, d. h. dass seine Eintrge unter dem deutschen
teile der Bibliotheken von Linguisten und Lehrkrf- Terminus eingeordnet bleiben, wenn er einigerma-
ten fr das Deutsche und fr Fremdsprachen blei- ßen gebruchlich ist. Englischsprachige Termini
ben. werden dann als Lemma verwendet, wenn bislang
Auch in seiner fnften Auflage bleibt das Lexikon kein deutscher Terminus existiert oder verbreitet ist,
seiner bewhrten Konzeption treu. Erneut haben die z. B. Common ground oder Voice key. Verdeut-
Herausgeber und die Autorinnen und Autoren fr schungsvorschlge macht das Lexikon nicht. Den
die neue Auflage alle Artikel inhaltlich geprft, in deutschen Lemmata sind ihre englischen (und fran-
großem Umfang aktualisiert und einen nicht unwe- zçsischen) Entsprechungen beigefgt, wo das sinn-
sentlichen Teil neu bearbeitet und modernisiert. voll erschien. Damit wird nicht in Frage gestellt
Diese Auflage enthlt etwa hundert Artikel zu neu- oder gar verkannt, dass die Wissenschaftssprache
en Lemmata, denn der wissenschaftliche Fortschritt Englisch in der deutschen Sprachwissenschaft im-
ußert sich (auch) in neuen Termini. Einige Dut- mer mehr an Gewicht gewinnt. Das Lexikon ver-
zend Artikel wurden gestrichen oder zu Verweisen steht sich angesichts dieser Entwicklung aber
herabgestuft, weil sie entbehrlich geworden waren. durchaus auch als aktiven Beitrag zum Erhalt und
VIII Vorwort

zur Weiterentwicklung der Wissenschaftssprache Horst M. Mller bernimmt die Lemmata zur
Deutsch in einer Disziplin, in der die deutschspra- Sprachpsychologie und zur Psycholinguistik von
chige Forschung eine große Tradition hat. Clemens Knobloch;
Beim Redigieren dieser Auflage zeigte sich, dass Antonio Machicao y Priemer bernimmt die gram-
die Sprecherzahlen vieler »kleiner« Sprachen (z. B. matischen Lemmata von Norbert Fries;
vieler Sprachen im Norden Russlands, in Sibirien, Ludwig Paul bernimmt die iranischen Sprachen
im Kaukasus oder in Amerika) eine klare Tendenz von Johannes Maier-Ingwersen †;
nach unten aufweisen, d. h. dass die Sprecherzahlen Michael Rçdel bernimmt die Lemmata zur Text-
z. T. dramatisch zurckgegangen sind. Einige der linguistik von Jçrg Ptzold und viele Lemmata zur
etwa tausend Sprachen, die in diesem Lexikon Er- Grammatik von Danile Clment und Wolf Thm-
whnung finden und die noch vor 20 Jahren halb- mel;
wegs stabil zu sein schienen, sind akut vom Aus- Bjçrn Rothstein bernimmt die Lemmata zur em-
sterben bedroht oder inzwischen verschwunden. pirischen Sprachforschung von Werner Schçneck;
Andererseits hat die Sprecherzahl nicht nur der Sven Staffeldt bernimmt die Lemmata zur Sprach-
»großen« Sprachen, sondern auch die einiger »klei- erwerbsforschung und Sprachdidaktik von Helga
neren« europischen Standardsprachen zugenom- Andresen und Lemmata zur Grammatik von Gisela
men. Diese Tendenz wurde vielfach festgestellt Schçnthal †;
und beklagt, z. B. von der UNESCO. Inzwischen Christian Stang bernimmt den Artikel »Duden«
sprechen etwa 80 % der Weltbevçlkerung die fnf- von Wolfgang Sauer;
zig »grçßten« Sprachen, die restlichen 20 % die Stefanie Stricker bernimmt die Lemmata zur
restlichen etwa 5000 anderen Sprachen. Die Spra- Sprachgeschichte und Altgermanistik von Rolf
chenkarten im Anhang des Lexikons zeigen folglich Bergmann;
in einigen Weltteilen nicht die aktuellen Sprachge- Wilfried Thielmann wurde von Konrad Ehlich als
biete, sondern historische Verteilungen von Spra- Nachfolger fr den Bereich Pragmatik benannt;
chen, die inzwischen obsolet sind. Von Johann Gott- Elisabeth Vollers bernimmt die Lemmata zur Rhe-
fried Herder stammt das AperÅu, jede Sprache sei torik und Stilistik von Otto Bantel, Hansgerd Del-
ein Gedanke Gottes. Weltlicher ausgedrckt: Jede brck, Reinhard Dçhl †, Gunter E. Grimm, Jrgen
Sprache ist eine einzigartige Schçpfung des mensch- Khnel, Gerhard Schfer, Rainer Schçnhaar, Gn-
lichen Geistes, und jede Sprache, die »ausstirbt«, ist ther Schweikle †, Irmgard Schweikle †, Hans Hugo
ein unersetzlicher Verlust im kulturellen Erbe der Steinhoff †, Manfred Gnther Scholz † und Helmut
Menschheit. Weidhase;
Die lange Lebenszeit des Metzler Lexikon Sprache Daniela Wawra und Helene Schmolz bernehmen
bedingt inzwischen auch einen Generationswechsel, die Lemmata zur Soziolinguistik von Ulrich Am-
der mit der fnften Auflage eingeleitet wird. Aus mon und Joachim Raith sowie diejenigen zum Eng-
diesem Grund wird das Lexikon zum ersten Mal lischen von Manfred Gçrlach;
von zwei Herausgebern verantwortet. Eine ganze Arndt Wigger bernimmt die keltischen Sprachen
Reihe von verdienten Autorinnen und Autoren, die von Martin Rockel †;
das Lexikon seit der ersten Auflage begleiteten und Eberhard Winkler bernimmt die finnougrischen
denen die Herausgeber und der Verlag Dank schul- Sprachen von Gerd Sauer;
den fr ihre langjhrige Mitarbeit, hat ihre Lemma- Sonja Zeman bernimmt die Lemmata zum Be-
strecke Nachfolgern bergeben: reich Tempus von Sebastian Kempgen.
Sandra Birzer bernimmt die slavischen Sprachen Fr ihre effiziente Untersttzung bei der redaktio-
von Klaus Hartenstein; nellen Vorbereitung dieser Auflage danken wir stud.
Johannes Hennies bernimmt die Lemmata zur phil. Maria Minkus (Bamberg). Ute Hechtfischer
Sprachpathologie und Sprachtherapie von Klaus B. vom J. B. Metzler Verlag sind wir dankbar verbun-
Gnther; den fr eine eingespielte, reibungslose und freund-
Joachim Herrgen bernimmt die Lemmata zur Dia- schaftliche Zusammenarbeit.
lektologie von Ulrich Knoop;
Nikolaus P. Himmelmann bernimmt die ozeani-
schen Sprachen von Rainer Carle †;
Raija L. Kramer bernimmt die afrikanischen Bamberg und Mnchen, Helmut Glck und
Sprachen von Mechthild Reh; im Sommer 2016 Michael Rçdel
Autorenverzeichnis IX

Autorenverzeichnis
Bearbeitete Bereiche
AD Prof. Dr. Willem F. H. Adelaar, Leiden Sdamerikanische Sprachen
AM Prof. Dr. Ulrich Ammon, Duisburg Soziolinguistik
AN Prof. Dr. Helga Andresen, Flensburg Spracherwerbsforschung, Sprachdidaktik
AT Prof. Dr. Gerhard Augst, Siegen Orthographie
B Prof. Dr. Rolf Bergmann, Bamberg Sprachgeschichte, Altgermanistik
BO Prof. Dr. Winfried Boeder, Oldenburg Kaukasische Sprachen
BZ Prof. Dr. Sandra Birzer, Innsbruck Slavische Sprachen
C Prof. Dr. Danile Clment, Montpellier Grammatik
CE Prof. Dr. Rainer Carle † Austronesische Sprachen
CO Prof. Dr. Florian Coulmas, Tokyo Japanisch, Koreanisch
D Prof. Dr. Michael Drr, Berlin Nord- und mittelamerikanische Sprachen,
Sprachtypologie
DD Dr. Heinrich Dingeldein, Marburg Deutsche Dialekte
DS Dr. Eberhard Dschler † Rhetorik, Stilistik, Literaturwissenschaft
E Prof. Dr. Konrad Ehlich, Berlin Linguistische Pragmatik
EN Prof. Dr. Horst Enzensberger, Bamberg Epigraphik, Palographie
ES Dr. Wieland Eins, Tokio Grammatik
F Prof. Dr. Norbert Fries, Berlin Grammatik
FR Nicola Frank M. A., Tbingen Grammatik
FZ Priv. Doz. Dr. Sonja Fritz, Frankfurt a. M. Indoarische Sprachen
G Prof. Dr. Helmut Glck, Bamberg Verschiedene Bereiche
GH Prof. Dr. Manfred Gçrlach, Kçln Englisch
GI Prof. Dr. Heinz W. Giese, Braunschweig Spracherwerbsforschung, Sprachdidaktik
GL Dr. Martin K. Glck, Kassel Anatomie der Sprech- und Hçrorgane
GP Prof. Dr. Jost Gippert, Frankfurt a. M. Indogermanistik, Sprachtypologie
GR Prof. Dr. Elvira Glaser, Zrich Sprachgeschichte, Altgermanistik
GS Annette Glck-Schmidt, Bamberg Klassische Philologie
GT Prof. Dr. Klaus B. Gnther, Hamburg Sprachpathologie, Sprachtherapie
GU Prof. Dr. Norbert Gutenberg, Saarbrcken Sprecherziehung, Sprechwissenschaft
GZ Prof. Dr. Ursula Gçtz, Rostock Sprachgeschichte, Altgermanistik
HA Prof. Dr. Klaus Hartenstein, Hamburg Slavische Sprachen
HE Prof. Dr. Joachim Herrgen, Marburg Dialektologie
HM Prof. Dr. Nikolaus P. Himmelmann, Kçln Austronesische Sprachen
HS Prof. Dr. Johannes Hennies, Heidelberg Sprachpathologie, Sprachtherapie
HU Prof. Dr. Bernhard Hurch, Graz Romanische Sprachen
K Prof. Dr. Ulrich Knoop, Freiburg Dialektologie
KL Prof. Dr. Karin Kleppin, Bochum Spracherwerbsforschung, Sprachdidaktik
KM Prof. Dr. Raija L. Kramer, Hamburg Afrikanische Sprachen
KN Prof. Dr. Clemens Knobloch, Siegen Psycholinguistik
KR Prof. Dr. Jarmo Korhonen, Helsinki Phraseologie
L Priv.-Doz. Dr. Hagen Langer, Bremen Computerlinguistik, Grammatik
MI Dr. Johannes Meyer-Ingwersen † Iranische Sprachen, Turksprachen
MO Prof. Dr. Claudine Moulin, Trier Sprachgeschichte, Altgermanistik
MR Prof. Dr. Horst M. Mller, Bielefeld Psycholinguistik
MYP Dr. Antonio Machicao y Priemer, Berlin Grammatik
PA Prof. Dr. Ludwig Paul, Hamburg Iranische Sprachen
PL Dr. Jochen Pleines, Bochum Kasusgrammatik
PM Prof. Dr. Bernd Pompino-Marschall, Berlin Phonetik, Phonologie
PR Prof. Dr. Peter Prechtl † Sprachphilosophie, Logik
PT Prof. Dr. Karin Pittner, Bochum Grammatik
R Dr. Joachim Raith, Essen Soziolinguistik
RB Dr. Helmut Rehbock, Braunschweig Semantik, Semiotik
RE Prof. Dr. Mechthild Reh, Hamburg Afrikanische Sprachen
RK Prof. Dr. Ludwig Rbekeil, Zrich Sprachgeschichte, Altgermanistik
RL Prof. Dr. Michael Rçdel, Mnchen Grammatik, Textlinguistik
X Autorenverzeichnis

RO Doz. Dr. sc. Martin Rockel † Keltische Sprachen


RS Prof. Dr. Bjçrn Rothstein, Bochum Empirische und Angewandte Linguistik
S Prof. Dr. Wolfgang Sauer, Hannover Orthographie, Soziolinguistik
SB Dr. Markus Steinbach, Mainz Generative Grammatik
SF Priv. Doz. Dr. Sven Staffeldt, Wrzburg Grammatik, Spracherwerbsforschung
SK Dr. Werner Schçneck, Essen Empirische und angewandte Sprach-
wissenschaft
SL Dr. Gisela Schoenthal † Grammatik, Linguistische Pragmatik
SM Friederike Schmidt, Berlin Sprache und Recht
SN Dr. Horst Schwinn, Mannheim Grammatik
SO Priv. Doz. Dr. Friederike Schmçe, Bamberg Verschiedene Bereiche
SR Doz. Dr. sc. Gert Sauer, Berlin Finnougrische Sprachen
ST Prof. Dr. Stefanie Stricker, Bamberg Sprachgeschichte, Altgermanistik
STA Christian Stang, Regensburg Duden
SZ Dr. Helene Schmolz, Passau Soziolinguistik
T Prof. Dr. Wolf Thmmel, Montpellier Grammatik, Germanische Sprachen
VS Dr. Elisabeth Vollers, Hannover Rhetorik, Stilistik, Literaturwissenschaft
W Dr. Arndt Wigger, Kçnigswinter Keltische Sprachen
WI Veronika Wilbertz, Kçln Semitische Sprachen
WK Prof. Dr. Klaus Welke, Berlin Valenzgrammatik
WN Prof. Dr. Eberhard Winkler, Gçttingen Finnougrische Sprachen
WR Prof. Dr. Gordon Whittaker, Gçttingen Austroasiatische, dravidische, sinobetische
Sprachen
WW Prof. Dr. Daniela Wawra, Passau Soziolinguistik, Anglistik
Z Dr. Andrea Zielinski, Heidelberg Computerlinguistik
ZA Anja Zanini, Kçln Grammatik
ZE Dr. Sonja Zeman, Mnchen Grammatik
XI

Hinweise fr die Benutzung


Anordnung der Stichwçrter Bedeutungsvarianten, ist der Artikel durch arabi-
sche Ziffern (1., 2., 3. usw.) gegliedert. Sind meh-
Die Stichwçrter sind nach den fr das Deutsche rere Autoren an einem solchen Artikel beteiligt, so
geltenden Regeln fr die  alphabetische Reihenfol- stehen ihre Namenssiglen am Ende des jeweiligen
ge angeordnet; Umlautbuchstaben werden wie Abschnitts innerhalb des Artikels. Wenn innerhalb
Grundbuchstaben, K ß L als K ss L behandelt. Bei der eines lngeren Artikels eine inhaltliche Gliederung
Anordnung der Lemmata werden Wortgrenzen be- erforderlich ist, werden eingeklammerte Kleinbuch-
rcksichtigt (z. B. genus proximum – Genus verbi – staben verwendet: (a), (b), (c) usw., ggf. auch (aa),
Genusschwankung – Genusvariante). Abkrzungen (ab), (ac), (ba), (bb) usw. Das jeweilige Lemma
werden dem alphabetischen Anordnungsprinzip un- wird innerhalb eines Artikels mit seinem Anfangs-
terworfen, auch wenn sie Bestandteile von Kompo- buchstaben abgekrzt (bei Lemmata, die aus meh-
sita sind, z. B. Wetterverb – W-Frage – Wheeler- reren Wçrtern bestehen, mitunter auch mit mehre-
sches Gesetz. ren Anfangsbuchstaben). Flexionsaffixe bleiben da-
bei unbercksichtigt; der Plural wird lediglich dann
markiert, wenn dies von inhaltlicher Wichtigkeit ist.
Aufbau der Eintrge Das Wort Sprache und Komposita mit -sprache als
letztem Glied werden mit spr. bzw. -spr. abgekrzt.
Substantive sind grundstzlich Grundlemmata. Sie Alle weiteren Abkrzungskonventionen sind im
werden mit Genussigle (und ggf. Pluralsuffix nach Verzeichnis der Abkrzungen, alle Siglen von Zeit-
Tilde) rubriziert, z. B. Akanje f., Epikoinon n., Lem- schriften, Reihenwerken usw. im Verzeichnis der
ma n., pl. ~ mata, soweit dies fr nicht fachkundige Siglen von Periodica und Handbchern aufgefhrt.
Benutzer angezeigt erscheint. Konkurrierende
Schreibungen werden mitunter durch runde Klam-
mern angezeigt (z. B. Dag(h)estanische Sprachen: Komposita/Wortgruppen
lies Daghestanische Sprachen oder Dagestanische
Sprachen). Sind Verb oder Adjektiv desselben Semantisch additive Komposita sind nicht aufge-
Wortstamms abweichend terminologisiert oder be- nommen. Es ist bei den einzelnen Bestandteilen
deutend hufiger als das Substantiv, bekommen sie nachzuschlagen. Aufgenommen werden Komposita,
einen eigenen Eintrag. An das Lemma schließt sich die selbstndig terminologisiert sind oder eine ber-
ggf. ein Hinweis auf seine Etymologie und seine durchschnittlich hohe Frequenz haben. Terminolo-
Wortstruktur an, z. B. Phonotaktik f. (griech. wø gisierte Wortgruppen werden nicht rubriziert, wenn
(fōnē) Stimme, Laut; griech. Ø (tattein) zu- dem Benutzer zugemutet werden kann, die einzel-
sammensetzen) Lehre von der Kombinierbarkeit der nen Elemente selbst aufzusuchen. Lsst sich durch
Phoneme in einer bestimmten Sprache. Die etymo- dieses Verfahren die terminologisierte Bedeutung
logischen Hinweise werden sparsam gehandhabt, einer Wortgruppe nicht ermitteln oder tritt ein Ele-
d. h. beispielsweise, dass nicht bei jedem Eintrag, ment (fast) ausschließlich in einer festen Wortgrup-
der phon- enthlt, mitgeteilt wird, dass er auf pe auf, so ist es in der Regel unter dem ersten
griech. wø zurckgeht; der interessierte Benutzer Element eingetragen, z. B.: obliquer Kasus, diskon-
muss ggf. den ersten Eintrag, der mit phon- beginnt, tinuierliches Morphem, Bhlersches Organonmo-
aufsuchen, um die Etymologie zu erfahren. Daran dell.
schließen sich ggf. Synonyme, eingeleitet mit
»Auch:…«, sowie ggf. englische oder franzçsische
quivalente an. Griechische Ausdrcke werden Lateinisch, Griechisch, Deutsch, Franzçsisch
stets in Originalschreibung und in Transkription und Englisch als Terminologiebasis
angefhrt, in der die Vokalbuchstaben ø, Å, ı
durch ein Makron markiert werden: ō, ē, ū. Die Lateinisch-griechisch basierte Termini werden in
Transkription entfllt, wenn sie mit dem Lemma der Regel als Grundeintrag gewhlt. Gebruchliche
identisch wre. Griech. w wird mit f transkribiert. deutsche Entsprechungen werden im Kopf des Ein-
Bei lateinischen Ausdrcken (außer bei Lemmata) trags als Synonyme aufgefhrt, z. B. Adjektiv (auch:
werden die Vokallngen durch ein Makron markiert, Eigenschaftswort). Der ›deutsche‹ Begriff wird an
bei Beispielen aus dem Russischen wird der Wort- seiner Systemstelle als Verweislemma eingetragen,
akzent durch einen Akfflt angegeben. Fr alle fremd- z. B. Eigenschaftswort  Adjektiv. Diese Regel fin-
sprachigen Ausdrcke in Wort- oder Satzbeispielen det nur dann umgekehrte Anwendung, wenn der
wird eine bersetzung ins Deutsche gegeben (außer ›deutsche‹ Terminus eindeutig gebruchlicher ist,
beim Englischen). Hat ein Terminus mehrere Les- z. B. Klammer (auch: Parenthese) / Parenthese
arten oder deutlich voneinander unterscheidbare  Klammer. Deutsch basierte Termini werden vor
XII Hinweise fr die Benutzung

allem dann bercksichtigt, wenn sie in Schul- oder lichkeit wurde Monographien, Sammelbnden,
Hochschul-Grammatiken oder -Lehrbchern, die Festschriften u. dgl. der Vorzug vor Zeitschriften-
nach 1970 erschienen sind, tatschlich hufig belegt beitrgen gegeben. In der Regel ist die letzte Auf-
sind, z. B. Beugung  Flexion,  Konjugation, lage der erwhnten Arbeit zitiert. Die Literaturan-
 Deklination. Ausdrcke, die sich auf grammati- gaben sind Hinweise auf die weiterfhrende Litera-
sche Eigenschaften anderer Sprachen beziehen, tur und keine Kurzbibliographien.
werden unter dem Fachterminus der jeweiligen Phi- Die Schreibung von transliterierten Eigennamen
lologie rubriziert, z. B. dativus commodi, Apokopat, richtet sich ggf. nach dem zitierten Referenzwerk
mater lectionis, Nunation. Anderssprachige Aus- und wird nicht vereinheitlicht, so dass Doppelfor-
drcke, die im Deutschen keine gebruchliche Ent- men vorkommen (z. B. Trubeckoj/Trubetzkoj, Vy-
sprechung haben bzw. im Deutschen in der aus- gotskij/Wygotski).
gangssprachlichen Form terminologisiert sind, wer-
den als Grundeintrge behandelt (bei Wortgruppen-
komposita ggf. (teilweise) bersetzt), z. B. Akanje, Eintrge zu Einzelsprachen und Einzeldialekten
Arc-Pair-Grammatik, Complementizer, Crossover-
Prinzip, Parole. Einzelsprachen und -dialekte werden in der im
Deutschen gebruchlichen orthographischen Form
rubriziert. Eigenbezeichnungen, z. B. Spanisch (Ei-
Verweislemmata genbez. EspaÇol) oder Polnisch (Eigenbez. Polski),
folgen ggf. in Klammern nach dem Lemma. Daran
Verweislemmata enthalten keine Hinweise zur Plu- schließt sich in der Regel eine Einordnung der
ralbildung und zur Etymologie. Soweit sie echte Sprache nach den Klassifikationsmustern der histo-
Synonyme ihrer Referenzlemmata sind, werden risch-vergleichenden Sprachwissenschaft bzw. der
die englische und franzçsische Entsprechung nur neueren deskriptiven Typologie an (z. B. Abcha-
beim Referenzlemma notiert. Wenn sie keine Syno- sisch. Nordwestkaukasische Sprache oder Arme-
nyme sind, sind sie lediglich im Text des Eintrags nisch. Indogermanische Sprache). Bei Dialekten
bercksichtigt, eine Erwhnung im Kopf des Ein- wird der historische und dialektgeographische Zu-
trags entfllt (z. B. Differenzhypothese  Soziolin- sammenhang genannt. Es folgen Angaben zur
guistik, Defizithypothese  Soziolinguistik (lies: Dif- Sprecherzahl (soweit verfgbar) und zum Verbrei-
ferenzhypothese, Defizithypothese werden im Ein- tungsgebiet (Lnder, Regionen), ggf. zum offiziel-
trag Soziolinguistik erwhnt bzw. behandelt).  An- len Status (als Amts-, Staats-, Schulsprache usw.).
tonyme (Ausdrcke, die terminologische Oppositio- Soweit die jeweilige Sprache Schriftsprachenstatus
nen darstellen) werden in solchen Fllen, in denen hat, werden Zeitpunkt und ggf. geographischer
lediglich eine kurze Definition gegeben wird, nur Raum der Erstverschriftung genannt (z. B. Geor-
einmal behandelt (in der Regel bei demjenigen gisch. lteste Zeugnisse aus dem 4. Jahrhundert
Lemma, das im Alphabet weiter vorn steht), also oder Tschechisch. Seit dem 9. Jh. Zeugnisse in
z. B. Schub und Sog unter Schub, physei und thesei  Altkirchenslavischer Sprache. Seit dem 13. Jh.
unter physei. Steht das Verweislemma aus syntag- wird Tschechisch als Schriftsprache verwendet).
matischen Grnden im Plural (z. B.  Onomastika, Weiterhin wird erwhnt, ob die jeweilige Sprache
 Thesauri), so ist stets die Singularform nachzu- als Zweitsprache bei anderen Sprachgemeinschaften
schlagen (im Beispiel: Onomastikon, Thesaurus). eine Rolle spielt, ob nennenswerte Teile der Sprach-
gemeinschaft zweisprachig sind, in welchem Maße
die Sprachgemeinschaft in ihrer Sprache und ggf. in
Literaturangaben einer oder mehreren Zweitsprache(n) alphabetisiert
ist. Schließlich wird auf die jeweils einschlgige
Den meisten sachlich und vom Umfang her gewich- Sprachenkarte verwiesen. Ausfhrungen zu typolo-
tigeren Artikeln sind Literaturangaben beigegeben. gischen Charakteristika und Besonderheiten der je-
Sie enthalten vor allem elementare Literatur, Stan- weiligen Sprache finden sich in der Regel in einem
dardwerke, ggf. »Klassiker« und – falls vorhanden bergeordneten Eintrag zur jeweiligen Sprachgrup-
– eine weiterfhrende Bibliographie. Nach Mçg- pe/Sprachfamilie.
Abkrzungen XIII

Abkrzungen
Abh. Abhandlung DAAD Deutscher Akademischer Austausch-
Abl., abl. Ablativ(isch) dienst (Bonn)
Acad. Academia, academy, acadmie DaF Deutsch als Fremdsprache
AcI, a.c.i. accusativus cum infinitivo Dat., dat. Dativ(isch)
Adj., adj. Adjektiv(isch) DaZ Deutsch als Zweitsprache
Adv., adv. Adverb(ial) Ddf. Dsseldorf
ADVB Adverbial ders. derselbe
afrz. Altfranzçsisch DG Dependenzgrammatik
ags. angelschsich dgl. dergleichen, desgleichen
ahd. althochdeutsch dies. dieselbe, dieselben
ai. altindisch Dim. Diminutiv
air. altirisch Diss. Dissertation
Akad. Akademie, Akademija dt. deutsch
Akk., akk. Akkusativ(isch) Ed., ed. Editor, editio, edidit
aksl. altkirchenslavisch EDV Elektronische Datenverarbeitung
alem. alemannisch Einf. Einfhrung
anord. altnordisch Einl. Einleitung
Aor. Aorist entspr. entsprechend(-e, -en, -er, -es)
API Association (Alphabet) Phontique epigr. epigraphisch
Internationale erw. erweitert
aram. aramisch ESCOL Eastern States Conference
Art. Artikel on Linguistics, USA
as. altschsisch EST erweiterte Standardtheorie
ASL American Sign Language et al. et alii (lat. ›und andere‹)
AT Altes Testament etw. etwas
ATR advanced tongue root ›vorgescho- europ. europisch
bene Zungenwurzel‹ f., fem. Femininum
Attr., attr. Attribut(iv) f., ff. folgend(e)
aufgr. aufgrund Ffm. Frankfurt am Main
Aufl. Auflage Forsch. Forschung(en)
Aux. Auxiliarkomplex frz. franzçsisch
AV audiovisuell Fs. Festschrift
Bd., Bde. Band, Bnde FU Fremdsprachenunterricht
bearb. bearbeitet FUB Freie Universitt Berlin
Ber. Bericht(e) Fut., fut. Futur(isch)
bes. besonders gegr. gegrndet
best. bestimmt Gen., gen. 1. Genitiv(isch), 2. Genesis (1. Buch
Bez. Bezeichnung(en) Mosis)
Bibl. Bibliographie germ. germanisch
Bln. Berlin Ges. Gesellschaft
bspw. beispielsweise GG Generative Grammatik
bulg. bulgarisch ggf. gegebenenfalls
bzgl. bezglich Ggs. Gegensatz
bzw. beziehungsweise gg. gegenber
C Konsonant GIDLP Generalized ID/LP Format
CA California glott. glottalisiert
ca. circa GPSG Generalized Phrase Structure
chin. chinesisch Grammar
CIS Centrum fr Informations- und H. Heft
Sprachverarbeitung. Mnchen. Hdb. Handbuch
CMU Carnegie Mellon University, hdt. hochdeutsch
Pittsburgh hebr. hebrisch
COLING Conference on Computational Hg., Hgg. Herausgeber
Linguistics hg., hgg. herausgegeben
d. h. das heißt HNO Hals-Nasen-Ohren (-Arzt)
d.i. das ist holl. hollndisch
XIV Abkrzungen

HPSG Head-Driven Phrase Structure Ling. Linguistik


Grammar ling. linguistisch
HS Hauptsatz lit. literarisch; litauisch
Hs., Hss. Handschrift(en) Lit. Literatur
HUB Humboldt Universitt zu Berlin LMU Ludwig-Maximilians-Universitt
i.R. im Rahmen Mnchen
i. d. R. in der Regel lothr. lothringisch
i.E. im Erscheinen Lpz. Leipzig
i.e.S. im engeren Sinn lux. luxemburgisch
i. S. v. im Sinne von M. Moskau
i.V. in Vorbereitung m., masc. Maskulinum
i.w.S. im weiteren Sinn MA, ma. Mittelalter(lich)
IACL International Association of Chinese Ma., Maa. Mundart(en)
Linguistics m.a.W. mit anderen Worten
IC Immediate Constituent(s) Mass. Massachusetts
idg. indogermanisch Mchn. Mnchen
IdS Institut fr deutsche Sprache mdt. mitteldeutsch
ie. indoeuropisch mengl. mittelenglisch
Imp., imp. Imperativ(isch) MGD Project Modern Grammar of Dutch.
Impf., impf. Imperfekt(isch) Tilburg
IN Indiana mhd. mittelhochdeutsch
ind. indisch Mio. Million
Ind., ind. Indikativ(isch) MIT Massachusetts Institute
indir. indirekt of Technology
Inf., inf. Infinitiv(isch) mlat. mittellateinisch
insbes. insbesondere mnd. mittelniederdeutsch
insges. insgesamt mndl. mittelniederlndisch
internat. international mpers. mittelpersisch
IPA Internationales Phonetisches Mrd. Milliarde
Alphabet Ms., Mss. Manuskript(e)
ipf. imperfektiv ms Millisekunde
isl. islndisch N Nomen
it., ital. italienisch; italisch n., ntr. Neutrum, neutral
IULC Indiana University Linguistics Club NACCL North American Conference
IWPT International Workshop on Parsing of Chinese Linguistics
Technologies nat. national
Jb., Jbb. Jahrbuch, Jahrbcher NC North Carolina
jd. jemand ndl. niederlndisch
Jg. Jahrgang ndt. niederdeutsch
Jh. Jahrhundert NELS North East Linguistic Society
Jt. Jahrtausend nhd. neuhochdeutsch
K, Kons. Konsonant NJ New Jersey
KI Knstliche Intelligenz nlat. neulateinisch
KIT Projektgruppe Kommunikations- und Nom., nom. Nominativ(isch)
Informationstechnologie, TUB NP Nominalphrase
Konj., konj. Konjunktion(al); Konjunktiv(isch) NS Nebensatz
Kons., kons. Konsonant(isch) NT Neues Testament
ksl. kirchenslavisch N.Y. New York
L 1. lat. lingua, frz. langue, langage, o. . oder hnliche(s)
engl. language Sprache 2. Language obdt. oberdeutsch
(Variable fr: Sprache X) Obj. Objekt
L. Leningrad çsterr. çsterreichisch
L.A. Los Angeles pal. palatalisiert
lab. labialisiert palogr. palographisch
LAD Language Acqisition Device Part. Partizip(ial)
(Spracherwerbsmechanismus) Pass., pass. Passiv(isch)
lat. lateinisch Perf., perf. Perfekt(ivisch)
Ldn. London Pers., pers. Person(al)
Lfg. Lieferung pf. perfektiv
Abkrzungen XV

Pl., pl. Plural(isch) TUB Technische Universitt Berlin


Plq. Plusquamperfekt u. a. 1. und andere(s), 2. unter
port. portugiesisch anderem (-en)
Poss. Possessiv UAN Uraustronesisch
PP Prpositionalphrase bers. bersetzung
PPP Partizip Perfekt Passiv (Partizip II) UCAM University of Cambridge, UK
Prd., prd. Prdikat, prdikativ UCLA University of California Los Angeles
Prp., prp. Prposition(al) u. d. T. unter dem Titel
Prs., prs. Prsens, prsentisch ugs. umgangssprachlich
Prt., prt. Prteritum, prterital UK United Kingdom
Pron. Pronomen, pronominal ukr. ukrainisch
prov. provenÅalisch Univ. Universitt, University, Universit,
PSG Phrasenstrukturgrammatik Universiteit
REST revidierte erweiterte Standardtheorie u. ç. und çfter
S Satz UPenn University of Pennsylvania
S1 Erstsprache urspr. ursprnglich
S2 Zweitsprache USC University of Southern California
Sanskr. Sanskrit u. U. unter Umstnden
SB Strukturbeschreibung (in der GG) u. v. a. und viele(s) andere
SBer. Sitzungsbericht u. v. m. und vieles mehr
sc. scilicet (lat. nmlich) u.Z. unserer Zeitrechnung
SFB Sonderforschungsbereich V Vokal
Sg., sg. Singular(isch) v.a. vor allem
SIL Summer Institute of Linguistics. Vb., Vbb. Verb(en)
Dallas. vel. velarisiert
skr. serbokroatisch verçff. verçffentlicht
SLE Societas Linguistica Europea vgl. vergleiche
Slg. Sammlung vollst. vollstndig
Soc. Societas, socit, society VP Verbalphrase
sog. sogenannt Vp. Versuchsperson
SOV Subjekt-Objekt-Verb vs. versus (lat. gegen(ber))
SPb. Sanktpeterburg VSO Verb-Subjekt-Objekt
spez. speziell(e/er) v.u.Z. vor unserer Zeitrechnung
Spr. Sprache WB Wortbildung
SSG Sondersammelgebiet Wb., Wbb. Wçrterbuch, Wçrterbcher
Stgt. Stuttgart WCCFL West Coast Conference on Formal
sth. stimmhaft Linguistics
stl. stimmlos Wiss., wiss. Wissenschaft(lich)
Subj. Subjekt WP(L) Working Papers (on Linguistics)
Subst., subst. Substantiv(isch), substantiviert z. B. zum Beispiel
Suppl. Supplement ZAS Zentrum fr Allgemeine Sprach-
SV Strukturvernderung (in der TG) wissenschaft, Typologie und
SVO Subjekt-Verb-Objekt Universalienforschung. Berlin
temp. temporal Zf. Ziffer
TG Transformationsgrammatik Zs., Zss. Zeitschrift(en)
TiLT Tools in Linguistic Theory zus. zusammen
TIT Tokyo Institute of Technology zw. zwischen
XVI Abkrzungen

Allgemein verwendete Symbole


In diesem Lexikon wird fr die Schreibung phonetischer Einheiten das Internationale Phonetische Alphabet
verwendet. Es ist in den Abbildungen auf S. 47–48 dargestellt. Darber hinaus kommen folgende Zeichen
und Symbole vor:
# Morphemgrenze a<b 1. a wird aus/entsteht aus b
## Wortgrenze 2. a kleiner als b
*  Asterisk: a>b 1. b wird aus/entsteht aus a
1. ungrammatischer Ausdruck 2. a grçßer als b
2. rekonstruierte Form a^b a grçßer oder gleich b
[…] 1. phonetische Einheit(en) a%b a kleiner oder gleich b
2.  Merkmal, z. B. [€ gespannt], ‘ unendlich (im mathematischen Sinn)
[€ belebt] a;b quivalenz (›genau dann, wenn‹)
3. Dominanzrelation, z. B. [V, NP]VP ab Nicht-quivalenz, Disjunktion
oder [VPV, NP] (lies: VP domi- AB+C einfacher Pfeil:
niert V und NP) 1. Konstituente A wird zerlegt in
/…/ phonologische Einheit(en) (B, C)
K… L graphematische Einheit(en) 2. A impliziert B, C
{…} 1. morphologische Einheit(en) AB+C doppelter Pfeil: Konstituente A wird
2. alternatives Vorkommen, transformiert in (B, C)
alternative Regelanwendung ab doppelt gerichteter Pfeil: materiale
3. Mengensymbol Implikation (›wenn, dann‹)
(…) fakultatives Element a.b materiale Implikation (›wenn, dann‹)
a/b alternative Ausdrcke [ Nullelement
+ 1. Verkettungszeichen >, ‘ Konjunktion
2. Merkmal ist vorhanden, z. B. <, ~ Disjunktion
[+ sth] , ~, – Negation
€ Merkmal ist neutral, z. B. [€ sth] " Allquantor (›fr alle x gilt…‹)
– Merkmal ist nicht vorhanden, z. B. $ Existenzquantor (›es gibt wenigstens
[– sth] ein x, fr das gilt…‹)
: Vokallnge 2
1994 hochgestellte Ziffer vor einer
ā, ē, ū usw. (Makron): Vokallnge Jahreszahl in bibliographischen
’ nach Konsonantbuchstaben: Angaben: weitere Auflage
Palatalisierung (in Transkriptionen
aus slavischen u. a. Sprachen im
Bereich der frheren Sowjetunion)
XVII

Spezielle Symbole
In einigen Einzelphilologien sind vom Internationalen Phonetischen Alphabet (API) abweichende Nota-
tionskonventionen blich. Sie werden in den einschlgigen Artikeln verwendet, ohne daß eine API-Tran-
skription beigegeben ist. Insbesondere werden objektsprachliche Einheiten aus lteren Sprachstufen, deren
phonetische Realisierung unbekannt oder rekonstruiert ist, ohne Klammerungen angegeben, wie das in
historischen Grammatiken blich ist. Folgende spezielle Zeichen werden verwendet:

1. Indogermanistik, Altgermanistik, Dialektologie

r, l, m, n, h silbentragende Konsonanten e˛, ë ›geschlossenes e‹ ([e])


˚ĝ,˚ k̂ ˚ ˚ ˚ palatale Konsonanten ȩ ›offenes e‹ ([E])
u7 u consonans, Halbvokal R Runenzeichen fr das aus germ. z
Ø got. h (oder ch) + w (Labiovelar) entstandene r
o˛ (nordische Sprachen) offenes o ([O]) h1, h2, h3 idg. Laryngale
å (nordische Sprachen) offenes o ([O]) T Tenuis (stimmloser Verschlußlaut)
a˛ (nordische Sprachen) nasaliertes a V̄ Langvokal
([¼])

2. Indologie

Sog.  Tenues bzw.  Mediae aspiratae (aspirierte Plosive, Affrikaten) werden durch ein folgendes h
bezeichnet, z. B. bh (aspiriertes [b]), ph (aspiriertes [p]).  Retroflexe Konsonanten werden durch einen
subskribierten Punkt bezeichnet: t, th, d, dh, n, l, r, s.
˙ ˙ ˙ ˙ ˙ ˙ ˙ ˙
ś = palataler Frikativ (ˆ) Ç = palataler Nasal (fi)
j = stimmhafte palatale Affrikate (dZ) m = Nasal im Wort- bzw. Silbenauslaut (˛; wie ṅ,
c = stimmlose palatale Affrikate (tS) ˙ jedoch stellungsgebunden)
r = silb. r (kein eig. Zeichen; r) x = hinterer velarer Frikativ (X)
ṅ˚ = velarer Nasal (˛) ’

3. Semitistik

h ([]) pharyngaler stimmloser Frikativ s ([s~]) velarisiert


ċ˙ ([?]) pharyngaler stimmhafter Friaktiv z˙ ([z~]) velarisiert
h ([x]) velarer stimmloser Frikativ t˙ ([t~]) velarisiert
ġ¯ ([ª]) velarer stimmhafter Frikativ ˙d ([d ~]) velarisiert
ś lateraler alveodentaler Frikativ t˙ ([T]) interdentaler stimmloser Frikativ
Ð ([S]) palataler stimmloser Sibilant ¯d ([D]) interdentaler stimmhafter Frikativ
ž ([Z]) palataler stimmhafter Sibilant b¯ spirantisierte Aussprache
ǧ ([dZ]) prpalatale stimmhafte Affrikate k¯ spirantisierte Aussprache
¯

4. Kaukasiologie

a. hochgestellter Punkt nach einem


Vokalzeichen: Pharyngalisierung
c Punkt unter einem Konsonantenzei-
˙ chen: Glottalisierung
k Kreis hochgestellt neben einem
Konsonantenzeichen: Labialisierung
XVIII

Siglen von Periodica und Handbchern


AI Artificial Intelligence. Amsterdam. BSLP Bulletin de la Socit de Linguis-
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AJPh American Journal of Philology. CJL Canadian Journal of Linguistics.
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AKM Abhandlungen fr die Kunde des CJP Canadian Journal of Philosophy.
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AKUP Arbeiten des Kçlner Universalien- CLA Codices Latini Antiquiores. Oxford.
projekts. Kçln. CLS Papers from the Regional Meeting,
AL Acta Linguistica Hafnensia. Inter- Chicago Linguistic Society.
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ALH Acta Linguistica Academiae Scien- Conference on Computational
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d’Ethnologie et de Linguistique. fr Deutschlehrer aller Schulformen
Internationale Zeitschrift fr in Ausbildung und Praxis. Frank-
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ArchL Archivum Linguisticum. A Review DL Deutsch lernen. Zeitschrift fr den
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General Linguistics. Neue Serie. Arbeitnehmern. Ingelheim, Balt-
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ASNS Archiv fr das Studium der neueren poraine Vincennes. Paris.
Sprachen. Berlin. DS Deutsche Sprache. Zeitschrift fr
AU Der altsprachliche Unterricht. Theorie, Praxis, Dokumentation.
Arbeitshefte zu seiner wissenschaft- Mnchen.
lichen Begrndung und praktischen DSA Die Sprachen Afrikas. Hg. von
Gestalt. Velber. B. Heine, T. C. Schadeberg und
AUC Acta Universitatis Carolinae. Philo- E. Wolf. Hamburg 1981.
logica. Prag. DU Der Deutschunterricht. Beitrge zu
BBS Behavioral and Brain Sciences. seiner Gestaltung und wissenschaft-
Cambridge. lichen Grundlegung. Velber.
BGBl Bundesgesetzblatt. Berlin. DVjs Deutsche Vierteljahrsschrift fr
BJPS British Journal for the Philosophy Literaturwissenschaft und Geistes-
of Science. Oxford. geschichte. Halle, spter Stuttgart.
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BL Bibliographie Linguistique. Publie Germaniques. Paris.
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Les noms propres. Ein internationa- arbeit von Wolfgang Kesselheim &
les Handbuch zur Onomastik / An Stavros Skopeteas, 2000. Bd. 2 in
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HSK 12 Kontaktlinguistik / Contact Linguis- on the Evolution of the Study of
tics / Linguistique de contact. Ein Language from the Beginnings to the
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Handbook of Contemporary Re- forschung von den Anfngen bis
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von Hans Goebl, Peter H. Nelde, Niederehe & Kees Versteegh. 3 Bde.
Zdenek Stary & Wolfgang Wçlck. 2000, 2001, 2007.
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HSK 13 Semiotik / Semiotics. Ein Handbuch internationales Handbuch. Hgg. von
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MU Muttersprache. Zeitschrift zur Pflege RGA Reallexikon der Germanischen
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Universitt). Gçttingen. RLR Revue de Linguistique Romane.
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NMWP Neusprachliche Mitteilungen aus RomGG Romanistik in Geschichte und
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XXIV Siglen von Periodica und Handbchern

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SaS Slovo a slovesnost. Prag. Linguistic Association. New York.
SbBAW Sitzungsberichte der Bayerischen WPSS Working Papers in Scandinavian
Akademie der Wissenschaften, Syntax. Lund.
Philosophisch-historische Klasse. WW Wirkendes Wort. Deutsches Sprach-
Mnchen. schaffen in Lehre und Leben. Ds-
Sb AW Sitzungsberichte der sterreichi- seldorf.
schen Akademie der Wissenschaften. WZ Wissenschaftliche Zeitschrift
Philosophisch-historische Klasse. [Potsdam: WZPHP, Berlin:
Wien. WZUB, Greifswald: WZUG,
SBS Studienbibliographien Sprach- Halle-Wittenberg: WZUH, Jena:
wissenschaft. Heidelberg. WZUJ, Leipzig: WZUL, Rostock:
SbSAW Sitzungsberichte der Schsischen WZUR].
Akademie der Wissenschaften zu YPL York Papers in Linguistics. York.
Leipzig, Philologisch-historische ZAA Zeitschrift fr Anglistik und Ameri-
Klasse. Berlin. kanistik. Berlin.
SdG Sprache der Gegenwart. Dsseldorf. ZASPIL ZAS Papers in Linguistics. Berlin.
Semiotica Semiotica. Revue publie par ZCPh Zeitschrift fr Celtische Philologie.
l’Association internationale de Tbingen.
Smiotique / Journal of the Inter- ZD Zielsprache Deutsch. Zeitschrift fr
national Association for Semiotic Unterrichtsmethodik und angewandte
Studies. The Hague. Sprachwissenschaft. Mnchen.
SG Studia Grammatica. Berlin. ZDL Zeitschrift fr Dialektologie und
SgL Sprachtheorie und germanistische Linguistik. Wiesbaden.
Linguistik. Debrecen. ZDPh Zeitschrift fr deutsche Philologie.
SiL Studies in Linguistics. Dallas, TX. Berlin.
SL Studium Linguistik. Kronberg. ZDMG Zeitschrift der deutschen morgen-
SNPh Studia Neophilologica. A Journal of lndischen Gesellschaft. Hamburg.
Germanic and Romance Philology. ZDS Zeitschrift fr deutsche Sprache.
Stockholm. Berlin.
Sprache Die Sprache. Zeitschrift fr Sprach- ZDW Zeitschrift fr deutsche Wort-
wissenschaft. Wien. forschung. Straßburg.
Sprachw. Sprachwissenschaft. Heidelberg. ZES Zeitschrift fr Eingeborenen-Spra-
STZ Sprache im technischen Zeitalter. chen. Berlin.
Kçln. ZfdPh Zeitschrift fr deutsche Philologie.
S&P Sprache und Pragmatik. Lund. Berlin.
SuS Sprache und Sprechen. Frankfurt ZFF Zeitschrift fr Fremdsprachen-
a. M. forschung. Bochum.
TCLC Travaux du Cercle Linguistique ZfG Zeitschrift fr Germanistik. Berlin,
de Copenhague. Kopenhagen. Bern, Frankfurt a.M.
TCLP Travaux du Cercle Linguistique ZfM Zeitschrift fr Mundartforschung.
de Prague. Prag. Wiesbaden.
TESOL Teachers of English to Speakers ZfO Zeitschrift fr Ortsnamenforschung.
of Other Languages Quartely. Berlin.
Washington. ZFSL Zeitschrift fr Franzçsische Sprache
TL Theoretical Linguistics. Berlin, New und Literatur. Wiesbaden.
York. ZGL Zeitschrift fr Germanistische
TLP Travaux Linguistiques de Prague. Linguistik. Berlin.
Prag. ZM Zeitschrift fr (hoch)deutsche
TPhS Transactions of the Philological Mundarten. Berlin.
Society. Oxford. ZPhAS Zeitschrift fr Phonetik und allge-
UCAM-CL-TR Technical Report Univ. of meine Sprachwissenschaft. Berlin.
Cambridge Computer Laboratory. ZPSK Zeitschrift fr Phonetik, Sprachwis-
Cambridge. senschaft und Kommunikations-
UCLWPL University College London Working forschung. Berlin.
Papers in Linguistics. London. ZRPh Zeitschrift fr Romanische Philolo-
VJa Voprosy jazykoznanija. Moskva. gie. Tbingen.
Siglen von Periodica und Handbchern XXV

ZPhon Zeitschrift fr Phonetik, Sprach- ZSlPh Zeitschrift fr slavische Philologie.
wissenschaft und Kommunikations- Heidelberg.
forschung. Berlin. ZVS Zeitschrift fr Vergleichende
ZS Zeitschrift fr Sprachwissenschaft. Sprachforschung auf dem Gebiet
Gçttingen. der indogermanischen Sprachen.
ZSem Zeitschrift fr Semiotik. Tbingen. Begrndet von A. Kuhn. Gçttingen
ZSl Zeitschrift fr Slavistik. Berlin. (auch: Kuhns Zeitschrift).
XXVI Siglen von Periodica und Handbchern

Siglen hufig zitierter Literatur


Um den Umfang des Lexikons in Grenzen zu halten, werden einige der am hufigsten zitierten Werke
abgekrzt zitiert. Hat ein Werk mehrere Auflagen, wird die verwendete Auflage durch eine hochgestellte
Ziffer nach der Sigle fr das betreffende Werk bezeichnet, denn in den Artikeln des Lexikons ist – aus
unterschiedlichen Grnden – nicht immer die letzte Auflage des jeweiligen Werks zitiert.

Bhler, Sprachtheorie K. Bhler, Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Jena 1934.
Stgt. 21965.
Chomsky, Aspects N. Chomsky, Aspects of the Theory of Syntax. 1965. Dt. Aspekte der Syntax-
Theorie. bers. von E. Lang. Ffm. 1968 u.ç.
Duden Gr5 Duden Grammatik der dt. Gegenwartssprache. Mannheim, Lpz., Wien, Zrich
5
1995.
Duden Gr6 Duden. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Mannheim, Lpz., Wien,
Zrich 61998.
Duden Gr7 Duden. Die Grammatik. Mannheim, Lpz., Wien, Zrich 72005.
Duden Gr8 Duden. Die Grammatik. Mannheim, Lpz., Wien, Zrich 82 009.
Duden Gr9 Duden. Die Grammatik. Berlin 92 016.
Eisenberg I, II P. Eisenberg, Grundriß der dt. Grammatik. Bd. I: Das Wort. Bd. II: Der Satz.
Stgt., Weimar 42013.
Fleischer & Barz WB2 W. Fleischer & I. Barz, Wortbildung der dt. Gegenwartssprache. Tbingen
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1995, 42012.
GB N. Chomsky, Lectures on Government and Binding. Dordrecht 1981.
Ggwdt.2 H. Glck & W. W. Sauer, Gegenwartsdeutsch. Stgt., Weimar 21997.
Greenberg3 J. H. Greenberg, The Languages of Africa. Bloomington 31970.
Haegeman, 2GB L. Haegeman, Introduction to Government and Binding Theory. Oxford 21998.
Heidolph, Grundzge K. E. Heidolph, W. Flmig & W. Motsch, Grundzge einer dt. Grammatik. Bln.
1981.
Helbig & Buscha17 G. Helbig & J. Buscha, Dt. Grammatik. Ein Handbuch fr den Auslnder-
unterricht. Lpz., Bln., Mchn. 171996. Neubearbeitung 22002.
Mller, GT S. Mller, Grammatical Theory: From Transformational Grammar to Con-
straint-Based Approaches. Bln. 2015. [URL: http://langsci-press.org/catalog/
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Ross, CVS J. R. Ross, Constraints on Variables in Syntax. Cambridge, Mass. 1967 [er-
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Saussure, Cours F. de Saussure, Cours de linguistique gnrale. Paris/Lausanne 1916. Dt. u. d. T.
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SPE N. Chomsky & M. Halle, The Sound Pattern of English. N. Y. 1968.
Abecedarium 1

Aachener Aphasie-Test (Abk. AAT) Deutschspra- Aufbau einer exakten Spr. soll die  Abbildung der
chiger Test zur klin. Diagnose von erworbenen Wirklichkeit gewhrleistet sein. (e) Der Rationalis-
Sprachbeeintrchtigungen durch Hirnschdigung mus (J. F. Herbart, O. Klpe, N. Hartmann) versteht
ab der postakuten Phase ( Aphasie). Der aus sechs die A. in dem Sinne, dass nicht die wirkl. Dinge
Untertests bestehende AAT kann in 60 bis 90 Minu- wahrgenommen werden, sondern nur ihre Abbilder
ten durchgefhrt werden und eignet sich zur Mes- dem Bewusstsein zugngl. sind. Auf die Beschaf-
sung des Schweregrades der Sprachstçrung sowie fenheit der Wirklichkeit kann von den Abbildern
zur Verlaufskontrolle whrend der Sprachtherapie. her hypothet. geschlossen werden. PR
Lit. W. Huber et al., Aachener AphasieTest. Gçttin- Abbildung 1. Bildl. oder sprachl. Darstellung eines
gen 1983. MR Gegenstandes oder Sachverhalts. 2. In der  analyti-
Aari  Omotische Sprachen schen Sprachphilosophie (Wittgenstein, Tractatus)
A-bar-Position  A-Position,  Argument versteht man unter A., dass die Stze die Form der
Abasa (auch: Abasinisch. Eigenbez. abaza (b@zÐ a)) Welt darstellen. Ausgehend von der ontolog. Vor-
 Westkaukasische Sprache, ca. 38 000 Sprecher stellung, dass sich die Welt in komplexe und ein-
(2002) im Kubangebiet bei Tscherkessk, unbekann- fache Tatsachen gliedert, soll durch den Aufbau
te Zahl in der Trkei. Schriftspr., lat., heute kyrill. einer  idealen Sprache sichergestellt werden, dass
Schrift mit Zusatzzeichen. Karte  Kaukasische der Aufbau der Spr. den Aufbau der abgebildeten
Sprachen, im Anhang. Lit. A. Genko, Abazinskij Tatsachen wiedergibt. Die Tatsachen, die sich aus
jazyk [Das A.]. M., L. 1955. – K. Bouda, Das einfachen Dingen, d. h. Objekten und Attributen,
Abasin., eine unbekannte abchas. Mundart. ZDMG zusammensetzen, sollen durch einfache Terme fr
94, 1940, 234–250. – W. S. Allen, Structure and einfache Dinge und durch den log.-formalen Satz-
System in the Abaza Verbal Complex. TPhS 1956, bau den objektiven Zusammenhang der Sachverhal-
127–176. – K. Lomtatidze & R. Klychev, Abaza. te abgebildet werden. Der log. Satz widerspiegelt
ILC 2, 89–154. BO die log. Form der Wirklichkeit insofern, als alle
Abasinisch  Abasa mçgl. Verbindungen seiner Einzelzeichen mçgliche
Abbildtheorie Bez. fr unterschiedl. Theorien der Komplexe der entsprechenden Entitten der Wirk-
Erkenntnis mit den gemeinsamen Grundannahmen lichkeit vertreten. Jeder mçgl. Konfiguration dieser
einer vom Bewusstsein unabhngigen, objektiv Entitten muss eine mçgl., richtig gebildete Verbin-
existierenden Wirklichkeit und einer Bewusstseins- dung von Symbolen entsprechen. Nach diesem Ver-
leistung des menschl. Verstandes oder einer sprachl. stndnis stellen Stze isomorphe A. als mçgl. Sach-
Darstellung, durch die die Wirklichkeit oder deren verhalte dar. PR
log. Form abgebildet wird. Hinsichtl. des Abbil- Abbreviation  Abkrzung
dungscharakters lassen sich positionale Unterschei- Abbreviatur  Abkrzung
dungen anfhren: (a) Die naiv-realist. A. geht da- Abbruch  Anakoluth
von aus, dass im Bewusstsein die Abbilder der ABC-Buch  Fibel
wirkl. Dinge erscheinen. Die griech. Atomisten Abchasisch (Eigenbez. pswa (b@zÐ a), georg. ap-
Leukipp und Epikur fassen es in eine Vorstellungs- xazuri (ena))  Westkaukasische Sprache, ca. 98 500
theorie, wonach die Gegenstnde unsichtbare Bilder Sprecher (1989) in Abchasien (Georgien, nçrdl. und
in Form von Atomgruppen aussenden, die ber die sdl. von Suchum(i)) und Russland, unbekannte
Sinnesorgane aufgenommen und zu unmittelbaren Zahl in der Trkei. Schriftspr. lat., georg., seit
Gegenstnden der Wahrnehmung werden. (b) Im 1954 kyrill. Schrift mit Zusatzzeichen. Karte  Kau-
Empirismus der Neuzeit wird der A. ein Affektions- kasische Sprachen, im Anhang. Lit. G. Hewitt (in
modell zugrunde gelegt: Ein passives Affiziertwer- Collaboration with Z. H. Khiba), Abkhaz (= Lingua
den durch die ›primren Qualitten‹ (J. Locke) fhrt Descriptive Studies 2). Amsterdam 1979. – B. G.
zur Abbildung der Gegenstnde im Verstand. (c) Hewitt, Abkhaz. ILC 2, 37–88. – V. A. Chirikba,
Der histor.-dialekt. Materialismus (W. I. Lenin, I. P. Abkhaz. Mchn. 2003. BO
Pawlow, S. L. Rubinstein) erweitert die bloß rezep- Abchasisch-tscherkessische Sprachen  West-
tive Abbildung um den Handlungsaspekt: Die sozial kaukasische Sprachen
determinierte psych. Ttigkeit des Gehirns fhrt zu Abduktion (lat. abdūcere ›wegfhren‹) Verfahren
einer histor. vermittelten vorstellungsmßigen Re- des log. Schließens: Herleitung einer Hypothese,
produktion der materiellen Objekte. Die Anforde- die einen Einzelfall betrifft, aus einer allgemein-
rungen der gesellschaftl. Handlungspraxis bestim- gltigen Aussage und einer Einzelaussage: Alle
men die Selektion der Abbilder. Die isomorphe Menschen mssen sterben. Friedrich Nietzsche
Entsprechung von Abbildung und objektiver Reali- war ein Mensch. Friedrich Nietzsche ist gestor-
tt wird als subjektive Widerspiegelung der objekti- ben. G, SO
ven Wirklichkeit im menschl. Bewusstsein begrif- Abecedarium n. Vorlufer der  Fibel. Das A. wur-
fen. (d) In der analyt. Sprachphilosophie (L. Witt- de als Buch im  Anfangsunterricht eingesetzt. Es
genstein) wird die semant. Funktion der Spr. allein machte Lehrer, Schler und Autodidakten mit den
in ihrer Abbildungsfunktion gesehen. Durch den Formen und Namen der  Buchstaben vertraut. Die

H. Glück, M. Rödel (Hrsg.), Metzler Lexikon Sprache,


DOI 10.1007/978-3-476-05486-9_1, © 2016 J. B. Metzler Verlag GmbH, Stuttgart
2 Abecedarium

didakt.-method. Konzeption des A. ging von der beobachten


Annahme aus, dass das  Lesen ident. sei mit der
Fhigkeit, Buchstaben richtig zu identifizieren und Kinder Enten
sie in Sprachlaute umzusetzen. GI, KL, SO
Abessinisch  Ge’ez spielende fliegende
Abessiv (lat. abesse ›abwesend, nicht da sein‹.
Auch: Karitiv)  Kasus z. B. in finnougr. Spr. mit V
der Kasusbedeutung ›Nichtvorhandensein‹, z. B.
Finn. {-tta}, {-tt}, z. B. talotta ›ohne Haus‹, syytt N N
›ohne Grund‹. G
Abfolge  Wortstellung Adj Adj
Abgeleitetes Wort  Ableitung
Abglitt (engl. off-glide, release, frz. dtente) Nach Ein Unterschied zwischen einem dependentiellen A.
der Vorstellung der frhen Experimentalphonetiker und einem (Phrasen-)Strukturbaum besteht darin,
(bis zum 1. Drittel des 20. Jh.) der schnelle artiku- dass Ersterer Beziehungen zwischen Wçrtern,
lator. bergang von der Haltephase (engl. steady- Letzterer Beziehungen zwischen syntakt. Konsti-
state, frz. tenue; d. h. die ber eine gewisse Zeit tuenten (die umfangreicher sein kçnnen als Wçrter)
beibehaltene, fr einen best. Sprachlaut charakte- darstellt, Ersterer mit dem Verb als dominierender
rist. Artikulationsstellung) in die Ruhelage bzw. Kategorie, Letzterer mit der Satzkategorie als grçß-
zum folgenden Laut. Parallel dazu der Anglitt ter Konstitutente an der Spitze. Lit.  Dependenz-
(engl. on-glide, frz. tension) als schnelle Bewegung grammatik. WK
der Artikulatoren aus der Ruhe- bzw. Ausgangslage Abhngigkeitsgrammatik  Dependenzgrammatik
hin zur spezif. Position des entsprechenden Sprach- Abhngigkeitshypothese In der lteren  Schrift-
lauts. An- und Abglitt galten als eigentl. Sprechteil, linguistik verbreitete Position, die besagt, dass
die Haltephase als Singteil bei der Artikulation.  Schrift bzw. die  geschriebene Sprachform einer
Sptere Untersuchungen (z. B. P. Menzerath & A. Spr. kein Forschungsgegenstand eigenen Rechts,
de Lacerda, Koartikulation, Steuerung und Lautab- sondern eine sekundre und minderwertige Aus-
grenzung. Bln. 1933) zeigten, dass bei der Sprach- drucksform der  gesprochenen Sprachform darstel-
produktion von grundstzl. kontinuierl. Bewegun- le. Besonders nachdrcklich wurde diese Auffassung
gen des Artikulationsapparats auszugehen ist. PM von den  Junggrammatikern (H. Paul, F. de Saus-
Abhngige Rede  Indirekte Rede sure) und wichtigen Vertretern des  Strukturalismus
Abhngiger Fragesatz  Indirekter Fragesatz (L. Bloomfield) vertreten. Sie wird in der neueren
Abhngiger Kasus  Casus obliquus Forschung ( Autonomiehypothese,  Interdepen-
Abhngiger Satz  Nebensatz denzhypothese) durchgngig abgelehnt, wobei viel-
Abhngigkeit (auch:  Dependenz) In der  Glosse- fach bersehen wurde, dass die A. eher als theoret.
matik L. Hjelmslevs ein allgemeiner nicht-termino- (manchmal fast ideolog.) Position und weniger als
log. verwendeter Ausdruck fr Relation. Hjelmslev method. Leitlinie vertreten wurde, denn Schriftzeug-
spricht auch von Beziehungslinien, um anzudeuten, nisse waren trotz aller Abwertung des Geschriebenen
dass es darum geht, nicht irgendwelche Entitten zu und aller Hochschtzung des Gesprochenen als »ei-
betrachten, sondern lediglich relationale Netze. T gentlicher Spr.« die wesentl. Grundlage der ling.
Abhngigkeitsbaum (auch: Stemma,  Struktur- Forschung. Lit.  Schrift,  Schriftlinguistik. G
baum) Graph. Darstellung der  Dependenzstruktur Abkhaz  Abchasisch
innerhalb der  Dependenzgrammatik. In seiner u- Abkhazo-Adyghian languages  Westkaukasische
ßeren Form ist der A. mit dem  Strukturbaum der Sprachen
 Phrasenstrukturgrammatik (PSG) ident. Er hat Abklatsch  Lehnprgung
eine Wurzel (einen Zentralknoten). Der Zentralkno- Abkrzung (auch: Abbreviation. Engl. abbreviation,
ten ist durch ste (Kanten) mit abhngigen Knoten frz. abrviation) 1. Bez. fr nur graphemat. reduzier-
( Dominanz) direkt oder indirekt verbunden. Die te Reprsentationen von Vollformen, etwa ca. fr
dominierten Knoten sind nicht durch Kanten direkt circa, bzgl. fr bezglich etc. A. sind ein Phnomen
untereinander verbunden, sondern nur ber den je- der Schriftspr, da in der Rede die Vollformen arti-
weils bergeordneten (dominierenden) Knoten. Die kuliert werden. Die Auswahl der Grapheme zeigt
Besonderheit des A. gegenber dem Strukturbaum eine Prferenz fr initiale Segmente (u. U., Abs.,
der PSG besteht darin, dass an den Knoten nur u. a.) oder Konsonantengerste (Bd., vgl., zzgl.
Endelemente (bzw.  Endsymbole) und nicht kom- MwSt.). Charakterist. ist der Punkt, der die A. signa-
plexe Symbole (wie S (Satz) bzw. CP, IP oder NP) lisiert, wenngleich auch hier unterschiedlich verfah-
auftreten. Z. B. Spielende Kinder beobachteten flie- ren wird, vgl. i. d. R. und usw. 2. Bez. fr graphemat.
gende Enten: und artikulator. reduzierte Reprsentationen von
Vollformen (meist durch deren Initialen), etwa
LKW fr Lastkraftwagen, DGfS fr Deutsche Ge-
Ablativus limitationis 3

sellschaft fr Sprachwissenschaft etc. Fr A. sind nistik (wenig trennscharfe) Bez. fr die semant.
referenzident. Vollformen konstitutiv, weshalb Ein- Funktion des  Ablativs, die Ursache, den Grund
wnde, es handele sich hier nicht um Wortbildung, des vom Verb ausgedrckten Vorgangs oder Zu-
durchaus berechtigt sind; es werden durch A. keine stands zu bezeichnen (erfragbar durch weshalb?,
Wçrter gebildet (anders: Kobler-Trill 1994, 121). weswegen?), z. B. fame interı̄re ›an Hunger zugrunde
Dennoch bleibt die Entscheidung schwierig, da vie- gehen; dolēre aliquā rē ›ber etw. Schmerz empfin-
le gekrzte Formen mit referenzident. Vollformen den‹;  dativus causae,  genitivus causae. GS
zumindest zustzl. Konnotationen haben oder ugs. Ablativus comitativus  Ablativus sociativus
markiert sind (Bib, Uni, Prof.). Werden neue Be- Ablativus comparationis (lat. comparātiō ›Ver-
deutungstrger geschaffen, liegt zumindest Wortbil- gleich‹) In der Linguistik (wenig trennscharfe)
dung durch  Krzung vor. Das Wortbildungspro- Bez. fr die semant. Funktion des  Ablativs, in
dukt wird (in Abgrenzung zu A.) i. d. R. als  Kurz- Verbindung mit einem  Komparativ das tertium
wort bezeichnet;  Akronym,  Kurzform,  Kr- comparationis eines Vergleichs zu bezeichnen
zung. Lit. D. Kobler-Trill, Das Kurzwort im Dt. (vom  ablativus mensurae nur unscharf abgrenz-
Tbingen 1994. – V. Balnat, Kurzwortbildung im bar), z. B. Nihil melius habēmus ratiōne et ōrātiōne
Gegenwartsdt. Hildesheim, Zrich, N. Y. 2011. ES ›Wir haben nichts Besseres als die Vernunft und die
Ablativ (lat. ablātus ›weggebracht‹. Auch: Separa- Redegabe‹; Platōnem sequāmur, quō nēmo fuit sa-
tiv) In vielen Spr.  Kasus mit vorwiegend adver- pientior ›Lasst uns Platon nachfolgen, dem grçßten
bialen Funktionen, ohne genau eingrenzbare Kasus- Weisen, den es je gegeben hat‹ (im Vergleich zu
bedeutung. Im Trk. ({-dan}, {-den}) ist der A. ein dem es keinen grçßeren Weisen gegeben hat)‹;  ge-
Richtungskasus mit der Kasusbedeutung ›Ortsver- nitivus comparationis,  Komparation. GS
nderung von… her‹, z. B. trk. Ankaradan, İzmir- Ablativus copiae (lat. cōpia ›Menge, Flle‹) In der
den ›aus Ankara‹, ›aus Izmir‹, auch temporal, z. B. Latinistik (wenig trennscharfe) Bez. fr die Ob-
yıldan ›aus dem Jahr, vom Jahr‹. In den finnougr. jektsablative, die nach einer kleinen (und eher im-
Spr. hat der Abl. die Kasusbedeutung ›von… weg‹, pressionist. bestimmten) Gruppe von Verben stehen,
z. B. Finn. ({-lta}, {-lt}) talolta ›vom Haus weg‹; die einen berfluss (z. B. abundāre ›im berfluss
 Lokativ, Ggs.  Allativ. In der Latinistik wird als haben‹), einen Mangel (z. B. carēre ›entbehren‹,
semant. Grundfunktion des A. die Bez. des Aus- mitunter auch als  ablativus separativus bestimmt),
gangspunktes einer Bewegung (erfragbar durch ein Angeflltsein (z. B. complēre ›vollfllen‹, mit-
›woher‹) angenommen, z. B. domō ›vom Haus‹; unter auch als  ablativus instrumenti bestimmt)
rūre ›vom Land‹; mundus ā deō gubernātur ›Die oder ein Beraubtwerden (z. B. orbāre, prı̄vāre ›be-
Welt wird von Gott gelenkt‹. Der A. gilt dort als rauben‹, mitunter auch als  ablativus separativus
Mischkasus, in dem ein idg. Separativ ( ablativus bestimmt) bezeichnen. GS
separativus),  Instrumentalis (erfragbar mit wo- Ablativus discriminis  Ablativus mensurae
durch?, womit?,  ablativus instrumenti) und  Lo- Ablativus instrumenti (lat. instrumentum ›Werk-
kativ (erfragbar mit wo, wann?;  ablativus loci) zeug‹) In der Latinistik (wenig trennscharfe) Bez.
zusammengefallen sind. Die Latinistik unterschei- (a) fr die semant. Funktion des  Ablativs, als Ad-
det darber hinaus eine Vielzahl weiterer semant. verbial ein Mittel oder Werkzeug zu bezeichnen,
Funktionen des A. (oft nicht trennscharf); sie wer- durch das die vom Verb bezeichnete Handlung rea-
den in den folgenden Eintrgen behandelt. G, GS lisiert wird (erfragbar mit wodurch?, womit?,  In-
Ablativus absolutus (›losgelçster Ablativ‹. Abk. strumental), z. B. lat. pedibus ı̄re ›zu Fuß gehen‹;
abl. abs.) Im Lat. verbreitete adverbiale Konstruk- violāre alterum nātūrae lēge prohibēmur ›Wir wer-
tion, in der (a) ein Partizip mit einem Subst. ver- den durch das Naturgesetz davon abgehalten, ande-
bunden wird (abl. abs. i. e. S.; ob das Part. attributiv re zu verletzen‹. (b) Als Objektkasus steht der a. i.
oder prdikativ aufzufassen ist, ist strittig), z. B. nach einer Reihe von  Deponentien, z. B. lat. abūtı̄
Sōle oriente virı̄ profectı̄ sunt ›Bei Sonnenaufgang lı̄bertāte ›die Freiheit missbrauchen‹; Vincere scı̄s,
(Beim Aufgehen der Sonne) machten sich die Mn- Hannibal, victōriā ūtı̄ nescı̄s ›Zu siegen verstehst
ner auf den Weg‹. (b) Statt eines Partizips kçnnen du, Hannibal, den Sieg zu nutzen nicht‹. Vielfach
auch Subst. oder Adj. bestimmter Bedeutungsgrup- wird der a. i. in die Nhe des  ablativus sociativus
pen (»verbale Bedeutung«) als abl. abs. (i. w. S.) gerckt. GS
konstruiert werden, z. B. Patre vı̄vō ›zu Lebzeiten Ablativus limitationis (lat. lı̄mitātio ›Bestimmung‹.
des Vaters‹. Der abl. abs. kann unterschiedl. Bedeu- Auch: Ablativ der Beziehung, ablativus respectus;
tung ausdrcken; neben temporalen verlangt er auch respectus ›Bercksichtigung‹) In der Latinistik (we-
modale, kausale, konzessive, konditionale u. a. In- nig trennscharfe) Bez. fr die semant. Funktion des
terpretationen, z. B. Rēbus sı̄c stantibus ›nachdem/  Ablativs, nhere Bestimmungen eines Nomina-
weil/obwohl die Dinge so stehen‹; Dracōne ab Her- lausdrucks auszudrcken, ihn eingrenzend zu cha-
cule victō ›nachdem/weil/obwohl Herakles die rakterisieren. Erfragbar ist der a. l. durch in welcher
Schlange besiegte‹. GS Beziehung, wodurch, worin?, z. B. lat. Gallı̄ omnēs
Ablativus causae (lat. causa ›Grund‹) In der Lati- linguā, ı̄nstitūtı̄s, mōribus inter sē differunt ›Die
4 Ablativus limitationis

Gallier insgesamt unterscheiden sich voneinander Preisangaben steht der  genitivus pretii. GS
im Hinblick auf Sprache, Einrichtungen und Bru- Ablativus qualitatis (lat. quālitās ›Beschaffenheit‹)
che‹. GS In der Latinistik (wenig trennscharfe) Bez. fr die
Ablativus loci (lat. locus ›Ort, Platz‹) In der Lati- semant. Funktion des  Ablativs, eine Eigenschaft
nistik Bez. fr die semant. Funktion des  Ablativs, oder Eigenheit einer Person oder Sache zu bezeich-
als adverbialer Orientierungs- oder Lagekasus nen, z. B. lat. mulier summō ingeniō ›eine hochbe-
( Lokativ i. e. S.) z. T. allein, z. T. kombiniert mit gabte Frau‹; vir eximiā pulchritūdine ›ein Mann von
den Prpositionen ab, dē ›von‹ und ex ›aus‹, eine ausnehmender Schçnheit‹;  genitivus qualitatis. GS
Ortsangabe v. a. bei Namen von Stdten, kleinen Ablativus respectus  Ablativus limitationis
Inseln u. a. auszudrcken, z. B. lat. Athēnı̄s ›in Ablativus separativus (lat. separāre ›trennen‹) In
Athen‹, Hammoniae ›in Hamburg‹. Restformen ei- der Latinistik (wenig trennscharfe) Bez. fr die se-
nes alten  Lokativs, die formal mit Genitivformen mant. Funktion des  Ablativs, nach einer Gruppe
ident. sind, sind z. B. domı̄ meae ›bei mir zu Hause‹; von Verben, die »Trennung« ausdrcken, z. T. al-
Corinthi ›in Korinth‹. GS lein, z. T. kombiniert mit den Prpositionen ab, dē
Ablativus materiae (lat. materia ›Stoff‹) In der ›von‹ und ex ›aus‹, den Gegenstand oder Sachver-
Latinistik Bez. fr die semant. Funktion des  Ab- halt zu bezeichnen, dem diese »Trennung« wider-
lativs, statt des  ablativus instrumenti den Stoff, fhrt, z. B. lat. orbāre lı̄berı̄s ›der Kinder berauben‹
aus dem etwas besteht oder gefertigt ist, zu bezeich- ( ablativus copiae); sē abstinēre ab iniūriā ›sich
nen, der als eine Art Mittel betrachtet wird, so mit- eines Unrechts enthalten‹. GS
unter bei constare ›bestehen aus‹, consistere ›dass.‹ Ablativus sociativus (lat. sociāre ›vereinigen, in
facere ›tun, machen‹, mitunter in unmittelbarer Ab- Gesellschaft etwas tun‹. Auch: ablativus comitati-
hngigkeit von einem Substantiv, z. B. faber parie- vus; comitātus ›Begleitung‹) In der Latinistik (we-
tes calce et caementis faciat (Cato R. R. 14,1) ›Der nig trennscharfe) Bez. fr die semant. Funktion des
Baumeister soll die Wnde aus Kalk und Mauer-  Ablativs, ein »Zusammensein« ( Komitativ) oder
steinen verfertigen‹. GS eine Begleiterscheinung einer Handlung (hier mit
Ablativus mensurae (lat. mēnsūra ›Maß‹. Auch: der Prp. cum ›mit‹) zu bezeichnen; er gilt als
Ablativ der Maßes, ablativus discriminis; discrı̄men Spezialfall des  ablativus modi und des  ablativus
›Unterschied, Entscheidung‹) In der Latinistik Bez. qualitatis, z. B. lat. omnibus cōpiı̄s proficı̄scı̄ ›mit
fr die semant. Funktion des  Ablativs, in Verglei- allen Truppen aufbrechen‹; cum cūrā ›sorgfltig‹;
chen auszudrcken, in welchem Maß/Grad sich die cum aliquō esse ›mit jdm. zusammensein‹. GS
verglichenen Gegenstnde, Personen oder Sachver- Ablativus temporis (lat. tempus ›Zeit‹) In der Lati-
halte voneinander unterscheiden (vom  ablativus nistik Bez. fr die semant. Funktion des  Ablativs,
comparationis nur unscharf abgrenzbar), erfragbar Zeitpunkte (erfragbar mit wann?) oder Zeitspannen
mit um wieviel?. Er fungiert als Adverbial zu einem (erfragbar mit innerhalb welcher Zeit?) zu bezeich-
 Komparativ oder einem Vergleichsausdruck, z. B. nen, z. B. ı̄dibus Mārtiı̄s ›an den Iden des Mrz‹ (=
lat. Hominēs quō plūra habent, eō ampliōra cupiunt am 15. Mrz); paucı̄s diēbus ›innerhalb weniger
›Je mehr die Menschen haben, desto mehr begehren Tage‹. GS
sie‹;  Komparation. GS Ablaut (auch: Apophonie. Engl. ablaut, apophony,
Ablativus modi (lat. modus ›Art und Weise‹) In der vowel gradation, frz. apophonie) Von J. Grimm
Latinistik (wenig trennscharfe) Bez. fr die semant. (1785 –1863) geprgter Begriff zur Bez. der mor-
Funktion des  Ablativs, als Adverbial (a) eine Ver- phonolog. geregelten Vokalalternation in Flexion
fahrensweise oder Absicht (z. B. lat. nūllō modō und Wortbildung der  indogermanischen Sprachen.
›auf keine Weise‹) und (b) einen kçrperl. oder Beim idg. A. handelte es sich um eine im Ursprung
seel. Zustand (z. B. aequō animō ›mit Gelassen- rein kontextbedingte, sekundr jedoch grammatika-
heit‹) zu bezeichnen. Schließlich werden einige (ad- lisierte Vokalalternation zwischen e : ø (Vollstufe
verbiale) Phraseologismen unter den a. m. gerech- vs. Schwundstufe, »qualitativer A.« resp. »Abstu-
net, z. B. iūre ›mit Recht‹. GS fung«) einerseits sowie e : o (Normalstufe vs. Abtç-
Ablativus originis (lat. orı̄gō ›Abstammung‹) In der nungsstufe, »qualitativer A.« resp. »Abtçnung«) an-
Latinistik Bez. fr die semant. Funktion des  Ab- dererseits. Die urspr.  Allophonie wurzelte in den
lativs, als Attribut oder Prdikativum die Herkunft Akzentverhltnissen des Uridg., wobei dynam. Ak-
einer Person zu bezeichnen, z. B. lat. summō ortus zent fr die Abstufung e : ø, musikal. Akzent fr die
locō ›von hçchstem Stand‹. GS Abtçnung e : o verantwortl. zu sein scheint. Die
Ablativus pretii (lat. pretium ›Preis‹) In der Latinis- zum quantitativen A. gehçrige und frher als primr
tik (wenig trennscharfe) Bez. fr die semant. Funk- angesehene Dehnstufe (ē, ō) ist erst durch morpho-
tion des  Ablativs, nach »Verben des geschftl. Ver- log.  Analogie entstanden. Aufgegeben ist heute
kehrs« eine Preis- oder Wertangabe auszudrcken, die Annahme primrer nicht auf e basierender
z. B. lat. agrı̄ magnō emuntur ›Grundstcke werden A.reihen ( Laryngaltheorie). Durch die bertra-
teuer gekauft‹; vgl. dt. gratis ›umsonst‹ < lat. grātiı̄s gung grammat. Funktionen vom idg. freien Akzent
›um bloßen Dank‹. Bei vergleichenden Wert- oder auf die ablautende Silbe wurden die A.varianten in
Ableitung 5

2
Wortbildung (nhd. fließen : Fluss, lat. tegō : tōga) 2010. – J. Clackson, Indo-European Linguistics.
und Flexion, Letzteres bes. in der Flexionsstamm- Cambridge 2007. – M. Meier-Brgger, Idg. Sprach-
bildung des germ.  starken Verbs (vgl. nhd. singen wiss. Bln. 82002. RK
– sang – gesungen, ne. sing – sang – sung), mor- Ablautreihe  Ablaut
phologisiert. Wegen ihrer Systematisierung des A. Ableitung (auch: Derivation. Engl. derivation, frz.
klassifiziert man die starben Vbb. nach dem A.ver- drivation) 1. Einer der vier Haupttypen der  Wort-
halten. Dabei basieren die Klassen (»A.reihen«) 1.– bildung. Als A. wird sowohl der Prozess als auch
5. auf dem Prs.vokal germ. e, Klasse 6. auf (sekun- das Ergebnis des Prozesses ( Derivat) benannt. Als
dr entstandenem,  Laryngaltheorie) germ. a. Die Wortbildungsprozess bezeichnet A. das Anfgen
7. Klasse (auch: »reduplizierende Vbb.«), die als eines  Affixes an eine  Ableitungsbasis, z. B. un-
einzige die idg. Perfektreduplikation bis ins Frh- fein, ent-lehnen, Ur-vater, nder-ung, ess-bar. Es
germ. bewahrt, behlt den A. nur in einigen Unter- ist umstritten, ob die  Konversion, ( Nullmor-
klassen als zustzl. Tempus-Modus-Marker. Nach- phem) und die  Prfixbildung zur A. gerechnet
dem die Reduplikation in den meisten altgerm. Ein- werden oder eigene Typen der Wortbildung darstel-
zelspr. verlorengeht, entwickeln sich allerdings se- len. – Von der  Flexion wird A. durch folgende
kundre A.schemata (got. haitan : haihait vs. ahd. Kriterien unterschieden: (a) Bildung eines Wortes,
heizzan : hiez > nhd. heißen : hieß). Whrend das nicht einer Wortform, (b) Vernderung der Bedeu-
Bildungsprinzip der 6. und 7. Klasse ganz unter- tung, (c) hufig Vernderung der syntakt. Kategorie,
schiedl. Herkunft ist, liegt den Hauptreihen 1.–5. (d) eingeschrnkter Anwendungsbereich. Diese Kri-
der starken Vbb. im Wesentl. das Schema der idg. terien werden nicht immer alle erfllt, und es lassen
themat. Prsentien zugrunde; der Systemzwang be- sich bergangsbereiche finden, z. B. Bildung des
dingte aber tiefgreifende Umstellungen. Bspw. ord-  Komparativs oder des russ.  Aspekts. Von der
nen sich wegen des Lautwandels enh > inh > ı̄h  Komposition unterscheidet sich A. dadurch, dass
einige urspr. in die 3. A.reihe gehçrige Nasalprsen- das  Ableitungsaffix nicht frei vorkommt und nicht
tien und Nasalwurzeln (idg. *tenk- ›gerinnen‹: aind. basisfhig ist. Bei suffigaler A. gilt das Affix als
tankti vs. urgerm. *enha- > ahd. thı̄han > nhd. ge-  Kopf des Derivats, bei A. mittels  Prfix ist dies
deihen) in die 1. A.reihe ein. Die Stammformen strittig. – Ein abgeleitetes Wort kann seinerseits
(A.varianten) des germ. starken Vb. lassen sich A.basis sein, z. B. Sache, sach-lich, ver-sachlichen,
nach folgenden Referenzkategorien (Averbostellen) Versachlich-ung. A. lassen sich klassifizieren: (a)
unterscheiden: (a) Inf. und Prs. – (b) Ind. Prt. Sg. nach formalen Kriterien:  explizite A., d. h. A.
– (c) Sonstiges Prt. – (d) PPP. Demzufolge ergeben durch  Affigierung, und  implizite A., d. h. A.
sich folgende urgerm. A.varianten: (1) ı̄-ai-i-i (germ. durch Stammvokalwechsel wie bei schießen
*rı̄da- > nhd. reiten), (2) eu-au-u-u (germ. *beuda- > R Schuss; (b) nach der Wortart des Derivats: sub-
nhd. bieten), (3) eRK-aRK-uRK-uRK (germ. *wera- stantivische A. wie Heiter-keit, Un-glck; adjektivi-
> nhd. werden), (4) eR-aR-ēR-uR (germ. *nema- > sche A. wie berg-ig, bedroh-lich, un-genießbar;
nhd. nehmen), (5) eK-aK-ēK-eK (germ *geba- > nhd. verbale A. wie be-reifen, er-hellen, kontroll-ieren;
geben), (6) aK-ōK-ōK-aK (germ. *fara- > nhd. fah- (c) nach der Wortart der Basis:  denominale A. wie
ren). Ablautende deverbale Wortbildungen lassen Mnn-lein, staub-ig, marsch-ieren;  deverbale A.
sich in der Regel auf best. Stammformen des starken wie ver-mischen, Lehr-er;  deadjektivische A. wie
Vb. zurckfhren, etwa kausative schwache Vbb. 1. ver-dunkeln, Heiter-keit, grn-lich;  deonymische
auf die Averbostelle b (starkes Vb. *drinkan ›trin- A. wie merkel-n, mendel-sch, Barzel-ei, be-meiern;
ken‹ : *drank ›ich trank‹ > schwaches Vb. *drankjan  deappellative A. wie mensch-lich;  denumerale
> nhd. trnken) oder Verbalabstrakta auf die Aver- A. wie Eins-er, Hundert-schaft; (d) nach der se-
bostelle c (*geutan ›gießen‹ : *gutum ›wir gossen‹ > mant. Funktion der A. ( Wortstand), z. B.  Perso-
*guti- ›Guss‹). – In der jngeren dt. Sprachgeschich- nenbezeichnungen wie Rauch-er, Biolog-e, Kon-
te wird die A.systematik in Wortbildung und Flexion troll-eur;  Instrumentativa wie Bohr-er, Ge-bls-e;
zunehmend aufgelçst. Das bersichtl. germ. A.sys-  Ornativa wie be-reifen, ver-glasen. – Histor. ent-
tem der starken Vbb. blht sich durch lautl. Entwick- stehen A. hufig aus  Komposita, in denen ein
lungen zu einer Vielzahl von A.reihen auf, anderer- Glied reihenbildend ist und phonet. abgeschwcht
seits fhrt v. a. der paradigmat. Ausgleich zwischen wird ( Affixoid,  Grammatikalisierung). In der
der 2. und 3. Averbostelle zu einem Abbau der A.va- psycholing. Forschung ist die Frage umstritten, ob
rianten (altertml. ich ward : wir wurden > ich wurde A. im  mentalen Lexikon als unanalysierte Einhei-
: wir wurden; ich fand : wir funden > ich fand : wir ten oder als Morpheme plus Kombinationsregeln
fanden). Lit. F. van Coetsem, A. and Reduplication gespeichert sind (Gnther 2004). Lit. G. Boiij, In-
in the Germanic Verb. Heidelberg 1990. – R. D. Fulk, flection and Derivation. HSK 17.1, 360–369. – J. L.
The Origins of Indo-European Quantitative A. Inns- Bybee, Morphology. A Study of the Relation bet-
bruck 1986. – J. Kury‡owizc, Idg. Grammatik, Bd. II: ween Meaning and Form. Amsterdam 1985. – E.
Akzent, A. Heidelberg 1968. – B. W. Fortson IV, Donalies, Die Wortbildung des Dt. Tbingen ±2005,
Indo-European Language and Culture. Oxford 97–141. – Eisenberg I, 236– 284. – H. Gnther,
6 Ableitung

Mentale Reprsentation morphol. Strukturen. HSK dungen oder Diagrammen u. a. und Fußnoten unter-
17.2, 1766–1777. – G. Libben, Word-formation in halb des laufenden Texts kçnnen als A. aufgefasst
Psycholinguistics and Neurocognitive Research. werden. In einem eingeschrnkten Sinn sind auch
HSK 40.1, 203–217. – A. Spencer, Derivation. Tabellen und Diagramme in einem laufenden Text
HSK 40.1, 301–321. – P. Štekauer, The Delimitation A., soweit sie primr Geschriebenes enthalten. Bei-
of Derivation and Inflection. HSK 40.1, 218–235. – spiele dafr sind Zeitungsartikel auf der Fußball-
2. In der  GG der Prozess und das Resultat der seite, die Ligatabellen oder Mannschaftsaufstellun-
Anwendung von Struktur-Erzeugungsregeln und gen enthalten, die nach dem (konventionellen) Sys-
Struktur-Vernderungsregeln. A. unterliegen Prinzi- tem 1–4–3–3 (1: Torwart, 4: Verteidiger usw.) an-
pien der  Analysierbarkeit. – 3.  Kalkl,  Logi- geordnet sind, oder Sulen- oder Tortendiagramme
sche Syntax. F, MYP usw.; solche »Texte« sind allerdings durch weitere
Ableitungsaffix (auch: Derivationsaffix,  Formativ) graph. Mittel intern strukturiert. Der A. kann auch
Bez. fr ein wortbildendes  Affix, also jedes  Pr- das strukturierende Element von Listen sein, bei-
fix,  Suffix und  Zirkumfix, das der  Derivation spielsweise in Lexika wie diesem, in dem jeder
dient. Positionsbedingt unterscheiden sich die Funk- Eintrag einen A. darstellt, in Wçrterbchern, Lite-
tionen der A. Erstglieder (in Derivationen also Pr- raturlisten oder Verzeichnissen aller Art. In der Ter-
fixe) modifizieren die lexikal. Bedeutung der  Ab- minologie von Gnther (1988, 64 ff.) handelt es
leitungsbasis, whrend Zweitglieder – also auch Suf- sich beim A. um ein flchiges Suprasegment. Je
fixe und der finale Bestandteil von Zirkumfixen – ein nach  Schriftrichtung sind die begrenzenden Leer-
morpholog.  Kopf und damit Trger der grammat. stellen unterschiedl. platziert, z. B. die absatzschlie-
Informationen sind: Ableitungen auf -heit z. B. sind ßende Leerstelle in lat. basierten  Schriftsystemen
feminin. Substantivische Distributionsbeschrnkun- nach dem absatzschließenden Punkt rechts, in arab.
gen sind unterschiedl. stark ausgeprgt. So leitet basierten Schriftsystemen nach dem absatzschließ-
-heit neben Adj. Subst. ab (Frechheit, Kindheit), enden Punkt links, in chines. Texten mit Kolumnen-
whrend sein  Allomorph -keit ausschließl. adjekti- anordnung ( Kolumne) vom letzten  Hanzi (oder
vische Basen zulsst (Traurigkeit). Die Zahl der A. dem Punkt) an nach unten. Lit. H. Gnther, Schriftl.
nimmt durch  Entlehnung und  Grammatikalisie- Sprache. Tbingen 1988. G
rung freier Grundmorpheme zu, was mitunter zu Abschiedsformel  Grußformel
unscharfen Kategoriegrenzen fhrt. ES Abschnitt (engl. chapter, section, paragraph) Seg-
Ableitungsbasis (auch: Basis. Engl., frz. base) In ment ( Absatz) oder Folge von Segmenten (z. B.:
der Wortbildung Bez. fr den abgeleiteten Bestand- Teil eines Kapitels) in graph. Texten; nicht przise
teil einer  Derivation (Ableitung). A. mssen keine terminologisiert. G
Wçrter sein, in der Lehnwortbildung sind sie i. d. R. Abschwchung Vokalreduktion in nichtakzenttra-
gebunden (Derivation). A. sind bedeutungstragende genden Derivations- und Flexionssilben (z. B. dt.
Konstituenten ( Kern), aber nicht notwendig ver-nehmen im Ggs. zu vor-nehmen) bzw. Kompo-
 Grundmorpheme, da A. nicht immer morpholog. sitionsgliedern (z. B. dt. Drittel < Dritteil). PM
einfach ( Simplizia) sind;  Ableitungsaffix. ES Absehen  Lippenlesen
Ableitungsgeschichte (auch:  Transformationsge- Absentiv (lat. absēns ›abwesend, entfernt‹). Aus-
schichte, Ableitung (2)) In der GG die geordnete druck der Abwesenheit der vom Subj. bezeichneten
Menge aller  Ableitungen (2) einer Struktur. Die Person, im Dt. ausgedrckt durch eine Prdikativ-
A. lsst sich durch die Auflistung der Strukturen konstruktion mit dem Inf. eines Handlungsverbs,
und der zwischen ihnen bestehenden Ableitungsre- z. B. Clemens ist einkaufen, Jenny ist schwimmen.
geln darstellen. F Lit. C. de Groot, The Absentive. In: . Dahl (ed.),
Ablesen  Lippenlesen Tense and Aspect in the Languages of Europe. Bln.,
Abrupt Phonolog.  distinktives Merkmal (vs. dau- N. Y. 2000, 693 –722. G
ernd, engl. continuant; in PSA binr [6continuant]), Absichtssatz  Finalsatz
artikulator. durch abruptes Ein-/Aussetzen der Pho- Absoluter Akkusativ  Absoluter Kasus
nation bzw. akust. durch plçtzliches Ein-/Aussetzen Absoluter Genitiv  Absoluter Kasus
spektraler Energie bzw. Pausen im Signal charakte- Absoluter Kasus (auch: reiner Kasus) In manchen
risiert;  Plosiv vs.  Frikativ. PM Spr. auftretende Konstruktion, in der ein (ein- oder
Abruptiv  Ejektiv zweigliedriger) Nominalausdruck ohne Referenz-
Absatz (auch: (Text-) Block. Engl. (new) para- identitt und Kongruenz mit dem regierenden Verb
graph) Elementares Strukturierungs- und Konstruk- auftritt, z. B. der  Ablativus absolutus im Lat., der
tionsmittel graph. Texte. A. sind Folgen von Zeilen  Genitivus absolutus im Griech. oder der absolute
(bzw. Spalten), die voneinander durch begrenzende Gen. im Dt. (z. B. eines Tages gesenkten Blickes des
 Leerstellen wie  Einzug, Leerstellen nach dem Weges kommen), der absolute Akkusativ (auch: ab-
letzten graph. Wort des A. oder Leerzeilen bzw. solutes Objekt;  accusativus mensurae,  accusati-
Leerspalten getrennt sind. Auch berschriften ver- vus temporis), z. B. im Dt. (z. B. den ganzen Monat;
schiedener Ordnung, Unterschriften unter Abbil- diesen Sonntag; drei Kilometer) oder im  Arabi-
Abstufung 7

schen, wo das dem Verb entsprechende Verbalno- Typ. A. sind  Baskisch oder  Finnisch. Lit. H.
men im Akk. in der Funktion einer Modalbestim- Kloss, A. und Ausbauspr. In: J. Gçschel, N. Nail
mung auftreten kann (auch: innerer Akk., z. B. da- & G. van der Elst (Hgg.), Zur Theorie des Dia-
˙
rabahū darban Ðadı̄dan ›er schlug ihn heftig‹) und lekts. Wiesbaden 1976, 301–322. – Ders., A. und
˙
der absolute Nominativ ( Nominativus pendens), Ausbauspr. HSK 3, II, 1987, 302–308. – H. Haar-
z. B. engl. She being British and he American, their mann, A. – Ausbausprache / Abstand-Language –
children had both citizenships. Im Dt. gelten hnl. Ausbau-Language. HSK 3.1, 2. Aufl. Bln. 2004,
Konstruktionen als  Anakoluthe oder  Parenthe- 238 – 250. – C. Sinner, Variettenlinguistik. Tbin-
sen, z. B. Der Teller aus gypten – Jenny hat ihn gen 2014. AM
fallenlassen. Konstruktionen mit a. K. weisen in Abstoßung  Apokope
funktionaler Hinsicht hnlichkeit zu  Adverbialen Abstraktion Gedankl. Verfahren, das von den als
auf. Lit. A. Dittmer, ber den »sogenannten abso- unwesentl. erachteten Merkmalen absieht, um das
luten Akkusativ«. In: Fs. Gunnar Bech. København Augenmerk auf die als wesentl. beurteilten Merk-
1980, 61–83. G, WI male zu lenken. Das Kriterium des Wesentl. ist nach
Absoluter Nominativ  Nominativus absolutus pragmat. Gesichtspunkten festgelegt und variiert
Absoluter Superlativ  Elativ mit dem jeweiligen Erkenntnisinteresse. Die ge-
Absoluter Tempusgebrauch, absolutes Tempus dankl. Operation ermçglicht es, das Gemeinsame
 Tempusgebrauch einer Menge von Gegenstnden festzulegen, um zu
Absolutes Objekt  Innerer Akkusativ Allgemein- und Gattungsbegriffen und den damit
Absolutes Partizip  Participium absolutum bezeichneten Gegenstandsbereichen zu gelangen.
Absolutes Verb (auch: bedeutungsgesttigtes Verb, Im Hinblick auf die generalisierende Leistung der
einwertiges Verb) In einigen Grammatiken des Dt. A. werden zwei Auffassungen vertreten: (a) Sie
Bez. fr Verben, die ohne Objekte auftreten kçnnen bezeichne den psych. Prozess, durch den wir zu
bzw., in valenzgrammat. Terminologie, außer der  Universalien als Allgemeinbegriffen gelangen.
Nominativergnzung keine weiteren Ergnzungen Die log. Konstruktion des gedankl. Prozesses wrde
verlangen, z. B. schlafen, liegen;  relatives Verb. G zeigen, dass das Verstndnis der allgemeinen Be-
Absolutiv (lat. absolūtı̄vus ›in sich abgeschlossen, griffe nur durch Bezug auf Sinnesdaten als unmit-
vollstndig, unabhngig‹) 1. Subjektkasus in  Er- telbar Gegebenem zu erreichen sei. (b) Die log.
gativsprachen. Der A. markiert die Subjekte  in- Konstruktion der A. sei ein Verfahren, das einen
transitiver und die Objekte  transitiver Verben und allgemeinen Begriff neu gewinnen lsst, indem
ist zusammen mit dem  Ergativ definierendes Cha- man definitor. festlegt, worin das gemeinsame
rakteristikum von Ergativspr. 2. In einigen idg. Spr. Merkmal und damit der Aspekt der Gleichheit meh-
(z. B. im Iran., Griech., Lat.) Verbalsubstantiv, das rerer einzelner Entitten bestehen soll. Durch die
eine Handlung eines (belebten) Subjekts bezeichnet definitor. Festlegung wird der Inhalt des allgemei-
und zum Prdikatsausdruck im Verhltnis der nen Begriffs bestimmt, worunter eine offene Menge
Gleich- oder Vorzeitigkeit steht, da das  Tempus von Einzelfllen subsumierbar ist. Dadurch ist der
als einzige Kategorie markiert werden kann;  Ge- Umfang des Begriffs durch die Menge dessen, was
rundium,  Supinum. G als tatschl. oder noch mçgl. Einzelfall gelten kann,
Absolutivsprache  Ergativsprache bestimmt, ohne dass er auf die begrenzte Menge
Absorption (lat. absorbēre ›aufsaugen‹) 1. Vokal- aufweisbarer Einzelflle eingeengt ist. PR
schwund bei gleichzeitiger bernahme der Silbizi- Abstraktionsrelation  Hyperonymie
tt durch benachbarten  Sonanten (z. B. dt. ritten Abstraktive Relevanz  Bhlersches Organonmo-
[rittn], Segel [segl]), aber auch Vokalverlust bei dell,  Prinzip der abstraktiven Relevanz
Silbenausfall (lat. quı̄ndecim < quı̄nque-decem Abstraktum (lat. abstrāctus ›weggezogen, verallge-
›fnfzehn‹) oder Schwund intervokal. Okklusive meinert‹. Auch: Begriffswort. Engl. abstract noun,
(lat. iocus ›Scherz‹ > frz. jeu ›Spiel‹). 2.  Kasusab- frz. nom abstrait) Nach ihrer Bedeutung bestimmte
sorption. PM Klasse der Substantive, die Nicht-Gegenstndliches
Abstandsprache Von H. Kloss in die  Soziolingu- bezeichnen im Ggs. zu den  Konkreta. A. bezeich-
istik eingefhrter Terminus, der einen der beiden nen Eigenschaften (Freundlichkeit), Zustnde
hauptschl. Grnde benennt neben Ausbau ( Aus- (Streß), Vorgnge (Prfung), Vorstellungen und Ge-
bausprache), warum eine Variett als eigenstndige fhle (Gott, Haß), Konzepte (Liberalismus) usw.
Spr. gilt, nmlich struktureller »Abstand« von allen Sie bilden i. d. R. keinen regulren Plural. G
brigen Varietten. Damit ist eine so große ling. Abstrichmethode, Abstrichprobe  Weglassprobe
Distanz gemeint, dass  gegenseitige Verstndlich- Abstufung (auch: quantitativer  Ablaut) Quantita-
keit nicht mçgl. ist. Es handelt sich dabei i. d. R. um tiver Vokalwechsel bei etymolog. zusammengehçri-
betrchtl., aber beim derzeitigen Forschungsstand gen Wçrtern bzw. Wortformen zwischen Kurzvokal
(noch) nicht przise definierbare Unterschiede auf (Grund-, Hoch-, Normal-, Vollstufe; z. B. griech.,
allen grammat. Ebenen: Phonetik, Phonologie, Æ æÆ (patera) ›den Vater‹; lat. ferō ›ich trage‹),
(evtl. Graphemik), Morphologie, Lexik und Syntax. Langvokal (Dehnstufe; z. B. griech. Ææ (patēr)
8 Abstufung

