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Relativistische Quantenmechanik

Georg Wolschin

http://wolschin.uni-hd.de

Universität Heidelberg
Institut für theoretische Physik

Vorlesung im Sommersemester 2012


Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4

2 Verbindung zur nichtrelativistischen Quantenmechanik 11

3 Klein-Gordon Gleichung 15
3.1 Eigenschaften der KGE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
3.2 Wechselwirkung mit elektromagnetischen Feldern; Eichinvarianz . . . . . 18
3.3 Hamiltonsche Form der KGE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3.4 KGE im Coulomb-Potential . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.5 Oszillator-Coulomb-Potential . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

4 Dirac-Gleichung 31
4.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
4.2 Forderungen an die Gleichung; Ableitung der DE . . . . . . . . . . . . . . . 32
4.3 Eigenschaften der Dirac-Matrizen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4.4 Dirac-Gleichung in kovarianter Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
4.5 Lösungen der freien DE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
4.6 Kopplung an das elektromagnetische Feld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

5 Invarianzen der Dirac-Gleichung 45


5.1 Lorentz-Kovarianz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
5.2 Paritätstransformation P . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.3 Ladungskonjugations-Transformation C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.4 Zeitumkehr-Transformation T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

6 Lösung der Dirac-Gleichung mit Zentralpotential 63

7 Das Kleinsche Paradoxon 72

8 Dirac-Neutrinos: Die Weyl-Gleichung 80


8.1 Introduction to Neutrinos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
8.2 Die Weyl-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

9 Grundzüge der Quantenelektrodynamik 86


9.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
9.2 Quantisierung des freien em. Feldes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
INHALTSVERZEICHNIS 3

10 Elemente der relativistischen Streutheorie 98


10.1 Invarianten bei relativistischen Reaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

11 Aufgaben zur RQM-Vorlesung 101

12 Literatur 106
4

1 Einleitung
Nichtrelativistische QM:
beruht auf der Schrödinger-Gleichung (SE): Ableitung via Korrespondenzprinzip aus
dem Hamilton-Formalismus der klassischen Mechanik.

• Die SE ist Galilei-invariant (wie die Hamilton-Funktion)

• gültig nur für v ≪ c

Relativistische QM

• v≤c

• Wechselwirkung von Licht und Materie Lorentz-Invariante Theorie

• EWW ≥ mc2 ⇒ Teilchenerzeugung

erfordern Feldquantisierung ⇒ „Quantenfeldtheorie“

Relativistische Wellengleichungen
beschreiben Teilchen in einem vorgegebenen Kraftfeld -insbesondere dem elektroma-
gnetischen Feld-, das zunächst noch nicht quantisiert wird.
Die Wellengleichung soll dem „Korrespondenzprinzip“1 genügen, und für Teilchen
mit Spin in nichtrelativistischer Näherung die Pauli-Gleichung ergeben.
Historisch war die erste relativistische Wellengleichung die „Klein-Gordon-Gleichung“
(KGE)
E. Schrödinger, Annalen Phys. 81, 109 (1926),
W. Gordon, Z. Physik 40, 117 (1926),
O. Klein, Z. Physik 41, 407 (1927).
Sie beschreibt Mesonen mit Spin 0, z.B. Pionen. Wegen negativen Wahrscheinlichkeits-
dichten (siehe Kapitel 3) wurde sie zunächst verworfen und erst später als Grundlage
von Feldtheorien für skalare Mesonfelder etabliert.
Erst die von Paul Dirac aufgestellte Gleichung (DE) beschreibt Teilchen mit Spin 1/2
(Fermionen, speziell das Elektron):
1
klassische Größen werden durch Operatoren ersetzt
1 EINLEITUNG 5

P.A.M. Dirac, Proc. Roy. Soc. A117, 610 (1928) (DE).


Wie die KGE hat die DE Lösungen mit negativer Energie. Dirac hat deshalb 1930 pos-
tuliert, dass diese Zustände alle besetzt sind, so dass für Fermionen (Pauli-Prinzip!)
keine Übergänge möglich sind.
„Löcher“ in diesem „Dirac-See“ entsprechen Antiteilchen mit entgegengesetzter La-
dung:
P.A.M. Dirac, „A theory of electrons and protons“, Proc. Roy. Soc. A126, 360 (1930).
[zunächst hielt man das Proton für das Antiteilchen des Elektrons: Dirac versuchte zu-
nächst die Massendifferenz e/p auf die Wechselwirkung mit dem See zurückzuführen].
H. Weyl zeigte jedoch, dass die Löchertheorie vollständig symmetrisch für negati-
ve/positive Ladungen ist, Dirac modifizierte daraufhin seine Theorie und postulierte
1931 das Positron
P.A.M. Dirac, Proc. Roy. Soc. A133, 60-72 (1931).
Es wurde 1932 von Carl Anderson entdeckt und beseitigte die Zweifel an der DIRAC-
Theorie:
C.D. Anderson, Science 76, 238-239 (1932).

In der Relativistischen Quantenmechanik bleiben die Axiome der Quantentheorie


ungeändert; es wird jedoch der Hamilton-Operator modifiziert:

• Der Zustand eines Systems wird durch einen Zustandsvektor in einem linearen
Raum - dem Hilbertraum - beschrieben, ∣ψ⟩.

• Observable werden durch hermitesche Operatoren dargestellt.

• Der Mittelwert einer Observablen im Zustand ∣ψ⟩ beschrieben, ⟨A⟩ = ⟨ψ∣ A ∣ψ⟩
(„Erwartungswert“).

• Bei einer Messung von A geht der ursprüngliche Zustand in den Eigenzustand
∣n⟩ von A mit Eigenwert an über, A ∣n⟩ = an ∣n⟩.

Es folgt eine Einführung in die verwerndete Notation, dann untersuchen wir die Eigen-
schaften der Klein-Gordon und Dirac-Gleichung mit der Interpretation als Einteilchen-
Wellengleichung. Die Lösungen sind auch Basiszustände bei der Entwicklung der Fel-
doperatoren.
6

Notation: Einheiten
̵ c eingeführt, später setzen wir h̵ ≡ c ≡ 1, so dass
Die Grundgleichungen werden mit h,
die Zeit die Dimension einer Länge hat, Energien, Impulse und Massen haben die
Dimensionen einer inversen Länge; Ladungen werden dimensionslos
⎡ ⎤
e2 1 ⎢ ⎥
e =̵ ≅
2 ⎢ 1/137.035999679(94) ⎥
⎢ ⎥
hc 137 ⎢für Q2 =0; bei Q2 =m2w ; α≃1/128⎥
⎣ ⎦
h
mit h̵ = ≅ 6.582 ⋅ 10−22 MeVs

Koordinaten:
Zeitpunkt t und ein Punkt im Ortsraum r⃗ = (x, y, z) definieren einen Raum-Zeit-Punkt
(x0 , x1 , x2 , x3 ) mit x0 = ct Zeitkoordinate, x1 = x, x2 = y, x3 = z Raumkoordinaten.
Die Indizes 0, 1, 2, 3 kennzeichnen Komponenten von Vierervektoren, (griech. Buchsta-
ben µ, ν, ...), 1,2,3 die Komponenten des gewöhnlichen Raumes (lat. Buchstaben i,k,l,...):

xµ ≡ (x0 , xk ) ≡ (x0 , x1 , x2 , x3 )

(µ = 0, 1, 2, 3) (k = 1, 2, 3)

Metrischer Tensor, ko- und kontravariante Indices.


Die Metrik im Raum-Zeit-Kontinuum ist durch den metrischen Tensor definiert
⎛ 1 0 ⎞
0 0
⎜ ⎟
⎜ 0 −1 0 0 ⎟
gµν = ⎜



⎜ 0 0 −1 0 ⎟
⎜ ⎟
⎝ 0 0 0 −1 ⎠

g00 = 1, gkk = −1, gµν = 0 ∀µ ≠ ν


Man unterscheidet sogenannte

„kovariante“ Vektoren (aµ ): transformieren wie ∂xµ

„kontravariante“ Vektoren (aµ ): transformieren wie xµ

⇒ unterschiedliche Vorzeichen der räumlichen Komponenten. Umwandlung durch


Anwendung des metrischen Tensors:

aµ = ∑ gµν aν , so dass
ν

a0 = a0 , ak = −ak
1 EINLEITUNG 7

Einsteinsche Summenkonvention:
über doppelt erscheinende Indices wird summiert:

⇒ aµ = gµν aν

⇒ Hinaufziehen der Indices: aµ = gµν aν

mit gµν = gµν

Es ist gµ ν = gµσ gσν = gµ ν = δµ ν





⎪1, µ = ν
mit dem Kronecker-Symbol δµ = ⎨
ν


⎩0, µ ≠ ν

Dreier- und Vierervektoren, Skalarprodukt

Für Dreiervektoren im gewöhnlichen Ortsraum verwendn wir a⃗ = (ax , a y , az ), so dass

aµ = (a0 , a1 , a2 , a3 ) = (a0 , a⃗) mit a1 = ax , a2 = a y , a3 = az

Skalarprodukt/Betrag 3er Vektor:


1/2
a = (a⃗ ⋅ a⃗)1/2 = [a2x + a2y + a2z ]

Oft wird beim 4er Vektor der Index µ weggelassen ⇒ (a), wenn eine Verwechslung mit
dem Betrag des 3er Vektors ausgeschlossen ist.
Das Skalarprodukt zweier 4er Verkotern aµ , bµ erhält man durch „Verjungung“ aus den
jeweiligen ko- und kontravarianten Komponenten:

aµ bµ = aµ bµ = a0 b0 − a⃗ ⋅ ⃗b

s2 ≡ aµ aµ = (a0 )2 − a2 ist die Norm von a ≡ aµ

Klassifizierung der 4er Vektoren

aµ aµ < 0, aµ raumartig

aµ aµ = 0, aµ Nullvektor (lichtartig)

aµ aµ > 0, aµ zeitartig
8

Dies entspricht der Lage des Vektors relativ zum Lichtkegel


a0
Zukunft, zeitartig a0 > 0
raumartig

a1 „Minkowski-Diagramm“

Vergangenheit
a0 < 0

Gradient, Differentialoperatoren

∂ ∂ ∂
⃗ ≡(
∇ , , ), Nabla-Operator
∂x ∂y ∂z
∂2 ∂2 ∂2
⃗ ⋅∇
∆=∇ ⃗= + +
∂x2 ∂y2 ∂z2


Die vier partiellen Differentialoperatoren bilden einen kovarianten Vektor:
∂xµ
∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂
∂µ ≡ ⃗ ,
≡ ( 0 , 1 , 2 , 3 ) ≡ ( , ∇) Gradientenoperator.
∂x µ ∂x ∂x ∂x ∂x ∂ct
Der entsprechende kontravariante Gradient ist


∂µ ≡ gµν ∂ν ≡ ( ⃗ .
, −∇)
∂ct

Der d’Alembert-Operator ist

1 ∂2
◻≡ − ∆ = ∂µ ∂µ .
c2 ∂t2

εµνλ% -Tensor (Levi-Civita Tensor)


ein in den vier Indices total antisymmetrischer Tensor:



⎪ +1, (µνλ%) gerade Permutation von (0, 1, 2, 3)



εµνλ% = ⎨ 0, mindestens zwei gleiche Indices






⎩−1, (µνλ%) ungerade Permutation von(0, 1, 2, 3)
1 EINLEITUNG 9

Elektromagnetisches Feld
⃗ r⃗, t), und einem
Das elektromagnetische Potential besteht aus einem Vektorpotential A(
skalaren Potential φ(r⃗, t), die einen Vierervektor bilden:


(Aµ ) ≡ (φ, A); (jµ ) = (c%, ⃗j) mit ∂µ jµ = 0

∂A⃗
Elektrisches Feld: E⃗ = −∇φ
⃗ −
∂x0
Magnetisches Feld: ⃗ = rotA⃗ ≡ ∇
B ⃗ × A⃗

Die Komponenten von E⃗ und H


⃗ bilden einen antisymmetrischen Tensor Fµν = −Fνµ
Raum-Zeit-Kontinuum:

Fµν = ∂µ Aν − ∂ν Aµ ,

so dass (im Vakuum)

⎛ 0 −Ex −E y −Ez ⎞
⎜ ⎟
⎜ Ex 0 −Bz B y ⎟
F =⎜
µν

⎟;
⎟ Sp(Fµν ) = 0
⎜ Ey Bz 0 −Bx ⎟
⎜ ⎟
⎝ Ez −B y Bx 0 ⎠

⇒ Inhomogene Maxwell-Gleichungen:

4π ν 4π ν
∂µ Fµν = j ; in Lorenz-Eichung ∂µ Aµ = 0 ⇒ ∂µ ∂µ Aν = j
c c

Homogene Maxwell-Gelichungen:

1
∂µ F̃µν = 0 mit F̃µν ∶= εµνλ% Fλ%
2

Lorentz-Transformation (LT)
Beim Wechsel des Bezugssystems durch LT werden die Koordinaten linear und reell
so transformiert, dass das Quadrat des Abstandes zweier Raum-Zeit-Punkte erhalten
bleibt.

x′µ = Λµ ν xν + aµ
10

Der reelle Vektor aµ ist eine einfache Translation der Raum-Zeit Achsen. Homogene LT
mit aµ = 0:

x′µ = Λµ ν xν

Definition der LT durch (Λµν = gλσ Λµ σ )

(1) Λ∗µν = Λµν reelle Transformation

(2) Λµν Λµλ = Λνµ Λλµ = δν λ Erhaltung des Abstandsquadrates

⇒ det ∣Λµ ν ∣ = ±1 (+1: „eigentliche“ LT; Richtungssinn der Raumachsen bleibt gleich)
Inverse Transformation: xµ = x′ν Λν µ
Die (homogene) Lorentz-Gruppe ist die Gruppe der linearen reellen Transformation,
bei denen die Skalarprodukte zwischen Vierervektoren erhalten bleiben.
2 VERBINDUNG ZUR NICHTRELATIVISTISCHEN QUANTENMECHANIK 11

2 Verbindung zur nichtrelativistischen Quantenmecha-


nik
In der nichtrelativistischen QM wird die Zeitentwicklung von Zuständen ∣ψ⟩ durch die
Schrödinger-Gleichung (SE) bestimmt:


ih̵ ∣ψ⟩ = H ∣ψ⟩ (SE)
∂t

Für ein freies Teilchen in Ortsdarstellung, ⟨r⃗∣

∂ h̵ 2 2
ih̵ ψ(r⃗, t) = − ∇ ⃗ ψ(r⃗, t).
∂t 2m ⃗r
(1) Wegen der unterschiedlichen Ordnungen der zeitlichen und räumlichen Ableitun-
gen ist die SE nicht Lorentz-kovariant (= relativistisch invariant gegenüber LT):

ihre Struktur ändert sich beim Übergang von einem Inertialsystem durch LT in
ein anderes.

(2) Die SE beschreibt nicht den Eigendrehimpuls eines Teilchens, z.B. den Spin des
Elektrons. Für nichtrelativistische Elektronen lässt sich dieser Mangel durch das
„Rezept“ von W.Pauli beheben: Z.Physik 43, 601 (1927): Die Wellenfunktion ψ
wird durch eine zweikomponentige Wellenfunktion ersetzt,

⎛ ψ1 (r⃗, t) ⎞
ψ(r⃗, t) =
⎝ ψ2 (r⃗, t) ⎠

mit ∣ψi (r⃗, t)∣2 d3 r, i = 1, 2 ∶ Wahrscheinlichkeit, das Teilchen mit Spin in positiver
(i = 1) oder negativer (i = 2) z−Richtung im Volumenelement d3 r um den Punkt r⃗
zu finden.

Der Drehimpulsoperator ⃗j setzt sich aus den Operatoren ⃗L des Bahndrehimpulses, und
⃗ /2 des Spins zusammen:
σ
̵
⃗j = ⃗L + h σ
⃗, Gesamtdrehimpuls-Operator
2

⎛ σ1 ⎞
⃗=⎜
mit σ

⎜ σ2 ⎟.
⎜ ⎟
⎝ σ3 ⎠
̵
⃗L = r⃗ × h ∇,
⃗ Bahndrehimpuls-Operator.
i
12

Mit den „Paulischen Spinmatrizen“

⎛ 0 1 ⎞ ⎛ 0 −i ⎞ ⎛ 1 0 ⎞
σ1 = , σ2 = , σ3 = .
⎝ 1 0 ⎠ ⎝ i 0 ⎠ ⎝ 0 −1 ⎠

Die so modifizierte Schrödinger-Theorie ist jedoch nicht relativistisch invariant. Ziel


ist deshalb, eine relativistisch invariante Gleichung zu finden, die den Spin „automa-
tisch“ mit berücksichtigt.
Zum Aufstellen von relativistischen oder nicht relativistischen Wellengleichungen be-
nutzt man das Korrespondenzprinzip, d.h. klassische Größen werden durch Operato-
ren ersetzt:


E Ð→ ih̵
∂t

p⃗ Ð→ ∇ ⃗ = −ih̵ ∇

i

Damit ergibt sich aus der nichtrelativistischen Energie eines freien Teilchens

p⃗2
E=
2m

die freie zeitabhängige Schrödingergleichung

∂ h̵ 2 ∇
⃗2
ih̵ ∣ψ⟩ = − ∣ψ⟩ .
∂t 2m
In der speziellen Relativitätstheorie transformieren sich Energie E und Impuls
p⃗ = (px , p y , pz ) als Komponenten eines kontravarianten Vierervektors

E E
pµ = (p0 , p1 , p2 , p3 ) = ( , px , p y , pz ) = ( , p⃗)
c c
mit den kovarianten Komponenten

E
pµ = gµν pν = ( , −p⃗)
c
⇒ das invariante Skalarprodukt ist

E2
pµ pµ = − p⃗2 = m2 c2 , mit der Ruhemasse m.
c2
2 VERBINDUNG ZUR NICHTRELATIVISTISCHEN QUANTENMECHANIK 13

Ableitung der relativistischen Energie-Impuls-Beziehung

„Weltlinie“ eines Teilchens in x0


Parameterdarstellung: Ort eines Weltlinie, Eigenzeit τ
klassischen relativistischen Punkt- ct
teilchens der Masse m > 0 im
Minkowski-Raum
x1
⎛ ct ⎞
x(t) = mit der Zeit t im Inertialsystem.
⎝ x⃗(t) ⎠
Eigenzeit τ als Parameter auf der Weltlinie: die Zeit, die eine mit dem Teilchen bewegte
Uhr anzeigt. Im momentaten Ruhesystem des Teilchens gilt für das Differential der
Weltlinie
⎛ cdτ ⎞
⎜ ⎟
⎜ 0 ⎟
dx = ⎜


⎟.

⎜ 0 ⎟
⎜ ⎟
⎝ 0 ⎠
Mit der Invarianz des relativistischen Abstandsquadrats ist
v2 (t)
(dx′ )2 = c2 dτ2 = (dx)2 = c2 dt2 − (dx⃗)2 = c2 dt2 (1 − )
c2

dx⃗
mit v⃗(t) = (t)
dt
Der Zusammenhang zwischen τ und t wird
t √
v2 (t′ ) dt 1
τ = ∫ dt ′
1− ; = √
c2 dτ 1 − vc2
2
t0

4er Geschwindigkeit u und 4er Impuls p sind definiert durch

⎛ c dt ⎞
dxµ ⎜

dτ ⎟
⎟ c ⎛ 1 ⎞ ⎛ dx⃗ dx⃗ dt v⃗ ⎞
uµ ≡ =⎜ ⎟= √ , Nebenrechnung: = = √
dτ ⎜⎜ dx⃗ ⎟
⎟ 1 − v2 /c2 ⎝ v⃗/c ⎠ ⎝ dτ dt dτ 1 − v2 /c2 ⎠
⎝ ⎠

dxµ mc ⎛ 1 ⎞ ⎛ E/c ⎞
pµ ≡ muµ = m ⋅ = √ =
dτ 1 − v2 /c2 ⎝ v⃗/c ⎠ ⎝ p⃗ ⎠
Im nichtrelativistischen Grenzfall v ≪ c gehen diese Ausdrücke in die gewöhnlichen
Formeln für Energie und Impuls über - jedoch muss die Ruheenergie berücksichtigt
14

werden:
1 1 v2
√ Ð→ 1 + − +⋯
v2 v≪c 2 c2
1−
c2
E 1 v2 1
⇒ Ð→ mc + mc 2 ⇒ E → mc2 + mv2
c 2 c 2
p⃗ → mv⃗.

Das invariante Skalarprodukt für den 4er Impuls ergibt demnach

E2
pµ pµ = − p⃗2 = m2 c2 ⇒ E2 = p⃗2 c2 + m2 c4
c2
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 15

3 Klein-Gordon Gleichung
Wenden wir das Korrespondenzprinzip


E → ih̵ , p⃗ → −ih̵ ∇;
⃗ ̵ µ
pµ → ih∂
∂t
E ∂
( , p⃗) → ih̵ ( , −∇)

c ∂ct
auf die relativistische Energie-Impuls-Beziehung an,

E= p⃗2 c2 + m2 c4 ,

erhalten wir die Wellengleichung

∂ √
ih̵ ∣ψ⟩ = −h̵ 2 c2 ∇
⃗ 2 + m2 c4 ∣ψ⟩
∂t

Die Wurzel bringt jedoch Probleme: ihre Entwicklung ergibt ∞ hohe Ableitungen,
Ort und Zeit treten also unsymmetrisch auf und die relativistische Invarianz wird
gebrochen.
Wir gehen deshalb von der quadratischen Relation aus,

E2 = p⃗2 c2 + m2 c4

und erhalten
∂2
−h̵ 2 ∣ψ⟩ = (−h̵ 2 c2 ∇
⃗ 2 + m2 c4 ) ∣ψ⟩
∂t2

mit jeweils 2.Ableitung in Ort und Zeit. Division durch −(h̵ 2 c2 ) ergibt die offensichtlich
Lorentz-kovariante Form

mc 2
[∂µ ∂µ + ( ̵ ) ] ∣ψ⟩ = 0
h


∂µ ≡ , xµ = (x0 = ct, x⃗)
∂xµ
denn aus der Elektrodynamik ist bekannt, dass der d’Alembertoperator

1 ∂2 ∂2
◻ ≡ ∂µ ∂µ = − ⃗ 2 = gµν

c2 ∂t2 ∂xν ∂xν
invariant gegenüber LT ist.
16

In der Wellengleichung erscheint die reduzierte Compton-Wellenlänge des Teilchens


mit Masse m,


≡ oc [λec ≅ 3.86 ⋅ 10−13 m]
mc
Man nennt die von Schrödinger, Gordon und Klein aufgestellte Gleichung

mc 2
[◻ + ( ̵ ) ] ∣ψ⟩ = 0 freie Klein-Gordon-Gleichung, (KGE)
h

E. Schrödinger hat sie 1926 als relativistische Verallgemeinerung der SE vorgeschlagen,


O. Klein und W. Gordon haben sie im Detail untersucht.
∧ ̵ µ
Mit dem 4er Impuls als Operator pµ = ih∂ lässt sie sich auch schreiben als

[pµ pµ − m2 c2 ] ∣ψ⟩ = 0

3.1 Eigenschaften der KGE


Sie erfüllt die Kontinuitätsgleichung; zur Herleitung aus der KGE bildet man

mc 2
ψ∗ [∂µ ∂µ + ( ̵ ) ] ψ = 0
h

und subtrahiert die komplex konjugierte Gleichung,

mc 2
ψ [∂µ ∂µ + ( ̵ ) ] ψ∗ = 0
h
⇒ ψ∗ ∂µ ∂µ ψ − ψ∂µ ∂µ ψ∗ = 0

∂µ (ψ∗ ∂µ ψ − ψ∂µ ψ∗ ) = 0


Damit die Stromdichte der nichtrelativistischen entspricht, multiplizieren wir mit ;
2mi
⎛1 ∂ ⎞
∂µ ≡ ⎜ ⃗⎟
,∇
⎝ c ∂t ⎠

∂ ih̵ ∗ ∂ψ ∂ψ∗ h̵
[ (ψ − ψ )] + ⃗⋅
∇ ⃗ − ψ∇ψ
[ψ∗ ∇ψ ⃗ ∗] = 0
∂t 2mc2 ∂t ∂t 2mi

Dies hat die Form einer Kontinuitätsgleichung


⃗ ⃗js = 0 , mit der Dichte
%̇s + ∇
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 17

ih̵ ∗ ∂ψ ∂ψ∗
%s = [ψ − ψ ] , und der Stromdichte
2mc2 ∂t ∂t
̵
⃗js = h [ψ∗ ∇ψ
⃗ − ψ∇ψ
⃗ ∗] .
2mi

bzw. in kovarianter Notation mit jµ ≡ (c%, ⃗j), 4er Stromdichte: ∂µ jµ = 0


In relativistischer Formulierung ist die Normierung meist so gewählt, dass

̵ 2 (ψ∗ ∂µ ψ − ψ∂µ ψ∗ ), ∂ψ ∂ψ
%KG = ih̵ (ψ∗

µ
jKG ≡ −ihc −ψ ),
∂t ∂t

so dass der Energie-Eigenzustand

ψ = Ψ(r⃗)e−iEt/h ⇒ %KG = 2E ∣Ψ∣ ,


̵ 2

und ∣Ψ∣ = 1 entspricht 2E Teilchen pro Einheitsvolumen.


