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Ludwig-Maximilian-Universität München

Historisches Seminar
Seminar: Restauration und Vormärz in Europa 1815-1848
Dozent: Dr. Peter Helmberger
Eingereicht am 20.03.2017

Zwischen Konstitutionalismus und Absolutismus –


Die Griechische Verfassungsfrage 1821-1832

Paul Sommer-Weisel
Matrikel-Nummer: 11455606
Anschrift: Barer Straße 56A, 80799 München
E-Mail: paulsommerweisel@gmail.com
Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Die Wurzeln des griechischen Konstitutionalismus 2

3 Johannes Kapodistrias: Von der Republik zur Autokratie 11

4 Griechenland nach 1832 – Ein Sieg des Absolutismus? 14

5 Zusammenfassung 15

6 Quellenverzeichnis 16

7 Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der ideengeschichtlichen Evolution der
konstitutionellen Bewegung in Griechenland sowohl in Hinblick auf deren theoretische
Grundlagen als auch in der verfassungsgeschichtlichen Praxis im Spannungsfeld der
antinomischen politischen Konzepte des repräsentativ-demokratisch fundierten
Republikanismus sowie des präsidial bzw. monarchisch verfassten Absolutismus vor dem
geschichtlichen Hintergrund der turbulenten Epoche seit dem Ausbruch der Griechischen
Revolution 1821 bis zur Machtübernahme der Wittelsbacher-Monarchie im Jahr 1832
auseinandersetzen. Hierbei soll insbesondere die Distinktion spezifischer Entwicklungsstufen
und Phasen in der Ausgestaltung der individuellen Kompetenzbereiche der exekutiven
Verfassungsorgane im sorgsam austarierten Spannungsfeld von Kompetenzdiffusion bzw.
Zentralismus von den präkonstitutionellen Staatsentwürfen des 18. Jahrhunderts über die
„konstitutionelle Phase“ der griechischen Revolution bis hin zur schlussendlichen Installation
einer monarchischen Regierungsspitze durch die westeuropäischen Garantiemächte im
Vordergrund stehen. Anhand der Analyse des konkreten Verfassungsentwicklungsprozesses
soll die dabei vielfach postulierte Diskontinuität bzw. Inkompatibilität autoritärer Tendenzen im
konstitutionstheoretischen Denken der griechischen Revolutionäre mit der zentralistischen
Herrschaftskonzeption der sukzessiven monarchischen Epoche1 hinterfragt und durch eine
abschließende Synopse der subsequenten historischen wie konstitutionellen Entwicklung in
Griechenland kontextualisiert werden.
Mithilfe der paradigmatischen Fokussierung auf den Zeitraum der Präsidentschaft des
Johannes Kapodistrias (1828-1831) soll schließlich die Leitfrage nach den politischen wie
konzeptionellen Gründen und Ursachen des vorläufigen Scheiterns der republikanisch
motivierten konstitutionellen Bestrebungen der griechischen Revolutionäre in der
Auseinandersetzung mit den innergriechischen absolutistischen Tendenzen und subsequent
den monarchischen Bestrebungen der europäischen Mächte des metternichschen „Konzerts“
der Pentarchiemächte bis zum „Epochenjahr“ 1832 analysiert werden. Als inhaltliche Basis der
Untersuchung soll hierbei die vergleichende Analyse der divergierenden Verfassungstexte2
der konstitutionellen Entwürfe der revolutionären Phase, ausgehend von den „vorläufigen
Verfassungen“ von Epidauros (1822) und Astros (1823) sowie deren anschließender Vergleich
mit dem 1827 als Kulminationspunkt dieser Entwicklung entstandenen „Syntagma von
Troizen“ als Rezeptionsdokument des aufkommenden Absolutismus3 in Griechenland dienen.
Ihren Ausgang soll die Untersuchung dabei von der Betrachtung der konkreten Ursachen des
Aufkommens der konstitutionellen Bewegung in Griechenland nehmen.

1
Diese These wird etwa vertreten von Tsapogas, Staatsrationalisierung und Verfassungsbestrebung in
Griechenland, S. 63. Eine gegenteilige Position bezieht bspw. Stamatis, Οι φιλελεύθερες και δημοκρατικές
ιδέες των επαναστατικών συνταγμάτων, S. 21.
2
Als textueller Referenzrahmen der Auseinandersetzung dient hierbei die vom griechischen Parlament
publizierte Quellensammlung Αρχεία της ελληνικής παλιγγενεσίας III. Εθνικές Συνελεύσεις.
3
Vgl. Alivizatos, Tο Σύνταγμα και οι εχθροί του στη νεοελληνική ιστορία 1800-2010, S. 67-78.

3
2 Die Wurzeln des griechischen Konstitutionalismus

Die Erforschung der Genese und sukzessiven Evolution des griechischen Konstitutionalismus
als phasenweise dominanter Problematik innerhalb des gesellschaftspolitischen Diskurses der
liberalen Vordenker und intellektuellen Wegbereiter des Unabhängigkeitskrieges sowie der
sukzessiven revolutionären griechischen Staatsgründung bildet als sog. „Verfassungsfrage4“
eine fundamentale Kontroverse der historiographischen Auseinandersetzung mit der
griechischen Revolution. Die grundlegende Divergenz in der fachdiskursiven Bewertung der
konstitutionellen Bewegung in Griechenland hinsichtlich ihres Einflusses auf die politische
Entwicklung des revolutionären Staatswesens liegt hierbei zunächst in der Heterogenität ihrer
ideellen Wurzeln, ihrer gesellschaftstheoretischen Zielsetzung mit teilweise widerstreitenden
Positionen und Meinungen, jedoch ebenso wesentlich in der ambivalenten Beurteilung der
vielschichtigen politischen Rolle ihrer führenden Exponenten in der sog. „konstitutionellen
Phase“ der Griechischen Revolution begründet.
Diese pluralistische Deutungsvielfalt speist sich aus dem genuinen Entstehungskontext der
„griechischen Variante“ des europäischen Konstitutionalismus, wie sie sich seit dem
ausgehenden achtzehnten Jahrhundert im literarischen Diskurs des aufkeimenden
griechischen Freiheitsstrebens zu einem polyvalenten Amalgam konstruiert hatte. Anhand der
Analyse der historischen Genese dieses konstitutionellen Aspektes des revolutionären
Diskurses soll im Folgenden zunächst die Evolution der „Verfassungsfrage“ ausgehend von
den intellektuellen Austausch- und Neuerungsprozessen der geistigen Väter des griechischen
Konstitutionalismus ab dem späten achtzehnten Jahrhundert bis hin zur Formulierung
konkreter Verfassungsentwürfe im Rahmen verfassungsgebender Nationalversammlungen
verdeutlicht und hierbei Gemeinsamkeiten und Differenzen in der jeweiligen
Konzeptualisierung des dort geäußerten Staatsverständnisses sowie der Skizzierungen
konstitutioneller Strukturen die Heterogenität dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung
aufgezeigt werden.
Wenngleich sich die jüngere griechische Geistesgeschichte seit dem 15. Jahrhundert auf
wiederholte Ansätze zu einer prototypischen Rationalisierung des Staatswesens in Gestalt
zunächst rudimentärer konstitutioneller Gesellschaftsentwürfe berufen kann5, so sind doch die
eigentlichen Ursprünge des frührevolutionär-republikanischen Konstitutionalismus im Wirken
der „Griechischen Aufklärung6“ aber der Mitte des 18. Jahrhunderts zu verorten. Dieses in der
rezeptiven Auseinandersetzung mit den Werten der westeuropäischen Aufklärung
entstandene gesellschaftliche Phänomen nahm seinen Ausgang als Adaptionsprozess der
intellektuellen wie gesellschaftspolitischen Errungenschaften und Ideale der Französischen
Revolution in einen griechischen Kontext. Im Gefolge der revolutionären Eroberungskriege