›der Vater‹; got. berusjos ›Eltern‹) und reduziertem Auch: accusativus limitationis; lat. lı̄mitātiō ›Be-
bzw. eliminiertem Vokal (Tief-, Reduktions- bzw. grenzung‹) In der Altphilologie gebruchliche Bez.
Schwund-, Nullstufe; z. B. griech. Ææ
; (patros) fr den  Akkusativ in der Funktion eines  inneren
›des Vaters‹; ai. bhrti ›Tragen‹, dt. ›Geburt‹). Dane- Objekts (»Akk. der Beziehung, des Inhalts«), z. B.
ben Abtçnung (auch: qualitativer  Ablaut): Wech- griech. BªÆŁ
D Ø N æ
 (agathos esti ton
sel der Vokalqualitt bei etymolog. zusammenge- tropon) ›er ist charakterlich (dem Charakter nach)
hçrigen Wçrtern (lat. tegere ›bedecken‹ – toga gut‹, lat. flāva comās ›mit blondem Haar (blond in
›Toga‹); im Dt. z. B. in der Flexion der starken Bezug auf die Haare)‹. GS
Verben, z. B. binden – band – gebunden, und in Accusativus limitationis  Accusativus graecus
der Derivation, z. B. das Gebinde, das/der Band, Accusativus loci (lat. locus ›Ort, Stelle‹) In der
der Bund. PM Altphilologie Bez. fr die semant. Funktion des
Abtaster  Scanner  Ablativs, eine ruml. oder zeitl. Ausdehnung zu
Abtçnung  Abstufung,  Abtçnungspartikel bezeichnen oder eine Ortsangabe auszudrcken.
Abtçnungspartikel (auch: Einstellungspartikel, Manche intransitiven Bewegungsverben ( verbum
Modalpartikel, Satzpartikel. Engl. sentence word, movendi) werden in Ableitungen mit best. Prposi-
downtoning particle, frz. mot du discours) Subklas- tionen (z. B. circum- ›um – herum‹, praeter- ›ne-
se der  Partikeln. Zu ihnen gehçren bspw. aber, ben‹, trāns- ›ber – hinaus‹) transitiv (vgl. dt. durch
auch, denn, eben, halt, ja, jetzt, mal, nur, ruhig, den Wald wandern vs. den Wald durchwandern).
wohl. Neben der Unflektierbarkeit und der Unfhig- Auch best. transitive Verben wie trādūcere ›hin-
keit, im Vorfeld ( Feldgliederung) zu stehen, sind berfhren‹, trāicere ›hinberwerfen‹, trānsportāre
A. i. d. R. nicht betonbar und nicht erfragbar. Sie ›hinbertragen‹ kçnnen den a. l. bei sich haben,
dienen der ›Abtçnung‹ des Gesagten im Sinne einer z. B. trādūcere exercitum Alpes ›ein Heer ber die
Wertung, einer Vermutung etc.: Mnner sind eben Alpen fhren‹. Im Passiv bleibt die Ortsangabe im
so – ›was ist schon von ihnen zu erwarten‹. Rau- Akkusativ, z. B. A Caesare cōpiae Rhēnum trāduc-
chen Sie nur weiter – ›der Krebs kommt bestimmt‹. tae sunt ›von Caesar wurden die Truppen ber den
A. sind vielfltig kombinierbar, ihre Abfolge ist aber Rhein gesetzt‹. GS
meist nicht vernderbar: Wo sind denn jetzt bloß Accusativus mensurae (lat. mēnsura ›Maß‹) In der
wieder meine Socken! Gerade letztere Eigenschaften Altphilologie Bez. fr die semant. Funktion des
stellen beim Erwerb des Deutschen als Fremdsprache  Akkusativs, eine ruml. Entfernung oder eine
eine besondere Schwierigkeit dar. Lit. M. Thurmair, zeitl. Ausdehnung zu bezeichnen, z. B. tria mı̄lia
Modalpartikeln und ihre Kombinationen. Tbingen passuum (longē) ā flūmine cōnsistere ›3 000 Schrit-
1989. – H. Simon, Zur Problematik einer Geschichte te vom Fluss entfernt haltmachen‹. Der a. m. steht
der deutschen Abtçnungspartikeln. In: Sprachwis- in Konkurrenz zum  Ablativus mensurae; denn
senschaft 21, 1996, 262–300. – H. Wegener, Zur mçglich ist auch tribus mı̄libus passuum… ›3 000
Grammatikalisierung von Modalpartikeln. In: R. Schritte…‹;  absoluter Kasus. GS
Barz & G. hlschlger (Hgg.), Zwischen Grammatik Accusativus temporis (lat. tempus ›Zeit‹) In der
und Lexikon. Tbingen 1998, 37–56. SO Altphilologie Bez. fr die semant. Funktion des
Abtçnungsstufe  Ablaut  Akkusativs, eine zeitl. Ausdehnung zu bezeich-
Abwehrzeichen  Warenzeichenrecht nen; Sonderfall des  accusativus mensurae. Der
Abweichung (auch: Deviation. Engl. deviation, de- a. t. kann sowohl als Objekt wie auch als Adverbial
viance, frz. dviation) Sprachgebrauch, der gegen aufgefasst werden. Er steht bei Zeitangaben (erfrag-
grammat.  Regeln verstçßt oder geltenden  Sprach- bar mit wie lange?), z. B. decem quondam annōs
normen und  Konventionen nicht entspricht. A. Trōia oppūgnāta est ›Zehn Jahre lang ist Troja einst
kçnnen auf verschiedenen sprachl. Ebenen vorkom- belagert worden‹; (bēstiolae) quae ūnum diem
men, auf der phonet.-phonolog. (*Wolfgang leimt ein vı̄vant (Cic. Tusc. 1,94) ›kleine Tiere, die (nur)
Gedicht), morpholog. (*Angst essen Seele auf), syn- einen Tag lang leben‹;  absoluter Kasus. GS
takt. (*Hans gibt Georg), semant. (*Claus raucht Acehnesisch (auch: Atchinesisch. Eigenbez. basa
eine Tasse Kaffee) und pragmat. (*Der deutsche Kai- aceh) West-  austronesische Sprache im nçrdl. Teil
ser sprach gestern im Bundestag) Ebene. Abwei- Sumatras (v. a. Kstensaum), Indonesien; Karte
chende, d. h. ungrammat. bzw. nichtakzeptable Stze  Austroasiatische Sprachen. Genet. enge Verwandt-
sind meistens rckfhrbar auf eine bewusste oder schaft mit den  Cham-Sprachen wahrscheinlich;
unbewusste Verletzung einer lexikal. Kategorie, auf beide mit austroasiat. Elementen. 1,8 Mill. Spre-
den Verstoß gegen  Subkategorisierungsregeln oder cher. Seit dem 15. Jh.  Malaiisch als Amts- und
ein  Selektionsmerkmal;  Kompatibilitt. SN Handelssprache; seit dem 18. Jh. Handelsspr. in
Abxazisch  Abchasisch arab. Schrift; heute vorwiegend lat. Schrift. SVO.
Accomplishment  Telisches Verb Starke Behauptung gg.  Indonesisch als offizieller
Accusativus absolutus  Participium absolutum Spr. CE
Accusativus cum infinitivo  Akkusativ mit Infinitiv Achisch  Altgriechisch
Accusativus graecus (›griechischer Akkusativ‹. Ach-Guayakı́  Tupı́-Guaranı́-Sprachen
Additiv 9

Achi  Quiche-Sprachen,  Maya-Sprachen Beschreibungsadquatheit (descriptive adequacy)


Achievement  Telisches Verb wird von Theorien erfllt, die beobachtungsadquat
Achievement test  Sprachtest sind und zudem die Kompetenz ( Kompetenz vs.
Ach-Laut (API-Notation: [x] (velar), [å] (uvular)) Performanz) eines muttersprachl. Sprechers abbil-
neben dem Ich-Laut [Å] (palatal) im Deutschen al- den; Erklrungsadquatheit (explanatory adequacy)
lophon. Variante des stimmlosen  dorsalen (hinte- wird von einer grammat. Theorie erfllt, wenn sie
ren) Frikativs /x/, K ch L in komplementrer Vertei- zugleich eine Theorie der menschl. Sprachfhigkeit
lung: [Å] nach Konsonanten und vorderen Vokalen schlechthin darstellt, d. h. z. B. die Mçglichkeit des
sowie morpheminitial, [x] nach hohen und mittleren  Spracherwerbs und Sprachverlusts begrndet und
gespannten Hinterzungenvokalen, [å] nach tiefen vereinbar mit ling.  Universalien ist. Eine erkl-
Hinterzungenvokalen. PM rungsadquate Sprachtheorie bietet die Mçglichkeit,
Acholi  Lwo aus verschiedenen beschreibungsadquaten Theo-
Achsenstellung  Kernsatz 2. rien die erklrungsadquateste auszuwhlen ( Men-
Achtelcicero f.  Schriftgrad von 1,5 p.;  Didot- talismus). Die Kriterien fr A. sind dementspr. ab-
system. G hngig von Vorgaben fr den Beschreibungsbereich
Achtelpetit f.  Schriftgrad von 1 p.;  Didotsys- der jeweiligen Theorienmenge, wie dies v. a. in der
tem. G Beurteilung und Klassifikation der  generativen
Achual  Jivaro-Sprachen Kapazitt von Grammatiken deutl. wird. Lit. R. C.
Achwach(isch)  Dagestanische Sprachen Berwick, Mind the Gap. In: . J. Gallego & D. Ott
AcI  Akkusativ mit Infinitiv (eds.), 50 Years Later: Reflections on Chomsky’s
Acoma  Keres Aspects. Cambridge, Mass. 2015, 1–12. – N.
Adamawa-Sprachen Etwa 80 Sprachvarietten Chomsky, Current Issues in Linguistic Theory.
çstl. der Mandaraberge an der Grenze von Nigeria Den Haag 1964. – Chomsky, Aspects. – Ders.,
und Kamerun bis in den sdl. Tschad. Die A. bilden Beyond Explanatory Adequacy. In: A. Belletti
mit den  Ubangi-Sprachen den Adamawa-Ubangi- (ed.), Structures and Beyond: The Cartography of
Zweig der  Niger-Kongo-Sprachen. Den A. kann Syntactic Structures, Vol. 3. Oxford 2004. – M.
zudem genealog. Nhe zu den  Gur-Sprachen Haspelmath, Does Linguistic Explanation Presup-
nachgewiesen werden, so dass in neueren Klassifi- pose Linguistic Description? Studies in Language
kationen die Diversifikation der Einzelsprachen auf 28, 2004, 554 –579. – E. Lepore, The Problem of
ein Dialekt-Kontinuum von Gur und Adamawa- Adequacy in Linguistics. TL 6, 1979, 161–172. – J.
Ubangi zurckgefhrt wird. Es wird diskutiert, ob Moore & M. Polinsky (ed.), The Nature of Expla-
das Fali, das J. Greenberg als Gruppe 11 des Ada- nation in Linguistic Theory. Chicago 2003. F
mawa-Eastern-Zweigs ausmacht, eine isolierte  Ni- Addental (auch: apikodental) Artikulation mit der
ger-Kongo-Sprache ist. Die grçßten A. wie das Mu- Zungenspitze (lat. apex) an der Hinterseite der obe-
muye, Tupuri oder Mundang haben je zwischen 0,2 ren Schneidezhne (lat. dentēs), z. B. [s], [t]; Ggs.
und 0,4 Mio. Sprecher. Mehrsprachigkeit mit  Ful  interdental bzw.  alveolar;  Lispellaut. PM
und/oder Hausa ist weitverbreitet; Karte  Afrikani- Addition  Adjunktion
sche Sprachen, im Anhang. Die A. sind  Tonspra- Additionsform  Kompromissform
chen, teilweise mit  Nominalklassen, die durch Additionswort  Kopulativkompositum
Suffixe am Nomen markiert sind, die Wortstellung Additiv Ein in der Mereologie (Logik der Teil-Gan-
ist zumeist SVO, Aspektsystem, suffigale Verbal- zes-Relation) gebruchl. Merkmal zur Charakteri-
derivation, Prpositionen. Lit. R. Boyd, Adamawa- sierung von Verben und Nomina. Nach einem Vor-
Ubangi. NCL 1989, 178 –215. – K. Shimizu, The schlag von E. Bach (1981), der von E. Leiss (1992)
Zing Dialect of Mumuye: A Descriptive Grammar. bernommen wurde, lassen sich die Verben auf der
Hamburg 1983. – S. Elders, Grammaire Mundang. Grundlage der Merkmalsopposition Additivitt/
Leiden 2000. – E. J. Anonby, Grammar of Mambay. Nonadditivitt in zwei Klassen einteilen. Leiss
Kçln 2011. RE, KM (S. 49 f.) unterscheidet (a) »teilbare Verbsituatio-
Adaptieren (lat. (ad-)aptus, adaptātus ›angepasst‹) nen«, in denen die Verben »mit sich selbst ident.
Anpassung eines ling. Elements an eine vernderte bleiben. Zerteilt man die vom Verb realisierte Ver-
Umgebung, ggf. durch partielle Umformung dieses balsituation in beliebig viele Phasen, so bleibt das
Elements. G Resultat immer gleich: die jeweiligen Phasen kçn-
Adquatheit (lat. adaequāre ›angleichen‹. Engl. nen mit dem gleichen Verb benannt werden« (z. B.
adequacy, frz. adquation) Bewertungskriterium lieben), von (b) »nichtteilbaren Verbsituationen«, in
fr Theorien. Hinsichtl. grammat. Theorien wird denen »die Verben nicht mit sich selbst ident. blei-
seit Chomsky, Aspects zwischen drei A.ebenen dif- ben. Die Verbalsituation lsst sich nicht in miteinan-
ferenziert: Das Kriterium der Beobachtungsad- der ident. Phasen aufteilen« (z. B. finden, erobern,
quatheit (observational adequacy) erfllen jene abbrechen). Die Verben nach (a) sind a. (auch:
Theorien, welche die sprachl. Daten ( Datum) kor- nicht-holist.), diejenigen nach (b) sind nicht-a.
rekt und vollstndig erfassen; das Kriterium der (auch: holist.). A. Verbsituationen implizieren In-
10 Additiv

nenperspektive ( Perspektivierung), z. B. suchen, Oberflche hufig nacheinander vorkommenden


nicht-a. Verbsituationen implizieren Außenperspek- sprachl. Ereignissen, z. B. Gruß-Gegengruß,  Fra-
tive, z. B. finden. Innenperspektivierte Grundverben ge-Antwort. Aufgrund der methodolog. Beschrn-
(Simplizia) sind demnach partitiv (a. und teilbar, kungen der conversation analysis auf strikt Be-
z. B. lieben, husten), außenperspektivierte Aktions- obachtbares wird die Vorkommensaufflligkeit
artverben (gewisse Prfixverben) sind holist. (nicht- zum Bestimmungskriterium fr diese systemat. mit-
a. und nicht teilbar, z. B. verlassen, abhusten), und einander verbundenen Sprechhandlungsfolgen. Bei-
innenperspektivierte  iterative Aktionsartverben de Paarelemente sind ber eine verstrkte Erwart-
sind gleichzeitig a. und nicht teilbar (z. B. strei- barkeit fr die Aktanten »konditionell relevant«;
cheln, hsteln). Der hier verwendete Begriff der d. h. sie bestimmen das Handeln des anderen Inter-
 Aktionsart unterscheidet sich allerdings von der aktanten. Lit. E. Schegloff, Sequenzing in Conver-
in diesem Lexikon gegebenen Definition. Lit. E. sational Openings. AmA 70, 1968, 1075–1095. –
Bach, On Time, Tense, and Aspect. An Essay in Ders., On Some Questions and Ambiguities. In:
English Metaphysics. In: Radical Pragmatics, 1981, J. M. Atkinson & J. Heritage (eds.), Structures of
63–81. – P. Simons, Parts. A Study in Ontology. Social Action. 1984, 28–52. E
Oxford 1987. – E. Leiss, Die Verbalkategorien des Adjazenz f. (lat. adiacentia ›Umgegend‹. Engl. ad-
Dt. Bln., N. Y. 1992. G jacency, frz. adjacence) Konstituenten sind adja-
Additiver Anschluss (auch: Anschluss, Ergn- zent, wenn sie einander unmittelbar folgen und
zungsanschluss, Isolierung,  Nachtrag) Nachge- zwischen ihnen keine andere Konstituente auftritt.
stellte nichtfinite Satzglieder. R. Conrad verwendet Adjazente Konstituenten mssen nicht notwendi-
a. A. als Oberbegriff fr  Nachtrag und Isolierung gerweise  Schwestern sein, d. h. die A. gibt keine
und definiert ihn als zustzl., nachtrgl. Erklrung Auskunft ber die spezif.  Dominanz-Relationen
von Sachverhalten, die emotionale Verbindung zwi- einer Struktur. F
schen Wortgruppen und Stzen herstellt, wie z. B. Adjektiv (lat. adiectı̄vum, bersetzung von griech.
Diese Abende sind violett in den Straßen. In den D q (epitheton) ›das Hinzugefgte‹. In Schul-
engeren Straßen der Stadt jedenfalls, in unserer grammatiken auch: Antwort, Beiwort, Eigenschafts-
Stadt jedenfalls (Borchert). Lit. R. Conrad (Hg.), wort, Wiewort. Engl. adjective, frz. adjectif) Im
Lexikon sprachwiss. Termini. Lpz. 21988. SL Dt. offene  Wortart, deren Lexembestand durch
Additivum  Kopulativkompositum  Wortbildung erweiterbar ist. Morpholog. sind
Adenoidal  Artikulationsbasis A. im Deutschen durch drei Deklinationsmuster
Adessiv (lat. adesse ›anwesend sein‹). 1.  Kasus ( Deklination,  Flexion) gekennzeichnet: stark,
z. B. der finnougr. Spr. mit der Kasusbedeutung schwach und gemischt, wobei die begleitenden De-
›befindlich an, nahe bei‹, z. B. finn. {-lla}, {-ll}, terminatoren ( Artikel 2) die Flexionsklasse be-
talolla ›am Haus‹, ungar. az asztalnl ›am Tisch‹; stimmen. Attributive A. stehen blicherweise vor
 Inessiv,  Lokativ. 2. Verbaltempus zur Markie- dem Nomen und kongruieren mit diesem in Nume-
rung der Sprechzeit in semit. Spr. G rus, Genus und Kasus. Selten auftretende postnomi-
Ad hoc-Bildung  Gelegenheitsbildung nale attributive A. sind endungslos: Karpfen blau.
Adhortativ (lat. adhortātı̄vus ›ermahnend‹. Auch: A. sind komparierbar ( Komparation), wobei es
Hortativ) Klasse von sprachl. Formen, die in se- neben den regelmßigen Formen einige Suppletiv-
mant.-pragmat. Hinsicht die  Aufforderung an die formen ( Suppletion) gibt: gut, besser, am besten.
1. Ps. Pl. zur gemeinsamen Aktion ausdrckt. In den Syntakt. fungieren A. als  Attribut,  Prdikativum
ie. Spr. nicht durch ein eigenes morpholog. Para- oder  Adverbial. Nicht alle Vertreter der Wortart
digma gekennzeichnet, wird der A. in diesen z. B. kçnnen in allen drei Positionen stehen: Die Firma
periphrast. oder durch konj. Formen der 1. Pers. Pl. ist pleite (prdikativ), *Die pleite Firma (attributiv),
?
ausgedrckt, z. B. Lasst uns streiken! Seien wir mu- Der Chef ging pleite nach Hause (adverbial). Pr-
tig!;  Modus,  Modalitt. Lit. J. van der Auwera, dikative A. sind unflektiert außer in Fllen wie Das
N. Dobrushina & V. Goussev, Imperative-Hortative Hotel ist ein schlechtes. Da adverbial verwendete
Systems. In: M. Haspelmath et al. (eds.), The World A. im Deutschen endungslos sind, ist die Abgren-
Atlas of Language Structures. Oxford 2005, 294 – zung zum prdikativen A. syntakt. nicht immer ein-
295. – E. Kçnig & P. Siemund, Speech Act Distinc- deutig und wird – wenn mçglich – durch die Se-
tions in Grammar. In: T. Shopen (ed.), Language mantik geklrt: Er schlingt die Spaghetti heiß hi-
Typology and Syntactic Description. Cambridge nunter (Die Spaghetti sind heiß – prdikativ) vs. Er
2005. – B. Ulvestad, Die kanon. dt. A.e im Aus- schlingt die Spaghetti schnell hinunter (Er tut es
landsdeutschunterricht. In: G. Stoetzel (Hg.), Ger- schnell – adverbial). A. in letzterer Verwendung
manistik – Forschungsstand und Perspektiven. 1. werden heute nur noch selten als  Adverbien (ge-
Teil. Bln. 1985, 518–534. F nauer als Adjektivadverb) bezeichnet. In vielen Fl-
Adjacency pair (engl. ›benachbartes Paar‹. Auch: len kann eine Bedeutungsverschiebung ausgedrckt
Paarsequenz). In der  Konversationsanalyse ge- werden, wenn dasselbe A. attributiv oder prdikativ
brauchter Ausdruck zur Bez. von an der sprachl. verwendet wird; Letzteres versprachlicht meist tem-
Adjunktion 11

porre, Ersteres bestndige Eigenschaften: Ein blin- stimmloser Plosive im Dt. und Engl.);  inhrentes
der Mann stand an der Kreuzung vs. ein Mann Merkmal. PM
stand blind an der Kreuzung. Semant. sind A. Mo- Adjunkt n. (lat. adiunctus ›verknpft, angebunden‹)
difikatoren ( Modifikation 2) und schreiben der In der  strukturellen Linguistik (Z. Harris, J. Lyons
von ihnen spezifizierten Grçße Eigenschaften zu. etc.) versteht man unter A. »syntakt. fakultative
Fr das Dt. ist eine allein auf semant. Basis vorge- oder periphere Ausdrcke« (Lyons 1983). »An ad-
nommene Kategorisierung der A. als Makrokate- junct is by definition a ›modifier‹ attached to a
gorie problemat., hilfreich ist jedoch die semant. ›head‹, upon which it is dependent and from which
motivierte Binnengliederung in  Qualitts- und it can be ›detached‹ without any consequent syntac-
 Relationsadjektive. Weitere Untergliederungen tic change in the sentence« (J. Lyons 1968, 344; die
richten sich nach der Art der Eigenschaft, die einer dt. Ausgabe (1971) bersetzt ›adjunct‹ als ›Adjunk-
Grçße mittels A. zugewiesen wird:  Gradadjektiv, tion‹). Neben NP-internen Attributen, z. B. ein schç-
 Stoffadjektiv,  Temporaladjektiv. Die Beziehun- nes Mdchen, rechnet Lyons zu den A. auch VP-
gen zwischen A. und Adverbien sind vielfltig, da interne Adverbiale, z. B. Sie formuliert gut, sowie
beide Wortarten als Modifikatoren dienen, was sich Adverbialangaben im Rang von »sentence-ad-
u. a. in Ableitungsbeziehungen zeigt: unglcklich – juncts« (Zeit, Ort, Zweck, Ergebnis, Bedingung
unglcklicherweise. Aus Adverbien abgeleitete A. etc., z. B. Deswegen ging Herbert am Sonntag im
(heute > heutig) werden zuweilen als Adverbial- Stadtpark spazieren). Die Fakultativitt unterschei-
adjektive bezeichnet. Sie stehen nur prdikativ. det A. von den oft strukturell ident., aber obligator.
Lit. Eisenberg II, 227–233. – I. Trost, Das dt. Adj.  Komplementen;  Bestimmungsrelation;  Kon-
Hamburg 2006. – P. Eisenberg, Morphologie und junkt. Lit. J. Lyons, Introduction to Theoretical
Distribution. Zur Morphosyntax von A. und Adverb Linguistics. Cambridge 1968; dt.: Einf. in die mo-
im Deutschen. In: F. Schmçe (Hg.): Das Adverb. derne Ling. Mchn. 1971. – J. Lyons, Semantik. Bd.
Zentrum und Perpherie einer Wortklasse. Wien II. Mchn. 1983. – C. Maienborn, Situation und Lo-
2002, 61–76. – N. Hami, Das appositiv nachge- kation. Die Bedeutung lokaler A. von Verbalprojek-
stellte attributive Adjektiv, flektiert und unflektiert, tionen. Tbingen 1996. – F. Beckmann, Untersu-
in der dt. Gegenwartssprache. Algier 1993. – G. chungen zur Grammatik der A. Bln. 1997. – E.
Schmale (Hg.), Das A. im heutigen Dt.: Syntax, Lang (ed.), Modifying Adjuncts. Bln. 2003. RB
Semantik, Pragmatik. Tbingen 2011. SO Adjunktion (lat. adiūnctiō ›Anknpfung‹. Engl. ad-
Adjektivadverb  Adverb junction, frz. adjonction) 1. (Auch: Addition, Inser-
Adjektivattribut  Adjektiv in der Funktion eines tion) Syntakt. Operation in der  GG, durch die
 Attributs. G Elemente zu einer bereits vorhandenen Struktur
Adjektivierung Bez. fr Adjektive, die durch  Ab- hinzugefgt werden. Es werden zwei Arten von
leitung von Wçrtern anderer  Wortart gebildet wer- A.en unterschieden: die Schwestern- und die
den, etwa sndhaft (desubstantivisch), lachhaft (de- Chomsky-A. Die Schwestern-A. (sister adjunction)
verbal). Der Bestand an Suffixen zur A. ist ver- fgt einem von C unmittelbar dominierten  Knoten
gleichsweise groß, Fleischer & Barz (251–269) B ( Dominanz) einen linken oder rechten
nennen neben en/-ern/-n, -fach, -ig,- isch, -lich,  Schwester-Knoten A hinzu, so dass A und B un-
-los, -mßig, -sam, -haft noch -bar, -en, -er und mittelbare Tçchter von C werden:
eine große Zahl entlehnter Suffixe zur A. wie
-abel oder -iv. Auch  Konversionen leisten A. Pro- C C
duktiv sind hier insbes. Konversionen von Partizi- 
pien (abgeleitete Adjektive). Lit. Fleischer & Barz B A B
WB2. ES
Adjektivischer zu-Infinitiv  Gerundiv(um) Die Chomsky-A. generiert bei der Ausgangsstruktur
Adjektivphrase (engl. degree phrase ›Maßphrase‹, [C B] eine komplexere Struktur [C [B A B]], indem
adjective phrase. Abk. AP)  Phrase, als deren ein neuer Knoten B erzeugt und ein Knoten A
 Kopf ein  Adjektiv gilt, z. B. seiner Frau treue hinzugefgt wird. Dabei ist A zugleich  Schwester
in [der [AP seiner Frau treue] Mann]. Als  Kopf und  Tochter von B.
der AP wird im Rahmen der  X-Bar-Theorie auch
die  Funktionale Kategorie DEG(REE) diskutiert, C C
z. B. viele in [NP [AP viele schçne] Huser]. Ziel 
dieser Annahme ist es, Parallelen zum funktionalen B B
Aufbau der  NP herzuleiten ( DP-Hypothese), um
damit spezif. Aspekte der  Projektion bzw.  Expan- A B
sion syntakt. Kategorien zu generalisieren. F, MYP
Adjungiertes Merkmal (lat. adiungere ›hinzuf- A.strukturen sind einerseits das Resultat von  Be-
gen‹) Redundantes, d. h. nicht  distinktives,  inh- wegungstransformationen, andererseits kçnnen sie
rentes Merkmal (z. B. die  Aspiration initialer auch basisgeneriert auftreten. In  GB wird ange-
12 Adjunktion

nommen, dass  Bewegung entweder Chomsky-A. genwurzel‹, ATR) Binres phonolog. Merkmal, das
oder  Substitution (2) auslçst. Im Rahmen der (bei positivem Wert) durch eine Artikulation mit
 Barrieren-Theorie werden A. als Sonderflle von vorverlagerter Zungenwurzel (bei gleichzeitig str-
 Move Æ diskutiert. Lit. P. Ackema, Arguments kerer Zungenwçlbung) definiert ist; teilweise
and Adjuncts. HSK 42.1, 246–274. – G. Grewen- gleichbedeutend mit  gespannt verwendet. PM
dorf & J. Sabel, Scrambling in German and Japa- Adverb, Pl. ,ien (lat. ad-verbum ›zum Verb ge-
nese: Adjunction versus Multiple Specifiers. NLLT hçrig‹. In Schulgrammatiken auch: Umstandswort,
17, 1999, 1–65. – D. Hole, Arguments and Ad- Beiwort. Engl. adverb, frz. adverbe) Im Dt. offene
juncts. HSK 42.2, 1284–1320. – Haegeman, 2GB –  Wortart, deren Bestand ber 1000 Lexeme um-
M. Kracht, Is Adjunction Compositional? Research fasst und durch  Wortbildung erweiterbar ist. Aus-
on Language & Computation 6.1, 2008, 53–77. – schließl. Sprachen, die auch ber Adjektive verf-
Weitere Lit.  Adjunkt,  Substitution (2). F, MYP – gen, haben A. ausgebildet. In der Sprachbeschrei-
2. Der Logiker P. Lorenzen benennt als A. die in- bung wird das unflektierbare A. oft als  Papier-
klusive ODER-Verbindung von Aussagen (lat. vel korbkategorie missbraucht, d. h. der Klasse werden
›und/oder‹, Symbol v): Die Aussage p v q ist wahr, andere unflektierbare, ansonsten schwer einzuord-
wenn mindestens p oder q wahr, und nur dann nende lexikal. Einheiten zugesprochen. Dies hat das
falsch, wenn p und q falsch sind. Whrend i. d. R. Verstndnis der Kategorie A. lange verdunkelt. A.
diese Wahrheitsfunktion als  Disjunktion bezeich- sind Nachbarkategorie der  Adjektive, beide Wort-
net wird, verwendet Lorenzen (und mit ihm einige arten fungieren als Modifikatoren ( Modifikation
Linguisten) diesen Terminus, da er unter Disjunk- 2). Adverbial stehende Adjektive wurden bisweilen
tion die exklusive EXOR-Verbindung (lat. aut-aut flschl. als A. oder Adjektivadverbien bezeichnet.
›entweder-oder‹;  Kontravalenz,  Exklusion) ver- Missverstndl. ist auch die hufige Gleichsetzung
steht;  Konjunktion (2). RB – 3.  Adjunkt (1). der syntakt. Funktion  Adverbial mit der Wortart
Adlativ (lat. adlātum ›herangebracht‹. Auch: Alla- A. Eine eindeutige Zuordnung von Lexemen zur
tiv)  Kasus (Richtungskasus), z. B. der finnougr. Kategorie A. kommt ber morpho-syntakt. Merk-
Spr. mit der Kasusbedeutung ›Ziel einer Ortsvern- male zustande: (a) A. sind unflektierbar, (b) haben
derung‹, z. B. finn. {-lle}, talolle ›zum Haus hin‹, Satzgliedcharakter (sind also erststellfhig), (c) fun-
ungar. az authoz ›zum Auto hin‹;  Lokativ. G gieren im Satz nicht als  Subjekte. (a) ermçglicht
Admirativ (lat. admı̄rārı̄ ›staunen‹) In einigen Spr. die Abgrenzung des A. vom  Adjektiv, welches
 Modus, der Erstaunen, Verwunderung ausdrckt, i. d. R. flektierbar ist. Nur wenige A. sind kompa-
z. B. im Alban. G rierbar, wobei auf Suppletivformen ( Suppletion)
Adnexio  Zeugma zurckgegriffen werden muss: bald – eher – am
Adnominal (lat. ad nōmen ›zum Nomen gehçrig‹) ehesten, gern – lieber – am liebsten, oft – çfter –
Bez. fr syntakt. Elemente, die in einer  endozen- am hufigsten, sehr – mehr – am meisten. (b) unter-
trischen Konstruktion das regierende Nomen modifi- scheidet A. von  Partikeln, die generell keinen
zieren bzw. semant. nher bestimmen. A. Elemente Satzgliedstatus haben. (c) trgt der Tatsache Rech-
realisieren die Kategorie  Attribut;  Adverbal. SN nung, dass A. im Satz Adverbial,  Attribut,  Ob-
Adoptivform  Hybridbildung jekt sein kçnnen, aber nie Subjekt. Die Binnenglie-
Adposition (lat. adpositiō ›Zusatz‹. Engl. adposi- derung der A. kann ber ihren  Skopus vorgenom-
tion) berbegriff fr  Prposition,  Ambiposition, men werden. Je nach der Bezugsgrçße sind zu un-
 Postposition und  Zirkumposition. PT terscheiden  Grad- und Fokusadverbien, Modalad-
Adressat (engl. addressee, frz. destinataire) 1. Der- verbien ( prdikatsbezogene A.),  Satzadverbien,
jenige, an den eine sprachl. Handlung gerichtet  Textadverbien. Eine Sonderstellung nehmen Lo-
wird. In der unmittelbaren  face-to-face-Kommuni- kal- und Temporaladverbien ( Situierungsadver-
kation ist ein Hçrer (H) der A. der ußerung eines bien; gestern, dort) und  Pronominaladverbien (da-
 Sprechers (S). In komplexeren Kommunikations- ran, worber) ein, die Proformcharakter ( Pro-
konstellationen (z. B. in den Medien oder im polit. form) haben und als Deiktika fungieren ( Deixis).
Diskurs) kann ein und dieselbe Sprechhandlung Mehr als 80 % des A.-Wortschatzes bestehen aus
sich an mehrere A. richten und dabei unterschiedl. komplexen Bildungen. ber zehn  Suffixe sind
illokutive Qualitt annehmen (Mehrfachadressie- ausschließlich fr die  Ableitung von A. vorgese-
rung). Bei  Texten wird der Adressatenbezug auf- hen, darunter -ens, -mals, -orts, -weise und -erweise.
grund der zerdehnten  Sprechsituation hufig dif- Die adverbiale  Komposition unterliegt anderen
fus. 2.  Rezipient. E Regularitten als die des  Substantivs. Die Glieder
Adressatenpassiv  Rezipientenpassiv zusammengesetzter A. kçnnen nicht als  Bestim-
Adresse  Lemma mungswort und  Grundwort gewertet werden. Viel-
Adsentential  Satzadverbial mehr sind die  Stmme univerbiert ( Univerbie-
Adstrat  Superstrat rung), ›zusammengewachsen‹. Komplexe A. bilden
ADSV Allgemeiner Deutscher Sprachverein morphol. klar umgrenzte Klassen, bspw. A. + Pr-
Advanced tongue root (engl. ›vorverlagerte Zun- position: vornedurch, hintendurch, mittendurch.
Adverbial 13

 Krzungen im A.-Wortschatz sind auf die Unter- eine syntakt. nicht gut gegeben werden kann. Stei-
klasse der  Pronominaladverbien beschrnkt und nitz’ Einteilung (1969) beruhte auf dem Aspects-
grammatikalisieren sich zu  Verbzustzen ( Gram- Modell Chomskys (1965) und postulierte zwei
matikalisierung). Kontaminationen kommen bei den Hauptkategorien von A.en: eine, die eine obligator.
A. selten vor: knallfall (aus Knall auf Fall), lauthals Ko-Konstituente zum Verb darstellt, und eine frei
(aus laut aus vollem Halse). Wenige  Reduplika- hinzufgbare. Mittlerweile gilt die berzeugung,
tionsbildungen: ruckzuck, holterdiepolter. In typo- dass Weglassbarkeit ein schlechtes Kriterium fr
log. orientierten Forschungsrichtungen wird derzeit die syntakt. Def. und Beschreibung von A.en ist,
versucht, universale Funktionen oder Bedeutungen da es fast immer Umstnde gibt, unter denen sie
fr die Wortart A. bzw. ein ›typisches‹ A. zu destil- wegfallen kçnnen (sogar bei Lokal-A.en): Die Lam-
lieren ( Prototypensemantik). Fr das Dt. gilt, dass pe hngt. Zudem kçnnen A.e im Kontext lokalist.
die Makrokategorie A. zu stark differenziert ist, um zu interpretierender Verben auch aus dem nicht-
einen  Prototypen auszubilden, die Binnenklassen lokalen Bereich selegiert werden: Die Lampe hngt
jedoch durchaus Prototypen aufweisen. Lit. J. van endlich. Lokal-A.e kçnnen weiterhin wegfallen,
der Auwera (ed.), Adverbial Constructions in the wenn an ihre Stelle ein anderes fokussierbares Ele-
Languages of Europe. Bln., N. Y. 1998. – G. Cin- ment tritt: Katinka verbrachte ihre Ferien in Schwe-
que, Adverbs and Functional Heads. A Cross-Lin- den vs. *Katinka verbrachte ihre Ferien vs. Katinka
guistic Approach. Oxford 1999. – C. Guimier & P. verbrachte ihre Ferien angenehm. Die Obligatorik
Larcher (Hgg.), L’adverbe dans tous ses tats. Ren- von Adverbialtypen ist also kein rein syntakt. Ph-
nes 1991. – P. Ramat & D. Ricca, Prototypical Ad- nomen, »sondern eng mit der Informationsstruktur
verbs: On the Scalarity/Radiality of the Notion of [des Satzes] verknpft« (Pittner 1999, 12). A.e sind
Adverb. In: Rivista di Linguistica 1994, 6:2, 289 – damit weglassbar, solange der verbleibende Satz
326. – F. Schmçe (Hg.), Das Adverb. Zentrum und noch ausreichend informativ ist. Daher sind auch
Peripherie einer Wortklasse. Wien 2002. – Versuche, A.e in der  Valenzgrammatik vor dem
F. Schmçe, Die dt. A. als Wortklasse. Habil. Schrift. Hintergrund der Unterscheidung zwischen  Ergn-
Bamberg 2003. SO zung und  Angabe zu kategorisieren ( Kategori-
Adverbal Bez. fr unflektierbare Elemente (Adv. sieren), nicht zu einem Durchbruch gekommen.
und Prp.), welche sich semant. (teilweise lexikali- Insbesondere bei Positionsverben wie sitzen, liegen,
siert,  Rektion) auf das regierende Verb beziehen hngen gelten Lokal-A.e als Ergnzungen, wodurch
und dieses bezgl. eines Sachverhaltes oder der spezielle Umstnde bemht werden mssen, um
raum-zeitl., modalen und kausalen Bestimmung Stze wie Die Lampe hngt erklren zu kçnnen
modifizieren, z. B. mde abwinken. SN (s. o.). – Die Unterscheidung A. vs. Objekt ist eben-
Adverbe de mode  Modaladverb falls nicht ber die Obligatorik operationalisierbar,
Adverbial n. (auch: Adverbialbestimmung, Adver- sondern allein plausibel im Kontext der traditionel-
bialergnzung, Umstandsbestimmung, Umstandser- len Annahme, dass A.e ›unregiert‹ sind in dem
gnzung. Abk. Advb. Engl. adverbial (phrase), frz. Sinne, dass sie in ihrer Form nicht durch das Verb
complment circonstanciel) A. bezeichnet sowohl determiniert werden. – Nicht jedes A. ist mit jedem
die grammat. Funktion als auch den sprachl. Aus- Verb vertrgl. Durativitts-A.e bspw. kçnnen nur
druck eines Satzgliedes, das die Umstnde des vom mit atel. Verben stehen: Er hockte stundenlang vor
Satz bezeichneten Geschehens nher bestimmt, und der Glotze. – Weiterhin offen ist die Unterscheidung
zwar bezogen auf Ort (Karl lebt in Mnchen), Rich- zwischen A. und  Attribut: (a) Er sitzt auf dem
tung (Karl fhrt nach Genf), Dauer (Er wartete Bcherstapel (Adverbial), (b) Der Mann auf dem
zwanzig Jahre), Zeitpunkt (Um 7:32 hob die Ma- Bcherstapel (Attribut). Pittner spricht bei Letz-
schine ab), Frequenz (Er reiste siebenmal nach teren von A.en in attributiver Funktion. – Steinitz
Chicago), Art und Weise (Karl schuftet wie ein problematisierte bereits die Unterscheidung zwi-
Tier), oder auch in kausaler (aus Angst), konditio- schen A. und  Prdikativ in Fllen wie: Der Teddy
naler (bei Regen), finaler (zur Erholung), konzessi- sitzt auf der Schaukel (Adverbial) vs. Der Teddy ist
ver (trotz vieler Probleme), konsekutiver (Sie sehen auf der Schaukel (Prdikativ). Sie schlgt vor, Ver-
sich zum Verwechseln hnlich) Hinsicht. Der Be- ben wie sitzen als semant. angereicherte Kopula zu
griff A. suggeriert eine Beziehung zum Verb(kom- verstehen, da ein plausibler Grund fehlt, die syntakt.
plex) und signalisiert eine Verwandtschaft zum Ter- Funktion der PP in den entsprechenden Stzen zu
minus  Adverb, womit unterstellt wird, dass Ad- unterscheiden. – Interessant auf dem momentanen
verbien die klass. Ausdrucksmittel fr A.e seien. Stand der Forschung zum A. sind v. a. folgende
Dies birgt die Gefahr, die Satzfunktion mit der Fragen: (1) Welche A.e kçnnen gedoppelt werden,
Wortklassenkategorie ( Wortart) zu verwechseln. (2) wie kçnnen sie als Komplex eine einzige Kon-
A.e werden außerdem durch  Prpositionalphrasen stituente bilden, (3) welche kçnnen koordiniert wer-
und  Nominalphrasen ausgedrckt und kçnnen den, (4) wie beinflusst ihre Stellung im Satz dessen
satzfçrmig sein ( Adverbialsatz). – Die Def. von Interpretation? Ad (1): Mehrfaches Auftreten des-
A. als ›Umstandsbestimmung‹ ist eine semant., da selben A.-Typs im einfachen Satz ist mçgl., wenn
14 Adverbial

die konzeptuelle Struktur eine Enthaltensein-Rela- unklar ist, ob sie zu den Komposita zu zhlen
tion vorgibt: Carolina wohnt in Madrid in der Calle sind. Bei A. wie sowieso oder sozusagen ist die
de Arnzazu. Entsprechend ist dann, wenn die Ent- Kompositionslesart ausgeschlossen, hier werden
haltensein-Relation ausgeschlossen ist, eine Dopp- syntakt. Einheiten adverbialisiert;  Zusammen-
lung ungrammat.: *Sie wohnt in Madrid in Bam- rckung,  Zusammenbildung. ES
berg. Ad (2): Zwei A.e kçnnen ein komplexes, nur Adverbialkasus Obliquer  Kasus in adverbialer
gemeinsam verschiebbares A. bilden und sind dann Funktion ( Adverbial), im Dt. Akkusativ und Ge-
als eine Konstituente zu verstehen: Er hat seine nitiv in Raum-, Zeit- und Gradangaben, z. B. Jochen
Sachen oben im Schrank (Pittner 1999, 88). Ad blieb die ganze Woche zu Hause; Das Ulmer Mns-
(3): Nicht nur A.e des gleichen Typs sind koordi- ter ist 148 Meter hoch; Leichten Schrittes kam
nierbar, sondern auch solche unterschiedl. Typs: Annette des Wegs. A.-Konstruktionen sind nicht
hierzulande und heutzutage (Pittner 1999, 91). Die pronominalisierbar, vgl. *Jochen blieb sie zu Hau-
Erklrung basiert auf der Annahme einer gemein- se; *Das Ulmer Mnster ist sie hoch, und sie sind
samen Einordnungsinstanz (Lang 1977): Der Satz nicht passivfhig, vgl. *Die Woche wurde von Jo-
bleibt informativ, wenn ein konzeptueller Rahmen chen zu Hause geblieben; *Des Wegs/leichten
vorhanden ist, in den beide A.e eingeordnet werden Schrittes wurde von Annette gekommen. G
kçnnen. Es gibt Indizien, dass die Koordination von Adverbialpartizip  Gerundium,  Partizip
A.en umso leichter mçglich ist, je allgemeiner ihre Adverbialsatz (auch: Umstandssatz. Engl. adver-
Bedeutung ist. Außerdem kçnnen A.e und Objekte bial clause, frz. (proposition) circonstancielle) (Ne-
koordiniert werden: Das kann jedem und jederzeit ben-)Satz, der im  Matrixsatz die syntakt. Funktion
passieren (Pittner 1999, 92). Ad (4): Die Stellung eines  Adverbials bernimmt. A. sind abzugrenzen
von A.en im Satz bestimmt oft dessen Interpreta- von  Subjektstzen und  Objektstzen und unter-
tion: Ich bin schon hungrig – (a) du kçnntest lang- scheiden sich von Letzteren auch in ihren (in unter-
sam das Essen kochen; (b) du kçnntest das Essen schiedl. Hinsicht freieren) Stellungseigenschaften.
langsam kochen. Die hier zu favorisierende Varian- Mehr als Subjekt- und Objektstze kçnnen A. au-
te (a) bezieht sich auf die Schnelligkeit des Ein- ßerdem intonator. nicht-integriert sein, sie sind dann
tretens des Ereignisses, whrend (b) die Geschwin- durch Pausen deutl. vom Matrixsatz abgetrennt. Fr
digkeit des Prozessvollzugs bezeichnet. Interessant verschiedene Typen des A. kçnnen unterschiedl.
ist bei Lesart (a) die semant. Umkehrung von lang- Grundpositionen im Mittelfeld ( Feldgliederung)
sam ins Gegenteil. Die genannten Befunde verwei- festgestellt werden, es gibt also keine einheitl. Stel-
sen darauf, wie vielfltig sich die  Semantik in der lung fr A. – Oft werden auch  Infinitkonstruktio-
 Syntax manifestiert. Lit. Chomsky, Aspects. – R. nen zu den A. gerechnet, da sie im Matrixsatz die
Steinitz, A.-Syntax. Unter Mitarbeit von E. Lang. entsprechende Funktion ausben: Er schwamm hi-
Bln. 1969. – E. Lang, Semantik der koordinativen naus, ohne sich umzusehen. Obwohl außerordent-
Verknpfung. Bln. 1977. – K. Pittner, A.e im Dt. lich vermçgend, lebte Karl nie im Luxus. – Wie
Untersuchungen zu ihrer Stellung und Interpretation. auch  Adverbiale werden A. semant. untergliedert,
Tbingen 1999. – K. Hansson, Adverbiale der Art und zwar in Orientierung an den sie einleitenden
und Weise. Gçteborg 2007. SO  Konjunktionen (Pittner 1999, 225 ff.):  Temporal-
Adverbialadjektiv  Adjektiv satz,  Kausalsatz,  Konditionalsatz,  Exzeptiv-
Adverbialbestimmung  Adverbial konditionalsatz,  Konzessivsatz,  Irrelevanzkondi-
Adverbiale Bestimmung  Adverbial tional,  Konsekutivsatz,  Finalsatz,  Modalsatz
Adverbialer Akkusativ  Adverbialkasus und der eine Sonderstellung einnehmende  Lokal-
Adverbialer Genitiv  Adverbialkasus satz. Die Untergliederung nach semant. Kriterien
Adverbialergnzung  Adverbial hat zur Folge, dass die Abgrenzung im Einzelfall
Adverbialis m.  Kasus des Georg., dessen Kasus- nicht immer trennscharf vorgenommen werden
morphem {-ad} mit dem Ableitungsmorphem von kann und verschiedene Grammatiken unterschiedl.
Adverbien identisch ist, mit der Kasusbedeutung ›in viele Arten von A. kategorisieren. – Bestimmte A.
der Eigenschaft von, als‹, z. B. prophesorad ›als des Dt. kçnnen ohne einleitende Konjunktion ste-
Professor‹;  Essiv. G hen, z. B. Htte er mehr Mut, wrde er sich wehren
Adverbialisierung Bez. fr Wortbildungsprozesse, (die Verberststellung evoziert die konditionale Les-
deren Resultat  Adverbien sind. Im Dt. ist die Zahl art;  Uneingeleiteter Nebensatz). Auch Stze ohne
entsprechender Suffixe beschrnkt, insbes. gibt es spezif. formales Merkmal wie Er konnte nicht mit,
kein Suffix, das regelhaft Adjektive in die Klasse er war erkltet kçnnen als A. verstanden werden. –
der Adverbien berfhrt, wie etwa -ly im Engl. Das Die aktuelle Forschung zu den A. interessiert sich
produktivste Suffix zur A. drfte -s sein, es trans- v.a. fr deren unterschiedl. Stellungseigenschaften,
poniert Subst. (morgen-s), Adj. (bereit-s) und Ver- Informationsstruktur und Intonatorik. Lit. K. Pitt-
ben/Partizipien (vergeben-s) gleichermaßen. Neben ner, A.e im Dt. Untersuchungen zu ihrer Stellung
Suffigierungen spielen auch  Univerbierungen eine und Interpretation. Tbingen 1999. Weitere Lit.
Rolle (unten-, oben-, mittendrin usw.), bei denen  Adverbial. C, RL, SO
Affektiv 15

Adverbialverschiebung Wird eine unmittelbare Akte der Kontaktaufnahme, fr die verbale und
ußerung ( direkte Rede) in die zitierende  indi- nonverbale ( Gestik,  Mimik,  Augenkommuni-
rekte Rede transformiert ( Redewiedergabe), ist es kation,  nonverbale Kommunikation) Kundgabe
notwendig, die Deiktika ( Deixis) neu zu perspek- der Absicht, mit einer anderen Person zu kommuni-
tivieren. Wenn z. B. Wolfgang aus Hannover an zieren, ein Gesprch aufzunehmen. G
einem bestimmten Tag am Telephon sagt: Gestern Adyg(h)eisch Karte  Kaukasische Sprachen;
hat hier die Expo 2 000 begonnen, dann mssen in  Tscherkessische Sprachen
der Zitierung die Referenten beider Adverbiale Adygische Sprachen  Tscherkessische Sprachen
durch A. identifizierbar gemacht werden: Wolfgang Adynaton n. (griech. BÆ (adynaton) ›das
sagte eben/heute, dass in Hannover gestern die Unmçgliche, das Untaugliche‹). Das A. als  rheto-
Expo 2000 begonnen habe. G rische Figur umschreibt ( Periphrase) den Begriff
Adverbphrase (engl. adverb phrase) In der GG des ›Unmçglichen‹ in hyperbol. Weise ( Hyperbel)
Bez. fr einen syntakt. Komplex, der als  Projek- durch die Behauptung der Existenz einer offen-
tion eines  Adverbs gilt. Die A. ist der fnfte sichtl. (Natur-) Unmçglichkeit, die in eine Bezie-
Phrasentyp neben NP, VP, PP und AP. Innerhalb hung gesetzt wird (z. B. durch einen Vergleich) zu
der GG besteht Uneinigkeit, ob A. angenommen einem Sachverhalt, der damit gleichfalls als ›un-
werden sollen. Alexiadou und Brandt et al. spre- mçglich‹ kenntlich gemacht werden soll. Der Sinn
chen sich dafr aus, sofern Erweiterbarkeit besteht: ergibt sich aus der bertragung der Negation auf
He is [very seriously] in love with her (Alexiadou die Vergleichsaussage, z. B. »hier ist kein Raum
1997, 6); [ziemlich weit links] von der Mitte (Brandt zum Entrinnen mehr – so gewiss Kirschen auf die-
et al. 1999, 97). Lit. A. Alexiadou, Adverb Place- sen Eichen wachsen, und diese Tannen Pfirsiche
ment: A Case Study in Antisymmetric Syntax. tragen, so gewiss werdet Ihr unversehrt diesen Ei-
Amsterdam 1997. – P. Brandt et al., Sprachwissen- chen und Tannen den Rcken kehren« (F. Schiller,
schaft. Ein roter Faden fr das Studium. Kçln u. a. Die Ruber II,3). VS
1999. SO Affect alpha In der GG Oberbegriff fr grammat.
Adversativ (lat. adversātı̄vus ›gegenstzlich‹. Auch: Operationen, die eine Kategorie Æ bewegen, ein-
entgegenstellend. Engl. adversative, frz. adversatif) fgen oder tilgen,  Move Æ,  Adjunktion,  Sub-
1. Zwischen zwei Stzen besteht eine a. Beziehung, stitution. F
wenn sie semant. miteinander kontrastieren, einen Affektgemination (lat. affectus ›Gefhl, Leiden-
Gegensatz ausdrcken. Die a. Beziehung kann schaft‹, geminātiō ›Verdopplung‹) Gelegentlich Bez.
durch Adversativpartikeln (dt. indessen), durch fr Silbenreduplikationen im frhkindl.  Sprach-
koordinierende Konjunktionen (dt. aber, jedoch erwerb, etwa Mama, Papa ( Reduplikation,  Ite-
u. a.) oder durch Subjunktionen (dt. whrend, in- ration). Es wird auch diskutiert, ob Graphemver-
des(sen)) ausgedrckt werden;  Adversativsatz. C, dopplungen expressive Funktionen haben bzw.
G – 2. (Russ. vozmozno-protivitel’noe) In manchen hatten. Einen berblick ber die Literatur zu ex-
Spr. morpholog. realisierte Kategorie des Verbalmo- pressiver Gemination im Germ. bietet Lhr
dus (mit hnl. semant. Funktion wie in 1. beschrie- (1988), die aber die Ursachen fr Gemination
ben), z. B. im Adygeischen ( Tscherkessische Spra- meist nicht im  »Gefhlswert« (ebd., 88) sieht.
chen). G Lit. R. Lhr, Expressivitt und Lautgesetz im
Adversativsatz Durch eine  adversative (kontras- German. Heidelberg 1988. ES
tierende) Subjunktion (z. B. dt. whrend) eingeleite- Affektiv (lat. affectus ›Gefhl, Leidenschaft‹) 1. Die
ter  Adverbialsatz, z. B. Whrend Wolf Chopin a. oder  emotive Bedeutung lexikal. Zeichen (ihr
liebt, ist Maria ein Schubert-Fan. Nicht alle durch  Gefhlswert) ist ein wesentl. Teil ihrer  Konno-
whrend eingeleiteten Stze sind in gleichem Maße tation (2). Sie beruht u. a. auf konventionellen Ge-
adversativ zu interpretieren, da whrend auch tem- fhlen gg. der bezeichneten Sache (Folter, Krebs,
porale Bedeutung haben kann ( Gleichzeitigkeit): Erfolg) oder gg. der soziolektalen Herkunft des
Whrend Wolf kocht, liest Maria Zeitung. Kontras- Lexems (latschen, piepe, Wampe). Daneben gibt es
tierende Stze in adversativem Sinne kçnnen auch spezielle Zeichen, die dem Affektausdruck dienen,
durch konzessive und konditionale Konjunktionen u. a. »Affektlaute« (Au!, Ih!) und ein Teil der  In-
(Spielte er auch damals gern Piano, so interessiert terjektionen (Mist! Irre! Mensch!). A. Bedeutungen
sich Wolf jetzt nur noch fr Bratschen) verknpft werden im Text durch  Kollokationen geschwcht
werden; ebenso kçnnen satzwertige Infinitive ad- oder verstrkt und hufig bei »uneigentl.« Lexem-
versativ gelesen werden, z. B. Statt den Schalter zu gebrauch ( Tropus,  Metapher,  Metonymie,
drehen, starrte er auf das blinkende Lmpchen. – A.  Hyperbel,  Ironie) durch die »Bildspanne« zwi-
kçnnen nicht unmittelbar erfragt werden, sind nicht schen  Designat und Referenzobjekt allererst her-
durch eine PP oder ein Adverb substituierbar und vorgerufen. Durch die  Lexikalisierung solcher
nicht negierbar (*nicht whrend). C, RL Tropen ist eine Flle a. stark aufgeladener Lexeme
Adversion (lat. advertere ›hinwenden‹) In der For- und  Phraseologismen entstanden, etwa metaphor.
schung ber  Anredeformen verwendete Bez. fr  Schimpfwçrter wie Affe, Schwein, Esel ( Pejora-
16 Affektiv

tiv). H. Sperber hat gegen H. Paul die Wichtigkeit heitsbedingungen des Satzes verndern. Diese blei-
der a. Antriebe als »Ursache der Sprachvernde- ben andererseits erhalten bei Verneinung des Ge-
rung« aufgezeigt. Lit. H. Sperber, ber den Affekt genteils (Ist der Vogel tot? / Lebt der Vogel nicht
als Ursache der Sprachvernderung. Halle a. S. mehr?); bei nicht-strikter  Kontradiktion (Mein
1914. – R. Fiehler, Kommunikation und Emotion. Bruder ist wach / schlft nicht. Denk dran! / Vergiss
Bln., N. Y. 1990. Weitere Lit.  Emotiv. RB – 2. es nicht!) wird die quivalenz affirmativer und
Emotional bedingte Variation der Aussprache, die negativer Formulierungen i. d. R. durch den Kontext
akzentbedingt beispielsweise zu Vokalqualittsn- gewhrleistet, der die mangelnde Spezifik der ne-
derung,  Diphthongierung fhrt; auch a. Gemina- gativen Prdikation auf das gemeinte ›Gegenteil‹
tion (z. B. lat. tōtus > ital. tutto). PM 3. In einigen einengt. Lit. J. C. A. Heyse/K. W. L. Heyse, Theo-
Spr., in denen  affektive Verben existieren, speziel- ret.-prakt. dt. Gramm. 2. Bd. Hannover 51849. –
ler (Subjekts-) Kasus zur Markierung der »affekti- K. F. Becker, Ausfhrl. dt. Gramm. 2. Bd. Prag
vischen« Konstruktion (mit dem  Absolutiv als 1870. – (HWP): A. Menne, Affirmation/Bejahung.
Objektskasus). G In: Histor. Wb. der Philosophie. Hg. J. Ritter &
Affektives Verb In einigen Spr., z. B. vielen  kau- K. Grnder. Bd. 1, A–C. Darmstadt 1971. RB
kasischen Sprachen, vorhandene Klasse von Verben Affix (lat. affı̄gere ›anheften‹) Sammelbez. fr ge-
(i. d. R.  verba sentiendi), die eine spezielle, weder bundene Morpheme, mit deren Hilfe a) Wçrter oder
»transitive« noch »intransitive« syntakt. Konstruk- b) flektierte Wortformen gebildet werden. Der Ter-
tion bewirken (z. B. im Georg. mit Subjekt im Dat.- minus ist damit ein Hyperonym heterogener Er-
Akk., in einigen  ostkaukas. Spr. im  Affektiv 3.), scheinungen, weswegen terminolog. differenziert
nml. die sog. »inversive« oder »affektive« Satz- wird: A., mit denen neue Wçrter generiert werden,
konstruktion. G sind Wortbildungsaffixe (Wort  wçrtlich;  Wort-
Affigierung (lat. affı̄gere ›anheften‹. Engl., frz. affi- bildungsmorphem), A., die Wçrter den syntakt.
xation) Bez. sowohl des Wortbildungsprozesses, in Kontexten anpassen, in denen sie stehen (Wort
dem Affixe an Stmme angefgt werden (Wort  Wçrter), sind Flexionsaffixe (auch:  Flexive).
 Wçrtchen) als auch der Erweiterung von Stmmen Whrend Flexive im Dt. rechts stehen (zur Partizi-
durch Flexive (Wort  Wçrter);  Affix,  Flexion, pienbildung s. u.), sind Wortbildungsmorpheme ent-
 Derivation. ES weder links- oder rechtsperipher, woraus sich wei-
Affiliation (lat. affı̄liātiō ›Adoptierung‹) Zuweisung tere Subkategorien ergeben:  Prfixe stehen vor der
einer Spr. zu einer  genetisch einheitl.  Sprach-  Ableitungsbasis (Unwort),  Suffixe hinter ihr
familie ( Sprachverwandtschaft) und Bestimmung (wçrtlich). Da das Dt. eine rechtskçpfige Spr. ist
ihrer Position innerhalb dieser Familie, meist unter ( Rechtskçpfigkeit), unterscheidet sich die Funk-
Rckgriff auf die sog.  Stammbaumtheorie. GP tion von Wortbildungsprfixen und -suffixen signi-
Affinitt  Lexikalische Solidaritten fikant: Prfixe modifizieren ( Modifikationen),
Affirmation (lat. affirmātiō ›Versicherung; Beja- whrend Suffixe die wortkategorialen Eigenschaf-
hung‹; griech. ŒÆçÆ Ø (kat phasis); engl., frz. ten ( Wortart) festlegen;  Transposition. Diskonti-
affirmation) 1. In der rhetor./bildungssprachl. Be- nuierl. Wortbildungsmorpheme mit einem Bestand-
deutung »bekrftigende Sprachhandlung« (so schon teil vor und einem nach dem affigierten Stamm
bei Quintilian IX 3, 28). 2. Aristoteles (peri herme- ( Zirkumfix) sind weder hufig noch synchron pro-
neias 5) unterscheidet zwei Grundformen »einheit- duktive Wortbildungsmittel, sie existieren aber etwa
licher aussagender Rede«: das »Zusprechen« (kat - in den Ge-…-e-Ableitungen (Gemlde, Gebilde
phasis) und »Absprechen« (apphasis;  Negation); etc.). Analoges ist in der verbalen Flexion zu be-
die bersetzung affirmatio fr die positive Aussage obachten (gemalt, gebildet). Hier ist strittig, ob nur
stammt von Boethius. Dieser Ausdruck bzw. das das finale Element Flexiv ist oder ob ein zweiteili-
Adj. affirmativ leben fort in Logik und Grammatik, ges Affix (Zirkumfix) anzusetzen ist. Ein weiteres
wobei bis ins 20. Jh. i. d. R. zwischen Satzform, Ur- deskriptives Problem stellen Affixe dar, die zwi-
teil und Behauptung ( Assertion) nicht reinlich schen Stmmen stehen (Wçrterbuch), denn diese
unterschieden wird (prototypisch: J. C. A. Heyse, haben homophone Flexive (ohne selber Flexive zu
S. 6 ff.; vgl. auch HWP). In sprechakttheoret. re- sein), sie modifizieren oder transponieren auch
flektierter Sicht ist der Terminus ›A.‹ allenfalls nicht (anders als  Formative). Diese  Infixe haben
brauchbar zur Bezeichnung des positiv-unmarkier- andere, außermorpholog. Funktionen, ebenso wie
ten Modus der  Prdikation, der sowohl in  Asser- Elemente, die aus phonolog. Grnden zwischen
tionen als auch in anderen Sprachhandlungen (z. B. Stmmen und Affixen eingefgt werden (eigen-t-
 Frage,  Aufforderung) vorliegen kann. Ein affir- lich). Die Bez. und die vermuteten Eigenschaften
mativer Satz ist (i. d. R.) ein Gefge aus positiven dieser Binnenelemente variieren betrchtlich. Un-
Prdikationen (HEIRATET (x, y) – CHEF (x) – strittig ist, dass sie Affixe sind. Die gngigste Be-
SEKRETRIN (y): Der Chef heiratet die Sekret- zeichnung ist  Fuge. ES
rin), deren Negierungen (Nicht der Chef… /… hei- Affixation  Affigierung
ratet… nicht /… nicht die Sekretrin) die  Wahr- Affixbildung  Affigierung
Afrikanische Schriftsysteme 17

Affixoid (auch: Halbaffix) Heute weithin abgelehnte schreibt wiederholte Handlung; tendenziell nicht-
Morphemkategorie, deren Mitglieder Grundmor- rhot. Variett, wobei sogar intervokal. /r/ nicht ge-
pheme sind, die z. T. deutl. Anzeichen von Gram- sprochen wird (z. B. in warrior). Variation nach
matikalisierung aufweisen. Anders als ihre Homo- Region, Alter und sozialer Klasse. Lit. R. Ward-
phone kommen sie nur als Erst- ( Prfixoid) oder haug & J. Fuller, An Introduction to Sociolinguis-
Zweitglieder ( Suffixoid) vor. Semant. Restriktio- tics. Malden, MA, Oxford 72015. WW
nen erinnern an Funktionen, die gemeinhin Affixen Affrikate f. (lat. affricāre ›anreiben‹. Auch: ange-
zugewiesen werden; vgl. die augmentierende Funk- riebener Laut, Anreibelaut. Engl. affricate, frz. af-
tion von riesen- (Riesenspaß;  Augmentativum) friqu) Verbindung eines  Plosivs mit einem fol-
oder die Funktion von -werk (Astwerk;  Kollekti- genden  homorganen ((an)/mit gleicher/m Arti-
vum) Neben phonet. Identitt sowie etymolog. und kulationsstelle/artikulierendem Organ gebildetem)
semant. Verwandtschaft mit entspr. freien Grund-  Frikativ, z. B. dt. [pf], K pf L; [ts], K (t)z L. Der mono-
morphemen wird hufig eingeschrnkte  Reihen- bzw. biphonemat. Status der Affrikaten ist dabei
bildung als Merkmal benannt. Allerdings leistet theorieabhngig (als monophonemat. werden A. im
keines der Merkmale – ebensowenig ihre Summe Ggs. zu Plosiven auch mit dem binren phonolog.
– Abgrenzbarkeit in die eine Richtung zum Affix distinktiven Merkmal [+ delayed release] gekenn-
oder in die andere zum freien Grundmorphem, so zeichnet). Affrizierung ist der Lautwandelprozess
dass der Verzicht auf die Kategorie gerechtfertigt bzw. dessen Ergebnis, der/das zu Affrikaten fhrt,
erscheint. Lit. G. D. Schmidt, Das A. In: G. Hoppe z. B. in der 2. »hochdeutschen«  Lautverschiebung:
(Hg.), Dt. Lehnwortbildung. Tbingen 1987, 53– as. herta, penning vs. ahd. herza, pfenning. PM
101. – S. Olsen, Flickzeug vs. abgasarm: eine Stu- Affrizierung  Affrikate
die zur Analogie in der Wortbildung. In: F. G. Gen- Afganisch, Afghanisch  Paschto
try (Hg.), Semper idem et novus. Gçppingen 1988, Afrikaans  Germanische, genauer: westgerman.
75–94. ES Sprache, die sich seit der Kolonisierung Sdafrikas
Affiziertes Objekt (lat. afficere ›behandeln‹. Auch: vom 17. Jh. an auf der Basis ndl. Varietten ent-
betroffenes Objekt. Engl. affected object) Objekt, wickelt hat. A. wird von weißen und nicht-weißen
im Dt. meist Akk.-Objekt, das in einer besonderen Nachfahren der ndl. Kolonisten gesprochen, aber
semant. Relation zum Verb steht: das Objekt exis- auch von Nachfahren malai. Sklaven. Heute ber
tiert schon vor der durch das Verb bezeichneten 6 Mio. Muttersprachler. In Sdafrika, Namibia und
Handlung, unabhngig von dieser; es wird von der Botswana bedienen sich außerdem ca. 6 –20 Mio.
Handlung betroffen, ›affiziert‹, z. B. Sie liest ein Menschen des A. mit Sprachkenntnissen in unter-
Gedicht. Ggs.  effiziertes Objekt (lat. efficere ›her- schiedlicher Qualitt des A. als Zweit- und Dritt-
vorbringen, produzieren‹): das Objekt wird durch sprache. A. ist neben Engl. Staatsspr. der Republik
die vom Verb bezeichnete Handlung geschaffen, es Sdafrika, Karte  Afrikanische Sprachen, im An-
existiert erst als ihr Resultat, z. B. Sie schreibt ein hang. Gegenber dem Standardndl. weist das A.
Gedicht. PL erhebl. morpholog. Vereinheitlichungen auf; so
Afformativ (lat. ad- ›hinzu-‹, formāre ›formen‹) gibt es – wie im Engl. – keine nominalen Genera:
Perfektsuffix in  semitischen Sprachen, das Person, Es heißt die hand ›die Hand‹, aber auch die wolf
Numerus und Genus des Subjekts bezeichnet. Das ›der Wolf‹ und die kind ›das Kind‹. – Die Bez.
A. leitet sich histor. aus den freien Pers.pronomina Kaphollndisch fr A. ist gnzlich veraltet. – Or-
ab. WI thograph. Erkennungszeichen: (zur Unterscheidung
African American Vernacular English (Abk. von Ndl.) K y L anstelle von K ij L, K  L, K Þ L, K ı̂ L, K  L, K  L. –
AAVE. Frz. anglais vernaculaire afro-amricain, Das Dt. hat aus dem A. nur wenige Ausdrcke
anglais afro-amricain) Variett des  Amerikani- entlehnt, z. B. Apartheid von a. apartheid ›Abson-
schen English, die ihren Ursprung im amerik. Sden derung‹. Lit. R. Raidt, Einfhrung in Geschichte
hat und Gemeinsamkeiten mit anderen sdl. Dialek- und Struktur des A. Darmstadt 1983. – H. G. Schul-
ten des Engl. in den USA besitzt und einige phono- ze & G. P. J. Trmpelmann, Handwçrterbuch A.
log., morpholog. und syntakt. Besonderheiten auf- Bln. 1957. T
weist. AAVE wird v.a. gesprochen von sozial mar- Afrikanische Schriftsysteme Auf dem afrikan.
ginalisierten Amerikanern mit afrikan. Wurzeln. Kontinent entstandene Schriften sind u. a. (a) die
Typ. ist z. B. die Reduktion von Konsonantenclus- fr das  gyptische gebruchl.  Hieroglyphen,
tern (z. B. die Aussprache von Wçrtern wie desk die hierat. Schrift und die  demotische Schrift, (b)
und end ohne finalen Konsonanten), weiterhin die die meroit. Schrift, einer von ca. 200 v. Chr. bis ins
Realisierung des ›th‹ als /t/, /d/, /f/, /v/ oder /s/. Die 4. Jh. n. Chr. im Reich Meroe (Nord-Sudan) ver-
s-Markierung bei Verben der 3. Pers. Sg. fehlt im wendeten Buchstabenschrift mit Vokalzeichen, de-
AAVE z. T. (She like school). Kopulavariation, d. h. ren Zeichen einerseits den gypt. Hieroglyphen und
wenn be im Standard kontrahiert werden kann, Ge- andererseits der demot. Schrift entnommen waren,
brauch der Nullkopula (He good); habituelles be (c) die  Tifinagh-Schrift und (d) mehrere  west-
wird nicht konjugiert (I be, you be, …) und be- afrikanische Schriftsysteme. Die in thiopien ge-
18 Afrikanische Schriftsysteme

bruchliche  amharische (auch: thiop.) Schrift ist matik ist das A. das nominale Element der  Kasus-
dagegen aus Sdarabien bernommen und im Laufe relation Agentiv, welche von Ch. Fillmore ur-
der Jahrhunderte den Bedrfnissen der verschiede- sprngl. definiert wurde als »the case of the typi-
nen Spr. thiopiens angepasst worden. RE cally animate perceived instigator of the action
Afrikanische Sprachen (Karte im Anhang) Seit J. identified by the verb« (Fillmore 1968, 24). Schwie-
H. Greenberg werden die schtzungsweise 2 000 rigkeiten ergeben sich bei der przisen Bestimmung
a. S. zumeist in vier genet. als nicht verwandt gel- und Abgrenzung dieser Kasusrelation. Idealtyp.
tende Sprachphylen unterteilt: (a) die  afroasiati- sind als Merkmale zu nennen: (a) das A. bezeichnet
schen Sprachen, (b) die  Niger-Kongo-Sprachen einen Menschen (oder ein belebtes Wesen), der (b)
(frher: niger-kordofan. Spr.), (c) die  nilo-sahara- willentlich und intentional handelt, (c) eine Vern-
nischen Sprachen und (d) die  Khoisan-Sprachen. derung bewirkt, (d) verantwortl. ist fr die (Folgen
Die a. S. sind mehrheitlich  Tonsprachen (promi- der) Handlung;  Transitiv,  Ergativ,  Kausativ.
nente Ausnahme:  Swahili). Ansonsten sind die Lit. Ch. Fillmore, The Case for Case. In: E. Bach
a. S. typolog. so vielfltig, dass sich keine genera- & R. T. Harms (eds.), Universals in Linguistic
lisierenden Aussagen machen lassen. Lit. J. H. Theory. N. Y. 1968. PL
Greenberg, The Languages of Africa. Ldn. 31970 Agens-Actio-Modell (lat. agēns ›Handelnder, T-
(11963). – Handbook of African Languages. Ed. ter‹; actiō ›Handlung‹. Engl. actor-action) Schema
Internat. African Institute. Ldn. 1952 ff. – ALI 2000. fr den Aussagesatz, das von der Vorstellung aus-
– H. Jungraithmayr & W. J. G. Mçhlig (Hgg.), Lexi- geht, das Subjekt msse ein handelndes sein. Nach
kon der Afrikanistik. Bln. 1983. – CTL 7, 1971. – K. F. Becker (1775–1849) verbindet der Satz den
IEL, 1978. – W. Welmers, African Language Struc- Begriff einer Ttigkeit mit dem Begriff eines Seins
ture. Berkeley 1973. – W. Meier, Bibliography of derart, dass die Ttigkeit als Ttigkeit des Seins
African Languages. Wiesbaden 1984. RE betrachtet wird. L. Bloomfield (1887–1949) bedient
Afroasiatische Sprachen (frher: hamitosemiti- sich dieser Konstruktion, um an ihr einige elemen-
sche Sprachen) Ca. 370 Spr. umfassende Sprach- tare syntakt. Begriffe und Verfahren vorzufhren.
familie, die sich von Vorderasien ber Nordostafri- Sie besteht aus zwei unmittelbaren  Konstituenten.
ka bis nach Zentral- und Nordwestafrika erstrecken, Bloomfield (1935: 184 f.) gibt als engl. Beispiele:
Karte  Afrikanische Sprachen, im Anhang. Die a. John ran; John fell; Bill ran; Bill fell; Our horses
S. umfassen sechs Untergruppen: (1)  Berberspr., ran away. Die erste Konstituente ist je eine Form,
(2)  tschadische, (3)  kuschitische, (4)  omoti- die einer spezif. Formklasse angehçrt. Dieser Form-
sche, (5)  semitische Sprachen sowie (6) das klasse gehçrten John, Bill, our horses und andere –
 gyptische und  Koptische. Weitverbreitete mor- auch komplexere – Ausdrcke an, nicht aber bei-
pholog. bereinstimmungen gibt es bei den Perso- spielsweise ran oder very good. Die zweite Kom-
nalpronomina, der Kasusmarkierung, im Genussys- ponente ist eine Form aus einer anderen Formklasse
tem (z. B. Femininmorphem {t}), im nominalen und mit ran, fell, ran away sowie anderen – auch kom-
verbalen Derivationssystem (z. B. Prfix {m-} fr plexeren – Ausdrcken. In diese Klasse fallen nicht:
Nomina Agentis und Loci; Affix {s-}, {-s} fr John, very good. Die erste Konstituente steht vor
Kausativierung/Transitivierung), im Aspektsystem der zweiten, jede nimmt in der Reihenfolge eine
(Perfektiv- vs. Imperfektivstmme) sowie Gemein-  Position ein. Die Konstituenten sind nicht ver-
samkeiten im Grundwortschatz (z. B. Berber. i-@ s, tauschbar. Die erste Position bernimmt die Agens-
gypt. kś, Kuschit. *k’aš-, Omot. *k’us-, Tschad. Funktion, die zweite die Actio-Funktion. Die Bedeu-
*’Jaş-u ˙›Knochen‹) dienen als Belege fr die genet. tung der gesamten Konstruktion ist (grob gesehen):
Einheit dieser Sprachfamilie. Lit. Ch. Ehret, Recon- Das mit der ersten Konstituente Benannte fhrt eine
structing Proto-Afroasiatic (Proto-Afrasian). Berke- Handlung aus, die mit der zweiten Konstituente be-
ley 1995. – R. J. Hayward, Afroasiatic. ALI, 2000, zeichnet wird. Lit. K. F. Becker, Schulgrammatik der
74–98. – Z. Frajzyngier & E. Shay (eds.), The Afro- dt. Spr. Ffm. 1842/43. – L. Bloomfield, Language.
asiatic Languages. Cambridge u. a. 2012. RE, RM N. Y. 1933, Ldn. 21935. T
Agar  Dinka Agensnominalisierung Deverbale Substantivablei-
Agaw  Kuschitische Sprachen tungen auf -er, die Klassen von Individuen bezeich-
Agens n. (lat. agere ›handeln‹, engl., frz. agent) In nen, welche die vom Verbstamm bezeichnete Ttig-
syntakt. und semant. Zusammenhngen vorkom- keit vollziehen, z. B. Lufer, Schwimmer (Eisenberg
mende Bez. der handelnden Person, des Verursa- II, 252). Wird das Individuum genannt, so ist eine
chers oder Urhebers einer Handlung. Das A. wird verbale Konstruktion notwendig, z. B. Jenny luft,
hufig als  Subjekt realisiert. Die Relation A.  Maja schwimmt. Bei A. wird die Klasse bezeichnet,
Subj. gilt jedoch nur eingeschrnkt, denn sie gilt nur zu der das Individuum gehçrt, z. B. Jenny ist (eine)
fr den Aktivsatz und nicht bei allen Verben, z. B. Luferin, Maja ist (eine) Schwimmerin. Bei A. von
Er erhielt die Urkunde von seinem Trainer. Auch transitiven Verben kann das direkte Objekt als At-
die Umkehrung dieser Relation ist nicht gltig: tribut erscheinen, z. B. Helmut ist der Verfasser
nicht jedes Subjekt ist ein A. – In der  Kasusgram- dieser Zeilen. G
gyptisch 19

Agensverb Verb, dessen Subjekt die thematische ist heute nicht mehr bl. ( Dysgrammatismus). Lit.
Rolle  Agens ausfllt. A. bilden das Perfekt M. Kean (ed.), Agrammatism. Orlando 1985. – J.
i. d. R. mit haben und sind passivfhig. G Tesak, Agrammatismus – Ergebnisse und Probleme
Agentiv  Agens der Forschung. In: Neurolinguistik 1, 1990, 1–4. –
Agglutination 1.  Sprachtypologie 2.  Juxtaposi- R. de Bleser & J. Bajer, Syntactic Disorders in Apha-
tion sia. HSK 8, 160–169. – C. Schlenck, K. J. Schlenck
Agglutinierende Sprache (lat. agglūtināre ›anein- & L. Springer, Die Behandlung des schweren A.
anderleimen‹)  Synthetischer Sprachtyp, der durch Stgt. 1995. – M. Fenke, Die Grammatik des A.
die Ankettung von  Affixen an den Wortstamm Eine ling. Untersuchung zu Wortstellung und Fle-
v. a. des Verbs und/oder des Nomens gekennzeich- xion bei Broca-Aphasie. Tbingen 1998. GT
net ist. Im Ggs. zu fusionierenden ( flektierenden) Agraphie f. (griech. eªæÆw (agrafos) ›unge-
Sprachen sind a. S. in der Regel leicht zu segmen- schrieben‹)  Erworbene Sprachstçrung, in den
tieren, d. h. Wortstamm und Affix bzw. Affixe ha- meisten Fllen mit einer  Aphasie und  Alexie
ben klar erkennbare Formen und Grenzen, und die verbundene Stçrung oder Verlust bereits erworbener
Affixe tragen jeweils meist nur eine grammat. Be- schriftl. Produktionsfhigkeit. Lit. D. P. Roeltgeul
deutung, z. B. Swahili ni-na-soma (ich-PRS.-le- & St. Z. Rapsak, Aquired Disorders of Writing
sen) ›ich lese‹, ni-li-soma (ich-PRT.-lesen) ›ich and Spelling. HSK 8, 1993, 262–287. – W. Huber,
las‹, a-na-soma (er-PRS.-lesen) ›er liest‹, a-li- Alexie und A. In: W. Hartje & K. Poeck (Hgg.),
soma (er-PRT.-lesen) ›er las‹. WR Klin. Neuropsychologie. Stgt., N. Y. 52002, 203-
Ag(h)ulisch  Dag(h)estanische Sprachen 226. GT
Agnomen  Epitheton AgrP (engl. Agreement Phrase; agreement ›ber-
Agnosie f. (griech. Bªø Æ (agnōsia) ›Nichtken- einstimmung, Kongruenz‹)  INFL,  Kongruenz,
nen, Unkenntnis‹) Zentral bedingte angeborene  Small clause
oder erworbene Unfhigkeit zur Verarbeitung von Aguaruna (Eigenbez. Ants chı́cham)  Jı́varo-
sensor. Reizen trotz intakter peripherer Sinnesor- Sprache, Sprachgebiet: Nordperu (Departement
gane. Eine extreme Form der  Sprachentwick- Amazonas nçrdl. des MaraÇn-Flusses); Karte
lungsstçrung ist die frher als Hçrstummheit be-  Sdamerikanische Sprachen. Ca. 55 000 Sprecher.
zeichnete verbal-auditor. A. Kinder mit dieser Stç- Lit. J. M. Cuesta, El aguaruna: la lengua del Cndor.
rung sind trotz unbeeintrchtigter Hçrfhigkeit Lima 1982. – M. R. Wise, Indigenous Languages of
nicht nur unfhig,  gesprochene Sprache differen- Lowland Peru. SAIL, 194–223. – S. E. Overall, A
tiell wahrzunehmen, zu verarbeiten und selbst zu Grammar of Aguaruna. Blu., N. Y. 2016. AD
produzieren, sondern erweisen sich auch gegen- gyptisch Sprachfamilie der  afroasiatischen
ber lautsprachl. Therapieversuchen als weitge- Sprachen, belegt von den ersten  Hieroglyphen
hend resistent. Dagegen sind sie ber  Schrift- (ca. 3000 v. Chr.) bis zum Erlçschen des  Kopti-
sprache und  Gebrdensprache kompensator. er- schen als gesprochener Spr. im MA. gypt. Wçrter
reichbar. Eine mildere Unterform der A. ist die bestehen meist aus 3 Kons., Vokale sind nicht ber-
partielle Laut-A., die sich als schwere  Dyslalie liefert. Durch Reduplikation und Affixe sind man-
manifestiert. Lit. Y. Tanaka, Pure Word Deafness nigfache Ableitungen mçglich, z. B. ndnd ›sich be-
(Verbal Auditory Agnosia). HSK 8, 498–503. – I. raten‹ zu nd ›fragen‹, Personenbezeichnungen auf
Rapin, Practitioner Review: Developmental Lan- -w: fsjw ›Koch‹ von fsj ›kochen‹, Kollektiva auf -wt
guage Disorders: A Clinic Update. J. of Child Psy- bzw. -t: hrdt ›Kinderschar‹ von hrd ›Kind‹. Das
chology and Psychiatry. 37, 1996, 643–655. – Verb hat im lteren gypt. Aspekt-, im neueren
C. J. G. Langen, Agnosie/Anosognomie und Proso- gypt. (ab ca. 1400 v. Chr.) Tempusbedeutung.
pagnosie. In: H. C. Hopf, G. Deuschl, H.-G. Diener Die  synthet. Formen des lteren gypt. werden
& H. Reichmann (Hgg.), Neuropsychologie in Pra- im neueren gypt. meist durch Periphrasen ersetzt;
xis und Klinik. Bd. I. Stgt. 31999, 161–166. GT z. B. wird im lteren gypt. der  Kausativ durch
Agogik  Singen,  Sprechausdruck das Prfix s- (cnh ›leben‹, scnh ›beleben‹), im neu-
Agrammatisch  Akzeptabilitt,  Ungrammatisch eren gypt. durch eine Umschreibung mit dj < rdj
Agrammatismus Mit A. wird ein hufig bei  Bro- ›veranlassen‹ bezeichnet. Eine der wichtigsten Neu-
ca-Aphasien auftretendes Stçrungsbild bezeichnet, erungen ist der best. Artikel. Der Dual schwindet im
bei dem es aufgrund von fehlenden  Funktionswçr- Laufe der Sprachgeschichte; Wortstellung VSO. –
tern und  Flexiven zu fragmentar., auf sog. Inhalts- gypt. ist in 4  Schriftarten berliefert: (a) den
wçrter ( Autosemantikon) beschrnkten Satzpro-  Hieroglyphen v. a. auf Tempel- und Grabwnden,
duktionsmustern kommt ( Telegrammstil). Die tra- (b) dem daraus fr Alltagszwecke entwickelten Hie-
ditionelle abgrenzende Gegenberstellung zum rat., (c) dem  Demotischen, das zugleich eine
 Paragrammatismus lsst sich nach neueren Befun- Sprachstufe und eine Schriftart bezeichnet, und (d)
den nicht mehr aufrechterhalten. Die bis in die der seit dem 1. Jh. n. Chr. bezeugten kopt. Schrift,
1980er Jahre vorkommende Verwendung des Be- die neben dem griech. Alphabet 6+3 (je nach Dia-
griffes A. auch fr  Sprachentwicklungsstçrungen lekt) aus dem Demot. abgeleitete Schriftzeichen
20 gyptisch

kennt. Lit. F. Junge, Einf. in die Grammatik des Neu- wandel (»Sinnhnlichkeit«: Augapfel, Ohrmuschel;
gypt. Wiesbaden 1996. – W. Schenkel, Tbinger »Namenshnlichkeit«: Sintflut  Sndflut;  Volks-
Einf. in die klass.-gypt. Spr. und Schrift. Tbingen etymologie). In der  strukturellen Semantik werden
1997. – W. Till, Kopt. Grammatik. Lpz. 1970. SSG Arten semant. . als »Sinnrelation« (Lyons) be-
Universittsbibliothek Heidelberg (16). WI schrieben und mittels semant. Merkmale analysiert:
gyptisch-Arabisch In gypten gesprochene Dia-  Synonymie,  Hyperonymie,  Hyponymie,  Ko-
lektgruppe des  Arabischen; Karte  Afrikanische hyponymie,  Antonymie. Darber hinaus ist .
Sprachen. Der wichtigste Dialekt des gypt.-Arab. zwischen lexemat. Teilbedeutungen das Definiens
ist der von Kairo, der aufgrund zahlreicher gypt. der  Polysemie. 5. Fr die  Prototypensemantik
Filme im gesamten arab. Sprachraum verstanden bestimmt sich die Zugehçrigkeit von Lexemen zu
und als Verstndigungsmittel zwischen Arabern un- einer semant. Klasse nicht nach bereinstimmenden
terschiedl. Herkunft benutzt werden kann. Das Par- Merkmalen, sondern nach ihrer graduell abgestuf-
tizip Aktiv ist ins Verbalsystem integriert, u. a. als ten, unanalysierten . zu einem ›besten Vertreter‹;
resultatives Perfekt. Das Imperfekt wird durch pr- die Klassengrenzen sind wie in der sprachl. Realitt
figierte Verbmodifikatoren temporal nher be- unscharf. Dies impliziert auch der Begriff »Fami-
stimmt, ohne Prfixe hat es die modale Bedeutung lienhnlichkeit«, den L. Wittgenstein am Beispiel
›sollen‹. Im Pl. sind die Genera nicht mehr unter- der Spiele entwickelt und der auf stark polyseme
schieden. Vokallngen werden vor zwei Kons. meist Lexeme anwendbar ist, deren Teilbedeutungen
gekrzt. In Umgebung hinterer Vokale wird /r/ ve- durch »ein kompliziertes Netz von .«, nicht aber
larisiert, /ǧ/ wird als [g] realisiert. Lit. M. Woidich, durch ein allen gemeinsames Merkmal verknpft
Ahlan wa Sahlan. Eine Einf. in die Kairoer Um- sind. 6. Einen zentralen Stellenwert besitzt . fr
gangsspr. Wiesbaden 22002. WI die Konstitution und sthet. Verdichtung von  Tex-
hnlichkeit (engl. similarity, frz. similarit) . ist ten. Zum einen beruht  Textkohrenz u. a. auf iso-
partielle Gleichheit komplexer Gegebenheiten, bei toper Vernetzung ( Isotopie), d. h. auf Merkmalsre-
Fokussierung des bereinstimmenden. In  Semio- kurrenz in hnl. Lexemen; zum anderen speist sich
tik und Ling. ist . in mehreren Hinsichten wichtig: ein Großteil der »poet.« Textfunktion aus vermehr-
1. . zwischen  Zeichen(ausdruck) und  Denotat/ ter  Rekurrenz – phonet. ( Reim), metr.-rhythm.
 Designat ist das Kennzeichen ikon. Zeichen ( Metrum), syntakt. ( Parallelismus), semant.
( Ikon,  Ikonismus); sie kann auf materieller (z. B. Paronomasie) – sowie Substitutionen, die
(z. B. Farbe, Klang;  Onomatopoetika) oder struk- H. F. Plett »Similarittstropen« nennt:  Metapher,
tureller (z. B. Form ( Piktographie), Komposition  Ironie,  Hyperbel u. a. Jakobson (1971, 153) fass-
( Motiviertheit), Zeitfolge) bereinstimmung beru- te dies programmat. zusammen: »Die poet. Funk-
hen. 2. Wie generell fr alle Begriffe ist . auch fr tion bertrgt das Prinzip der quivalenz [hier ;
Einheiten des  Sprachsystems konstitutiv. Diese »Similaritt«] von der Achse der [paradigmat.] Se-
lassen sich als Klassen von ußerungs-Einheiten lektion auf die Achse der [syntagmat.] Kombina-
auffassen, die in allen  relevanten Merkmalen tion.« Lit. S. Ullmann, Grundzge der Semantik.
bereinstimmen und daher – unter Abstraktion von Bln. 1967. – F. de Saussure, Cours. – R. Jakobson,
ihren Unterschieden ( Prinzip der abstraktiven Re- Linguistik und Poetik. In: J. Ihwe (Hg.), Lit.wiss. und
levanz) – als ›gleich‹ gelten. Z. B. sind  Phoneme Ling., Bd. II/1. Ffm. 1971, 142–178. – J. Lyons,
Klassen hnl.  Phone ( Phonetische Verwandt- Semantik, Bd. I. Mchn. 1980. – Ders., Linguistic
schaft) mit ident.  distinktiver Funktion. 3. Ein Semantics. An Introduction. Cambridge 1995. – J.
 Paradigma ist eine Klasse von Systemeinheiten, Lakoff, Women, Fire, and Dangerous Things. Chi-
die in einer Teilmenge ihrer distinktiven Merkmale cago 1987. – C. Cacciari (ed.), Similarity in Lan-
bereinstimmen, also funktional hnlich sind. Die guage, Thought, and Perception. Brepols 1995. – H.
. der Einheiten konstituiert das Paradigma, indem Ringbom, Cross-Linguistic Similarity in Foreign
sie deren kontextuelle  Substitution ermçglicht; der Language Learning. Clevedon 2007. RB
funktionale »Wert« der Einheiten resultiert dagegen Aikana  Sdamerikanische Indianersprachen
nach F. de Saussure aus ihrer Verschiedenheit Ainu Isolierte Sprache. Das Sprachgebiet umfasste
( Opposition). Die paradigmat. . erfasst de Saus- die sdl. Teile Kamtschatkas und Sachalins und die
sure in seinem Modell »assoziativer Beziehungen« Kurilen in Russland sowie Hokkaido und den Ost-
(Beispiel: Belehrung), die er den »syntagmat. Be- teil Honshus in Japan; Karte  Paloasiatische Spra-
ziehungen« gegenberstellt. R. Jakobson sieht in chen, im Anhang. Heute in der A.-Bevçlkerung (ca.
dem Gegensatz von paradigmat.  Similaritt (= 16 000) fast ganz außer Gebrauch (Japan. bzw.
.) und syntagmat.  Kontiguitt einen »Doppel- Russ. sind S1). Die Verschriftung des A. in der
charakter der Spr.«. 4. Paradigmat. . spielt in der UdSSR in den 1920er und 30er Jahren blieb wenig
ling. Semantik eine bedeutende Rolle, z. B. bei Ch. erfolgreich. G
Bally und S. Ullmann; der Letztere ergnzt »Sinn- Aisorisch  Neuaramisch
hnlichkeit« durch »Namenshnlichkeit« und unter- Aja  Gbe
sucht deren Auswirkungen auf den  Bedeutungs- Akalkulie f. (lat. a- (Negationsprfix), calculāre
Akkusativ mit Infinitiv 21