Die Verbindung zum „Schrödinger-Strom“ ist dann
̵
⃗js = − ih (ψ∗ ∇ψ
⃗ − ψ∇ψ
⃗ ∗) =
1 ⃗
jKG
2m 2mc2

E
und ⃗js hat Teilchen pro Einheitsvolumen für ∣Ψ∣ = 1.
mc2
Als Folge der 2.Zeitableitung in der KGE ist jedoch % nicht positiv definit, und daher
keine Wahrscheinlichkeitsdichte, sondern evtl. e ⋅ %(x⃗, t) eine Ladungsdichte.
∂ψ
(Bei einer DGL 2.Ordnung wie der KGE können die Anfangswerte von ψ und unab-
∂t
hängig voneinander vorgegeben werden, so dass %(x⃗) positiv oder negativ sein kann).

Freie Lösungen der KGE


Es existieren zwei freie Lösungen in Form von ebenen Wellen:

ψ(x⃗, t) = e−i(Et−⃗px⃗)/h
̵


E = ± p2 c2 + m2 c4

Es treten positive und negative Energien auf. Die Energie ist nicht nach unten be-
schränkt. Die Theorie ist skalar, sie enthält keinen Spin und könnte nur Mesonen mit
18

Spin 0 (z.B. π0 ) beschreiben. Als Quantenfeldtheorie beschreibt die KGE Mesonen; das
hermitesche skalare Klein-Gordon Feld beschreibt neutrale Mesonen mit Spin 0, siehe
QFT-Vorlesung.
Im Rahmen der RQM lässt sich das KGE-Problem negativer Energien (= Massen im

feldfreien Fall) umgehen, indem man die Interpretation des 4er Vektors jµ ändert:

jµ → ejµ (x) ≡ Stromdichte - Vierervektor, d.h. insbesondere

% → e%(x) ≡ elektrische Ladungsdichte; % nicht positiv definit

Die Kontinuitätsgleichung

∂µ jµ = 0

beschreibt dann die Ladungserhaltung, während die Teilchenzahl nicht erhalten ist.
[W. Pauli; V. Weisskopf, Helv. Phys. Acta 7, 709 (1934)].
⇒ es können Teilchenpaare mit entgegengesetzter Ladung erzeugt und vernichtet wer-
den. Mit dieser Interpretation ist die KGE keine Einteilchen-Theorie mehr, sondern eine
„Theorie der Ladung“.
(Erst mit der Dirac-Theorie kann eine positiv definite Dichte für ein Teilchen einge-
führt werden; auch dort bleiben jedoch negative Energien, so dass die Einteilchen-
Interpretation nur begrenzt möglich ist).

3.2 Wechselwirkung mit elektromagnetischen Feldern; Eichinvari-


anz
Die WW eines relativistischen Spin-0-Teilchens mit einem elektromagnetischen Feld
wird in der KGE wie in der SE durch „minimale Kopplung“ berücksichtigt:

∂ ∂ ⎫

ih̵ → ih̵ − eA0 ⎪



∂t ∂t ⎪ µ e
⎬ p → pµ − Aµ
h̵ h̵ ⎪
⃗ − A⃗ ⎪
e ⎪ c
⃗→ ∇
∇ ⎪

i i c ⎪

mit der Ladung e des bestehenden Teilchens, und dem elektromagnetischen Viererpo-
tential

⎛ A0 ⎞
Aµ = , A0 = φ
⎝ A⃗ ⎠
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 19

Damit wird die KGE mit elektromagnetischen Feld:


2
∂ e⃗ 2
[(ih̵ − eA0 ) − c2 ( ∇ ⃗ − A) − m2 c4 ] ∣ψ⟩ = 0
∂t i c

bzw. in kovarianter Form (Massenterm m2 c2 !)

e e
[(pµ − Aµ ) (pµ − Aµ ) − m2 c2 ] ∣ψ⟩ = 0
c c

Die Maxwellschen Gleichungen sind invariant unter lokalen Eichtransformationen


der Art
1 ∂χ
φ → φ′ = φ − , A⃗ → A⃗′ = A⃗ + ∇χ

c ∂t
bzw.

Aµ → A′µ = Aµ − ∂µ χ

mit χ = χ(x) eine beliebige reelle skalare Funktion der Raumzeit-Koordinaten.


Diese lokale Eichinvarianz lässt sich wie in der nichtrelativistischen Theorie auf die
KGE übertragen, indem man die Wellenfunktion ψ durch Multiplikation einer Phase
geeignet mittransformiert:

ψ(x) → ψ′ (x) = eiΛ(x) ψ(x)

Um Λ(x) zu finden, setzen wir die gestrichenen Größen in die KGE ein und finden:
e e e e
0 = [(pµ − A′µ − ∂µ χ) (pµ − A′µ − ∂µ χ) − m2 c2 ] ⋅ ψ′ e−iΛ
c c c c
e e e e ̵ µ Λ) − m2 c2 e−iΛ ] ψ′
= [(pµ − A′µ − ∂µ χ) e−iΛ (pµ − A′µ − ∂µ χ + h∂
c c c c
e e ̵ µ Λ) (pµ − e A′µ − e ∂µ χ + h∂
̵ µ Λ) − m2 c2 ] ψ′
= e−iΛ [(pµ − A′µ − ∂µ χ + h∂
c c c c
⇒ Mit der Wahl
e
Λ(x) = ̵ χ(x) geht dies in die Form der KGE über,
hc

e e
[(pµ − A′µ ) (pµ − A′µ ) − m2 c2 ] ψ′ = 0 (Beweis durch Nachrechnen)
c c
Da physikalische Observable durch Erwartungswerte ⟨ψ ∣...∣ ψ⟩ dargestellt werden,
spielt ein gemeinsamer gleicher Phasenfaktor Λ(x) in ψ keine Rolle: die KGE mit
20

minimaler Kopplung ist deshalb unter lokalen Eichtransformationen des elektroma-


gnetischen Feldes invariant.

Kontinuitätsgleichung mit Feld:


Multipliziert man die KGE mit Feld von links mit ψ∗ und subtrahiert davon das komplex
konjugierte, folgt die Kontinuitätsgleichung als

∂%(x)
⃗ ⃗j(x) = 0 mit
+∇
∂t
ih̵ ∗ ∂ψ ∂ψ∗ e
%(x) = [ψ − ψ ] − 2 A 0 ψ∗ ψ
2mc 2 ∂t ∂t mc
̵
⃗j(x) = − ih [ψ∗ ∇ψ
⃗ − ψ∇ψ
⃗ ∗] −
e ⃗ ∗
Aψ ψ
2m mc


(wieder mit dem Faktor , analog zur nichtrel. QM) bzw. in Lorentz-kovarianter
2mi
Form

⎛ c% ⎞
∂µ jµ = 0 mit (jµ ) = ,
⎝ ⃗j ⎠

ih̵ e µ ∗
jµ = [ψ∗ ∂µ ψ − ψ∂µ ψ∗ ] − A ψ ψ
2m mc

oder in „relativistischer“ Normierung jKG = 2mc2 js ∶

µ ̵ 2 [ψ∗ ∂µ ψ − ψ∂µ ψ∗ ] − 2ceAµ ψ∗ ψ


jKG = −ihc

Aus der Kontinuitätsgleichung folgt durch Integration über den gesamten Raum der
Erhaltungssatz

Q = ∫ d3 x%(x) = const ⇒ Ladungserhaltung.

∂ψ
Jedoch ist wieder %(x) nicht positiv definit, da ψ und ∀t willkürliche Werte anneh-
∂t
men können, so dass % und ⃗j nicht als Wahrscheinlichkeitsgrößen interpretiert werden
können.
⇒ Suche nach einer relativistischen Wellengleichung von erster Ordnung in der Zeit,
und mit positiv definiter Wahrscheinlichkeitsdichte: DIRAC-Gleichung. Sie hat aller-
dings - wie die KGE - Lösungen mit negativen Energieeigenwerten.
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 21

3.3 Hamiltonsche Form der KGE


Die KGE (DGL 2.Ordnung) lässt sich in ein System von gekoppelten DGLn erster
Ordnung überführen („Schrödniger-artige“ Form) durch die Ersetzungen (ψ Lösung
der KGE)


ψ = φ + ϕ, (ih̵ − eA0 )ψ = mc2 (φ − ϕ)
∂t
⎛ φ ⎞
Ψ=
⎝ ϕ ⎠

1 ∂
⇒φ= (mc2 + ih̵ − eA0 ) ψ
2mc2 ∂t
1 ∂
ϕ= (mc2 − ih̵ + eA0 ) ψ
2mc 2 ∂t

⇒ (ih̵ − eA0 ) (φ + ϕ) = mc2 (φ − ϕ)
∂t

̵ ∂ 1 e⃗ 2

(ih − eA ) (φ − ϕ) = [ (p − A) + mc2 ] (φ + ϕ)
0
∂t m c

Addition und Subtraktion dieser Gleichungen ergibt ein gekoppeltes DGL-System


1.Ordnung

̵ ∂φ 1 e⃗ 2
ih = ⃗
(p − A) (φ + ϕ) + (mc2 + eA0 )φ
∂t 2m c
∂ϕ 1 e⃗ 2
ih̵ =− (p⃗ − A) (φ + ϕ) − (mc2 − eA0 )ϕ
∂t 2m c

⎛ φ ⎞
und mit Ψ = folgt die KGE in Hamiltonscher Form,
⎝ ϕ ⎠

∂Ψ
ih̵ = HΨ
∂t

σ3 + iσ2 e⃗ 2
H= ⃗
(p − A) + σ3 mc2 + eA0
2m c
(H ist nicht hermitesch, da iσnicht hermitesch ist!:(iσ2 = −(iσ2 )+ )

mit den Pauli-Matizen

⎛ 0 1 ⎞ ⎛ 0 −i ⎞ ⎛ 1 0 ⎞
σ1 = , σ2 = , σ3 =
⎝ 1 0 ⎠ ⎝ i 0 ⎠ ⎝ 0 −1 ⎠
22

Für die Lösungen der freien KGE folgt


∂Ψ σ3 + iσ2 2
ih̵ = H0 Ψ, H0 = p⃗ + σ3 mc2
∂t 2m
mit dem Lösungsansatz

⎛ φ0 ⎞ i(⃗px⃗−Et)/h̵
Ψ(x) = e
⎝ ϕ0 ⎠

⎛ mc + p0 ⎞ −ipµ xµ /h̵
Ψp⃗ (x) =
(1)
e
⎝ mc − p0 ⎠

⎛ mc − p0 ⎞ +ipµ xµ /h̵
Ψp⃗ (x) =
(2)
e
⎝ mc + p0 ⎠

Da H nicht hermitesch ist, gibt es keine positiv definite Wahrscheinlichkeitsdichte mit


erhaltener Gesamt-Wahrscheinlichkeit:

⟨Ψ∣ψ⟩ = ∫ d3 xΨ+ ψ

⟨Ψ∣O∣ψ⟩ = ∫ d3 xΨ+ Oψ (O linearer Operator)

⟨Ψ∣O∣ψ⟩ = ⟨ψ∣O∣Ψ⟩

∂Ψ ̵ + ∂Ψ = Ψ+ HΨ
⇒ ih̵ = HΨ, ihΨ
∂t ∂t
∂Ψ+
−ih̵ Ψ = (HΨ)+ Ψ = (Ψ+ HΨ)∗
∂t

⇒ ih̵ ⟨Ψ∣Ψ⟩ = ⟨Ψ∣H∣Ψ⟩ − ⟨Ψ∣H∣Ψ⟩ = ⟨Ψ∣H − H+ ∣Ψ⟩ ≠ 0

∂t
Aufgrund der Nicht-Hermitezität von H(≠ H+ ) sind seine Eigenzustände i.a. nicht
orthogonal, und eiH ist nicht unitär ⇒ Heisenberg- und Schrödinger-Bild ergeben
unterschiedliche Resultate.

3.4 KGE im Coulomb-Potential


Die KGE mit elektromagnetischem Feld war


2
∂ e⃗ 2
[(ih̵ − eA0 ) − c2 ( ∇ ⃗ − A) − m2 c4 ] ψ = 0
∂t i c
⃗ φ sind die stationären Lösungen mit positiver Energie
Für zeitunabhängiges A,

ψ(x⃗, t) = e−iEt/h ϕ(x⃗), E > 0


̵
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 23

⇒ zeitunabhängige KGE
h̵ e⃗ 2
0 2 ⃗
(E − eA ) ϕ − c ( ∇ − A) ϕ − m2 c4 ϕ = 0
2
i c
Für ein sphärisch symmetrisches Potential wie das Coulomb-Feld

A0 (x⃗) → A0 (r), r = ∣x⃗∣, und A⃗ = 0 folgt

(−h̵ 2 c2 ∇
⃗ 2 + m2 c4 )eA0 (x⃗) = [E − eA0 (r)] ϕ(x⃗)
2

Wie in der nichtrelativistischen QM wird die Gleichung durch Separationsansatz gelöst;


in sphärischen Polarkoordinaten

ϕ(r, ϑ, ϕ) = R(r)Ylm (ϑ, ϕ), mit Kugelfunktionen Ylm

⇒ Radialgleichung:
1d d l(l + 1) (E − eA0 (r))2 − m2 c4
(− r+ ) R(r) = R(r)
r dr dr r2 h̵ 2 c2
Betrachte zunächst den nichtrelativistischen Grenzfall:

E = mc2 + E′ ; E′ − eA0 ≪ mc2

⇒ nichtrelativistische radiale Schrödingergleichung, denn die rechte Seite der Radial-


gleichung wird

1 2m ′
̵h2 c2 [(mc ) + 2mc (E − eA (r)) + (E − eA (r)) − m c ] R(r) ≈ h̵ 2 [E − eA (r)] R(r)
2 2 2 ′ 0 ′ 0 2 2 4 0

mit der nichtrelativistischen Energie E′ .


Für ein π− Meson im Coulombfeld eines Kerns mit Ladungszahl Z:
mπ− = 139.57MeV/c2 ≅ 273me
mittlere Lebensdauer τπ− ≅ 2.60 ⋅ 10−8 s vs. klassische „Umlaufzeit“ τ aus der Unschär-
ferelation:
̵ aπ ≅
∆ × ∆p ≡ aπ mπ aτπ ≅ h; ≅ 273 0.5 ⋅ 10 ≅ 1.8 ⋅ 10−13 m ≅ 180fm
me 1
mπ aB
−10 m

mπ a2π 139.1802
⇒τ≅ h̵ ≅ 197.33 ⋅ 3⋅101 23 s ⇒ τ ≅ 7.6 ⋅ 10−20 s ≪ τπ− ≅ 2.6 ⋅ 10−8 s
h̵ ≡ c ≡ 1 ∶ MeVfm ≅ 1/197.33; 1s ≅ 3 ⋅ 102 3fm ⇒ Trotz der endlichen π− -Lebensdauer
gibt es wohldefinierte stationäre Energiezustände.

Das Coulombpotential des Kerns ist

Ze2
eA0 (r) = −
r
24

e2
und mit der Feinstrukturkonstanten α = ̵
hc wird die Radialgleichung

1d d l(l + 1) − Z2 α2 2ZαE E2 − m2 c4
[− r+ − ̵ − ̵2 2 ] R = 0
r dr dr r2 hcr hc

4(m2 c4 −E2 )
Substituiere: σ2 = γ = Zα, λ = % = σr
2Eγ
h̵2 c2
, ̵ ;
hcσ

⇒ kompakte Form der Radialgleichung für die neue Variable % ∶

d2 2λ l(l + 1) − γ2
[ + − 1 − ] %R(%) = 0
d(%/2)2 %/2 (%/2)2

Das ist die Gestalt der nichtrelativistischen SE für die Funktion u ≡ %R, wenn wir
ersetzen

%0 → 2λ (%0 = ⋅ Zeh̵ )
2m 2
∣E∣

l(l + 1) → l(l + 1) − γ2 ≡ l′ (l′ + 1) (l′ i.a. nicht ganzzahlig)


(Auch in der klassischen relativistischen Mechanik findet sich eine solche Änderung
des Zentrifugalterms; dort sind die elliptischen Kepler-Bahnen nicht mehr geschlossen,
sondern werden zu Rosettenbahnen).
Die Radialgleichung wird analog zum nichtrelativistischen Fall gelöst:

⎪ % l



⎪( ) , % → 0
R(ρ) = ⎨ 2



⎩e ,
⎪ −%/2 %→∞

⇒ Lösungsansatz:
% l +1

%R(%) = ( ) e−%/2 w(%/2)


2
mit der DGL für w(%) analog zum Schrödingerfall:

⎡ l(l+1)−γ2 ⎤
⎢ ³¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹· ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ µ ª ⎥ %R(%)
⎢ 2λ

⎢ d2 l′ (l′ + 1) % ⎥¬
⎢ ⎥
⎢ 2− ⎥ u(%) = 0
0
+ −1
⎢ d% % 2 % ⎥
⎢ ⎥
⎢ ⎥
⎢ ⎥
⎣ ⎦
(%R(%) = u(%) = %l +1 e−% w(%))

d2 w dw
% 2
+ 2(l′ + 1 − %) + (%0 − 2(l′ + 1))w = 0
d% d%

Lösung durch Potenzreihenansatz


3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 25


w(ρ) = ∑ ak %k .
k=0
Die aus der DGL folgende Rekursionsrelation ergibt eine Funktion w(%) ∝ e2% . Damit
R(%) normierbar bleibt, muss die Reihe abbrechen.
Einsetzen ergibt:

∑ ak [k(k − 1)%k−1 + 2(l′ + 1)k%k−1 − 2k%k + (%0 − 2(l′ + 1))ρk ] = 0
k=0

Die Koeffizienten jeder Potenz von % müssen Null sein, also für %k ∶

[(k + 1)k + 2(l′ + 1)(k + 1)] ak+1 + [−2k + (%0 − 2(l′ + 1))] ak = 0

⇒ Rekursionsrelation zur Berechnung von ak+1 aus ak :

2(k + l′ + 1) − %0
ak+1 = ⋅ ak
(k + 1)(k + 2l′ + 2)

Für die Konvergenz ist das Verhältnis ak+1


ak für k → ∞ relevant:

ak+1 2
lim =
k→∞ ak k
Vergleich mit der Exponentialreihe

1
e2% = ∑ (2%)k
k=0 k!

mit den aufeinander folgenden Koeffizienten

2k+1 /(k + 1)! 2 2


= ≅
2 /k!
k k+1 k

d.h. die Reihe für w(%) verhält sich wie e2% . Damit nicht u(%) ∝ e−% w(%) → e% für große r
resultiert, (sonst ist u(%) nicht normierbar) muss die Reihe abbrechen.
Bricht die Reihe nach dem N−ten Glied ab, ist w(%) ein Polynom N−ten Grades. Die
Abbruchbedingung

aN+1 + aN+2 = ... = 0, ergibt die Rekustionsrelation

%0 = 2(N + l′ + 1) , N = 0, 1, 2, radiale Quantenzahl

mit %0 → 2λ ⇒ λ = N + l′ + 1 (bis auf l′ analog zum Schrödingerfall)

Zur Bestimmung der Energieeigenwerte eliminieren wir σ:

2Eγ 4E2 γ2 4(m2 c4 − E2 )


σ= ̵ ⇒ σ2 = ̵ 2 2 2 =
hcλ hcλ h̵ 2 c2
26

und erhalten die Energienevaus

γ2
−1/2
E = mc (1 + 2 )
2
λ

(positive Wurzel, da σ > 0, λ > 0 ⇒ E > 0)


⇒ Für verschwindende Anziehung γ = Zα → 0 geht die Energie dieser Lösungen gegen
die Ruheenergie,
E Ð→ mc2
γ→0

Berechnung von l′ aus der Definitionsgleichung

l′ (l′ + 1) = l(l + 1) − γ2
1 √
l′ = − ± (l + 1/2)2 − γ2
2
nur „+“ zulässig, damit die kinet. Energie endlich bleibt

mc2
ENl = ¿
Á γ2
Á
Á
À1 + √ 2
[N + 1/2 + (l + 1/2)2 − γ2 ]

In nichtrelativistischer Notation ist die Hauptquantenzahl n = N + l + 1; damit wird


E (n = 1, 2, ...; l = 0, 1, ..., n − 1)

mc2
Enl = ¿ .
Á γ2
Á
Á
À1 + √ 2
[n − (l + 1/2) + (l + 1/2)2 − γ2 ]

Die in der nichtrelativistischen Theorie vorhandene Entartung bezüglich des Drehim-


pulses ist hier aufgehoben.
Entwicklung der Energie in eine Potenzreihe ergibt

γ2 γ4 n 3
E = mc2 [1 − − ( − ) + O(γ6 )]
2n2 2n l + 1/2 4
4

Ry R y γ2 1 3
E= mc2 − − ( − ) +O(R y γ4 )
° n2 n 3 l + 1/2 4n
Ruheenergie ° ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶
nichtrel. relativistische Korrektur
Rydberg-
Energie
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 27

mit
mc2 (Zα)2 mZ2 e4
Ry = = ̵ 2 (= 13.6eV für Z = 1, m = me )
2 2h
Die relativistische Korrektur hebt die Entartung in l auf:

4R y γ2 n − 1
El=0 − El=n−1 = − 3 .
n 2n − 1
Damit l′ und die Energieeigenwerte reell sind, muss (siehe Ausdruck für l′ ) gelten

1
l+ > Zα
2

Für s−Zustände mit l = 0 bedeutet das


1 137
Z< ≅ = 68.5; für l = 1, Z < 205.5
2α 2
für größere Z wird das System instabil, die Lösungen zum Coulomb-Potential für Z > 68
unsinnig. Reale Kerne haben jedoch einen endlichen Radius (keine Punktladung), für
den Bindungszustände auch für Z > 68.5 existieren.
1

E
mc2 E1s E1p

Z
0 100 200

Beim Vergleich mit realen pionischen Atomen muss demnach:

• Der endliche Kernradius berücksichtigt werden

• Die Masse mπ durch die reduzierte Masse ersetzt werden, µ = mπ ⋅M


mπ +M

• Die Vakuumpolarisation muss berücksichtigt werden (virtuelle Elektron-Positron-


Paare)

• Die starke WW Pion-Kern muss abgeschätzt werden.

3.5 Oszillator-Coulomb-Potential
Die endliche Ausdehnung des Kerns, die auch für Z > 68.5, l = 0 Bindungszustände
ermöglicht, lässt sich durch ein Oszillator-Coulomb-Potential berücksichtigen.
28

Wir betrachten dazu den Kern näherungsweise als homogen geladene Kugel, mit Po-
tential

⎪ Ze2 r2


⎪ − (3 − ); r≤R
eA0 (r) = V(r) = ⎨ 2R R2



⎪ Ze2
⎩− r ; r>R

V(r)
(MeV)
E
mc2 E1s E1p
R ≅ 10fm, Z = 82 ∶
R
r (fm) V(0) = −17.7MeV ( 20.137
82⋅197
⋅ 1.5MeV)
(R = 1.2A1/3 fm ≅ 7.11fm)
Ze2
− r

2 2
− Ze
2R (3 − R2 )
r
2
− 32 ZeR

Die Radialgleichung wird auch für dieses Potential durch Potenzreihenansatz gelöst
(siehe z.B. A.Wachter, Relativistische QM, Springer, pp. 82-87). Es ergibt sich ein nahezu
linearer Zusammenhang zwischen den Zustandsenergien E und der Kernladungszahl
Z, und es existieren auch für große Z−und kleine l−Werte gebundene Zustände.
3 KLEIN-GORDON GLEICHUNG 29

Abbildung 1: Energiewerte gebundener 1s−, 2s− und 2p−Pionzustände im Feld einer


homogen geladener Kugel (Oszillator-Coulomb-Potential) als Funktion von Z. Der
Kugelradius (Kernradius) beträgt R = 10 fm.

In Tabelle 1 sind für zwei verschiedene Kernladungszahlen Z der V−Erwartungwert des


1s−Pionradius, ⟨r⟩V , das elektrostatische Oszillator-Coulomb-Potential V an der Stelle
⟨r⟩V , die
√ Bindungsenergie EB = E1s − mπ c sowie die mittlere quadratische Abweichung
2

∆r = ⟨r2 ⟩V − ⟨r⟩V angegeben. Vergleicht man diese Werte mit der Ruheenergie mπ c2 =
2

139.577 MeV des Pions und seiner Compton-Wellenlänge λπ = 1.414 fm, so folgt für
den schwachen Bindungsfall

Z=2∶ ∣EB ∣ , ∣V (⟨r⟩V )∣ ≪ mπ c2 , ∆r ≫ λπ .

