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Kapitel 1

Grundlagen der
Quantenmechanik

Einige grundlegenden Experimente die Ende des 19. und Anfangs des 20.
Jahrhunderts durchgeführt wurden, waren von grosser Bedeutung für die
Entwicklung der Quantenmechanik.

1.1 Experimentelle Befunde

Von zentraler Bedeutung waren die exakten Messungen der Strahlung eines
schwarzen Körpers durch Physiker der Technischen Reichsanstalt in Berlin.
Sie führten zur ersten Quantentheorie von Max Planck im Jahre 1900.

1.1.1 Hohlraumstrahlung

Folgende experimentellen Tatsachen waren zur Zeit von Plancks Entdeckung


bekannt.

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Hohlraum 


























































                

                

                

                

                

                




























 












































Spektrometer
                

                

                

                

                

Temperatur T
                

                

                

                

                

                

                

                

                

                

        

       

1. Die spektrale Energiedichte ρ(T, ν) der thermodynamischen Gleichge-


wichtsstrahlung ist unabhängig von den materiellen Eigenschaften der
den Hohlraum umgebenden Körper. Dabei ist T die Temperatur und
ν die Frequenz der Strahlung.

∞
2. Die Energiedichte u(T ) = 0
ρ(T, ν)dν gehorcht dem Stephan–Boltz-
mannschen Gesetz

u(T ) = aT 4 .

Dabei ist a die Stephan–Boltzmann Konstante.

3. Es gilt das Wiensche Verschiebungsgesetz.

λmax ∗ T = konstant .

7
Oder anders ausgedrückt: ρ(T, ν)/ν 3 ist nur eine Funktion von ν/T .

4. Aus der klassischen Physik lässt sich das Rayleigh-Jeans Gesetz ablei-
ten

8π 2
ρ(T, ν) = ν kT ,
c3

und daraus erhält man

 ∞
u(T ) = ρ(T, ν)dν = ∞ ,
0

die so genannte Ultraviolettkatastrophe.

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Plancksche Strahlungsformel

8π 2 hν
ρ(T, ν) = ν hν/kT
c 3 e −1
Diese Formel kann mit folgenden Annahmen hergeleitet werden:

1. Die Atome in den Wänden des Hohlraumes verhalten sich wie kleine
elektromagnetische Oszillatoren mit charakteristischer Schwingungsfre-
quenz ν; sie emittieren und absorbieren Strahlung aus dem Hohlraum
(thermisches Gleichgewicht); die Anregung der Oszillatoren hängt von
der Temperatur T ab.

2. Die Oszillatoren können nur diskrete Energiewerte annehmen (quan-


tenmechanischer Oszillator):
 
1
En = n+ hν n = 0, 1, 2, . . .
2

Dabei ist h = 6.626176 · 10−34 Js das Plancksches Wirkungsquantum.

3. Solange der Oszillator keine Energie abstrahlt oder aufnimmt, bleibt er


in seinem quantisierten Zustand, der durch die Quantenzahl n charak-
terisiert ist.

9
1.1.2 Die Wärmekapazität
1819 stellten Dulong und Petit die Vermutung auf, dass die molare isochore
Wärmekapazität CV für alle einfachen (atomaren) Körper gleich und kon-
stant ist.
CV = 3R R Gaskonstante
Dieses Gesetz kann leicht aus der klassischen Physik erhalten werden, unter
der Annahme, dass jedes Atom als ein drei-dimensionaler Oszillator agiert.
Spätere Messungen bei tiefen Temperaturen zeigten aber eine starke Abwei-
chung von dem Dulong-Petit Gesetz.

Dulong−Petit
3R
Debye

2R Einstein

0 Temperature
Einstein realisierte, dass das Problem mit der Hohlraumstrahlung verwandt
war und wandte die Planckschen Hypothesen auch auf die atomaren Oszil-
latoren an. Er erhielt
(θE /T )eθE /2T
CV = 3Rf 2 ; f= ,
1 − eθE /T
wobei θE die Einstein Temperatur ist (θE = hν/k). Dies verbesserte die
Übereinstimmung mit den Experimenten beträchtlich, hatte aber besonders
für sehr tiefe Temperaturen immer noch starke Abweichungen zu den Expe-
rimenten. Dies liegt an Einsteins Annahme, dass alle Oszillatoren mit der
selben Frequenz schwingen. Debye liess diese Annahme fallen und erhielt
 3  θD /T
T x4 ex
CV = 3Rf ; f =3 dx .
θD 0 (ex − 1)2

