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DC Freiburg Workshop 1:

Einführung

1. Worauf es ankommt: Überzeugungskraft


1.1 Ansatz OPD: Jurierkategorien
1.1.1 Sprachkraft
Publikum soll verstehen, gerne zuhören, gefesselt sein und sich das Gesagte
merken können
Ästhetik der Sprache und des Sprechens
Sprache
Metapher, Alliteration, Personifikation, Anapher etc.
Finger weg von: Rhetorische Frage, „ähm“
Verständliche Formulierung und angemessene Wortwahl
Stimme
Prosodie (Betonung, Tonhöhenverlauf, Rhythmus, kurzum: Sprachmelodie),
Artikulation (Deutlichkeit, Physiologie, legato, tenuto, staccato etc.) und
Lautstärke
• Mikroebene: Ein einzelner Satz ist stimmlich ansprechend und zum
Gesagten passend
• Makroebene: Der Redner variiert seine Stimme innerhalb seiner
Rede

1.1.2 Auftreten
Entspricht optischer Präsenz, könnte auch ohne Ton wahrgenommen werden,
aber nicht bewertet, da es zum Inhalt passen muss
Haltung, Stand, Mimik, Gestik
Statisch:
„staatsmännisch würdevoll“, Beine schulterbreit auseinander, Blick und Körper
zum Publikum (bzw. zu Juroren und freien Redner und nicht zur Gegenseite),
aufrechte und symmetrische Haltung, Grundposition der Hand finden (Raute,
ineinanderlegen, lockere Faust, Fingerspitzen aneinander)
Dynamisch, generisch:
Kreisende Bewegungen in verschiedenen Ebenen, Kugel
Dynamisch, pointiert: Unterstreichen des Gesagten, aber Achtung: man ist
kein Pantomime, Bspe: 1,2,3 mit Hand für Aufzählung, auf die Person zeigen,
über die man redet, Fingerspitzen zusammen um Präzision zu symbolisieren,

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Fundament deuten, zurücknehmen mit Händen Gegreiftes zum Körper ziehen,
mit Hand schieben für Eindringlichkeit oder Widerstand

1.1.3. Kontaktfähigkeit
„Die Fähigkeit, sich auf die verschiedenen Umstände einer Debatte einzustellen“
Übersicht, Sympathie, Integrität
Inhaltlich
Eigenes sinnvoll in den Gesamtkontext einordnen und relevante Entwicklungen
berücksichtigen, Rebuttal
Zwischenrufe und –fragen sinnvoll beantworten
Emotional
Eine Beziehung zum Publikum aufbauen und die Zuhörer da abholen, wo sie
sich gedanklich befinden, Gespür für Situation
Schlagfertigkeit, Humor, eigene Emotionen verbalisieren, Augenkontakt

1.1.4 Sachverstand
„Ist das Gesagte richtig?“
Fakten, Logik, Plausibilität
Prämisse
Maßstab ist Allgemeinbildung, Statistiken und sonstiges nicht in der Debatte
einsehbares Fachwissen (auch wenn plausibel) wird nicht gewertet
Prämissenfehler wenn Grundlegung schlichtweg falsch ist oder kontrovers, aber
nicht weiter begründet
Ableitung
Lückenlose Argumentationskette, Schlussfolgerungen zwingend oder nicht
Deduktion (Schluss von einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit auf einen Einzelfall)
und Induktion (Schluss von Einzelfällen auf eine Gesetzmäßigkeit, Empirie)
Schluss
Ende der Begründungschuld sobald sich die Frage nach dem Grund trivial
beantworten lässt und/oder sich alle bezüglich der Antwort einig sind

1.1.5 Urteilskraft
„Ist das Richtige gesagt?“ bzw. „Ist das Gesagte wichtig?“
Priorisierung, Effizienz, sinnvolle Anordnung
Wegdebatte
Über das Ziel herrscht Einigkeit, aber nicht über die Mittel. Kriterien sind unter
anderem Effizienz, Pragmatik, Verhältnismäßigkeit
Wertedebatte
Verschiedene Ziele, warum ist das eigene legitim und wichtig?
Warum ist es besser als das der Gegenseite? Abwägung von Werten, dazu
Auseinandersetzung mit der Gegenseite erforderlich

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1.2 Ansatz BPS: 3 Stufen der Exzellenz
1. Stufe Argumente
• entspricht ungefähr „Sachverstand“ (s.o.)
2. Stufe Relevanz
• entspricht ungefähr Urteilskraft, ausgeschlossen der Abwägung
3. Stufe Abwägung
• vereint gewisse Aspekte der Kontaktfähigkeit und der Urteilskraft
• Interaktion und Abgrenzung

2. Rollenerfüllung, a.k.a. das Handwerk


2.1 Regierung
2.1.1 Eröffnungsredner (Reg)
Aufgaben: Definitionen, Antragsstellung, Erste Argumente
Ein Antrag muss eindeutig sein und klarstellen, wer genau was genau
macht. Exakte Zahlen sind nicht notwendig.
Wie ist der Status quo (Im Folgenden: S.q.)? Warum ist er schlecht?
(/Warum ist das Ziel gut?) Wie verbessert der Antrag den S.q.? Warum ist der
Antrag geeignet um das Ziel zu erreichen? Warum ist er angemessen? Warum
ist er das mildeste Mittel? Wie wird der neue S.q. aussehen?