4
Einen Überblick gewährt Kaltchas, Introduction to the Constitutional History of Modern Greece, S. 34-57.
5 Hierzu zählt etwa das staatsphilosophische Schaffen des Georgios Plethon, vgl. Hlepas, Ein romantisches
Abenteuer? Nationale Revolution, moderne Staatlichkeit und bayerische Monarchie in Griechenland, S. 166
sowie Gourgouris, Dream Nation: Enlightenment, Colonization, and Institution of Modern Greece, S. 18-40.
6
Vgl. Pizanias, From Reaya to Greek Citizen: Enlightenment and Revolution 1750-1832, S. 91.

4
hatten sich die Forderungen nach republikanischer Selbstbestimmung auch auf die aus
westeuropäischer Sicht „peripheren“ europäischen Balkanprovinzen des osmanischen
Reiches ausgedehnt und dort insbesondere in Griechenland ein dankbares
Aufnahmepublikum in Gestalt einer wirtschaftlichen erfolgreichen, sozial aufstrebenden
Gesellschaftsschicht gefunden, welche sich im ausgehenden 18. Jahrhundert in
zunehmenden Maße politisch zu artikulieren begann. Als wirkmächtigste Rezipienten der
revolutionären Ideale erwies sich hierbei eine Gruppe einflussreicher Schriftsteller und
Nationaldichter, welche mit ihrem von den aufklärerischen Ideen des „Diaphotismos7“
durchdrungenen literarischen Schaffen erst die Grundlage für die Entstehung eines
griechischen Nationalbewusstseins schufen. Wesentlich beeinflusst von den Vordenkern der
französischen Revolution konstruierte diese Gruppe, zu deren bedeutendsten Vertretern der
Schriftsteller Adamantios Korais sowie der ikonische Poet und Freiheitskämpfer Rhigas
Pheraios gehören, neben dem nationalistischen Kernelement des Appells zum Kampf für die
Wiedergewinnung der nationalen Unabhängigkeit8 sowie den „importierten“ Idealen des
zeitgenössischen europäischen Liberalismus die Forderung nach einer verfassungsmäßigen
Ordnung des erst noch zu begründenden Staatswesens als untergeordnetes Element zu einer
idiosynkratischen Synthese9.
Während Korais in seinem Hauptwerk „Memoire sur l’etat actuel de la civilisation dans la
Grece“ für das vom „osmanischen Despotismus“ unterdrückte Griechenland die Vision eines
von den Prinzipien des Liberalismus sowie des Konstitutionalismus geprägten Gemeinwesens
entwarf, verfolgte Pheraios, welcher nach seiner Flucht aus dem Osmanischen Reich ab 1793
in Wien eine rege publizistische Tätigkeit entfaltete, einen ungleich radikaleren Ansatz. Zu den
einflussreichsten Werken des Poeten gehört das Memorandum „Neue Politische Verwaltung
der Einwohner von Rumeli, Kleinasien, der Mittelmeerinseln und der Moldau und Walachei“
von 179710. In der Flugschrift geht Pheraios weit über die zumeist nationalistisch motivierten
Befreiungsaufrufe seiner griechischen Zeitgenossen hinaus und skizziert vielmehr einen von
allen Ethnien des Balkans gemeinsam zu errichtenden, multiethnischen und von religiöser
Toleranz geprägten Idealstaat. Entscheidend für die aufkeimende konstitutionelle Bewegung
in Griechenland erwies sich dabei Pheraios‘ Versuch, diesem aus heutiger Perspektive
utopisch anmutenden Staatswesen durch die konkrete Formulierung eines kohärenten
Verfassungsentwurfes eine konkrete Grundlage zu verleihen.

7
Vgl. Kitromilides, Enlightenment and Revolution. The Making of Modern Greece, S. 260-291.
8
Ein zeitgenössisches Paradigma einer erfolgreichen Revolution auf dem Balkan ohne republikanisch-
konstitutionalistische Konnotation bietet hingegen die nationale Erhebung der Serben ab 1804, vgl.
Jelavich, The Establishment of the Balkan National States 1804-1920, S. 26-37.
9
Nachdem sich dieses „Trikolon“ der Revolutionsideale im nationalliberalen Diskurs bald zu einer
semantischen Einheit verfestigt hatte, sahen sich die griechischen Revolutionäre ähnlich wie die
Vordenker der 1848er-Revolution in den deutschen Territorialstaaten mit dem Problem der „doppelten
Revolution“,d.h. der Schaffung eines Nationalstaates bei gleichzeitiger Konstitutionalisierung
konfrontiert, vgl. Apostolidis-Kusserow, Die griechische Nationalbewegung, S. 148-156.
10 Vgl. Kitromilides, An Enlightenment Perspective on Balkan Cultural Pluralism. The Republican Vision of

Rhigas Velestinlis, S. 465-479.

