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„Habent sua fata libelli“: Das „Rassenproblem“ im Spiegel der


nachgelassenen Privatbibliothek Bischof Alois Hudals, in: Römische
Historische Mitteilungen 57 (2015), 325–364.

Article  in  Römische historische Mitteilungen · April 2016

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Peter Rohrbacher
Austrian Academy of Sciences
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RÖMISCHE HISTORISCHE MITTEILUNGEN, 57. ßand/2015, .325-.'164
© by Österreichische Akademie der Wissenschafren, Wien
ÖSTERREICHISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
HISTORISCHES INSTITUT
BEIM ÖSTERREICHISCHEN KULTURFORUM IN ROM

PETER RüHRBACHER

RÖMISCHE Habent sua fo.ta libelli: Das „Rassenproblem"


im Spiegel der nachgelassenen Privatbibliothek
HISTORISCHE MITTEILUNGEN Bischof Alois Hudals*

Bücher haben ihre Schicksale 1 - mit diesem Zitat betitelte der österrei-
chische Bischof Alois Hudal rückblickend die Wirkungsgeschichte seines um-
HERAUSGEGEBEN VON strittenen Werkes „Die Grundlagen des Nationalsozialismus. Eine ideenge-
ANDREAS GOTTSMANN UND THOMAS WINKELBAUER schichtliche Untersuchung" (1937) 2 . Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich

* folgende Abkürzungen werden verwendet:


AAS Acta Apostolicae Sedis
57. BAND ACDF Archivio Storico della Congregazione della Fede
2015 AG SVD Archiv Generalat Societas Verbi Divini
ASMA Archivio Pontificio Istituto Teutonico di Santa Maria dell'Anima,
Rom
K Kiste
NL Nachlass
S.RR.S, AA.EE.SS. Segreteria di Stato, Sezione per Rapporti con gli Stati, fondo Con-
gregazione degli Affari Ecclesiastici Straordinari, Citta del Vati-
SONDERDRUCK cano
1 A. HuDAL, Römische Tagebücher. Lebensbeichte eines alten Bischofs. Graz 1976, 107.

Dieses Zitat wird gemeinhin dem lateinischen Grammatiker Terentianus Maurus aus
dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. zugeschrieben.
2 ÜERS., Die Grundlagen des Nationalsozialismus. Eine ideengeschichtliche Untersu-

chung. Leipzig-Wien 1937. In der Folge kurz als „Grundlagen" oder „Grundlagen-
Buch" bezeichnet. Exemplarische zeitgenössische Reaktionen, s. 0. v. HILDEBRAND,
Zu Bischof Hudals neuem Buch. Der Christliche Ständestaat 3 (16. November 1936),
l 102f., hier 1102; P. BANG(= Germanicus), Der Dolchstoß gegen die deutschen Bi-
schöfe. Bischof Hudal und der Nationalsozialismus (Periodische Schriftenreihe der
Deutschen Revolution 1937, 2). Prag 1937; A. HuoAL, Tagebücher (wie in Anm. 1),
128-136; ausführlich behandelt in M. LrEBMANN, Bischof Hudal und der National-
sozialismus - Rom und die Steiermark. Geschichte und Gegenwart 7 (1988), 263-280;
M. LANGER, Alois Hudal. Bischof zwischen Kreuz und Hakenkreuz. Versuch einer

II
VERLAG DER Biographie. Phil. Diss. Wien 1995, 91-98; D. BuRKARD, Häresie und Mythus des
ÖSTERREICHISCHEN 20. Jahrhunderts. Rosenbergs nationalsozialistische Weltanschauung vor dem Tri-
AKADEMIE DER
WISSENSCHAFTEN bunal der Römischen Inquisition (Römische Inquisition und Indexkongregation 5).
326 Peter Rohrbachcr Das „Rassenproblem" 327

mit Hudals nachgelassener Privatbibliothek und fragt danach, ob mit Hudals Im Folgenden wird zunächst auf die Rekonstruktion seiner Privatbibliothek
Büchern auch etwas über seine Arbeitsweise in Bezug auf die Rassenthematik eingegangen. Danach erfolgt eine Analyse ausgewählter Werke mit Hudals
ausgesagt werden kann. Diese Frage erscheint deshalb relevant, da es immer handschriftlichen Vermerken. Abschließend wird eine Einschätzung gegeben,
noch offen ist, wer Hudal eigentlich in diese spezielle Thematik eingeführt welche zeitgenössischen „Rassentheoretiker" Hudals Rassenbegriff geprägt ha-
hat 3 • Bekanntlich war Hudal von seiner Ausbildung her Exeget des Alten Tes- ben. Insofern versteht sich diese Studie als ein Beitrag für die in den 1930er
taments, seine zahlreichen Publikationen ab 1934 zeugen aber davon, dass er Jahren heftig debattierte „Rassenfrage". Einleitend sei noch erwähnt, dass die-
sich auch sehr tiefgehend in das für ihn fremde Fachgebiet der „Rassenkunde" ser Aufsatz nicht beabsichtigt, Hudals Auseinandersetzung mit der nationalso-
eingearbeitet hatte und darüber sogar einen viel beachteten Vortrag hielt. Da zialistischen „Rassenlehre" im Allgemeinen zu erörtern; auch die Entstehungs-
in den 1930er Jahren die „Rassenfrage" in vielen Sparten der Wissenschaft so- und Wirkungsgeschichte von Hudals „Grundlagen-Buch" wurde bewusst
wie in der Politik rege debattiert wurde, erscheint dieser Befund zunächst nicht ausgeklammert, denn beide Themen werden in diesem Zeitschrifrenband von
außergewöhnlich. Die nationalsozialistische „Rassenlehre" befand sich im Ge- Thomas Brechenmacher eingehend dargestellt.
gensatz zu verschiedenen Aspekten der katholischen Konfession. Katholische
Autoren und auch kirchliche Würdenträger setzten sich daher damit auseinan-
r. HuDALS PRIVATBIBLIOTHEK
der. Bei Bischof Hudal kommt jedoch die Besonderheit hinzu, dass er zu die-
sem Thema eine theoretische Abhandlung mit wissenschaftlichem Anspruch Alois Hudal4, von 1923 bis 1952 Rektor der deutschen Nationalstiftung
vorlegte. Hudal besaß die Gewohnheit, alle für ihn relevanten Textstellen stets Santa Maria dell'Anima in Rom, war im Besitz einer ansehnlichen Privatbib-
mit einem roten oder blauen Stift gut sichtbar zu markieren. Da diese Art des liothek. Nach seinem Tod wurden diese Bücher der „Anima" übergeben und in
Vermerkens auch bei seinen Büchern zutrifft, legen sie ein wertvolles Zeug- ihren allgemeinen Bibliotheksbestand eingereiht5. Als sich 2003 die internatio-
nis über Hudals Denk- und Arbeitsweise ab. Methodisch geht die vorliegende nal besetzte wissenschaftliche Kommission mit dem Aufgabenbereich „Bischof
Untersuchung also davon aus, dass die hinterlassenen Buchnotizen ein neues Alois Hudal, Drittes Reich, staatliche und kirchliche Zensur"6 konstituierte,
Licht auf Hudals Zugang zum „Rassenproblem" werfen können. Zielführend entstand auch der Wunsch nach einer Rekonstruktion von Hudals Privatbib-
für die Analyse erscheint mir weniger diese autographischen Randbemerkun- liothek. Hudal kennzeichnete seine Bücher in der Regel gut sichtbar auf der
gen zu systematisieren, sondern diese anhand einer selektiven Auswahl einem ersten Seite mit seinem persönlichen Stempel Bibliothek Bischof HudaF. Auf
Vergleich mit Hudals Veröffentlichungen zu unterziehen. Hudal ging nämlich diese Weise konnten seine Bücher relativ leicht identifiziert und sondiert wer-
mit seinem bunten Schreibstift eher vorsichtig um. Somit erwecken seine Mar- den8. Hudals gesamter erhaltener Bücherbestand beläuft sich bisher auf 626
kierungen den Eindruck als seien sie niemals zufällig, sondern wohl überlegt Werke9 • Er ist gegenwärtig im Archiv der „Anima" in 23 Schachteln abgelegt,
durchgeführt worden. Ein reizvolles Anliegen wäre es sicher, genau den spezifi-
schen Gedanken zu rekonstruieren, den Hudal im Moment des Markierens im
Kopf hatte. Da ein solches Vorgehen jedoch unmöglich ist, wird es hier auch 4 Zu Hudals Biografie, s. LANGER, Hudal (wie in Anm. 2), 6-56.
in keinster Weise angestrebt. Allerdings verhält es sich so, dass eine ganze Rei- 5 Im Zuge dieser Inventarisierung erhielten Hudals Bücher auf der ersten Seite den
he von diesen markierten Textstellen in Hudals umfangreichem Schrifttum Stempel Eigentum Bibliothek der Anima Rom und eine neue Signatur. So kommt es,
dass Hudals Bücher heure zwei Signaturen aufweisen.
wieder auftaucht - oft wortwörtlich, gelegentlich leicht umformuliert und mit 6 Zitiert nach BuRKARD, Häresie und Mythus (wie in Anm. 2), 14.
einem leichten Bedeutungswandel versehen. In den meisten Fällen aber ist die 7 Auch Donum Episcopi Hudal kommt vor. Einige Werke enthalten auf der ersten Seite

Herkunft - dank der hinterlassenen Privatbibliothek - eindeutig bestimmbar. ein Klebeetikett, das Hudals bischöfliches Wappen mit der Aufschrift Ex Libris Aloi-
sii M Hudal Episcopi wiedergibt. Hudals Wappenspruch lautete: Ecclesia et Natione.
Einige Werke sind mit Hudals schwungvoller Unterschrift unter Weglassung seines
Paderborn-Wien 2005, 209-222; K.-J. HUMMEL, Alois Hudal, Eugenio Pacelli, Franz Vornamens signiert.
von Papen. Neue Quellen aus dem Anima-Archiv, in: Das Reichskonkordat 1933. 8 Die Sondierung der Bücher führte Johan Ickx, Leiter des Anima-Archivs, mit seinen

Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, hrsg. von Th. BRECHENMACHER (Ver- Mitarbeitern durch.
öffentlichungen der Kommission Jiir Zeitgeschichte, Reihe B, Forschungen 109). Pader- 9 ASMA, Scarola 1-23. Es gibt allerdings nur 586 Signaturen, da davon 2 Signaturen

born-Wien 2007, 109-111. mit insgesamt 23 Werken als „Miscellanea"-Bände gebunden wurden, s. ASMA, Sca-
3 Vgl. dazu den Beitrag von Thomas Brechenmacher in diesem Band. rola 3, 22 C 38, und ASMA, Scatola 13, 22 A 30. Am 18. Dezember 2013 wurde dem
328 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 329

bibliografiert und der Forschung zugänglich gemacht. Die Werke stammen aus kauf vom 31. Oktober 1935 bei der österreichischen Tyrolia-Verlagsanstalt. Die
den Jahren 1871 bis 1963 und dokumentieren, dass Hudal bis zuletzt Bücher- Bestellung wurde allem Anschein nach von Hudal selbst in die Wege geleitet.
käufe tätigte und seine Sammlung stets aktuell hielt. Hudals Bücher decken Die Auflistung der Bücher macht einen gänzlich willkürlichen Eindruck, Her-
ein umfangreiches Spektrum an Sachgebieten ab, von theologischen Werken kömmliche Ordnungsschemata nach Autoren, Preisen oder etwa nach 'Themen
angefangen, über Politik, Geschichte, Kunstgeschichte bis hin zu Romanen, lassen sich jedenfalls nicht erkennen. Paradoxerweise tauchen sogar drei Dop-
Biografien und Reiseführern, Das Auffällige an dieser Büchersammlung sind pelbestellungen auf1 5• Die Besorgung hatte sich verzögert, da ein Großteil der
nun 41 Werke, die unzweifelhaft dem Umfeld des Nationalsozialismus zuzu- Bücher in Österreich bereits verboten war, Der Tyrolia-Verlag musste erst die
ordnen sind 10 , Einerseits ist dieser Befund nicht verwunderlich, gilt Hudal doch Einfuhrbewilligung von Seiten der österreichischen Preß-Polizei 16 einholen.
bis heute als „brauner" katholischer Würdenträger11 , Andererseits gibt es aber Deshalb konnten vorerst auch nur 118 Werke in Form von drei Postpaketen
auch drei Publikationen von Hudal, die von den Nationalsozialisten verboten mit einem Gesamtgewicht von 30 kg von Wien nach Rom geliefert werden 17 ,
und auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" 12 gesetzt Ein kleiner Teil von 26 Büchern blieb vorerst ausständig. Wie der Verlag nach-
wurden, Nach einer ersten kritischen Durchsicht jener Werke, die Hudal in drücklich versicherte, sollten aber auch diese Bücher in den allernächsten Ta-
den „Grundlagen" einarbeitete, müsste die Frage eigentlich folgendermaßen gen18 nachgeliefert werden. Da weitere vier Werke von deutschen Verlegern als
lauten: Weshalb haben sich nur so wenig NS-Werke in der nachgelassenen vergriffen gemeldet waren, sollten diese antiquarisch aufgetrieben werden 19 •
Bibliothek Hudals erhalten? Immerhin hielt Hudal in seinen Lebenserinne- Diese Bestellliste enthält nur spärliche bibliografische Angaben, die Ver-
rungen fest, dass er in den „Grundlagen" nicht wie ein Politiker, sondern wie ein lage und das jeweilige Erscheinungsjahr sind nicht angeführt. Ein erster Ar-
Gelehrter , , , die gesamte nazistische Literaturll überprüft habe, beitsschritt dieses Beitrags sah deshalb vor, die fehlenden Angaben mittels
herkömmlicher bibliografischer Nachschlagewerke zu rekonstruieren 20 , Das
JJ Hudals NS-Bücherliste Ergebnis zeigt, dass sich die Werke in den Zeitraum von 1910 bis 1935 einord-
nen lassen. Bemerkenswerterweise macht der Anteil jener Bücher, die nach 1933
Im Februar 2010 ließ sich im Archiv der Anima auch eine Liste 14 mit 138 erschienen sind, etwa ein Drittel aus, nämlich genau 44 Werke. Aussagekräftig
einschlägigen NS-Büchern finden. Es handelt sich hierbei um einen Bücheran- ist auch, dass fast die Hälfte der Bestellung über drei einschlägige NS-Verlage in
Deutschland abgewickelt wurde: Franz Eher Nachfolger (München), J. F Leh-
Verfasser eine Liste mit weiteren 19 „Hudal-Büchern" überreicht, die aus der Anima- mann (München) und Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple (Berlin) 21 , Das
Bibliothek sondiert werden konnten, legt den Schluss nahe, dass die Auswahl der Bücher gar nicht von Hudal stamm-
10 S, Abschnitt 5, L Bücher zu Nationalsozialismus, Rassenkunde, Antisemitismus und
te, sondern erst über den Kontakt mit den deutschen Verlegern zustande kam.
Faschismus,
11 H, WoLF, Der Vatikan öffnet seine Archive, Pius XL und die „Zeitirrtümer", Die In- Hudal wird dem Tyrolia-Verlag lediglich die Anweisung gegeben haben, ein
itiativen der römischen Inquisition gegen Rassismus und Nationalismus, Vierteijahrs- möglichst umfassendes Spektrum der rezenten NS-Literatur einzuholen. Da-
hefte für Zeitgeschichte 50/ 1 (2005), 1-42, hier 2, Wegen seines , Grundlagen-Buches" für waren eigentlich keine spezifischen Fachkenntnisse erforderlich. Das heißt
erhielt Hudal den Ruf eines „Brückenbauers", vgL HILDEBRAND (wie in Anm, 2), aber wiederum nicht, dass Hudal kein Kenner der Materie war, Nach eigenen
1102, Angaben nutzte Hudal im Sommer 1934 seinen Ferienaufenthalt in Deutsch-
12 A, HuDc• , Der Vatikan und die modernen Staaten, lnnsbruck-\'Vien-München
land, um die Entwicklung der modernen Rassen- und Blutlehre zu studieren 22 •
1935; DERS,, Deutsches Volk und christliches Abendland, Innsbruck-Wien 1935;
DERS,, Nietzsche und die moderne Welt, Roma 1937; s, Liste des schädlichen und
unerwünschten Schrifttums, Stand vom 3L Dezember 1938, Streng vertraulich! Nur
für den Dienstgebrauch 1, hrsg, von der Reichsschrifttumskammer, Leipzig 1938, 62; 15 S, 5,3.L Gelieferte Werke.
Hudals Nietzsche-Schrift wurde am 27, September 1937 auch vom italienischen Propa- 16 ASMA, NL Hudal, K 64, foL 560,
gandaministerium verboten, s, HuDAL, Tagebücher (wie in Anm, !), 120, Anmerkung, 17 Ebd,
1·1 HuDAL, Tagebücher (wie in Anm, 1), 112,
18 Ebd,, s, 5,3,2, In Aussicht gestellte Werke,
1" ASMA, NL Hudal, K 64, foL 560-567, Erst nachträglich stellte der Verfasser fest,
19 Ebd,, s, 5,3,3, Als „vergriffen" vermerkte Werke.
dass diese NS-Bücherliste bereits bekannt war, Allerdings wurde ihr bislang nur we- 20 S, 5,3, Die über den Tyrolia-Verlag bestellten NS-Werke (3 L Oktober 1935),
nig Bedeutung geschenkt, vgL LANGER, Hudal (wie in Anm, 2), 69, Langer vermerkt 21 S, 5,3,4, Verlagsprovenienz,
330 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 331

