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QM II - Vorlesungs-Script

Prof. Th. Gehrmann

Frühlingssemester 08

Mitschrift:
Eveline Hardmeier

$Id: qm2.tex 2776 2007-11-27 10:52:35Z eveline $


Inhaltsverzeichnis

14.3 Optisches Theorem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1


14.4 Eikonale Näherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
14.5 Entwicklung in Partialwellen . . . . . . . . . . . . . . . . 3
14.6 Berechnung der Streuphasen . . . . . . . . . . . . . . . . 5
14.7 Streuung am Zentralpotential . . . . . . . . . . . . . . . . 7
14.8 Streulänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
14.9 Streuresonanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
15 Zeitabhängige Störungstheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
15.1 Wechselwirkungsbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
15.2 Streumatrix . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
16 Streuung elektromagnetischer Strahlung an Materie . . . . . . . 13
16.1 Quantisierung des freien Photonfeldes . . . . . . . . . . . 13
16.2 Spin des Photons . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
16.3 Wechselwirkung des quantisierten elektromagnetischen Fel-
des mit Materie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
16.4 Spontane Emission und Lebensdauer von angeregten Ato-
men . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
16.5 Streuung von Licht an Atomen . . . . . . . . . . . . . . . 22
16.6 Rayleigh-Streuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
16.7 Thomson-Streuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
16.8 Resonanzphänomene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
16.9 Dispersionsrelationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
16.10 Compton-Streuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
16.11 Casimir-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
17 Identische Teilchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
17.1 Permutationsoperator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
17.2 (Anti-) Symmetrisierung und Pauli-Prinzip . . . . . . . . 37
17.3 Nicht-wechselwirkende Teilchen . . . . . . . . . . . . . . . 38
17.4 Streuung identischer Teilchen . . . . . . . . . . . . . . . . 39
18 Zweite Quantisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
18.1 Besetzungszahldarstellung für Bosonen . . . . . . . . . . . 40
18.2 Besetzungszahldarstellung für Fermionen . . . . . . . . . 41
18.3 Feldoperatoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
18.4 Fockraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
18.5 Dichteoperator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
18.6 Hamiltonoperator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
18.7 Impulsdarstellung freier Felder . . . . . . . . . . . . . . . 45
19 Fermionische Vielteilchensysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
19.1 Nichtwechselwirkende Fermionen . . . . . . . . . . . . . . 46
19.2 Wechselwirkende Fermionen: Elektrongas . . . . . . . . . 49
19.3 Atomorbitale: Hartree-Fock-Näherung . . . . . . . . . . . 51
19.4 Atomstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
19.5 Hund’sche Regeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
20 Bosonische Vielteilchensysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
20.1 Bosonische Korrelationsfunktionen . . . . . . . . . . . . . 55
20.2 Zwei-Boson-Korrelationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
21 Quantenstatistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
21.1 Postulate der Quantenstatistik . . . . . . . . . . . . . . . 57

i
21.2 Dichtematrix . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
21.3 Ensembles der Quantenstatistik . . . . . . . . . . . . . . . 58
21.4 Mikrokanonisches Ensemble idealer Quantengase . . . . . 59
21.5 Kanonisches und grosskanonisches Ensemble idealer Quan-
tengase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
21.6 Bose-Einstein-Kondensation . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65

ii
Inhaltsverzeichnis 19.02.2008

14.3 Optisches Theorem

Betrachte: Streuamplitude bei θ = 0 (Vorwärtsstreuung)


1 2m
f (θ = 0) = f (k, k) = − (2π)3 hk | T | ki .
4π ~2
Benutze den Hauptwertsatz
µ ¶
1 1
= PV + iπσ(E − H0 )
E − H0 − iε E − H0
und berechne den Imaginärteil:
­ ®
Im hk | T | ki = Im k | V | Ψ+
·µ ¿ ¯ ¶ ¯ À¸
­ +¯ ¯ 1 ¯ +
= Im ¯
Ψ − Ψ ¯V + ¯
V¯Ψ¯
E − H0 − iε
µ ¿ ¯ µ ¶ ¯ À¶
­ + ® + ¯
¯ 1 ¯ +
= Im Ψ | V | Ψ − Ψ ¯ V PV+ ¯
V¯Ψ
E − H0
­ + ®
−Im Ψ | V iπσ(E − H0 )V | Ψ+
­ ®
= −π Ψ+ | V δ(E − H0 )V | Ψ+
­ ®
= −π k | T + δ(E − H0 )T | k
Z µ ¶
­ 0 ® 0 ~2 k02
= −π + 0
k | T | k hk | T | ki δ E − d3 k 0
2m
Z
m|k0 |
= −π | hk0 | T | ki |2 dΩ0
~2
k
⇒ Im[f (θ = 0)] = σtot (Optisches Theorem)

jout
Physikalische Interpretation Absorption: ∼ Im [f (θ = 0)]
jin

Gesamte Streuung ∼ σtot .


Streuung (∼ σtot ) vermindert die auslaufende Welle (∼ Imf (θ = 0)).

14.4 Eikonale Näherung

Betrachte den quasi-klassischen Limes (hohe Energie, wie kleine de-Broglie-


Wellenlänge, Potential quasi-konstant)
Semi-klassische Wellenfunktion
Ψ+ (x) ∼ eiS(x)/~
in zeitunabhängiger Schrödinger-Gleichung
(∇S(x))2 ~2 k 2
+ V (x) = E = .
2m 2m
Betrachte gerade Trajektorien unter Streuparameter b, so dass
Z z · ´¸−1/2
S 2 2m ³p 2
= k − 2V b +z 02 dz 0 + const.
~ −∞ ~

1
Inhaltsverzeichnis 21.02.2008

S
Wähle const so, dass → kz für V = 0
~
Z z Ãr !
S 2m p 2
= kz + k − 2 V ( b + z ) − k dz 0
2 02
~ −∞ ~
Z z ³ p ´
(EÀV ) m
= kz − 2 V b2 + z 02 dz 0 .
~ k −∞
Dies ergibt Streuwelle
· Z ³p ´ ¸
1 im z
Ψ+ (x) = Ψ+ (b + zez ) = e ikz
exp − V b 2 + z 02 dz 0
(2π)3/2 ~2 k −∞
und Streuamplitude
1 2m ­ ®
f (k, k0 ) = − (2π)3 2 k0 | V | Ψ+
4π Z~
1 2m 0 0
³p ´ 0
= − 2
e−ik x V b2 + z 02 eikx ·
4π ~
( Z 0 )
im z ³p ´
exp − 2 V 2
b +z 002 dz 00
d3 x0
~ k −∞

mit d3 x0 = b db dϕs dz 0 ,
(k − k0 )x0 = (k − k0 ) · (b + z 0 ez ) ' −k0 · b (k ⊥ b)
und
k0 · b = (k sin(θ)ex + k cos(θ)ez ) · (b cos(ϕb )ex + b sin(ϕb )ey )
' kbθ cos(ϕb )
ergibt sich
Z Z Z ³p ´
0 1 2m ∞ 2π ∞ −ikbθ cos(ϕb ) 2 + z 02 ·
f (k, k ) = − e dϕ b V b
4π ~2 0 0 −∞
( Z z0 )
im ³ p ´
00
exp − 2 V b2 + z 002 dz b dz 0 dϕb db.
~ k −∞

Nutze: Z 2π
e−ikbθ cos(ϕb ) dϕb = 2πJ0 (kbθ),
0

Z ( Z z0 )
∞ ³p ´ im ³p ´
V b2 + z 02 exp − 2 V b2 + z 002 dz 0
−∞ ~ k −∞
( Z z0 )¯ 0
2
i~ k im ³ p ´ ¯z =∞
2 002 00 ¯
= exp − 2 V b +z dz ¯ 0
m ~ k −∞ z =−∞
Z ∞ ³ ´
⇒ f (k, k0 ) = −ik bJ0 (kbθ) e2i∆(b) − 1 db
0
mit Formfaktor Z ∞ ³p ´
m
∆(b) = − V b2 + z 2 dz.
2k~2 −∞

2
Inhaltsverzeichnis 21.02.2008

Physikalisches Bild

Born-Approximation:
• einzelne, harte Streuprozesse
• grosser Implusbetrag bei jedem Streuprozess
• Potential parametrisch klein V 2 ¿ V .
Anwendungen:
• Festkörperphysik: Strukturbestimmung (Elektron-, Neutron-Streuung)
• Teilchenphysik: Produktion neuer Teilchen, Spektroskopie

Eikonal-Approximation:
• viele, weiche Streuprozesse
• kleiner Impulsübertrag bei jedem Streuprozess
• Energie gross E À V , aber Potential nicht klein V 2 ' V .
Anwendungen:
• Quantenoptik: Licht in dichten Medien (Glauber-Theorie)
• Teilchenphysik: Kleinwinkelstreuung (Sudakov-Theorie)

14.5 Entwicklung in Partialwellen

Streulösungen für rotationssymmetrisches Potential: Kugelwellen.


Entwickle ebene Welle in Kugelwellen
∞ X̀
X
eik·x = c`m (k)j` (kr)Y`m (θ, ϕ).
`=0 m=−`

Bestimmung der Koeffizienten: wähle k k ez



X
⇒ eikr cos(θ) = A` j` (kr)Y`,0 (θ, ϕ)
`=0
X∞ r
2` + 1
= A` j` (kr)P` (cos θ).

`=0

3
Inhaltsverzeichnis 21.02.2008

Nutze Orthogonalität der Legendre-Polynome P` :


Z 1
2δ``0
P` (cos θ)P`0 (cos θ) d cos(θ) =
−1 2` +1
Z 1
1p
⇒ A` j` (kr) = 4π(2` + 1) P` (z)eikz dz.
2 −1

Sphärische Bessel-Funktion
¶` µ
1 d ` sin(ρ)
j` (ρ) = (−ρ)
ρ dρ ρ
Z 1
1
= (−i)` P` (z)eiρz dz
2 −1
p
⇒ A` = i` 4π(2` + 1).

Additionstheorem der Y`m (θ, ϕ)

4π X̀
?
P` (cos θ(k;x) ) = Y`m (θk , ϕk )Y`m (θx , ϕx )
2` + 1
m=−`

θ(k, x) = Winkel ](k, x)


ergibt allgemeine Entwicklung
∞ X̀
X
eikx = 4π i` j` (kr)Y`m
?
(θk , ϕk )Y`m (θx , ϕx ).
`=0 m=−`

• Orthogonalität:
Z ∞

r2 j` (kr)j` (k 0 r) dr = δ(k − k 0 )
0 (2k)2

• asymptotisches Verhalten
µ ¶
(ρ→∞) 1 (` + 1)π
j` (ρ) → cos ρ −
ρ 2
ei(ρ−`π/2) − e−i(ρ−`π/2)
=
2iρ

Entwicklung der Streuamplitude für k k ez :



X
f (k, k0 ) = f (θ) = (2` + 1)f` (k)P` (cos θ).
`=0

Daraus folgt:
µ ¶
(r→∞) 1 ikz eikr
hx | Ψi → e + f (θ)
(2π)3/2 r
½X ∞ µ ikr ¶
1 e − e−i(kr−`π)
= (2` + 1)P` (cos θ)
(2π)3/2 `=0 2ikr

X ¾
eikr
+ (2` + 1)f` (k)P` (cos θ)
r
`=0
X ∞
1 P` (cos θ)
= (2` + 1)
(2π)3/2 `=0 2ik
½ ¾
eikr e−i(kr−`π)
(1 + 2ikf` (k)) −
r r

4
Inhaltsverzeichnis 21.02.2008

Effekt des Streuzentrums: Koeffizient der auslaufenden Welle

1 → 1 + 2ikf` (k) = S` (k).


R
Aus der Erhaltung des Wahrscheinlichkeitsstromes, j dS = 0, folgt:

|S` (k)| = 1 ⇒ S` (k) = e2iδ` (k) ,

δ` (k): Streuphase. Daraus folgt:

X∞ µ 2iδ` ikr ¶
1 e e e−i(kr−`π)
hx | Ψi = (2` + 1)P ` (cos θ) − ,
(2π)3/2 `=0 2ikr 2ikr

X e2iδ` − 1
f (θ) = (2` + 1) P` (cos θ)
2ik
`=0
X∞
1
= (2` + 1)eiδ` sin(δ` )P` (cos θ)
k
`=0

und totaler Wirkungsquerschnitt


Z
σtot = |f (θ)|2 dΩ
Z 2π Z 1 X X
1
= (2` + 1)(2`0 + 1)eiδ` sin(δ` ) ·
k2 0 −1 0 ` `
−iδ`0
e sin(δ`0 )P` (cos θ)P`0 (cos θ) d cos θ dφ
4π X
= (2` + 1) sin2 (δ` (k)).
k2
`

Check: optisches Theorem



X (2` + 1)Im (eiδ` sin(δ` )) ¯
Im [f (θ = 0)] = P` (cos θ)¯θ=0
k
`=0
X 2` + 1 kσtot
= sin2 (δ` ) = .
k 4π
`

Interpretation: Partialwellen:
` = 0: s-Welle
` = 1: p-Welle
` = 2: d-Welle
` = 3: f-Welle...

Klassisches Bild: Drehimpuls relativ zum Streuzentrum


p
|L| = `(` + 1)~ ' `~, |L| = |x| · |p|,

x: Streuabstand.
`
~kd` ' `~ ⇒ d` '
k
Für Potential mit endlicher Reichweite a:
• nur Beiträge δ` 6= 0 von Partialwellen mit ` . ak
• für ak ¿ 1 (z.B. k → 0): δ0 6= 0, δ`>0 = 0 nur s-Wellen Streuung.

14.6 Berechnung der Streuphasen

Betrachte: Potential mit endlicher Reichweite V (r > R) = 0.

5
Inhaltsverzeichnis 21.02.2008

Nutze die Entwicklung der vollständigen Wellenfunktion:


­ ® 1 X
x | Ψ+ = 3/2
i` (2` + 1)A` (kr)P` (cos θ), r>R
(2π) `

mit
(1) (1) (2) (2)
A` (kr) = c` h` (kr) + c` h` (kr).
• sphärische Hankel-Funktion:
(1) (2) (1)
h` (ρ) = j` (ρ) + in` (ρ), h` (ρ) = h` (ρ)?

• sphärische Neumann-Funktion:
µ
¶`
1 d
` cos(ρ) (ρ→0) (2` − 1)!!
n` (ρ) = (−ρ) → (divergent)
ρ dρ ρ ρ`+1
µ ¶
(ρ→∞) 1 (` + 1)π
n` (ρ) → sin ρ − ,
ρ 2

so dass
(1) (ρ→∞) 1 i(ρ−`π/2)
h` (ρ) → e .

Vergleich mit Koeffizienten der Partialwellen


X · 2iδ` ikr ¸
­ ® (r→∞) 1 e e e−i(kr−`π)
x | Ψ+ → (2` + 1)P ` (cos θ) −
(2π)3/2 ` 2ikr 2ikr

(1) (2)
ergibt c` = 12 e2iδ` , c` = 1
2

A` (kr) = eiδ` [cos(δ` )j` (kr) − sin(δ` )n` (kr)] .