5
In der hypothetischen Konzeption der Verfassung seines „Balkan-Staates“ als repräsentativ
organisierte Republik lehnte sich Pheraios dabei eng an die unlängst erlassene französische
„Constitution du 5. fructidor an III“ von 1795 an11. Dabei wies der freiheitlich gesinnte Pheraios
in seinem Entwurf jegliche monarchischen/absolutistischen Institutionen kategorisch zurück
und erklärte vielmehr das Prinzip der absoluten Volkssouveränität zur obersten Maxime.
Wenngleich sich die egalitäre Vorstellung vom konstitutionell fundierten Miteinander aller
Balkannationen letztlich nicht durchsetzen konnte, lässt die „Nea Politiki Diokisis“ des
Pheraios, dessen Hinrichtung durch die osmanische Verwaltung 1798 der Stilisierung zum
„Proto-Märtyrer der Revolution“12 Vorschub leistete, die ideengeschichtlichen Grundlagen der
konstitutionellen Bewegung in Griechenland fassbar werden. Der idealistische,
sozialutopische und von der Gleichheit aller Bürger geprägte Charakter dieser
Etablierungsphase des Konstitutionalismus13 verweist dabei im Vergleich mit ihrem
französischen Vorbild auf ein inhärentes Problem der griechischen Verfassungsbewegung in
Gestalt der feudalistisch organisierten Gesellschaftsstruktur des Osmanischen Reiches und
dem resultierenden weitgehenden Fehlen einer liberal gesinnten bürgerlichen Mittelschicht, so
dass das Phänomen des griechischen Konstitutionalismus in Kontrast zur sozialgeschichtlich
starken Stellung des „Dritten Standes“ im französischen Constitutionnalisme populaire in
seinem Wirkungskreis zunächst weitgehend auf die gesellschaftlichen Führungszirkel der
intellektuellen wie gesellschaftlichen Eliten beschränkt blieb.
Eine Ausnahme von diesem Befund stellt die sozialgeschichtliche Entwicklung auf den
westgriechischen Ionischen Inseln dar, deren geographische wie kulturelle Mittlerstellung die
Herausbildung einer selbstbewussten bürgerlichen Gesellschaftsschicht beförderte hatte.
Unter dem Eindruck der politischen Verwerfungen im Gefolge der Französischen Revolution
sollte sich die multikulturelle Inselnation bald zu einem Laboratorium der konstitutionellen
Bewegung Griechenlands entwickeln. Ihren historischen Ausgangspunkt nahm diese
Entwicklung mit dem napoleonischen Italienfeldzug ab 1796, in dessen Folge die Ionischen
Inseln von französischen Truppen besetzt wurden. In der zweijährigen Besatzungsperiode
erfuhren die Einwohner der Heptanesoi als erste griechischsprachige Entität durch die
Abschaffung der oligarchischen Herrschaft und Einführung der französischen
Revolutionsverfassung von 1795 in den eigens gegründeten „Départements français de
Grèce“ das transformatorische Potenzial des Konstitutionalismus am eigenen Leibe. Die
Franzosen förderten zudem die Bildung eines Bürgerparlamentes, welches dem jungen
korfiotischen Abgeordneten und späteren prominenten Staatsmann der Revolution Johannes
Kapodistrias14 erste Gelegenheiten zur Erprobung in konstitutioneller Praxis gewähren sollte.

11
Vgl. Woodhouse, Rhigas Velestinlis. The Proto-Martyr of the Greek Revolution, S. 42.
12
Myrogiannis, The Emergence of a Greek Identity 1700-1821, S. 83-131.
13
Auf diese sozialrevolutionäre Komponente verweist auch der zeitgenössische Verfassungsentwurf
„Elliniki Nomarchia“ (Griechisches Grundgesetz). Zu Konzeption und Zielsetzung der Nomarchie vgl.
Kitromilides, Republican Patriotism to National Sentiment. A Reading of Hellenic Nomarchy, S. 60.
14
Zur Person des J. Kapodistrias v.a. Kaldis, John Capodistrias and the modern Greek State.

6
Der 1776 in eine einheimische Adelsfamilie geborene Kapodistrias hatte bereits im Zuge
seines mehrjährigen Medizinstudiums an den Universitäten Padua und Venedig erste
Erfahrungen mit Vertretern liberalen Gedankenguts gemacht und sich dort für die Werte der
französischen Aufklärung begeistert15. Nach Beendigung seiner Studien war er 1797 in seine
Heimat zurückgekehrt und betrieb dort eine aktive Politik gegen die einheimischen Oligarchen,
welche nach der Vertreibung der Franzosen durch eine russisch-osmanische Militäroperation
im März 1800 das entstandene Machtvakuum zur Wiederherstellung ihrer angestammten
Rechte durch die von der Hohen Pforte in Konstantinopel sanktionierte sog. „Byzantinische
Verfassung“ wiederherzustellen suchten. Die abermalige Unterdrückung der Bürgerschaft
resultierte jedoch in stetigen gesellschaftlichen Spannungen, welche sich drei Jahre später in
der ersten konstitutionell motivierten Erhebung Griechenlands entluden. Unter der Aufsicht
des zur Lageberuhigung entsandten russischen Diplomaten Georgios Monsenigos setzte
Kapodistrias schließlich die Einführung einer im europäischen Vergleich äußerst liberalen
Verfassung durch, welche unter anderem auf dem Prinzip des allgemeinen Wahlrechts und
der Gewaltenteilung fußte. Protegiert von Monsenigos gelang Kapodistrias, welcher der
jungen ionischen Republik zeitweilig als paritätischer Vorsitzender gedient hatte, wenig später
durch die Berufung ins russische Außenministerium 1809 der gesellschaftliche Aufstieg16. Die
dort in den Wirren des „Vaterländischen Krieges“ gegen die napoleonische Revolutionsarmee
gesammelten Eindrücke und Erfahrungen sollten die ursprüngliche Begeisterung des
Kapodistrias für revolutionäre Erhebungen dämpfen und den Grundstock für seine
ambivalente Haltung in dieser Hinsicht legen.
Kapodistrias diente dem russischen Zaren Alexander I. über ein Jahrzehnt lang als Diplomat,
Staatssekretär und Außenminister und erlangte auf diese Weise wertvolle Einsichten und
Beziehungen in den diplomatischen Vertretungen Europas. Seine exponierte Stellung als
Diasporagrieche ließ den russischen Außenminister wiederholt zum Anlaufpunkt
philhellenischer Bestrebungen und Vereinigungen werden; so übernahm er 1814 etwa den
Vorsitz der „Philomusischen Gesellschaft“17. Gleichzeitig lehnte Kapodistrias alle
revolutionären Bestrebungen seiner Landsleute zur gewaltsamen Befreiung der Griechen, wie
sie insbesondere die Geheimgesellschaft „Philiki Hetaireia“ anstrebte, mit Verweis auf die
Unausgereiftheit dieser Umsturzpläne ab18. Als der Vorsitzende dieser nationalistischen
Vereinigung, Andreas Ypsilantis, schließlich 1821 zur militärischen Befreiung aller Griechen
und sonstigen Balkanvölker gegen die osmanischen Unterdrücker aufrief, positionierte sich
der russische Außenminister klar gegen diesen Aufstandsversuch19.