Tabelle 1: Kennzahlen des gebundenen 1s-Pionzustandes im Oszillator-Coulomb-


Potential für den schwachen (Z = 2) und starken (Z = 1450) Bindungsfall.
Z=2 Z = 1450
⟨r⟩V 146.4 fm 3.7 fm
V (⟨r⟩V ) −0.02 MeV −298.9 MeV
EB −0.05 MeV −278.8 MeV
∆r 84.3 fm 1.6 fm
30

Bei starker Bindung: sei Z = 1450 ∶

∣EB ∣ , ∣V (⟨r⟩V )∣ ≪ mπ c2 , ∆r ≫ λπ

⇒ Einteilchenkonzept nicht mehr gültig!

Eine direkte Bestätigung dieser Feststellung ergibt sich durch die Betrachtung der
radialen Ladungsdichte des 1s−Pionzustandes,

E − V(r) 2
r2 %(r) = u (r).
mπ c2 l
Im schwachen Bindungsfall (Z = 2) ist E positiv, und die radiale Ladungsdichte ist,
wie gewünscht, positiv definit. Demgegenüber besitzt die radiale Ladungsdichte im
starken Bindungsfall (Z = 1450) aufgrund des zugehörigen negativen Energiewertes
keinen einheitlichen Verlauf und geht ab r ≈ 15 fm in negative Werte über, was mit
dem Ein-Teilchenkonzept unvereinbar ist (siehe Abbildung 1). Die physikalische Be-
deutung dieses Vorzeichenwechsels in starken Feldern (wie auch beim Kastenpotential
und Potentialtopf) läßt sich letzlich nur im Rahmen von Quantenfeldtheorien richtig
verstehen, wo die Teilchenzahl variabel ist.
(aus: A.Wachter, Relativistische Quantenmechanik, Springer 2005; Seiten 85-86.)
4 DIRAC-GLEICHUNG 31

Abbildung 2: V-normierte radiale Ladungsdichte des 1s-Pionzustandes im Oszillator-


Coulomb-Potential mit Z = 1450 und R = 10 fm. Die große Grafik zeigt einen vergrö-
ßerten Ausschnitt der kleinen Grafik. Bei r ≈ 15 fm wechselt die Ladungsdichte ihr
Vorzeichen.

4 Dirac-Gleichung

4.1 Einleitung
Um die mit der KGE verbundenen Schwierigkeiten zu vermeiden - insbesondere nicht
positiv-definite Dichte -, suchte P.Dirac nach einer in den zeitlichen und örtlichen
Ableitungen linearen Gleichung:


ih̵ ψ = HD ψ
∂t

mit dem DIRAC-Operator

̵
hc
HD = ⃗p⃗ + βmc2 ,
αk ∂k + βmc2 ≡ cα
i

der bei korrekter Wahl von αk , (k = 1, 2, 3) und β die DE ergibt (summiere über doppelte
Indices!).
Da die Gleichung von 1.Ordnung in der Zeit ist, bleibt die Dichte positiv; wegen der
Forderung relativistischer Invarianz dürfen dann auch die räumlichen Ableitungen
nur von 1.Ordnung sein.
32

Damit HD hermitesch ist (HD = HD+ ) müssen αk und β hermitesche N × N Matrizen


sein. (nicht einfach Zahlen, da die Gleichung dann nicht forminvariant bei räumlichen
Drehungen ist).

⎛ ψ1 ⎞
⎜ ⎟
⇒ψ=⎜ ⋮ ⎟ ist ein n−komponentiger Spalten-Vektor.
⎜ ⎟
⎝ ψN ⎠

4.2 Forderungen an die Gleichung; Ableitung der DE


(1) Die Komponenten ψ1 , ..., ψN von ψ müssen die KGE erfüllen, so dass ebene Wel-
len als Lösungen die relativistische Energie-Impuls-Beziehung E2 = p2 c2 + m2 c4
erfüllen.

(2) ∃ erhaltener Viererstrom, dessen nullte Komponente eine positive Dichte ist; es
gilt die Kontinuitätsgleichung.

(3) Die Gleichung muss Lorentz-kovariant sein:

(1), (2), (3) ⇒ DIRAC-Gleichung.

Konsequenzen dieser Bedingungen:

zu (1) : zweimalige Anwendung von HD ergibt

∂2 3 ̵ 3 3
−h̵ 2 ψ = − ̵ 2 c2 ∑ 1 (αi α j + α j αi ) ∂i ∂ j ψ + hmc ∑ (αi β + βαi ) ∂i ψ + β2 m2 c4 ψ
h
∂t2 i,j=1 2 i i=1

(der erste Term auf der rechten Seite der oberen Gleichung werde wegen ∂i ∂ j = ∂ j ∂i
symmetrisiert).
Division durch (h̵ 2 c2 ) und Vergleich mit der KGE,

mc 2
[∂µ ∂µ + ( ̵ ) ] ψ = 0
h

ergibt drei Bedingungen an die αk , β ∶

αi α j + α j αi = 2δi j ⋅ I⎫






⎪ Fordeungen an die algebraische
(∗) α β + βα = 0
i i
⎬ ⇒


⎪ Sturktur der DIRAC-Matrizen.



(α ) = β = I
i 2 2 ⎪

4 DIRAC-GLEICHUNG 33

zu (2) : Definiere den zu ψ adjungierten Zeilenvektor ψ+ ≅ (ψ∗1 , ..., ψ∗N ) .


Multipliziere die DE von links mit ψ+
̵
̵ + ∂ φ = hc ψ+ αk ∂k ψ + mc2 ψ+ βψ.
⇒ ihψ
∂t i
Die dazu komplex konjugierte Relation wird
∂ψ+ ̵
hc
−ih̵ ⋅
ψ = − (∂k ψ+ ) αk+ ψ + mc2 ψ+ β+ ψ
∂t i
und die Differenz beider Gleichungen multipliziere mit (−i/h) ̵ ergibt
∂ψ ∂ψ+
( ∂t∂ ψ+ ψ = ψ+ ψt + ψ ∂t ):

∂ + imc2
ψ ψ = −c [(∂k ψ+ ) αk+ ψ + ψ+ αk ∂k ψ] + ̵ (ψ+ β+ ψ − ψ+ βψ) (∗∗)
∂t h
Damit dieser Ausdruck die Form einer Kontinuitätsgleichung erhält,


⃗ ⃗j = 0 ,
%+∇
∂t
müssen die Matrizen αk , β hermitesch sein:

(αk )+ = αk ; β+ = β ⇒ letzter Term in (∗∗) fällt weg,

und mit der Dichte


N
% ≡ ψ+ ψ ≡ ∑ ψ∗n ψn , und der Stromdichte
n=1

jk ≡ cψ+ αk ψ, j0 ≡ c%

ist die KG erfüllt; in kovarianter Form mit jµ ≡ (j0 , jk ), k = 1, 2, 3

1∂ 0 ∂
⇒ ∂µ jµ ≡ j + k jk = 0 .
c ∂t ∂x

4.3 Eigenschaften der Dirac-Matrizen:


Die Matrizen αk , β antikommutieren:

{αk , β} = 0; ihr Quadrat ist I ∶


2
(αk ) = β2 = I ⇒ Eigenwerte ± 1.

schreibe diese Bedingung als

αk β2 ≡ αk = −βαk β (αk β = −βαk )


34

und benutze die zyklische Invarianz der Spur (d.h. Sp(AB) = Sp(BA) für quadratische
Matrizen A, B),

Sp(αk ) = −Sp(βαk β) = −Sp(αk β2 ) = −Sp(αk ) = 0, und analog für β

⇒ Sp(αk ) = Sp(β) = 0.

⇒ Die Anzahl der positiven und negativen Eigenwerte muss gleich sein.
⇒ N ist geradzahlig .

Annahme: N = 2 ⇒ nicht möglich, denn die 4 2 × 2 Matrizen I, σx , σ y , σz enthalten nur


3 antikommutierende Matrizen, wir brauchen jedoch vier.
N = 4 ist demnach die kleinstmögliche Dimension, in der die geforderte algebraische
Struktur realisierbar ist.

Eine spezielle Darstellung der Matrizen ist

⎛ 0 σk ⎞ ⎛ I 0 ⎞
αk = , β=
⎝ σk 0 ⎠ ⎝ 0 −I ⎠

mit den Pauli-Matrizen

⎛ 0 1 ⎞ ⎛ 0 −i ⎞ ⎛ 1 0 ⎞
σ1 = , σ2 = , σ3 =
⎝ 1 0 ⎠ ⎝ i 0 ⎠ ⎝ 0 −1 ⎠

⎛ 1 0 ⎞
und der Einheitsmatrix I = .
⎝ 0 1 ⎠

Die algebraischen Beziehungen (∗) lassen sich leicht testen, z.B. ist die zweite Bedin-
gung in (∗):
⎛ 0 −σk ⎞ ⎛ 0 σk ⎞
αk β + βαk = + = 0.
⎝ σk 0 ⎠ ⎝ −σk 0 ⎠
Diese Darstellung ist die „Standarddarstellung“ der DE. ψ heist „Vierspinor“ oder
einfach „Spinor“, ψ+ der hermitesch adjungierte Spinor. Sie haben spezifische Trans-
formationseigenschaften unter LT.

DE in kovarianter Form:
Um zeitliche und räumliche Ableitungen in kovarianter Schreibweise zusammenzu-
fassen, multiplizieren wir zunächst die DE mit β/c und erhalten DE in kovarianter
Form.
4 DIRAC-GLEICHUNG 35

4.4 Dirac-Gleichung in kovarianter Form

∂ ̵
hc β
ih̵ ψ − [ αk ∂k + βmc2 ] ψ = 0 ∣ ⋅ (− )
∂t i c
´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶
HD

̵ 0 − ihβα
[−ihβ∂ ̵ k ∂k + mc] ψ = 0 (mit ∂0 = ∂/(c∂t))

definiere neue Dirac-Matrizen

γ0 ≡ β, γk ≡ βαk

mit den folgenden Eigenschaften

(1) γ0 hermitesch, γ0 = (γ0 )+ , (γ0 )2 = I

(2) γk antihermitesch, (γk )+ = −γk ; (γk )2 = −I


Beweis:

(γk )+ = (βαk )+ = αk β = −βαk = −γk

(γk )2 = βαk ⋅ βαk = −ββαk αk = −I

Diese Relationen ergeben zusammen mit den folgenden Antikommutationsrelationen


(k = 1, 2, 3)

{γ0 , γk } ≡ γ0 γk + γk γ0 = ββαk + β αk β = 0
°
−βαk

{γk , γl } ≡ γk γl + γl γk = βαk βαl + βαl βαk = 0, k ≠ l; = −2 für k = l


° ´¹¹ ¹ ¹¸¹ ¹ ¹ ¶
−αk β −αl αk

⇒ die grundlegende algebraische Struktur der Dirac-Matrizen:

{γµ , γν } ≡ γµ γν + γν γµ = 2gµν , (γµ )2 = gµµ „Clifford-Algebra“

und die Dirac-Gleichung erhält die Gestalt

̵ µ ∂µ + mc)ψ = 0
(−ihγ

mc
(−iγµ ∂µ + ̵ ) ψ = 0 Dirac-Gleichung, DE
h

R.Feynman hat folgende abkürzende Schreibweise eingeführt:

v/ ≡ γ ⋅ v ≡ γµ vµ = γµ vµ = γ0 v0 − γv⃗ (γµ = gµν γν )


36

(vµ = beliebiger Vektor; slash / = skalare Multiplikation mit γµ )


∧ ∧

Damit wird die freie Dirac-Gleichung

mc
[−i ∂/ + ̵ ] ψ = 0
h

mit den γ-Matrizen in der oberen angegebenen speziellen Darstellung („Dirac-Darstellung“)

⎛ I 0 ⎞ ⎛ 0 σk ⎞
γ0 = , γk =
⎝ 0 −I ⎠ ⎝ −σk 0 ⎠

Eine dazu äquivalente Darstellung ergibt sich durch γ → MγM−1 mit einer beliebi-
gen nichtsingulären Matrix M (d.h. det M ≠ 0). (Andere gebräuchliche Darstellung:
„Majorana“-, „chirale“ Darstellungen, siehe Literatur).

4.5 Lösungen der freien DE

Die Lösungen zu definiertem Impuls p⃗ sind

⎛ χ(+)1,2

ψp 1,2 (x)
(+)
=e px⃗)/h̵
−i(cp0 t−⃗
⎜ σ⃗p⃗χ(+) ⎟ positive Energie
⎝ p0 +mc
1,2

⎛ σ⃗p⃗χ1,2 ⎞
(−)

ψp 1,2 (x)
(−)
=e px⃗)/h̵
i(cp0 t−⃗
⎜ p0 +mc ⎟ negative Energie
⎝ χ1,2 ⎠
(−)


mit p0 = + p⃗2 + m2 c2 > 0 ∶ E2 = c2 p20 = p⃗2 c2 + m2 c4 (relatistische Energie-Impuls-
Beziehung), wobei χ1,2 jeweils zwei linear unabhängige zweikomponentige konstante
(±)

Spinoren bezeichnen.
Wie bei der KGE gibt es zwei Sorten von Lösungen, die einen mit positiver Energie
E = +cp0 , für die sich die Interpretation als Teilchenwellenfunktion anbietet, und die
anderen mit negativer Energie E = −cp0 ; dazwischen liegt das „verbotene“ Energiein-
tervall [−m ⋅ c2 ...m ⋅ c2 ].
4 DIRAC-GLEICHUNG 37

(Zur physikalischen Interpretation der


E
negativen Energien und dem Zusam-
mc2 menhang zu Antiteilchen siehe auch
Einleitung).
⇒ Asymmetrie zwischen Lösungen zu
0
positiver und negativer Energie die
erst in der QFT aufgehoben wird.
mc2 Die DE ist dort eine Gleichung für Fel-
neg. Energie-Kontinuum: doperatoren; Teilchen und Antiteilchen
Löcher = Antiteilchen

werden symmetrisch.

Die positiven und negativen Lösungen sind aufgrund der Freiheiten bei der Wahl
der Spinoren χ1,2 noch nicht eindeutig spezifiziert, so dass wir neben dem Dirac-
(±)

Hamiltonoperator HD und dem Impulsoperator p⃗ einen weiteren Operator erwarten,


der nur auf die inneren Freiheitsgrade der Wellenfunktionen wirkt, und zusammen
mit HD und p⃗ einen vollständigen Satz kommutierender Observabler bildet. Dieser
1
Operator hängt mit dem Spin zusammen, dessen Quantenzahl de Wert 2 hat (siehe
später); die DE ist deshalb für die Beschreibung von Spin- 21 -Fermionen geeignet. Für
ein freies ruhendes Teilchen mit Wellenzahl k = 0, Impuls p⃗ = 0 ist die DE


ih̵ ψ = βmc2 ψ
∂t

mit den Lösungen zu pos./neg. Energien E = ±mc2

⎛ 1 ⎞ ⎛ 0 ⎞

2 ⎜
⎟ ⎜ ⎟
− imc t⎜ 0 ⎟
⎟, − imc
2 ⎜
t⎜ 1 ⎟

ψ1 = e
+ ̵
h
⎜ ⎟ ψ2 = e
+ ̵
h
⎜ ⎟
⎜ 0 ⎟ ⎜ 0 ⎟
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
⎝ 0 ⎠ ⎝ 0 ⎠

⎛ 0 ⎞ ⎛ 0 ⎞
2 ⎜
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
0 ⎟ 2 ⎜ 0 ⎟
ψ1 = e h ⎜
− + imc
̵ t

⎟,
⎟ ψ2 = e h ⎜
− + imc
̵ t

⎟.

⎜ 1 ⎟ ⎜ 0 ⎟
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
⎝ 0 ⎠ ⎝ 1 ⎠

4.6 Kopplung an das elektromagnetische Feld


Wie in der nichtrelativistischen Theorie wird der kanonische Impuls p⃗ durch den kine-
tischen Impuls π⃗ = p⃗ − ce A⃗ ersetzt, und das skalare elektrische Potential eφ kommt zur
38

Ruheenergie im Dirac-Hamilton-Operator hinzu („minimale Kopplung“; siehe KGE)


⎡ ⎤
⎢ ⎥
∂ ⎢ ⎥
̵ ⎢ ⃗ ⃗ e⃗ ⎥
ih ψ = ⎢cα (p − A) +βmc + eφ⎥ ψ 2
∂t ⎢ c ⎥
⎢ ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¶ ⎥
⎢ ⎥
⎣ π
⃗ ⎦
mit der Ladung e des Teilchens mit Masse m, beim Elektron also e = −e0 .
Der Hamiltonoperator mit Feld ist nach wie vor hermitesch. Analog zum Klein-Gordon
Fall ist die Gleichung unter der lokalen Eichtransformation

1 ∂χ
φ → φ′ = φ −
c ∂t
A⃗ → A⃗′ = A⃗ + ∇χ

bzw. Aµ → A µ = Aµ − ∂µ χ invariant, wenn gleichzeitig die Wellenfunktion ψ mit einer


entsprechenden Phase multipliziert wird:

ψ → ψ′ = eiΛ(x) ψ
e
Λ(x) = ̵ χ(x)
hc
(χ(x) eine beliebige reelle skalare Funktion der Raumzeit-Koordinaten).
4 DIRAC-GLEICHUNG 39

Nichtrelativistischer Grenzfall
Verwende die explizite Darstellung der Dirac-Matrizen

⎛ 0 σk ⎞ ⎛ I 0 ⎞
αk = , β=
⎝ σk 0 ⎠ ⎝ 0 −I ⎠

und zerlege den 4er Spinor ψ in zwei zweikomponentige Spaltenvektroren,

⎛ ϕ ⎞ ⃗⋅π
⎛ ϕ ⎞ ⎛ σ ⃗ ⋅χ ⎞ ⎛ 0 σk ⎞
ψ= ; ⃗⋅π
α ⃗ = wegen αk = ⃗ = (σ1 , σ2 , σ3 )
, σ
⎝ χ ⎠ ⎝ χ ⎠ ⎝ σ ⃗ ⋅ϕ ⎠
⃗⋅π ⎝ σk 0 ⎠
⇒ DE ∶
∂ ⎛ ϕ ⎞ ⃗⋅π
⎛ σ ⃗ ⋅χ ⎞ ⎛ ϕ ⎞ ⎛ ϕ ⎞
ih̵ =c⋅ + eφ + mc2 (∗)
∂t ⎝ χ ⎠ ⎝ σ ⃗ ⋅ϕ ⎠
⃗⋅π ⎝ χ ⎠ ⎝ −χ ⎠

Im nichtrelativistischen Grenzfall ist die Ruheenergie mc2 die größte Energie im Pro-
blem; wir zerlegen deshalb in der Lösung zu positiver Energie

⎛ ϕ ⎞ − imc̵ 2 t ⎛ ϕ ⎞ ⎛ ϕ1 ⎞ ⎛ χ1 ⎞
=e h , ϕ= , χ= .
⎝ χ ⎠ ⎝ χ ⎠ ⎝ ϕ2 ⎠ ⎝ χ2 ⎠

⎛ ϕ ⎞
Hier variieren nur langsam und genügen exakt der Gleichung
⎝ χ ⎠

∂ ⎛ ϕ ⎞ ⃗⋅π
⎛ σ ⃗ ⋅χ ⎞ ⎛ ϕ ⎞ ⎛ 0 ⎞
ih̵ =c⋅ + eφ − 2mc2 (∗∗)
∂t ⎝ χ ⎠ ⎝ σ ⃗ ⋅ϕ ⎠
⃗⋅π ⎝ χ ⎠ ⎝ χ ⎠

(Bew: die Zeitableitung auf der linken Seite der Gleichung (∗) ergibt einen Term

−mc2 imc2 ⎛ ϕ ⎞ ∂ ⎛ ϕ ⎞
ih̵ ⋅ ( ̵ ) e− ̵h t + e− ̵h t ih̵
imc2
;
h ⎝ χ ⎠ ∂t ⎝ χ ⎠

−mc2 ⎛ ϕ ⎞
und Subtraktion von ih̵ ⋅ ( ̵ )
imc2
t
Division durch e− ̵
h
h ⎝ χ ⎠

ergibt die rechte Seite von (∗∗)

⎛ ϕ ⎞ ⎛ ϕ ⎞ ⎛ 0 ⎞
beachte: − mc2 + mc2 = −2mc2 ).
⎝ χ ⎠ ⎝ −χ ⎠ ⎝ χ ⎠

In der „unteren“ Gleichung in (∗∗) vernachlässigen wir h̵ χ̇ und eφχ gegenüber 2mc2 χ.
⃗π
σ ⃗
Ansatz: χ = ϕ
2mc
40

⇒ Im nichtrelativistischen Grenzfall ist χ gegenüber ϕ um einen Faktor der Größen-


ordnung ∼ vc kleiner; ϕ ist die „große“, χ die „kleine“ Komponente des Spinors; sie wird
im nichtrelativistischen Grenzfall vernachlässigt.
Ansatz in „erste“ DGL in (∗) für φ einsetzen; der Massenterm fällt weg:

∂ 1 e e
ih̵ ϕ=[ ⃗π
(σ ⃗ ) (π
⃗σ⃗ ) + eφ] ϕ, ⃗ = p⃗ − A⃗ = −ih̵ ∇
π ⃗ − A⃗
∂t 2m c c
und es ist

σi σ j = δi j + iεi jk σk





1, gerade Permutation


prüfen durch Nachrechnen: εi jk = ⎨−1, ungerade Permutation von1, 2, 3






⎩0, sonst

εi jk (a j bk − bk a j ) ≡ (a⃗ × ⃗b)i

⃗ ⋅ ⃗b = a⃗ ⋅ ⃗b + iσ
⃗ ⋅ a⃗ ⋅ σ
⇒σ ⃗ (a⃗ × ⃗b)
eh̵ ⃗
⃗⋅π
⇒σ ⃗ ⋅σ
⃗⋅π
⃗ =π
⃗ 2 + iσ
⃗ (π
⃗ ×π
⃗) = π
⃗2 − ⃗ B mit B
σ ⃗ × A⃗
⃗=∇
c
̵
⃗ ×π
[π ̵ (− e ) (∇
⃗ = (−ih) ⃗ = i eh B]
⃗ × A) ⃗
c c
denn
e ̵
he
⃗ )i = −ih̵ (− ) εi jk (∂ j Ak − Ak ∂ j ) = i εi jk (∂ j Ak − Ak ∂ j )
⃗ ×π

c c

mit Bi = εi jk (∂ j Ak − Ak ∂ j ) = B ⃗ × A⃗
⃗=∇ ∧

⇒ DE mit elektromagnetischem Feld in nichtrelativistischen Gernzfall („große“


Komponente)

̵ ∂ 1 e⃗ 2 eh̵ ⃗
ih φ = [ ⃗
(p − A) − ⃗ B + eφ] ϕ
σ
∂t 2m c 2mc

Dieses Resultat entspricht der Pauli-Gleichung der nichtrelativistischen QM für den


„Pauli-Spinor“ ϕ, dessen beide Komponenten den Spin des Elektrons beschreiben.
Auch der (bis auf QED-Korrekturen) richtige gyromagnetische Faktor g = 2 kommt
heraus.
Zum Beweis wiederhole die aus der nichtrelativistischen QM bekannten Schritte:
4 DIRAC-GLEICHUNG 41

⃗ mit Vektorpotential A⃗ ∶
Gegeben sei ein homogenes Magnetfeld B

⃗ 1 ⃗
⃗=∇
B ⃗ × A; A⃗ = (B × r⃗)
2
1 ⃗ × r⃗) = 1 B( 1 ⃗
⃗ × A⃗ = ∇
(⇒)∇ ⃗ × (B ⃗ ∇⃗ r⃗) − r⃗∇
⃗B
2 2 2
²
=0

∂x ∂y 1⃗
wegen a⃗ × (⃗b × c⃗) ≡ ⃗b(a⃗c⃗) − c⃗(a⃗⃗b); ∇
⃗ r⃗ = + = 2 und B( ⃗
⃗ r⃗) = B

∂x ∂y 2
Bahndrehimpuls und Spin:

⃗L = r⃗ × p⃗ Bahndrehimmpuls
1
s⃗ = h̵ σ

2

1 e2 2e ⃗ eh̵ ⃗
(p⃗2 + 2 A⃗2 − p⃗A) − ⃗B =
σ
2m c c 2mc

1 ⃗
[Nebenrechnung: − 2p⃗A⃗ = −2 p⃗(B ⃗ r⃗ × p⃗) = −⃗LB,
× r⃗) = −B( ⃗ σ ⃗ = 2S B]
⃗B ⃗
2 h̵
p⃗2 e2 ⃗2 e ⃗⃗
= + 2
A − (LB + 2S⃗B)

2m 2mc 2mc
⇒ Nichtrelativistische Näherung der Dirac-Gleichung
⎡ ⎤
⎢ ⎥
⎢ 2 ⎥
̵ ∂ ⎢ p⃗ 2 ⃗ e 2
⃗ ⎥

ih ϕ = ⎢ − ⃗
(L + 2S) ⋅B + ⃗ A + eφ⎥⎥ ϕ
2
∂t ⎢ 2m 2mc 2mc 2

⎢ ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¶ ⎥
⎢ ⎥
⎣ µ
≡⃗ ⎦
⃗ = magnetisches Moment aus Bahn- und Spinanteil.
mit µ


⇒ ih̵ φ = [H0 + Hint ] ϕ
∂t
p⃗2
H0 =
2m
2
⃗ + e A⃗2 + eφ
⃗⋅B
Hint = −µ
2mc2

e ⃗ ⃗
⃗=µ
µ ⃗ Bahn + µ
⃗ Spin = (L + 2S)
2mc
42

Das Spin-Moment ist demnach


e e ⃗
⃗ Spin =
µ ⋅ 2S⃗ ≡ ge ⋅ S
2mc 2mc
mit dem Landé-Faktor (gyromagnetischen Faktor)
ge = 2 ∶ bestimmt um wieviel stärker sich der Spin auf die Teilchenenergie auswirkt als
ein gleich großer Bahndrehimpuls (Im Rahmen der Quantenelektrodynamik
e = 2.0023193048(8), ge = 2.0023193043622(22)).
werden Korrekturterme abgeleitet: gth ex

Mit dem Bohrschen Magneton (Betrag)


e0 h̵ e µB
µB = (∼ 5.788 ⋅ 10−11 MeV ⋅ T−1 ); ≡− ̵
2me c 2mc h
lässt sich das magnetische Spin-Moment des Elektrons (m ≡ me ; e ≡ −1 elektr. Elemen-
tarladung (Vorzeichen!) ≡ −e0 ) schreiben als
µ
⃗ Spin = −ge ̵B S⃗
µ
h
Ze20
Für ein Coulombpotential eφ = − r ist das Zeitverhalten der Lösung ϕ durch die
mc2 α2 e2
Rydberg-Energie charakterisiert, R y = 2 → 13.6eV für Z = 1 (α2 = ̵ ).
hc
Bei kleinem Z (insbesondere H-Atom mit Z = 1) ist die Ruheenergie des Elektrons sehr
viel größer als diese Energie, 511keV ≫ 13.6eV, so dass die Vernachlässigung von χ in
der Bewegungsgleichung gerechtfertigt ist.