Berechne:
µ ¶¯
r dA` ¯¯
β` =
A` dr ¯r=R
· 0 ¸
j` (kR) cos(δ` ) − n0` (kR) sin(δ` )
= kR
j` (kR) cos(δ` ) − n` (kR) sin(δ` )

und löse nach δ` :


kRj`0 (kR) − β` j` (kR)
tan(δ` ) = .
kRn0` (kR) − β` n` (kR)
Bestimmung von β` aus radialer Schrödinger-Gleichung für r < R:
µ ¶
d2 u` (r) 2 2m `(` + 1)
+ k − 2 V (r) − u` (r) = 0
dr2 ~ r2

mit u` (r) = rA` (r) und u` (r = 0) = 0.

6
Inhaltsverzeichnis 26.02.2008

Beispiel: Hartes Streuzentrum


½
∞, r < R
V =
0, R > r

⇒ A` (r < R) = 0 ⇒ cos(δ` )j` (kR) − sin(δ` )n` (kR) = 0,


so dass
j` (kR)
tan(δ` ) = .
n` (kR)
Für die s-Welle gilt:
sin(kR)
tan(δ0 ) = = − tan(kR)
− cos(kR)
µ ¶
sin(kr) cos(kr) eiδ0
⇒ A0 (kR) = eiδ0 cos(δ0 ) − sin(δ0 ) = sin(kr + δ0 )
kr kr kr

14.7 Streuung am Zentralpotential

Erinnerung: Radialer Anteil der Schrödinger-Gleichung für rotationssymmetri-


sche Potentiale V (r):
½ µ 2 ¶ ¾
~2 d 2 d `(` + 1)
− + − + V (r) A(r) = EA(r)
2m dr2 r dr r2
Betrachte: ½
−V0 , r < R
V (r) =
0, sonst
so dass Zustände mit

• −V0 < E < 0 gebunden


• E > 0 frei (Streuung).
Definiere für Streuzustände:
1p
k= 2m(E − V (r)), ρ = kr.
~
Dann folgt: µ ¶
d2 2 d `(` + 1)
+ − + 1 A(ρ) = 0.
dρ2 ρ dρ ρ2
` = 0: µ ¶
d2 2 d
+ + 1 A0 (ρ) = 0
dρ2 ρ dρ
hat zwei Lösungen:
sin(ρ)
A0 (ρ) = →1 (ρ → 0)
ρ
cos(ρ)
A0 (ρ) = − → −∞ (ρ → 0).
ρ

7
Inhaltsverzeichnis 28.02.2008

Ansatz für ` > 0: Verhalten für kleine ρ von Veff


(ρ→0)
A` (ρ) −→ ρ` ⇒ A` (ρ) = ρ` χ` (ρ).
Damit folgt:
d2 2(` + 1) d
2
χ` (ρ) + χ` + χ` = 0.
dρ ρ dρ
Differenziere:
d3 2(` + 1) d2 2(` + 1) d d
χ` + χ` − χ` + χ` = 0
dρ3 ρ dρ2 ρ2 dρ dρ
Definiere:
1 d
Ψ` = χ`
ρ dρ
so dass
d2 2(` + 2) d
Ψ` + Ψ` + Ψ ` = 0
dρ2 ρ dρ
⇒ Ψ` = χ`+1 .
Dies ergibt die Rekursionsformel:
µ ¶`
1 d 1 d
χ`+1 = χ` ⇒ χ` = χ0
ρ dρ ρ dρ
Somit existieren zwei linear unabhängige Lösungen für A` :
µ ¶`
` 1 d sin(ρ)
j` (ρ) = (−ρ) (sphärische Bessel-Funktion)
ρ dρ ρ
µ ¶`
1 d cos(ρ)
n` (ρ) = −(ρ)` (sphärische Neumann-Funktion)
ρ dρ ρ
alternativ ausgedrückt (sphärische Hankel-Funktion):
(1) (2) (1)
h` (ρ) = j` (ρ) + in` (ρ), h` (ρ) = h` (ρ)?
⇒ Allgemeine Lösung durch Linearkombinationen.
Kein Beitrag von n` (ρ) zu A(r < R).
Streulösungen: ½ p
q = √ 2m(E + V0 )/~, innerhalb
k = 2mE/~, ausserhalb
so dass ½
Aj` (qr), r<R
A(r) =
Bj` (kr) + Cn` (kr), r > R.
Stetigkeit in r = R:
Aj` (qR) = Bj` (kR) + Cn` (kR)
¯ ¯ ¯
d ¯ d ¯ d ¯
qA j(ρ)¯¯ = kB j` (ρ)¯¯ + kC n` (ρ)¯¯
dρ ρ=qR dρ ρ=kR dρ ρ=kR

so dass
¯ µ ¶¯
q d ¯ k Bd Cd ¯
¯
j` (ρ)¯ = j` (ρ) + n` (ρ) ¯¯
j` (ρ) dρ ρ=qR Bj ` (ρ) + Cn ` (ρ) dρ dρ ρ=kR

¯ µ ¶¯
q ∂ ¯ k ∂ ∂ ¯
j` (ρ)¯¯ = B j` (ρ) + C n` (ρ) ¯¯
j` (ρ) ∂ρ ρ=qR Bj` (ρ) + Cn` (ρ) ∂ρ ∂ρ ρ=kR
¯
(?)
0 0 ¯
j` (ρ) cos(δ` ) − n` (ρ) sin(δ` ) ¯
= k
j` (ρ) cos(δ` ) − n` (ρ) sin(δ` ) ¯ ρ=kR
β`
=
R

8
Inhaltsverzeichnis 28.02.2008

C sin(δ` )
(?) : = − tan(δ` (k)) = −
B cos(δ` )
→ β` eindeutig durch Lösungen für r < R bestimmt.

Beispiel: ` = 0

cos(kR) cos(δ0 ) − sin(kR) sin(δ0 )


q cot(qR) = k
sin(kR) cos(δ0 ) + cos(kR) sin(δ0 )
= k cot(kR + δ0 )
µ ¶
k
⇒ δ0 = arctan tan(qR) − kR
q

14.8 Streulänge

Niederenergieverhalten der Streuamplitude. Nutze

ρ`
j` (ρ) → (ρ → 0)
(2` + 1)!!
(2` − 1)!!
n` (ρ) → − (ρ → 0)
ρ`+1

mit β` → const = βb` ergibt sich

(k→0) ` − βb` (kR)2`+1


tan(δ` ) → ·
(` + 1) + βb` (2` + 1)!!(2` − 1)!!

→ dominanter Beitrag von ` = 0 (s-Welle).


Definiere die Streulänge:
µ ¶
δ0 1
b = − lim f0 (k) = − lim = 1− R
k→0 k→0 k βb`
Berechnung für ein allgemeines Potential aus der radialen Schrödinger-Gleichung
zu ` = 0 und k = 0:
∂2 2m
u0 (r) − 2 V (r)u0 (r) = 0 → βb0 ,
∂r2 ~
daraus folgt der Wirkungsquerschnitt:
Z Z
(k→0) dσ
σtot → σ`=0 = dΩ = |f0 (θ)|2 dΩ = 4πb2 ,
dΩ
für harte Kugel: b = R
⇒ σtot = 4σklass

14.9 Streuresonanzen

Streuphasen im Limes k → 0

(k→0) ` − βb` (kR)2`+1


tan(δ` ) →
(` + 1) + βb` (2` + 1)!!(2` − 1)!!

divergent für (` + 1) + βb` = 0


2n + 1
δ` = π ⇒ sin(δ` ) = ±1
2

9
Inhaltsverzeichnis 28.02.2008

so dass Strahlung in der `-ten Partialwelle resonant wird.


4π(2` + 1)
σ` (k) =
k2
Aufhebung der `-Unterdrückung σ` (k) ∼ k 4` (k → 0) für Partialtopf
¯ r
ρ ∂ ¯ 2mV0
β` (k) = j` (ρ)¯¯ , q= 2
+ k2 .
j` (ρ) ∂ρ ρ=qR ~
Betrachte kleine Energien und ein tiefes Potential: kR ¿ ` ¿ qR.
µ ¶

β` (k) = qR cot qR −
2
Resonanzbedingung: βb` (k) = −(` + 1) erfüllt für:
`π (2n + 1)π ` + 1
qR − ≈ + .
2 2 qR
(n)
Lösungen ergeben Resonanz-Energien En .
Entwickle Streuphase um Resonanz:
¯
1 1 ¯¯ ¡ ¢
= ¯ − C(E − ER ) + G (E − ER )2
tan(δ` ) tan(δ` ) E=ER

mit ¯
d ¯ 2
C=− cot(δ` )¯¯ ≡−
dE E=ER Γ
Streuamplitude in `-ter Partialwelle:
e2iδ` − 1 1
f` (k) = =
2ik k cot(δ` ) − ik
1 1

k [−C(E − ER ) − i]
Γ 1
= −
2 k[(E − ER ) + iΓ/2]
und Beitrag zum Wirkungsquerschnitt
³ 2´
Γ
4π (2` + 1) 2
σ` = 2
k (E − ER )2 + Γ42
Breit-Wigner Resonanzkurve Interpretation:

Resonante Streuung =
b Erzeugung und Zerfall eines Teilchens mit Masse m =
ER /c2 und Lebensdauer τ = ~/Γ und Eigendrehimpuls `.
Teilchenresonanz → Polstelle in f` bei:

E = ER −
2
ergibt Zeitentwicklung der Teilchenresonanz
ΨR ∼ e−iEt/~ = e−iER t/~ e−Γt/~
so dass
|ΨR |2 ∼ e−Γt/~ = e−t/τ
exponentielles Zerfallgesetz.

10
Inhaltsverzeichnis 04.03.2008

15 Zeitabhängige Störungstheorie

15.1 Wechselwirkungsbild

Zerlege den Hamiltonoperator im Schrödingerbild:

HS = H0,S + Hint,S .

Definiere Zustände und Operatoren im freien Heisenbergbild (Wechselwirkungs-


bild):

ΨI = eiH0,S t ΨS
OI = eiH0,S t Oe−iH0 t
⇒ H0,I = H0,S = H0 .

Zeitentwicklung von ΨI :
∂ΨI
i = Hint,I ΨI
∂t
Zeitentwicklung von OI :

i OI = −H0 OI + OI H0 = [OI , H0 ].
∂t

Vergleich der Darstellungen :


Schrödinger-Bild: Zustandsvektor enthält vollständige Zeitabhängigkeit, Ope-
ratoren zeitunabhängig.
Heisenberg-Bild: Zustandsvektoren zeitunabhängig, Heisenberg-Gleichung für
Zeitabhängigkeit der Operatoren.
Wechselwirkungs-Bild: Zeitabhängigkeit der Zustandvektoren nur durch
wechselwirkungsfreie (triviale) Zeitentwicklung der Operatoren.
Definiere Zeitentwicklungtsoperator U (t, t0 ):

ΨI (t) = U (t, t0 )ΨI (t0 )


= eiH0 t ΨS (t) = eiH0 t e−iHS (t−t0 ) ΨS (t0 )
= eiH0 t e−iHS (t−t0 ) e−iH0 t0 ΨI (t0 )
⇒ U (t, t0 ) = eiH0 t e−iHS (t−t0 ) e−iH0 t0 .

Heisenberg-Operator:
OH (t) = U † (t, t0 )OI U (t, t0 )
Zeitentwicklung:

i
U (t, t0 ) = Hint (t)U (t, t0 ),
∂t
äquivalente Integralgleichung:
Z t
U (t, t0 ) = 1 + (−i) Hint (t1 )U (t1 , t0 ) dt1 .
t0

Lösung als Neumann’sche Reihe:


Z t
U (t, t0 ) = 1 + (−i) Hint (t1 ) dt1
t0
Z tZ t1
+(−i)2 Hint (t1 )Hint (t2 ) dt2 dt1
t0 t0
+...
Z tZ t1 Z tn−1
+(−i)n ... Hint (t1 ) . . . Hint (tn ) dtn . . . dt1
t0 t0 t0
+...

11
Inhaltsverzeichnis 06.03.2008

Nutze:
Z tZ t1 Z tZ t
Hint (t1 )Hint (t2 ) dt2 dt1 = Hint (t1 )Hint (t2 ) dt1 dt2
t0 t0 t0 t2
Z t Z t
= Hint (t1 )Hint (t2 ) dt2 dt1
t0 t1

Z tZ t1
⇒2 Hint (t1 )Hint (t2 ) dt2 dt1
t0 t0
Z tZ t Z tZ t
= Hint (t1 )Hint (t2 ) dt1 dt2 + Hint (t2 )Hint (t1 ) dt2 dt1
t0 t2 t0 t1
Z t Z t
= T (H(t1 )H(t2 )) dt2 dt1 ,
t0 t0

T : Zeitgeordnetes Produkt: frühester Zeitpunkt rechts


Verallgemeinerung auf n-ter Term (→ Übung):
Z t Z tn−1
n! ... Hint (t1 ) . . . Hint (tn ) dtn . . . dt1
t0 t0
Z t Z t
= ... T (Hint (t1 ) . . . Hint (tn )) dtn . . . dt1
t0 t0

Daraus: Störungsreihe für Zeitenwicklungsoperator


X∞ Z t Z t
1
U (t, t0 ) = (−i)n ... T (Hint (t1 ) . . . Hint (tn )) dtn . . . dt1 .
n=0
n! t0 t0

Die formale Summation


µ Z t ¶
0 0
U (t, t0 ) = T exp −i Hint (t ) dt
t0

löst die Zeitentwicklungsgleichung


X∞ Z t Z t
∂ 1 n
i U (t, t0 ) = i (−i) n dt1 . . . dtn−1
∂t n=1
n! t0 t0

T (Hint (t1 ) . . . Hint (tn−1 )Hint (t))


X∞
1
= Hint (t) (−i)n−1 ·
n=1
(n − 1)!
Z t Z t
... T (Hint (t1 ) . . . Hint (tn−1 )) dtn . . . dt1
t0 t0
= Hint (t)U (t, t0 ).

15.2 Streumatrix

Streumatrixelemente: Wahrscheinlichkeitsamplituden für Übergang aus An-


fangszustand i in Endzustand f unter Einfluss einer Wechselwirkung. Zeitabhängi-
ger Zustandsvektor: |Ψ(t)i.

12
Inhaltsverzeichnis 06.03.2008

Anfangszustand: limt→−∞ |Ψ(t)i = |ϕi i,


|ϕi i: Eigenzustand des freien Hamiltonoperators.
Streumatrixelement Sf : Projektion des Zustandsvektors auf Endzustand |ϕf i.
|ϕf i: Eigenzustand des freien Hamiltonoperators.