15
Einen Überblick über das frühe politische Engagement des Kapodistrias bietet etwa Dakin, The Greek
Struggle for Independence 1821-1833, S. 223-237.
16
Frary, Russia and the Making of Modern Greek Identity 1821-1844, S. 26.
17 Vgl. Philippou, Der Philhellenismus in Deutschland: Philhellenische Bekundungen der Deutschen am

Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gründung des griechischen Staates, S. 24.
18
Woodhouse, Kapodistrias and the Philiki Etairia 1814–21, S. 104-134.
19
In dieser ablehnen Haltung korrelierte die von Kapodistrias gehegte Überzeugung von der fehlenden
Reife des griechischen Volkes zur Selbstregierung mit den monarchistischen Überzeugungen des
russischen Zaren Alexander I. sowie der verbündeten Vertreter der europäischen Pentarchie.

7
Ungeachtet der russischen Verweigerungshaltung hatten die peloponnesischen Griechen trotz
der Niederlage des Ypsilantis 1821 den allgemeinen Aufstand gewagt und erwiesen sich im
Verlaufe der ersten Kriegsjahre als unvorhergesehen erfolgreich in der Vertreibung der
osmanischen Besatzungsmacht. Die anfänglichen militärischen Erfolge und die gelungene
Mobilisierung weiter Teile der griechischen Gesellschaft standen dabei in zunehmendem
Missverhältnis zum unzulänglichen administrativen Organisationsgrad der Aufständischen,
welche zunächst unabhängig voneinander zunächst drei provisorische „Lokalregierungen“
begründet hatten, unter denen vor allem der „Westgriechische Senat“ unter Alexandros
Mavrokordatos, der seit dem 9. November 1821 seine Arbeit aufgenommen hatte, sowie die
„Gesetzmäßige Verwaltung Ostgriechenlands“ unter Theodoros Negris im mittelgriechischen
Amphissa, entstanden am dem 15. Dezember 1821, hervorstechen20.
Bereits unmittelbar nach der Revolution hatten diese adhoc gebildeten Gremien das Problem
erkannt, den bisher ungeordneten militärischen Widerstand auf ein zunächst vorläufiges
rechtliches Fundament zu stellen, und begannen demgemäß mit der Anfertigung erster
individueller Verfassungsentwürfe21, wobei sie sich vorwiegend am Beispiel der französischen
Verfassungen der Revolutionszeit orientierten22. Da jedoch in der Folge zwischen den
Lokalregierungen Rivalitäten um den repräsentativen Führungsanspruch über die vereinigten
griechischen Revolutionäre aufkeimten, entschlossen sich deren Vertreter zur Schaffung
zentralisierter Strukturen, welche sowohl die koordinierte Verwaltung der befreiten Gebiete als
auch eine effektivere Vertretung der Revolutionsziele gegenüber dem teils philhellenisch,
teilweise jedoch auch reaktionär-interventionistisch gestimmten europäischen Ausland
garantieren sollten. Eine im Dezember 1821 zu diesem Zweck in das peloponnesische
Epidauros einberufene Nationalversammlung von 59 Delegierten unter dem Vorsitz des
Mavrokordatos und Beteiligung des europäischen Verfassungstheoretikers Vincenzo Gallina23
wurde demgemäß mit der Aufgabe der Ausarbeitung eines zunächst als provisorisch
gekennzeichneten Verfassungsentwurfes für die junge Nation betraut.

20 Dimitropulos, Τα Ελληνικά Συντάγματα από την Επανάσταση έως το 1864 και συγκριτική μελέτη των
Συνταγμάτων του 1844 και του 1864, S. 3 sowie Stamatis 2014, S. 23.
21
Vgl. Tsapogas 1992, S. 39-41. Während der Verfassungsentwurf der westgriechischen
Provinzregierung rekurrierend auf den republikanischen Gesellschaftsentwurf des Pheraios sowie in
Anlehnung an die Prinzipien der französischen Revolution an der perspektivischen Errichtung eines
republikanischen Staatswesens im befreiten Griechenland festhält, schlossen die Delegierten unter
Negris in der Konzeption ihres mit diesem Entwurf konkurrierenden Pendants auch die Möglichkeit
einer konstitutionell eingehegten Monarchie explizit nicht aus. Dieser Umstand deutet auf die
divergierende Zielsetzung innerhalb der griechischen Verfassungsbewegung hin: Während ein
revolutionär orientierter liberaler Flügel mit dem Schlagwort der Konstitutionalisierung mit der
Errichtung eines republikanischen Staatswesens assoziierte, sahen sich national gesinnte Kreise nicht
zuletzt aufgrund der tiefen Verankerung des royalen Prinzips besonders in der einfachen
Landbevölkerung, aber auch in den oligarchischen Machtstrukturen Griechenlands zur Abmilderung
dieses radikalen Projektes veranlasst, vgl. Korisis, Das politische System Griechenlands, S. 13.
22 Michaelidis-Novaros, Georgios, Η επιρροή των ιδεών της Γαλλικής Επανάστασης στο ελληνικό ιδιωτικό

δίκαιο, S. 1-27.
23
Loukia Droulia, Towards modern Greek consciousness, S. 66.