10
Dabei ist θD die Debye Temperatur, die zur maximalen Frequenz des Festkörpers
in Beziehung steht.

1.1.3 Der Photoelektrische Effekt


Experimente mit Photokatoden wurden von Hertz ausgeführt um die Max-
wellschen Gleichungen zu überprüfen. Später gelang es damit J.J. Thomsen
die Existenz des Elektrons nachzuweisen. Im Jahre 1902 studierte Lenard
mit dieser Versuchsanordnung die Abhängigkeit des Photostromes von der
Intensität des Lichtes. Zu seiner Überraschung fand er, dass es eine mini-
male Spannung gab, die benötigt wurde um alle Elektronen zu stoppen, un-
abhängig von der Intensität des Lichtes. Er fand auch, dass diese Spannung
von der Wellenlänge des Lichtes abhing. Es war aber damals nicht möglich
genaue Messungen durchzuführen.

Es war wiederum Einstein, der 1905 eine Erklärung für diese Experimente
mit der Quantentheorie fand. Seine Hypothese war , dass der Photoeffekt
durch eine Kollision von Photonen (Lichtquanten) mit Elektronen zustande
kommt. Dabei wird die Energie hν der Photonen auf das Elektron übertra-
gen. Die Elektronen verlieren eine gewisse Energie W beim Austritt aus der
Metalloberfläche, so dass die gemessene kinetische Energie

T = hν − W ,

übrig bleibt. Die Experimente wurden daraufhin von Millikan bis 1916 so-
weit verbessert, dass er die Plancksche Konstante auf 0.5% genau bestimmen
konnte.

1.1.4 Die Comptonstreuung


Wenn Photonen sich wie Teilchen benehmen, dann müssen sie auch einen
Impuls haben. Die relativistische Formel für die Energie-Masse-Impuls

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Beziehung ist
 1/2
E = m2 c4 + p2 c2 ,
wobei c die Lichtgeschwindigkeit ist. Für ein Photon gilt m = 0 und E = hν
und somit
hν h
p= = .
c λ
Dieser Impuls sollte messbar sein, wenn Photonen mit Elektronen zusam-
menstossen und ein Teil des Impulses auf die Elektronen übertragen wird.
Dies sollte zu einer Änderung der Frequenz der Photonen führen. Das Ex-
periment wurde 1923 von A.H. Compton mit Röntgenstrahlen durchgeführt,
die an Graphit gestreut wurden. Die Ergebnisse liessen sich mit folgender
Formel angleichen

1 h
δλ = 2λC sin2 θ; λC = ,
2 me c

wobei λC die Compton Wellenlänge des Elektrons genannt wird. θ ist der
Streuwinkel unter dem die Messung durchgeführt wurde.

1.1.5 Atomspektren
Ein weiteres Problem bestand darin, dass die Strahlung, die von Atomen
emmitiert wird nicht kontinuierlich ist, sondern ganz scharfe Linien aufweist.
Dasselbe gilt für die absorbierten Wellenlängen. Das Spektrum von atoma-
rem Wasserstoff hat eine ganz besonders einfache Struktur. 1885 wurde das
Spektrum im sichtbaren Bereich von J. Balmer gemessen. Er schlug folgende
Formel für die Absorptionsfrequenzen vor
 
1 1
ν̃ = RH − ,
22 n2

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wobei RH heute die Rydbergkonstante genannt wird. Rydberg verallgemei-
nerte dieses Resultat durch das Kombinationsprinzip, das besagt, dass jede
Spektrallinie als Differenz zwischen zwei Termen geschrieben werden kann.

ν̃ = T1 − T2 .

Die Idee ist natürlich, dass die Energieniveaus eines Atoms als diskrete Werte
geschrieben werden können. Für diesen Fall also E1 = hcT1 und E2 = hcT2 .
Die offene Frage war nun noch, warum dies so sein sollte. Niels Bohr, in
seiner Theorie 1913, benützte die Plancksche Quantisierungshypothese mit
der Annahme, dass das Drehmoment eines Elektrons im Zentralkraftfeld eines
Atoms nur bestimmte Werte annehmen kann. Er fand für die Energiewerte
des Wasserstoffatoms
µe4
En = − ,
8h2 20 n2

wobei 1/µ = 1/me + 1/mp die reduzierte Masse ist. Dies ist das erste Auf-
treten von quantisierten Energieniveaus mit einer Quantenzahl (n). Damit
liess sich das Spektrum von Wasserstoff hervorragend erklären, bei anderen
Atomen traten allerdings wiederum Abweichungen auf.