Sf = lim hϕf | Ψ(t)i = hϕf | S | ϕi i


t→∞

ausgedrückt durch Zeitentwicklungsoperator

Sf = lim lim hϕf | U (t2 , t1 ) | ϕi i .


t2 →∞ t1 →−∞

Somit: Streumatrix (-operator):


X∞ Z Z ∞
(−i)n ∞
S = U (+∞, −∞) = ... T (Hint (t1 ) . . . Hint (tn )) dtn . . . dt1 .
n=0
n! −∞ −∞

Unitarität der S-Matrix aus Unitarität von U :

SS † = S † S = 1

ausgedrückt durch Matrixelemente


X
?
Sf n Sin = δf i .
n

Betrachte Entwicklung eines normierten Anfangszustandes |ii:

|Ψ(∞)i = |Ψ(t → ∞)i = S |ii

ausgedrückt durch vollständigen Satz von Endzuständen |f i


X X
|Ψ(∞)i = |f i hf | Ψ(∞)i = |f i Sf i
f f
X X
hΨ(∞) | Ψ(∞)i = Sf?i Sf i = 2
|Sf i | = 1
i f

• Erhaltung der Norm


• Summe aller Übergangswahrscheinlichkeiten
X X
P (i → f ) = |Sf i |2 = 1.
f f

16 Streuung elektromagnetischer Strahlung an


Materie

16.1 Quantisierung des freien Photonfeldes

Erinnerung: Wellengleichung der Potentiale (ED)


∂ ρ
∇A −∆ϕ − =
∂t ε0
µ ¶
1 ∂2 1 ∂
−∆A + 2 2 A + ∇ 2 ϕ + ∇A = µ0 j.
c ∂t c ∂t
Eichfreiheit:

A → A + ∇χ

ϕ → ϕ− χ
∂t

13
Inhaltsverzeichnis 06.03.2008

• Lorentz-Eichung: (Insbesondere für relativistische Formulierung)


1
Wähle χ, so dass 2 ∂t ϕ + ∇A = 0.
c
µ ¶
1 ∂2 ρ
⇒ ∆− 2 2 ϕ = −
c ∂t ε0
µ ¶
1 ∂2
∆ − 2 2 A = −µ0 j.
c ∂t

• Coulomb-Eichung: (insbesondere für statische oder nicht-relativistische


Quellen)
Wähle χ so, dass ∇A = 0.
⇒ Entkoppelt skalares Potential
Z
ρ 1 ρ(x0 , t) 3 0
∆ϕ = − ⇒ ϕ(x, t) = d x
ε0 4πε0 |x − x0 |
µ ¶
1 ∂2 1 ∂ϕ
∆A − A = −µ0 j + 2 ∇ .
c2 ∂t2 c ∂t

Weiter vereinfacht durch Zerlegung von j = j` + jt , wobei


j` : longitudinal, ∇ × j` = 0
jt : transversal, ∇ · jt = 0.
Nutze Kontinuitätsgleichung
Z
∂ϕ 1 ∇x0 · j` (x0 )
=− dx0
∂t 4πε0 |x − x0 |
so dass
1 ∂2
∆A − A = −µ0 jt .
c2 ∂t2
A rein transversal ⇔ ∇A = 0.
Betrachte Feld in Abwesenheit von Ladungen ρ = 0, j = 0.
Coulomb-Eichung: ∆ϕ = 0, ϕ → 0 (|x| → ∞) ⇒ ϕ = 0.
A erfüllt freie Wellengleichung:
µ ¶
1 ∂2
∆ − 2 2 A = 0.
c ∂t

Allgemeine Lösung ist Superposition ebener Wellen:


X Z
1 ¡ ¢
A(x, t) = 3
cα (k, t)εα (k)eikx + c?α (k, t)ε?α (k)e−ikx d3 k
α=1,2
(2π)

mit
k · εα (k) = 0, εα (k)ε?β (k) = δαβ .
Wellengleichung für Fourier-Koeffizienten:

∂2 2
cα (k, t) + (|k|c) cα (k, t) = 0.
∂t2
Daraus folgt:
cα (k, t) = cα (k)e−iωk t .
Hamilton-Funktion des freien Feldes:
Z
ε0 ¡ 2 2 ¢
H = c B + E2 d3 x
2
Z Ã µ ¶2 !
ε0 ∂A
= 2 2
c (∇ × A) + d3 x.
2 ∂t

14
Inhaltsverzeichnis 11.03.2008

Nutze:

(∇ × A)2 = εijk ∇j Ak · εij 0 k0 ∇j 0 Ak0


= (δjj 0 δkk0 − δjk0 δkj 0 )∇j Ak ∇j 0 Ak0
= ∇j Ak ∇j Ak − ∇j Ak ∇k Aj

partielle Integration → −Ak ∆Ak + Ak ∇j ∇k Aj


Z õ ¶2 !
ε0 ∂A ∂2
H = − A 2A
2 ∂t ∂t
Z
ε0 X 3
d k d k 3 0
= d3 x ·
2 0
(2π)3 (2π)3
α,α
½
¡ ¢
−iωk cα (k, t)εα (k)eikx + iωk c?α (k, t)ε?α (k)e−ikx
³ 0 0
´
−iωk0 cα0 (k0 , t)εα0 (k0 )eik x + iωk0 c?α0 (k0 , t)ε?α0 (k0 )e−ik x
¡ ¢
− cα (k, t)εα (k)eikx + c?α (k, t)ε?α (k)e−ikx
³ ´¾
2 0 0 ik0 x 2 ? 0 ? 0 −ik0 x
−ωk0 cα0 (k , t)εα0 (k )e − ωk0 cα0 (k , t)εα0 (k )e

Nutze: Z
0
ei(k±k )x d3 x = (2π)3 δ 3 (k ± k0 ).

Dann gilt:
Z
ε0 X d3 k
H = ·
2 (2π)3
αα0
½
¡ 2
¢
−ωk ω−k + ω−k cα (k, t)cα0 (−k, t)εα (k)εα0 (−k)
¡ 2 ¢
+ ωk + ωk2 cα (k, t)c?α0 (k, t)εα (k)ε?α0 (k)
¡ ¢
+ ωk2 + ωk2 c?α (k, t)cα0 (k, t)εα (k)ε?α0 (k)
¾
¡ 2
¢ ? ? ? ?
+ −ωk ω−k + ω−k cα (k, t)cα0 (−k, t)εα (k)εα0 (−k)

nutze εα (k) · ε?α0 (k) = δαα0 , ωk = ω−k .


X 1 Z
H = 2ε0 3
c?α (k, t)cα (k, t)ωk2 d3 k
α
(2π)
X 1 Z
≡ 3
~ωk a†α (k, t)aα (k, t) d3 k
α
(2π)

mit p
aα (k, t) = 2ε0 ωk /~cα (k, t).

Interpretation:
• Photon-Mode mit festem k erfüllt Bewegungsgleichung des harmonischen
Oszillators mit Frequenz ωk = |k|c.
• Postulat: Mode mit festem k wird durch Energiequanten ~ωk beschrieben.
• Ignoriere Nullpunktsenergie (reiner Normalisierungsfaktor).
In Analogie zum harmonischen Oszillator gilt dann:
1. a†α (k) erzeugt ein Photon mit Wellenzahlvektor k, Energie ~ωk und Pola-
risationsvektor ε?α (k); aα (k) vernichtet ein solches Photon.

15
Inhaltsverzeichnis 11.03.2008

2. Es gelten die Vertauschungsregeln:

[aα (k), aα0 (k0 )] = [a†α (k), a†α0 (k0 )] = 0


h i
aα (k), a†α0 (k0 ) = (2π)3 δ 3 (k − k0 )δαα0 .

3. Die Zeitabhängigkeit der Erzeuger und Vernichter ist gegeben durch

aα (k, t) = aα (k)e−iωk t .

Photonfeld (als Feldoperator):


r
X 1 Z ~
A(x, t) = 3
·
α
(2π) 2ε 0 ωk
³ ´
aα (k)εα (k)ei(kx−ωt) + a†α (k)ε?α (k)e−i(kx−ωt) d3 k

ist Operator im Heisenbergbild



i~ A(x, t) = [A(x, t), H]
∂t
mit Z
X 1
H= ~ωk a†α (k)aα (k) d3 k
α
(2π)3

4. Einteilchenzustände im Heisenbergbild (Ortsdarstellung):


r
(1) ~
ϕk,α (x) = ε? (k)e−ikx .
2ε0 ωk α

Zustandsraum der Photonen (Fockraum)


Besetzungszahldarstellung:
|0i: Vakuum
a†α (k) |0i = |1(k, α)i: Ein-Photon Zustand.
Zwei-Photon Zustände:

a†α1 (k1 )a†α2 (k2 ) |0i = |1(k1 , α1 ); 1(k2 , α2 )i


1
√ a†α1 (k1 )2 |0i = |2(k1 , α1 )i .
2
Allgemein:

a†αi (ki ) |n1 (k1 , α1 ); . . . ; ni (ki , αi ); . . .i



= ni + 1 |n1 (k1 , α1 ); . . . ; (ni + 1)(ki , αi ); . . .i .

Energie eines Photonzustandes mit Besetzungszahlen ni :

h. . . ; ni (ki , αi ); . . . | H | . . . ; ni (ki , αi ); . . .i
X 1 Z ­ ®
= 3
~ωk . . . ; ni (ki , αi ); . . . | a†α (k)aα (k) | . . . ; ni (ki , αi ); . . . d3 k
α
(2π)

(a†α (k)aα (k) 6= 0 nur für k = ki ; dann ist a† a = ni )


Z
d3 k X X
h. . . ; ni (ki , αi ); . . . | H | . . . ; ni (ki , αi ); . . .i = ni (ki , αi )~ωki .
(2π)3 i α=1,2

16
Inhaltsverzeichnis 13.03.2008

16.2 Spin des Photons

Betrachte das Transformationsverhalten des Ein-Photon Zustands unter Rota-


tion um die z-Achse:
i
U (R(nz , δθ)) = 1 − δθ · Jz + . . . ,
~
Jz : z-Komponente des Gesamtdrehimpulses; generiert infinitesimale Rotation
um die z-Achse.
Wähle k k ez und zirkular polarisierte Photonen:
 
1
1 
ε± (k) = ∓ √ ±i  , k · ε± = 0.
2 0

Infinitesimale Drehung:
 
0
Rij = δij − δθεijk nk , n= 0 
1
δε± = Rε± − ε± = −δθεijk ε±j nk
 
±i
1
= −δθεijz ε±j = ± √  −1 
2 0
= ∓iδθε± .

Somit gilt:
i
δ (|1(k, ε± )i) = − δθJz |1(k, ε± )i
~
= ∓iδθ |1(k, ε± )i
⇒ Jz |1(k, ε± )i = ±~ |1(k, ε± )i

• |1(k, ε± )i sind Eigenfunktionen von Jz zu Eigenwerten ±1.


• |1(k, ε± )i sind m = ±1 Komponenten eines Teilchens mit Spin 1.
• m = 0 Komponente fehlt aufgrund von k · ε = 0.

16.3 Wechselwirkung des quantisierten elektromagnetischen


Feldes mit Materie

Betrachte ein System von N Punktladungen qi und ein elektromagnetisches Feld


in Coulomb-Eichung.
Klassische Hamilton-Funktion:
X (pi − qi A)2
H = + HFeld ,
i
2m
Z
ε0
HFeld = (E2 + c2 B2 ) d3 x.
2
Anwesenheit der Ladungen erzeugt Potential
1 X qi
ϕ(x) = .
4πε0 i |x − xi |

Elektrisches Feld besitzt longitudinale Komponente


∂A
E = −∇ϕ −
| {z } | {z
∂t}
E `
Et

17
Inhaltsverzeichnis 13.03.2008

da ∇A = 0. Es gilt:
Z Z Z
3 3
2
E d x= E2` d x+ E2t d3 x.

Nutze:
Z Z
E` (−∇ϕ) d3 x = (∇E` )ϕ d3 x
Z
1
= ρϕ d3 x
ε0
Z Z
1 X qi qj
E2 d3 x = + E2t d3 x.
4πε20 |xi − xj |
i6=j

Hamiltonfunktion:
X (pi − qi A)2 1X qi qj
H = +
i
2m 2 4πε0 |xi − xj |
i6=j
| {z }
Coulomb-Wechselwirkung
Z
ε0
+ (E2t + c2 B2 ) d3 x
2
| {z }
wie zuvor

Hamiltongleichungen
∂H ∂H
, ẋi =
ṗi = −
∂pi ∂xi
ergeben Gleichung für Lorentzkraft auf Teilchen im elektromagnetischen Feld:
Fi = mẍi = qi [E + ẋi × B] .
Beachte:
mẋ = pi − qi A,
ẋ: kinetischer Impuls,
pi : kanonischer Impuls der Hamiltonmechanik.
Quantentheorie
xi , pi → Operatoren, welche [xi , pj ] = i~δij erfüllen.
A → Feldoperator des elektromagnetischen Feldes.
• Hier: Geladene Materieteilchen durch Orts- und Impulsoperatoren darge-
stellt, nicht durch Feldoperatoren.
• Eichtransformation
A → A + ∇χ
pi → pi + qi ∇χ
lässt kinetischen Impuls invariant.
• Elektronen wechselwirken auch mittels ihres Spins mit dem Magnetfeld:
X³ e ´
Hspin = − − g Si · (∇ × A)
i
2m

(Elektronladung qi = −e).
Hamiltonoperator für Atom (einschliesslich Kern):
H = H0 + Hint + Hspin (+HWW Kern-Feld )
X p2 Z X Z
p2Kern i Ze2
H0 = + −
2MKern i=1 2m i=1 4πε0 |xi − xKern |
Z
1X e2 ε0
+ + (E2t + c2 B2 ) d3 x.
2 4πε0 |xi − xj | 2
i6=j

18
Inhaltsverzeichnis 13.03.2008

Die ersten vier Terme beschreiben Atomniveaus und Feinstruktur, der letzte
Term berschreibt die Feldenergie.
XZ
e e2 2
Hint = (pi A + Api ) + A ,
i=1
2m 2m

1. Term: Wechselwirkung der Atomelektronen mit dem Strahlungsfeld.


Coulomb-Eichung: ∇A = 0 ⇒ pA = Ap.

16.4 Spontane Emission und Lebensdauer von angeregten


Atomen

H = H0 + Hint (t)
Eigenzustände von H0 (keine WW)
|Atomzustandi ⊗ |Photonfeldzustandi
|A; n1 (k1 , α1 ); n2 (k2 , α2 ); . . .i
• Vereinfachende Annahme: Nur eine Photonmode (k, α) gesetzt.
• Behandle Hint (t) in zeitabhängiger Störungstheorie in erster Ordnung in
eA.
→ eA linear in a, a† : Ein-Photon Übergänge.
a) Absorption eines Photons.
hB ; (n − 1)(k, α) | Hint (t) | A; n(k, α)i
Z s Z
e X 1 ~ X
= 0 ·
m 0 (2π)3 2ε0 ωk i=1
α
D 0
E
B; (n − 1)(k, α) | aα0 (k0 , t)eik x pi εα0 (k0 ) | A; n(k, α) d3 k 0 .