8
Das 110 Artikel umfassende Ergebnis dieses Aushandlungsprozesses stellt die am 1. Januar
1822 ratifizierte sog. „Verfassung von Epidauros“ dar. Die Bestimmungen dieser offiziell
„Vorläufigen Regierungsgrundlage Griechenlands“ (Προσωρινό Πολίτευμα της Ελλάδος) lesen
sich dabei abermals als Imitation des politisch wie legislativ normativen Vorbilds der
Revolutionsverfassungen Frankreichs von 1793 und 179524. Die adaptierende Inkorporierung
der französischen Terminologie wird dabei bereits durch die demonstrative Voranstellung der
Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte (Dispositions Générales) von 1789 in griechischer
Übersetzung offensichtlich sowie dem revolutionär-republikanischen Pathos der Präambel
deutlich25. Die in den nachfolgenden Paragraphen niedergelegten administrativen Grundlagen
des neuen Staates entwickeln das Bild einer stark repräsentativ orientierten parlamentarischen
Republik, als deren oberstes Prinzip die Verhinderung jeglicher Machtkonzentration im Sinne
der „checks and balances“ fungiert, wie sie etwa durch das konsequent angewandte Prinzip
der Kollegialität sowie der institutionalisierten Gewaltenteilung sichergestellt werden sollte26.
Dieser egalitäre Ansatz reflektiert das endemische Misstrauen der unterschiedlichen
Revolutionsfraktionen, welches sich beispielsweise im gegenseitige Initiativ- wie Vetorecht für
exekutive und legislative Organe sowie dem Grundsatz der Annuität für sämtliche
Exekutivorgane wie auch die Deputierten beider Häuser des Zweikammersystems, bestehend
aus einem Parlament und Senat widerspiegelt. Die skizzierten Vorsichtsmaßnahmen wirkten
sich jedoch auch auf die praktische Funktionalität der revolutionären Administration aus und
zeugen vom provisionellen Charakter dieses ersten konstitutionellen Entwurfes.
Die resultierende systemische Dysfunktionalität trat bald offen zu Tage und machte bereits ein
Jahr später die Revision der Verfassung auf der sog. Nationalversammlung von Astros im
März 1823 erforderlich. Der grundlegende Fortschritt dieser zweiten griechischen Verfassung
besteht in der Verschiebung der ursprünglichen paritätischen Machtbalance von der Domäne
der Exekutive zu den legislativen Verfassungsorganen. Durch die elaborierten Statuten zur
Neutralisierung der Exekutive, beispielsweise durch den Entzug des Vetorechtes für die sechs
leitenden Staatsminister, konnte die Paralyse des Gesetzgebungsprozesses27 kurzfristig
überwunden werden. Gerade diese Bevorzugung der Legislative erwies sich in der Folgezeit
jedoch als wesentliche Faktor für die Spaltung der konstitutionellen Bewegung in eine liberale
konstitutionell orientierte Partei unter dem Vorsitz des Mavrokordatos und den Vertretern der
einheimischen peloponnesischen Oligarchie unter der Führung des Militärs Kolokotronis28.
Wenngleich sich die liberale Fraktion im anschließenden Bürgerkrieg der Jahre 1824-1825
mithilfe internationaler Unterstützung durchzusetzen vermochte, so bedeutete die in den
Bürgerkriegsmonaten offen zu Tage getretene Inkompatibilität der verfassungsmäßigen
Institutionen mit den Erfordernissen eines fragilen revolutionären Staatswesens eine schwere

24
Vgl. Manesis, Η φιλελεύθερη και δημοκρατική ιδεολογία της εθνικής επανάστασης του 1821, S. 269.
25
Fortsakis/Spyropoulos, Constitutional Law in Greece, S. 42.
26
Vgl. Paragraphen III und IV der Verfassung von Epidauros, vgl. Αρχεία της ελληνικής παλιγγενεσίας
III, S. 21-35 sowie Wilharm, Die Anfänge des Griechischen Nationalstaates 1833-1843, S. 57-71.
27
Daskalakis, Die Verfassungsentwicklung Griechenlands, S. 265.
28
Antoniu/Gerapetritis, Οι θεσμοί της ελληνικής επανάστασης και τα έξωθεν πρότυπά τους, S. 15-19.

9
Schädigung der konstitutionellen Idee im Bewusstsein gerade der unteren sozialen Schichten,
welche die Konsequenzen der institutionellen Lähmung durch die Verwüstung ihres
Heimatlandes schmerzlich erfahren musste. Zu den chaotischen Bürgerkriegswirren trat
darüber hinaus mit der ägyptischen Invasion der Peloponnes 1825 eine existenzgefährdende
außenpolitische Bedrohung, als Ibrahim Pascha die Einnahme der wichtigen griechischen
Festung Messolongi gelang. Der Fall der Stadt im April 1826 veranlasste die griechischen
Revolutionäre zur temporären Suspension aller verfassungsmäßigen Institutionen sowie zur
Wahl eines „Elfmännergremiums“, welchem umfassende Sondervollmachten zur Verhandlung
mit den europäischen Großmächten um militärische Unterstützung erteilt wurde. Nachdem die
militärische Gefahr für die Revolution infolge des Eingreifens der westeuropäischen
Großmächte Großbritannien und Frankreich in der Schlacht von Navarino jedoch unverhofft
gebannt war29, sahen die Mitglieder des Kollegiums im Mai 1827 die Gelegenheit zur
Einberufung einer 3. Nationalversammlung in das peloponnesische Troizen gekommen.
Die dort versammelten Delegierten konzipierten mit dem Anspruch auf die Schaffung einer
permanenten konstitutionellen Basis des nunmehr befreiten Griechenlands bis zum 1827 eine
3. Verfassung, welche die machtpolitischen Rivalitäten zwischen den einzelnen Verfassungen
eindämmen und die Funktionsfähigkeit der Regierung gewährleisten sollte.
Die in der „Verfassung von Troizen“ gewählte Lösung dieser Problematik besteht in der
Abschaffung des sog. polyarchischen Regierungsprinzips, d.h. die Maxime der kollegialen
Amtsführung in allen mit exekutiven Vollmachten ausgestatteten Verfassungsorganen
zugunsten der Einführung einer einzigen zentralen Führungsposition. Zu diesem Behufe
wurde in der Troizener Verfassung das Amt eines Gouverneurs bzw. „Kyberneten“30 konzipiert,
welcher als Integrationsfigur der Revolution dienen und mit weitreichenden exekutiven
Vollmachten ausgestattet werden sollte. Dennoch blieb die auch dieser Verfassungsentwurf in
seinen Grundzügen durch die klaren Beschränkungen der Kompetenzen dieser zentralen
Machtstellung, etwa durch die Einräumung der Möglichkeit eines Misstrauensantrags durch
das Parlament, weiterhin der republikanisch-liberalen konstitutionellen Tradition in
Griechenland verpflichtet. Demgemäß präsentiert sich die als „ausgereifteste aller
Revolutionsverfassungen“31 apostrophierte Verfassung von Troizen als vorläufiger
Kulminationspunkt der konstitutionellen Bewegung in Griechenland. Darüber hinaus speist
sich die Bedeutung der Verfassung von Troizen aus dem dort erstmals explizit erklärten Prinzip
der Volkssouveränität zur alleinigen Staatsräson des griechischen Gemeinwesens; eine
Formulierung, wie sie erst im Jahr 1864 abermals in eine griechische Verfassung Eingang
finden sollte und bis heute im griechischen Verfassungstext verankert ist32.

29
Crawley, The Question of Greek Independence. A Study of British policy in the Near East, S. 79-98.
30
Als Vorbild diente den griechischen Konstitutionalisten dabei insbesondere das Amt des
amerikanischen Präsidenten, vgl. Antoniu/Gerapetritis 2014, S. 15.
31
Gallant, Modern Greece: From the War of Independence to the Present, S. 53.
32
Vgl. Artikel 5 des „Πολιτικόν Σύνταγμα της Ελλάδος“: „Die Souveränität obliegt dem Volke, jede
Gewalt entspringt dem Volke und existiert zum Dienste des Volkes und der Nation“, deutsche
Übersetzung nach griechischem Original, s. Αρχεία της ελληνικής παλιγγενεσίας III, S. 652.