1.1.6 Wellen-Teilchen Dualität

Eine erste Synthese all dieser Konzepte wurde von de Broglie erzielt, als er
vorschlug, dass alle sich bewegenden Körper eine zugehörige Wellenfunktion
besitzen und dass der Impuls eines Körpers mit seiner Wellenlänge durch die
allgemeine Beziehung
h
λ=
p

verbunden ist. Diese Beziehung, die für Photonen schon bekannt war, wurde
von de Broglie zu einem universellen Prinzip erklärt und damit war es zu
einer generellen Verbindung der klassischen Konzepte von Teilchen und Welle
gekommen. Die de Broglie Wellenlänge für das Elektron wurde in einem
Experiment von Davisson und Germer und etwas später von G.P. Thomson
gemessen.

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Die Endgültige Theorie wurde von Heisenberg in seiner Matrizenformulierung
und von Schrödinger mit der Wellenmechanik 1926 geliefert.

1.2 Operatoren in der Quantenmechanik


Eine Observable ist eine dynamische, messbare Variable des Systems. In
der klassischen Physik werden Observablen durch Funktionen beschrieben,
in der Quantenmechanik treten mathematische Operatoren an ihre Stelle.
Ein Operator ist ein Symbol für eine Anweisung, wie eine Operation auf
eine Funktion auszuführen ist.

1.2.1 Eigenfunktionen und Eigenwerte


Im Allgemeinen erzeugt ein Operator, wenn er auf eine Funktion angewandt
wird eine neue Funktion. In speziellen Fällen ist das Ergebnis wieder die-
selbe Funktion multipliziert mit einer Konstante. Eine Funktion f ist eine
Eigenfunktion eines Operators, wenn gilt

Ω̂f = ωf ,

wobei ω eine Konstante ist. Eine solche Gleichung nennt man eine Eigen-
wertgleichung. ω ist dabei ein Eigenwert des Operators Ω̂.

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Die Menge aller Eigenfunktionen eines Operators bilden eine vollständige
Basis, d.h. eine beliebige Funktion kann als Linearkombination der Eigen-
funktionen geschrieben werden.

Ω̂fn = ωn fn .

Eine Funktion g werde in den Eigenfunktionen entwickelt



g= cn fn ,
n

wobei cn die Entwicklungskoeffizienten sind und die Summe sich über alle
Funktionen fn erstreckt. Damit können wir den Effekt des (stetigen) Opera-
tors Ω̂ auf die Funktion g einfach berechnen
  
Ω̂g = Ω̂ cn fn = cn Ω̂fn = cn ωn fn
n n n

1.2.2 Darstellungen
Die Quantenmechanik kann ohne eine explizite Form der Operatoren ent-
wickelt werden. Oft ist es aber instruktiv, bestimmte Darstellungen der Ope-
ratoren zu verwenden. Die gebräuchlichste Darstellung ist die Ortsdarstel-
lung
h ∂
x −→ x× , px −→ .
2πi ∂x
Die spezielle Form des Impulsoperators folgt dabei aus einem der Postulate,
die wir im nächsten Kapitel einführen werden.
Eine Alternative ist die Impulsdarstellung
h ∂
x −→ − , px −→ px × .
2πi ∂px
Es gibt noch andere Darstellungen, aber wir werden meistens die Ortsdar-
stellung verwenden.

1.2.3 Kommutatoren
Eine besondere Eigenschaft von Operatoren ist, dass die Reihenfolge in de-
nen sie auf eine Funktion angewendet werden von Bedeutung ist. Es gilt im
Allgemeinen
ABf = BAf ,

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oder auch einfach AB = BA. Die Grösse AB − BA wird als der Kommutator
von A und B bezeichnet
[A, B] = AB − BA .
Operatoren, die dieselben Eigenfunktionen haben kommutieren
ABg = BAg
 