›rechnen‹) Unter die  Aphasien gerechnete Erkran- Kasus des  direkten Objekts, des A.objekts. Der
kung: der Patient ist trotz normaler Intelligenz un- Akk. ist Bezugspunkt fr die Klassifizierung nach
fhig, einfachste Rechenoperationen auszufhren. G  transitiven und  intransitiven Verben. Im Dt. ent-
Akan (auch: Twi-Fante)  Kwa-Sprache. Wichtigs- sprechen Akk.objekte beim Passiv den Subjekten
te Spr. Ghanas mit ca. 6 Mio. S1-Sprechern (40 % (z. B. entspricht Maja beschimpft Jenny der Passiv-
der Bevçlkerung) und weiteren 2 Mio. S2-Spre- konstruktion Jenny wird von Maja beschimpft), so-
chern; Karte  Afrikanische Sprachen, im Anhang. fern das betreffende Verb Passivierung zulsst (vgl.
Hauptdialekte: Asante (Ashanti), Fante, Brong Annette bekommt einen Brief (von Elvira) mit *ein
(Abron) und Akuapem. Die A.-Dialekte ohne Fan- Brief wird von Annette (von Elvira) bekommen). Im
te werden auch als Twi bezeichnet. Mitte des Dt. erfordert die  Rektion vieler Verben und Pr-
19. Jh. erfolgte eine Verschriftung im lat. Alpha- positionen den Akk., gelegentlich auch zwei Akk.
bet, jedoch keine Standardisierung. – In der Klas- (sog. Objektsprdikativ,  doppelter Akkusativ, z. B.
sifikation Greenbergs bezeichnet A. nicht nur das Das Spiel in Rostock kostete die Eintracht 1992 die
Twi-Fante, sondern eine grçßere Gruppe von in Meisterschaft), oft daneben auch andere Kasus, z. B.
Ghana und an der Elfenbeinkste gesprochenen den Dativ (bieten, rauben usw.), den Genitiv (be-
 Kwa-Sprachen. RE rauben, versichern usw.) sowie verschiedene  Pr-
kanje  Russisch positionalkasus. In einigen Fllen erfordert die
Akkadisch lteste  semitische Sprache (neben  Rektion von (prdikativ verwendeten) Adjektiven
 Eblaitisch), nach der Hauptstadt Akkade des Sar- das Objekt im Akk., z. B. Er ist rger gewohnt. Als
gon-Reiches (um 2350 v. Chr.) benannt. Im 3. Jt. v. »Akk. des Inhalts« bezeichnet man sein Auftreten
Chr. verdrngten akkad. Einwanderer in Mesopota- in der Funktion eines  inneren Objektes, z. B. Sie
mien die Sumerer, von denen sie die  Keilschrift kmpfte einen schweren Kampf. Der Akk. kann als
und zahlreiche Lehnwçrter bernahmen. Das Alt-A.  Adverbialkasus fungieren, z. B. im Dt. und Russ.,
(2350–1950 v. Chr.) ist hauptschl. in kçnigl. In- z. B. on rabtal vsju noč’ ›er arbeitete die ganze
schriften berliefert. Nach der Teilung des Reiches Nacht‹ (»Akk. der Zeit«), ėto stit sto rublj ›das
ist zwischen  Babylonisch (1950 –0 v. Chr.), der kostet 100 Rubel‹ (»Akk. des Maßes«). Im Lat.
Sprachform des sdl. Sprachgebiets, und  Assy- fungiert der Akk. als Richtungskasus, z. B. Rōmam
risch (1950 –600 v. Chr.) im nçrdl. Sprachgebiet zu ı̄re ›nach Rom gehen‹;  Lativ. Eine generelle Ka-
trennen. A. wurde unter starkem babylon. Kulturein- susbedeutung kommt dem Akk. nicht zu; es gibt
fluss auch in den Nachbarlndern als  lingua franca jedoch eine Reihe spezieller Verwendungsweisen,
verwendet. Im A. gingen durch Einfluss des  Sume- die in den Einzelphilologien terminologisiert sind;
rischen die typ. semit. Laryngale verloren; die Wort-  absoluter Akkusativ,  absoluter Kasus,  accusa-
stellung wandelte sich von VSO zu SOV; temporales tivus graecus,  accusativus subiectivus,  Akkusa-
Verbsystem. Lit. W. v. Soden, Grundriß der akkad. tiv mit Infinitiv,  Subjektsakkusativ. Lit. F. Planck
Grammatik. Rom 31995. – Ders., Einfhrung in die (ed.), Objects. Towards a Theory of Grammatical
Altorientalistik. Darmstadt 1985. WI Relations. Ldn. 1984. – Eisenberg II, Kap. 9. G
Akkomodation  Assimilation Akkusativ des Inhalts  Absoluter Kasus,  Accu-
Akkulturation (lat. ad ›zu‹, cultūra ›Kultur‹, ›Hin- sativus graecus,  Inneres Objekt
fhrung zu einer Kultur‹) Prozess oder Resultat der Akkusativ mit Infinitiv (lat. accūsātı̄vus cum
Einbindung eines Individuums in eine bestehende ı̄nfı̄nı̄tı̄vō. Abk. AcI) Konstruktion eines transitiven
 Kultur (Sozialisation: Einbindung in eine beste- Verbs mit einem direkten Objekt und einem Ob-
hende Gesellschaft). A. bezieht sich hauptschl. auf jektsinfinitiv (Prdikativ), z. B. lat. Audiō tē loquı̄
Erwachsene, die von einer Kultur zur andern wech- ›ich hçre dich sprechen‹; Sciō tē adesse ›ich weiß,
seln (Immigranten, Wanderarbeiter). Bei sozioling. dass du anwesend bist‹. In dt. Grammatiken be-
Verwendung des Terminus A. wird Spr. als Teil- zeichnet AcI in Stzen, deren Finitum ein Wahrneh-
system der Gesamtkultur aufgefasst, neben Werten, mungsverb ( verbum sentiendi) ist, dieselbe Kon-
Bruchen, Normen und Sachkultur. Sprachl. A.pro- struktion, z. B. Wolfgang sah Elisabeth nicht kom-
zesse, die oft konfliktreich sind, wurden beschrie- men; Elisabeth hçrt Wolfgang schnarchen. AcI-
ben im Rahmen der Spracherhaltforschung, der sog. Konstruktionen sind erweiterbar um Adverbiale
Sprachtodforschung, der Forschung zum  Bilin- und weitere Objekte, z. B. Wolfgang sah Elisabeth
gualismus, bei Wanderarbeitern und Immigranten oft ins Haus und die Treppe herauf kommen; Elisa-
zwischen verschiedenen Sprach- und Dialektgebie- beth hçrte gestern abend Wolfgang im Treppenhaus
ten. AM laut fluchen. Strittig ist, ob das Akkusativobjekt im
Akkusativ (lat. accūsātum ›Angeklagtes, gerichtlich AcI als Bestandteil der Infinitivgruppe oder als
Belangtes‹; Lehnbers. von griech. ÆIØÆØŒ direktes Objekt des Finitums aufzufassen ist. Ver-
( Ø ) (aitiatikē ptōsis) ›Kasus der Ursache‹. ben, die eine AcI-Konstruktion erlauben, werden als
Auch: Objektsakkusativ, in Schulbchern auch: AcI–Verben bzw. als  ECM-Verben bezeichnet.
Wenfall, Zielgrçße. Engl. accusative, objective, Lit. M. Reis, Reflexivierung in dt. AcI-Konstruk-
frz. accusatif. Abk. Akk.) In  Nominativsprachen tionen. Ein transformationsgrammat. Dilemma.
22 Akkusativ mit Infinitiv

PzL 9, 1976, 5–82. – L. Gunkel, Reflexivierung in simplex als aktionsartneutrales Gegenstck, dessen
AcI-Konstruktionen. In: L. Gunkel et al. (Hgg.), »lexikal. Grundbedeutung« (Isačenko;  Verbalcha-
Arbeiten zur Reflexivierung. Tbingen 2003, 115– rakter) sie durch grammat. Mittel modifizieren. Die
133. – Eisenberg II, 362 –366. G, GS A. sind durch »systemat. Bezug von semant. Modi-
Akkusativierung In vielen  Nominativsprachen fikation einer Grundbedeutung und morpholog. Ab-
vorhandene Mçglichkeit der Substitution von Ge- leitung eines Grundverbs« (Steinitz 1981, 4) cha-
nitiv-, Dativ- und Prpositionalobjekten durch Ak- rakterisiert. Rein semant. gesttzte Definitionen von
kusativobjekte, die z. T. durch entsprechenden A. sind problemat., da ihnen keine innersprachl.-
Wechsel der  Rektion, z. T. durch gleichzeitige strukturellen Sachverhalte entsprechen; es handelt
(kausative) Modifikation des regierenden Verbs re- sich in diesem Fall eher um einzelsprachl. spezif.
alisiert wird, z. B. dt. jdm. liefern – jdn. beliefern. In semant. Bestimmungen, die auf Einteilungen von
der  inhaltbezogenen Sprachwissenschaft war A. Verbinventaren in semant. Gruppen beruhen. For-
eine abwertend-krit. Bez. fr Tendenzen v. a. in male Ausdrucksmittel der A. sind  Flexions- und
der dt. »Verwaltungssprache«, den »betroffenen  Wortbildungsaffixe,  Ablaut und  Akzentwech-
Menschen«, statt ihn mit dativregierenden verba sel. Elementare Kriterien zur Bestimmung der A.
simplicia zu bezeichnen, mittels kausativer Prfix- sind die Art und Weise des Ablaufs des bezeichne-
verben zu »akkusativieren«, z. B. jdn. berenten, be- ten Vorgangs ( Delimitativ,  Durativ,  Perdurativ
vorschussen, etw. beurkunden. Lit. L. Weisgerber, vs.  Momentan,  Punktuell), Einmaligkeit vs.
Der Mensch im Akkusativ. WW 8, 1956/57, 193– Wiederholbarkeit ( Egressiv,  Evolutiv,  Finitiv,
205. – H. Kolb, Der »inhumane« Akkusativ.  Inchoativ,  Ingressiv,  Momentan,  Resultativ
ZDW 16, 1960, 168–177. G und  Semelfaktiv vs.  Gnomisch und  Iterativ),
Akkusativobjekt  Direktes Objekt Grad der Intensitt des Vorgangs ( Intensiv-iterativ,
Akkusativsprache  Nominativsprache  Intensiv-semelfaktiv vs.  Attenuativ und  Dimi-
Akrolekt m. (griech. eŒæ (akron) ›Hçchstes, nutiv-iterativ). Es ist fraglich, ob die  Kausativa
Spitze‹) In der  Soziolinguistik Bez. fr eine sozial (Faktitiva) als aktionsartspezifiziert betrachtet wer-
als hochstehend eingestufte  Variett einer Spr. mit den drfen, da sie zwar eine semant., aber z. B. im
hohem  Prestige; Ggs. Basilekt. Eine Variett, die Dt. keine durchgngig morpholog. markierte Klasse
sozial weder als hoch- noch als tiefstehend einge- bilden; z. B. hngen vs. hangen. Spezielle Flle sind
stuft wird, heißt Mesolekt. G die  distributive A., bei der die Zerlegbarkeit von
Akronym n. (auch: Initialwort) Bez. eines  Kurz- Handlungssequenzen in Serien gleichartiger Einzel-
wortes, das aus den Initialen der Konstituenten des handlungen Kriterium ist, die  komitative A., bei
zugrundeliegenden  Kompositums (AG zu ›Aktien- der die begleitende, sekundre Rolle eines Vorgangs
gesellschaft‹) oder den Konstituenten des zugrunde- bei synchronem Ablauf zweier Vorgnge das Krite-
liegenden Syntagmas (EDV zu ›elektron. Datenver- rium darstellt, die  konative A., die dem Modus
arbeitung‹) besteht. Uneinheitl. wird verfahren, wenn des Wollen nahesteht ( Volitiv), und die  mutuelle
initiale Silben zur Bildung von Kurzwçrtern verwen- A., die die Reziprozitt zweier Handlungen aus-
det werden (Kita zu ›Kindertagessttte‹); gelegent- drckt ( Reziprok). – In den slav. Spr. stellen die
lich werden sie als ›Silbenwçrter‹ bezeichnet und so A. die  Aspektkorrelation relativ zum verbum
terminolog. von A. abgegrenzt. ES simplex nicht selbst her, sind ihr aber unterworfen.
Akrophonisch Verfahren der phonet. bzw. alphabet. Die Nhe der lexikal.-semant. Klassifizierung durch
Verwendung logograph. Zeichen, bei dem der erste die A. zur Kategorie des  Aspekts als grammat.
Lautwert des logograph. bezeichneten Wortes al- Kategorie hat zu vielerlei unzulssigen Vermischun-
phabet. verwendet wird, z. B. das nordwestsemit. gen dieser beiden Phnomene Anlass gegeben;
Schriftzeichen beth ›Haus‹ fr [b]. PM  Aspektualitt. – Im Dt. ist die Kategorie der A.
Akrostatisch (griech. eŒæ (akron) ›Spitze‹, - nicht systemhaft entwickelt ( Grammatikalisie-
ÆØŒ
(statiks) ›positioniert‹) In der  Indogerma- rung). Lediglich die  diminutiv-iterative A. ist
nistik rekonstruiertes Ablautschema der uridg. morpholog. markiert durch ein infigiertes {-l-} und
Grundspr., bei dem Akzentsitz und ablauttragende ggf. Vokalwechsel, z. B. hsteln, trçpfeln, lcheln,
Vokale auf die Wortwurzel fixiert sind. GP streicheln; die  intensiv-iterative A. ist in wenigen
Aktant  Ergnzung Fllen (infigiertes {-r-}) belegbar, z. B. klappern,
Aktional die  Aktionsarten betreffend, nach der pltschern. Viele neuere dt. Grammatiken behan-
Kategorie Aktionsart modifizierte Verben. G, T deln die angeblichen A. des Dt. (v. a. einige Verbal-
Aktionsart (auch: Handlungsart, Handlungsstufe, prfixe und den Gegensatz von  Vorgangs- und
Verlaufsweise. Engl. lexical aspect) In vielen Spr.  Zustandspassiv) als systemat. Kategorien, was
das  Verbsystem teilweise oder durchgngig struk- zwangslufig zu Widersprchen fhren muss. –
turierende, morpholog. ausgedrckte zeitl. oder mo- Die progressive form des Engl. kann in Opposi-
dale Bedeutungsmodifikation des im Verbstamm tion zum simple present als Vertreter der durati-
ausgedrckten Vorgangs oder Zustands.  Aktions- ven A. aufgefasst werden, es liegt aber nher, den
artspezifizierte Verben haben stets ein  verbum Gegensatz als  Aspektkorrelation zu behandeln,
Akustik 23

ebenso die  Progressiv-Konstruktion {am-Inf- von  Langue und  Parole eine Theorie der kontex-
sein} des Dt. (z. B. Sie ist am Arbeiten, er ist tuellen Aktualisierung (actualisation) virtueller
am Schlafen). Lit. A. V. Isačenko, Die russ. Spra- Sprachzeichen. Daran anknpfend unterscheidet
che der Gegenwart. Formenlehre. Mchn. 31975. W. Schmidt zwischen »lexikal.« und »aktueller
§§ 215–220. – R. Steinitz, Der Status der Katego- Wortbedeutung« und beschreibt deren »dialekt.
rie »A.« in der Grammatik (oder: Gibt es A.en im Wechselwirkung«: Als kontextuell geprgte Ver-
Dt.?). LS, A 76, 1981. – N. Nikolay, Aktionsarten wendungsvarianten konstituieren a. B. in ihrer Sum-
im Deutschen. Prozessualitt und Stativitt. Tbin- me die  lexikalische Bedeutung (2), die damit ein
gen 2004. – R. Folli & H. Harley (eds.), Special Issue virtuelles Bedeutungspotential bereitstellt, aus dem
on Aspect and Aktionsart. Cambridge 2007. G, T der Aktualisierungskontext durch Unterdrckung
Aktionsartneutral Verb, das bezgl. der  Aktions- nicht-passender  semantischer Merkmale eine a.
art unmarkiert ist, z. B. smtl. verba simplicia des B. selegiert ( Lesart 1,  Disambiguierung); z. B.
Russ. G, T fiel in den Kontexten Der Soldat … / Er … von
Aktionsartspezifiziert Verb, das bezgl. der Kate- der Leiter / Sie … ihm um den Hals. 2. W. Kall-
gorie  Aktionsart durch morpholog. Merkmale meyer et al. fhrten zustzlich den Begriff der
(meist Affixe) markiert ist. G, T »Spezifizierung« ein: Ein polysemes Lexem wie
Aktionsform  Genus verbi Flgel wird im Kontext der großen Amsel nicht
Aktionsprdikat Mitunter verwendete Bez. fr die nur zum ›Vogelflgel‹ monosemiert, sondern auch
semant. Grundcharakteristik eines finiten  Hand- hinsichtl. der  Parameter Form, Farbe und Grçße
lungsverbs. G spezifiziert; auch das Adj. groß wird durch Amsel
Aktiv n. 1. (auch: Tatform, Ttigkeitsform. Engl. monosemiert (›ruml. Ausdehnung‹) sowie spezifi-
active, active voice; frz. actif, voix active) Im Dt. ziert hinsichtl. seiner quantitativen Bezugsnorm, die
mit dem  Passiv Subkategorie des  genus verbi. sich verndert bei der Anwendung auf Kolibris oder
Verglichen mit dem Passiv ist das A. die morpho- Adler. Durch Integration in eine komplexe Textbe-
syntakt. einfachere Konstruktion und gilt als die deutung und damit in ein Netz themat., satz- und
neutrale, unmarkierte Form des Verbs oder grund- textsemant. ( Isotopie), stilist. und situativer, spe-
legende Diathese. Sofern das Verb eine Agens-Rol- ziell auch kontrastiver Bezge (Deppermann 2007,
le vergibt, ist das  Agens einer Handlung grammat. Kap. 3) wird die a. B. des Lexems zustzl. kon-
Subjekt des Satzes. Das A. erlaubt deshalb im Ggs. kretisiert sowie konnotativ ( Konnotation) entfaltet
zum Passiv eine handlungsorientierte sprachl. Per- oder aufgeladen. In diesem Sinne sind a. B.  okka-
spektive auf denselben Sachverhalt. Im A. ist aber sionell und ggf. – insbesondere bei trop. Verwen-
auch eine Wiedergabe von Sachverhalten mçglich, dung ( Tropus; z. B. Flgel zur Bez. waagrecht
in der das syntakt. Subjekt nicht Agens ist, z. B. Der gestellter Hundeohren) – neuartig. Diese letztere
Aufsatz behandelt das Problem sehr ausfhrlich; Wirkung des Kontextes wrde Cruse (2004) als
Franz bekommt einen Brief. Lit.  Passiv. – 2.  Pro- »coercing« (›Erzwingen einer neuen Lesart‹) ein-
duktivitt,  Wortbildung. SL ordnen, – neben »selection« und »modulation« die
Aktivsprache Sprachtyp der  relationalen Typolo- dritte der von ihm genannten Wirkungsarten;  u-
gie, bei dem die Distinktion der primren Aktanten ßerungsbedeutung. Lit. Ch. Bally, Linguistique g-
transitiver Prdikationen in der Form geschieht, nrale et linguistique franÅaise. Bern 41965. – W.
dass der prototyp. mit  Agens besetzte Aktant die Schmidt, Lexikal. und aktuelle Bedeutung. Bln.
gleiche grammat. Markierung erhlt wie der mit 1963, 51986. – W. Kallmeyer et al., Lektrekolleg
Agens besetzte Aktant einer  intransitiven Prdika- zur Textling. Bd. 1. Kçnigstein/Ts. 31980. – H.
tion, wogegen der prototyp. mit  Patiens besetzte Henne & H. Rehbock, Sprachzeichenkonstitution.
Aktant die gleiche Markierung erhlt wie der mit LGL 21980, 151–159. – M. Kaempfert, Wort und
Patiens besetzte Aktant einer intransitiven Prdika- Wortverwendung. Gçppingen 1984. – Kleine En-
tion, so dass gespaltene Intransitivitt auftritt. Die- zyklopdie dt. Spr. 2001, 78 f. – A. Cruse, Meaning
ser Sprachtyp wird z. B. durch das Dakota ( Sioux- in Language. Oxford 22004. – A. Deppermann,
Sprachen) reprsentiert, z. B. intransitiv wa-lowa˛ Grammatik und Semantik aus geprchsanalyt.
›ich singe‹ neben ma-khuže ›ich bin krank‹, transitiv Sicht. Bln., N. Y. 2007. RB
wa-kastaka ›ich schlage ihn‹ vs. ma-kastaka ›er Aktuelle Gliederung  Funktionale Satzperspektive
schlgt mich‹. D Aktzeit  Ereigniszeit
Aktualisierung 1. Umsetzung von Begriffen bzw. Akuemtheorie  Biophonetik
Lexemen und grammat. Regeln in konkrete, aktuel- Akusma n. (griech. eŒı Æ (akusma) ›das Ge-
le Rede oder Schrift, empir. beobachtbare Realisie- hçrte‹) Bez. fr die akust. Vorstellung des gehçrten
rung von Sprache bzw. Sprecherintentionen in u- Lautes. PM
ßerungen und Texten;  Parole,  Performanz. Ggs. Akustik (griech. BŒı 
(akustos) ›hçrbar‹;
 Potentiell. 2.  Genfer Schule. G engl. acoustics, frz. acoustique) Unterdisziplin der
Aktuelle Bedeutung (engl. actual meaning) 1. Ch. Mechanik: die Lehre vom  Schall;  akustische
Bally entwickelt aus F. de Saussures  Dichotomie Phonetik. PM
24 Akustische Artikulation

Akustische Artikulation  Ansatzrohr verwendetes  Diakritikon in Gestalt eines von


Akustische Phonetik (engl. acoustic phonetics, frz. rechts oben nach links unten geneigten Strichs ober-
phontique acoustique) Teildisziplin der allgemei- halb des modifizierten  Buchstabens. In modernen
nen  Phonetik, die die Schalleigenschaften von alphabet.  Schriftsystemen wird der A. verwendet
lautsprachl. ußerungen nach den Parametern der zur Bez. (a) einer Akzentstelle, z. B. span. hablo
akust.  Schallanalyse untersucht bzw. auf diesen ›ich spreche‹ vs. habl ›er/sie sprach‹ (3. Sg. inde-
Grundlagen knstl. Sprache synthetisiert ( Sprach- finido), (b) eines Tonhçhenverlaufs wie im Alt-
synthese). Entscheidend beeinflusst ist die a. Ph. griech., z. B. in Lehrbchern des Serbokroat. Fr
durch die Entwicklung der Elektroakustik und die den lang-steigenden Ton (rfflka ›Hand‹, vljati ›wl-
Erfindung des Sonagraphen ( Sonagramm), heute zen‹), fr den steigenden Ton in der pinyin-Tran-
strker durch den Einsatz digitaler Analyseverfah- skription des Chines., (c) von Quantittsverhltnis-
ren. Phonet. relevante akust. Merkmale bzw. cues sen, z. B. im Ungar., Slovak. oder Tschech., wo die
(engl. ›Merkmal, das die Natur des Wahrnehmungs- Langvokale durch den A. (im Ungar. auch ç : ő,  :
gegenstandes bestimmt‹) sind u. a.: Dauer ( Quan- ű) bezeichnet werden, (d) der Vokalqualitt, z. B.
titt) akust. Segmente, Grundfrequenz f0 (bei frz.  [e] vs. e [@], Islnd. [au] vs. a [a], (e) als
stimmhaftem Sprachschall,  Frequenz), Lage der Palatalittsindex, z. B. im Poln. ć [ˆ], ń [n’], (f) zur
 Formanten ( Ansatzrohr; Frequenzbnder erhçh- Homonymendifferenzierung, z. B. griech. Ø ›etwas‹
ter Energie, frequenzmßig aufsteigend durchge- vs.  ›was‹, span. ms ›mehr‹ (Steigerungspartikel)
zhlt): F1–F2 (3) beziehungsweise deren Verhltnis vs. mas ›aber‹, (g) zu graph. Markierung eines
zueinander als maßgeblich fr die wahrgenommene emphat. Satzakzents, z. B. Uwe hat inen Hut (nur
Vokalidentitt (hçhere fr die Sprecherwahrneh- einen Hut). G
mung), deren schnelle nderungen, die sog. Tran- Akwe  Xavante
sitionen: F1–F3 als maßgebl. fr die Wahrnehmung Akzent (lat. accentus < ad-cantus ›Dazugesunge-
des konsonant.  Artikulationsmodus (zeitl. Aus- nes‹. Engl., frz. accent) 1.  Suprasegmentales
dehnung) und der  Artikulationsstelle (frequenz- Merkmal der Hervorhebung im Sinne von  Beto-
mßiger Verlauf), die spektrale Charakteristik von nung, das auf den in den einzelnen Spr. unter-
Rauschsignalen (bei Plosionsgeruschen und  Fri- schiedl. genutzten akust. Faktoren der Tonhçhe
kativen) etc. Wichtige Anwendungsgebiete sind die ( Intonation), der Intensitt bzw. Lautstrke und
 automatische Sprach- und Sprecher-Erkennung der Dauer ( Quantitt) beruht. – Nach der Promi-
sowie die  Sprachsynthese. – Lit. C. G. M. Fant, nenz der genannten A.-Faktoren unterscheidet man
Acoustic Theory of Speech Production. Den Haag als A-Qualitten zwischen  dynamischem Akzent
1961. – P. Ladefoged, Elements of Acoustic Phone- (auch: Druck-A., Intensitts-A., Strke-A., engl.
tics. Chicago 21996. – J. M. Pickett, The Acoustics stress accent, frz. accent d’intensit),  musikali-
of Speech Communication. Boston u. a. 1999. – schem Akzent (auch. chromat. A., melod. A., Ton-
R. K. Potter et al., Visible Speech. N. Y. 1966. – hçhen-A., tonaler A., engl. pitch accent, frz. accent
L. R. Rabiner & R. W. Schafer, Digital Processing musical), quantitativem A. (auch: temporaler A.)
of Speech Signals. Englewood Cliffs 1978. – K. N. und gelegentl. auch Spannungs-A. (auch: Artikula-
Stevens, Acoustic Phonetics. Cambridge, Mass. tions-A.). – Nach der ling. Domne des A. unter-
1998. – P. Ladefoged, Elements of Acoustic Phone- scheidet man als A.-Arten: den Silben-A. (eingipf-
tics. Chicago 1996. – J. M. H. Neppert, Elemente lig, zweigipflig; eben, steigend, fallend, steigend-
einer akust. Phonetik. Hamburg 41999. – H. Kutt- fallend); den Wort-A., der bei einem mehrsilbigen
ruff, A. Stgt. 2004. – K. Johnson, Acoustic and Wort eine Silbe durch den Haupt-A. (auch: Stark-
Audiotory Phonetics. Boston 2004. PM ton, engl. primary stress, frz. accent principal) her-
Akustogenese f. Die artikulator. gesteuerten aero- vorhebt, wobei andere Silben Neben-A. (auch: Ne-
dynam.-akust. Vorgnge der Sprachlautproduktion, benton, engl. secondary stress, frz. accent acces-
insbesondere der Zusammenhang zwischen der spe- soire) erhalten kçnnen, die brigen unbetont (auch:
zif. Sprechbewegung (bzw. der geometr. Form des Schwachton, engl. tertiary stress) sind; den Wort-
 Ansatzrohres) und den resultierenden akust. Si- gruppen- und Satz-A., der als grammatischer A.,
gnaleigenschaften;  akustische Phonetik. PM aber auch als  emphatischer A. auftreten kann. –
Akut m. (lat. acūtus ›scharf, spitz‹. Engl. acute, frz. Bezglich seiner Regelhaftigkeit unterscheidet man
aigu) 1. Steigender Silbenakzent. 2. 2-moriger zwischen gebundenem A. (auch: fester A.) in Spr.,
Schlussakzent;  More,  Dreimorengesetz. 3. Dis- bei denen der A. immer auf einer best. Silbe des
tinktives phonolog. Merkmal (hell vs.  dunkel, Wortes liegt (z. B. Initialbetonung im Ungar. und
engl. acute vs. grave). PM – 4. Auf den alexandrin. Finn., Stamm- bzw. Anfangsbetonung im Germ.)
Gelehrten Aristophanes von Byzanz (ca. 220 und ungebundenem A. (auch: freier A., z. B. im
v. Chr.) zurckgehendes, seit dem 2. Jh. n. Chr. im Russ.). – Im Rahmen dieser grundstzl. Unterschei-
Griech. zur Bez. eines hohen steigenden Tonhçhen- dungen erfllt der A. unterschiedl. Funktionen wie
verlaufs bei kurzen Silben (bei langen Silben nur, die eines  Grenzsignals bei gebundenem Akzent,
wenn die zweite  More Hochton trgt) systemat. grammat. Kennzeichnung (z. B. im Russ. oder bei
Akzidentiell 25

der Verb-Nomen-Unterscheidung im Engl.) bzw. sprachl. ußerung betrifft ihre durch einen kundi-
Bedeutungsdifferenzierung (z. B. dt. ber'setzen gen Sprecher beurteilbare Annehmbarkeit in der
(von einer Spr. in eine andere) vs. 'bersetzen Sprachverwendung ( Performanz). Die Kriterien
(ber einen Fluss)) sowie die Hervorhebung sinn- fr die A. sprachl. ußerungen mssen nicht not-
tragender Einheiten. – Insbesondere die A.-Verhlt- wendig mit den von einem Grammatik-Modell for-
nisse haben entscheidenden Einfluss auch auf die mulierten Kriterien fr die  Grammatikalitt
Prozesse des histor.  Lautwandels (wie z. B. Verlust sprachl. Einheiten bereinstimmen ( Kompetenz).
der unbetonten Silben von germ. > ahd. > mhd. > So kann einerseits eine von einem Grammatik-Mo-
nhd.;  Dehnung bzw.  Diphthongierung betonter dell als grammat. ausgewiesene sprachl. Einheit in
Silben,  Vernersches Gesetz). – 2. Aufgrund der der Sprachverwendung (mehr oder weniger) inak-
perzeptiven Prominenz des A. (1.) bei lautsprachl. zeptabel sein, wie dies z. B. bei stilist. Abweichun-
ußerungen auch allgemein fr individuelle gen mit einer Vielzahl von Wortwiederholungen
Sprechgewohnheiten wie  Dialekt und  Idiolekt oder mit zahlreichen  Einbettungen der Fall sein
bzw. muttersprachl. Einflsse in einer Fremdspra- kann, vgl. z. B. einen Satz wie Die, die die, die die
che. – 3. Graph. Zeichen fr den A. (1). wie  Akut, Lexikonartikel, die fr Laien gedacht sind, schrei-
 Gravis,  Zirkumflex;  Diakritikon. – Lit. H. Hirt, ben, kritisieren, werden nie kritisiert, dessen uße-
Der idg. Accent. Straßburg 1895. – P. Kiparski, rung in den meisten Kontexten inakzeptabel (weil
ber den dt. Akzent. SG 7, Bln. 1966, 69–98. – relativ unverstndl.;  selbsteinbettende Konstruk-
Ders., Stress, Syntax, and Meter. Lg. 51, 1975, tion) sein drfte. Andererseits kçnnen auch durch
576–616. PM ein Grammatik-Modell als  ungrammatisch ausge-
Akzentmuster Das durch die Verteilung des  Ak- wiesene sprachl. Einheiten in der Sprachverwen-
zents bedingte rhythm.-metr. Muster einer sprachl. dung (mehr oder weniger) akzeptabel sein, z. B.
ußerung. PM bei  anaphorischen Bezgen wie in Eva ist ein
Akzentologie Ling. Teildisziplin, die sich mit Fra- Mdchen, die sich stndig ihren Kopf kratzt. Seit
gen des  Akzents und anderer  Suprasegmentalia Mitte der 1990er Jahre wird die A. bzw.  Gramma-
befasst. PM tikalitt sprachl. ußerungen zunehmend als gra-
Akzentregel Morpho-phonolog. Regel, die die Po- dierte Grçße (gradience) und im Rahmen der  Op-
sition des Wort-, Phrasen- bzw. Satzakzents be- timalittstheorie diskutiert. In der  ling. Datenver-
stimmt (z. B. die ›main stress rule‹ des SPE). PM arbeitung werden unter dem Begriff ›Robust Par-
Akzentsilbe  Akzent sing‹ Modelle zur automat. Analyse inakzeptabler
Akzentuierung Die betonungsmßige Hervorhe- bzw. ungrammat. sprachl. Vorkommnisse entwi-
bung von ußerungsteilen durch Strken- und Ton- ckelt. Lit. M. Bader & J. Hussler, Toward a Model
hçhenabstufungen;  Akzent. PM of Grammaticality Judgments. JL 46.2, 2010, 273–
Akzentverschiebung  Akzentzusammenstoß 330. – E. Da˛browska, Naive v. Expert Intuitions:
Akzentwechsel (auch: Akzentbewegung) Vernde- An Empirical Study of Acceptability Judgments.
rung der Position des Wortakzents innerhalb eines LRev 27.1, 2010, 1–23. – G. Fanselow et al.
Flexionsparadigmas (z. B. dt. 'Doktor vs. Dok'toren) (eds.), Gradience in Grammar. Oxford 2004. – H.
bzw. bei  Konversion (z. B. engl. 'compound (N.) Haider, Grammatische Illusionen – Lokal wohlge-
vs. com'pound (V.)). PM formt – global deviant. ZS 30.2, 2011, 223–257. – F.
Akzentzhlend 1. (auch: betonungszhlend) Typo- Newmeyer, Grammar Is Grammar and Usage Is
log. Bez. fr Spr., in denen der  Rhythmus durch Usage. Lg. 79.4, 2003, 682–707. – M. Reis & S.
die regelmßige zeitl. Abfolge ( Isochronie) der Kepser (eds.), Evidence in Linguistics: Empirical,
Akzentstellen ( Fuß) gekennzeichnet ist. Daraus Theoretical, and Computational Perspectives. Bln.
folgend ist die kompensator. zeitl. Kompression 2005. – C. T. Schtze, The Empirical Base of Lin-
unbetonter Silben abhngig von deren Anzahl (pho- guistics: Grammaticality Judgments and Linguistic
net. dauerkompensierende Spr.). PM 2. Typolog. Methodology. Bln. 22016. – A. Sorace & F. Keller,
Bez. fr Spr., bei denen die Position des  Wort- Gradience in Linguistic Data. Lingua 115.11, 2005,
akzents in irgendeiner Weise »fest«, d. h. aus der 1497–1524. F, MYP
Wortstruktur vorhersagbar ist. Je nachdem, ob dabei Akzession (lat. accēdere ›hinzukommen, herantre-
die Silben oder andere Einheiten die Grundlage fr ten‹) Lautwandelprozess (bzw. dessen Ergebnis),
die »Zhlung« bilden, spricht man von  silbenzh- der mit einem Lautzuwachs verbunden ist. PM
lenden und  morenzhlenden Sprachen. GP Akzessorisch Hinzutretende, zustzl., weniger
Akzentzeichen  Diakritikon wichtige Eigenschaft oder Bedingung. G
Akzentzusammenstoß (engl. stress clash) Durch Akzidentiell (lat. accidēns ›Zufall‹) 1. Wert, den
Akzentverschiebung zu vermeidende Aufeinander- eine best. grammat. Kategorie in einem best. Aus-
folge zweier betonter Silben, z. B. engl. fourten > druck annimmt. Die Nomina des Dt. z. B. sind
furteen pund. PM durch die grammat. Kategorisierungen ( Akziden-
Akzeptabilitt (mlat. acceptābilis ›annehmbar‹. tien)  Numerus und  Kasus charakterisiert, die in
Engl. acceptability; frz. acceptabilit) Die A. einer konkreten nominalen Wortformen durch die jewei-
26 Akzidentiell

ligen morpholog. Mittel ausgedrckt werden ms- die Dialektverbnde des  Rheinfrnkischen,  Ost-
sen. 2. Weniger wichtige, zufllig zustandekom- frnkischen und  Bairischen; Karte  Deutsche
mende und kategorial unselbstndige Eigenschaft Dialekte, im Anhang. Die stammeshistor. zu be-
oder Bedingung, z. B. beim  Adaptieren eines grndende Einheit des A. spiegelt sich in den ge-
Elements an eine andere Umgebung; Ggs. essen- genwrtigen Dialektstrukturen nur undeutl. wider.
tiell. G Als Abgrenzungskriterium gegenber dem Rhein-
Alacaluf  Sdamerikanische Indianersprachen frnk. dienen i. d. R. die  Isoglossen Apfel/Appel,
Alagwa  Kuschitische Sprachen Pfund/Pund, -le/-chen (Dim.), gegenber dem Ost-
Alanisch  Iranische Sprachen,  Mitteliranisch, frnk. die Isoglosse feÐt/fest, gegenber dem Bair.
 Ossetisch die Isoglossen ihr/çs, euch/enk, jedoch sind breite
Alaska-Schrift Von Uyakoq (bekannter als »Neck«, bergangszonen in Rechnung zu stellen (Sdost-,
engl. Form seines Namens) ab 1900 eigenstndig Sd(rhein)frnkisch; Lechgebiet). Kennzeichen des
entwickelte  Schrift fr das  Eskimo (Yup’ik) in Schwb. innerhalb des A.: Diphthongierung der
Alaska. Trotz nur geringer Verbreitung ist die A.- mhd. Reihe i+y-u zu e˛i-o˛u (z. B. ze˛it ›Zeit‹, ho˛us
Schrift schriftgeschichtl. bedeutend, da Uyakoq sie ›Haus‹) bei sonst erhaltenen Monophthongen, west-
im Laufe der Jahre von einer  Wort-Bildschrift hin germ. k im Anlaut unverschoben (z. B. kind ›Kind‹).
zu einer  Silbenschrift weiterentwickelte. Lit. A. Kennzeichen des Niederalemann. (sdl. Baden, El-
Schmitt, Die Alaska-Schrift. Marburg 1951. D saß): westgerm. k im Anlaut wie im Schwb. un-
Albanisch 1. Seit dem 15. Jh. berwiegend in lat. verschoben, Erhalt der mhd. Monophthonge i+-u
Graphie berlieferte  indogermanische Sprache, (Bsp. zı̄t ›Zeit‹, hūs/hȳs ›Haus‹). Kennzeichen des
die heute im Staatsgebiet Albaniens sowie den an- Hochalemann. (deutschsprachige Schweiz ohne Ge-
grenzenden Gebieten Serbiens (Kosovo) und Make- biete des Hçchstalemann.): westgerm. k verschoben
doniens gesprochen wird. A. Sprachinseln gibt es in zu ch (z. B. chind ›Kind‹), wie das Niederalemann.
Griechenland und Sditalien; Karte  Europische und Schwb. nach-mhd. Flexion des Verbs. Kenn-
Sprachen, im Anhang. Grundlage der heutigen zeichen des Hçchstalemann. (sdl. Kantone der
Standardspr. Albaniens ist der tosk. Dialekt im S- deutschsprachigen Schweiz, Wallis, Walsergebiete):
den, dem der geg. Dialekt im Norden gegenber- konservative, nach-ahd. Flexionssysteme. Mit Mit-
steht. Das A. ist unter den idg. Spr. isoliert, wurde telalemann. wird der schwb.-hochalemann. Inter-
aber bisweilen als engere Verwandte des in wenigen ferenzraum nçrdl. des Bodensees bezeichnet. Lit.
inschriftl. Zeugnissen in Dalmatien bezeugten Illy- P. Wiesinger, Die Einteilung der dt. Dialekte.
rischen angesehen. Das A. hat im Laufe seiner Ge- HKS 1, II, 829–836. – Bad. Wb., Bd. 1 ff. Lahr
schichte starke Interferenzen seitens idg. (Latein/ 1925 ff. – Wb. der elsss. Mdaa. Bd. 1–2. Straßburg
Roman., Griech., slav. Spr.) und nichtidg. Spr. 1899–1907. – Schwb. Wb. Bd. 1–6. Tbingen
(Trk.) erfahren. Lit. O. Buchholz & W. Fiedler, 1904–1936. – Schweizerisches Idiotikon. Wb. der
A. Grammatik. Lpz. 1987. – M. Camaj, Albanian schweizerdt. Sprache. Bd. 1 ff. Frauenfeld 1881 ff. –
Grammar. Wiesbaden 1984. GP – 2. Durch Inschrif- Voralberg. Wb. Bd. 1–2. Wien 1955–1965. DD
ten und ein Lektionar bezeugte Spr. von Trgern Alentejano  Portugiesisch
eines der drei frhmittelalterl. christl. Reiche in Alethisch  Modallogik
Transkaukasien (Albanien auf dem Gebiet des heu- Aleutisch  Eskimo-aleutische Sprachen
tigen Aserbaidschan; Armenien; Georgien); sie Alexie f. (griech. B- (Negationsprfix), º Ø (lexis)
steht dem heutigen Udisch ( Dag(h)estanische ›Wort, Rede‹. Engl. alexia, z. T. auch (acquired)
Sprachen) nahe. Lit. W. Schulze & J. Gippert, The dyslexia)  Erworbene Sprachstçrung, berwiegend
Caucasian Albanian Language. In: The Caucasian mit einer  Aphasie verbundene, nicht peripher
Albanian Palimpsests of Mt. Sinai. Ed. J. Gippert et bedingte Stçrung oder Verlust bereits erworbener
al. Vol. I. Turnhout 2009, II-1, 1–102. BO Lesefhigkeit. Eine detaillierte neurolinguist.
»Aldi-Du«  »Mnchner Du« bersicht und Klassifikation der verschiedenen
Alemannisch In sich gegliederter Dialektverband Formen der A. findet sich in Anlehnung an ang-
des westl.  Oberdeutschen (deshalb auch »West- lo-amerikan. Studien bei De Langen. Lit. E. G. De
oberdt.«). Das A. umfasst die deutl. eigenstndigen Langen, Lesen und Schreiben. In: D. v. Cramon &
Dialektgruppen des Schwbischen, Nieder-, Hoch- J. Zihl (Hgg.), Neuropsycholog. Rehabilitation.
und Hçchstalemannischen. Das Gebiet des A. er- Bln. u. a. 1988, 289–305. – J. Kay, Aquired Disor-
streckt sich ber den Sdwesten Deutschlands (Ba- ders of Reading. HSK 8, 251–262. – W. Huber,
den-Wrttemberg und Bayr. Schwaben), das Elsaß Alexie und Agraphie. In: W. Hartje & K. Poeck
(Dpartements Haut-Rhin und Bas Rhin), die (Hg.), Klin. Neuropsychologie. Stgt., N. Y. 52002,
deutschsprachigen Kantone der Schweiz, Liechten- 203–226. GT
stein und den Westen sterreichs (Vorarlberg und Algarvio  Portugiesisch
Randbereiche Tirols). Im Sden und Westen grenzt Algerisches Arabisch  Maghrebinisches Arabisch
es an die Sprachgebiete des Ital., Rtoroman. und Algische Sprachen  Makro-Algonkin-Sprachgrup-
Frz., im Norden und Osten mit bergangszonen an pe
Allaussage 27

Algonkin-Sprachen  Nordamerikanische Sprach- Aufzhlbarkeit zur Anwendung. Dabei soll nach


gruppe, die im Nordosten Kanadas und der USA endl. vielen Schritten das Verfahren abbrechen und
weit verbreitet war; Karte  Nordamerikanische zu einem gltigen Ergebnis bzw. einer korrekten
Sprachen, im Anhang. Wichtige A.-S. sind Black- Antwort fhren. Statt des Abbruchs ist auch die
foot und Micmac mit 5 000 bzw. 8 000 Sprechern unbegrenzte Fortsetzbarkeit i. S. einer approximati-
sowie Ojibwa (Chippewa; ca. 30 000) und das Dia- ven Berechnung mçglich. Die bertragbarkeit des
lektkontinuum Cree-Montagnais-Naskapi mit 96 000 A. auf Rechenautomaten hat zu einer Algorithmen-
Sprechern. Vor allem in Kanada sind diese A.-S. theorie gefhrt. PR
noch stark in Gebrauch. Andere A.-S. sind vom Alienabel (auch: nichtorganisch possessiv. Engl.
Aussterben bedroht bzw. bereits ausgestorben. Fr alienable ›verußerbar‹) In vielen Spr. wird in Pos-
einige ausgestorbene A.-S. der Neuengland-Staaten sessivausdrcken grammat. zwischen verußerbarem
finden sich jurist.-administrative Texte aus dem (a.) und unverußerlichem (inalienablem, organisch
17. Jh. (Massachusetts). Im 19. Jh. gab es mehrere possessivem) Besitz unterschieden, z. B. Manding nı́1
Versuche, A.-S. mit  Silbenschriften zu verschrift- k2 s3 ›mein1 haus3‹ (a.) gg. nı́1 f
2 ›mein1 Vater2‹
lichen (Algonkin-Syllabar;  Cree-Schrift). Zahlrei- (inalienabel). In den europ. Spr. ist diese Differenz in
che Toponyme in Nordamerika gehen auf A.-Wçr- nominalen Possessivausdrcken nicht realisiert, wes-
ter zurck, z. B. Chicago, Massachusetts, Mississip- halb z. B. Mein Buch in a. Verwendung Ich besitze
pi, Ottawa. Als Lehnwçrter finden sich im Dt. z. B. ein Buch, in inalienabler Verwendung Ich habe ein
Karibu, Totem, Mokassin oder Mondamin, ein Han- Buch geschrieben ausdrckt. Hingegen bezeichnen
delsname aus dem Ojibwa-Wort fr ›Mais‹. Die A.- einige possessive Verben des Dt. wie besitzen und
S. haben einfache Lautsysteme mit nur einer Ver- gehçren nur ein a. Besitzverhltnis, z. B. Peter be-
schlussreihe. Die Morphologie kann als agglutinie- sitzt/gehçrt ein Reihenhaus/ein(en) Schreibtischstuhl
rend-polysynthet. gekennzeichnet werden. Die Ge- vs. *Peter besitzt/gehçrt eine Tochter/ein Magenge-
nus-Distinktion [€ belebt] ist stark ausgeprgt (ver- schwr (jedoch: Mein Bauch gehçrt mir!). Lit. H.
schiedene Pron.affixe, suppletive Stmme). Bei der Chappell & W. McGregor (eds.), The Grammar of
1. Pers. wird zwischen  inklusiv und exklusiv un- Inalienability. Bln., N. Y. 1995. G, RE
terschieden. Aus dem Zusammenspiel von  Belebt- Alignierung (engl. alignment) In der  Maschinel-
heit, Transitivitt und Personenhierarchie ergibt len bersetzung bezeichnet A. das Auffinden von
sich eine komplexe Affixkombinatorik im Hinblick korrespondierenden Texteinheiten (Wçrter, Stze,
auf die Koreferenz von Subj., direktem und indirek- oder Paragraphen) von Original und bersetzung.
tem Obj. im Verb; Obviation ( obviativ). Die Verb- Whrend die A. auf Satzebene zur Erstellung von
lexik und Morphologie des Cree bildete neben dem  Translation Memories dient, ist die A. auf Wort-
Frz. die wesentl. Grundlage fr die  Kreolsprache ebene wesentl. fr die computergesttzte Akquisi-
Mitchif. Lit. L. Bloomfield, Algonquian. In: Lin- tion bilingualer (terminolog.) Lexika. In der  Com-
guistic Structures of Native America. N. Y. 1946, puterlinguistik entwickelte Verfahren zur A. basie-
85–129. – I. Goddard, Comparative Algonquian. ren auf stochast.  Sprachmodellen bzw. heurist.
LNA, 70–132. – D. H. Pentland & H. C. Wolfart, Verfahren. Bei multimedialen Korpora wird das Ab-
A Bibliography of Algonquian Linguistics. Winni- gleichen von Sound und Gestik zu korrespondier-
peg 21982. – L. Bloomfield, The Menomini Lang- enden Transkriptionen als Zeitalignierung bezeich-
uage. New Haven 1962. – H. C. Wolfart & J. F. net. Lit. D. Jurafsky & J. H. Martin, Speech &
Carroll, Meet Cree. Edmonton 21981. – H. C. Wol- Language Processing. Upper Saddle River 2009. –
fart, Sketch of Cree, an Algonquian Language. F. J. Och & H. Ney, A Systematic Comparison of
HNAI–L, 390–439. D Various Statistical Alignment Models. ACL. Cam-
Algorithmus (mlat.-arab. Namensform von al- bridge 2003. Z
Chwaresm, arab. Mathematiker des 9. Jh., durch Alignierungsconstraint (engl. alignment con-
dessen Algebra-Lehrbuch die arab.  Ziffern in Eu- straint) Constraint-Familie in der  Optimalitts-
ropa bekannt wurden) Ein generelles, schrittweise theorie, die den Zusammenfall der Rnder von pro-
vorgehendes Rechenverfahren, das nach schemat. sod. und/oder morpholog. Konstituenten regelt;
Regeln vollzogen wird. Die das Rechenverfahren z. B. fordert ALIGN FT (Fuß, Links, Stamm,
leitende Anweisung muss in allen Einzelheiten ge- Links), dass der linke Rand jedes prosod. Fußes
nau und von endl. Lnge sein. Sie muss so abgefasst mit dem linken Rand eines Stammes zusammenge-
sein, dass jedes Mitglied der Sprachgemeinschaft, fgt wird. PM
in deren Spr. die Anweisung formuliert ist, nach ihr Alinea  Absatz mit und ohne Einzug in einem ge-
handeln kann. Gefordert ist, dass die Folge der druckten Text. G
Schritte eindeutig erfolgen kann. Der  Kalkl stellt Aliteral  Schriftlichkeit
eine Modifikation des A. dar, die statt der eindeuti- Allativ  Adlativ,  Kasus
gen Festlegung der Schrittabfolge endl. viele Wahl- Allaussage (auch: Generalisation) Eine Aussage, in
mçglichkeiten bei jedem Schritt bietet. A. kommen der mit den Wçrtern alle, smtliche, jeder, jegliche
in Verfahren der Berechenbarkeit, Entscheidbarkeit, eine Generalisierung des ausgesagten Sachverhalts
28 Allaussage

zum Ausdruck gebracht wird. In der  Prdikatenlo- in den USA wichtige pdagog. und therapeut. An-
gik wird zur Kennzeichnung der Allquantor ‘ oder stçße gegeben; ihre Vertreter hegten berdies die
" vorangestellt, um zu kennzeichnen, dass ein be- Hoffnung, einen wesentl. Beitrag zur Verminderung
stimmtes Prdikat (der Aussage) fr den genannten oder Beseitigung gesellschaftl. und internat. Kon-
Individuenbereich universal gilt. PR flikte leisten zu kçnnen. Lit. A. Korzybski, Science
Allegorie (griech. BººÅªæ Æ (allēgoria) ›bildlicher and Sanity: An Introduction to Non-Aristotelian
Ausdruck‹, zu BººÅªæƒ (allegorein) ›anders, Systems and General Semantics. Lancaster, Pa.
bildlich reden‹) Bildhaft-symbolischer Ausdruck 1933, 51994. – S. Chase, The Tyranny of Words.
eines Gedankens in solcher Weise, dass das eigent- Ldn. 1938. – S. I. Hayakawa, Semantik. Spr. im
lich Gemeinte auch in den Details zu erkennen ist, Denken und Handeln. Darmstadt 31969. – G.
z. B. die Kunst des Gartenbaus als Bild fr die Schwarz (Hg.), Wort und Wirklichkeit. Darmstadt
Kunst der Erziehung und Bildung von Kindern. G 1968. – J. S. Bois, The Art of Awareness. Dubuque,
Allegroform  Sprechausdruck Iowa 1978. – R. E. Paulson, Language, Science, and
Allemand  Deutsch Action. Westport, Conn. 1983. RB
Allgemeine Grammatik (auch: Universalgramma- Allgemeine Sprachwissenschaft (engl. general
tik, Philosophische Grammatik) Von der antiken linguistics, frz. linguistique gnrale) Zentrale Teil-
Philosophie bis zu heutigen Modellen der GG disziplin der Ling., die sich mit den generellen
verfolgtes Ziel ling. Forschungen, die menschl. Eigenschaften von Spr. und den kategorialen
Sprachfhigkeit auf generelle Prinzipien zurckzu- Grundlagen der Sprachwiss. befasst im Ggs. zu
fhren. Die A. G. soll Regeln und Strukturen aller den auf Einzelspr. (z. B. Russistik, Hispanistik)
natrl. Spr.n so generell wie mçgl. formulieren und oder Sprachgruppen (z. B. Slavistik, Turkologie)
damit die Bedingungen einer natrl. Spr. berhaupt oder geograph. bestimmte Sprachrume (z. B. Kau-
erfassen. Lit. N. Chomsky, Cartesian Linguistics: A kasiologie, Afrikanistik) bezogenen ling. Teildiszi-
Chapter in the History of Rationalist Thought. N. Y. plinen und im Ggs. zur  vergleichenden Sprach-
1966. – Mller, GT. – T. Stowell, Mentalism and wissenschaft, deren Ziel in bi- und multilateralen
Universals in ›Aspects‹. In: . J. Gallego & D. Ott Vergleichen einzelner sprachl. Sachverhalte liegt.
(eds.), 50 Years Later: Reflections on Chomsky’s Dies stellt die a. S. in die Nhe der empir. orientie-
Aspects. Cambridge, Mass. 2015, 249–253. – Wei- rten  Universalienforschung und der  Sprachtypo-
tere Lit.  Mentalismus,  Universalgrammatik, logie. Lit. E. Coseriu, Einf. in die allg. Sprachwiss.
 Universalien. F, MYP Mchn. 21992. G
Allgemeine Semantik (engl. General Semantics; Allgemeiner Deutscher Sprachverein (Abk.
frz. smantique gnrale) Von A. Korzybski (1933) ADSV) Der ADSV wurde 1885 in Dresden gegrn-
in den USA begrndeter und dort v. a. von S. I. det. Ziel des Vereins war »die Reinigung der deut-
Hayakawa ausgebauter Ansatz mit sprachkrit.-pd- schen Sprache von unnçthigen fremden Bestandtei-
agog. Zielsetzung. Die a. S. versucht das Bewusst- len«. Diese  Sprachpflege war zwar phasenweise
sein dafr zu wecken, dass lexikal. Zeichen ihre auf pdagog. Ziele gerichtet, nmlich auf eine Ver-
 Denotate nicht vollstndig und wertfrei abbilden, einfachung der dt. Spr. durch bersetzung und Er-
dass Wortbedeutungen vielmehr in je spezif. Maße setzung fremdsprachl. Wçrter. So sind z. B. das
abstrakt und zugleich konnotativ ( Konnotation 2) BGB und damit die Rechtssprache verdeutscht wor-
gefrbt sind und dass eine naive oder manipulative den i. S. einer grçßeren Verstndlichkeit fr die des
Identifikation von Wort und Sache massive Verzer- Lat. nicht mchtigen Teile der Bevçlkerung. Aber
rungen der Realittswahrnehmung bewirken kann. sehr frh haben die nationalist. Tendenzen des
Ein »intensionales«, von randscharfen Begriffen ADSV die Arbeit des Vereins geprgt. Eine Viel-
und stereotypen Konzepten beherrschtes, »zweiwer- zahl erfolgloser Eindeutschungsversuche (z. B.
tiges« Denken ist nach Auffassung der a. S. die Rauchrolle fr Zigarre) legen davon Zeugnis ab.
Wurzel fr Streit, Kampf und Krieg. Rationale Mit Beginn des 1. Weltkriegs wurde der ADSV
Kommunikation und Kooperation werden dagegen offen chauvinist. Eine wilde Jagd auf ›Fremdwçr-
gefçrdert durch eine »vielwertige Orientierung«, die ter‹ und auf Fremdes setzte ein. Einige der amtli-
individuelle Variation und begriffl. bergnge be- cherseits untersttzten Aktivitten haben Spuren
tont, durch ein »extensionales« Denken, welches hinterlassen: Kaffee/Caf. Der ADSV, der bis zu
mit individuell »indizierten« Kategorien arbeitet 45 000 Mitglieder hatte, kooperierte in den zwanzi-
und sich darum auf abgestufte, ja kontrre Wahr- ger Jahren mit bndischen Vereinen. Die prominen-
heitsansprche einzulassen bereit ist. In der Analyse ten NS-Politiker standen ab 1933 den deutscht-
des Einflusses der Spr. auf Wahrnehmung, Denken melnden Zielen des ADSV reserviert gegenber,
und Handeln berhrt sich die a. S. mit der  Sapir- da diese u. a. nicht zu einer effizienten Propaganda
Whorf-Hypothese (ferner:  Inhaltsbezogene Gram- passten. Die Entwicklung der  NS-Sprache ver-
matik), doch verfolgt sie das Ziel, sprachl. Deter- mochte der Sprachverein nicht mehr zu beeinflus-
mination durch semant. Reflexion und verstehendes sen, trotz aller Anbiederungsversuche. Das Organ
Zuhçren zu berwinden. Damit hat sie zweifelsohne des ADSV, die Zs. Muttersprache, musste 1943 aus
Allotagma 29

»kriegswirtschaftl. Grnden« ihr Erscheinen ein- das Auftreten der Varianten distributionell festliegt,
stellen. Drei Jahre zuvor hatte Hitler ein Verbot z. B. in der dt. Fraktur beim »langen« K s L und runden
gegen die Fremdwortjgerei ausgesprochen;  Pu- K s L, im Griech. beim K L (nur wortfinal) und K L (in
rismus. Lit. P. v. Polenz, Sprachpurismus und Na- allen brigen Positionen). In der  arabischen
tionalsozialismus. In: E. Lmmert u. a., Germanistik Schrift haben die meisten Schriftzeichen vier kom-
– eine dt. Wiss. Ffm. 1967. – H. Bernsmeier binator. Varianten (in Isolation, wortinitial, wortin-
(1977 ff.) Der Allgemeine Deutsche Sprachverein. tern, wortfinal). Lit.  Graphematik. G
(3 Aufstze). MU Jg. 1987, 1990, 1993. – J. Schie- Allomorph n. (griech. Bºº (allo-) ›anders als‹,
we, Die Macht der Sprache. Mchn. 1998. – P. v. æw (morfē) ›Gestalt‹. Auch: Morphemalternan-
Polenz, Dt. Sprachgeschichte Bd. III. Bln., N. Y. te, Polymorph(ie)) Realisierung eines  Morphems
1999. S in aktualen Sprachußerungen; z. B. wird das Mor-
Alliance FranÅaise  Sprachenpolitik phem {Plural} bei dt. Substantiven durch die A.
Alliteration (lat. ad ›hinzu‹, littera ›Buchstabe‹. {-n}, z. B. Lçwen, Bauern; {-en}, z. B. Frauen;
Auch: Anreim, Stabreim) Gleichklingender Anlaut {-er}, z. B. Kinder; {-s}, z. B. Kinos, Muttis; Vokal-
der betonten Silben innerhalb einer Wortgruppe. wechsel, z. B. Vter, Mtter, fen; {-ø}, z. B. Fah-
Die griech. Bez. fr A. ist Homoioprophoron rer ( Nullsufix) u. a., das Morphem {singen} durch
(griech. ¤ƒ (homoios) ›gleich‹, æw æØ {sing-}, {sang-}, {sng-}, {(ge)-sung-} ausge-
(proferein) ›vortragen, zum Vorschein bringen‹). – drckt. Man ermittelt die A. eines Morphems durch
Die A. ist eine Klangfigur, die in der antiken  Rhe- die Feststellung von  Synonymie und (weitgehend,
torik bei Hufung als Stilfehler galt ( Solçzismus). vgl. Flle wie buk/backte, Pizzas/Pizzen/Pizze)
– Die A. grndet sich auf die starke Anfangsbeto- komplementrer  Distribution. G
nung der ital., kelt., german. Spr. ( Initialbeto- Allonym  Eigenname, der verschiedene einzel-
nung). In der metr. geregelten Form des Stabreims sprachl. Formen besitzt, v. a. bei Personennamen,
ist die A. ltestes Formprinzip der german. Versglie- z. B. Wilhelm, Guillaume, William, Guglielmo und
derung. Der Stabreim verlangt den Gleichklang be- bei Ortsnamen, z. B. Wien, Vienna, Věden;  Exo-
nachbarter Starktonsilben. Konsonanten und Vokale nym. G
kçnnen den Stabreim bilden. – Im Nhd. ist die A. Allophon n. (griech. Bºº (allo-) ›anders als‹,
noch in  Zwillingsformen erkennbar, z. B. auf Bie- wø (fōnē) ›Stimme‹. Auch: Phonemvariante,
gen und Brechen, in Werbeslogans (Werbesprache, subphonem. Variante) Phonet. Variante der Reali-
z. B. Milch macht mde Mnner munter, Metzler sierung eines  Phonems. Je nach seiner Distribu-
macht Musik), Filmtiteln (z. B. Manche mçgen’s tion unterscheidet man freie (auch: fakultative,
heiß), Buchtiteln (z. B. H. Fallada, Bauern, Bonzen engl. free) Varianten (wie z. B. im Dt. Zungen-
und Bomben), Zungenbrechern (z. B. Fischers Frit- und Zpfchen-R [r, R]) und kombinator. (engl. de-
ze…), Nonsense-Versen und Poesie. Die A. bewirkt termined) Varianten wie z. B. /x/ im Dt. als kom-
eine Steigerung der Klangintensitt. VS plementr verteilte Ich- und  Ach-Laute: [Å] nach
Allo- (griech. Bºº (allo-) ›anders als‹) Fach- Konsonanten und vorderen Vokalen sowie morphe-
sprachl. Wortbildungselement, das auf konkrete minitial, [x] nach hohen und mittleren gespannten
Realisationen von sprachl. Einheiten verweist. So Hinterzungenvokalen, [å] nach tiefen Hinterzun-
sind  Allophone die mçgl. Realisationen eines genvokalen. PM
Phonems (vgl. die Ich- und Ach-Laute [Å, å]) oder Allosem n. (griech. Bºº (allo-) ›anders als‹, EÆ
 Allomorphe die unterschiedlichen Realisationen (sēma) ›Zeichen‹) Im Rahmen eines monolateralen
eines Morphems (vgl. die Verwendung von -heit Zeichenbegriffs nennt E. A. Nida die Morphembe-
und -keit zur Bildung von Abstrakta);  Alloflex, deutung Semem ( Semem 1). Parallel zum  Allo-
 Allograph,  Allonym,  Allosem,  Allotagma, morph als Morphemvariante (ident. Bedeutung bei
 Allotax. ES unterschiedl. Form) bezeichnet er distributionelle
Alloflex Selten verwendete Bez. fr eine Menge von Varianten des Semems als A. (unterschiedl. Bedeu-
Realisationen eines Flexionsmorphems. So stehen tung bei ident. Form) und nennt als Beispiel u. a. die
fr die Pluralmarkierungen dt. Subst. etwa ein hal-  Polysemie von engl. out: »außerhalb« (go out) /
bes Dutzend A. eines Flexivs zur Verfgung. Aus- »Resultat« (outcome) / »hoher Grad« (outwit) /
drucksseitige Variation von Morphemen wird termi- »Auswahl« ( find out). Lit. E. A. Nida, Morphology.
nolog. hufig unter der Bez.  Allomorphie subsu- Ann. Arbor 21949. – Ders., A System for the De-
miert. ES scription of Semantic Elements. Word 7, 1951,
Allograph n. (griech. Bºº (allo-) ›anders als‹, 1–14. RB
ªæwØ (grafein) ›schreiben‹) Varianten eines Allotagma n., pl. ,men (griech. Bºº (allo-) ›an-
 Schriftzeichens innerhalb einer  Transkription ders als‹; ªÆ (tagma) ›das Arrangierte‹) In der
(z. B.  IPA [Ø] = [ı] oder eines  Schriftsystems  Tagmemik ein  Tagma als Manifestationsvariante
(z. B. dt. K g L = K g L) oder Varianten einer Schreibung, ein und desselben  Tagmems. Die A. kçnnen vari-
z. B. dt. chic vs. schick, photographieren vs. foto- ieren (a) in der Form, (b) in der Position und – eng
grafieren. Kombinator. Allographie liegt vor, wenn begrenzt – (c) in der Bedeutung. T
30 Allotax

Allotax n. (griech. Bºº (allo-) ›anders als‹, Ø Sprachsystem die  phonolog. Ebene ist; seine
(taxis) ›Ordnung‹) Variante eines kleinsten nicht- Grundeinheiten sind  Grapheme, die auf einem
bedeutungtragenden Formelements (eines  Ta- Inventar von  Buchstaben basieren, die  Alphabe-
xems), die abhngig ist von der Position in der te heißen. A. S. sind  kenematische (phonograph.)
linearen Abfolge, z. B. frz. moi gegenber m’ in  Schriftsysteme. Alphabete sind im Vergleich zu
coute-moi ›hçr mich an‹ gg. tu m’coutes ›du Inventaren  plerematischer Schriftsysteme ( Logo-
hçrst mich an‹. T graphie) wenig umfangreich, da sie ledigl. die zen-
Allquantor  Allaussage,  Quantor,  Operator, tralen Einheiten des phonolog. Systems der jeweili-
 Logische Partikel gen Spr. reprsentieren mssen, um zu funktionie-
Alltagssprache (engl. everyday language, vernacu- ren. In A. S. werden Lexeme und Grammeme (Fle-
lar, frz. langue familire, langage quotidien) Spr., xive, Ableitungsmittel, grammat. Wçrter) gleicher-
mit der jemand aufwchst und die im tgl. Leben in maßen ausgedrckt; Morpheme werden in der ge-
gewçhnl. sozialen Interaktionen verwendet wird, schriebenen Sprachform (soweit nicht  scriptio
wenn man nicht auf seinen Sprachgebrauch achtet; continua verwendet wird, d. h., dass die Zeilen
 Umgangssprache,  Vernakulum. WW ohne Markierung von Wortgrenzen vollgeschrieben
Almosan-Sprachgruppe  Makro-Algonkin-Sprach- werden) nur als Wçrter markiert (durch  Leerstel-
gruppe len oder andere Worttrenner). Es ist deshalb i. d. R.
Alpendeutsch  Oberdeutsch nicht mçglich, systemat. morpholog. Sachverhalte
Alpha privativum n. (eºwÆ ›1. Buchstabe der direkt abzubilden (z. B. Pluralmorphe wie dt. {-en}
griech.  Alphabetreihe‹, lat. prı̄vātı̄vum ›abgeson- Frauen, {-n} Lçwen, {-er} Kinder, {(Vokal-
dert, eine Beraubung anzeigend‹) Griech. Nega- wechsel)} Mtter, Vter, Hçfe usw., wogegen z. B.
tionsprfix, das in vielen  Internationalismen in im Chines. grammat. Sachverhalte durch grammat.
die modernen europ. Spr. eingegangen ist, z. B. dt. Wçrter und dazugehçrige Logogramme geschrieben
atypisch, amusisch. Das a. p. geht zurck auf die werden (mssen), z. B. {-men} [m@n] als Plural-
idg. »liquida sonans« n, griech. *n-ØŒ > eØŒ , marker mit dem Hanzi , {-le} [l@] zur Markierung
˚
vgl. lat. in-iūstus, dt. un-gerecht. ˚ GS des Prteritums mit dem Hanzi ). Die histor. fr-
Alpha purum n. (lat. pūrum ›rein‹) 1. (Veraltete) hesten alphabet.  Schriftsysteme entwickelten sich
Bez. fr solche Subst. der griech. a-Deklination, die um die Mitte des 2. Jt. v. Chr. im nordsemit. Sprach-
(nach , Ø, æ) in allen Kasus -Æ aufweisen, im Ggs. raum ( Phçnizisch.  Ugaritisch). Jedoch kennen
zu solchen, die im Gen. und Dat. Sg. -Å zeigen (sog. bereits ltere Logographien (gypt.  Hieroglyphen,
alpha impurum). 2. Bez. fr das Resultat eines  chinesische Hanzi,  Sumerisch) lautbezogene
Lautwandelprozesses von idg. ā > dor. Ǣ > ion.- Desambiguierungsverfahren ( Determinativ,  Re-
att. Å (z. B. dor. Åæ, ion.-att. Åæ (lat. māter) bus) und Silben- und Lautzeichen. A. S. sind im
›Mutter‹), nach , Ø, æ > att. Æ, ion. Å (z. B. ion. Ggs. zu Logographien und  Piktographien einzel-
åæÅ, att. åæÆ ›Raum, Flche‹). GS sprachabhngig, da ihre Elemente bzw. deren Kom-
Alphabet (griech. eºwÆ, EÆ (alfa, bēta): Namen binationen zu graph. Wçrtern direkt auf die Laut-
der beiden ersten Buchstaben der griech.  Alpha- formen von Wçrtern referieren. Die Unmittelbarkeit
betreihe) 1. Inventar der  Schriftzeichen eines  al- dieser Reprsentationsbeziehung kann im Laufe der
phabetischen  Schriftsystems;  Buchstabe. A. sind einzelsprachl. Entwicklung abnehmen und stellt
geordnete Inventare; sie stellen neben den  Ziffern dann hufig den Anlass fr Forderungen nach pho-
das wichtigste Strukturierungsmittel fr Listen aller nograph. Reformen dar ( Orthographiereform).
Art dar, z. B. Lexika, Wçrterbcher, Bibliothekska- Extrem ist die  Grammatikalisierung des Schrift-
taloge, Warenverzeichnisse usw.;  Regeln fr die systems z. B. im modernen Engl. und Frz., wo viel-
alphabetische Ordnung. Viele A. enthalten eine grç- fach die Rekonstruktion von  Phonem-Graphem-
ßere Zahl von Buchstaben als ihre  Alphabetliste Korrespondenzen schwierig oder unmçglich ist,
(im Dt. z. B. , ç, , ß). A. waren von der griech.-lat. weil viele Schreibungen nur (noch) morpholog.
Antike bis ins 20. Jh. Grundlage und erster Gegen- analysierbar sind (z. B. bei Wçrtern wie engl.
stand des Schulunterrichts ( Alphabetisierung, enough [in’af], frz. est-ce qu’il-y-a [Eskil’ya]). Dies
 Lautieren,  Lesenlernen,  Schreibenlernen). Im hat einige Forscher (z. B. P. Eisenberg, W. Haas)
Laufe der Jhh. entstand deshalb eine Flle von dazu veranlasst, »phonolog. tiefe« Schriftsysteme
didakt. und lit. Texten, die das Erlernen und Be- dieser Art als nicht (mehr) alphabet., sondern mor-
halten des A. erleichtern sollten, z. B. sog. Alpha- phograph. Schriftsysteme zu klassifizieren. So be-
betgedichte und -lieder. Lit.  Alphabetische rechtigt die damit verbundene Kritik an der – unter
Schrift. 2. (Auch: Vokabular) Metaphor. Bez. fr Orthographiedidaktikern verbreiteten – Auffassung
Inventare anderer Art, in  Phrasenstrukturgramma- vom idealiter phonograph. Charakter jeder A. S. ist
tiken z. B. alle nichtterminalen Symbole (wie NP, (»schreibe, wie du sprichst!«), so vorschnell ist die
VP) im Ggs. zu den (lexikal.) Endsymbolen. G Konsequenz, deshalb einen abweichenden Schrift-
Alphabetische Schrift (auch: Buchstabenschrift) typ zu postulieren. Denn auch phonolog. tiefe
 Schrifttyp, dessen dominante Bezugsebene im Schriftsysteme basieren zentral auf festen  Gra-
Altaisch 31

phem-Phonem-Korrespondenzen, insbes. im Be- rungen (z. B. wurden im Zuge der russ. A. 1917/18
reich der Konsonantengrapheme. Die umfangrei- eine Reihe von Buchstaben abgeschafft;  Kirillica;
chen und oft jenseits der phonolog.-graphemat. das »lange s« des Dt. verschwand mit dem Erlç-
Ebene begrndeten Abweichungen und Besonder- schen der  Fraktur). Der Terminus  Orthographie-
heiten lassen sich i. d. R. als Konservierung lterer reform bezieht sich i. d. R. nicht auf Vernderungen
Sprachzustnde in der  geschriebenen Sprachform im Bestand des Alphabets des zu reformierenden
erklren, die synchron nicht (mehr) phonograph. Schriftsystems. G
analysierbar sind. – Histor. oft belegt ist der Fall, Alphabetreihe Konventionelle Anordnung der
dass Logogramme bzw. Inventare von Logogram-  Schriftzeichen alphabet.  Schriftarten. In lat. ba-
men bei Neuverschriftungen mit gleichen Bedeu- sierten  Schriftsystemen umfasst die A., die
tungsbezgen, aber anderen Lautformen verbunden  Buchstaben A, B, C, D, E, F, G, H, I, (J), (K), L,
werden ( Kanzi,  Sumerogramm). Auch moderne M, N, O, P, Q, R, S, T, U, (V), (W), X, (Y), (Z).
 Alphabetschriften inkorporieren logograph. Inven- Zustzl. Buchstaben einzelner Schriftsysteme wer-
tare (z. B. wird & realisiert als frz. et, dt. und, engl. den nach unterschiedl. Gesichtspunkten eingeord-
and, ital. e, span. y, russ. i, schwed. och usw.). Lit. net: durch  Diakritika abgeleitete Buchstaben
 Schrift. G nach dem jeweiligen Grundbuchstaben, z. B.
Alphabetisierung Vermittlung der Fhigkeit des tschech. č nach c, š nach s oder am Ende der A.,
 Lesens und  Schreibens an Kinder, Jugendliche z. B. schwed. y, z, å, , ç. Mitunter werden auch
und Erwachsene, unabhngig vom jew.  Schrifttyp. kombinierte  Grapheme in die A. aufgenommen,
In vielen Lndern richtet sich die A. an Menschen, z. B. tschech. ch nach c, ungar. sz nach s, gy nach g
die aufgrund schlechter infrastruktureller Bedingun- usw. Dt. , ç, , ß sind keine Bestandteile der A.; sie
gen berhaupt nicht oder nur fr kurze Zeit eine werden teils unter a, o, u, teils unter ae, oe, ue
Schule besuchen konnten. Große A.kampagnen gab (DIN 5 007) rubriziert, ß stets unter ss. Die hohe
es im 20. Jh. im Zuge gesellschaftspolit. Umwl- Stabilitt der A. der lat., griech. und kyrill. Schrift-
zungen (bspw. nach den sozialist. Revolutionen art erklrt sich daraus, dass die Buchstaben bis in
in Russland und China); sie dienten auch als Mit- die frhe Neuzeit zugleich Zahlzeichen ( Ziffer)
tel polit. Beeinflussung. In den Industrielndern waren und Schwankungen in der A. das Rechnen
kommt es heute trotz allg. Schulpflicht zu ›sekun- erschwert htten. Manchmal wurden Buchstaben in
drem Analphabetismus‹, wenn der Schulbesuch der A. beibehalten, die zum Schreiben nicht (mehr)
die Lese- und Schreibfhigkeit nicht ausreichend verwendet, aber zum Rechnen gebraucht wurden
verankert hat oder die erworbenen Kenntnisse (z. B.  Koppa,  Sampi und  Digamma im Alt-
(z. B. wegen seltener Anwendung) ›verlernt‹ wer- griech). Die A. altind. Schriftsysteme sind nach
den. Von ›funktionalem Analphabetismus‹ spricht phonolog. Gesichtspunkten geordnet: Vokalbuchsta-
man, wenn Menschen die im Alltag geforderten ben, Diphthongbuchstaben, dann die Konsonant-
Lese- und Schreibleistungen nicht erbringen kçn- buchstaben (deren Grundform ein inhrentes [a]
nen;  Fhigkeitenansatz,  Morphemmethode, oder [@] inkorporiert): Gutturale, Palatale, Zerebra-
 Spracherfahrungsansatz. Lit. J. Genz, 25 Jahre Al- le, Dentale, Labiale, Halbvokale und Spiranten. Die
phabetisierung in Deutschland. Stgt. 2004. GI, KL, A. alphabet. Silbenschriften ist doppelt geordnet
SO (z. B. im Amhar. oder Korean.): einerseits gibt es
Alphabetplanung  Alphabetreform,  Verschriftung eine festgelegte Reihe der Konsonanten (K), ande-
Alphabetreform Vernderung im Bestand eines Al- rerseits eine festgelegte Reihe der Vokale (V), so
phabets: (a) komplette Ersetzung eines Alphabets dass die A. dieser Systeme stets als zweidimensio-
einer  Schriftart A durch eines einer Schriftart B, nale Matrix dargestellt wird (horizontal: K1 ohne V,
z. B. die  Latinisierung vordem auf arab.-pers. Ba- K1 + V1, K1 + V2,… K1 + Vn, vertikal: K1 ohne V,
sis geschriebener Spr. wie im Falle des Trkeitrk. K2 ohne V,… Kn ohne V). G
(1926/28) oder des Somalischen (1960er Jahre) oder Alphabetschaffung  Verschriftung
die  Kyrillisierung vieler  altverschrifteter Spra- Alt  Sprechausdruck,  Stimme
chen in der UdSSR zwischen 1936 und 1941; (b) Altaisch (Eigenbez. Altaj til, frher: Ojrot til)
Reduktion oder Erweiterung des Bestands eines Nordtrk. Spr. ( Turksprachen), in den sdl. Dia-
Alphabets, z. B. zum Zwecke besserer Differenzie- lekten mit starken Bezgen zum  Kirgisischen und
rung (z. B. die Einfhrung von K u L und K j L ins lat. den osttrk. Sprachen, 57 400 Sprecher. Sprachge-
Alphabet durch humanist. Gelehrte, die Einfhrung biet: Altai-Gebirge und Kemerovo; Karte  Trki-
des  Haček in die Graphie des Tschech. durch Jan sche Sprachen, im Anhang. In den 1920er Jahren
Hus), zum Zwecke hçherer Abbildungsgenauigkeit wurden sechs kleine Vçlker (nach ihren frheren
(so ist in fast allen lat. basierten Schriftsystemen westmongol. Herrschern zunchst als »Ojroten« be-
das Inventar der Vokalbuchstaben gg. dem lat. nannt) zusammengefasst: Altaier, Telengiten, Tele-
Basisalphabet erweitert, z. B. dt. , ç, , y und viele uten (Sdaltai), Tuba, Kumandinen, Lebed-Tataren
Digraphe wie aa, ah, ie usw.), zum Zwecke der Ab- (Nordaltai). Seit 1948 bezeichnet sich die Gesamt-
schaffung als berflssig empfundener Differenzie- gruppe als Altaier. Das A. wurde ab 1845 in einer
32 Altaisch

von Missionaren angepassten kyrill. Schrift ge- Terminologie L. Bloomfields (1887–1949) allo-
schrieben. 1928 wurde die lat. Schrift eingefhrt, phon. ( Allophon) oder allomorph. ( Allomorph)
1938 Rckkehr zur kyrill. Schrift. Lit. O. Pritsak, Variante. PM
Das Altaitrk. In: Philologiae Turcicae Fundamen- Alternanz  Alternation
ta I, Wiesbaden 1959, 568–598. MI Alternation (lat. alternāre ›abwechseln‹. Auch: Al-
Altaische Sprachen  Sprachbund, der neben den ternanz, Lautwechsel, Mutation) Der regelmßige
 Turksprachen das  Mongolische und das  Tun- Lautwechsel bei etymolog. zusammengehçrigen
gusische umfasst. Die Einbeziehung des  Koreani- Wçrtern auf synchroner Ebene, wobei zu unter-
schen und  Japanischen ist strittig. Unklar ist eben- scheiden ist zwischen rein phonetischer A. (Bloom-
falls, was mit dem Terminus »a. Sprachen« sinnvol- field 1926, Def. 40), z. B. im Fall der dt.  Auslaut-
lerweise zum Ausdruck gebracht werden kann. Of- verhrtung oder des Wechsels zwischen Ich- und
fensichtlich ist ein hohes Maß struktureller Gemein-  Ach-Laut, einer formalen allomorph. ( Allo-
samkeiten: einfacher Silbenbau, Opposition [velar/ morph,  Morphonem) A. (Def. 42; z. B. das engl.
palatal] und Vokalharmonie, suffixagglutinierende Pluralmorphem als /-s/, /-z/, /-iz/, /-en/, /-ø/ in cats,
Morphologie, Wortstellung SOV, Einbeziehung der dogs, horses, oxen, sheep), automatischer A., wenn
Nebenstze in den Hauptsatz. Lexikal. Parallelen formale A. phonet. kontextuell bedingt ist, z. B.
gehen aber wohl eher auf Entlehnung zurck, so beim dt.  Umlaut (ahd. gast – gesti > nhd. Gast –
dass eine genet. Verwandtschaft zwischen den drei Gste), einer grammatischen A. (Def. 47), z. B.
Sprachgruppen nicht anzunehmen ist. Andererseits beim dt.  Ablaut: helfen – Hilfe, binden – Band –
ist der a. Sprachbund – ebenfalls unter dem Ein- Bund), wobei weiter regulre A. und irregulre A.
druck struktureller hnlichkeiten – von manchen (Def. 48) zu unterscheiden sind. Lit. L. Bloomfield,
Forschern mit den Gruppen der  finno-ugrischen A Set of Postulates for the Science of Language.
und den samojed. Sprachen unter dem Terminus Lg. 2, 1926, 153–164. PM
 ural-altaische Sprachen zusammengefasst worden. Alternativfrage (auch: disjunkte Frage. Engl. alter-
Lit. J. Benzing, Einf. in das Studium der Altaischen native/disjunctive question, frz. interrogation dis-
Philologie und der Turkologie. Wiesbaden 1953. – jonctive)  Fragesatz, der in grammat. Hinsicht aus
N. Poppe, Introduction to Altaic Linguistics. Phila- mehreren durch oder verbundenen  Entscheidungs-
delphia 1965. MI fragen besteht und in pragmat. Hinsicht nicht durch
Altanatolische Sprachen (auch: altkleinasiatische Ja oder Nein beantwortet werden kann, z. B.
Sprachen) berbegriff fr die vor der Ausbreitung Kommst du oder kommst du nicht? Lit.  Frage-
der griechischen  Koine in Anatolien gesprochenen satz. F
Spr., darunter idg. ( Hethitisch, Luvisch, Lydisch, Altersstil, Altersstilforschung  Stilalter
Lykisch, Palaisch, Phrygisch) und nichtidg. Spr. Altfrnkisch 1. Unbliche zusammenfassende Bez.
(z. B.  Hattisch,  Hurritisch,  Urartisch). Am fr die frnk. Dialekte der ahd. Epoche. 2. Keine
reichhaltigsten bezeugt sind das Hethit. (Keilschrift- Bez. fr eine Sprachstufe, sondern veraltendes Syn-
texte, 19.–12. Jh. v. Chr.) und das eng mit ihm ver- onym von ›altmodisch, verstaubt‹. G
wandte Luv. (Texte in Keilschrift, 14.–12. Jh., und in Altfranzçsisch  Franzçsisch
einer eigenstndigen Hieroglyphenschrift, 18.–8. Jh. Altgriechisch Bez. fr die zwischen dem 8. Jh. v.
v. Chr.); beide sind die Hauptvertreter des anatol. Chr. und dem 3. Jh. n. Chr. dokumentierten Sprach-
Zweigs der  indogermanischen Sprachen. Zum sel- formen des  Griechischen. Schon erste Denkmler
ben Sprachzweig drfte auch das in Abarten des (Inschriften) aus dem 8. Jh. v. Chr. zeigen starke
griech. Alphabets inschriftl. bezeugte Lyd. (7.– dialektale Unterschiede, die in heterogenen Ein-
3. Jh.) sowie das Lyk. (8.–3. Jh.) gehçren, das mçgli- wanderungswellen griech. Siedler seit dem 2. Jt. v.
cherweise ein jngerer Fortsetzer des Luv. ist. Eben- Chr. in den çstl. Mittelmeerraum begrndet sind:
falls in griech. Schrift sind die Inschriften des Phryg. Ionier und Attiker besiedelten Attika, Euboea, die
gehalten (Altphryg. 7.–3. Jh. v. Chr., Jungphryg. 1.– Kykladen und die sdl. Westkste Vorderasiens
4. Jh. n. Chr.), das als idg. Spr. gewisse hnlichkei- (Dialekte: Ionisch [Homer], Attisch [Thukydides,
ten mit dem  Griechischen und dem  Armenischen Platon, Aristoteles]); die Arkadisch-Kyprische
aufweist. Bei einigen a. Spr. reicht das Material zu Gruppe besiedelte die Peloponnes und Zypern (Dia-
einer genaueren genealog. Einordnung nicht aus (Ka- lekte: Arkadisch-Kyprisch, auch Achisch genannt);
risch). Die nicht-idg. a. Spr. sind ebenfalls in Keil- die olier besiedelten Bçotien und Thessalien; die
schrift berliefert. Lit. Altkleinasiatische Sprachen. als letzte eindringende Gruppe der Dorer besiedelte
HdO 1./2./1–2./2. Leiden, Kçln 1969. GP ganz Nordwest-Griechenland. Die grçßte Bedeu-
Altay  Altaisch tung dieser Dialekte erlangte das Attische, das auf
Altbaktrisch  Avestisch der im 5. Jh. v. Chr. in Attika und Athen gesproche-
Altbulgarisch  Altkirchenslavisch nen Spr. basiert, in der Folge Verbreitung im ganzen
Altenglisch Frheste Epoche des  Englischen (450– vorderasiat. Raum fand (unter Mischung mit insbes.
1100); gelegentl. auch Angelschsisch genannt. GH ion. Formen) und schließl. Spr. der griech. Prosa-
Alternante f. (lat. alternāre ›abwechseln‹) In der dichtung und Wiss. wurde (das Attische des 5./4. Jh.
Altiranisch 33

v. Chr. ist das in Gymnasien der BRD unterrichtete terscheiden sind dabei  Interlinearversionen (z. B.
A.). Diese Form des Attischen, Koine ›allgemeine die Benediktinerregel), sodann eng an die lat. Vor-
Spr.‹ genannt, entspricht zwischen dem 3. Jh. v. lage angelehnte (z. B. Tatian) und freie bers. (z. B.
Chr. und dem 3. Jh. n. Chr. dem  Neutestament- Isidor). Die bers. umfassen das AT und NT, kate-
lichen Griechisch. Lit.  Griechisch. F chet. und hymn. Texte, Rechtsliteratur und einzelne
Althebrisch Die von ca. 1200– 200 v. Chr. v. a. im Textgattungen der Artes (bersetzungswerk Not-
Alten Testament dokumentierte Form des  Hebri- kers III.). Die dichterische berlieferung des A. be-
schen. A. basiert auf einem judischen (sdl.) Dia- steht aus Stabreimdichtung (z. B. Hildebrandslied)
lekt, ist aber sprachl. nicht homogen. Vom ltesten und Endreimdichtung (z. B. Otfrid von Weißenburgs
Lied Deborahs (Richter 5) bis zu den Qumran-Tex- Evangelienharmonie). Lit. R. Schtzeichel, Ahd.
ten vom Toten Meer zeigen die bibl. Bcher je nach Wb. Bln. 72012. – R. Schtzeichel, Ahd. und As.
Zeitstufe und Dialekteinflssen verschiedene Glossenwortschatz. Tbingen 2004. – R. Bergmann,
Sprachformen. A. wurde nach der Zerstçrung des Rcklufiges morpholog. Wb. des Ahd. Tbingen
1. Tempels in Jerusalem (586 v. Chr.) nach und nach 1991. – Ders. et al. (Hgg.), Ahd. I., II. Heidelberg
durch  Aramisch verdrngt. WI 1987. – W. Braune & I. Reiffenstein, Ahd. Gramma-
Althochdeutsch (Abk. Ahd. Engl. Old high Ger- tik. Tbingen 152004. – R. Schrodt, Ahd. Grammatik
man, frz. Ancien Haut Allemand) Bez. der II. Tbingen 2004. – E. Karg-Gasterstdt & Th.
Schreibspr. im hochdt. Raum vom Beginn der Frings, Ahd. Wb. I ff. Bln. 1968 ff. – H. Penzl,
schriftl. berlieferung bis in das 11. Jh. in ruml. Ahd. Bern u. a. 21986. – R. Bergmann & St. Stricker,
Abgrenzung zu den benachbarten ndt. und nichtdt. Katalog der ahd. und as. Glossenhandschriften. Bln.,
Maa. Erste Zeugnisse der ahd. Spr. treten vereinzelt N. Y. 2005. – R. Bergmann & St. Stricker, Die ahd.
im 6./7. Jh. auf. Der Beginn umfangreicherer und as. Glossographie. Ein Handbuch. 2 Bde. Bln.,
 Schriftlichkeit liegt im 8. Jh. Die obere zeitl. N. Y. 2009. ST
Grenze markiert das bersetzungswerk Notkers III. Altindisch (Abk. Ai.) Oberbegriff fr die ltesten
(† 1022). Der Sprachraum des A. wird im Norden bezeugten Ausprgungen der  indoarischen Spra-
durch das Ndt. und Ndl. begrenzt, die an der Zwei- chen, d. h. der in Indien gesprochenen  indogerma-
ten  Lautverschiebung nicht teilgenommen haben. nischen Sprachen. Die frheste ai. Sprachform stellt
Im Westen reichte die Grenze des A. ber die heu- das  Vedische dar, dessen lteste schriftl. Denkm-
tige germ.-roman. Sprachgrenze hinaus. Im Sden ler mçglicherweise noch in das 2. Jt. v. Chr. fallen
wird das A. durch das  Langobardische begrenzt, (Rigveda). Eine jngere, normativ »regulierte«
im Osten durch das  Bairische und  Thringische. Form des Ai. ist das  Sanskrit (altind. samskrt
Die wichtigste Erscheinung, die das A. von voraus- ›eingerichtete [Spr.]‹), dessen herausragende ˙Zeug-
˙
gehenden Sprachstufen abgrenzt, ist die Zweite nisse die großen Epen (Mahābhārata, Rāmāyana)
 Lautverschiebung, die das Hochdt. bis in die Ge- sowie Kunstdichtungen (Kālidāsa) sind (»klass.
genwart hinein geprgt hat. – Das Schrifttum des A. Sanskrit«) und die darber hinaus im Bereich der
erscheint an etwa 25 klçsterl. berlieferungsorten, buddhist. (»buddhist. Sanskrit«) und der hinduist.
die im Gefolge der ir., ags. und frnk. Missionie- Religion als Gelehrtenspr. teilweise bis heute in
rung entstanden sind. Am Anfang der ahd. Schreib- Gebrauch geblieben ist. Lit. J. Gonda, Old Indian.
tradition stehen seit dem 7. Jh. Namen und Wçrter HdO 2./1./1. 1971. – J. Wackernagel & A. Debrun-
in urkundl. und erzhlenden Quellen sowie Leges- ner, Ai. Grammatik. Gçttingen 1896–1957. GP
Texten, sodann  Glossen zu lat. Texten (besonders Altiranisch Oberbegriff fr die bis zum Zusammen-
zur Bibel und zu Schulautoren) bzw. lat.-ahd. Glos- bruch des Achmenidenreichs im 4. Jh. v. Chr. ge-
sare, insgesamt in ber 1300 Handschriften. Neben sprochenen  iranischen Sprachen. In schriftl. ber-
den Namen machen die Glossen den Hauptanteil lieferung sind zwei dialektale Ausprgungen erhal-
des ahd. Sprachmaterials aus. Außerdem werden ten, das  Avestische, das die in den religiçsen
aus ahd. Zeit ber 70 lit. Texte berliefert. Ahd. Schriften der Zoroastrier niedergelegte, vermutlich
Prosa besteht vorrangig aus bersetzungen. Zu un- aus Ostiran stammende Sprachform darstellt, und
34 Altiranisch

das  Altpersische, das als Vorlufer des heutigen erzwungenen Ende der mhr. Mission gelangte das
 Neupersischen in den Keilinschriften der Achme- Aksl. durch die Schler der Slavenapostel in den
niden bezeugt ist und einen sdwestiran. Dialekt sdostslav. Sprachraum (Bulgarien, Kroatien), aus
reprsentiert. Darber hinaus drfte es noch weitere dem es spter nach Russland (ab Ende des 10. Jh.)
altiran. Dialekte gegeben haben, die als Vorfahren und zu den Serben gelangte. – Im Laufe seiner Ver-
der verschiedenen  mitteliranischen Sprachen anzu- breitung wurde das Aksl. zur ersten, berregionalen
setzen sind. Ein nordwestl. »medischer« Dialekt, der Schriftspr. der Slaven, wobei es zusehends den Ein-
die Hofspr. des vor der Achmenidenzeit etablierten flssen lokaler volkssprachl. Sprachzustnde ausge-
Mederreichs gewesen sein msste und dessen Nach- setzt war, so dass sich verschiedene Varietten (sog.
folger das mitteliran.  Parthische und mçglicherwei- Redaktionen) des nunmehr als Kirchenslavisch
se das heutige  Kurdische darstellen kçnnten, wird (Abk. Ksl.) bezeichneten Idioms herausbildeten,
aufgrund bestimmter Lautstrukturen im altpers. u. a. das Bulgar.-Ksl. (mit den Kulturzentren Preslav
Wortmaterial erschlossen. Lit. W. Geiger & E. und Ochrid) und das Russ.-Ksl. (mit den Zentren
Kuhn (ed.), Grundriss der iran. Philologie. Strass- Kiev, Novgorod, Pleskau (Pskov), Moskau); Letz-
burg 1895–1904. – K. Hoffmann, Altiran. HdO 1./ teres hat sich bis heute als Sakralspr. der russ. Ortho-
4./1, 1958, 1–20. – R. Schmitt, Die a. Spr. im ber- doxie erhalten. – lteste belegte Zeugnisse des Aksl.
blick. In: R. Schmitt (ed.), Compendium linguarum stammen aus dem spten 10. Jh. Lit. H. Birnbaum,
iranicarum. Wiesbaden 1989, 25–31. – Chr. Bartho- Das aksl. Wort: Bildung, Bedeutung, Herleitung.
lomae, Altiran. Wçrterbuch. Strassburg 1904. GP Mchn. 1997. – W. Hock, Das Aksl. In: P. Rehder
Altislndisch  Altnordisch (Hg.), Einf. in die slav. Spr.n. Darmstadt 31998, 35–
Altkirchenslavisch (auch: Altbulgarisch, Altsla- 48. – N. H. Trunte, Slavenskij jazyk. Bd. 2: Mittel-
visch, bisweilen auch Kirchenslavisch. Abk. Aksl. und Neukirchenslav. Mchn. 1998. – J. Schaeken, Die
Engl. Old Church Slavonic, frz. vieux slave) Alle aksl. Schriftkultur: Geschichte – Laute und Schrift-
drei Bezeichnungen beziehen sich auf die erste slav. zeichen – Spr.denkmler (mit Textproben, Glossar
Schriftspr., wobei jeder Name andere Aspekte ihrer und Flexionsmustern). Mchn. 1999. – N. H. Trunte,
Entstehung hervorhebt. »Aksl.« unterstreicht die Tat- Slovensk"i jazyk. Aksl. Bd. 1. Mchn. 52003. – R.
sache, dass sie primr fr religiçse Zwecke bestimmt Večerka, Aksl. (altbulgar.) Syntax. 5 Bde. Freiburg i.
war, »Altbulgar.« sagt aus, dass sie auf einer  sd- Brsg. 1989–2003. HA
slavischen Sprache (einem bulgar.-mazedon. Dia- Altkleinasiatische Sprachen  Altanatolische Spr.
lekt) beruht, und »Altslav.« betont, dass es sich um Altlateinisch  Lateinisch
die lteste belegte und wegen ihrer Nhe zum Urslav. Altniederdeutsch  Altniederfrnkisch,  Altsch-
bzw. Gemeinslav. fr die histor.-vergleichende sisch
Grammatik des  Slavischen und  Indogermani- Altniederfrnkisch (auch: Altniederlndisch) Bez.
schen bes. wichtige Sprachstufe des Slav. handelt. – fr die vom Beginn der berlieferung (9. Jh.) bis
Das Aksl. ist von den aus dem nordgriech. Thessa- ins 12. Jh. nur sprl. belegte Frhstufe des  Nieder-
loniki (Saloniki) stammenden Brdern Konstantin lndischen. Zusammen mit dem  Altschsischen
(Kyrill) (ca. 827–869) und Method (ca. 815–885) in wird das A. auch i. w. S. als Altniederdeutsch be-
Gebrauch gebracht worden, um im Zuge ihrer von zeichnet. MO
863/65 bis 885 whrenden Mission der (west-) slav. Altniederlndisch  Altniederfrnkisch
Bevçlkerung des Großmhr. Reichs das byzantin. Altnordisch Letzte, dialektal ( Ostnordisch, West-
geprgte Christentum nahezubringen. Beide sog. nordisch) geprgte Stufe des  Nordgerm. vor seiner
»Slavenapostel« waren griech.-slav. zweisprachig, Aufspaltung in die nord. Einzelsprachen. Die
was sie befhigte, Kirchenbcher aus dem Griech. Selbstbezeichnung do˛nsk tunga ›dn. Spr.‹ lsst
in den slav. Dialekt ihrer Heimat zu bersetzen. Dies sich als Beleg fr das Anord. als Spracheinheit
geschah notwendigerweise unter starker Bearbeitung werten. Anord. i.e. S. umfasst die Zeit der frhen
dieses Dialekts, v. a. durch seine grammat. Regle- lit. berlieferung (ca. 1150–1350), i. w. S. auch die
mentierung und Erweiterung mit Kalkierungen der Inschriften im jngeren, 16-typigen Futhark aus
griech. syntakt. Konstruktionen (z. B. Partizipialwen- der Wikingerzeit (ab 800,  Runen). Hauptquelle
dungen) und mit griech. Lexik (als Lehngut oder des Anord. ist die reiche Literatur des sprachl. kon-
Kalkierungsbildungen). Außerdem entwickelten sie servativen Altisl. (skald. und edd. Dichtung, Sagas,
fr die Verschriftung des Aksl. ein Alphabet, die Gesetze, Chroniken, bersetzungen); das ge-
 Glagolica, zu der sich wenig spter ein weiteres, bruchl. Anord. ist damit v. a. eine normalisierte
die  Kyrillica, gesellte. Das Aksl. prsentiert sich Form des Altwestnord. Von frheren Sprachstufen
somit als eine vom Slav. und Griech. inspirierte ( Urnordisch) hebt sich das Anord. v. a. durch
 Plansprache, die zwar nie von einer Sprachgemein-  Synkope (Sg. Nom. *hamaraR > hamarr vs. Dat.
schaft als S1 benutzt worden ist, aber wegen der *hamarē > hamri ›Hammer‹),  Brechung (*skelduR
damals noch geringeren Differenziertheit der slav. > skio˛ldr ›Schild‹) und  Umlaut (*gastiR > gestr
Spr. bzw. Dialekte von allen Slaven verstanden und ›Gast‹, *hallu > ho˛ll ›Halle‹) ab. Gg. den zeitglei-
erlernt werden konnte. Nach dem aus polit. Grnden chen germ. Spr. zeichnet sich das Anord. durch
Amalgamierung 35