10
3 Johannes Kapodistrias: Von der Republik zur Autokratie?

In der Betrachtung der Ursachen für die sowohl in der ideengeschichtlichen Konzeption wie
praktischen Umsetzung für die bisherige griechische Verfassungstradition beispiellosen
Sanktionierung einer zentralistischen Machtkonzentration auf ein einziges Staatsamt scheint
der spezifische Zuschnitt auf die von der Troizener Nationalversammlung für das Amt des
Kyberneten prospektivischen vorgesehene Person des Johannes Kapodistrias eine
entscheidende Rolle zu spielen. Die einstimmige Entscheidung für diese europaweit bekannte,
von den revolutionären Wirren und Parteiungen des Bürgerkrieges unbelastete sowie
international diplomatisch versierte griechischstämmige Persönlichkeit offenbart jedoch
weniger das Vertrauen der griechischen Abgeordneten in dessen Führungskompetenzen als
vielmehr die gesellschaftliche Diskreditierung der einheimischen Elite im vorangegangenen
Bürgerkrieg33.
Kapodistrias selbst hatte trotz anfänglicher Skepsis der Revolution gegenüber 1822 den Dienst
als russischer Außenminister quittiert und sich seitdem auf einer mehrjährigen Rundreise
durch die Hauptstädte Europas zur Sensibilisierung der westeuropäischen Öffentlichkeit im
Sinne des Philhellenismus sowie zur Einwerbung finanzieller Unterstützung für seine
griechischen Landsleute befunden, so dass ihn die Nachricht von seiner Wahl Im Dezember
1827 in Genf erreichte. Nachdem er am 7. Januar 1828 griechischen Boden betreten und sich
der nun auf der Insel Ägina tagenden Nationalversammlung angeschlossen hatte, wurde er
mit den beschriebenen Bestimmungen und Schutzklauseln der Verfassung konfrontiert. Mit
dem Hinweis auf die vorhersehbare Schwierigkeit seines populären Mandates zur Behebung
der drängenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme entschloss sich
Kapodistrias nur zehn Tage nach seinem Eintreffen jedoch zu einem radikalen Schritt: Der
eben eingeführte „Kybernet“ unterzeichnete am 20. Januar 1828 einen präsidialen Erlass,
welcher die soeben ausgearbeitete Verfassung außer Kraft setzen und ihm für einen nicht
näher bestimmten Zeitraum bis zur „endgültigen Vollendung der griechischen Unabhängigkeit“
unbeschränkte, extralegale Vollmachten garantieren sollte34.
Die interpretatorische Kontroversen35 um die Motive für diesen Schritt offenbart den
komplexen wie ambivalenten Charakter der Präsidentschaft des Kapodistrias und sind eng mit
der Einschätzung von dessen politischen Überzeugungen verbunden, welche gegensätzliche
Elemente libertärer wie autoritärer Staatstheorien in sich vereinigten. Während der mit dem
Erlass des „Ermächtigungsgesetzes“ vollzogene Bruch des ersten Mannes im Staat sowohl
mit dem liberalen Flügel der Revolution als auch mit den konstitutiv orientierten Anfängen
seines eigenen politischen Aufstieges bereits zeitgenössischen liberale Kritiker des

33
Die Wahl des Kapodistrias bezeugt nach Pizanias 2011 die Anfälligkeit der griechischen
Verfassungsbewegung für absolutistische Anwandlungen von „Bonapartismus“, vgl. insb. S. 69.
34
Zelepos, Griechenland, S. 1399-1432.
35 Während Kaltchas 1970 (S. 63) in Kapodistrias einen klassischen Vertreter des Liberalismus erkennen

will, bezeichnet ihn Apostolidis-Kusserow 1983 vielmehr als deren entschiedenen Gegner (S. 149).

11
„Kyberneten“ bewog, diesen verschiedentlich als machtbesessenen Autokraten oder
„russischen Prokonsul“36 darzustellen, betonten die Anhänger seiner Regentschaft die
Notwendigkeit zur Durchführung tiefgreifender administrativer, wirtschaftlicher wie sozialer
Reformen, welche der politisch zwar geeinten, ökonomisch jedoch ruinierten und
gesellschaftlich tief gespaltenen jungen Nation einen Aufstieg in den Kreis der „zivilisierten“
Nationen Westeuropas ermöglichen sollte. Diese sog. Kapodistrianer sahen in der
quasidiktatorischen Regentschaft des ehemaligen russischen Staatsministers demgemäß ein
umfassendes „Modernisierungsprojekt“ der griechischen Gesellschaft, welche im Verständnis
der Zeit nur eine Annäherung an das absolutistische europäische Vorbild bedeuten konnte.
Kapodistrias selbst äußert sich in seinen Memoiren widersprüchlich zur Frage des
Konstitutionalismus sowie der Legitimität absolutistischer Herrschaft. Einerseits bezeichnete
er in einem Brief an das Wahlrecht als „Grundpfeiler jedes Staatswesens“37, andererseits
argumentierte er mit dem Hinweis auf die gegenwärtige staatsbürgerliche Unreife weiter Teile
der griechischen Gesellschaft gegen dessen baldige Wiedereinführung38. Tatsächlich gehörte
die Bekämpfung der gravierenden sozialen Missstände im Land etwa in Form eines egalitären
Landverteilungsprogramms, als deren Endziel Kapodistrias die Entstehung einer wirtschaftlich
soliden Mittelschicht als unerlässlicher Voraussetzung für die zukünftige Einführung eines
allgemeinen Wahlrechts ausgab, sowie eines Bildungsprogramms durch die Errichtung von
Schulen zu den Hauptanliegen seiner Regentschaft. Diese Errungenschaften gehören bis
heute zu den prägendsten Hinterlassenschaften der kapodistrianischen Periode, etwa in
Gestalt der 1829 von diesem gegründeten Universität zu Athen.
Ein grundlegendes Problem des angestrebten gesellschaftlichen Transformationsprozesses
erkannte Kapodistrias im politischen Einfluss der seit osmanischer Zeit unverändert
bestehenden oligarchischen Gesellschaftsgruppe der sog. „Archonten“, welche aufgrund ihrer
Dominanz in der Legislative bislang einen beherrschenden Machtfaktor dargestellt hatten.
Durch die Suspension der gesetzgebenden Organe strebte Kapodistrias die Beseitigung
dieser spätfeudalen Gesellschaftsstrukturen an, wobei er lediglich die Existenz eines aus den
Vertretern des aufgelösten Parlamentes bestehenden Rates, das sog. Panhellenion, als
beratendem Gremium zuließ39. Die infolge der Ausschaltung der oligarchischen Opposition
gewonnene Gestaltungsfreiheit nutzte Kapodistrias zur rapiden Umsetzung seiner
Reformagenda in ökonomischer Hinsicht, etwa durch die Einführung einer neuen Währung,
juristisch dagegen durch die Neukodifizierung des griechischen Zivilrechtes nach
französischem Vorbild. Gelichzeitig betrieb der „Kybernet“ die Stärkung zentralstaatlicher