Es blieb nicht beim reinen Studium. Nach Rom zurückgekehrt sah sich lerdings auch die besagten fünf Werke fehlen. Das legt den wichtigen Schluss
Hudal veranlasst, jene katholischen und protestantischen Bücher zu besorgen, nahe, dass es also keine ideologischen Gründe waren, die Hudals Bücherbe-
die den Nationalsozialismus kritisierten. In seinen Lebenserinnerungen notier- stand schwinden ließen. Wenn die Bestellliste auch mit jenen Werken abge-
te Hudal: glichen wird, die Hudal für seine Publikationen heranzog, ergibt sich eine
Als ich im Herbst 1934 nach meiner Rückkehr aus Deutschland die ersten weitere Schwierigkeit. Hudal verwendete nämlich nicht nur jene nationalsozi-
Vorarbeiten meines Buches begann, legte ich mir eine Bibliothek der gesamten alistischen Werke, die auf der Bestellliste von 1935 eingetragen sind, sondern
katholischen undprotestantischen Literatur an, soweit sie den Nationalsozialismus noch weitere dreißig NS-Werke, die sich nicht in seiner nachgelassenen Biblio-
behandelte und über die Dutzendware hinausragte, die den Nationalsozialismus thek finden lassen 27• Dazu gehören an erster Stelle die führenden Autoren der
verdammte, ohne seine Geschichte zu kennen 23 • „Deutschen Glaubensbewegung", eine mit völkischem Gedankengut geprägte
Hudals Lebenserinnerungen bieten keine laufenden Diarien-Einträge, Bewegung, welche das Christentum ablehnte und durch einen „arisch-nordi-
sondern sind eigentlich eine aus der Retrospektive verfasste Autobiographie. schen" Glauben ersetzen wollte 28 • Das religionsphilosophische Werk von Ernst
Das war in Bezug auf den Nationalsozialismus mit ein Grund, warum sie Graf von Reventlow „Wo ist Gott?" (1934) 29 fehlt genauso wie das Hauptwerk
bislang als wenig zuverlässig eingeschätzt wurden. Allerdings kam die neuere des Indologen und Religionswissenschaftlers Jakob Wilhelm Hauer „Deutsche
Hudal-Forschung zu dem Ergebnis, dass sich Hudals Behauptungen in seinen Gottschau. Grundzüge eines deutschen Glaubens" (1934) 30 , das Hudal we-
„Römischen Tagebüchern" als weitgehend richtig erwiesen 24 • gen seines schillernden Pantheismus31 ablehnte. Insgesamt bezeichnete Hudal
Tatsächlich haben sich zehn gegnerische Schriften zum Nationalsozia- die Deutschreligion - der auch Hitler kritisch gegenüberstand 32 - , wegen ihres
lismus im Büchernachlass von Hudal erhalren 25 • Um seine begonnene Arbeit Anspruchs auf eine „arische" Weltanschauung abschätzig als ein legitimes Kind
für die „Grundlagen" fortsetzen zu können, fasste Hudal im Herbst 1935 den der Rassenlehre3 3 • Denkbar ist, dass Hudal diese Bestände über Bibliotheken
Entschluss, sich auch die nationalsozialistische Literatur zu besorgen. Offen- konsultierte. Bei den Werken von Ernst Bergmann (1881-1945) erscheint diese
sichtlich bezweckte Hudal, den Nationalsozialismus nicht nur allein durch die Annahme jedoch nicht schlüssig. Bergmann, der ebenfalls zum Kreis der Deut-
Brille der Gegner zu studieren. Bekanntlich wollte Hudal als erster eine ideen- schen Glaubensbewegung zählte, war neben Alfred Rosenberg der führende
geschichtliche Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus Philosoph und Hauptideologe des Nationalsozialismus. Im Büchernachlass
schreiben, da seiner Meinung nach vom Vatikan und von den Bischöfen in erscheint von Bergmann lediglich ein Werk aus dem Jahr 193834 • Wie Do-
Deutschland bisher nur ungenügend Stellung bezogen worden war26 • Zwei- minik Burkard in seiner umfangreichen Studie aufzeigen konnte, war Hudal
felsohne belegt diese zufällig gefundene Bestellliste minutiös, dass auch diese zwischen 1934 und 1937 an der Indizierung der vier nationalsozialistischen
angekauften NS-Bücher einst zu Hudals Privatbibliothek gehörten. Werke durch das Heilige Offizium maßgeblich beteiligti5 • Da sich Werke zu

1.2. Bemerkenswerte Fehlbestände


27 S. A. HuDAL, Das Rassenproblem (Schriftenreihe im Dienste der katholischen Aktion
Ein Vergleich der nachgelassenen Hudal-Bücher und der „Bestellliste" 10/11). Lobnig 1936; DERS., Grundlagen (wie in Anm. 2), 66-81, 94-123.
macht deutlich, dass sich die Bestände kaum decken. Lediglich fünf auf der 28 S. dazu die umfassende Studie von S. BAUMANN, Die Deutsche Glaubensbewegung
Liste eingetragene Werke finden sich in Hudals nachgelassener Büchersamm- und ihr Gründer Jakob Wilhelm Hauer (1881-1962) (Religionswissenschaftliche Reihe
22). Marburg 2005.
lung. Wohin die anderen Bestände gelangten - nach der Liste zu schließen 29 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 17, Anm. 18.
fehlen immerhin 133 Werke - ist unbekannt. Zunächst wäre denkbar, dass 30 Ebd„ 18.
Hudal sie nachträglich entfernen ließ. Konsequenterweise müssten dann al- 31 Ebd.
32 L. VOLK (Bearb.), Akten Kardinal Michael von Faulhabers 1917-1945. Band 2 (Ver-
öffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A, Quellen 26). Mainz 1978,
188.
23 Ebd., 107. 33 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 18.
24 Exemplarisch H. WoLF, Der Vatikan öffnet seine Archive (wie in Anm. 11), 12 f„ 40. 34 ASMA, Scatola 13, 22 A 30.
25 S. Abschnitt 5.2. Gegnerische Bücher zum Nationalsozialismus. 35 BuRKARD, Häresie und Mythus (wie in Anm. 2), l lf. - 1. Alfred Rosenberg „Der My-
26 LANGER, Hudal (wie in Anm. 2), 69. thus" (Dccr. S. 0. 7. Februar 1934), s. AAS (1934), 93; 2. Ernst Bergmann „Deutsche
332 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 333

Alfred Rosenberg in Hudals Büchernachlass erhalten haben, ist es umso ver- Gauch „Neue Grundlagen der Rassenforschung" (1933) wäre ein derartiges
wunderlicher, dass diese Bestände zu Ernst Bergmann gänzlich fehlen. Grund- Beispiel40 • Herman Gauch (1899-1978) postulierte den nordischen Menschen
sätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sich Hudal mit jenen Autoren als Krone der Schöpfung und ordnete alle „nichtnordischen" Menschen den
eingehender beschäftigte, die er beim Heiligen Offizium zur Anklage brachte. Tiergattungen zu 41 . Diese Art von „Rassentheorie" erschien selbst den Natio-
Beim Beispiel Friedrich Nietzsche bestätigt sich diese Annahme vollends. Hu- nalsozialisten abstrus, weshalb das Werk Gauchs auf die Liste des schädlichen
dal, der selbst als Konsultor für das Heilige Offizium tätig war, beabsichtigte und unerwünschten Schrifrtums gesetzt wurde 42 .
1937 auch die Werke Friedrich Nietzsches als Grundlage und Kampfursache
der modernen Geistesverwirrung:1 6 beim Heiligen Offizium anzuzeigen. Da Hu-
dal aber wegen des „Grundlagen"-Buches spätestens seit 1936 bei Papst und 2.1. Alfred Rosenberg und Jakob Nötges
Kurie in Ungnade gefallen war, scheiterte sein Vorschlag 37. Für die Vorarbeit Ganz anders hingegen sieht der Bücherbefund zu Alfred Rosenberg
seiner Anzeige besorgte sich Hudal zahlreiche Bücher von und über Friedrich (1892-1945) aus. Er enthält drei Werke 43 , was auf eine eingehende Beschäf-
Nietzsche. Dementsprechend haben sich auch vierzehn Werke zu diesem The- tigung mit dem führenden Ideologen des Nationalsozialismus schließen lässt.
ma in seinem Büchernachlass erhalten. Selbst die Nietzsche-Biografie 38 von Handschriftliche Vermerke lassen sich allerdings nur beim „Mythus" nach-
Josef Hofmiller aus dem Jahr 1934 ist darunter, jenes Werk also, das Hudal weisen. Auf der ersten Seite fällt Hudals schräg gezeichnete Unterschrift ins
für die Ausarbeitung seines Nietzsche-Vortrages in Wien heranzog 39 . Allein Auge. Bis auf einige Stockflecken ist dieses wichtigste Werk Rosenbergs in ei-
dieser Bücherbefund zu Nietzsche lässt den analogen Schluss zu, dass auch nem guten Erhaltungszustand. Von Interesse ist zunächst die Ausgabe, mit der
die Werke Bergmanns einst einen wichtigen Bestandteil in Hudals Privatbib- Hudal gearbeitet hat. Hudal besaß nämlich nicht die Erstausgabe, sondern die
liothek ausgemacht haben müssen. Bei Hudals Büchernachlass handelt es sich vierte Auflage aus dem Jahr 1932. Das ist insofern von Bedeutung, da Rosen-
offensichtlich um eine Art Restbestand einer ursprünglich weitaus größeren berg im Vorwort dieser Auflage bereits die gegnerischen Reaktionen vorbringt.
Privatbibliothek. Bezogen auf die Themen Nationalsozialismus, Rassenkunde, Auf diese Weise wurden Hudal die Namen der Gegner von katholischer Seite
Antisemitismus und Faschismus lässt sich nach dem jetzigen Wissensstand be- bzw. deren Argumentationsweisen zugespielt. Rosenbergs Gegenkritik hatte es
haupten, dass sie mindestens 176 Werke enthielt. vor allem aufJakob Nötges SJ (1880-1963), einen Professor für Homiletik in
Valkenburg, abgesehen, da er in Bezug auf den „Mythus" eine totale Unverein-
barkeit von Nationalsozialismus und Katholizismus konstatiere 44 . Außerdem
2. AUSGEWÄHLTE HANDSCHRIFTLICHE VERMERKE
hatte Nötges in seiner Polemik Rosenberg gegenüber nicht vor persönlichen
Bei der Durchsicht von Hudals Büchernachlass fallt auf, dass zahlreiche Untergriffen gescheut. Genau diese Textstellen nutzte nun aber Rosenberg,
handschriftliche Vermerke vorkommen,. allerdings nicht in allen Büchern. um sie gegen Nötges bzw. gegen die Gesellschaft Jesu und im Allgemeinen
Manche Werke erscheinen in einem Zustand, als ob sie über die Zeit fast un- auch gegen die katholische Kirche wirkungsvoll einzusetzen. Nötges wird in
berührt geblieben wären. Offensichtlich hatte Hudal diesen Werken wenig Be- Rosenbergs Vorwort wie folgt zitiert:
achtung geschenkt, sie vielleicht auch gar nie gelesen. Das Buch von Herman

Nationalkirche" (Decr. S. 0. 7. Februar 19.34), s. AAS (1934), 94; 3. Alfred Rosenberg 40 ASMA, Scarola 4, 20 G 49.
„An die Dunkelmänner" (Decr. S. 0. 19. Juli 1935), s. AAS (1935), 304; Ernst Berg- 41 ASMA, Scatola 4, 20 G 49, Gauch 1933, 41.
mann „Die natürliche Geistkirche" (Decr. S. 0. 17. November 1937), s. AAS (1937), 42 S. Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums. Stand vom Oktober 1935.

471. Streng vertraulich! Nur für den Dienstgebrauch, hrsg. von der Reichsschrifttumskam-
36 HuDAL, Tagebücher (wie in Anm. !), 120. mer. Berlin 1935, 42.
Ebd. 43 ASMA, Scatola 13, 22 A 30; 22 B 7; 22 B 8.