Archaismen wie Bewahrung der Flexionssuffixe, As. ist nicht so umfangreich wie die des Ahd., was
weniger paradigm. Ausgleich des Umlauts, Erhalt auch die Herausarbeitung großer innerer dialektaler
und Ausbau der germ. Klassendistinktion, Produk- Unterschiede erschwert. Wichtige Schreibsttten des
tivitt altertml. Klassen (Wurzelnomina), Bewah- as. Sprachraumes sind die westfl. Klçster Essen und
rung aussterbender Formenmuster und Kategorien Werden. Die Quellen des As. umfassen Namen und
( Reduplikation,  Dual) usw. aus. Lit. O. Bandle Glossen, ferner einige kurze kirchl. Prosatexte und
(ed.), The Nordic Languages. Bln., N. Y. 2002 bers., die sich teilw. stark an frnk. Vorlagen orien-
(= HSK 22.1). RK tieren, sowie zwei herausragende bibelepische, sta-
Altosmanisch  Trkisch,  Turksprachen breimende Werke aus dem 9. Jh. (Heliand und bruch-
Altpermische Schrift  Geheimschrift,  Syrjnisch stckhaft die as. Genesis);  Germanisch,  Nieder-
Altpersisch (engl. Old Persian, frz. Vieux Perse) In deutsch. Lit. J. H. Galle, As. Grammatik, Tbingen
3
den Keilinschriften der achmenid. Kçnige des Iran 1993. – F. Holthausen, As. Elementarbuch, Heidel-
(7.–4. Jh. v. Chr.) erhaltene frhe Sprachform des berg 21921. MO
 Persischen. Gegenber der zweiten schriftl. ber- Altslavisch  Altkirchenslavisch
lieferten  altiranischen Sprache, dem  Avestischen, Altsdarabisch (auch: Epigraphic South Arabian,
zeigt das A. deutliche lautl. und grammatikal. Unter- Sayhadic)  Zentralsemitisch, in meist religiçsen In-
schiede, die ihm ein weniger archaisches Geprge schriften aus dem 12. Jh. v. bis 6. Jh. n. Chr. in einer
geben. Lit. R. G. Kent, Old Persian Grammar. Texts, sehr schçnen, geometr. Schriftart erhalten, die Basis-
Lexicon. New Haven, Connecticut 1953. – W. Bran- alphabet der thiop. Schriftart ist. Die wichtigsten
denstein & M. Mayrhofer, Hb. des A. Wiesbaden altsdarab. Spr. sind  Sabisch, Qataban., Min.,
1964. – R. Schmitt, A. In: Ders. (ed.), Compendium Hadramaut. Die heutigen neusdarab. Spr. gehçren
linguarum iranicarum. Wiesbaden 1989, 56–85. – zum  sdsemitischen Sprachzweig. WI
G. Schweiger, Krit. Neuedition der achaemenid. Altusbekisch  Tschagataisch
Keilinschriften. Taimering 1998. GP Altverschriftet In der russ.-sowjet. Ling. bl. (star-
Altphilologie  Klassische Philologie opı́s’mennyj), im Dt. gelegentl. verwendete Bez. fr
Altpreußisch (auch: Prussisch)  Baltische Sprache, Spr. mit einer fr den jeweils betrachteten Fall
die sptestens zu Beginn des 18. Jh. ausgestorben ist relativ langen Schrifttradition; Ggs. neuverschriftet;
(Verdrngung durch das Dt.). Das A. ist seit dem  Verschriftung. G
15. Jh. hauptschl. in Form von a.-dt. Glossaren und Alur  Lwo
Katechismen sowie von onomast. Daten belegt, wo- Alveolar, Alveolarlaut (auch: Superdental) Mit der
bei diese Denkmler allesamt starke dt., z. T. auch Zungenspitze (lat. apex,  Apikal) bzw. dem Zun-
poln. Einflsse aufweisen. Lit. W. R. Schmalstieg, genrand bzw. -blatt (lat. lāmina,  Laminal,  Koro-
An Old Prussian Grammar. Ldn. 1974. – W. Smo- nal) an den  Alveolen (Zahndamm) bzw. dahinter
czyński, Lexikon der a. Verben. Innsbruck 2005. – (postalveolar) gebildeter kons. Sprachlaut. PM
W. R. Schmalstieg, Studies in Old Prussian: A Critical Alveolen pl. (lat. alveolus ›Mulde‹) 1. Zahntaschen.
Review of the Relevant Literature in the Field from Knçcherne Aussparungen im Alveolarfortsatz
1975 until 2005. Vilnius 2015. HA (Zahndamm) des Ober- und Unterkieferknochens
Altrussisch  Russisch ( Kiefer), in denen die Zhne ( Zahn) durch die
Altschsisch (Abk. As.) Bez. fr die Schreibsprache Wurzelhaut federnd verankert sind. Alveolenwand
des im ndt. Raum verbliebenen Teils des Stammes und Wurzelhaut bilden den Zahnhalteapparat. Die
der Sachsen vom Beginn der schriftl. berlieferung A. dienen der Zunge als Widerlager ( Artikula-
(um 800) bis in das 12. Jh., wo sie vom  Mittelnie- tionsstelle) bei der  Artikulation von  Alveolaren.
derdeutschen abgelçst wird. Das As. bildet i. w. S. 2. Lungenblschen. Endstrecke der Atemwege, die
zusammen mit dem nur sprl. berlieferten  Altnie- dem Gasaustausch zwischen Atemgas (Luft) und
derfrnkischen (auch: Altniederlnd.) das  Altnie- Lungenblut dienen;  Lunge,  Atmung. GL
derdeutsche; teilweise wird i. e. S. ausschließlich Alveolo-palatal, Alveopalatal  Laminopalatal
das As. als Altndt. bezeichnet. Der Sprachraum des Amahuaca  Pano-Tacana-Sprachen
As. wird im Norden durch das Anord. und Afries., im Amalgam  Kontamination
Osten durch das Slav., im Westen durch das Altnie- Amalgamierung (mlat. amalgama, wohl aus arab.
derfrnk. sowie im Sden durch das  Althochdeut- amal al-ǧamā’a ›Werk der Vereinigung‹ oder arab.
sche begrenzt. Sprachl. unterscheidet sich das As. al-malǧam ›Quecksilberlegierung‹; engl., frz. amal-
vom Ahd. hauptschl. dadurch, dass es nicht an der gamation, frz. amalgame ›Verschmelzung‹) 1. Pro-
zweiten  Lautverschiebung teilgenommen hat. Wei- zess wechselseitiger  Disambiguierung und schritt-
tere Kennzeichen des As. gegenber dem Ahd. sind weiser Zusammenfassung der Bedeutung von
das Bewahren von germ. (ahd. uo), die durchge-  Konstituenten bis hin zur semant. Interpretation
hende Monophthongierung von germ. au und ai zu des Gesamtsatzes. Die  Interpretative Semantik be-
und Þ, ferner der Einheitsplural beim Verb, Nasal- schreibt A. als Ergebnis von  Projektionsregeln, die
ausfall vor f und s sowie die Einheitsformen mi/thi die semant. »Lesarten« der Lexeme, gelenkt durch
fr mir/mich und dir/dich. – Die berlieferung des deren  Selektionsbeschrnkungen und entlang dem
36 Amalgamierung

syntakt.  Strukturbaum, zu abgeleiteten Lesarten der 1998, 75–112. – J. Pafel, Quantifier Scope in German.
jeweils hçheren Konstituenten kombinieren. Lit. Amsterdam 2006. – M. Pinkal, Vagheit und A. In:
 Interpretative Semantik. 2.  Kontamination. RB HSK 6, 250–269. – A. Zwicky & J. Sadock, Ambi-
Ambanindro  Madagassisch guity Tests and How to Fail Them. In: J. Kimball
Ambig  Ambiguitt (ed.), Syntax and Semantics 4. N. Y. 1975, 1–36. –
Ambiguitt (lat. ambiguitās ›Doppelsinn‹. Engl. Weitere Lit.  Disambiguierung,  Vagheit. F, MYP
ambiguity, frz. ambiguit. Auch: Ambivalenz, Am- Ambiposition (lat. ambi- ›von zwei Seiten‹. Engl.
phibolie, Mehrdeutigkeit, Vieldeutigkeit, semant. ambiposition)  Adposition (bzw.  Prposition),
Unbestimmtheit) Typ semant. Unbestimmtheit eines die entweder vor oder nach ihrer Ergnzung auf-
Zeichens, der in Abgrenzung zur  Vagheit dadurch treten kann, z. B. wegen der Kinder, der Kinder
charakterisiert werden kann, dass fr ein und die- wegen. PT
selbe Zeichenform mehrere miteinander konkurrie- Ambisyllabisch (lat. ambi- ›von zwei Seiten‹,
rende Interpretationen existieren. Aus psycholog. griech. ıººÆ (syllabē) ›Silbe‹) Zu beiden auf-
Perspektive sind mit ambigen Ausdrcken diskrete einanderfolgenden  Silben als End- bzw. Anfangs-
Wahrnehmungen verbunden, aus log. Perspektive rand gehçrender Konsonant, in der dt. Orthographie
unterliegt ihr Gebrauch unterschiedl. Wahrheits- meist durch Doppelschreibung gekennzeichnet,
wertbedingungen (z. B. kann ein als Kiefer bezeich- z. B. Mutter /mut@R/;  Silbengelenk. PM
netes Obj. nicht zugleich ein Nadelbaum und ein Ambivalent  Ambig˙
Schdelknochen sein). In der Sprachwiss. wird un- Ambonesisch  Austronesische Sprachen
terschieden zwischen lexikal. A. (auch  Homony- Amelioration  Bedeutungsverbesserung
mie,  Polysemie oder  Homographie, z. B. Kiefer: American Sign Language (ASL)  Gebrdenspr.
1. ›Nadelbaum‹, 2. ›Schdelknochen‹) und struktu- Amerikanische Sprachen  Sdamerikanische
reller oder syntakt. A. Eine Abfolge syntakt. Ein- Sprachen,  Mesoamerikanische Sprachen,  Nord-
heiten ist syntakt. ambig, wenn sie mehrere unter- amerikanische Sprachen
schiedl. syntakt. Analysen erlaubt, z. B. junge Mn- Amerikanisches Englisch Durch Auswanderung
ner und Kinder: [[junge Mnner] und [Kinder]] und von Englndern, Schotten und Iren und ›Einschmel-
[junge [Mnner und Kinder]], mit jeweils unter- zung‹ (»melting pot«) anderssprachiger Einwande-
schiedl. Interpretationen: 1. Interpretation: ›Kinder rer entstandene nationale Standard-Variett des
und junge Mnner‹, 2. Interpretation: ›junge Mn-  Englischen. Phasen: 1620–1783 koloniales Engl.
ner und junge Kinder‹. Ein dritter Typ ist die Sko- mit grçßerer Einheitlichkeit als in den Mutterln-
pus-A. (vgl. Krifka 1998, Pafel 2006). Sie entsteht dern (Dialektausgleich), aber auf London bezogener
durch den unterschiedl.  Skopus sprachl.  Opera- Norm; 1783–1914 Phase der Unabhngigkeit und
toren, z. B. alle Filme sind nicht sehenswert, 1. Konsolidierung (Noah Webster, 1758–1852) bei re-
Interpretation: ›kein Film ist sehenswert‹, in wel- lativer Isoliertheit; 1914 bis heute verstrkte Expan-
cher alle Skopus ber nicht hat, 2. Interpretation: sion des am. E. und Einfluss auf andere Varietten
›ein Teil von Filmen ist sehenswert‹, in welcher des Engl., Eigenstndigkeit besonders in der Aus-
nicht Skopus ber alle hat. Die Diskussion um ent- sprache und im Wortschatz, dagegen unerheblich in
sprechende Beschreibungen und somit um die Ty- der Syntax. Lit. Ch. A. Ferguson & S. B. Heath
pisierung von A. spielt bei der Entwicklung moder- (eds.), Language in the U. S. A. Cambridge 1981.
ner Grammatiktheorien eine große Rolle (vgl. Fries – A. H. Marckwardt & Rev. J. L. Dillard, American
1980, Kennedy 2011, Zwicky & Sadock 1975). In English. N. Y. 1980. – H. L. Mencken (1919), The
der Psycholing. bildet die Verarbeitung ambiger American Language. One-Volume Edition by Ra-
Ausdrcke, insbes. solcher mit  Holzwegeffekt ven I. McDavid, Jr. N. Y. 1963. – N. Webster, Ame-
(Garden-Path) eine empir. Basis fr Hypothesen rican Dictionary of the English Language. Boston
ber die Sprachprozessualisierung. Fr die  Lin- 1828 u. ç. GH
guistische Datenverarbeitung ist die Auflçsung der Amerikanistik Die sprachwiss. Erforschung der ge-
A. sprachl. Zeichen, ihre  Disambiguierung, eines schichtl. Wurzeln des  amerikanischen Englisch,
der Hauptprobleme. Lit. K. v. Deemter & S. Peters, besonders im Hinblick auf die Siedlungsgeschichte
Semantic Ambiguity and Underspecification. Chi- (H. Kurath, 1891–1992) und die Trennung von der
cago 1996. – N. Fries, A. und Vagheit. Tbingen brit. Norm (H. L. Mencken, 1880–1956). Daneben
1980. – B. S. Gillon, Ambiguity, Generality, and stehen die  Soziolinguistik der Großstdte (W. La-
Indeterminacy: Tests and Definitions. Synthese bov), neue Anstze zur Dialektlexikographie (F. G.
85.3, 1990, 391–416. – Ders., Ambiguity, Indeter- Cassidy) und Fragen des  Multilingualismus und
minacy, Deixis, and Vagueness: Evidence and des  Sprachwechsels (J. A. Fishman). Lit. F. G.
Theory. In: S. Davis & B. S. Gillon (eds.), Seman- Cassidy, Dictionary of American Regional English.
tics: A Reader. Oxford, 2004, 157–187. – C. Ken- Vols. 1, 2 (A–H). Cambridge, Mass. 1985. – J. A.
nedy, Ambiguity and Vagueness: An Overview. Fishman, Language Loyalty in the United States.
HSK 33.1, 507–535. – M. Krifka, Scope Inversion The Hague 1966. – W. Labov, Sociolinguistic Pat-
under the Rise Fall Contour in German. LIn 29.1, terns. Philadelphia 1972. GH
Anagramm 37

Amerindisch  Indianersprachen dant., pseudoamtl. Floskeln (z. B. … der Zeuge


Amharisch Spr. der sesshaften, meist christl. Be- wird in Abstand verwiesen…, das Verfahren erhlt
vçlkerung des zentralen Hochlandes in thiopien. Fortgang…), durch Hufung von Substantiven und
Mit ca. 10 Mio. S1- und ca. 10 Mio. S2-Sprechern Ketten von Genitivattributen (z. B. der Text des Be-
am weitesten verbreitete  thiosemitische Sprache; schlusses der Kammer fr Handelssachen des Land-
Karte  Afrikanische Sprachen, im Anhang. Die gerichts…), durch Verwendung als typisch gelten-
frhesten Quellen stammen aus dem 14. Jh. n. Chr. der Adverbiale und Prpositionen (z. B. leihweise
A. lçste  Ge’ez zwar erst im 20. Jh. als offizielle berlassen, hinsichtlich des) und durch bermßige
Spr. des thiop. Reiches ab, war aber schon seit Verwendung von Passivkonstruktionen. Professio-
Jahrhunderten Spr. des Hofes und der Administra- nelle Abkrzungen und Hinweise werden oft nicht
tion und ist heute  lingua franca in thiopien. Die aufgelçst und erklrt. Der Adressat erhlt im
Ge’ez-Schrift ist fr das A. um sieben Zeichen schriftl. Text eine schemat. Rollenzuweisung (An-
erweitert. Lautwandelprozesse vernderten die fr tragsteller, Beklagter); er erscheint dann nur noch in
das  Semitische typische morpholog. Struktur tief- der dritten Person. Versuche, die A. zu verbessern,
greifend. WI blieben bisher ohne nachhaltigen Erfolg. SM
Ami  Formosa-Sprachen Amuzgo  Otomangue-Sprachen
Ammensprache (auch: Elternsprache. Engl. baby- Amygdale  Mandeln
talk, motherese, caretaker speech) Vereinfachtes, Anadeixis  Deixis
›kindgerechtes‹ Sprechen, mit dem Erwachsene Anagramm n. (griech. BƪæwØ (anagrafein)
Kleinkinder imitieren in der Annahme, dass dies ›buchstbliches Ein-, Auf- oder Umschreiben‹)
die Verstndlichkeit fçrdere. Dazu gehçren lautma- ›Buchstabenversetzrtsel‹ auf der Grundlage von
lerische ußerungen (z. B. wauwau ›Hund‹), pho- Permutationen der Buchstaben, wobei die Umstel-
net. Vereinfachungen (z. B. ada gehn ›rausgehen‹) lung in beliebiger Reihenfolge ein neues ›versetz-
und Verkleinerungen ( Diminutivbildung). Die A. tes‹ Wort ergibt. Seine Tradition reicht von der
ist dem kindl.  Spracherwerb nicht fçrderlich. Sie Antike (Platons Namenstudien im ›Kratylos‹), den
darf nicht mit der  kindgerichteten Sprache ver- anagrammat. Versen griech. und lat. Dichter bis zu
wechselt werden. AN, G modernen poetolog. Reflexionen (z. B. Gruppe TEL
Amorphe Sprache (griech. B- (a-) Negationsprfix, QUEL, J. Baudrillard) und der Poesie der Moderne
æw (morfē) ›Gestalt‹, wçrtl. ›formlos‹. Auch: (z. B. Unika Zrns »Hexentexte«, 1954, »Oracles et
Wurzelsprache) Veraltete Bez. fr  isolierende Spectacles«, 1967). Die Bez. stammt aus dem frz.
Sprachen, die ber wenige oder keine Mittel der Kulturkreis um 1570 in direkter bernahme des
 Morphologie verfgen, z. B. das Vietnames.; griech. Namens. Das A. lsst sich vermutl. zurck-
Ggs.  »Formsprache«. G fhren auf mag. oder orakelhafte Zauberformeln
Amphibolie  Ambiguitt und mag. Praktiken (kabbalist. Tradition der jd.
Amplifikativum  Augmentativbildung Mystik). – Zum Gegenstand ling. berlegungen
Amto-Musi  Papua-Sprachen wird das A. bei F. de Saussure in den Anagramm-
Amtssprache (auch: offizielle Sprache. Engl. offi- Studien mit dem Ziel der Begrndung eines allge-
cial language, frz. langue officielle) 1. Im internat. meinen sprachl. Gesetzes der klass. Poesie. Das A.
Umgang ist eine A. die fr den amtl. Verkehr zuge- setzt die Zeichenrelation zwischen  Signifikant und
lassene Spr., in der Verhandlungen gefhrt und Do-  Signifikat außer Kraft, widerspricht dem linearen
kumente oder Vertrge verçffentlicht werden, Charakter sprachl. ußerungen und verstçßt gegen
manchmal unterschieden in deklarierte (in Satzung das Gesetz der Unbegrenztheit der Bildung sprachl.
oder Verfassung als solche bestimmt) und fakt. (tat- ußerungen. – Das A. ist hufiges Prinzip der Ver-
schl. als solche verwendete) A. (auch Arbeitsspra- rtselung von Eigennamen zur Bildung von
che). Auf nat. Ebene ist es die offizielle Spr. eines  Pseudonymen (z. B. FranÅois Rabelais > Alcofry-
Staates, insbesondere die Spr. seiner Gesetzgebung bas Nasier, von Christoffel von Grimmelshausen
(Gesetzessprache) und seiner Verwaltung, der Ge- sind sieben A. bekannt, u. a. German Schleifheim
richte und der Schulen; neben berregionalen (ge- von Sulsfort) und dient Namensspielen parodist.
samtstaatl.) A.n ( Staatssprache) kçnnen regionale oder iron. Art. (z. B. Martin Luther: lehre in Armut,
A.n existieren (z. B. Dt. in Sdtirol). Weiterhin wird Salvador Dalı́: avida (›ich liebe‹) dollars). Die ana-
unterschieden zwischen externer A. (zwischen grammat. Permutation kann sich auch auf ganze
Staatsorganen im internationalen Verkehr) und in- Stze beziehen. – Lit. E. Kuh, Buchstabendichtung.
terner A. (innere Verwaltungssprache);  Geschfts- Heidelberg 1982. – J. Starobinski, Wçrter unter
sprache,  Gerichtssprache. 2. Bez. fr die Fach- Wçrtern. Die A. von F. de Saussure. Ffm., Bln.,
sprache(n) von çffentl. Behçrden und Gerichten. Wien 1980. – P. Wunderli, F. de Saussure und die
Der »Amtsstil« ist gekennzeichnet durch umstnd- A. Tbingen 1972. – M. Geier, A.e: von Platon bis
liche Einleitungen (z. B. es wird ausdrcklich da- Unica Zrn. In: ders., Ling. Analyse und lit. Praxis.
rauf hingewiesen, dass…), durch Schachtelstze mit Eine Orientierungsgrundlage fr das Studium von
undurchsichtigen Satzkonstruktionen, durch pe- Spr. und Kultur. Tbingen 1986. VS
38 Anakoluth

Anakoluth m. (gr. Bƌ


ºıq (anakoluton) ›zu- bei einem starken Verb (sog/saugte). Hufig wer-
sammenhangslos‹, wçrtl. ›verstmmelte, verkrzte den, allerdings in unterschiedl. Terminologie, nach
Konstruktion‹. Auch: Abbruch, Satzbruch. Engl. den betroffenen Morphemen zwei Hauptarten der
anacoluthon, frz. anacoluthe) Bruch in der syntakt. A. bestimmt, die sich z. T. mit Hjelmslevs Gruppen
Konstruktion. A. wurden hufig als Stilfehler kate- (a) und (c) decken: (a) paradigmat. Ausgleich: Ver-
gorisiert, sind eher aber eines der Charakteristika einheitlichung des Stammes in einem alternierenden
 gesprochener Sprache. A. treten vor allem bei morpholog. Paradigma, z. B. bertragung der
Selbstkorrekturprozessen im sprachl.  Dialog auf. frhnhd. langvokal. Stammvariante, wie in [ta:ges],
Sie sind die einfachste Art, sich zu korrigieren: eine auf den Nom. Sg. [tak], so dass sich nhd. [ta:k]
Konstruktion wird erkennbar nicht zu Ende gefhrt, ergibt, oder mhd. 1. Pers. Sg. sihe > nhd. sehe, (b)
stattdessen wird eine andere gewhlt, z. B. … Un Endungsausgleich: bertragung von Flexionsen-
die Frau hat bestimmt eh da is es sogar so, da… der dungen in andere paradigmat. Positionen oder Klas-
also bei den Germanen wurde ja die Frau so un- sen, vgl. tschech. {-ovi} im Lok. Sg. Mask. nach
heimlich hoch eingeschtzt… A. stehen signifikant Dat. Sg. Mask. bzw. die nhd. Pl.endung {-er} bei
hufig am Beginn von ußerungseinheiten, sie sind Maskulina (Mnner) nach dem Vorbild der Neutra.
fr den Hçrer – zusammen mit den prosod. Teilen – Die A. stellt einen wichtigen Aspekt des grammat.
der mndl. Rede – eine wichtige Hilfe zur Erfas- Wandels dar, ohne sich aber mit diesem zu decken;
sung der Sprecherintention und in ihrer Bedeutung  Sprachwandel. Lit. H. Paul, Prinzipien der
fr die mndl. Kommunikation nicht zu berscht- Sprachgeschichte. Lpz. 1880, Tbingen 91975. – J.
zen. A., die nicht in Zusammenhang mit Korrektur- Baudouin de Courtenay, Einige flle der wirkung
prozessen stehen, sind genuine Ausdrucksformen der a. in der poln. deklination. KZ 6, 1870, 19–88. –
mndl. Kommunikation. Lit. L. Hoffmann, A. und E. Hermann, Lautgesetz und A. Bln. 1931. – L.
sprachl. Wissen. DS 19, 1991, 97–119. – J. Schwi- Hjelmslev, Sproget. Dt. Die Sprache. Darmstadt
talla, Gesprochenes Dt. Bln. 42012. SL 1968. – R. Anttila & W. A. Brewer, Analogy. A
Analogie (griech. Bƺª Æ (analogia) ›Entspre- Basic Bibliography. Amsterdam 1977. – Th. Becker,
chung, Gleichartigkeit‹. Engl. analogy, levelling, A. und morpholog. Theorie. Mchn. 1990. – J. van
analogical extension, frz. analogie) Terminus zur de Weijer, Analogical Change. In: HSK 17, II, 1611–
Bez. von Vernderungen nach einem vorgegebenen 1614. GR
sprachl. Muster auf verschiedenen sprachl. Ebenen, Analogiebildung Von H. Paul formuliertes Postu-
bes. von Sprachwandelprozessen der formalen An- lat, dem bis heute kaum widersprochen wird. Der
gleichung lexikal. oder grammat. verwandter mor- A. zufolge geschieht die Erweiterung des Wort-
pholog. Einheiten. Der bereits in der Antike ge- schatzes durch  Wortbildung grundstzl. in Ana-
brauchte Terminus wird unterschiedl. definiert und logie zu bereits bestehenden Wortbildungsproduk-
ist z. T. wegen seiner Unschrfe auch ganz abge- ten. Eindrucksvoll belegt wird die Strke der Ana-
lehnt worden. Die A. gewinnt in der Sprachwandel- logie durch Bildungen wie Sanftmut aus sanftm-
theorie der  Junggrammatiker zentrale Bedeutung tig, denn Wortbildung durch Tilgung eines Suffi-
als Erklrung von Ausnahmen zu  Lautgesetzen. In xes ( Rckbildung) ist kein Wortbildungsverfah-
dieser Tradition wird A. verstanden als sog. Propor- ren, sondern ausschließlich analogiegesteuert.
tional-A., bei der sich eine Form durch Auflçsung Durch Analogie entstehen aber auch neue Muster,
einer Proportionengleichung ergibt (Paul 91975, etwa durch  Entlehnung von Wçrtern, die Mit-
117), etwa sinken : gesunken = winken : x; x = glieder derselben Wortbildungsparadigmen sind.
gewunken. A. bewirkt so nicht nur Regelmßigkeit, Diese fungieren dann als »Leitwçrter einer Mus-
sondern kann als sog. falsche A. zur Vernderung tergenese« (Hoppe 1999, 11) in der Nehmerspr.
des  Usus fhren. Dem vielfach kritisierten Kon- Lit. Th. Becker, Analogie und morpholog. Theo-
zept der Proportional-A. wird neuerdings wieder rie. Mchn. 1990. – G. Hoppe, Das Prfix ex-.
Aufmerksamkeit geschenkt (Becker 1990). Umstrit- Beitrge zur Lehnwortbildung. Tbingen 1999. –
ten ist, inwiefern semant.-paradigmat. oder syntag- H. Paul, Prinzipien der Sprachgeschichte. Tbin-
mat. bedingte Angleichungen, wie aksl. deve˛t ›9‹ gen 101995. ES
mit [d-] nach dese˛t ›10‹ bzw. got. nahtam in nah- Analogiewirkung  Analogie
tam jah dagam ›Tag und Nacht‹ mit Dat. Pl.-En- Analphabetismus  Alphabetisierung,  Schrift-
dung {-am} nach dagam, zur A. zu rechnen sind. lichkeit
Bereits frh (Baudouin de Courtenay 1870) wurde Analyse, Analysis  Korpusanalyse,  Parsing
versucht, die analog. Prozesse zu klassifizieren. Analysebaum  Strukturbaum
Hjelmslev (1968, 64–69) unterscheidet (a) Aus- Analysegrammatik  Erkennungsgrammatik
gleich, durch den sich die Glieder eines lexikal. Analysierbarkeit Grundlegende Eigenschaft
od. grammat. Paradigmas angleichen, (b) Kontami- sprachl. Einheiten, aufgrund welcher die Theorie
nation zweier Glieder, (c) Proportionsbildung, bei der  Transformationen entwickelt wurde (Chomsky
der ein Zeichen in ein anderes Paradigma eindringt, 1955). Die A. einer grammat. Kategorie X als [Y, Z]
z. B. das Dentalsuffix {-te} der schwachen Verben bedeutet, dass X so zerlegt werden kann, dass die
Analytische Sprachphilosophie 39

Kategorien Y und Z von X dominiert werden. Die (1873–1958) geprgte  Philosophie der normalen
A. einer Sequenz bezieht sich im Rahmen der GG Sprache setzt sich zum Ziel, durch die Analyse des
auf die Mçglichkeit, der betreffenden Sequenz eine umgangssprachl. Gebrauchs die philosoph. Begriffe
solche Strukturbeschreibung zuzuweisen, dass auf und Probleme einer Klrung zuzufhren. Die log.
sie Regeln des grammat. Modells anwendbar sind Analyse der Spr. konzentriert ihre berlegungen
( Faktorisierung). Genereller bedeutet die A. einer auf die Klrung des Zusammenhangs von sprachl.
Kategorienkette, dass diese in Form von  Domi- Gegenstnden wie Wçrtern, Ausdrcken, Stzen
nanz-Relationen, die auf ein  Anfangssymbol zu- und den Gegenstnden in der Welt. Das zentrale
rckgefhrt werden kçnnen, darstellbar ist. Lit. N. Problem stellt die semant. Funktion sprachl. uße-
Chomsky, The Logical Structure of Linguistic rungen dar, d. h. die Klrung dessen, wie sich die
Theory. Cambridge, Mass. 1955. F sprachl. Ausdrcke zu den Objekten und Zustnden
Analytisch (griech. Bºı Ø (analysis) ›Zerle- der Welt verhalten. Die Theorie der  Referenz the-
gung, Auflçsung‹) Ausdruck zur Bez. einer Eigen- matisiert die fr den Weltbezug bedeutsamen Aus-
schaft eines Satzes, eines Urteils, einer Aussage. (a) drcke, die referentiellen Ausdrcke. Dabei ist zu
Ein Satz heißt a. genau dann, wenn sich seine unterscheiden zwischen der Bedeutung des referen-
Wahrheit oder Falschheit allein aus den semant. tiellen Ausdrucks und dem Referenzgegenstand, auf
Regeln der Spr. ergibt ( Wahrheitswert). A. Stze den durch den Ausdruck Bezug genommen wird.
werden als Bedeutungswahrheiten (im Ggs. zu Tat- Indem das Verhltnis zwischen  »Bedeutung«
sachenwahrheiten) bezeichnet. Sie sind aufgrund ( Intension) und Referenz ( Extension) erçrtert
definitor. und log. Vereinbarungen wahr. (b) Ein wird, thematisiert sie die Beziehung zwischen Spr.,
Urteil ist a. dann, wenn das Urteilsprdikat im Ur- Denken und Wirklichkeit. Die einzelnen Positionen
teilssubjekt bereits enthalten ist und sich das Prdi- der a. S. variieren danach, wie sie den Stellenwert
kat durch Zergliederung des Subjektbegriffs als von Bedeutung/Intension im Verhltnis zu Refe-
Teilbegriff ergibt. Dem Subjektbegriff kann nicht renz/Extension gewichten. Entweder wird ange-
widerspruchsfrei der Prdikatsbegriff abgesprochen nommen, dass das sprachl. Zeichen einem konven-
werden. (c) A. Aussagen kçnnen von synthet. hin- tionell festgelegten Gehalt zugeordnet ist, der die
sichtlich ihres Sachbereichs unterschieden werden: bezeichneten Gegenstnde bestimmt, oder die An-
a. Aussagen beziehen sich auf rein formale Gesetze, nahme einer Bedeutung wird abgelehnt, da dem
synthet. auf materiale Wesensgesetze, d. h. sagen Zeichen unmittelbar ein Gegenstand (Ding, Sach-
etwas ber allgemeine Strukturen materialer Zu- verhalt) zugeordnet wird bzw. die Annahme einer
sammenhnge aus. (d) Zur Bez. der Berechtigung eindeutigen Referenz fr einen Ausdruck bestritten
von Urteilen: die a. Wahrheit ergibt sich durch wird (Quine). Ein reprsentatives Beispiel einer
Bezug auf Wahrheiten allgemein log. Natur. (e) konventionellen Festlegung von Bedeutung stellt
Eine Aussage ist a., wenn sie in allen  mçglichen die  Abbildtheorie und die damit verbundene An-
Welten wahr ist bzw. wenn sie fr jede Zustandsbe- nahme einer realist. Semantik dar: Die semant.
schreibung wahr ist. (f) A. ist ein Synonym fr Funktionen sprachl. Ausdrcke werden als konven-
›logisch wahr‹ und gilt auch fr Aussagen, die tionell festgelegte Bez. von Entitten angesehen.
durch Einsetzen von  Synonymen in log. wahre Die Kennzeichnungs- und Merkmalstheorie der Re-
Stze umgewandelt werden;  Prdikatenlogik. PR ferenz von Frege und Russell machen die Referenz
Analytische Flexion  Prpositionalkasus eines Ausdrucks von seiner Bedeutung, d. h. von der
Analytische Methode  Lesenlernen Angabe von Bezeichnungsmerkmalen abhngig. Er-
Analytische Sprache Sprachtyp, der die Tendenz weiterte Fassungen dieser Kennzeichnungstheorie
zeigt, grammat. Beziehungen nicht durch  Flexion finden sich zum einen in der Position der Bndel-
oder  Agglutination, sondern außerhalb des Worts theorie der Referenz (Searle), in der die Bedeutung
durch Partikeln und Wortstellungsregularitten aus- referierender Ausdrcke durch ein Bndel von
zudrcken, vgl. lat. canis, russ. sobaki, frz. du Merkmalen bestimmt ist, von denen fr die Fest-
chien, engl. of the dog ›Hund‹ (Genitiv). Der Unter- legung der Referenz nicht alle gleichzeitig zutreffen
schied analyt. vs.  synthetisch erweist sich als gra- mssen, zum andern in der Auffassung der mit der
duell. Ein Hçchstmaß an Analyzitt weisen die  Prdikation einhergehenden raum-zeitl. Lokalisie-
 isolierenden Sprachen auf. WR rung des Referenzobjekts (Strawson, Tugendhat).
Analytische Sprachphilosophie In der gegenwr- Der pragmat. Semantiktheorie zufolge ergibt sich
tigen Sprachphilosophie spielt deren sprachanalyt. die Bedeutung eines sprachl. Zeichens aus dem
Orientierung eine bedeutsame Rolle. Zwei unter- Wesen seines Gebrauchs ( Sprachgebrauch). Die
schiedl. Strçmungen lassen sich dazu ausmachen: Sprechakttheorie bindet die Bedeutung einer Aus-
(a) Von G. Frege (1848–1925) und B. Russell sage bzw. Proposition an den spezifischen Status
(1872–1970) ausgehend unternimmt sie eine log. der ußerungsform (z. B. Behauptung, Frage, Be-
Analyse der Wissenschaftsspr. und der philosoph. fehl, Wunsch) zurck, der in der illokutionren
Spr. ( Philosophie der idealen Sprache). (b) Die Rolle angezeigt ist (Austin, Searle). Lit. A. Becker-
von L. Wittgenstein (1889–1951) und G. E. Moore mann, Analyt. Einf. in die Philosophie des Geistes.
40 Analytische Sprachphilosophie

Bln., N. Y. 22001. – Th. Blume & Ch. Demmerling, genber wissensarmen Anstzen, die nur mit syn-
Grundprobleme der analyt. Sprachphilosophie. Pa- takt. und semant. Constraints ( Bindungstheorie,
derborn u. a. 1998. – H.-U. Hoche, Einf. in das  Kongruenz) angereichert sind und/oder ber Heu-
sprachanalyt. Philosophieren. Darmstadt 1990. – P. ristiken (vgl. Lappin & Leass 1994) verfgen. Eine
Prechtl, Sprachphilosophie. Stgt., Weimar 1999. – Alternative zu den regelbasierten Anstzen stellen
E. Runggaldier, Analyt. Sprachphilosophie. Stgt.,  maschinelle Lernverfahren dar (vgl. Soon et al.
Bln., Kçln 1990. – E. Runggaldier & Ch. Kanzian, 2001), die z. T. als Sprach- bzw. Wissensressourcen
Grundprobleme der analyt. Ontologie. Paderborn z. B. WordNet oder Wikipedia einbeziehen. Lit. J.
u. a. 1998. PR Hobbs, Resolving Pronoun References. Lingua 44,
Analytische Verbform (auch: zusammengesetzte 1978, 311 –338. – S. Lappin & H. Leass, An Algo-
Verbform) Bez. fr diejenigen Formen innerhalb rithm for Pronominal Anaphora Resolution. Com-
des verbalen Paradigmas, die Flexionsmarkierungen putational Linguistics 20(4), 1994, 535 –561. – Wee
nicht ausschließl. am Verb selbst vornehmen. So Meng Soon et al., A Machine Learning Approach to
werden das dt. Perfekt oder die engl. ›progressive Coreference Resolution of Noun Phrases. Computa-
form‹ analyt. gebildet (ich habe gewartet – I have tional Linguistics (Special Issue on Computational
been waiting), und zwar mithilfe von  Hilfsverben. Anaphora Resolution) 27(4), 2001, 521–544. Z
Außerhalb verbaler Paradigmen kommen ebenfalls Anaphorisch (griech. BÆw æØ (anaferein) ›hin-
analyt. Formen vor, etwa in der  Komparation auftragen‹) Sind Sprachzeichen in einem Text re-
morpholog. komplexer Adjektive, etwa die weniger ferenzident. ( Koreferenz) und verweisen sie auf-
gelungene oder die eher oder mehr zusagende Er- einander, so spricht man davon, dass dieser Verweis
klrung. ES a. bzw.  kataphorisch ist ( Rekurrenz, Wiederauf-
Analytischer Kasus  Prpositionalkasus nahme). A. sind diejenigen sprachl. Ausdrcke, die
Anapst  Fuß auf vorher Geußertes (einzelne Sprachzeichen,
Anapher 1. f. (griech. BÆwæ (anafora) ›Rck- aber auch komplexe Inhalte) verweisen. Hufig
beziehung, Wiederaufnahme‹. Engl. anaphora, frz. sind a. Elemente  Pro-Formen, vor allem  Prono-
anaphore)  Rhetor. Figur, Wiederholung eines Wor- men, z. B. Jan Ullrich gilt als Doping-Snder. Aber
tes oder einer Wortgruppe am Anfang aufeinander- er taucht 2015 noch in den Siegerlisten der Tour de
folgender Stze, Satzteile, Verse oder Strophen France auf. – Die Bahnstrecke zwischen Haßfurt
(Ggs.  Epipher; Verbindung von A. und Epipher: und Hofheim wurde noch vor 2000 stillgelegt. Das
Symploke). 2. (Auch: anaphor. Ausdruck) In der bedauern heute viele Schler. Neben Pro-Formen
 GB Bez. fr reflexive und reziproke  Pronomina kçnnen auch wçrtl. Wiederholungen und  Para-
sowie fr  Spuren. Dabei werden A. wie sich phrasen einen a. Verweis konstituieren: Jan Ullrich
(selbst) oder einander, pronominale Ausdrcke wie gilt als Doping-Snder. Aber der rothaarige Rad-
er oder dein und referentielle Ausdrcke (auch: fahrer wird … Dadurch entstehen Referenzketten,
referierender Ausdruck, Abk. R-Ausdruck; engl. die grundlegend fr  Kohrenz,  Kohsion eines
R-expression) wie Peter oder der Mann aufgrund Textes und damit seine  Textualitt sind. – Die
ihrer distributionellen Eigenschaften voneinander  kognitive Linguistik spricht von einer indirekten
unterschieden. Demnach werden A. mit den Merk- Anapher, wenn der Rckgriff keine Referenziden-
malen [+anaphorisch, –pronominal], pronominale titt aufweist, z. B. Er wurde 75, aber sein Haar
Ausdrcke mit [–anaphorisch, +pronominal] und war noch immer voll ( Kontiguitt). Lit. Bhler,
R-Ausdrcke mit [–anaphorisch, –pronominal] ge- Sprachtheorie. – S. Levinson, Pragmatik. Tbingen
kennzeichnet. In GB werden das Bindungsprinzip A 1990. – J. Hintikka & J. Kulas, Anaphora and
fr Anaphern, B fr Pronomina und C fr R-Aus- Definite Descriptions. Dordrecht 1987. – G. Klei-
drcke angenommen;  Bindungstheorie. Lit. Hae- ber, L’anaphore et ses domaines. Paris 1990. – A.
geman, 2GB. MYP Barss (ed.), Anaphora. A Reference Guide. Malden,
Anaphernresolution (auch: Koreferenzauflçsung. M. A. 2003. – L. Hoffmann, Anapher im Text. In:
Abk. AR. Engl. anaphora resolution) A. ist ein K. Brinker et al. (Hgg.), Text- und Gesprchslingu-
automat. Verfahren der  Computerlinguistik zur istik. HSK 16.1, 295 –304. RL
Bestimmung  anaphorischer Relationen (im we- Anaptyxe  Sprosskonsonant, Sprossvokal
sentlichen Diskursanaphora, deren Antezedenz typi- Anarthrie f. (griech. eÆæqæ (anarthros) ›unge-
scherweise eine NP ist). Die Auswahl des richtigen gliedert‹) Totale motor. Sprechunfhigkeit und so-
Antezedenten eines anaphor. Ausdrucks wird zu- mit schwerste Form der  Dysarthrie aufgrund von
nchst durch syntakt. und semant. Filter einge- angeborenen und erworbenen Schdigungen
schrnkt und dann anhand von Prferenzen gemß ( Sprechstçrung) der subkortikalen Nervenbah-
seiner  Salienz im Diskurs bewertet (vgl. Hobbs nen/-zentren. GT
1978). Die Schwierigkeit der A. besteht darin, dass Anastrophe f. (griech. BÆ æw ›Umkehren,
zur korrekten Auflçsung des Pronomens i. d. R. Do- Umlenken‹) Zurckverlagerung des griech.
mnen- und Weltwissen bençtigt wird. Prinzipiell Endakzents bei Nachstellung von Prpositionen,
unterschieden werden wissensreiche Anstze ge- z. B. fæØ  æØ (ridos pri) ›aus Streitsucht‹
Angewandte Sprachwissenschaft 41

statt æ fæØ (perı́ ridos);  Akzentzusam- text«), z. B. Titeln von Bchern oder Filmen (z. B.
menstoß. PM Joseph Roths »Legende vom heiligen Trinker« fand
Anatolisch  Altanatolische Sprachen Walter schon bemerkenswert, aber seine »Kapuzi-
Andalusisch  Spanisch nergruft« einfach großartig). In dieser Funktion
Andaquı́  Sdamerikanische Indianersprachen sind die A. anderen Mitteln der Auszeichnung qui-
Andi-Sprachen  Dag(h)estanische Sprachen valent. In »modalisierender Funktion« (Klockow)
Andisch  Dag(h)estanische Sprachen dienen A. dem Ausdruck von Distanz oder Ironie
Andoque  Sdamerikanische Indianersprachen dem im markierten Ausdruck Bezeichneten gegen-
Andronym n., pl. ~e (griech. Bæ (anēr), Gen. ber (z. B. der finnische Privatgelehrte »entzifferte«
Bæ
(andros) ›Mann‹. Auch: Andronymikon) viele Schriften). Gestaltgleich mit den A. sind die
Familienname einer Frau, der von dem ihres Ehe- sog. Unterfhrungszeichen in tabellar. Aufstellun-
mannes abgeleitet ist, z. B. russ. Pavlovna < Pav- gen wie Handwerkerrechnungen oder Lagerlisten.
lov, tschech. Fialova < Fiala. G Lit. R. Klockow, Ling. der Gnsefßchen. Ffm.
Anfangsbetonung  Initialbetonung 1980. – U. Behrens, Wenn nicht alle Zeichen tr-
Anfangselement  Anfangssymbol gen. Interpunktion als Markierung syntakt. Kon-
Anfangskette  Anfangssymbol struktionen. Ffm. 1989. G
Anfangsrand  Silbenkopf Angabe In der  Valenzgrammatik teilen sich die mit
Anfangsstellung  Spitzenstellung einem  Valenztrger gemeinsam auftretenden syn-
Anfangssymbol (auch: Anfangselement, Anfangs- takt. Einheiten in zwei Klassen:  Ergnzungen und
kette, Axiom. Engl. initial symbol) In einem A. A. sind diejenigen Einheiten, die weder obligator.
 Strukturbaum derjenige  Knoten, der nicht von noch subklassenspezif. ( Subklassenspezifik) sind,
einem anderen Knoten dominiert wird ( Domi- sondern als sog. »freie A.« relativ beliebig (abge-
nanz). Im Allgemeinen handelt es sich hierbei um sehen von gewissen  Selektionsbeschrnkungen)
ein Symbol fr die Kategorie Satz (S, CP). Fr die hinzugefgt oder weggelassen werden kçnnen,
Definition von  Chomsky-Grammatiken ist das A. ohne einen gegebenen Satz in seiner Grammatikali-
dasjenige Nicht-Terminalsymbol als Element der tt einzuschrnken;  Valenz,  Ergnzung. Lit.
Menge aller Nicht-Terminal-Symbole, das das all-  Adjunkt,  Dependenzgrammatik. WK
gemeinste Konstrukt einer Spr. reprsentiert. F Angas  Tschadische Sprachen
Anfangsunterricht (frz. enseignement primaire, en- Angabesatz  Nebensatz
seignement pour dbutants) 1. In der Grundschuldi- Angeborene Ideen (lat. ideae innātae, engl. innate
daktik traditionell die Vermittlung der grundlegen- ideas, franz. ides innes) Die begriffstheoret. Un-
den Fhigkeiten im  Lesen und  Schreiben; tersuchungen von R. Descartes (1596–1650) fhrten
manchmal wird auch die Vermittlung der grundle- zur Unterscheidung dreier Klassen von einfachen
genden mathemat. Fhigkeiten (engl. numeracy) Begriffen: (a) nicht durch Rekurs auf Erfahrung
zum A. gerechnet. Die Konzeption einer besonde- gewonnene Begriffe (ideae innātae), (b) durch Er-
ren Didaktik fr den A. in der Grundschule hat v. a. fahrung erworbene Begriffe (lat. ideae adventı̄ciae),
den Zweck, eine Trennung des Unterrichts nach (c) knstl. Begriffe (lat. ideae ā mē ipsō factae). Die
verschiedenen Fchern zu vermeiden. Deshalb ist Verknpfung dieser Einteilung mit der Frage nach
fr den A. ein Klassen- und kein Fachlehrerprinzip dem Ursprung des menschl. Wissens fhrt zu zwei
vorgesehen. 2. In der Didaktik des FU meint A. die mçgl. Positionen: (a) zur Annahme, dass bereits das
Anfangsphase des Erwerbs einer S2. Diskutiert wer- Kind ber derartige a. I. verfge – die genet. Er-
den in diesem Zusammenhang die spezif. Verfahren klrung (J. Locke), (b) zu der Behauptung, dass fr
und Formen fr die ersten Lernschritte in einer S2; die Erkenntnisleistungen des Subjekts von einem
 Lesenlernen,  Schreibenlernen. GI, KL besonderen begriffl. Vermçgen des Verstandes aus-
Anfillo  Omotische Sprachen zugehen ist – die methodolog. Erklrung (I. Kant).
Anfhrungszeichen (umgangssprachl. auch: Gn- Die genet. Erklrung ist von N. Chomsky zur men-
sefßchen. Engl. quotation marks, inverted com- talist. Erklrung der Spr. herangezogen worden;
mas, frz. guillemets) Mittel der  Interpunktion  Mentalismus,  Nativismus,  Universalien. PR
und der  Auszeichnung, stets paarig auftretend, Angelschsisch Die Kultur der Westgermanen in
wobei das erste Vorkommen auf der Grundlinie England (450–1100) betreffend; die Spr. wird heute
(„…“) oder in Versalhçhe (“…”), das zweite Vor- meist als  Altenglisch bezeichnet;  Englisch. GH
kommen stets in Versalhçhe positioniert ist. Es wird Angeriebener Laut  Affrikate
unterschieden zwischen einfachen (‘…’) und dop- Angewandte Sprachwissenschaft (engl. applied
pelten A. Eine andere Konvention ist die Verwen- linguistics, frz. linguistique applique) Bez. fr
dung von einfachen (›…‹) oder doppelten (»…«) sehr unterschiedl. Anstze und Bereiche der Erfas-
Winkeln; sie wird in diesem Lexikon befolgt. Im sung, Analyse und Beschreibung sprachl. bzw.
Dt. dienen die A. zur Markierung von direkten sprachgebundener Phnomene, in denen Theorien,
Zitaten in der geschriebenen Sprachform, zur  Aus- Methoden und Forschungsergebnisse der Sprach-
zeichnung von Zitatwçrtern und -phrasen (»Fremd- wiss. Anwendung finden. Die a. S. wurde hufig in
42 Angewandte Sprachwissenschaft

Gegensatz gestellt zur theoret. Sprachwiss. und auf Anglizismenwçrterbuch  Wçrterbuch, in dem die
 Sprachdidaktik reduziert (dies mag auch seit ihren im Dt. gebruchl.  Anglizismen verzeichnet sind.
institutionalisierten Anfngen in den 60er Jahren fr Lit. B. Carstensen, Anglizismen-Wçrterbuch. Der
2 Jahrzehnte berechtigt gewesen sein), doch heute Einfluss des Engl. auf den dt. Wortschatz nach
ist die a. S. eher als Diskussions- und Forschungs- 1945. 3 Bde. Bln. 1993 –1996. SO
zusammenhang anzusehen, der sich durch Paradig- Anglizismus Lexikal., morpholog., graphem. oder
men auszeichnet wie (a) Praxisorientierung: Aus- syntakt., mehr oder weniger ins Dt. integrierte
gangspunkt ist Spr. in ihrer Verwendung, (b) Inter-  Entlehnung aus dem Engl.: Whrend Keks (<
disziplinaritt: Kooperation mit anderen Wiss. (z. B. engl. cakes) phonol. und graphemat. komplett inte-
Soziologie, Psychologie, Pdagogik u. a.) bzw. die griert ist, bewahren die meisten semant. und prag-
Arbeit mit ihren Methoden, (c) Produktivitt: die mat. integrierten A. die Originalschreibung (und
Forschungsresultate sollen die Vorgaben der prakt. teils auch -lautung): Jetlag, Computer, Fake u. a.
Aufgabenstellungen erfllen und verwertbar sein, A. kçnnen als Basen fr Wortbildungsprozesse die-
(d) Innovation: Einsatz vorhandener und Entwick- nen: Jeanshose. Die Datumsangabe in 2004 (statt
lung neuer Techniken. Entsprechend lassen sich als im Jahr 2004 oder 2004) ist ein syntakt. A., ebenso
Bereiche der a. S. nennen  Ethnolinguistik,  Lexi- wie die inkorrekte Verwendung des  Apostrophs
kographie,  linguistische Datenverarbeitung,  Pa- im Deutschen: Bert’s Bratwursteck. In zahlreichen
tholinguistik,  Psycholinguistik,  Soziolinguistik, Fach- und Sonderspr. setzt sich englischsprachige
 Spracherwerbsforschung,  Sprachlehrforschung, Terminologie durch (downloaden, upgraden u. a.).
aber auch  Rhetorik,  Stilistik,  bersetzung Die vielfltige Verwendung engl. und pseudoengl.
u. a. m. Vielen Anstzen gemeinsam ist eine em- Wçrter im Alltag und v. a. in der Werbung (das sog.
pir.-experimentelle Ausrichtung ( empirische  Denglisch) wird oft als ›bertrieben‹ und lcher-
Sprachwissenschaft). – Es ist zu erwarten, dass lich empfunden (z. B. McClean als Bezeichnung fr
sich Bereiche der a. S. im allgemeinen Aufgliede- die Bahnhofstoiletten). Der Unmut darber fhrte
rungsprozess der Sprachwiss. weiterhin zunehmend zur Grndung des Vereins deutsche Sprache. Neben
verselbstndigen und als eigenstndige Disziplinen rein ling. ausgerichteten Studien und Erhebungen
etablieren. Lit. W. Khlwein & A. Raasch (Hgg.), gibt es auf dem Buchmarkt eine Reihe von publi-
Angewandte Ling.: Bilanz und Perspektiven. Tbin- zist.-journalist. Abhandlungen zum A. Lit. W. Yang,
gen 1989. – K. Knapp et al. (Hg.), Angewandte Ling. A.en im Dt. Am Beispiel des Nachrichtenmagazins
Tbingen 2011. – R. Kaplan (ed.), The Oxford Hand- ›Der Spiegel‹. Tbingen 1990. – A. Onykso, Angli-
book of Applied Linguistics. Oxford 2010. SK cisms in German. Bln. u. a. 2007. – Wolf Schneider,
Angleichung  Assimilation,  Attraktion Speak German! Reinbek 2008. SO
Anglistik Die sprachwiss. Beschftigung mit dem Anhebung (auch: Hebung. Engl. raising, frz. re-
 Englischen hat traditionellerweise drei Schwer- haussement) In der GG angenommene  Transfor-
punkte, die sich in ihrer Gewichtung gegeneinander mation zur spezif. Bewegung eines Ausdrucks einer
verschoben haben: (a) Die sprachgeschichtl. Analy- tieferen Strukturebene in eine hçhere. In verschie-
se des Engl., besonders seiner lteren Formen, Re- denen frheren Phasen der GG wurde z. B. fr AcI-
konstruktion und Etymologie, Laut- und Formen- Konstruktionen eine Subj.-zu-Obj.-A. angenom-
lehre, philolog. Interpretation von (v. a. lit.) Texten. men, welche das Subj. eines eingebetteten Satzes
Dieser Ansatz ist in der Neuzeit um viele neue (Er hçrt [sie schrei-]) in die Obj.-Position des Ma-
Methoden und besonders die Ausweitung auf die trixsatzes verschiebt (Er hçrt sie [schreien]); Subj.-
neuere Sprachgeschichte nach 1800 erweitert wor- zu-Subj.-A., in welcher ein eingebettetes Subj. zum
den. Vielfltige Berhrungen mit der Areal- und Subj. des Matrixsatzes gehoben wird, wurde z. B.
 Soziolinguistik legen nahe, diese in der Neuzeit fr scheinen-Konstruktionen angenommen, z. B. er
stark expandierenden Disziplinen unter (a) einzu- scheint [zu kommen]. Subj.-zu-Subj.-A. ist dadurch
ordnen. (b) Die deskriptive (oft methoden- oder charakterisiert, dass das Matrixverb selbst (z. B.
theorieorientierte) Analyse der Gegenwartsspr. ist scheinen) kein Subj.-Argument besitzt. A. steht
besonders seit dem amerikan.  Strukturalismus im Ggs. zum Phnomen der  EQUI-NP-Deletion
und der GG in den Vordergrund getreten. Bei der bzw. der  Kontrolle, da sich die entspr.  Infini-
Vielzahl mçgl. Beschreibungsmodelle wird hufig tiv-Konstruktionen in verschiedenen Hinsichten
die Beziehung zur Sprachlehre (c) betont. (c) Als unterscheiden (mit zu vs. ohne zu, Zulassung von
kompensator. Maßnahme fr Muttersprachler und  Extraposition u. a.); Verben, welche A.-Kon-
als Sprachlehre fr Anderssprachige beschftigt struktionen zulassen, werden als A.-Verben be-
sich die anglist.  Sprachlehrforschung mit den zeichnet, solche, die Kontroll-Strukturen zulassen,
wiss. Inhalten (nach b.) und ihrer optimalen Ver- als Kontroll-Verben. Andere A.en werden fr ver-
mittlung als Teil einer  angewandten Sprachwis- schiedene Bewegungen in der  Logischen Form
senschaft. SSG Niederschsische Staats- und Uni- angenommen, z. B. fr Quantoren-Bewegungen
versittsbibliothek Gçttingen (7). GH (Quantoren-Raising). Lit. M. Becker, Raising, Con-
Anglitt  Abglitt trol and the Subset Principle. In: J. Alderete et al.
Anredeformen 43

(eds.), Proceedings of the 24th West Coast Confe- 84– 100. – R. Krishnamurthy, Corpus-Driven Lexi-
rence on Formal Linguistics. Somerville, MA 2005, cography. International Journal of Lexicography 21/
52–60. – R. P. Chaves, On the Disunity of Right- 3, 2008, 231–242. Z
Node Raising Phenomena: Extraposition, Ellipsis, Anomalie  Semantische Anomalie
and Deletion. Lg. 90.4, 2014, 834–886. – Chomsky, Anopisthographon n. (griech. iØ q (opisthen)
Lectures on GB. – W. Davies, The Grammar of ›von hinten‹, ªæwØ (grafein) ›schreiben‹). Bez.
Raising and Control. Ldn. 2004. – K. Hartmann, fr nur auf der Vorderseite beschriebene Schriftst-
Right Node Raising and Gapping: Interface Condi- cke. Um den wertvollen Beschreibstoff Papyrus
tions on Prosodic Deletion. Amsterdam 2001. – R. besser auszunutzen, wurden auf der nicht beschrie-
Mller & M. Reis (Hgg.), Modalitt und Modal- benen (Rck-)Seite oft andere Texte eingetragen
verben im Dt. Hamburg 2001. F (Opisthographon). Bei Pergament  Palimpsest. EN
Anhebungs-Verben  Anhebung,  Kontrolle Anorganischer Laut  Epenthese
Anlaut (engl. initial position, frz. position initiale) Anpassung In der  Sprachkontaktforschung mit-
Wort-, morphem- bzw. silbeninitialer Laut oder unter Bez. fr die  Integration von  Lehngut. G
Lautsequenz. PM Anredefall  Vokaktiv
Anlautgesetz  Notkers Anlautgesetz Anredeformen Grammat. eigens ausgeprgte Form
Anlautvernderung Vernderung des Wortanlauts zur Realisierung expeditiver  Prozeduren. In der
z. B. durch Wortgrenzenverschiebung bei  Aggluti- Lit. hufig bertragen auf den Bereich des Anre-
nation (dt. Lafette < frz. l’aff t ›Geschtzlade‹) oder dens insgesamt einerseits, der  Hçflichkeit anderer-
 Deglutination (dt. Agram vs. kroat. Zagreb). PM seits sowie drittens mit Blick auf die Verwendung
Anlo  Gbe sog.  »Honorative«. – Die Anrede stellt den Kon-
Annamesisch Veraltete Bez. fr Vietnames.; takt zwischen einem Sprecher (S) und einem Hçrer
 Mon-Khmer-Sprachen,  Austroasiatische Spra- (H) her bzw. hlt ihn whrend der Kommunikation
chen. G aufrecht bzw. erneuert ihn wiederholt;  Adversion.
Annominatio  Paronomasie Im nominalen Bereich werden A. durch den  Vo-
Annotation (engl. frz. annotation) Auszeichnung kativ ausgedrckt, im verbalen durch den  Impera-
ling. Informationen i. d. R. mithilfe einer  Mark- tiv und die Pers.endungen, im »pronominalen«
up-Sprache. Hierbei werden dem Primrtext inter- durch die du- Deixis ( Personaldeixis; ›duzen‹
pretative Analysen auf unterschiedl. ling. Ebenen vs. ›siezen‹, frher auch ›ihrzen‹ und (im 18. Jh.)
(Phonetik, Syntax, Semantik, Pragmatik, Diskurs, ›erzen‹). Der Vokativ als spezielle sprachl. Form
Stil, Lexik) hinzugefgt. Besondere A. sind Fehler- kann in Spr., die dafr eigene morpholog. Einheiten
annotationen in Lernerkorpora sowie die Transkrip- ausgebildet haben, von Eigennamen (nomina pro-
tion gesprochener Sprache in Sprachkorpora. Fr pria) bzw. von aktantenbezeichnenden Appellativa
die Korpusrecherche ( Korpus,  Korpuslinguistik) (nomina appellativa) gebildet werden. Im »prono-
werden i. d. R. ›explizite‹ A. vorausgesetzt, bei de- minalen« Bereich tritt neben die du-Deixis hufig
nen  Ambiguitten soweit mçglich anhand des deren plural. Parallelform, die ihr-Deixis, zur An-
Kontextes aufgelçst sind. Da die A. aufwendig ist rede (aber auch zur Bezeichnung) des einzelnen
und um eine hohe Wiederverwendbarkeit zu erzie- Hçrers. Unter Bezug auf das entsprechende frz.
len, orientiert sie sich weitgehend an Standards Teilsystem tu/vous wird dann zwischen t-Formen
(z. B. TEI,  Corpus Encoding Standard) und allge- und v-Formen unterschieden. – In komplexeren ge-
meinen Richtlinien (A.-Guidelines; vgl. die Anno- sellschaftl. Strukturen tendieren diese Anrede-Teil-
tationsmaxime von Leech). In der Praxis setzt sich systeme zu einer z. T. weitreichenden Differenzie-
zunehmend die stand-off A. durch, in der die A. rung – bis hinein etwa in die Orthographie (Groß-
separat vom Primrtext erfolgt. Computerling. schreibung). Das Anredesystem wird so zum Indi-
Werkzeuge zur automat. Erstellung von A. und kator und Ausdrucksmittel fr soziale Differenzie-
 Prozesskettensysteme untersttzen den A.prozess. rungen bzw. deren Vernderungen. Seine Untersu-
In der  Computerlinguistik werden annotierte Kor- chung (Anredeforschung) ist ein besonders gns-
pora zur Entwicklung datengetriebener  maschinel- tiges Arbeitsfeld der Sprachsoziologie und der
ler Lernverfahren genutzt. So kçnnen z. B. syntak- ling. Pragmatik, weil mit den A. ein leicht identifi-
tisch annotierte Korpora ( Treebanks) fr das Trai- zierbares sprachl. Teilsystem in seiner sozialen Re-
nieren statist. Parser und alignierte Korpora ( Ali- levanz erfasst werden kann. – Arbeiten der 60er und
gnierung) fr das Trainieren von statistischen MT- 70er Jahre (vgl. z. B. Ervin-Tripp 1969, Brown &
Systemen ( Maschinelle bersetzung) verwendet Gilman 1968, Brown & Levinson 1978, Kohz 1984)
werden. Vertreter der korpusgetriebenen (corpus- haben – z. T. mit einem universalist. Anspruch –
driven) Lexikograhie bzw. Grammatik bevorzugen allgemeinere Kategorien fr die Verwendung diffe-
aufgrund von fehlerhaften A. und der Theorielastig- renzierter Anredeformen aufgestellt (Macht vs. So-
keit dagegen nicht-annotierte Korpora. Lit. E. To- lidaritt oder Intimitt; positive face vs. negative
gnini-Bonelli 2001. The corpus-driven approach. In: face u. a.). Andere Arbeiten (Watts, Ide & Ehlich
Corpus Linguistics at Work. Amsterdamm 2001, 1991, Coulmas 1991) verweisen auf die histor. und
44 Anredeformen

ethnograph. Komplexitt der Erscheinungen und Wortakzent fllt, wenn die  paenultima kurz ist;
das Erfordernis zu differenzierter Theoriebildung.  Dreimorengesetz,  More. GS
Lit. R. Brown & A. Gilman, The Pronouns of Power Anterior (lat. ›weiter vorn‹) Binres distinktives
and Solidarity. In: T. Sebeok (ed.), Style in Language. phonolog. Merkmal (nach SPE) auf der Basis der
N. Y. 1960, 435–449. – P. Brown & S. Levinson,  Artikulationsstelle: vor der alveolo-palatalen
Universals in Language Usage: Politeness Phenome- Grenze (vor [ S ]) gelegen (vs. posterior): z. B. /p, t/
na. In: E. Goody (ed.), Questions and Politeness. vs. /k/. PM
Cambridge 1978, 51–289. – R. J. Watts, S. Ide & K. Antezedens n., pl.-dentien (lat. antecēdens ›vorher-
Ehlich (eds.), Politeness in Language. Bln. 1992. – F. gehend‹) 1. Bezeichnet in einem hypothet. Urteil
Coulmas, Linguistic Etiquette in Japanese Society. In: die Annahme(n), den Ausgangspunkt: wenn A,
R. J. Watts et al. (eds.) 1992, 299–323. – A. Kohz, dann B. In der deduktiv-nomolog. Erklrung wer-
Ling. Aspekte des Anredeverhaltens. Tbingen 1982. den als A.bedingungen eine allgemeine Gesetzes-
– H. Weinrich, Lgt man im Deutschen, wenn man aussage und mindestens ein singulrer Satz, der die
hçflich ist? Mannheim 1986. – W. Besch, Duzen, begleitenden Umstnde der zu erklrenden Tatsache
Siezen, titulieren. Gçttingen 21998. Bibl. T. Braun, angibt, gefordert. PR – 2. In Korrelationen zwi-
A. Kohz & K. Schubert, Anredeforschung. Kommen- schen zwei ling. Elementen das topolog. links ste-
tierte Bibl. zur Soziolinguistik der Anrede. Tbingen hende Element. Z. B. ist in diskontinuierlichen Mor-
1986. – H. J. Simon, Fr eine grammat. Kategorie phemen (z. B. dt. sowohl … als auch) das jeweils
›Respekt‹ im Dt. Tbingen 2003. E erste Glied das A., ebenso in  Anaphern; z. B. ist in
Anredenominativ Im Dt.  Nominativ in vokativi- Maja, die nichts als Fußball im Kopf hat, … Maja
scher Funktion ohne syntagmat. Bindung und ohne das A. von die. G
feste Position, z. B. Sie da, lassen Sie das!; Dein Anthropologische Sprachwissenschaft  Ethno-
Zimmer, mein liebes Kind, ist schon wieder ein graphie,  Ethnographie der Kommunikation,  Sa-
Saustall; Dir werd’ ich’s zeigen, du Obergerma- pir-Whorf-Hypothese
nist!; auch in der Briefanrede, z. B. Sehr geehrte Anthropomorphisierung (griech. eqæø
Damen und Herren!, Liebe Mutter!;  Vokativ. G (anthrōpos) ›Mensch‹, æw (morfē) ›Gestalt‹.
Anredepronomen  Anredeformen Engl., frz. personification) Method. Verfahren, Ei-
Anreibelaut  Affrikate genschaften und Verhaltensweisen von Menschen
Anreim  Alliteration auf außermenschl. Gegenstnde und Verhltnisse
Ansatz  Thema zu bertragen. A. spielt eine besondere Rolle in
Ansatzrohr (auch: Artikulationskanal, Lautgang. der Beschreibung von Naturerscheinungen, der An-
Engl. vocal tract, supraglottal cavities, frz. conduit schauung vom Handeln der Gçtter (in der Antike),
vocale; ursprngl. Begriff aus der Instrumentenkun- in Mythen vom gçttl. Wirken analog dem menschl.
de) Der anatom. von der Mund- bzw. Nasençffnung Verhalten. In der Ling. findet sich A. bezgl.
begrenzte Luftraum oberhalb des  Kehlkopfs bzw. sprachl. Gegebenheiten z. B. in  Organismusmodel-
der  Glottis, bestehend aus Rachen-, Mund- und len;  Sprachgeist. PR
Nasenraum, in dem sich die  Artikulation abspielt. Anthroponomastik  Personenname
Akust. wirkt dieser Hohlraum aufgrund der Form Anthroponym  Personenname
seines – zeitl. variablen – Querschnittverlaufs als Anthroposemiotik  Semiotik,  Zoosemiotik
Resonator ( Resonanz) bzw. Filter, in dem durch Antibarbarus  Purismus
die Gewichtung der Frequenzanteile des Phona- Antikausativ  Kausativkonstruktion,  Valenzre-
tionsschalls ( Phonation) aufgrund seiner Eigen- duktion,  Mediales Verb
bzw. Resonanzfrequenzen die sog.  Formanten Antiklimax  Aufzhlung,  Klimax
(Frequenzbnder erhçhter Energie, frequenzmßig Antilogie  Kontradiktion
aufsteigend bezeichnet als F1, F2, F3,…;  akusti- Antimentalismus  Behaviorismus
sche Phonetik) entstehen, die fr die einzelnen Antinomie f. (griech. BØ Æ (antinomia) ›in-
 Laute charakterist. sind. PM nerer Widerspruch (eines Gesetzes)‹. Auch: Para-
Anschluss 1. In der Terminologie N. Trubeckojs doxie) Widersprchlichkeit eines Satzes hinsichtl.
(russ. Linguist, 1890–1938)  prosodisches  di- seines Wahrheitswertes. Wenn im antiken Beispiel
stinktives Merkmal der Art der Zusammenfgung ein Kreter sagt: Alle Kreter lgen immer, sagt er
einzelner  Laute bzw.  Moren: mit oder ohne Stoß damit implizit: Auch ich lge jetzt und somit:
(= Glottalverschluss; z. B. dn. stød) bzw. von  Sil- Dieser Satz ist falsch; diese Aussage aber ist
ben: fester oder loser Anschluss ( Silbenschnitt). – falsch, wenn sie wahr, und wahr, wenn sie falsch
2.  Additiver Anschluss. PM ist. Eine derartige, durch Selbstreferenz entstande-
Anspielung  Antonomasie,  Periphrase ne A. wird in der Logik »semant. A.« genannt
Anteilgrçße  Genitiv (z. B. Reichenbach 1947, 220); der klass. Vor-
Antepaenultima (lat. ›vorvorletzte (Silbe)‹) In der schlag zu ihrer Vermeidung unterscheidet  Ob-
Silben- und Aussprachelehre der traditionellen lat. jekt- und Metaspr. und untersagt deren Vermi-
Grammatik Bez. fr die drittletzte Silbe, auf die ein schung (das obige Beispiel lautet ohne A.: Der
Antonymie 45

Satz Dieser Satz ist falsch ist falsch.). Da eine Antonomasie f. (griech. B-ÇØ (ant-ono-
strikte Trennung fr natrl. Spr. unangemessen ist, mazein) ›anders benennen‹) Umschreibender ( Pe-
versuchen neuere semant. Anstze, das Problem riphrase) Ersatz des  Eigennamens z. B. durch eine
der A. ber differenzierte Gebrauchsregeln zu lç- dieser Person oder Sache zugeschriebene Eigen-
sen. Lit. H. Reichenbach, Elements of Symbolic schaft (Der Erlçser fr Jesus ) oder durch einen
Logic. N. Y., Ldn. 1947. – F. v. Kutschera, Die Gattungsnamen (Der fnfte Kontinent fr Austra-
Antinomien der Logik. 1964. RB lien) als Variante zur Vermeidung von Wiederholun-
Antipassiv  Ergativsprache,  Genus verbi gen und zur Charakterisierung. Außerdem (umge-
Antiphrasis f. (griech. B (anti) ›entgegenge- kehrt) Bez. fr den Gebrauch eines Eigennamens
setzt‹, wæ Ø (frasis) ›Redeweise‹) Rhetor. Stilmit- als Gattungsbezeichnung (Eva fr Frau). Sonderfall
tel,  Tropus: meint das Gegenteil des Gesagten, einer  Synekdoche. VS
iron., sarkast., z. B. eine schçne Bescherung; Antonym  Antonymie
 Litotes,  Emphase,  Ironie. VS Antonymie f. (griech. Bøı Æ (antōnymia)
Antiqua f. (lat. antı̄quus ›alt‹). Bez. fr die von den ›Gegennamigkeit‹. Erst in der Neuzeit hat A. die
ital. Humanisten nach Vorbildern in  karolingischer Bedeutung ›Semant. Gegensatz zwischen Lexe-
Minuskel gestaltete humanist. Minuskel, die auch in men‹) 1. In lterer Lit. (z. B. Lyons 1963, Katz
das System der  Druckschriften, zuerst 1456 von 1972), auch in der  Lexikologie (z. B. Heusinger)
Sweynheim und Pannartz in Subiaco, bernommen ist A. oft der Oberbegriff fr ›gegenstzl.‹ Lexem-
wurde. Der Name geht darauf zurck, dass man seit relationen:  Kontravalenz bzw. Komplementaritt
Petrarca (1304–1374) die Schrift der Klassikerhss. (tot/lebendig),  Kontraritt (hell/dunkel),  Inkom-
der Karolingerzeit als antik ansah;  Lateinschrift. patibilitt (ankommen/abfahren),  Konversion (1)
Lit. B. L. Ullman, The Origin and Development of (geben/bekommen). 2. Gegenwrtig wird A. zumeist
Humanistic Script (Storia e letteratura, 79) Roma (speziell im Anschluss an Lyons 1977) auf graduier-
1960. – A. C. De la Mare. The Handwriting of bar-polare ( Polaritt) Lexeme (z. B. groß/klein,
Italian Humanists, I. Oxford 1973. EN stark/schwach, hell/dunkel, schçn/hsslich) ange-
Antistasis  Diaphora wendet: (a) Ihre Bedeutungen sind teilsynonym,
Antisymmetrie Auf Kayne (1994) zurckgehende nur durch ein polares Merkmal unterschieden. (b)
Annahme ber die mçgl. Struktur von Grammati- Antonyme stehen zueinander in kontrrer Relation,
ken, die dem menschl. Sprachvermçgen verfgbar d. h. sie kçnnen gemeinsam nur negativ, nicht aber
sind. Verschiedene Varianten der generativen Syn- affirmativ ber dasselbe Objekt prdiziert werden,
tax gehen von einer relativen Flexibilitt fr die z. B. *Martin ist groß und klein. Martin ist weder
Erzeugung von Strukturen aus. A. postuliert, dass groß noch klein. (c) In der unspezifizierten Grund-
Kçpfe immer links von ihrem Komplement stehen form bezeichnen sie die Pole oder Polbereiche einer
mssen und Adjunktion nur links erfolgen kann. Eigenschaftsskala, relativ zu einer Erwartungs-/
Zugrunde liegt die These, dass das Verhltnis zwi- Wertungsnorm ( Heckenausdruck), die entweder
schen linearer Abfolge und hierarch. Struktur str- asymmetr.-polnah ist (z. B. sauber/schmutzig) oder
ker festgelegt sein muss, als es bspw. das  X-bar- einen mittleren Normalbereich bildet, der von Fall
Schema leistet. Lit. R. Kayne, The Antisymmetry zu Fall variieren kann: Die große Maus sitzt unter
of Syntax. Cambridge, Mass. 1994. FR dem kleinen Elefanten. Dein heißer Kaffee ist mir zu
Antithese (griech. B -qæØ (anti-thesis) ›Gegen- kalt. (d) Ist die Skala prinzipiell quantifizierbar und
Satz‹) 1.  Rhetor. Figur der pointierten Gegen- die Polaritt symmetr., dient das unmarkierte der
berstellung von Gegenstzen, oft in Form des beiden Lexeme ( Markiertheit) im Verein mit Maß-
 Parallelismus (z. B. kleine Ursache, große Wir- angaben als neutrales  Hyperonym: Mein Enkel ist
kung),  Chiasmus (z. B. Love’s fire heats water, jetzt vier Tage alt. Das winzige, 1/10 mm große
water cools not love, Shakespeare), des  Oxymo- Insekt. (e) Antonyme kçnnen i. d. R. vergleichend
rons (z. B. beredtes Schweigen). Die A. ist klass. prdiziert werden. Komparative Aussagen sind im
Mittel der Poetik (bes. der Barocklyrik, z. B. Was Maße der Polsymmetrie (denotativ)  konvers: Ge-
dieser heute baut/reißt jener morgen ein, Gryphius), parden sind kleiner/schneller als Lçwen ; Lçwen
der  Werbesprache (Heiß geliebt und kalt getrun- sind grçßer/langsamer als Geparden. Fr asym-
ken), der politischen Rede (z. B. Friede den Ht- metr. und fr nicht-quantifizierende, ›quipollente‹
ten, Krieg den Palsten, G. Bchner). 2. Behaup- (Rachidi 1989;  quipollenz) A. trifft dies zumeist
tung, die im Gegensatz zu einer These aufgestellt nicht zu: Katzen sind sauberer als Hunde  Hunde
wird. VS sind schmutziger als Katzen. Carola ist schçner/
Antizipation (lat. anticipere ›vorwegnehmen‹. frçhlicher als Beate  Beate ist hsslicher/trauri-
Auch: Katalepsis) Vorwegnahme eines Elements ger als Carola. (f) Gelegentl. werden Skalen durch
einer nachfolgenden Einheit in der davor angeord- mehr als ein Antonymenpaar gegliedert: heiß,
neten Einheit, z. B. Vorwegnahme eines Phonems warm, khl, kalt. (g) Auch in anderen Wortarten
der zweiten Silbe in der ersten, z. B. griech.-lat. gibt es deadjektivisch gebildete Antonymenpaare:
thesaurus > frz. trsor. G verlngern/verkrzen, Lnge/Krze. – A. wird lexi-
46 Antonymie

kographisch erfasst in Antonymenwçrterbchern, in effektivem A. (z. B. B ı Æ (apeptysa) ›pfui‹,


denen zu jedem gebuchten Lemma ein oder mehre- lit. ›ich habe soeben ausgespuckt‹). Der effektive
re Antonyme genannt sind. Lit. J. J. Katz, Semantic A. wird vielfach in histor. Berichten verwendet und
Theory. N. Y. 1972. – J. Lyons, Structural Seman- ist dem lat. histor.  Perfekt quivalent. Auf Zu-
tics. Oxford 1963. – Ders., Semantics. 2 Bde. Cam- knftiges bezieht sich der griech. sog. prophetische
bridge 1977. – O. Gsell, Gegensatzrelationen im A., mit dem (z. B. in konditionalen Ausdrcken)
Wortschatz roman. Spr. Tbingen 1979. – D. A. eine unvermeidliche Folge eines anderen Vorgangs
Cruse, Lexical Semantics. Cambridge 1986. – M. bezeichnet werden kann. Der griech. sog. gnomi-
Bierwisch & E. Lang (Hgg.), Grammat. und kon- sche A. wird in allgemeinen, sprichwçrtl. Sentenzen
zeptuelle Aspekte von Dimensionsadjektiven. Bln. verwendet;  gnomisch. G, GS
1987. – R. Rachidi, Gegensatzrelationen im Bereich Aoriststamm  Tempusstamm
dt. Adj. Tbingen 1989. – Ch. Agricola & E. Agri- Apabhra’sa  Mittelindische Sprachen
cola, Wçrter und Gegenwçrter. Antonyme der dt. Apache  Athabaskische Sprachen,  Na-Dene-
Spr. Mannheim 21992. – E. Lang, A. im Lexikon Sprachen
und im Wb. Ddf. 1994. – W. Mller, Das Gegen- Apagogisch  Beweis
wort-Wb. Ein Kontrastwb. mit Gebrauchshinweisen. Apala  Karibische Sprachen
Bln., N. Y. 1998. – A. J. Lehrer, Gradable Antonymy Apex m. (lat. ›Spitze‹) Oberer spitzer Winkel eini-
and Complementarity. HSK 21.1, 498 –506. – A. ger lat. Versalbuchstaben, z. B. bei A, N, M. G
Cruse, Meaning in Language. Oxford 22004. – S. Apex linguae  Apikal,  Zunge
Heusinger, Die Lexik der dt. Gegenwartssprache. Aphrese f. (griech. BçÆ æ Ø (afairesis) ›das
Paderborn 2004. RB Wegnehmen‹. Auch: ēlı̄siō inversa,  Deglutination)
Antwort Illokutiver Akt, der durch seine Zweitstel- In der klass. Philologie Bez. fr die Tilgung eines
lung in der elementaren Sprechhandlungssequenz kurzen Vokals im Wortanlaut nach wortfinalem lan-
Frage-Antwort gekennzeichnet ist. Dies wird in gem Vokal oder Diphthong, z. B. griech. ª ÆØ
der  ethnomethodologischen Analyse unter dem Dª > ª ÆØ \ª ›ich werde sein‹. GS
Stichwort des »benachbarten Paars« ( Adjacency Aphasie f. (griech. BçÆ Æ (afasia) ›Sprachlosig-
pair) zum zentralen analyt. Bestimmungspunkt ge- keit‹) Oberbegriff fr zentrale, aufgrund von Hirn-
macht. Hufig sind A.  Assertionen. Die Bindung schdigungen durch Tumor, Trauma, Gefßerkran-
der A. an die  Frage weist auf den interaktiven kung, Unfall u. a.  erworbene Sprachstçrung, bei
Charakter auch der scheinbar isoliertesten Sprech- der je nach Lokalisation, Art und Umfang der Sch-
handlung, der Assertion, hin. Diese Bindung ermçg- digung die Rezeption und Produktion  gesproche-
licht eine Handlungsanalyse auch der Assertion. ner Sprache auf verschiedenen Ebenen unterschiedl.
Lit.  Frage. E stark beeintrchtigt sind;  Agrammatismus,  Para-
Antwortpartikel Subklasse der Wortart  Partikel, grammatismus,  Brocasches Zentrum,  Wernicke-
bspw. ach was, bitte, danke, denkste, doch, ja, sches Feld. Die A. sind abzugrenzen von sprachl.
nein, okay. A. sind unflektierbar, betonbar und fun- Stçrungen aufgrund von sensor. Behinderung (z. B.
gieren als Antworten auf Fragen; deshalb werden Hçrschdigung), geistiger Behinderung oder
sie als ›Satzquivalente‹ bezeichnet. Eine scharfe psych.-emotionalen Ursachen. In der neuroling.
Abgrenzung zu den  Interjektionen ist nicht mçg- und -psycholog. Forschungslit. findet sich eine
lich, da beide Klassen kaum syntakt. Funktionen im Vielfalt von Syndromtypen und -untertypen, die
Satz bernehmen kçnnen und außerhalb des Satz- sich jedoch nach Huber zu 4 Standardsyndromen
rahmens stehen;  Satzwort. SO der A. zusammenfassen lassen. Lit. A. R. Luria,
Anyi  Kwa-Sprachen Basic Problems of Neurolinguistics. The Hague
Anywa  Nilotische Sprachen 1976. – C.-W. Wallesch & A. Kertersz, Clinical
Anywhere-Regeln  Extrinsische Regelanordnung Symptoms and Syndromes of Aphasia. HSK 8, 98–
Anzeichen  Index 1. 119. – J. Tesak, Einfhrung in die Aphasiologie.
Anzeigewort  Pronomen Stgt. 1997. – J. Tesak, Geschichte der A. Idstein
olisch  Altgriechisch 2001. – W. Huber, K. Poeck & D. Weniger, A. In:
Aorist m. (griech. B
æØ  (aoristos) ›unbe- W. Hartje & K. Poeck (Hg.), Klin. Neuropsycholo-
stimmt‹) Formkategorie des Verbalparadigmas eini- gie. Stgt., N. Y. 52002, 93–173. GT
ger idg. Spr., z. B. des Altind., Griech., Aksl., Bul- Aphemie f. Veraltet fr  Aphasie. GT
gar. Der A. dient ursprngl. dem Ausdruck des Aphonie f. (griech. Bwø Æ (afōnia) ›Sprachlosig-
 perfektiven  Aspekts, ist also keine Tempusform, keit, Verstummen‹) Psychogene traumat. bedingte
auch wenn er i. d. R. Vergangenes bezeichnet. Der schwere Stimmstçrung, die sich in Stimmlosigkeit,
A. wird verwendet zur Bez. abgeschlossener Vor- verhauchtem oder stimmlosem Sprechen manifes-
gnge bzw. Handlungen;  Resultativ,  Narrativ. In tiert;  Dysphonie. GT
der Grzistik wird unterschieden zwischen ingressi- Aphorismus (griech. Bwæ ÇØ (aforizein) ›ab-
vem (z. B. DŁÆÆ Æ (ethaumasa) ›ich muss mich grenzen, definieren‹). Ursprngl. im Corpus Hip-
wundern‹ (mich hat Verwunderung ergriffen)) und pocraticum (400 v. Chr.) die kurze, prgnante For-
API 47

mulierung erprobter medizin. und anderer Lebens-


erfahrungen. Kurzer, treffsicherer, provokativ oder
witzig in  Prosa geformter Gedanke, der sich
rhetor. Mittel wie z. B.  Antithese,  Ironie,  Pa-
radoxon,  Parallelismus,  Wortspiel bedient und
sprachl. oft in lapidarer Krze und Schrfe, aus
der Perspektive einer skep.-krit. Denkhaltung

Ö
heraus, Stellung bezieht. In der Antike Vorformen
bei Hippokrates und Marc Aurel, im 16. Jh.
Sammlung antiker A. durch Erasmus, in der heu-
tigen Ausprgung zuerst bei den frz. Moralisten
La Rochefoucauld, Pascal, Montesquieu, Chamfort
u. a. In Deutschland hat G. Ch. Lichtenberg
(1742–1799) in Orientierung an der aphorist. Ge-
dankenfhrung der Essais von M. de Montaigne Das Zeicheninventar der API – Vokale
und in Anlehnung an die engl. Aphoristik von F. (die Ziffern unter den Symbolen geben die
Bacon die Form des A. geprgt, z. B. »Dann gna- diesen zugeordneten IPA-Nummern an)
de Gott denen von Gottes Gnaden« (Lichtenberg).
Im Ggs. zu  Sentenz und  Sprichwort werden
sog. ›allgem. Wahrheiten‹ durch den A. eher in
Frage gestellt; didakt. Optimismus wird gemieden.
Lit. F. A. Mauthner, Der A. als lit. Gattung. Zs. f.
sthetik und allgemeine Kunstwiss., 27, 1933, 2.
– S. Fedler, Der A. Begriffspiel zwischen Philoso-
phie und Poesie. Stgt. 1992. VS
Aphrasie Veraltet fr  Aphasie. GT
API (Association Phontique Internationale. Auch:
IPA, International Phonetic Association, Weltlaut- Das Zeicheninventar der API – nichtpulmonale
schriftverein) ltester, als The Phonetic Teacher’s Konsonanten (die Ziffern geben die den Symbolen
Association 1886 von P. Passy (frz. Phonetiker, zugeordneten IPA-Nummern an)

Das Zeicheninventar der API – pulmonale Konsonanten


(die Ziffern unter den Symbolen geben die diesen zugeordneten IPA-Nummern an)
48 API

letzte berarbeitung 1993 (korr. 1996), vgl.