Ankopplung an das elektromagnetische Feld in kovarianter Form: (analog zu KGE)

mc
DE [−iγµ ∂µ + ̵ ] ψ = 0
h
mc
[−i ∂/ + ̵ ] ψ = 0
h
Impulsoperator in kovarianter Notation

̵ µ, ∂
pµ = ih∂ ∂µ = kovariant
∂xµ
̵ µ, ∂
pµ = ih∂ ∂µ = kontravariant
∂xµ
Zeitliche und räumliche Komponenten:
e ⃗
pµ → pµ − Aµ , Aµ = (A0 , A), A0 = cφ
c
4 DIRAC-GLEICHUNG 43

(d.h. die Ableitungen werden ersetzt durch „Ableitung-Viererpotential“)

∂ ∂ e
ih̵ → ih̵ µ − Aµ
∂x µ ∂x c

entspricht ih̵ → ih̵ − eφ
c∂t
h̵ ∂ h̵ ∂ e h̵ ∂ e
→ + Ai = − − Ai
i ∂xi i ∂x c
i i ∂x c
i

̵ µ − e Aµ ) + mc] ψ = 0 Relativistische kovariante


⇒ [−γµ (ih∂
c Form der DE mit em. Feld

Kontinuitätsgleichung mit elektromagnetischem Feld

Aufgrund der Hermitezität des Hamilton-Operators ermöglicht die DE -im Gegensatz


zur KGE- die Definition einer positiv definiten Wahrscheinlichkeitsdichte.
Beweis: DE
∂ψ(x) e⃗
ih̵ ⃗ (p⃗ − A)
= [cα + eφ + βmc2 ] ψ(x)
∂t c
ψ+ = (ψ∗1 , ψ∗2 , ψ∗3 , ψ∗4 )

Multiplikation mit ψ+
̵
̵ + ∂ψ = hc ψ+ α
⇒ ihψ ⃗ − eψ+ α
⃗∇ψ ⃗ + eφψ+ ψ + mc2 ψ+ βψ
⃗Aψ
∂t i
Adjunktion des DE (mit α = α+ , β = β+ ) und anschließende Multiplikation von rechts
mit ψ ergibt

∂ψ+ ̵
hc
−ih̵ ⃗ + )αψ − eψ+ α
ψ = − (∇ψ ⃗ + eφψ+ ψ + mc2 ψ+ βψ
⃗Aψ
∂t i
Subtraktion dieser beiden Gleichungen ergibt eine Kontinuitätsgleichung der Form (die
⃗ φ, m heben sich weg):
Terme mit A,

∂%(x)
⃗ ⃗j(x) = 0
+∇
∂t
∂% ∂ψ ∂ψ+
mit % = ψ+ ψ, = ψ+ + ψ, ⃗j = ψ+ cα
⃗ψ
∂t ∂t ∂t
Wendet man hierauf den Gaußschen Satz an, ergibt sich


∫ ⃗ ⃗j = ∮ dF⃗ ⃗j = 0 ∶
d3 x% = − ∫ d3 x∇
∂t
die Gesamtwahrscheinlichkeit ist zeitlich konstant, ∫ d3 x%(x) = const.
44

Dies rechtfertigt zusammen mit

ψ+ ψ = ∑ ψ∗µ ψµ = ∑ ∣ψµ ∣2 ≥ 0
µ µ

die Interpretation von % als positiv definite Wahrscheinlichkeitsdichte, und dement-


sprechend ⃗j als Wahrscheinlichkeitsstromdichte.
Ferner kann das in der nichtrelativistischen QM eingeführte Skalarprodukt (in der
Ortsdarstellung) übernommen werden:

⟨ψ∣φ⟩ = ∫ d3 xψ+ (x)φ(x)

mit den Konsequenzen

• Orthogonalität der Eigenzustände hermitescher Operatoren mit verschiedenen


Eigenwerten

• Darstellungsunabhängigkeit des Skalarproduktes unter unitären Transformatio-


nen:

Im Gegensatz zum nichthermiteschen Klein-Gordon-Fall ist im hermiteschen Dirac-


Fall keine Modifikation der in der nichtrelativistischen Theorie gebräuchlichen Begriffe
„Skalarprodukt“, „Hermitezität“ und „Unitärität“ erforderlich.
(In der Klein-Gordon Theorie lässt sich ein „verallgemeinertes Skalarprodukt“ definie-
ren:

⟨ψ∣φ⟩V = ∫ d3 xψ+ (x)σ3 φ(x)).


5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 45

5 Invarianzen der Dirac-Gleichung

5.1 Lorentz-Kovarianz
Die Lorentz-Kovarianz wurde bereits bei der Ableitung der DE gefordert, d.h. sie ist in
der Gestalt der DE berücksichtigt, Wegen der prinzipiellen Bedeutung soll sie dennoch
erneut diskutiert werden.
Inertialsysteme sind Bezugssysteme, in denen sich kräftefreie Teilchen gleichförmig (=
mit konstanter Geschwindigkeit) bewegen. Relativistische Invarianz einer Gleichung
bedeutet, dass diese Gleichung in allen Inertialsystemen die gleiche Form annimmt.

1. Die Lorentz-Transformationen (LT) geben an, wie sich die Koordinaten zweier
Inertialsysteme ineinander transformieren. Hier soll jetzt die Transformation des
Dirac-Spinors unter der Lorentz-Transformation gezeigt werden. Im Unterschied
zur Galilei-Transformation vermischen die Lorentz-Transformationen Raum- und
Zeitkoordinaten.
Die folgenden zwei Beziehungen definierten die Lorentz-Transformationen:

• Aus der Forderung der Invarianz des d’Alembert-Operators

◻ = ∂µ ∂µ = gµν ∂µ ∂ν = ∂µ gµν ∂ν

ergibt sich

Λλ µ gµν Λ% ν = gλ% , (∗)

oder in Matrixform

ΛgΛT = g (∗∗)

Beweis:

∂ ∂x′λ ∂
∂µ ≡ = ⋅ = Λλ µ ∂′λ
∂xµ ∂xµ ∂x′λ
⇒ ∂µ gµν ∂ν = Λλ µ ∂′λ gµν Λ% ν ∂′% = ∂′λ gλ% ∂′%
!

⇒ Λλ µ gµν Λ% ν = gλ%

= ΛgΛT = g ◻

46

Lorentz-Gruppe

Zunächst soll hier gezeigt werden, dass die Lorentz-Transformationen (∗), (∗∗)
eine Gruppe bilden:

(a) Abgeschlossenheit
Betrachte zwei Lorentz-Transformationen Λi und Λ j , i ≠ j. Die Nacheinan-
derausführung dieser Transformationen ergibt:

(Λi Λ j )T g(Λi Λ j ) = ΛTj (ΛTi gΛi )Λ j = ΛTj gΛ j = g ◻

dabei beachte man (∗∗)


(b) Einselement
Sei I Einheitsmatrix ⇒ IΛ = ΛI
(c) Inverses Element

g−1 ΛT gΛ = g−1 g = I ⇒ Λ−1 = g−1 ΛT g

Damit bilden die Lorentz-Transformationen eine Gruppe, die als Lorentz-Gruppe


bezeichnet wird.
Aus der Forderung der Invarianz des d’Alembert-Operators lässt sich die Deter-
minante von Λ bestimmen, für die gilt: (det Λ)2 = 1 ⇒ det Λ = ±1. Das bedeutet,
dass die Lorentz-Transformation die Drehung und Spiegelung im Minkowski-
Raum darstellt. Außerdem wird auch die Zeitkoordinate gespiegelt, denn es gilt:
Aus dem ME λ = 0, % = 0 der Definitionsgleichung folgt

Λ0 µ gµν Λ0 ν = 1 = (Λ0 0 )2 − ∑(Λ0 k )2 = 1


k

⇒ Λ0 0 ≥ 1 oder Λ0 0 ≤ −1

Die Vorzeichen der Diskriminante von Λ und das von Λ0 0 werden zur Klassifi-
zierung der Elemente der Lorentz-Gruppe verwendet:

sgnΛ0 0 det Λ
eigentlich orthochron L↑+ 1 +1
uneigentlich orthochron L↑− 1 −1
Zeitspiegelungsartig L↓− −1 −1
Raum-Zeit-Spiegelungsartig L↓+ −1 +1
5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 47

Eigentliche LT: Ausschluss von Raumzeit-Translation, Raumreflexion, Zeitspie-


gelung.

Spezielle eigentliche LT: Ausschluss von 3d-Rotationen (Wie bei der Transfor-
mation Laborsystem ↔ Schwerpunktsystem).

Im Folgenden wird die eigentliche orthochrone Lorentz-Gruppe betrachtet.

Bei gleichförmiger Bewegung hängen die Koordinaten eines Ereignisses zweier


Inertialsysteme I und I′ durch eine lineare Transformation miteinander zusam-
men:

I Ð→ I′ ∶ xµ Ð→ x µ = Λµ ν xν eigentliche LT

(1)

Dazu ist eine Transformation

ψ(x) → ψ′ (x′ ) = S(Λ)ψ(x) (2)

gesucht, so dass die folgenden Forminvarianz in den beiden Inertialsystetmen


gilt:
mc
I ∶ (−iγµ ∂µ + ̵ ) ψ(x) = 0 (3)
h
mc
I′ ∶ (−iγµ ∂µ ′ + ̵ ) ψ′ (x′ ) = 0 (4)
h
Dabei soll S(Λ) eine invertierbare 4 × 4-Matrix sein, die noch bestimmt werden
muss. Aus der Invertierbarkeit von S folgt:

ψ(x) = S(Λ)−1 ψ′ (x′ ). (5)

Die γ−Matrizen sind Lorentz-invariant. Diese Eigenschaft kann durch die fol-
gende Rechnung nachgewiesen werden:

Beweis: γµ sind bis auf eine lineare Transformation durch ihre Algebra eindeutig
bestimmt. Es gilt für eine nichtsinguläre Matrix A: γ̃µ = Aγµ A−1 .
Wir nehmen an, dass γµ unter LT zu γ µ transformiert wird:

γ µ = S(Λ)γµ S−1 (Λ).


Dann kann man eine neue Basisdarstellung so wählen, dass gilt:

γ̃′ = γµ ⇒ A = S−1 (Λ) ◻


48

Aus der Beziehung (5) ist der Wechsel des Bezugssystems auf beiden Seiten
möglich. Es gilt für den transformierten Gradienten:
∂ ∂xν ∂ −1 ν ∂
′µ = = (Λ ) µ kovarianter Vierergradient. (6)
∂x ∂x ∂xν
′µ
∂xν
Die letzte Gleichheit in (6) folgt aus der Umformung der Gleichung (1), denn es
gilt ((Λ−1 )ν µ x µ = xν ). Setzt man jetzt diese Gleichung (6) in (4) ein, so ergibt sich:

∂xν ∂ mc
(−iγµ + ̵ ) S(Λ)ψ(x) = 0 (7)
∂x ∂x
′µ ν h
Multiplikation von links mit S(Λ)−1 ergibt
∂xν ∂ mc
(−iS(Λ)−1 γµ ′ µ S(Λ) + ̵ ) ψ(x) = 0 (8)
∂x ∂x ν h
Damit diese Gleichung mit (3) übereinstimmt, muss gelten:
∂xν
S(Λ)−1 γµ ′ µ S(Λ) = γ
ν
∂x
⇔ S(Λ)−1 γµ S(Λ)(Λ−1 )ν µ = γν

⇔ γµ (Λ−1 )ν µ = S(Λ)γν S(Λ)−1

Daher bekommt man die Gleichheit:

S(Λ)γν S(Λ)−1 = (Λ−1 )µ ν γν

Für die genaue Konstruktion der Matrix S(Λ) siehe Literatur.

2. Poincaré-Transformationen(≡ die inhomogenen LT) haben die Gestalt

x µ = Λµ ν xν + aµ

x′ = Λx + a ⇔ x′ − a = Λx

⇔ x = Λ−1 (x′ − a)

mit reellem Λµ ν , aµ .

Poincaré-Gruppe ≡ (inhomogene Lorentz-Transformation, aµ ≠ 0). Gruppenei-


genschaften können analog zu Lorentz-Gruppe nachgewiesen werden.
(Die Lorentz-Gruppe, bzw. die Gruppe der homogenen LT enthält alle Elemente
mit aµ = 0).
Inhomogene LT werden durch (Λ, a) charakterisiert, z.B.
5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 49

• Translationsgruppe (Λ, a) = (I, a)


• Drehgruppe (Λ, a) = (D, 0)

Bei einer Poincaré-Transformation zwischen zwei Inertialsystemen (I) und (I′ )


mit
x′ = Λx + a (9)

muss entsprechend dem Relativitätsprinzip die Dirac-Wellenfunktion ψ′ aus ψ


rekonstruierbar sein, d.h. zwischen ψ′ und ψ muss ein lokaler Zusammenhang
gelten
ψ′ (x′ ) = F(ψ(x)) = F(ψ(Λ−1 (x′ − a))). (10)

Die DE in (I) wird durch (1) und (2) in eine DE in I′ transformiert ⇔ Lorentz-
Kovarianz der DE gilt(DE ist forminvariant gegenüber Poincaré-Transformation).

Der funktionale Zusammenhang muss linear sein (damit ψ und ψ′ der linearen
DE genügen):

ψ′ (x′ ) = S(Λ)ψ(x) = S(Λ)ψ(Λ−1 (x′ − a))

S(Λ) 4 × 4 Matrix

In Komponenten:
4
ψ′ α (x′ ) = ∑ Sαβ (Λ)ψβ (Λ−1 (x′ − a)).
β=1

Die Bestimmung von S(Λ) unter Poincaré-Transformation erfolgt analog zur


Lorentz-Transformation.(siehe oben)

Eine Wellenfunktion, die sich bei LT gemäß ψ′ = Sψ transformiert, heißt vierkom-


ponentiger Lorentz-Spinor. (Darstellungen von S(Λ) siehe Literatur).

5.2 Paritätstransformation P

Übergang von einem räumlichen kartesischen Rechts- zu einem Linkssystem:

P∶ t → t′ = t

x⃗ → x⃗′ = −x⃗

(Raumspiegelung: rechts→links, oben→unten).


50

Ist die DE
mc
[−iγµ ∂µ + ̵ ] ψ = 0 invariant unter dieser Transformation?
h
Ansatz für den Dirac-Spinor im gestrichenen System:

ψ′ (x⃗′ , t′ ) = S(P)ψ(x⃗, t)

können wir S(P) so wählen, dass für ψ′ die DE gilt? (jetzt h̵ ≡ c ≡ 1)

[−iγµ ∂µ ′ + m] ψ′ (x⃗′ , t′ ) = 0
x′ ,t′ )
=ψ′ (⃗
∂ ∂ ³¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ·¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ µ
S−1 (P) [−iγ0 − iγ j ′ j + m] S(P)ψ(x⃗, t) = 0
∂t ∂x
x⃗′ =−⃗
x ∂ ∂
⇒ S−1 (P) [−iγ0 + iγ j j + m] S(P)ψ(x⃗, t) = 0
∂t ∂x
Die letzte Gleichung reduziert sich auf die DE für ψ(x⃗, t), falls

⎛ I 0 ⎞
S−1 (P)γ0 S(P) = γ0 γ0 =
⎝ 0 −I ⎠

⎛ 0 σj ⎞
S−1 (P)γ j S(P) = −γ j γj =
⎝ −σ j 0 ⎠

Das lässt sich erreichen durch die Wahl

S(P) ≡ γ0 , denn (γ0 )−1 γ0 γ0 = γ0 , (γ0 )−1 γ j γ0 = −(γ0 )−1 γ0 γ j = −γ j

und der paritätstransformierte Dirac-Spinor ist

ψ′ (x⃗′ , t′ ) = γ0 ψ(x⃗, t) = γ0 ψ(−x⃗′ , t′ )

ψ′ (x⃗′ , t′ ) erfüllt dieselbe Bewegungsgleichung und auch dieselben Antivertau-


schungsregeln wie ψ(x⃗, t).

Mit dem Dirac-adjungierten Spinor

ψ(x) ≡ ψ+ (x) ⋅ γ0 (ψ+ ≡ hermitesch konjugierter Spinor)

sind dies - bei Ersetzung der Spinoren durch Feldoperatoren -

{ψ(x⃗, t), ψ( y⃗, t)} = {ψ(x⃗, t), ψ( y⃗, t)} = 0

{ψ(x⃗, t), ψ( y⃗, t)} = γ0 δ3 (x⃗ − y⃗)


5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 51

und für ψ′ genauso.

Die Spinoren ψ(x⃗, t) und ψ′ (x⃗, t) sind äquivalent, d.h. sie gehen durch eine unitäre
Transformation U(P) im Zustandsraum auseinander hervor:

U(P)ψ(x⃗, t)U−1 (P) = ψ′ (x⃗′ , t′ ) = γ0 (ψ(x⃗, t))

⎛ p0 ⎞
Für Ein-Teilchen-Zustände ist mit p′ = :
⎝ −p⃗ ⎠

e− U(P) ∣e− (p⃗, s)⟩ = ∣e− (−p⃗, s)⟩


e−

e+ e+ U(P) ∣e+ (p⃗, s)⟩ = − ∣e+ (−p⃗, s)⟩

Wenn die Bedingung für den unitären Operator U im Raum der Elektron-Positron
Zustände ist

U(P)a+s (p⃗)U−1 (P) = a+s (−p⃗)

mit a+s (p⃗) Erzeugungsoperator für ein Elektron mit Spin s und Impuls p⃗

U(P)b+s (p⃗)U−1 (P) = −b+s (−p⃗)

mit b+s (p⃗) Erzeugungsoperator für ein Elektron mit Spin s und Impuls p⃗

d.h. nach der Dirac-Theorie haben Elektron und Positron negative Parität relativ
zueinander. Das lässt sich experimentel verifizieren beim Zerfall von Positronium,
dem wasserstoff-ähnlichen Bindungszustand von e+ und e− , in zwei Photonen -
durch Messen der Winkelverteilungen (Der Singlet-Zustand - antiparallele Spins
S = 0, Ms = 0 - heißt Para-Positronium p − Ps bezeichnet als 1 S0 , hat eine mittlere
Lebensdauer von τ ≃ 125 ps und zerfällt in zwei Gammaquanten. Der Triplet-
Zustand mit parallelen Spins S = 1, Ms = −1, 0, 1 heißt Orthopositronium mit einer
mittleren Lebensdauer von τ ≃ 142 ns, und zerfällt i.a. in drei Photonen. Anni-
hilation in - meistens zwei - Photonen mit einer Gesamtenergie von 1022 keV
52

erfolgt aus dem metastabilen 2s-Zustand in 1.1µs, der Zerfall in dem Grundzu-
stand ist schneller).
⇒ Zu jedem Zustand freier Elektronen und Positronen gibt es daher einen pari-
tätstransformierten, in dem alle Impulse umgekehrt sind, die Spins ungeändert,
und für jedes Positron ein Faktor (−1) hinzugefügt ist.

Sowohl ψ als auch ψ′ erfüllen die DE. Durch Beobachtungen an einem System
freier Elektronen und Positronen können wir daher im Rahmen der Dirac-Theorie
ein räumliches kartesisches Rechts- von einem Linkssystem nicht unterscheiden.
Diese Äquivalenz wird in der Natur erst durch die paritätsverletzende schwache
Wechselwirkung aufgehoben. (Entdeckung der Paritätsverletzung: C.S. Wu et al.
1956/7)

5.3 Ladungskonjugations-Transformation C

Findet ein Beobachter, der die Rolle von Elektronen und Positronen vertauscht,
andere Naturgesetz für die freien Teilchen?
(⇒ Nein: Im Rahmen der Dirac-Theorie ist es reine Konvention„ was Elek-
tron/Positron genannt wird).
Wir suchen zunächst nach einer Invarianz der DE, die ψ und ψ vertauscht
(ψ = ψ+ γ0 Dirac-adjungierter Spinor)

e− Elektronen werden gegen Positronen vertauscht,


e+ Spin- und Impulsvariable unverändert gelassen.
ψ ∶ vernichtet Elektron, erzeugt Positron
ψ: vernichtet e+ , erzeugt e−

e+ e−
5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 53

Aus der DE für ψ


[−iγµ ∂µ + m] ψ(x) = 0

folgt die DE für den Dirac-adjungierten Spinor ψ

[−i (−γµ ) ∂µ + m] ψT (x) = 0; (−γµ )T erfüllt die Antivertauschungsregeln.


T

(Mit den Matrixrelationen (Prüfen durch Einsetzen))

ψ = ψ+ γ0 , M = γ0 M+ γ0

⎛ I 0 ⎞
γ0 = γ0+ , γ0 γ0 = 1, γ0 =
⎝ 0 −I ⎠

⎛ 0 σj ⎞
γ j = (−γ j )+ , γj =
⎝ −σ j 0 ⎠

M1 M2 = M2 ⋅ M1

(ψ1 Mψ2 )∗ = ψ2 Mψ1 , I = I; γµ = γµ )

Wie bei der Paritätstransformation erwarten wir bei Ladungskonjugation eine


Äquivalenztransformation der Gestalt

S−1 (C)γµ S(C) = (−γµ )T , jetzt jedoch für die transformierten γµ ’s

Das ist der Fall für

S(C) = iγ2 γ0
T
aus der DE für ψ folgt dann
T
S−1 (C) [−iγµ ∂µ + m] S(C)ψ (x) = 0

und der ladungskonjugierte Spinor


T
ψC (x) = S(C)ψ (x)

erfüllt die DE,

[−iγµ ∂µ + m] ψC (x) = 0 ,

und dieselben Antivertauschungsregeln wie ψ(x) (Nachprüfen durch Einsetzen).