38 ASMA, Scatola 9, 37/VI. 44 Zu Nötges, s. R. BAUMGÄRTNER, Weltanschauungskampf im Dritten Reich. Die Aus-

39 Hudal hielt seinen Vortrag zu Friedrich Nietzsche am 14. April 1937 im „Wiener Kul- einandersetzung der Kirchen mit Alfred Rosenberg (Veröffentlichungen der Kommission
turbund" in Wien, vgl. ANONYMUS, Bischof Hudal über Nietzsche und die Gegen- für Zeitgeschichte, Reihe B, Forschungen 22). Mainz 1977, 145 f.; BuRKARD, Häresie
wart. Neue Freie Presse (14. April 1937), 5. und Mythus (wie in Anm. 2), 56-62.
334 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 335

Dieser Balte [gemeint ist Rosenberg] ist Kulturkämpfer, wie man Boxer ist. von ihm persönlich, sondern über Holland' 0 angezeigt. Hudal nennt den ei-
Der arme Mensch leidet an unheilbarer Petersplatzangst, die sich in T:oben und gentlichen Initiator jedoch nicht. Burkard, der dieser Frage wohl am gründ-
Schreien äußert. Dann wird Hitler der Rat gegeben, mich „in eine Zwangsjacke" lichsten nachgegangen war, hielt fest, dass die heiße Spur Jakob Nötges bislang
zu stecken, da Kaltstellen [sie!] nichts mehr nütze45 • am meisten für sich habe51 . Eine von ihm veranlasste Durchsicht des im Ar-
Hudal unterstrich diese Textstelle im „Mythus", wie er auch den Passus in chiv der Norddeutschen Jesuitenprovinz aufbewahrten Nachlasses von Nötges
eine Zwangsjacke gesondert hervorhob. Es ist sicher kein Zufall, wenn sich auch konnte diese These jedoch nicht bestätigen52 . Die Zusammenschau der hand-
Jakob Nötges Abwehrschrift „Nationalsozialismus und Katholizismus" (1931) schriftlichen Vermerke in den Büchern von Rosenberg und Nötges erhärtet
in Hudals Büchersammlung findet. Erwartungsgemäß enthält sie ebenfalls jedoch die These Burkards, dass Jakob Nötges aus dem südholländischen Val-
zahlreiche handschriftliche Vermerke. Einen fetten Blaustrich am Seitenrand kenburg Rosenbergs „Mythus" beim Heiligen Offizium zur Anzeige brachte.
erhielt beispielsweise folgende Textstelle:
Der Nationalsozialismus ist nicht nur eine politische Partei, sondern auch 2.2. Friedrich Hertz und lgnaz Zollschan
eine Weltanschauung. In dieser Eigenheit nimmt er zur Religion Stellung und
erhebt Forderungen auf religiösem Gebiete46 . Hudals Büchernachlass enthält das Werk „Modeme Rassentheorien"
Allem Anschein nach las Hudal das Werk von Nötges mit den Augen des (1904) 53 • Es wurde von Friedrich Hertz (1878-1964) verfasst, einem österrei-
Konsultors des Heiligen Offiziums, eine Tätigkeit, die er seit 1927 ausübte 47. chisch-jüdischen Autor, der als junger Ökonom Houston Steward Chamber-
Hudal bekleidete aber auch seit 1933 das Amt eines Bischofs. Folgende Text- lains Rassentheorie von der Überlegenheit der Arier widerlegte und entschieden
stelle bei Nötges schien Hudal direkt angesprochen zu haben. Dementspre- zurückwies. Das Werk enthält zwar keine handschriftlichen Notizen, auffällig
chend hob sie Hudal ebenfalls mit einem blauen Strich am Seitenrand hervor: ist aber, dass sich Hudal die fünfte Auflage von Chamberlains „Grundlagen
Deshalb müssen wir Bischöfe als Hirten und Verkünder der katholischen des Neunzehnten Jahrhunderts" aus demselben Jahr, nämlich 1904, besorg-
Glaubens- und Sittenlehre vor dem Nationalsozialismus warnen, weil und solange te54. Damit bestätigt dieser Befund das zuvor vorgefundene Denkmuster
er Anschauungen verfolgt und verbreitet, die mit der katholischen Lehre unverein- Hudals, das wie bei einem „Gelehrten" darauf bestrebt war, möglichst un-
bar sind. Es kann deshalb dem Katholiken nicht erlaubt sein, diese Anschauungen terschiedliche Standpunkte für eine objektive Urteilsfindung einzuholen. Von
als wahr anzunehmen und sie mit Wort und Tat zu bekennen 48 . Interesse erscheint hier, dass sich Hudal augenscheinlich auch mit dem jüdi-
Diese beiden Textstellen zeigen deutlich auf, dass Hudal Nötges Abwehr- schen Diskurs über die Rassentheorien auseinandersetzte. Eine Entdeckung in
schrift aus einem ganz bestimmten Blickwinkel gelesen hatte. Seine hand- Hudals Nachlass untermauert diese Annahme. In einem Konvolut fand sich
schriftlichen Verweise erschließen sich als eine Art Inspirationsquelle für die das Schriftstück von Ignaz Zollschan55 „Die Bedeutung des Rassenfaktors für
ersten Überlegungen, Rosenbergs „Mythus" vor dem Heiligen Offizium zur die Grundfragen der Kulturmorphologie" (1934) 56 . Der österreichisch-jüdi-
Anklage zu bringen. Diese Deutung lässt sich durchaus auch in den zeitlichen sche Röntgenarzt und Anthropologe Ignaz Zollschan (1878-1948) war der
Ablauf des Verfahrens einordnen. Dominik Burkard, der dahingehend die Ar- Autor von „Das Rassenproblem" (1910) 57, das bis 1925 in fünf Auflagen er-
chivquellen des Heiligen Offiziums detailliert auswertete, kam zum Ergebnis,
dass das Verfahren im Heiligen Offizium nicht vor Oktober 1933 eingeleitet
50 HuDAL, Tagebücher (wie in Anm. 1), 120.
51 BuRKARD, Häresie und Mythus (wie in Anm. 2), 61.
wurde49 . Nach Hudals eigenen Angaben wurde Rosenbergs „Mythus" nicht 52 Ebd.

53 ASMA, Scatola 8, 20 F 4.
54 ASMA, Scatola 5, 19 E 5; 19 E 6. Hudal schaffte sich 1935 auch die zweibändige „un-

45 ASMA, Scarola 13, 22 B 7, Rosenberg Mythus, Vorwort zur dritten [sie] Auflage, 29. gekürzte Volksgabe" an, vgl. ASMA, Scatola 7, 20 C 23; 20 C 24.
55 S. die Detailstudie P. RoHRBACHER, Die Enzyklika „Mit brennender Sorge", Zoll-
46 ASMA, Scatola 13, 22 A 15, Nötges 1931, 121.
47 S. D. BuRKARD, Alois Hudal als Konsultor der Congregatio Sancti Officii, in diesem schan, Pacelli und die Steyler Missionare. RömQua 109 (2014), 198-225, besonders
Band. 200-210.
48 ASMA, Scarola 13, 22 A 15, Nötges 1931, 127. 56 ASMA, NL Hudal, K 61, fol. 347, 1-13. Das Manuskript zählt nicht zu Hudals nach-

49 BuRKARD, Häresie und Mythus (wie in Anm. 2), 69; s. auch S.RR.S, AA.EE.SS, Au- gelassener Bibliothek.
57 Zollschan postulierte unter Einbeziehung der „Engrammtheorie" von Richard Semon
stria-Ungheria, 1933-1937, Pos. 883, P.O., Fase. 44, fol. 32"-33", Hudal, 5. Oktober
1933, an Staatssekretariat, Hudals Gutachten über T. lnnitzers Promemoria. (1859-1918) eine „jüdische Rasse", die er unter dem Eindruck des Nationalsozialismus
336 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 337

schien58 und von den Nationalsozialisten, ebenso wie die Werke von Hertz, sehen Rassenlehre für den Vatikan zu erstellen 65 . Diese Vermutung ließ sich
verboten wurde 59 . Nach der Machtergreifung Hitlers ging Zollschan von Karls- jedoch bislang nicht erhärten 66 . Ein Fundstück im Vatikanischen Geheimar-
bad ins Exil nach London. Von dort aus organisierte er ein wissenschaftliches chiv brachte schließlich die Lösung ans Tageslicht. Hier findet sich nämlich
Forum auf internationaler Ebene, um die Rassenideologie des Nationalsozialis- Innitzers Visitenkarte, die Zollschan Pacelli am 1. Mai 1934 im Zuge sei-
mus zu entkräften 60 • Das dreizehnseitige Manuskript war ein Problementwurf ner Privataudienz überreichte. Auf diese hatte Innitzer am 14. Jänner 1934
einer Enquete zur Rassenfrage 61 • Mit seinem Aufruf erhoffte sich Zollschan, die in Wien eine Empfehlung für Zollschan an Bischof Hudal vermerkt 67 • Zoll-
internationale Forschungsgemeinschaft zu erreichen, um die „Rassenfrage" auf schan hatte demnach während seines Romaufenthalrs vor seiner Privataudienz
rationaler Ebene klären zu können 62 • Mögen diese Ausführungen, so die Schluss- mit Pacelli auch Hudal seine Enquete persönlich überreicht. Die zahlreichen
worte Zollschans, einen dahingehenden Appell der Öffentlichkeit an die W1ssen- hinterlassenen blauen Vermerke lassen jedenfalls erkennen, dass sich Hudal
schaft ausliisen 63 ! Zollschan veröffentlichte seinen Aufruf an die Wissenschaft mit dieser Enquete eingehend befasste. Immerhin ist Zollschans Kernsatz mit
in drei Sprachen, auf Deutsch, Französisch und auf Englisch. einem blauen Strich am rechten Seitenrand hervorgehoben. Nach Zollschan
Von Interesse bei diesem brisanten Fundstück ist, dass es sich nicht um wäre das Grundthema einer solchen Enquete durch folgende Frage am besten
die eigentliche Publikation, sondern um ein Manuskript im Stadium eines umschrieben:
Vorabdrucks handelt. Auf das Deckblatt notierte Hudal mit blauem Stift das Ob der Rassenfaktor den allein oder hauptsächlich entscheidenden Wert für
Datum 25. April 1934 64 . Demnach erhielt Hudal rund zwei Monate nach der die Kulturentwicklung besitzt6 8 •
Indizierung von Rosenberg und Bergmann dieses noch ungebundene Druck- Zollschan gab mit dieser Frage implizit zum Ausdruck, dass der Rassen-
werk. Leider sind keine weiteren Schriftstücke beigelegt, die über den weiteren faktor keinen Einfluss auf die menschliche Kulturentwicklung ausübe. Offen-
Hergang Aufschluss geben könnten, wie Hudal in den Besitz dieses Schrift- sichtlich wollte Hudal mit dem Vermerk seine diesbezügliche Zustimmung
stücks gelangte. Die einfachste Erklärung wäre, dass Hudal das Manuskript auszudrücken. Werden Hudals publizierte Aussagen zur Rassenthematik
von Zollschan direkt über den Postweg zugesandt bekam. Denkbar wäre auch herangezogen, taucht Zollschans Kernsatz in leicht abgeänderter Form auch
eine erfolgte Übergabe durch den österreichischen Afrikanisten Albert Drexel wieder auf. In Hudals Schrift „Deutsches Volk und christliches Abendland"
(1889-1977), der einen Monat zuvor, nämlich am 25. März 1934, von Hu- (1935) heißt es:
dal eingeladen wurde, ein Gutachten zur Widerlegung der nationalsozialisti- Niemand bestreitet das Recht der Rassenlehre, solange nicht Schlußfolgerun-
gen ins kulturelle (sie!] hineingetragen werden, die das Christentum als artfremde
Religion ablehnen und geradezu von einem Mysterium des Blutes sprechen 69 •
Hudal scheint hier den Gedanken Zollschans aufgegriffen und diesen mit
wieder relativierte. Zum Wandel von Zollschans Rassentheorie, s. Z. BACHARACH,
Ignaz Zollschans Rassentheorie, in: Jüdische Integration und Identität in Deutsch-
dem Christentum verknüpft zu haben. Wer deshalb den Rassegedanken über-
land und Österreich 1848-1918. Internationales Symposium, April 1983, hrsg. von W. spitzt, formulierte Hudal später seinen konditionalen Kerngedanken zum Ras-
GRAB Uahi:buch des Instituts für Deutsche Geschichte 6). Tel-Aviv 1984, 179-189. senproblem, muss mit unerbitterlicher Notwendigkeit zur Ablehnung des Chris-
58 V. LrPPHARDT, Biologie der Juden. Jüdische Wissenschaftler über „Rasse" und Verer- tentums kommen 70 • Am Ende des Manuskripts, also jene Stelle, wo Zollschan
bung, 1900-1935. Göttingen 2008, 253, Anm. 35.
59 S. Liste, hrsg. von der Reichsschrifttumskammer (wie in Anm. 42), 53, 137; Liste,

hrsg. von der Reichsschrifttumskammer (wie in Anm. 12), 57, 168. Hertz hatte 1930 65 K. E. GIRSBERGER, Albert Drexel. Schicksal und Werk eines österreichischen Gelehr-
Günthers Lehrstuhlbesetzung für „Sozialanthropologie" an der Universität Jena öf- ten. Zürich 1947, 6.
fentlich kritisiert, s. F. HERTZ, Hans Günther als Rassenforscher. Berlin 1930. Nach 66 P. RoHRBACHER, Österreichische Missionsexperten als kuriale Ratgeber für die „Ras-

der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden seine Werke verboten. sendiskussion", in: Römische Kirchenleitung im Schatten der Diktatoren: Pius XI.,
60 Näher behandelt bei LrrPHARDT, Biologie (wie in Anm. 58), 252-258. Österreich und die „kleinen katholischen Nationen" Europas. Internationale Tagung
61 ASMA, NL Hudal, K 61, fol. 347 [Seite 13]. am 22./23. November 2012 in Wien, hrsg. von R. KLIEBER, im Druck.
62 Ebd.; vgl. auch Das Initiativkomitee zur Veranstaltung einer Weltenquete über die 67 ASV, SdS, 1934, Rubrica 52, fase. 2, fol. 188-207, hier 189f. Udienza del Card. Se-

Rassentheorie (Zollschan), Wissenschaftliche Rassenkunde oder nicht? Der christliche gret. di e omaggio pubblicaz. „Die Bedeutung des Rassenfaktors".
Ständestaat 3 (1. November 1936), 105lf. 68 ASMA, NL Hudal, K 61, fol. 347 [Seite 5].

63 Ebd. 69 HuDAL, Deutsches Volk (wie in Anm. 12), 15 f.

61 ASMA, NL Hudal, K 61, fol. 347 [Deckblatt]. 70 DERS., Rassenproblem (wie in Anm. 27), 30 f.; DERS., Grundlagen (wie in Anm. 2), 80.
338 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 339