Nutze:
h (n − 1)(k, α) | aα0 (k0 , t) | n(k, α) i
p
= n(k, α)e−iωk t (2π)3 δαα0 δ 3 (k − k0 )
⇒ hB ; (n − 1)(k, α) | Hint (t) | A; n(k, α) i
r Z
e ~ p X ­ ¯ ikxi ¯ ®
= n(k, α) B ¯e pi εα (k) ¯ A e−iωk t .
m 2ε0 ωk i=1

b) Emission eines Photons.


h B;(n + 1)(k, α) | Hint (t) | A; n(k, α) i
r Z
e ~ p X ­ ¯ −ikxi ¯ ®
= n(k, α) + 1 B ¯e pi ε?α (k) ¯ A eiωk t .
m 2ε0 ωk i=1

p
• Absorption eines Photons ∼ n(k, α)
→ erfolgt nur, wenn n(k, α) > 0.
p
• Emission eines Photons ∼ n(k, α) + 1
→ findet auch statt, wenn n(k, α) = 0:
Spontane Emission: Neuer Effekt aufgrund der Quanteneigenschaft des
Photonfeldes (nicht vorhanden für klassisches Strahlungsfeld der QMI).
→ wächst für grösser werdendes n(k, α).
Stimulierte Emission: Neuer Effekt aufgrund der Quanteneigeschaft;
Grundlage für LASER (Light Amplification by Stimulated Emission of
Radiation).

19
Inhaltsverzeichnis 18.03.2008

Berechne Lebensdauer des Zustands A → B + γ.


Annahme: Hint (t) nur in Zeitintervall [−τ, τ ], τ → ∞.
Übergangswahrscheinlichkeit:
¯Z
1 ¯¯ τ i(EB −EA )t/~ iωk t e
PA→B+γ(k,α) = e e ·
~2 ¯ −τ m
r ¯2
~ p X­ ¯ ¯ ® ¯¯
n(k, α) + 1 B ¯e−ikx i
pi εα (k) ¯ A dt¯
?
2ε0 ωk ¯
i

Zeitintegral quadriert:
4 sin2 [(ωBA + ωk )τ ] (τ →∞)
→ 4πτ δ(ωBA + ωk ).
(ωBA + ωk )2

Übergangswahrscheinlichkeit
Übergangsrate =
Zeit
µ ¶ 2
2π EB − EA e ~
RA→B+γ(k,α) = δ + ωk 2
·
~ ~ m 2ε0 ωk
¯ ¯2
¯p X­ ¯ ¯ ®¯¯
¯
¯ n(k, α) + 1 B ¯e−ikx i
pi εα (k) ¯ A ¯
?
¯ ¯
i

1
Beachte: λ ∼ ∼ 100nm À rAtom ∼ 0, 1nm
|k|

⇒ |k · x| ¿ 1 ⇒ e−ikxi ' 1 + . . .
(elektrische Dipolnäherung).
Totale Zerfallsrate: Summation über alle Zerfallskanäle
1 X X 1 Z X
RA→B+γ = RA→B+γ(k,α) d3 k
2JA + 1 m m (2π)3 α
JA JB

A ∼ nA JA mJA
| {z } |{z}
fest entartet
B ∼ nA JA mJB
| {z } |{z}
fest entartet

A ist mit gleicher Wahrscheinlichkeit in jedem magnetischen Unterniveau →


Mittelung (modifiziert, falls A in E- oder B-Feld).
Für H-Atom (ein Elektron):
hnB , `B , jB , mB | pε?α (k) | nA , `A , jA , mA i
(?)
= imωBA hnB , `B , jB , mB | xε?α (k) | nA , `A , jA , mA i
· ¸
i~p p2
(?) : = x, = [x, H0 ].
m 2m
Nutze: Z Z
1 3 1 ³ ωBA ´2 1
δ (ωBA + |k|c) d k = dΩ(k)
(2π)3 c c (2π)3
mit d3 k = |k|2 dkdΩk und |k| = −ωBA /c.
Somit gilt:
X X Z
1 1 2π e2
RA→B+γ =
2JA + 1 m ,m α
(2π)3 ~2 m2
JA JB

2
~ ωBA 2
m2 ωBA
2
|hB | xεα (k) | Ai| d3 k.
2ε0 (−ωBA ) c3

20
Inhaltsverzeichnis 20.03.2008

Berechne:
X Z
1
ε?α (k)i εα (k)j |hB | xi | Ai| · |hB | xj | Ai| dΩ(k).
α
(2π)3

Verwende (→ Übung):
X ki kj
ε?α (k)i εα (k)j = δij − ,
α
|k|2
Z
dΩ(k) = 4π,
Z
ki kj 4π
dΩ(k) = δij
|k|2 3
1 8π
= |hB | xi | Ai| · |hB | xi | Ai|
(2π)3 3 | {z }
=x2BA

so dass
1 X e2 4 |ωBA |3 2
RA→B+γ = xBA
2JA + 1 m ,m 4πε0 ~c 3 c2
JA JB

mit
e2 1
=α'
4πε0 ~c 137
(Sommerfeld-Feinstrukturkonstante). Auswahlregeln:
hB | xi | Ai =
6 0 nur, wenn A und B verschiedene Parität haben.
Beispiel. Lebensdauer des 2p-Niveaus: Einzig erlaubter Zerfall ist 2p → 1s
(vernachlässige Spin-Bahn Kopplung → 2p 6-fach entartet).
Zustandsvektor:
|n, `, m` ; 1/2, ms i
2p : |2, 1, m` ; 1/2, ms2 i , m` ∈ {−1, 0, 1}, ms2 ∈ {±1/2}
1s : |1, 0, 0; 1/2, ms1 i , ms1 ∈ {±1/2}

h 1, 0, 0;1/2, ms1 | xi | 2, 1, m` ; 1/2, ms2 i


Z
= δms1 ms2 xi Ψ100 (x)Ψ21m` (x) d3 x.

Aus der QM I wissen wir:


2
Ψ100 (x) = p e−r/a0 Y00 (b x)
a30
1
Ψ21m` (x) = p re−r/(2a0 ) Y1m` (b
x)
24a50
~
mit a0 = (Bohrradius). Somit folgt:
mcα
h 1, 0, 0;1/2, ms1 | xi | 2, 1, m` ; 1/2, ms2 i
Z Z ∞
1 1 1
= δms1 ms2 √ x
bi Y1m` (bx) √ 4 r4 e−3r/(2a0 ) dr dΩ
4π 6 a0 0
Z
256 1
= δms1 ms2 √ a0 √ x
bi Y1m` (bx) dΩ
81 6 4π
Z Z
32768 2 1 1
⇒ x2BA = a0 δms1 ms2 √ x x) √
bi Y1m` (b dΩ x b0i Y1m
?
x0 ) dΩ0
0 (b
19683 4π 4π `

32768 2 1
= a0 δms1 ms2 δm` m0`
19683 3
µ ¶3
1 4 3 mc2 2 1 32768 2
⇒ R2p→1s+γ = 6 α 2 α a .
6 3c 8 ~ 3 19683 0

21
Inhaltsverzeichnis 20.03.2008

Lebensdauer des 2p-Niveaus:


1 6561 ~
τ2p = = = 1, 59 · 10−6 s.
R2p→1s+γ 256α5 me c2

Korrekturen hierzu: unterdrückt um O(α)


• höhere Ordnung Störungstheorie
• höhere Ordnung Multipolentwicklung

e−ikxi = 1
|{z} −ikxi + . . .
E1 (el. Dipol)

k: E2 (Quadrupol)
P e
Zusammen mit erstem Term der Entwicklung Spin-Wechselwirkung i m SB

M1 (magnetischer Dipol)

Auswahlregeln: Zerfall eines angeregten Zustands AJ 0 (Gesamtdrehimpuls


J 0 ) in Zustand AJ (Gesamtdrehimpuls J)

AJ 0 → AJ + γ.

Drehimpulsänderung
|j 0 − `| ≤ j ≤ |j 0 + `|.
Paritätsänderung:

 E` M`
AJ = AJ 0 −AJ 0 ` gerade

−AJ 0 AJ 0 ` ungerade

16.5 Streuung von Licht an Atomen

Betrachte: Anfangszustand (t = −∞) |A; (k, α)i


Endzustand (t = +∞) |B; (k0 , α0 )i |A; (k, α)i und |B; (k0 , α0 )i sind Eigenzustände

von H0 = H0Atom + H0Feld ⇒ Produktzustände.


Suche:
hB; (k0 , α0 ) | US (∞, −∞) | A; (k, α)i
mit
XZ µ ¶
e e2 2
Hint = Ap + A .
i=1
m 2m
Betrache:
• Terme erster Ordnung

A ∼ a + a† ⇒ |A; (k, α)i → |B, 0γi , |B, 2γi

→ kein Beitrag erster Ordnung.

22
Inhaltsverzeichnis 20.03.2008

• Terme zweiter Ordnung


e2 2
a) A -Term enthält aa† und a† a.
2m
e R
b) Zweimal Ap anwenden gibt den Beitrag der Ordnung e2 zu Hint Hint
m
in U .
Berechnung:
• Beachte: US = U0 UI mit U0 = e−iH0 t/~
• H0 = H0Atom + H0Feld
• Hint im Wechselwirkungsbild
→ A ist freier Heisenbergoperator
Atom Atom
Hint,I = eiH0 t/~ Hint e−iH0 t/~

= (U0Atom )† Hint U0Atom

a)
Z tf
i
− hB; (k0 , α0 ) | U0 (tf , ti )(U0Atom )† (t, ti )
~ ti
e2 2
A (x, t)U0Atom (t, ti ) | A; (k, α)i dt
2m
mit

h (k0 , α0 ) | A2 (x, t) | (k, α) i


s s
X Z d3 k1 d3 k2 ~ ~
= 3 3
α1 ,α2
(2π) (2π) 2ε0 ωk1 2ε0 ωk2
½
εα1 (k1 )ei(k1 x−ωk1 t) ε?α2 (k2 )e−i(k2 x−ωk2 t)
­ ®
0 | aα0 (k0 )aα1 (k1 )a†α2 (k2 )a†α (k) | 0
+ ε?α1 (k1 )e−i(k1 x−ωk1 t) εα2 (k2 )ei(k2 x−ωk2 t)
­ ®
0 | aα0 (k0 )a†α1 (k1 )aα2 (k2 )a†α (k) | 0
¾
+ Terme, welche zu viel a oder a† haben
r r
~ ~ 0
= e−i((k −k)x−(ωk0 −ωk )t) 2ε?α0 (k0 )εα (k)
2ε0 ωk 2ε0 ωk 0

[t → t − ti (A in freiem Heisenbergbild)]
und
EA
(U0Atom )† (t, ti ) = ei ~ (t−ti )


U0Atom (t, ti ) = e−i ~ (t−ti )
“ ”
EB
−i +ωk0 (tf −ti )
U0 (tf , ti ) = e ~

daraus a)
“ ”
E
−i ~B +ωk0 tf i( Eα +ωk )ti
= e r e
~
r
µ ¶
i e2 ~ ~
− 2ε? 0 (k0 )εα (k)
~ 2m 2ε0 ωk 2ε0 ωk0 α
D 0
E Z tf
B | e−i(k−k )x | A ei/~·t(EB +~ωk0 −(EA +~ωk )) dt
ti

23
Inhaltsverzeichnis 01.04.2008

b)
µ ¶2 Z tf Z t1
i
− hB; (k0 , α0 ) | U0 (tf , ti )(U0Atom )† (t1 , ti )
~ ti ti
e
A(x, t1 )pU0Atom (t1 , ti )
m
e
(U0Atom )† (t2 , ti ) A(x, t2 )pU0Atom (t2 , ti ) | A; (k, α)i dt2 dt1 .
m
Zwei Möglichkeiten:
a†α0 (k0 , t1 )aα (k, t2 )
oder
aα (k1 , t1 )a†α0 (k, t2 ).
Dies ergibt:
µ ¶2 Z tf Z t1 ³ ´ r r “ ”
i e 2 ~ ~ E
−i ~B +ωk0 (tf −ti )
− e
~ ti ti m 2ε0 ωk 2ε0 ωk0
½
e−iωk t2 eiωk0 t1 ei(ωk −ωk0 )ti
0
hB | (U0Atom )† (t1 , ti )e−ik x pε?α0 (k0 )U0Atom (t1 , ti )
(U0Atom )† (t2 , ti )eikx pεα (k)U0Atom (t2 , ti ) | Ai
+ e−iωk t1 eiωk0 t2 ei(ωk −ωk0 )ti
hB | U0Atom (t1 , ti )eikx pε?α (k)U0Atom (t1 , ti )
¾
0
(U0Atom )† (t2 , ti )e−ik x pεα0 (k)U0Atom (t2 , ti ) | Ai dt2 dt1

P
Man füge (an den markierten Stellen) ein vollständiges System N |N i hN | = 1
von atomaren Zuständen ein (enthält Integration über kontinuierliches Spek-
trum der Streuzustände von H Atom )
“ ” “ ” µ ¶2 ³ ´
E E
−i ~B +ωk0 tf i ~A +ωk ti i e 2
b) = e e −
~ m
r r Z tf Z t1
~ ~
dt1 dt2
2ε0 ωk 2ε0 ωk0 ti ti
½X
ei/~·t1 (EB +~ωk0 −EN ) ei/~·t2 (EN −(EA +~ωk ))
N
D ¯ ¯ E­ ¯ ¯ ®
¯ 0 ¯
· B ¯ e−ik x pε?α0 (k0 ) ¯ N N ¯ eikx pεα (k) ¯ A
X
+ ei/~·t1 (EB −~ωk −EN ) ei/~·t2 (EN −(EA −~ωk0 ))
N
¾
­ ¯ ikx ¯ ® D ¯¯ −ik0 x ? 0 ¯¯ E
¯ ¯
· B e pεα (k) N N ¯ e pεα0 (k ) ¯ A

⇒ Zeitabhängigkeit nun explizit


t2 -Integral ¯t =t
Z t1
i/~·t1 ∆E ~ i/~·t2 ∆E ¯¯ 2 1
e dt2 = e ¯ .
ti i∆E t2 =ti

24
Inhaltsverzeichnis 03.04.2008

Beitrag von t2 = ti : Artefakt der Annahme, dass Hint (t) plötzlich (das heisst
zu t2 = ti ) einsetzt. Falls Hint (t) adiabatisch einsetzt

Hint (t) → Hint (t) · f (t) mit f (t) → 0

für |t| → ∞: kein Beitrag. Somit folgt:


“ ” “ ”
EB EA
−i f +ω 0 kt ii +ω t
b) = e ~ k
e ~
µ ¶2 ³ ´ r r
i ~ e 2 ~ ~
· −
~ i m 2ε0 ωk 2εωk0
D E­ ®
·
X B|e −ik0 x
pεα0 (k0 ) | N N | eikx pεα (k) | A
?