Bei der Ladungskonjugations-Transformation werden Elektronen mit Positronen


vertauscht, Impuls- und Spinorvariable unverändert gelassen.
54

Die C-Invarianz ist in der Natur - wie die P-Invarianz - durch die schwache
Wechselwirkung gebrochen.
Auch die CP-Invarianz ist gebrochen: J.W. Cronin, V. Fitch, Christenson, Turley
1964 (Nobelpreis: Cronin/Fitch, 1980)
J.H. Christenson, J.W. Cronin, V.L.Fitch, R.Turlay (Princeton University): Physical
Review Letters 13,138 (1964): „Evidence for the 2π Decay of the K20 Meson“:
VOLUME 1$, NUMBER 4 P H Y SI CAL RE V I E%' LETTERS 27 JULY 1964

EVIDENCE FOR THE 2rr DECAY OF THE Km MESON*1


J. H. Christenson, J. W. Cronin, V. L. Fitch, and R. Turlay~
Princeton University, Princeton, New Jersey
(Received 10 July 1964)
This Letter reports the results of experimental The analysis program computed the vector mo-
studies designed to search for the 2m decay of the mentum of each charged particle observed in the
K, meson. Several previous experiments have decay and the invariant mass, m*, assuming
served"~ to set an upper limit of 1/300 for the each charged particle had the mass of the
fraction of K2 's which decay into two charged pi- charged pion. In this detector the Ke3 decay
ons. The present experiment, using spark cham- leads to a distribution in m* ranging from 280
ber techniques, proposed to extend this limit. MeV to -536 MeV; the K&3, from 280 to -516; and
In this measurement, K, mesons were pro- ' the K&3, from 280 to 363 MeV. We emphasize
duced at the Brookhaven AGS in an internal Be that m* equal to the E' mass is not a preferred
target bombarded by 30-BeV protons. A neutral result when the three-body decays are analyzed
beam was defined at 30 degrees relative to the in this way. In addition, the vector sum of the
1 1
circulating protons by a 1&-in. x 12-in. x 48-in. two momenta and the angle, |9, between it and the
collimator at an average distance of 14.5 ft. from '
direction of the K, beam were determined. This
the internal target. This collimator was followed angle should be zero for two-body decay and is,
by a sweeping magnet of 512 kG-in. at -20 ft. . in general, different from zero for three-body
and a 6-in. x 6-in. x 48-in. collimator at 55 ft. A decays.
1~-in. thickness of Pb was placed in front of the An important calibration of the apparatus and
first collimator to attenuate the gamma rays in data reduction system was afforded by observing
the beam. '
the decays of K, mesons produced by coherent
The experimental layout is shown in relation to regeneration in 43 gm/cm' of tungsten. Since the
the beam in Fig. 1. The detector for the decay K,' mesons produced by coherent regeneration
products consisted of two spectrometers each have the same momentum and direction as the
composed of two spark chambers for track delin- '
K,' beam, the K, decay simulates the direct de-
eation separated by a magnetic field of 178 kG-in. cay of the K,' into two pions. The regenerator
The axis of each spectrometer was in the hori- was successively placed at intervals of 11 in.
zontal plane and each subtended an average solid along the region of the beam sensed by the detec-
angle of 0. 7&& 10 steradians. The squark cham- tor to approximate the spatial distribution of the
bers were triggered on a coincidence between K, "s. '
The K, vector momenta peaked about the
water Cherenkov and scintillation counters posi- forward direction with a standard deviation of
tioned immediately behind the spectrometers. 3.4+0.3 milliradians. The mass distribution of
'
When coherent K, regeneration in solid materials these events was fitted to a Gaussian with an av-
was being studied, an anticoincidence counter was erage mass 498. 1+0.4 MeV and standard devia-
placed immediately behind the regenerator. To tion of 3.6+ 0.2 MeV. The mean momentum of
minimize interactions K2' decays were observed the K,o decays was found to be 1100 MeV/c. At
from a volume of He gas at nearly STP. this momentum the beam region sensed by the
Water
detector was 300 K, ' decay lengths from the tar-
get.
PLAN VIEW '
For the K, decays in He gas, the experimental
I root
distribution in m is shown in Fig. 2(a). It is
compared in the figure with the results of a
Monte Carlo calculation which takes into account
the nature of the interaction and the form factors
VFEEEPEEEEPz involved in the decay, coupled with the detection
efficiency of the apparatus. The computed curve
shown in Fig. 2(a) is for a vector interaction,
57 Ft. to
internal
=
target form-factor ratio f
/f+= 0. 5, and relative abun-
Cerenkov
dance 0.47, 0.37, and 0. 16 for the Ke3, K&3, and
Eg3 respectively. The scalar interaction has
FIG. 1. Plan view of the detector arrangement. been computed as well as the vector interaction

138
VOLUME 1), NUMBER 4 PHYSICAL REVIEW LETTERS 27 JULY 1964

QATA: 52ll EVENTS 484&m" & 494 -. IO


---- MONTE-CARLO
~
VECTOR —
CALCULATION
' -0.5 - 6oo
- 500

- 400 30
I

I
0 - 500 CA
I
l~ --
I 20
I
I
- 200 1 LU

LLI

- IQO
494& m~& 504 -
IO
i iJ I I I

500 550 400 450 500 550 600 MeV


X
iZ
p

(b) -- IO
504&m" & 5 l4

"---"MONTE- CARLO CALCULATION -~ )20


VE CTOR — 0. 5&
"- I IO 0
f+ - IOP 0.9996 0.9997 0.9998 0.9999 I.OOOO
90
-
~, 80 cos 8
ewe $0
r-- ~
sp FIG. 3. Angular distribution in three mass ranges
r-i I
' ~
5p for events with cos0 & 0. 9995.
y
I
40
- 50
. 20
IO suits from the more accurate measuring machine.
0.998 0, 999 1 The angular distribution from three mass ranges
cos g are shown; one above, one below, and one encom-
FIG. 2. (a) Experimental distribution in rn~ com- passing the mass of the neutral K meson.
pared with Monte Carlo calculation. The calculated The average of the distribution of masses of
distribution is normalized to the total number of ob- those events in Fig. 3 with cos8 &0.99999 is
served events. (b) Angular distribution of those events found to be 499. 1 + 0.8 MeV. A corresponding
in the range 490 &m*&510 MeV. The calculated curve calculation has been made for the tungsten data
is normalized to the number of events in the complete resulting in a mean mass of 498. 1 + 0.4. The dif-
sample. ference is 1.0+0.9 MeV. Alternately we may
take the mass of the E' to be known and compute
with a form-factor ratio /f+ =-6.6. The data f the mass of the secondaries for two-body decay.
are not sensitive to the choice of form factors Again restricting our attention to those events
but do discriminate against the scalar interac- with cos0&0. 99999 and assuming one of the sec-
tion. ondaries to be a pion, the mass of the other par-
Figure 2(b) shows the distribution in cos8 for ticle is determined to be 137.4+ 1.8. Fitted to a
those events which fall in the mass range from Gaussian shape the forward peak in Fig. 3 has a
490 to 510 MeV together with the corresponding standard deviation of 4.0 + 0.7 milliradians to be
result from the Monte Carlo calculation. Those compared with 3.4+ 0.3 milliradians for the tung-
events within a restricted angular range (cos8 sten. The events from the He gas appear identi-
&0.9995) were remeasured on a somewhat more cal with those from the coherent regeneration in
precise measuring machine and recomputed using tungsten in both mass and angular spread.
an independent computer program. The results of The relative efficiency for detection of the
these two analyses are the same within the re- three-body E, decays compared to that for decay
spective resolutions. Figure 3 shows the re- to two pions is 0.23. %e obtain 45+ 9 events in

139
VOLUME 1$, NUMBER 4 PHYSICAL REVIEW LETTERS 27 JuLY 1964

the forward peak after subtraction of background singular behavior shown in Fig. 3 it would be
'
out of a total corrected sample of 22 700 K, de- necessary for the y ray to have an average ener-
cays. gy of less than 1 MeV with the available energy
Data taken with a hydrogen target in the beam ext nding to 209 MeV. We know of no physical
also show evidence of a forward peak in the cos0 process which would accomplish this.
distribution. After subtraction of background, We would conclude therefore that K2 decays to
45+ 10 events are observed in the forward peak two pions with a branching ratio R = (K2- w++ w )/
at the K' mass. We estimate that -10 events can '-
(K, all charged modes) = (2.0+ 0.4) 10 where &&

be expected from coherent regeneration. The the error is the standard deviation. As empha-
number of events remaining (35) is entirely con- sized above, any alternate explanation of the ef-
sistent with the decay data when the relative tar- fect requires highly nonphysical behavior of the
get volumes and integrated beam intensities are '.
three-body decays of the K, The presence of a
taken into account. This number is substantially two-pion decay mode implies that the K, meson '
smaller (by more than a factor of 15) than one is not a pure eigenstate of CI'. Expressed as
would expect on the basis of the data of Adair K,0=2 "'[(K,-KO)+e(KO+KJ] then I&I'= R&T—
et al. '
IT2
'
where 7, and T, are the K, and K, mean lives
We have examined many possibilities which and RZ is the branching ratio including decay to
might lead to a pronounced forward peak in the two r'. Using RT = &R and the branching ratio
angular distribution at the K' mass. These in- quoted above, et =
l —2.3x 10
clude the following: We are grateful for the full cooperation of the
'
(i) K, coherent regeneration. In the He gas it staff of the Brookhaven National Laboratory. We
is computed to be too small by a factor of -10' to wish to thank Alan Clark for one of the computer
account for the effect observed, assuming reason analysis programs. R. Turlay wishes to thank
able scattering amplitudes. Anomalously large the Elementary Particles Laboratory at Prince-
scattering amplitudes would presumably lead to ton University for its hospitality.
exaggerated effects in liquid H, which are not
observed. The walls of the He bag are outside *Work supported by the U. S. Office of Naval Re-
the sensitive volume of the detector. The spatial search.
distribution of the forward events is the same as This work made use of computer facilities sup-
'
that for the regular K, decays which eliminates ported in part by National Science Foundation grant.
~A. P. Sloan Foundation Fellow.
the possibility of regeneration having occurred
~On leave from Laboratoire de Physique Corpusculaire
in the collimator.
h Haute Energie, Centre d'Etudes Nucldaires, Saclay,
(ii) K&3 or Ke3 decay. A spectrum can be France.
constructed to reproduce the observed data. It M. Bardon, K. Lande, L. M. Lederman, and
requires the preferential emission of the neutrino W. Chinowsky, Ann. Phys. (N. Y. ) 5, 156 (1958).
within a narrow band of energy, +4 MeV, cen- D. Neagu, E. O. Okonov, N. I. Petrov, A. M.
tered at 17+ 2 MeV (K&3) or 39+ 2 MeV (Ke3). Rosanova, and V. A. Rusakov, Phys. Rev. Letters
6, 552 (1961).
This must be coupled with an appropriate angular 3D. Luers, I. S. Mittra, W. J. Willis, and S. S.
correlation to produce the forward peak. There Yamamoto, Phys. Rev. 133, B1276 (1964).
appears to be no reasonable mechanism which R. Adair, W. Chinowsky, R. Crittenden, L. Leipun-
can produce such a spectrum. er, B. Musgrave, and F. Shively, Phys. Rev. 132,
(iii) Decay into w+7t y. To produce the highly 2285 (1963).

140
58

5.4 Zeitumkehr-Transformation T

Lässt sich durch Beobachtung freier Dirac-Teilchen die positive von der negativen
Zeitrichtung unterscheiden?

⇒ Nein: freie Dirac-Teilchen zeichnen keine Zeitrichtung aus; lassen wir einen
Dirac-Film freier Elektronen rückwärts laufen, sehen wir einen physikalisch mög-
lichen Zustand.
Die Zeitumkehr-Transformation eines Elektron-Positron-Zustandes dreht Impul-
se und Spins um:

T ∶ t → t′ = −t
e−
x⃗ → x⃗′ = x⃗
e−

e+ e+

Der Dirac-Spinor mit umgekehrtem Zeitargument ψ(+x⃗, −t) erfüllt die Differenti-
algleichung (h̵ ≡ c ≡ 1):

∂ ∂
[−i(−γ0 ) − iγ j i + m] ψ(x⃗, −t) = 0
∂t ∂x
mit (t → −t) ⇒ Dirac-Gleichung für γ0 → −γ0 , γi → γ j

Mit der Matrix γ5 = iγ0 γ1 γ2 γ3 , die bei eigentlichen LT invariant ist und mit allen
γµ antivertauscht,

γµ γ5 + γ5 γµ = 0 ∀ µ = 0, 1, 2, 3.

⎛ 0 I ⎞
In der Standarddarstellung der γµ hat γ5 die Gestalt γ5 = .
⎝ I 0 ⎠

Damit findet man eine Transformation, die γ0 in −γ0 überführt und γ j ungeändert
5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 59

lässt,

⎛ 0 1 ⎞ ⎛ 1 0 ⎞ ⎛ 0 −1 ⎞ ⎛ 0 1 ⎞
S′ = γ5 γ0 ∶ S′ = = ; S′ −1 =
⎝ 1 0 ⎠ ⎝ 0 −1 ⎠ ⎝ 1 0 ⎠ ⎝ −1 0 ⎠

⎛ 0 1 ⎞ ⎛ 1 0 ⎞ ⎛ 0 −1 ⎞ ⎛ 0 −1 ⎞ ⎛ 0 −1 ⎞
S′ −1 γ0 S′ = −γ0 ∶ =
⎝ −1 0 ⎠ ⎝ 0 −1 ⎠ ⎝ 1 0 ⎠ ⎝ −1 0 ⎠ ⎝ 1 0 ⎠

⎛ −1 0 ⎞
= = −γ0
⎝ 0 1 ⎠

S′ −1 γ j S′ = γ j

⇒ der Spinor
ψ̃(x⃗, t) = S′ ψ(x⃗, −t) = γ5 γ0 ψ(x⃗, −t)

erfüllt die DE (Prüfen durch Einsetzen). Da die DE auch bei Ladungskonjugation


invariant ist, erfüllt auch der Spinor

T
ψ′ (x⃗, t) = S′ ψC (x⃗, −t) = S(T)ψ (x⃗, −t) die DE, mit

⎛ σ2 0 ⎞
S(T) = S′ ⋅ S(C) = γ5 γ0 ⋅ iγ2 γ0 = −iγ5 γ2 = iγ2 γ5 = i
⎝ 0 −σ2 ⎠

ψ′ wird als zeitumgekehrter Spinor bezeichnet; er erfüllt die Antivertauschungs-


relationen.

Es gibt keine unitäre Transformation im Fock-Raum, die ψ in ψ′ überführt: dies


leistet jedoch eine antiunitäre Transformation:

Ein Operator V ist antilinear, wenn ∀ Zustände ∣a⟩ , ∣b⟩ und für alle komplexen
Zahlen c1 , c2 ∈ C gilt

V(c1 ∣a⟩ + c2 ∣b⟩) = c∗1 V ∣a⟩ + c∗2 V ∣b⟩ .

Der hermitesch konjugierte Operator V + eines antilinearen Operators V ist defi-


niert als

⟨a∣V + ∣b⟩ = ⟨b∣V∣a⟩ ∶ V + ist ebenfalls antilinear.

Ein Operator ist antiunitär, falls er antilinear ist und

V + V = VV + = I erfüllt.
60

Dann ist für alle ∣a⟩ , ∣b⟩ und

∣a′ ⟩ = V ∣a⟩

∣b′ ⟩ = V ∣b⟩

die Relation erfüllt

⟨a′ ∣b′ ⟩ = ⟨b∣a⟩ = ⟨a∣b⟩


⇒ im Vergleich zu einer unitären Transformation ist also zusätzlich komplex


zu konjugieren (bzw. der „bra“ mit dem „ket“ zu vertauschen: Anfangs- und
Endzustände werden vertauscht).

Sei nun V antiunitär, und A ein beliebiger linearer Operator. Der zu A antiunitär
transformierte Operator A′ ist definiert als

A′ ≡ (VAV −1 )+

d.h. gegenüber der unitären Transformation wird zusätzlich hermitesch konju-


giert; der Zusammenhang zwischen A und A′ wird linear:
für eine beliebige komplexe Zahl c ∈ C gilt

(c ⋅ A)′ = cA′ , und für die Matrixelemente gilt

⟨a∣A∣b⟩ = ⟨b′ ∣A′ ∣a′ ⟩ mit den gestrichenen Zuständen wie vorher.

Nun gibt es eine antiunitäre Transformation V(T), so dass gilt


T
[V(T)ψ(x⃗, t)V −1 (T)] = ψ+ (x⃗, t) = S(T)ψ (x⃗, −t).
+

Sie dreht Impulse und Spin um, und ist die physikalische Äquivalenztransforma-
tion der Zeitumkehr: Jedem Zustand ∣a⟩ des ersten Beobachters kann der zweite
Beobachter, der die Zeit umgekehrt zählt, den Zustand ∣a′ ⟩ = V(T) ∣a⟩ zuordnen.

Jeder beobachtbaren Größe A kann der zweite Beobachter die Größe A′ zuordnen,

A′ = (VAV −1 )+ ,

die aus ψ′ genau wie A aus ψ aufgebaut ist. Für die Erwartungswerte gilt

⟨a∣A∣a⟩ = ⟨a′ ∣A′ ∣a′ ⟩

d.h. die Messresultate sind in entsprechenden Zuständen identisch ⇒


5 INVARIANZEN DER DIRAC-GLEICHUNG 61

Für ein freies Dirac-Teilchen gilt daher Zeitumkehr-Invarianz. In der schwachen


WW gibt es jedoch T-verletzende Effekte; im K0 − K0 System ist deren experimen-
teller Nachweis 1998 gelungen.
Stets ist jedoch das Produkt Θ = CPT in relativistischen Feldtheorien mit beliebi-
ger Wechselwirkung eine Invarianztransformation.
( G. Lüders, Ann. Phys. 2, 1(1957); W. Pauli: „Niels Bohr and the development of
physics“, McGraw-Hill & Pergamon Press, London (1955).)
62

Exkurs:

Nachweis der T-Invarianzverletzung im K0 − K0 System.

CPLEAR-Kollaboration, Phys. Lett. B444, 43 (1998)

„LEAR“: Low Energy Antiproton Ring:


0⎫
p + p → K+ + π− + K ⎪⎪
⎪ 0
⎬ K0 , K entstehen mit gleicher Wahrscheinlichkeit

→ K− + π+ + K0 ⎪


0
Die Strangeness des erzeugten neutralen Kaons (K ∶ S = +1; K0 ∶ S = −1) wird
anhand der Ladung des erzeugten Kaons ermittelt.
0
K und K0 wandeln sich durch Oszillationen ineinander um (bereits 1961 entdeckt)
und bilden eine Mischung aus Kaon- und Antikaon-Zuständen (∆S = 2).
0
Die Verwandlung von K in K0 und umgekehrt sind zeitgespiegelte Prozesse;
wenn Zeitumkehrinvarianz gilt, werden gleich viele Antikaonen in Kaonen um-
gewandelt wie umgekehrt.
Exp. Ergebnis von CPLEAR: Die Umwandlung eines Antikaons in ein Kaon ist
um 0.66% wahrscheinlicher als umgekehrt2 ⇒ T-Invarianz ist verletzt (1.3 ⋅ 106
Ereignisse ausgewertet).
(Achtung: Ein Teil des beobachteten Effekts ist evtl. nicht auf T-Invarianzverletzung
zurückzuführen, sondern auf die ebenfalls stattfindenden irreversiblen CP-verletzenden
Zerfallsprozesse. Der genaue Anteil ist bisher offen).

2
Die Strangeness des Endzustandes wird aus semileptonischen Zerfällen bestimmt, K0 → e+ π− ν,
0
K → e− π+ ν (∆S = ∆Q)
6 LÖSUNG DER DIRAC-GLEICHUNG MIT ZENTRALPOTENTIAL 63

6 Lösung der Dirac-Gleichung mit Zentralpotential

Betrachte ein Spin 1/2 Teilchen mit Masse m, Ladung e (z.B. Elektron m = me ,
e = −e0 ) in einem statischen Zentralfeld mit A⃗ = 0, V(r) = eφ(r) potentielle Energie.
2
(Beispiel: H−Atom V(r) = − er )

In der DE für den statischen Fall,

HD ψ(r⃗) = Eψ(r⃗); ψ 4-komp. Spinor

ist dann der Dirac-Operator

⃗p⃗ + βmc2 + V(r)


HD = cα

Lösung der DE durch Trennung der Variablen. Dazu: Suche Operatoren, die mit
HD vertauschen, so dass sie „guten“ Quantenzahlen entsprechen.

In der nichtrelativistischen Theorie kommutiert der Hamilton-Operator


p⃗2
H= + V(r)
2m
eines spinlosen Teilchens der Masse m im Zentralfeld V(r) mit jeder kartesischen
Komponente des Drehimpulsoperators,

⃗L = r⃗ × p⃗, und mit L2 .

⇒ ∃ simultane Eigenzustände der Operatoren H, L2 , Lz mit Eigenwerten


E, l(l + 1)h̵ 2 , ml h.
̵

In der Dirac-Theorie kommutieren jedoch weder ⃗L noch L2 mit HD ; vielmehr ist

̵ α
[HD , ⃗L] = −ihc( ⃗ × p⃗)

und analog für den Spin-Operator mit


h̵ 1
S⃗ = σ ⃗ ; S2 ψ = s(s + 1)h̵ 2 ψ, s =
2 2
Sx , S y , Sz haben je zwei mögliche Eigenwerte ± h2 . Die kartesischen Komponenten
̵

von S⃗ vertauschen jeweils mit dem kartesischen Komponenten von ⃗L, und

[HD , S] ̵ α
⃗ = ihc( ⃗ × p⃗)

⃗ mit den üblichen Drehimpuls-


Der Gesamtdrehimpuls-Operator ist ⃗J = ⃗L + S,
Vertauschungsregeln, und
64

[J2 , ⃗J] = 0: J2 kommutiert mit jeder kartesischen Komponente von ⃗J.


⇒ ∃ simultane Eigenfunktionen von J2 , und einer Komponente von ⃗J, die wir als
Jz wählen. ⃗J kommutiert auch mit dem Dirac-Hamiltonian,

⃗ =0
[HD , ⃗J] = [HD , ⃗L] + [HD , S]

(d.h. jede kartesische Komponente von ⃗J kommutiert mit dem Dirac-Hamiltonian),


sowie [HD , J2 ] = 0.

⇒ ∃ simultane Eigenzustände von HD , J2 und Jz mit den Eigenwerten


E, j(j + 1)h̵ 2 , m j h.
̵

Auch der Operator

β h̵ 2
κ = ̵ 2 (J2 − L2 + ) kommutiert mit HD ,
h 4

(siehe B.H. Bransden & C.J. Joachain, Quantum Mechanics, Prentice Hall 2000,
pp. 704)
sowie auch der Paritätsoperator P,

⎛ ψA ⎞ ⎛ ψA ⎞
P =± mit 2-komponentigen Spinoren ψA , ψB .
⎝ ψB ⎠ ⎝ ψB ⎠

⇒ ψ ist simultane Eigenfunktion von HD , P, J2 , Jz und κ.

Simultane Eigenfunktionen der Operatoren L2 , S2 , J2 und Jz sind die „Spin-


jm
Winkelfunktionen“ yls j , mit der Parität (−1)l . Es ist

j,m
ψA ∝ yl, 1 j
2



j,m j ⎪
⎪l = j − 2
1
↷ l′ = j + 12
ψB ∝ yl′ , 1 , l = l ± 1 ⇒ ⎨



⎩l = j + 2 ,
⎪ ↷ l′ = j − 12
2 1

und wir können für ψ den Lösungsansatz machen

j,m
⎛ PEκ (r)yl, 1 j ⎞
ψEκm j =r ⎜
−1
j,m j ⎟
2

⎝ iQEκ (r)yl, 1 ⎠
2

mit den Radialfunktionen PEκ (r), QEκ (r).


6 LÖSUNG DER DIRAC-GLEICHUNG MIT ZENTRALPOTENTIAL 65

(Der Faktor i sorgt für reelle Radialgleichungen für PEκ , QEκ ). Nach einigen Re-
chenschritten erhält man gekoppelte DGLn 1.Ordnung für die Radialgleichungen,
d κ E + mc2 − V(r)
[ − ] PEκ (r) = ̵ QEκ (r),
dr r hc
d κ E − mc2 − V(r)
[
+ ] QEκ (r) = ̵ PEκ (r)
dr r hc
analog zur radialen Schrödinger-Gleichung in der nichtrelativistischen Theorie.
Durch Eliminieren von QEκ (r) folgt eine DGL 2.Ordnung für PEκ (r),
d2 A′ d A′ κ κ(κ − 1)
[ − + (AB + − )] PEκ (r) = 0
dr2 A dr A r r2
E + mc2 − V(r) dA
mit A(r) = ̵hc , A′ =
dr
E − mc2 − V(r)
B(r) = ̵
hc
Für das Coulombproblem in wasserstoff-ähnlichen Atomen mit Potential
Ze2 Zα e2
V(r) = − = − , mit ̵ = α
r r hc
lassen sich die gekoppelten Gleichungen schreiben als
d κ mc E Zα
[ − ] PEκ (r) = [ ̵ (1 + 2 ) + ] QEκ (r)
dr r h mc r
d κ mc E Zα
[ + ] QEκ (r) = [ ̵ (1 − 2 ) − ] PEκ (r)
dr r h mc r
Übergang zu neuen Variablen

% =r⋅ν
1/2
mc E2
ν = ̵ (1 − 2 4 )
h mc
⇒ gekoppelte Gleichungen
d κ mc E Zα
[ − ] PEκ (%) = [ ̵ (1 + 2 ) + ] QEκ (%)
d% % νh mc %
d κ mc E Zα
[ + ] QEκ (%) = [ ̵ (1 − 2 ) − ] PEκ (%)
d% % νh mc %
Asymptotisches Verhalten für % → ∞:
d mc E
PEκ (%) = [ ̵ (1 + 2 )] QEκ (%)
d% νh mc
d mc E
QEκ (%) = [ ̵ (1 − 2 )] PEκ (%)
d% νh mc
66

Da wir nach gebundenen Zuständen suchen, müssen PEκ (%) und QEκ (%) für % → ∞
verschwinden; die asymptotischen Gleichungen sind dann erfüllt für

PEκ (%) = a1 e−%

QEκ (%) = a2 e−%


1/2
a1 1 + E/mc2
mit = −( )
a2 1 − E/mc2
Wir suchen deshalb nach Lösungen der gekoppelten Gleichungen in der Form
1/2
1 + E/mc2
PEκ (%) = N ( ) e−% f (%)
1 − E/mc2
1/2
1 − E/mc2
QEκ (%) = N ( ) e−% g(%),
1 − E/mc2
mit einer Normierungskonstante N; für % → ∞ muss gelten f (%), g(%) → 1.
Die Radialfunktionen werden als Reihenentwicklungen angesetzt,

f (%) = %s ∑ ck %k , c0 ≠ 0
k=0

g(%) = %s ∑ dk %k , d0 ≠ 0.
k=0

Einsetzen in die Radialgleichungen und Koeffizientenvergleich ergibt eine Folge


von Gleichungen; aus der ersten folgt die Relation

s = ±(κ2 − Z2 α2 )1/2 .

