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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Therese Niestroj
(unter Mitarbeit von Ralf Wessel)
„Die Zeit heilt nicht alle Wunden“
Kriegstraumata und ihre Folgen
1 Bedeutung des Themas für Pflegende

Viele der Menschen, die jetzt pflegebedürftig sind, gehören der Generation der „Kriegskinder“ an,
geboren in den 1920er- bis 1940er-Jahren, aufgewachsen im Krieg und konfrontiert mit oft
existenzgefährdenden Erfahrungen. Nicht alle dieser „Kriegskinder“ haben traumatisierende
Erfahrungen gemacht, aber alle haben in dieser Zeit gelebt, die besondere Anforderungen an das
Leben und auch an das Zusammenleben gestellt hat. Es geht um Erinnerungen an Verluste (Heimat,
Eltern, Geschwister, Zuhause), an Flucht und Vertreibung, Bombardierung, sexualisierte Gewalt etc.
Gerade in der Altenpflege begegnen sich „Kriegskinder“ und die „Kinder der Kriegskinder“ als
pflegende Angehörige, als professionelle Pflegekräfte oder Betreuungsassistentinnen, auch wenn sich
viele von ihnen ihrer eigenen (lebens-)geschichtlichen Eingebundenheit in die gemeinsamen und
persönlichen Kriegsgeschehnisse nicht bewusst sind. Doch im pflegerischen Alltag sind sie mit
Pflegesituationen konfrontiert, die eine besondere Herausforderung darstellen. Mitarbeitende in der
Pflege müssen lernen, die Botschaften und das Erleben, die hinter biografischen Daten stehen, zu
erfassen und angemessen zu berücksichtigen.

Die aus der Kriegskindheit resultierenden seelischen Wunden hat der Psychiater und Psychotherapeut
Peter Heinel 2008 in seinem Buch „Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg …“ in sehr einfühlsamer
Weise beschrieben: „‘Aufgestanden ist er, welcher lange schlief, aufgestanden aus Gewölben tief…‘
Die prophetischen Zeilen des vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges niedergeschriebenen Gedichtes
‚Der Krieg‘ von Georg Heym lassen sich auch auf die bestürzend schmerzliche und unübersehbare
Hinterlassenschaft der nie verheilten Kriegswunden des Zweiten Weltkrieges anwenden.
Jahrzehntelang waren sie in dunklen Kellern gesellschaftlicher Verdrängung verborgen und drängten
erst in den letzten Jahren [...] in das grelle Licht der Öffentlichkeit.
So entstand ein Bewusstsein für die ungeheure Dimension und Tragweite der bis heute nie beweinten,
nie betrauerten, unbewussten und unverarbeiteten seelischen Kriegswunden und hat zu der Einsicht
verholfen, dass der Zweite Weltkrieg rein historisch besehen seit 1945 beendet ist, aber aus
psychologischer Sicht in den Seminarräumen, Schicksalen und Alpträumen von Millionen von
Menschen bis heute seine düstere Präsenz ausübt, in der die Grenzen von Vergangenheit und
Gegenwart, ja auch der Zukunft in einem schwermütigen Meer der Sprachlosigkeit verschwimmen.
Denn die Befunde zeigen, dass sich die Schrecken des Krieges nicht nur in die Seelen derer
eingebrannt haben, die den Krieg in ihrer Kindheit und Jugendzeit erlitten haben, sondern auch in die
ihrer Kinder und Kindeskinder, als handele es sich um leidvolle Belastungen und Verstörungen der
Seele, die von einer Generation auf die nächste übertragen wurden“ (ebd., S. 115).

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


Herausgeberin: Uta Oelke
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2016
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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen mehr als 14 Millionen Menschen aus den deutschen Ostgebieten,
der überwiegende Teil in die westlichen Besatzungszonen. Wie in jedem Krieg wurden Frauen
massenhaft vergewaltigt. „Frauen sind Kriegsbeute und Trophäe des Siegers, Vergewaltigung ist ein
Vergeltungsakt“ (Sander 1995, S. 21). Vergewaltiger waren nicht nur sowjetische Soldaten, sondern
auch Amerikaner, Engländer und Franzosen. Nach Helke Sander wurden allein in Berlin zwischen
Frühsommer und Herbst 1945 mehr als 110 000 Frauen vergewaltigt. Geschätzt sind insgesamt
60–70 % aller Frauen damals in Berlin vergewaltigt worden, was einer Zahl von über 800 000 Frauen
allein in Berlin entspricht. Ca. 40 % der vergewaltigten Frauen erlitten Mehrfachvergewaltigungen
(vgl. ebd., S. 54).
Heute leben viele dieser Menschen in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe, sind zu Hause
pflege- oder im Krankenhaus behandlungsbedürftig. Viele Betroffene haben ihre Erfahrungen über
Jahrzehnte verdrängt. Mit dem Nachlassen körperlicher und geistiger Kräfte und/oder mit dem Beginn
der Pflegebedürftigkeit (Erleben von Abhängigkeit, Preisgabe des eigenen Körper) kommen diese
Erinnerungen wieder in das Bewusstsein (Re-Traumatisierung) oder äußern sich als scheinbar
psychotisches oder demenziell verändertes Erleben und Verhalten. Pflegende benötigen bei der
Begleitung dieser Menschen eine große Sensibilität. Sie müssen vieles erspüren, was nicht zu erfragen
ist, und sie müssen sich mitunter mit Widerständen arrangieren, die nicht ihnen, sondern der
Abgrenzung von den damaligen Tätern gelten.

Neben der Elterngeneration gehört auch die vergessene Generation der Kinder der „Kriegskinder“
(also die „Kriegsenkel“) zum Thema. So resümiert Michael Ermann in einem SPIEGEL-Interview:
„Die Kriegskinder haben ihr Lebensgefühl längst an die Kriegsenkel weitergegeben, wenn auch in
verdünnter Form. Wir wissen aus der Holocaust-Forschung, dass Traumata über Generationen
weitergegeben werden können“ (Ermann 2009). Dabei, so Ermann, scheint das Erinnerungstabu in den
Familien und in der Nachkriegsgesellschaft bei Kriegsende zu einer Identität beigetragen zu haben, die
mit vielen unklaren Ahnungen über die familiären Biografien, aber auch über sich selbst, verbunden
ist. „Die Kinder der Kriegskinder fühlen sich oft genauso fremd im eigenen Leben wie ihre Eltern und
nehmen den eigenen Kummer, die eigenen Bedürfnisse nicht ernst. Auch die Generation der Enkel ist
sehr leistungsorientiert und pflichtbewusst. Sie kümmern sich um die Eltern, übernehmen im Job viele
Pflichten, wählen oft soziale Berufe und versuchen meist unbewusst, etwas wiedergutzumachen.
Manchmal leiden sie an gravierenden Störungen, die unverständlich erscheinen, wenn man sie nicht in
Verbindung mit der traumatisierten Elterngeneration sieht“ (ebd.).

Sabine Bode, die sich in unterschiedlichen Publikationen (z. B. 2009, 2010) mit „Kriegskindern“ und
„Kriegsenkeln“ auseinandergesetzt hat, schreibt: „Waren Mutter und Vater in ihrem Lebensgefühl und
in ihrer Identität verunsichert, konnten sie ihren Kindern wenig Orientierung geben. Es gab eine Zeit,
in der nicht nur Eltern sondern auch Ärzte glaubten, kleine Kinder seien äußert robust, fast
schmerzunempfindlich, und sie würden selbst von den größten Schrecken ringsherum nichts
mitbekommen. Als Beweis wurde stets der ‚selige Schlaf‘ der Kleinen angeführt. Man war davon
überzeugt, sie besäßen noch keinerlei Antennen für die Gemütsverfassung der sie umgebenden
Erwachsenen, und lobte die beruhigende Wirkung von Babys in Zeiten des Schreckens. Das Gegenteil
ist richtig. Die Kinder sind äußert feinfühlig. Sie spüren selbst jenes Grauen, dass ihre Eltern tief in
sich vergraben und deshalb nicht mehr in ihrem Bewusstsein haben“ (Bode 2009, S. 23).

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Wie Traumata von „Kriegskindern“ an die nächste Generation sozial vererbt werden und damit auch
Pflegende oder Angehörige betreffen können, die bestimmte Schreckensgeschichten wieder und
wieder anhören müssen, beschreibt Friedmann (2004): „Das Trauma ist der auslösende Stressor, ist ein
belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes
(kurz oder lang anhaltend), dass fast bei jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Ein weit
verbreiteter Irrtum besteht darin, dass geglaubt wird, dass nur der unmittelbar vom Ereignis Betroffene
eine PTBS [Posttraumatische Belastungsstörung, T. N.] entwickeln kann. Die direkten Opfer sind
primär traumatisiert worden, aber auch sekundär kann eine Person, die am Ort des Geschehens ist
(z. B. ein Helfer), traumatisiert werden. Und auch heute kann eine Person noch tertiär, durch die
Schreckensbeschreibungen aus der damaligen Zeit, traumatisiert werden “.