seine Agitation zur „wissenschaftlichen Klarstellung" der Rassenfrag<: darlegt, mus7 8 berührte, war er bereit, sich in diese für ihn fachfremde Materie ein-
findet sich Hudals letzte Hervorhebung: zuarbeiten. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich Hudal das Wissen
Die Notwendigkeit, eine dem heutigen wissenschaftlichen Stande entsprechen- zur Rassenthematik auf autodidaktische Weise, also im reinen Selbststudium
de autoritative Antwortfür diese Fragen zu suchen, ergibt sich deshalb von selbst71 • aneignete. Vor allem sein vorhin aufgezeigter kontinuierlicher Bücherankauf
Nach Hudal hätte diese Aufgabe die römische Kongregation für die Glau- bekräftigt diese Einschätzung. Umso interessanter erscheint die daraus resul-
benslehre zu erfüllen. Denn ganz im Sinne eines Tatchristen 72 empfahl Hudal tierende Frage, welche Auswahl an Autoren Hudal traf, um das „Rassenprob-
dem Heiligen Offizium ein wissenschaftliches Votum über die Rassenlehre er- lem" aus seiner Sicht aufzurollen.
stellen zu lassen. Um sein Anliegen zu bekräftigen, setzte Hudal ein Schreiben
mit dem Titel Nationalismus - Blutlehre - Totalität des Staates auf und über- 3.1. Wilhelm Schmidt
gab es am 18. Oktober 1934 dem Assessor der Glaubenskongregation, Nicola
Canali (1874-1961). Nach Hudal wäre die Verdammung der Bücher von Ro- Ein Autor, der in diesem Zusammenhang auf Hudal einen maßgeblichen
senberg und Bergmann seitens des Heiligen Offiziums gewiss ein erster Schritt Einfluss ausübte, war ohne Zweifel der bekannte Ethnologe Wilhelm Schmi<lt
gewesen. Angesichts der größer werdenden Gefahr des Nationalsozialismus SVD (1869-1954)7 9• Diese Annahme wird durch das zuvor genannte Schrei-
sollten diese drei modernen Häresien: radikaler Nationalismus, Rasse und Blut ben80 vom 18. Oktober 1934 erhärtet, worin Hudal dem Assessor des Heiligen
als Grundlagen der Religion (Weltanschauung) und Totalitärstaat durch eine En- Offiziums folgende Empfehlung abgegeben hatte:
zyklika oder durch einen neuen Syllabus auffeierliche Weise verdammt werden73 • Wenn dem noch etwas hinzuzufogen gestattet ist, sei es mir erlaubt, für die
Als eigentlichen Anstoß, das Heilige Offizium zu diesem Schritt zu bewe- Ausarbeitung eines Votums den hervorragenden Kenner des Gegenstandes zu emp-
gen, nannte Hudal eine an die Hitlerjugend gerichtete Radiosendung über die fehlen, der vor einigen Jahren schon eine trejfiiche Schrift über die Rassenlehre
„Rassentheorie", die er wenige Tage zuvor mit eigenen Ohren hören konnte74 und veröffentlicht hat: P. W Schmidt ... 81 •
das Werk von Hans F. K. Günther „Frömmigkeit nordischer Artung" (1934), Schmidt war der Autor von „Rasse und Volk" (1927), einem Werk, das aus
das er als eine große Gefahr besonders für die Jugend einschätzte75 . Nur einmal katholischer Sicht die NS-Rassenideologie lange vor Hitlers Machtergreifung
wird Zollschan von Hudal zitiert76 , in seinen Lebenserinnerungen scheint der vehement kritisierte 82 Hudals Vorschlag erschien durchaus logisch und konse-
Name Zollschan schließlich gar nicht mehr auf. Den handschriftlichen Ver- 78 Ebd., 3.
merken nach zu schließen war aber Zollschan für Hudal so etwas wie eine 79 Wilhelm Schmidt SVD (16. Februar 1868 in Hörde, heure Dortmund, gestorben
Triebfeder, die ihn ermutigte, weitere Maßnahmen in der Öffentlichkeit gegen 10. Februar 1954 in Fribourg, Schweiz) war Ordenspriester, Sprachwissenschaftler und
die NS-Rassenlehre zu setzen. Ethnologe. 1890 Ordenseinrritt, 1892 Priesterweihe, 1895 Professor für Völker- und
Sprachenkunde am Missionsseminar St. Gabriel in Mödling bei Wien, 1902 Öster-
reichische Staatsbürgerschaft, 1923-1924 Wissenschaftlicher Kurator für die Vati-
3. HuDALS ZuGANG ZUM „RASSENPROBLEM" kanische Missionsausstellung 1925, 1926-1939 Direktor des Päpstlichen Ethnologi-
schen Museums im Lateran, 1921-1938 Privatdozent für Völker- und Sprachenkunde
Hudal bezeichnete das „Rassenproblem" als eine überaus schwierige Frage77 . an der Universität Wien, 1942-1948 Professor an der Universität Fribourg, Schweiz.
Da es für ihn aber den Kernpunkt des weltanschaulichen Nationalsozialis- Die wichtigsten biografischen Arbeiten zu Schmidt stammen von J. HENNINGER, P.
Wilhelm Schmidt (1868-1954). Eine biografische Skizze. Anthropos 51 (1956), 19-60;
F. BoRNEMANN, P. Wilhelm Schmidt S.V.D. 1868-1954 (Analecta SVD 59). Roma
71 ASMA, NL Hudal, K 61, 347 [Seite 13]. 1982, und E. BRANDEWIE, When giants walked the earth. Tue life and times ofWil-
72 A. HuDAL, Tatkatholizismus. Graz 1923, 10. helm Schmidt, SVD (Studia lnstituti Anthropos 44). Fribourg 1990.
73 HuDAL, Tagebücher (wie in Anm. 1), 126. 80 HUDAL, Tagebücher (wie in Anm. 1), 122-126.
74 Ebd., l 23. 81 Ebd., 126, Schlusssatz des Empfehlungsschreibens. Da sich Schmidt über Hudals
75 Ebd. Dieses Werk von Günther taucht weder im Büchernachlass noch in der Bestellli- Empfehlung nie geäußert hat, muss angenommen werden, dass er davon nie in Kennt-
ste auf. nis gesetzt worden ist.
76 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 19, Anm. 21, bzw. DERS., Grundlagen (wie 82 W. ScHMIDT, Rasse und Volk. Eine Untersuchung zur Bestimmung ihrer Grenzen
in Anm. 2), 272, Anm. 40. Aus einem nicht näher ersichtlichen Grund zitierte Hudal und zur Erfassung ihrer Beziehungen. München 1927. Diese Schrift beruhte auf ei-
die französischsprachige Ausgabe. nem 1926 in Stuttgart gehaltenen Vortrag. Erstmals abgedruckt in DERS., Rasse und
7 ' HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 23. Volk. Hochland 24 (192611927), 407-425, 558-580; vgl. auch DERS., Das Rassen-
340 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 341

quent. Immerhin zählte Schmidt zu den einflussreichsten katholischen Gelehr- (1892-1974). Noch deutlicher wird Hudals Anlehnung an Schmidt bei der
ten. Als Direktor des Päpstlichen Museo missionario-etnologico war Schmidt Betrachtung seiner Öffentlichkeitsarbeit. Schmidt hielt am 27. Februar 1936
bestens im Vatikan vernetzt, galt als Vertrauter des Papstes und genoss zu- in Wien den Vortrag „Blut und Boden, Rasse und Volk" 9 ', der in der Reichs-
dem auch hohes Ansehen an der Kurie 83 • Dem Wunsch Hudals entsprechend post mit der Schlagzeile Die Widerlegung der Irrlehre von „Blut und Boden"92
wurde auch kurz danach ein „Rassensyllabus" in Auftrag gegeben, allerdings betitelt wurde. Keine drei Wochen danach sprach Hudal ebenfalls in Wien am
verzögerten sich die Arbeiten an der Kurie zusehends, bis sie schließlich voll- 17. März 1936 über „Das Problem des Rasseneinflusses auf das abendländi-
ends eingestellt wurden 84 • In seinen Lebenserinnerungen machte Hudal dafür sche Christentum" 93 . Werden beide Vorträge einem Vergleich unterzogen, wird
Francesco Marchetti-Selvaggiani (1871-1951), Kardinalsekretär der Congre- deutlich, dass sie einander vom Inhalt, aber auch von der Art und Weise, wie
gatio de Propaganda Fide, verantwortlich, da dieser keinen offenen Kampf ge- die NS-Rassenlehre zu entkräften versucht wurde, ähneln. Beispielsweise legte
gen den Nationalsozialismus zu führen gedachte 85 • Bekanntermaßen reagierte Schmidt das Argument vor, dass die Überbetonung des Rassenbegriffes bei den
Hudal auf dieses Zaudern dadurch, indem er begann, seine eigenen Schritte Nationalsozialisten durch die fortschreitende Forschung bereits wesentlich korri-
in die Öffentlichkeit zu setzen 86 • Dafür übernahm Hudal Schmidts zentralstes giert worden sei 94 . Hudal griff dann in seinem Vortrag bei der NS-Rassenleh-
Argument, das auf der katholischen Philosophie fußte. Danach sei die Seele re den Radikalismus an, den er als unerwünschte Überspitzung bezeichnete95 •
einzigartig und werde von Gott für jedes Individuum neu geschaffen87 • Schmidt argumentierte, dass statt des starren statischen Rassebegriffes immer
Schmidts abgeleiteter Kernsatz Die Seele als solche hat keine Rasse, wie sie mehr der dynamische zur Anerkennung komme96 • Bei Hudal taucht dieses Argu-
auch keine irdische Heimat hat53 8 bedeutete: Eine Wissenschaft über die mensch- ment von Schmidt als Rassen sind nichts Starres 97 wieder auf. Erwähnenswert ist
lichen Rassen könne folglich auch nur begrenzte Aussagen über den Men- wohl auch, dass bei beiden Vorträgen dieselben österreichischen Ehrengäste aus
schen treffen. Mit diesem argumentativen Rüstzeug war es Hudal möglich, Politik, Kultur und Kirche anwesend waren98 , obwohl die Vorträge unabhän-
die nationalsozialistische Weltanschauung, die die Rassenseelenkunde89 zu einer gig voneinander organisiert worden waren. Bei Schmidt war es die Erzdiözese
,Wissenschaft' erhoben hatte, zurückzuweisen. Im Zentrum von Hudals Kri- Wien, bei Hudal der Wiener Kulturbund. Ausschlaggebend, weshalb der sech-
tik standen die Werke90 des NS-Rassentheoretikers Ludwig Ferdinand Clauß zehn Jahre jüngere Hudal Schmidt zum Vorbild nahm, war sicherlich ihre ge-
meinsame katholisch-nationale Gesinnung, die im Schrifttum beider Autoren
prinzip des Nationalsozialismus. Schönere Zukunft 7, 43 (24. Juli 1932), 999f. Sein
darin enthaltener Schlusssatz lautet: Es ist undenkbar, daß ein wirklich denkender und
lebendiger Katholik Nationalsozialist sei.
83 P. RoHRBACHER, Völkerkunde und Afrikanistik für den Papst. Missionsexperten und Rassenseelenkunde (1934), und Rasse und Charakter 1 (1936); vgl. HuDAL, Rassen-
der Vatikan 1922-1939. RHM 54 (2012), 605-632, hier 606. problem (wie in Anm. 27), 9, Anm. 8; s. auch Abschnitt 5.3.1. Gelieferte Werke.
84 WoLF, Pius XI. (wie in Anm. 11), 25; HUMMEL, Hudal (wie in Anm. 2), 107f. 91 Abgedruckt in SCHMIDT, Blut - Rasse - Volk (wie in Anm. 88), 43-81, mit der
85 HuDAL, Tagebücher (wie in Anm. !), 121. Druckerlaubnis vom 29. Mai 1936. Schmidt hielt insgesamt vier relevante Vorträge
86 D. BuRKARD, Alois Hudal - ein „Anti-Pacelli"? Zur Diskussion um die Haltung des zum Rassenthema: 1. 1926 in Stuttgart, 2. 1931 in Gleiwitz, 3. 1932 in Hildesheim
Vatikans gegenüber dem Nationalsozialismus. Zeitschrift für Religions- und Geistes- und 4. 1936 in Wien, s. RoHRBACHER, Missionsexperten (wie in Anm. 66).
geschichte 59/l (2007), 61-89; Hudal veröffentlichte sein „Grundlagen-Buch" ohne 92 ANONYMUS, Die Widerlegung der Irrlehre von „Blut und Boden". Reichspost 43
vorher die kirchliche Genehmigung eingeholt zu haben, s. HUDAL, Tagebücher (wie in (27. Februar 1936), 6.
Anm. 1), 130; HUMMEL, Hudal (wie in Anm. 2), 109. 93 ANONYMUS, Rasse und Christentum, Reichspost 43 (19. März 1936), 6; ANONYMUS,
87 Hudal zitierte folgende Werke von Wilhelm Schmidt: Die Stellung der Religion zu BischofHudal über das Rassenproblem. Neue Freie Presse (19. März 1936), 6; ANONY-
Rasse und Volk (Bücherei des katholischen Gedankens 13). Augsburg 1932; Rasse und MUS, Rasseneinfluss im Christentum. Wiener Zeitung 233 (19. März 1936), 9.
Volk. Ihre allgemeine Bedeutung. Ihre Geltung im deutschen Raur„. Salzburg 2 1935; 94 ANONYMUS, Widerlegung (wie in Anm. 92), 6.
vgl. HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 23, Anm. 22. 95 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 32.
88 SCHMIDT, Rasse und Volk (wie in Anm. 82), 420; DERS., Blut - Rasse - Volk, in: 96 ANONYMUS, Vortrag des Universitätsprofessors Pater Schmidt. Neue Freie Presse
Kirche im Kampf. Im Auftrage der Katholischen Aktion, Hauptstelle Kunst und Wis- (27. Februar 1936), 4.
senschaft, hrsg. von C. HmzMEISTER. Wien-Innsbruck 1936, 43-81, hier 67. 97 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 29.
89 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 8 f. 98 Anwesend waren Kardinal Innitzer, Bundeskanzler Schuschnigg und Staatssekretär
9° Folgende Werke von Clauß werden zitiert: Rasse und Seele. Eine Einführung in Pernter, vgl. ASMA, NL Hudal, K 64, fol. 715f.; ANONYMUS, Rasse und Christentum
den Sinn der leiblichen Gestalt (1933); Die nordische Seele. Eine Einführung in die (wie in Anm. 93), 6.
342 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 343

deutlich zu Tage tritt 99 • Ein wichtiges Anliegen von Schmidt und Hudal war haben muss. Immerhin sind fünf Werke von Günther nachweisbar, eines da-
es, den geschichtlichen Nachweis zu erbringen, dass die „deutsche Kulturar- von hat sich sogar in doppelter Ausführung erhalten 105 . Im selben Zusammen-
beit" nicht auf eine gemeinsame heidnische „germanische Rasse" zurückgehe, hang zitierte Hudal aber auch den führenden Anatom der Prager Universität,
sondern erst durch das katholische Christentum ermöglicht wurde100 . Kare! Weigner (1874-1937), der sich in körperlicher und geistiger Hinsicht für
die Gleichwertigkeit europäischer Rassen aussprach und somit die NS-Rassenge-
3.2. Oswald Menghin setzgebung entschieden ablehnte106 . Hudal war also auch beim „Rassenprob-
lem" bestrebt, die unterschiedlichen Standpunkte wie ein Gelehrter möglichst
Das „Grundlagen-Buch" befand sich bereits im Druck, als sich Hudal „objektiv" einzuholen. Hudals wichtigste Vorlage dazu, das Für und Wider des
im Juni 1936 dazu entschloss, das zentrale Kapitel daraus - Hudal betitelte es Rassenproblems wissenschaftlich abzuwägen, war mit ziemlicher Sicherheit
mit „Das Rassenproblem"!Ol - selbstständig in der Tschechoslowakei zu pub- das Werk „Geist und Blut" (1934), verfasst vom österreichischen Prähistoriker
lizieren102. Wie vorhin aufgezeigt, übernahm Hudal diesen Begriff zwar von Oswald Menghin (1888-1973)!0 7. Markante Formulierungen aus dem Kapitel
Zollschan, die inhaltliche Erörterung entstand jedoch unter dem Eindruck „Grundsätzliches zur Rassenfrage" 108 legen darüber ein klares Zeugnis ab. Bei-
der Nürnberger Rassengesetze. Dieser Zusammenhang wird dann ersicht- spielsweise benutzte Menghin den Satz: Die Wirklichkeit des Rassenbegriffe ist
lich, wenn Hudals diesbezügliche zitierte Literatur herangezogen wird. Hu- damit aufalle Fälle gesichertw 9• Bei Hudal heißt es dann in leicht abgewandelter
dal nannte an erster Stelle die verschiedenen Werke von Hans F. K. Günther Form: Die Wirklichkeit des Rassenbegriffe kann nicht geleugnet werden 110 . Noch
(1891-1968), da sie die geistigen Grundlagen für die Gesetzgebung des natio- deutlicher wird die Übernahme beim folgenden Beispiel: Um die grundlegend
nalsozialistischen Rechts gelegt hätten 103 • Ein Blick auf die zahlreichen Werke lose Beziehung zwischen Seele und Rasse zu verdeutlichen, sprach Menghin
von Günther, die Hudals Privatbibliothek enthielt, macht deutlich, dass sich von einer sekundären Blutbedingtheit des Geistigen 111 . Diese etwas kryptisch
Hudal mit dem Rassepapst 104 des Nationalsozialismus eingehend beschäftigt anmutende Formulierung änderte Hudal in zweitrangig blut- und körperbe-
dingt112 ab, und zwar an der Stelle, wo er über das menschliche Geistesleben
99 Exemplarisch s. W. SCHMIDT, Der deutschen Seele Not und Heil. Eine Zeitbetrach- sprach. Mit Ausnahme der Judenfrage 113 folgte Hudal Menghin auf Schritt und
tung. Paderborn 1920; A. HuoAL, Ecclesiae et Nationi. Katholische Gedanken in
einer Zeitenwende. Rom 1934.
100 Vgl. SCHMIDT, Stellung (wie in Anm. 87), 38-41; DERS., Seele, Körper, Vererbung.