Damit die Radialfunktionen am Ursprung % = 0 regulär bleiben, muss das positive


Vorzeichen gewählt werden.

Die folgenden Gleichungen ergeben Rekursionsrelationen für die Koeffizienten


c1 , d1 , ..., cn , dn , ...
Um die asymptotische Randbedingung zu erfüllen, dass PEκ (%) und QEκ (%) im
Unendlichen verschwinden, müssen die Reihenentwicklungen abbrechen. (Ar-
gumentation wie in der nichtrelativistischen Theorie, und in der Klein-Gordon-
Theorie).

Dies ist nur für bestimmte Energiewerte möglich: die Dirac-Energiewerte


⎡ 2 ⎤−1/2

2⎢
⎛ Zα ⎞ ⎥

n j = mc ⎢1 +
ED ⎥
⎢ ⎝ n − j − 12 + [(j + 1/2)2 − Z2 α2 ]1/2 ⎠ ⎥
⎣ ⎦
6 LÖSUNG DER DIRAC-GLEICHUNG MIT ZENTRALPOTENTIAL 67

Durch Entwicklung nach (Zα)2 folgt

(Zα)2 (Zα)4 n 3
n j = mc [1 −
ED − ( − ) + ⋯]
2
2n2 2n4 j + 1/2 4

und nach Subtraktion der Ruheenergie mc2 erhält man die Energieeigenwerte

En j = ED
n j − mc =
2

(Zα)2 n 3
En j = −En [1 + ( − ) + ⋯]
(0)
n2 j + 1/2 4

(0)
mit dem nichtrelativistischen Schrödinger-Energieeigenwert En ,

mc2 (Zα)2
En = ,
(0)
2n2
der nur von der Hauptquantenzahl n abhängt. In der Dirac-Theorie spalten diese
Niveaus in eine Feinstruktur von n unterschiedlichen Niveaus En j auf, (mit j =
1/2, 3/2, ..., n − 1/2) - als Folge der relativistischen Effekte.

In der Dirac-Theorie sind zwei Niveaus mit gleichen (n, j) auch dann entartet,
wenn sie unterschiedlichen Bahndrehimpuls haben (l = j ± 1/2: z.B. 2s1/2 , 2p1/2 ).
Die einzigen nichtentarteten Niveaus sind 1s1/2 , 2p3/2 , 3d5/2 , usw.
68

Termschema von Wasserstoff (nicht maßstabgerecht)

d5/2 nicht entartet

n=3 p3/2 d3/2

s1/2 p1/2

p3/2
n=2 2s1/2
177MHz

1058MHz

s1/2 p1/2 56MHz

2p1/2
„Feinstruktur“

n=1 s1/2
Hyperfeinstruktur
Lambshift
(Ursache: Magnetfeld
QED-Effekt
des Kerns)

Beim gebundenen Elektron ergeben sich relativistische Korrekturen zu gDirac


e =
2 für das freie Elektron, die G.Breit erstmals 1928 berechnet hat, sowie QED
Korrekturen (aufgrund der Bindung).
Die Dirac-Theorie wurde in zahlreichen spektroskopischen Untersuchungen an
Wasserstoff und Wasserstoff-ähnlichen Ionen (vor allem He+ ) getestet. Man fand
1937/38 experimentelle Anzeichen, dass die 2s1/2 und 2p1/2 Niveaus nicht exakt
übereinstimmen; aber durch die Doppler-Verbreitung der Niveaus blieb die Lage
unklar. Erst 1947 konnten W.E. Lamb und R.C. Retherford („Fine Structure of
the Hydrogene Atom by a Microwave Method“, Phys. Rev. 72, 241 (1947)) mit
Mikrowellen-Techniken einen Radiofrequenz-Übergang zwischen 2s1/2 und 2p1/2
induzieren, und die „Lamb-Verschiebung“ von 1058 MHz bestimmen: Ausgangs-
punkt der Entwicklung der Quantenelektrodynamik (QED), eine der erfolgreichs-
ten physikalischen Theorien.
6 LÖSUNG DER DIRAC-GLEICHUNG MIT ZENTRALPOTENTIAL 69

Bestimmung der Lambschift (nichtrelativistische Approximation)

Die kleine Differenz der 2s1/2 und 2p1/2 Energienieveaus von ≃ 1058 MHz im
H-Atom heisst nach Willis Lamb (1913-2008) Lambshift. Nach Dirac sollten bei-
de Niveaus die gleiche Energie haben, während die Wechselwirkung zwischen
Elektron und Vakuum eine Verschiebung bewirkt. Die Messung (1947) der Ver-
schiebung durch Lamb und Retherford war der Auslöser für die Entwicklung
der Renomierung im QED-Rahmen durch Tomonaga, Schwinger, Feynman und
Dyson.

Hans Bethe gab 1947 eine (die erste) heuristische Ableitung der Lambshift, die
folgende Darstellung beruht auf M.O. Scully & M.S. Zubairy, „Quantum Optics“,
CUP 1997 (of H.A.Bethe, Phys. Rev. 72, 339 (1947)).
Die mit dem Vakuum assoziierten Fluktuationen des elektrischen und magneti-
schen Feldes „stören“ das Coulombpotential des Kern, in dem sich das Elektron
bewegt. Dadurch fluktuiert auch die räumliche Position des Elektrons, und er-
klärt so indirekt die Energieverschiebung.

Die daraus hervorgehende Differenz der potentiellen Energie ist

1
⃗ + (δr⃗∇)
∆V = V(r⃗ + δr⃗) − V(r⃗) = δr⃗∇V ⃗ 2 V(r⃗) + ...
2
Die Fluktuationen sind isotrop,

⟨δr⃗⟩vac = 0
1
⃗ 2⟩ =
⟨(δr⃗ ⋅ ∇) ⟨(δr⃗)2 ⟩vac
vac 3
und wir erhalten für die mittlere Differenz der potentiellen Energie

1 −e2
⟨∆V⟩ = ⟨(δr⃗)2 ⟩vac ⟨∇2 ( )⟩
6 r

Die klassische Bewegungsgleichung für die Elektronen-Fluktuationen (δr⃗)⃗k , die


durch das Feld mit Wellenvektor ⃗k und Frequenz ω ausgelöst werden, ist

d2
m (δr⃗)⃗k = −eE⃗k
dt2

dabei muss die Frequenz ω größer als ω0 im Bohr-Orbit sein,

πc h̵ 2 π
ω> , a0 = (ω = ck) ∶ k > , k = (Kreis-)wellenzahl:
a0 me2 a0
70

(In der Spektroskopie ist k = λ1 , Ruhewert der Wellenlänge!) Für ein mit ω oszillie-
rendes Feld

δr(t) ≃ δr(0)e−iωt + c.c.


e e
(δr)⃗k ≃ E⃗k = ε⃗k [a⃗k e−i(ωt−k⃗r) + h.c.]

2
mc k 2 2
mc k 2

Summation über ⃗k ergibt


2 2
e e
⟨(δr⃗)2 ⟩vac = ∑ ( ) ⟨0 ∣(E⃗k ) 2
∣ 0⟩ = ∑ ( ) ⋅ ε⃗2k
⃗k mc2 k2 ⃗k mc 2 k2

Da ⃗k kontinuiertlich ist, wird aus der Summe ein Integral,


1/2
mit ε⃗k = ( hck2π )
̵
V

2 ̵
V e hck2π 2 e2 h̵ 2 dk
⟨(δr⃗) ⟩vac = 2
2
⋅ 4π ∫ dk ⋅ k ( 2 2 )
2
= ̵ ( ) ∫
(2π) 3 mc k V π hc mc k
π
Ohne Grenzen divergiert das Integral. Es muss jedoch gelten (s.o.) k > a0 . Ferner
muss die Wellenlänge größer als die Compton-Wellenlänge des Elektrons sein,
h̵ mc
λ>o= , oder k < ̵
mc h
λe h
(oe = = )
2π 2πmc
Dies definiert obere und untere Grenzen des Integrals,

mch̵ 2 ̵
mc/h̵
dk mca0 hc
∫ = ln ( ̵ ) = ln ( ̵ ) = ln ( )
k hπ hπme2 πe2
π⋅4a0

so dass
2 e2 h̵ 2 ̵
hc
⟨(δr⃗)2 ⟩vac ≃ ( ̵ ) ( ) ln ( 2 )
π hc mc πe
Im Coulombpotential (s.o.),

−e2 1
⃗2 (
⟨∇ ⃗ 2 ( ) ψ(r⃗) = 4πe2 ∣ψ(0)∣2
)⟩ = −e2 ∫ d3 rψ∗ (r⃗)∇
r at
r

(mit ∇2 ( 1r ) = −4πδ(r⃗)).
Für p-Orbitale verschwindet die nichtrelativistische Wellenfunktion am Ursprung,
so dass es hier (im Rahmen dieser Abschätzung) keine Energieverschiebung gibt.
Für s−Orbitale ist der Wert der Wellenfunktion am Ursprung
1
ψ2s (0) =
(8πa30 )1/2
6 LÖSUNG DER DIRAC-GLEICHUNG MIT ZENTRALPOTENTIAL 71

mit dem Bohrschen Radius a0 = h̵


me2
≃ 0.5 ⋅ 10−10 m = 0.5 ⋅ 105 fm
e2 4πe2 e2
⇒ ⟨∇2 (− )⟩ = =
r at 8πa30 2a30
und der Unterschied in der potentiellen Energie wird

1 2 e2 h̵ 2 h̵ e2
⟨∆V⟩ = ⋅ ̵ ⋅ ( ) ⋅ ln ( 2 ) ⋅ 3
6 π hc mc πe 2a0
↑ ↑

1 137 1
≃ 0.11 ⋅ ⋅ (386fm)2 ⋅ ln ( )⋅
137 π 2 ⋅ 137(0.5 ⋅ 105 fm)3
´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶ ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶
119,6⋅ 3.78

197.32
= 119, 6 ⋅ 3.78 ⋅ MeV = 2603, 9 ⋅ 10−9 eV ≃ 260 ⋅ 10−8 eV = 629MHz

34.25 ⋅ 1015

(Für ln(137) folgt ⟨∆V⟩ = 818.7MHz.)

Dieser Wert ist etwa in der Größenordnung des experimentellen Wertes von 1058
MHz (Bitte die Vorfaktoren nochmals prüfen).

Im Rahmen der QED ist die Lambshift ein 1-Loop Effekt, der durch Emission und
Re-Absorption virtueller Photonen im Kernfeld zustande kommt.
Das Feld ist in der QED quantisiert, und (ähnlich wie beim harmonischen Oszil-
lator in der QM) ist das niedrigste Energiezustand nicht bei E = 0 ∶ ∃ Nullpunk-
toszillationen, das Elektron macht rasche oszillatorische Bewegungen im Feld;
es wird über einen Bereich r + δr „verschmiert“.
In der QED wird der Ausdruck für die Lambshift bei s−Zuständen (l = 0) positiv
- sie werden „angehoben“, d.h. sind durch die Lambshift schwächer gebunden -

k(n, 0)
Lamb = α ⋅ me c
∆El=0 , l = 0; k(n, 0) ≃ 13
5 2
4n3
und bei anderen Zuständen mit l ≠ 0 ∶
1 1 1
Lambda = α me c
∆l≠0 [k(n, l) ± ] , l ≠ 0, j = l ±
5 2
4n 3
π(j + 2 )(l + 2 )
1 1 2
Es ist



⎪∆Lambda = 1057.864 ± 0.014MHz,
QED
∆(2s1/2 − 2p1/2 ) ⎨ exp mit k(n, l) < 0.05

⎪∆Lambda = 1057.862 ± 0.020MHz,


e2
Mit Hilfe der Lambshift kann die Feinstrukturkonstante α = ̵
hc auf < 1pp gemessen
werden: Präzisionstest der QED.
72

7 Das Kleinsche Paradoxon

Wir untersuchen die Streuung von Elektronen an einem (unendlich ausgedehn-


ten) Potentialsprung in der Dirac-Theorie. Das Problem wird zunächst im Rah-
men der Einteilchen-Interpretation der DE untersucht. (Bei hinreichend hoher e−
Geschwindigkeit muss relativistisch gerechnet werden).

Eine Elektronen-Materiewelle propagiert mit Energie E längs der z−Achse und


trifft auf eine Potentialstufe der Höhe V0 > E. Die e− -Geschwindigkeit ist ver-
gleichbar mit c, 0.3c ≤ ve ≤ c.
7 DAS KLEINSCHE PARADOXON 73

V(z)
e−
>
V0
E
z

Für das freie Elektron gilt

E 2
( ) = p⃗2 + m2 c2
c
In Gegenwart des Potentials ist

E − V0 2 ˆ 2
( ) = p⃗ + m2 c2 , mit dem Elektronenimpuls p⃗ˆ im Potential
c
⃗p⃗ + βmx +
Die DE ist dann (stationärer Fall) 0 = α

c .

E − eφ 3 ∂ψ
⇒[ − βmc] ψ + ih̵ ∑ αk =0
c k=1 ∂xk
und die adjungierte Gleichung

E − eφ 3 ∂ψ
ψ[ − βmc] + ih̵ ∑ αk = 0,
c k=1 ∂xk

Mit eφ = 0, z < 0

eφ = V0 , z > 0

und einer einlaufenden Elektronenwelle p ↑↑ ez


i
ψi = ui exp { ̵ (pz − Et)} wird für α → α3 die DE
h
E
{ − αp − βmc} ui = 0 mit E > 0 für einlaufende Wellen
c
∂ψ i
mit = pψ.
∂z h̵
Die Amplitude der einlaufenden Welle ist ui ≠ 0, und mit αk β + βαk = 0 muss gelten
E
= αp + βmc
c
E2
= p2 + m2 c2 + (αβ + βα) pmc
c2 ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¸¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶
=0

Der Impuls der reflektierten Welle ist −p, der Impuls der transmittierten Welle ist
2
p⃗ˆ ≡ p̂ (in z−Richtung) mit ( E−V
c
0
) = p̂2 + m2 c2 .
74

Für kleines V0
i
ψr = ur exp { ̵ (−pz − Et)}
h
i
ψt = ut exp { ̵ (−p̂z − Et)}
h
und aus der DE folgt mit p → −p
E
{ + αp − βmc} ur = 0, und mit p → p̂
c
E − V0
{
− αp̂ − βmc} ut = 0
c
Die Gesamt-Wellenfunktion muss kontinuiertlich an der Grenzfläche sein, d.h.
für z = 0
ui + ur = ut
Daraus folgt mit der Gleichung für die einlaufende Welle ui :
E E
( − αp − βmc) ui = 0 ⇒ ( − βmc) ui = αpui
c c
und mit den Gleichungen für reflektierte und transmittierte Welle
E
( − βmc) ur = −αp ⋅ ur
c
E − V0
( − βmc) (ui + ur ) = αp̂(ui + ur )
c
E V0
(
− βmc) (ui + ur ) = ( + αp̂) (ui + ur )
c c
sowie aus den ersten beiden Gleichungen durch Addition
E
(
− βmc) (ui + ur ) = αp(ui − ur )
c
so dass nach Gleichsetzen der linken Seiten folgt
V0
( + αp̂) (ui + ur ) = αp(ui − ur )
c
V0 V0
oder [ + α(p + p̂)] ur = − [ − α(p − p̂)] ui
c c
V0
Multipliziere beide Seiten mit − α(p + p̂), benutze α2 = 1
c
E − V0 2 E2
und die Energie-Impuls-Beziehung ( ) = p̂2 + m2 c2 ; 2 = p2 + m2 c2
c c
(2V0 /c)(−E/c + αp)
ur = ui ≡ rui
V02 /c2 − (p + p̂)2
7 DAS KLEINSCHE PARADOXON 75

und analog für die adjungierte Amplitude der reflektierten Welle,

u+r = ru+i

⇒ Wahrscheinlichkeitsdichte für die reflektierte Welle:

2
2V0 /c E 2
u+r ur =[ 2 2 ] ui [− + αp] ui
+
V0 /c − (p + p̂)2 c

Aus den Bewegungsgleichungen für ui und u+i folgt die Identität

pc2 +
cu+i αui = u ui
E i

so dass wir die Amplitude der reflektierten Welle als Anteil R der Amplitude der
E2
einlaufenden Welle schreiben können: (p2 = c2
− m2 c2 )

2
2V0 /c E2 2Ep +
u+r ur =[ 2 2 ] [( + p2 ) u+i ui − u αui ]
V0 /c − (p + p̂) 2 c2 c i
2
2V0 m
=[ ] u+i ui ≡ Ru+i ui
V0 /c − (p + p̂)
2 2 2

so dass R der Anteil der reflektierten Elektronen ist.

Für V0 = 0 ⇒ R = 0; alle Elektronen „laufen durch“,

für V0 = E − mc2 (d.h. p̂ = 0) ⇒ R = 1 ∶ Alle Elektronen werden reflektiert.

Für noch größere V0 > E − mc2 wird p̂ imaginär.

Wir setzen dann


E
ψt = ut exp [−µz − i ̵ t] mit µ ∈ R
h

Es ist µ > 0, da sonst die Dichte rechts der Bariere für z → ∞ unendlich groß
würde.
76

Andererseits ist mit


i ̵
ψt = ut exp { ̵ (p̂z − Et)} ⇒ p̂ = ihµ
h
2V0 E
( ) ( − αp)
c c
ur = − 2 ui
V0 ̵
− (p + ihµ) 2
c2
2V0 E
( ) ( − αp)
c c
ur = − 2
+
u+i
V0 ̵ 2
− (p − ihµ)
c2
2V0 2 E2
( ) ( 2 − p2 )
c c
⇒ u+r ur = ur = − 2 2
u+i ui ≡ Ru+i ui
V0 V0
[( + p) + µ2 h̵ 2 ] [( − p) + µ2 h̵ 2 ]
c c
Mit den Energie-Impuls-Beziehungen

(E − V0 )
2
E2
[ ] = p̂2 + m2 c2 , 2 = p2 + m2 c2 folgt
c c
V0 (2E − V0 )
p̂2 = p2 − , und da p̂2 = −µ2 h̵ 2
c2
2
V0 V0 E
⇒( ± p) + µ2 h̵ 2 = 2 ( ± p) ⇒ R = 1
c c c
⇒ u+r ur = u+i ui

⇒ Für E + mc2 > V0 > E − mc2 ist der an


V(z) E + mc2
der Potentialschwelle reflektierte Strom
V0 ebenfalls gleich dem einfallenden. Hinter
E − mc2
der Schwelle gibt es eine exponentiell
z
abfallende Lösung.

̵ - erst größer, erreicht


Bei anwachsendem V0 wird p̂ - und damit µ wegen p̂ = ihµ
bei E = V0 einen Maximalwert [wegen p̂2 = p2 − V0 (2E−V
c2
0)
], und fällt dann wieder
ab; für V0 = E + mc2 wird µ = 0.

Für V0 > E + mc2 wird p̂ wieder reell, jedoch ist die kinetische Energie E − V0 hier
negativ, so dass die Region rechts der Schwelle klassisch verboten ist. Quanten-
mechanisch kann ein Anteil der Welle in den Potentialwall eindringen (analog
zur nichtrelativistischen QM, jedoch hier bei relativistischen Energien ⇒ anderes
7 DAS KLEINSCHE PARADOXON 77

physikalisches Verhalten).

Bei V0 = E + mc2 war der Reflexionskoeffizient R = 1 (≡ Totalreflexion); für weiter


ansteigendes V0 nimmt er ab bis zum Minimalwert

(E/c − p)
α = Rmin = lim R(V0 ) =
V0 →∞ (E/c + p)

und da Reflexion+Transmission (β) = 1 ergeben muss, ist der Transmissionskoef-


fizient β:

2p E/c − p + 2p
β= (prüfe ∶ α + β = = 1)
E/c + p E/c + p

Für große Elektronenimpulse p kann demnach der Bruchteil der Elektonen, der
durch die Grenzfläche dringt, beträchtliche Werte annehmen:
Bei einem Impuls p = mc, rel. Energie
√ √ √
E = p2 c2 + m2 c4 = 2m2 c4 = 2mc2 ≃ 1.4 × Ruheenergie
P mc c≡1 1
= Elektronengeschwindigkeit ve = = √ ≡ √ = 0.71 ∶

E 2mc2 2
(71% der Lichtgeschwindigkeit)

Wird der Transmissionskoeffizient


2p 2mc 2 2
β= = = = √ ≃ 0.83,
E/c + p E/c + mc E/(mc ) + 1
2
2+1
d.h. 83% der einlaufenden Elektronen durchdringen die Potentialbariere:
Die großen β-Werte bleiben auch dann erhalten, wenn V0 nur einige Ruhemassen-
Werte (nicht V0 → ∞) beträgt. Rechnungen von F.Sauter (Z.Physik 73, 547 (1931))
haben gezeigt, dass die starke Transmission nicht stattfindet (Vermutung von
Niels Bohr!), wenn der Anstieg des Potentials allmählich ist, und (von V = 0 bis
V = V0 ) über eine Distanz von der Größenordnung der Componentenwellenlänge
erfolgt, V = vz, d ≤ h
mc .

Den in der Dirac-Theorie unerwartet großen Transmissionskoeffizienten nennt


man das „kleinsche Paradoxon“. (Die erforderliche scharfe Bariere ist experimen-
tell schwer realisierbar).

Lösung der DE mit dem Potential V = vz (F.Sauter, Z.Physik 73, 547 (1931))
78

V(z)
V0

2 V = vz
V0 − mc

E
z
oc = h̵
mc ≃ 3.86 ⋅ 10−13 m

⇒ DE:
∂ ∂ ∂ 1 ∂
{γ1 + γ2 + γ3 + γ0 ( + κvz) + κE0 } ψ = 0
∂x ∂y ∂z ic ∂t
mit E0 = mc2 , κ = 2π
hc
2πi
Ansatz: ψ = e h
(xpx +yp y −Et)
χ(z)

d
⇒ {γ3 + κγ0 (vz − E) + κ(E0 + icγ1 px + icγ2 p y )} χ = 0
dz
⇒ Lösung und Berechnung der Transmissionskoeffizienten siehe F.Sauter, Z.Physik
73, 547 (1931).
Für E > vz haben Impuls und Geschwindigkeit das gleiche Vorzeichen,
für E < vz das entgegengesetzte Vorzeichen (die kinetische Energie wird negativ).
Dann wird der Transmissionskoeffizient β = e−ik π , und α = 1, für K2 ≫ 1 bis auf
2

Glieder höherer Ordnung in 1/K2 .