Die Lerneinheit bezieht sich bewusst auf zwei Hauptgruppen, auf die in der Altenpflege Tätige treffen:
über 80-Jährige, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben sowie deren Angehörige. Inspiriert durch
die Novelle „Im Krebsgang“ von Günter Grass (2002) werden Kriegstraumata auch im Hinblick auf
die Weitergabe an nachfolgende Generationen thematisiert. Ein Transfer auf die aktuelle
(Kriegs-)Flüchtlingsproblematik – und damit jüngere Zielgruppen von Pflegenden – erscheint unter
Rückgriff auf das Prinzip der literarischen Verfremdung möglich, bedarf jedoch spezifischer weiterer
Überlegungen durch die Spielleitung.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Kriegstraumata und ihre Folgen

Intentionen und Ziele


Die Lerneinheit soll den Teilnehmerinnen Gelegenheit geben, sich sowohl mit den seelischen
Kriegswunden der Kriegs- und Nachkriegsgeneration auseinanderzusetzen als auch einen möglichen
persönlichen Bezug im Kontakt mit dieser Klientel zu reflektieren und sich vor tertiären
Traumatisierungen zu schützen. Im Wesentlichen werden folgende Fragen bearbeitet:

– Auf welches Erfahrungsspektrum kann sich Kriegstraumatisierung beziehen?


– Welche Formen, Symptome und Verarbeitungsmechanismen der Traumata sind in den Szenen zu
erkennen? Wie erfolgt die soziale Vererbung von Traumata auf Familienangehörige und auf
Pflegende?
– Wie und wo begegne ich psychischen Traumata in der Gegenwart? Wie erkenne ich sie? Wie gehe
ich mit ihnen um? Wie könnte die Denk- und Erlebniswelt der Betroffenen sein? Wie schütze ich
mich selbst?

Zielgruppe
Die Lerneinheit, so wie sie hier vorgestellt wird, ist fester Bestandteil unserer Altenpflegeausbildung
und wurde darüber hinaus auch in einer Fortbildung für Pflegelehrende eingesetzt. Es ist gut denkbar,
sie auch in anderen pflege-, gesundheits- und sozialberuflichen Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu
nutzen.

Stundenumfang
Die hier beschriebene Lerneinheit umfasst 8 Unterrichtsstunden und bezieht sich (in der
Altenpflegeausbildung) auf eine Teilnehmerzahl von 10 bis 18 Personen. In der Fortbildung für
Pflegelehrende wurde sie mit acht Personen in 16 Stunden durchgeführt, was intensive Diskussionen
ermöglichte.

Überblick über die einzelnen Schritte der Lerneinheit


1) Einstieg und Themenannäherung
– Begrüßung und Überblick über die Lerneinheit
– Zeitzeugenberichte
– Kurzgeschichte zum „Untergang der Gustloff“ schreiben und vorlesen
2) Szenische Arbeit mit den Texten
– Verteilung der Szenen
– erste Erarbeitung der Szenen und Einfühlung in die Personen
– vertiefende Einfühlung in die Personen
– Spielen und Auswerten der einzelnen Szenen
3) Abschluss

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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3 Die einzelnen Schritte der Lerneinheit

3.1 Einstieg und Themenannäherung (ca. 90 Minuten)

– Begrüßung und Überblick über die Lerneinheit (Plenum, ca. 15 Minuten)


Die Teilnehmerinnen sitzen im Stuhlkreis. Sie werden von der Spielleiterin begrüßt. Sie informiert
über die Intentionen, Ziele und den Ablauf der Lerneinheit. Dabei benennt sie auch den literarischen
Hintergrund der Lerneinheit: Im Mittelpunkt stehen drei Szenen, die durch die Novelle von Günter
Grass „Im Krebsgang“ (2002) inspiriert sind. Diese Novelle greift eines der großen Flüchtlingsdramen
der (Nach-)Kriegsgeschichte auf: der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945, bei dem
die meisten der 10 000 Menschen an Bord ertrunken oder im Wasser erfroren sind. Tulla (Ursula)
Pokriefke, eine der Protagonistinnen aus Grass’ Novelle, gehört zu den wenigen Überlebenden.

– Zeitzeugenberichte (Plenum, ca. 45 Minuten)


Zeitzeugenberichte eignen sich gut, um die Teilnehmerinnen für die breite Palette an
Kriegstraumatisierungen zu sensibilisieren. In den Materialien 1 haben wir Aussagen von Betroffenen
zu folgenden Themen zusammengestellt: Bombenangriffe, kriegsbedingte Kältetraumatisierung,
Hunger als ständiger Begleiter, sexueller Missbrauch von Kindern, Gefühlstod, Vergewaltigung,
Flucht. Sicherlich ist auch eine andere Auswahl denkbar. Die Spielleiterin liest die Berichte vor. Dabei
ist eine Illustration mit aussagekräftigen, aber nicht voyeuristischen Bilder, die die Spielleiterin
sorgsam und mit Bedacht auswählt haben sollte, sinnvoll. Die Präsentation der Zeitzeugenberichte
kann durch kurze Gesprächsrunden ergänzt werden.

– Kurzgeschichte zum Untergang der „Gustloff“ schreiben und vorlesen (Plenum/Einzelarbeit,


ca. 30 Minuten)
Die Spielleiterin projiziert mittels OHP-Folie oder über PowerPoint ein Bild zum Untergang der
„Gustloff“. (Gibt man in eine Suchmaschine die Phrase „Untergang der Gustloff“ ein, finden sich
vielfältige Motive.) Die Spielleiterin kommentiert es beispielsweise wie folgt: „Das Bild stellt die
untergehende „Wilhelm Gustloff“ dar. Es ist Dienstag, 30. Januar 1945, ca. 21.00 Uhr. Es herrscht
eisige Kälte: 18 Grad unter Null, eine schwere See, Sturmböen. Das russische U-Boot S13 hat auf
Befehl des Kommandanten Alexander Marinesko aus 700 m Entfernung vier Torpedos abgeschossen.
Es ist überliefert, dass ein Bootsmann namens Pichur alle Torpedos mit Widmungen versehen hat, so
auch die vier abgeschossenen. Das erste ist „Für das Mutterland“ bestimmt, das Torpedo im Rohr zwei
heißt „Für Stalin“, das im Rohr drei „Für das sowjetische Volk“ und das vierte Rohr „Für Leningrad“.
Nach etwas mehr als einer Stunde, gegen 22.15 Uhr, sinkt die Gustloff etwa 23 Seemeilen vor der
pommerischen Küste entfernt. Tulla Pokriefke, geboren in Danzig, 17 Jahre alt, hochschwanger,
befindet sich zusammen mit ihren Eltern unter den mehr als 10 000 Passagieren und gehört zu den
1252 Menschen, die gerettet werden können.“

Die Spielleiterin fordert die Teilnehmerinnen auf: „Jede von euch notiert zunächst zehn Begriffe, die
ihr spontan zu diesem Bild einfallen. Anschließend entwickelt jede aus diesen Begriffen eine
Kurzgeschichte und schreibt sie auf. Dafür habt ihr zehn Minuten Zeit. Danach werden die
Kurzgeschichten reihum vorgelesen. Dabei werden sie weder kommentiert noch bewertet.“ Während
der gesamten Arbeitsphase bleibt das Bild sichtbar.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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3.2 Szenische Arbeit mit den Texten (ca. 280 Minuten)

– Verteilung der Szenen (Plenum, ca. 20 Minuten)


Die Spielleiterin informiert die Teilnehmerinnen kurz, worum es in den Szenen geht und wie viele
Spielerinnen pro Szene benötigt werden (vgl. Materialien 2: Szenentexte):

Szene 1 „Ein ganz normaler Sonntag“


- 3 Personen: zwei Frauen, ein Mann
- Paul Pokriefke, der beim Untergang der „Gustloff“ zur Welt kam, ist mit seiner geschiedenen
Ehefrau Gabi wie immer zum sonntäglichen Mittagessen bei seiner Mutter Tulla Pokriefke. Diese
erzählt vom Untergang der „Gustloff“ und von Pauls Geburt.