EN − (EA + ~ωk )
N
­ ®D E
B | eikx pεα (k) | N N | e−ik x pε?α0 (k0 ) | A ¸
0

+
EN − (EA − ~ωk0 )
Z tf
ei/~·t1 (EB +~ωk0 −(EA +~ωk )) dt1
ti

Interpretation:

eikx pε : Absorption
−ikx
e pε? : Emission

Zeitintegral wie zuvor (Fermi’s Goldene Regel):

¯Z ¯2
1 ¯¯ tf i/~·t(EB +~ωk0 −(EA +~ωk )) ¯¯
e dt
tf − ti ¯ ti ¯
µ ¶
(tf ,ti →∞) EB
= 2πδ + ωk0 − (EA + ~ωk )
~

Energieerhaltung im Streuprozess. Daraus: Übergangsrate Rγ(k,α)+A→γ(k0 ,α0 )+B


1 1
[R] = : aufgrund der Normierung des einlaufenden Zustands (2-Teilchen)
s m3
µ ¶ 3 0
2π EB − EA d k
Rγ(k,α)+A→γ(k0 ,α0 )+B = 2 |T |2 δ + ωk0 − ωk
~ ~ (2π)3
3
d k 0 0 0 0
[ (2π)3 : Anzahl γ im k -Intervall [k , k + dk ]]

mit Matrixelement
µ ¶2 ½¯ D ¯ ¯ E
e2 ~ ¯
2
|T | = √ ¯ B ¯¯e−i(k0 −k)x ¯¯ A ε?α0 (k0 )εα (k)
2mε0 ωk ωk0 ¯
D E
X · B | e−ik x pε? 0 (k0 ) | N ­N | eikx pε (k) | A®
0

1 α α

m EN − (EA + ~ωk )
N
­ ®D E
B | eikx pεα (k) | N N | eik x pε?α0 (k0 ) | A ¸¯¯¾2
0

+ ¯
EN − (EA − ~ωk0 = ¯

25
Inhaltsverzeichnis 03.04.2008

Differentieller Wirkungsquerschnitt:
dσ Zahl der in dΩ gestreuten Photonen pro Zeit
=
dΩ Zahl der einlaufenden Photonen pro Zeit und Fläche
1 dRγ+A→γ+B
=
einlaufender Photonfluss φγ dΩ
Photondichte
φγ = · Geschwindigkeit der Photonen
Volumen
0
hk, α | k , αi
= ·c
V
Z 3
(2π)2 δ 3 (0) d x
= = =1
V V
d3 k 0 d|k0 ||k0 |2 dΩ
=
(2π)3 (2π)3
Z µ ¶
dσ d|k0 ||k0 |2 2π 1 2 EB − EA
⇒ = |T | δ ωk0 − ωk +
dΩ (2π)3 ~2 c ~
2
ωk0
= |T |2
(2π~c2 )2 ωk0 =ωk −(EB −EA )/~
µ ¶2 n¯D ¯ ¯ E ¯o2
α~ ωk0 ¯ ¯ 0 ¯ ¯
= ¯ B ¯e−i(k −k)x ¯ A . . .¯
mc ωk
|{z}
ω 0
|k0 |= k fest
c

(Kramers-Heisenberg Formel)
• {| . . . |}2 ist dimensionslos und von Grössenordnung 1.
dσ α~
• Für ωk0 ' ωk : Grössenordnung von dΩ bestimmt durch r02 mit r0 = mc '
2, 8 · 10−15 m.
(klassischer Elektronenradius)

16.6 Rayleigh-Streuung

Grenzfall:
• A im Grundzustand
• ωk ¿ EN −E
~
A

⇒ Das Atom ist nach der Streuung wieder im Grundzustand, das heisst
B = A und ωk0 = ωk .
0 (0 )
• |k( ) x| ¿ 1 ⇒ e∓ik x
' 1 (Dipolnäherung)

0 1 X
hB|e−i(k −k)x |Ai ε?α0 (k0 )εα (k) − (. . .)
m
N
µ
1 hA | pε?α0 (k0 ) | N i hN | pεα (k) | Ai
= hA | Ai ε?α0 (k0 )εα (k) −
m EN − EA − ~ωk

hA | pεα (k) | N i hN | pε?α0 (k0 ) | Ai
+
EN − EA + ~ωk

Nutze:
1
hA | Ai ε?α0 (k0 )εα (k) = hA | [xε?α0 (k0 ), pεα (k)] | Ai
i~ µ
1 X
= hA | xε?α0 (k0 ) | N i hN | pεα (k) | Ai
i~
N

− hA | pε?α (k) | N i hN | xε?α0 (k) | Ai

26
Inhaltsverzeichnis 03.04.2008

und
m
p
[x, H0 ] =
i~
i ~
⇒ hN | x | M i = hN | p | M i
m EM − EN
1 X 1
⇒ hA | Ai ε?α0 (k0 )εα (k) =
m EN − EA
N
½ ¾
· hA | pε?α0 (k0 ) | N i hN | pεα (k) | Ai + hA | pεα (k) | N i hN | pε?α0 (k0 ) | Ai

Dann gilt:
0 1 X
hB|e−i(k −k)x |Ai ε?α0 (k)εα (k) − (. . .)
m
N
µ
1 X ~ωk hA | pε?α0 (k0 ) | N i hN | pεα (k) | Ai
=−
m (EN − EA )(EN − EA − ~ωk )
N
~ωk hA | pεα (k) | N i hN | pε?α0 (k0 ) | Ai

(EN − EA )(EN − EA + ~ωk )

Entwickle:
µ ¶
1 1 ~ωk
= 1± + ...
EN − EA ± ~ωk EN − EA EN − EA

(führender Term fällt weg)


Dann gilt:
0 1 X
hB|e−i(k −k)x |Ai ε?α0 (k)εα (k) − (. . .)
m
N
2 X µ
~ ωk2 1
=− hA | pε?α0 (k0 ) | N i hN | pεα (k) | Ai
m (EN − EA )3
N

+ hA | pεα (k) | N i hN | pε?α0 (k0 ) | Ai
1
= ωk2 αα0 )2
,
(ωA
0
αα
ωA : Eigenschaft des Atoms.
αα0 EN − EA
Grössenordnung von ωA ' À ωk
~
µ ¶4
dσ ωk
⇒ ' r02 αα0
dΩ ωA

Rayleigh-Streuquerschnitt wächst mit 4. Potenz der einfallenden Frequenz.

16.7 Thomson-Streuung

Grenzfall: ~ωk À EB − EA
EB − EA
⇒ ωk0 = ωk − ' ωk
~
aber keine Ionisation.
Beiträge:
dσ ¯D ¯ ¯ E¯2
¯ ¯ 0 ¯ ¯ 2
' r02 ¯ B ¯ e−i(k −k)x ¯ A ¯ |ε?α0 (k0 )εα (k)|
dΩ

27
Inhaltsverzeichnis 08.04.2008

EB − EA
|k0 − k| = ist immer noch klein gegen den Atomradius.
c
¯D ¯ ¯ E¯2
¯ ¯ 0 ¯ ¯ 2
⇒ ¯ B ¯ e−i(k −k)x ¯ A ¯ ' |hB | Ai| = 1

dσ 2
= r02 |ε?α0 (k0 )εα (k)|
dΩ
Betrachte Polarisation des gestreuten Lichts (lineare Polarisationsbasis)

k k ez

   
1 0
εα=1 =  0 , εα=2 =  1 
0 0
   
sin(ϕ) cos(θ) cos(ϕ)
εα0 =1 =  cos(ϕ)  , εα0 =2 =  cos(θ) sin(ϕ) 
0 − sin(θ)

Betrachte: einfallendes Licht linear polarisiert (α = 1)


½
dσ 2 sin2 (ϕ), α0 = 1
⇒ = r0 2 2
dΩ cos (θ) cos (ϕ), α0 = 2

Einfallendes Licht unpolarisiert


¯ Z 2π ¯ ½
dσ ¯¯ 1 dσ ¯¯ 2 1/2, α0 = 1
= dϕ = r
dΩ ¯unpol. 2π 0 dΩ ¯pol. 0 1/2 cos (θ), α0 = 2
2

⇒ für θ = 90o : auslaufendes Photon vollständig linear polarisiert εα0 ⊥ k und


εα0 ⊥ k0
Summation über Polarisation im Endzustand
dσ̄ r2 ¡ ¢ 8πr02
= 0 1 + cos2 (θ) ⇒ σ = = 6, 65 · 10−25 cm2 .
dΩ 2 3
1
Anmerkung: σ ∼ r02 ∼ m2
µ ¶2
σKern me
⇒ ' . 10−6
σElektron mKern

(Vernachlässigung des geladenen Atomkerns gerechtfertigt)

28
Inhaltsverzeichnis 10.04.2008

16.8 Resonanzphänomene

Bisherige Annahme: Energie des Zwischenzustandes En 6= EA + ~ωk .


Notwendig in t2 -Integral
Z t1
~
ei/~·t2 (En −(EA +~ωk )) dt2 = ei/~·t2 (En −(EA +~ωk ))
ti i(En − (EA + ~ωk ))
→ divergent für EN = EA + ~ωk .
Dominanter Betrag zum Zeitintegral aus dem Intervall
~
t1 − t2 .
En − (EA + ~ωk )
⇒ typische Verweildauer vom angeregten Zustand N für EN ≈ EA + ~ω :

t1 − t2 & τN (Lebensdauer von N )


bislang: τN vernachlässigt.
Auswirkung einer endlichen Lebensdauer auf Zeitentwicklung eines Zustands N
(wie in Streutheorie)
Γn
e−i/~·En t → e−i/~·En t e− 2~ t = e−i/~(En −iΓn /2)t

e−i/~·En t : Zeitentwicklung eines stabilen Zustands


Γn
e− 2~ t : aus exponentiellem Zerfall von N, |T |2 ∼ e−Γn /~·t ,
Lebensdauer: τN = ~/Γn ,
Γn berechenbar aus Zerfallswahrscheinlichkeit für spontane Emission
daraus: Matrixelement für ~ωk ≈ En − EA
¯D E ¯
µ ¶ ¯ B | e−ik0 x pε? 0 (k0 ) | N ­N | eikx pε (k) | A® ¯2
e 2
~ 1 ¯ α α ¯
|T |2 = √ ¯ ¯
2mε0 ωk ωk m ¯ 2 ¯ En − (EA + ~ωk ) − iγN /2 ¯
0
¯

Wirkungsquerschnitt:
¯D E¯2 ¯­ ®¯2
¯ ¯ ¯
dσ ωk 0 1 ¯ B | e −ik0 x
pε ?
α 0 (k 0
) | N ¯ N | eikx pεα (k) | A ¯
= r02
dΩ ωk m2 (En − (EA + ~ωk ))2 + Γ2n /4
zeigt Lorentz-Kurve (typisch für Resonanzen), welche normale Energieabhängig-
keit überlagert. für ωk 6≈ (En − EA )/~: kann Γn vernachlässigen.
in Atomphysik: Γn ≈ 10−7 (En − En0 )

Physikalisches Bild: Absorption eines Photons, gefolgt von spontaner Emis-


sion.
dσ Absorptionswahrscheinlichkeit Emissionswahrscheinlichkeit
= ·
dΩ Flussdichte Raumwinkel
¯­ ®¯
Absorptionsw. 1 e2 ~ ¯ N | eikx pεα (k) | A ¯2
=
Flussdichte c 2m2 ε0 ωk (EN − (EA + ~ωk ))2 + Γ2n /4

29
Inhaltsverzeichnis 10.04.2008

Emissionswahrscheinlichkeit:
2π e2 ~ ¯D E¯2 ωk20
¯ −ik0 x ? 0 ¯
2 ¯ B | e pε α 0 (k ) | N ¯ · dΩ
~ 2m ε0 ωk0 (2π)3 ~c2

α~ e2
r0 = und α = → Resonanzfluoreszenz
mc 4πε0 ~c

16.9 Dispersionsrelationen

Betrachte: elastische Streuung von Photonen in Vorwärtsrichtung (θ = 0) ⇒

Lichtausbreitung im Medium.
¯
dσ ¯¯
= |f (ω)|2
dΩ ¯θ=0,ξ
α =ξα0

f (ω): Amplitude für Vorwärtsstreuung. Aus Kramers-Heisenberg-Formel folgt:


" à ¯­ ®¯ ¯­ ®¯ !#
1 X ¯ N | eikx pεα (k) | A ¯2 ¯ N | e−ikx pεα (k) | A ¯2
f (ω) = −r0 1 − +
m EN − (EA + ~ω) − iΓN /2 EN − EA − ~ω
N

Dipolnäherung e±ikx ≈ 1.
Berechne Real- und Imaginärteil (→ Übung)

X 2r0 ω 2 |hN | pεα (k) | Ai|2


Re [f (ω)] = 2
m~ωAN ωAN − ω2
N

r0 X |hN | pεα (k) | Ai| ΓN /2


2
Im [f (ω)] =
m (EN − (EA + ~ω))2 + Γ2N /4
N
X πr0 2
≈ |hN | pεα (k) | Ai| δ(ωAN − ω)
m~
N

Benutze:
ε
lim = πδ(x)
ε→0 x2 + ε2

30
Inhaltsverzeichnis 10.04.2008

Z ∞
2ω 2 Im [f (ω 0 )]
⇒ Re [f (ω)] = dω 0
~ 0 ω 0 (ω 02 − ω 2 )
(Dispersionsrelation)
Beziehung zum komplexen Brechungsindex n(ω).
Betrachte: ebene Welle einfallend auf infinitesimal dünne Ebene

· ¸
iωz/c 2πic
e 1+ N δf (ω)
ω

Berechnung des Streuanteils → Übung


Z ∞ iω/2√ρ2 +`2
e 2πic
p f (ω, θ)2πρ dρ ≈ f (ω, 0)
0
2
ρ +` 2 ω

ρ2 = x2 + y 2 , θ = arctan(ρ/`)
Betrachte: Ebene mit endlicher Dicke D = nδ, n → ∞
· ¸n
2πicN D D
lim 1 + f (ω) = e2πicN ω f (ω) .
n→∞ ω n
Daraus: transmittierte Welle:
“ 2

iωD/2 1+ 2πc N f (ω)
e ω2 .