Schönere Zukunft 11, 16 (19. Jänner 1936), 397-399; DERS., Rassen und Rassenpflege 105 ASMA, Scarola 13, 22 A 30, 22 B 13. Zahlreiche handschriftliche Notizen von Hudal
im Bereich des deutschen Volkes. Schönere Zukunft 11 (26. Jänner 1936), 425-427; A. sind vermerkt.
106 K. WEIGNER (Hg.), Die Gleichwertigkeit der europäischen Rassen und die Wege
HUDAL, Die deutsche Kulturarbeit in Italien (Deutschtum und Ausland 55/56). Mün-
ster 1934; DERS., Rom, Christentum und deutsches Volk. Innsbruck-Wien-München zu ihrer Vervollkommnung. Genehmigt in der Sitzung der II. Klasse der Tschechi-
1935; insbes. DERS., Grundlagen (wie in Anm. 2), 103, 117. Leider ist im Anima- schen Akademie der Wissenschaften und Künste vom 2. März 1934. Beiträge von
Archiv die Aktenlage zu Wilhelm Schmidt erstaunlich dünn, s. ASMA, NL Hudal, Prof. ]. Maly, Prof. Dr. ]. Matiegka, Prof. Dr. H. Pelc, Prof. Dr. A. Brozek, Prof. Dr.
K 7, 41-42. Freundlicher Hinweis von Rupert Klieber. V. Rüzicka, Prof. Dr. K. Weigner. Prag 1934, bes. der darin enthaltene Beitrag von
101 Hudals „Rassenproblem" (1936) erschien unverändert als das achte Kapitel in den ]. MATIEGKA, Die Gleichwertigkeit der europäischen Rassen in geistiger Hinsicht,
„Grundlagen des Nationalsozialismus" (1937). 87-107.
102 Das Imprimatur erfolgte durch Dr. Joannes Maninü, Olmütz, 10. Juni 1936. Der
107 Hudal zitiert Menghin in der Einführung des „Rassenproblems", s. A. HuDAL, Ras-

Verleger hieß Eduard Schlusche (1878-1945), der durch seinen christlichen Wider- senproblem (wie in Anm. 27), 4, Anm. 1.
108 0. MENGHIN, Geist und Blut. Grundsärzliches um Rasse, Sprache, Kultur und Volks-
stand ins Konzentrationslager gebracht wurde und am 3. Mai 1945 durch einen Flie-
gerangriff in Hamburg-Neuengamme starb, s. 0. PusTEJOVSKY, Christlicher Wider- tum. Wien 1934, 32-53; bes. 40, 49, 51.
109 Ebd., 40.
stand gegen die NS-Herrschaft in den Böhmischen Ländern. Eine Bestandsaufnahme
110 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 23 f.
zu den Verhältnissen im Sudetenland und dem Protektorat Böhmen und Mähren.
111 MENGHIN, Geist (wie in Anm. 108), 51.
Berlin 2009, l 42f.
112 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 27.
103 HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 4, Anm. 1.

104 E. WEISENBURG, Der „Rassepapst". Hans Friedrich Karl Günther. Professor für Ras-
113 Hudal lehnte den rassischen Antisemitismus ab, vgl. A. HuDAL, Gedanken zur Juden-

senkunde, in: Die Führer der Provinz. NS-Biographien aus Baden und Württemberg, frage. Schönere Zukunft 11, 36 (7. Juni 1936), 947-949; DERS., Grundlagen (wie in
hrsg. von M. KrssENER-J. ScHILTYSECK (Karlsruher Beiträge zur Geschichte des Na- Anm. 2), 81-94. Menghin vertrat einen „völkischen" Antisemitismus: Für die Befrie-
tionalsozialismus 2). Konstanz 1999, 161-199. dung des neu entflammten Kampfes zwischen dem deutschen Volke und dem Judentume
344 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 315

Tritt. Dies mag zunächst überraschen, da Oswald Menghin am 11. März 1938 volkischen Empfinden widersprechen. So glaubt M[enghin] z.B., daß die Zunah-
das Amt des Unterrichtsministers im sogenannten „Anschlusskabinett" von me von Mischehen die Entstehung neuer Rassen Järdert 11 9!
Seyß-Inquart bekleidete und auch davor für die gemaßregelten Nationalsozia- Später wird auch ein durch den „Informationsdienst Rassepolitisches Amt
listen politisch intervenierte 114 • Zum Zeitpunkt, als Hudal sich mit dem „Ras- der NSDAP" eingeleitetes Gutachten Menghins „Geist und Blut" als nicht emp-
senproblem" auseinandersetzte, galt Menghin aber noch als katholisch bzw. als fehlenswert einstufen 120 • Wie hoch Menghins „Geist und Blut" in katholischen
national-katholisch 115 • So ist es auch nachvollziehbar, weshalb katholische oder Kreisen geschätzt wurde, geht daraus hervor, dass Kardinäle des Heiligen
zumindest nicht national gesinnte Gelehrte Menghins „Geist und Blut" in Be- Offiziums es 1935 nutzten, um Hitlers „Mein Kampf" zu widerlegen 121 • Ob
zug auf das Rassenproblem durchaus wissenschaftlichll 6 im Sinne von objektiv dieser Rat von Hudal kam, lässt sich aus dem Akteninhalt nicht entnehmen.
einschätzten bzw. eine vermittelnde Stellung1 17 zuschrieben. Nationalsozialisti- Überaus bemerkenswert ist in Zusammenhang auch, dass sich Pacelli im Ap-
sche Rassentheoretiker der jüngeren Generation hingegen lehnten Menghins ril 1936 beim österreichischen Nuntius Enrico Sibilia (1861-1948) persönlich
Werk schlichtweg ab. Beispielsweise gab die deutsch-russische Anthropologin erkundigte, ob Menghin ein geeigneter Kanditat für die Neuaufstellung der
Sophie Ehrhardt (1902-1990) 118 in ihrer Buchbesprechung folgende Einschät- Päpstlichen Akademie der Wissenschaften sei 122 . Obwohl Sibilias Beurteilung
zung betreffend „Geist und Blut" ab: überaus positiv ausfiel1 23 , scheint der Name Menghin unter den ausgewählten
Es spricht aus dem Buch eine Geistesrichtung, die nicht im Sinn modern-bio- 70 Mitgliedern dann doch nicht auf1 24 •
logischer Wissenschaft ist. Veif1asser] stellt wohl die Rassenfrage in den Kernpunkt Abschließend sei noch auf einige wesentliche Zusammenhänge hinge-
seiner Besprechung, er vertritt aber Ansichten, die jedem biologischen Denken und wiesen, die Hudals primäre Aurorenauswahl1 25 zum „Rassenproblem" als
nachvollziehbar erscheinen lassen. Es war in akademischen Kreisen allgemein
bekannt, dass Schmidt und Menghin ab den 1920er Jahren fachlich in en-
gem Austausch standen 126 • Immerhin war Menghin der erste Prähistoriker,

kann es daher nur den Weg geben, den die Zionisten zu gehen entschlossen sind, zit. nach
MENGHIN, Geist (wie in Anm. 108), 172.
119S. EHRHARDT, Rez. von 0. MENGHIN, Geist und Blut. Grundsätzliches um Rasse,
114 Die ausführlichste Studie zu Menghin, s. 0. H. URBAN, „Er war der Mann zwischen Sprache, Kultur und Volkstum (1934). Anthropologischer Anzeiger 11 (1934), 210.
120 URBAN, Urgeschichte (wie in Anm. 114), 371-396, bes. 380. Das anonyme Gutachten
den Fronten". Oswald Menghin und das Urgeschichtliche Institut der Universität
Wien während der Nazizeit. Archaeo!ogia Austriaca. Beiträge zur Paläoanthropologie, stammt vom 20. Dezember 1938. Urban stützt sich bei seinen Aussagen auf Aktenma-
Ur- und Frühgeschichte Österreichs 80 (1996), 1-24; DERS„ Die Urgeschichte an der terial des Bundesarchivs in Berlin.
121 ACDF, RV 1934, 29 (3373/34), n 2, fol. 4lf„ Anonymes Votum: „Notae ad Votum
Universität vor, während und nach der NS-Zeit, in: Geisteswissenschaften im Natio-
nalsozialismus. Das Beispiel der Universität Wien, hrsg. von M. G. AsH-W. Nrnss- A et B", Proposition Nr. 45. Nach Wolf dürfte dieses Votum von Johann Baptist Rabe-
R. PILS. Göttingen 2010, 371-396. neck SJ (1874-1950) stammen, vgl. WoLF, Pius XI. (wie in Anm. 11), 13; detaillierter
115 Menghin war von 1906 bis 12. März 1938 Mitglied des Cartellverbandes „Rudolfina", in RoHRBACHER, Enzyklika (wie in Anm. 55), 206.
122 ASV, Archivio Della Nunziatura di Vienna, Pos. 856, Fase. 41, fol. 704, Pacelli,
vgl. URBAN, Urgeschichte (wie in Anm. 114), 374.
116 S. die Buchbesprechungen von W. KOPPERS, Rez. von 0. MENGHIN, Geist und Blut. 5. April 1936, an Sibilia.
123 Ebd., fol. 706, Sibilia, 18. April 1936, an Pacelli.
Grundsätzliches um Rasse, Sprache, Kultur und Volkstum (1934). Anthropos 29 (1934),
124 Das Motuproprio der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften erfolgte am 28. Ok-
275-277; C. ScHUCHARDT, Buchbesprechung zu 0. MENGHIN, Geist und Blut. Grund-
sätzliches um Rasse, Sprache, Kultur und Volkstum (1934). HZ 150 (1934), 565f. tober 1936, s. AAS (1936), 420-424; die Liste der Akademie-Mitglieder, ebd„ 447-
117 W. BERGER, Was ist Rasse? Versuch einer Abgrenzung ihrer Wirksamkeit im seeli- 451.
125 Weitere Autoren, die Hudal zur Widerlegung der NS-Rassentheorie heranzog, waren
schen Bereich. Mit Berücksichtigung des jüdischen Rassenproblems, hrsg. von der
Philipp-Spina-Gedächtnis-Gesellschaft. Wien 1936, 13. Hermann Muckermann (1877-1963), Egon von Eickstedt (1892-1965) und Karl Sal-
118 Sophie Ehrhardt erlangte als „Zigeunerforscherin" traurige Berühmtheit. Sie war von ier (1902-1969), s. HuDAL, Rassenproblem (wie in Anm. 27), 4, 8f., 23.
126 Exemplarisch 0. MENGHIN, Die Tumbakulrur am unteren Kongo und der westafri-
1930 bis 1935 Assistentin des Anthropologen Theodor Mollison (1874-1952) und
wechselte 1935 von München nach Berlin an das von Hans F. K. Günther geleitete Uni- kanische Kulturkreis. Anthropos 20 (1925), 516-557, bes. 544; Menghin blieb mit
versitätsinstitut für „Völkerbiologie, ländliche Soziologie und Bauernforschung", s. B. Schmidt auch nach dem Zweiten Weltkrieg fachlich verbunden. Dieser Zusammen-
GRÜN, Sophie Ehrhardt (1902-1990), verfügbar unter: http://www.uni-tuebingen.de/ hang ist durch vier Briefe aus den Jahren 1952 und 1953 belegt, die Oswald Menghin
frauenstudium/daten/biographien/Biogramm_ SophieEhrhard. pdf (Zugriff 19. Jänner aus Buenos Aires an Schmidt schrieb, s. AG SVD, Nachlass Schmidt, Ordner 15,
2015), 1-12, hier 4. wissenschaftliche Korrespondenz.
346 Peter Rohrbachcr Das „Rassenproblem" 347

der Schmidts universalgeschichdiche Kulturkreislehre auf sein Fach anwandte. Rassenthematik anzueignen imstande war. Methodisch wurde diese Frage zu
Menghins „Weltgeschichte der Steinzeit" (1931) avancierte zu einem österreichi- beantworten versucht, indem drei voneinander unabhängige Arbeitsschritte
schen Standardwerk des Faches Prähistorie und der damals vorwiegend kultur- gewählt wurden. Zunächst wurden auf Basis einer Bestellliste jene Bücher Hu-
historisch ausgerichteten Wiener Schule für Ethnologie127. Zum Zeitpunkt, als dals rekonstruiert, die dem Umfeld des Nationalsozialismus zugeordnet wer-
Hudal das „Rassenproblem" verfasste, war Menghin nicht nur Leiter des Insti- den können. Danach erfolgte eine Auswertung der hinterlassenen Vermerke
tuts für Ur- und Frühgeschichte, sondern auch Rektor der Universität Wien 128 . in Hudals Büchernachlass. Schließlich wurden jene Autoren analysiert, die
Schmidt war neben seinem vatikanischen Amt auch designierter Rektor der in Hudals Schrift „Das Rassenproblem" (1936) maßgeblich beeinflusst haben.
Planung stehenden Katholischen Universität Salzburg. In dieser Funktion setz- Als Ergebnis dieses Beitrags kann festgestellt werden, dass Hudal über das
te sich Schmidt für den Lehrstuhl Biologie und Vererbungswissenschaft129 ein, Indizierungsverfahren von Alfred Rosenberg den Zugang zum Rassenthema
um die bahnbrechenden Entdeckungen von Gregor Mendel (1822-1884) ge- fand. Die prüfende Arbeitsweise eines Konsultors ermöglichte Hudal, sich auf
gen die NS-Rassenlehre weiterentwickeln zu können 130 . Erzbischof Sigismund autodidaktischem Wege in dieses komplexe Thema einzuarbeiten. Anhand sei-
Waitz (1864-1941) hatte für die Institutsbezeichnung auf „Rassen- und Völ- ner Buchvermerke konnte die These von Dominik Burkard bestätigt werden,
kerkunde"131 plädiert, was zeigt, dass im autoritären „Ständestaat" auch andere dass Jakob Nötges SJ Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts" im Heiligen
katholische Würdenträger dem Rassenthema durchaus Beachtung schenkten. Offizium zur Anzeige brachte. Ignaz Zollschans kritische Thesen und insbe-
sondere sein anschaulicher Fragenkatalog zur „Rassenfrage" ermöglichten es
Hudal, das Rassenthema zu problematisieren. Vor allem Zollschans diesbezüg-
4. ERGEBNISSE
licher Aufruf an die Wissenschaft trieb Hudal dazu an, auch die katholische
Ausgangspunkt dieser Studie war die Fragestellung, wie es möglich war, Kirche in diesen Diskurs einzubinden. Dass dieser Impuls von einem österrei-
dass sich Bischof Alois Hudal eine derart umfangreiche Kenntnis über die chisch-jüdischen Autor kam, ist vielleicht das erstaunlichste Ergebnis dieser
Studie. Das argumentative Rüstzeug, das „Rassenproblem" von katholischer
127 Schmidt und sein Mitbruder Wilhelm Koppers (1886-1961) entwarfen 1924 die sog. Seite aufzurollen, holte sich Hudal dann vom österreichischen Prähistoriker
„Wiener Schule der Kulturkreislehre", die bis in die 1950er Jahre - mit Ausnahme der
Oswald Menghin und von Wilhelm Schmidt SVD, dem österreichischen Eth-
NS-Periode - die wissenschaftliche Ausrichtung des Wiener Instituts charakterisier-
te. Dieser theologisch geprägte Forschungsansatz ging von der Grundvorstellung aus,
nologen und Direktor des vatikanischen missionsethnologischen Museums.
dass die „primitivsten" Völker der Schöpfung am nächsten stünden und sich daher bei Beide Autoren zählten zu den wichtigsten akademischen Repräsentanten des
ihnen ein „Urmonotheismus" nachweisen lassen müsse, vgl. A. GrNGRICH -W. Do- autoritären „Ständestaats". Die fundierte Kritik gegen die NS-Rassenlehre,
STAL, Anthropology in Germany and Austria, in: Encyclopaedia of Social and Cultu- die Schmidt in seiner Vortragstätigkeit äußerte, motivierte Hudal schließlich,
ral Anthropology, hrsg. von A. BARNARD-J. SPENCER. London 1996, 263-265. Zur denselben Schritt zu tun. Hudal war kein Nationalsozialist 132 . Seine taktische
wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung der ethnologischen Kulturkreislehre, s. W.
Vorgehensweise allerdings, den Nationalsozialismus ideologisch zu bekämpfen
PETERMANN, Die Geschichte der Ethnologie. Wuppertal 2004, 599; V. STACHEL, Der
Ethnologe Josef Haekel (1907-1973): seine wissenschaftliche Biographie von 1930 bis und im gleichen Atemzug sich diesem pragmatisch anzunähern, darf als das
1957. [Diplomarbeit] Wien 2011. eigentliche Problem bei Hudal bezeichnet werden.
128 Menghin wurde für das Studienjahr 1935/36 zum Rektor der Universität Wien ge-
wählt, s. URBAN, Urgeschichte (wie in Anm. 114), 378.
12 9 Vgl. F. ÜRTNER, Die Universität in Salzburg. Die dramatischen Bemühungen um ihre
Wiedererrichtung 1810-1962. Salzburg 1987, 169f.
13° W. SCHMIDT, Der Grundgedanke der Katholischen Universität für die Länder deut-