Szene 2 „Das Treffen der Überlebenden“


- 5 bis 8 Personen: drei Frauen, drei Männer sowie weitere Personen als Überlebende
- Paul Pokriefke, seine geschiedene Ehefrau Gabi und ihr Sohn Konrad sowie Tulla Pokriefke
nehmen an dem jährlich stattfindenden Treffen der „Gustloff“-Überlebenden teil. Beteiligt daran
sind auch Herr Schön, ehemaliger Zahlmeisterassistent auf der „Gustloff“ sowie weitere
Überlebende der „Gustloff“-Katastrophe. Es werden Erinnerungen ausgetauscht.

Szene 3 „Im Altenheim“


- 3 Personen, davon mindestens zwei weiblich
- Tulla Pokriefke ist mittlerweile im Altenheim. Sie erzählt der Altenpflegerin von ihrem Enkel
Konrad, der eine Website zum Untergang der „Gustloff“ erstellt und darin virtuell die Nazirolle
des Wilhelm Gustloff eingenommen hat. Die Zimmermitbewohnerin von Tulla Pokriefke hört
dem Gespräch zu.

Die Teilnehmerinnen entscheiden sich zunächst für eine bestimmte Szene. Die Zuordnung zu einer
Rolle erfolgt erst später bei der Gruppenarbeit. Nachdem sich die Teilnehmerinnen den Szenen
zugeordnet haben, informiert die Spielleiterin über die einzelnen Arbeitsschritte in der nachfolgenden
Gruppenarbeit und verteilt dazu die Szenentexte (vgl. Materialien 2: Szenentexte) sowie die
Arbeitsaufträge (vgl. Materialien 3: Arbeitsaufträge). Die Gruppen gehen in Räume, in denen sie
ungestört weiterarbeiten können. Die Spielleiterin steht für eventuell auftretende Fragen zur
Verfügung.

Hinweis: Die Spielleiterin sollte bereits jetzt deutlich hervorheben, dass es nicht darum geht, gut
Theater zu spielen, sondern vielmehr darum, dass jede ihre Rolle so auslegt und spielt, wie sie es
möchte. Und sie sollte darauf hinweisen, dass, ebenfalls im Unterschied zum echten Schauspiel, die
Texte nicht auswendig zu lernen, sondern immer vom Papier abzulesen sind.

Erste Erarbeitung der Szenen und Einfühlung in die Personen (Gruppen- und Einzelarbeit, ca. 60
Minuten)
Diese Phase verläuft in fünf Einzelschritten:
1. Jede Gruppe liest ihre Szene so oft, bis jedes Gruppenmitglied jede Rolle einmal gelesen hat.
Im Anschluss entscheidet sich jedes Gruppenmitglied, welche Rolle es übernimmt.
2. Die Gruppe klärt gemeinsam die „Gruppenfragen“ (vgl. Materialien 3: Arbeitsauftrag 2).
3. Jede entwickelt in Einzelarbeit anhand der „Fragen zur Entwicklung einer Rollenbiografie“
(vgl. Materialien 3: Arbeitsauftrag 2) für die übernommene Rolle eine Biografie.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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4. Die Teilnehmerinnen kommen wieder in der Gruppe zusammen und bauen mit Hilfe von
Tischen, Stühlen und weiteren Objekten den Raum auf, in dem die Szene spielt. Sie legen
gemeinsam fest, wie der Raum aussieht (z. B. Größe, Ausstattung, Farben, Beleuchtung,
Wände, Fenster, Bilder).
5. Nun spielen die Teilnehmerinnen die Szene in dem aufgebauten Raum durch. Sie lesen dabei
ihren Text vom Papier ab.

Vertiefende Einfühlung in die Personen (Plenum, ca. 20 Minuten)


Die vertiefende Einfühlung in die Personen erfolgt in drei Schritten:

1. Sich verkleiden: Die Teilnehmerinnen suchen sich für ihre Rolle die passende Kleidung aus.
Die Spielleiterin hat hierzu eine (entsprechend große) Auswahl von Kleidungsstücken, die
zum Thema passen, sowie ggf. weiterer Accessoires mitgebracht.
Hinweis: Man kann die Teilnehmerinnen auch bitten, selbst Kleidungsstücke und Accessoires
mitzubringen.

2. Körperhaltungen und Bewegungen der Person ausprobieren: Die Teilnehmerinnen gehen


durch den Raum und suchen nach angemessenen Körperhaltungen für ihre Person. Dabei
werden sie von der Spielleiterin durch Fragen unterstützt, wie z. B. „Wie geht eure Person?
Wie steht sie – wenn sie allein ist, wenn sie gesehen wird? Wie sitzt sie? Welche körperlichen
Eigenheiten (Macken) hat sie? Wie stellt sie sich dar? Was macht sie gerne?“
Nachdem die Teilnehmerinnen verschiedene Körperhaltungen ausprobiert haben, stellen sie
sich im Halbkreis auf. Die Spielleiterin fordert sie nun auf: „Geht jetzt nacheinander in der
Haltung eurer Person nach vorne. Wendet euch den anderen zu, bleibt stehen, sagt euren
Namen und geht wieder an euren Platz zurück.“

3. Sprechhaltungen der Person ausprobieren: Die Teilnehmerinnen werden aufgefordert, sich


aus dem Szenentext einen charakteristischen Satz auszusuchen, den ihre Person sagt. Die
Spielerinnen mit stummen Rollen zeigen stattdessen eine für ihre Person typische
Mimik/Gestik. Alle gehen durch den Raum und intonieren ihren Satz unterschiedlich (laut-
leise, wütend, ängstlich, arrogant usw.) bzw. modifizieren ihre Mimik/Gestik. Als nächstes
werden alle aufgefordert, die Mitspielerinnen, denen sie begegnen, mit „ihrem Satz“
(Mimik/Gestik) anzusprechen bzw. darauf mit „ihrem Satz“ (Mimik/Gestik) zu antworten.
Danach stellen sich alle Spielerinnen wieder im Halbkreis auf. Die Spielleiterin fordert sie
auf: „Geht jetzt nacheinander nach vorne, wendet euch den anderen zu und bleibt stehen. Sagt
euren Satz bzw. zeigt eure Mimik/Gestik. Dreht euch dann leicht zur Seite und sagt vor euch
hin, was eure Person dabei wirklich denkt.“

Spielen und Auswerten der einzelnen Szenen (Plenum, pro Szene ca. 60 Minuten)
Die Szenen werden prinzipiell in ein und derselben Weise bearbeitet. Lediglich für die Auswertung
der einzelnen Szenen werden unterschiedliche szenische Spielverfahren eingesetzt. Die Szenen
werden in folgender Reihenfolge gespielt:
1. „Ein ganz normaler Sonntag“
2. „Das Treffen der Überlebenden“
3. „Im Altenheim“

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Kriegstraumata und ihre Folgen

Aufbauen und Beschreiben des Raumes


Alle Teilnehmerinnen sind in einem Raum. Die Spielerinnen bauen „ihren Raum“ mit dem
vorhandenen Mobiliar auf. Die anderen Teilnehmerinnen setzen sich so im Halbkreis um die „Bühne“
herum, dass sie die Szene gut einsehen können.
Die Spielleiterin lässt sich dann von einer Spielerin den Raum beschreiben. Dabei lässt sie sich von
der Person führen und stellt detaillierte und situationsbezogene Fragen. Sie erkundigt sich bei der
Beschreibung des Mobiliars nicht nur danach, wo es steht, sondern auch nach dessen Farbe und
Materialbeschaffenheit, beispielsweise: Mit welchem Stoff ist das Sofa bezogen? Was steht auf dem
Tisch? Wie riecht es in dem Raum? Welche Farbe haben die Wände, hängen dort Bilder – und wenn
ja, was zeigen sie? Was sieht man, wenn man aus dem Fenster schaut? Wie ist das Licht im Raum
(vgl. „Raumbeschreibung“ in Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 45f.)?

Für die Raumbeschreibung der ausgewählten Szenen eignen sich folgende Personen:
– „Ein ganz normaler Sonntag“: Tulla Pokriefke
– „Das Treffen der Überlebenden“: Konrad Pokriefke
– „Im Altenheim“: Tulla Pokriefke

Einfühlungsgespräche vor/zu Beginn der Szene


Die Spielerinnen werden von der Spielleiterin aufgefordert, sich an den Platz zu begeben, an dem sie
sich direkt vor oder zu Beginn der Szene befinden und dort das zu machen, was sie direkt vor oder zu
Beginn der Szene tun. Die Spielleiterin führt dann mit jeder Spielerin ein Einfühlungsgespräch. Dazu
beobachtet sie zunächst das Handeln der Spielerin, begibt sich dann hinter sie und betrachtet das
Geschehen aus deren Perspektive. Nachdem sie Körperkontakt mit der Spielerin aufgenommen hat,
fragt sie sie, was sie gerade tut, welche Bedeutung diese Tätigkeit hat, was sie dabei fühlt, welche
Gedanken sie beschäftigen usw. (vgl. „Einfühlungsgespräch“ in Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 55).