Vergleiche mit Brechungsindex: eiωD/c·n(ω)


³ c ´2
⇒ n(ω) = 1 + 2π N f (ω).
ω
Aus Dispersionsrelation:
Z ∞
2 ω 0 Im [n(ω 0 )]
Re [n(ω)] = 1 + dω 0
π 0 ω 02 − ω 2
(Kramers-Kronig-Relation, 1927)
• bekannt aus der Elektrodynamik
• folgte aus Kausalität der Wechswelwirkung von Licht mit Materie
• hier: explizit aus Streuquerschnitt hergeleitet.
Beziehung zum totalen Wirkungsquerschnitt

σtot (Y + A → X)

Dämpfung der transmittierten Welle


¯ ¯2
¯ ¯ ω
e−σtot (ω)N z = ¯eiωn(ω)z/c ¯ = e−2 c zIm [n(ω)]
1 ω
⇒ Im [f (ω)] = σtot (ω
4π c
4πIm [f (ω)]
σtot =
|k|
(optisches Theorem)
Diagrammatisch:

31
Inhaltsverzeichnis 10.04.2008

16.10 Compton-Streuung

Streuung von Licht an freien Elektronen

|Ai → |p, si ≈ ϕs eipx/~


0
hB| → hp0 , s0 | ≈ ϕ†s e−ip x/~

Ortsdarstellung
Zwischenzustände: Kontinuum
X Z
1X d3 pN

2 s (2π~)3
N N

Matrixelemente jetzt explizit berechenbar


• Dipolnäherung nicht länger gerechtfertigt
D 0
E
p0 , s0 | e−i(k−k )x | p, s
Z
0 0
= ϕ†s0 ϕs e−i(p +~k −p−~k)x/~ d3 x
D E­ ®
Z 0
p0 , s0 | e−ik x pε?α0 (k0 ) | pN , sN pN , sN | eikx pεα (k) | p, s
1X 2
d pN
2 sN
(2π~)3 p2N /(2m) − (p2 /(2m) + ~ωk )
Z R 0 0 R
d3 pN pN ε?α0 (k0 ) e−i(p +~k −pN )x/~ d3 x · pεα (k) e−i(pN −p−~k)x/~ d3 x
= ϕ†s0 ϕs
(2π~)3 p2N /(2m) − p2 /(2m) − ~ωk
Z
0 0 p0 ε?α0 (k0 )pεα (k)
= ϕ†s0 ϕs e−i/~(p +~k −p−~k)x 0 d3 x
(p + ~k )2 /(2m) − p2 /(2m) − ~ωk
0

Analog für den dritten Term:


µ ¶2 ¯
e2 ~ ¯ ? 0
⇒ |T |2 = √ ¯εα0 (k )εα (k)
2mε0 ωk ωk0 ¯
· ¸ ¯2
1 p0 ε?α0 (k0 )pεα (k) p0 εα (k)pε?α0 (k0 ) ¯
− + 0 ¯
0 0 2 2
m (p + ~k ) /(2m) − p /(2m) − ~ωk (p − ~k ) /(2m) − p /(2m) + ~ωk0 ¯
0 2 2
¯Z ¯2
¯
2 ¯ −i/~(p0 +~k0 −p−~k)x ¯
¯
·|δss | · ¯ e
0
¯

Letzter Betrag: Werte zunächst in endlichem Volumen V aus → (2π~)3 δ (3) (p0 +
~k0 − p − ~k) · V .
Betrachte Ruhesystem des Elektrons: p = 0
Flussfaktor φ = φγ · φe = cV
Somit: Wirkungsquerschnitt:

d3 k0 d3 p0 1
dσ = (2π~)3 δ (3) (p0 + ~k0 − p − ~k)
(2π)3 (2π)3 c
µ 02 ¶ µ ¶2
p p2 2m e2 ~
δ + ωk0 − − ωk √
2m~ 2π~ ~2 2mε0 ωk ωk0
2
δss0 |ε?α0 (k0 )εα (k)|

δ (3) (p0 + ~k0 − p − ~k): Impulserhaltung

32
Inhaltsverzeichnis 15.04.2008

• Impulserhaltung gilt nicht für Streuung von Licht an Atomen (Atom-


zustände keine Impuls-Eigenzustände)
• Formel gilt nur, wenn die Elektronen nicht relativistisch sind, das heisst
|p0 | ¿ mc
|p0 |2 |p0 |
Energieerhaltung := ~|k| − ~|k0 | = = |p0 | ¿ |p0 |
2mc 2mc
in Impulserhaltung δ (3) (p0 − ~k0 − ~k) ≈ δ (3) (p0 )
daraus:
dσ 2
= r02 δss0 |ε?α0 (k0 )εα (k)|
dΩ
→ Thomson-Streuquerschitt

16.11 Casimir-Effekt

• Bislang: Volumenenergie als additive Konstante betrachtet


→ irrelevant für Observablen.
• aber: Interpretation nur gerechtfertigt, wenn Vakuumsenergie im ganzen
Raum konstant ist.
• spezielle Randbedingungen können diese Annahme verletzen.
Betrachte: Zwei grosse, parallele leitende Platten in kleinem Abstand d. Rand-
bedingungen an E, B-Felder: E senkrecht auf den Platten, B parallel zu den

Platten.
Im Raum zwischen den Platten sind nur diskrete Feldmoden erlaubt:
µ ¶
π 2π 2π
k = ` ,m ,n , ` ∈ N0 , m, n ∈ Z
d Ly Lz
q
ω(k) = c kx2 + ky2 + kz2

Entartung:
` = 0: ein Polarisationszustand (durch RB)
` > 0: zwei Polarisationszustände

33
Inhaltsverzeichnis 15.04.2008

Elektromagnetische Energie zwischen den Platten:


X1
EiB = ~ωk (divergente Nullpunktsenergie)
2
k

Beachte: Für grosse ωk (jenseits des UV) werden die Platten für die Strahlung
transparent. µ ¶
ω
Parametrisierung durch Regularfunktion χ mit
ωc
µ ¶
ω (ω→∞)
χ(0) = 1, und χ → 0,
ωc
so dass µ ¶
X1 ωk
Ei (d) = ~ωk χ endlich.
2 ωc
k

Für grosse Platten (Ly , Lz → ∞)


X Z
A
→ d2 kk mit A = Ly Lz
(2π)2
m,n∈Z

somit Z µ ¶

A X? 1 ω` (kk )
Ei (d) = 2 ~ω` (k k )χ d2 kk
(2π)2 2 ωc
`=0

mit
r
π 2 `2 πc`
ω` (kk ) = c + k2k , ω` = ω` (0) =
d2 d

X X∞
1
f (`) = f (0) + f (`)
2
`=0 `=1
∞ Z µ ¶
A X? ∞ 1 ω
Ei (d) = ω ~ωχ .
πc2 ω` 2 ω c
`=0

Kraft durch Energiedichte zwischen den Platten:


∞ µ ¶
∂Ei (d) 1 X?1 21 ω`
− = −A 2
ω` ~ωk χ
∂d πc d 2 ωc
`=0
X∞ µ ¶
π~c ? ω`
= −A g(`), g(`) = `3 χ .
2d4 ωc
`=0

Für grosse Abstände d → ∞ gilt:



X Z ∞
?
g(`) = g(`) d`.
`=0 0

Kraft durch Energiedichte ausserhalb der Platten:


Z
∂Ea π 2 ~c ∞
− = +A 4 g(`) d`.
∂d 2d 0

Totale Kraft auf Platten (Casimir-Kraft):


(∞ Z ∞ )
π 2 ~c X ?
Fc = −A 4 g(`) − g(`) d` .
2d 0 `=0

Nutze Euler-McLawrin Formel:


X∞ Z ∞ ³ ´
? 1 1
g(`) − g(`) d` = − g 0 (0) + g (3) (0) + O g (5) (0)
0 2 6!
`=0

34
Inhaltsverzeichnis 17.04.2008

g 0 (0) = 0
(3)
g (0) = 6χ(0) = 6
³ ´
g (p) (0) = O ωc−(p−3) für p ≥ 3


X Z ∞
? 1 ¡ ¢
⇒ g(`) − g(`) d` = + O ωc− 2 .
0 5!
`=0

Casimir-Kraft pro Flächeneinheit:

FC π 2 ~c ³ µm ´4
−12 N
=− = −4, 34 · 10
A 240 d4 m2 d
Casimir-Energie:
π 2 ~c
Ec = −A + const.
720 d3

17 Identische Teilchen
Klassische Mechanik:
Teilchen durch Trajektorien beschrieben → identische Teilchen prinzipiell
unterscheidbar
Quantenmechanik:
Teilchen durch Wellenfunktion beschrieben → identische Teilchen prinzi-
piell nicht unterscheidbar.

17.1 Permutationsoperator

Betrachte: System aus N identischen Teilchen, beschrieben durch Hamiltonope-


rator
H = H(1, 2, . . . , N )
mit 1 = (x1 , σ1 ) (Ortskoordinate und Spin-Freiheitsgrad) ist symmetrisch in
Variablen.

Zustand des Systems: Vielteilchen-Wellenfunktion

Ψ = Ψ(1, 2, . . . , N ).

Definiere: Transpositionsoperator Pij

Pij Ψ(1, 2, . . . , i, . . . , j, . . . , N ) = Ψ(1, 2, . . . , j, . . . , i, . . . , N ).

Es gilt:
• Pij2 = 1
→ Pij hat Eigenwerte ±1
• [Pij , H] = 0 für alle i, j
(H symmetrisch)
Allgemeine Permutation der Elemente
• ergibt Permutationsgruppe SN mit N ! Elementen P ∈ SN
• lässt sich erzeugen durch wiederholtes Anwenden von Transpositionen

σi = Pi,i+1

• P gerade, wenn erzeugt durch gerade Anzahl von σi


P ungerade, wenn erzeugt durch ungerade Anzahl von σi .

35
Inhaltsverzeichnis 17.04.2008

• [P, H] = 0
• P unitär, da
hϕ | Ψi = hP ϕ | P Ψi

Identische Teilchen =
b durch Messung nicht unterschiedbar
⇒ [P, A] = 0 für alle Observablen so dass:

­ ®
hP Ψ | A | P Ψi = Ψ | P † AP | Ψ
­ ®
= Ψ | P †P A | Ψ
= hΨ | A | Ψi

• AΨ = aΨ (Eigenvektor zu Eigenwert a)
⇒ A(P Ψ) = a(P Ψ)
⇒ Ψ und P Ψ nur um konstante Phase verschieden

P Ψ = U P (Ψ), |U P (Ψ)| = 1

• aus P ∈ SN folgt:

P1 P2 Ψ = P1 U (P2 )Ψ = U (P1 )U (P2 )Ψ


= U (P1 P2 )Ψ, ∀P1 , P2

Somit: zwei Möglichkeiten:


a) U+ (P ) = 1 für alle P so dass P Ψ = Ψ (Ψ Bosonen)
½ ¾
1 für P gerade
b) U− (P ) = so dass Pij Ψ = −Ψ (Ψ Fermionen)
−1 für P ungerade
Spin-Statistik-Theorem (Quantenfeldtheorie) :
Bosonen =
b ganzzahliger Spin
Fermionen =
b halbzahliger Spin.
Zusammengesetzte Systeme:
Fermion, wenn System ungerade Anzahl Fermionen enthält, sonst Boson (aus
Drehimpulsaddition).

Beispiele: H-Atom: e− Spin-1/2, p Spin-1/2 → Boson


D-Atom: e− Spin-1/2, d Spin-1 → Fermion
H2 -Molekül: Wellenfunktion
(e1 ⇔e2 )
Ψ(x1 , σ1 , X1 , Σ1 ; x2 , σ2 , X2 , Σ2 ) = −Ψ(x2 , σ2 , X1 , Σ1 ; x1 , σ1 , X2 , Σ2 )
| {z } | {z } | {z } | {z }
e p e p
| {z } | {z }
H1 H2
(p1 ⇔p2 )
= −Ψ(x1 , σ1 , X2 , Σ2 ; x2 , σ2 , X1 , Σ1 )
(H1 ⇔H2 )
= +Ψ(x2 , σ2 , X2 , Σ2 ; x1 , σ1 , X1 , Σ1 )

36
Inhaltsverzeichnis 17.04.2008

17.2 (Anti-) Symmetrisierung und Pauli-Prinzip

Für allgemeine
½ N-Teilchen Wellenfunktion
¾ Ψ, definiere für
0 für P gerade
|P | =
1 für P ungerade

1 X
Ψs = √ PΨ symmetrisch
N ! P ∈SN
1 X
Ψa = √ (−1)|P | P Ψ antisymmetrisch
N ! P ∈SN

so dass für beliebiges Q ∈ SN gilt:


1 X 1 X
QΨs = √ QP Ψ = √ P 0 Ψ = Ψs
N ! P ∈SN N ! P 0 ∈SN
1 X 1 X 0
QΨa = √ (−1)|P | QP Ψ = (−1)|Q| √ (−1)|P | P 0 Ψ = (−1)|Q| Ψa
N ! P ∈SN N ! P 0 ∈SN

Beispiel: Zwei Teilchen


1
Ψs = √ (Ψ(1, 2) + Ψ(2, 1))
2
1
Ψa = √ (Ψ(1, 2) − Ψ(2, 1))
2
(Anti-) Symmetrisierung: wirkt auf Ortskoordinaten und Spin.
Betrachte zwei Spin-1/2 Teilchen (Fermionen)

Ψ(x1 , σ1 ; x2 , σ2 ) = f (x1 , x2 ) χ(σ1 , σ2 )


| {z } | {z }
Ortsanteil Spinanteil

Gesamtspin: durch Clebsch-Gordon Addition


S = 0 (Singlett):
1
χ0 (σ1 , σ2 ) = √ ((↑↓) − (↓↑))
2
mit χ0 (σ2 , σ1 ) = −χ0 (σ1 , σ2 ) antisymmetrisch.
S = 1 (Triplett):

 (↑↑), ms = +1
χ1 (σ1 , σ2 ) = √1 (↑↓) + (↓↑)) , ms = 0
 2
(↓↓), ms = −1

mit χ1 (σ2 , σ1 ) = +χ1 (σ1 , σ2 ) symmetrisch


so dass für Ortsanteil gelten muss:
• f0 (x1 , x2 ) = +f0 (x2 , x1 ) symmetrisch
(Teilchen durch Spin ununterscheidbar)
• f1 (x1 , x2 ) = −f1 (x2 , x1 ) antisymmetrisch
(Teilchen durch Spin ununterscheidbar)
Pauli-Ausschliessungsprinzip für identische Fermionen:

Ψ(x, σ; x, σ) = 0, da f1 (x, x) = −f1 (x, x) = 0

Identische Fermionen können sich nicht im gleichen Quantenzustand befinden.

37
Inhaltsverzeichnis 22.04.2008

17.3 Nicht-wechselwirkende Teilchen

Betrachte System aus N identischen Teilchen in Potential V.


N
X p2i
H= Hi mit Hi = + V (xi ).
i=1
2m

Zustandsraum: Tensorprodukt der Hilberträume der einzelnen Teilchen Hi .


Aus Eigenzuständen Ψµ ∈ Hi mit Hi Ψµ = Eµ Ψµ konstruiere Produktwellen-
funktion:
Ψ(1, . . . , N ) = Ψµ1 (x1 , σ1 ) . . . ΨµN (xN , σn )
→ Ψ(1, . . . , N ) ist Eigenfunktion von H:
ÃN !
X
HΨ(1, . . . , N ) = Eµi Ψ(1, . . . , N )
i=1

Im Allgemeinen weder symmetrisch noch antisymmetrisch.