scher Zunge, in: Die Katholische Universität in Salzburg. Bericht über den akademi-
schen Festakt vom 15. August 1934 mit der Ansprache des Bundespräsidenten Wilhelm
Miklas und der Festrede des Universitätsprofessors Dr. P. Wilhelm Schmidt S.V.D.,
hrsg. von Katholischer Universitätsverein in Salzburg, redigiert von M. PIETSCH. Salz-
burg 1934, 23-32, hier 31.
132 Zum gleichen Ergebnis kommt J. lcKx, Tue Roman „non possumus" and the Attitude
131 Vgl. AG SVD, Ordner 64, Universira di Salzburg, Sigismund Waitz, Salzburg, ofBishop Alois Hudal towards the National Socialist Aberrations, in: Religion under
24. Jänner 1937, an Josef Grendel SVD, Rom. Dieser Vorschlag wurde von Schmidt Siege I:. Tue Roman Catholic Church in Occupied Europe (1939-1950), hrsg. von L.
abgewiesen. GEvERs-J. BANK (Annua Nuntia Lovaniensia 56). Löwen 2007, 315-344, hier 342.
348 Peter Rohrbacher
Das „Rassenproblem" 349
5· HUDALS NACHGELASSENE PRIVATBIBLIOTHEK
Günther, Hans F. K. (1935): Herkunft und Rassengeschichte der Germanen.
5.1. Bücher zu Nationalsozialismus, Rassenkunde, Antisemitismus und Faschismus München: J. F. Lehmann [Scatola 13, 22 B 13].
Günther, Hans F. K. (1935): Herkunft und Rassengeschichte der Germanen.
41 Werke133
München:]. F. Lehmann [Scatola 13, 22 A 30].
Anonym (1938): Männer um den Papst. Wer macht die Politik des Vatikans? Hart, Franz Theodor (1935): Alfred Rosenberg. Der Mann und sein Werk.
Im Anhang: Berichte und Artikel, die im „Angriff" erschienen sind. Berlin: München: J. F. Lehmanns [Scatola 13, 22 B 10].
Franz Eher Nachfolger [Scatola 13, 22 A 30]. Haushofer, Karl (1933): Der nationalsozialistische Gedanke in der Zeit. Mün-
Appel, Otto (1937): Die deutschen Volkstämme in Vergangenheit und Gegen- chen: Callwey [Scatola 13, 22 A 30].
wart. Eine deutsche Stammeskunde. Limburg an der Lahn: Steffen [Scatola Heiden, Konrad (1937): Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit. Erster
13, 22 B 17]. Band. Zürich: Europaverlag [Scatola 13, 22 A 31].
Bergmann, Ernst (1938): Richtlinien für den deutsch-religiösen Jugendweih- Heiden, Konrad (1937): Adolf Hitler. Ein Mann gegen Europa. Zweiter Band.
Vorbereitungs-Unterricht. Herausgegeben von der Gemeinschaft Deutsche Zürich: Europaverlag [Scatola 13, 22 A 31].
Volksreligion. Leipzig: Fahrenkrog [Scatola 13, 22 A 30]. Heuss, Theodor (1932): Hitlers Weg. Eine historisch-politische Studie über
Borch, Herbert von (1943): Mussolini: Leben, Kampf, Staat. Rom: Italien- den Nationalsozialismus. Stuttgart: Union deutsche Verlagsgesellschaft
Beobachter [Scatola 13, 22 B 4]. [Scatola 13, 22 A 34].
Chamberlain, Houston Steward (51904): Die Grundlagen des Neunzehnten Langes, Gunther (1933): Front in Fels und Eis: Der Weltkrieg im Hochgebirge.
Jahrhunderts, I. Hälfte. München: F. Bruckmann [Scatola 5, 19 E 5]. München: F. Bruckmann [Scatola 13, 22 A 13].
Chamberlain, Houston Steward (51904): Die Grundlagen des Neunzehnten Miller, Alfred (1935): „Wissenschaft" im Dienste der Dunkelmänner. Eine Ab-
Jahrhunderts, II. Hälfte. München: F. Bruckmann [Scatola 5, 19 E 6]. rechnung mit den Verfassern und Hintermännern der „Studien zum My-
Chamberlain, Houston Steward (1905): Arische Weltanschauung (= Die Kul- thus des 20 Jahrhunderts". Leipzig: Fritsch [Scatola 15, 8 A 41].
tur 1). Berlin: Bard, Marquardt und Co [Scatola 22, 22 A 11]. Mussolini, Benito (1942): Parlo con Bruno. Milano: U. Hoepli [Scatola 13, 22
Chamberlain, Houston Steward (1 9 1935): Die Grundlagen des Neunzehn- B 2].
ten Jahrhunderts. Erste Hälfte. Ungekürzte Volksausgabe. München: F. Müller-Brandenburg, Hermann (21934): Was ist Arbeitsdienst? Was soll er?
Bruckmann [Scatola 7, 20 C 23]. Leipzig: Armanen [Scatola 13, 22 A 30].
Chamberlain, Houston Steward (19 1935): Die Grundlagen des Neunzehn- Pembaur, Walther (1935): Nationalismus und Ethik. Wien: W. Braumüller
ten Jahrhunderts. Zweite Hälfte. Ungekürzte Volksausgabe. München: F. [Scatola 13, 22 B 15].
Bruckmann [Scatola 9, 20 C 24]. Pennisi, Pasquale (1938): Presa di posizione francamente razzista. Note di un
Dwinger, Edwin Erich (1930): Zwischen Weiß und Rot. Die russische Tragö- cattolico italiano [Scatola 3, 22 C 33].
die 1919-1920. Jena: Diederichs [Scatola 13, 22 A 12]. Rauschning, Hermann (1940): Hitler speaks. A series of political conversations
Ekkehart, Winfried (Pseudonym) (1936): Rasse und Geschichte, Grundzüge with Adolf Hitler on his real aims. London: Eyre & Spottiswoode [Scatola
einer rassewertenden Geschichtsbetrachtung von der Urzeit bis zur Gegen- 13, 22 A 33].
wart. Bochum in Westfalen: F. Kamp [Scatola 13, 22 B 12]. Riehl, Walter (51923): Unser Endziel. Eine Flugschrift für deutschen Natio-
Gauch, Hermann (1933): Neue Grundlagen der Rassenforschung. Leipzig: A. nalsozialismus. Leipzig und Wien: Franz Deuticke [Scatola 13, 22 A 30].
Klein [Scatola 4, 20 G 49]. Ristow, Erich (1937): Rasse und Recht 111 [Zeitschrift] [Scatola 13, 22 A 30].
Gentile, Giovanni (1936): Grundlagen des Faschismus. Stuttgart: Deutsche Rosenberg, Alfred (1935): An die Dunkelmänner unserer Zeit; eine Antwort
Verlagsanstalt [Scatola 13, 22 B 5]. auf die Angriffe gegen den „Mythus des 20. Jahrhunderts". München: Ho-
heneichen [Scatola 13, 22 B 8].
Rosenberg, Alfred (Hg.) (1938): Nationalsozialistische Monatshefte 9/94
[Zeitschrift] [Scatola 13, 22 A 30].
133 Der Gesamtbestand von Hudals nachgelassener Privatbibliothek beläuft sich nach Rosenberg, Alfred (Hg.) (1938): Nationalsozialistische Monatshefte 9 [Scatola
derzeitigem Stand auf 626 Werke. 13, 22 B 19].
350 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 351

Rust, Bernhard/ Ernst Krieck (1936): Das nationalsozialistische Deutschland Nötges, Jakob (1931): Nationalsozialismus und Katholizismus. Köln: Gilde
und die Wissenschaft. Heidelberger Reden von Reichsminister Rust und [Scatola 13, 22 A 15].
Prof Ernst Krieck. Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt [Scatola 13, 22 Schreiber, Georg (1932): Regierung ohne Volk. Eine positive Kritik. Köln:
B 16]. Kölner Görreshaus [Scatola 13, 22 A 8].
Schmaus, Michael (21934): Begegnungen zwischen katholischem Christentum Schreiber, Georg (1937): Volk und Volkstum. Erster Band. München: Kösel &
und nationalsozialistischer Weltanschauung (= Reich und Kirche. Eine Pustet [Scatola 23, 20 B 2].
Schriftenreihe). Münster: Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung. Schreiber, Georg (1937): Volk und Volkstum. Zweiter Band. München: Kösel
Schüßler, Wilhelm (1942): Vom Reich und der Reichsidee in der deutschen & Pustet [Scatola 23, 20 B 3].
Geschichte. Mit 16 Karten-Skizzen von Karl Leonhardt. Leipzig-Berlin: Zollschan, Ignaz (1934): Die Bedeutung des Rassenfaktors für die Grundfra-
Teubner [Scatola 13, 22 B 20]. gen der Kulturmorphologie. Wien und Leipzig: Reinhold [K 61, fol. 347].
Trebitsch, Arthur (21921): Geist und Leben (Die Schaffenden, die Vermittler
und das Publikum). Ein Vortrag. Berlin-Wien-Leipzig: Antaios [Scatola
5.3. Die über den Tyrolia-Verlag bestellten Werke (31. Oktober 1935)
13, 22 A 30].
Venturini, Domenico (1936): L'Impero Fascista. Poema. Roma: La nuova Ita- 5.3.1. Gelieferte Werke
lia [Scatola 13, 22 B 3].
118 Werke
Vietz, Karl (1938): Verrat an Europa - Ein Rotbuch über die Bolschewisierung
der Tschecho-Slowakei. Gesamtverband deutscher antikommunistischer [Baltzer134 , Germanische Kultur ÖS 8,16]
Vereinigungen. Berlin: Nibelungen [Scatola 19, 20 D 50]. Baltzer135 , Hermann (1933): Germanische Kultur. Weimar: A. Duncker.
Wicht!, Friedrich (1928 (1919]): Weltfreimaurerei, Weltrevolution, Weltre- [Baltzer, Rasse u. Kultur ÖS 8,16]
publik; eine Untersuchung über Ursprung und Endziele des Weltkrieges. Baltzer, Hermann (1934): Rasse und Kultur. Ein Gang durch die Weltge-
München: J. F. Lehmann [Scatola 22, 21 H 2]. schichte. Weimar: A. Duncker.
Willms, Ferdinand Walter (1938): Untersuchungen zum deutschen National- [Barrels, Hebbel u. d. Juden ÖS 1,02]
bewußtsein. Heidelberg: F. Walter Willms (= Univ., Diss.) [Scatola 13, 22 Barrels, Adolf (1922): Friedrich Hebbel und die Juden. Das literarische
B 18]. Judentum seiner Zeit (= Deutschlands führende Männer und das Juden-
Velmede, August Friedrich (1942): Ewiges Deutschland. Ein deutsches Haus- tum 5). München: Deutscher Volkverlag Dr. E. Boepple.
buch. Herausgegeben vom Winterhilfswerk des Deutschen Volkes. Berlin- [Barrels, Freimauerei u. deutsche Literatur ÖS 3,06]
Hamburg: Westermann [Scatola 8, 22 B 21]. Barrels, Adolf (1929): Freimauerei und deutsche Literatur. Feststellungen
und Vermutungen. München: Franz Eher Nachfolger.
5.2. Gegnerische Bücher zum Nationalsozialismus [Bieder, Das Hakenkreuz ÖS 1,70]
Bieder, Theobald (1921): Das Hakenkreuz. Leipzig: Theodor Weicher.
10 Werke
[Buchner, Grundriß einer nationalsoz. Volkswirtschaft ÖS 1,02]
Algermissen, Konrad (1935): Germanemum und Christentum. Hannover: J. Buchner, Franz (1932): Grundriß einer nationalsozialistischen Volkswirt-
Giesel [Scatola 12, 7 D 17]. schaft. München: Franz Eher Nachfolger.
Coudenhove-Kalergi, [Richard] (1934): Europa erwacht! Zürich-Wien: Paneu- [Meister Eckhart Schriften ÖS 6,46]
ropa [Scatola 14, 22 B 24]. Büttner, Hermann (1934): Meister Eckehart Schriften. Jena: Diederichs.
Hertz, Friedrich (1904): Modeme Rassentheorien. Wien: C. W Stern [Scatola
8, 20 F 4].
134 Kursive Angaben laut ASMA, NL Hudal, K 64, fol. 560-567. Die Auflistung der
Koren, Hanns (1936): Volkskunde als gläubige Wissenschaft. Salzburg-Leip-
Bücher unterliegt keinem Ordnungsschema.
zig: A. Pustet [Scatola 13, 22 B 14]. 135 Falls nicht anders angeführt, beziehen sich die Angaben zu Verlag und Publikations-
Nobel, Alphons (1933): Der Katholik im neuen Reich. Augsburg: Literarisches zeitpunkt auf die Erstauflage. Die rekonstruierte Liste ist nach Autoren alphabetisch
Institut von Haas & Grabherr [Scatola 16, 8 A 42]. geordnet.
352 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 353

[Chamberlain, Deutsches Wesen ÖS 6,12] [Frank, Neues deutsches Recht ÖS -,34]