36
Mendelssohn-Bartholdy, Graf Johann Kapodistrias, S. 332-342. Vgl. auch Tsapogas 1992, S. 61.
37
Kapodistrias, Aperçu de ma carriere publique depuis 1798 jusqu’ á 1822, S. 122.
38 In den „Memoires biographiques sur le president de la Grece“ verglich Kapodistrias die Demokratie für

Griechenland u.a. mit einem „Rasiermesser für Kleinkinder“,vgl Brewer, Greek War of Independence, S. 33.
39
Ein ähnliches Ziel verfolgte Kapodistrias mit der Zentralisierung der griechischen Verwaltung und
der hiermit vollzogene Abstufung der zuvor eigenständigen Landesteile zu „Eparchien“, d.h. Provinzen,
in Anlehnung an die französischen Departements, vgl. Papageorgiou, Attempts to strengthen centralized
power. The Capodistrian model, S. 178.

12
Strukturen durch den Aufbau einer loyalen neugeschaffenen Beamtenklasse und propagierte
die Zentralisierung letztlich als Möglichkeit, die oligarchische Dominanz der politisch
marginalisierten, gesellschaftlich jedoch weiterhin einflussreichen Archonten zu brechen und
eine die Demokratie befördernde Gesellschaftsstruktur zu konsolidieren.
Vor diesem Hintergrund ist die Präsidentschaft des Kapodistrias in der späteren historischen
Bewertung vielfach als „wohlmeinender Absolutismus“ klassifiziert worden40, dessen
republikanisch-konstitutionelle Grundüberzeugungen lediglich von der tagespolitischen
Notwendigkeit absolutistischer Reformen überlagert worden seien. Dieser Anspruch musste
jedoch mit seiner konstanten Weigerung, gemäß seinem Versprechen vom April 1828 eine
Nationalversammlung zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung einzuberufen, kollidieren.
Ungeachtet der beachtlichen Erfolge dieses Modernisierungskurses zeigte sich daher
zunehmend, dass dem kapodistrianischen Regierungsstil durch die Entfremdung der liberal
gesinnten progressiven Kräfte im Staat infolge der autokratischen Unterdrückung der
konstitutionellen Bewegung letztlich der gesellschaftliche Rückhalt fehlte41. Die überparteiliche
Ablehnung der „Autokratie“ des Kapodistrias führte schließlich zum Bündnis der
„Syntagmatiker“ mit den lokalen Aristokraten, so dass sich der „Kybernet“ schließlich von
beiden gesellschaftlichen Flügeln bedroht sah.
Neben den innenpolitischen Problemen sollte die permanente Einmischung der militärisch
dominierenden europäischen Garantiemächte Großbritannien, Frankreich und Russland42 die
Regierung des Kapodistrias überschatten. Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit mit
der extralegalen Alleinherrschaft des „Kyberneten“ dekretierten diese schließlich mit Verweis
auf das selbstpostulierte Mandat zur Ordnung des griechischen Staatswesens im Londoner
Protokoll vom 3. Februar 1830 die Umwandlung der jungen Republik in eine Erbmonarchie.
Die anschließenden Verhandlungen über die Wahl eines geeigneten Monarchen wurden von
Syntagmatikern aller Couleur begrüßt43, versprachen sie doch ein baldiges Ende der
kapodistrianischen „Tyrannis“. Als jedoch der von den Großmächten favorisierte Leopold von
Sachsen-Gotha überraschend seine Kandidatur zurückzog, sahen sich die Vertreter der
liberalen Partei um diese Hoffnung betrogen und gingen zum offenen Aufstand gegen die
Regierungstruppen über. Kapodistrias, der diese Insurrektion durch eine Verhaftung ihres
Anführers Petros Mavromichalis eindämmen wollte, wurde schließlich 1831 von dessen
Brüdern ermordet. Somit war das kapodistrianische Projekt einer absolutistischen
„Staatsrationalisierung von oben“ abrupt zu einem vorläufigen Ende gelangt.

40
Das „Versprechen“ des Kapodistrias bezog sich laut Dakin 1973 wahrscheinlich auf den Erlass einer
subkonstitutionellen Grundrechtecharta ähnlich der „Charte“ Ludwig XVIII. von 1814, vgl. S. 242.
41
Die Desillusionierung der republikanischen Kräfte mit der Herrschaft des „Kyberneten“ sollte sich im
Februar 1829 noch vertiefen, als dieser das „Rumpfparlament“ des Panhellenion abschaffte und durch
die regierungstreue Institution des Senates ersetzte, vgl. Kaltchas 1970, S. 79.
42
Vgl. Schulz, Ein Sieg der zivilisierten Welt? Die Intervention der europäischen Großmächte im
griechischen Unabhängigkeitskrieg 1826-1832, S. 203-235.
43
Die griechischen Revolutionäre hatten bereits früh die Vorteile einer derartigen Verknüpfung der
dynastischen wie Interessen der Großmächte realisiert. Die griechischen Unterhändler waren jedoch
stets von der Vorstellung einer konstitutionellen Monarchie ausgegangen, vgl. Tsapogas 1992, S. 63.

13
4 Ausblick: Griechenland nach 1832 – Ein Sieg des Absolutismus?