JIPA 25, 1 (1995), »Preview of the IPA Handbook«
und dortige Tab. nach S. 24; den Transkriptions-
symbolen wurden auf der ›Kiel Convention‹ 1993
fr die eindeutige Computercodierung dreistellige
IPA-Nummern (vgl. Abb. auf den beiden folgenden
Seiten) zugeordnet. (http://www.arts.gla.ac.uk/IPA/
ipa.html). Zs.: Dhi Fontik Tı̂tcer (1886–1888), Le
Maı̂tre Phontique (1889–1970), beide in einzel-
Das Zeicheninventar der API – weitere Symbole sprachl. Lautschrift, seit 1971 in engl. Orthographie
(die Ziffern geben die den Symbolen zugeordneten als Journal of the International Phonetic Associa-
IPA-Nummern an) tion (JIPA). Lit. Handbook of the International
Phonetic Association. Cambridge 1999. – The Prin-
1859–1940) gegrndeter Verein, der die Fçrderung ciples of the International Phonetic Association.
der Phonetik zum Ziel hat, insbesondere die Stan- Ldn. 1949 (letztes Reprint 1984). PM
dardisierung der phonet.  Transkription (IPA = In- Apikal, Apikallaut m. (lat. apex ›Spitze‹. Auch:
ternational Phonetic Alphabet, 1. Fassung 1888; Zungenspitzenlaut) Mit der Zungenspitze an unter-

Das Zeicheninventar der API – Diakritika


(die Ziffern geben die den Symbolen zugeordneten IPA-Nummern an)

TÖNE UND WORTAKZENT

kürzere(Takt-/Fuß-)Gruppe
größere(Intonations-)Gruppe

Das Zeicheninventar der API – Suprasegmentalia


(die Ziffern geben die den Symbolen zugeordneten IPA-Nummern an)
Appellativum 49

schiedl.  Artikulationsstellen gebildeter (und nach bung wie in [Johni seems [ti to have won]]) erfolgt
diesen bezeichneter) konsonant. Sprachlaut ( Ko- stets in eine A-P.; die  w-Bewegung in eine Non-
ronal): am Zahndamm: (apiko-) alveolar ( Alveo- A-P. Lit.  Bewegung. F
lar), an den oberen Schneidezhnen: (apiko-/ad-) Aposteriorisch  Plansprache
dental ( Dental), an der Oberlippe: apiko-labial Apostroph m. (griech. B æç (apostrofē)
( Labial), am harten Gaumen:  retroflex. PM ›Abwendung‹. Auch: Auslassungszeichen)  Diakri-
Apiko-alveolar  Apikal tikon in Gestalt eines kurzen vertikalen, nach links
Apiko-dental  Apikal,  Addental gebogenen Hkchens rechts oben neben dem modi-
Apiko-labial  Apikal fizierten  Buchstaben. Im Dt. wird der A. zur Mar-
Apinay  Ge-Sprachen kierung von sog. Auslassungen ( Elision) einge-
Apodiktisch  Modallogik setzt (z. B. ’s ist Krieg (M. Claudius), so’n Quatsch),
Apodosis  Protasis bei Tilgung des Suffixes -e bei Subst. und Verben
Apokoinou n. (griech. eigentl. åEÆ BŒØ (z. B. Hnd’, ich sitz’ hier und wart’ auf dich), bei
(schēma apokoinou) oder lat. cōnstrūctiō apokoinou Tilgung des K i L im Suffix -ig (z. B. snd’ger, wen’ge)
›vom Gemeinsamen‹)  Rhetorische Figur, Variante und zur Markierung des Genitivs in Wçrtern mit [s]
des  Zeugmas. Ein A. liegt vor, wenn ein Syntagma im Auslaut (in Konkurrenz mit dem Suffix -ens),
(meist ein Satzglied) nach rechts und links verknpft z. B. Hans’ Freundin, Lutz’ Schreibtisch, Obelix’
ist und dabei unterschiedl. syntakt. Funktionen aus- Hinkelstein. 2. In Verbindung mit einem griech.
ben kann. Es steht i. d. R. an der Kontaktstelle Schriftzeichen Zahlsymbol, z. B. Æ’ = 1, ’ = 2, ª’
zwischen zwei Nachbarsyntagmen oder -stzen. In = 3 usw. G
der antiken und ma. Lit. ist das A. hufig belegt, Apostrophe f. (griech. B æç (apostrofē)
z. B. »do spranc von dem gesidele her hagene also ›Abwendung‹. Auch: Aversio) Urspr. in att. Ge-
sprach« (Kudrun 538, 1), wo »her hagene« das nur richtsreden Abwendung des Redners von den Rich-
einmal realisierte Subjekt beider Stze ist. G tern und Anrede des Prozessgegners, dann rhetor.
Apokopat m. (griech. BŒ (apokopē) ›Ab- (Gedanken-) Figur der Abwendung des Redners
schneiden‹) Lehnbersetzung des arab. grammat. oder des Dichters vom Publikum und direkte An-
Terminus fr die ›abgeschnittene‹ Imperfektform rede an vom Redner berraschend gewhltes Zweit-
ohne Endvokal. Die ursprngl. prteritale Funktion publikum (abwesende lebende oder tote Personen,
des A. ist nur noch in Verbindung mit lam ›nicht‹ Gçtter) oder an Naturerscheinungen und Abstrakta,
erhalten: lam yasmac ›er hçrte nicht‹. Daneben hat die durch die A. personifiziert werden. Die A. ist
der A. mit li- oder der Neg. lā  Jussiv-Funktion, ein Merkmal der feierlichen kult. Lyrik (z. B. der
z. B. li-yadhul ›er soll eintreten‹, lā taqtul ›du sollst Hymne) und tritt oft auf in Form der feierlichen
nicht tçten,¯ tçte nicht!‹. WI pathet. invocātiō ›Anrufung‹ der Gçtter und Musen
Apokope f. (auch: Abstoßung) Wegfall ( Elision) im klass. Epos (z. B. in Homers Odyssee I, 1),
auslautender (im Ggs. zur  Synkope) Vokale und Gottes (»Ach Gott, wie ist verderbt die Welt«,
Konsonanten (z. B. dt. dem Mann(e)). PM Hans Sachs) und Heiliger. Hufig in Eingangsfor-
Apophonie  Ablaut meln von Urkunden u. .; auch in Verwnschungen
Aposiopese f. (griech. B ØÅ Ø (aposiōpēsis) und beim Fluchen. VS
›das Verstummen‹)  Rhetorische Figur der Auslas- Apostrophic genitive  Schsischer Genitiv
sung. Affektives oder affektiv scheinendes und da- Appellativierung Bez. fr einen semant. definierten
mit berechnetes Abbrechen eines begonnenen Sat- Wortbildungstyp, dessen Produkt eine Gattungsbez.
zes ( Satzabbruch) oder Auslassen eines Gedan- ist, z. B. deutsch R Deutsche(r);  Nomen commu-
kens mitten in der Rede, so dass die ausgelassene ne,  Appellativum. ES
ußerung dennoch ergnzt und damit verstanden Appellativum n. (lat. appellātiō ›Benennung‹. Auch:
werden kann. Kann u. a. der Spannungssteigerung, Nomen appellativum, Nomen commune, Gattungs-
dem Ausdruck von Besorgnis, von Ergriffenheit, bezeichnung, Gattungsname, Individuativum. Engl.
Zorn oder einer Drohung o. . dienen. VS appellative noun, count noun, common noun, frz.
A-Position (auch: Argument-Position) Seit der appellatif, nom commun) Teilklasse der Substantive,
 REST Bez. fr eine syntakt. Position, in welcher neben den  Eigennamen Unterklasse der  Konkre-
eine  thematische Rolle zugewiesen werden kann, ta. Die A. werden weiter unterteilt in Kollektiva
z. B. Subj.- und Obj.-Positionen. Die Unterschei- ( Kollektivum) und  Stoffbezeichnungen. A. be-
dung von A-P.en und Non-A-P.en (auch: A-bar-Po- zeichnen die Mitglieder von Klassen von gleich-
sition, A-quer-Position, Non-Argument-Position) ist wertigen gegenstndl. Erscheinungen, namentl. Per-
z. B. in der  Bindungstheorie relevant, in welcher sonen, Lebewesen und Dinge, z. B. Knabe, Gold-
zwischen Bindung einer  Anapher mit einem  An- fisch, Heckenrose, Gartenteich. Ein A. bezeichnet
tezedens in einer A-P. (= A-Bindung) und der Bin- i. d. R. alle existierenden Sorten und alle individuel-
dung einer Variablen mit einem  Antezedens in len Exemplare einer Gattung: z. B. Hund: {Pudel,
einer Non-A.-P. (= A-bar-Bindung) unterschieden Dackel, Dogge usw., Nachbar Mllers Fiffi, der
wird. Die  NP-Bewegung (z. B. bei einer  Anhe- Kçter im Hinterhof bei Meiers Oma usw.}. Es gibt
50 Appellativum

A., die aus Eigennamen entstanden sind, z. B. Die- nerātiō ›Erzeugung, Generierung‹). Ursprngl. auf
sel (Rudolf Diesel, 1858–1913), Marxismus, Gen- dependenzielle ( Dependenzgrammatik), seit 1965
scherismus, Zeppelin (Ferdinand Graf von Zeppelin, auf kategorialgrammat. Strukturen ( Kategorial-
1837–1917), und es gibt Eigennamen, die aus A. grammatik) gegrndetes Grammatiksystem, das
entstanden sind, z. B. Familiennamen wie Beck(er), von S. K. aumjan entwickelt wurde. Im Unter-
Zimmermann, Schwertfeger. A. treten i. d. R. sowohl schied zu grammat. Systemen, die der Tradition
im Sg. als auch im Pl. auf und gelten als prototyp. des an L. Bloomfield (1887–1949) orientierten ame-
Vertreter der Wortklasse Subst. G rikan.  Strukturalismus folgen (G. L. Trager, C. F.
Appellfunktion  Axiomatik der Sprachwissen- Hockett, N. Chomsky), wird in der a. G. strikt unter-
schaft schieden zwischen den abstrakten Reprsentationen
Apperzeption (lat. perceptiō ›Auffassung, Erkennt- der tieferen Sprachzusammenhnge (den Genoty-
nis‹) Im Unterschied zur eher passiven Rezeption pen) und den sprachl. Phnomenen, die der unmit-
und Perzeption meint A. das aktive, bewusste und telbaren Beobachtung zugngl. sind (den Phnoty-
willentl. Erfassen von Wahrnehmungs- und Denk- pen). Zu den phnotyp. Aspekten zhlt auch die
inhalten. In der Sprachpsychologie des 19. Jh. spie- lineare Anordnung der Elemente innerhalb eines
len zwei A.theorien eine Rolle: Bei J. F. Herbart sprachl. Ausdrucks (sog.  Wortstellung), die in
(1776–1841) und bei denen, die sich auf ihn berufen der a. G. nicht unmittelbar als lineare Anordnung
(u. a. H. Steinthal (1823–1899), M. Lazarus (1824– abstrakter Elemente in der genotyp. Struktur darge-
1903), H. Paul (1846–1921)), ist A. die bewusste stellt wird. Wegen der Unterscheidung zwischen
Aneignung neuer Vorstellungen mithilfe der bereits Phnotypen und Genotypen nennt man die a. G.
vorhandenen Wissenselemente (= »apperzeptive auch ein Zweistufenmodell. Die Unterscheidung
Masse«). In der  Vçlkerpsychologie W. Wundts wird auch getroffen fr die Erfassung von Reihen-
(1832–1920) wird die A. der  Assoziation gegen- folgebeziehungen: Die genotyp. Strukturen geben
bergestellt und von dieser durch die Beteiligung nicht die lineare Anordnung von phnotyp. Struktu-
von Wille und Aufmerksamkeit unterschieden. Bei- ren wieder. In der a. G. waltet nicht die starke Hy-
de Traditionen gehen auf G. W. Leibniz (1646–1716) pothese der  Kontiguitt. – Wie in vielen Versionen
zurck. Herbart betont den Wissens-, Wundt eher der  Kategorialgrammatik so sind auch in der a. G.
den Willensbezug der A. Der Begriff wird in der Satz und Nomen die zwei Grundkategorien. Durch
heutigen Psycholinguistik selten gebraucht. KN Anwendung funktionaler Ausdrcke (sog. Applika-
Apperzeptionstheorie  Vçlkerpsychologie tionen) werden – ganz im Stile von Kategorialgram-
Applikation  Applikativ-generative Grammatik matiken – aus sprachl. Ausdrcken der Kategorie
Applikativ (lat. applicātus ›auf etw. gerichtet‹. Nomen oder der Kategorie Satz Ausdrcke der Ka-
Auch: Prpositionalform) Verbalableitung mit der tegorie Nomen oder Satz. Der Aufbau der a. G. ist
Funktion, eine weitere NP einzufhren, die das komplexer als der kategorialer Grammatiken. Es
Ziel angibt, auf die die in der Verbwurzel genannte werden unterschieden: (a) der abstrakte Generator,
Handlung gerichtet ist; es kann sich dabei um eine der Paare isomorpher kategorialgrammat. kon-
Person, einen Ort und in einigen Spr. auch um ein struierter Strukturen erzeugt, die frei sind von lexi-
Instrument handeln. Der A. vereinigt in sich somit kal. Material (frei von Wçrtern), (b) der Wortge-
die Funktionen eines Dativs, Benefaktivs, Direktivs nerator, der Wçrter erzeugt, (c) der Phrasengenera-
und (teilw.) eines Instrumentals. In den  Bantuspra- tor, der Phrasen und Stze (als grçßte Phrasen) aus
chen hat diese Verbalableitung zumeist die Form Wçrtern und Phrasen erzeugt, (d) der Generator von
-i(l)-/-e(l)-, z.B. Swahili -som- ›lesen‹ > -some- Phrasentransformationsfeldern, der z. B. russ. blyj
›jdm. vorlesen‹; -end- ›gehen‹ > -ende- ›gehen sneg (›weißer Schnee‹) in sneg blyj (›der Schnee
nach‹. RE ist weiß‹) und dieses in belizn snga (›das Weiß
Applikativbildung Bez. fr deverbale Verben des Schnees‹) berfhrt. Lit. S. K. aumjan, Struk-
( Modifikation), bei denen sich mit der Ableitung turale Ling. Mchn. 1971. – Ders., Philosophie und
auch die Argumentstruktur ndert. So hat streichen theoret. Ling. Mchn. 1973. T
in Sie streicht Farbe ber den Riss neben dem Apposition (lat. apposı̄tiō ›Danebengestelltes, Zu-
direkten Objekt eine Prpositionalergnzung, wh- satz‹. Engl. apposition, frz. nom appositif. Auch:
rend in berstreichen die Prposition inkorporiert Zusatz, Beisatz, Beistellung) Der Terminus A.
( Inkorporation) und das Nominal aus der Prposi- wird nicht immer einheitl. definiert und oft als
tionalergnzung zum direkten Objekt wird (Sie Spezialfall der Attribuierung ( Attribut) gesehen.
berstreicht den Riss mit Farbe). Rekonstruierte Es handelt sich um ein nominales Satzglied (Kon-
Strukturen (x streicht y ber z R x berstreicht y) stituente), in dem ein (meist) nominaler Ausdruck
beschreiben den syntakt. Ursprung solcher Bildun- ( Appositiv) mit einem nominalen Kopf (Basis der
gen. In morpholog. Hinsicht handelt es sich um A.) in Kasus und Numerus bereinstimmt (Eisen-
Partikelverben. Lit. Eisenberg I, 245 ff. ES berg II, 256–259). Man unterscheidet zwischen en-
Applikativ-generative Grammatik (russ. applik ci- ger A. und lockerer A. Die lockere A. wird durch
ja, frz. application ›Abbildung, Funktion‹; lat. ge- Kommata von ihrem Bezugswort getrennt, z. B. Ro-
quivalenzregel 51

nald, der berhmte Kammersnger, die enge Ap- – W. Ziegler, Sprechapraxien bei Erwachsenen. In:
position nicht, z. B. Tante Lilo, Frulein Leni, Karl M. Grohnfeldt (Hg.), Lehrbuch der Sprachheilpd-
der Kahle ( Beiname). Die zentralen Flle der A. agogik und Logopdie Bd. 2: Erscheinungsformen
sind A. mit Eigennamen und A. mit Maßangaben und Stçrungsbilder. Stgt. 2001, 262–268. – K.
( Numerativkonstruktion), die meist auf einen Poeck, A. In: W. Hartje & K. Poeck (Hg.), Klin.
 Genitivus partitivus zurckgehen, z. B. eine Maß Neuropsychologie. Stgt., N. Y. 52002, 203–226. GT
Bier, eine Kompanie Rekruten. Mitunter sind Kern Apriorisch  Plansprache
(Kopf, Basis) und Appositiv nicht zu unterscheiden, quativ (lat. aequus ›gleich, gleichartig‹) Im Dt.
z. B. Meister Mller, Professor Becker. Definitor. morpholog. unmarkierte, in (genau)so … wie lexi-
Merkmal der Apposition ist zudem die Referenz- kalisierte Form des Vergleichs zwischen Adj. oder
identitt von Kern und Appositiv; der Referent des Adv. im  Positiv in  Vergleichsstzen, z. B. Jenny
Bezugswortes wird nher bestimmt, aber die Menge ist (genau) so groß wie Maja bzw. Maja luft (ge-
der Referenten wird nicht eingeschrnkt ( Relativ- nau) so schnell wie Jenny. G
satz). Anders als  Parenthesen (Rudolf – er ist A-quer-Position  A-Position,  Argument
unser Obergrammatiker –) unterbrechen A. (unser quipollent, quipollente Opposition  Opposi-
Obergrammatiker Rudolf) nicht die lineare Struktur tion
von Stzen. Beispiele fr nichtnominale A. sind wir quipollenz f. (lat. aequipollēns ›gleichviel gel-
Brger, hinten in der Trkei. – Es ist umstritten, ob tend‹) Log. Gleichberechtigung zwischen den Glie-
ein gleichsetzendes als eine A. darstellt, z. B. Ich dern eines Gegensatz(paar)es: Keines der Glieder
als dein Freund; Hartmuts Aufgabe als Pastor. Lit. ist ledigl. als Negation ( privativ) oder graduelle
H. Seiler, Relativsatz, Attribut und A. Wiesbaden Ausprgung einer von einem anderen Glied be-
1960. – E. Lçbel, A. und Komposition in der Quan- zeichneten Eigenschaft, jedes vielmehr durch ein
tifizierung. Tbingen 1986. – W. Hackel, Einige eigenes positives Merkmal charakterisiert: z. B.
appositionelle Syntagmen in der dt. Gegenwartsspr. weiblich/mnnlich; beginnen/beenden; Stadt/Land;
Ffm. 1995. – J. C. Freienstein, Das erweiterte Ap- Pro-/Haupt-/Oberseminar; Osten/Sden/Westen/Nor-
positiv. Tbingen 2008. C, RL den. quipollente Gegensatzpaare sind nicht polar
Appositiv Die Funktion einer  Apposition aus- i. e. S.;  Polaritt (1.). RB
bend. Zugleich etabliert sich der Sprachgebrauch, quivalenz (lat. aequus ›gleich, gleichartig‹, valēns
dass eine Apposition aus einer Basis und einem A. ›wirksam‹. Auch: Bisubjunktion. Engl., frz. equiva-
besteht. Lit.  Apposition. RL lence) 1. In der  formalen Logik durch  Junktoren
Apprecatio  Diplomatik ausgedrckte Verknpfung zweier elementarer Aus-
Appreziator (lat. apprētiāre ›einschtzen‹; engl. to sagen p und q (symbol. p  q oder p;q). Bei der
appraise, frz. apprcier ›dass.‹) Ein A. (appraisor) . liegt eine Aussagenverknpfung vor, welche nur
ist in der Theorie der  Signifikationsmodi von Ch. dann wahr ist, wenn entweder sowohl p als auch q
W. Morris ein Zeichen, das ein »Valuatum« (Prfe- wahr oder beide falsch sind; in allen anderen Fllen
renzwert) »im Rahmen eines Positiv-Negativ-Kon- ist sie falsch. In einer  Wahrheitswert-Tabelle las-
tinuums« signifiziert. Morris denkt dabei nicht nur sen sich die Aussagenverknpfungen wie folgt dar-
an Adj. wie gut, miserabel, sondern auch an  De- stellen:
signatoren mit appraisivem Gehalt wie Feigling,
Erfolg ( Konnotation 2b), die in best. Kontexten p q pq
(vorwiegend) als A. fungieren;  Aktuelle Bedeu- w w w
tung. Lit.  Signifikationsmodus. RB w f f
Approximant  ffnungslaut f w f
Approximativ (lat. ad ›zu‹, proximus ›der nchste‹) f f w
Durch Affixe ausgedrckte Vergleichsstufe, die eine
unvollstndige Qualitt bezeichnet, z. B. tsche- . kann ebenso als bilaterale  Implikation charak-
tschen. sijna ›dunkelblau‹ vs. sijnuo ›blulich‹, terisiert werden, nmlich dann, wenn gilt: pq =
georg. mo-did-o ›nicht sehr groß‹ vs. did-i ›groß‹; (pq) > (qp). Der Sinn dieser Aussagenverknp-
 Graduierung,  Komparation. G fungen weicht von dem der Umgangsspr. erhebl. ab:
Apraxie f. (griech. BæÆ Æ (apraxia) ›Unttig- Dort nennen wir zwei Aussagen quivalent, wenn p
keit‹) Erworbene zentrale Stçrung der willentl. Or- dieselbe Bedeutung wie q hat, z. B. (p) Dieses
ganisation und Koordination von Einzelbewegun- Dreieck ist gleichseitig und (q) Dieses Dreieck hat
gen und Bewegungsablufen bei erhaltener Beweg- drei gleiche Seiten;  Bikonditional. SN – 2.  Kor-
lichkeit der entsprechenden Kçrperteile. Im Gegen- relation. 3. In der Mengenlehre bedeutet ., dass
satz zur  Dysarthrie ist eine Sprech-A. durch in- beide Elemente sich eindeutig zuordnen lassen. PR
konsistente Artikulationsfehler und Ersetzungen ge- – 4. Die definitor. . besagt, dass zwei Ausdrcke
kennzeichnet. Beeintrchtigungen des Schreibens dadurch auseinander hervorgehen, dass der definierte
werden als aprakt.  Agraphie bezeichnet. Lit. Ausdruck durch den definierenden ersetzt wird. PR
J. C. Rosenbek, Speech Apraxia. HSK 8, 288–295. quivalenzregel  Etalonsprache
52 quivalenzrelation

quivalenzrelation  Synonymie durch analyt. abgelçst. So wird das Genitivver-


quivokation (lat. aequivocus ›doppelsinnig, mehr- hltnis meist durch einen Genitivexponenten an-
deutig‹. Engl., frz. equivocation) Lexikal. Mehrdeu- stelle des  Status constructus ausgedrckt. Den
tigkeit ( Bisemie,  Polysemie,  Homonymie),  Dual gibt es nur noch bei Nomina. Verschiedene
speziell i. S. der Polysemie, vom bisemen Aas unregelmßige Formen sind vereinheitlicht. Im
(›Tierleiche‹, ›gemeiner Mensch‹) bis zum beraus Sprachgebiet lassen sich verschiedene Dialektgrup-
polysemen Zug (das »Große Wçrterbuch der dt. pen unterscheiden: die Dialekte der Arab. Halbinsel
Sprache« verzeichnet 24 Teilbedeutungen). Wenn (z. B.  Jemenitisches Arabisch),  Mesopotamisches
sich dieselbe Merkmalsopposition in einer grçßeren Arabisch,  Syrisch-Libanesisches Arabisch,  gyp-
Gruppe lexikal. Einheiten findet, spricht man von tisch-Arabisch,  Maghrebinisches Arabisch, die
systemat. ., z. B. bei der Vorgang-/Resultat-Bise- Dialekte in Mauretanien, Mali, Senegal, Tschad und
mie bei vielen  verba actionis (Arbeit, Bildung, Nigeria (insgesamt ca. 2 Mio. Sprecher), und  Su-
Wurf) oder bei der Ort-/Richtung-Dichotomie von danesisches Arabisch. Das Arab. auf Malta entwi-
Prpositionen mit Dat. und Akk. RB ckelte sich zum heutigen  Maltesisch. Das zyprio-
Arabisch  Semitische Sprache mit ca. 270 Mio. tische Arab. ist nahezu ausgelçscht. Im MA wurde
Sprechern in den arab. Staaten sowie von Minder- auch auf Sizilien und der Pyrenenhalbinsel Arab.
heiten in den Nachfolgestaaten der UdSSR, Afgha- gesprochen. Whrend aus Sizilien nur sprliche
nistan, dem Iran und der Sdosttrkei. In den arab. Zeugnisse berliefert sind, sind die Stadtdialekte
Staaten ist die Sprachsituation durch  Diglossie der Pyrenenhalbinsel durch Werke des 13. und
gekennzeichnet, d. h. der gemeinsamen arab. 16. Jh. gut belegt. Am meisten Prestige hat der
Hochspr. steht eine Vielzahl arab. Dialekte gegen- arab. Dialekt von Kairo, der v. a. durch gypt.
ber, die als S1 erworben und im Alltag verwendet Filme sehr verbreitet ist. Neben der geograph.
werden, whrend die Hochspr. erst in der Schule Gliederung der Dialekte ist zwischen Ansssigen-
gelernt und auf das çffentl. und religiçse Leben und Beduinendialekttypen zu unterscheiden. Von
beschrnkt ist: Karte  Afrikanische Sprachen, im Beduinen wird /q/ als [g], von Sesshaften v. a. in
Anhang. – Ende des 19. Jh. wurden auf der arab. Großstdten als [?] oder [q] gesprochen. In Bedui-
Halbinsel in sdarab. Schrift geschriebene  Graffiti nendialekten sind alte morpholog. Formen hufi-
aus dem 6. Jh. v. bis 4. Jh. n. Chr. entdeckt, die eine ger erhalten. Lit. E. Badawi, M. Carter & A.
Vorstufe zum Altarab. darstellen. Im 5. Jh. n. Chr. Gully, Modern Written Arabic: A Comprehensive
erscheint eine voll ausgebildete Literaturspr. der Grammar. Ldn. 2004. – W. Diem, Hochspr. und
Dichter, Redner und Wahrsager, die als Hochspr. Dialekt im A. Wiesbaden 22006. – W. Fischer,
neben den Dialekten der verschiedenen Stmme Grammatik des Klass. Arab. Wiesbaden 42006. –
existierte und in der auch der Koran geschrieben W. Fischer (Hg.), Grundriß der arab. Philologie.
ist. Mit den arab. Eroberungen des 7. bis 8. Jh. n. Band I: Sprachwissenschaft. Wiesbaden 1982. – P.
Chr. dehnte sich das Verbreitungsgebiet des A. Behnstedt & M. Woidich, Arab. Dialektgeogra-
enorm aus. Abdalmalik (685 –705) fhrte A. als phie. Ldn. 2005. – J. Owens, A Linguistic History
Spr. der Verwaltung anstelle des  Griechischen of Arabic. Oxford 2006. WI
und  Persischen ein. A. wurde die Spr. der muslim. Arabische Schrift Die arab. Schrift ist eine  links-
Bildung und Kultur im gesamten Vorderen Orient lufige  Alphabetschrift, die sich zwischen dem 4.
bis Persien. Sibawayh (gest. 793) begrndete eine und 6. Jh. n. Chr. aus der nabatischen Kursive des
arab. Grammatiktradition, die auf der Sammlung  Aramischen entwickelte. Die erste arab. Inschrift
der altarab. Dichterspr. beruht und die Ausbildung von Zebed (sdçstl. von Aleppo) ist auf 512 n. Chr.
der klass. arab. Standardspr. abschließt; in der Fol- datiert. Da  Arabisch mehr konsonant. Phoneme
gezeit blieben ihre Normen in allen wesentl. Punk- als das Aramische besitzt und Phoneme z. T. zu-
ten unverndert. Von dieser Norm zeigten sich sammengefallen sind, waren diese in den ltesten
schon im 9. Jh. n. Chr. v. a. bei Christen und Juden, Denkmlern der arab. Schrift nicht unterschieden.
die sich dem Ideal des Hocharab. weniger verpflich- Unter Abdalmalik (685–705) wurde das heute noch
tet fhlten, Abweichungen. Dieses A. mit dialek- gltige System der diakrit. Punkte festgelegt, um
talen  Interferenzen wird Mittelarab. genannt, was diese Kons. in der arab. Schrift zu unterscheiden
sich nicht auf eine best. Zeitstufe, sondern auf die (vgl. K b L, K t L, K t L, im Wortinneren auch K a L, K y L). In der
Vermengung hocharab. und dialektaler Elemente Folgezeit blieben ¯ die Buchstabenformen im We-
bezieht. Die korrekte Anwendung des Hocharab. sentl. unverndert. Einige Zeichen besitzen an
hngt von Bildung und Stilebene ab; private Doku- Wortanfang, -mitte oder -ende unterschiedl. For-
mente zeigen strkeren Einfluss der gesprochenen men. Die Zeichen K ’ L, K y L, K w L korrespondieren mit
Dialekte als muslim. religiçse Schriften. Alle Dia- den entsprechenden konsonant. Phonemen, aber
lekte weisen starke Differenzen zum Hocharab. auch mit den Langvokalen ā, ı̄, ū. Die Kurzvokale
auf. Gemeinsam ist ihnen die Aufgabe des alten a (Fatha), i (Kasra), u (Damma), die Vokallosigkeit
Kasus- und Modussystems (Wegfall der kurzvo- (Sukūn)˙ und Verdopplung ˙ eines Kons. (adda) wer-
kal. Endungen).  Synthetische Strukturen werden den i. d. R. nicht geschrieben (ledigl. bei Bedarf und
Arabische Schrift 53

Transliteration Final Medial Initial Alone Buchstabenname

Zahlen

Das arabische Alphabet


54 Arabische Schrift

in wichtigen religiçsen Texten durch Hilfszeichen dem  Nabatischen und  Palmyrenischen. Das
ber und unter der Schriftlinie;  Vokalisierung). Klass. A. (ca. 200 –1200 n. Chr.) wird in drei Grup-
Nur der Koran ist durchgngig vokalisiert. Die pen eingeteilt: (1)  Syrisch und eine jd. Sprach-
arab. Schrift ist hauptschl.  phonographisch orien- form, in der v. a. liturg. Texte erhalten sind, (2)
tiert und keine  Konsonantenschrift, auch wenn der  Mandisch und die im Babylon. Talmud bezeugte
Vokalismus nur teilweise reprsentiert wird. Die und von Juden in Babylon gesprochene Spr. und (3)
 Interpunktion diente ursprngl. nur der Versein- die palstinens. Gruppe mit Samaritan., das von
teilung der Koransuren, erst im 20. Jh. wird im einer jd.-synkretist. Religionsgemeinschaft in lit.
Buchdruck syntakt. interpungiert. Mit der Ausbrei- Werken vom 4. Jh. n. Chr. an bis heute in der
tung des Islam wurde die arab. Schrift auch zur Liturgie verwendet wird, dem galilischen A. im
Schreibung anderer Spr. wie Persisch, Urdu, der Jerusalemer Talmud vom 3.-11. Jh. n. Chr. und
Berbersprachen, Malaiisch, Hausa, Swahili und dem aram. Dialekt der Christen Palstinas, der
Trkisch (bis zu den trk. Schriftreformen der vom 5.-8. Jh. n. Chr. belegt ist und im 11.-12. Jh.
1920er Jahre) u. a. bernommen. Sie hat aufgrund n. Chr. in gypten als Kirchenspr. eine zweite
des Bildverbots in der islam. Kunst große Bedeu- Blte erlebte. Sprecher des Neuaram. gibt es heu-
tung ( Kalligraphie). Der kuf. Duktus geht auf die te noch in der Nhe von Damaskus und in Sprach-
stark geometr. gestalteten Monumentalformen der inseln im kurd. Sprachgebiet. Lit. K. Beyer, Die
lteren Schrift zurck, die v. a. fr Korancodices aram. Texte vom Toten Meer. 2 Bde. Gçttingen
verwendet wurden. Wçrter werden dabei ohne 1984, 2004. – S. Segert, Altaram. Grammatik.
Rcksicht auf grammat. Formen getrennt, um den Leipzig 1975. – R. Macuch, Handbook of Classi-
Buchstabenabstand gleichmßig zu halten. Der cal and Modern Mandaic. Bln. 1965. – R. Ma-
Nashi-Duktus (runde Schriftzeichengestaltung) cha- cuch, Grammatik des Samaritan. Aram. Bln. 1982.
¯
rakterisiert die normale Buchschrift. Zur Vereinfa- – O. Jastrow, Laut- und Formenlehre des neuaram.
chung des Schriftverkehrs im osman. Reich wurde Dialekts von Mı̄din im Tur A ¤ bdı̄n. Wiesbaden
als Kursive der Ruq’a-Duktus entwickelt. Lit. M.- 4 ˙
1993. – W. Arnold, Das Neuwestaram. I–V. Wies-
R. Majidi, Das arab.-pers. Alphabet in den Spr. der baden 1989 ff. WI
Welt. Hamburg 1984. – M.-R. Majidi, Geschichte Aranda  Australische Sprachen
und Entwicklung der arab.-pers. Schrift. Hamburg Araona  Pano-Tacana-Sprachen
1986. WI Araukanisch (auch: Mapuche; Eigenbez. Mapu-
Arabist 1. Person, die das Studium der arab. Spr. dungun) Isolierte Spr., Sprachgebiet: Sdchile (zwi-
und Lit. betreibt;  Arabisch. 2. In Russland und in schen dem Biobı́o-Fluss und der Reloncav-Bucht),
der UdSSR Bez. fr Personen, die gegen die Er- Sd- und Mittelargentinien (Chubut, Neuqun, Rı́o
setzung der arab. Graphien trk., kaukas. und iran. Negro). Schtzungen der Zahl der Araukaner vari-
Spr. durch das Lateinalphabet eintraten;  Latinist, ieren von 600 000 bis zu einer Million, davon etwa
 Latinisierung. G 350 000 mit A. als S1. Ursprngl. wurde das A.
Aragonesisch  Spanisch auch in Mittelchile (z. B. um Santiago) und auf der
Arai  Papua-Sprachen Insel Chilo gesprochen. Nur ein Teil der Arauka-
Aramisch  Nordwestsemitische Spr. mit fast ner kennt die Spr. noch, sie sind meist zweisprachig
3000-jhriger Geschichte. Von den Phçniziern ber- (Span.). Das A. ist dialektal homogen. Nur die Maa.
nahmen die Aramer die Alphabetschrift und ent- der sdl. Huilliche unterscheiden sich wesentl. von
wickelten bald darauf fr Vokale im Auslaut dem brigen A. Die Wortbildung erfolgt durch
 matres lectionis. Vom 8. Jh. v. Chr. an verdrngte Serien von Suffixen. Die verbale Morphologie ist
A.  Akkadisch und  Kanaanisch, bis es im ge- außerordentl. reich und fast durchgngig regelm-
samten semit. Kulturland verbreitet war. Im 7. Jh. n. ßig;  Inkorporation der Objekte, Verbalkomposi-
Chr. wurde es vom  Arabischen abgelçst, hat sich tion. Wortstellung SVO. Karte  Sdamerikanische
jedoch bis heute in entlegenen Berggegenden ge- Sprachen, im Anhang. Lit. F. J. de Augusta, Diccio-
halten. A. lsst sich in vier zeitl. Abschnitte ein- nario araucano, Vol. 1, 2. Santiago de Chile 1916. –
teilen: Altes A., Mittelaram., Klass. A. und  Neu- R. A. Croese, Mapuche Dialect Survey. SAIL, 1985,
aramisch. lteste Zeugnisse des A. sind ein Staats- 784–801. – A. Salas, El mapuche o araucano. Mad-
vertrag und nordsyr. Inschriften vom 10. bis 8. Jh. v. rid 1992. – F. ZfflÇiga, Mapudungun. Mchn. 2000. –
Chr. Dareios I. (522 –486) machte A. zur einheitl. I. Smeets, A Grammar of Mapuche. Bln. 2008. AD
Amtsspr. des pers. Reiches. Dieses sog. Reichs- Arawakische Sprachen (auch: Maipuran) Die a. S.
aram. (engl. Imperial Aramaic), in dem auch Pas- sind verteilt ber große Teile Sdamerikas und ur-
sagen der Bibel im Buch Esra verfasst sind, blieb sprngl. auch ber die karib. Inseln. Zur a. Sprach-
Verkehrsspr. im Vorderen Orient von Kleinasien bis familie gehçren Baure und Moxo (Bolivien), Terena
Afghanistan, gypten und Nordarabien, bis es mit und Waur (Brasilien), Lokono (in den Guyanas),
dem Sturz des Pers. Reiches (331 v. Chr.) allmhl. Achagua und Piapoco (Kolumbien), Amuesha,
vom  Griechischen,  Persischen und verschiede-  Campa und Machiguenga (Peru), das  Goajiro
nen mittelaram. Dialekten abgelçst wurde, u. a. u. v. a. Die a. S. der karib. Inseln, unter denen bes.
Argument 55

das Taino von Kuba und Santo Domingo zu erwh- sie, polit. Rede, in der Werbung genutzt und sollen
nen ist, sind – das Garifuna (Black Carib) in Belize, je nach Kontext zeitdistanzierend, iron. oder pathet.
Guatemala und Honduras ausgenommen – alle aus- wirken. Lit. G. Ueding (Hg.), Histor. Wçrterbuch
gestorben. Die a. S. sind bekannt durch ihre mor- der Rhetorik. Bd. 1. Tbingen 1992. VS
pholog. Komplexitt. Genusunterschiede (menschl.- Archigraphem n. (griech. BæåØ- (archi-) ›Erst-,
nicht menschl., mnnl.-nicht mnnl.). Manche dt. Ober-, Ur-‹, ªæwØ (grafein) ›schreiben‹) In der
Wçrter (Mais, Tabak) sind arawak. Herkunft. Karte  Schriftlinguistik mitunter analog zu  Archipho-
 Sdamerikanische Sprachen, im Anhang. Lit. nem verwendeter Begriff zur Bez. der »Neutralisie-
G. Kingsley Noble, Proto-Arawakan and its De- rung« graphemat. Oppositionen: z. B. in lat. basier-
scendants. Haag 1965. – A. Tovar, Las lenguas ten Schriftsystemen die Aufhebung der Opposition
arahuacas. Bogot 1986. – D. L. Payne, A Classifi- zwischen Groß- und Kleinbuchstaben an Satzanfn-
cation of Maipuran (Arawakan) Languages Based gen, im Dt. in der sog. Substantivgroßschreibung
on Shared Lexical Retentions. In: D. Derbyshire & oder bei g vs. g, a vs. A. G
G. K. Pullum, Handbook of Amazonian Languages, Archilexem n. (griech. BæåØ- (archi-) ›Erst-, Ober-,
Vol. 3. Bln., N. Y. 1991, 355–499. – H. Ramı́rez, Ur-‹, º Ø (lexis) ›Wort‹. Auch: Oberbegriff,  Hy-
Lı́nguas Arawak da Amaznia Setentrional. Manaus peronym. Engl. archilexeme, frz. archilexme) Von
2001. – A. Y. Aikhenvald, A Grammar of Tariana. Pottier und Coseriu eingefhrter Begriff zur Bez.
Cambridge 2003. – S. Danielsen, Baure. Leiden desjenigen Lexems, »dessen Inhalt mit dem eines
2007. SSG Ibero-Amerikanisches Institut Berlin ganzen Wortfeldes identisch« (Coseriu 1970, 167)
(204). AD und somit Bestandteil des Inhalts aller zum Wort-
Arawan-Sprachen  Sdamerikanische Indianer- feld gehçrigen Lexeme ist. So bildet z. B. Gewsser
sprachen das A. zu Lexemen wie Meer, See, Teich, Fluss,
Arbeitssprache  Amtssprache Bach und schimpfen das A. zu Lexemen wie keifen,
Arbitraritt (lat. arbitrium ›Willkr‹. Auch: Unmo- meckern, rffeln, schelten. Das A. vertritt in Texten
tiviertheit, Willkrlichkeit) Auf F. de Saussure oft die ihm untergeordneten Lexeme und fungiert in
(1857 –1913) zurckgehende Bez. fr die Beliebig- aller Regel bei der Definition bzw. (lexikograph.)
keit des sprachl.  Zeichens. Einerseits gibt es kei- Bedeutungserklrung als  Genus proximum
nen natrl. Zusammenhang zwischen dem Lautkçr- ( Hyperonym);  Definition,  Hyperonymie,  Hy-
per (image acoustique) des Zeichens und dessen ponymie,  Paradigma. Lit. E. Coseriu, Die lexemat.
Inhalt (concept): Die Beziehung zwischen  Signifi- Strukturen. In: Ders., Sprache – Strukturen und Funk-
kant (Bezeichnendem) und  Signifikat (Bezeichne- tionen. Tbingen 31979. – H. Geckeler, Strukturelle
tem) ist willkrl. Darber und ber de Saussure Semantik und Wortfeldtheorie. Mchn. 1971. RB
hinausgehend ist die Relation zwischen dem tat- Archiphonem n. (griech. BæåØ- (archi-) ›Erst-,
schl. Objekt ( Referent) und dem Signifikanten Ober-, Ur-‹, wø (fōnē) ›Stimme‹. Auch: Hyper-
beliebig. Die oft als Ausnahmen angefhrten  Ono- phonem) In der Terminologie N. Trubeckojs (russ.
matopoetika (lautmalerische Wçrter) sind zwar Linguist, 1890–1938) die Gesamtheit der  distink-
durch ihre nachahmende Bildung motiviert, dass tiven Merkmale, die zwei  Phonemen in einer auf-
sie dennoch arbitrr sind, zeigen ihre unterschiedl. hebbaren  Opposition ( Aufhebungsstellung) ge-
Realisierungsformen in verschiedenen Sprachen meinsam ist. PM
(z. B. dt. Kuckuck, engl. cuckoo, frz. coucou, lat. Arc-Pair-Grammatik  Relationale Grammatik
cuculus, ital. cuculo, bulgar. kukuvica, russ. kukuš- Ardhamāgadhı̄  Mittelindische Sprachen
ka). In einigen Wortbildungsbereichen gilt das Prin- Areallinguistik (Adj. zu lat. ārea ›freier, ebener
zip der A. nicht: Die semant. Relation zwischen den Platz‹, demnach: ›ein Verbreitungsgebiet betref-
Konstituenten der meisten  Komposita ist nicht fend‹) Terminus, der hnlich wie  Sprachgeogra-
willkrlich (z. B. Rotkehlchen, achtundzwanzig); phie,  Dialektgeographie, Geolinguistik und  Dia-
motivierte Wortbildungsmuster kommen bei der Af- lektologie die sprachwiss. Erforschung  diatopi-
figierung vor (z. B. das Negationsprfix un- und das scher Aspekte der Spr. bezeichnet. Lit. J. Goosens,
Adjektivsuffix -lich im Adjektiv unfreundlich). Au- A. LGL 219 809, 445–453. – J. Lanwer, Regionale
ßerdem ist die A. durch  Konventionen innerhalb Alltagssprache, Berlin 2015. HE, K
einer  Sprachgemeinschaft eingeschrnkt. Lit. De Arenga  Diplomatik
Saussure, Cours. – H. Wiese, Sprachl. A. als Schnitt- Argobba  thiosemitische Sprachen
stellenphnomen. Habil-Schrift, Bln. 2003. SN Argot m. (frz. Gaunersprache, Geheimsprache,
Archaismus (griech. Bæåƃ (archaios) ›alt, alter- engl. cant)  Jargon,  Soziolekt oder Gruppenspr.
tmlich‹). Wçrter, Wortformen, syntakt. Erschei- zur Verschlsselung der Kommunikation nach au-
nungen und Schreibungen, die fr einen best. Zeit- ßen und Identifikation nach innen;  Rotwelsch,
raum als veraltend gelten und schließl. als veraltet  Slang,  Sondersprache. WW
betrachtet werden. In der antiken  Rhetorik stilist. Argument (lat. argūmentum ›Darstellung, Beweis‹)
Mittel des Redeschmucks (ornatus). – Als rhetor. 1. Bez. fr eine Aussage, die im Hinblick auf eine
 Stilmittel werden A. absichtsvoll in Lit. und Poe- Behauptung begrndende Funktion beansprucht
56 Argument

bzw. deren Begrndungswert hinsichtl. der Behaup- den Apfel zuerst ein A. von sah, hingegen zuerst
tung anerkannt wird. Ein A. setzt sich zusammen nicht; ebenso ist es in Es regnet kein A., da regnen
aus der problemat. ußerung, fr die ein bestimm- im Rahmen der Theorie lexikal. nicht fr ein A.
ter Geltungsanspruch erhoben wird, und aus dem spezifiziert ist. In der Lit. wird hufig zwischen
grundlegenden Prinzip oder der Regel, mit dem externen und internen A. unterschieden. Externe
bzw. der dieser Anspruch etabliert werden soll. In A. (z. B. Subjekte) werden außerhalb und interne
einer Argumentation stellt ein A. oder eine Reihe (z. B. direkte Obj.) innerhalb der maximalen Phrase
von A. Schritte zur Begrndung einer Aussage dar. des Prdikats (z. B. VP) generiert. Lit. P. Ackema,
Von einer Argumentationskette wird gesprochen, Arguments and Adjuncts. HSK 42.1, 246– 274. –
wenn jedem A. ein anderes vorausgeht und jedes Weitere Lit.  GB,  Move Æ,  Theta-Rolle,  The-
A. vom Ergebnis des vorhergehenden Gebrauch taraster. F, MYP – 3. In der formalen Logik Bez. fr
macht. Eine schlssige Argumentation, in der in die Leerstellen einer  Funktion (1) bzw. eines
einer Reihe von Argumentationsschritten jedem  Prdikats (3), wobei unter Prdikat nicht nur Ver-
einzelnen zugestimmt wurde, gilt als Begrndung ben, sondern u. a. auch Adj., Nomina und Prp.
bzw. als Beweis einer Aussage. Schlssigkeit liegt verstanden werden. Prdikate klassifiziert man oft
vor, wenn niemand, der den Ausgangsstzen einer nach der Anzahl ihrer A. ( Valenz): nullstellige
Argumentation zugestimmt hat, einem A. wider- (SCHNEIEN in Es schneit), einstellige (GELB(x)
sprechen kann, ohne nicht einem von ihm bereits in gelbe Ananas), zweistellige (AUF(x,y) in Die
akzeptierten frheren A. zu widersprechen. – In der Zeitung ist auf dem Tisch.) oder dreistellige
lat.  Rhetorik und  Logik werden verschiedene (SCHENKEN(x,y,z) in Helge schenkt Frieda Blu-
Arten des Begrndens unterschieden: (a) der Be- men.) Prdikate. MYP – 4.  Ergnzung.
weis ā forteriōrı̄: die zu beweisende Behauptung Argumentation Typus sprachl. Handelns, dessen
folgt aus einer schon bewiesenen, (b) der Beweis ē genauer theoret. Status noch immer umstritten ist.
concessū: die zu beweisende Aussage folgt aus ei- Versuchen, A. als  Sprechakt zu bestimmen, stehen
ner bereits als wahr anerkannten, (c) der Beweis ē solche gegenber, die A. eher als Sprechhandlungs-
contrāriō: das  kontradiktorische Urteil ist unwahr. folge analysieren. Toulmins (1958) Schematismus
Hinsichtl. der Berufungsinstanzen sind von Bedeu- bezieht sich dagegen strker auf die in A. aktuali-
tung (a) das A. ad rem, in dem die angefhrten sierten Wissensstrukturen. Charakterist. fr Argu-
Aussagen sachl. geprft werden, (b) das A. ad ho- mentationen ist, dass in ihnen zwischen zwei Inter-
minem, in dem auf solche vom Dialogpartner als aktanten strittige, konkurrentielle Wissenselemente
wahr angenommenen Aussagen Bezug genommen durch verbale Interaktion in ihrem Status geklrt
wird, (c) das A. ad vēritātem, das nur berprfbare werden sollen. A. kommt also fr das wechselseiti-
Aussagen heranzieht, (d) das A. ad iūdicium, in das ge berzeugen der Interaktanten eine große Bedeu-
die vom sog. gesunden Menschenverstand als gltig tung zu. Da die  Rhetorik in ihrem ursprngl. Sinn
anerkannten Meinungen Eingang finden, (e) das A. als Kunstlehre zum Auffinden des »strkeren Wor-
ad verēcundiam, das in der Autoritt der Tradition tes« am Gelingen des berzeugens primr interes-
die begrndende Instanz sucht, (f) das A. ē conces- siert war, gehçrt die A. zu deren primren Interes-
sū gentium, in dem eine kultur- und zeitunabhngi- sengebieten, ein Zusammenhang, den die »neue
ge Wahrheitsgeltung einer Aussage unterstellt wird. Rhetorik« (Perelman) erneut herausarbeitet. Die
– Als A. in einer log. Funktion werden diejenigen enge Bindung von A. an den Gedanken der Ratio-
Objekte bezeichnet, deren Namen fr die Variable nalitt verleiht ihr zugleich eine zentrale Stellung
eines die Funktion darstellenden Terms eingesetzt fr rationalitts- und diskursbezogene gesellschafts-
werden kann. Lit. St. Toulmin, Der Gebrauch von theoret. (Habermas) und eth. Konzepte (van Eme-
Argumenten. Kronberg 1975. – P. Lorenzen & O. ren, Grotendorst). Insbesondere fr prakt. Anwen-
Schwemmer, Konstruktive Logik, Ethik und Wiss.- dungen wren entscheidungsfhige Applikations-
theorie. Mannheim u. a. 21975. – G. Frege, Begriffs- systeme von Bedeutung. Die analyt.-empir. Identifi-
schrift. Hg. I. Angelelli. Darmstadt 1964. – M. kation und Analyse von A. steht noch am Anfang
Kienpointner, Alltagslogik, Struktur und Funktion (vgl. Pander Maat 1985, Trautmann 2004). Lit. F.
von Argumentationsmustern. Stgt., Bad Cannstatt van Emeren et al. (eds.) Handbook of Argumenta-
1992. – G.-L. Lueken, Inkommensurabilitt als tion Theory. Dordrecht 1987. – W. Klein (Hg.), A.
Problem rationalen Argumentierens. Stgt., Bad (LiLi 38/39). Gçttingen 1980. – J. Kopperschmidt,
Cannstatt 1992. PR – 2. In  GB eine Grçße, der A., Methodik der Argumentationsanalyse. Stgt.
(a) auf syntakt. Seite die maximale  Projektion 1989. – H. Pander Maat, A.: Zur Charakterisierung
einer syntakt. Kategorie, (b) in der  logischen und Abgrenzung eines Forschungsgegenstandes.
Form eine und nur eine  Theta-Rolle entspricht. SL 16, 1985, 1–20. – Th. Pavlidou, Wahrheit –
Eine Position, der in einer syntakt. Struktur eine Handlung – A. Hamburg 1978. – Ch. Perelman,
 Theta-Rolle zugewiesen werden kann, heißt  A.- Logik und A. Kronberg 1979. – S. Toulmin, The
Position; eine Position, auf die dies nicht zutrifft, Uses of Argument. Cambridge 1958. – C. Traut-
Non-A.-Position. So ist z. B. den Apfel in Eva sah mann, Argumentieren. Ffm. 2004. E
Artikel 57

Argumentbereich  Funktion lichkeiten mit den benachbarten  sdkaukasischen


Argumentenpotential  Valenz Sprachen, die sich im Sinne eines  Sprachbunds
Argumentposition, -stelle  Argument 2. deuten lassen; Karte  Kaukasische Sprachen, im
Argumentstruktur hnlich dem  Theta-Raster An- Anhang. Lit. G. R. Solta, A. HdO 1./7., 1963, 80–
gabe ber die Argumentstellen eines Lexems. Die 128. – H. Hbschmann, A. Grammatik I. Lpz. 1897.
A. legt die syntakt. Kombinationsmçglichkeiten fest – F. N. Finck, Lehrbuch der neuostarmen. Literatur-
und versucht, diese aus der Semantik herzuleiten. sprache. Vagarshapat, Marburg 1902. – J. Karst,
Dabei werden Generalisierungen formuliert (Grim- Histor. Grammatik des Kilikisch-Armen. Straßburg
shaw 1990), nach denen die A. keine rein idiosyn- 1901. – D. Froundjian, A.-Dt. Wb. Mchn. 1952. – L.
krat. Eigenschaft von Lexemen darstellt, sondern Movessian, A. Grammatik. Wien 1959. – J. Dum-
einer universellen Hierarchie der  Theta-Rollen Tragut (Hg.), Die armen. Spr. in der europ. Dia-
( Agens,  Experiencer,  Patiens) folgt. Nach die- spora. Graz 1997. GP
ser Hierarchie erfolgt die Besetzung freier Argu- Aromunisch  Rumnisch
mentstellen derart, dass die am hçchsten eingestufte Arrondi  Gerundet
Theta-Rolle als das syntakt. prominenteste Satz- Artbestimmer  Zhlwort
glied realisiert wird, d. h. wenn in der A. eines Artenplural  Sortenplural
Lexems die Rolle Agens vorhanden ist, muss diese Artergnzung  Modalbestimmung
als Subjekt realisiert werden. So vermittelt die A. Artikel (lat. articulus ›Gelenk‹. Engl., frz. article) 1.
zwischen syntak. und semant. Struktur eines Le- (Auch: Begleiter, in Schulgrammatiken auch: Ge-
xems. Lit.  Theta-Rolle. FR schlechtswort) Wortart, deren Grundbestand der be-
Argumentvererbung Bez. eines syntakt. Reflexes stimmte A. (dt. der, die, das, engl. the) und der
in der deverbalen Wortbildung, der in der bernah- unbestimmte A. (dt. ein/e/r, engl. a) ausmachen.
me der Argumentstrukturen der jeweiligen Basis- Der A. fungiert als  Kokonstituente von N. Er
verben besteht. So sind  Deverbativa (etwa Nomi- wird in neueren Fassungen der GG als Vertreter
na agentis: Fahrer, Schlfer etc.) zwar bildbar, so- der funktionalen Kategorie  DET aufgefasst, die
lange die Basisverben neben AGENS keine zustz- den  Kopf einer  Determinansphrase (DP) bildet.
liche themat. Rolle zuweisen. Sieht die verbale Ar- Der A. drckt im Dt. innerhalb der NP (DP) die
gumentstruktur aber weitere Rollen vor, mssen grammat. Kategorisierungen Numerus, Kasus und
diese auch in Deverbativa realisiert sein; Bildungen Definitheit aus und bernimmt die Genusspezifika-
wie *Hemmer, *Zieher, *Schtzer usw. sind nicht tion des Substantivs. Der A. stimmt im Dt. hin-
wohlgeformt, weil ihnen ein THEMA-Argument sichtl. Numerus und Kasus mit seinem Bezugs-N
fehlt. Appetithemmer, Korkenzieher, Umweltscht- berein und legt durch die Korrelation der  Defi-
zer sind wohlgeformt, weil die obligatorischen Ar- nitheit den Deklinationstyp der attributiven Adjek-
gumente der Basisverben in den Wortbildungspro- tive fest. Im Engl. drckt der A. ledigl. die Definit-
dukten realisiert sind. A. ist damit der zentrale heitskorrelation aus. Weitere Funktionen des A. sind
Wortbildungsprozess aller  Rektionskomposita. der Ausdruck von Generalisierung (sog. Nullartikel)
Lit. S. Olsen, Wortbildung im Dt. Eine Einf. in vs. Individualisierung, z. B. Schule/die Schule/eine
die Theorie der Wortstruktur. Stgt. 1986, 78 ff. ES Schule soll fordern und fçrdern, und von Bekannt-
Arikara-Pawnee  Caddo-Sprachen heit vs. Nichtbekanntheit ( Deixis,  Anaphorisch).
Arische Sprachen  Indoarische Sprachen In artikellosen Spr.n kann die Kasus- und Numerus-
Arkadisch  Altgriechisch spezifikation am Substaniv vorgenommen werden,
Armenisch Seit dem 5. Jh. in eigener Schrift ber- z. B. im Lat. oder den meisten slav. Spr.n, z. B. lat.
lieferte  indogermanische Sprache. Das Verbrei- urbs, russ. gorod ›Stadt, die Stadt, eine Stadt‹. Im
tungsgebiet erstreckte sich ursprngl. vom ostana- Dt. und vielen anderen Sprachen ist der A. prpo-
tol. Raum um den Van-See bis zum Kleinen Kau- niert, d. h. er steht am linken Rand der NP;  nomi-
kasus, ist seit dem Genozid am armen. Volk im nale Klammer. In anderen Spr.n wird der A. nicht
1. Weltkrieg aber weitgehend auf das Gebiet der als Wort, sondern als Suffix realisiert (sog. post-
heutigen Armen. Republik zurckgedrngt (ostar- ponierter A.; z. B. bulgar. kniga-ta ›das Buch‹, ru-
men. Dialekt). Sprecher des ehemals in Anatolien mn. student-ul ›der Student‹), in wiederum ande-
beheimateten westarmen. Dialekts leben heute ber ren Spr.n wird der unbestimmte A. als Wort, der
verschiedene Lnder des Vorderen Orients, Europas bestimmte A. als Suffix realisiert (z. B. schwed. ett
und Amerikas verstreut. In der berlieferung wer- pple ›ein Apfel‹ vs. pplet ›der Apfel‹, en bok ›ein
den eine klass. (5. Jh.: »Grabar«), eine altarmen. Buch‹ vs. boken ›das Buch‹). In manchen Spr.n gibt
(5.–10. Jh.), eine mittelarmen. (11.–17. Jh.) und es funktionale quivalenzen zwischen A.systemen
eine neuarmen. Epoche geschieden. Das klass. A. und Systemen der Markierung von  Nominalklas-
ist als Schriftspr. v. a. im kirchl. Bereich bis in die sen ( Klassifikator,  Zhlwort). 2. (Auch: Artikel-
Neuzeit in Gebrauch geblieben. Unter den idg. Spr. wort) Die grammat. Funktionen des A. kçnnen im
reprsentiert das A. einen eigenen Zweig. In lautl. Dt. von best. Pronomina erfllt werden, z. B. diese
und morpholog. Hinsicht zeigt das A. starke hn- Schule/keine Schule/jede Schule/manche Schule soll
58 Artikel

fordern und fçrdern, was einigen Grammatikern hauchter Lautsegmente. – Unter Artikulation i. e. S.
(z. B. Helbig & Buscha) Anlass gab zur Etablierung sind die luftstrom-/schallmodifizierenden Bewegun-
einer Wortklasse »Artikelwort«. A. in diesem Sinn gen ( Artikulationsmodus) der frei bewegl. Teile
htten dann auch artikellose Spr.n;  Artikellosig- ( artikulierendes Organ) zu den (eher) unbewegl.
keit. Lit. H. Vater (Hg.), Zur Syntax der Determi- Teilen ( Artikulationsstelle) des Artikulationsappa-
nantien. Tbingen 1986. – H. Bisle-Mller, rates des Ansatzrohres zu verstehen. – Artikulator.
A.wçrter im Dt. Semant. und pragmat. Aspekte gesehen vollzieht sich die Produktion lautsprachl.
ihrer Verwendung. Tbingen 1991. – M. Vuillaume, ußerungen in Form von kontinuierl. Dauerbewe-
J. Marillier & I. Behr (Hgg.), Studien zur Syntax gungen (Sprechbewegungen), wobei die Produktion
und Semantik der Nominalgruppe. Tbingen 1993. der einzelnen Sprachlaute durch best. Zielkonfigu-
– E. Lçbel & T. Tappe (Hgg.), Die Struktur der rationen (engl. targets) der Artikulatoren gekenn-
Nominalphrase. Wuppertal 1996. – N. Himmel- zeichnet sind: Fr die Vokale ist dies die jeweilige
mann, Deiktikon, A., Nominalphrase. Zur Emer- durch die Lage der Zunge (Systematik  artikulato-
genz syntakt. Struktur. Tbingen 1997. – E. Leiß, rische Phonetik) gegebene spezif. geometr. Form
A. und Aspekt. Bln. u. a. 2000. G des offenen Ansatzrohres, fr die Konsonanten das
Artikellosigkeit In manchen Spr. (z. B. vielen slav. jeweilige durch das artikulierende Organ an einer
Spr.) gibt es die Wortart  Artikel (1) nicht. Sie best. Artikulationsstelle gebildete spezif.  Hinder-
gelten daher als artikellos. Problemat. ist die Rede- nis (Enge/Verschluss);  Artikulationsmodus, Syste-
weise von A. in Fllen, in denen das Fehlen eines matik  artikulatorische Phonetik. – 2. Die Zahn-
Artikels Generalisierung ausdrckt (sog. Nullarti- bçgen gegeneinander fhrende  Kiefer-Bewegung.
kel), z. B. Schule muss fordern und fçrdern, und Lit. W. J. Hardcastle, Physiology of Speech Produc-
beim »Plural des unbestimmten Artikels«, z. B. tion. Ldn. u. a. 1976. – P. E. MacNeilage (ed.), The
Schulen mssen fordern und fçrdern. In best. Wen- Production of Speech. N. Y. 1983. – F. Minifie, T. J.
dungen ( Phraseologismus) des Dt. ist A. regelhaft, Hixon & F. Williams (eds.), Normal Aspects of
z. B. er hat *den/*einen Hunger, aber: er hat kei- Speech, Hearing, and Language. Englewood Cliffs,
nen/großen Hunger. G N. J. 1972. – W. H. Perkins & R. D. Kent (eds.),
Artikelwort  Artikel 2. Textbook of Functional Anatomy of Speech, Lan-
Artikulation (lat. articulāre ›deutlich aussprechen‹. guage and Hearing. Ldn. 1986. – H. H. Wngler,
Auch: Artikulierung) 1. I. w. S. alle intentional ge- Physiolog. Phonetik. Marburg 1972. PM
steuerten und untereinander koordinierten, urschl. Artikulationsart  Artikulationsmodus
mit der Produktion lautsprachl. ußerungen zusam- Artikulationsausgleich  Assimilation
menhngenden Bewegungsvorgnge im Bereich der Artikulationsbasis (engl. articulatory base/setting,
Funktionskreise  Atmung (Brustraum),  Phonation frz. base articulatoire) 1. Sprecher- bzw. Sprachge-
( Kehlkopf) und A. im engeren Sinne, d. h. Sprech- meinschaftstyp. Grundeinstellung des Artikulations-
bewegungen ( artikulatorische Phonetik) im  An- apparates bzw. Durchschnittsmenge der einer
satzrohr bzw. auf die Produktion ling. relevanter Sprachgemeinschaft mçgl. Artikulationsstellungen
Einheiten bezogene Bewegungen. – Bei der Pro- bzw. -bewegungen. 2. Im Sinne von engl. setting
duktion lautsprachl. ußerungen dient die (Sprech-) ideolektale ( Ideolekt) artikulator. Grundeinstel-
Atmung (im Normalfall expirator.) als Initiator lung, die sich z. B. in durchgehender Lippenrun-
dem Aufbau eines fr die Rohschallerzeugung dung bzw. -entrundung, Nasalitt (engl. twang)
( Phonation; bei sth. Lauten) im  Kehlkopf (Ge- bzw. Nichtnasalierung (adenoidal), gespannter Arti-
nerator) nçtigen subglottalen Drucks. Dieser Roh- kulation etc. ußert. PM
schall wird vor der Abstrahlung an den Lippen Artikulationskanal  Ansatzrohr
durch die geometr. Verhltnisse im Ansatzrohr Artikulationsluft Luftstrom der  Exspiration (lat.
akust. modifiziert/gefiltert (Modifikator), und es ›Ausatmung‹), dient durch berwindung von Hin-
treten dort (bei  Frikativen,  Plosiven,  Schnalz- dernissen, die im Luftweg von  Artikulationsstelle
lauten) auch weitere (sekundre) Schallquellen auf. und  artikulierendem Organ gebildet werden, der
Neben einer generellen, fr die Lautproduktion Lautbildung;  Artikulation. GL
notwendigen Koordinierung der Aktivitten zwi- Artikulationsmodus (auch: Artikulationsart. Engl.
schen diesen Funktionskreisen sind als enger arti- manner of articulation, frz. mode d’articulation)
kulator. (d. h. intentional segmentbezogen) zu se- Art und Weise der durch die Stellung der Artiku-
hen: im Bereich der Atmung z. B. die pulmonal latoren bedingten Luftstrom- bzw. Schallmodifika-
gesteuerte Produktion von Drucksilben, im Bereich tion im  Ansatzrohr ( Tabelle 2 im Artikel
der Kehlkopfaktivitten z. B. dessen vertikale Lage- ›API‹). Grundstzl.: Vokalischer (offene Passage
vernderungen bei der Vokalproduktion (Absen- im Ansatzrohr) vs. konsonant. A. (Verschluss-
kung bei gerundeten Vokalen) und die zeitl. diffe- bzw. Engebildung). Unter Letzterem wird diffe-
renziert mit den supraglottalen A.-Bewegungen renziert nach  plosiv (Verschluss),  frikativ (ge-
koordinierten glottalen ffnungs-/Schließbewegun- ruscherzeugende Engebildung),  nasal (oraler
gen zur Produktion stimmloser, aspirierter und be- Verschluss bei gesenktem Velum),  lateral (seitl.
Artikulationsposition 59

ffnung) und gerollt ( Vibrant, intermittierender


Verschluss). PM
Artikulationsorgane (auch: Sprechwerkzeuge.
Engl. organs of articulation, articulators, frz. orga-
nes de la parole) Gesamtheit aller bei der  Artiku-
lation beteiligten anatom. Strukturen. Whrend die
 Atmung mit dem exspirator. Luftstrom die Basis
fr die Erzeugung akust. Signale durch Schwingung
liefert und der  Kehlkopf als »Stimmorgan« den
Rohschall produziert, vollzieht sich die Artikulation
i. e. S. oberhalb der Stimmlippen ( Stimmbnder).
Dieser in Analogie zu den Blasinstrumenten als
 Ansatzrohr bezeichnete Bereich umfasst die obe-
ren Atemwege von den Stimmlippen ber den  Ra-
chenraum, die  Mund- und  Nasenhçhle bis zu
den  Lippen. Hier wird der Kehlkopfschall durch
Resonanz einerseits und Bildung von Hindernissen
im Luftweg andererseits modifiziert. Bei den
 stimmlosen Konsonanten sind diese Unterbre-
chungen im expirator. Atemstrom die alleinige
Schallquelle. Die Aufgabe der A. ist es, durch
Formvernderung des Ansatzrohres den Rohschall
zu modifizieren. Aus der Vielzahl mçglicher Laute
und deren Abstufungen ist ersichtlich, dass anatom.
geringfgige Verformungen des Ansatzrohres zu
ausgeprgten nderungen des akust. Produktes fh-
ren kçnnen. Die Muskulatur der A. ist daher fein
regulierbar, die Schleimhaut ist reich an sensiblen Artikulierende Organe und Artikulationsstellen
nervalen Strukturen. Das Sprechenlernen ist auch
ein Einben der Handhabung des eigenen Ansatz- salen) unterbunden, womit der expirator. Luftstrom
rohres. Dies wird deutlich, wenn bisher unbekannte der Artikulation in der Mundhçhle zur Verfgung
Laute von Fremdsprachen ausgesprochen werden steht. Die  Zunge fllt die Mundhçhle nahezu aus
sollen (ein hufig schwieriges Unterfangen). – und nimmt eine zentrale Rolle bei der A. ein. Sie ist
Oberhalb der Stimmlippen wçlben sich die Ta- bei gleichbleibendem Volumen zu extremen Form-
schenbnder oder »falschen Stimmlippen« in das vernderungen fhig. Die Mundhçhle i. e. S. wird
Kehlkopflumen ( Kehlkopf). Zwischen diesen und nach oben vom weichen und harten Gaumen, seit-
den Stimmbndern befindet sich eine Schleimhaut- lich und vorne durch den Zahndamm mit den Zahn-
einbuchtung, die  Morgagnischen Taschen. Sie ge- taschen ( Alveolen) und die Zahnreihen begrenzt.
whrleisten eine freie Beweglichkeit der Stimm- Diese Strukturen dienen der Zunge bei der Laut-
lippen und haben Einfluss auf die individuelle bildung als Widerlager;  Artikulationsstelle. Je
Klangfarbe der Stimme. Hinter und oberhalb des nach Stellung der Zunge als  artikulierendem Or-
Kehlkopfeinganges schließt sich der untere Rachen- gan an unterschiedl.  Artikulationsstellen wie
raum (auch: Hypopharynx, Kehlraum) an ( Pha-  Zhnen,  Alveolen oder hartem  Gaumen entste-
rynx). Dieser sehr flexible Muskel- und Schleim- hen unterschiedliche Laute. Die  Lippen haben ein
hautschlauch bestimmt wesentlich die  Klangfarbe krftiges muskulres Gerst und eine hochsensible
und das »Volumen« der Stimme. Weiter cranial (lat. Schleimhaut (Lippenrot). Sie vermçgen die Mund-
›kopfwrts‹) folgen der mittlere und obere Rachen hçhle luftdicht zu verschließen und sind als Artiku-
(griech. Meso-, Epipharynx, lat.-griech. Oro-, Na- lationsstelle und artikulierendes Organ bedeutsam.
sopharynx). Sie stehen nach vorne ber die Rachen- Der Unterkiefer (Kiefer) nimmt nicht direkt an der
enge ( Mund) bzw. die Choanen (griech. ›hintere Artikulation teil, beeinflusst jedoch je nach ff-
Nasenlçcher‹,  Nase) mit der Mund- und Nasen- nungswinkel die Grçße der Mundhçhle sowie die
hçhle in Verbindung. Die vordere untere Begren- Stellung von Zunge und Lippen und schafft damit
zung des Mesopharynx bildet die Zungenwurzel. gnstige Voraussetzungen fr die Artikulation un-
Die obere Begrenzung bildet der weiche  Gaumen terschiedl. Laute. Die Nase dient dem Entweichen
(lat. velum palatini, ›Gaumensegel‹). Dieser musku- der Luft bei Nasalen und in gewissem Umfang als
lre Gaumenanteil vermag bei Kontraktion den Me- Resonanzraum. Lit. G. Habermann, Stimme und
sopharynx vom Epipharynx luftdicht abzuschließen: Sprache. Stgt. 1986. GL
velopharyngeales Ventil. Ein Entweichen der Expi- Artikulationsort  Artikulationsstelle
rationsluft ber die Nase wird so (außer bei  Na- Artikulationsposition  Artikulationsstelle
60 Artikulationsstelle

Artikulationsstelle (engl. place of articulation, frz. fasst werden. Lit. Handbook of the International
pointe d’articulation) Ort, an dem bei Konsonanten Phonetic Association. Cambridge 1999. – D. Aber-
durch die  Artikulationsorgane im  Ansatzrohr je crombie, Elements of General Phonetics. Edinburgh
nach  Artikulationsmodus Verschluss oder Enge 1967. – P. Ladefoged, Preliminaries to Linguistic
gebildet wird ( Tabelle 2 im Artikel ›API‹). Be- Phonetics. Chicago 1971. – H. H. Wngler, Atlas dt.
zeichnet nach den (eher) unbewegl. Teilen des Ar- Sprachlaute. Bln. 1961. PM
tikulationsapparates:  labial (Oberlippe),  dental Artikulatorische Phonologie Von C. Browman und
(obere Schneidezhne),  alveolar (Zahndamm), L. Goldstein in den 80er Jahren von der  autoseg-
(pr-/post-)  palatal (harter  Gaumen),  velar mentalen Phonologie ausgehend entwickelte phono-
(weicher Gaumen),  uvular ( Zpfchen),  pharyn- log.-phonet. Theorie, deren Grundeinheiten die
gal (hintere Rachenwand),  laryngal,  glottal durch dynam. Gleichungen (Feder-Masse-Systeme
( Kehlkopf, Stimmritze). PM mit variabler Federkonstante und krit. Dmpfung)
Artikulator 1.  Artikulierendes Organ,  Sprech- beschriebenen artikulator. Gesten darstellen. Diese
organ,  Artikulatorische Phonologie. 2.  Sprach- Gesten werden in der gesturalen Partitur auf den
theorie,  Theorie des Artikulators. unterschiedlichen Schichten ( velar,  laryngal,
Artikulatorische Phonetik (engl. articulatory/orga-  oral) im Aufgaben-Raum (task space; z. B.  labia-
nogenetic phonetics, frz. phontique articulatoire/ ler Verschluss, Konstriktionsort und -grad des Zun-
gntique) 1. Als  deskriptive Phonetik: systemat. genrckens/der Zungenspitze,  glottale ffnung
Beschreibung der Sprachlaute unter dem Aspekt etc.) bezgl. ihrer Abfolge spezifiziert. Die zeitl.
ihrer Hervorbringung (genet.) anhand der artikula- Koordination wird relativ, d. h. als Phasenbeziehung
tor. Grundparameter  Artikulationsmodus,  Arti- zwischen den dynam. Gesten, (einzelsprachl.) defi-
kulationsstelle und  Artikulationsorgane bzw. bei niert. Die gesturale Aktivation wird schließl. ber-
Vokalen nach Zungenlage/-hçhe und Lippenrun- setzt in die kinemat. Trajektorien der Artikulatoren
dung sowie weiteren modifizierenden Parametern (Zungenrcken, -spitze, Lippen, Kiefer, Velum,
wie Stimmbeteiligung, Luftstrommechanismen, se- Glottis), d. h. Artikulationsbewegungen im Artiku-
kundre Artikulationen etc. – Histor. geht die arti- lator-Raum, und kann zur Ansteuerung eines arti-
kulator. Lautbeschreibung auf die span. Taubstum- kulator. Synthetisators benutzt werden. Phonolog.
menpdagogik des 16./17. Jh. zurck. Systemat. Prozesse werden als artikulator. Verschmelzungen
aufgegriffen von den dt. Lautphysiologen der (blending; z. B. bei durch Vokal- wie velaren Kon-
2. Hlfte des 19. Jh. (E. Brcke (1819–1892), C. L. sonantgesten gleichermaßen notwendigen Zungen-
Merkel (Hauptwerk 1857), E. Sievers (1850–1932)). rckengesten) und berlappungen (z. B. einer  ko-
Den heutigen Standard der  Transkription bildet ronalen Verschlussgeste durch eine velare und/oder
das System der  API. – 2. Als Teilgebiet der  Ex- eine labiale) beschrieben. Lit. C. Browman & L.
perimentalphonetik (auch: physiolog. Phonetik): Goldstein, Towards an Articulatory Phonology.
wiss. Untersuchung der bei der Sprachproduktion Phonology Yearbook 3, 1986, 219–252. – J.
ablaufenden Bewegungsvorgnge sowie der ihnen Phon. 19, 1991, Special issue on AP. PM
zugrundeliegenden muskulren Aktivitten und de- Artikulierendes Organ  Artikulationsorgane
ren neuronaler Kontrolle in den Bereichen der Artikulierung  Artikulation
Funktionskreise  Atmung,  Phonation und  Arti- Artschi, Artsch(in)isch  Dag(h)estanische Spra-
kulation. – Die frhe Experimentalphonetik (Ende chen
19./Anfang 20. Jh.) registrierte die artikulator. Be- Artwort  Adjektiv
wegungsvorgnge mittels mechan. bzw. pneumat. Aru  Aymara-Sprachen
Erfassungs- bzw. bertragungsvorrichtungen am Aruaco  Chibcha-Sprachen
 Kymographen. Heute stehen im Wesentl. neben Arusi  Oromo
dem medizin. Rçntgenverfahren und dessen Weiter- Arutani  Sdamerikanische Indianersprachen
entwicklung in der x-ray microbeam-Technologie Asante  Akan
sowie der Magnetresonanztomographie (MRT, Ascender  Oberlnge
MRI) verschiedene (elektro-) opt., elektron. und Aserbajdschanisch (auch: Azerı̄-Trkisch. Eigen-
elektromagnet. Verfahren zur Erfassung der Artiku- bez. Azrbaycan dili, Azrice) Sdwesttrk. Spr.;
lation zur Verfgung (z. B. fiberopt. Laryngoskopie,  Turksprachen. Sprachgebiet: die Republik Aser-
Elektroglottographie (ELG) und Photoelektroglotto- bajdschan (einschl. Nachitschewan) und die gleich-
graphie zur Messung des Kehlkopfverhaltens; namige Provinz im Nordwestiran. ber 30 Mio.
Elektropalatographie (EPG), Glossometrie Sprecher, davon in Aserbajdschan ber 6 Mio., im
(elektro-opt.), elektromagnetische Artikulographie Iran ber 11 Mio., weiterhin in der Russ. Fçdera-
(EMA, EMMA), Ultraschall-Sonographie zur Mes- tion, in Georgien, im Irak und in der Trkei (ost-
sung supraglottaler Artikulation und Leuchtdioden- anatol. Dialekte); Karte  Trkische Sprachen, im
Tracking zur Messung ußerer Artikulation). Mit- Anhang. Die a. Schriftspr. bildet sich in arab.
tels Elektromyographie (EMG) kçnnen zudem die Schrift ab dem 11. Jh. heraus; ab dem 12. Jh. be-
elektromuskulren Prozesse bei der Artikulation er- deutende lit. Werke (Nizami). 1923 wird in Sowjet-
Aspekt 61

Aserbajdschan der bergang zur lat. Schrift be- oder als (b) ›gestern haben wir den Aufzug repa-
schlossen und 1925 –1929 vollzogen;  Latinisie- riert‹ (in der Lesart des  narrativen, d. h. ohne
rung. Baku wird Zentrum fr die Verbreitung des Bezug zum ußerungszeitpunkt verwendeten aktio-
 Neuen trkischen Alphabets. bergang zur kyrill. nalen Perfekts, das in dieser Interpretation mit dem
Schrift 1940. Inzwischen Rckkehr zu einem in dt. Prteritum ›gestern reparierten wir…‹ quivalent
Richtung auf das  Trkische modifizierten lat. Al- sein kann; Aspektpartner sind remontı́rovat’ (ipf.),
phabet. Die Aseris im Iran und Irak verwenden otremontı́rovat’ (pf.) ›reparieren‹. Als grundlegende
weiter die arab. Schrift. Lit. A. Landmann, Aserbaid- Funktionen des A. im Bereich des narrativen Pr-
schanisch. Kurzgrammatik. Wiesbaden 2013. MI teritums gelten die Darstellungsweisen der Sequenz,
Ashninca  Kampa der Inzidenz und des Parallelismus. Dabei handelt
Ashanti  Akan es sich um Markierungen von Sachverhalten, die im
Ashkun  Dardische Sprachen Verhltnis zueinander auf unterschiedl. Weise zeitl.
Asigmatisch (griech. ªÆ, K , L ›18. Buchstabe situiert sind, z. B. russ. (a) kogd Ları́sa pozvtra-
der griech. (att.) Alphabetreihe, K s L‹) In der Indoger- kala (pf.), Andrej pomýl (pf.) posffldu ›als (nach-
manistik und der Altphilologie Bez. fr »endungs- dem) Larisa gefrhstckt hatte, splte Andrej das
lose« Formen des Nom. Sg., z. B. der griech. Femi- Geschirr‹ ( Vorzeitigkeit) vs. (b) kogd Larsa
nina der Æ-Deklination (z. B.  ŒÅ (nikē) ›Sieg‹, zvtrakala (ipf.), Andrej poml (pf.) posffldu ›wh-
IŒ Æ (oikia) ›Haus‹) im Ggs. z. B. zu den sigmat. rend Larisa frhstckte, splte Andrej das Geschirr
-Stmmen (Nom. Sg. auf - , z. B. w º (filos) (zu Ende)‹ ( Gleichzeitigkeit) vs. (c) Larísa zvtra-
›Freund‹). GS kala (ipf.), i Andrej myl (ipf.) posffldu ›Larisa frh-
Askriptor  Signifikationsmodus stckte, und Andrej splte (dabei, whrenddessen)
ASL (American Sign Language)  Gebrdensprache das Geschirr‹ (Gleichzeitigkeit). Ausgedrckt wer-
Aslian  Austroasiatische Sprachen den in (a)–(c) Vor- bzw. Gleichzeitigkeit und parti-
Aspekt (lat. aspectus ›Anblick‹. Auch: Verbal- eller oder totaler zeitl. Zusammenfall von Sachver-
aspekt. Engl. grammatical aspect, frz. aspect, russ. halten: in (a) (pf. – pf.) eine dem im Russ. nicht
vid) Binre Kategorie des Verbsystems in  Aspekt- vorhandenen  Plusquamperfekt funktional quiva-
sprachen, z. B. in den slav. Spr. Das Verbsystem lente Vorzeitigkeitsbeziehung (Sequenz), in (b) (ipf.
z. B. des Russ., das als prototyp. Aspektspr. gilt, – pf.) partielle Gleichzeitigkeit (Inzidenz), in (c)
ist (fast) durchgngig durch die i. d. R. morpholog. (ipf. – ipf.) totale Gleichzeitigkeit (Parallelismus;
markierte Opposition zwischen  perfektivem (Abk. Aspektpartner sind in (a)–(c) die Formen des Pr-
pf.) und  imperfektivem (Abk. ipf.) A. geprgt. Die teritums der Verben zvtrakat’ (ipf.) und pozvtra-
A.korrelation im Russ. charakterisiert den vom Verb kat’ (pf.) ›frhstcken‹, myt’ (ipf.) und pomt’ (pf.)
bezeichneten Sachverhalt im Prinzip tempusneutral ›splen‹). – Fast jede synthet. finite Verbform und
entweder als perfektiv, d. h. – grob gesagt – als alle Infinitive (außer  Aspekthomonymen und
abgeschlossen, in seinem Ablauf (»ganzheitliches,  imperfectiva tantum) verfgen ber eine pf. und
zusammengefasstes Geschehen«: Isačenko 1975, eine ipf. Form. Ipf. Prsensformen drcken im
350) berschaubar, wobei der »Blickpunkt des Russ.  Gegenwart bzw.  Atemporalis aus, pf. Pr-
Sprechers außerhalb des Geschehens« (ebd.) liegt sensformen einen futurischen  Prospektiv. In jeder
oder als Imperfektiv, d. h. – grob gesagt – als unab- ußerung muss jede Verbform einem Glied der
geschlossen, in seinem Ablauf nicht berschaubar A.korrelation zugeordnet werden, so dass das In-
bzw. im Hinblick auf Abgeschlossenheit unspezifi- ventar (fast) aller Verben als Inventar von  Aspekt-
ziert, wobei der »Blickpunkt des Sprechers inmitten paaren oder Aspektpartnern vorliegt. Dies gilt auch
des Geschehens« (ebd.) liegt. – In den meisten slav. fr die reflexiven Verben und Partizipien. Es ist
Spr. kompensiert die A.korrelation – in Verbindung umstritten, ob als A.paare nur solche Verben be-
mit der kontextuellen und situativen Einbettung der trachtet werden sollen, die durch Suffigierung eines
ußerung sowie mit lexikal. Signalen, z. B. Adver- pf. Verbs sein ipf. Korrelat herstellen (z. B. russ.
bialen, Konjunktionen u. . – die fehlende Tempus- zapist’ (pf.), zapsyvat’ (ipf.) ›aufschreiben‹) bzw.
differenzierung der Verben innerhalb der Vergan- Suppletivpaare (z. B. russ. vzjat’ (pf.), brat’ (ipf.)
genheitszeitstufe, da hier nur ein Tempusgrammem ›nehmen‹) bilden, oder ob auch alle Paare, die
(Prteritum) vorhanden bzw. gebruchl. ist, z. B. durch Prfigierung eines ipf. Verbs sein pf. Korrelat
russ. včer my otremontı́rovali (pf.) lift ›gestern herstellen, darunter fallen (z. B. russ. pist’ (ipf.),
haben wir den Aufzug repariert‹, d. h. der Aufzug napist’ (pf.) ›schreiben‹). Die meisten verba simp-
funktioniert jetzt (= zum ußerungszeitpunkt) wie- licia des Russ. sind ipf., die korrelierenden Perfek-
der ( deiktisches,  resultatives Perfekt wegen der tiva prfigiert, so dass der zweite Standpunkt fr die
 telischen Funktion des pf. Aspekts) vs. včer my Beschreibung der slav. Spr. systemat. Gesichtspunk-
remontı́rovali (ipf.) lift, im Dt. je nach Kontext ten offenbar besser Rechnung trgt. In der Lexiko-
interpretierbar als (a) ›gestern haben wir den Auf- graphie werden A.paare als ein Lexem mit zwei
zug repariert‹ (in der Lesart des nichtresultativen, Verbstmmen behandelt (z. B. Daum & Schenk
allgemein-fakt., rein aktionalen deikt. Perfekts) 1965 bei 14 000 russ. Verben). In der Theorie wird
62 Aspekt

der A. als Flexionskategorie, in der prakt. Beschrei- Punkte des A.-M. sind (a) die Unterscheidung zwi-
bung jedoch eher als eine Derivationskategorie be- schen  Kompetenz und Performanz, (b) das Kon-
handelt. Die grammat. Kategorie A. stellt eine ber- zept bedeutungserhaltender  Transformationen und
aus komplexe semant.-pragmat. Erscheinung mit der durch diese verbundenen  Tiefen- und  Ober-
vielen, z. T. modalen, Einzelbedeutungen dar, deren flchenstrukturen, (c) die Einbeziehung des Lexi-
Verwendung sich nicht durchgngig in strikte Re- kons als Teil der  Basiskomponente, (d) die Be-
geln fassen lsst, weil sie letzten Endes oft von der handlung der  Semantik als eine die  Tiefenstruk-
aktuellen Sprecherintention abhngig ist. Dies zeigt tur interpretierende Komponente. Wie seine Vorstu-
sich u. a. darin, dass nicht alle Gebrauchstypen eines fen reprsentiert das A.-M. eine  Chomsky-Gram-
A. aus einer ihm zugewiesenen Gesamtbedeutung, matik und somit ein  Modell abstrakter strukturel-
z. B. ›imperfektiv‹, herleitbar sind, z. B. russ. ty bral ler und funktionaler Aspekte der Spr.; durch das
(ipf. Prt.) ključ? ›Hast Du auch den Schlssel Konzept bedeutungsneutraler  Transformationen
(mit)genommen?‹ (ipf. A. in Funktion des sog. the- wurde jedoch eine neue Erfassung der  Rekursivi-
mat. (deikt.) Perfekts bei Bezug auf einen vorer- tt ermçglicht. Rekursive Strukturen werden im A.-
whnten Sachverhalt). Die Kategorie A. steht in M. nicht mehr mit generalisierenden  Transforma-
vielfltigen Beziehungen zur Kategorie der  Ak- tionen ber eine endl. Menge von Kernsatztypen
tionsart, die ebenfalls (z. T. tempusneutral) den Ab- erzeugt, sondern in der  Basiskomponente durch
lauf bzw. die innere Systematik von Vorgngen die rekursive  Phrasenstrukturregel NP fi NP + S
modifiziert und in manchen Spr. (z. B. den slav. (S: Satz), welche die  Einbettung von S in eine
Spr.) z. T. morpholog. (und nicht nur lexikal.) ko-  Nominalphrase erlaubt. Whrend dies im A.-M.
diert ist. Die Abgrenzung kann wegen fließender die einzige rekursive Phrasenstrukturregel darstellt,
bergnge mitunter schwierig sein. Die in As- werden in der  EST rekursive Strukturen aus-
pektspr. in der Aspektkorrelation morpholog. ko- schließl. in der Basis generiert. Lit. N. Chomsky,
dierte Information kann natrlich auch in Nicht- Syntactic Structures. Den Haag 1957. – Chomsky,
Aspektspr. ausgedrckt werden, dort allerdings Aspects. – R. Freidin (ed.), Generative Grammar:
v. a. durch lexikal. Mittel, die nicht unter die As- Theory and its History. Florence 2007. – . J. Gal-
pektkategorie gerechnet werden drfen; z. B. dt. lego & D. Ott (eds.), 50 Years Later: Reflections on
essen – aufessen, kommen – ankommen. Es ist Chomsky’s ›Aspects‹. Cambridge, Mass. 2015. – A.
sehr problemat., Tempusbedeutungen (z. B. des Kasher (ed.), The Chomskyan Turn. Cambridge,
Dt.) als aspektuell markiert aufzufassen und die Mass. 1991. Weitere Lit.  GG,  EST. F, MYP
analyt. Tempusformen als pf., die synthet. als ipf. Aspekthomonym Verbstamm, der hinsichtl. der
zu bezeichnen (vgl. Eisenberg II, 105 ff.). Lit. E. Aspektkorrelation undifferenziert ist, also den
Daum & W. Schenk, Die russ. Verben. Mchn. 1965.  perfektiven (pf.) wie den  imperfektiven (ipf.)
– A. V. Isačenko. Die russ. Spr. der Gegenwart.  Aspekt ausdrckt, z. B. russ. rnit ›verwunden‹,
Formenlehre. Mchn. 31975. – B. Comrie, Aspect. obeščt ›versprechen‹. Im Russ. sind v. a. Verben
Cambridge 1976. – . Dahl, Tense and Aspect mit dem Infix {-ova} A., z. B. fotografı̌rovat’ ›pho-
Systems. Oxford, N. Y. 1985. – M. S. Flier & A. tographieren‹. Desambiguierung erfolgt durch ver-
Timberlake (eds.), The Scope of Slavic Aspect. schiedene Mittel, z. B. durch Funktionalisierung der
UCLA Slavic Studies, 12. Columbus, Ohio 1985. Akzentposition (z. B. on rodil (pf.) ›sie gebar‹,
– A. Mugler, Tempus und A. als Zeitbeziehungen. on rodı́la ›sie war dabei zu gebren‹), durch se-
Mchn. 1988. – U. Schwall, Aspektualitt. Eine kundre Perfektivierung mittels Prfigierung (z. B.
semant.-funktionelle Kategorie. Tbingen 1991. – sfotografı̌rovat’ (pf.) ›photographieren‹, zustzl. als
W. Breu, Probleme der Interaktion von Lexik und  resultativ markiert) oder durch sekundre Imper-
A. (ILA). Tbingen 2000. – St. M. Dickey, Para- fektivierung (bei Verben mit dem Infix {-ova}
meters of Slavic Aspect: A Cognitive Approach. durch sekundre Infigierung: {-o-vy-vat’}, z. B. or-
Stanford 2000. – E. Leiss, Artikel und A. Die ganizovt’ (ipf., pf.), organizvyvat’ (ipf.) ›organi-
grammat. Muster von Definitheit. Bln. 2000. – sieren‹). G, T
L. Gautier (ed.), A. und Aktionsarten im heutigen Aspektkorrelation  Aspekt,  Aspektsprache
Dt. Tbingen 2004. – H. Henriksson, Aspektuali- Aspektpaar (engl. aspectual pair, frz. couple aspec-
tt ohne A.? Progressivitt und Imperfektivitt im tuel. Auch: Aspektpartner) Verb, das zwei hinsichtl.
Dt. und Schwed. Stockholm 2006. – J. E. MacDo- der Aspektkorrelation differenzierte Ausdrucksfor-
nald, The Syntactic Nature of Inner Aspect: A men besitzt, die keine  Aspekthomonyme sind,
Minimalist Perspective. Amsterdam 2008. – K. z. B. russ. pist’, napist’ ›schreiben‹;  Aspekt. G
Richardson, Case and Aspect in Slavic. Oxford Aspektpartner  Aspekt,  Aspektpaar
2007. G, HA, T Aspektsprache Spr., deren Verbsystem strukturell
Aspekte-Modell (auch: Standardtheorie. Abk. ST) durch die Aspektkorrelation charakterisiert ist.
Bez. fr die in Chomsky, Aspects entwickelte Ver- I. e. S. kçnnen nur solche Spr. als A. gelten, bei
sion der  GG, die eine Revision des in Chomsky denen dies durchgngig der Fall ist, z. B. das Russ.
(1957) entwickelten Modells darstellt. Zentrale u. a.  slavische Sprachen. In jngerer Zeit ist es zu
Assibilierung 63

vielerlei Ausweitungen des Begriffs  Aspekt ge- Assertion (lat. assertiō ›Behauptung‹. Engl., frz.
kommen, insbesondere zu rein inhaltsbezogenen assertion) 1. In laxer Redeweise der  propositiona-
Interpretationen (›Aspektualitt‹) dieser im Prinzip le Gehalt eines Satzes im Unterschied zu seinen
morpholog. ausgedrckten grammat. Kategorie, so  Prsuppositionen, die weder von einer Satznega-
dass mitunter auch Spr., die (a) zwar durchgngig, tion betroffen noch ›behauptet‹ werden. Dieser Un-
aber nach anderen Kategorien als  perfektiv und terschied gilt aber fr alle Arten von Sprachhand-
 imperfektiv (z. B. im Engl. progressive vs. simple lungen, auch z. B. fr Fragen oder Aufforderungen,
form), (b) nur an einigen oder einer Systemstelle vgl. etwa die propositionale Differenz zwischen
(z. B. im Altgriech. Prteritum vs. Aorist vs. Per- ffne die Tr! vs. ffne die Tr nicht! bei ident.
fekt, im Frz. pass simple vs. imparfait) oder (c) Prsuppositionen (Da ist eine Tr. Sie ist geschlos-
berhaupt nicht (z. B. das Dt.) durch eine Aspekt- sen.). 2. In vielen Grammatiken ist der  Deklarativ-
korrelation charakterisiert sind, unter die A. gerech- satz nach seiner prototyp. Verwendung als »Ur-
net werden, was in Fllen wie (a) eine Differen- theilssatz« (K. F. Becker), »Behauptungssatz« (H.
zierung bzw. Reanalyse der v. a. auf der Basis von Paul), »Konstativsatz« (U. Engel) oder »Assertions-
Analysen der slav. Spr. definierten Kategorie As- satz« (E. Hentschel & H. Weydt) bezeichnet; vgl.
pekt erforderlich macht, in Fllen wie (b) als pro- aber z. B. Du bist jetzt still! 3. Der kognitive Akt
blemat. und in Fllen wie (c) als gegenstandslos des »Urteilens« als »die Anerkennung der Wahrheit
gelten muss. G, T eines Gedankens« (G. Frege). Das Aufstellen eines
Aspektualitt  Aspektsprache Wahrheitsanspruchs fr eine Proposition liegt des-
Aspirata f. (lat. aspı̄rāre ›Luft aushauchen‹) 1. Be- sen kommunikativer »Kundgebung« in einem As-
hauchter stl.  Plosiv, im Dt. stl. Plosiv im  Anlaut sertiv (»Behauptung« bei Frege) zugrunde und kann
und intervokalisch im  Inlaut sowie alle Plosive im wie diese zwar modalisiert (vermutlich, mit Sicher-
 Auslaut (Auslautverhrtung): [ph, th, kh]. 2. Bei J. heit etc.), aber nicht negiert (allenfalls zurckge-
Grimm (1785–1863): stl. aspirierte Plosive, stl. Fri- nommen, dementiert…) werden. Assertive Akte
kative und die aus der 2. »hochdeutschen«  Laut- werden i. d. R. mit Deklarativstzen, aber etwa
verschiebung hervorgegangenen Affrikaten /pf, ts, auch mit  rhetorischen Fragen vollzogen; nicht-
(kx)/. PM propositionale Satzelemente, wie z. B.  Abtçnungs-
Aspiratendissimilationsgesetz  Grassmanns Ge- partikeln, fallen nicht in ihren  Skopus. Anderer-
setz seits kçnnen mit  Satzverbindungen oder best.
Aspiration (lat. aspı̄rāre ›Luft aushauchen‹. Auch:  Satzgefgen, die z. B.  weiterfhrende Nebenst-
Behauchung) Vorgang und Ergebnis der Sprachlaut- ze oder  Kausalstze enthalten, mehrere A. voll-
produktion (vornehmlich stl.  Plosive) mit (noch) zogen werden. In der Logik werden A. mithilfe des
geçffneter Glottis, d. h. verzçgertem Stimmtonein- Behauptungszeichens £ (Frege: »Urteilsstrich«) no-
satz (engl. voice onset time, VOT). Akust. gekenn- tiert. Lit. K. F. Becker, Ausfhrl. dt. Gramm. 2. Bd.
zeichnet durch das Fehlen des ersten und die ge- Prag 1870. – H. Paul, Prinzipien der Sprachge-
ruschhafte Anregung der hçheren Formanten; schichte. Darmstadt 61960. – G. Frege, Der Gedan-
 akustische Phonetik. PM ke. In: Log. Untersuchungen. Hg. v. G. Patzig.
Aspirationskorrelation  Aspiration,  Korrelation Gçttingen 52003, 30–53. – Ders., Funktion, Begriff,
ASR  Automatische Spracherkennung Bedeutung. Hg. v. G. Patzig. Gçttingen 2008. – U.
Assamisch (auch: Assamesisch. Eigenbez. Engel, Dt. Gramm. Heidelberg 1988. – E. Hentschel
asamı̄yā) Als  indoarische Sprache offizielle und & H. Weydt, Hdb. der dt. Gramm. Bln., N. Y. 1990.
wichtigste Umgangsspr. im ind. Bundesstaat As- – M. Brandt, Weiterfhrende Nebenstze. Stock-
sam. Das A. zerfllt in ein westl. und ein çstl. holm 1990. RB
Dialektgebiet; die Standardspr. ist Letzterem zuzu- Assertive (auch: Reprsentative) Klasse von
ordnen. Abseits steht der Dialekt Mayāṅ, der viele  Sprechakten (Feststellungen, Behauptungen usw.),
gemeinsame Zge mit dem  Bengali teilt; Karte deren Charakteristikum ist, dass der Sprecher auf die
 Indische Sprachen, im Anhang. – Die nicht sehr Wahr- oder Falschheit der in der ußerung zum
umfangreiche Lit. verfgt ber ein innerhalb der Ausdruck gebrachten  Proposition festgelegt wird
Schriftsprachen Indiens seltenes Genre: die histor. (Wort-auf-Welt-Zuordnung);  Assertion,  Sprech-
Chronik, die Aufschluss ber die regionale Ge- aktklassifikation. Lit. J. Searle, A Taxonomy of Illo-
schichte der letzten sechs Jhh. gibt. Daneben auch cutionary Acts. In: Ders., Expression and Meaning.
traditionelle Lyrik, v. a. religiçs-philosoph. Inhalts. Cambridge 1979, 1–29. F
Seit Ende des 19. Jh. Entwicklung europ. Genres Assertorisch  Modallogik
wie Roman, Erzhlung etc. Fr das A. wird die Assibilation  Assibilierung
bengal. Schrift mit zwei zustzl. Zeichen verwen- Assibilierung (lat. sı̄bilāre ›zischen‹. Auch: Assibi-
det;  Indische Schriften. Lit. G. C. Goswami & J. lation, Zetazismus) Durch hohe bis mittelhohe Vo-
Tamuli, Asamiya. In: G. Cardona & Dh. Jain (eds.), kale induzierter assimilator. Vorgang der  Palatali-
The Indo-Aryan Languages. Ldn., N. Y. 22007, sierung ( Sibilant): dt. K -tion L [-tsio:n]; lat. centum
391–443. FZ [k-] > frz. cent [s-]. PM
64 Assimilation

Assimilation (lat. assimilis ›sehr hnlich‹: Auch: und Reaktion durch A. verbunden;  Reiz-Reaktions-
Akkomodation, Angleichung) Lautwandelprozess/- Modell,  Behaviorismus. Als Motive fr A. kommen
ergebnis bzw. phonolog. Prozess (bzw. dessen Er- u. a.  hnlichkeit,  Kontrast,  Kontiguitt, emotio-
gebnis) der Angleichung zwischen Lautsegmenten nale quivalenz, in der Tiefenpsychologie aber auch
in einer Sequenz bezgl. eines oder mehrerer Merk- unbewusste Bezge in Betracht. Bei vielen Sprach-
male (meist im Sinne artikulator. Vereinfachung; psychologen gilt (in der Nachfolge von H. Paul
 Koartikulation). Man unterscheidet: (nach Rich- (1846–1921) und F. de Saussure (1857–1913)) A. als
tung der Angleichung) progressive A. bei angegli- Basis fr die Wirksamkeit von  Paradigmen. Bis-
chenem Folgelaut (z. B. mhd. zimber > nhd. Zim- weilen wird auch A. als (Pseudo-)Erklrung fr zahl-
mer), regressive A. bei Angleichung an den Folge- reiche andere in der Sprachbeherrschung wirksame
laut (dt. /fynf/ umgangssprachl. [fymf]) und rezip- Beziehungen gebraucht (u. a. fr syntagmat. Re-
roke A. bei Ersetzung beider Laute durch einen lationen, fr semant. Felder, fr die Beziehung
durch gegenseitige Anpassung unterschiedl. Aus- zwischen Zeichenkçrper und Bedeutung, fr die
gangsmerkmale entstandenen Laut (z. B. ahd. fisk Beziehung zwischen Zeichen und Referent).
> mhd. visch); (nach Merkmalsbereinstimmung): Sprachl. A. ist von der  Konnotation zu unter-
totale A., d. h. Produkt der A. gleich dem auslç- scheiden. Lit. A. Thumb & K. Marbe, Experimen-
senden Laut vs. partielle A.; (bezgl. der sequen- telle Untersuchungen ber die psycholog. Grund-
tiellen Nhe der beteiligten Segmente): Kontakt-A. lagen der sprachl. Analogiebildung. Lpz. 1901. –
bei benachbarten Lauten, Fern-A. bei nichtbenachb- E. A. Esper, Analogy and Association in Linguis-
arten (z. B. ahd.  Umlaut wie in ahd. *gasti > gesti tics and Psychology. Athens, Georgia 1973. – G.
(Pl. von gast). PM 2. In der  Sprachkontaktfor- Strube, A.: der Prozess des Erinnerns und die
schung mitunter Bez. fr die  Integration von Struktur des Gedchtnisses. Bln. u. a. 1984. KN
 Lehngut, v. a. auf phonolog. Prozesse bezogen. G Assyrisch Nach der Teilung des altakkad. Reiches
Assimilationskette Folge von  Assimilationen Sprachform des  Akkadischen im nçrdl. Reich mit
zwischen Vokalen der Haupttonsilbe und der End- der Hauptstadt Assur und seinen Handelskolonien
silbe, die sich an bestimmten Artikulationspositio- in Ostkleinasien. Von 1950–600 v. Chr. v. a. in Brie-
nen (obere, hintere, mittlere Laute) und an den fen und Urkunden bezeugt;  Keilschrift. WI
Akzentverhltnissen orientiert. Es korrespondieren Ast  Kante
dabei jeweils phasenweise Kontakt- und Fernassi- Asterisk m. pl. ~e (griech. B æ Œ (asteriskos)
milationen: einer Kontaktassimilation e/i > ı̂ (idg. ›Sternchen‹) Vor den markierten Ausdruck (Wort,
*deikonom > germ. *tı̂han) entspricht eine Fern- Wortform, Syntagma, Satz u. a.) platziertes hochge-
assimilation e > i vor i (germ. *nemiz > westgerm. stelltes kleines Sternchen »*«, das (a) rekonstruier-
*nimiz); eine Gegenbewegung aus demselben Prin- te, d. h. nicht belegte Laut- oder Wortformen (z. B.
zip fhrt zu i > e vor a, e, o der Folgesilbe (idg. *brzo ›schnell‹) oder (b)  ungrammatische Ausdr-
*viros > germ. *wiraz > westgerm. *weraz). In cke oder Stze ( Grammatikalitt) bezeichnet, z. B.
diese Folge stellt sich auch der ahd. i-Umlaut: *Elisabeth arbeiten Verlag. In  regulren Ausdr-
Auch hier folgt einer gleichgeordneten Kontaktassi- cken bezeichnet ein nachgestellter Asterisk den sog.
milation (westgerm. *stains > ahd. stein) die ent- Kleene-Stern (beliebig viele Vorkommen des Be-
sprechende Fernassimilation (westgerm. *gastiz > zugsausdrucks). G, L
ahd. gesti);  Umlaut. Diese gesetzhafte Assimila- sthetenprteritum Veralteter Begriff fr die sti-
tionskette wird auch als Erklrungsbasis fr sptere list. markierte Verwendungsweise des  Prteritums
fernassimilator. Umlautflle gesehen, bei denen anstatt des  Perfekts, z. B. Aßen Sie heute schon zu
nicht i, sondern e in der Endsilbe erscheint wie bei Mittag? ZE
ahd. h ren > mhd. hœren oder ahd. wnen > mhd. sthetischer Idealismus  Idealistische Sprachwis-
wæ nen. Lit. G. Schweikle, Germ.-dt. Sprachge- senschaft
schichte. Stgt. 52002, § 16. ST Asyllabischer Laut  Extrasilbisch
Assiniboin  Sioux-Sprachen Asymmetrisches Anredeverhalten  Reziprok 3.
Association Phontique Internationale  API Asyndese f. (griech. B- (Negationsprfix),  Ø
Assonanz f. (lat. assonāre ›bereinstimmen‹ > frz. (syndesis) ›Verbindung‹) Konjunktionslose (unver-
assonance ›Anklang‹). Vorform des  Reims, bei der bundene) Reihung sprachl. Ausdrcke derselben Ka-
nur die Vokale von der letzten Tonsilbe an berein- tegorie (Wçrter, Phrasen, Syntagmen, (Teil-) Stze).
stimmen (mnnl.: Bad/Tag, weibl.: Suppe/hundert), In einer  monosyndetischen Konstruktion sind alle
ersetzte in der vokalreichen span. Dichtung zeit- Elemente bis auf die letzten beiden konjunktionslos
weise den Endreim. Im altfranz. Heldenepos Mittel verbunden, z. B. Er glaubte an das Wahre, das Schçne
der Verszusammenfassung. VS und das Gute im Leben. Ggs.  Syndese. SN
Assoziation (lat. associare ›verbinden‹) Prozess Asyndetisch Eigenschaft einer Aneinanderreihung
und Zustand einer nicht willentl., mechan. und au- syntakt. Elemente. Bei einer a. Konstruktion ist die
tomat. Verknpfung zweier oder mehrerer psych. Reihung sprachl. Elemente derselben Kategorie
Inhalte. In der behaviorist. Psychologie sind Reiz (Wçrter, Syntagmen, (Teil-) Stze) im Ggs. zur
Athabaskische Sprachen 65

syndet. oder  polysyndetischen unverbunden, d. h.