Chamberlain, Houston Stewart (1916): Deutsches Wesen. Ausgewählte Frank, Hans (1934): Neues deutsches Recht: Rede vor dem Diplomatischen
Aufsätze. München: F. Bruckmann. Korps und der ausländischen Presse am 30. Januar 1934 bei einem Emp-
[Chamberlain, Rasse und Nation ÖS -,43] fangsabend des Außenpolitischen Amtes der N.S.D.A.P. München: Franz
Chamberlain, Houston Stewart (1918): Rasse und Nation. München: Leh- Eher Nachfolger.
mann. [Frank, Zur Geschichte d. Nationalsoz. ÖS 1,70]
[Clauß, Die nordische Seele ÖS 8)6] Frank, Walter (1934): Zur Geschichte des Nationalsozialismus. Hamburg:
Clauß, Ludwig Ferdinand (1934): Die nordische Seele. Eine Einführung in Hanseatische Verlagsanstalt.
die Rassenseelenkunde. München: J. F. Lehmann. [Frick, D. Rassengesetzgebung d. dritten Reiches ÖS -,34]
[Eckart, Vorkämpfer ÖS 4,85] Frick, Wilhelm (1934): Die Rassengesetzgebung des Dritten Reiches: Rede
Reich, Albert (1933): Dietrich Eckart: Ein deutscher Dichter und der Vor- vor dem diplomatischen Korps und der ausländischen Presse am 15. Feb-
kämpfer der völkischen Bewegung. München: Franz Eher Nachfolger. ruar 1934 bei einem Empfangsabend des Außenpolitischen Amtes der
[Erbt, Weltgeschichte auf rassischer Grundlage ÖS 10,20] N.S.D.A.P. München: Franz Eher Nachfolger138 •
Erbt, Wilhelm (1925): Weltgeschichte auf rassischer Grundlage: Urzeit, [Fried, D. Ende d. Kapitalismus ÖS 8,16]
Morgenland, Mittelmeer, Abendland und Nordland. Frankfurt am Main: Fried, Ferdinand (1931): Das Ende des Kapitalismus. Jena: Diederichs.
Moritz Diesterweg. [Fritsch, Handbuch der Judenfrage ÖS 7,65]
[Erziehung im nat. soz. Staat ÖS 6,46] Fritsch, Theodor (3 8 1935) [1907]: Handbuch der Judenfrage: Die wichtig-
Krieck, Ernst (1935): Erziehung im nationalsozialistischen Staat. Berlin: sten Tatsachen zur Beurteilung des jüdischen Volkes. Leipzig: Hammer1 39 •
Spaeth & Linde. [Fritsch, Ursprung u. Wesen d. Judentums ÖS -,51]
[Fabricius, Dr. Frick ÖS 1,70] Fritsch, Theodor (1919): Ursprung und Wesen des Judentums. Leipzig:
Fabricius, Hans (1933): Reichsinnenminister Dr. Frick, der revolutionäre Hammer.
Staatsmann. Berlin-Schöneberg: Deutsche Kultur-Wacht. [Geisow, So wurde ich Nationalsozialist ÖS -,59]
[Feder, D. Programm der N.S.D.A.P. ÖS -,85] Geisow, Hans (1931): So wurde ich Nationalsozialist. München: Franz
Feder, Gottfried (1932): Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltan- Eher Nachfolger.
schaulichen Grundgedanken. München: Franz Eher Nachfolger136 • [Geisow, D. Seele d. Dritten Reiches ÖS 2,04]
[Feder, D. deutsche Staat ÖS 2,04] Geisow, Hans (1933): Die Seele des Dritten Reiches. Leipzig: Armanen 140 •
Feder, Gottfried (1932): Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer [Gerhart, Kurzer Abriß d. Rassenkunde ÖS -,85]
Grundlage: Neue Wege in Staat, Finanz und Wirtschaft. München: Franz Gerhart, Dieter; Hans F. K. Günther (1933): Kurzer Abriß der Rassenkun-
Eher Nachfolger. de: In Anlehnung an die „Rassenkunde des deutschen Volkes" von Hans F.
[Feder, D. Juden ÖS 1,53] K. Günther. München: J. F. Lehmann.
Feder, Gottfried (1933): Die Juden. München: Franz Eher Nachfolger137• [Gerlach, Stammesherkunft im deutschen Volke ÖS 18,36]
[Feder, Kampf gegen die Hochfinanz ÖS 7,65] Gerlach, Kurt (1929): Begabung und Stammesherkunft im deutschen Vol-
Feder, Gottfried (1933): Kampf gegen die Hochfinanz. München: Franz ke: Feststellungen über die Herkunft der deutschen Kulturschöpfer in Kar-
Eher Nachfolger. tenbildern. München: J. F. Lehmann.
[Fichte, Errettung Deutschlands ÖS 5,98] [Gobineau, Bedeutung d. Rasse ÖS 5,78]
Fichte, Richard (1932): Die Errettung Deutschlands: Eine Stimme aus dem Gobineau, Arthur Graf von; Julius Schwabe (1926): Die Bedeutung der
Grabe. Freiburg: Ernst Mauckisch. Rasse im Leben der Völker. Einführung zu der unvollendet hinterlassenen

138 Doppelbestellung.
136 Doppelbestellung.
139 ASMA, Scatola l, 19 D 45.
137 Doppelbestellung.
140 ASMA, Scatola 3, 22 C 33.
354 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 355

„Rassenkunde Frankreichs" des Grafen Gobineau. München: J. F. Leh- [Heekelingen, D. nationalsoz. Weltanschauung ÖS 7,14)
mann. De Vries de Heekelingen, Herman (1932): Die nationalsozialistische Welt-
[Goebbels, Signale d. neuen Zeit ÖS 7,65) anschauung. Ein Wegweiser durch die nationalsozialistische Literatur. 500
Goebbels, Joseph (1934): Signale der neuen Zeit. 25 ausgewählte Reden. markante Zitate (= Allgemeine Zentralstelle zur Erforschung politischer
München: Franz Eher Nachfolger. Bewegungen, Yvorne, Schweiz). Berlin-Charlottenburg: Panverlagsgesell-
[Göring, Ein Lebensbild ÖS 4,25) schaft m.b.h.
Sommerfeldt, Martin H. (1933): Hermann Göring: Ein Lebensbild. Berlin: [Herdieckerhoff, Freiherr v. u. z. Stein u. d. Juden ÖS -,85)
E. S. Mittler & Sohn. Herdieckerhoff, Eberhard (1931): Freiherr vom und zum Stein und die Ju-
[Göring, Aufbau einer Nation ÖS 5,10) den (= Deutschlands führende Männer und das Judentum 6). München:
Göring, Hermann; Bernhard Rust (1934): Aufbau einer Nation. Berlin: E. Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple.
S. Mittler & Sohn. [Hart, Alfred Rosenberg ÖS 4,08]
[Graf, Vererbungslehre Rassenkunde u. Hart, Franz 1heodor (1933): Alfred Rosenberg: Der Mann und sein Werk.
Erbgesundheitspflege ÖS 10,20) München: J. F. Lehmann 141 •
Graf, Jakob (1934): Vererbungslehre, Rassenkunde und Erbgesundheits- [Hitlers Reden ÖS 6,12)
pflege. München,]. F. Lehmann. Hitler, Adolf (1925): Hitlers Reden. München: Deutscher Volksverlag Dr.
[Griebe!, Hermann Löns d. Niederdeutsche ÖS 10,20) E. Boepple.
Griebe!, Erich (1934): Hermann Löns der Niederdeutsche: Eine Einfüh- [Hitlers Reden 1933 ÖS -,68)
lung in Leben und Werk. Berlin: W. Heyer. Hitler, Adolf (1933): Adolf Hitlers Reden. München: Deutscher Volksver-
[Groener, Schopenhauer u. d. Juden ÖS 1,53) lag Dr. E. Boepple.
Groener, Maria (1920): Schopenhauer und die Juden(= Deutschlands füh- [Hördt, Grundformen volkhafter Bildung ÖS 5,44)
rende Männer und das Judentum 1). München: Deutscher Volksverlag Dr. Hördt, Philipp (1933): Grundformen volkhafter Bildung. Frankfurt am
E. Boepple. Main: Moritz Diesterweg.
[Grunsky, Bekenntnisse Luthers z. Judenfrage ÖS 2,04) [Jung, D. nationale Sozialismus ÖS 4,25)
Grunsky, Karl (1933): Luthers Bekenntnisse zur Judenfrage. Stuttgart: E. Jung, Rudolf (1922): Der nationale Sozialismus. Seine Grundlagen, sein
Walther. Werdegang und seine Ziele. München: Deutscher Volksverlag Dr. E.
[Günther, Rassenkunde des deutschen Volkes ÖS 20,40) Boepple.
Günther, Hans F. K. (1922): Rassenkunde des deutschen Volkes. Mün- [Kahle, Löns, Fock, Flex ÖS 4,25]
chen: J. F. Lehmann. Kahle, Carl (1928): Hermann Löns, Gorch Fock, Walter Flex als Vater-
[Günther, D. nordische Gedanke ÖS 9,18) landsbejaher. Minden: Köhler.
Günther, Hans F. K. (1925): Der nordische Gedanke unter den Deutschen. [Kernholt, Vom Ghetto zur Macht ÖS 6,12)
München:]. F. Lehmann. Kernholt, Otto (1921): Vom Ghetto zur Macht; die Geschichte des Auf-
[Günther, Kleine Rassenkunde ÖS 5,10] stiegs der Juden auf deutschem Boden. Leipzig: Theodor Weicher.
Günther, Hans F. K. (1929): Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes. [Kernholt, Deutschlands Schuld u. Sühne ÖS 6,12)
München: ]. F. Lehmann. Kernholt, Otto (1923): Deutschlands Schuld und Sühne: Geschichtli-
[Günther, Rassenkunde d. jüdischen Volkes ÖS 19,89] che Betrachtungen zur Entstehung und Lösung der Judenfrage. Leipzig:
Günther, Hans F. K. (1929): Rassengeschichte des hellenischen und des Theodor Weicher.
römischen Volkes. München:]. F. Lehmann.
[Günther, D. nordische Rasse bei d. Indogermanen ÖS 12,75)
Günther, Hans F. K. (1934): Die nordische Rasse bei den Indogermanen
Asiens: Zugleich ein Beitrag zur Frage nach der Urheimat und Rassenher-
kunft der Indogermanen. München: J. F. Lehmann. "'' ASMA, Scatola 13, 22 A 30.
356 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 357

[Klagges, Heldischer Glaube ÖS 5,10] [Lagarde, Ausgewählte Schriften ÖS 11,05]


Klagges, Dietrich (1934): Heldischer Glaube (Die Wiederherstellung des Lagarde, Paul de (1924]: Schriften für das deutsche Volk. Ausgewählte
Urmarkus in seiner eigentlichen Gestalt auf Grund der wissenschaftlichen Schriften als Ergänzung zu Lagardes Deutschen Schriften. Zusammenge-
Evangelienkritik). Leipzig: Armanen 142 . stellt von Paul Fischer. München: ]. F. Lehmann.
[Köhn-Behrens, Was ist Rasse ÖS 3,06] [Lechler, Vom Hakenkreuz ÖS 5,44]
Köhn-Behrens, Charlotte (1934): Was ist Rasse? Gespräche mit den größ- Lechler, Jörg (1921): Vom Hakenkreuz: Die Geschichte eines Symbols.
ten deutschen Forschern der Gegenwart. München: Franz Eher Nachfolger. Leipzig: C. Kabitzsch.
[Kofler, Katholische Kirche u. Judentum ÖS -,85] [Lenz, Biologische Grundlagen d. Erziehung ÖS 2,30]
Kofler, Josef Alois (1928): Katholische Kirche und Judentum. München: Lenz, Fritz (1927): Über die biologischen Grundlagen der Erziehung. Mün-
Franz Eher Nachfolger. chen: J. F. Lehmann.
[Kongress zu Nürnberg 1934 ÖS 5,10] [Luth, V. d. Juden u. ihren Lügen ÖS 1,70]
Nationalsozialistische Deutsche Arbeirerpartei (1934): Der Kongreß zu Luther, Martin; Hans Ludolf Parisius (1934 [1542]): Von den Juden und
Nürnberg: vom 5. bis 10. September 1934: Offizieller Bericht über den ihren Lügen. München: Ludendorff.
Verlauf des Reichsparteitages mit sämtlichen Reden. München: Franz Eher [Maurenbrecher, Goethe u. d. Juden ÖS 1,87]
Nachfolger. Maurenbrecher, Max (1921): Goethe und die Juden. München: Deutscher
[Kossinna, Deutsche Vorgeschichte ÖS 16,15] Volksverlag Dr. E. Boepple.
Kossinna, Gustaf (1912): Die deutsche Vorgeschichte. Eine hervorragend [Maurer, D. Brechung d. Zinsknechtschaft ÖS -,34]
nationale Wissenschaft. Würzburg: Kabitzsch. Maurer, Emil (1932): Die Brechung der Zinsknechtschaft. München: Franz
[Kossinna, Altgermanische Kulturhöhe ÖS 3,06] Eher Nachfolger.
Kossinna, Gustaf (1919): Altgermanische Kulturhöhe. Ein Kriegsvortrag. [Moeller v. d. Bruck, D. dritte Reich ÖS 9,86]
Jena: Nornen. Moeller von den Bruck, Arthur (1923): Das Dritte Reich. Berlin: Ring.
[Krieck, Philosophie d. Erziehung ÖS 14,45] [Moeller v. d. Bruck, D. pol. Mensch ÖS 4,76]
Krieck, Ernst (1922): Philosophie der Erziehung. Jena: Diederichs. Moeller von den Bruck, Arthur (1933): Der politische Mensch. Aufsätze
[Krieck, Erziehungsphilosophie ÖS 8,84] aus der Zeit von 1916-1924. Herausgegeben von Hans Schwarz. Breslau:
Krieck, Ernst (1930): Erziehungsphilosophie. München: R. Oldenbourg. Korn.
[Krieck, D. Staat d. deutschen Menschen ÖS 3,06] [Moeller v. d. Bruck, d. pol. Kräfte ÖS 8,50]
Krieck, Ernst (1933): Der Staat des deutschen Menschen. Berlin: Junker Moeller von den Bruck, Arthur (1933): Die politischen Kräfte, in: Hans
und Dünnhaupt. Schwarz (Hg.), Das Ewige Reich, Band 1. Breslau: Korn
[Kuptsch, D. wirkliche Christus ÖS 8,84] [Moeller v. d. Bruck, Deutscher Geist ÖS 11,90]
Kuptsch, Julius (1929): Der wirkliche Christus. Heiligenbeil: Ostpreussi- Moeller von den Bruck, Arthur (1934): Deutscher Geist, in: Hans Schwarz
scher Heimatverlag. (Hg.), Das Ewige Reich, Band 2. Breslau: Korn.
[Kuptsch, Christentum im Nationalsozialismus ÖS -,85] [Münchmeyer, Kampf um deutsches Erwachen ÖS 4,25]
Kuptsch, Julius (1932): Christentum im Nationalsozialismus. München: Münchmeyer, Ludwig; Thea Fuchs (1934): Kampf um deutsches Erwa-
Franz Eher Nachfolger. chen. Dortmund: W. Crüwell.
[Kuptsch, Mit Hitler z. Volksgemeinschaft u. z. Dritten Reich, mit Christus [Nationalsozialistisches Jahrbuch 1935 ÖS 2,72]
zur Glaubensgemeinschaft u. z. Dritten Kirche ÖS 3,40] Reichsleitung der NSDAP (1935): Nationalsozialistisches Jahrbuch. Mün-
Kuptsch, Julius (1934): Mit Hitler zur Volksgemeinschaft und zum Dritten chen: Franz Eher Nachfolger.
Reich, mit Christus zur Glaubensgemeinschaft und zur Dritten Kirche. [Nationalsozialistisches Monatsheft Heft 49, 53 [sie] ÖS 4,08]
Heiligenbeil: Ostpreussischer Heimatverlag. Rosenberg, Alfred (Hg.) (1934): Nationalsozialistische Monatshefte. Zen-
trale politische und kulturelle Zeitschrifr der N.S.D.A.P. Jg. 5, Heft 49;
142 Doppelbestellung. Jg. 5, Heft 53.
358 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 359

[Pfaff, D. Talmud d. Wirtschaft ÖS -,51) [Rosenberg, D. Kampf um die Weltanschauung ÖS -,34]