Spielen der Szene


Die Spielleiterin fordert die Spielerinnen auf, die Szene zweimal zu spielen. Beim ersten Mal wird die
Szene ohne Unterbrechung durchgespielt. Beim zweiten Mal werden die Beobachterinnen
aufgefordert, das Spiel an den Stellen durch „Stopp-Rufe“ zu unterbrechen, an denen sie gerne
erfahren möchten, was den einzelnen Spielerinnen gerade durch den Kopf geht. Beispielsweise:
„Stopp, Tulla (Paul, Herr Schön), was denkst du?“ Ist die Antwort erfolgt, wird die Szene
weitergespielt (vgl. „Rollenmonolog“ in Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 53f.).

Erlebnisgespräche nach Abschluss der Szene


Nachdem die Szene zum zweiten Mal gespielt ist, bleiben die Spielerinnen an dem Ort, an dem sie
gerade sind. Die Spielleiterin befragt die Spielerinnen in ihren Rollen, was gerade passiert ist, wie sie
die Situation erlebt haben und wie es ihnen damit geht (vgl. „Erlebnisgespräch“ in
Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 55).

Auswertung der Szene mit den Beobachterinnen und Spielerinnen


Zur Auswertung werden bei den Szenen folgende szenische Spielverfahren eingesetzt:

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szene 1 „Ein ganz normaler Sonntag“


Hier wird mit dem Standbildverfahren gearbeitet. Die Spielleiterin fordert zunächst die
Beobachterinnen als „normale“ Teilnehmerinnen (nicht aus ihren Rollen heraus) auf, die Spielerinnen
der Szene in ihrer Beziehung zum „Trauma“ – symbolisiert durch einen Stuhl – aufzubauen. Die
Standbilder werden von den jeweiligen Erbauerinnen im Anschluss erläutert. Danach erhalten die
Spielerinnen, allerdings nun aus ihren Rollen heraus, denselben Auftrag: Sie sollen sich und ihre
Mitspielerinnen als Standbild in ihrer Beziehung zum „Trauma“ aufbauen und anschließend erläutern,
was sie sich dabei gedacht haben (vgl. Oelke/Scheller/Ruwe 2000, S. 139).

Szene 2 „Das Treffen der Überlebenden“


Auch hier kommt das bei Szene 1 beschriebene Standbildverfahren zum Einsatz. Anders als dort
werden zwei Tische in die Mitte des Raumes gestellt: Ein Tisch mit einer Decke, die die Aufschrift
„Wilhelm Gustloff“ trägt, symbolisiert das abgeschossene Schiff. Der zweite Tisch, auf dem eine
andersfarbige Decke mit (aufgeklebtem) Hammer und Sichelzeichen liegt, symbolisiert das russische
U-Boot. Die Beobachterinnen erhalten erneut zunächst den Auftrag, die Spielerinnen zu der
untergegangenen „Gustloff“ und zu dem russischen U-Boot in emotionale Beziehung zu setzen.
Anschließend positionieren sich die Spielerinnen selbst und erläutern, was sie sich dabei gedacht
haben.

Szene 3 „Im Altenheim“


Hier sollen Handlungsalternativen für die Pflegeschülerin ausprobiert werden. Zunächst werden die
Beobachterinnen aufgefordert, Ideen zu entwickeln, wie man sich alternativ zu der Schülerin, die den
Raum fluchtartig verlässt, verhalten könnte. Jede, die eine Idee hat, soll sie im Spiel ausprobieren.
Dazu wird die Szene jeweils neu gespielt, und zwar von der Stelle an, an der Tulla sagt: „Was in uns
drinsteckt im Kopp und überall – das Böse – das muss raus. Auch bei den Russen und den Juden ist
das so. Das hört nicht auf, nie hört das auf.“ Nach jeder Spielvariante befragt die Spielleiterin die
Spielerinnen, was das neue Vorgehen bewirkt hat bzw. was sich im Vergleich zur „Ursprungsvariante“
verändert hat. In einer abschließenden Reflexionsrunde äußern sich alle Teilnehmerinnen dazu, wie sie
die unterschiedlichen Handlungsalternativen erlebt haben, welche Erkenntnisse sie gewinnen konnten
und was sie sonst noch bewegt.

Die Auswertung einer jeden Szene schließt mit einer Feedback-Runde ab. Hier können bislang noch
nicht geäußerte Gedanken und Beobachtungen artikuliert und ggf. diskutiert werden. Vor allem aber
erhalten die Spielerinnen die Gelegenheit, sich über ihr Befinden nach dem Spiel der Szene zu äußern
und ihre Rolle „abzulegen“.

3.3 Abschluss (Plenum, ca. 20 Minuten)


Die Teilnehmerinnen sitzen mit der für die Rolle ausgewählten Kleidung im Stuhlkreis. Die
Spielleiterin fordert die Teilnehmerinnen auf, die Kleidung bzw. ein Kleidungsstück abzulegen,
diese(s) in die Mitte des Stuhlkreises zu legen und dabei folgende Fragen zu beantworten: „Was lasse
ich hier?“ „Was nehme ich mit?“ Damit verabschieden sich die Teilnehmerinnen bewusst von ihren
Rollen.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Kriegstraumata und ihre Folgen

Literatur
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Januar/Februar, S. 37–41.
Sander, Helke (1995): BeFreier und Befreite. Frankfurt/Main: Fischer.
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Empfehlenswerter Film:
„Wir Kriegskinder“. Die Story im Ersten. Eine Sendung des WDR vom 16.05.2013

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


Herausgeberin: Uta Oelke
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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Materialien 1: Zeitzeugenberichte

1 Bombenangriffe

Der Traum von weißen Sternen


Ein Zwei Jahre alter Zeuge erinnert sich nach 50 Jahren: „Bomben sind wie große, sternförmige
Gebilde von Himmel gefallen. Ich habe deutlich in Erinnerung, dass ich bis Volksschulzeit immer
wieder ein und denselben Alptraum gehabt: große, weiße Sterne sind vom Himmel gefallen direkt auf
mich zu. Ich habe immer Angst gehabt, dass sie mich erschlagen würden.“ (aus: Heinel 2008, S. 41).

Wenn das Herz verrücktspielt


Der Textilkaufmann Kurt Schelling, geboren 1943 in Düsseldorf, weiß heute, warum seine Symptome
über Jahrzehnte nicht ernst genommen wurden. Er berichtet:
„Ich hatte schon immer Herzbeschwerden, schon immer und bin dann zu den Ärzten gerannt und habe
gesagt: ich stehe kurz vor Herzinfarkt. Da haben die gesagt: Du hast überhaupt nichts. Und dann haben
sie mir diese wunderbare Diagnose angehängt „vegetative Dystonie“. Die Ärzte meinten damals, dass
ich mich abzufinden habe. Ein nervöses Herz, das hatten viele. Mitte Vierzig hatte sich mein
Lebensgefühl drastisch verändert. Mein Optimismus und mein Humor hatten mich verlassen. Ich hatte
diese verrückten Träume, dass der Himmel dunkel war, und ich sah nur Flugzeuge.
Ich, der nicht weinte, hatte nur ständig mit Tränen zu kämpfen. Besonders schlimm waren die
Abschiede nach einem Besuch bei meinen Eltern, danach schluchzte ich jedes Mal wie ein kleines
Kind, heimlich, wenn ich wieder im Auto saß. Dabei war mir das Lachen in die Wiege gelegt worden,
so meine Eltern. Ich hatte das Glück, von fröhlichen, liebevollen Eltern umsorgt worden zu sein, von
denen ich immer wieder hörte: ‚Ach Kurtchen, du warst unserer Sonnenschein!‘ Aus diesem
Sonnenschein wurde ich im Erwachsenenalter ein Spaßvogel, der es allen recht macht, der nur auf der
Welt zu sein scheint, damit es den anderen gut geht. Mir standen meine eigenen Witze bis zum Halse.
Ich konnte mich selbst nicht mehr ertragen.
Ein Bekannter gab mir den entscheidenden Hinweis, der mich zu meiner Kriegskindheit führte. Von
meiner Mutter kam auf Nachfrage nun die Bestätigung: ‚Ja, du hast sämtliche Bombenangriffe
miterlebt – und ich hab dich nicht stillen können, wegen der ständigen Angst. Du bist mein
Sonnenschein gewesen, weil es ringsum so viel Finsternis gab…‘ – und dann ist mir klar geworden, es
ist doch kein Wunder, dass mein Herz keine Ruhe geben wollte. Ich bin auch ins Herz getroffen
worden, das ist so. Ich bin wer weiß wie oft schon gestorben. Und das geht nicht spurlos an einem
Menschen vorüber, und schon gar nicht an einem Herzen.“ (aus: Bode 2010, S.101ff.)