konjunktionslos, z. B. der junge, neue, attraktive
Dozent. In einer  monosyndetischen Konstruktion
sind alle Elemente bis auf die letzten beiden kon-
junktionslos verbunden, z. B. der junge, neue und
attraktive Dozent. Ggs. syndet. Reihung ( Subordi-
nation), z. B. der junge und neue und attraktive
Dozent. SN
Aszendent Bei der Analyse von hierarch. geordne-
ten Systemen, z. B. von Sprachsystemen, Verfahren
der Beschreibung bzw. Analyse von ›unten‹ nach
›oben‹, also von den jeweils weniger komplexen,
untergeordneten (Klassen von) Elementen zu den Atemvolumen – Lungenvolumina
komplexeren, bergeordneten (Klassen von) Ele- AV = Atemzugvolumen (Atemluft), IRV = inspirato-
menten, z. B. von der Ebene der Phoneme zur Ebe- risches Reservevolumen, ERV = expiratorisches Re-
ne der Silben zur Ebene der Morpheme usw.; Ggs.: servevolumen, RV = Residualvolumen, VK = Vital-
Deszendent. G kapazitt, TK = Totalkapazitt
AtacameÇo (auch: Kunza, Likan Antai)  Isolierte
Sprache; Sprachgebiet: San Pedro de Atacamas und
weitere Oasen der Atacama-Wste, Nordchile. Das Atemvolumen Die Physiologie der  Atmung ist
A. wurde gesprochen bis zum Ende des 19. Jh.; in gekennzeichnet durch unterschiedl. (Atemgas-)Vo-
der Gegenwart nur noch in rituellen Gesngen, die lumina. Das bei Ruheatmung pro Atemzug venti-
nicht mehr verstndl. sind. Nur der Wortschatz des lierte (ein- und ausgeatmete) Volumen von ca. 0,5 l
A. ist (teilweise) bekannt; Karte  Sdamerikani- (beim Erwachsenen) nennt man Atemzugvolumen
sche Sprachen, im Anhang. Lit. G. Mostny u. a., (Atemluft). Bei willentlicher maximaler Ein- und
Peine, un pueblo atacameÇo. Santiago de Chile Ausatmung erweitert sich dieses um das in- und
1954. – R. Lehnert, Diccionario normalizado de la exspiratorische Reservevolumen (»Ergnzungs- und
lengua cunsa. Antofagasta 2002. – W. F. H. Adelaar, Reserveluft«) von je ca. 1,5 l. Die dadurch maximal
unter Mitwirkung von P .C. Muysken, The Lan- in einem Atemzug ventilierbare Luftmenge von ca.
guages of the Andes. Cambridge 2004. AD 3,5 l (bis 6 l) nennt man Vitalkapazitt. Nach maxi-
Atchinesisch  Acehisch mal mçgl. Exspiration verbleibt eine Luftmenge
Atelisch  Telisches Verb,  Terminativ von ca. 1,5 l in den Luftwegen und der Lunge, das
Atem  Atmung Residualvolumen. Das Luftvolumen, das pro Zeit-
Atem- und Stimmbildung  Sprecherziehung einheit ventiliert wird, definiert durch Atemzugvo-
Atemdruck (auch: subglottaler Druck) Grundprinzip lumen mal  Atmungsfrequenz, nennt man Atem-
der Atemmechanik sind durch Volumennderung er- zeitvolumen (in l/min). Als Atem- oder Minuten-
zeugte Druckschwankungen, die wiederum Luftstrç- grenzwert bezeichnet man das bei maximaler Venti-
mungen erzeugen;  Atmung. Von bes. Bedeutung lation (willentliche, schnelle und tiefe Atemzge)
fr  Phonation und  Artikulation ist der unterhalb ventilierbare Luftvolumen (70–80 l/min);  Lunge,
der Stimmbnder herrschende subglottale Druck der  Atmung. GL
 Exspiration sowie der Gradient zum superglottalen Aterminativ  Durativ,  Terminativ
Druck im  Ansatzrohr;  Kehlkopf. GL Athabaskische Sprachen (auch: Athapaskische
Atemporal Eigenschaft der Zeitunabhngigkeit, die Sprachen) Zweig der  Na-Dene-Sprachgruppe.
auf  Tempusformen und satzwertige ußerungen A. S. sind von Alaska und dem Nordwesten Kana-
bezogen werden kann. Eine ußerung ist a., wenn das bis in den Sdwesten der USA verbreitet; Karte
eine zeitl. Lokalisierung des bezeichneten Ereignis-  Nordamerikanische Sprachen, im Anhang. Die
ses unterbleibt, wie in allgemeingltigen Aussagen: sdl. oder Apache-Gruppe stellt mit  Navaho und
Zwei mal zwei ist vier. Kontrovers wird diskutiert, Western Apache (ca. 14 000) die sprecherreichsten
ob Tempora wie das  Prsens als a. »Untempus« zu Spr., in Kanada Chipewyan (ca. 12 000) und Dogrib
beschreiben sind. Weitere a. Verwendungsweisen (ca. 2 000) aus der nçrdl. Gruppe, bei der die
der Tempora sind konditionale, hypothetische und Sprachgrenzen aufgrund enger Kontakte fließend
kontrafaktische Kontexte. ZE sind. Die Spr. der pazif. Gruppe sind fast alle aus-
Atemporalis (lat. ›zeitlos‹) Konzept der Tempus- gestorben oder dem Aussterben nahe. Fast alle a. S.
funktion des  Prsens (seine Vertreter sind u. a. sind  Tonsprachen mit komplexen Konsonanten-
H. Glinz, Th. Vennemann, U. Engel), derzufolge systemen: 3 Okklusiv-, 2 Frikativreihen, labialisier-
das Prsens keinen Tempusbezug besitzt und keine te vel./postvel. Okklusive und Frikative, mehrere
zeitl. Bedeutung ausdrckt, sondern in beiden Hin- Laterale, phonem. Kontrast /k/ vs. /q/, /x/ vs. /å/,
sichten ein unmarkiertes A. darstelle. G glottalisierte und labialisierte Reihen. Die Verbmor-
Atemsttze  Singen phologie ist polysynthet. und durch zahlreiche Af-
66 Athabaskische Sprachen

fixe (aspektuell, modal, klassifikator., Subj., Obj.) Temne (ca. 1 Mio. Sprecher) in Sierra Leone. Die
gekennzeichnet, die oft umfangreichen morphopho- genet. Einheit aller zu den a.S. gerechneten Spr. ist
nem. Prozessen unterworfen sind. Es gibt Ablaut- wiederholt angezweifelt worden, da die lexikal. Ge-
und suppletive Formen fr Plural und Perfektiv meinsamkeiten im Grundwortschatz sehr gering
sowie klassifikator. Verben, die Vorgnge und Hand- sind. Die Zusammenfassung zu einer gemeinsamen
lungen nach der Form des Themas (rund, lngl.- Gruppe erfolgte ursprngl. eher aufgrund der geo-
stockartig, weich und verformbar u. .) charakteri- graph. Verteilung und typolog. hnlichkeiten. So
sieren. Endstellung des Verbs. Lit. E. D. Cook & K. finden sich in allen a.S.  Nominalklassen und ver-
Rice (eds.), Athapaskan Linguistics. Bln. 1989. – bale Derivationssuffixe. Mehrere dieser Spr. weisen
E. D. Cook, A. Sarcee Grammar. Vancouver 1984. – ferner Anlautpermutation auf, d. h. einen grammat.,
H.-J. Pinnow, Die Sprache der Chiricahua-Apachen. nicht phonet. bedingten initialen Konsonantenwech-
Hamburg 1988. – K. Rice, A. Grammar of Slave. sel. Die Anzahl der Nominalklassen reicht von drei
Bln. 1989. D (Nalu) bis zu knapp 40 (Kobiana-Gruppe). Lit.
Athematisch In der klass. Philologie Bez. fr sol- W. A. A. Wilson, Atlantic. NCL 1989, 81–104. –
che flektierten Verbformen, die ohne  Themavokal Ders., Guinea Languages of the Atlantic Group.
(1.) gebildet sind; z. B. hat das Verb zÆØ (einai) Description and Internal Classification. Ffm. 2007.
›sein‹ im Griech. den »Verbalstock« D -, den Prs.- – M. Soukka, A Descriptive Grammar of Noon: A
Stamm D - (athemat.), die 3. Pers. Sg. D  . Vgl. im Cangin Language of Senegal. Mchn. 1999. – A.-C.
Lat. athematisch es-t ›er ist‹, vul-tis ›ihr wollt‹. GS Bassne, Morphosyntaxe du Jola Banjal. Langue
thiopisch  Ge’ez Atlantique du Sngal. Kçln 2007. – A. Y. Cobbi-
thiosemitische Sprachen In thiopien gespro- nah, Nominal classification and verbal nouns in
chene  sdsemitische Sprachen der im 1. Jt. v. Baı̈nounk Gubeher. Ldn. 2013. RE, KM
Chr. nach thiopien eingewanderten Sprecher des Atmung (engl. breathing, respiration, frz. rspira-
 Altsdarabischen. Heute gibt es ca. 20 . S., die in tion) Gesamtheit der Vorgnge, die den Gasaus-
einen nçrdl. und einen sdl. Zweig eingeteilt wer- tausch zwischen Gewebe und Umwelt fr Stoff-
den. Zum nçrdl. Zweig gehçren  Ge’ez, die lteste wechselzwecke gewhrleisten. Als »ußere At-
thiosemit. Spr.,  Tigre und  Tigrinya. Die wich- mung« oder Lungenatmung bezeichnet man die Be-
tigste Spr. des sdl. Zweiges ist  Amharisch, die lftung des Lungengewebes (Ventilation) und den
Amtsspr. thiopiens. Weitere Spr. sind die als  Gu- Gasaustausch zwischen Atemgas und Lungenblut
rage zusammengefasste Sprachgruppe sowie das in (Diffusion). Grundlage der Atemmechanik ist eine
wenigen Sprachinseln erhaltene Argobba, das in der period. Erweiterung des Brustkorbes (griech. Łæ-
Nhe Addis Abebas gesprochen wird; Karte  Afri- ÆÇ (thōrax)  ›Brust‹), was eine Erweiterung der
kanische Sprachen, im Anhang.  Harari ist die Spr. Luftwege und Lungenblschen in der  Lunge be-
der Stadt Harar. In den . S. ist durch das  Substrat wirkt. Der entstehende intrapulmonale Unterdruck
der  kuschitischen Sprachen u. a. die Syntax stark fhrt ber die Atemwege zu einer Luftstrçmung in
verndert: Wortstellung SOV, Nebensatz vor Haupt- die Lunge: Einatmung,  Inspiration. In den Lun-
satz, differenziertes Tempussystem mit Auxiliaren. genblschen findet ber eine gasdurchlssige
Geschlossenes Verbsystem mit 4 Diathesen,  Pala- Membran der Gasaustausch zwischen Atemgas
talisierung, verschiedene Labiovelare, keine Inter- und Lungenblut statt, wobei Sauerstoff ins Blut
dentale, keine velarisierten Laute, sondern und Kohlensure ins Atemgas diffundiert. Durch
 Ejektive. Die Vokalqualitt, nicht die -quantitt Reduktion des Brustvolumens kommt es dann zu
ist bedeutungsunterscheidend: /ā ō ē ı̄ ū a i u/ wurde einer Umkehrung der Druckverhltnisse, wodurch
zu /a o e i u  @/. Lit. E. Ullendorff, The Ethiopians. der Gasstrom aus der Lunge gefhrt wird: der In-
Ldn. 1973. – W. Leslau, Amharic Textbook. Wies- spiration folgt die Ausatmung,  Exspiration. – Die
baden 1967. – R. Richter, Lehrbuch der amhar. Spr. Regulation der Atmung erfolgt ber einen biolog.
Lpz. 1987. – E. Ullendorff, A Tigrinya Chrestomaty. Regelkreis im Atemzentrum des Hirnstamms auf
Stgt. 1985. – Sh. Raz, Tigre Grammar and Texts. nicht bewusster Ebene. Bei der Ruheatmung (lat.
Malibu 1983. – J. Tropper, Altthiop. Mnster respiratio muta) erfolgt die Inspiration durch die
2002. WI Kontraktion des  Zwerchfells, was eine Erweite-
Atlantische Sprachen (frher: Westatlantische rung des Brustraumes nach unten bewirkt. Bei Er-
Spr.; frz. Groupe Sngalo-guinen) Westlichste schlaffung des Zwerchfells erfolgt, passiv durch
Gruppe der  Niger-Kongo-Sprachen. Ca. 50 Spr. elast. Rckstellkrfte der Brustwand und der Lunge,
an der atlant. Kste Westafrikas zwischen dem Se- die Exspiration. Unter Bedingungen kçrperl. Akti-
negalfluss und Liberia; Karte  Afrikanische Spra- vitt steigt der Sauerstoffbedarf des Organismus auf
chen, im Anhang. Die grçßten a.S. sind das  Ful das Vielfache, so dass das Volumen der ventilierten
(ca. 13 Mio. Sprecher) und das  Wolof (ca. 4 Mio. Luft pro Zeiteinheit (Atemminutenvolumen) gestei-
Sprecher). Weitere a.S., die auch als S2 Bedeutung gert werden muss. Dies erfolgt ber eine Anhebung
haben, sind das Serer (1 Mio. Sprecher) und Varie- der  Atmungsfrequenz und eine Erhçhung des
tten des Diola (ca. 0,4 Mio.) im Senegal sowie das Atemzugvolumens (»tiefe Atemzge«);  Atemvo-
Attraktion 67

lumen. Dafr stehen außer dem Zwerchfell die an- die vorrangig universellen Minimaleinheiten der
deren Atmungsmuskeln (Brustkorbmuskulatur) und  Metasprache. A. P. dienen zur Erfassung der Be-
die Atemhilfsmuskeln (Bauch und Schultergrtel) deutung semant. komplexer Ausdrcke. A. P. wer-
zur Verfgung, die eine kraftvollere Volumennde- den durch sog. lexikal. Dekomposition gewonnen,
rung des Brustkorbes ermçglichen: die Exspiration wobei die Menge A. P. in dem jeweils vorausge-
wird dabei zu einem aktiven Vorgang. – Neben der setzten theoret. Rahmen begrenzt wird. So werden
lebenswichtigen Funktion des Gasaustausches er- in der von A. Wierzbicka in den 1970er Jahren
fllt die Atmung die Voraussetzung zur  Phonation entwickelten sog. Natural Semantic Metalanguage
und  Artikulation und somit zum Sprechen. Der (NSM) ca. 60 A. P. angenommen, unter ihnen I,
bewegte Luftstrom der Exspiration versetzt die YOU, THIS, ONE, THINK, SAY, GOOD, BAD.
Stimmbnder des Kehlkopfes in Schwingung und Die lexikal. Dekomposition wurde vor allem an-
erzeugt so einen Ton. Im Gegensatz zur Ruheat- hand der  Kausativa diskutiert. Lit. M. Bierwisch,
mung, bei der In- und Exspiration ungefhr gleich Semantic Features and Primes. HSK 33.1, 2011,
viel Zeit in Anspruch nehmen, steigert sich die 322–357. – S. Engelberg, Lexical Decomposition.
Dauer der Exspiration bei der Phonationsatmung HSK 33.1, 2011, 122–144. – A. Wierzbicka, Seman-
(lat. respiratio phonatoria, auch: Sprechatmung) tics: Primes and Universals. Oxford 1996. – Weitere
auf das Vielfache gegenber der Inspiration. Die Lit.  Generative Semantik. F, MYP
Ausatmung erfolgt hierbei aktiv verlangsamt gegen Atonon n. (griech. e ›abgespannt, tonlos‹) In
den bei geschlossener  Glottis erhçhten Strç- der Grzistik Bez. fr eine Gruppe von 10 Lexemen
mungswiderstand der elast.  Stimmbnder. Da- (vier Formen des Artikels, drei Prpositionen, zwei
durch kann der expirator. Luftstrom »çkonomisch« Konjunktionen und das Negationswort ‡ mit den
den Notwendigkeiten der Phonation angepasst wer- Varianten ‡Œ und ‡å), welche als akzentlos gel-
den. – Definiert nach Art der Erweiterung des tend, d. h., dass sie proklit. ( Klitikon) der folgen-
Brustraumes unterscheidet man weiterhin unter- den Akzentstelle subsumiert werden. GS
schiedl. Atmungstypen: Bei der Bauchatmung (Tie- Atoyal  Formosa-Sprachen
fen-, Costoabdominalatmung) erweitert sich inspi- ATR  Advanced Tongue Root
rator. durch die Bewegung des Zwerchfells vor al- Attenuativ (lat. attenuātum ›abgeschwcht‹)  Ak-
lem der untere Brustraum, der Bauch dehnt sich tionsart, die eine Abschwchung, Milderung der
dabei ebenso. Die basalen (unteren) Lungenpartien Intensitt eines Vorgangs oder eines Zustands aus-
werden dabei am besten belftet. Bei der Hochat- drckt, z. B. russ. poobsoxnfflt’ ›langsam, allmhlich
mung (Schlsselbeinatmung) hebt sich, untersttzt trocknen‹, prinažt’ ›einen leichten Druck aus-
durch die Aktivitt der Schultergrtelmuskulatur ben‹, podvpit’ ›ein bisschen trinken‹ (Praet. on
(Atemhilfsmuskulatur), im Wesentl. der obere Brust- podvpil ›er hat einen gehoben‹). Die a. Aktionsart
raum samt Schultergrtel. Die Bauchatmung wird im ist im Russ. auf den  perfektiven  Aspekt be-
Allgemeinen als der physiolog. Atmungstypus ange- schrnkt;  Delimitativ  Diminutiv-iterativ. G, T
sehen. Lit. G. Thews, Lungenatmung. In: R. F. Attenuative Ableitung  Diminutiv
Schmidt & G. Thews (Hgg.), Physiologie des Men- Atti  Kwa-Sprachen
schen. Bln., Heidelberg, N. Y. 292005, 737–765. GL Attisch  Altgriechisch
Atmungsfrequenz Anzahl der Atemzge (Ein- und Attitude  Einstellung
Ausatmung) pro Zeiteinheit. In kçrperl. Ruhe be- Attractio inversa  Attraktion
trgt die A. beim Erwachsenen im Mittel 14 (10–18) Attractio modi  Attraktion
Atemzge pro Minute;  Atmung. GL Attractio relativi  Attraktion
Atmungsinsuffizienz Medizin. Bez. fr alle die Attraktion (lat. attrāctiō ›Anziehung‹) Angleichung
innere oder ußere  Atmung betreffenden Stçrun- eines dominierten an das dominierende Element im
gen des Gasaustausches im Kçrper. Im Gegensatz Hinblick auf morpholog. Kategorien. Bei Modusat-
zur manifesten sind bei drohender A. organ. oder traktion (lat. attractio modi) zieht eine Konjunktiv-
zentrale Regelsysteme zwar schon gestçrt, werden form im dominierenden Satz eine Konjunktivform
jedoch noch vollkommen kompensiert. GT im dominierten Satz nach sich, z. B. dt. Koste es,
Atomar (griech. e (atomos) ›unteilbar‹) In was es wolle!, lat. Vellēs scrı̄bere, cūr ita putārēs!
der  analytischen Sprachphilosophie versteht man ›Wrdest du doch schreiben, weshalb du so
unter einer a. Aussage (dem Elementarsatz) eine denkst!‹. Kasusattraktion liegt vor, wenn das Prdi-
einfache Aussage, die selbst nicht aus anderen Aus- katsnomen im Kasus des Bezugsnomens steht, z. B.
sagen zusammengesetzt ist, z. B. ein singulres Ur- lat. Tibı̄ non licet ōtiōsō esse ›es gehçrt sich fr dich
teil wie ›der Tisch ist rund‹, in dem nur Individuen- nicht, faul/mßig zu sein‹; Mihı̄ est nōmen Gāiō
namen auftreten. PR ›ich heiße Gaius‹. In lat. Grammatiken wird Kasus-
Atomares Prdikat (auch: Primitiv-Prdikat. Engl. kongruenz zwischen Relativum und  Antezedenz
primitive predicate, atomic concept, semantic pri- als attractio relativi bezeichnet, z. B. Nūlla beātior
mitive) In der  Generativen Semantik und in kog- possit esse […] et dēlectātiōne quā (statt: quam)
nitionswiss. orientierten Semantiktheorien Bez. fr dixı̄ et saturitāte ›Keine Lebensweise drfte glck-
68 Attraktion

licher sein, sowohl was das Vergngen betrifft, wo- strukturen mçglich. Lit. Eisenberg II, 238–277. C,
von ich gesprochen habe, als auch im Hinblick auf RL
den berfluss‹ (Cicero, Sen. 56) und als attractio Attribut-Wert-Matrix (Abk. AWM. Auch: Merk-
inversa der Fall, dass das  Antezedens den Kasus malbeschreibung. Engl. feature matrix, feature
des Relativums annimmt, z. B. Naucratem (statt: description, attribute-value matrix; Abk. AVM) For-
Naucrates) quem convernı̄re voluı̄ in nāvı̄ non erat melles Gebilde, verwendet in einigen Theorien
›Naukrates, den ich treffen wollte, war nicht an (z. B.  LFG,  HPSG,  TAG), bestehend aus einer
Bord‹ (Pl. Am. 1009). Numerusattraktion liegt Liste von Attributen (z. B. KASUS, NUMERUS,
z. B. vor in Fllen, in denen das Personalpronomen GENUS, PERSON) und deren Werten (z. B. Geni-
der 1. Person in Subjektsposition koordiniert ist mit tiv, singular, maskulin, 3.; auch: Attribut-Wert-Paa-
einer Personenbezeichnung und dann die Plural- re), um Wçrter (z. B. Tisches), Phrasen oder Regeln
form erhlt, also zum Ausdruck bringt, dass zwei zu modellieren. Whrend  Merkmalstrukturen
Personen agieren, z. B. dt. Der Vater und ich kamen (auch: Attribut-Wert-Strukturen; engl. feature struc-
an vs. russ. my s otcm prichali (wçrtl. ›wir mit ture) alle Eigenschaften eines ling. Objekts bein-
dem Vater kamen an‹) und frz. nous sommes arrivs halten, sind AWM nur Teile davon, mit denen man
avec le pre (wçrtl. ›wir sind angekommen mit dem in ling. Modellierungen arbeitet;  Unifikation,
Vater‹);  Kongruenz,  Constructio ad sensum. G  Unifikationsgrammatiken. MYP
Attribuierung, Attribution  Attribut Attribut-Wert-Paar  Attribut-Wert-Matrix
Attribut n. (lat. attribuere ›zuteilen, zuweisen‹. In Attribut-Wert-Struktur  Attribut-Wert-Matrix
lat. Grammatiken auch: nomen rectum, in Schul- Attributiv Die Funktion  Attribut-von ausbend. C
bchern auch: Beifgung, Gliedteil. Engl. attribute, Attributive Bedeutung  Referentielle Bedeutung
frz. pithte)  Funktion, die ein Ausdruck in Bezug Attributive Lesart  Intensionales Verb
auf den Kern einer nominalen Konstruktion ausbt; Attributsatz (in Schulbchern auch: Beifgungs-
oft auch verwendet als Bez. fr den Ausdruck satz, Gliedteilsatz. Engl. (subordinate) attributive
selbst, der diese Funktion ausbt. Das A. weist clause, frz. proposition (subordonne) pithte)
dem Kern der nominalen Konstruktion eine Eigen- Satzfçrmiges  Attribut einer  Konstituente. Ein
schaft zu und bestimmt ihn nher. Als A. kçnnen A. wird als  Konjunktionalsatz,  Relativsatz,  un-
fungieren: (a) Adj. (khne Trume), (b) NPs im eingeleiteter Nebensatz,  (indirekter) Fragesatz,
Gen. (die Hter des Hauses, eine Grammatik zwei-  Infinitivsatz oder als  Partizipialkonstruktion re-
felhafter Qualitt), auch der sog.  schsische Ge- alisiert. C
nitiv, (c) appositive NPs ( Apposition), (d) PPen Audiogen (lat. audire ›hçren‹, griech. ª  (ge-
(eine Reise an den Vierwaldsttter See, die Dame in nos) ›Art‹)  Dysalien, die auf Funktionsstçrungen
Rot), (e) ein  Relativsatz, (f) ein  Konjunktional- des  Ohres zurckgehen, sind a. G
satz (der Umstand, dass die Insel ihn verzauberte; Audiogramm  Audiometrie
die Zeit, als gute Kinderstube noch etwas galt), (g) Audiolingual (lat. audı̄re ›hçren‹, lı̄ngua ›Zunge,
eine  Infinitivkonstruktion (die Absicht, das Haus Sprache‹) Methode des FU, basierend v. a. auf
zu verkaufen), (h) eine  Partizipialgruppe (die strukturalist. Beschreibungen der S2 und auf beha-
bermßig aufgetakelte Dame; die krnkelnde Kon- viorist. sprachpsycholog. Modellen;  Behavioris-
junktur), (k)  Adverbien (das Auto dort; das Ge- mus. Ziel ist nicht, Wissen ber die S2 zu erwerben,
sprch gestern). Diskutiert wird der A.status von sondern sie fr Alltagssituationen mçglichst schnell
als und wie + NP (der Bock als Grtner, ein Igno- beherrschen zu lernen. Die a. Methode stellte den
rant wie Rudolf); sehr fragwrdig ist eine Einord- Erwerb der  gesprochenen Sprache in den Mittel-
nung von Artikeln, »Artikelwçrtern« und Partikeln punkt. Im weiteren Verlauf der Entwicklung dieser
als A. – Im Falle von prnominalen Adj. oder Methode wurden auch Ergebnisse der ling.  Prag-
appositiven N. als A. ist  Kongruenz zu erwarten; matik bercksichtigt: Die Lerner sollten befhigt
postnominale Adj. oder Partizipien bleiben hinge- werden, charakterist. Sprechhandlungstypen zu rea-
gen unflektiert (Stefanie, schçn und strahlend, …; lisieren. Zu den Prinzipien eines a. Unterrichts ge-
 Apposition). – Bei Satzgliedern mit mehreren A. hçren die Einbung von Sprachmustern durch Imi-
lsst sich meist eine Hierarchie der A. feststellen: in tation und Wiederholung mit dem Ziel der Habitua-
[1 die Problematik [2 der Beziehung [3 zwischen lisierung fremdsprachl. Muster; der Unterricht ver-
Eltern und Kindern]]] ist [1] Kern, [2] A. zum luft grundstzl. (auch im  Anfangsunterricht) ein-
Kern und [3] A. zu [2] Beziehung. Hingegen fungie- sprachig. Fr einen a. Unterricht ist der Einsatz
ren in die vierte, erweiterte Auflage beide Adj. als eines Sprachlabors unabdingbar; hierbei soll das
gleichrangige A. zum Kern Auflage, whrend bei sprachl. Vorbild eines  native speaker nachgeahmt
der Auslassung des Kommas vierte als A. zu erwei- werden. GI, KL
terte Auflage zu werten wre. Das Beispiel zeigt, Audiometrie f. (lat. audı̄re ›hçren‹, griech. æ ø
dass es prinzipiell nicht sinnvoll ist, das A. nur auf (metrēo) ›messen‹ (engl. audiometry, frz. audiomÞ-
den nominalen Kern des Satzgliedes zu beziehen. trie) HNO-rztl. Untersuchungsverfahren zur quan-
Oft sind konkurrierende Analysen von Attribut- titativen Erfassung des Hçrvermçgens. Mittels eines
Auditive Phonetik 69

Tongenerators (Audiometer) wird das  Ohr ber mehr verwendet. Visuelle Medien haben aber in
Luft- (Kopfhçrer) und Knochenleitung (Schall- der  Fremdsprachenmethodik heutzutage einen
quelle auf dem Warzenfortsatz des Felsenbeines) festen Platz. Lit. P. Guberina, La mthode audio-
reinen  Tçnen unterschiedl.  Frequenz ausgesetzt. visuelle structuro-globale. Revue de phontique
Der zunchst unterschwellige Schalldruck wird applique, 1, 1965, 35–64. GI, KL, SO
langsam erhçht, bis der Proband einen Hçreindruck Auditive Phonetik (engl. auditive/aural phonetics,
angibt (Schwellenaudiometrie). Damit lsst sich frz. phontique auditive) 1. Als  deskriptive Pho-
eine Kurve der  Hçrschwellen (Audiogramm) er- netik (auch: Ohrenphonetik) systemat. Beschrei-
heben, wobei Abweichungen von Normalwerten bung der wahrgenommenen phonet. Ereignisse
das Ausmaß eines Hçrverlustes in  Dezibel (dB) nach (meist) artikulator. ( artikulatorische Phone-
wiedergeben. Weiterhin kann durch Vergleich der tik) Merkmalen. – 2. Als Teildisziplin der  Experi-
Kurven (Luft- und Knochenleitung) zwischen mentalphonetik (auch: perzeptive Phonetik) Erfor-
Schalleitungs- (Mittelohr) und Schallempfindungs- schung der physiolog. und psycholog. Vorgnge bei
stçrungen (Innenohr) sowie retrocochleren (d. h. der Wahrnehmung  gesprochener Sprache
nervalen) Stçrungen unterschieden werden. Bei der ( akustische Phonetik). Neben direkten physiolog.
Sprachaudiometrie wird die Verstndlichkeit von S. Messungen (z. B. evozierte Potentiale) werden hier-
ber normierte Tontrgeraufnahmen in unterschiedl.
 Lautstrke geprft. Neben diesen klass. subjekti-
ven audiometr. Verfahren, die die Mitarbeit des
Probanden erfordern, kommen bei kleinen Kindern
(Neugeborenenscreening) oder kooperationsunfhi-
gen Patienten objektive Verfahren zur Anwendung.
Bei der Messung der otoakustischen Emissionen
(OAE) werden die Ohren seitengetrennt mittels ei-
ner Sonde im Gehçrgang mit einem Prfton be-
schallt, die aktive Emissionsantwort der Haarzellen
im Innenohr wird mittels eines Sensors in der Sonde
erfasst. Bleiben diese Emissionen partiell oder
gnzlich aus, weist dies auf eine Schdigung des
Innenohres hin. Bei der Brainstem Electric Res-
ponse Audiometry (BERA) wird die Funktion der
Hçrbahn von der Schnecke ber den Hçrnerv (N.
vestibulocochlearis, VIII. Hirnnerv) zu den ver-
schiedene Kerngebieten des Stammhirn geprft. Kategoriale Wahrnehmung eines akustischen Kontinuums
Nach Beschallung des Ohrs wird die Nervenaktivtt (dnne Linien: Identifikation; dicke Linien: berechnete
erfasst, indem Elektroden auf der Kopfhaut die (grau) / gemessene (schwarz) Diskriminationsleistung)
elektrischen Potentiale (evozierte Potentiale) erfas-
sen. Lit. R. Laszig E. Lenhard, Prakt. A. Stgt. 2009.
GL
Audiovisuell (lat. audı̄re ›hçren‹, vı̄dēre ›sehen‹,
frz. visuel ›sichtbar‹. Abk. AV) Bez. fr die Ver-
bindung von auditiven (z. B. Sprachlabor, Ton-
band, Tonkassetten) mit visuellen Medien (z. B.
Dia, Film, Video). Eine entscheidende Rolle spie-
len wie auch in der  audiolingualen Methode der
Primat des Mndl., strenges Durchhalten der Ein-
sprachigkeit, Lernen ber Imitation eines mutter-
sprachl. Vorbildes und Strukturmusterbungen
( Pattern Drill).  Kontext und  Situation werden
ber die Darbietung des Bildes strker bercksich-
tigt. Als Haupttextsorte wird der  Dialog einge-
setzt. Der Unterricht folgt einer strengen Phasen-
einteilung: (a) Darbietung des dialog. strukturier-
ten Lernstoffes ber Bild und Ton, (b) Verstehen
und Nachahmen des dargebotenen Stoffes, (c)
Einben des Materials, (d)  Transfer des Gelern-
ten auf mçgl. andere Situationen. Die AV-Methode Identifikation mit eingezeichneten Kategoriegrenzen
wird inzwischen v. a. wegen dieser starren Unter- (Pfeile) vor (dnne Linien, offene Pfeile) und nach der
richtsform und der Fixierung auf den Dialog nicht Adaption (dicke Linien, gefllter Pfeil) mit [bæ]
70 Auditive Phonetik

bei insbesondere die Hçrerurteile zu manipulierten Fallbeschreibungen. Bern 22006. – N. Lauer, Zen-
bzw. synthet. akust. Sprachsignalen untersucht tral-auditive Verarbeitungsstçrungen im Kindesalter.
( Sprachsynthese). – Spezielle Effekte der Sprach- Grundlagen – Klinik – Diagnostik – Therapie. Stgt.
3
wahrnehmung bzw. hufig eingesetzte experimen- 2006. – N. Ptok et al., Auditive Verarbeitungs- und
telle Verfahren sind u. a. (a) Kategoriale Wahrneh- Wahrnehmungsstçrungen. Konsensusstatement. In:
mung: bei der Identifikation von in physikal. gleich HNO 48, 2000, 357–360. GT
großen Schritten variierten akust. Sprachsignalen Aufbauwortschatz  Grundwortschatz
(z. B. einem Kontinuum mit monotoner nderung Auffindungsprozedur (auch: Entdeckungsprozedur.
der Startfrequenz des 2. Formanten als akust. Merk- Engl. discovery procedure, frz. procdure de dcou-
mal fr die  Artikulationsstelle des silbeninitialen verte) Bez. fr Verfahren zur Auffindung sprachl.
Plosivs;  akustische Phonetik) zeigt sich bei der Regularitten und grammat. relevanter Kategorien,
Aufgabe der Identifikation eine nichtlineare Zuord- insbes. durch die Anwendung strukturalist. Methoden
nung der Stimuli zu den einzelnen Lautkategorien wie  Segmentierung und  Klassifizierung. F
(im Beispiel [b, d, g]), bei der Diskrimination von Aufforderung In der  Sprechakttheorie als Sprech-
Stimuluspaaren aus diesem Kontinuum eine Unter- akttyp klassifizierte Handlungseinheit, deren Haupt-
scheidungsfhigkeit nur bei Paarungen von Stimuli, charakteristikum darin besteht, den Adressaten ei-
die bei der Identifikation unterschiedl. Kategorien ner ußerung zu einer best. Handlung oder ihrer
zugeordnet wrden. (b) Selektive Adaptierbarkeit: Unterlassung zu veranlassen; i. S. der von Searle
Bei einer dem Identifikationstest vorgeschalteten (1979) konstatierten Zuordnung von ußerung zur
Dauerbeschallung mit einem akust. klaren Vertreter Welt gehçren A. in die Klasse der  Direktive mit
einer der im Kontinuum vorkommenden Lautkate- einer Welt-auf-Wort-Ausrichtung. Dt. Verben, die
gorien (im Beispiel [bæ]) verschiebt sich die Gren- Elemente dieser Klasse bezeichnen, sind z. B. be-
ze der Kategorienwahrnehmung zuungunsten dieser fehlen, anordnen, auffordern, pldieren, bitten, ein-
Adapterkategorie. (c) Rechts-Ohr-Vorteil (engl. laden, raten, verbieten;  Imperativ,  Prohibitiv,
right ear advantage, REA. Auch: rechtsohriger Vor-  Sprechaktklassifikation. Lit. E. Kçnig & P. Sie-
teil): Werden einer Versuchsperson zwei unter- mund, Speech Act Distinctions in Grammar. In: T.
schiedl. akust. Sprachsignale dichotisch (gleichzei- Shopen (ed.), Language Typology and Syntactic
tig beiden Ohren konkurrierende Stimuli) dargebo- Description. Cambridge 2005. – J. Meibauer, Satz-
ten, so zeigt sich ein Wahrnehmungsvorteil fr das typ und Pragmatik. In: Ders. u. a. (Hgg.), Satztypen
rechte Ohr (bedingt durch die (kontralaterale) Ver- des Dt. Bln. 2013, 711–736. – J. Searle, A Taxono-
arbeitung von Sprache in der linken Großhirnhemi- my of Illocutionary Acts. In: Ders. (ed.), Expression
sphre). – Lit. C. J. Darwin, The Perception of and Meaning. Cambridge 1979, 1–29. – C. Talegha-
Speech. In: E. C. Carterette & M. P. Friedman ni-Nikazm, Request Sequences: The Intersection of
(eds.), Handbook of Perception. Vol. 7: Language Grammar, Interaction, and Social Context. Amster-
and Speech. N. Y. 1976, 175–226. – D. B. Pisoni & dam 2006. F, MYP
R. E. Remez (eds.), The Handbook of Speech Per- Aufforderungssatz (auch: Imperativsatz. Engl. hor-
ception. Malden, Mass. u. a. 2005. – F. Restle et al. tatory sentence, frz. proposition hortative) Klasse
(eds.), Cognitive Theory, Vol. 1. Potomac, Mary- von Stzen, deren wichtigste pragmat. Funktion der
land 1975. – M. Studdert-Kennedy, Speech Percep- Ausdruck einer  Aufforderung ist;  Aufforderung,
tion. In: N. J. Lass (ed.), Contemporary Issues in  Direktive,  Imperativ,  Satzmodus,  Satztyp. F
Experimental Phonetics. Springfield, Illinois 1975, Aufgaben-Raum  Artikulatorische Phonologie
243–293. PM Aufhebbare Opposition  Opposition
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstç- Aufhebungsstellung (auch: Neutralisationsstel-
rungen (Abk. AVWS. Engl. central auditory proces- lung) In der Terminologie N. Trubeckojs (1890–
sing disorders) Seit etwa 30 Jahren werden AVWS 1938) eine Lautstellung, in der eine in einer Spr.
als spezif. Stçrungsbild erfasst. Eine AVWS liegt sonst (in der Relevanzstellung) vorhandene phono-
vor, wenn eine klass. periphere Hçrstçrung nach log.  Opposition aufgehoben, neutralisiert ist und
audiometr. berprfung ( Audiometrie) ausge- nur die beiden Oppositionsgliedern gemeinsamen
schlossen ist. Wesentl. Stçrungsbereiche sind die Merkmale phonolog. relevant bleiben ( Archipho-
auditive Lokalisation, Selektion, Differenzierung, nem), z. B. der dt. Auslaut als A. fr die Stimm-
Merkfhigkeit, Analyse und Synthese sowie das di- beteiligungskorrelation,  Auslautverhrtung. PM
chot. Hçren. Um die AVWS von anderen Stçrungs- Aufrichtigkeitsbedingungen  Expressive,  Gruß-
bildern abzugrenzen, ist eine aufwendige Diagnostik formel,  Sprechakt
notwendig. Leichtere Flle werden ambulant oder Aufsatzunterricht (frz. enseignement de rdac-
intergrativ, schwere hufig an Hçrgeschdigtenschu- tion) Zentraler Bereich des  muttersprachlichen
len beschult, wo ihr Anteil im Bundesdurchschnitt Unterrichts (1.), der in allen Schulstufen vorge-
bei etwa 8 % liegt. Lit. G. Bçhme, Auditive Verar- sehen ist, auch unter Stichwçrtern wie »Textpro-
beitungs- und Wahrnehmungsstçrungen (AVWS) im duktion« und  Schreiben behandelt. Mit solchen
Kindes- und Erwachsenenalter. Defizite, Diagnostik, Etikettierungen soll angedeutet werden, dass man
Augenkommunikation 71

sich von einem traditionellen A., in dem vorgefer- nicht linear entlang der linearen Kette von Zeichen,
tigte Formen (wie Bericht, Schilderung, Bildbe- sondern in Sprngen ( Saccade). Die Anzahl und
schreibung, Referat usw.) eingebt werden, fortbe- Weite dieser Sprnge hngt mit der Komplexitt des
wegen und auch Anstze integrieren mçchte, die Satzes bzw. Textes und der kognitiven Reife des
unter Stichwçrtern wie »freies (kreatives) Schrei- Lesers zusammen. Je schwieriger ein Text ist,
ben« einzuordnen sind;  Kreatives Schreiben, umso hufiger sind die Saccaden und umso lnger
 Schreibenlernen. Von grçßter Bedeutung ist die ist die  Fixation einzelner Textelemente. Die
Frage nach den Kriterien bei der Korrektur von durchschnittl. Lnge der Fixationen betrgt ca. 200
Aufstzen. Eine objektive Korrektur scheint kaum ms, die durchschnittliche Saccadenweite sieben
mçglich; Untersuchungen haben immer wieder ge- Buchstaben. Sie ist i. d. R. auf das folgende Wort
zeigt, dass verschiedene Lehrer denselben Aufsatz gerichtet. Das Zusammenspiel von Fixationen und
unterschiedl. korrigieren und benoten. Die Kriterien Saccaden beim Lesen liefert wertvolle Hinweise auf
fr die Bewertung von Texten der Lerner sind un- den Ablauf kognitiver Verarbeitungsprozesse und ist
einheitl. und umstritten. Lit. O. Ludwig, Der Schul- deshalb von zentraler psycholing. Bedeutung. Zur
aufsatz. Seine Geschichte in Deutschland. Bln., Messung des Blickverhaltens werden  Eyetracker
N. Y. 1988. GI, KL, SO verwendet. Lit. W. Inhoff & K. Rayner, Das Blick-
Aufzhlung (lat. ēnumerātiō) Anordnung einer verhalten beim Lesen. HSK 10, 2, 942–957. ES
Wort- oder Satzreihe zu einer »koordinierenden Augenblicksbildung  Gelegenheitsbildung
Hufung im Kontakt« (Lausberg 1990, § 669). In Augenblickslaut  Plosiv
der antiken  Rhetorik sprachl. Mittel der Beweis- Augenkommunikation (auch: Blickkommunika-
fhrung (argūmentātiō). Ihre Glieder sind die koor- tion, Visuelle Interaktion) Elementares Element je-
dinierten Teile eines Ganzen. Die die A. zusammen- der  Face-to-face-Kommunikation, das art- und kul-
setzenden Teile sind grundstzlich einander gleich- turspezif. unterschiedl. kodiert ist. In jedem direkten
geordnet (sowohl semant. als auch syntakt.); Interaktionsvorgang ist A. prsent, denn Blickkon-
 Asyndese,  Syndese. Die A. als  rhetorische Fi- takt genauso wie Wegschauen sind signifikative non-
gur kann darber hinaus an jeder Stelle auftreten. – verbale Elemente der Kommunikation. Bei vielen
A. kçnnen durch die Konjunktionen und oder sowie Tierarten sind Anstarren bzw. Wegsehen Signale fr
verbunden sein. Man unterscheidet A. als  rhetori- Drohung, Interesse oder Verteidigungsbereitschaft
sche Figuren danach, ob und wie sie durch Kon- bzw. Desinteresse und Friedfertigkeit;  Zoosemio-
junktionen verbunden sind und ob und wie sie einen tik. In der menschl. A. scheint es universelle Ge-
Kollektivbegriff (ein zusammenfassendes Glied) meinsamkeiten (z. B. Brauenheben als Zeichen von
voranstellen oder nachstellen. Die rhetor. Figur der berraschung) und vielerlei kulturelle Differenzen
steigernden Aufzhlung heißt Klimax (griech. ›Lei- zu geben, z. B. bei der Hufigkeit und Zulssigkeit
ter‹), wobei die Reihenfolge semant. festgelegt ist von Blickkontakten zwischen Kommunikationspart-
(vom weniger Bedeutenden zum Wichtigen oder nern von verschiedenem Alter, Geschlecht und so-
vom ›schwachen‹ zum ›starken‹ Wort;  Konnota- zialem Status. So ist z. B. direkter Blickkontakt zwi-
tion). Bei der Klimax nimmt jedes Folgeglied an schen Lehrer und Schler in Deutschland normal
Gewicht zu, so dass das letzte Element der Reihung (Blickvermeidung des Schlers wird als unhçflich
semant. den Hçhepunkt der ußerung enthlt, z. B. und ggf. als Schuldeingestndnis gewertet), whrend
Das große Karthago fhrte drei Kriege. Es war er z. B. in traditionellen nordafrikan. Kontexten als
noch mchtig nach dem ersten, noch bewohnbar Unverschmtheit seitens des Kindes gewertet wrde.
nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar A. fungiert als Ausdrucksmittel fr elementare zwi-
nach dem dritten (B. Brecht). Im Ggs. dazu be- schenmenschl. Beziehungen wie Sympathie, Antipa-
zeichnet die Antiklimax eine semant. abfallende thie, Angst, sexuelles Interesse, Aggression, Feind-
Reihung, z. B. Mnner, Frauen und Kinder. – Bei schaft, Dominanzstreben und Intimitt. Empir. Un-
der Gradation (lat. gradātiō »Steigerung‹) handelt es tersuchungen ergaben, dass in der A. Emotionen wie
sich um eine durch Hinzufgung gebildete rhetor. Freude, berraschung, Verrgerung, Abscheu und
(Wort-)Figur, bei der eine stufenweise Steigerung Trauer zieml. eindeutig kommuniziert werden. Der
stattfindet nach dem Muster a…b / b…c / c…d. Die signifikative Wert von unwillkrl. Pupillenreaktio-
Gradation ist eine fortgesetzte  Anadiplose, z. B. nen und Augen- und Lidbewegungen (z. B. Zwinkern
Dem Africanus erwarb seine Ttigkeit Tugend, sei- als Einverstndnissignal) ist noch weitgehend uner-
ne Tugend Ruhm, sein Ruhm Nebenbuhler (Rhetorik forscht, ebenso die Rolle der A. bei der Vorbereitung
an Herennius). Lt. H. Lausberg, Handbuch der lit. des  Sprecherwechsels. Die Taxonomie der A. um-
Rhetorik. Stgt. 42008. VS fasst nach Nçth (2000, 311 f.) folgende Modi der A.
Aufzhlungswort  Ordinalzahl (in abnehmender Intensitt): (a) Blickkontakt (ge-
Augenbewegung beim Lesen Die visuelle Wahr- genseitiger Blick in die Augen), (b) gegenseitiger
nehmung ist generell von sprunghaften Bewegun- Blick (ins Gesicht), (c) einseitiger Blick, (d) Blick-
gen einerseits und Phasen der Fixierung anderseits bewegung, Blickwechsel, (e) Blickunterlassung ei-
geprgt. Auch beim Lesen bewegen sich die Augen nes Partners, (f) Blickvermeidung (Wegblicken eines
72 Augenkommunikation

Partners), (g) gegenseitige Blickvermeidung. Eine Ausbau  Ausbausprache


umfassende Taxonomie der A. findet sich in Ehlich Ausbausprache Von H. Kloss in die  Soziolingu-
& Rehbein (1982, 48–77);  Mimik,  Nonverbale istik eingefhrter Terminus, der einen der beiden
Kommunikation,  Paralinguistik. Lit. W. Nçth, hauptschl. Grnde benennt (neben Abstand;  Ab-
Handbuch der Semiotik. Kap. V, 5. Stgt., Weimar standsprache), warum eine Variett als eigenstndi-
2
2000. – H. G. Walbott, Nonverbale Phnomene. ge Spr. gilt, nmlich ihre Ausgebautheit. Der Aus-
HSK 3, II, 1987, 1227–1237. G bau einer Variett geschieht durch  Verschriftung,
Augenreim  Reim  Standardisierung, Modernisierung (Entwicklung
Augment (lat. augmentāre ›vermehren‹) Ursprngl. fachl.  Terminologien) und die Verwendung in der
das idg. Prfix e- (ē-) im Indikativ der A.-Tempora Fachliteratur (Sachprosa). Insbesondere durch ihre
 Imperfekt,  Aorist und  Plusquamperfekt, das Verwendung in der wiss. Lit., vor allem in den Natur-
vor konsonant. anlautender Wurzel als silbisches wiss., wird dieser Ausbau gefçrdert. Eine ausgebaute
A., vor Vokal als Vokallngung (temporales A.) in Variett bedarf nicht des Abstandes, um als eigen-
Erscheinung tritt. Spter Silben-A. auch fr Affixe stndige Spr. zu gelten. Eine gewisse Mindestdistanz
allgemein (z. B. die nicht selbstndig vorkommen- von allen anderen Varietten ist jedoch ebenfalls
den Prverbien be-, ge-, er- des Dt.). PM erforderlich. So ist z. B. das  çsterreichische
Augmentativ  Evolutiv Deutsch dem dt. Deutsch – trotz Ausgebautheit –
Augmentativbildung (lat. augmentāre ›vermehren‹. zu hnl., um als eigenstndige Spr. zu gelten.  Let-
Auch: Amplifikativum, Augmentativum, Vergrçße- zeburgisch z. B. hat dagegen die erforderl. Mindest-
rungsform) Semant. bestimmte  Ableitung, deren distanz und gilt sptestens seit seiner Standardisie-
im Vergleich zur adj. oder subst. Basis zustzliches rung als eigenstndige Spr., obwohl es keinen Ab-
Merkmal in der Steigerung oder Verstrkung be- stand hat, denn es ist vom Standarddt. ling. nicht
steht. Neben Prfigierungen (erzkonservativ, Erzbi- weiter entfernt als manche dt. Dialekte. Lit. H.
schof) stehen A. mit Erstgliedern, deren morphem- Kloss, Die Entwicklung neuer german. Kulturspr.
kategoriale Einordnung strittig ist, z. B. mega- seit 1800. Ddf. 21978. – H. Haarmann, Abstandspra-
( Affix oder  Konfix?) oder riesen- (Affix oder che – Ausbausprache. HSK 3, I, 238–250. AM
 Affixoid?). Dissens besteht auch darin, ob dever- Ausdruck  Glossematik,  Signifikant,  Inhalt
bale Verben wie betrinken zu den A. gehçren (Kar- Ausdrucksebene, -form, -linie, -plan, -seite,
belaschwili 2001, 135). Gelegentl. wird hier von -substanz  Form 3,  Glossematik
 Intensivbildungen gesprochen. Unstrittig kann Ausdrucksfunktion  Axiomatik der Sprachwissen-
die semant. Funktion der Augmentation auch durch schaft,  Bhlersches Organonmodell,  Emotiv
lexikal. Wortbildungsmittel erreicht werden (vgl. Ausdrucksstellung  Kontraststellung
Minibus – Kleinbus). Der Terminus A. bezeichnet Ausgabe  Eingabe
aber ausschließlich  Derivate, deren Antonyme die Ausgabeschicht  Neuronales Netz
 Diminutivbildungen sind. Lit. S. Karbelaschwili, Ausgangspol  Zielpol
Lexikon zur Wortbildung der dt. Spr. Regensburg Ausgangsschrift  Schulschrift
2
2001. ES Ausgangssprache (engl. source language, frz.
Augmentativum  Augmentativbildung langue-source) 1. Bez. fr eine Spr., aus der in
Augmented Transition Network (Abk. ATN. Auch: eine  Zielsprache bersetzt oder gedolmetscht
Erweitertes bergangsnetzwerk). Ein von W. Woods wird. 2. S1 von Personen, die (eine) weitere
entwickelter Formalismus zur Syntaxanalyse, der Spr.(n) lernen oder verwenden. 3. (Auch: Quellspra-
Aufschluss ber die Sprachverarbeitung im  Gehirn che, Gebersprache. Engl. donor language) Spr., aus
geben soll. ATNs stellen eine Erweiterung von re- der lexikal. oder grammat. Elemente in eine andere
kursiven bergangsnetzwerken (Recursive Transi- Spr. ( Empfngersprache) bernommen werden;
tion Networks, RTNs) dar. Wesentl. Bestandteile  Sprachkontakt. G
von RTNs sind (a) die  Knoten, (b) die beschrifteten Ausgleich In der Konzeption der  Junggramma-
 Kanten und (c) rekursive Subnetzaufrufe. In ATNs tiker das Resultat des Wirkens der Gesetze der
sind auch (d) bergnge mit Vorbedingungen und  Analogie, die A. auf verschiedenen Ebenen der
Aktionen, Register (d. h. globale Variablen) und Un- Sprachstruktur bewirken, z. B. (a) lautl. bzw. graph.
terprogramme in LISP erlaubt. Die grammat. Analy- A. in Fllen wie trgen < mhd. triegen analog zu
se eines Satzes geschieht  top-down ( Suchalgo- lgen, (b) formaler A. in Fllen wie dem des {-s}
rithmus) und ist bei restriktiver Verwendung von bei einigen Zeitadverbien des Dt. (z. B. nachts),
Tests und Aktionen sehr effizient, obwohl ATNs die (c) A. durch paradigmat. Vereinheitlichung bzw.
Ausdrucksmchtigkeit einer  Turing-Maschine Vereinfachung, z. B. backte, sendete statt buk, sand-
( Formale Sprachen) haben. Lit. W. A. Woods, te. G
Transition Network Grammars for Natural Language Ausgleichskomponente  Morphologische Kom-
Analysis. In: Communications of the ACM 13 (10), ponente
1970, 591–606. Z Ausgleichsmundart Ergebnis eines Annherungs-
Ausatmung  Exspiration prozesses mehrerer Dialekte, der aufgrund von Syn-
Aussagenlogik 73

chronisierungsprozessen bei der Interaktion von offen usw., (e) Pragmatik: z. B. ungerechtfertigtes,
Dialektsprechern zu neuen Dialekten mit neuen diskriminierendes Duzen. A. beruhen mitunter auf
sprachl. Eigenschaften fhrt. Bekannte Beispiele der wohlmeinenden Absicht, dem Partner die Kom-
sind der ostmd. Dialekt als ›koloniale‹ – also neu- munikation zu erleichtern, vielfach zielen sie jedoch
siedlerische – Ausgleichsmundart (und Basis fr die auf seine Diskriminierung ab. In Deutschland sind
hochdt. Standardspr.), der schles. Dialekt oder die A. sptestens seit dem Beginn des 20. Jh. belegt
stdt. Dialekte (aufgrund ihres Zuzugs von Spre- (z. B. in Spottversen auf poln. Einwanderer im
chern verschiedener Dialekte). K Ruhrgebiet (vgl. Glck 1982), vielfach auch in alten
Ausgliederung  Ausklammerung Filmen). Lit. M. Clyne (ed.), Foreigner Talk (IJSL,
Aushiri  Sdamerikanische Indianersprachen 28). The Hague 1982. – V. Hinnenkamp, Foreigner
Ausklammerung (auch: Ausrahmung,  Nachtrag. talk und Tarzanisch. Hamburg 1984. – Ders., Inter-
Engl. exbraciation) Extraposition von Elementen aktionale Soziolinguistik und Interkulturelle Kom-
im Satz nach rechts in die strukturelle Position im munikation. Gesprchsmanagement zwischen Deut-
Nachfeld, außerhalb der durch finites und infinites schen und Trken. Tbingen 1989. G
Element des Prdikats gebildeten  Satzklammer, Auslandsgermanistik  Deutsch als Fremdsprache
z. B. Sie haben gestritten von morgens bis abends. Auslandslinie  Deutsch als Zweitsprache
Anders als bei der  Herausstellung gibt es kein Auslassung  Ellipse
Bezugselement. In der lteren Ling. wurde hufig Auslassungszeichen  Apostroph,  Interpunktion
der Standpunkt vertreten, der Satzbau sei mit Auslaut  Silbenkoda
Schließung der  Satzklammer abgeschlossen. Der Auslautgesetz  Besondere  Lautgesetze, die
Terminus A. nimmt darauf Bezug, dass nach dem markierte Position an Wort- und Silbengrenze be-
eigentl. Satzende, also im  Nachfeld (NF) noch treffend; im Germ. als suffigierender Spr. durch die
Einheiten (Satzglieder und Satzgliedteile) nachge- gg. dem Lexem geringere morphol. Stabilitt der
schoben werden. Diese Sicht ist empir. und theoret. Endungen sowie den Erstsilbenakzent ( Initialbeto-
berholt. Es muss mindestens differenziert werden, nung) noch verstrkt. Typ. Prozesse sind die  Aus-
ob diese Einheiten satzwertig realisiert sind oder lautverhrtung (germ. *hauzjan > got. hausjan ›hç-
nicht. Nebenstze, Relativstze und Infinitivkon- ren‹; ahd. kind > mhd. kint) oder  Krzung,
struktionen etwa »weisen eine besonders hohe Schwund auslautender Silben (idg. *bhronti ›sie
Nachfeldaffinitt auf« (Vinckel-Roisin 2015, 3) und tragen‹, got. baı́rand, ahd. berant, nhd. (ge)bren),
sind dementsprechend im NF nicht als grammat. engl. bear; idg. *krnom, urgerm. *hurnan, horna
markiert anzusehen, ebensowenig freistehende  Ap- ˚ Horn). Ihren gravierendsten
(Gallehus € 400), nhd.
positionen und  Vergleiche. Auch sind Unterschiede Niederschlag finden die germ. A. im Umbau des
bei der NF-Besetzung im Gesprochenen und Ge-  synthetischen zum  analytischen Sprachtyp. Lit.
schriebenen auszumachen. Lit. H. Vinckel-Roisin D. Boutkan, The Germanic ›Auslautgesetze‹. Ams-
(Hg.), Das Nachfeld im Dt. Bln., Boston 2015. SF terdam 1995. RK
Auslnderpdagogik  Deutsch als Zweitsprache Auslautverhrtung Stimmtonverlust bzw. Fortisie-
Auslnderregister (auch: foreigner talk, petit ng- rung ( Fortis) des Wort- bzw. Silbenauslauts, was
re) Weitgehende, vielfach fehlerhafte »Vereinfa- zur  Neutralisierung der sonst phonolog. gegebe-
chungen« in ußerungen von Muttersprachlern in nen stimmhaft-stimmlos- (bzw. fortis-lenis-) Oppo-
der Kommunikation mit Nichtmuttersprachlern, die sition fhrt; z. B. nhd. Tag (mhd. tac) [ta:kh] vs.
z. T. auf populren Hypothesen ber besondere Tages [-g-]. PM
Schwierigkeiten der betreffenden Spr. beruhen, Ausrahmung  Additiver Anschluss,  Ausklamme-
z. T. verbreitete Fehler von Nichtmuttersprachlern rung,  Nachtrag
kopieren. Ein A. kann verschiedene Bereiche be- Ausrufesatz  Exklamativsatz
treffen: (a) Phonetik und Intonation: berkorrekte Ausrufewort  Interjektion
Artikulation, unnatrl. Verlangsamung des Sprech- Ausrufezeichen, Ausrufungszeichen  Interpunk-
tempos ( »DaF-Aussprache«), (b) Lexik: Vermei- tion
dung von Wçrtern, die man fr »schwer« hlt, ber- Aussage  Allaussage,  Existenzaussage,  Propo-
mßig hufiges Einschieben von Paraphrasen, sition
(c) Morphologie: im Dt. z. B. der »Gastarbeiterin- Aussagenlogik Eine Aussage ( Behauptung, Ur-
finitiv« (d. h. die Reduktion aller Verbformen auf teil,  Proposition) ist nach Aristoteles etwas, von
den Infinitiv, wobei Zeitrelationen lexikalisiert wer- dem man sinnvoll sagen kann, es sei wahr oder
den, z. B. Ich gestern Hannover fahren; Er morgen falsch. Die A. ist ein Teil der  formalen Logik,
wollen Freund besuchen), die Ersetzung der Kom- die sich mit Satzkonstruktionen befasst. Es werden
paration durch Gradangaben z. B. mehr schnell, viel diejenigen sprachl. Ausdrcke untersucht, mit de-
gut, (d) Syntax: im Dt. z. B. Weglassen der Kopula nen sich aus gegebenen Stzen neue komplexere
(Hinnenkamps schçnes Beispiel »Du trkisch Stze erzeugen lassen. Grundlegend fr die A. ist
Mann«), Abweichungen von der regulren Wortstel- das Postulat der Wahrheitsdefinitheit, wonach jeder
lung z. B. Nix kommen du morgen, Bro nix jetzt Aussagesatz, der keine Indikatoren (ich, du, jetzt,
74 Aussagenlogik

heute, hier usw.;  Deixis) enthlt, entweder wahr ßerns wie auf deren Resultat. In zeichenzentrierten
oder falsch ist. Die zur Verknpfung verwendeten ling. Theorien (z. B. in der Saussure-Rezeption)
sprachl. Ausdrcke (Satzoperatoren) sind:  Nega- wird . auf die  Parole bezogen, bei Chomsky
tion,  Konjunktion (und),  Adjunktion bzw. nicht- der Performanz zugerechnet und so aus der syste-
ausschließende  Disjunktion (nichtausschließendes mat. ling. Analyse ausgeklammert. – In Theorien,
oder),  Implikation (wenn, so),  quivalenz (ge- die auf nominalist. Grundannahmen basieren, ge-
nau dann, wenn). Zur Beurteilung der Wahrheits- winnt . z. T. die Qualitt einer elementaren Grund-
verteilung bezgl. der durch die Verknpfung von einheit (vgl. Bloomfield 1926). . sind jedenfalls
Teilaussagen mittels Satzoperatoren entstandenen sinnlich (durch akust. oder visuelle Umsetzung)
komplexen Aussagen wird mit Wahrheitswerttabel- wahrnehmbar gemachte sprachl. Handlungen. Erst
len gearbeitet. Der  Wahrheitswert ›wahr‹ ist bei der  ußerungsakt bedeutet die vollstndige Rea-
der Konjunktion nur gegeben, wenn beide Teilstze lisierung einer sprachl.  Handlung oder einer
wahr sind, bei der Implikation der Wahrheitswert selbstsuffizienten sprachl.  Prozedur. Hufig wird
›falsch‹ nur dann, wenn der Vordersatz wahr und der Ausdruck . herangezogen, um Probleme bei
der Hintersatz falsch ist, bei der  quivalenz der der Definition von  »Satz« zu umgehen. . er-
Wahrheitswert ›wahr‹, wenn beide Teilstze densel- scheinen dann als kleiner, gleich groß oder grçßer
ben Wahrheitswert haben. Ein Satz heißt aussagen- als der Satz. Die Grenzen der . sind in diesem
log. ›wahr‹, wenn er immer wahr ist, unabhngig Zusammenhang theoret. von grundlegender Bedeu-
davon, welche Wahrheitswerte seine einfachen Teil- tung. Das hierfr herangezogene Kriterium (insbe-
stze haben. PR sondere im  Distributionalismus, vgl. Harris 1966)
Aussagesatz  Deklarativsatz der »zwischen zwei Pausen produzierte(n) Laut-
Aussageweise  Modus (oder Schriftzeichen-)Kette« ist empir. schwer um-
Aussagewort In Schulbchern vorkommende Bez. zusetzen, weil  Pausenmarkierungen von unter-
fr  Verb. G schiedl. Faktoren beeinflusst werden. – Eine syste-
Ausschließende Konjunktion  Disjunktion,  Kon- mat. Rekonstruktion der Kategorie . ist im Rah-
junktion men der ling. Pragmatik dann mçglich, wenn . als
Außenfeld  Feldgliederung ußerungsakt verstanden und zugleich traditionelle
Außenperspektive  Additiv,  Interkulturelle Ger- Termini der ling. Theoriebildung wie »Satz« auf das
manistik sprachl. Handeln als eine dafr relevante sprachl.
ußere Rekonstruktion  Innere Rekonstruktion, Form bezogen werden. Lit.  Illokution. E
 Rekonstruktion ußerungsakt Von Searle in die  Sprechakttheorie
ußere Sprachwissenschaft Zusammenfassende eingefhrte Zusammenfassung des phonet. und
Bez. fr ling. Modelle und Methoden, die neben  phatischen Aktes bei Austin. In die Sprechhand-
sprachl. Fakten i. e. S. (d. h. den Gegenstnden der lungstheorie ( Sprechhandlung) bernommene Ka-
Phonologie, der Morphologie, der Lexikologie und tegorisierung fr die Umsetzung der beim »Spre-
Wortbildung, der Syntax und der Semantik) auch cher« mental vorbereiteten propositionalen und il-
ußere Faktoren, die mit der Sprachentwicklung lokutiven Akte. Durch den . wird die Sprechhand-
bzw. der Sprachverwendung korrelieren, (mehr lung realisiert, d. h. fr den  Hçrer sinnl. zugng-
oder weniger) systemat. in ihre Beschreibungen lich gemacht. Erst der . konstituiert die vollstn-
und Analysen einbeziehen; Ggs.  Innere Sprach- dige sprachl. Handlung. Durch sie wird die ›origo‹
wissenschaft. G in der  Sprechsituation konkret gesetzt. Lit.
ußerer Plural  Gesunder Plural  Sprechhandlung. E
Außersprachlich (auch: extralinguistisch) Gegen- ußerungsbedeutung (engl. utterance meaning)
stnde und Sachverhalte, die nicht in den Unter- Im Rahmen einer reifizierenden (verdinglichenden)
suchungsbereich der Sprachwiss. gehçren, sind a., Sprachauffassung entwickelte Kategorie zur Be-
wobei diese Festlegung stets davon abhngig ist, schreibung und Erklrung der Unterschiede zwi-
was im Rahmen des jeweiligen method.-theoret. schen »wçrtlichen«, eigentl., »sprachinhrenten«,
Ansatzes als Untersuchungsbereich definiert ist. den Ausdrcken, Stzen usw. »an sich« zugehçri-
Systembezogene Anstze bestimmen den Skopus gen »Bedeutungen« und den »Bedeutungen«, die
der Sprachwiss. gemeinhin enger als verwendungs- die Ausdrcke, Stze usw. in der Realitt des
bezogene Anstze, d. h. dass diese die Grenzen des sprachl. Handelns offensichtl. erhalten. Lit. G. Gaz-
Innersprachlichen (Intralinguistischen) viel enger dar, Pragmatics. Implicature, Presupposition, and
ziehen als jene, was mitunter dazu fhrt, dass man Logical Form. N. Y. 1979. – H. P. Grice, Utterer’s
sich gegenseitig Faktenferne bzw. Dilettantismus Meaning, Sentence Meaning, and Word Meaning.
vorhlt;  Systemlinguistik. G FoL 4, 1968, 1–18. – S. C. Levinson, Pragmatics.
ußerung (engl. utterance) Alltagsspr. Ausdruck, Cambridge 1983. Dt. Tbingen 1990. – J. R. Searle,
auf den in verschiedenen ling. Theoriezusammen- Ausdruck und Bedeutung. Ffm. 1982. – P. F. Straw-
hngen in unterschiedl. Weise zurckgegriffen wird, son, Intention and Convention. Phil. Review 73,
sowohl mit Bezug auf die Handlung des Sich-u- 1964, 439–460. – E. Rolf, Sagen und Meinen. Op-
Australische Sprachen 75

laden 1994. – W. P. Alston, Illocutionary Acts and dient in Verbindung mit anderen analyt. Proben
Sentence Meaning. Ithaca 2000. E (z. B.  Verschiebeprobe,  Weglassprobe) der Auf-
Aussprache (engl. pronounciation, diction, accent; deckung der syntakt. Struktur von Stzen. Durch
frz. prononciation, diction, accent) Realisation von den systemat. Austausch einzelner Teile des Satzes
Sprachlauten in idio-, regio-, sozio- und patholekta- lassen sich z. B.  Satzglieder abgrenzen und deren
len Varietten. Die A.lehre (Orthoepie, Orthopho- syntakt. Funktion bestimmen, z. B. Petra/sie/mein
nie, Rechtlautung) steht im Spannungsfeld von pho- Onkel kauft/verschenkt/zerreißt ein Buch/einen
nolog., phonet. und kulturspezif. ( Psychophonetik, Hut;  Substitution. SK
Soziophonetik und  Phonostilistik) Normierung. In Australische Sprachen Spr. der austral. Ureinwoh-
der  Sprecherziehung wird A. fr redende Berufe ner (engl. aborigines). Von wenigen, auch typolog.
gelehrt. Fr die dt. A. ist außer dem dt.  Phonem- abweichenden Spr. im Norden des Kontinents abge-
system relevant ein phonistilist. typ. Verhltnis von sehen (insbes. Arnhem-Land) werden die a. S. zur
Vokalismus und Konsonantismus, eine typ. Auspr- Pama-Nyunga-Gruppe zusammengefasst, wobei die
gung der  Artikulationsbasis und des Lautungs- Klassifikation durch kontinentweite Wortentlehnun-
griffs (weit, gespannt), spezif. Lautbindung (z. B. gen erschwert ist. Das Engl. hat die a. S. weitgehend
 Assimilation von Konsonanten, Glottisverschluss verdrngt, so dass die meisten der ursprngl. etwa
beim unbehauchten Vokaleinsatz) u. a. Merkmale 250 Spr. bereits ausgestorben oder dem Aussterben
des dt. phonet. Systems. Die Kodifizierung der dt. nahe sind. Nur wenige Spr. haben mehr als 1000
A. erfolgte zuerst 1898 in Th. Siebs’ (1862–1941) Sprecher: Aranda (Arrente), Warlpiri, Western De-
»Dt. Bhnensprache« (seit 1910 Schulnorm). Die sert (Pitjantjatjara u. a. Varietten), Tiwi, Walmatjari
Geschichte des ›Siebs‹ spiegelt den Geltungsan- und, unter Bercksichtigung der Zweitsprachler,
spruch der A.norm: Spezialnorm fr das Theater Gunwinggu (Kunwinjku).  Schriftlichkeit spielt
(1898), Allgemeinnorm fr die ›Hochsprache‹ keine Rolle. Bekannt geworden ist das Dyirbal,
(1922–1957), flankiert durch eine ›Rundfunk-A.‹ dessen Beschreibung (Dixon 1972) eine Diskussion
(1931) bis zum Kompromiss einer ›reinen und ge- ber Ergativitt ( Ergativsprache) auslçste. Die
mßigten Hochlautung‹ 1969. Rundfunk und spter Phoneminventare sind berwiegend eher klein
Fernsehen werden Grundlage der A.norm des ›Wçr- (16–25 Phoneme) mit meist nur einer Plosivreihe
terbuchs der dt. A.‹ (WdA, Halle 1964), als ›Großes und ohne Frikative, jedoch hufig bis zu sechs
Wçrterbuch der dt. A.‹ (GWdA) (1982) neu bearbei- Artikulationsstellen fr Plosive und Nasale (bila-
tet. Das Duden-A.-Wçrterbuch von M. Mangold bial, apiko-alveolar, retroflex, laminodental oder
folgt zunchst dem ›Siebs‹ (1. Aufl. 1962) und spter interdental, laminopalatal und dorsal). Die a. S.
dem WdA bzw. dem GWdA (1974 bis 1991). Man- sind agglutinierend (suffigal) und bilden vielsilbige
gold entwickelte A.normen aufgrund der inneren Lo- Wçrter. Beim Verb wird zwischen intransitiv und
gik des phonet. Systems des Dt. in Kenntnis der transitiv streng unterschieden; Tempusflexion ohne
phonet. Verhltnisse in einer Vielzahl anderer Spr.n Kongruenz, z. T. sind aber Aktanten als Pron. ge-
und mit hochdifferenzierter auditiv-phonet. Intuition. bunden. Direktionalia und deikt. System kçnnen
Dagegen beruht das ›Dt. Aussprachewçrterbuch‹ elaboriert sein (z. B. topograph.: bergauf-bergab,
(DAWB) aus Halle (2009) auf einem umfangreichen flussauf-flussab). Pron. existieren oft nur fr die 1.
Korpus (Rundfunk und Fernsehen) vom Beginn der und 2. Pers. (Sg.,  Dual, vereinzelt  Trial, Pl.;  in-
1990er Jahre. Es ist ein Gemeinschaftswerk zahlrei- klusiv und  exklusiv), ansonsten wird mit Deiktika
cher Autorinnen und Autoren, bercksichtigt in nicht ( Deixis) oder  generischen Nomina (z. T. in Form
wertender Skalierung textsortenspezif. phonostilist. von  Klassifikatoren) koreferiert. Die a. S. sind
Varianten und enthlt erstmals Ausfhrungen zur berwiegend  Ergativsprachen, oft mit Split-Erga-
Standardaussprache des Dt. in sterreich und der tivitt (bei Pron. meist Nom./Akk.) und haben rei-
deutschsprachigen Schweiz. Lit. Duden Ausspra- che Kasussysteme. Die Wortstellung ist relativ frei,
chewb. Wb. der dt. Standardaussprache. Bearb. von Endstellung des Verbs und Nachstellung von Adj.
M. Mangold. Mannheim 62005. – E.-M. Krech u. a. werden bevorzugt. Satzverknpfung erfolgt z. T.
(Hgg.), Großes Wb. der dt. Aussprache. Lpz. 1982. – durch  Switch Reference. Die abweichenden Spr.
Th. Siebs, Dt. Aussprache. Reine und gemßigte des Nordens besitzen komplexere Phonem- und
Hochlautung. Bln. 191969. – E.-M. Krech u. a., Dt. Morphemsysteme, sind oft prfigierend und zeigen
Aussprachewb. Bln., N. Y. 2009. GU eine Neigung zur Polysynthese ( polysynthetische
Aussprachestçrung  Dyslalie Sprachen) bzw.  Inkorporierung. Die a. S. sind von
Ausstoßung  Synkope Sprachtabus geprgt, z. B. sind Namen Verstorbener
Austauschprobe (auch: Ersatzprobe, Ersetzungs- und deren Homophone tabuisiert, was oft zu Ent-
probe; teilweise auch: Kommutation,  Kommuta- lehnungen aus Nachbarsprachen fhrt. In vielen
tionstest)  Operationales Verfahren zur Ermittlung a. S. wird bestimmten Verwandten (Schwiegermut-
und Beschreibung sprachl. Elemente, die derselben ter u. a.) gegenber eine Sonderspr. oder Zeichenspr.
Klasse zugeordnet werden kçnnen, wenn sie in der verwendet, zu anderen besteht eine freie »joking
gleichen  Umgebung einsetzbar sind. Die A. i. e. S. relationship«. Lit. R. M. W. Dixon, The Dyirbal
76 Australische Sprachen

Language of North Queensland. Cambridge 1972. – bridge 1985. – W. S. Ramson, The Australian Na-
Ders., Australian Languages. Cambridge 2002. – tional Dictionary. Melbourne 1988. – S. Romaine
Ders. & B. Blake (eds.), Handbook of Australian (ed.), Language in Australia. Cambridge 1991. GH
Languages. 5 vols. Canberra, Amsterdam 1979 ff. – Austriazismus Fr die çsterr. Varietten typ., im
B. Blake, Australian Aboriginal Grammar. Ldn. brigen dt. Sprachgebiet unbl. und als typ. çsterr.
1987. D empfundene (z. B. Schlagobers) oder unverstndl.
Australisches Englisch Durch Besiedlung seit Ausdrcke (z. B. Ribisln, Paradeiser). Lit. J. Ebner,
1788 (ursprngl. Strflingskolonie in New South Wie sagt man in sterreich? Wb. des çsterr. Dt.
Wales) und Dialektausgleich vorwiegend sdengl., Mannheim 31998. G
spter ir. Sprecher des Engl. hervorgegangene nat. Austroasiatische Sprachen Sdostasiat. Sprach-
Standardvariett des Engl. mit geograph. bemer- familie, die sich von Nordostindien bis Vietnam
kenswerter Einheitlichkeit. Phasen: 1788–1914 ko- und Malaysia erstreckt. Vier untergeordnete Sprach-
loniales Engl. mit allmhlichem Ausgleich zwi- gruppen sind bekannt: Munda in Indien (insgesamt
schen den sozial und sprachl. stark unterschiedenen ca. 9 Mio. Sprecher), Nikobares. auf den westl. von
Sprechergruppen, mit auf London bezogener Norm; Thailand liegenden Nikobaren (ca. 21000 Spre-
seit 1914 wachsende Selbstndigkeit und Ausstrah- cher), Aslian auf der malay. Halbinsel (ca. 53 000
lung auf andere Varietten des pazif. und sdost- Sprecher) und  Mon-Khmer auf dem ganzen sd-
asiat. Raums. Lit. P. Collins & D. Blair (eds.), ostasiat. Festland westl. bis Ostindien (ber 93 Mio.
Australian English. The Language of a New Soci- Sprecher). Der Status von Aslian ist umstritten.
ety. St. Lucia 1989. – B. Horvath, Variation in Histor., kulturell und polit. am wichtigsten sind die
Australian English. The Sociolects of Sydney. Cam- Mon-Khmer-Schriftspr. Khmer (Kambodschan.)

Austroasiatische und andere sdostasiatische Sprachen


Austronesische Sprachen 77

und Vietnames. (Annames.). In der chines. Vor- und ostasien (Philippinen, Ost-Malaysia, Brunei, Indo-
Frhgeschichte spielten austroasiat. Vçlker in Sd- nesien), Festland-Sdostasien (West-Malaysia,
China eine Schlsselrolle. Aufgrund von Kultur-  Cham-Spr. in Vietnam und Kambodscha, Moken
wçrtern und geograph. Bez. in dieser Region wird in Myanmar), Madagaskar und  Formosa-Spr. auf
angenommen, dass Sd-China bis zum Yangtse- Taiwan sowie diverse Spr. des çstl. Indonesien
Fluss ursprngl. von ihnen besiedelt war. Ein pho- (Kleine Sunda-Inseln, Molukken). (b) Ost-austro-
nolog. Merkmal der a. S., das in andere Sprachfa- nes. oder  ozeanische Sprachen in Melanesien
milien Sdostasiens entlehnt wurde, sind Implosive (ohne  Papua-Sprachen), Mikronesien und Polyne-
im Auslaut. Im starken Gegensatz zu anderen Spr. sien. (a) weist Spr. mit großer Sprecherzahl auf wie
Sdostasiens kçnnen Palatale am Wortende stehen.  Malaiisch mit der Variante  Indonesisch als S1
Charakterist. fr die a. S. ist die ungewçhnlich hohe und S2 (ber 200 Mio.) und  Javanisch (ca.
Zahl der Vokale (oft 30–40 Phoneme), die verschie- 85 Mio.), (b) dagegen wesentlich kleinere Sprach-
dene  Register hinsichtl. Stimmhaftigkeit (v. a. gemeinschaften wie Fiji (260 000) und  Samoa-
Normal-, Knarr-, Murmel-  Stimme) aufweisen. nisch (250 000). – Die genet. Klassifikation zu (a)
Unter dem Einfluss des Chines. sind im Viet- ist zwar teils umstritten, zumal großrumige ver-
Muong ( Mon-Khmer-Sprachen)  Tonsprachen gleichende phonolog., lexikal. und morpholog. Un-
entstanden. Sonst ist diese Entwicklung in den tersuchungen ausstehen (Schwankungsbreite zwi-
a. S. selten und auf eine einfache Tonhçhen-Oppo- schen 15 und 24 Sprachgruppen); derzeit wird
sition beschrnkt. In der Morphologie stellen Mun- aber im Wesentl. Folgendes angenommen:  Formo-
da und Vietnames. wegen des lang anhaltenden sasprachen, die selbst in bis zu 10 primre Zweige
Einflusses einerseits  indoarischer Sprachen auf unterteilt werden; Nord Luzon; Erweiterte Zentral-
das Munda und andererseits des Chines. auf das Philippinen, die einige Untergruppen in Nord-Sula-
Vietnames. zwei Extreme dar. Im Kontrast zum wesi und Nord-Borneo einschließen; Malayo-Sum-
sehr stark agglutinierenden Munda ist das Vietna- bawa ( Acehnesisch,  Cham,  Malaiisch,  Sun-
mes. beinahe morphologielos. Fr die a. S. typ. ist danesisch, Madures., Bali-Sasak-Sumbawa); Nord
die Wortbildung mit Prfixen und Infixen (ein- Borneo; Barito; Celebes; Sd Sulawesi; sowie eine
schließl. des wie im  Austronesischen weitverbrei- Reihe kleinerer Subgruppen, zu denen auch die
teten Nominalisierungsinfixes {-n-} und eines la-  javanische Subgruppe gehçrt. – Die a. S. sind fr
bialen Kausativprfixes) statt Suffixen und die im die prkoloniale Zeit nur wenig schriftl. dokumen-
Munda und Mon-Khmer belegten Expressiva, d. h. tiert (Alt- Cham, Alt- Malaiisch, Alt- Javanisch
wortspielerische Satzadverbiale, die auf ikon. Art und spter u. a. Alt- Sudanesisch, Alt- Baline-
visuelle und lautl. Sensation ausdrcken. Die Wort- sisch). O. Dempwolff (1871–1938) hat als erster
stellung der a. S. ist meistens SVO, obwohl unklar den systemat. Versuch unternommen, ein uraustro-
ist, ob dies die ursprngl. Folge darstellt. Ergative nes. Lautsystem und Vokabular zu konstruieren,
Konstruktionen sind weitverbreitet. Sozioling. inte- indem er aus dem induktiven Aufbau einer indones.
ressant sind die Partikeln am Satzende, die auf die Urspr. auf der Basis von  Tagalog,  Toba-Batak
Gefhle, Absichten und Erwartungen des Sprechers und  Javanisch und deren deduktive Anwendung
u. a. hinweisen, sowie die sprachl. Tabus, die v. a. auf indones. (Malai., Ngaju-Dayak, madagass.
Tiernamen (eine Praxis, die ins klass. Chines. ber- Hova), melanes. (Fiji, Sa’a) und polynes. Einzelspr.
nommen wurde) und Namen von Verstorbenen be- ( Tonganisch, Futuna,  Samoanisch) ein austrones.
treffen. Fr die Ersteren werden Verwandtschafts- Wçrterverzeichnis mit ca. 2 200 Proto-Konstruktio-
termini benutzt, fr die Letzteren Metaphern bzw. nen entwickelte (1934–38). Heute sind gut 5 000
Umschreibungen. Lit. G. Diffloth & N. H. Zide, Konstruktionen einer Ursprachen-Variation be-
Austroasiatic Languages. In: W. Bright (ed.), Inter- kannt, die sich archolog. Untersuchungen zufolge
national Encyclopedia of Linguistics. I. Oxford vor 5 000 bis 7 000 Jahren entwickelt haben muss.
1992, 137–142. – P. N. Jenner et al. (eds.), Austro- Als Urheimat gelten Sd-China und große Teile
asiatic Studies. 2 vols. Honolulu 1976. – R. Parkin, Indochinas. Archolog. Untersuchungen sprechen
A Guide to Austroasiatic Speakers and Their Lan- dafr, dass die Expansion der Austronesier im We-
guages. Honolulu 1991. – H. L. Shorto, P. Sidwell, sentl. ber Taiwan (4000 v. Chr.), die Philippinen
D. Cooper & C. Bauer (eds.), A Mon-Khmer Com- (3000 v. Chr.), Indonesien (2500 v. Chr.) westwrts
parative Dictionary. Canberra 2006. WR ber die Großen Sunda-Inseln bis nach Madagaskar
Austronesische Sprachen (veraltet: Malaio- bzw. und ostwrts ber die Marianen-Inseln bis nach
Malayo-Polynesisch, das jedoch auch die grçßte Melanesien (1200 v. Chr.), via Mikronesien (200
austrones. Subgruppe (vs.  Formosa-Spr.n) be- v. Chr.) nach Polynesien (300–400 n. Chr. bis Ha-
zeichnet) Die A. bilden mit ca. 1200 Spr. und ca. waii und Osterinseln) schließlich nach Neuseeland
270 Mio. Sprechern weltweit die differenzierteste (um 800 n. Chr.) erfolgte. – Die genealog. Klassifi-
und nach dem  Indogermanischen die ruml. weit- kation hçchster Ordnung ist in Ermangelung hin-
reichendste Sprachfamilie: (a) West-austrones. Spr. reichender sprachwiss. Einzeluntersuchungen bzw.
mit west-malayo-polynes. Subgruppe in Insel-Sd- aus grundstzlichen Erwgungen nach wie vor um-
78 Austronesische Sprachen

Austronesische Sprachen

stritten. Weit verbreitet ist das Modell nach Dahl lai.); VSO (VOS) ursprnglicher neben SOV und
(1976) und Blust (1988): An = F; MP – MP = allg. ohne Verbindungsmorphem; keine obligator.
WMP: CEMP – CEMP = CMP: EMP – EMP = Pluralbildung; Topikalisierung durch syntakt. Vo-
SHWNG: OC. (Legende: AN = Austronesian; F = ranstellung oder Partikeln; Status pendens; Parti-
Formosan; MP = Malayo-Polynesian; WMP = Wes- kel-Vielfalt. Himmelmanns Untersuchung zur Mor-
tern MP; CEMP = Central-Eastern MP; CMP = phosyntax des Tagalog beschreibt gewissermaßen
Central MP (Kleine Sunda-Inseln ab Ost-Sumba- einen austrones. Grundtyp (vgl. ferner Malai. als
wam, sdl. und zentrale Molukken inkl. Aru Inseln Variante fr westaustrones. Spr. sowie Fiji als Va-
und partiell Sula-Archipel; EMP = Eastern MP; riante fr ozean. Spr.): Vollwçrter als Trger der
SHWNG = South Halmahera-West New Guinea; lexikal. Information; kleine Gruppe von Partikeln
OC = Oceanic). Nothofer geht von der Hypothese fr Referenz, Prdikation, Attribution und Lokali-
aus, der westaustrones. Raum sei grçßtenteils von sation im Satz ohne begriffl. Differenzierung; Ko-
einer palo-hesperones. Sprachgruppe besiedelt ge- dierung von Transitivitt, Orientierung, Grad der
wesen, die sich an den Peripherien erhalten habe, Affiziertheit, Kontrolle und Involviertheit durch Af-
whrend sie im westl. Indonesien und Malaysia von fixe (morpholog. Ableitungen ohne Determination
den hesperones. Spr. (Malaio-Cham, die drei Bari- durch das morphosyntakt. Umfeld), die nach Modus
to-Gruppen, Java-Bali-Sasak) verdrngt worden sei. (Realis und Irrealis) und Aspekt (Perfektiv und
Andere zhlen hierzu auch die zentral-philippin. Imperfektiv), Ausrichtung (mit Unterscheidungs-
Spr. Einigkeit besteht darber, dass die Besiedlung mçglichkeiten verschiedener Partizipanten eines
des austrones. Raums von West nach Ost erfolgte. komplexen Sachverhalts) und ›Aktionsart‹ differen-
Erst heute gewinnt die vergleichende Untersuchung ziert sind. Die Patiens-Ausrichtung (Objekt-Fokus)
von Morphologie und Syntax an Bedeutung. – In herrscht gg. der kontextuell bedingten Agens-Aus-
den westaustrones. Sprachgebieten finden sich mehr richtung vor. Das Grundwort ist keiner Wortart zu-
oder weniger verdrngte  Schriftsysteme ind. Ur- zuordnen, kann aber aspektuell-modal und ggf.
sprungs (javan.-balines., bataksche, rejang-lam- durch Anlautvernderungen (»Prnasalierung«)
pungsche, makassar.-bugines. und philippin. Grup- flektiert werden, wodurch aus einem stat. Zustand-
pen); Sonderstellung der Osterinsel-Schrift im sausdruck ein Handlungs- und Vorgangsausdruck
ozean. Raum. Ab dem 16. Jh. lat. Schrift. Daneben wird: bhay ›Haus‹ u. a. zu mag = bhay ›Haus ha-
leicht modifizierte arab. Schrift (Malai., Aceh. und ben/bauen‹, pa = mahay (pa = Mbhay) ›fr den
Ternate). – Typologie: Dominanz zweisilbiger Wur- Hausgebrauch‹, pa = Mahay = an ›Haus haben/woh-
zeln der zwei Typen KV(K)KVK, wobei (K) hufig nen in‹, p = Mahay = n ›Wohngebiet‹, pa = Ma-
ein Nasal ist; synthet. affigierende Wortbildung; hay = in ›an einem bestimmten Ort wohnen lassen‹,
Regens-Rectum-Wortstellung, und zwar mit (Ja- pag = bahay = an ›Haus auf etwas bauen (lassen)‹,
van., Bataksch) oder ohne Attributanzeiger (Ma- pag = bahay = in ›jmd. sich ein Haus bauen lassen‹,
Automatische Spracherkennung 79

maki = bhay ›bei jmd. wohnen‹, ma = bhay ›viele und Eschatokoll, meist in Form der Elongata, einer
Huser haben‹, ma = bahay = an ›Huser bauen extrem schmal und hochgezogen geschriebenen Mi-
kçnnen‹, ma = bahy = bahy ›Gruppe von Husern nuskel. Ornamentale Verzierungen zur Hervorhe-
nacheinander aufsuchen (kçnnen)‹, ka = bahay bung finden sich vor allem in der sptmittelalterl.
›(nicht-familirer) Mitbewohner‹, ka = bahay = an Papsturkunde (litterae cum flōribus). Typograph.
›Husergruppe eines Bezirks; Wohnraum‹, ka = ba- wird als A. meist Fettschrift in verschiedenen Stu-
hay = n ›mit jdm. in einem Haus wohnen‹. Verbale fen (halbfett, fett), oft in Verbindung mit  Versa-
Wurzeln treten auch als Substantive auf; der Akzent lien, verwendet. Daneben finden sich auch Kontur-
kann bedeutungsmodifizierend wirken, z. B. dal schriften u. dgl. Im Mehrfarbendruck ist auch die
›bringen‹ oder ›Last‹; kain ›essen‹ oder ›das Essen Verwendung anderer Druckfarben mçglich;  Aus-
(Vorgang)‹, kan ›gerne essen‹. Lit. O. Dempwolff, zeichnung. EN
Vergleichende Lautlehre des austrones. Wortschat- Auszeichnungssprache  Markup-Sprache
zes. ZES 15, 17, 19. Bln. 1934–38. Reprint Nendeln Autismus (griech. Ƈ
(autos) ›selbst‹) Schwere,
1969. – O. Chr. Dahl, Proto-Austronesian. Lund urschlich wenig geklrte psycho-zentrale Entwick-
2
1976. – S. A. Wurm & Sh. Hattori (eds.), Language lungsstçrung des Sozial- und Kommunikationsver-
Atlas of the Pacific Area. Canberra 1981. – T. E. haltens sowie der sprachl. Fhigkeiten ( Sprachent-
Dutton & D. T. Tryon (eds.), Language Contact and wicklungsstçrung) mit ausgeprgten Stereotypen und
Change in the Austronesian World. Bln. 1994. – P. Ritualen,  Echolalie und normabweichender  Proso-
Bellwood, J. J. Fox & D. Tryon (eds.), The Austro- die. Lit. D. J. Cohen & F. R. Volkmar (eds.), Hand-
nesians: Historical and Comparative Perspectives. book of Autism an Pervasive Development Disorders.
Canberra 1995. – D. T. Tryon et al. (eds.), Compa- Second Edition. N. Y. 1997. – F. R. Volkmar (ed.),
rative Austronesian Dictionary. An Introduction to Autism and Pervasive Developmental Disorders.
Austronesian Studies. 5 vols. Bln. 1995. – A. Ade- Cambridge 1998. – A. Hge, Prinzenkinder. Erschei-
laar & N. P. Himmelmann (eds.), The Austronesian nungsbild, mçgl. Ursachen und Behandlungsanstze
Languages of Asia and Madagascar. Ldn., N. Y. bei autist. Syndrom. Marburg 2003. GT
2005. – J. Lynch, M. Ross & T. Crowley, The Autokommunikation  Zoosemiotik
Oceanic Languages. Richmond, Surrey 2002. – Automat m. (griech. Ƈ
Æ ›sich selbst bewe-
R. A. Blust, The Austronesian Languages. Canberra gend, aus eigenem Antrieb‹) In der Mathematik und
2
2013. HM in mathemat. orientierten Teildisziplinen der Ling.
Auszeichnung (engl. display) Mittel der graph. wird unter einem A. ein abstraktes System verstan-
Hervorhebung einzelner Elemente der  geschriebe- den, dessen Eigenschaften durch (i. d. R.) diskrete
nen Sprachform (Schriftzeichen-Verbindungen, Zustnde definiert werden sowie durch eine ber-
Wçrter, Wortgruppen, Stze und ganze Abschnitte) gangsfunktion, die festlegt, unter welchen Bedin-
gegenber dem »normalen« Text. In Drucken kon- gungen der A. von einem Ausgangszustand in den
trastieren die sog.  Auszeichnungsschriften (z. B. nchsten Zustand bergeht. Ein A. »liest« ein Symbol
Kursive, Halbfett usw.;  Schriftfamilie) mit ihrer von einem »Eingabeband« und geht abhngig von
Grundschrift. Andere Verfahren sind S p e r r u n g, seinem Ausgangszustand und dem gelesenen Einga-
Unterstreichung, grçßerer Schriftgrad u. a. und besymbol in einen anderen Zustand ber. Wenn mit
die Verwendung von  Anfhrungszeichen. Bei der einem solchen Zustandsbergang eine »Ausgabeope-
Transponierung in die gesprochene Sprachform ration« verbunden ist, spricht man auch von einer
werden A. i. d. R. durch intonator. Mittel wiederge- »Maschine« (engl. transducer). In der Automaten-
geben. In der Satzdomne korrespondiert die A. oft theorie werden die Eigenschaften verschiedener Au-
mit expressiver Intonation in der  gesprochenen tomatentypen untersucht. Zu den wichtigsten Auto-
Sprachform, z. B. Uwe hat den Vertrag versprochen matentypen zhlen: (a) die  Turing-Maschine als
(und nicht Bernd);  Rhema. G allg. Form eines A., (b) der ›Kellerautomat‹ (engl.
Auszeichnungsschrift Besondere graph. Ausstat- push down automaton), der als automatentheoret.
tung zur Hervorhebung einzelner Textabschnitte. Pendant einer  kontextfreien  Chomsky-Grammatik
In mittelalterl. Hss. werden vor allem  Capitalis angesehen werden kann, (c) der »endliche Automat«
und  Unziale, vereinzelt  Halbunziale als A. ver- (engl. finite state automation), der im Ggs. zu Turing-
wendet, daneben ist auch die Rubrizierung (Ver- maschine und Kellerautomat einen endl. Speicher
wendung von Rçtel oder roter Tinte) mçglich. Im voraussetzt und damit den Beschrnkungen eines tat-
Sptmittelalter werden auch andere Tintenfarben schlich physikal. realisierbaren A. (Computer) ent-
bei der Hervorhebung von Initialen verwendet. Bei spricht. Lit. J. E. Hopcraft & J. D. Ullman, Introduc-
Prachthss. kommt auch Chrysographie, d. h. die tion to Automata Theory, Languages, and Computa-
Verwendung von Goldtinte auf gefrbtem Perga- tion. Reading, Mass. 1979. L
ment, in Frage. In der byzantin. Kaiserurkunde ist Automatische Spracherkennung (engl. automatic
die Verwendung von Rottinte (minium) Reservat- speech recognition. Abk. ASR) Abbildung von
recht des Kaisers bzw. seiner unmittelbaren Beauf- Sprachsignalen auf schriftsprachl. oder semant. Re-
tragten. In Urkunden findet sich A. im Protokoll prsentationen. Ein System zur a. S. umfasst typi-
80 Automatische Spracherkennung

scherweise Verfahren fr die akust. Vorverarbeitung, der A. (z. B. A. A. Leont’ev) lehnen es ab, ber-
 Wortmodelle und  Sprachmodelle. Es wird einer- haupt Zusammenhnge oder Korrelationen zwi-
seits zwischen sprecherabhngiger und sprecherunab- schen den beiden Ausdrucksformen von Spr. anzu-
hngiger a. S. unterschieden und andererseits zwi- nehmen. Folgerichtig leugnen sie damit die Exis-
schen einzelwortbasierter a. S. und Erkennung konti- tenz eines beiden Ausdrucksformen gemeinsamen
nuierlicher (fließender) Spontanspr. Sprecherabhngi-  Sprachsystems und betrachten die gesprochene
ge Systeme spezialisieren sich in einer Trainingspha- und geschriebene Sprachform ein und derselben
se auf die spezif. Aussprache eines einzelnen Benut- Spr. als sich gegenseitig fremde Spr. Diese Position
zers, whrend sprecherunabhngige Systeme ohne wird berwiegend als unrealist. berspitzung abge-
vorheriges Training arbeiten. In der wortbasierten lehnt. bereinstimmung herrscht jedoch darin, dass
a. S. muss der Benutzer das System dadurch unter- die Ausdrucksseite grçßerer Bereiche des Sprach-
sttzen, dass er Wortgrenzen durch eine Sprechpause systems in vielen  Schriftsprachen dominant in ei-
markiert. Auf dem gegenwrtigen Stand der Technik ner der beiden Sprachformen realisiert wird (z. B.
kann a. S. fr einen sehr kleinen Wortschatz (etwa die steht den  Interpunktionszeichen im Bereich des
Ziffern) auch sprecherunabhngig mit hoher Qualitt Gesprochenen kein vergleichbares System gegen-
(d. h. niedriger Fehlerquote) realisiert werden und ist ber). Deshalb ist es angemessen, beide Sprachfor-
(z. B. in telefon. Auskunftssystemen) bereits im prakt. men nicht nur als empir. Substanzen des Ausdrucks
Einsatz. Sprecherunabhngige a. S. kontinuierlicher von Spr., sondern als method. differenziert zu be-
Sprache mit sehr großen Vokabularen stellt hingegen handelnde und theoret. elementare Kategorien der
immer noch eine Herausforderung dar. Lit. D. Jurafs- Sprachbeschreibung und -analyse schlechthin auf-
ky & J. H. Martin, Speech and Language Processing. zufassen. Vielfach wurde deshalb gefordert, separa-
Prentice Hall, Upper Saddle River, NJ 22008. – M. te Grammatiken fr beide Sprachformen zu erarbei-
Woelfel & J. McDonough, Distant Speech Recogni- ten, um aus ihnen eine integrierte Gesamtgramma-
tion. Hoboken, NJ 2009. L tik zu erstellen. Eine vermittelnde Position zwi-
Automatische Sprachverarbeitung  Linguisti- schen der lteren  Abhngigkeitshypothese und
sche Datenverarbeitung der A. wird in der  Interdependenzhypothese ein-
Automatische Textzusammenfassung (engl. text genommen. Lit.  Schrift,  Schriftlinguistik. G
summarization) Bez. fr ein Verfahren der  Com- Autonomieprinzip 1. I. w. S. bezieht sich das A.
puterlinguistik, das einen Text auf eine Kurzform auf die prinzipielle Annahme, dass die Mechanis-
abbildet, die seinen wesentl. Inhalt wiedergibt. Lit. men der internen Organisation und die Arbeitsweise
E. Hovy, Text Summarization. In: R. Mitkov (ed.), best. neuronaler oder mentaler Bereiche bzw. Sub-
The Oxford Handbook of Computational Linguis- systeme unabhngig voneinander als informationell
tics. Oxford 2005, 583–598. Z geschlossene Teilprozesse modelliert werden soll-
Automatische bersetzung  Maschinelle ber- ten, die ber Schnittstellen (interfaces) interagieren.
setzung In den Neurowiss. sind die entspr. Positionen als
Autonome Syntax  Autonomieprinzip lokalisierende (dem A. folgend) vs. holist. (dem A.
Autonomie (griech. Ƈ
(autos) ›selbst‹; - Æ nicht folgend) polarisiert. Fr N. Chomsky ist die
(nomia) ›-verwaltung‹) In der  Glossematik eine Annahme der Autonomie sprachl. Prozesse eine der
Relation (bei L. Hjemslev eine sog. Funktion) zwi- grundlegenden Bedingungen fr ihre wiss. Unter-
schen zwei Grçßen, die nicht innerhalb ein und suchung: »[Falls] nichtsprachl. Faktoren in die
desselben Zeichens vorkommen. Es handelt sich Grammatik [einbezogen werden mssen], berzeu-
um eine  Konstellation. Beispiel: Im Dt. besteht gungen, Einstellungen etc., [luft dies] auf eine
A. zwischen griechisch und friesisch sowie zwi- Ablehnung der anfnglichen Idealisierung von Spr.
schen Siegfried und Ingrid. In beiden Fllen ist es als Forschungsgegenstand hinaus. [… Wenn sich
so, dass die Existenz des einen Lexems im System dies] als richtig erweist, dann wrde ich folgern,
nicht die des anderen voraussetzt oder zur Konse- dass Spr. ein Chaos ist, das der Untersuchung nicht
quenz hat. So kann in beiden Paaren das eine durch wert ist.« (Chomsky 1981, 173). Unter der Voraus-
das andere derart ersetzt werden ( Kommutation), setzung eines autonomen kognitiven Moduls fr die
dass sich ein neuer dt. Ausdruck (ein dt. Satz) mit Verarbeitung von Spr. (Spr. als Organ, vgl. Grewen-
neuer Bedeutung ergibt: Siegfried spricht wirklich dorf 1995; Anderson & Lightfoot 2002) kçnnen die
richtig griechisch, Siegfried spricht wirklich richtig fr eine best. Spr. spezif. grammat. und lexikal.
friesisch, Ingrid spricht wirklich richtig griechisch, Eigenschaften als eine arbitrre Auswahl ( Arbitra-
Ingrid spricht wirklich richtig friesisch. T ritt) eines universalen ( Universalien) Inventars
Autonomiehypothese In der  Schriftlinguistik an generell kognitiven und spezif. sprachl. Mçglich-
verbreitete Position, die besagt, dass  Schrift bzw. keiten interpretiert werden (vgl. Wiese 2003). Als
die  geschriebene Sprachform einer Spr. als For- empir. Evidenz fr die Autonomie sprachl. relevan-
schungsgegenstand eigenen Rechts und nicht als ter Bereiche werden Ergebnisse aus der Erfor-
sekundre Ausdrucksform der  gesprochenen schung des  Spracherwerbs, der Sprachprozessua-
Sprachform aufzufassen sind. Radikale Verfechter lisierung ( Sprachproduktion und -rezeption), aus
Avestisch 81

der Aphasieforschung und aus der Neuropsycholo- Prpositionen und Konjunktionen gemeinhin zu
gie und Neurobiologie (vgl. Pulvermller 2003) den  Synsemantika gerechnet werden. PT
herangezogen;  Mentalismus. Lit. S. R. Anderson Auvergnatisch  Okzitanisch
& D. W. Lightfoot, The Language Organ. Cam- AUX 1.  Auxiliarkomplex. – 2. In der  GG ange-
bridge 2002. – Chomsky, Lectures on GB. – Ders., nommenes Sekundr-Merkmal fr die Kennzeich-
On Nature and Language. Cambridge 2002. – G. nung von Verben. Mithilfe des [€AUX]-Merkmals
Grewendorf, Spr. als Organ – Spr. als Lebensform. kann die Oberkategorie (supercategory) fr Verben,
Ffm. 1995. – R. S. Jackendoff, What is the Human die mit dem Merkmalskomplex [+V, –N] versehen
Language Faculty? Two Views. Lg. 87.3, 2011, werden, in die zwei Unterkategorien  Vollverben
586–624. – F. Pulvermller, The Neuroscience of [+V, –N, –AUX] und  Hilfsverben [+V, –N,
Language. Cambridge 2003. – D. Sperber, In De- +AUX] geteilt werden. Dies erlaubt Generalisierun-
fense of Massive Modularity. In: E. Dupoux (ed.), gen sowohl fr die Ober- als auch fr die Unter-
Language, Brain and Cognitive Development: Es- kategorien zu postulieren. So kçnnen z. B. Elemen-
says in Honor of Jacques Mehler. Cambridge, Mass. te der Kategorie [+V, –N] Trger von Tempus sein.
2002, 47–57. 2. I.e.S. bezieht sich das A. auf die Allerdings erlauben im Engl. nur Hilfsverben eine
Architektur einer Sprachtheorie, welche ihre einzel- Subj.-Verb-Inversion;  Vollverben dagegen erlau-
nen Beschreibungs- und Erklrungsebenen unab- ben eine -ing-Form. F, MYP
hngig voneinander in einzelnen Modulen ( Modu- Auxiliar  Hilfsverb,  Kopula
laritt) modelliert. Die betreffenden Module inter- Auxiliarkomplex (lat. auxiliāris ›hilfreich‹. Auch
agieren miteinander ber Schnittstellen, so dass  AUX) In frheren Phasen der GG angenommene,
z. B. unter der Annahme der Autonomie der  Syn- seit der  REST durch  INFL und weitere  Funk-
tax syntakt. Regeln nicht direkt auf phonolog., se- tionale Kategorien ersetzte Konstituente zur Erfas-
mant. oder pragmat. Informationen rekurrieren dr- sung von Verbalkategorien wie  Person,  Modus,
fen. Lit. H. Lasnik, Grammar, Levels, and Biology.  Numerus,  Tempus,  Aspekt. N. Chomsky (1957)
In: J. McGilvray (ed.), The Cambridge Companion nimmt eine Regel (›Korrespondenzregel‹) an, die
to Chomsky. Cambridge 2005, 60–83. – P. A. M. besagt, dass, falls ein Satz mit der Struktur [NP1 –
Seuren, The Importance of Being Modular. JL 40, Aux – V – NP2 ] grammat. ist, auch ein Satz [NP2 –
2004, 593–635. – E. Yuasa, Modularity in Lang- Aux+ be+ en- V– by + NP1] grammatisch sein muss.
uage. Bln. 2005. F In Chomsky, Aspects, wird angenommen, dass im
Autophonie f. (griech. Ƈ
(autos) ›selbst‹, Engl. der AUX(iliar)-Knoten Hilfsverben (z. B. be,
çø (phōnē) ›Laut‹) Subjektive phonet. oder pho- have, do, need, dare) sowie die Modalverben domi-
nolog. Beschreibung des eigenen (Orts-)  Dialekts niert. Die syntakt. Kriterien fr die Abgrenzung von
bzw. auf dieser beruhende Beschreibung benachbar- Hilfsverben und Vollverben im Engl. (direkte Ne-
ter (Orts-) Dialekte; besonders bei den  Junggram- gierbarkeit mit not, Subj.-Verb-Inversion in Interro-
matikern. PM gativstzen u. a.) treffen jedoch in vielen Spr.n (z. B.
Autorenplural  Pluralis auctoris im Dt.) nicht zu. Lit. A. Akmajian et al., The Cate-
Autosegmentale Phonologie (auch: mehrlagige gory AUX in Universal Grammar. LIn 10, 1979, 1–
Phonologie) Die in Hierarchiebeziehungen zueinan- 64. – N. Chomsky, Syntactic Structures. Den Haag
der stehenden Einheiten – die auch die phonolog. 1957. – F. Heny & B. Richards (eds.), Grammatical
Domnen fr die unterschiedl. Regeln bilden – pho- Categories: Auxiliaries and Related Puzzles. Dord-
nolog. Phrase (engl. phonological phrase), phono- recht 1983. – S. Steele, An Encyclopedia of AUX.
log. Wort (engl. phonological word), > Fuß (engl. Cambridge, Mass. 1981. F
foot), > Silbe, C-/V-(X-)Segment sowie die zuge- Auxiliarverb  Hilfsverb,  AUX,  Auxiliarkomplex
hçrigen Merkmale ( Merkmalsgeometrie) werden AV  Audiovisuell
durch Assoziationslinien aufeinander bezogen, wo- Ava  Chiriguano
bei generell das no-crossing constraint gilt (auf Avadhı̄  Indoarische Sprachen
gleiche Schichten bezogene Assoziationslinien dr- Avalent  Valenz
fen einander nicht kreuzen). Universell gltig ist Avarisch  Awarisch
auch das Prinzip der obligator. Kontur (engl. obliga- Avestisch Name der in einer eigenen, phonet. sehr
tory contour principle, Abk. OCP): innerhalb einer exakten Buchstabenschrift berlieferten  altirani-
Schicht darf aufeinanderfolgenden Stellen nicht der schen Sprachform, in der die Textsammlung des
gleiche Merkmalswert zugeordnet sein. PM »Avesta«, die heilige Schrift der auf Zarathustra
Autosemantikum n. (griech. Ƈ
(autos) ›selbst‹, zurckgehenden zoroastr. Religion, niedergelegt
EÆ (sēma) ›Zeichen‹. Engl. autosemantic word. ist. Die lteste Form ist in den dem Religionsgrn-
Auch: Kategorema, Bedeutungswort, Begriffswort, der selbst zugeschriebenen Gāthās erhalten (»ga-
Inhaltswort, Vollwort) Lexem, das im Ggs. zum thisch-avestisch«); ihnen und den wenigen sonsti-
 Synsemantikum eine eigenstndige lexikal.  Be- gen altavest. Textteilen steht eine grçßere Menge
deutung besitzt. Zu den A. gehçren Substantive, sog. jungavest. Textmaterialen gegenber, deren
Verben, Adjektive, Adverbien, whrend Artikel, Spr. durch starke Vereinheitlichungstendenzen,
82 Avestisch

mçglicherweise auch dialektale Besonderheiten ge- Wiss. nicht bewiesen werden (kçnnen). Der Grund-
kennzeichnet ist. Das Altavest. steht dem  vedi- legungscharakter der A.e war lange Zeit mit dem
schen  Altindischen sehr nahe. Die frher biswei- Anspruch ihrer unmittelbaren Evidenz verbunden.
len verwendete Benennung als »Altbaktrisch« kann Erst seit dem axiomat. System des Mathematikers
heute als obsolet gelten. Lit. K. Hoffmann, Avestan D. Hilbert (1899) wird der Evidenzanspruch durch
Language. In: E. Yarshater (ed.), Encyclopaedia Ira- die Forderung der Konsistenz und Widerspruchs-
nica, III. N. Y. 1989, 47–62. – J. Kellens, Avestique. freiheit des A.systems ersetzt. 2.  Anfangssymbol,
In: R. Schmitt (ed.), Compendium linguarum iranica-  Chomsky-Grammatik. PR
rum. Wiesbaden 1989, 32–55. – Chr. Bartholomae, Axiomatik der Sprachwissenschaft Nach K. Bh-
Altiran. Wçrterbuch. Strassburg 1904. – H. Reichelt, ler (1879–1963) vier grundstzl. und fr alle Spr.
Awest. Elementarbuch. Heidelberg 31978. – R. S. P. geltende Prinzipien, die keiner Beweise bedrfen
Beekes, A Grammar of Gatha-Avestan. Leiden u. a. (Axiome). Von der A. der S. sollen alle sprachl.
1988. – J. Gippert, The Avestan Language and its Begebenheiten deduktiv ableitbar sein. Das erste
Problems. In: N. Sims-Williams (ed.), Indo-Iranian  Axiom gilt den drei als bergeordnet: (a) Der
Languages and Peoples. Oxford 2002, 165–188. GP Schlsselsatz von der Zeichennatur der Spr.: Spr.
Avulsiv  Schnalzlaut ist »durch und durch (…) ein System von Zeichen.«
AVM  Attribut-Wert-Matrix (b) Die Ling. muss »den Gegenstand ›Sprache‹ in
AWM  Attribut-Wert-Matrix zwei korrelierenden oder sich ergnzenden Bestim-
Awak  Sdamerikanische Indianersprachen mungsweisen« erfassen: Sprechhandlung und
Awarisch (Eigenbez. ma⁄ rul ma·c, georg. xunZ- Sprachgebilde (im Sinne von Handlungen und Er-
uri- (ena))  Dag(h)estanische Sprache ˙ im Bereich zeugnissen), in der ›Sprachtheorie‹ weiterentwickelt
des Koissu vom Sulak im Norden bis ber die zum Vierfelderschema: Sprechhandlung, Sprechakt
Hauptkette des Kaukasus (Gebiet von Zakatali in und Sprachgebilde, Sprachwerk. (c) Spr. ist ein
Ostgeorgien) im Sden; Karte  Kaukasische Spra- System von Phonemen und lexikal. Sinneinheiten.
chen, im Anhang. Ca. 770 900 Sprecher (2002) in Diese Elemente bedingen sich gegenseitig, es be-
Dag(h)estan, ca. 40 000 in Aserbaidschan, ca. steht unter ihnen ein strukturgesetzl. Zusammen-
10 000 (?) in der Trkei. Geschrieben seit sptestens hang. (d) Die Spr. besitzt drei Grundfunktionen:
dem 18. Jh. in arab., lat., seit 1937 kyrill. Schrift mit die Darstellungs-, Ausdrucks- und Appellfunktion;
Zusatzzeichen. Unter dem Namen bol ma·c ›Hee-  Bhlersches Organonmodell,  Symbolfeld. Lit.
˙
resspr.‹ wichtige  lingua franca in Dag(h)estan; K. Bhler, Die Axiomatik der Sprachwissenschaf-
insbesondere die Sprecher der and. Spr. ( dag(h)e- ten. In: Kant-Studien 38, 1933, 19–90. Ffm. 21969.
stanische Sprachen) sprechen auch A. Lit. E. Lewy, – Ders., Sprachtheorie. SN
Versuch einer Charakteristik des A. SB DAW, Klas- Aymara-Sprachen (auch: Jaqi, Aru) Sprachfamilie
se fr Lit. und Kunst 1952. Bln. 1953. – J. Bechert, im sdamerikan. Andenraum, bestehend aus dem
Zu den Teilen des einfachen Satzes im A. KZ 85, Aymara und dem Jaqaru. Die Mehrzahl der ca.
1971, 134–177. – G. Charachidz, Grammaire de la 2,2 Mio. Aymara-Sprecher befindet sich in Bolivien
langue avar. Paris 1981. – M. Alekseev & B. Ataev, çstl. und sdl. des Titicaca-Sees; auch in Sdperu
Avarskij jazyk [Die a. Spr.]. M. 1998. – PJM 1, 14– und Nordchile; Karte  Sdamerikanische Sprachen,
34. – S. Crisp, The Formation and Development of im Anhang. Das Jaqaru ist beschrnkt auf ca. 700
Literary Avar. Contributions to the Sociology of Sprecher in der peruan. Provinz Yauyos (Departe-
Language 40, 1985, 143–162. BO ment Lima). Wortstellung grundstzl. SOV. Die
Awet  Tup-Guaran-Sprachen Wortbildung der A.-S. ist ußerst komplex und er-
Axiologisch (griech. B Æ (axia) ›Wert‹) Versuche, folgt durch Serien von Suffixen. Nicht phonolog.
die »Leistung« von Spr. zu bewerten bzw. zu kriti- motivierten Vokalauslçschungen liegen Anhufun-
sieren, werden als a. bezeichnet. Sie kçnnen die gen von bis zu acht Kons. zugrunde. In der Konju-
kommunikative Funktion sprachl. Elemente betref- gation spielt die Identifizierung der Informations-
fen und Urteile ber Sprachrichtigkeit, »treffenden quelle (data source) eine zentrale Rolle. Das Pers.-
Ausdruck« oder Przision zum Inhalt haben, aber system enthlt vier grammat. Pers. (€ Sprecher, €
auch Fragen des  Stils und sprachl. sthetik; Hçrer). Lit. M. J. Hardman, Jaqaru. Mchn. 2000. –
 Sprachkritik,  Sprachpflege. G M. J. Hardman u. a., Aymara: Compendio de estruc-
Axiom n. (griech. B øÆ (axiōma) ›Wertscht- tura fonolgica y gramatical. La Paz 1988. – L. Th.
zung, Urteil, als wahr angenommener Grundsatz‹: Briggs, El idioma aymara, Variantes regionales y
(a) ›ein erster unvermittelt einsichtiger Satz‹ i. S. sociales. La Paz 1993. – R. Cerrn-Palomino, Lin-
von ›wertschtzen, fr richtig halten‹, (b) ›eine An- gı́stica Aimara. Lima 2000. – W. F. H. Adelaar, un-
nahme, Forderung‹ i. S. von ›verlangen, fordern‹) 1. ter Mitwirkung von P. C. Muysken, The Languages
A.e sind allgemeine Stze, aus denen sich in einer of the Andes. Cambridge 2004. – M. Coler, A Gram-
deduktiv aufgebauten Wiss. weitere Stze dieser mar of Muylaq’ Aymara. Leiden, Boston 2014. AD
Wiss. ableiten;  Deduktion. In dieser Funktion stel- Azande  Ubangi-Sprachen
len sie method. erste Stze dar, die innerhalb dieser Aztec-Tano-Sprachen  Kiowa-Tano-Sprachen
Bairisch 83