A ωnB cn fn
= B ωnA cn fn
n n
 
ωnA ωnB cn fn = ωnB ωnB cn fn
n n

Die umgekehrte Aussage gilt auch; Operatoren die kommutieren können


gleichzeitig in Diagonalform gebracht werden.
Der Kommutator für den Orts- und Impulsoperator in der Ortsdarstellung
ist
h ∂f h ∂
[x, px ]f = (xpx − px x)f = x × − × xf
2πi ∂x 2πi ∂x
h ∂f hf h ∂f
=x× − −x×
2πi ∂x 2πi 2πi ∂x
ih
= ×f

Da diese Herleitung für beliebige Funktionen f gilt, können wir auch schrei-
ben
ih
[x, px ] =

1.2.4 Erzeugung von Operatoren


Viele der von uns benötigten Operatoren können aus den Operatoren für Ort
und Impuls erzeugt werden. Zum Beispiel ist der Operator der kinetischen
Energie T = p2 /2m in einer Dimension
 2
p2x 1 h̄ ∂ h̄2 ∂ 2
T̂ = = =−
2m 2m i ∂x 2m ∂x2
und in drei Dimensionen
 2  2  2
p2x + p2y + p2z 1 h̄ ∂ h̄ ∂ h̄ ∂
T̂ = = + +
2m 2m i ∂x i ∂y i ∂z


h̄2 ∂2 ∂2 ∂2
= − + +
2m ∂x2 ∂y 2 ∂z 2
h̄2 2
= − ∇
2m
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wobei h̄ = h/2π und der Operator ∇2 der Laplaceoperator ist.
Die potentielle Energie eines Teilchens V (x) ist eine multiplikative Funktion
in der Ortsdarstellung. Das gilt nun auch für den Operator der potentiellen
Energie, z.B. ist der Operator der Coulombenergie eines Elektrons im Feld
eines Atomkerns der Ladung Z

Ze2
V̂ = − ×
4π0 r

Der Operator der totalen Energie eines Systems ist der Hamiltonoperator

Ĥ = T̂ + V̂

Das allgemeine Rezept zur Erzeugung der quantenmechanischen Operatoren


lautet:

1. Schreibe den klassischen Ausdruck für die Observable mit Hilfe der
Ortskoordinaten und des Impulses.

2. Ersetze die verschiedenen Funktionen durch ihre quantenmechanischen


Operatoren.

1.3 Postulate der Quantenmechanik


1.3.1 Postulate
Die folgenden Postulate der Quantenmechanik sind nicht in ihrer strengsten
Form wiedergegeben. Sie sollen uns aber für die folgenden Kapitel genügen.

Postulat 1
Der Zustand eines Systems ist vollständig durch seine Wellenfunktion
Ψ(r1 , r2 , . . . , t) beschrieben.

Die Ortskoordinaten r1 , r2 , . . . gehören zu den Teilchen 1, 2, . . . . Im Allge-


meinen werden noch zusätzliche interne (Spin) Koordinaten benötigt. Aus
der Wellenfunktion können alle Informationen über die Eigenschaften des
Systems gewonnen werden, die auch durch Experimente zugänglich sind.

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Tabelle 1.1: Übergang von den klassischen Grössen zu den quantenmechani-
schen Operatoren.

klassisch quantenmechanisch
Ort
z.B. x, y x× , y×
Funktionen der Ortskoordinaten multiplikative Operatoren
z.B. x2 y x2 y×
oder allgemein f(x,y,z) f (x, y, z)×

Impuls
h̄ ∂
z.B. px i ∂x
Funktionen der Impulskoordinaten Differentialoperatoren
∂2
z.B. (px )2 −h̄2 ∂x 2

oder allgemein g(px ,py ,pz ) ∂ h̄ ∂ h̄ ∂


g( h̄i ∂x , i ∂y , i ∂z )

Funktionen von Ort und Impuls


h̄ ∂
z.B.
l =
r × p
(x, y, z) × i
, ∂, ∂
∂x ∂y ∂z

Zeit t t×

Energie E ih̄ ∂t

Postulat 2
Observablen werden durch Operatoren repräsentiert, die die folgenden
Bedingungen erfüllen

[q, pq ] = ih̄δq,q , [q, q  ] = 0 , [pq , pq ] = 0 ,

wobei q und q  jeweils eine der Koordinaten x, y, z und pq und pq die
dazugehörigen Impulskoordinaten repräsentieren.