2 Kriegsbedingte Kältetraumatisierung

„Kalt ist es in dem Kinderheim gewesen, …


… in dem ich für 1 Jahr nach der Flucht untergebracht war. Mein Vater ist in Sibirien in
Gefangenschaft gewesen. Meine Mutter ist ein emotional kalter Mensch. Auf Kälte reagiere ich
außergewöhnlich empfindlich. Wenn die Heizung ausfällt, sterbe ich.“ (aus: Heinel 2008, S.32)

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

3 Hunger, der ständige Begleiter

Sich nicht wirklich satt fühlen


„Ich bin im Herbst 1945 geboren und bis zum Eintritt in die Volksschulzeit habe ich Nahrung
vornehmlich in flüssiger Form erhalten. Schokoladenstückchen sind die Ausnahme gewesen. Öfters
bin ich auf dem Töpfchen sitzend ohnmächtig geworden. In der Tat habe ich in meinem Leben immer
wieder eine gewisse Leere, so als sei ich nie wirklich satt. Auch meine geschiedene Frau hat eine Art
„fütternder Mutterfunktion“ gehabt. Nach 50 Jahren sind mir die Konsequenzen des frühen Hungerns
für mein ganzes Leben bewusst geworden. Das Symptom des harmlosen Schwindels hatte die
Wahrheit über eine jahrzehntelang anhaltende Nachkriegstraumatisierung ans Licht gebracht.“ (aus:
Heinel 2008, S.26ff.)

4 Sexueller Missbrauch von Kindern

Aber recht lieb wollen wir sein.


Pastor Reichel schleppt seine Frau und die fünf Kinder 1946 aus einer unzerstörten hessischen
Kleinstadt in das ausgebombte Kassel. Reichels Tochter Elisa, geboren 1944, über ihre Kindheit:
„Ich hatte Frostbeulen, und sein Zimmer war als einziges geheizt. Täglich fanden dort Andachten und
Beichtrituale für Heimkehrer statt. Der Pastor machte ihnen klar, ihr früheres sündhaftes Leben trage
die Schuld daran, dass der Krieg verloren worden sei. Die ausgemergelten Männer haben dann
geweint und gejammert, damit Gnade über sie kommt. Und weil die Heimkehrer so sehr des Trostes
bedurften, den ihnen der Geistliche nicht gab, holten sie sich sein Töchterchen und setzten es sich auf
den Schoß. Denen tat es gut, so ein kleines liebes Mädchen zu betatschen. Und das kleine liebe
Mädchen wehrte sich nicht. Unser Vater hatte in uns hineingeprügelt, dass Erwachsene immer im
Recht waren. Als Vierjährige wollte ich mich gemeinsam mit meiner Freundin umbringen: Damit wir
sterben und in den Himmel kommen.“
Die Kindheit von Elisa wäre auch ohne Krieg eine Kette von Gewalt und Leid gewesen. Denn ihr
größter Feind waren nicht die Bomben und Hunger, sondern ihr eigener Vater. Dennoch haben wir uns
entschieden, diese Geschichte von Elisa zu erzählen, weil ihre Geschichte deutlich macht, dass Kinder
damals doppelt gefährdet waren. Man weiß zwar, dass Kinder in Zeiten von Chaos und Elend oft
allein gelassen werden, aber man denkt nicht, dass dies für die Erwachsenen günstige Umstände sind,
sich an Schwächeren zu vergreifen. Kinder können im Krieg zum Freiwild werden. (aus: Bode 2010,
S.171ff.)

5 Gefühlstod

Eine kleine Preußin erträgt alles


Ursula Stahl, Jahrgang 1938, schreibt, als sie an ihre Frostbeulen zurückdenkt: „Ich übte tagtäglich
Schmerzen zu ertragen. Irgendjemand hatte meinen Eltern zu einer Petroleumbehandlung geraten, und
so wickelte meine Mutter jeden Morgen meine auf das Doppelte geschwollenen, offenen Zehen in
petroleumgetränkte Lappen. Und dann begannen meine Qualen! Zentimeter für Zentimeter quetschte
ich meine erfrorenen Zehen in die festen Winterstiefel. War ich endlich drin und hatte sie zugeschnürt,
kam das Aufstehen und das Gehen. Es war die Hölle! Mit zusammengebissenen Zähnen und Tränen in
den Augen machte ich mich auf den qualvollen Weg zur Schule. Hierbei habe ich die ‚preußische
Disziplin‘ eingeübt, die ich bis heute nicht abgelegt habe.“
In dem Mädchen wurde früh und absichtsvoll etwas zerstört, das als Privileg gilt: nämlich das Leben
dürfen von Gefühlen. Es wachsen dann Frauen heran, die, wenn sie einmal Mutter werden, ihre Kinder
wiederum in einem kaum vorstellbaren Ausmaß innerlich allein lassen, auch wenn sie es bewusst gar
nicht wollen. (aus: Bode 2010, S.171)
Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)
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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

6 Vergewaltigung

Da hält er mir den Mund zu


Erika G. (Jahrgang 1926) war 19 Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. Die Ereignisse der letzten
Kriegstage beschreibt sie in ihrem Tagebuch: „Es ist der 31. Januar 1945. Nachmittags um vier Uhr
kommen die ersten russischen Panzer in unsere Stadt. Die Menschen sind in die Keller oder auf die
Speicherböden geflüchtet, wir haben uns in einer Scheune versteckt. Die russischen Soldaten stöbern
alle Ecken und Winkel durch, meist suchen sie nach deutschen Soldaten oder Waffen. Aber dann
passiert doch das, wovor ich mich schon so lange gefürchtet hatte. Ein russischer Offizier, total
betrunken, hat mich gefunden. Er fuchtelt mit einer Pistole vor mir herum. Wenn ich nicht mitkomme,
würde er mich erschießen. Als ich mich weigere, geht eine Hetzjagd los. Er wirft mich auf den Boden,
es ist stockfinster. Als er sich die Hose runtermacht, kann ich ihm die Taschenlampe wegnehmen. Ich
verstecke mich in einer großen Lade und klappe den Deckel runter. Er brüllt, schießt wie wild um sich
und holt noch zwei Posten. Sie durchstöbern alle Winkel. Mein Herz klopft zum Zerspringen. Und
dann kommen sie an die Lade und klappen den Deckel hoch. Der eine hält mir die Hände über dem
Kopf fest, der Offizier fällt über mich her. Ich beiße und schreie und schlage um mich. Da hält er mir
den Mund zu. Als er fertig ist, kommt der andere. Oh, es war so furchtbar. Drei Stunden sind so
vergangen, dann bringen sie mich zurück. Ich blute wie nach einer schweren Operation. Drei Tage
lang geht es so weiter. Dann verstecke ich mich mit meiner Freundin in einem Reisighaufen, der in
einem Garten zum Backen aufgestapelt wurde. Wir haben eine Pelzdecke mitgenommen, denn Regen
und Schnee peitschen uns ins Gesicht. Aber lieber dort sterben als weiter von den Soldaten gepeinigt
zu werden. Nach kurzer Zeit schon sind meine Hände und Füße ganz blau und dick geschwollen. Doch
am vierten Tag entdeckt uns ein Posten. Und dann geht die Qual weiter. Wie oft habe ich mir den Tod
gewünscht“ (Tagebuch von Erika G.: „Da hält er mir den Mund zu“ in: Medica Mondiale 2009, S.
4f.).