Hier ist √
κ
K, K2 = E20 + c2 (p2x + p2y )
k=
v
⇒ Für alle elektrischen Felder, bei denen K2 ≫ 1 ist (das sind alle praktisch
herstellbaren Felder) ist β verschwindend klein.
Der Wert von β hängt in erster Näherung nur von der Feldstärke (der Steilheit
des Anstiegst) ab; erst für k2 ∼ 1 erhält man endliche Werte, entsprechend Feldern
von 1016 Volt/cm.
2 2
Für k2 ≃ 1 gilt k2 = 2π (mc )
hc v ∼1

vh
∼ mc2
mc

⇒ man erhält erst endliche Werte für α, wenn der Potentialanstieg v mc


h
auf einer
Strecke von der Comptonwellenlänge von der Größenordnung der Ruheenergie
wird: derart starke Felder lassen sich bis heute nicht herstellen. (Die Bohrsche
Vermutung ist damit bestätigt).
7 DAS KLEINSCHE PARADOXON 79

Der Grenzfall eines unendlich steilen Potentialanstiegs (O.Klein) kommt richtig


heraus,
2cp
β→ .
E + cp

Zum aktuellen Stand der Forschung zum Kleinschen Paradoxon siehe Dombey
N.; Calogeracos A. Source: Physics Reports, Volume 315, Number 1, July 1999:
„Seventy years of the Klein paradox“.
80

8 Dirac-Neutrinos: Die Weyl-Gleichung

8.1 Introduction to Neutrinos

Die Existenz des Neutrinos postulierte W. Pauli 1930, um beim β-Zerfall durch
schwache Wechselwirkung Energie- und Impulserhaltung zu gewährleisten. Da-
bei wird ein Neutron in ein Proton konvertiert; ein Elektron und ein Anti-Elektron
Neutrino wird ausgesandt:

n → p + e− + νe ; mit νe neutral, unbeobachtet, fast


u du masselos. Fermion mit Spin 1/2h, ̵ schwach wechsel-
νe wirkend.
e− Auf dem Quark-Niveau wird ein d-Quark durch
t
w− w− -Emission in ein u-Quark konvertiert:
d → u + e− + νe
udd

Beim β+ -Zerfall wird unter Energiezufuhr ein Proton in ein Neutron konvertiert,
und ein Positron (e+ ) und Elektron-Neutrino emittiert:

Energie + p → n + e+ + νe

Anders als der β− -Zerfall kann der β+ -Zerfall nicht „isoliert“ stattfinden, weil
die Neutronenasse größer als die Protonenmasse ist ⇒ die Bindungsenergie des
Mutterkerns muss größer als die der Tochter sein.

Da die Zerfallsenergie einen festen Wert hat, das gemessene Elektronen-Energiespektrum


jedoch kontinuierlich ist:

Intensität

210 Bi Ð→ 210 Po + e− + νe

0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2 E[MeV]


8 DIRAC-NEUTRINOS: DIE WEYL-GLEICHUNG 81

Das aus Energie- und Impulserhaltungsgründen erforderliche Antineutrino wur-


de 1956 von C. Cowan, F. Reines, et al., (NP Physik 1995) nachgewiesen: zunächst
„Projekt Poltergeist“ in Hanford, ab 1956 in Savannah River mit νe aus einem
Reaktor und 0.5m3 H2 O

inverser β − Zerfall ∶ νe + p → u + e+ ∶

Nachweis beider Teilchen im Ausgangskanal = Neutrinonachweis


1962 L.Lederman, M.Schwartz, J.Steinberger: Nachweis der νµ Myon-Neutrinos


(NP 1988)
2000 DONUT coll./Fermilab: ντ Tau-Neutrino.
⇒ ∃ 3 Neutrino-Flavours:

In der Sonne werden νe Elektroneutrinos erzeugt, v.a. im Prozess

1
H + 1 H Ð→ 2 H + e+ + νe

Auf dem Weg zur Erde wandeln sie sich in die anderen Neutrinoflavours um ⇒
die Ruhemasse muss - wenn auch nur sehr wenig - von Null verschieden sein.

Für die Differenz der Massenquadrate von Elektron- und Myon-Neutrinos folgt

∆m2solar ≃ 8 ⋅ 10−5 eV/c2 ,

aus den Oszillationen atmosphärischer Myon-Neutrinos in Tau-Neutrinos

∆m2solar ≃ 2 ⋅ 4 ⋅ 10−3 eV/c2 ,

Absolute Werte für die νe -Masse lassen sich bisher nur aus 3 H (Tritium) β−Zerfalls-
experimenten herleiten (obere Grenzen),

mν̂e < 2eV/c2

In jedem Fall ist die Neutrinomasse im Vergleich zur Elektronenmasse me ≃



5.11 ⋅ 105 eV/c2 vernachlässigbar klein, e ≃ 7.8 ⋅ 10−6 .
me
Es ist daher sinnvoll, eine Theorie für Fermionen mit m ≃ 0 zu untersuchen,
wie sie als erster 1929 H.Weyl aufgestellt hat (H.Weyl, Z.Physik 56, 330 (1929)),
um masselose Spin 1/2 Teilchen zu beschreiben. Anders als die DE hat sie nur
2 Komponenten, und verletzt die Paritätsinvarianz. Sie wurde daher zunächst
verworfen, aber nach der Entdeckung der P- Verletzung beim β-Zerfall von 16 Co
82

durch C.S.Wu et al. Phys. Rev. 105, 1413 (1957) durch Landau, Salam, sowie T.D.
Lee und C.N. Yang [Phys.Rev. 105, 1671 (1957)] wieder aufgegriffen.

Genaue Untersuchungen des inversen β-Zerfalls haben gezeigt, dass der Spin des
Neutrinos stets antiparallel zu seiner Bewegungsrichtung ausgerichtet ist, der des
Antineutrinos parallel zur Bewegungsrichtung

S p⃗
ν: Linksschraube

ν: Rechtsschraube
S p⃗

(sonst wären die Wirkungsquerschnitte nur halb so groß wie die experimentellen
Werte).

8.2 Die Weyl-Gleichung

Betrachte zunächst die DE für ein masseloses Teilchen:

∂ψ
ih̵ ⃗p⃗ψ(x) ∶ der Term + βmc2 fällt weg
= cα
∂t

Die 3 2 × 2 Pauli-Matrizen σk erfüllen die Antikommutationsrelationen

{αi , α j } = 2δi j ;

nur die Forderung, auch β als vierte antikommutierende Matrix einzuführen und
so Teilchen mit Masse (speziell: das Elektron) zu beschreiben, hatte bei Spin- 12 -
Teilchen die Einführung von 4×4−Matrizen erfordert, und von 4er Spinoren (zwei
Zweier-Spinoren).

Bei masselosen Teilchen lässt sich demnach (für Spin 21 ) eine Wellengleichung für
einen 2er Spinor φ+ (x) konstruieren:

∂φ+
ih̵ ⃗ p⃗φ+ (x);
= cσ σk = 2 × 2 Pauli-Matrizen

∂t
und nach Division durch ih̵ folgt (mit p⃗ = −ih̵ ∇)

∂φ+
= −cσ ⃗ + (x)
⃗ ∇φ Weyl-Gleichung (für φ+ )
∂t
8 DIRAC-NEUTRINOS: DIE WEYL-GLEICHUNG 83

Lösungen als ebene Wellen sind


1
φ+ (x) = √ e−ipx/h u+ (p)
̵

2E(2π)3

wobei
E
p = {p0 , p⃗} = { , p⃗}
c
x = {x0 , x⃗}

p ⋅ x = p0 x0 − p⃗x⃗

Die Neutrino-Wellenfunktionen sind dabei so normiert, dass die Norm invariant


unter Lorentz-Transformation ist.
Der 2-komponentige Spinor u+ (p) erfüllt die Gleichung

⃗ p⃗u+
p0 u+ = σ

d.h. die Lösung zu p0 c = E entspricht (je nach Vorzeichen der Energie E) einer
bestimmten Orientierung des Spins σ ⃗ relativ zwischen Bewegungsrichtung p⃗.

Wenden wir den sogenannten Heilizitätsoperator


⃗ p⃗
σ
∣p⃗∣
auf beide Seiten der Gleichung an, so erhalten wir mit der Relation

⃗ σ
⃗ A)(
(σ ⃗ = A⃗B
⃗ B) ⃗ (A⃗ × B)
⃗ + iσ ⃗

⃗ p⃗)2 = p⃗2 ⇒ (p20 − p⃗2 )u+ = 0


⇒ (σ

⇒ ∃ nichtverschwindende Lösung für u nur für p0 = ±∣p⃗∣ = Ec .


Das ist die relativistische Energie des masselosen Teilchens; die Teilchen bewegen
sich dabei mit c. Mit der z−Achse in Impulsrichtung p⃗ wird die Lösung von
⃗ p⃗u+ :
p0 u+ = σ

⎛ 1 ⎞
u+ =
⎝ 0 ⎠

d.h. rechtshändige masselose Teilchen mit Spin in Bewegungsrichtung, also

⃗ ⋅ p⃗ +
σ ⎛ 1 ⎞ ⎛ 1 ⎞
u = σz =+
∣p⃗∣ ⎝ 0 ⎠ ⎝ 0 ⎠
84

⇒ Der Helizitätsoperator hat einen positiven Eigenwert +1, der Spin ist deshalb
parallel zu p⃗: das entspricht einer Rechtsschraube, wenn wir in Bewegungsrich-
tung p⃗/∣p⃗∣ blicken:

σ p⃗

Das Neutrino ist jedoch eine Linksdrehschraube.

⇒ Für Zustände mit positiver Energie p0 = +∣p⃗∣ hat die Weyl-Gleichung nur Wellen
positiver Helizität als Lösung, für Zustände mit negativer Energie p0 = −∣p⃗∣ nur
Wellen mit negativer Helizität.

Dies ist auch in der „Löchertheorie“ gültig: dort entspricht eine Wellenfunktion
mit negativer Energie, negativem Impuls und negativer Spinrichtung einem An-
titeilchen mit positiver Energie, positivem Impuls, und positiver Spinrichtung:
Eine solche Zuordnung widerspricht den Experimenten zur schwachen Wechsel-
wirkung:
Um also masselos linkshändige Teilchen beschreiben zu können, müssen wir
von der Gleichung ausgehen
∂φ−
ih̵ ⃗ p⃗φ− (x)
= −cσ Weyl-Gleichung (für φ− )
∂t
⃗ → −σ
Die Ersetzung σ ⃗ liefert ebenfalls die Antikommutationsrelation {αi , α j } =
2δi j , so dass die Gleichung eine mögliche DE für masselose Spin 21 −Teilchen ist.
Der Ansatz
1
φ− (x) = √ e−ipx/h u− (p)
̵

2E(2π)3
liefert
⎛ 0 ⎞
⃗ p⃗u− ,
p0 u− = −σ u− = .
⎝ 1 ⎠
Wieder kann p0 = E
c positiv oder negativ sein. Die Lösung φ− beschreibt linkshän-
dige masselose Teilchen mit negativer Helizität, also Neutrinos im vereinfachten
Modell mit mν ≡ 0. Der Spin ist jetzt antiparallel zum Impuls (Linksschraube); für
den Antineutrino-Zustand mit p0 < 0 ist es umgekehrt (Rechtsschraube).

β−Zerfallsexperimente zeigen, dass das Neutrino-Spin stets antiparallel zu sei-


ner Bewegungsrichtung steht: Die Helizität (oder longitudinale Polarisation) ei-
nes Neutrinos mit positiver Energie ist negativ, bei negativer Energie dagegen
positiv.
8 DIRAC-NEUTRINOS: DIE WEYL-GLEICHUNG 85

Da es bei den Lösungen φ+ der DE umgekehrt war, läßt sich φ+ mit dem Antineu-
trino von φ− identifizieren.
Beachte jedoch, dass die Links-/Rechtshändigkeit von Neutrino/Antineutrino nur
für mν = mν ≡ 0 gilt! Die Neutrino-Stromdichte erhalten wir aus
1 ∂φ−
⃗ −=0
⃗ ∇φ
−σ
c ∂t
⃗ und I zu einem Vierervektor σµ = {I, σ
Bei Kombination von σ ⃗ } lässt sich die
Weyl-Gleichung kompakter schreiben:

σµ ∇µ φ− = 0

und die hermitesch konjugierte Gleichung wird

∇µ (φ− )+ σµ = 0.

Multiplikation der ersten Gleichung von links mit (φ− )+ , der zweiten von rechts
mit φ− und Addition ergibt

∇µ (φ− )+ σµ φ− = 0 = Kontinuitätsgleichung für den 4er Strom


jµ = (φ− )+ σµ φ− ,

mit den zeitartigen und raumartigen Komponenten

% = (φ− )+ φ−
⃗j = −(φ− )+ σφ− .

Die Normierungskonstante der Neutrinowellenfunktion folgt aus

∫ %d x = 1.
3

Die 2−komponentige Weyl-Theorie ist nicht invariant gegenüber Paritätstrans-


formation.
p⃗ → −p⃗⎫




⎪ Ein Zustand mit Energie p0 = ∣p⃗∣,


x⃗ → −x⃗⎬ Impuls p⃗




⎪ ⃗ p⃗/∣p⃗∣ = 1
Helizität σ
σ⃗→σ ⃗ ⎪⎪

wird dadurch transformiert in einen Zustand mit p0 = ∣p⃗∣, Impuls −p⃗, Helizität −1.
Ein derartiger Zustand existiert jedoch nicht in dieser 2-komponentiger Theorie
masseloser Spin- 21 −Teilchen ⇒ P−Invarianz muss verletzt sein.
86

9 Grundzüge der Quantenelektrodynamik

9.1 Einführung

Dirac-Gleichung und Maxwell-Gleichungen liefern gemeinsam eine Theorie des


Elektromagnetismus. Dabei müssen jedoch die Quantenpostulate berücksichtigt
- d.h. das Feld quantisiert - werden; die daraus resultierende Quantenfeldtheo-
rie des Elektromagnetismus heißt Quantenelektrodynamik, QED. Sie beschreibt
alle Phänomene, die von geladenen Punktteilchen wie Elektronen und Positro-
nen, und von Photonen verursacht werden. Sie umfasst Quantenphänomene in
der Struktur der Atome und Moleküle, und auch Vorgänge in der Hochenergie-
physik wie die Erzeugung von Teilchen durch ein elektromagnetisches Feld. Die
Berechnung des anomalen magnetischen Moments des Elektrons auf 10 Dezimal-
stellen genau ist der beste Erfolg der QED. Sie ist die am genauesten experimentell
überprüfte physikalische Theorie.

Die Grundgleichungen des elektromagnetischen Feldes - die dann quantisiert


werden müssen - sind die Maxwell-Gleichungen: (im Gauß-System), die Ampe-
resches, Faradaysches und Gaußsches Gesetz zusammenfassen und erweitern:


⃗ ×B
∇ ⃗ = 4π ⃗j + 1 ∂E
c c ∂t
1 ∂B⃗
⃗ × E⃗ = −

c ∂t
⃗B
∇ ⃗ = 0 ∶ (∄ magn. Monopole)

⃗ E⃗ = 4π%

Die Coulomb-Energie zwischen zwei Elektronen ist (Abstand r)


e2
Ec =,
r
die Stärke der elektromagnetischen Wechselwirkung ist durch den dimensions-
losen Faktor
e2 1
α= ̵ =
hc 137.035999679(94)
charakterisiert, die Sommerfeldsche Feinstrukturkonstante. (Bei einer hochener-
getischen Teilchenkollision im Beschleuniger steigt mit wachsendem Impulsüber-
trag Q2 die effektive Kopplungsstärke an, bei Q2 ≃ m2w ≅ 6464GeV2 beträgt sie etwa
9 GRUNDZÜGE DER QUANTENELEKTRODYNAMIK 87

1/128).
Informationen über eine mögliche Zeitabhängigkeit von α sind bis heute unklar.
Aus Absorptionslinien des Lichts entfernter Quasare im Rotverschiebungsbereich
z = 3.5, ..., 0.5 (23% − 87% des Alters des Universums) wurde eine Abweichung
∆α
α ≃ −0.5 ⋅ 10−5 deduziert (s1/2 → p1/2,3/2 Übergänge) (Webb et al. 2001; Murphy et
al 2003: 0.2 < z < 4.2), d.h. α hätte im frühen Iniversum einen Wert von ∼ 1/137.037
statt 1/137.036 gehabt.
Messungen mit Atomuhren, insbesondere Frequenzverhältnisse von Quecksilber-
und Aluminiumuhren (Boulder, NIST; J.Bergquist et al., Science 319, 1808(2008))
∆α
ergaben im Widerspruch dazu α < 1.6 ⋅ 10−17 für die jährliche Variation. ⇒ α ist
mit hoher Wahrscheinlichkeit zeitlich konstant.
Die Kleinheit der Kopplungskonstanten, α ≃ 0.0073 ist entscheidend für den Er-
folg der QED, bei der Reihenentwicklungen in α gemacht werden.
Beispielsweise liefert die Theorie für die Anomalie ae des magnetischen Moments
des Elektrons,
1 e
µe = ge , ge = 2(1 + ae ), exp. Wert:
2 2mc
exp. 1
ae = (ge − 2)exp = 0.00115965218085(76) (1)
2

eine Reihenentwicklung in α mit Entwicklungskoeffizienten Ck ,

1α α 2 α 3 α 4
ae = +C2 ( ) + C3 ( ) + C4 ( ) + ...
2π π π π
°
≃0.00116

J.Schwinger hat 1948 als Erster den Term erster Ordnung α/2π berechnet 3 . Inzwi-
schen sind die Entwicklungskoeffizienten bis C4 bekannt. Zusammen mit dem
exp exp
experimentellen Wert4 von ge (bzw. ae ) folgt daraus der bisher5 genaueste Wert
für die Feinstrukturkonstante α
α−1 = 137.035999710(96)

(kombiniert man die Messungen, ergibt sich (2010) α−1 = 137.035999679, siehe
Particle Data Group)
3
J.Schwinger, Phys. Rev. Lett. 73, 416L (1948)
4
B. Odom et al., Phys. Rev. Lett., 97, 030801 (2006)
5
G. Gabrielse et al., Phys. Rev. Lett. 97, 030802 (2006)
88

Physikalisches Bild der QED:

Klassische ED:
beschleunigte Ladungen emittieren elektromagnetische Strahlung - ein Elektron
in Ruhe oder in geradlinig beschleunigter Bewegung kann dagegen kein Photon
emittieren (Energie-Impuls-Erhaltung)

e−
>e
γ

In der Quantentheorie gilt jedoch die Energie-Zeit-Unschärferelation,

̵
∆E∆t ≥ h,

so dass auch ein ruhendes Elektron ein Photon aussenden kann: Die Verletzung
der Energieerhaltung ist erlaubt, wenn das Photon nach einer Zeit ∆t ≃ 1/(∆E)
wieder absorbiert wird,
e−

e−
γ t

Derartige temporär existierende Photonen


nennt man „virtuelle Photonen“
e−

In der QED ist jedes geladene Teilchen von einer „Wolke“ derartiger virtueller
Photonen umgeben. Die Amplitude für die γ−Emission ist ∝ e, die Wahrschein-
lichkeit ∝ α. Der Dirac-Wert für das magnetische Moment des Elektrons ge = 2
entspricht einem „nackten“ Elektron.
Wird ein virtuelles Photon emittiert, entsteht ein Rückstoß, und da das Elektron
geladen ist, eine Stromverteilung; dieser Konvektionsstrom liefert einen Zusatz
zum Dirac-Wert. Da die Wahrscheinlichkeit, ein virtuelles Photon zu finden, pro-
portional zu α ist, sind sowohl der Strom, als auch der Beitrag zu ae in 1.Ordnung
proportional zu α, wie in Schwingers Resultat.
9 GRUNDZÜGE DER QUANTENELEKTRODYNAMIK 89

Der Rückstoß kann auch so erfolgen, dass das Elektron „in der Zeit zurückläuft:“
γ (2)
e−
t bei (1) entsteht ein e− e+ -Paar mit Aussen-
e− dung eines virtuellen Photon; das e− läuft
e−
ins Unendliche, das e+ wird mit dem ein-
(1)
laufenden e− unter Re-Absorption des
virtuellen Photons bei (2) vernichtet

(Die Interpretation von in der Zeit zurücklaufenden Elektronenlinien als Positro-


nen hat Stückelberg 1941 vorgeschlagen, Helv. Phys. Acta 14, 322 (1941).

Auch andere Effekte wie die Lamb-Shift und der Casimir-Effekt lassen sich durch
den Einfluss der virtuellen Photonen verstehen. Die quantitative Berechnung er-
wies sich als schwierig: Es ergeben sich unendliche Resultate, wenn man nach der
Störungstheorie wie in der nichtrelativistischen QM vorgeht. Die von Feynman,
Schwinger, und Tomonaga entwickelte Renormierungstheorie löst dieses Pro-
blem (NP 1965, „for their fundamental work in quantum electrodynamics, with
deep-ploughing consequences for the physics of elementary particles“).

Die Quantenchromodynamik und die Theorie der elektronschwachen Wechsel-


wirkung sind ebenfalls nach dem Muster der QED konstruiert.

9.2 Quantisierung des freien em. Feldes

In der relativistischen Formulierung werden elektrische und magnetische Feld-


stärke zum Feldstärketensor zusammengefasst, Ladungs- und Stromdichte zur
Viererstromdichte:

⎛ 0 −E1 −E2 −E3 ⎞


⎜ ⎟
⎜ E1 0 −B3 B2 ⎟
F =⎜
µν


⎟ Feldstärketensor;
⎜ E2 B3 0 −B1 ⎟
⎜ ⎟
⎝ E3 −B2 B1 0 ⎠

⎛ c% ⎞
mit µ =Zeile, ν =Spalte, jµ = Viererstromdichte.
⎝ ⃗j ⎠

Skalares Potential φ und Vektorpotential A⃗ fassen wir zum 4er Potential zusam-
90

men,
⎛ φ ⎞
(Aµ ) = .
⎝ A⃗ ⎠

Die Kontinuitätsgleichung ∂%
∂t
⃗ ⃗j = 0 wird
+∇
∂jµ
=0
∂xµ
1∂
(∂µ ) = ( ⃗
, ∇)
c ∂t
Aus dem 4-Potential folgen die Felder E⃗ und B,

⃗ × A⃗
⃗=∇
B
1 ∂A⃗
E⃗ = −∇Φ
⃗ −
c ∂t

Insbesondere ist
∂A3 ∂A2
B1 = − = ∂2 A3 − ∂3 A2
∂x2 ∂x3
∂A0 ∂A1
E1 = − − = −∂1 A0 − ∂0 A1
∂x1 ∂x0
und der antisymmetrische Feldtensor wird
Fµν = ∂µ Aν − ∂ν Aµ
mit Fµν = −Fνµ , und den auf der vorigen Seite gezeigten Komponenten.

Dabei gibt es in Aµ noch die Eichfreiheit


Aµ (x) → Aµ (x) + ∂µ ψ(x).

Maxwell-Gleichungen
⃗ E⃗ = 4π%
Mit ∇ ist
4π 0
⇒ ∂1 F10 + ∂2 F20 + ∂3 F30 = j
c
Die 1-Komponente von

⃗ − 1 ∂E = 4π j
⃗ ×B

c ∂t c
∂B3 ∂B2 ∂E1 4π 1
wird − − = j
∂x2 ∂x3 ∂x0 c
9 GRUNDZÜGE DER QUANTENELEKTRODYNAMIK 91

und analog für die anderen Komponenten, zusammengefasst:

4π ν 4π
∂µ Fµν = j , oder ∂µ Fµν = jν
c c
Mit der Potentialdarstellung des Feldstärketensors

Fµν = ∂µ Aν − ∂ν Aµ folgt
4π ν
∂µ (∂µ Aν − ∂ν Aµ ) = j
c
In der Lorenz-Eichung ist
1
⃗ A⃗ + φ̇ = 0 ⇔

c
µ
∂µ A = 0,

d.h. die Divergenz des 4er Potentials verschwindet in der Lorenz-Eichung, und
die Fµν sind jetzt eindeutig festgelegt.

4π ν
∂µ ∂µ Aν = j
c

4π ν
◻Aν = j
c

mit ◻ = ∂µ ∂µ = ∂
1 2
c2 t
− ∆ d’Alembert-Operator für die inhomogenen Maxwell-
Gleichungen.

Analog für die homogenen Maxwell-Gleichungen

⃗B
∇ ⃗ = 0 ⇒ ∂1 B1 + ∂2 B2 + ∂3 B3 = 0

⇒ −∂1 F32 − ∂2 F13 + ∂3 F12 = 0 = ∂1 F23 + ∂2 F31 − ∂3 F21



1 ∂B
⃗ × E⃗ +
∇ =0
c ∂t
Für die x (1-)Komponente

∂2 F30 + ∂3 F02 + ∂0 F23 = 0, etc. für y, z(2, 3)


Zusammengefasst folgt

∂λ Fµν + ∂µ Fνλ + ∂ν Fλµ = 0 Bianchi-Identität


92

(nur für λ ≠ µ ≠ ν nicht trivial: für gleiche Indices identisch erfüllt)

Dies lässt sich mit Hilfe des dualen Feldtensors F̃µν analog wie bei den inhomo-
genen Gleichungen zusammenfassen:

1
∂µ F̃µν = 0 mit F̃µν = εµνλ% Fλ%
2

εµνλ% = 0 bei zwei gleichen Indices, sonst Vorzeichenänderung bei Vertauschen


zweier Indices: ungerade Permutation
ε0123 = 1 = −ε0123 , Normierung

Wir untersuchen jetzt das freie Photonfeld, ohne äußere Quellen: jν ≡ 0. Dann
erfüllt das Viererpotential die d’Alembert-Gleichung

◻Aµ = 0

In der Quantentheorie ist das eine Operatorgleichung. Für den Feldoperator Aµ


gilt dann eine Entwicklung mit operatorwertigen Entwicklungskoeffizienten,

d3 k
Aµ (x) = ∫ {eikx a+µ (⃗k) + e−ikx aµ (⃗k)}
(2π) ⋅ 2w
3

wobei

⎛ ω ⎞
k= , ω = ∣⃗k∣, kx = kµ xµ = ωt − ⃗kx⃗
⎝ ⃗k ⎠

und für die Vertauschungsrelationen der Erzeugungs- und Vernichtungsoperato-


ren a+ , a gilt:

[a+µ (⃗k), a+ν (⃗k′ )] = 0

[aµ (⃗k), aν (⃗k′ )] = 0

[aµ (⃗k), a+ν (⃗k′ )] = Zµν (2π)3 2ωδ3 (⃗k − ⃗k′ )

mit zunächst noch unbekannten konstanten Zµν .