Dieses Postulat legt alle Operatoren fest, die als Funktion der Orts- und
Impulsvariablen geschrieben werden können. Die internen (Spin) Operatoren
müssen noch zusätzlich definiert werden.

Postulat 3
Wenn ein System durch die Wellenfunktion Ψ beschrieben wird, dann
ist der Durchschnittswert einer Serie von Messungen der Observablen Ω
gleich dem Erwartungswert des korrespondierenden Operators.

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Der Erwartungswert eines Operators Ω̂ für einen allgemeinen Zustand Ψ ist
definiert als  ∗
Ψ Ω̂Ψdτ
Ω =  ∗ .
Ψ Ψdτ
Wenn die Wellenfunktion normiert ist

Ψ∗ Ψdτ = 1 ,

so gilt für den Erwartungswert einfach



Ω = Ψ∗ Ω̂Ψdτ .

Im allgemeinen werden wir annehmen, dass Zustandsfunktionen normiert


sind. Falls Ψ ein Eigenzustand von Ω zum Eigenwert ω ist, gilt
  
Ω = Ψ Ω̂Ψdτ = Ψ ωΨdτ = ω Ψ∗ Ψdτ = ω .
∗ ∗

Eine Serie von Messungen an identischen Systemen wird also den Mittelwert
ω liefern. Nehmen wir jetzt an, dass Ψ ein Eigenzustand des Systems ist, aber
nicht von Ω̂. In diesem Fall kann Ψ in die Eigenfunktionen von Ω̂ entwickelt
werden 
Ψ= cn Ψn , wobei ΩΨn = ωn Ψn gilt.
n

Der Erwartungswert wird nun


  ∗ 


 
Ω = cm Ψm Ω cn Ψn dτ = ∗
cm cn Ψ∗m Ω̂Ψn dτ
m n nm
 
= c∗m cn ωn Ψ∗m Ψn dτ .
nm

Da die Eigenfunktionen eine orthonormale Basis bilden, verschwindet das


letzte Integral für den Fall m = n und wir erhalten
   
Ω = cm cn ωn Ψ∗m Ψn dτ =

c∗n cn ωn = |cn |2 ωn .
nm n n

Der Erwartungswert ist also eine gewichtete Summe der Eigenwerte von Ω.
Der Beitrag eines bestimmten Eigenwertes wird durch das Quadrat des Ab-
solutwertes des Entwicklungskoeffizienten bestimmt.

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Postulat 3’
Falls Ψ eine Eigenfunktion von Ω̂ ist, werden alle Messungen den Wert
ω ergeben. Ist Ψ keine Eigenfunktion von Ω̂ dann erhält man bei jeder
Messung als Resultat einen Eigenwert ωn von Ω̂. Die Wahrscheinlichkeit
einen bestimmten Eigenwert zu erhalten ist proportional zu |cn |2 , wobei
cn der Überlapp der Funktion Ψ mit der Eigenfunktion Ψn von Ω̂ ist.

Postulat 4
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teilchen sich im Volumenelement dτ am
Ort r befindet ist proportional zu |Ψ(r)|2 dτ .

Diese Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Wellenfunktion geht zurück auf


Max Born. Daraus folgt, dass |Ψ(r)|2 eine Wahrscheinlichkeitsdichte ist. Die
Wellenfunktion selber ist eine Wahrscheinlichkeitsamplitude. Aus dieser In-
terpretation folgt auch, dass die Wellenfunktion quadratintegrabel sein muss

|Ψ|2 dτ < ∞ ,

denn die Wahrscheinlichkeit, das Teilchen irgendwo im ganzen Raum anzu-


treffen, muss endlich sein.

Postulat 5
Die Zeitentwicklung einer Wellenfunktion Ψ(r1 , r2 , . . . , t) ist gegeben
durch die Schrödingergleichung
∂Ψ
ih̄ = ĤΨ .
∂t

Dies ist eine partielle Differentialgleichung. H ist der Hamiltonoperator des


Systems. Beispielsweise ist die Schrödingergleichung für ein Teilchen in einer
Dimension
∂Ψ h̄2 ∂ 2 Ψ
ih̄ =− + V (x)Ψ .
∂t 2m ∂x2

1.3.2 Separation der Schrödingergleichung


Oft kann die Schrödingergleichung in eine Gleichung für den Ortsanteil und
eine Gleichung für die Zeitevolution der Wellenfunktion separiert werden.
Falls der Hamiltonoperator nicht von der Zeit abhängt haben wir in einer
Dimension
h̄2 ∂ 2 Ψ ∂Ψ
ĤΨ = − 2
+ V (x)Ψ = EΨ = ih̄
2m ∂x ∂t