Bosonische Wellenfunktion durch Symmetrisierung:
1 X
ΨB = √ Ψµ1 (xP (1) , σP (1) ) . . . ΨµN (xP (N ) , σP (N ) )
N ! P ∈SN

Fermionische Wellenfunktion durch Antisymmetrisierung:


1 X
ΨF = √ (−1)|P | Ψµ1 (xP (1) , σP (1) ) . . . ΨµN (xP (N ) , σP (N ) ).
N ! P ∈SN

Darstellung durch Slater-Determinante:


 
Ψµ1 (1) ... Ψµ1 (N )
F 1  .. .. 
Ψ (1, . . . , N ) = √ det  . . 
N!
ΨµN (1) ... ΨµN (N )

Pauli-Prinzip: ΨF = 0 für µj = µk bei j 6= k.


Normierung:
­ ®
• ΨB | ΨB = nµ1 !nµ2 ! . . . nµN ! für nµN Teilchen im Zustand µN

38
Inhaltsverzeichnis 22.04.2008

­ ®
• ΨF | ΨF = 1
Grundzustand:
• Bosonen: ΨB 0 = Ψ0 (1) . . . Ψ0 (N )
Ψ0 : Einteilchen-Grundzustands-Wellenfunktion, HΨB B
0 = (N E0 )Ψ0
E0 : Grundzustands-Energie des Einteilchen-Systems.
• Fermionen (Annahme: Entartung nur im Spin, für Spin-1/2: zweifach)
→ N Teilchen besetzen im Grundzustand alle Energieniveaus Eµ bis EN/2
mit jeweils zwei Fermionen.
( PN/2 )
2 Ej N gerade
HΨF 0 = P(N −1)/2 j=1 ΨF
0
2 j=1 Ej + E(N +1)/2 N ungerade

17.4 Streuung identischer Teilchen

Streuung unter festem Winkel θ: zwei Möglichkeiten ununterscheidbar Gesamtwellenfunktion

für Bosonen:
φ(x1 , x2 ) = eip(x1 +x2 )/~ Ψ(x1 − x2 )
p: Schwerpunkts-Impuls
Ψ(r): Streuvorgang im Schwerpunktsystem mit Ψ(−r) = Ψ(r) symmetrisch.
Einlaufende Welle:
Ψin (r) = eikr + e−ikr
Auslaufende Welle:
eikr
Ψout (r) = (fk (θ) + fk (π − θ)) .
r
Differentieller Wirkungsquerschnitt:
dσ 2
= |fk (θ) + fk (π − θ)|
dΩ
2 2
= |fk (θ)| + |fk (π − θ)| + 2Re [fk? (θ)fk (π − θ)]

→ Interferenz zwischen möglichen Trajektorien.


In Partialwellenzerlegung:

X
fk (θ) = i` (2` + 1)P` (cos θ)f` .
`=0

Nutze:
P` (cos(π − θ)) = P` (− cos θ) = (−1)` P` (cos θ)
so dass X
fk (θ) + fk (π − θ) = 2 i` (2` + 1)P` (cos θ)f`
` gerade

→ nur gerade Partialwellen tragen bei.

39
Inhaltsverzeichnis 24.04.2008

18 Zweite Quantisierung
Darstellung quantenmechanischer Vielteilchensysteme: Besetzungszahlen der sta-
tionären Moden.

18.1 Besetzungszahldarstellung für Bosonen

Betrachte Vielteilchensystem nicht-wechselwirkender Bosonen mit Einteilchen-


zuständen |Ψµ i zu Energieeigenwerten Eµ (Mode µ).
Zustand mit Nµ Bosonen in Mode |Ψµ i:

1 X
|Nµ i = ΨB = √ Ψµ (P (1)) . . . Ψµ (P (N )) .
N ! P ∈SN | {z }
N Terme

Definiere:
• Erzeugeroperator:
p
a†µ |Nµ i = Nµ + 1 |Nµ + 1i

• Vernichteroperator: p
aµ |Nµ i = Nµ |Nµ − 1i
mit adjungierten Relationen
p
hNµ | a† = Nµ hNµ − 1|
p
hNµ | a = Nµ + 1 hNµ + 1|

• Vakuum:
aµ |0i = 0, h0| a†µ = 0

• Vertauschungsrelationen:

[aµ , aµ ] = [a†µ , a†µ ] = 0


£ ¤
aµ , a†µ |Nµ i = aµ a†µ |Nµ i − a†µ aµ |Nµ i
= (N + 1) |Nµ i − Nµ |Nµ i
= |Nµ i
⇒ [aµ , a†µ ] = 1

• Vielteilchenzustand:
(aµ )Nµ
|Nµ i = √ |0i
N!

• Teilchenzahloperator in Mode µ:

nµ = a†µ aµ so dass nµ |Nµ i = Nµ |Nµ i

mit

[nµ , aµ ] = −1
£ ¤
nµ , a†µ = a†µ .

Zustand des Gesamtsystems:


Besetzungszahlen aller Moden

|N1 , N2 , . . .i Besetzungszahldarstellung

40
Inhaltsverzeichnis 24.04.2008

⇒ N1 Bosonen im Zustand |Ψ1 i


N2 Bosonen im Zustand |Ψ2 i
mit
(a† )Ni (a† )N1
|N1 , . . . , Ni , . . .i = . . . √i . . . √1 |0i .
Ni ! N1 !
Es gilt:
p
ai |N1 , . . . , Ni , . . .i = Ni |N1 , . . . , (Ni − 1), . . .i
p
a†i |N1 , . . . , Ni , . . .i = Ni + 1 |N1 , . . . , (Ni + 1), . . .i

mit Kommutatoren

[ai , aj ] = [a†i , a†j ] = 0


h i
ai , a†j = δij .

Zustandsraum aller |N1 , N2 , . . .i


Vereinigung aller Hilberträume mit Teilchenzahl 0, 1, . . .
⇒ Fockraum
mit
• Orthogonalität:

hN1 , N2 , . . . | N10 , N20 , . . .i = δN1 N10 δN2 N20 . . .

• Vollständigkeit:

X
|N1 , N2 , . . .i hN1 , N2 , . . .| = 1.
N1 ,N2 ,...=0

Der Fockraum ist direkte Summe von


• Vakuumzustand |0i
• alle Einteilchensysteme

|1, 0, 0, . . .i ⊕ |0, 1, 0, . . .i ⊕ . . .

• alle Zweiteilchensysteme, etc.

|2, 0, 0, . . .i ⊕ |1, 1, 0, . . .i ⊕ . . .

Gesamtteilchenzahloperator:
X X
n= ni = a†i ai
i i

mit X
n |N1 , N2 , . . .i = (Ni ) |N1 , N2 , . . .i
i

18.2 Besetzungszahldarstellung für Fermionen

Pauli-Prinzip ⇒ erlaubte Besetzungszahlen nur 0 und 1

|Nµ i = (|0i , |1i)

41
Inhaltsverzeichnis 24.04.2008

Wirkung der Auf- und Absteigeoperatoren:

aµ |1i = |0i
aµ |0i = 0
a†µ |1i = 0 ⇐ Pauli Prinzip (Bereits besetzte Zustände)
a†µ |0i = |1i
⇒ a2µ = (a†µ )2 = 0
(aµ a†µ ) |0i = |0i
(a†µ aµ ) |1i = |1i .

Ausgedrückt durch Antikommutator:

{A, B} = AB + BA
© † †ª
{aµ , aµ } = aµ , aµ = 0
© ª
aµ , a†µ = 1.

Teilchenzahloperator:
nµ = a†µ aµ .
Zustand des Gesamtsystems:
Besetzungsgrad aller Moden

|N1 , N2 , . . .i mit Ni = 0, 1.

Aufgrund der Antisymmetrie der Wellenfunktion ist die Reihenfolge der Erzeu-
geroperatoren hier relevant.
Definiere:
|N1 , . . . , Ni . . .i = . . . (a†i )Ni . . . (a†1 )N1 |0i .
Resultierender Zustand: Antisymmetrisierte, fermionischer Wellefunktion aller
besetzten Moden.

Beispiel: 2 Fermionen.

|1, 1i = a†2 a†1 |0i


µ ¶
1 Ψ1 (1) Ψ1 (2)
= √ det
2 Ψ2 (1) Ψ2 (2)

Beachte:
µ ¶
1 Ψ2 (1) Ψ2 (2)
a†1 a†2 |0i = √ det
2 Ψ1 (1) Ψ1 (2)
= −a†2 a†1 |0i
= − |1, 1i .

Daher gilt:
• Antikommutatoren
n o
{ai , aj } = a†i , a†j = 0
n o
ai , a†j = δij .

Fockraum:
• Orthogonalität:

hN1 , N2 , . . . | N10 , N20 , . . .i = δN1 N10 δN2 N20 . . .

42
Inhaltsverzeichnis 24.04.2008

• Vollständigkeit:

X
|N1 , N2 , . . .i hN1 , N2 , . . .| = 1
N1 ,N2 ,...=0

• Teilchenzahloperator: X X
n= ni = a†i ai
i i

Notation: verallgemeinerte Kommutatoren

[A, B]± = AB ± BA

so dass:

[A, B]+ = {A, B}


[A, B]− = [A, B]

18.3 Feldoperatoren

Erzeuger- und Vernichteroperatoren a†i , ai beziehen sich auf Basis |ii des Einteilchen-
Hilbertraums.
a†i erzeugt ein Teilchen im Eigenzustand |ii
ai vernichtet ein Teilchen im Eigenzustand |ii.
Basistransformation |ii → |λi mit
X
|λi = |ii hi | λi
i

ergibt Operatoren zur Basis |λi:


X
a†λ = hi | λi a†i
i
X
aλ = hλ | ii ai .
i

Betrachte: eine Basis der Orts-Eigenzustände |xi mit

hx | ii = Ψi (x) (Einteilchen Wellefunktion im Ortsraum).

Definiere: Feldoperatoren
X X
Ψ(x) = hx | ii ai = Ψi (x)ai
i i
X X
Ψ† (x) = hi | xi a†i = Ψ?i (x)a†i .
i i

Ψ† (x) erzeugt ein Teilchen im Eigenzustand |xi, am Ort x


Ψ(x) vernichtet ein Teilchen im Eigenzustand |xi, am Ort x.
Vertauschungsrelationen der Feldoperatoren für Fermionen und Bosonen:

[Ψ(x), Ψ(x0 )]± = [Ψ† (x), Ψ† (x0 )]± = 0


£ ¤ X
Ψ(x), Ψ† (x0 ) ± = Ψi (x)Ψ?j (x0 )[ai , a†j ]
i,j
X
= Ψi (x)Ψ?j (x0 )δij
i,j

= δ (3) (x − x0 ).

43
Inhaltsverzeichnis 29.04.2008

18.4 Fockraum

Hilbertraum eines quantenmechanischen Systems (Fermionen oder Bosonen) mit


fester Teilchenzahl N

HN (für nichtwechselwirkende Systeme: HN = (H1 )N )

Wirkung der Feldoperatoren:

Ψ† (x) : HN → HN +1
Ψ(x) : HN → HN −1

→ existieren im erweiterten Hilbertraum:


Fockraum

M
F := HN = H0 ⊕H1 ⊕ H2 ⊕ . . .
|{z}
N =0 Vakuum

Beliebiger Vekor ∈ F: Superposition verschiedener Teilchenzahlen.

18.5 Dichteoperator

Teilchendichteoperator im N-Teilchen Unterraum HN


N
X
ρN (x) = δ 3 (x − xi ).
i=1

Betrachte ein Matrixelement von ρ(x) zwischen |φi , |χi beliebig.


|φi ∈ HN
Z
hχ | ρN (x) | φi = hχ | x1 . . . xN i
* ¯ ¯ +
¯X N ¯
¯ ¯
x1 . . . xN ¯ δ (x − xi ) ¯ φ d3 x1 . . . d3 xN
3
¯ ¯
i=1
Z X N
= δ 3 (x − xi ) hχ | x1 . . . xN i
i=1
hx1 . . . xN | φi d3 x1 . . . d3 xN
Z
= N hχ | x1 . . . xN −1 xi hx1 . . . xN −1 x | φi d3 x1 . . . d3 xN −1 .

Vergleiche mit
Ψ(x) |φi ∈ HN −1
Z
­ ® ­ ®
χ | Ψ† (x)Ψ(x) | φ = χ | Ψ† (x) | x1 . . . xN −1

hx1 . . . xN −1 | Ψ(x) | φi d3 x1 . . . d3 xN −1
Z
= N hχ | x1 . . . xN −1 xi

hx1 . . . xN −1 | φi d3 x1 . . . d3 xN −1

⇒ Dichteoperator:
ρ(x) = Ψ† (x)Ψ(x)

44
Inhaltsverzeichnis 29.04.2008

Daraus folgt für den Teilchenzahloperator:


Z
n = ρ(x) d3 x
Z
= Ψ† (x)Ψ(x) d3 x
XZ
= Ψ?i (x)Ψj (x)a†i aj d3 x
ij
X
= δij a†i aj
ij
X
= a†i ai wie zuvor
i

18.6 Hamiltonoperator

Beiträge zum Hamiltonoperator:

H = Hkin + Hpot + Hint

a) kinetische Energie:
XZ µ ¶
~2
Hkin = a†i Ψ?i (x) − ∆ Ψj (x)aj d3 x
ij
2m
Z
~2 X
= a†i ∇Ψ?i (x)∇Ψj (x)aj d3 x
2m ij
Z
~2
= ∇Ψ† (x)∇Ψ(x) d3 x
2m

b) Potentielle Energie der einzelnen Teilchen in externen Potential U (x)


Z
Hpot = U (x)ρ(x) d3 x
Z
= U (x)Ψ† (x)Ψ(x) d3 x

c) Potentielle Energie der Wechselwirkung von Teilchenpaaren V (x − x0 )


Z Z
1
Hint = Ψ† (x)Ψ† (x0 )V (x − x0 )Ψ(x0 )Ψ(x) d3 x d3 x0
2

18.7 Impulsdarstellung freier Felder

Betrachte: Impuls-Eigenfunktionen → ebene Welle


in endlichem Volumen V = L3
1 2π
Ψk (x) = √ eikx mit k= (nx , ny , nz ), ni ∈ Z
V L
→ Feldoperatoren:
1 X ikx
Ψ(x) = √ e ak
V k
1 X −ikx †
Ψ† (x) = √ e ak
V k

ergibt:
X ~2 k2
Hkin = a†k ak .
2m
k

45
Inhaltsverzeichnis 06.05.2008

Mit
1 X
V (x) = Vq eiqx
V q
gilt:
Z X XX
1
Hint = a†k2 a†k0 Vq ak01 ak1
2V 3 q
2
k1 k01 k2 k02
0 0 0
e−i(k2 −k1 −q)x e−i(k2 −k1 +q)x d3 xd3 x0

Nutze:
Z
e−i(k2 −k1 −q)x d3 x = V δk2 ,k1 +q
1 X
⇒ Hint = a†k1 +q a†k0 −q Vq ak1 ak01 .
2V 1
k1 ,k01 ,q

Zweiteilchen-Wechselwirkung:

19 Fermionische Vielteilchensysteme

19.1 Nichtwechselwirkende Fermionen

Betrachte N Spin−1/2 Fermionen im Volumen V


~2 k2
• Einteilchenenergien: Ek =
2m
• Grundzustand:  
Y Y
|φ0 i =  a†k,s  |0i
|k|<kF s

mit Gesamt-Teilchenzahl
XD E X
N= φ0 | a†k,s ak,s | φ0 = Nk,s
k,s k,s

und Besetzungszahl der Einteilchenmoden


½
1, |k| < kF
Nk,s =
0, |k| > kF
→ definiert Kugel mit Radius kF im Raum der Impulsmoden.
X Z
2V 2V 4π 3
N= Nk,s = d3 k = k
(2π)3 |k|<kF (2π)3 3 F
k,s

so dass r
3 N √
3
kF = 2π 2 = 2π 2 ν
V

46
Inhaltsverzeichnis 08.05.2008

mit Dichte der Fermionen ν = N/V .