Es war klüger, darüber zu schweigen


„Als ich meinen Mann davon berichtete – ich hatte ja keinerlei Schuldgefühle –, führte es fast zu einer
Katastrophe. Er reagierte derart heftig, dass ich um den Fortbestand meine Ehe fürchten musste. Er
sagte: ‚Du hast mich gedemütigt, erniedrigt, als ich schon darnieder lag, du hast mich gepeinigt und
verraten. Ahnst du nicht, wie tief du mich verletzt, wie weh du mir getan, wie schwer ich ohnedies
getroffen war und wund bin? Ich ersticke daran, ich reiße dein Bild aus meinem Herzen‘.“ (aus:
Böhmer 2005, S. 45)

7 Die verlorene Heimat als Fixpunkt

Auf der Flucht geboren


Da jedes überlebende Fluchtkind so etwas wie ein Wunder darstellt, erhält es in seinem späteren
Leben einen Sonderplatz in der Familie. Historikerin Bärbel Beutner Jahrgang 1945 schreibt über ihre
eigene Herkunft:
„Ich bin als ‚Fluchtkind‘ aufgewachsen und habe doch nie selbst fliehen müssen. An meinem
Geburtstag wiederholte sich Jahr für Jahr der Fluchtweg. Heute vor so und so viel Jahren sind wir los.
… Dann kamen wir da und dort an. … So lange ist es schon her! ... An unserem Fluchtkind können
wir sehen, wie lange wir schon von zu Hause weg sind. … Rücksicht verstand sich von selbst und das
ständige Bemühen, Fehler zu vermeiden und Erwartungen zu erfüllen. Das Schlimmste, was passieren
konnte, war es, Enttäuschungen zu verursachen. Und darüber hinaus gab es noch was Schlimmeres,
nämlich Schande herbeizuführen, Ehrenrühriges zu verschulden, sei es durch schlechtes Benehmen
oder durch schlechte Leistungen. Denn wir hatten doch nur noch den guten Namen, alles andere war
doch verloren.
Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)
Herausgeberin: Uta Oelke
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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Natürlich war es schon gar nicht möglich, wegzugehen, auszuziehen, ein eigenes Leben zu führen.
Jede weitere Situation im Leben musste so geregelt werden, dass die Mutter nicht vernachlässigt oder
gar verlassen wurde. Jahrzehntelang habe ich der Mutter zuliebe in ihrer westfälischen Kleinstadt
verbracht, obwohl in mir das Gefühl blieb, dass dies die ‚richtige Heimat‘ nicht sein konnte. Die alte
Heimat, die der Eltern, sei auch in mir mächtiger gewesen. Das Leben in Westdeutschland hatte etwas
Vorläufiges, Zufälliges beibehalten. Die Wirklichkeit des Lebens hier blieb fragwürdig, wenn man
sich auch völlig hineinfand. Das Bewusstsein blieb merkwürdig gespalten.“
Bärbel Beutner macht der Elterngeneration keine Vorwürfe, sie spricht nicht von Schuld, aber sie ist
auch frei von Selbstvorwürfen, weil sie erkannt hat, dass auch ihr Leben unverkennbar von der
Vertreibung geprägt wurde.“ (aus: Bode 2010, S.112ff.)

Die Todesfahrt
Ein Zeitzeuge, der als Fünfjähriger die Flucht miterlebt hatte, berichtet 50 Jahre später: „Im eiskalten
Winter 1945 bei minus 28 Grad sind wir frierend auf dem Lastwagen über das Eis geflohen. Meine
beiden Brüder hatten Keuchhusten. Während der Fahrt über das Eis sind wir von Artilleriefeuer
beschossen. Meine Mutter hätte uns erschossen, wenn die Russen uns erreicht hätten. Mit der Flucht
auf dem Landweg begann das Sterben am Straßenrand. Ich kann es nicht beschreiben. Niemand kann
das beschreiben. Nur so viel: nur ein Teil der Flüchtlinge erreichte die Hafenstädte Pillau, Danzig und
Gotenhafen.“ (aus: Heinel 2008, S.44f.)

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Materialien 2: Szenentexte

Die folgenden Szenentexte sind maßgeblich inspiriert durch die Novelle „Im Krebsgang“ (2002) von
Günter Grass. Die Dialoge in den Szenen sind von uns montiert worden. Einzelne Aussagen lehnen
sich dabei teilweise stark an Textpassagen der Novelle an, sind jedoch nicht wörtlich übernommen.
Die Handlung in der Szene 3 „Im Altenheim“ wurde von uns frei erfunden.

Szene 1: Ein ganz normaler Sonntag


3 Personen: Tulla (= Ursula) Pokriefke, Paul Pokriefke (Tullas Sohn), Gabi (Pauls geschiedene
Ehefrau)
Paul und Gabi sind wie immer sonntags zu Besuch bei der Mutter bzw. ehemaligen Schwiegermutter
Tulla Pokriefke. Sie essen zu Mittag.

Tulla: „Auf den letzten Drücker sind wir noch rauf. Für Mama und Papa war ich natürlich eine
Schande mit meinem dicken Bauch. Immer wenn jemand von den Flüchtlingen nach mir gefragt
hat, hat Mama dann gesagt „Ihr Verlobter kämpft an der Front“. Oder sie hat gesagt: „Eigentlich
sollte es eine Ferntrauung geben mit ihrem Verlobten, der an der Westfront kämpft. Wenn er
nur nicht gefallen ist!“ [kurze Pause] Aber zu mir haben sie immer nur von Schande geredet.
War ja auch gut so, dass sie uns auf dem Schiff gleich getrennt haben. Mama und Papa mussten
ganz nach unten in den Schiffsbauch rein, dort wo noch ein bisschen Platz war.

Paul [denkt]: Ich kann das nicht mehr mit anhören. Meistens sonntags wie heute tischt sie den ewig
währenden Untergang der „Gustloff“ zu Klopsen und Stampfkartoffeln auf.

Tulla: Ich kam nach oben auf die Schwangerenstation. Da war es warm, endlich. Und heiße Milch
habe ich auch gleich gekriegt, mit einem Klacks Honig drin. [kurze Pause] Ich war gleich ganz
wach, als es zum ersten Mal gebumst hat und dann noch mal und noch mal. Beim zweiten Bums
bin ich aus dem Bett gefallen, so schlimm war der. Beim dritten Bums erst da war schon der
Teufel los!

Paul [denkt]: Von Kindheit an kenne ich diesen Satz. Als ich ein Kind war, glaubte ich, eine lustige
Abenteuergeschichte zu hören.

Tulla: Gleich nach dem letzten Bums gingen bei mir die Wehen los. Na, und denn hat mir der Onkel
Doktor schnell eine Spritze verpasst. Vor dem Pieks hab ich richtig Angst gehabt, aber mit den
Wehen war dann Schluss.

Paul [denkt]: Mutter lügt. Ich bin sicher, dass ich nicht auf dem Torpedoboot „Löwe“ geboren bin.
Und bei den ersten Wehen hat Doktor Richter keine Spritze verabreicht, sondern es war die
Geburt. Auf schräger, rutschender Pritsche auf dem verfluchten, auf den Blutzeugen getauften,
einst weiß glänzenden, beliebten, klassenlosen, überladenen, kriegsgrauen, getroffenen,
immerfort sinkenden Schiff bin ich aus Kopf- und in Schräglage geboren.

Paul [zu seiner Mutter]: Es wird Doktor Richter gewesen sein. Er hat dich und die zwei Wöchnerinnen
mit ihren Säuglingen über das sich stark nach Backbordseite neigende vereiste Sonnendeck
geführt. Unterstützt von der Stationsschwester. Er hat euch in ein Boot, das bereits
ausgeschwenkt am Kran hing, gesetzt. Die Blöcke, Halterungen und das Tauwerk der
Rettungsboote waren vereist.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Tulla: Wie ich das gesehen habe, ist mir ganz mulmig geworden. Da ist mir klar geworden, dass
wegen Vereisung mit Rettung nichts werden kann. Runter gewollt hab ich von dem Kahn. Hab
geschrien wie dämlich.

Paul: So verließ ich das sinkende Schiff. Unser Rettungsboot legte ab und schwamm, umgeben vom
Treibgut noch Lebender und schon Toter.

Tulla: Da kam alles ins Rutschen. Kann man nicht vergessen, so was. Das hört nie auf. Da träume ich
nur noch von. Wie es Schluss war, ging ein einziger Schrei über dem Wasser los. So ein
Geschrei kriegst du nicht mehr raus aus dem Gehör… und all die Kinderchen. Nun hingen sie
alle Kopf unter in den dicken Schwimmwülsten mit den Beinchen nach oben raus, zwischen die
Eisschollen. [kurze Pause]. Das musst du aufschreiben, Paul! Das bist du uns schuldig als
glücklich Überlebender!

Paul: Aber Mutter, ich will es nicht. Ich lasse mich nicht nötigen. Will doch keiner was davon hören,
hier im Westen und im Osten schon gar nicht. Die Gustloff und ihre verfluchte Geschichte
waren und sind jahrzehntelang tabu, gesamtdeutsch sozusagen.