Pfaff, Alfred (1929): Der Talmud der Wirtschaft: Der Young-Plan als Rosenberg, Alfred (1934): Der Kampf um die Weltanschauung: Rede, ge-
Werkzeug des überstaatlichen geheimen Finanz-Völkerbundes. München: halten am 22. Februar 1934. München: Franz Eher Nachfolger145 •
Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple. [Schacht, Grundsätze deutscher Wirtschaftspol. ÖS 2,04]
[Pfaff, Erlösung v. Wahn d. Goldes ÖS 1,19] Schacht, Hjalmar (1932): Grundsätze deutscher Wirtschaftspolitik. Olden-
Pfaff, Alfred (1932): Erlösung vom Wahn des Goldes. Die neue Wirtschafts- burg i. 0.: Stalling.
gestaltung, ein Appell an alle Völker! München: Deutscher Volksverlag Dr. [Schemann, Rasse in d. Geisteswissenschaften ÖS 30,60]
E. Boepple. Schemann, Ludwig (1928): Die Rasse in den Geisteswissenschaften. Studi-
[Pfaff, Brechung d. Zinsknechtschaft ÖS 1,19) en zur Geschichte des Rassengedankens. München: J. F. Lehmann.
Pfaff, Alfred (1932): Brechung der Zinsknechtschaft. München: Deutscher [Schirach, D. Hitler-Jugend ÖS 7,65]
Volksverlag Dr. E. Boepple. Schirach, Baldur von (1934): Die Hitler-Jugend. Idee und Gestalt. Leipzig:
[Prager, Nationalsozialismus geg. Liberalismus ÖS 1,02] Koehler & Amelang.
Prager, Ludwig (1933): Nationalsozialismus gegen Liberalismus. München: [Schott, D. Kulturaufgaben d. XX. Jahrhunderts. ÖS 10,20]
Franz Eher Nachfolger. Schott, Georg (1926): Die Kulturaufgaben des 20. Jahrhundens: Ein
[Reventlow, Deutscher Sozialismus ÖS 9,35] Grundriss zur Wiederaufrichtung der deutschen Weltanschauung. Mün-
Reventlow, Ernst (1930): Deutscher Sozialismus: Civitas Dei germanica. chen: Hermann A. Wiechmann.
Weimar: A. Duncker. [Siemens, Vererbungslehre ÖS 6,12]
[V. deutscher Art u. deutscher Tat. ÖS 8,16] Siemens, Hermann Werner (1923): Grundzüge der Vererbungslehre, Ras-
Reich, Albert; Joseph Berchtold (1935): Von deutscher Art und deutscher senhygiene und Bevölkerungspolitik für gebildete aller Berufe. München:
Tat. Das Buch der Hitlerjugend von Kunstmaler Albert Reich. München: J. F. Lehmann.
Franz Eher Nachfolger. [Staemmler, Rassen-Pflege ÖS 5,44]
[Rohling, Talmud-Jude ÖS 1,70] Staemmler, Martin (1933): Rassenpflege im völkischen Staat. Mit 12 Ras-
Rohling, August (6 1877) [1871]: Talmudjude. Zur Beherzigung für Juden senköpfen auf einer Tafel. München: J. F. Lehmann.
und Christen aller Stände. Münster: Russell 143 • [Stark, Zentrumsherrschaft u. Jesuitenpolitik ÖS 1,70]
[Rosenberg, D. Mythus d. XX. Jahrhunderts ÖS 10,20] Stark, Johannes (1932): Zentrumsherrschaft und Jesuitenpolitik. München:
Rosenberg, Alfred (4 1932) [1930]: Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Mün- Franz Eher Nachfolger.
chen: Hoheneichen 144 • [Stark, Nationalsozialismus u. Lehrerbildung ÖS -,51]
[Rosenberg, Wesen, Grundsätze u. Ziele d. N.S.D.A.P. ÖS 1,02] Stark, Johannes (1932): Nationalsozialismus und Lehrerbildung: Denk-
Rosenberg, Alfred (1932): Wesen, Grundsätze und Ziele der Nationalsozia- schrift. München: Franz Eher Nachfolger.
listischen Deutschen Arbeiterpartei: das Programm der Bewegung. Mün- [Stegemann, Weltwende ÖS 12,75]
chen: Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple. Stegemann, Hermann (1934): Weltwende, der Kampf um die Zukunft und
[Rosenberg: Blut u. Ehre ÖS 7,65] Deutschlands Gestaltwandel. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt.
Rosenberg, Alfred/Thilo von Trotha (Hg.) (1934): Blut und Ehre. Ein [Suchenwirth, 12 Schicksalsgestalten d. deutschen
Kampf für deutsche Wiedergeburt: Reden und Aufsätze von 1919-1933. Geschichte ÖS 2,38]
München: Franz Eher Nachfolger. Suchenwirth, Richard (1933): Zwölf Schicksalsgestalten der deutschen Ge-
schichte. Leipzig: Voigtländer.
[Teudt, Germanische Heiligtümer ÖS 11,48]
Teudt, Wilhelm (1929): Germanische Heiligtümer Beiträge zur Aufde-

143 ASMA, Scarola 12, 8 D 14.


144 ASMA, Scatola 13, 22 B 7. 14 s ASMA, Scarola 13, 22 A 30.
360 Peter Rohrbacher
Das „Rassenproblem" 361

ckung der Vorgeschichte, ausgehend von den Externsteinen, den Lippe-


[Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 53 D. deutsche Orden im Werden u. Ver-
quellen und der Teutoburg. Jena: Diederichs.
gehen ÖS 2,04]
[Treitschke, Deutsche Männer ÖS 8,16]
Zaunert, Paul (Hg.): Der deutsche Orden im Werden und Vergehen
Treitschke, Heinrich von (1927): Deutsche Männer. Charakterbilder aus
(= Deutsche Volkheit 53). Jena: Diederichs.
der deutschen Geschichte. Weimar: A. Duncker.
[Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 54 Kulturbräuche ÖS 2,04]
[Voigt, Deutscher Glaube ÖS 8,16]
Zaunert, Paul (Hg.): Kulturgebräuche(= Deutsche Volkheit 54). Jena: Die-
Voigt, Friedrich (1934): Deutscher Glaube. Zeugnisse aus 2 Jahrtausenden. derichs.
Weimar: A. Duncker.
[Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 55 Goten in Italien ÖS 2,04]
[Wahl, Beiträge z. deutschen Parteigeschichte ÖS 1,53] Zaunert, Paul (Hg.): Goten in Italien (= Deutsche Volkheit 55). Jena: Die-
Wahl, Adalbert (1910): Beiträge zur deutschen Parteigeschichte im 19. Jahr- derichs.
hundert. München: Oldenbourg. [Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 60 Kaiser Heinrich IV ÖS 2,04]
[Wicht!, Weltfreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik. ÖS 12,24] Zaunert, Paul (Hg.): Kaiser Heinrich IV (= Deutsche Volkheit 60). Jena:
Wicht!, Friedrich (1920): Weltfreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik. Diederichs.
Eine Untersuchung über Ursprung und Endziele des Weltkrieges. Mün- [Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 69 D. deutsche
chen: ]. F. Lehmann.
Bauernkrieg ÖS 2,04]
[Widukind, Geschichte d. deutschen Volkes ÖS 10,20] Zaunert, Paul (Hg.): Der deutsche Bauernkrieg (= Deutsche Volkheit 69).
Widukind [Pseudonym] (1934): Geschichte des deutschen Volkes. Leipzig: Jena: Diederichs.
Armanen. [Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 72 E. M. Arndt. D.
[Winnig, V Proletariat zum Arbeitertum ÖS 7,65] ewige Deutsche ÖS 2,04]
Winnig, August (1930): Vom Proletariat zum Arbeitertum. Hamburg: Zaunert, Paul (Hg.): Der ewige Deutsche (= Deutsche Volkheit 72). Jena:
Hanseatische Verlagsanstalt. Diederichs.
[Wirth, Was heißt deutsch ÖS 6,12] [Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 77 Freiherr v. Stein ÖS 2,04]
Wirth, Herman Felix (1931): Was heißt deutsch? Ein urgeistesgeschichtli- Zaunert, Paul (Hg.): Freiherr von Stein (= Deutsche Volkheit 77). Jena:
cher Rückblick zur Selbstbesinnung und Selbstbestimmung. Jena: Diede- Diederichs.
richs. [Zimmermann, Deutsche Geschichte als Rassenschicksal ÖS 5,44]
[Wolf, Angewandte Kirchengeschichte Bd. 2, Bd. 5 ÖS 20,40] Zimmermann, Karl (1933): Deutsche Geschichte als Rassenschicksal.
Wolf, Heinrich (1914): Angewandte Kirchengeschichte: Eine Erziehung zu Leipzig: Quelle & Meyer.
völkischem Denken und Wollen. Leipzig: Theodor Weicher. Summe146 ÖS 627,67
[Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 33 Herrschaft u. Untergang d. Hohenstau-
fen in Italien ÖS 2,04]
Zaunert, Paul (Hg.): Herrschaft und Untergang der Hohenstaufen in Itali- 5.3.2. In Aussicht gestellte Werke
en (= Deutsche Volkheit 33). Jena: Diederichs. 16 Werke
[Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 43 Friedrich II v.
Hohenstaufen ÖS 2,04] [Chamberlain, der Seher des Dritten Reiches.
Zaunert, Paul (Hg.): Friedrich II von Hohenstaufen (= Deutsche Volk- Chamberlain, Houston Stewart; Georg Schott (1934): Chamberlain, der
heit 43). Jena: Diederichs. Seher des Dritten Reiches; das Vermächtnis Houston Stewart Chamber-
[Deutsche Volkheit v. Zaunert: Bd. 51 Otto d. Große ÖS 2,04] lains an das deutsche Volk, in einer Auslese aus seinen Werken. München:
Zaunert, Paul (Hg.): Otto der Große (= Deutsche Volkheit 51). Jena: Die- F. Bruckmann.
derichs.

146 Abzüglich 10 % Rabatt, zzgl. ÖS 31,00 für Stellplatz, Porto und Verpackung.
362 Peter Rohrbacher Das „Rassenproblem" 363

[Eckart, Eine Lebensbeschreibung und sein Schaffen von R. Lembert. [Rückert, Ein Lehrmeister des Vaterlandes von Dr. H. Meiser.
Lembert, Raimund (1934): Dietrich Eckart: Ein Künder und Kämpfer des Meiser, Hermann (1928): Friedrich Rückert, ein Lehrmeister des Vaterlan-
Dritten Reiches. München: Franz Eher Nachfolger. des. Leipzig: Theodor Weicher.
[Friebe A„ Was muss der Nationalsozialist von der Vererbung wissen. [Selchow, Der deutsche Mensch.
Friehe, Albert (1934): Was muss der Nationalsozialist von der Vererbung Selchow, Bogislav von (1933): Der deutsche Mensch. Zwei Jahrtausende
wissen? Die Grundlagen der Vererbung und ihre Bedeutung für Mensch, deutscher Geschichte. Leipzig: Koehler.
Volk und Staat. Frankfurt am Main: Moritz Diesterweg. [Stauf v. d. March, Die Juden im Urteil der Zeiten.
[Günther, Rassengeschichte des hellenischen und des römischen Volkes. Stauf von der March, Ottokar (Hg.) (1921): Die Juden im Urteil der Zeiten.
Günther, Hans F. K. (1930): Rassengeschichte des hellenischen und des Eine Sammlung jüdischer und nichtjüdischer Urteile. München: Deutscher
römischen Volkes. München: J. F. Lehmann. Volksverlag Dr. E. Boepple.
[Klagges, Heldischer Glaube. [Wagner, Richard: Der deutsche Musiker und Mensch v. Merbach.
Klagges, Dietrich (1934): Heldischer Glaube. (Die Wiederherstellung des Merbach, Paul Alfred (1933): Richard Wagner: Der deutsche Musiker und
Urmarkus in seiner eigentlichen Gestalt auf Grund der wissenschaftlichen Mensch. Selbstzeugnisse und Zeitberichte. Stuttgart: Lutz.
Evangelienkritik). Leipzig: Armanen 147•
[Kleinecke, Gobineau's Rassenlehre.
5.3.3. Als „vergriffen" vermerkre Werke
Kleinecke, Paul (1920): Gobineau's Rassenlehre. Stuttgart: Frommann.
[Nationalsozialistische Bibliothek Heft 31. Dr. Rudolf Nationalsozialismus und 4 Werke
Rasse.
[Arnim, Deutschlands Erwecker, Freiherr v. Stein.
Rudolf, Hans (1931): Nationalsozialismus und Rasse (= Nationalsozialisti-
Arnim, Hans von (1931): Deutschlands Erwecker, Kampf und Werk des
sche Bibliothek, Heft 31). München: Franz Eher Nachfolger.
Freiherrn Karl vom Stein. Berlin: 0. F. Hübner.
[Nationalsozialistische Bibliothek Heft 39. Dr. Nicolai: Die rassengesetzliche
[Chamberlain, Hammer oder Ambos.
Rechtslehre.
Chamberlain, Housron Stewart (1916): Hammer oder Ambos. München:
Nicolai, Helmut (1932): Die rassengesetzliche Rechtslehre. Grundzüge ei-
F. Bruckmann.
ner nationalsozialistischen Rechtsphilosophie (= Nationalsozialistische Bi-
[Wiese, D. Liberalismus in Vergangenheit und Zukunft.
bliothek, 39). München: Franz Eher Nachfolger.
Wiese, Leopold von (1917): Der Liberalismus in Vergangenheit und Zu-
[Nationalsozialistisches Monatsheft Heft 47 Zarathustra, Meister Eckehart, Höl-
kunft. Berlin: Fischer.
derlin-Kierkegaard.
[Deutsche Volkheit von P. Zaunert: Bd. 57 Turnvater Jahn.
Rosenberg, Alfred (Hg.) (1934): Nationalsozialistische Monatshefte. Zen-
Zaunert, Paul (Hg.): Turnvater Jahn(= Deutsche Volkheit 57). Jena: Diede-
tral politische und kulturelle Zeitschrift der N.S.D.A.P. Jg. 5, Heft 47.
richs.
[Pötsch W, Die jüdische Rasse im lichte der Straffelligkeit.
Pötsch, Walter (1932): Die jüdische Rasse im lichte der Straffälligkeit.
Zuchtstätten der Minderrassigkeit. Wien: Südostdeutscher Kulturverlag.
[Reventlow E., Nationaler Sozialismus im neuen Deutschland.
Reventlow, Ernst (1933): Nationaler Sozialismus im neuen Deutschland.
Berlin, Leipzig: Zeitgeschichte.
[Rosenberg A., Wesensgefüge des Nationalsozialismus.
Rosenberg, Alfred (1932): Das Wesensgefüge des Nationalsozialismus:
Grundlagen der deutschen Wiedergeburt. München: Franz Eher Nachfol-
ger.

147 Doppelbestellung.
364 Peter Rohrbacher

5.3.4. Verlagsprovenienz
Die auf der Bestellliste eingetragenen 138 NS-Werke können folgenden Verla-
gen zugeordnet werden:

Verlagsort Verlag Anzahl


München: Franz Eher 27
München: Lehmann 20
Jena: Diederichs 16
München: Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple 12
Weimar: A. Duncker 5
Leipzig: Theodor Weicher 5
Leipzig: Armanen 4
München: F. Bruckmann 3
Leipzig: Kabitzsch 3
Breslau: Korn 3
Frankfurt am Main: Moritz Diesterweg 3
Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 2
Berlin: E. S. Mittler & Sohn 2
Leipzig: Köhler & Amelang 2
Restliche Verlage 31
Summe 138

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