Aztekisch  Nahuatl,  Uto-Aztekische Sprachen Bade  Tschadische Sprachen


Azyklische Derivation Ableitungen, die gegen die Badewanneneffekt In der Psycholing. gilt als ge-
Forderung nach  Zyklizitt beim Phrasenaufbau sichert, dass die Anfnge von Wçrtern besser er-
verstoßen. Der Verstoß gegen die Zyklizitt ist v. a. innert werden als die Wortenden und diese besser
dann von Bedeutung, wenn die fragliche Ableitung als die mittleren Teile. Die Metapher vom B. be-
nicht durch  generative konomieprinzipien aus- mht das Bild einer Person, die in einer Badewanne
geschlossen werden kann. Lit.  Minimalismus. FR liegt, weshalb nicht nur der Kopf, sondern auch die
Babel 1. Nach Gen. 11, 1–9 unternahm die bis dahin Fße herausschauen. G
einsprachige Menschheit in Babel den Versuch, ei- Badisch  Alemannisch,  Ostfrnkisch,  Rhein-
nen bis in den Himmel reichenden Turm zu erbauen, frnkisch
was Gott missfiel, so dass er »ihre Sprache verwirr- Bad Simple English (Abk. BSE) Bez. fr Varianten
te«, damit »keiner des anderen Sprache verstehe« des Engl. in der Interaktion zwischen Personen mit
(11, 7). Das Resultat waren die  zweiundsiebzig anderen Erstspr.n, deren Kenntnisse des Engl. we-
Sprachen. Der Assyriologe Fr. Delitzsch wies nach, nig ausgeprgt sind; vielfach bei internat. Kongres-
dass der Babel-Stoff aus sumer. und assyr. Quellen sen und im internat. Geschftsverkehr dokumen-
stammt, und lçste damit 1902 den Babel-Bibel-Streit tiert. G
aus. 2. Titel der Zs. der Fdration Internationale BAG  Bay Area Grammars,  Unifikationsgramma-
des Traducteurs (Bonn, 1955 ff.) G tik
Babylonisch Nach der Teilung des altakkad. Rei- Baghelı̄  Indoarische Sprachen
ches Sprachform des  Akkadischen im sdl. Reich Bagwalal(isch)  Dag(h)estanische Sprachen
mit der Hauptstadt Babylon.Von 1950 v. Chr. bis zum Bahasa Indonesia  Indonesisch
Ende des 1. Jh. v. Chr. v. a. in Briefen und Urkunden, Bahasa Malaysia  Malaiisch
aber auch in lit. Denkmlern (z. B. Gilgamesch-Epos, Bahuvrihi (altind. ›viel Reis habend‹) Aus der
im 12. Jh. v. Chr. aus verschiedenen lteren Quellen Sanskrit-Grammatik in die ling. Nomenklatur ber-
zusammengestellt) und in der Gesetzessammlung nommene Bez. fr Wortbildungsprodukte, die Per-
von Hammurabi (1728–1686 v. Chr.) bezeugt. Neu- sonen oder Dinge ber die Beschreibung ihrer Ei-
babylon. Texte zeigen zunehmenden Einfluss des genschaften benennen; ein Dickhuter ist ein Tier
 Aramischen;  Keilschrift. WI (mit dicker Haut), ein Dreirad ein Fahrzeug (mit
Babytalk  Ammensprache drei Rdern). In den europ. Linguistiken ist der
Back channel behavior  Hçrersteuerung,  Kon- gleichbedeutende Terminus  Possessivkompositum
taktsignal,  Rckkopplung gebruchlicher. ES
Backdrop  Backsliding Bairisch In sich gegliederter Dialektverband des
Backsliding (auch: backdrop) Bez. fr Rckschritte  Oberdeutschen, umfasst die »altbayerischen« Re-
im Zweit- oder Fremdspracherwerb. Typischerweise gierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und
treten diese nach Beendigung des  gesteuerten Oberpfalz im Freistaat Bayern, sterreich (ohne
Spracherwerbs auf, wenn muttersprachl. Strukturen Vorarlberg) und Sdtirol, vor 1945/46 auch die
oder ltere Lernervarietten die noch nicht gefestig- deutschsprachigen Gebiete West- und Sdbçhmens
ten Zweitsprachstrukturen wieder verdrngen. Im und Sdmhrens und die westl. Grenzgebiete Un-
gesteuerten Fremdspracherwerb tritt B. phasenwei- garns. Das B. grenzt an das Tschech., Slowak.,
se auf, was sich durch Unsicherheit oder Zunahme Ungar., Slowen., Ital., Friaulisch und Ladin., inner-
von Fehlern in Bereichen ußert, die bereits als halb des Dt. an das  Alemannische im Westen und
erworben galten. B. ist hier eine temporre Erschei- das  Ostfrnkische im Norden, bis 1945/46 auch an
nung, die zeigt, dass Fremdspracherwerb viel mit das  Ostschsische im Nordosten; Karte  Deutsche
dem Unterdrcken lterer oder konkurrierender Dialekte, im Anhang. Als gemeinbair. Kennzeichen
Sprachstnde zu tun hat. Auch im  Erstspracherwerb ber die Binnengliederung in das Nord-, Mittel- und
kommt es zu Rckschritten. Diese beruhen i. d. R. auf Sdbair. hinweg kçnnen gelten: im Lautsystem die
falschen Hypothesen zu muttersprachl. Strukturen, Verdumpfung von mhd. a und ā zu o˛ [O] und ō˛ [O:]
die schnell revidiert werden;  Kontrastivhypothese, (Bsp. go˛sn ›Gasse‹, hō˛sn ›Hase‹), die Senkung von
 Interimsprache,  Fossilierung. ES mhd. æ und æ̂ [{:] zu a und ā (z. B. fasl ›Fass‹,
Backtracking (Auch: Rckverfolgung, Rckwrts- wāgl ›Wagen‹, kās ›Kse‹). In der Morphologie des
folgerung) Allg. bei Suchalgorithmen ( Suchalgo- Verbs die auf Besonderheiten der Flexion des Per-
rithmus) solche Verfahren, die im Falle einer fal- sonalpronomens zurckgehende Endung {-ts} in
schen oder unvollstndigen Analyse zum letzten der 2. Pers. Pl. (z. B. gebts ›ihr gebt‹), ferner eine
Entscheidungspunkt zurckspringen und dann einen Reihe bair.  »Schibboleth«-Wçrter (z. B. Pfinztag
der alternativen, bis dahin noch nicht durchlaufenen ›Donnerstag‹, tengg ›links‹ usw.). Als kennzeich-
Lçsungswege verfolgen. Da Backtracking-Algorith- nende Gegenstze zwischen dem konservativen
men i. d. R. nicht optimal effizient sind, wurden sie Sdbair. in Tirol, Krnten usw. und dem innovati-
im Bereich Satzanalyse weitgehend durch  Chart- ven Mittelbair. im Donau-Isar-Raum (und dem
Parser verdrngt;  Satzanalyse. L Nordbair.) sind anzusehen: sdbair. erhaltene
84 Bairisch

Verbalendung -en (z. B. machen) vs. mittelbair. -e Baltische Sprachen Zweig der idg. Sprachen, be-
(mache); sdbair. erhaltene Differenzierung zwi- stehend aus dem  Litauischen,  Lettischen und
schen /d/ und /t/ (Feder/Wetter) vs. mittelbair. Zu- dem heute ausgestorbenen  Altpreußischen; Karte
sammenfall in der Lenis /d/; sdbair. Opposition  Europische Sprachen, im Anhang. – Histor. be-
zwischen Affrikate /kx/ und Lenis /g/ vor Nasal trachtet, bewahren die b. S. in Phonematik und
und Liquid (z. B. glai ›gleich‹, kxlaim ›Kleie‹) vs. (Nominal-)Morphologie die Zge des alten idg.
mittelbair. Zusammenfall in der Lenis (glai, glaim). Sprachbaus vollstndiger als andere seiner Zweige;
Spezif. mittelbair. ist die Vokalisierung von /l/ (z. B. sie haben eine partiell gemeinsame, als  Balto-Sla-
fui ›viel‹). Wesentl. Unterschied zwischen dem Mit- visch bezeichnete Entwicklungsphase mit den  sla-
telbair. und dem Nordbair. (Oberpfalz, Egerland) vischen Sprachen durchlaufen. – Aus synchroner
sind die erwhnte l-Vokalisierung im Mittelbair. Sicht sind die b. S. in Phonematik, Grammatik und
sowie die Entwicklung sog. »gestrzter Diphthon- Wortschatz durch einige typolog. Besonderheiten
ge« im Nordbair. bei unmittelbarem Anschluss an als eigenstndiger Zweig gekennzeichnet. Sie be-
die mhd. Diphtonge ie-uo (z. B. nordbair. breif nutzen als phonolog. relevante Ausdrucksmittel ver-
›Brief‹, brouder ›Bruder‹ vs. mittel- und sdbair. schiedene Akzenttypen und die Opposition zwi-
briaf, bruader). Die verschiedentl. vorgenommene schen kurzen und langen Vokalen, z. B. lett. virs
Zusammenfassung des Nordbair. mit dem Ostfrnk. ›ber‹ vs. vı̄rs ›Gatte‹. Die Nominalflexion erfolgt
zu einem »nordoberdt.« Sprachraum (im Unter- nur bezgl. der beiden Grammeme Mask. und Fem.
schied zu einem aus dem mittel- und dem sdbair. (die Kongruenzklasse Neutrum ist geschwunden),
bestehenden »ostoberdt.« Sprachraum) ist wegen die Adj.- und Partizipialflexion gliedert sich in ein
der grundstzlichen Strukturunterschiede nicht ge- nominales und ein pronominales Paradigma, das im
rechtfertigt. Lit. P. Wiesinger, Die Einteilung der dt. Textzusammenhang als Artikelersatz fungiert
Dialekte. HSK I, II, 836–842. – R. Freudenberg, ( Balto-Slavisch). Die Verbalflexion ist verein-
Ostoberdt. LGL 21980, 486–491. – E. Straßner, facht, da in der 3. Pers. die Numerusopposition
Nordoberdt. LGL 21980, 479–482. – J. A. Schmel- neutralisiert worden ist, im Indikativ nur ein Fle-
ler, Bayerisches Wb, Teile 1–4. Stgt., Tbingen xionsschema existiert und die Vergangenheittempo-
1827–1837 (Neudruck Aalen 1973). – Wçrterbuch ra bis auf das Prt. geschwunden sind; dagegen ist
der bair. Maa. in sterreich. Bd. 1 ff. Wien 1963 ff. das Passiv gut ausgebaut. Im Bereich der  Wort-
– Bayerisches Wb. Heft 1 ff. Mnchen 1995 ff. – H. bildung zeichnen sich die b. S. (z. B. im Ggs. zu den
Weiß, Syntax des B. Tbingen 1998. DD  slavischen und  germanischen Sprachen) u. a.
Bakair  Karibische Sprachen durch eine produktive Derivation  kausativer Ver-
Bale  Zentralsudanische Sprachen ben (mithilfe des Suffixes -inta) aus. Ihnen ist z. T.
Balinesisch (Eigenbez. basa Bali) West-  austro- eine spezielle, nur fr sie belegte Lexik gemeinsam,
nesische Sprache auf Bali und in West-Lombok, z. B. lit. brı̄edis, lett. briÞdis, altpreuß. braydis
Indonesien; Bali-Sasak-Sprachgruppe; Karte  aus- ›Hirsch, Elch‹. – Individuelle Charakteristika, durch
troasiatische Sprachen. 3,5 Mio. Sprecher. Alt-B. die sich die b. S. voneinander abheben, sind z. B.
Dialekt (Bali-Aga). Silbenschrift ind. Ursprungs Betonungsunterschiede (1. Silbe im Lett., freier Ak-
(hanakaraka); heute vorwiegend lat. Schrift. Alt-B. zent mit verschiedenen Qualitten im Lit.), die wei-
Urkunden aus dem 9. Jh., ab dem 10. Jh. verstrkt tere Vereinfachung der Nominalflexion im Lett.
in alt- javanisch. Neben der Tradierung alt-javan. durch Kasuszusammenfall (im Sg. Instrumental
Texte eigenstndige klass. und moderne Literatur- und Akk. im Pl. Instrumental und Dat.) und das
traditionen. Vier  Sprachebenen, darunter basa ke- Vorhandensein eines  Debitivs im Lett. (vermutlich
tah und basa singgih;  Anredeform,  Honorativ. aufgrund finno-ugr. Substrateinflsse). Lit. Chr. S.
Starke Behauptung gg.  Indonesisch als offizieller Stang, Vergleichende Grammatik der b. S. Oslo u. a.
Spr. CE 1966. – R. Eckert et al., Die b. Spr.n: eine Einfh-
Balkansprachbund bergreifende Bez. fr eine rung. Lpz. u. a. 1994. – P. E. Dini, Le lingue baltiche.
durch auffllige Gemeinsamkeiten im grammat. Firenze 1997. – . Dahl, The Circum-Baltic Lang-
Bau gekennzeichnete Gruppe genet. nur mittelbar uages: Typology and Contact. Amsterdam u. a. 2001.
verwandter Spr. im Balkanraum;  Sprachbund. GP – A. Holvoet & N. Nau, Voice and Argument Struc-
Balkarisch (Eigenbez. Malqar til) Westtrk. Spr. ture in Baltic. Amsterdam u. a. 2015. HA
der pont.-kasp. Untergruppe, Karte  Trkische Balto-Finnisch  Uralische Sprachen
Sprachen, im Anhang. Sprachgebiet: Kabardin.- Balto-Slavisch Die besonders große Nhe der
Balkar. ASSR (im Nordwestkaukasus), ca. 78 000  baltischen und  slavischen Sprachen, z. B. die
Sprecher. 1944–1957 waren die Balkaren nach Ka- Entsprechung balt. (lit.) mit frhen slav. Akzentver-
sachstan und Kirigisien deportiert. Das B. ist mit hltnissen und die Entwicklung einer (zumindest im
dem  Karatschaischen weitgehend ident., fr beide Hinblick auf das  Altkirchenslavische) funktional
Dialekte wurde eine gemeinsame Schriftspr. ge- gleich belasteten, weil Indefinitheit bzw. Definitheit
schaffen. MI signalisierenden nominalen und pronominalen Adj.-
Balochi  Beludshi und Partizipalflexion, z. B. ger
sis žmogs ›der gute
Barytonon 85

Mensch‹ vs. gẽras žmogs ›ein guter Mensch‹, hat lombia and Ecuador. AnL 40, 1998, 384–408. AD
dazu gefhrt, dass die Hypothese eines balto-slav. Barbarismus m. (griech. æÆæ (barbaros)
Zweigs des  Indogermanischen aufgestellt worden ›der nicht griech. sprechende Fremde‹ (im Ggs.
ist (u. a. von Vaillant, Georgiev). Heute neigt man zum Hellenen), aus sumer. barbar (onomatopoet.
eher zu der Auffassung (u. a. Stang, Karaliūnas), Bildung im Sinne von ›unverstndl. Murmelnder‹,
dass diese Parallelen als Indizien fr einen engen ›Fremder‹) Grober Sprachfehler; in der antiken
Kontakt zwischen beiden Sprachzweigen gedeutet  Rhetorik Bez. fr eine fehlerhafte Abweichung
werden mssen, eventuell fr ein balt.-slav. Dialekt- von der korrekten Gestaltung eines Wortes in
gebiet in nachidg. Zeit, das eine Reihe von gemein- Form und Aussprache u. i.w.S. Abweichung von
schaftl. Neuerungen durchgemacht hat, whrend der idiomat. korrekten Verwendung eines Wortes
andere Vernderungen nur das sptere balt. Gebiet nach der Norm des gebildeten Sprachgebrauchs
betrafen. Lit. W. Man’czak, Le degr de parent (latinitas) z. B. durch den Gebrauch von Provin-
entre le baltique et le slave. In: Baltistica 23/1, zialismen. Ein (z. B. aus metr. Grnden) geduldeter
1987, 13–22. – O. Poljakov, Das Problem der bal- B. wird als  Metaplasmus bezeichnet;  Solçzis-
to-slav. Spr.gemeinschaft. Ffm. u. a. 1995. HA mus. VS
Baluchi  Beludschi Barea  Chari-Nil-Sprachen
Bambara  Manding Bare’e  Toraja-Sprachen
Bamum-Schrift  Westafrikanische Schriftsysteme Bargunsch  Rotwelsch
Banda  Ubangi-Sprachen Bari  Chibcha-Sprachen,  Nilotische Sprachen
Bantusprachen Einige hundert Spr. umfassende, Bariba  Gur-Sprachen
morpholog. bes. einheitl. Untergruppe der  Be- Barito  Madegassisch,  Austronesische Sprachen
nue-Kongo-Sprachen. Sprachgebiet: Zentral-, Sd- Bariton  Sprechausdruck,  Stimme
und Ostafrika; Karte  Afrikanische Sprachen, im Barrieren-Theorie Nach N. Chomsky (1986) be-
Anhang. Die Einteilung der Bantusprachen erfolgt nanntes Entwicklungsstadium der  GG. Die B.-T.
konventionell durch die geograph. motivierte Klas- formuliert als Weiterentwicklung der  GB gemein-
sifikation nach arealen Zonen A – T, die auf Mal- same Grundlagen fr Rektions- und Bindungsph-
colm Guthrie (1948) zurckgeht. Die grçßten B. mit nomene. Hierbei przisiert eine komplexe Defini-
mehreren Mio. Sprechern sind  Swahili (berwie- tion der Barriere den Begriff der  Insel und soll der
gend S2),  Ganda,  Kikuyu,  Kinyarwanda,  Kon- Erfassung einheitl.  Beschrnkungen fr  Move Æ,
go,  Shona,  Lingala, Makhuwa,  Luba,  Tsonga,  Bindung und  Rektion dienen. In diesem Stadium
 Tswana,  Xhosa,  Zulu,  Sotho. Mehrheitl. der  GG werden gemß der  X-Bar-Theorie  CP
 Tonsprachen (nicht jedoch das Swahili), aggluti- und  IP als funktionale Erweiterungen der Katego-
nierender Bau, bis zu 23 durch ein- oder zweisilbige rie S (= Satz) angenommen;  Subjazenz. Lit. C.
Prfixe markierte  Nominalklassen mit  Konkor- Boeckx & K. K. Grohmann, Barriers and Phases:
danz innerhalb der NP sowie zwischen Subj. und Forward to the Past? Budapest 2004. – N. Chomsky,
Prd., suffigale Verbalderivation (u. a.  Applikativ, Barriers. Cambridge, Mass. 1986. – Ders., Langua-
 Stativ,  Reziprok,  Reversiv,  Kausativ,  Pas- ge and Problems of Knowledge. Cambridge, Mass.
siv). Lit. C. Meinhof, Grundzge einer vergleichen- 1986. – Haegeman, 2GB. – W. Sternefeld, Syntakt.
den Grammatik der B. Bln. 1906. – M. A. Bryan. The Grenzen. Opladen 1991. F, MYP
Bantu Languages of Africa. Ldn. 1959. – M. Guthrie, Bartholomaes Gesetz (Auch: Bartholomaesches
Comparative Bantu. 4 Bde. Farnborough 1967– Aspiratengesetz) Von C. Bartholomae (1855–1925)
1971. – D. Nurse & G. Philippson (Hgg.), The Bantu 1882 publiziertes Lautgesetz, das die phonotakti-
Languages. Ldn. 2003. – D. Nurse, Tense and Aspect sche Entwicklung der Sequenz Media aspirata +
in Bantu. Oxford 2008. RE, KM Tenuis (aspirierter sth. + stl. Okklusiv) zu Media +
Baoan  Mongolisch Media aspirata etwa in aind. labh- ›fassen‹ + -ta- >
Bar  X-Bar-Theorie labdha- ›gefasst‹ beschreibt. Umstritten ist der Gel-
Barasana  Tukano-Sprachen tungsbereich von B. G.: ursprngl. fr das Gemein-
Barbacoa-Sprachen Sdamerikan. Sprachfamilie; idg. in Anspruch genommen, beschrnkt heute die
Sprachgebiet: Kste und Andengebiet Sdkolum- Mehrzahl der Forscher seine Gltigkeit auf das
biens und Nordekuadors; Karte  Sdamerikanische Indoiran. Trennt man B. G. jedoch in zwei Teilpro-
Sprachen, im Anhang. Zu den B.-S. gehçren das zesse, so kçnnte sich der erste Schritt (Assimilation
Cayapa (Cha’palaachi), das Colorado (Tsafiki), das ght > ghdh) auch in got. (ga)hugds < *kug hd hi- <
Kwaiker (Awa Pit) und das Guambiano. Das Ver- *kug h-ti- finden, whrend der zweite (Dissimilation
hltnis der B.-S. zu der Familie der  Chibcha-Spra- g hd h > gd h) als Sonderfall von  Grassmanns Gesetz
chen ist umstritten. Lit. L. R. Stark, Indigenous auf das Indoiran. beschrnkt wre. Lit. N. E. Col-
Languages of Lowland Ecuador. SAIL, 1985, linge, The Laws of Indo-European. Amsterdam
157–193. – A. Costenla UmaÇa, Las lenguas del 1985. RK
rea intermedia. San Jos 1991. – T. J. Curnow & Barytonon n. (griech. Ææ (barys) ›tief, dumpf‹,
A. D. Liddicoat, The Barbacoan Languages of Co- 
 (tonos) ›Klang der Stimme‹) In der Grzistik
86 Barytonon

ursprngl. Bezeichnung fr jede Silbe ohne Hoch- biet reichte im MA von der Garonne bis zum Ebro
ton, was dann bertragen wurde auf alle griech. und umfasst heute die span. Provinzen Alava, Gui-
Lexeme, deren Akzentstelle nicht auf der letzten pfflzcoa, Navarra (Nafaroa) und Viscaya (Bizkaia)
Silbe liegt;  Paroxytonon,  Proparoxytonon,  Pro- und die frz. Dpartements Labourd, Basse-Navarre
perispomenon. GS und Soule; Karte  Europische Sprachen, im An-
Baschkirisch (Eigenbez. BaÐqort tÞlÞ) Westtrk. hang. Ca. 750 000 Sprecher, fast durchgngig zwei-
Spr. der ural. Untergruppe,  Trkische Sprachen, oder mehrsprachig (Frz., Kastil.). 4 Hauptdialekte
im Anhang. Sprachgebiet: Baschkir. ASSR, außer- (biskay., guipfflzkoan., navarro-laburdin., suletin.).
dem grçßere Gruppen in den Gebieten Tschelja- Auf der Grundlage des Dialekts von Guipfflzcoa wur-
binsk, Perm, Orenburg, Sverdlovsk und Kurgan; de ein Euskra batffla ›Einheitsbask.‹ genannter Stan-
Karte  Trkische Sprachen, im Anhang. Ca. dard entwickelt. Die bask. lit. Tradition beginnt im
1,2 Mio. Sprecher. B. ist Schriftspr. seit 1923: zu- 16. Jh.; bis Anfang des 20. Jh. v. a. religiçse Schrif-
nchst arab. Schrift, ab 1930 Lateinschrift, Ende ten. Die Sprachakademie Euskaltzaindia (1908 gegr.)
1938 kyrill. Schrift. In vorsowjet. Zeit wurde als wurde 1976 zur Real academia de la lengua vasca
Schriftspr.  Tschagataisch oder  Tatarisch benutzt. ›Kgl. Akad. der bask. Spr.‹ ausgebaut. Scharfe Re-
Lit. A. A. JuldaÐev, Grammatika sovremennogo pression der Verwendung des B. in der Franco-Zeit.
baÐkirskogo literaturnogo jazyka [Grammatik der Seit dem Ende der 1970er Jahre gezielte Fçrderung
heutigen b. Literatursprache]. M. 1981. – M. I. Er- des Euskra batffla: Autonomiestatut 1979, Gesetz
sen-Rasch, B. Lehrbuch fr Anfnger und Fortge- ber die »Grundlage der Normalisierung des Ge-
schrittene. Wiesbaden 2009. MI brauchs des B.« 1982, »Landesgesetz ber die bask.
Basic English  Grundwortschatz Spr.« der Regierung von Navarra 1986, Fçrderung
Basic-Sprache  Grundwortschatz von Euskaltegis (bask. Sprachschulen) und Maßnah-
Basilekt  Akrolekt men zur »Baskisierung« der Lehrerschaft (IRALE)
Basis  Ableitungsbasis,  Grundwort,  Stamm, seit ca. 1980. Agglutinierend mit  polysynthet. Z-
 Stamm-Morphem,  Thema,  Wurzel gen, Wortstellung SOV. Reiches Kasussystem, aus-
Basisalphabet  Alphabet einer  Schriftsprache, gedehntes Kongruenzsystem (Subjekt – direkte und
das einer  Verschriftung einer anderen Spr. zugrun- indirekte Objekte), vorwiegend analyt. Konjuga-
de gelegt wird. Der Ausdruck B. dient der Bez. tionssystem auf der Basis von Hilfsverben, ergativ.
histor. Entlehnungs- und Verwandtschaftsbeziehun- Bau. Fremdwçrter werden grammat. und graph.
gen zwischen  Schriftsystemen derselben  Schrift- adaptiert, z. B. intolerantzia, monogamo, bi-aldedun
art. So ist z. B. das lat. Alphabet B. der Alphabete ›bilateral‹. Lit. P. Lafitte, Grammaire basque (Na-
des Islnd., Finn., Swahili, Vietnames., Guaranı́ varro-labourdin littraire). Bayonne 21962. – A. To-
usw., die als seine Tochteralphabete bezeichnet var, The Basque Language. Philadelphia 1957. – M.
werden. Sie stehen zueinander in der Beziehung Saltarelli, Basque. London 1988. – M. Haase,
von Schwesteralphabeten. Dem lat. Alphabet liegen Sprachkontakt und Sprachwandel im Baskenland.
wiederum die Alphabete des Etrusk. und west- Hamburg 1992. – J. I. Hualde, A Grammar of Bas-
griech. »Dialekte« als B. zugrunde, diesen wiede- que. Bln., N. Y. 2003. – Ders., Towards a Grammar
rum ltere griech. Alphabete. G of the Basque Language. Amsterdam 1995. – Chr.
Basisdeutsch  Grunddeutsch,  Grundwortschatz Bendel, B. Grammatik. Hamburg 2007. – E. Urteaga,
Basiskategorie  Prototyp (2),  Prototypensemantik La langue basque dans tous ses tats – sociolinguis-
Basiskomponente Im  Aspekte-Modell der  GG tique du Pays Basque. Paris 2006. – J.-B. Coyos,
Bez. fr denjenigen Bereich des Grammatik-Mo- Politique linguistique – langue basque. Baiona 2004.
dells, der aus dem abstrakten Lexikon,  Subkate- G
gorisierungsregeln und  Phrasenstrukturregeln be- Bass  Sprechausdruck,  Stimme
steht. Das Lexikon der B. stellt eine ungeordnete Bassa  Kru-Sprachen
Menge von  Formativen (lexical entries ›Lexikon- Bastarda f. Bez. fr sptmittelalterl.  gotische
eintrgen‹) dar; sie sind durch idiosynkrat., d. h. nur Schriften, die Merkmale verschiedener Schriftgene-
ihnen zukommende phonolog., morpholog., se- ra, vor allem von  Kursive und  Textura, in sich
mant., syntakt. und u. U. pragmat. Spezifikationen vereinigen, neuerdings auch als Hybridschriften be-
charakterisiert. Die B. erzeugt mittels Ersetzungs- zeichnet. Bekannteste Form ist die burgund. B., die
regeln und Lexikon-Regeln  Tiefenstrukturen, die im 15. Jh. aus der frz. Kanzleikursive stilisiert
in Form von  Strukturbumen dargestellt werden wurde. Im frhen Buchdruck wurden B. fr dt.
und welche die  Eingabe fr die transformationelle Texte verwendet. EN
Komponente der Grammatik darstellen (Chomsky, Bastardform  Hybridbildung,  hybride Form
Aspects, 113 ff.). Lit.  GG. F, MYP Bataksch (Eigenbez. hata/kata bzw. cakap Batak)
Basismorphem  Grundmorphem,  Morphem West-  austronesische Sprache in Nord-Sumatra
Basisstruktur  Tiefenstruktur (Hochland um den Toba-See), Indonesien; Karte
Baskisch (Eigenbez. Euskara) Isolierte vor-indoeu-  austroasiatische Sprachen. Subgruppe Nordwest-
rop. Spr., deren Genese ungeklrt ist. Das Sprachge- Sumatra/Barrier-Inseln, Batak-Spr. Nordgruppe
Bedeutung 87

(545 000 Sprecher) mit Karo-Batak (cakap Karo), Lit. A. Joshi, Tree Adjoining Grammars. In: D.
Dairi Pakpak (kata D. P.) und Alas; Sdgruppe Dowty et al. (eds.), Natural Language Parsing. Psy-
(5 Mio.) mit Toba-Batak (hata Batak Toba), Angko- chological, Computational, and Theoretical Perspec-
la-Mandailing sowie Simalungun (1,2 Mio.). Alte tives. Cambridge 1985. L
Silbenschrift-Variationen ind. Ursprungs (pustaha- Baumdiagramm  Strukturbaum
Literatur). Starke Behauptung gg.  Indonesisch Baumgraph  Strukturbaum
als offizieller Spr. CE Bay Area Grammars (Abk. BAG) Oberbegriff fr
Batan-Sprachen  Philippinische Sprachen neuere generative Grammatikmodelle vom Typ der
Batsisch (Eigenbez. bacbijn (mo·t); georg. (cova-)  Unifikationsgrammatik, die hauptschl. an der
tuÐ-ur-i. Frher auch: Tsowa-Tusch(in)isch) ˙ Na- Universitt Stanford an der San Francisco Bay ent-
chische Sprache, ca. 1000 (?) Sprecher in Zemo wickelt wurden. F, MYP
Alvani bei Achmeta (Georgien), die auch Georg. Bazar-Hindustānı̄ (Eigenbez. bāzārū hindustānı̄)
sprechen; Karte  Kaukasische Sprachen, im An- Außerhalb des Geltungsbereichs des lit.  Hindı̄ ent-
hang. Lit. J. D. DeÐeriev, Bacbijskij jazyk [Das standene Jargon-Variante des  Hindustānı̄ ( Indo-
B.]. M. 1953. – D. A. Holisky & R. Gagua, Tsova- arische Sprachen) mit vereinfachter Grammatik und
Tush (Batsbi). ILC4, 147–212. BO eingeschrnktem Wortschatz ( Reduktionssprache);
Battarismus Veraltet fr  Poltern. GT dient als Verstndigungsmittel in Handels- und
Bauchredner (auch: Ventriloquist, lat. venter Wirtschaftszentren (v. a. Calcutta und Bombay)
›Bauch‹, loquı̄ ›sprechen‹) Person, die ohne Lippen- bes. unter Gastarbeitern verschiedener sdasiat. Na-
oder Mundbewegung mithilfe einer gedmpften tionalitten;  Hindı̄,  Urdū. FZ
 Fistelstimme bzw. eines Quetschtones, der durch Beach-la-Mar  Germanische Sprachen
starkes Zusammenpressen der  Stimmbnder ent- Bedeckte Silbe (engl. covered syllable)  Silbe mit
steht, zu sprechen vermag. Die Laute entstehen konsonant. Silbenkopf; im Ggs. zur nackten Silbe,
weiterhin durch Bewegungen des Gaumensegels der dieser fehlt. PM
( Gaumen) und durch das Zurckziehen der  Zun- Bedeutung (engl. meaning, frz. signification, sens)
ge, wodurch Verengungen im  Ansatzrohr entste- Zentraler Begriff der  Semiotik, da  Zeichen
hen ( Artikulation). Da dabei keine Bewegung des durch ihre B. definiert sind: Alles sinnl. Wahrnehm-
 Kiefers sowie der Gesichtsmimik, der  Lippen bare kann ein  Zeichenausdruck sein, sofern es fr
und des  Mundes zu sehen ist, entsteht der Ein- Interaktanten etwas anderes, i. d. R. nicht unmittel-
druck, die Stimme kme aus dem Bauch. Diese bar Gegebenes reprsentiert. Aus den unterschiedl.
Tuschung wird durch den starken klangl. Unter- Modi und der Komplexitt dieser Reprsentation
schied zur normalen Stimme des B. noch verstrkt. ergibt sich der große Facettenreichtum des B.-Be-
B. waren schon in der griech. Antike als »Engastri- griffs (vgl. C. K. Ogden & I. A. Richards), der noch
manten« (griech. ›Bauchwahrsager‹) oder »Eurykli- durch die strukturelle Polysemie des Lexems Be-
den« (nach dem B. Eurykles) bekannt. Lit. R. H. deutung mit seinen Objekt-, Relations- und Funk-
Hill, You Can Be a Ventriloquist. N. Y. 1975. – D. tionslesarten vermehrt wird. 1. Entsprechend den
Hutton, Ventriloquism. N. Y. 1975. GL Zeichentypen  Index (1),  Ikon und  Symbol (2)
Baule  Kwa-Sprache, die an der Elfenbeinkste lsst sich zwischen indexikal. (auf  Kontiguitt
von rd. 20 % der Bevçlkerung (etwa 2,5 Mio.) v. a. beruhender), ikon. (abbildhafter) und symbol. (kon-
çstl. des Bandama-Flusses gesprochen wird. Als S2 ventionell-arbitrrer) B. unterscheiden. Zwar ist fr
dienen Dyula (Manding) und Frz. Mitte des 20. Jh.  Sprachzeichen wegen ihrer  Arbitraritt die sym-
lat. basierte Verschriftung, jedoch bis heute als bol. B. kennzeichnend, doch findet sich bei ihnen
Schriftspr. nur marginale Verwendung. RE auf allen Ebenen auch indexikal. und ikon. B. Inde-
Baumadjunktionsgrammatik (engl. tree adjoining xikal. sind z. B. ihre symptomat.  Konnotationen
grammar, TAG) Von A. Joshi entwickelter Gram- (2) sowie die »deikt. B.« der Pronomina und vieler
matikformalismus, der insbes. in der  Computer- Adverbien ( Deixis). Ikon. B. haben Texte, die
linguistik verwendet wird. Im Unterschied zu  kon- symbol. dargestellte Sachverhalte auch substantiell
textfreien Grammatiken verwenden B. als Aus- (z. B. phon. oder zeitl.) oder kompositionell (»dia-
gangspunkt nicht nur Bume der Kantenlnge 1, grammat.«) abbilden. Viele indexikal. und ikon. B.
die durch jeweils eine  Ersetzungsregel definiert verbaler ußerungen beruhen auf habituellen
werden, sondern elementare Bume beliebiger Kan- Zuordnungen, u. a. auf speziellen Zeichen (z. B.
tenlnge. Die Verknpfung der elementaren Bume  Interjektionen,  Onomatopoetika) des Sprachsys-
zu komplexeren  Strukturbumen erfolgt nicht tems ( Ikonismus 1) und unterliegen deshalb hnl.
durch Substitution von Blttern, sondern durch die Interpretationsprozessen, wie dies fr die dominante
Operation der  »Adjunktion«, bei der ein Baum an symbol. B. gilt. – 2. Die ling.  Semantik beschf-
einer dafr vorgesehenen Position in einen anderen tigt sich vorwiegend mit der symbol. B. von
Baum eingefgt wird. Die  generative Kapazitt sprachl. Einheiten im Spannungsfeld zwischen Sys-
von B. liegt zwischen der von kontextfreien und tem-B. und  ußerungsbedeutung. Die Einheiten
 kontextsensitiven Phrasenstrukturgrammatiken. und Regeln des Sprachsystems stellen abstrakte
88 Bedeutung

Bedeutungspotentiale bereit, die in der kommunika- ponenten gedacht. De Saussure benennt die Rela-
tiven Aktualisierung beschrnkt, gewichtet und an- tion zwischen  Signifikant (Zeichenausdruck) und
gereichert werden. Geht man bei den Systemeinhei- Signifikat als (a6) »signification« ( Signifikation);
ten zunchst von  Wortformen aus, so ist zu unter- entsprechend definiert S. Ullmann ›B.‹ als Bezie-
scheiden zwischen deren »lexikal.« und »grammat. hung zwischen »Name« und »Sinn«. Demgegen-
B.«, die sich oft, aber nicht immer auf unterschiedl. ber bezeichnet de Saussure die paradigmat. Rela-
 Morpheme verteilen, z. B. leg-t-e vs. gab. 2.1. Die tionen eines Lexems als seinen (a7) »Wert« (va-
einzelsprachl. System-B. der  Lexeme wurde in der leur), der seine Signifikation begrenzt, eine Auf-
traditionellen Ling. differenziert untersucht, und fassung, die von J. Trier in seiner  Wortfeldtheorie
zwar v. a. im Hinblick auf  Inhaltswçrter mit »de- wieder aufgenommen wurde. Auch J. Lyons be-
skriptiver B.« (Subst., Vb., Adj. und Adv.); die schreibt den Sinn (2) von Lexemen als paradigmat.
brigen Wortarten haben ausschließl. oder berwie- »Sinnrelationen«. Von Ch. S. Peirce wird B. als (a8)
gend expressive, deikt. oder grammat.-funktionale  Interpretant bestimmt, d. h. als emotionale, aktio-
(»synkategoremat.«) B. Die Lexem-B. lsst sich nale oder kognitive Wirkung im Bewusstsein des
grob gliedern in: (a) begriffl. »denotative B.« Interpreten. Ch. W. Morris (21955), dessen behavio-
( Denotation (4)), (b) »konnotative B.«, (c) Wort- rist. Theorie zwar auch den Begriff Signifikation
bildungs-B., (d) »kategoriale B.«, (e) semant. Ko- enthlt und unterschiedl.  Signifikationsmodi un-
textregeln. Im Einzelnen: (a) Selbst im Kernbereich terscheidet, macht dennoch den Interpretanten,
der denotativen Wortsemantik ist die Spannweite d. h. die Disposition, auf ein Zeichen mit einem
der Verwendung des Terminus ›B.‹ erstaunl. groß: bestimmten Verhalten zu reagieren, zum Kern sei-
Außer dem Zeichenausdruck wurden alle an der nes B.-Begriffs. (b) Der denotativen B. als Bndel
 Semiose beteiligten Faktoren oder Relationen so  distinktiver Merkmale ( strukturelle Semantik)
bezeichnet. Zu deren Differenzierung sind deshalb bzw. als Menge notwendiger und hinreichender
przisere Begriffe vonnçten: (a1)  Denotate (von Wahrheitsbedingungen ( modelltheoretische Se-
einer naiven »Referenztheorie«, aber auch von G. mantik) werden idealtyp. nicht-distinktive »enzy-
Frege als ›B.‹, danach oft als  Referent bezeichnet) klopd.« (d. h. deskriptive), wertende und sympto-
sind die vom Lexem bezeichneten ›Gegenstnde‹ mat. Merkmale als »konnotative B.« ( Konnota-
(auch Prozesse, Zustnde, Sachverhalte), deren tion (2),  Gefhlswert,  Nebensinn) gegenber-
Klasse das (a2)  Designat bildet. Dieses ist die gestellt. Doch sind konnotative Merkmale dann als
›B.‹ in einer weniger naiven Referenztheorie, die distinktiv anzusehen, wenn sie zur Differenzierung
die Mçglichkeit leerer Klassen (perpetuum mobile) denotativ synonymer Lexeme dienen, z. B. bei
in Rechnung stellt; es wird als  Extension eines Dame – Frau – Weib, Neurologe – Nervenarzt,
log. Begriffs oder mentalen Konzepts (traditionell: Großmutter – Oma. Ferner hat sich durch Unter-
»Vorstellung«), ggf. eines durch Eigennamen be- suchungen der  Prototypensemantik herausgestellt,
zeichneten Individualkonzepts definiert. Hufiger dass Teile des enzyklopd. Wissens als »charakte-
wird die klassenbildende (a3)  Intension (Frege: risierende« Default-Merkmale zum denotativen Be-
 Sinn (1); L. Hjelmslev:  Inhalt) von  Appellativa deutungskern zu rechnen sind; so z. B. bei Vogel das
als B. benannt und dabei ebenfalls entweder be- Merkmal [flugfhig], das zwar auf Pinguine oder
griffl. objektiv oder als mentale Reprsentation auf- Strauße nicht zutrifft, aber etwa die B. von Vogel-
gefasst; Letzteres u. a. von F. de Saussure, der das perspektive fundiert. Welche weiteren Wissensele-
»concept« (Vorstellung) als  Signifikat bezeichnet mente (z. B. [besitzt Kropf]) dagegen zur konnota-
und als Teil des somit  bilateralen einzelsprachl. tiven B. (»Nebensinn« nach K. O. Erdmann) gehç-
Zeichens bestimmt. Das Signifikat ist in Anbetracht ren, ist ebenso schwer zu entscheiden wie die Ein-
der fast durchgngigen  Mehrdeutigkeit natrl. ordnung sachgebundener Wertungen (»Gefhls-
Sprachzeichen als »Gesamtbedeutung« aufzufassen, wert«), z. B. von Gefngnis oder Kuß, whrend
die sich in (a4)  Sememe (3), d. h. Teilbedeutungen etwa der konnotative Wert von lektal-stilist. Varian-
gliedert, welche den oben genannten Intensionen ten wie Knast oder Schmatz als sprachl. distinktiv
entsprechen und unterschiedl. Designate konstituie- gesichert ist. (c) Ein Teil der denotativen B. der
ren. Traditionell werden die Sememe entweder log.- durch WB gebildeten Lexeme ist i. d. R. strukturell
synchron in »Haupt-, Neben- und ggf. Sonderbe- bedingt und fhrt zu Reihen von Ableitungen mit
deutungen«, in »eigentl.« und »bertragene B.« gleicher »Ableitungsbedeutung«, z. B. bei den
oder histor. in (»etymolog.«) »Grundbedeutung« Subst. mit -er: Agens (Schwimmer), Beruf (Schlos-
und »abgeleitete B.« unterschieden. Die  struktu- ser), Werkzeug (Bohrer) u. a., oder zu  Reihenbil-
relle Semantik analysiert die zunchst ganzheitl. dungen bei den Komposita, z. B. mit dem Merkmal
(»holist.«) gedachten Signifikate oder Sememe in [gemacht aus]: Holzhaus, -bank, -tisch, Steinhaus,
(a5)  semantische Merkmale, definiert also B. als -bank usw. (d) Unter »kategorialer« B. versteht man
Merkmalskonfiguration; je nach dem theoret. An- die  Wortart-B. von Lexemen (L. Bloomfield:
satz sind die Merkmale entweder als einzelsprachl. »class meaning«), soweit man eine solche akzep-
 Seme oder als konzeptuelle  Noeme bzw.  Kom- tiert. Da die klass. Zuordnungen wie Subst.  »Ge-
Bedeutungserweiterung 89

genstand«, Adj.  »Eigenschaft«, Vb.  »Prozess« referentiellen, prdikativen und stilist. B.en, ggf.
zu kurz greifen, bestehen zwei Mçglichkeiten, an mittels einer Struktur partieller oder subsidirer
einer kategorialen B. festzuhalten: Man definiert sie Textillokutionen; (f) die Nutzung der Funktionen
im Hinblick auf Satzfunktionen oder prototyp. ge- und Konnotationen von  Textsorten-Mustern. Die-
prgt nach dem Muster »fokaler« Lexeme (J. se Aufzhlung textueller B.-Schichten ist keines-
Lyons) wie Stein, Pferd, Kind bei den Subst. (e) wegs erschçpfend und nennt insbesondere nicht
Relationale Lexeme implizieren inhaltl. Beschrn- solche Ebenen des »Textsinns« ( Sinn 6), fr die
kungen fr die Argumente, ber die sie prdiziert  Textsemantik und Textpragmatik nicht zustndig
werden kçnnen: X ist Tochter von Y impliziert in der sind, u. a. »intertextuell« erzeugte B.en ( Inter-
Kernbedeutung von Tochter: X und Y sind menschl. textualitt) wie etwa die Nutzung von Anspielun-
und X ist eine Generation jnger als Y; X repariert gen, Zitaten oder lit. Motiven. Lit. G. Frege, ber
Y impliziert: X ist Mensch, Tier oder Roboter und Y Sinn und B. (1892). In: Ders., Funktion, Begriff, B.
ist ein Artefakt und defekt. Es handelt sich bei Gçttingen 2008. – F. de Saussure, Cours. – K. O.
diesen Kotextregeln um die  Selektionsmerkmale Erdmann, Die B. des Wortes. Lpz. 41925. – C. K.
von J. J. Katz (E. Coseriu:  Lexikalische Solidari- Ogden & I. A. Richards, The Meaning of Meaning.
tten), darber hinaus auch um lexikal.  Prsup- Ldn. 1923. – W. Abraham, Zur Ling. der Metapher.
positionen. 2.2. Schon im Kotext von »Systemst- Poetics 14, 1975, 133–172. – H. Putnam, Die B. von
zen« (Lyons), um so mehr im Kontext kommunika- »B.« Ffm. 1979. – F. Hermanns, Dimensionen der
tiver ußerungen verndert sich i. d. R. die Lexem- B. I: Ein berblick. HSK 21.1, 343 –350. – D. A.
B. Die aktuelle  Referenz whlt unter den desi- Cruse, Meaning in Language. Oxford 22004. – Wei-
gnierten Denotaten oder greift – bei ›uneigentl.‹ tere Lit.  Semantik,  Sinn. RB
(z. B. metaphor. oder iron.) Gebrauch – darber Bedeutungsbereich  Extension
hinaus (vgl. die »referentielle B.« von Ziege in Bedeutungsbeschrnkung  Bedeutungspostulat
Diese Ziege kann immer nur rumtratschen!). Ent- Bedeutungsbeziehung  Semantische Relation
sprechend wandelt sich das Signifikat durch Rck- Bedeutungseinengung (auch: Bedeutungsveren-
griff auf sprachl. und konzeptuelles Wissen zur gung) Korrektur von  bergeneralisierung bzw.
 aktuellen Bedeutung, die i. d. R. monosem, kon-  Lckenfller-Strategien. Kinder entfalten im Pro-
kret und spezifiziert ist durch die Belegung offener zess der B. neue Bezeichnungsfelder, z. B. Wauwau
Parameter (z. B. bei Tier-Flgel: Grçße, Farbe…) ›vierbeiniges Tier‹  Wauwau ›Hund‹, Katze, Kuh,
sowie die Aktivierung von Konnotationen. Oft Reh usw. B. kann auch grammat. Sachverhalte be-
wird das aktivierte Semem durch »Priorisierung« treffen, z. B. den bergang vom generellen s-Plural
(W. Abraham) und Ausblendung von Merkmalen (z. B. Tigers, Trs, Mantels) zu den einzelnen Plu-
umstrukturiert zu einer  »okkasionellen Bedeu- ral-Paradigmen. G
tung«, die durch Wiederholung »usuell« (H. Paul) Bedeutungsentlehnung Vernderung einer Le-
werden und damit das Signifikat dauerhaft vern- xembedeutung nach fremdsprachl. Vorbild. Basis
dern kann. Man unterscheidet ferner nicht-figurati- der bernahme ist semant. hnlichkeit zwischen
ve Aktualisierungsmodi, u. a. die von der ma. Vorbild- und Ziellexem (z. B. lat. baptizāre, deus,
Sprachphilosophie suppositio genannten Arten der sanctus, anima und vorahd. daupjan, guD, hailags,
metasprachl.,  generischen und »konkreten« Refe- sēula); oft stimmen einige  Sememe oder Kolloka-
renz: Der Wal ist eine Nominalphrase / ein Suge- tionsmçglichkeiten berein (z. B. engl. cut, under-
tier / im Watt gestrandet. – 3.  Satzbedeutung. – 4. world und dt. schneiden, Unterwelt); oft sind auch
Die hochkomplexe B.-Struktur, die der Rezipient die Ausdrcke hnlich (z. B. engl. ballad ›Erzhl-
eines Textes zu verstehen sucht, fllt nur teilweise gedicht‹, realize ›verwirklichen, erkennen‹ und dt.
in den Forschungsbereich der Ling. Die  Textlin- Ballade ›Tanzlied‹, realisieren ›verwirklichen‹).
guistik untersucht u. a. (a) die Entfaltung von Als Ergebnis der B. wird entweder die alte Bedeu-
 Textthemen in propositionale  Makrostrukturen tung durch die neue ersetzt (wie in taufen, Gott,
bis hinunter zu den Satzpropositionen, ihren lokalen heilig, Seele, Ballade) oder um ein neues Semem
Verknpfungen,  Fokussierungen und ihrer  the- erweitert (wie in realisieren ›erkennen‹, schneiden
matischen Progression; (b) den Aufbau einer refe- ›jdn. demonstrativ bersehen‹, Unterwelt ›kriminel-
rentiellen »Textwelt«, deren inhaltl. Ausgestaltung les Milieu‹);  Bedeutungsbertragung (2),  Bedeu-
aus sprachl. B.en, konzeptuellen  Schemata und tungswandel,  Entlehnung. RB
wissenbasierten  Inferenzen schçpft; (c) die Eta- Bedeutungserweiterung (engl. semantic extension)
blierung von  Isotopien durch rekurrente semant. Ergebnis der Vergrçßerung des  Bedeutungsumfangs
Merkmale, mit i. d. R. bedeutungsvollen wechselsei- eines Lexems. 1. Erweiterung der  Extension eines
tigen (u. a. komplementren, oppositiven, meta-  Semems durch Fortfall spezieller  semantischer
phor.) Bezgen; (d) die Aktualisierung konnotativer Merkmale ( semantische Generalisierung): z. B.
Potenzen von lexikal. und syntakt. Mitteln fr un- drosseln (›erwrgen‹, 20. Jh. ›reduzieren‹), Tier
terschiedl. stilist. Funktionen und Wirkungen; (e) (›vierfßiges, wildlebendes Lebewesen‹, ab 17. Jh.
die Erzeugung der illokutiven  Textfunktion aus ›nicht-pflanzl., nicht-menschl. Lebewesen‹). 2. Ver-
90 Bedeutungserweiterung

mehrung der Sememe eines Lexems: z. B. Horn (ur- Bedeutungspostulat (engl. meaning postulate)
sprngl. nur ›tier. Stirnauswuchs‹, dann auch ›Horn- Von Carnap (1952) eingefhrt zur Erklrung der
substanz‹, ›Trinkgefß‹, ›Blasinstrument‹), packen analyt. Wahrheit: In einer formalen Spr., in der das
(16. Jh. ›Sachen gedrngt in Kiste u. . legen‹, spter B. gilt: Fr alle x: JUNGGESELLE (x) .  VERHEIRATET
›fassen, ergreifen‹, ›seel. ergreifen‹, ›bewltigen‹, ›be- (x), folgt aus dem Satz Fritz ist Junggeselle not-
greifen‹);  Bedeutungswandel,  Bedeutungsver- wendig der analyt. wahre Satz Fritz ist nicht ver-
engung. 3.  berdehnung. RB heiratet, und zwar unbeschadet aller Bedeutungsbe-
Bedeutungsfeld  Wortfeld schreibungen von Junggeselle und verheiratet;
Bedeutungsgesttigtes Verb  Absolutes Verb  analytische Sprachphilosophie. Mit einem System
Bedeutungsisolierung  Idiomatisierung,  Lexika- von B. lassen sich demnach paradigmat. Relationen
lisierung und syntagmat. Beschrnkungen sowie sprachbezo-
Bedeutungskonstitution Auf Spr. bezogen eine gene Inferenzregeln festlegen »without providing
Bez. fr den dynam. Vorgang des Verstehensproz- any representation which could be substituted for
esses mit der Grundannahme, dass die Entstehung a word in a sentence as a way of making explicit its
von Bedeutung auf miteinander wechselwirkenden meaning« (Katz 1977, 194;  Reprsentation). Ver-
sensor., kognitiven und mentalen Prozessen basiert, wendet wurden B. im Rahmen der  Generativen
die sich am wahrgenommenen sprachl.-kommuni- Semantik v. a. von Lakoff (1971) zur Definition
kativen Verhalten des Sprechers orientieren. Abhn- der Relationen zwischen nicht zerlegbaren  atoma-
gig von der  lexikalischen Bedeutung, der  Into- ren Prdikaten (CERTAIN (S1) . POSSIBLE (S1)). Sie
nation, paraling. und  non-verbalen Merkmalen, wurden auch in Untersuchungen der  modelltheo-
kontextuellen und situativen Aspekten, aber auch retischen Semantik bernommen. Allerdings be-
von inhrenten Vorgaben des Individuums durch drfte eine umfassendere Verwendung von B. einer
Lernprozesse, Erfahrungsbildung, Sozialisation so- Theorie, die eine klare Trennung von Welt- und
wie hirnphysiolog. Vorgaben konstituiert sich Be- Sprachwissen begrnden sowie Kriterien fr die
deutung zwar als Folge der sprachl. Mitteilung, gltige Formulierung sprachgebundener  Implika-
jedoch gleichzeitig nur innerhalb der jeweils vor- tionen garantieren kçnnte (Buerle 1985, 214 f.,
liegenden Interpretationsrume des Individuums. Lyons 1977). Darber hinaus besitzen B. fr natrl.
Die vorgegebenen Interpretationsrume des Indidi- Spr. allenfalls den Rang von Default-Regeln, denn
duums sind nicht stat., sondern ber die Lebens- sie mssen Ausnahmen zulassen: so z. B., dass in be-
spanne vernderbar. Bedeutungkonstitution ist so- stimmten Kontexten widersprchl.-sinnvoll ( Oxy-
mit sowohl Folge der sprachl. ußerung als auch moron) von verheirateten Junggesellen oder unver-
der individuellen Voreinstellungen. Sprachl. B. fin- heirateten Ehemnnern die Rede sein kann. Lit. R.
det ebenso bei Gebrdensprache oder Schriftspra- Buerle, Das Lexikon in der kompositionellen Satz-
che statt. Vorsprachl. B. basiert auf der Wahrneh- semantik. In: C. Schwarze & D. Wunderlich (Hgg.),
mung, Erinnerung und Deutung von sensor. und Hdb. der Lexikologie. Kçnigstein 1985, 199–228. –
emotionalen Erfahrungen sowie Handlungskonzep- R. Carnap, Meaning Postulates. Philosophical Stu-
ten, ber die auch Sugetiere verfgen. Lit. B. Rie- dies 3, 1952, 65–73. – J. A. Fodor, Semantics. N. Y.
ger (Hg.), Dynamik in der B. Hamburg 1985. – S. J. 1977. – J. Lakoff, Linguistik und Natrl. Logik.
Shettleworth. Fundamentals of Comparative Cogni- Ffm. 1971. – J. Lyons, Semantics. Bd. 1. Cambridge
tion. Oxford 2012. MR 1977. – H. Schnelle, Meaning Constraints. Synthe-
Bedeutungskonstruktion Bez.fr den dynam. Vor- se 23, 1973, 15–25. – E. T. Zimmermann, Zu Risi-
gang eines Verstehensprozesses, bei dem die Ent- ken und Nebenwirkungen von Bedeutungspostula-
stehung von Bedeutung als aktiver Prozess des In- ten. LBer 146, 1993, 263–282. RB
dividuums gesehen wird, der berwiegend von in- Bedeutungsreprsentation (engl. semantic repre-
neren physiolog., kognitiven und mentalen Prozes- sentation) Unter B. versteht man die Darstellung
sen des Verstehenden beeinflusst ist. hnlich der von Zeichenbedeutungen in einem anderen semiot.
konstruktivist. Erkenntnistheorie wird sprachl. Medium oder Symbolsystem. Dabei kann es sich
 Verstehen eher als Entfaltung von bereits imma- z. B. handeln um neuronale oder elektromagnet.
nent vorhandenen Bedeutungskonzepten des Indivi- Formate, in denen Informationen im Gehirn oder
duums gesehen, die durch die sprachl. Mitteilung im Computer gespeichert und prozessiert werden,
lediglich getriggert werden – ohne dass es zwin- wie auch um die explikative bersetzung von natr-
gend zu einer interindividuellen bertragung von lichsprachl. ußerungen in die Symbole einer for-
Information kommen muss. MR malen Programm- oder Logikspr. 1. Die zahlreichen
Bedeutungskonzept  Begriff in der  kognitiven Linguistik entwickelten Modelle
Bedeutungslehnwort  Bedeutungsentlehnung, der B. dienen primr dem Ziel, ling. und psycholog.
 Lehnwort Forschungsergebnisse, also Wissen ber semant.
Bedeutungslehre  Semantik,  Semasiologie Strukturen und Funktionen einerseits und ber ko-
Bedeutungsmessung  Semantisches Differential gnitive Prozesse andererseits, zu einer konsistenten
Bedeutungsnische  Semantische Nische Theorie mentaler Sprachverarbeitung zusammenzu-
Bedeutungsverschiebung 91

fgen und diese soweit wie mçgl. mithilfe von lationen und Implikationen; sie ist hierarch. geglie-
Computerimplementierungen zu berprfen. Die dert entsprechend ihrer jeweiligen Konstituenten-
Vielfalt der Konzeptionen (von kompositionellen struktur. Lit.  Strukturelle Semantik. RB
bis zu konnektionist. Modellen, von propositionalen Bedeutungsbertragung 1. (auch: Bedeutungsver-
bis zu multimodalen Anstzen, genauer Weber schiebung) In der alten »logisch-rhetorischen« Klas-
1999) spiegelt nicht nur die Entwicklung der kogni- sifikation des Bedeutungswandels Ergebnis der qua-
tiven Ling., sondern auch gegenstzl. Einschtzun- litativen Vernderung der  Extension eines Lexems/
gen z. B. des Verhltnisses von Kognition und Spr.; Semems durch  Metapher,  Metonymie, Synsthe-
so etwa Jackendoffs einstufige B. (direkte Korres- sie (u. .), z. B. Blatt (Papier), einsehen (›erkennen‹);
pondenz von kognitiv-begriffl. und syntakt. Struk- Zunge (›Sprache‹), Wsche (›waschbare Kleidungs-
turen) und die zweistufige B. von Bierwisch und stcke‹); kalt (Farbe). Die Beispiele zeigen, dass B.
Lang (die grammat. determinierte »semant. Form« sehr oft zur Vermehrung der  Sememe, also zur
vermittelt zwischen Syntax und »konzeptueller Bedeutungserweiterung (2) fhrt, nicht dagegen
Struktur«;  Zwei-Ebenen-Semantik). 2. Als Spe- z. B. in: aushecken (frhnhd. ›ausbrten‹), hnseln
zialfall der  Wissensreprsentation kçnnen im (frhnhd. ›in eine Hanse/Genossenschaft aufneh-
Computer generierte B. auch prakt. Zwecken der men‹). Die zur B. fhrenden semant. Prozesse wer-
Informationsverarbeitung dienen, ohne simulativen den als  »Bezeichnungsbertragung« zusammenge-
Bezug zu mentalen Modellen. 3. In Philosophie und fasst. – 2. Prozessualer Terminus fr die bertragung
Ling. dienen B. dem Ziel, implizite semant. Struk- der Bedeutung eines Lexems auf ein im Ausdruck
turen und Relationen sichtbar und kalkulierbar zu oder Inhalt hnliches ( Volksetymologie,  Bedeu-
machen. I.w.S. reprsentiert jede diskursive, natr- tungsentlehnung) oder in fester Kollokation stehen-
lichsprachl. Paraphrase die Bedeutung, die sie defi- des Lexem (durch  Ellipse: z. B. ein Helles (Bier),
niert oder expliziert; i.e.S. jedoch versteht man un- die Elektrische (Bahn), (Karten) geben);  Bedeu-
ter B. eine analyt. Notation in einer wie immer tungswandel. RB
gearteten knstl.  Metasprache: sei es durch De- Bedeutungsumfang  Begriffsumfang,  Exten-
komposition der Lexembedeutungen in  semanti- sion, Menge von  Sememen, die ein  Signifikat
sche Komponenten ( Seme) oder  atomare Prdi- enthlt. RB
kate (oder »semant. Primitive« bei Wierzbicka), sei Bedeutungsunterscheidend  Distinktiv
es durch bersetzung lexikal., satz- und textsemant. Bedeutungsverbesserung (auch: Amelioration)
Relationen in das Rçntgenbild einer formalen Lo- Ergebnis der  konnotativen Aufwertung eines Le-
gikspr., an dem der log. Bewegungsapparat sprachl. xems, sei es aufgrund ideolog./gesellschaftl. Auf-
ußerungen intuitionsfrei kalkuliert werden kann. wertung des  Designats: z. B. Arbeit (mhd. ›Mhe,
Damit ist zugleich die Strke als auch die Begren- Kampfesnot‹, seit Luther: ›produktive Ttigkeit zur
zung formaler B. (z. B. der  Montague-Grammatik) Sicherung des Lebensunterhalts‹), Ritter (›dienen-
angedeutet;  Reprsentation. Lit. R. Jackendoff, der Reiter‹, seit dem 12. Jh. adlige Standesbez.), sei
Semantics and Cognition. Cambridge, Mass. 1983. es aufgrund von Wertungsambivalenz: z. B. Racker
– M. Bierwisch, Semant. und konzeptuelle Repr- (frhnhd. ›Schinder‹, Schimpfwort, ab 18. Jh. Kose-
sentationen lexikal. Einheiten. In: R. Ru žička & wort fr Kinder). Lexeme kçnnen auch durch  Op-
W. Motsch (Hgg.), Untersuchungen zur Semantik. position zu moderneren Lexemrivalen zum »geho-
Bln. 1983, 61 –99. – E. Lang, Semant. vs. konzep- benen«  Synonym werden: z. B. Antlitz (im Nhd.
tuelle Struktur: Unterscheidung und berschnei- verdrngt durch Gesicht, mhd. ›das Sehen‹, ›An-
dung. In: M. Schwarz (Hg.), Kognitive Semantik. blick‹);  Bedeutungswandel,  Bedeutungsver-
Tbingen 1994, 25 –40. – A. Wierzbicka, Seman- schlechterung. RB
tics. Oxford 1996. – N. Weber, Die Semantik von Bedeutungsverengung Ergebnis der Verringerung
Bedeutungsexplikationen. Ffm. 1999, Kap. 1. RB des  Bedeutungsumfangs eines Lexems: 1. Veren-
Bedeutungsstruktur (engl. semantic structure, frz. gung der  Extension eines  Semems durch Ver-
structure smantique) 1. Das  Signifikat von  Lexe- mehrung seiner  semantischen Merkmale (»Spezia-
men ( Lexikalische Bedeutung) ist i. d. R. struktu- lisierung«), z. B. fegen (mhd. allg. ›reinigen‹, vgl.
riert in mehrere Teilbedeutungen ( Polysemie,  Ho- Fegefeuer), Gift (mhd. ›Gabe‹). Oft bleiben ltere,
monymie). Diese  Sememe sind ihrerseits intern generelle Sememe neben den spezielleren erhalten,
strukturiert; sie stehen mit Sememen anderer Lexe- z. B. in billig, Frucht, Glas, Zug. – 2. Fortfall von
me in paradigmat. und syntagmat. semant. Relatio- Sememen eines Lexems: z. B. artig (bis 18. Jh. auch
nen und bilden mit ihnen mehrdimensional struktu- von Dingen: ›angenehm, angemessen‹; bis 20. Jh.
rierte  Wortfelder. Neuere Anstze explizieren die auch von Erwachsenen: ›hçflich, anmutig‹; heute
B. u. a. mithilfe von Netz-, Prototypizitts- oder Rah- nur von Kindern: ›brav‹; brav hat eine hnl. Ge-
menstrukturen (Semantisches Netz,  Prototypense- schichte);  Bedeutungswandel,  Bedeutungserwei-
mantik,  Rahmen). 2. Die B. einer syntakt. Einheit terung,  Bedeutungseinengung. RB
( Syntagma,  Satz) setzt sich zusammen aus den Bedeutungsverschiebung  Bedeutungsbertra-
Bedeutungen ihrer  Konstituenten sowie deren Re- gung (1)
92 Bedeutungsverschlechterung

Bedeutungsverschlechterung Ergebnis der kon- sprachl. Ausdrucks (»sprachl. Konservatismus«,


notativen Abwertung eines Lexems, sei es aufgrund »Sachwandel«); oder aber (ab) durch Vernderung
gesellschaftl. Abwertung des  Designats, z. B. aus der  Extension(en), also der Zuordnung des Aus-
aristokrat. Sicht: gemein (›allgemein‹, 18. Jh. ›nied- drucks zu Denotaten, und zwar via  Bezeich-
rig (gesonnen)‹), aus demokrat. Sicht: herablassend nungsbertragung (Speiche ›Unterarmknochen‹),
(›huldvoll‹, 19. Jh. ›arrogant‹), aus reformator. (ellipt.)  Bedeutungsbertragung (2) (Kette ›Fahr-
Sicht: Pfaffe (mhd. neutral ›Priester‹); sei es als radkette‹) oder  Bedeutungsentlehnung. I. d. R.
Folge aufwertender/euphemist. ( Euphemismus) wird dabei (b) das Signifikat  Sememe dazuge-
Verwendung: Propaganda (bis 1870: ›kirchl. Glau- winnen (wachsende  Polysemie, s. o. Speiche);
benswerbung‹), Dirne (ahd. ›Jungfrau, Mdchen‹). andererseits veralten Bezeichnungsmçglichkeiten
B. betrifft oft (teil-)synonyme ( Synonymie) Lexe- auch (z. B. Schalter ›Ruderstange‹). (c) Dies ge-
me gleichermaßen (z. B. gemein/ordinr/gewçhn- schieht oft in Konkurrenz zu anderen Lexemen
lich) oder differenzierend (z. B. stinken/riechen/duf- (z. B. verliert list im Nhd. seine mit kunst synony-
ten: Rosen stinchant im Ahd., riechent im Mhd., men positiven Teilbedeutungen): B. kann – wie
duften im Nhd.; Frau/Weib: Frau: mhd. ›Herrin‹ zuerst Trier (1931) umfassend gezeigt hat – nicht
und  meliorativ, nhd. zunehmend neutral; Weib: zureichend am einzelnen Lexem, sondern nur im
mhd. neutral, nhd. zunehmend  pejorativ);  Be- Rahmen der paradigmat. und syntagmat. Bezie-
deutungswandel,  Bedeutungsverbesserung. RB hungen eines  Wortfelds beschrieben werden. B.
Bedeutungsverschmelzung Ergebnis der Beseiti- dient u. a. der Ausbildung, Aufrechterhaltung oder
gung einer semant. Distinktion, die mit dem Außer- Einebnung von Bedeutungsoppositionen (viele
Gebrauch-Kommen von Lexemen einhergehen Beispiele bei Fritz 22006). (d) Eben dies findet
kann. Das klass. Beispiel in der dt. Wortgeschichte und fand statt in »sinnkonstituierenden« (Busse
ist die Aufgabe der Unterscheidung patrilinearer 1987), zielbezogenen Interaktionen, motiviert
und matrilinearer Verwandtschaftsbez.: mhd. base durch individuelle Intentionen und Bedrfnisse
vs. muome, veter vs. œheim kçnnen seit dem 16. Jh. (z. B. des Ausdrucks oder der Verhllung), geprgt
synonym gebraucht werden mit der Bedeutung durch zeit-, gesellschafts- und gruppentyp. Kenntnis-
›Schwester‹ bzw. ›Bruder der Eltern‹; seit dem se und Wertungen, bezogen auf gegenstands-, text-
18./19. Jh. werden sie durch die Lehnwçrter Tante und situationsspezifische Stilnormen, oft auch ange-
und Onkel abgelçst. Im morpholog. Bereich ist die regt durch fremde Vorbilder;  Bedeutungsentleh-
bernahme der Bedeutung des idg./germ. Dualis nung. Mit derartigen Gesichtspunkten nehmen neuere
durch den Plural ein Beispiel. Lit. R. Anttila, An begriffsgeschichtl. ( historische Semantik) und hand-
Introduction to Historical and Comparative Linguis- lungstheoret. (Fritz 22006) Anstze eine pragmat. Per-
tics. N. Y., Ldn. 1972. – G. Ruiprez, Die struktu- spektive wieder auf, aus der heraus ltere Forschung
relle Umschichtung der Verwandtschaftsbez. im Dt. die Flle psych. (u. a. affektiver: Sperber 1923) und
Marburg 1984. RB sozialer (Meillet 1921) Ursachen und Bedingungen
Bedeutungswandel (engl. semantic change, frz. des B. zu erfassen versuchte. Lit. H. Paul, Prinzipien
changement smantique) Vernderung der virtuellen der Sprachgeschichte. Halle 51920. – A. Meillet, Lin-
Bedeutung von Lexemen als kollektive Folge zu- guistique historique et linguistique gnrale. Bd. I.
nchst individueller Modifikationen in der »ge- Paris 1921. – H. Sperber, Einf. in die Bedeutungs-
wçhnlichen Sprechttigkeit« (Paul 1920). B. betrifft lehre. Bonn 1923. – J. Trier, Der dt. Wortschatz im
 denotative und  konnotative Komponenten und Sinnbezirk des Verstandes. Heidelberg 1931. – G.
Gebrauchsbedingungen von Lexemen, die Struktur Stern, Meaning and Change of Meaning. Blooming-
ihrer  Signifikate und ihre semant. Relationen zu ton 1931. – S. Ullmann, Grundzge der Semantik.
anderen Lexemen. Grob gegliedert wird B. durch Bln. 1967, Kap. 4. – D. Busse, Histor. Semantik.
die traditionelle, auch von  Semasiologie und Stgt. 1987. – Th. Schippan, Lexikologie der dt. Ge-
 Onomasiologie bernommene »logisch-rhetor.« genwartsspr. Tbingen 22002, Kap. 10. – G. Fritz,
Klassifikation der Vorher-nachher-Relation;  Be- Historische Semantik. Stgt., Weimar 22006. – R. Kel-
deutungserweiterung,  Bedeutungsverengung,  Be- ler & I. Kirschbaum, B. Eine Einfhrung. Bln., N. Y.
deutungsbertragung (1),  Bedeutungsverbesserung, 2003. RB
 Bedeutungsverschlechterung. Diese Kategorien er- Bedeutungswort  Autosemantikum
fassen allerdings weder die Art der Wandlungs- Bedeutungswçrterbuch  Definitionswçrterbuch
prozesse hinsichtl. (a)  Denotat, (b) Signifikat und Bedingter Lautwandel  Lautwandel
(c)  Wortfeld noch (d) psycholog., soziokulturelle Bedingung  Prsupposition
oder histor. Ursachen und Bedingungen des jewei- Bedingungsform  Konditional(is)
ligen B. Jedes der genannten B.ergebnisse kann Bedingungssatz  Konditionalsatz
zustande kommen (aa) entweder durch Vernde- Bedrohte Sprachen (engl. endangered languages,
rungen des Denotats (z. B. Schreibfeder) bzw. des frz. langues menaces de disparition) Spr.n, deren
Wissens darber (z. B. Atom) bzw. der Einstellung aktive Verwendung rcklufig ist aufgrund des
dazu (z. B. Homosexualitt) ohne Vernderung des Drucks zu  Sprachwechsel, d. h. Zwei- oder Mehr-
Begriff 93

sprachigkeit, auf ihre Sprecher. Die Gefhrdung referentielle Ausdrcke (z. B. »Sohn« [x, y] ‹
einer Spr. beginnt i. d. R. mit ihrer Verdrngung x: Igor, y: David) mit dem Ergebnis der log. Nor-
aus einer relevanten  Domne, z. B. aus dem Schul- malform eines wahren oder falschen Urteils ([Igor
unterricht, oder damit, dass eine Spr. aus neu ent- ist] »Sohn« [von David]). Zugleich ist der B. not-
stehenden Domnen ausgeschlossen wird. Von den wendig analytisch: Eine holist. ›Vorstellung‹ ist
heute weltweit gesprochenen Spr.n werden 40 von noch kein B.; sie wird dazu in dem Maße, in dem
3/4 der Menschheit gesprochen, die brigen etwa sich die Spezifika ihrer ›Gestalt‹ ausdifferenzieren
6000 vom restl. Viertel. Schtzungen der UNESCO zu Merkmalsbegriffen, mit deren Hilfe der fragl. B.
besagen, dass um das Jahr 2100 noch die Hlfte, reflexiv geklrt und im Idealfall gegenber konkur-
schlimmstenfalls 1/10 davon brig sein wird. Die rierenden B. zureichend abgegrenzt werden kann.
Grnde fr diese Entwicklung sind Kolonisation Ein durch derartige  Definition(en) konstituierter
und nachkoloniale Nationenbildung, bei der regel- B. ist zugleich klar (= zureichend bestimmt) und
mßig Minderheiten marginalisiert werden, soziale deutlich (= vollstndig analysiert) – eine bei kom-
Stigmatisierung von Spr.n und Kulturen, (Brger-) plexen B. oft unabschließbare Aufgabe, insbes.
Kriege, Naturkatastrophen sowie die als Globalisie- wenn auch fr die definierenden Merkmalsbegriffe
rung bezeichnete Entwicklung. In Deutschland ge-  rekursiv Klarheit und Deutlichkeit fordert. Die
hçren das Nordfries., das Saterfries. und das Sorb. Mçglichkeit, durch Vergrçßerung der Merkmals-
zu den b. S. Die Gesellschaft fr bedrohte Sprachen menge aus  Oberbegriffen  Unterbegriffe engerer
(www.uni-koeln.de/gbs) bemht sich, b. S. zu  Extension abzuleiten (»Fahrzeug« fi »Automo-
schtzen und ggf. vor ihrem Aussterben wenigstens bil« fi »Pkw« fi »Kabrio«), zeigt, dass B. i. d. R.
zu dokumentieren. Lit. M. Ossenkop, Dokumenta- hierarchisch organisiert sind (in traditioneller Meta-
tion bedrohter Spr. Eine Reise zu den weltweiten phorik: ›Baum‹ oder ›Pyramide‹). Quer dazu jedoch
Projekten einer Fçrderinitiative Hannover 2004. – steht jeder B. durch seine unterscheidenden Merk-
K. D. Harrison, When Languages Die. The Extinc- male (»differentiae specificae«) in vielfltigen Re-
tion of the World’s Languages and the Erosion of lationen zu anderen B. (z. B. »Kabrio« fi HAT :
Human Knowledge. Oxford, N. Y. 2007. – N. »Verdeck« fi M GLICH : »zurckklappen«), so
Evans, Dying Words. Endangered Languages and dass es angemessener erscheint, B. als Knoten in-
What They Have to Tell Us. Malden 2010. G nerhalb vieldimensionaler ›Netze‹ zu bezeichnen,
Befehlsform  Aufforderung,  Heischeform,  Im- deren Kanten sich durch Vollstndigkeit, kono-
perativ mie, Stabilitt und Wohlunterschiedenheit auszeich-
Befehlsname  Satzname nen. Eine minimale Extension besitzen die sog.
Befehlssatz  Imperativsatz Individualbegriffe (»Heiland«, »Urknall«, »Fran-
Befragung (engl. survey, interview) Verfahren der zçs. Revolution«); sie unterscheiden sich durch
ling. Datenerhebung, die sich auf die Antworten eine definierbare Intension von den deikt.  Eigen-
von  Informanten auf direkte, explizite Fragen namen, kçnnen allerdings in prdikativem Ge-
sttzt. Eine B. kann mndl. durch  Interviews und brauch aus diesen hervorgehen (Er ist ein neuer
schriftl. z. B. durch Fragebçgen erfolgen;  Be- Caruso). – Ein Begriffsnetz kann man auch als
obachtung,  Feldforschung. G  Terminologie bezeichnen; die ( denotative) Be-
Begabung  Sprachbegabung deutung eines in ihr przise definierten  Terminus
Begehrsatz  Aufforderungssatz,  Heischesatz, besitzt – zumindest dem Anspruch nach – die Struk-
 Wunschsatz tur eines klaren und deutl. B., und zwar dieselbe im
Begleitaussage  Komplement System und im (fachkommunikativen) Text. Dage-
Begleiter  Artikel gen zeigt die zumeist betrchtl. Differenz zwischen
Begleitname  Familienname System- und  ußerungsbedeutung in der  All-
Begriff (lat. conceptus, nōtiō. Engl., frz. concept, tagssprache, dass diese begriffl. flexible  Lexeme
notion) Aggregat kategorialer oder relationaler ihr eigen nennt: Im Gegensatz zu Termini sind all-
Merkmale, das die Gegenstnde, Zustnde, Prozes- tagssprachl. Lexeme durch Eigenschaften wie
se etc., denen die Merkmale zukommen, zu einer  Polysemie,  Vagheit, Prototypik ( Prototyp) und
 Klasse zusammenfasst und das mit einem kommu- Emotionalitt ( Konnotation (2),  Gefhlswert,
nizierbaren, i. d. R. verbalen Ausdruck verknpft ist;  Nebensinn), die die  Philosophie der idealen
wer eine Entitt mit diesem Ausdruck benennt, ›be- Sprache als Mngel betrachtete, angelegt auf situa-
greift‹ sie als Instanz der durch das Merkmalsag- tive Anpassung, kreative Modifikation und hinter-
gregat (die  Intension) gekennzeichneten Klasse. sinnige Andeutung. Hinzu kommt, dass deren Re-
Vom konkreten Objekt her gesehen ist also der B. prsentationen im  mentalen Lexikon der Sprach-
abstraktiv (Ausblendung nicht-klassenbildender teilhaber selten das hohe Maß an begriffl. Transpa-
Merkmale) und verallgemeinernd (Einordnung in renz der Bedeutung erreichen, wie es die Methodik
Klassen) sowie eben deshalb »ungesttigt« (Frege der ling.  Wortsemantik zuweilen suggeriert. Den-
3
1969 , 29); als prdikativer Funktor bedarf er der noch ist an dem Faktum ihrer analyt. Bedeutungs-
Ergnzung durch einen (so Frege) oder mehrere struktur nicht zu rtteln; denn auch fr alltags-
94 Begriff

sprachl.  Autosemantika gilt, dass sie Klassen de- »eingeborene B.« (Descartes: »Gott«)? (c) Kant
signieren mithilfe eines intensionalen Aggregats kon- (Logik 1, § 1) bestimmt im Gegensatz zur »einzel-
ventionaler Merkmale, in die sich die mentalen Be- nen Vorstellung« (= ›Anschauung‹) den ›B.‹ als
deutungen seit frhester Kindheit ausdifferenzieren »allgemeine oder reflektierte Vorstellung«, ohne
als Folge zahlloser Akte gelingender Prdikation, re- fr diese das Merkmal ›Sprachgebundenheit‹ zu
levanter Unterscheidung und verstndl. syntakt. Ver- fordern. Es ist aber fragl., ob B., seien sie »empir.«
bindung der lexemat. Einheiten. Lexembedeutungen (wie »Katze« oder »Sugetier«) oder »rein« (wie
tragen somit die Statur, nicht (immer) jedoch den »Ewigkeit«), eine eigene außersprachl. Reprsenta-
ernsten Anspruch des (»wissenschaftl.«) B.; Schaff tionsebene bilden oder ob sie nicht vielmehr – wie
(1969, 252 ff.) charakterisiert sie daher, unter dem dies schon die Stoiker nahelegen und in der Neuzeit
»Gesichtspunkt des Denkprozesses«, als »umgangs- u. a. Vico, Hamann, Herder und Humboldt fordern –
sprachl. B.«. Ihre Begriffsstatur macht Lexembedeu- konstitutiv sprachgebundene Einheiten sind. (d) Un-
tungen erreichbar fr kommunikative und metakom- ter der letzteren Annahme muss aber der  Synony-
munikative  Paraphrasen und garantiert zugleich die mie und  Heteronymie (2), d. h. der relativen Unab-
bersetzbarkeit der Sprachen trotz aller Unterschiede hngigkeit des B. von der einzelsprachl. Form
im Lexembestand. Dies bedeutet auch, dass B. durch- Rechnung getragen werden. In der  strukturellen
aus nicht nur in Lexemen ihren sprachl. Ausdruck Semantik resultiert daraus die Auffassung von der
finden, sondern ebensosehr in entsprechenden (nomi- »Außereinzelsprachlichkeit« (Heger) der B., die als
nalen, verbalen etc.)  Syntagmen; ja vom B. her ge- nicht einzelsprachl. definierte Einheiten ( Noem
sehen ist ein definitor. Syntagma wie gleichseitiges (3)) die method. Grundlage fr die Untersuchung
rechtwinkliges Viereck log. primr gegenber dem einzelsprachl. Bezeichnungsmçglichkeiten bilden
Lexem Quadrat, das die dt. Sprache als çkonom. ( Onomasiologie), ohne dass eine Aussage ber
Abkrzung bereitstellt, whrend sie eine solche z. B. ihren ontolog. Status getroffen wrde. Wer darin
dem B. »gleichseitiges Dreieck« vorenthlt. – ber die Gefahr einer Hypostasierung frchtet, wird B.
den ontolog. Status des B. herrscht von der griech. mit »Wçrtern einer Einzelsprache« (Weinrich 1966,
Antike bis zur Gegenwart keine Einigkeit. Strittig 29) identifizieren, insoweit diese sprachbergreifen-
waren oder sind insbes. die folgenden Punkte: (a) de und kontextinvariante Bedeutungsstrukturen auf-
Existieren B. bzw. deren quivalente außermental weisen (z. B. Schaff, Schmidt). (e) Neuere kogni-
als ideale Entitten (Plato, ma. ›Realisten‹, Bolzano, tionswiss. Anstze nehmen i. d. R. eine außer-
Husserl), oder sind B. »passiones animi« (Boethius), sprachl. Reprsentationsebene an, sprechen dann
›Gedanken‹ oder ›Vorstellungen‹, sei es als abstrak- aber seltener von ›B.‹ (Hoffmann) als von ›Konzep-
tive mentale Konstruktionen (Nominalisten, Locke), ten‹ und verstehen darunter kognitive Reprsenta-
sei es als psych. Abbilder der Dinge und ihrer Ge- tionen aller Art, soweit sie nur eine gewisse inva-
meinsamkeiten? Die letztere, von Aristoteles zuerst riante Struktur aufweisen wie u. a. auch die senso-
formulierte (Peri hermeneias, I, 16 a 3 f.), von der Stoa motor. Muster und »inneren Bilder« (Piaget) des
und ma. Sprachtheoretikern tradierte und modifizierte vorsprachl. Kindes. Die dt. Sprache bietet hier die
Auffassung wurde auch fr die Neuzeit bestimmend Mçglichkeit der terminolog. Differenzierung: einer-
bis hin zur marxist. Widerspiegelungstheorie und ent- seits das ›Konzept‹ als nicht-sprachl., jedoch oft mit
spricht mit ihrer triad. Struktur dem  Semiotischen einem sprachl. Ausdruck verknpfte, in der indivi-
Dreieck (s. die Abb.). (b) Gibt es neben »empir.« duellen ›Psyche‹ existente Reprsentation; anderer-
abgeleiteten B. (wie »Energie«) auch projektiv ent- seits der berindividuelle Geltung beanspruchende
worfene (Hegel, Lipps) bzw. »kognitiv-konstitutive« ›B.‹ als definierbare Position in der Struktur eines
(Burkhardt) B. (wie »Gerechtigkeit«) oder gar elaborierten konzeptuellen Netzes, dessen stabile
Relationen auf interaktiv ›ausgehandelten‹, sprachl.
fixierten, ggf. zu einer Theorie verbundenen Urtei-
len beruhen. Lit. H. Lipps, Die Verbindlichkeit der
Spr. Ffm. 21958. – K. Heger, Monem, Wort, Satz
und Text. Tbingen 21976. – H. Weinrich, Ling. der
Lge. Heidelberg 1966. – I. Kant, Logik: Allge-
meine Elementarlehre. In: Werke, hg. von W. Wei-
schedel, Bd 5. Darmstadt 1968, 521–529. – G.
Frege, Funktion, B., Bedeutung (1892). In: Ders.,
Funktion, B., Bedeutung. Gçttingen 2008. – S. J.
Schmidt, Bedeutung und B. Braunschweig 1969. –
A. Schaff, Einf. in die Semantik. Ffm. 1969. – R.
Haller, B. In: J. Ritter & K. Grnder (Hgg.), Histor.
Wb. der Philosophie. Bd. 1. Darmstadt 1971, Sp.
780 –785. – H. Wagner, B. In: H. Krings, H. M.
Begriffsmodell nach Aristoteles Baumgartner & Ch. Wild (Hgg.), Hdb. philosoph.
Begriffszeichen 95