Der Sturz des Kapodistrias verstärkte die zentrifugalen Tendenzen innerhalb der zerstrittenen
griechischen Revolutionäre und führte ab 1831 erneut zum Bürgerkrieg, in welchem sich die
konstitutionellen Kräfte mithilfe der einheimischen Oligarchen gegen die verbliebenen
Anhänger des Kapodistrias durchsetzen konnten. Ironischerweise schufen die liberalen Kräfte
gerade durch die Beseitigung dieses international anerkannten Regimes schlussendlich die
Voraussetzungen für den Niedergang des konstitutionellen Projektes, als sich die Großmächte
1832 gezwungen sahen die chaotischen Zustände in Griechenland durch die unverzügliche
Einsetzung eines Monarchen zu beenden44. Die Wahl fiel dabei auf Otto, den zweiten Sohn
des bekennenden Philhellenen Ludwig I. von Bayern, welcher ausgestattet durch ein
umfangreiches Darlehen der Garantiemächte an der Spitze eines bayerischen
Beamtenapparates 1832 in Griechenland eintraf. Die im Vorfeld durch eine Mitteilung des
bayerischen Außenministers de Gise genäherten Hoffnungen auf die Einberufung einer
Nationalversammlung wurden bereits am Tage der Ankunft Ottos in der Präambel seiner
ersten Regierungserklärung enttäuscht: Otto, von Gottes Gnaden König von Griechenland45.
Für die Übergangsperiode bis zum Herrschaftsantritt des minderjährigen Otto wurde eine
Übergangsregentschaft unter der Führung des ehemaligen bayerischen Finanzministers von
Ammansperg gebildet46, welche das von Kapodistrias begonnene Modernisierungsprojekt des
griechischen Staates unverzüglich vorantrieb und dabei jede politische Opposition gegen den
monarchischen Absolutismus unterdrückte. Auch nach der Machtübernahme Ottos im 1835
sollten sich die mit ihm verbundenen Erwartungen an eine verfassungsmäßig begründete
Partizipation der griechischen Eliten am nunmehr fremdregierten Staat nicht erfüllen.
Die überparteiliche Ablehnung der „Bavarokratie“ und die Verärgerung über die finanzielle
Misere des Staates entluden sich schließlich 1843 in der sog. „Konstitutionellen Revolution“,
in deren Folge Otto sich zur Anerkennung der bereits 1832 verfassten, jedoch nie
implementierten „Königlichen Verfassung“47 gezwungen sah. Die unveränderte Missachtung
dieser Verfassung durch den vom religiös begründeten Absolutismus seines Vaters geprägten
Otto sowie mehrere außenpolitische Rückschläge im Versuch zur Verwirklichung der Megali
Idea, d.h. des irredentistischen Traums von der Befreiung aller Griechen im osmanischen
Reich, in deren Folge es 1850 zur Besetzung Athens durch die Garantiemacht Großbritannien
kam, bewirkten schließlich dessen vollständige politische Isolierung. Ähnlich wie im Falle des
Kapodistrias verbündeten sich die gesellschaftlichen Kräfte schließlich 1863 zur Vertreibung
des ausländischen Monarchen. Die erfolgreiche Revolution ebnete schließlich die Bahn für die
Einführung einer neuen Verfassung im Folgejahr, welche an die Vorbilder der revolutionären
Phasen anknüpfte und den Grundstock der heutigen griechischen Verfassung bildet.

44
Lavdas, Reconceptualising Politics. Concepts of Politics in modern Greek political culture, S. 16.
45 Der „Export“ zweitgeborener Prinzen einer Monarchie in neugegründete Staaten stellt im 19. Jahrhundert
ein übliches Phänomen europäischer Politik dar, vgl. Bayern in Griechenland, S. 16-41.
46
Dickopf, Die bayerische Regentschaft in Griechenland, 1833 – 1835, S. 85.
47
Petropoulos, John Anthony: Politics and Statecraft in the Kingdom of Greece, S. 48.

14
5 Zusammenfassung

In der abschließenden Betrachtung der Konstitutionellen Bewegung in Griechenland scheinen


auf Grundlage der vorangegangene Analyse die Ursachen des vorläufigen Scheiterns im
Epochenjahr 1832 weniger in der mangelnden gesellschaftlichen Verankerung des
konstitutionellen Projektes, welches ausgehend von der intellektuellen Transferleistung der
„Griechischen Aufklärung“ die französischen Revolutionsideale im Bewusstsein der
westeuropäisch orientierten griechischen Eliten verankerte, als vielmehr in der
unzureichenden Konvergenz der Verfassungspraxis mit der gesellschaftlichen Realität eines
von oligarchischen Klientelstrukturen geprägten, innen- wie außenpolitisch beständig
bedrohten Kleinstaates, welcher in seiner Existenz wesentlich von den westeuropäischen
Garantiemächten abhängig war, zu bestehen. Wenngleich die Vielzahl der seit Ausbruch der
Revolution konzipierten Verfassungsentwürfe ein beredtes Zeugnis des hohen Stellenwertes
der Verfassungsfrage auch in der griechischen Tagespolitik darstellt, so verursachte deren
mangelhafte praktische Tauglichkeit zunehmende Divergenzen zwischen den
Konstitutionalisten und einheimischen Mächten, welche sich schließlich in einem Bürgerkrieg
entluden, dessen Beendigung die Schaffung eines quasidiktatorischen Präsidialamtes
erforderlich machen sollte. Die daraufhin errichtete, vom Ideal des aufgeklärten Absolutismus
inspirierte, Alleinherrschaft des Johannes Kapodistrias bedeutete für die konstitutionelle
Bewegung einen schweren Schlag, insofern sie die seit 1821 erkämpften Freiheiten faktisch
annullierte und die Konstitutionalisten als anfängliche Unterstützter des „Kyberneten“ in der
Bevölkerung diskreditierten. Die so entstandene Spaltung der Gesellschaft in der
konstitutionellen Frage führte nach der Ermordung des Kapodistrias ab 1831 zu einem
erneuten Bürgerkrieg, welcher die gesellschaftlichen Eliten vollends delegitimieren und den
Großmächten des metternichschen Europas schließlich Gelegenheit geben sollte, das
republikanische Experiment in Griechenland durch die Installation des Wittelsbachers Otto I.
zu beenden. Die Stellvertreter der aus Bayern „importierten“ Monarchie sahen ihre Aufgabe in
der aktiven Bekämpfung der konstitutionellen Bestrebungen ihrer Untertanen. Auch nach dem
Regierungsantritt Ottos blieb der erhoffte Konstitutionalisierungsschub aus. Dessen
ungeachtet beweist das Wiederaufflammen der griechischen Verfassungsbewegung wenige
Jahre später in zwei sukzessiven Revolutionen48, welche ursprünglich auf die konstitutionelle
Legitimierung der „Bavarokratie“ gerichtet waren, die bemerkenswerte Resilienz der
konstitutionellen Idee im Denken der griechischen Intellektuellen und der führenden
Gesellschaftsschicht. In der Gesamtschau präsentiert sich das historisch polyvalente
Phänomen der konstitutionellen Bewegung als keinesfalls linearer, von politischen wie
gesellschaftlichen Umbrüchen gekennzeichneter Entwicklungsprozess, welcher entgegen
eines zeitgenössischen Verdiktes bezüglich dessen angeblicher „pretentious irrelevancy49“
einen entscheidenden Einfluss auf die Genese des griechischen Nationalstaates ausübte.

48
Wenturis, Nikolaus: Das politische System Griechenlands: Eine soziopolitische Analyse, S. 59-61.
49
Vgl. Finlay, History of the Greek Revolution in two volumes, I, S. 299.

15
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