Gabi [flüsternd zu Paul]: Paul, lass uns gehen.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Kriegstraumata und ihre Folgen

Szene 2: Treffen der Überlebenden

5 bis 8 Personen: Tulla (= Ursula) Pokriefke, Paul Pokriefke (ihr Sohn), Gabi (Pauls geschiedene
Ehefrau), Konrad (Sohn von Paul und Gabi bzw. Enkel von Tulla), Herr Schön (ehemaliger
Zahlmeisterassistent auf der Gustloff) sowie weitere Überlebende

Zum Hintergrund: Ein großer Festsaal am 30. Januar 1995. Feierliche Stimmung, die sich auch in der
Kleidung der Anwesenden ausdrückt. Über der Bühne hängt ein Transparent, auf dem steht
„Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Untergangs der Wilhelm Gustloff“. Gekommen sind Überlebende
und Retter der Schiffskatastrophe sowie Angehörige. Dabei sind auch diejenigen, für die der
Untergang des Schiffes etwas bedeutete, das über die Zeit hinweg von Staats wegen verschwiegen
werden musste. Die Gäste aus den neuen Bundesländern werden besonders herzlich begrüßt. Unter
den Überlebenden soll es keinen trennenden Unterschied zwischen Ossis und Wessis geben. Zu den
Protagonisten:
– Tulla Pokriefke gehört zu den Überlebenden der Gustloff. Sie engagiert sich im Organisations-
komitee der Gedenkfeier.
– Tullas Sohn Paul ist auch auf der Feier. Er ist auf dem Torpedoboot „Löwe“ geboren, das den
„Gustloff“-Überlebenden zur Hilfe kam und seine 17-jährige, hochschwangere Mutter rettete.
– Gabi begleitet ihren geschiedenen Ehemann Paul auf der Gedenkfeier.
– Konrad, Sohn von Paul und Gabi bzw. Enkelsohn von Tulla, ist ebenfalls anwesend. Er wohnt
nach der Scheidung der Eltern bei seiner Mutter in Schleswig Holstein. Er besucht seine
Großmutter, die in Mecklenburg-Vorpommern lebt, regelmäßig. Er trägt den Namen von Tullas
Lieblingsbruder Konrad, der als Kleinkind in der Ostsee beim Baden ertrunken ist.
– Herr Schön war damals als 18-Jähriger Zahlmeisterassistent auf der „Gustloff“. Er hat zu
Beginn der Feierlichkeit einen Vortrag zum Thema „Die Versenkung der Wilhelm Gustloff am
30. Januar 1945 aus Sicht der Russen“ gehalten. Neben seinem Rednerpult hing ein Poster, auf
dem er einem Bootsmann des russischen U-Bootes, dessen Torpedos die „Gustloff“ untergehen
ließen, die Hände schüttelt. Herr Schön hat sich intensiv mit dem Untergang der „Gustloff“
beschäftigt und mehrere Bücher darüber geschrieben.

Tulla: Meine Lieben, das ist mein Konradchen!

Konrad [blickt stolz und selbstbewusst auf seine Oma]

Tulla [Sohn Paul vorstellend]: Reporter von der Springer Zeitung. Das Jungchen, das mitten im
Unglück geboren wurde.

Herr Schön: Zum Fünfundachzigertreffen sind noch über fünfhundert Überlebende und Retter
gekommen. Diesmal haben sich nur knapp zweihundert versammelt.

Tulla [sich zum Sohn Paul wendend]: Bald wird keiner von uns mehr lebendig sein, nur du. Aber du
willst ja nicht aufschreiben, was ich dir alles schon immer erzählt habe.

Paul [leise zu seiner Mutter]: Ich halte Distanz, will nicht befragt werden und schon gar nicht von den
Löwe-Veteranen des Rettungsbootes gefeiert werden.

Tulla [zu Paul]: Wo du nun doch am Dreißigsten Fünfzig wirst.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Paul [widerspricht nicht, begibt sich ein Stück an die Seite und spricht leise zu seiner geschiedenen
Frau Gabi]: Da ist es wieder, das verdammte Datum! Die Geschichte, genauer, die von uns
angerührte Geschichte, ist ein verstopftes Klo. Wir spülen und spülen, die Scheiße kommt
dennoch hoch. Zum Beispiel dieser vermaledeite Dreißigste. Wie er mir anhängt, mich
abstempelt. Nichts hat es gebracht, dass ich mich als Schüler, Student, Zeitungsredakteur oder
Ehemann geweigert habe, mit Freunden, Familie oder Kollegen meinen Geburtstag zu feiern.
Immer war ich besorgt, es könne mir bei solch einer Fete – und sei es mit einem Trinkspruch –
die dreimal verfluchte Bedeutung des Dreißigsten draufgesattelt werden.

Gabi [zu Herrn Schön]: Ihr Vortrag „Die Versenkung der Gustloff aus Sicht der Russen“ war wirklich
bemerkenswert!

Herr Schön: Ich stehe mit Wladimir Kourotschkin, der auf Befehl seines Kommandanten die vier
Torpedos auf den Weg gebracht hat, in freundschaftlicher Verbindung. Erst durch mich hat er
erfahren, dass mehr als viertausend Kinder ertrunken, erfroren sind. Von diesen Kindern träumt
er oft, wie er mir versicherte.

Tulla: Ja, der Russe hat uns alle ins Unglück gestürzt … [streichelt ihrem Enkel Konrad über den
Kopf] Na, vielleicht wird Konradchen mal eines Tages was darüber schreiben. [Tulla sieht
Konrad stolz an, der aufmerksam und fasziniert zu seiner Großmutter aufblickt.] Aus meinem
Konradchen wird bestimmt mal was Großes werden.“

Paul: [aus dem Hintergrund zu seiner geschiedenen Frau flüsternd]: Damals war ich ihr
Hoffnungsträger. Doch als aus mir kein Funken zu schlagen war und die Zeit verpuffte, begann
sie, kaum war die Mauer weg, unseren Sohn zu kneten. [kurze Pause] Konny war erst zehn oder
elf, als er seiner Großmutter in die Finger fiel. Und seit dem Treffen der Überlebenden, wo ich
nur eine Null am Rande bin, er aber Kronprinz wurde, pumpt sie ihn mit Flüchtlings- und
Gräuelgeschichten voll, die sie zwar nicht leibhaftig erlebt hat, die aber seit Oktober 1945
überall erzählt und verbreitet werden. Auf dass Schrecken um sich greift. In ihr Konradchen
setzt sie jetzt ihre Hoffnung.

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


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Szene 3: Im Altenheim

3 Personen: Tulla (= Ursula) Pokriefke, Zimmermitbewohnerin von Tulla, eine Pflegeschülerin

Zum Hintergrund: Tulla Pokriefke lebt im Altenheim. Bis vor kurzem bekam sie oft Besuch von ihrem
Enkel Konrad, der seinen Namen auf Geheiß seiner Großmutter erhalten hat, deren ertrunkener
Bruder auch Konrad hieß. Konrad ist von den Geschichten seiner Oma so vereinnahmt worden, dass
er eine Website zum Untergang der „Gustloff“ erstellt und virtuell die Nazirolle des Wilhelm Gustloff
angenommen hat. Konrad kommt nun nicht mehr in das Altenheim, weil er wegen Mordes im
Gefängnis sitzt. Er hat Wolfgang S., der den virtuellen Todesschützen der „Gustloff“ gespielt hat,
getötet, weil dieser die Gedenkstätte Gustloffs durch Spucken schändete. Konrad hat sich der Polizei
gestellt und als Tulla davon erfährt, ist sie gelassen, fast stolz. Die Pflegeschülerin, die Frau Pokriefke
seit vier Wochen pflegt, kam in den 1990er-Jahren mit den Eltern als Übersiedlerin aus Russland,
spricht mittlerweile akzentfrei Deutsch. Vorher wurde sie in Russland als Deutsche und in
Deutschland als Russin beschimpft.
Die Pflegeschülerin betritt das Zimmer, um das Bett zu machen. Tulla sitzt in ihrem Fernsehsessel.

Schülerin: Guten Morgen, Frau Pokriefke!

Tulla: Ach Anna, du weißt doch noch, was die Russen uns angetan haben. Ach. [seufzend] Die tau-
sendfachen Schreie der Ertrinkenden höre ich immer noch. Das hört nicht auf. Und weißt du,
was jetzt passiert ist? Mein Konradchen hat einen falschen Fuffziger umgenietet. Der gemeine
Lügner hat sich wie ein echter Jude aufgeführt und mein Konradchen provoziert.

