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berücksichtigen, ist ein Reverse Engineering Prozess notwendig.

Da diese Thematik im Bereich des


Bauingenieurwesens bisher nicht sehr verbreitet ist, soll der vorliegende Beitrag eine Einführung in das
Thema darstellen. Hierfür werden die Methoden des Reverse Engineering erläutert und die Möglichkeiten
und aktuellen Herausforderungen bei der Anwendung von lokalen Ermüdungskonzepten aufgezeigt.

1 EINLEITUNG
Schwingend beanspruchte Bauwerke wie Brücken und Windenergieanlagen sind hohen dynamischen
Lasten ausgesetzt, sodass der Nachweis der Ermüdungsfestigkeit einen wichtigen Aspekt in der Bemessung
einnimmt. Insbesondere die Schweißnähte stellen aufgrund der erhöhten Spannungen ermüdungskritische
Stellen dar. Vor allem die Schweißnahtgeometrie hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Ermüdungs-
lebensdauer [1-4]. Nach den aktuellen Regelwerken ist der Ermüdungsnachweis nach dem Nenn- oder
Strukturspannungskonzept zu führen. Hierbei wird die Schweißnahtgeometrie jedoch nicht bzw. lediglich
unzureichend berücksichtigt. Aus diesem Grund existieren aktuell viele Bestrebungen genauere Lebens-
dauervorhersagen durchzuführen. Dabei finden lokale Ermüdungskonzepte wie das Kerbspannungs- und
Kerbdehnungskonzept Anwendung. Mit dem zunehmenden technischen Fortschritt gibt es zudem vermehrt
Möglichkeiten, Bauteile zu scannen und zu überwachen. Neueste Entwicklungen in der Ermüdungsfestig-
keitsforschung greifen diese Digitalisierungsmöglichkeiten auf [5-9]. Die Ermüdungsfestigkeit von ge-
schweißten Stahlverbindungen wird hierbei nicht mehr nur auf der Basis von approximierten numerischen
Ersatzmodellen bestimmt, sondern mit Hilfe von Modellen, die die Realgeometrie des zu analysierenden
Bauteils berücksichtigen, siehe Abbildung 1. Dieser Prozess basiert auf den Messdaten der gescannten
Bauteiloberflächen und wird als „Reverse Engineering“ bezeichnet . Das Ziel hierbei ist, den tatsächlichen
Spannungszustand der Bauteile und Versuchskörper zu bestimmen.
f [MPa]
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Abbildung 1. Links: Reales geschweißtes Bauteil aus [5]; Mitte: Vernetzung des numerischen Modells basierend auf
der realen Bauteilgeometrie aus [5]; Rechts: Spannungsplot der berechneten 1. Hauptspannung aus [5]