Für den Vakuumzustand im Fock-Raum gilt

aµ (⃗k) ∣0⟩ = 0 ∀µ, k


9 GRUNDZÜGE DER QUANTENELEKTRODYNAMIK 93

die Indices µ, ν sind 4er Vektor-Indices, und die Konstanten Zµν bilden einen
Lorentz-Tensor 2.Stufe. Wegen der geforderten Lorentz-Kovarianz muss er ein
konstanter Tensor sein; der einzige Tensor dieser Art ist der metrische Tensor

⎛ 1 0 0 ⎞ 0
⎜ ⎟
⎜ 0 −1 0 0 ⎟
⇒ (Zµν ) = ±(gµν ) = ± ⎜



⎜ 0 0 −1 0 ⎟
⎜ ⎟
⎝ 0 0 0 −1 ⎠

Mit

[aµ (⃗k), a+ν (⃗k′ ))] = −gµν (2π)3 2ωδ3 (⃗k − ⃗k′ )

⇒ a+µ (µ = 1, 2, 3) ergibt - angewandt auf das Vakuum - einen Zustand positiver


Norm, jedoch
a+0 ∣0⟩ ergibt einen Zustand negativer Norm (⇒ die Wahrscheinlichkeitsinterpre-
tation gilt nicht).

⇒ die Metrik ist unbestimmt. Gupta und Bleuler (1950) haben ein Verfahren ange-
geben, um Zustände positiver Norm zu erzeugen, (und gleichzeitig zwei der vier
linear unabhängigen Polarisationszustände zu eliminieren: ein reelles Photon hat
nur zwei Polarisations-Freiheitsgrade!).

Die Fourier-Entwicklung für den Feldoperator Aµ ,

d3 k
Aµ (x) = ∫ {eikx a+µ (⃗k) + e−ikx aµ (⃗k)}
(2π) ⋅ 2ω
3

erfüllt zunächst nur die d’Alembert-Gleichung,

◻Aµ = 0 in Operatorform.

Sie ist nur zusammen mit der Lorenz-Bedingung

∂µ Aµ = 0

äquivalent zu den Maxwell-Gleichungen; also muss auch die Lorentz-Bedingung


in die Quantenmechanik übertragen werden. Sie kann jedoch nicht direkt in Ope-
ratorform gebracht werden, man fordert statt dessen die Lorenz-Bedingung als
Nebenbedingung für Zustände:

Nur diejenigen Zustände im Fock-Raum sind physikalisch, die die LB erfüllen:


94

Wir berücksichtigen nur den Teil des 4er Potentials, der nur Annihilationsopera-
toren enthält,
d3 k
A−µ (x) = ∫ e−ikx aµ (⃗k), und fordern
(2π)3 2ω

∂µ Aµ (x) ∣physik. Zustand⟩ = 0


(−)

bzw. für die Fourier-Komponenten

kµ aµ (⃗k) ∣⟩ = 0 ∀⃗k.

⇒ der Erwartungswert der Divergenz des gesamten Feldes ∂µ Aµ (x) verschwindet


für beliebige physikalische Zustandsvektoren:

⟨phys.Zustand ∣∂µ Aµ (x)∣ phys.Zustand⟩ = 0

(Anteil in ∂µ Aµ (x) mit Erzeugungsoperatoren nach links wirken lassen!)


Der Unterraum der physikalischen Zustandsvektoren ist linear. Seine Metrik ist
positiv semidefinit:

⟨phys.Zustand∣phys. Zustand⟩ ≥ 0

Beweis:
Wähle neue Basis für die Erzeugungs- und Vernichtungsoperatoren:
Einheitsvektoren: e⃗1 , e⃗2 – ⃗k ∶ e⃗3 = = k̂, e⃗i ⋅ e⃗j = δi j .
⃗k
∣⃗k∣

Operatoren:
1
α+0 (⃗k) = √ [α+0 (⃗k) − k̂α+ (⃗k)]
2
α+1 (⃗k) = e⃗1 α+ (⃗k)

α+2 (⃗k) = e⃗2 α+ (⃗k)


1
α+3 (⃗k) = √ [α+0 (⃗k) + k̂α+ (⃗k)]
2
Und aus den Vertauschungsregeln für die a’s folgen die VR für die α’s:

[α0 (⃗k), α+0 (⃗k′ )] = [α3 (⃗k), α+3 (⃗k′ )] = 0

[α0 (⃗k), α+3 (⃗k′ )] = [α3 (⃗k), α+0 (⃗k′ )] = −(2π)3 2ωδ3 (⃗k − ⃗k′ )

[α1 (⃗k), α+1 (⃗k′ )] = [α2 (⃗k), α+2 (⃗k′ )] = (2π)3 2ωδ3 (⃗k − ⃗k′ )
9 GRUNDZÜGE DER QUANTENELEKTRODYNAMIK 95

(alle anderen Kommutatoren = 0)


Die LB als Nebenbedingung wird

α0 (⃗k) ∣phys. Zustand⟩ = 0

Ein Zustandsvektor im Hilbert-Raum lässt sich als beliebiges Produkt von Erzeu-
gungsoperatoren angewandt auf das Vakuum darstellen:

α+1 (⃗k1 )α+1 (⃗k2 )⋯α+2 ⋯α+0 ⋯α+3 ⋯ ∣0⟩

jedoch ist die LB dann und nur dann erfüllt, wenn dabei kein Operator α+3 vor-
kommt (wegen der Vertauschungsregeln).
Physikalische Zustandsvektoren sind z.B.

α+1 (⃗k) ∣0⟩ , α+2 (⃗k) ∣0⟩ , α+0 (⃗k) ∣0⟩

sie sind zueinander orthogonal, die Längenquadrate sind ≥ 0 ∶

⟨0 ∣α1 (⃗k)α+1 (⃗k′ )∣ 0⟩ = (2π)3 2ωδ3 (⃗k − ⃗k′ )

⟨0 ∣α2 (⃗k)α+2 (⃗k′ )∣ 0⟩ = (2π)3 2ωδ3 (⃗k − ⃗k′ )

⟨0 ∣α0 (⃗k)α+0 (⃗k′ )∣ 0⟩ = 0

Auch alle anderen Längenquadrate von Zustandsvektoren, die kein α+3 enthalten,
sind ≥ 0:

⟨phys. Zustand∣phys. Zustand⟩ ≥ 0

(s.Literatur zur Diskussion des Hilbert-Raumes mit positiv definiter Metrik/“Äqui-


valenzklassen“ von Zustandsvektoren).
Mit Berücksichtigung der Quantenpostulate durch die Vertauschungsrelationen
lassen sich nun Erwartungswerte physikalischer Größen berechnen. Die Feld-
stärken-Erwartungswerte
⃗ − A⃗˙
E⃗ = −∇V

⃗ × A⃗ werden
⃗=∇
B
d3 k

⟨B(x)⟩ =∫ {eikx ⟨−i⃗kx [e⃗1 α+1 (⃗k) + e⃗2 α+2 (⃗k)]⟩
(2π)3 2ω

+e−ikx ⟨i⃗kx [e⃗1 α1 (⃗k) + e⃗2 α2 (⃗k)]⟩} ,

d3 k

⟨E(x)⟩ =∫ {−iωeikx ⟨e⃗1 α+1 (⃗k) + e⃗2 α+2 (⃗k)⟩
(2π) 2ω
3

+iωe−ikx ⟨e⃗1 α1 (⃗k) + e⃗2 α2 (⃗k)⟩}


96

Es tragen - in Übereinstimmung mit dem Experiment - nur die transversalen


Freiheitsgrade der Photonen bei. Die Operatoren für Energie und Impuls von
Photonen folgen aus den klassischen Ausdrücken,
1 ⃗2 ⃗ 2 (x)]
P0 = ∫ d3 x ⋅ [E (x) + B
2
t=const

P⃗ = ∫ ⃗
d3 x [E(x) ⃗
× B(x)]
t=const

Mit E⃗ und B
⃗ als Feldoperatoren lassen sich die Erwartungswerte von Energie und
Impuls berechnen - jedoch ergeben sich zunächst divergente Resultate. Um sie
zu vermeiden, ersetzen wir den Energieoperator durch

P0 ≡ P 0 − ⟨0 ∣P 0 ∣ 0⟩ ,
′ ′

d.h. wir wählen die Vakuumenergie als Nullpunkt der Energiezählung (das ist
o.k., denn gemessen werden Energiedifferenzen).
Die Erwartungswerte des „neuen“ Energieoperators sind nicht divergent.
Die Subtraktion der Vakuumenergie erfolgt automatisch, wenn wir das „nor-
malgeordnete Produkt“ der Feldoperatoren verwenden („Doppelpunkte“): alle
Erzeugungsoperatoren wirken so, als stünden sie links von allen Vernichtungs-
operatoren, also z.B.

∶ aa+ ∶ ≡ a+ a , etc. „Normalprodukt“

z.B. gilt für die elektrische Feldstärke


E(x) ∼ a+ + a

so dass

∶ E⃗2 (x) ∶ ∼ ∶ (a+ + a)(a+ + a) ∶

= ∶ a+ a+ + a+ a + aa+ + aa ∶

= a+ a+ + 2a+ a + aa

und die korrekten Ausdrücke für Energie und Impuls werden


1
P0 = ∫ d3 x ∶ [E⃗2 (x) + B
⃗ 2 (x)] ∶
2
t=const

P⃗ = ∫ ⃗
d3 x ∶ E(x) ⃗
× B(x) ∶
t=const
9 GRUNDZÜGE DER QUANTENELEKTRODYNAMIK 97

Erwartungswerte des Viererpotentials sind nicht direkt beobachtbar; für das ge-
wöhnliche Viererprodukt zweier Viererpotentiale ergibt sich

d3 k 1 −ik(x−y) ⎛ ∣⃗k∣ ⎞
⟨0 ∣Aµ (x)Aν (y)∣ 0⟩ = −gµν ∫ =
(2π)3 2ω
e mit k
⎝ ⃗k ⎠ .
98

10 Elemente der relativistischen Streutheorie

10.1 Invarianten bei relativistischen Reaktionen

A+B→C+D
p⃗A p⃗B
CMS: pA + pB → pC + pD Ð→ ←Ð „Collider“
p⃗LA
LS: pLA + pLB → pLC + pLD Ð→ ∣ „fixed Target“
p⃗LB =0

Viererimpulserhaltung: (= Energie- und Impulserhaltung):


pA + pB = pC + pD

Mit der zusätzlichen Bedingung (h̵ ≡ c ≡ 1):

p2 = E2 − p⃗2 = m2

Die Teilchen sind „auf der Massenschale“

⇒ p2A = m2A , p2B = m2B , p2C = m2C , p2D = m2D .

Man führt 3 Lorentz-invariante sog. Mandelstam-Variable ein:


Das Quadrat der Schwerpunktenergie,

s = (pA + pB )2 = (pC + pD )2 = E2cm = (EA + EB )2 = (EC + ED )2

sowie die folgenden Quadrate von 4er Impulstransfers

t = (pA − pC )2 = (pB − pD )2

u = (pA − pD )2 = (pC − pB )2

Wegen der Constraints p2i = m2i sind die drei Mandelstam-Variablen nicht unab-
hängig voneinander,

s + t + u = m2A + m2B + m2D

Für die invariante Größe s gilt im Schwerpunktsystem (CMS)

s = (pA + pB )2 = (EA + EB )2 − (p⃗A + p⃗B )2 = (EA + EB )2


´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶
=0 im CMS
10 ELEMENTE DER RELATIVISTISCHEN STREUTHEORIE 99

Im Laborsystem (LS) wird dieselbe Größe mit

pLA = (ELA , p⃗LA )

pLB = (ELB , p⃗LB ) = (mB , 0) ∶


2
s = (pLA + pLB )2 = [ELA + mB ] − (p⃗LA )2 = (ELA )2 + 2mB ELA + m2B − (p⃗LA )2

und mit

(ELA )2 − (p⃗LA )2 = m2A ⇒ s = m2A + m2B + 2mB ELA



Mit s ist auch die cm-Energie s ≡ Ecm relativistisch invariant.
Die kinetische Energie des einfallenden Teilchens „A“ ist im Laborsystem

kAL = ELA − mA ⇒ ELA = kAL + mA

⇒ s = (mA + mB )2 + 2mB kAL

damit wird die kinetische Energie im Schwerpunktsystem


¿
√ Á L
À1 + 2mB kA − m − m
kcm = s − mA − mB = (mA + mB ) Á A B
(mA + mB )2
und in nichtrelativistischer Näherung (nr)

kAL ≪ mA + mB , kA → kAnr
mB kAL mB kAL
⇒ kcm
nr
≃ (mA + mB ) [1 + ] − mA − mB = (mA + mB )
(mA + mB )2 (mA + mB )2
mB
nr
kcm = kAL
mA + mB
(dies ist ein vielbenutzter Ausdruck in der nichtrelativistischen Streutheorie).
Bei hohen relativistischen Energien ist dagegen

∣p⃗LA ∣ ≫ mA , mB

und wegen (ELA )2 − (p⃗LA )2 = m2A , ELA = (p⃗LA )2 + m2A

⇒ ELA ≃ ∣p⃗LA ∣

s ≃ 2mB ELA ≃ 2mB ∣p⃗LA ∣ ≡ E2cm

d.h. die Schwerpunktenergie wächst nur mit der Wurzel des Laborimpulses bei
ultra-relativistischen Energien,
√ √
s = Ecm ∝ ∣p⃗LA ∣
100

⇒ bei hohen Energien sind Collider die bessere Alternative.

Beispiel: p + p am LHC, ∣p⃗A ∣ = ∣p⃗B ∣ = 7TeV/c


p⃗A p⃗B
Ð→ ←Ð

mp ≃ 0.938GeV/c2
√ c=1 √ √
EA = EB = p2 c2 + m2 c4 ≡ p2 + m2 = 49 ⋅ 106 + 0.88 GeV≃ 7000 GeV= 7 TeV.

s = (EA + EB )2 ≃ 196 ⋅ 106 GeV2 ⇒ s = 14 ⋅ 103 GeV

Derselbe Wert von s erfordert mit einem festen Target einen Laborimpuls von

s 196 ⋅ 106
∣p⃗LA ∣ ≃ = GeV/c ≃ 104.48 ⋅ 106 GeV/c = 104.48 ⋅ 103 TeV/c
2mp 2 ⋅ 0.938

d.h. das ∼ 15000 fache des Colliderimpulses, um s = 14 ⋅ 103 GeV zu erreichen.
11 AUFGABEN ZUR RQM-VORLESUNG 101

11 Aufgaben zur RQM-Vorlesung


Aufgabe 1: Kovarianz der Ableitungen

Zeigen Sie explizit:


Der kovariante 4er Vektor xµ = (x0 , x1 , x2 , x3 ) verhält sich unter Lorentz-
Transformation x′µ = Λµ ν xν
wie die Ableitungen des kontravarinaten 4er Vektors xµ ,

∂µ ≡
∂xµ
Aufgabe 2: Pauli-Matrizen

Zeigen Sie:
(1) Aus der Hermitezität (σi = σ+i (= σT )) und Unitarität (σ−1
i = σ ) der Pauli-
T

Matrizen folgt σ21 = σ22 = σ23 = I


(2) Die Determinanten und Spuren der Pauli-Matrizen sind

det σi = −1, Spσi = 0, i = 1, 2, 3

⎛ i 0 ⎞
(3) Es gilt σ1 σ2 σ3 = i ⋅ I = .
⎝ 0 i ⎠
Die Pauli-Matrizen erfüllen die Algebra
3
σi σ j = δi j I + i ∑ εi jk σk , i, j = 1, 2, 3
k=1

Aufgabe 3: Klein-Gordon Gleichung (KGE)

Zeigen Sie explizit durch Einsetzen:


Es gibt zwei freie Lösungen der KGE

mc 2
[∂µ ∂µ + ( ̵ ) ] ∣ψ⟩ = 0
h
in Form von ebenen Wellen

ψ(x⃗, t) = e−i(Et−⃗px⃗)/h , mit E = ± p⃗2 c2 + m2 c4
̵

Aufgabe 4: Lokale Eichinvarianz der KGE mit Feld

Zeigen Sie: Die KGE ist lokal eichinvariant unter der Transformation

Aµ → A µ = Aµ − ∂µ χ(x)

102

wenn man die Wellenfunktion ψ transformiert gemäß

ψ(x) → ψ′ (x) = eiΛ(x) ψ(x)

und den Phasenfaktor wählt als


e
Λ(x) = ̵ χ(x).
hc

Aufgabe 5: Klein-Gordon Gleichung mit Coulombpotential


2
Zeigen Sie: Die radiale KGE mit Potential eφ = − Zer

d2 2λ l(l + 1) − γ2
[L + − 1 − ] %R(%) = 0
d(%/2)2 %/2 (%/2)2

2m Ze2
ergibt mit dem Lösungsansatz [l(l + 1) − γ2 ≡ l′ (l′ + 1), 2λ ≡ %0 = ∣E∣ h̵ ]

% l +1

%R(%) = ( ) ⋅ e−%/2 w(%/2)


2 ±
´¹¹ ¹ ¹ ¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶ %→∞

asym. Lösung
für % → 0

die folgende Radialgleichung für w(%) ∶

d2 w dw
% 2
+ 2(l′ + 1 − %) + (%0 − 2(l′ + 1))w = 0
d% d%

2m Ze2
Sie ist für l′ → l, %0 = ∣E∣ h̵ identisch mit der Radialgleichung im Schrö-
dingerfall.
Aufgabe 6: Klein-Gordon Energieeigenwerte (mit Potential wie Aufgabe 5)

Berechnen Sie aus der Relation

%0 = 2(N + l′ + 1)

mit den Definitionen für l′ und %0 aus Aufgabe 5,


die Energieeigenwerte:

γ2
−1/2
E = mc (1 + 2 )
2
λ
11 AUFGABEN ZUR RQM-VORLESUNG 103

Aufgabe 7: Algebraische Struktur der Dirac-Matrizen

Zeigen Sie, dass durch zweimalige Anwendung des Dirac-Operators


̵
hc ∂
HD = αk ∂k + βmc2 in ih̵ ψ = HD ψ
i ∂t
und Vergleich mit der Klein-Gordon Gleichung

mc 2
[∂µ ∂µ + ( ̵ ) ] ψ = 0
h
die algebraischen Bedingungen folgen:

αi α j + α j αi = 2δi j I

αi β + βαi = 0

(αi )2 = β2 = I.

Aufgabe 8: Standarddarstellung der Dirac-Matrizen

Prüfen Sie in der sogenannten Dirac-Darstellung

⎛ 0 σk ⎞ ⎛ I 0 ⎞
αk = , β= mit den Pauli-Matrizen σk
⎝ σk 0 ⎠ ⎝ 0 I ⎠

explizit die Gültigkeit der algebraischen Relationen (in Aufgabe 7).


Aufgabe 9: Anti-Hermitezität der γk -Matrizen

Zeigen Sie: (γk )+ = −γk ; (γk )2 = −I

mit γk ≡ βαk , und {αk , β} = 0.

Aufgabe 10: Nichtrelativistischer Grenzfall der DE

⎛ ϕ ⎞ ⃗
Mit ψ = ⃗ = p⃗ − ce A)
wird die DE mit Feld (π
⎝ χ ⎠

∂ ⎛ ϕ ⎞ ⃗π
⎛ σ ⃗χ ⎞ ⎛ φ ⎞ ⎛ φ ⎞
ih̵ =c + eφ + mc2
∂t ⎝ χ ⎠ ⎝ σ
⃗π⃗ϕ ⎠ ⎝ χ ⎠ ⎝ −χ ⎠

Im nichtrelativistischen Grenzfall zerlegen wir

⎛ φ ⎞ − imc̵ 2 t ⎛ φ ⎞ ⎛ φ ⎞
=e h , mit langsam variierendem
⎝ χ ⎠ ⎝ χ ⎠ ⎝ χ ⎠
104

⎛ φ ⎞
Zeigen Sie: genügen der Gleichung:
⎝ χ ⎠

∂ ⎛ ϕ ⎞ ⃗π
⎛ σ ⃗χ ⎞ ⎛ φ ⎞ ⎛ 0 ⎞
ih̵ =c + eφ − 2mc2
∂t ⎝ χ ⎠ ⎝ σ
⃗π⃗ϕ ⎠ ⎝ χ ⎠ ⎝ χ ⎠
(φ ist die „große“, χ die „kleine“ Komponente, die im nichtrelativistischen
σ
⃗π
Grenzfall vernachlässigt wird: χ = 2mc ϕ)

Aufgabe 11: Lorentz-Transformation

Zeigen Sie: Aus der Forderung der Lorentz-Invarianz des d’Alembert-Operators

◻ ≡ ∂µ ∂µ = gµν ∂µ ∂ν

folgt

Λλ µ gµν Λ% ν = gλ% , oder in Matrixform

ΛgΛT = g (dies definiert die Lorentz-Transformation)


∂x λ ∂


(es ist ∂µ ≡ ∂xµ = ∂xµ ∂x′ λ ≡ Λλ µ ∂′λ )
Aufgabe 12: Dirac-adjungierte Spinoren

Beweisen Sie mit dem Dirac-adjungierten Spinor ψ ≡ ψ+ γ0 die Matrixrelatio-


nen:

(ψ1 Mψ2 )+ = ψ2 Mψ1

(mit M ≡ γ0 M+ γ0 )

Aufgabe 13: Zeitumkehr-Invarianz der DE

Zeigen Sie durch Einsetzen:

Der Spinor ψ̃(x⃗, t) ≡ S′ ψ(x⃗, −t) ≡ γ5 γ0 ψ(x⃗, −t)

mit γ5 ≡ iγ0 γ1 γ2 γ3 erfüllt die DE!

Aufgabe 14: Ladungskonjugations-Invarianz der DE

Zeigen Sie durch Einsetzen:

T T
Der Spinor ψc (x⃗, t) ≡ S(c)ψ (x⃗, t) ≡ iγ2 γ0 ψ (x⃗, t)

mit γT ≡ (ψ+ γ0 )T = (γ0 )T (ψ+ )T

erfüllt die DE!


11 AUFGABEN ZUR RQM-VORLESUNG 105

Aufgabe 15: Berechnen Sie aus dem exakten Ausdruck der die Dirac-Energieeigenwerte
im Coulombfeld

⎡ 2 ⎤−1/2

2⎢
⎛ Zα ⎞ ⎥

n j = mc ⎢1 +
ED ⎥
⎢ ⎝ n − j − 1/2 + [(j + 1/2)2 − Z2 α2 ] ⎠ ⎥
1/2
⎣ ⎦
durch Entwicklung nach (Zα)2 die genäherten Energieeigenwerte, und ver-
gleichen Sie mit den Schrödinger-Eigenwerten.
Aufgabe 16: Weyl-Spinoren

Der zweikomponentige Spinor u+ (p) erfüllt die Gleichung

⃗ p⃗u+ (p)
p0 u+ (p) = σ

Zeigen Sie: Es gibt nichtverschwindende Lösungen für u+ nur für

E
p0 = ±∣p⃗∣ =
c
Hinweis: Wenden Sie den Helizitätsoperator σ ⃗ p⃗/∣p⃗∣ auf beide Seiten der Glei-
⃗ σ
⃗ A)(
chung an, und benutzen Sie (σ ⃗ = A⃗B
⃗ B) ⃗ (A⃗ × B).
⃗ + iσ ⃗
106

12 Literatur
(a) J. D. Bjorken, S.D. Drell: Relativistische Quantenechanik
(b) B. H. Bransden, C. J. Joachain: Introduction to Quantum Mechanics, Pearson
publ. 2000
(c) W. Greiner: Relativistic Quantum Mechanics, Springer, 1991
(d) C. Itzykson, J.-B. Zuber: Quantum Field Theory, McGraw HIll, New York 1980
(e) A. Messiah: Quantenmechanik, Band II, de Gruyter 1990
(f) O Nachtmann: Elementarteilchenphysik, Vieweg, Braunschweig, 1986
(g) H.M. Pilkhuhn: Relativistic Quantum Mechanics, Springer 2003/2nd ed. 2005
(h) F. Schwabl: Quantenmechanik für Fortgeschrittene, Springer, Heidelberg,
1997
(i) A. Wachter: Relativistische Quantenmechanik, Springer 2005