Schülerin: Oh…

Tulla: Was er tun musste, tat er. Und wenn er dann wieder in Freiheit ist, wird er bestimmt ein echter
Radikaler sein, wie ich es einmal war. Um mein Konradchen muss ich mir keine übertriebenen
Sorgen machen. Der sitzt das ab, was er sich eingebrockt hat. Über meinem Konradchen hat
schon immer ein Schutzengel geschwebt.

Schülerin: Sie waren eine Radikale?

Tulla: Was in uns drinsteckt im Kopp und überall – das Böse – das muss raus. Auch bei den Russen
und den Juden ist das so. Das hört nicht auf, nie hört das auf.

Schülerin: [verlässt das Zimmer, ohne das Bett gemacht zu haben]: Ich muss raus. Bis später!

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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Materialien 3: Arbeitsaufträge

Arbeitsauftrag 1: Erarbeitung der Szenen und Einfühlung in die Personen

1. Lest zunächst die Szene mit verteilten Rollen. Jede Teilnehmerin muss jede Rolle einmal
gelesen haben. Entscheidet euch im Anschluss, wer welche Rolle spielen möchte.
2. Beantwortet dann gemeinsam die Gruppenfragen. Macht euch Notizen dazu.
3. Sucht euch einen Platz, an dem ihr alleine ungestört schreiben könnt. Schreibt nun anhand der
„Fragen zur Entwicklung einer Rollenbiografie“ eine Rollenbiografie für eure ausgewählte
Rolle.
4. Trefft euch wieder in eurer Gruppe und baut nun den Raum/Ort auf, an dem die Szene spielt.
Überlegt euch genau, wie es dort aussieht.
5. Spielt die Szene einmal in eurer Gruppe durch. Lest dabei den Text ab.
6. Sucht euch für die Person, die ihr spielt, die entsprechende Kleidung aus.
7. Findet euch nach Ablauf der Bearbeitungszeit mit der angelegten Kleidung wieder im
Seminarraum ein.
Bearbeitungszeit: 60 Minuten

Arbeitsauftrag 2: Gruppenfragen und Fragen zur Rollenbiografie

1. Gruppenfragen
Bitte klärt gemeinsam in eurer Gruppe folgende Fragen zu eurer Szene und notiert eure Antworten in
Stichpunkten:
• Worum geht es in eurer Szene?
• Wo spielt sie? Wie sieht der Ort aus?
• Wann spielt die Szene: zu welcher Tageszeit, an welchem Wochentag, zu welcher Jahreszeit, in
welchem Jahr (in etwa)?
• Welche öffentlichen und privaten Ereignisse bestimmen zu diesem Zeitpunkt das Leben der
Menschen?
• Welche Personen treffen in der Szene aufeinander? Was führt sie zusammen und in welcher
Beziehung stehen sie zueinander?

2. Fragen zur Entwicklung einer Rollenbiografie


Schreibe bitte für die Rolle, die du übernommen hast, eine Biografie. Die folgenden Fragen sollen dich
dazu anregen. Du musst nicht alle Fragen beantworten, aber bitte schreibe in „Ich-Form“ und in
ganzen Sätzen.

Alle
Wie heißt du? Wie alt bist du? Wo lebst du? Wie wohnst du? Hast du Familie, Freundinnen, Kinder?
Was bedeuten sie dir? Wer ist dir besonders wichtig? Warum? Wie sieht dein tägliches Leben aus?
Was tust du in deiner Freizeit? Welche Lieblingstätigkeit hast du? Wie ist dein Lebensgefühl? Welche
Gedanken bestimmen momentan dein Leben? Woran denkst du, wenn du allein bist? Was macht dir
Sorgen? Was wünschst du dir? Wovon träumst du? Wie siehst du dich selbst? Wie siehst du aus?
Gefällt dir dein Äußeres? Ist es dir wichtig, wie du aussiehst? Wie geht es dir gesundheitlich? Wie
behandelst du deine Mitmenschen? Wie möchtest du selbst behandelt werden?

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


Herausgeberin: Uta Oelke
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Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Zusätzlich für Tulla


Wie stehst du zu deinem Alter? Welche Rolle spielt die Vergangenheit für dich? Welche Rolle spielen
Männer in deinem Leben? Welches Verhältnis hast du zu deinem Sohn bzw. deinem Enkel, was
erwartest du von ihm bzw. ihnen? Was denkst du über den Krieg und die „Gustloff“-Katastrophe?
• Zusätzlich bei Szene 2: Warum bist du auf der Gedenkfeier? Was machst du hier? Wie findest du
das Treffen? Welches Verhältnis hast du zu den Teilnehmern der Gedenkfeier?
• Zusätzlich bei Szene 3: Wie lange bist du schon im Pflegeheim? Fühlst du dich hier gut versorgt?
Vertraust du den Pflegekräften? Wie findest du deine Mitbewohnerin?

Zusätzlich für Paul


Was machst du beruflich? Weshalb bist du geschieden? Welches Verhältnis hast du jetzt zu Gabi?
Weshalb begleitet dich Gabi immer noch zu bestimmten Anlässen? Wie stehst du zu eurem Sohn
Konrad? Was erwartest du von ihm? Welches Verhältnis hast du zu deiner Mutter? Was magst du an
ihr, was nicht? Wie war es für dich, ohne Vater aufzuwachsen? Was denkst du über den Krieg und die
„Gustloff“-Katastrophe?
• Zusätzlich bei Szene 2: Warum bist du auf der Gedenkfeier? Was machst du hier? Wie findest du
das Treffen? Welches Verhältnis hast du zu den Teilnehmern der Gedenkfeier?

Zusätzlich für Gabi


Was machst du beruflich? Weshalb bist du geschieden? Welches Verhältnis hast du jetzt zu Paul?
Weshalb begleitest du Paul immer noch zu bestimmten Anlässen? Wie stehst du zu eurem Sohn
Konrad? Was erwartest du von ihm? Welches Verhältnis hast du zu deiner Schwiegermutter? Was
magst du an ihr, was nicht? Was denkst du über den Krieg und die „Gustloff“-Katastrophe?
• Zusätzlich bei Szene 2: Warum bist du auf der Gedenkfeier? Was machst du hier? Wie findest du
das Treffen? Welches Verhältnis hast du zu den Teilnehmern der Gedenkfeier?

Zusätzlich für Konrad


Wie stehst du zu deinem Vater, wie zu deiner Mutter? Was bedeutet es für dich, dass sie geschieden
sind? Wie ist das Verhältnis zu deiner Großmutter? Was magst du an ihr, was nicht? Was macht ihr
zusammen? Wie findest du es, dass sie dich „Konradchen“ nennt? Warum bist du auf der
Gedenkfeier? Was machst du hier? Wie findest du das Treffen? Welches Verhältnis hast du zu den
Teilnehmern der Gedenkfeier? Was denkst du über den Krieg und die „Gustloff“-Katastrophe?

Zusätzlich für Herrn Schön


Wie stehst du zu deinem Alter? Welche Rolle spielt die Vergangenheit für dich? Warum bist du auf
der Gedenkfeier? Was machst du hier? Wie findest du das Treffen? Welches Verhältnis hast du zu den
Teilnehmern der Gedenkfeier, speziell zu Tulla Pokriefke und ihrer Familie? Was denkst du über den
Krieg und die „Gustloff“-Katastrophe?

Zusätzlich für andere Überlebende der Schiffskatastrophe


Wie stehst du zu deinem Alter? Welche Rolle spielt die Vergangenheit für dich? Warum bist du auf
der Gedenkfeier? Was machst du hier? Wie findest du das Treffen? Welches Verhältnis hast du zu den
Teilnehmern der Gedenkfeier? Was denkst du über den Krieg und die „Gustloff“-Katastrophe?

Zusätzlich für die Pflegeschülerin


Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden? In welchem Ausbildungsjahr bist du? Wie
kommst du mit der Ausbildung zurecht? Was ist dir bei der Pflege alter Menschen wichtig? Was
denkst du über die Bewohnerinnen und ihre Angehörigen?

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


Herausgeberin: Uta Oelke
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2016
22
Szenisches Spiel in der Pflegeausbildung

Kriegstraumata und ihre Folgen

Zusätzlich für die Mitbewohnerin von Tulla Pokriefke


Wie lange bist du schon im Pflegeheim? Fühlst du dich hier gut versorgt? Vertraust du den Pflege-
kräften? Wie findest du deine Mitbewohnerin Tulla Pokriefke und ihr „Konradchen“?

Autoren: Therese Niestroj; Ralf Wessel (Mitarb.)


Herausgeberin: Uta Oelke
© Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2016