Grundbegriffe. Bd. 1. Mchn. 1973, 191– 209. – A. men dominiert (z. B. in der gypt.  Hieroglyphen-
Burkhardt, Bedeutung und B. In: Zs. f. philsoph. schrift, in den  mesoamerikanischen Schriften),
Forschung 37, 1983, 68 –87. – J. Hoffmann, Die produziert sie Mehrfachlesarten, Mehrdeutigkeiten
Welt der B. Weinheim 1986. – J. H. J. Schneider & und Vagheiten, denn es muss beim Lesen stets von
S. Majetschak, B. In: G. Ueding (ed.), Histor. Wb.  Begriffen auf sprachl. Ausdrcke geschlossen
der Rhetorik. Bd. 1. Tbingen 1992, Sp. 1399 – werden. Zur Linderung dieser Schwierigkeit wur-
1422. RB den in solchen Schriftsystemen Disambiguierungs-
Begriffsbildung (auch: Konzeptualisierung) Ent- verfahren entwickelt, z. B. Systeme von  Determi-
wicklung von Erkenntnisstrukturen beim Kind, die nativen, von phonet. Markierungen u. dgl., die Hin-
aus der Verallgemeinerung der Erfahrung in der weise auf die sprachl. Form des zu lesenden Aus-
Interaktion des Subjekts mit der dingl. und persona- drucks geben. B. wird oft gleichbedeutend mit
len Umwelt entstehen. In der  Spracherwerbsfor-  Ideographie verwendet, wobei ›Begriff‹ und
schung ist das Verhltnis von B. und Bedeutungs- ›Idee‹ in eins gesetzt werden. Einige Autoren rech-
erwerb ein zentrales Thema. Wçrter kçnnen als nen die sog. Gegenstandsschriften zu den B., z. B.
Symbol fr  Begriffe verstanden werden; Wortbe- die andinen Knotensysteme (Quippus) und andere
deutungen sind demnach Begriffen zugeordnet. Die Zeichensysteme, in denen Gegenstnde (und nicht
Spracherwerbsforschung befasst sich mit Struktu- Darstellungen von Gegenstnden) zeichenhaft sind;
ren, Inhalten und Entwicklungsstadien kindl. Be- hierbei handelt es sich nicht um  Schriften im ei-
griffe und mit dem Verhltnis zwischen B. und gentl. Sinn. Dasselbe gilt fr vielerlei Mischsysteme
Bedeutungsentwicklung. Der Begriff »Leben« von aus gegenstndl. und graph. Zeichen wie z. B. tra-
vierjhrigen Kindern z. B. ist durch die Attribute »in ditionelle Handwerkermarken, Eigentumszeichen,
Bewegung sein«, »in Funktion sein«, »dem Men-  Zinken u. dgl. Die  Schriftzeichen in B., Begriffs-
schen hnlich sein« charakterisiert. Pflanzen oder zeichen, korrespondieren mit sprachl. Einheiten der
Tiere, die dem Menschen wenig hnl. sind, werden Inhaltsseite und beziehen sich oft nicht unmittelbar
nicht darunter subsumiert. Entsprechend unterschei- auf eine sprachl. Einheit der Ausdrucksseite; die oft
det sich die Bedeutung des Wortes »Leben« bei synonym verwendete Bez. »Ideogramm« ist unpr-
einem vierjhrigen Kind von der eines Erwachse- zis und veraltend. In Alphabetschriften konstituie-
nen. In der Entwicklung eines Kindes wechseln ren Begriffszeichen den nichtalphabet. Sektor. Dazu
Stadien, in denen die Begriffsentwicklung der Be- gehçren z. B.  Ziffern, Zeichen wie &, §, %, +, –
deutungsentwicklung vorauseilt, mit Stadien, in usw., nicht jedoch  Interpunktionszeichen. 2. Name
denen es sich umgekehrt verhlt. Lit. P. Bloom, der 1879 von dem Mathematiker und Logiker G.
How Children Learn the Meaning of Words. Cam- Frege (1848 –1925) publizierten Logikspr. zur Dar-
bridge, Mass. 2000. – K. Nelson, Language in Cog- stellung prdikatenlog. Beziehungen. 3. Zusammen-
nitive Development. Cambridge 1996. – J. Piaget, fassende Bez. fr eine Reihe von  Pasigraphien,
Meine Theorie der geistigen Entwicklung. Ffm. die Bedeutungen unabhngig von Einzelspr.
1983. – G. Szagun, Sprachentwicklung beim Kind. schriftl. reprsentieren wollen, z. B. die Bliss-Sym-
Weinheim u. a. 62003. – L. S. Vygotskij, Denken bole. Lit. G. Frege, B. Eine der arithmet. nachge-
und Sprechen. Weinheim u. a. 2002. AN bildete Formelspr. des reinen Denkens. Hg. v. I.
Begriffsgeschichte  Historische Semantik,  Be- Angelelli. Darmstadt 1974. – Bundesverband fr
deutungswandel spast. Gelhmte u. a. Kçrperbehinderte (Hg.), Wçr-
Begriffsinhalt  Intension terbuch der Bliss-Symbole. Heidelberg 1987. –
Begriffsschrift (auch: Semiographie, Semantogra- HSK 10. G
phie < griech. Ń (sēmeion) ›Zeichen‹, ªæ- Begriffsumfang  Extension
çØ (grafein) ›schreiben‹) 1.  Schrifttyp, dessen Begriffswort  Abstraktum,  Autosemantikum
 Schriftzeichen Bedeutungen und keine sprachl. Begriffszeichen  Schriftzeichen, das mit einer
Formen (Lautgestalten, phonolog. oder morpholog. sprachl. Einheit der Inhaltsseite korrespondiert und
Einheiten, Wçrter) reprsentieren. Der oft synonym oft nicht unmittelbar auf eine sprachl. Einheit der
verwandte Ausdruck  Piktographie referiert auf die Ausdruckseite beziehbar ist; »Ideogramm« ist ein
Ausdrucksseite, nml. den Sachverhalt, dass das unprzises und veraltendes Synonym von B. In
Zeicheninventar aus Bildzeichen (ikon. Zeichen) Alphabetschriften konstituieren B. den nichtalpha-
besteht, die mit Begriffen oder »Ideen«, aber auch bet. Sektor; dazu gehçren z. B.  Ziffern, Zeichen
mit Wçrtern ( Logographie) korrespondieren. B. wie &, §, %, +, – usw., nicht jedoch  Interpunk-
und Logographien unterscheiden sich dadurch, tionszeichen. Schriftzeichen logograph. Schriftarten
dass die Elemente Letzterer sich systemat. auf freie sind Wortzeichen,  Logogramme. Werden sie in
Morpheme (Wçrter) beziehen, whrend sich die Neuverschriftungen verwendet, bernehmen sie in
Elemente von B. nicht direkt auf Ausdrucksformen der sekundr verschrifteten Spr. oft vçllig andere
(Lautgestalten) beziehen lassen, sondern oft mehre- Formbezge und wechseln in den Status von B.
re sprachl. Interpretationen zulassen. Soweit die be- (z. B. chines. Zeichen im Japan. (Kanji), im Vietna-
griffsschriftl. Komponente in realen  Schriftsyste- mes., Korean. ( Ido) u. a.;  Sumerogramm. G
96 Begrndungssatz

Begrndungssatz  Kausalsatz wie Selbstbeobachtung, Prozesse des Sinnverste-


Behabitiv  Sprechaktklassifikation hens werden als unwissenschaftl. ausgegrenzt, da
Behaghelsche Gesetze Bez. fr zwei von O. Be- solche Bewusstseinsphnomene prinzipiell nicht be-
haghel (1854–1936) formulierte Grundprinzipien obachtbar sind. Der funktionale Zusammenhang
der Wort- und Satzgliedstellung. (a) Als Erstes von Reiz (input) und Reaktion (output) wird in
B. G. gilt, »dass das geistig eng Zusammengehçrige manchen Lerntheorien als  Konditionierung zur
auch eng zusammengestellt wird«. Das Erste Be- Anwendung gebracht. 2. Das methodolog. Prinzip
haghelsche Gesetz wird auch als Kohsionsprinzip fhrt innerhalb der Sprachwiss. (L. Bloomfield,
(O. Jespersen; engl. Principle of cohesion) und Pro- 1887–1949) dazu, Spr. als eine besondere Form
ximittsprinzip (T. Givn; engl. Proximity princi- des menschl. Verhaltens und damit als Zusammen-
ple) bezeichnet. (b) Das Zweite B. G. besagt, dass hang von Reiz (stimulus) und Reaktion (response)
das Wichtigere im Satz spter steht als das Unwich- zu erklren. Nicht mentalist. Elemente und Sprach-
tige. Dieser Grundsatz findet sich schon ansatzwei- bedeutung werden untersucht, sondern die konkrete
se in dem ›Gesetz der wachsenden Glieder‹, wo-  Sprechhandlung und die zugehçrige Reaktion ei-
nach bei mehreren Satzgliedern stets das krzere nes Hçrers. 3. Der log. B. (W. v. O. Quine) wendet
dem lngeren vorausgeht. Der Sprecher rckt das sich gegen die Bedeutungstheorie des  Mentalis-
ans Ende des Satzes, was besonders wichtig ist und mus, der die Bedeutung eines Wortes als eine Vor-
sich dem Gedchtnis des Hçrers einprgen soll, stellung, eine Idee fasst, auf die wir das Wort in den
oder das, was etwas umfangreicher ist und nicht geistigen Akten des Meinens und Verstehens bezie-
so leicht vom Gedchtnis aufgenommen wird. Das hen. Die behaviorist.  Semantik geht von der Spr.
zweite Gesetz gilt auch fr das Alte und das Neue. als einer sozialen Kunstfertigkeit aus, die wir allein
Weniger wichtig ist das, was bereits im Bewusstsein auf der Grundlage des beobachtbaren Verhaltens
vorhanden ist, in dem Sinne also das Alte. Mit den anderer Menschen unter çffentl. identifizierbaren
B. G. wird ein zentraler Bestandteil der Theorie der Umstnden erwerben.  Bedeutungen sind Verhal-
 funktionalen Satzperspektive der  Prager Schule tensdispositionen, Bedeutungsunterschiede werden
angesprochen. Die B. G. sind Grundlage der  The- auf Unterschiede in den Dispositionen zum çffentl.
ma – Rhema – Gliederung. ST beobachtbaren Verhalten reduziert. Die Existenz
Behauchung  Aspiration,  Phonation.  Stimm- von Sprachbedeutungen wre nur dann anzuneh-
qualitt men, wenn eindeutige bersetzungen von der Spr.
Behauptung (engl., frz. assertion) I. w. S. ein asser- A. in die Spr. B gelngen. Aus der Tatsache, dass
tiver Sprechakt ( Assertive), mit dem der Sprecher nach Quine bestenfalls einfache Ereignisstze mit
fr eine Proposition einen Wahrheitsanspruch er- eindeutigen Reizbedeutungen, die zu aktuellen Rei-
hebt und kommuniziert. I. e. S. bezeichnet der Ter- zen in einer festen Beziehung stehen, in eine andere
minus ›B.‹ in sprechakttheoret. Untersuchungen oft Spr. bersetzbar sind, nicht aber Stze, die weiter
eine Subklasse der Assertive, die sich dadurch aus- von einer unmittelbaren Erfahrungssphre entfernt
zeichnet, dass der Sprecher seinen Wahrheitsan- sind, z. B. sog. Dauerstze, schließt er auf die These
spruch als mçglicherweise strittig und begrndungs- von der Unbestimmtheit der bersetzung, die er als
bedrftig einschtzt. In diesem Sinne bildet die B. Beleg fr die Unhaltbarkeit der Annahme mentaler
den Gegenbegriff zur  faktiven ›Feststellung‹; Objekte wie ›Bedeutungen‹ anfhrt. Ebensowenig
 Assertion. RB kann nach Kriterien des B. ein eindeutiger Gegen-
Behauptungssatz  Assertion,  Deklarativsatz standsbezug eines Wortes bestimmt werden.
Behaviorem n. (amerikan. behavior ›Verhalten‹ mit Lit.B. F. Skinner, Verbal Behavior. N. Y. 1957. –
pseudogriech. Suffix -em) Bei K. L. Pike eine L. Bloomfield, Language. Ldn. 1953. – W. v. O.
 emische Einheit fokussierten sprachl. und nicht- Quine, Word and Object. Cambridge/Mass. 1960. –
sprachl. Verhaltens, die aufgrund gesellschaftl. Ver- Ders., Ontological Relativity. N. Y. 1969. PR
bindlichkeiten im Ablauf konventionalisiert und ob- Behçrdensprache  Verwaltungssprache
jektiv erkennbar ist: Anfang, Ende und interne Beifgung  Attribut
Strukturierung sind durch den  Rahmen eines Ver- Beifgungssatz  Attributsatz
haltenssystems festgelegt. Beispiele: Gottesdienst, Beiname 1. Nhere Bestimmung eines Personen-
Fußballspiel, Frhstck. Ein sprachl. B. nennt Pike namens durch ein  Attribut, z. B. Friedrich der
ein Uttereme (gebildet aus utterance ›ußerung‹ Weise, Eberhard im Bart, Ivan Groznyij (›der
und -eme);  Emisch. T Schreckliche‹). 2.  Epitheton. G
Behaviorismus (amerikan. behavior ›Verhalten‹) Beiordnung  Koordination
Bez. fr ein methodolog. Prinzip der Erklrung. – Beir¼o  Portugiesisch
1. Innerhalb der Psychologie wird der Forschungs- Beisatz  Apposition
gegenstand auf das empir. beobachtbare Verhalten Beistellung  Apposition
des Menschen, auf das Feststellen von Reiz-Reak- Beistrich  Komma
tions-Mechanismen eingeschrnkt;  Reiz-Reak- Beiwort 1. Sammelbez. fr  Adjektiv und  Ad-
tions-Modell. Andere Methoden der Psychologie verb. 2.  Epitheton. G
Beludschi 97

Beja  Kuschitische Sprachen (c) gg. (d) durch eine spezielle Form des Zahlworts
Belebtheit, Belebtheitskategorie 1. (auch: Be- sowie am Subst. durch die Alternation der stamaus-
seeltheit(skategorie). Engl. animacy, animate gen- lautenden Konsonantengruppe /z/ : /ź/ (= stimmhaf-
der, frz. genre anim) Grammat. Kategorie u. a. in ter Mittelzungenpalatal) und, graph. nicht realisiert,
den slav. Spr. mit den beiden Grammemen ›belebt‹ /n/ : /n’/, hervorgerufen durch das Endungsallo-
(auch: animat) und ›unbelebt‹ (auch: inanimat). B. morph /i/ (Sg. me˛żyzna). Im Tschech. wird das
wird bei bestimmten semant. ausgrenzbaren Klas- mnnl.-personale Genus vornehmlich kodespezif.
sen von Subst., den zhlbaren konkreten Appella- durch die graphemat. Varianten K i, y L = /i/ realisiert,
tiva, in Abhngigkeit vom jeweiligen Deklinations- vgl. pni ›Herren‹ vs. stromy ›Bume‹, neben z. T.
typ morpholog. beim Subst. selbst und/oder syntakt. als fakultative Varianten auftretenden speziellen
ber morpholog. Kongruenzmarkierungen ( Kon- Endungen, z. B. mužov ›Mnner‹. – Die B. ist in
gruenz) an den vom Subst. abhngigen Modifika- speziellen morpho-syntakt. und semant. Ausfor-
toren (Adj., Pron.) ausgedrckt, z. B. russ. vı́žu drffl- mungen, z. B. den Grammemen ›personal-belebt‹
ga (Akk. Sg. Mask., Subst. formgleich mit dem vs. ›nichtpersonal-belebt‹, auch fr andere Spr.
Gen. Sg. ›Ich sehe den Freund‹) vs. vı́žu dom (Sprachfamilien) typisch, z. B. in best.  Ergativ-
(Akk. Sg. Mask., Subst. formgleich mit dem Nom. sprachen (u. a. in den  australischen Sprachen).
Sg. ›Ich sehe das Haus‹). Die B. stellt eine rein Lit. K. Trost. Zur semant. Klassifikation der Sub-
sprachl. motivierte begriffl. Verallgemeinerung von stantive und des Genetiv-Akkusativs im Russ. Re-
Eigenschaften der bezeichneten Gegenstnde dar, gensburg 1992. – E. Klenin, Animacy in Russian. A
denn sie deckt sich nicht mit dem naturwiss. Kon- New Interpretation. Columbus 1983. – D. Weiss,
zept der (Un-)Belebtheit der organ. Natur: z. B. Frau und Tier in der sprachl. Grauzone: diskrimi-
werden Pflanzen sowie auch »kleinere« Tiere ge- nierende Strukturen slav. Spr.n. Slavist. Ling. 1984.
nerell als grammat. unbelebt versprachlicht. Die B. Mchn. 1985, 317–358. – J. Mindak, Je˛zykowa kate-
ist in den Flexionsparadigmen der slav. Spr. nur gorie żywotności w polszczyźnie i s‡owianszczyź-
schwach ausgeprgt. Zudem zeigen sich sprachspe- nie na tle innych je˛zykw świata. Prba uje˛cia typo-
zif. Unterschiede v. a. in der Ausnutzung ihrer mor- logicznego. [Die sprachl. Kategorie der B. im Poln.
pholog. Ausdrucksmittel am Subst., insbesondere und Slav. auf dem Hintergrund von anderen Spr. der
im Umfang des jeweiligen Kasussynkretismus Welt. Versuch ihrer typolog. Erfassung] Wroc‡aw
( Kasus), z. B. russ. Akk. Pl. Fem. = Gen. Pl. u. a. 1990. HA – 2. Semant. Merkmal in Grammati-
Fem., z. B. zovffl sestër (›Ich rufe die Schwestern‹), ken unterschiedl. Typus, z. B. in den  Subkategori-
aber serbokroat. Akk. Pl. Fem. = Nom Pl. Fem., vgl. sierungsregeln der GG, in der Kasusgrammatik, in
zvem sstre ›dass.‹, bzw. im Bestand der (mitunter der Valenzgrammatik. B. wird blicherweise diffe-
als fakultative Varianten auftretenden) speziellen renziert nach [€ belebt], [€ human], [+ weiblich] vs.
Kasusendungen. Im Tschech. endet der Gen. Sg. [+ mnnlich] usw. G
der entsprechenden Substantivklasse obligator. auf Beleg (engl. reference, frz. rfrence) 1. Ein Zitat,
{-a}, vgl. pna ›des Herrn‹ (anstelle von domu ›des das als solches durch eine Quellenangabe und durch
Hauses‹), der Dat./Lok. Sg. entsprechend auf Zitiertechniken (z. B. Anfhrungszeichen) sichtbar
{-ovi}, vgl. bratrovi ›dem Bruder‹ (anstelle von gemacht wird. 2. Ein  Datum aus einem  Korpus,
dubu ›der Eiche‹). – Eine spezielle Ausprgung das ling. analysiert wurde (z. B. die Form »sei« im
der B. bildet das sogenannte mnnlich-personale »sei gegrßt«, wenn sie als Konjunktiv I erfasst
Genus, ein mnnl. Personen bezeichnendes Gram- wird). RS
mem, ber das das Westslav. in Teilen der Nominal- Bella Coola  Salish-Sprachen
flexion und der Verbalflexion verfgt. Es ist je nach Belorussisch  Weißrussisch
Wortstammauslaut durch besondere morphonolog. Beludschi (Eigenbez. Baluči, Bālōčı̄) Nordwesti-
Alternationen, ausgelçst durch eigene Endungen, ran. Spr.;  Iranische Sprachen. Ca. 6 Mio. Sprecher
gekennzeichnet und hat einzelsprachspezif. Realisa- im sdwestl. Pakistan, sdçstl. Iran und angrenz-
tionsformen, z. B. im Poln. (a) młodzi studenci za- enden Gebieten Afghanistans sowie im Gebiet
pomnieli ›die jungen Studenten vergaßen‹ vs. (b) Mary in Turkmenistan; Karte  Iranische Sprachen,
młode kobiety zapomniały ›die jungen Frauen ver- im Anhang. B. gliedert sich in einen nordçstl. und
gaßen‹, Nom. Pl. des Adj. bzw. Subst. mit den einen sdwestl. Dialekt, die durch die Brahui-En-
Stammalternationen: /d/ : /Ź / (Sg. młody) bzw. /t/ : / klave voneinander getrennt sind. Die Beludschen
ć/ (Sg. student) und dem Adj. und Subst. gemein- sollen aus dem Nordwestiran zugewandert sein.
samen Endungsmorphem /i/ in (a), 3. Pers. Pl. Prt. Als frheres Siedlungsgebiet wird ein Bereich
des Verbs zapomnieć ›vergessen‹ mit den Stamm- sdl. des Kasp. Meeres angenommen. Im 10. Jh.
alternationen: /e/ : /a/, /l’/ : /u7/ (= unsilb. [u]) und befanden sie sich zwischen Kerman und Fars. Die
den Endungsallomorphen /i/ : /y/ (= ungerundeter, Beludschen in Mary sind Ende des 19. Jh. aus Iran
halbgeschlossener Vokal [y]) in (a) bzw. in (b), (c) und Afghanistan eingewandert und sprechen den
trzej me˛żczyźni ›drei Mnner‹ vs. (d) trzy psy (ko- sdwestl. Dialekt. In Turkmenistan erschienen in
biety) ›drei Hunde (Frauen)‹, Markierung der B. in den 1930er Jahren Bcher (einschließl. Schulb-
98 Beludschi

cher) und Zeitungen in B. In Pakistan wird B. in standardisierten Umgangsspr. (calit bhāsā), einem
arab. Schrift geschrieben (Zeitungen und Zss. in Gemisch aus westl. Dialekten und der in ˙ Calcutta
Quetta und Karachi). Als Schriftspr. benutzen die blichen Mundart, verdrngt wird. Im heutigen
Baludschen heute die jeweilige Amtssprache. Lit. West-Bengalen dient fast nur noch Letztere als
A. Korn, Towards a Historical Grammar of Balochi. Schriftspr. Von ihr unterscheidet sich die auf dem
Wiesbaden 2005. – C. Jahani & A. Korn, Balochi. Dialekt Dakkı̄ beruhende schriftsprachl. Variante
In: G. Windfuhr (Hg.), The Iranian languages. Ldn., von Bangladesh v. a. auf phonolog., geringer auf
N. Y. 2009, 634 –692. MI morpholog. Ebene. Die sehr reiche bengal. Lit. lsst
Bemba (Eigenbez. Chibemba) In Sambia verbrei- sich bis ins 10.–12. Jh. n. Chr. zurckverfolgen; im
tete  Bantu-Sprache. Ca. 1,5 Mio. S1-Sprecher 14.–17. Jh. hatte die traditionelle lyr. Dichtkunst
(rd. 18 % der samb. Bevçlkerung, bes. in Nord- ihre Hochblte. Im 19. Jh. gelang es dem Bengali
und Zentralsambia), zumeist mehrsprachig (Engl., als der ersten Literaturspr. Indiens, sich europ. Gen-
andere samb. Spr.), teilw. in B. alphabetisiert. S2 res erfolgreich anzueignen, v. a. im Bereich des
von ca. 1,5 Mio. weiteren Sambiern, bes. im Cop- Romans (R. Tagore). Verwendete Schrift ist Ben-
perbelt. Anfang des 20. Jh. lat. basierte Verschrif- gali, eine Variante der Devanāgarı̄;  Indische
tung. Regionale Verwendung in Schule, Presse und Schriften. Lit. S. K. Chatterji, The Origin and De-
Rundfunk. Karte  Afrikanische Sprachen, im An- velopment of the Bengali Language. Ldn. 1926. FZ
hang. RE Benrather Linie Die strkste sprachl. Trennlinie im
Bench  Omotische Sprachen dt. Sprachgebiet, die die nçrdl.  niederdeutschen
Benefaktiv (lat. bene facere ›wohltun‹. Auch: Be- und die sdl.  hochdeutschen Dialekte/Regionalspr.
neficient) In der  Kasusgrammatik und einigen va- unterscheidet. Mit ihr werden die meisten Phno-
lenzgrammat. Anstzen  semantische Rolle des mene der Zweiten (hochdt.)  Lautverschiebung er-
Nutznießers oder des Geschdigten einer Handlung, fasst, nml. die Verschiebung von t in allen Positio-
z. B. Er trgt ihm den (seinen) Koffer zum Bahnhof; nen (sdl.: Zeit, setzen, Holz) und die postvokal.
Er macht ihm den Koffer kaputt. WK Frikative von germ. p, t, k zu ff, zz und ch (offen,
Beneficient  Benefaktiv Wasser und machen). Die B. unterscheidet viele und
Benennexperiment (engl. naming experiment) La- z. T. hochfrequente Wçrter, so dass sie intensiv und
borexperimentelle Versuchsanordnung, bei der Vpn auffllig fr jeden Sprachteilnehmer ist. Im Zusam-
mehrere in kurzen Abstnden akust. und/oder vi- menhang mit der B. ist der  Rheinische Fcher zu
suell dargebotene Stimuli benennen sollen, wobei sehen, der aber ledigl. die westfrnk. Teilmundarten
es sich z. B. um Objekte, Handlungen, Farben oder kennzeichnet. Lit.  Rheinischer Fcher. K
bekannte Gesichter handeln kann. Erfasst werden Benue-Kongo-Sprachen Grçßte Untergruppe der
typischerweise die fr die Benennung notwendige  Niger-Kongo-Srachen, die nach neueren Klassifi-
Zeitdauer, die Fehlerrate oder die Art der Benen- kationsvorschlgen (NCL 1989) aus den folgenden
nung. Anhand von Benennexperimenten kçnnen Untergruppen besteht: (a) Defoid (Zentraltogo, Be-
(u. a.) unterschiedl. hohe kognitive Anforderungen nin, West-Nigeria) mit dem  Yoruba als zahlenm-
der zu benennenden Stimuli (in Abhngigkeit z. B. ßig grçßtem Vertreter, (b) Edoid (Sd-Nigeria) u. a.
von Worthufigkeit, Konkretheit, Wortlnge) oder mit Edo (Bini), Itsekiri, Igala und Urhobo, (c) Nu-
selektive Beeintrchtigungen von neurolog. Patien- poid (Zentralnigeria) u. a. mit Nupe und Gwari, (d)
ten ( Wortfindungsstçrung) ermittelt werden. MR Idomoid (Zentralnigeria) u. a. mit Idoma, (e) Igboid
Benennung (engl. naming (unit), denomination, frz. (Ostnigeria) mit dem  Igbo als grçßtem Vertreter,
dnomination) 1.  Nomination. 2. Sprachl. oder (f) Kainji, (g) Platoid, (h) Cross-River (SO-Nigeria)
symbol. Bez. eines  Begriffs. G mit  Efik und  Ibibio sowie ca. 60 weiteren Spr.
Benennungslehre  Onomasiologie mit zumeist jeweils unter 100 000 Sprechern, (i)
Bengali (Eigenbez. bāṅgālı̄, baṅglā bhāsā, baṅga Bantoid mit den  Bantusprachen als grçßter Unter-
bhāsā) Offizielle Spr. im ind. Bundesstaat ˙ West- gruppe; Karte  Afrikanische Sprachen, im Anhang.
˙
Bengalen sowie in Bangladesh; bengal. Minderhei- Greenberg (31970) verwendet die Bezeichnung B. in
ten auch in Assam, Bihar und Orissa; Karte  Indi- seiner Klassifikation nur fr die Gruppen (g)–(i),
sche Sprachen, im Anhang. Das dialektal sehr zer- die Gruppen (a)–(e) zhlen bei ihm zu den  Kwa-
klftete B. ist die sprecherreichste  indoarische Sprachen. – Die B. sind berwiegend  Tonspra-
Sprache. Eine Sonderstellung in ling. Hinsicht hat chen, Wortstellung zumeist SVO, mitunter SOV
der Dialekt von Chittagong inne, der sich phonolog. (z. B. Ijo). Ansonsten deutliche typolog. Unterschie-
und morpholog. dem  Assamischen annhert. Die de: in Gruppe (g)–(i) berwiegend  agglutinieren-
Schriftspr. wird durch zwei sehr unterschiedliche der Bau, durch Prfixe gekennzeichnete  Nomi-
Stilebenen reprsentiert: Die archaische klass. Spr. nalklassen und suffigale Verbalderivation; in Grup-
(sādhu bhāsā), die auf dem westl. Dialekt beruht pe (a)–(e) v. a.  isolierender Bau,  serielle Ver-
˙ 1920er Jahre das gesamte Druckwe-
und bis in die bkonstruktionen und teilw.  Vokalharmonie (€
sen dominierte, heute aber nur mehr fr offizielle ATR). Lit. NCL 1989, 247 ff. – I. C. Ward, Intro-
Zwecke eingesetzt wird und zusehends von der duction to the Yoruba Language. Cambridge 1952.
Berlinisch 99

– M. M. Green & G. E. Igwe, A. Descriptive Gram- Anhang. Etwa 16 Mio. Sprecher (davon ca. 8 Mio.
mar of Igbo. Bln., Oxford 1963. – P. L. Carrell, A in Marokko und 7 Mio. in Algerien), hufig mehr-
Transformational Grammar of Igbo. Cambridge sprachig (Arab., Frz., in Niger auch Hausa). Die
1970. – E. E. Pritchard, An Efik Grammar. Ldn. interne Gliederung der B. ist bis heute unklar,
1965. – E. Kaufman, Ibibio Grammar. Berkeley wenngleich kleinere Subgruppen wie die Spr. der
1968. – J. Wescott, A Bini Grammar. New Haven Tuareg ( Tamaschek) in Algerien, Libyen, Niger,
1962. RE Mali und Burkina Faso sowie das Schilh-Tama-
Beobachtung (engl., frz. observation) 1. I. w. S. die zight-Kontinuum klar abgegrenzt werden kçnnen.
bewusste Wahrnehmung sinnl. zugngl. Gegeben- Da die sprachl. Variation zwischen den B. relativ
heiten oder aufgrund von Erfahrung bzw.  Intuition gering ausfllt, wird diskutiert, ob es mehrere oder
getroffene Feststellungen; auch eher zufllige B. nur eine B. gibt. B., die voneinander unterschieden
dieser Art kçnnen zu sprachwiss. Fragestellungen werden, sind u. a. Tamazight (Zentralmarokko),
fhren. – 2. V. a. in der empir. Sozialforschung  Shilh/Taschelhit (Sdmarokko), Rif/Tarifit (Nord-
systematisierte Verfahren der gezielten  Datenerhe- marokko),  Kabyle (Nordalgerien), Awjilah (Li-
bung, die in der  empirischen Sprachwissenschaft byen), Siwa (gypten) und Zenaga (Mauretanien).
und in anderen Bereichen sprachwiss. Forsch. em- Lnge und Pharyngalisierung sind distinktive Merk-
pir.-experimenteller Ausrichtung ( Soziolinguistik, male des Konsonantensystems, Genusunterschei-
 Konversationsanalyse,  Ethnolinguistik) einge- dung (fem./mask.), konsonant. Wortwurzeln tragen
setzt werden, um sprachl. bzw. sprachgebundene die Grundbedeutung, wobei die Wortklassen-Zuge-
Phnomene zu erfassen. Die sehr unterschiedl. hçrigkeit oft unspezif. ist, nominale sowie verbale
Techniken der B. werden durch korrespondierende Derivation und Flexion durch Affigierung und n-
Faktoren bestimmt wie (a) Forschungsziel und Me- derung des Vokalschemas, z. B. im Shilh kann die
thodenorientierung, (b) B.-objekt bzw. -subjekt und Wurzel k-r-z als Nomen amkraz ›Pflger‹ oder als
deren situative Einbindung, (c) techn. Hilfsmittel, Verb tkrizt ›du hast gepflgt‹ auftreten. Wortstel-
(d) Erhebungssituation, (e) kommunikative Rolle lung VSO und SVO. Lit. A. Basset, La langue
des Beobachters. Entsprechend lassen sich als po- berbere. Oxford 1952. – L. Galand,
tudes de Lin-
lare Merkmale bzw. Formen der B. unterscheiden: guistique Berbre. Leuven u. a. 2002. – J. Heath, A
(aa) Fremdb. – Selbstb., (ab) standardisiert – un- Grammar of Tamashek (Tuareg of Mali). Bln. u. a.
standardisiert; (ba) wiederholbar – einmalig, (bb) 2005. – M. Kossmann, Berber. In: Z. Frajzyngier &
Gruppenstudie – Einzelfallstudie, (bc) partiell er- E. Shay (Hgg.), The Afroasiatic Languages. Cam-
fassbar – relativ umfassend festzuhalten; (ca) direkt bridge u. a. 2012, 18– 101. RE, KM
– indirekt, (cb) stationr – mobil; (da) Feld – Labor, Berichtete Rede Fall der  indirekten Rede, in dem
(db) authent. – experimentell, (dc) natrl. – knstl., mehrere indirekt zitierte ußerungen aufeinander-
(dd) offen – verdeckt; (ea) teilnehmend – extern, folgen und das redeeinleitende Verb nicht wieder-
(eb) aktiv – passiv. – Wiss. B. sollte zu mçglichst holt wird. Die Markierung als b. R. erfolgt durch
exakten und objektiven Ergebnissen fhren, die in- die Verwendung von Konjunktiven, z. B. Elisabeth
tersubjektiv kontrollierbar sind. Da normale B. je- erzhlte, sie sei in Hannover freundlich aufgenom-
doch immer ein aktiver, selektiver, erfahrungs- und men worden. Die neue Redaktion arbeite gut zu-
theoriegebundener Prozess ist, verlangt der wiss. sammen, und die Atmosphre sei angenehm. Auch
Zusammenhang i. d. R. die Schulung des Beobach- die Wohnung, die sie dort bezogen habe, gefalle ihr
ters und die Reflexion der B.methode. Gegebene gut. G
Techniken ermçglichen heute zwar die tendenzielle Berlinisch Stadtsprache Berlins; auf der Basis des
Instrumentalisierung der B. als Verfahren der Da-  Brandenburgischen unter Einfluss des Ostmit-
tengewinnung, doch bleibt – neben anderen Proble- teldt.-Oberschs. und der dt. Standardsprache seit
men – das von Labov formulierte Paradoxon: »Um dem 15./16. Jh. entstanden, im 19. Jh. voll ausge-
die Daten zu erhalten, die am wichtigsten fr die prgt. Wegen der bernahme der zweiten (oder
ling. Theorie sind, mssen wir beobachten, wie hochdt.)  Lautverschiebung in zahlreichen Positio-
Leute sprechen, wenn sie nicht beobachtet werden.« nen trotz der niederdt.-brandenburg. Grundlage
(1980, 17). Lit. W. Labov, Spr. im sozialen Kontext. meist zum  Ostmitteldeutschen gezhlt. Karte
Kçnigstein/Ts. 1980 (v. a. 1–24). – H. Ldtke, Be-  Deutsche Dialekte, im Anhang. Kennformen des
obachtung. HSK 3, II, 1988, 911–922. SK B. sind u. a. langes ō fr nhd. au (z. B. kōf@ n ›kau-
Beobachtungsadquatheit  Adquatheit fen‹, ōx ›auch‹), j fr nhd. g (jeja˛@ n ›gegangen‹,
Berberschrift  Tifinagh-Schrift jūt ›gut‹), unverschobene Plosive in ik ›ich‹, det
Berbersprachen Untergruppe der  afroasiatischen ›das‹. Als regionale Umgangsspr. hat das B. die
Sprachen. Das Sprachgebiet erstreckt sich von den niederdt. Dialekte des Brandenburg. im weiten Um-
Maghrebstaaten an Atlantik und Mittelmeer in land Berlins heute fast vollstndig verdrngt. Es
zahlr. Enklaven bis zur Oase Siwa (gypten) und hatte besonders nach 1871 (Reichshauptstadt) dar-
im Sden bis zum Niger; ursprnglich auch auf den ber hinaus in der Idiomatik und im Sonderwort-
Kanar. Inseln; Karte  Afrikanische Sprachen, im schatz starken Einfluss auf die (stdt.) Umgangs-
100 Berlinisch

sprachen in ganz Deutschland. Durch Bevçlke- Anforderungen ber çkonom. geordnete Ablei-
rungsaustausch im Westteil (Wegzug großer Bevçl- tungsschritte diskutiert bzw. umformuliert (Cho
kerungsgruppen, Zuzug westdt. und auslnd. Neu- 2000, Hornstein 2000);  Bindungstheorie;  Gene-
brger) bei relativer demograph. Kontinuitt im rative konomieprinzipien. In der klassischen  Op-
Ostteil whrend der Teilung der Stadt zwischen timalittstheorie werden universelle, verletzbare
1961 und 1989 ist das B. heute v. a. Alltagsspr. in Beschrnkungen einzelsprachl. geordnet und auf
den çstl. Stadtteilen Berlins. Lit. J. Schmildt u. a. eine von einem ›Generator‹ erzeugte Kandidaten-
(Hgg.), B. Bln. 21992. – P. Schlobinski, Stadtspra- menge angewandt. Dabei gilt ein Element der Kan-
che Berlin. Bln. 1987. – H. Schçnfeld, B. heute. didatenmenge als optimal (bzw. grammatisch;
Ffm. u. a. 2001. – Brandenburg-B. Wb. Bd. 1–4.  Grammatikalitt), wenn kein anderes Element
Bln., Neumnster 1963–2001. DD die am hçchsten geordnete Beschrnkung, hinsichtl.
Berner Mattenenglisch  Rotwelsch derer sich die Kandidaten unterscheiden, besser er-
Bernoulli-Effekt  Phonation fllt, vgl. Lombardi (2001); zu Modifikationen z. B.
Berta  Chari-Nil-Sprachen Haspelmath (1999). In Unifikationsgrammatiken
Berti  Saharanische Sprachen spielen B. eine unterschiedl. Rolle. So formuliert
Berufsbezeichnung (engl. name of profession, frz. die  Head-Driven Phrase Structure Grammar
nom de mtier) Bez. einer professionellen berufl. (HPSG) mithilfe von Merkmalstrukturen universel-
Ttigkeit. Mitunter weichen ugs. B. (z. B. Schaffner, le und einzelsprachl. Beschrnkungen ber eben-
Mllmann) von amtl. B. ab (z. B. Zugbegleiter, Be- falls als Merkmalstrukturen modellierte sprachl.
triebswerker). G Gegenstnde. Lit. J. Cho, The Nature of Legibility
Berufsname  Familienname Conditions. Diss. Univ. of Toronto 2000. – T. Ebne-
Berufssprache (engl. technical language, frz. ter, Konditionen und Restriktionen in der GG. T-
langue professionnelle) Spr. einer bestimmten Be- bingen 1985. – M. Haspelmath, Optimality and
rufsgruppe, vor allem ihre  Fachsprache. Den Kern Diachronic Adaptation. ZS 18.2, 1999, 180 –205. –
einer B. bildet ihre  Terminologie; sie kann jedoch N. Hornstein, Move! A Minimalist Theory of
auch in informellen Gruppenprozessen entstandene Construal. Oxford 2000. – L. Lombardi (ed.), Seg-
Besonderheiten umfassen ( Phraseologismen des mental Phonology in Optimality Theory: Const-
speziellen  Jargons) sowie besondere Textsorten. raints and Representations. Cambridge 2001. – J.
Der Jargon kann bei einer Berufsgruppe innerhalb McCloskey, Constraints on Syntactic Processes.
einer Spr. stark variieren, z. B. von Betrieb zu Be- HSK 9.1, 496–506. – S. Mller, Unifying Ever-
trieb. Traditionelle  Fachsprachen der Landwirt- ything: Some Remarks on Simpler Syntax, Const-
schaft und des Handwerks zeigen ebenfalls betrchtl. ruction Grammar, Minimalism and HPSG. Lg. 89.4,
regionale Variation. In der Ausbildung von B. ver- 2013, 920–950. – G. Pullum, The Central Question
binden sich Bedrfnisse nach prziser und çkonom. in Comparative Syntactic Metatheory. Mind &
Kommunikation mit gruppenpsycholog. Mechanis- Language 28.4, 2013, 392 –420. – Ross, CVS. F
men (Ausdruck der Zugehçrigkeit zur Berufsgruppe Beschreibstoff Material, auf dem mit einem
bzw. Ausgrenzung Nichtzugehçriger). AM Schreibgert Schrift sichtbar gemacht wird. Dies
Beschrnkungen (auch: Wohlgeformtheitsbedin- erfolgt auf Ton- und Wachstafeln durch Einritzen
gungen. Engl. constraints, conditions, frz. constrain- mit dem Griffel, auf dem Kerbholz durch Ein-
tes) Bedingungen fr die Anwendung und Form von schneiden mit dem Messer, auf Papyrus, Pergament
Regeln in einer Theorie. In der GG haben B. die und Papier durch Auftragen von Tinte mit Schreib-
Aufgabe, als universal angenommene Regeln so rohr oder Feder, in einzelnen Fllen auch mit dem
einzuschrnken, dass ausschließl. grammat. natr- Pinsel. Neben den altoriental. Tontafeln und den
lichsprachl. Strukturen erzeugt werden; sie gelten griech. Ostraka kennen wir aus der Antike den Ge-
somit als Teil der universalen und angeborenen brauch von Wachstafeln, die zu Diptycha (zwei
Sprachfhigkeit. B. wurden auf der Basis empir. Tafeln) oder Polyptycha (mehr als zwei Tafeln) ver-
Untersuchungen zu einzelnen Spr.n v. a. in den einigt werden konnten. Im MA wurden Wachstafeln
Nachfolgemodellen des  Aspekte-Modells seit in der Schule (in neuerer Zeit durch die Schiefer-
J. R. Ross (1967) diskutiert und spielen neben  Fil- tafel ersetzt) und fr das Rechnungswesen verwen-
tern in der  EST, in der  REST und in der  Bar- det. Fr Bcher wurde in der Antike der aus Pflan-
rieren-Theorie eine wesentl. Rolle. Ziel der Diskus- zenfasern hergestellte Papyrus verwendet. Fr die
sion war es stets, B. so generell wie mçgl. zu Buchrollen wurden Einzelstcke aus zwei Lagen
formulieren. Generalisierungen wurden v. a. im rechtwinklig zueinandergelegten und durch Pressen
Rahmen der  X-Bar-Theorie hinsichtl. zugelasse- verbundenen Streifen des Papyrusmarks aneinan-
ner Phrasenstrukturen sowie in der  Bindungstheo- dergeleimt. In der Papstkanzlei wurde Papyrus bis
rie hinsichtl. der Distribution referentieller Satzteile ins 11. Jh. verwendet. Hauptbeschreibstoff des MA
erreicht;  ECP,  Subjazenz,  Zyklusprinzip. Im ist Pergament, das aus in Kalklauge gebeizter Tier-
Rahmen des  Minimalismus werden die in frheren haut (meist Schafs-, daneben auch Ziegen- und
Modellen formulierten B. entspr. den minimalist. Kalbshaut) hergestellt wird. Aus dem Orient wurde
Bewegung 101

die ursprnglich chines. Erfindung des Papiers, das laden 21981. – R. Wimmer, Beschreibung – Erkl-
sich seit dem 8. Jh. in der arab. Welt verbreitete, rung. HSK 3, I, 1987, 29–39. SK
nach Europa bertragen, wo es seit dem 13. Jh. Beschreibungsadquatheit  Adquatheit
Anwendung fand. Papierherstellung aus Textilfa- Beschreibungssprache  Metasprache
sern (Hadern) setzt in Europa im 13. Jh. im christl. Beseeltheit  Belebtheit
Spanien und in Italien (Fabriano) ein; die erste dt. Beshta, Beshit(in)isch  Dag(h)estanische Sprachen
Papiermhle wurde 1390 von dem Nrnberger Ul- Besitzanzeigendes Frwort In Schulbchern Be-
man Stromer gegrndet. Wasserzeichen als Fabrik- zeichnung fr  Possessivpronomen. G
marken, die durch ein auf das Schçpfsieb gelegtes Bestandsrelation  Hyperonymie
geformtes Drahtstck gebildet werden, sind schon Besttigungsfrage  Echofrage
gegen 1300 in Gebrauch. Durch die sinkenden Prei- Besternte Form  Asterisk
se wurde Papier als B. zunehmend attraktiver. Auch Bestimmt  Definit
der  Buchdruck fçrderte die Verwendung von Papier Bestimmtheit  Determiniertheit,  Definitheit
und die Verdrngung des Pergaments, obwohl dies Bestimmungselement  Bestimmungsrelation
vereinzelt fr  Inkunabeln Anwendung fand. EN Bestimmungsfrage  Ergnzungsfrage
Beschreibung (engl. description, frz. dscription) Bestimmungsrelation (auch: Determinationsrela-
1.  Textsorte, die sich durch ihre Verwendungszu- tion, Modifikationsrelation, Spezifikationsrelation.
sammenhnge, textinterne Merkmale u. a. als infor- Engl. determinating/modifying relation) Beziehung
mativ und sachl. kennzeichnen lsst: wiederholbare zwischen zwei oder mehreren sprachl. Elementen A
Geschehnisse, Gegenstnde, Personen, aber auch (auch: Bezugselement, Bezugswort,  Nukleus,
Zustnde, Einstellungen u. . werden distanziert,  Kopf, Trgerelement) und B (C, D,… N) (auch:
unpersçnl. und merkmalsorientiert sprachl. gefasst  Attribut, Bestimmungselement,  Satellit), in der
(z. B. Gebrauchsanweisungen). – 2. In der Sprach- B (C, D,… N) eine Spezifikation der Bedeutung
wiss. bezeichnet B. (auch:  Sprachbeschreibung) von A vornimmt und alle Konstituenten derselben
sowohl den Prozess als auch das Resultat der Klas- Kategorie angehçren ( Endozentrische Konstruk-
sifizierung, Strukturierung und Systematisierung er- tion). Prototyp. fr die B. ist die Attribuierung als
hobener Daten ( Datum). Je nach Ausrichtung der Prspezifizierung, z. B. (C gute (B alte (A Bimmel-
einzelnen Anstze sprachwiss. Forsch. wird der B. bahn))) und als Postspezifizierung, z. B. (A die Frau
unterschiedl. Bedeutung fr die Theoriebildung zu- (B meiner Trume)). Verben stehen zu Adverbien
gesprochen. In empir.-deskriptiven Theorien z. B. und Adverbialen in einer B., z. B. (C ahnungslos,
ist sie dieser nahezu gleichzusetzen ( Deskription), (B ohne bçse Absichten (A ankommen))). G
whrend sie fr deduktiv-normative Theorien eher Bestimmungswort (auch: Determinans. Engl. de-
den Status eines  Belegs einnimmt. – V. a. der terminant, frz. dterminant) Im Dt. linksstehender
amerikan.  Strukturalismus entwickelte funktionale Bestandteil eines  Determinativkompositums. B.
Techniken der B., die in modifizierten Formen in schrnken die lexikal. Bedeutung des Kompositums
der  empirischen Sprachwissenschaft weiterhin gegenber der des finalen  Grundwortes ein. Aus-
Anwendung finden: Die B. geht aus von dem durch wirkungen auf die grammat. Eigenschaften des
 Datenerhebung erfassten Material zu ausgewhl- Kompositums hat das B. nicht; ein Zeigefinger ist
ten sprachl. bzw. sprachgebundenen Phnomenen ein Substantiv und bezeichnet eine bestimmte Art
( Korpus), das i. d. R. durch  Transkription bzw. von Finger. ES
 Notation aufbereitet wurde. Mittels ausgewhlter Bete  Kru-Sprachen
 operationaler Techniken,  Testverfahren u. a. Me- Betonung (auch:  Akzent)  Suprasegmentales
thoden ( Sprachstatistik) erfolgen nach Maßgabe Merkmal der Hervorhebung durch Intensivierung
der  Korpusanalyse am Material (a) die begriffl. des Atemdrucks und/oder Tonhçhenverlauf;
Zuordnung, (b) die Ermittlung von Relationen und  Sprechausdruck. PM
(c) die Aufdeckung von Regularitten, wobei sich Betonungskorrelation  Betonung
diese Faktoren als Dimensionen der Analyse wech- Betonungszhlend  Akzentzhlend,  Rhythmus
selseitig bedingen und in ihrer jeweiligen Anwen- Betoy  Sdamerikanische Indianersprachen
dung zu reflektieren sind. Jede B. sollte (a) nach- Betrachtzeit  Referenzzeit
vollziehbar sein, (b) konsistent in Hinsicht auf Betroffenes Objekt  Affiziertes Objekt
 Metasprache und Analyseprozeduren, (c) vollstn- Beugung  Flexion
dig in Bezug auf das Korpus und (d) reflexiv, d. h. Bewegung (engl. move, frz. mouvement) In der
dass die angewendeten Verfahren selbst Gegenstand GG angenommene Regel zur Verschiebung einer
der B. sind. Stark formalisierte Formen der B. (z. B. Konstituente. Whrend in den frhen Modellen der
 mathematische Linguistik) bedienen sich log. GG B.en strukturverndernd wirkten, konstruk-
Operatoren. – 3. In der GG als B.adquatheit die tionsspezif. formuliert wurden (z. B. Passivierung,
mittlere Ebene der  Adquatheit einer Grammatik  Anhebung usw.) und in Abgrenzung zu z. B. Til-
zwischen Beobachtungs- und Erklrungsadquat- gungs- und Pronominalisierungstransformationen
heit. Lit. D. Wunderlich, Grundlagen der Ling. Op- standen (z. B. die  EQUI-NP-Deletion), wird in
102 Bewegung

der  REST angenommen, dass B.en  Spuren (tra- ling. Untersuchung der Polysemie deikt. B.en.
ces; t) hinterlassen und in einer generellen Form Tbingen 1994. – L. Talmy, Toward a Cognitive
 Move Æ darstellbar sind. Der Zusammenhang zwi- Semantics. Bd. 1: Concept structuring systems.
schen einer Konstituente und ihrer Spur kann hier- Bd. 2: Typology and process in concept structuring.
bei derivationell, d. h. in einem ableitungsge- Cambridge, MA 2000. – D. Slobin. The many Ways
schichtl. Zusammenhang, oder reprsentationell als to Search for a Frog: Linguistic Typology & the
Antezedens-Beziehung aufgefasst werden. Im Expression of Motion Events. In: S. Strçmqvist &
 Minimalismus gehçrt die B., Move, wie Merge L. Verhoeven (eds.), Relating Events in Narrative,
zu den strukturaufbauenden Operationen: Move er- Vol 2. Mahwah, NJ 2004, 219–257. G
zeugt aus der Struktur [P… [Q …] …] eine Phrase [R Beweis (engl. proof, demonstration, frz. preuve,
[Q …] [P … tQ …]], whrend Merge aus [P …] und dmonstration) Ein Beweis begrndet die Geltung
[Q … ] eine neue Phrase [R [P …] [Q …]] erzeugt; einer Behauptungsaussage. Beim  deduktiven B.
 Ableitungsgeschichte,  Adjunktion,  Move Æ, wird eine Aussage durch die log. Folgerung aus
 Substitution. Lit. D. Adger, Core Syntax: A Mi- bereits anerkannten Prmissen bewiesen. Der  in-
nimalist Approach. Oxford 2004. – A. Alexiadou et duktive B. begrndet eine generelle Aussage aus
al. (eds.), Dimensions of Movement: From Features der Gltigkeit aller zugehçrigen Einzelaussagen.
to Remnants. Amsterdam 2002. – L. Cheng & N. Der indirekte (apagogische) B. fhrt zu einer Be-
Corver (eds.), Wh-Movement: Moving On. Cam- grndung, indem die gegenteilige Annahme der zu
bridge, Mass. 2006. – A. Cormack & N. Smith, beweisenden Aussage in einen Widerspruch gefhrt
Don’t Move! UCLWPL 13, 2001. – J. M. Fitzpa- wird. PR
trick, On Minimalist Approaches to the Locality of Bewertung (engl. evaluation, frz. valuation) 1. Im
Movement. LIn 33.3, 2002, 443–463. – G. Grewen- Rahmen der traditionellen grammat. Forschung
dorf, Minimalist. Syntax. Tbingen 2002. – N. wurden Aspekte der B. als  Konnotationen einge-
Hornstein, Move! A Minimalist Theory of Const- stuft. Hinsichtl. konversationsanalyt. Fragestellun-
rual. Oxford 2000. – H. Lasnik & M. Saito, Move gen haben B. an diversen Typen von  Sprechakten
alpha: Conditions on its Application and Output. bzw. Kommunikationsereignissen bzw. Gesprchs-
Cambridge, Mass. 1992. – J. Nunes, Linearization stilen und der Beziehungsregulierung in Gespr-
of Chains and Sideward Movement. Cambridge, chen (vgl. Streeck 2004) in unterschiedl. Ausmaß
Mass. 2004. – D. Pesetsky, Phrasal Movement and Anteil. Whrend sie z. B. fr Ratschlag, Drohung
its Kin. Cambridge, Mass. 2000. F und Warnung konstitutiv zu sein scheinen, nehmen
Bewegungskasus  Lokativ sie an  Sprechakten wie  Fragen oder Berichten
Bewegungskette  Move Æ allenfalls sekundr Anteil. Darber hinaus stehen
Bewegungssilbe  Silbe sie in engerer Verbindung mit  Emotionen (vgl.
Bewegungstransformation  Bewegung,  Move Æ z. B. Walrod 2004), die im Rahmen neuerer ling.
Bewegungsverben (engl. verbs of motion, frz. ver- Beschreibungsanstze als bewertende  Einstellun-
bes de mouvement) 1. Bez. fr Verben, die Bewe- gen diskutiert werden;  Bewertungsprozedur,
gungen im Raum ausdrcken. L. Talmy und D.  Evaluieren. Lit. Chomsky, Aspects. – N. Fries,
Slobin formulierten die Annahme, dass es zwei B.: Ling. und konzeptuelle Aspekte des Phnomens.
Typen von Bewegungsverben gebe. In »verb-fra- S&P 23, Lund 1991, 1–31. – P. Grice, The Concep-
med-languages« ist demnach der Bewegungsablauf tion of Value. Oxford 1991. – J. L. Pollock, Evalua-
der Verbsemantik inhrent (z. B. frz. monter, sortir, tive Cognition. Nos, Amsterdam 2005. – M. R.
partir). In »satellite-framed-languages« hingegen Walrod, The Role of Emotions in Normative Dis-
wird der Bewegungsablauf ber einen »Satelliten«, course and Persuasion. In: E. Weigand (ed.), Emo-
z. B. ein Adverb oder eine Prp. ausgedrckt (z. B. tion in Dialogic Interaction. Amsterdam 2004,
dt. hinauf/heraufsteigen, hinausgehen/herauskom- 207 –219. 2.  Axiologie,  Sprachkritik. F
men, weggehen). 2. In der Russistik Bez. fr eine Bewertungsprozedur (auch: Entscheidungsproze-
Gruppe von paarweise aufeinander bezogenen  im- dur. Engl. evaluation procedure, frz. procdure
perfektiven Verben, die Bewegung im Raum aus- d’valuation) Method. Verfahren zur Entscheidung
drcken, z. B. idti und chodit‘ ›gehen‹. Nur jeweils zwischen alternativen Grammatik-Modellen. Krite-
eines dieser Verben kann durch ein Prfix perfek- rien in B.en sind u. a.  Adquatheit, Einfachheit
tiviert werden. Diese Verben heißen determiniert, und Eleganz;  Mentalismus. Lit.  Bewertung F
die nicht perfektivierbaren heißen indeterminiert. Bewirktes Objekt  Effiziertes Objekt
Erstere drcken zielgerichtete Bewegungen aus, Bewohnerbezeichnung Von geograph. Namen ab-
letztere ziellose oder wiederholte Bewegungen geleitete Bez. fr die Bewohner einer Stadt, einer
oder die allgemeine Fhigkeit, sich zu bewegen, Region, eines Landes, eines Staates usw., z. B.
z. B. Nadja idt v školu ›Nadja geht in die Schule, Freiburger, Allguer, Belgier. B. kçnnen sekundr
ist auf dem Weg dorthin‹ vs. Nadja chodit‘ v školu zu Sachbezeichnungen werden, z. B. Amerikaner,
›Nadja geht zur Schule, ist Schlerin.‹ Lit. Pariser, Florentiner (Gebck), Wernesgrner
C. DiMeola, ›kommen‹ und ›gehen‹. Eine kognitiv- (Bier). G
Bibliothekstranskription 103

Bewusst (engl. aware) Im produktiven und rezep- der Polysemie des Vb. bezeichnen (›signifizieren‹,
tiven Sprachverhalten unterscheidet man zwischen ›designieren‹, ›denotieren‹) ist der eingebrgerte
Ebenen und Grçßen unterschiedl. Bewusstheit bzw. Terminus  Signifikant vorzuziehen. RB
Automatisierung. So konzentriert sich die Bewusst- Bezeichnetes (auch: Bedeutung, signatum, Zei-
heit im spontanen Sprechen und Sprachverstehen cheninhalt,  Inhalt) Dt. bersetzung fr F. de Saus-
weitgehend auf die Ebene der Nachricht (der Dis- sures Terminus  signifi. Da man unter ›B.‹ auch
kurs- oder Sinnreprsentation), whrend Wortwahl, das  Designat oder das  Denotat verstehen kann,
Grammatikalisierung, Artikulation in wachsendem ist der eingebrgerte Terminus  Signifikat vorzu-
Maße automat. organisiert werden. Weiterhin belegen ziehen. RB
Studien vorbewusste Wahrnehmungen, bei denen Bezeichnung  Designation,  Denotation,  Refe-
Hçrer z. B. die Wahrnehmung von maskierten Wçr- renz
tern zwar verneinen, die Wahrnehmung anhand phy- Bezeichnungsdimension  Modi significandi
siolog. Maße dennoch nachgewiesen werden kann Bezeichnungsexotismus  Exotismus
( dichotisches Hçren). Charakterist. fr das Sprach- Bezeichnungslehre  Onomasiologie
verhalten (und fr Handeln berhaupt) ist aber, dass Bezeichnungsbertragung Dieser Terminus von
Bewusstheit als Ressource gegebenenfalls auch in Schippan (1975, 1992; bei Ullmann 1967: »Namen-
Ebenen zur Verfgung steht, die gewçhnl. hochgradig bertragung«) bersetzt den Begriff Æwæ
automat. organisiert sind; Ggs. automatisch. KN (metafora;  Metapher) ›bertragung‹ in der weiten,
Bewusstsein (engl. mind, consciousness) Integrati- auch  Metonymie,  Ironie etc. umfassenden Defi-
ver Zustand der Wachheit bei Lebewesen (z. B. nition des Aristoteles, allerdings i. S. einer lexikali-
Menschen, Menschenaffen, Delfinen, Elefanten, sierten bertragung, d. h. der Entstehung eines
Hunden, Rabenvçgeln), der u. a. auf Sinneseindr- neuen  Semems. B. erfasst oft – auf der Basis eines
cken, Wahrnehmung, mentalen Konzepte und Re- Denkmodells – umfangreiche Lexemgruppen; vgl.
presentation, Gedchtnisleistungen und emotional- z. B. die aus dem Kartenspiel bertragenen Bedeu-
affektiven Zustnden beruht. B. ist z. B. vom tungen von gute Karten haben, aus dem Schneider
Schlafzustand und von unbewusster bzw. vorbe- sein, ausreizen, mauern, passen, As, Trumpf, Joker,
wusster (z. T. automat.) Verarbeitung zu unterschei- Pik Sieben;  Bedeutungsbertragung (1),  Bedeu-
den. Bis zur »Entdeckung des Unbewussten« in der tungswandel. RB
Tiefenpsychologie durch S. Freud (1856–1939) war Beziehungsadjektiv  Relationsadjektiv
B. konstitutiver Grundbegriff der Psychologie. Das Beziehungsfrwort  Relativpronomen
B. umfasste den gesamten Raum mçgl. Erfahrung, Beziehungspronomen  Relativpronomen
und die Psychologie verstand sich als Wiss. vom Beziehungswort  Relativadverb,  Relativprono-
Aufbau der elementaren und komplexen B.gebilde men
( Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen, Beziehungswortsatz  Relativsatz
Erinnerungen usw.). Meist galten die Sinnesdaten Bezglich  Relativ
als einfachste Bausteine des B. Nahezu die gesamte Bezugsadjektiv  Relationsadjektiv
Psychologie des 19. Jh. war B.psychologie, wh- Bezugsbereich  Skopus
rend fast alle psycholog. Theorien des 20. Jh. ihre Bezugselement  Bestimmungsrelation,  Substi-
Hauptbegriffe (Handlung, beobachtbares Verhalten, tuendum
Unbewusstes, Struktur/Gestalt) in bewusster Oppo- Bezugswort  Bestimmungsrelation
sition zum B.begriff bildeten. Vielfach ist B. als Bezugswortsatz  Relativsatz
anthropolog. Merkmal herausgestellt und entweder Bhı̄lı̄  Indoarische Sprachen
mit Spr. berhaupt oder in seiner spezif. Auspr- Bhojpurı̄  Bihārı̄,  Indoarische Sprachen
gung mit dem lexikal.-grammatikal. Bau bestimm- Bibelbersetzung In der Geschichte vieler
ter Einzelspr. in Verbindung gebracht worden. Vom  Schriftsprachen war die bers. der Bibel (oder
B. durch Spr. ist das B. der Spr. selbst deutlich zu einzelner Schriften daraus) Anfangspunkt oder
unterscheiden, da B. auch ohne Spr. existiert. Das wichtige Station in der Anfangsphase der Entwick-
 Sprachbewusstsein wird als Gegenstand psycho- lung einer selbstndigen  Schriftlichkeit (frs Ahd.
ling. Forschung zunehmend wichtiger. Lit. M. Gei- z. B. Otfrid v. Weißenburgs Evangelienharmonie).
er, Sprachbewusstsein. Stgt. 1979. – A. R. Lurija, Mit dem Aufkommen des europ. und nordamerikan.
Sprache und B. Kçln, Bln. 1982. – C. Everett. Kolonialismus und Imperialismus wurde die christl.
Linguistic Relativity: Evidence Across Languages Mission wesentl. Instrument zur Verbreitung europ.
and Cognitive Domains. Bln. 2013. – R. Schmidlin, Spr. und Schriften außerhalb Europas. Dabei ent-
H. Behrens & H. Bickel (Hg.), Sprachgebrauch und stand eine Vielzahl vorwiss. und wiss. Beschreibun-
Sprachbewusstsein: Implikationen fr die Sprach- gen außereurop. Spr. Auch heute ist die B. erklrtes
theorie. Bln. 2015. KN, MR Ziel vieler Missionsgesellschaften, z. B. des  Sum-
Bezeichnendes (auch: Bezeichnung, signans, mer Institute of Linguistics. G
 Zeichengestalt, -kçrper, -trger) Dt. bersetzung Bibliothekstranskription  Transliteration,  Tran-
fr F. de Saussures Terminus  signifiant. Wegen skription
104 Biegung

Biegung  Flexion Bildungssprache Sprachformen, die berwiegend


Bielefelder Aphasie Screening (BIAS) Ein aus vier von Bevçlkerungsgruppen mit hohem Bildungsni-
Leistungsbereichen bestehender deutschsprachiger veau verwendet werden oder von denen dies zumin-
Test zur  Sprachdiagnostik von neurolog. Patienten dest weithin angenommen wird. In den modernen
in der Akutphase zur abgestuften Diagnose sprachl. europ. Spr. gehçren dazu vor allem  Latinismen
Beeintrchtigungen ( Aphasie), der in 20 bis 40 Mi- und  Grzismen ( Fremdwort), aber auch auto-
nuten durchgefhrt werden kann. Eine Neunormie- chthone  Archaismen und komplexe syntakt. Struk-
rung und Erweiterung erfolgt 2016. Lit. K. Richter, turen (z. B. Mehrfacheinbettungen;  Hypotaxe).
M. Wittler & M. Hielscher-Fastabend, BIAS – Bie- Auch Fremdsprachenkenntnisse und ein  elaborier-
lefelder Aphasie Screening. Gçttingen 2006. MR ter  Kode, in manchen Regionen auch die sichere
Bienensprache  Tiersprachen Beherrschung der Standardvariett, sind nach sozio-
Bietschlamar  Germanische Sprachen ling. Erkenntnissen typ. fr die Bildungsschichten
Bifokal (lat. bis ›zweimal‹, focus ›Herd, Mitte‹) (mit lngerer Schulbildung), fallen aber gewçhnl.
Stze oder ußerungen mit zwei Foki;  Fokus, nicht unter den Begriff B. Anstelle einer einst vor-
 Fokussierung. G behaltlos positiven Bewertung der B. ist heute eine
Bihārı̄ Nur im arealen Sinne gebrauchte Bez. fr nchterne Sicht getreten, die B. auch im Zusam-
drei  indoarische Sprachen, die im ind. Bundesstaat menhang mit sozialen Privilegien und sozialer Un-
Bihar und im angrenzenden Teil von Uttar Pradesh gleichheit sieht;  Funktionalstil,  Stil. AM
gesprochen werden: (a) Bhojpurı̄ im westl. Gebiet Bildzeichen 1.  Piktogramm, 2.  Warenzeichen
von Bihar sowie im ußersten Osten von Uttar Pra- Bilingual (lat. bis ›zweimal‹, lingua ›Sprache‹.
desh; zerfllt in vier Dialekte. Wenig berlieferte Auch: zweisprachig) 1.  Bilingualismus. 2. Als
Lit., v. a. Folklore; zur Zeit lsst sich die Entstehung Charakteristikum schriftl. Zeugnisse (Inschriften,
von moderner Lyrik und Prosa beobachten; (b) Mai- Handschriften)  Bilingue. GP
thilı̄ im ganzen nçrdlichen Bihar; 7 Dialekte. Be- Bilingualismus (auch: Bilinguismus, Zweisprachig-
deutende Lyrik aus der Zeit zwischen dem 15. und keit) Bez. fr den Zustand einzelner Personen oder
18. Jh.; (c) Magahı̄ (auch Māgadhı̄) in Zentralbihar; einer sozialen Gemeinschaft, die sich bei der tgli-
keine lit. Tradition, doch reiche mndlich berlie- chen Kommunikation zweier unterschiedl. Spr. be-
ferte Volksdichtung; Karte  Indische Sprachen, im dienen. Ein bilingualer Zustand tritt gewçhnlich
Anhang. Verwendete Schriften sind Devanāgarı̄, da- unter der Bedingung auf, dass Angehçrige zweier
neben auch Kaithı̄ und Maithilı̄;  Indische Schrif- verschiedener Ethnien in engem Kontakt miteinan-
ten. Lit. M. K. Verma, Bhojpuri. In: G. Cardona der leben und kommunizieren; je nachdem, ob da-
& Dh. Jain (eds.),The Indo-Aryan Languages. bei ein soziales Gleichgewicht besteht, kann sich
Ldn, N. Y. 22007, 515 – 537. – R. Yadav, Maithili. der B. auf beide Ethnien erstrecken wie in bestimm-
Ebd. 477 – 497. – Sh. Verma, Magahi. Ebd. 498 – ten Gegenden des Balkanraums, oder er bleibt auf
514. FZ die Sprecher der weniger prestigetrchtigen Spr.
Bikonditional (lat. bis ›zweimal‹, condı̄tiō ›Bedin- beschrnkt wie im Falle zahlreicher im Gebiet
gung‹. Auch: materiale quivalenz, bilaterale Im- Russlands gesprochener Spr. Der letztere Fall be-
plikation) 1. In der  formalen Logik eine komplexe trifft gewçhnlich auch im Ausland lebende Arbeits-
Aussage aus zwei Teilaussagen p und q, die genau migranten. Hufig ist B. eine episodenhafte Begleit-
dann wahr ist, wenn p und q denselben Wahrheits- erscheinung beim bergang einer Ethnie auf eine
wert haben. F, MYP – 2. (Abk.: gdw.; engl. iff.) In andere Spr. ( Sprachwechsel), wie er zumeist in-
der formalen Logik Operator (Notation: «), der im folge territorialer Fremdherrschaft zustande kommt;
Dt. als ›genau dann, wenn‹ paraphrasiert wird und dies gilt z. B. fr die  keltischen Sprachen West-
der zwei Teilaussagen i. S. von 1. verknpft;  qui- europas (Walis., Schott.-Gl., Irisch-Gl. gegenber
valenz,  Logische Partikel. Lit. H. Lohnstein, For- Engl.; Breton. gegenber Frz.). Ein Sonderfall des
male Spr. und natrl. Spr. Bln. 2011. MYP B. liegt vor, wenn im tgl. Umgang mehr als zwei
Bilabial, Bilabiallaut m. (lat. bis ›zweimal‹, labium Spr. eingesetzt werden ( Multilingualismus); auch
›Lippe‹) Mit der Unterlippe als  artikulierendem dabei fallen meist starke soziale Unterschiede auf,
Organ ( Labial) an der Oberlippe als  Artikula- wie z. B. bei den in Georgien gesprochenen Spr.
tionsstelle gebildeter  Konsonant, z. B.  Plosive  Megrelisch,  Svanisch,  Ossetisch,  Abchasisch,
[b], [p];  Nasal [m];  Frikativ [];  Lippen. PM deren Sprecher smtlich sowohl das Georg. als auch
Bilateral (lat. bis ›zweimal‹, lateralis ›seitlich‹) das Russ. als  Verkehrssprache einsetzen. Die
Zweiseitige, zwei Elemente oder Aspekte erfassen- Kompetenz bilingualer und multilingualer Sprecher
de Betrachtung oder Untersuchung, z. B. in der Leh- kann extrem schwanken; »echter« B. (in der Ter-
re vom b. sprachl.  Zeichen ( Semiologie) oder in minologie Weinreichs: koordinierter B.), bei dem
der Komparatistik, wenn b.  Sprachvergleiche un- die Sprecher die beteiligten Spr. in gleicher »mut-
ternommen werden;  Reprsentation. G tersprachl.« Weise beherrschen, ist eher selten. Die
Bilaterale Opposition  Opposition besonderen Probleme, die beim  Spracherwerb in
Bilderschrift  Piktographie,  Wort-Bild-Schrift bilingualen Umgebungen auftreten, sind v. a. Unter-
Bindungstheorie 105

suchungsgegenstand der  Psycholinguistik. Bilin- ves Merkmal), d. h. nach einer Menge von Ja-Nein-
guale und multilinguale Zustnde sind vielfach ver- Entscheidungen. PM
antwortl. fr Sprachvernderungen, bei denen lexi- Binaritt (lat. bı̄nārius ›zwei enthaltend‹) 1. Dar-
kal., morpholog. oder phonolog. Elemente der einen stellungsweise von Objekten in einem Dualsystem,
auf die andere Spr. bertragen werden. Je nachdem, wenn das System aus zwei Sorten von Elementen
ob derartige  Interferenzen von der sozial »hçher- konstituiert ist. In der  Informationstheorie bedeu-
stehenden« Spr. auf die »tieferstehende«, in umge- tet B. die Annahme von nur genau zwei verschiede-
kehrter Richtung oder zwischen »gleichwertigen« nen Zustnden. Die B. der zweiwertigen  Logik
Spr. verlaufen ( Prestige), spricht man von Super- zeigt sich in der Grundannahme nur zweier  Wahr-
strat,  Substrat und Adstrat. Wenn die gegenseiti- heitswerte: wahr – falsch. 2.  Binarismus. PR
gen Beeinflussungen in erkennbarer Weise zu einer Bindelaut  Gleitlaut
Angleichung der grammat. Systeme fhren, spricht Bindestrich (engl. hyphen, frz. trait d’union) Mittel
man von einem  Sprachbund. Im Unterschied zum der  Interpunktion zur Markierung von Abkrzun-
B. spricht man von  Diglossie, wenn sich eine gen (auch: Ergnzungsstrich, z. B. Maul- und
Zweisprachigkeit nicht auf zwei unterschiedliche Klauenseuche, Hals-Nasen-Ohren-Arzt), als Durch-
Spr. erstreckt, sondern auf zwei Varietten dersel- kopplungs-B. in Reihungen (z. B. Top-Braun-Son-
ben Spr.; allerdings ist der bergang zwischen B. nen-Figur-Nagelstudio) und zwischen Lexemgren-
und Diglossie oft fließend, da die Abgrenzung von zen in Mehrfachkomposita (z. B. Karl-Marx-Allee,
der nicht immer sicheren Definition »unterschied- Rot-Weiß-Geschftsstelle), in Nominalisierungen
licher« Spr. abhngt (z. B. im Verhltnis  Hoch- von Wortgruppen (z. B. In-die-Hnde-Spucken war
deutsch/ Niederdeutsch);  Thmmelsches Parado- die Devise der Wirtschaftswunderzeit) sowie als
xon. Lit. U. Weinreich, Languages in Contact. N. Y. Trennungsstrich bei der Silbentrennung. In anderen
1953. – W. F. Mackey, Bilingualism and Multilin- Verwendungsweisen steht der einfache horizontale
gualism. HSK 3, I, 799–813. – F. Grosjean, Life Strich zwischen Grund- und Mittellinie fr »ge-
with Two Languages. An Introduction to Bilingua- gen«, z. B. in Sportberichten (Bayern Mnchen –
lism. Cambridge, Mass. 51982. – S. Romaine, Bi- VfB Stuttgart 0 : 2), fr »bis« (z. B. 30–40 Klausu-
lingualism. Oxford 1989. – J. F. Hamers & M. H. A. ren, Gustav-Heinemann-Ufer 84–88) und als sog.
Blanc, Bilinguality and Bilingualism. Cambridge Streckenstrich bei Streckenangaben (z. B. Blaubeu-
1989. GP ren–Mnsingen);  Gedankenstrich. G
Bilingue f. I. e. S. (Stein-)Inschrift, i. w. S. jedes Bindestrichlinguistik Jargonhafte und nicht ter-
Schriftprodukt unabhngig vom  Beschreibstoff, minologisierte Bez. fr eine Reihe von Komposita
die bzw. das einen Text und ggf. eine bersetzung mit »-linguistik« als zweitem Glied fr Teilgebiete
dieses Textes in zwei Schriften unterschiedlicher der Ling., die sich mit speziellen Gegenstands-
 Schriftarten oder  Schriftsysteme enthlt. Im Fal- oder Anwendungsgebieten der Sprachforschung be-
le doppelt verschrifteter (zweischriftiger) Spr. kçn- fassen, z. B.  Kontaktlinguistik,  Pragmalinguistik,
nen sich diese Textpaare nur hinsichtlich der und fr interdisziplinre Forschungsgebiete, in de-
Schriftart unterscheiden, ansonsten ist Sprachver- ren Rahmen ling. Fragen von Bedeutung sind, z. B.
schiedenheit impliziert. B. waren (und sind) eine  Neurolinguistik,  Patholinguistik u. a. G
wesentl. Grundlage bei der Entzifferung unbekann- Bindevokal  Fugenelement,  Kennlaut,  Stamm-
ter Schriften und damit oft auch fr die Rekonstruk- vokal
tion unbekannter Spr. Die berhmteste B. ist der Bindewort  Konjunktion
Stein von Rosette, dessen Text in altgypt. Spr. (Hie- Bindung  Bindungstheorie
roglyphen und Demot.) und in Griech. abgefasst ist; Bindungstheorie (engl. binding theory, frz. thorie
er war der Schlssel zur Entzifferung der  Hierogly- de liage) In der  GB von N. Chomsky (1980) ein-
phen und zur Rekonstruktion des Altgypt. G gefhrter Regelkomplex, der generalisierende  Be-
Bilinguismus  Bilingualismus schrnkungen fr syntakt.-semant. Beziehungen
Bima-Sumba-Sprachen West- austronesische zwischen  Anaphern,  Pronomina,  R-Ausdr-
Sprachen auf den Kleinen Sunda-Inseln, Indonesien. cken und best. leeren Kategorien ( Spur,  PRO)
Ca. 2 Mio. Sprecher. Ost-Sumbawa (Bima, 500 000 und anderen Konstituenten erfasst ( Anapher (2)).
Sprecher), Sumba (u. a. Kambera, 240 000), West- Ein Knoten A bindet einen Knoten B, wenn B durch
und Zentral-Flores (u. a. Manggarai, ca. 1 Mio.; A  c-kommandiert wird und A und B denselben
Ende-L’io, 300 000), Havu (120 000). Alte Bima-  Index tragen, d. h. wenn A und B koreferent sind;
Endeh-Schrift ind. Ursprungs.  Indonesisch als of-  Koreferenz. Die B. lçste die in frheren Versionen
fizielle Spr.; Karte  Austroasiatische Sprachen. CE der  GG angenommenen strukturverndernden Re-
Binr  Binarismus flexivierungs- und Pronominalisierungs-Transfor-
Binarismus (auch: Alternativprinzip) Von R. Ja- mationen ab und war damit genereller als die im
kobson (russ.-amerikan. Linguist, 1896–1982) ver- Aspekte-Modell angenommenen Mechanismen. Die
tretenes Prinzip der dichotomen Klassifikation ling. B. unterscheidet unterschiedl. Typen nominaler
Elemente nach binren [€] Merkmalen ( distinkti- Ausdrcke, die jeweils verschiedene Bindungsei-
106 Bindungstheorie

genschaften aufweisen ( A-Position): So mssen rung bezeichnet. Sie ist am weitesten in den  ost-
Anaphern, d. h. reziproke (z. B. einander) und re- mitteldeutschen Dialekten durchgefhrt, wo smt-
flexive (z. B. sich selbst) nominale Ausdrcke und liche Fortes ( Fortis) durch Lenes ( Lenis) ersetzt
 Spuren, in dem Bereich der sie regierenden Kate- sind. G
gorien gebunden sein (= Prinzip A); pronominale Binnen-I  Splitting
Ausdrcke (z. B. Personalpronomina) sind im Be- Binomen n. (lat. bis ›zweimal‹, nōmen ›Name‹)
reich der sie regierenden Kategorie frei, d. h. so- Auch: Einwortapposition) In der Slavistik Bez. fr
wohl anaphor. wie deikt. interpretierbar (= Prinzip Verknpfungen zweier Substantive unterschiedl.
B), und sog. R-Ausdrcke (referentielle Ausdr- Flexionsklassenzugehçrigkeit, die einen einheitl.
cke), z. B. Namen, sind in allen Positionen unge- semant. Komplex ( Phraseologismus) darstellen
bunden, d. h. mssen deikt. interpretiert werden (= und als syntakt.-lexikal. Einheit aufgefasst werden
Prinzip C). So ist in dem Satz Er glaubt, dass die ( Juxtaposition), z. B. russ. chleb-sol’ ›Brot und
Lehrer sich auf seinen Rat hin verbesserten das Salz zur Begrßung‹. G
Pronomen er ungebunden, d. h. er wird deiktisch Binomiale  Zwillingsformel
interpretiert; seinen ist im Bereich von auf seinen Biolinguistik Interdisziplinrer Forschungsbereich
Rat hin frei und somit sowohl deikt. wie anaphor. zwischen Ling. und Biologie, in dem Spr. als
interpretierbar und kann (muss jedoch nicht) als sprachl. Verhalten gesehen und in einer naturwis-
koreferent mit er interpretiert werden, nicht aber senschaftsnahen Betrachtung im Rahmen tierischer
mit sich. Demgg. ist sich durch die Lehrer gebun- und menschl. Kommunikationsleistungen unter-
den, muss sich demzufolge auf die Lehrer beziehen sucht wird. Neben der grundstzl. Beziehung von
und darf nicht mit er  koreferent sein. Im Rahmen Kognition, Kommunikation und Spr. stehen die ge-
eines derivationell orientierten  Minimalismus net. Voraussetzungen fr Spr. und insbes. die stam-
wurden die Bindungsprinzipien erneut diskutiert mesgeschichtl. Entwicklung von Vokalisation und
und erfuhren eine entspr. Reformulierung (z. B. Spr. im Mittelpunkt ( Sprachursprung). Anhand
Chomsky 1993, Webelhuth 1996, Kayne 2002). der Erforschung tierischer Kommunikationsleistun-
Zur Explikation des Begriffs Bindung in der Se- gen, z. B. bei Menschenaffen, Delphinen oder Vç-
mantik vgl. Heusinger (2005);  Anapher (2), geln, werden homologe und analoge Entwicklungen
 GB. Lit. C. Boeckx, Indirect Binding. Syntax 6, der Evolution von Kommunikation offengelegt und
2003, 213–236. – D. Bring, Binding Theory. Cam- lassen die stammesgeschichtl. Entwicklungsbedin-
bridge, Mass. 2005. – N. Chomsky, On Binding. gungen der Spr. erkennen. Diese reichen in einer
LIn 11, 1980, 1–46. – Chomsky, Lectures on GB. vergleichenden Sichtweise von psychoakust. Merk-
– Ders., Some Concepts and Consequences of the malen der Vokalisation bis zu den kognitiven Vo-
Theory of Government and Binding. Cambridge, raussetzungen sprachl. Kommunikation. Lit. A. M.
Mass. 1982. – Ders., A Minimalist Program for Di Sciullo & C. Boeckx, The Biolinguistic Enter-
Linguistic Theory. In: K. Hale & S. J. Keyser prise. Oxford 2011. – R. K. Larson, V. Deprez & H.
(eds.), The View from Building 20. Cambridge, Yamakido. The Evolution of Human Language:
Mass. 1993, 1–52. – S. Fischer, Theories of Binding. Biolinguistic Perspectives. Cambridge 2010. –
HSK 42.2, 1357–1400. – Haegeman, 2GB. – K. v. E. H. Lenneberg. Biolog. Grundlagen der Spr. Bln.
3
Heusinger, Nominalphrasensemantik und Anaphora. 1996. – C. L. Meader & J. H. Muysken, Handbook
Hrth-Efferen 2005. – R. S. Kayne, Pronouns and of Biolinguistics. Toledo 1950. – H. M. Mller. Spr.
their Antecedents. In: S. D. Epstein & T. D. Seely und Evolution. Bln. 1990. MR
(eds.), Derivation and Explanation in the Minimalist Biologismus Bez. fr Betrachtungsweisen, die ih-
Program. Oxford 2002, 133–166. – Mller, GT. – G. ren Gegenstand nach dem  Modell des plasmat.
Webelhuth, Government and Binding Theory and the Lebens oder nach biolog. Schemata erklren. Die
Minimalist Program: Principles and Parameters in grundlegende Annahme ist ein biolog.-organismi-
Syntactic Theory. Oxford 1996. F, MYP sches Wirkungsprinzip. Im B. wird die Geltung
Bini  Benue-Kongo-Sprachen der menschl. Erkenntnis aus ihrer Funktion fr die
Binnendeutsch  Deutsch,  Binnenhochdeutsch Lebenserhaltung, die eth. Normen nach ihrer Funk-
Binnenflexion  Innenflexion tion fr Lebenserhaltung und -fçrderung, die sozia-
Binnenfrnkisch Bez. fr die (histor.) Dialekte der len Institutionen aus ihrer Funktion fr den Gesamt-
sdhess. Ausgleichslandschaft zwischen dem organismus begrndet;  Organismusmodelle. PR
»Pflzischen« und dem »Hessischen« Biophonetik (griech.   (bios) ›Leben‹, wø
( Rheinfrnkisch); das B. findet seine Fortsetzung (fōnē) ›Stimme‹) Zweig der  Phonetik, der Aus-
im  Neuhessischen. DD druckspsychologie, Evolutionsbiologie, physiolog.,
Binnenhochdeutsch Eigenschaften der dt. Dialek- auditive und akust. Phonetik zusammenfassen will,
te im hochdt. Kernsprachgebiet im Ggs. zu solchen dabei auch Ergebnisse von Neurophysiologie und
der hochdt. Dialekte in Randgebieten. Terminologi- Phoniatrie bercksichtigt, um menschl. Laut- und
siert ist der Ausdruck b. (auch: binnendeutsche) Stimmußerungen auditiv und akust. zu beschrei-
Konsonantenschwchung, der die oberdt.  Lenisie- ben. Dabei werden die Klangfarben- und Klangfl-
Blindenschrift 107

leaspekte der  Stimme und andere Merkmale des dende  Sememe (z. B. die Konjunktion whrend:
 Sprechausdrucks untersucht. F. Trojan (1885– temporal oder adversativ; einsilbig: Wçrter oder
1968) versuchte in Analogie zu anderen  emischen Menschen), oft mit gegenstzl. Ausprgung (z. B.
Konzepten in Ling. und Phonetik, Merkmalbndel Sanktion ›Billigung‹, ›Bestrafung‹). RB
des  Sprechausdrucks zu systematisieren und ihre Biskayisch  Baskisch
Bedeutungen in einer ›Akuemtheorie‹ zu beschrei- Bislamar  Germanische Sprachen
ben. Lit. F. Trojan, Biophonetik. Hg. v. H. Schendl. Bisubjunktion  quivalenz
Mannheim, Wien, Zrich 1975. – G. Tembrock, Bisyllabisch (lat. bis ›zweimal‹, griech. ıººÆ
Akust. Kommunikation bei Sugetieren. Darmstadt (syllabē) ›Silbe‹) B. sind zweisilbige Wçrter. Der
1996. GU Ausdruck bezieht sich auch auf ling. Sachverhalte,
Biosemiotik Teilbereich der  Semiotik, bei dem die deren Domne sich auf (mindestens) zwei Silben
Erforschung aller Zeichenprozesse bei Lebewesen erstreckt (z. B. Akzentverteilungen). G
im Mittelpunkt steht, um daraus allgemeine Aspek- Bitten Unterform des illokutiven Typus  Aufforde-
te der  Semiose ableiten und fr eine umfassendere rung. Dem B. als Interaktionsform kommt eine ge-
Theorie der Semiotik nutzen zu kçnnen. Bislang wisse Affinitt zur  Hçflichkeit zu. E
fehlen in Biologie und Semiotik solche umfangrei- Biuniquitt  Eineindeutigkeit (1)
chen Einsichten, um stammesgeschichtlich notwen- Bivalent  Valenz
dige Brcken formulieren zu kçnnen, die miteinan- Black box f., pl. ,es (engl. [bl{k bOks] ›schwarzer
der wechselwirkende physiko-chemische Prozesse, Kasten‹) Aus der  Kybernetik stammende meta-
Kommunikationsprozesse bei Lebewesen sowie der phor. Bez. fr natrl. und knstl. Systeme, die der
Sprache des Menschen miteinander verbinden. In unmittelbaren  Beobachtung nicht zugngl. sind.
der B. werden sowohl Zeichenprozesse beim Men- Auf die innere Struktur und Funktionsweise solcher
schen (Anthroposemiotik), als auch innerartliche Systeme kann nur durch  Beobachtung und Analy-
bzw. artbergreifende Semiosen der Tierkommuni- se der Ein- und Ausgabedaten (Input, Output) ge-
kation ( Zoosemiotik,  Tiersprache), bei Pflanzen schlossen werden. Wird ein Black-box-System mo-
(Phytosemiotik) sowie Zeichenprozesse auf neuro- delliert, das gleiche oder hnl. Ergebnisse erzeugt
physiologischer und biomolekularer Ebene inner- wie die Vorgabe, ist zumindest in Bezug auf natrl.
halb von Organismen (Endosemiotik) untersucht. Systeme der Schluss auf deren tatschl. Verfasstheit
Insbesondere Endosemiosen, z. B. vielfltige Erken- nur sehr bedingt mçglich. SK
nungs-, Signal-, und Interaktionsprozesse im Im- Black English  African American Vernacular Eng-
munsystem belegen bei zeichenbasierten Vorgngen lish
die theoretisch zu fordernden graduellen bergnge Blackfoot  Algonkin-Sprachen
zwischen Biomoleklen, einzelligen Lebewesen, Blatnaja muzyka, blatnoj jazyk  Rotwelsch
Vielzellern und sehr komplexen Lebensformen. Blended Learning (auch: Integriertes Lernen) Un-
Eine wichtige Stellung nimmt die Erforschung der terrichtsform, in der Prsenzphasen und die virtu-
Tierkommunikation ein. Lit. D. Favareau (ed.). Es- ellen Lehr-/Lernmethoden und -umgebungen des
sential Readings in Biosemiotics: Anthology and  E-Learnings miteinander verknpft werden. B. L.
Commentary. Dordrecht 2010. – D. Martinelli. A erweitert damit das method. Spektrum um rechner-
Critical Companion to Zoosemiotics: People, Paths, gesttzte Phasen ›selbstgesteuerten‹ und ›kooperati-
Ideas. Dordrecht 2010. – J. Schult (Hg.), Biosemio- ven‹ Lernens, ohne persçnl. Kontakte innerhalb der
tik: praktische Anwendung und Konsequenzen fr Lerngruppe auf virtuelle Kommunikationsplattfor-
die Einzelwissenschaften. Bln. 2004. – T. A. Se- men zu beschrnken. In den selbstgesteuerten Pha-
beok. An Introduction to Semiotics. Ldn. 1994.MR sen entscheidet der Lerner, wann oder wo eine Auf-
Biphonematische Wertung (lat. bis ›zweimal‹, gabe bearbeitet wird, whrend in kooperativen
griech. wø (fōnē) ›Stimme‹) Bei der phonolog. (auch: ›kollaborativen‹) Phasen eine zeitgleiche
Analyse als zwei Phoneme gewertete phonet. enge Prsenz in entsprechenden virtuellen Lernumgebun-
Verbindung zweier Laute (z. B. die dt. Diphthonge); gen vonnçten ist. Die Prsenzphasen (auch: ›face-
 polyphonematische Wertung. Ggs.  monophone- to-face‹) dienen der Festigung gelernter Inhalte so-
matische Wertung. PM wie der sozialen Interaktion, die in reinen E-Lear-
Birmanisch  Sino-Tibetische Sprachen ning-Veranstaltungen auf virtuelle Kontakte be-
Bisa  Mandesprachen grenzt bleibt. ES
Bisegmentalisierung Lautwandelprozess/-ergebnis Blickkommunikation  Augenkommunikation
der Aufspaltung eines ursprngl. einzelnen phono- Blindenschrift Unter B. werden seit dem 17. Jh.
log. Segments in zwei aufeinanderfolgende Seg- Systeme verstanden, die es Blinden durch das Tas-
mente (z. B. Geminierung von  Plosiven nach vor- ten ermçglichen, die Buchstaben des Alphabets zu
heriger Affrizierung;  Geminate). PM erkennen. So ›bersetzte‹ der Jesuitenpater F. Lana
Bisemie f. (lat. bis ›zweimal‹, griech. EÆ (sēma) die Buchstaben in eine Tafel, die aus vier Linien
›Zeichen‹. Frz. bissmie) Spezialfall der  Polyse- bestand, und markierte den Platz der einzelnen
mie: Ein Zeichen hat zwei, sich partiell berschnei- Buchstaben durch einen oder zwei Punkte. Auf
108 Blindenschrift

diese Weise entstand eine ›Punkt-Winkelschrift‹. zurckgingen. So war bei den Griechen die Narzis-
Die Grundelemente fr eine tastende Erfassung, se Sinnbild der Vergnglichkeit, denn der schçne
nmlich Linie und Punkt, sind in diesem Entwurf Jngling Narkissos hatte den Zorn der Gçtter erregt
bereits entwickelt. Die Realisierung der Zeichen als und war von ihnen bestraft worden. Im Orient wird
erhabene erfolgte jedoch erst spter. Die heute ge- heute noch jeder Blume ein Sinn zugeordnet, der
bruchliche sog. Braille-Schrift (benannt nach ih- sprachl. jeweils eng mit dem Namen der Blume
rem Erfinder L. Braille, 1809–1852) basiert auf verbunden ist. In Europa wurden im 18. und 19. Jahr-
einem Punktesystem, dessen Grundform zwei ne- hundert ganze B. entwickelt, deren Reste bis heute
beneinander stehende Punktreihen mit je drei Punk- fortwirken. So stehen bis in die Gegenwart die Mi-
ten bilden. Aus den mçglichen knapp 70 Kombina- mose fr Empfindlichkeit, die Rose fr den Wunsch
tionen von einem bis sechs Punkten kçnnen Buch- nach (kçrperlicher) Liebe, das Kleeblatt fr Glck
staben, Interpunktions- und Rechenzeichen der und Freundschaft. Die verschiedenen Broschren
meisten Spr. realisiert werden. Durch die UNESCO und Abhandlungen ber B. sind nicht widerspruchs-
ist das Braille-Alphabet internat. standardisiert. Fr frei, das Veilchen bedeutet mal geheime Liebe, mal
viele Spr. existieren – wegen des großen Raumbe- Treue, mal Bescheidenheit. Fçrderung erfhrt die B.
darfs der Braille-Schrift – spezielle Kurzschrift- heutzutage vor allem durch den Blumenhandel. Soll
systeme. Geschrieben wird die Schrift mit einer die Botschaft durch die Blume eindeutig sein, emp-
Schreibtafel, die in rechteckige Felder eingeteilt fiehlt es sich fr Sender und Empfnger, Schenkende
ist, unter denen sich sechs Vertiefungen befinden. und Beschenkte, dasselbe Codebuch zu benutzen.
Mit einem Stichel kçnnen so die Punkte gleichm- Lit. M. Heilmeyer, Die Spr. der Blumen. Von Akelei
ßig in das Papier gesetzt werden. Geschrieben wird bis Zitrus. Mchn. u. a. 2002. – S. Tress, Es deuten die
von rechts nach links und seitenverkehrt, da das Blumen manch heimliches Wort: Geheimnisse der
Blatt zum Lesen umgedreht werden muss, um die B. Esslingen 2011. S
erhabenen Punkte ertasten zu kçnnen. Bei der Ver- Bobo-Fing  Mandesprachen
wendung von Maschinen entfllt das spiegelverkehr- Bocot  Chibcha-Sprachen
te Schreiben, da die Punkte von unten nach oben Bohemistik (lat. Bohemia ›Bçhmen‹) Akadem.
gedrckt werden kçnnen. Lit. www.blista.de S Disziplin, die sich mit dem  Tschechischen und
Bliss-Symbole  Sprachergnzende und -ersetzende den an diese Spr. gebundenen Gegenstnden be-
Kommunikationssysteme,  Universalschrift schftigt. HA
Block  Absatz Bçhmakeln (auch: Kuchldeutsch) Histor. dt.-
Blockierte Bildung Bez. fr potentielle Wortbil- tschech. Mischvariett von Tschechen der unteren
dungsprodukte, die nicht realisiert sind, weil gleich- Schichten, die sich in einer deutschsprachigen Um-
bedeutende Lexeme existieren (*unjung wegen alt, gebung behaupten mussten (z. B. als Hauspersonal:
*unalt wegen jung) oder weil gleichlautende Lexe- »Kuchldeutsch« oder beim Militr: »Armee-
me mit anderer Bedeutung vorhanden sind (blau fi deutsch«), v.a. jedoch der tschech. Arbeitsmigran-
blulich aber: grau fi *grulich). Dass Homonyme ten, die im Zuge der Industrialisierung im 19. Jh.
vermieden werden, liegt auf der Hand (vgl. Plank nach Wien kamen (»Ziegelbçhmen«, Handwerker,
1981, 170–173), dass semant. Dubletten aus sprach- Kçchinnen u. a.). Seit dem spten 18. Jh. ist das B.
çkonom. Grnden ( Sprachçkonomie 1.) nicht in Texten belegt. Nach dem 1. Weltkrieg endete die
sinnvoll sind, ebenso. Allerdings fhren Lexikali- tschech. Zuwanderung nach Wien, nach dem 2.
sierungen zu Bedeutungsverengungen, die Platz fr Weltkrieg erlosch das B. allmhl., doch hielt es
bedeutungshnliche Lexeme schaffen. Lit. A. Fill, sich als »Bhnenregister« in Filmen, Operetten und
Remotivation and Reinterpretation. HSK 17, 2, Kabarettprogrammen noch bis in die 1980er Jahre.
1615–1625. – F. Plank, Morpholog. (Ir-)Regularit- Lit. B. Morcinek et al., Deutschlernen von unten – B.
ten. Tbingen 1981. ES und Kuchldeutsch (FGG 17). Wiesbaden 2016. G
Blockiertes Morphem  Unikales Morphem Bokmål  Norwegisch
Blockierung 1. Bez. fr das Phnomen, dass eine Bolgartrkisch  Turksprachen
Person in ihrem Gedchtnis ein Wort sucht, aber Boolean Phrase  Conjunction Phrase
allenfalls ein anderes, hnl. klingendes findet, z. B. Bootstrapping (engl. bootstrap ›Stiefelriemen‹) In
beim Erinnern von Eigennamen. 2.  Blockierte Bil- der  Psycholinguisti