2.1.2 Ergänzungsredner (Reg)


Aufgaben: Rebuttal und restliche Argumente
Die handwerksärmste Reg- Position und daher besonders geeignet für
Anfänger

2.1.3 Schlussredner (Reg)


Aufgaben: Zusammenfassen, Neuordnen, Vertiefen
Sollte: Herausarbeiten und Formulieren der Clashes, Übersicht und
Verständnis der Debatte von Nöten, „Vorjurieren“ der Debatte für den Juror,
Darf: Durch neue Beispiele und tiefere Analyse die vorhandenen Punkte
stärken, Argumente der Gegenseite entkräften
Darf nicht: Neue Argumente bringen (Übergang zwischen neuem
Argument und vertiefender Analyse oder sinnvollem Rebuttal allerdings häufig
fließend)

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2.2 Opposition
2.2.1 Eröffnungsredner (Opp)
Aufgaben: Antragskritik, Rebuttal, Erste Gegenargumente
1. Verteidigung: Es gibt mit dem S.q. kein Problem oder zumindest ist es
nicht relevant
2. Verteidigung: Selbst wenn das benannte Problem relevant wäre, wird es
durch den Antrag nicht gelöst
3. Verteidigung: Selbst wenn der Antrag das Problem löse, so hat er
größere Nachteile und/oder ignoriert bessere Mittel
Nicht jede Verteidigung passt immer, insgesamt etwas weniger formal als
der Eröffnungsredner der Reg, daher für Anfänger geeignet

2.2.2 Ergänzungsredner (Opp)


Aufgaben: Rebuttal, restliche Gegenargumente
Die handwerksärmste Opp-Position und daher besonders geeignet für
Anfänger

2.2.3 Schlussredner (Opp)


Aufgaben: Identisch mit den Aufgaben des Schlussredners der Regierung (s.o.)

2.3 Fraktionsfreie Redner (FR)


Aufgaben: Ausführen eines noch nicht genannten Arguments oder
debattenrelevantes Vertiefen eines bereits genannten
Klares Positionieren für eine Seite erforderlich, sonst aber keine spezielle
Rollenerfüllung notwendig

2.3.1 Gegenrede
Aufgabe: Werbendes Widerlegen der Argumente des FR (z.B. durch Begründen,
warum der Wert, der hinter der Argumentation steht, besser auf der eigenen
Seite vertreten ist)

3. Rebuttal und Interaktion


3.1 Strawman und Steelman
Strawman: Scheinbare Schwächung des Argumentes des Gegners durch
Widerlegung einer fiktiven schlechteren Ausführung des Gesagten

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Steelman: Widerlegung der Argumente des Gegenübers in ihrer bestmöglichen
Forn. Wie könnte das Argument des Gegenübers in seiner besten Form lauten,
bzw. was könnte er bestenfalls gemeint haben?

3.2 Mögliche Angriffspunkte (Auswahl)


Vieles bereits genannt (siehe Eröffnungsredner der Opp.)
Kritik an Teilaspekten von „Sachverstand“ und „Urteilskraft“ (s.o.), z.B.
Prämissen, Schlussfolgerungen, Relevanz

3.2.1 Falsches Dilemma


Der Gegenüber präsentiert zwei Alternativen, in der seine offensichtlich zu
favorisieren ist, jedoch ist diese zwingende Dichotomie falsch (schließen sich
nicht aus, eine Alternative ist unzutreffend oder es gibt mehrere Alternativen)

3.2.2 Fehlerhafte Analogie


Relevante bestimmende Merkmale der Sache und der benannten Analogie
stimmen nicht überein und/oder wurden einfach unterschlagen

3.2.3 Eigene Analogie


„Wenn, dann“- Bezug auf Stakeholder, auf die das „Wenn“ bereits im S.q.
zutrifft, bei denen aber die behauptete Konsequenz ausbleibt

3.2.4 Fehlende Beispiele


Wenn sich eine ansonsten solide Argumentationskette mit keinem Beispiel
belegen lässt, ohne dass es dafür einen expliziten Grund gibt, kann das den
Juroren einen Hinweis darauf geben, dass irgendetwas nicht stimmen kann

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