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Für die stationären Zustände ist die Energie E eine Konstante und wir können
die gewöhnliche Differentialgleichung mit dem Ansatz lösen
 
E
Ψ(x, t) = ψ(x) exp t
ih̄

Wir können diesen Ansatz nun in die Schrödingergleichung einsetzen und


erhalten
Ĥψ = Eψ ,
die zeitunabhängige Schrödingergleichung, die die Funktion ψ(x) eindeutig
bestimmt.

1.3.3 Hermite’sche Operatoren


Die Messung einer physikalischen Observablen ergibt einen reellen Wert. Wir
werden deshalb von den quantenmechanischen Operatoren erwarten, dass
ihre Eigenwerte reell sind. Die Klasse der Hermite’schen Operatoren erfüllt
diese Eigenschaft. Deshalb werden wir unsere Operatoren immer aus dieser
Klasse wählen.
Ein Hermite’scher Operator erfüllt die Bedingung
  ∗

Ψm Ω̂Ψn dτ = Ω̂Ψm Ψn dτ

1.3.4 Dirac Notation


Zur Vereinfachung der Formeln führen wir die Diracsche Braket Notation ein.
Integrale werden folgendermassen dargestellt

m | Ω̂ | n = Ψ∗m Ω̂Ψn dτ .

Das Symbol | n wird ket genannt und steht für eine Funktion Ψn . Das
Symbol n | heisst bra und steht für die komplex konjugierte Funktion Ψ∗n .
Wenn ein bra und ket mit einem Operator in der Form eines braket m |
Ω | n zusammenkommen, verstehen wir darunter das Integral in der obigen
Formel. Wenn der Operator einfach die Multiplikation mit 1 ist, können wir
den Operator weglassen und erhalten

m | n = Ψ∗m Ψn dτ .

21
1.3.5 Die Heisenbergsche Unschärferelation
Die Eigenwerte von zwei nicht kommutierenden Operatoren können nicht
gleichzeitig spezifiziert werden. Aber wir können genaue Angaben über die
Genauigkeit der Bestimmung einer Observablen machen, wenn die Genauig-
keit der komplementären Observablen bekannt ist. Zum Beispiel, wenn wir
den Ort eines Teilchens mit der Genauigkeit ∆x kennen, dann können wir den
Impuls (entlang der Richtung x) innerhalb der Genauigkeit ∆px bestimmen.
Dabei gilt es die Bedingung
1
∆x ∆px ≥ h̄
2
zu erfüllen. Diese Beziehung zwischen den Genauigkeiten der Spezifikation
zweier komplementärer Observablen ist ein Spezialfall der Heisenbergschen
Unschärferelation.
Allgemein können wir von einer Vertauschungsrelation

[A, B] = iC

ausgehen. Die Erwartungswerte der Operatoren seien

A = Ψ | A | Ψ; B = Ψ | B | Ψ .

Die Operatoren für die Abweichung vom Mittelwert sind

δA = A − A; δB = B − B .

Der Kommutator dieser Operatoren ist

[δA, δB] = [A − A, B − B] = [A, B] = iC ,

da die Mittelwerte einfache Zahlen sind und immer vertauschen. Wir be-
trachten nun das Integral

I = |(αδA − iδB)Ψ|2 dτ .

Dabei ist α eine beliebige reelle Zahl. Das Integral ist sicher nicht negativ
und nach einigen Umformungen erhalten wir
C2
I = (δB)2  − ≥0 ,
4(δA)2 
oder anders geschrieben
1
(δA)2 (δB)2  ≥ C2 .
4

22
Diese Formeln können vereinfacht werden, wenn wir Gebrauch machen von

(δA)2  = (A − A)2 


= A2 − 2AA + A2  = A2  − 2AA + A2
= A2  − A2 .

Wir definieren die RMS Abweichung (root mean square deviation) von A als
 1/2
∆A = A2  − A2 .

Die Ungleichung wird damit zu


1
∆A ∆B ≥ |C| ,
2
und somit gilt
1
∆A ∆B ≥ |[A, B]| .
2
Dies ist die exakte und präzise Form der Unschärferelation.

23