(Fermi-Kugel)
X­ ®
hφ0 | ρ(x) | φ0 i = φ0 | Ψ†s (x)Ψs (x) | φ0
s
1 X X ix(k1 −k2 ) D E
= e φ0 | a†k1 ,s ak2 ,s | φ0
V s
k1 ,k2
1 XD E
= φ0 | a†k,s ak,s | φ0
V
k,s
N
= = ν konstant
V
Einfachste Anregung: ein Fermion ausserhalb der Fermi-Kugel (Elektron-Loch-
Paar)
|φ1 i = a†k1 ,s1 ak2 ,s2

a†k1 ,s1 : Erzeuge ein Elektron ausserhalb kF


ak2 ,s2 : Vernichte ein Elektron innerhalb kF (Loch) Definiere:
• Einteilchen-Korrelationsfunktion
­ ®
Gs (x − x0 ) = φ0 | Ψ†s (x)Ψs (x0 ) | φ0

→ Wahrscheinlichkeitsamplitude, ein Fermion mit Spin s von x0 nach x


zu verschieben.

* ¯ ¯ +
¯ ¯
¯ 1 X −ipx+ip0 x0 † ¯
Gs (x − x0 ) = φ0 ¯¯ e ap,s ap0 s ¯¯ φ0
V
¯ p,p0 ¯
1 X 0
= hφ0 | np,s | φ0 i e−ip(x−x )
V p
Z Z 2π
1 −ip(x−x0 ) 3
= e O(k F − |p|) d p dϕ
(2π)3 0
Z kF Z 1
1 0
= eip|x−x | cos θ p2 d cos θ dp
(2π)3 0 −1
Z kF
1
= p sin(p|x − x0 |) dp
2π 2 |x − x0 | 0
(?) 3ν sin(kF r) − kF r cos(kF r)
=
2 (kF r)3
ν
≡ gs (x − x0 )
2
(?): r = |x − x0 |, kF3 = 2π 2 ν Betrachte eine Zustand des Systems, aus dem ein

Fermion im Ort x entfernt wurde

|φ0 (x, s)i = Ψs (x) |φ0 i .

47
Inhaltsverzeichnis 08.05.2008

Dichteverteilung dieses Zustandes:

hφ0 (x, s) |ρ(x0 ) | φ0 (x, s)i


D E
= φ0s (x, s) | Ψ†s0 (x0 )Ψs0 (x0 ) | φ0 (x, s)
D E
= φ0 | Ψ†s (x)Ψ†s0 (x0 )Ψs0 (x0 )Ψs (x) | φ0 = Gss0 (x − x0 )
³ ν ´2
= gss0 (x − x0 )
2
gss0 (x0 − x): Paarkorrelationsfunktion:
Einfluss eines Loches mit Spin s in x auf die Dichteverteilung von s0 in x0 .
Nutze Impulsraumdarstellung:
³ ν ´2 1 X X −i(k−k0 )x−i(q−q0 )x0
gss0 (x − x0 ) = e
2 V2
k,k0 q,q0
D E
φ0 | a†k,s a†q,s0 aq0 ,s0 ak0 ,s | φ0

a) s 6= s0 : nichtverschwindend, nur wenn k = k0 , q = q0


³ ν ´2 1 X
gss0 (x − x0 ) = hφ0 | nk,s nq,s | φ0 i
2 V2
k,q
1 X 1 NN
= 2
Nk,s Nq,s = 2
V V 2 2
k,q
³ ν ´2
=
2
⇒ gss0 (x − x0 ) = 1 für s 6= s0

b) s = s0 : zwei Beiträge k = k0 , q = q0 und k = q0 , q = k0

hφ0 |a†k,s a†q,s aq0 ,s ak0 ,s | φ0 i


D E
= δkk0 δqq0 φ0 | a†k,s a†q,s aq,s ak,s | φ0
D E
+ δkq0 δqk0 φ0 | a†k,s a†q,s ak,s aq,s | φ0
D E
= (δkk0 δqq0 − δkq0 δqk0 ) φ0 | a†k,s ak,s a†q,s aq,s | φ0
= (δkk0 δqq0 − δkq0 δqk0 )Nk,s Nq,s

so dass
³ ν ´2 1 X³ 0
´
gss0 (x − x0 ) = 2
1 − e−i(k−q)(x−x ) Nk,s Nq,s
2 V
k,q
³ ν ´2
2
= − [Gs (x − x0 )]
2
³ ν ´2 ¡ ¢
= 1 − (gs (x − x0 ))2
2
mit ξ = kF |x − x0 | gilt:
9 2
gss (x − x0 ) = 1 − (sin ξ − ξ cos ξ)
ξ6

1
– Fermiondichte in Umgebung |x − x0 | . kF um Loch stark unter-
drückt.
– Effekt aufgrund fermionischer Statistik, unabhängig von Fermion-
Fermion Wechselwirkung.

48
Inhaltsverzeichnis 08.05.2008

19.2 Wechselwirkende Fermionen: Elektrongas

Betrachte ein Gas geladener Elektronen (Ladung −e) mit Dichte ν, in homogen
positiv geladenem Hintergrund mit Ladungsdichte +eν (ortfeste Ionen)
(Jellium-Modell des Festkörpers)
Hamilton-Operator:
H = Hkin + Hpot + Hint
Hkin : kinetischer Term der Elektronen
Hpot : Wechselwirkung der Elektronen mit dem Hintergrund, und Selbstwechsel-
wirkung Hintergrund
Hint : Wechselwirkung Elektronen untereinander.
Berechne die Grundzustandsenergie E0 = hφ0 | H | φ0 i
a)
Ekin = hφ0 | Hkin | φ0 i
X ~ 2 k2 Z
2V ~ 2 k2 3
= Nk,s = 3
d k
2m (2π) |k|≤kF 2m
k,s

3 ~2 kF2
= N = N εkin
5 2m
εkin : mittlere kinetische Energie eines Elektrons.
Definiere die Fermi-Energie:
~2 kF2
EF =
2m
Energie eines Elektrons mit |k| = kF (Maximalenergie in φ0 ) so dass
3
εkin = EF .
5

b)
Eint = hφ0 | Hint | φ0 i
Z XD E
1
= V (x − y) φ0 | Ψ†s (x)Ψ†s0 (y)Ψs0 (y)Ψs (x) | φ0 d3 x d3 y
2
ss0
Z X ν2
1
= V (x − y) gss0 (x − y) d3 x d3 y
2 0
4
ss

Nutze:
¡ ¢
gss0 (x − y) = (1 − δss0 ) + δss0 1 − (gs (x − y))2
2
= 1 − δss0 (gs (x − y)) .
Z ½X 2 X ¾
1 ν
Eint = V (x − y) − δss0 Gs (x − y) d3 x d3 y
2 4
ss0 ss0
| {z } | {z }
(1) (2)

49
Inhaltsverzeichnis 12.05.2008

(1): direkter Term (Hartree-Term)


(2): Austausch-Term (Fock-Term)
Z
V 2 ν
Eint,Hartree = ν V (r) d3 r = N V0
2 2
| {z }
≡V0

V0 divergent für Coulomb-Potential


Z
1 X 2
Eint,Fock = − (Gs (x − y)) V (x − y) d3 x d3 y
2 s
Z · ¸2
9 sin(kF |r|) − kF |r| cos(kF |r|)
= −N ν V (r) d3 r
4 (kF |r|)3
= N εex
e2
mit Coulomb-Potential V (r) = ergibt sich:
4πε0 |r|
Z ∞
9πν e2 (sin x − x cos x)2
εex = − 2 dx
kF 4πε0 0 x5
3e2
= − kF
(4π)2 ε0

c)
Z
Epot,eI = −ν V (x − y) hφ0 | ρ(x) | φ0 i d3 x d3 y
= −N νV0
Z
ν2
Epot,eII = V (x − y) d3 x d3 y
2
ν
= N V0
2
so dass für die Grundzustandsenergie pro Elektron gilt:
E0
= εkin + εex
N

Beziehung zu Atomradien:
Nutze:
kF3 3 3
ν= = ≡
3r2 4πr03 4πa30 rs3
1
r0 : Radius einer Kugel mit V = ν (=
b ein Teilchen)
rs = r0 /a0 (Materialkonstante)
· ¸
E0 2, 21 0, 916
= εkin + εex = − RH
N rs2 r
Minimum: rs = 4, 86

z.B.: Na: rs = 3, 96, K: rs = 4, 86

50
Inhaltsverzeichnis 12.05.2008

19.3 Atomorbitale: Hartree-Fock-Näherung

Hamilton-Operator eines Atoms mit Kernladung Z und N Elektronen (neutrale


Atome N = Z, Ionen N 6= Z)
XN N
X N
X
p2i Ze2 e2
H= − +
i=1
2m i=1 4πε0 |xi | i>j 4πε0 |xi − xj |

Eigenfunktionen im Allgemeinen nicht exakt bestimmbar, nutze Approximati-


onsmethoden
a) Hartree-Näherung: vernachlässige Austausch-Term
⇒ jedes einzelne Elektron in effektivem Potential
N Z
Ze2 e2 X |Ψj (y)|2 3
Vi (x) = − + d y
4πε0 |xi | 4πε0 |x − y|
| {z } i6 =j
Potential des Kerns
| {z }
Potential der anderen Elektronen

⇒ Schrödinger-Gleichung für Einteilchen-Wellenfunktionen:


µ ¶
~2
− ∆ + Vi (x) Ψi (x) = Ei Ψi (x)
2m
Pauli-Prinzip erfordert, dass alle Ψi zu unterschiedlichen Quantenzuständen
(beschrieben durch Energie, Drehimpuls, Spin) gehören.
Iterative Lösungsmethode (’self consistent field’):
1. Wähle die N Lösungen niedrigster Energie Ei0 des Zentralpotentials
Ψ0i (x) als erste Approximation.
2. Berechne Vi (x) für alle i.
3. Löse Schrödinger-Gleichung für Einteilchen-Wellenfunktion mit Vi (x)
für alle i
→ neue Approximation für Ψi (x) und Ei
4. Iteriere 2. und 3. bis Konvergenz erreicht ist
→ ergibt Ψi (x) und Ei .
⇒ Gesamtwellenfunktion ist Produktdarstellung
Ψ(1 . . . N ) = Ψ1 (1) . . . ΨN (N )
(erfüllt nicht Fermi-Statistik)
b) Hartree-Fock Näherung:
Gesamtwellenfunktion ist Slater-Determinante
¯ ¯
¯ Ψ1 (1) . . . Ψ1 (N ) ¯
1 ¯¯ .. ..
¯
¯
Ψ(1 . . . N ) = √ ¯ . . ¯
¯
N! ¯ ¯
ΨN (1) . . . ΨN (N ) ¯
mit Einteilchen-Wellenfunktionen Ψi (J) = Ψi (xj , sj ) a priori unbekannt,
orthogonal zueinander
i ∈ {1, . . . , N }: Index der Eigenfunktionen zu den N niedrigsten Energie-
Eigenwerten Ei .
Hamilton-Operator in zweiter Quantisierung:
X †
H = ai hi | T | ji aj
i,j
X
+ a†i hi | U | ji aj
i,j
1 X
+ hi, j | V | k, mi a†i a†j ak am
2
i,j,k,m

51
Inhaltsverzeichnis 15.05.2008

mit
p2 Ze2 e2
T = , U =− , V =
2m 4πε0 |x| 4πε0 |x − y|
aus Ψ = a†n . . . a†1 |0i und Orthogonalität folgt:
N
X D E
hΨ | T | Ψi = hi | T | ji Ψ | a†i aj | Ψ
i,j=1
N
X
= hi | T | ii
i=1
N
X
hΨ | U | Ψi = hi | U | ii analog
i=1
D E D E
Ψ | a†i a†j ak am | Ψ = δim δjk Ψ | a†m a†k a − kam | Ψ
D E
+δik δjm Ψ | a†k a†m ak am | Ψ
= (δim δjk − δik δjm )O(m, k ∈ {1, . . . , N })

Grundzustandsenergie:
N Z ½
X ¾
~2 (∇Ψi (x))2 Ze2
hΨ | H | Ψi = − − |Ψi (x)|2 d3 x
i=1
2m 4πε0 |x|
N Z Z
1X
+ V (x − y)|Ψj (x)|2 |Ψi (y)|2 d3 x d3 y
2 ij
N Z Z
1X
− V (x − y)Ψ?j (x)Ψj (y)Ψ?i (y)Ψi (x)δsi,sj d3 x d3 y
2 ij

Finde Grundzustandsenergie mit Ritz’schen Variationsverfahren,

hΨβ | H | Ψβ i
E0 ≤ min ,
β hΨ0 | Ψ0 i

(suche εj : Einteilchen-Grundzustandsenergien)
• Variation nach Ψ?j
• Normierungsbedingung durch Lagrange-Multiplikator
N
X µZ ¶
2 3
εi |Ψi (x)| d x − 1
i=1

ergit:
· ¸
~2 Ze2
εj Ψj (x) = − ∆− Ψj (x)
2m 4πε0 |x|
XN Z
¡ ¢
+ V (x − y) |Ψi (y)|2 Ψj (x) − δssi Ψ?i (y)Ψi (x)Ψj (y) d3 y
i=1

→ wieder iterative Lösung.


Beachte:
• für i = j Hartree-Term und Fock-Term heben einander auf.
• εi : Ionisierungsenergie für Elektron
(unter Annahme, dass Wellenfunktion sich durch Ionisierungs nicht ändern)

52
Inhaltsverzeichnis 15.05.2008

• Gesamtenergie des Grundzustandes


n
X
EHF = εi
i=1

Vergleich mit Daten für leichte Atome:


Atom Eeps EHF
He -5,808 -5,724
Be -29,374 -29,146
Ne -257,86 -257,1

19.4 Atomstruktur

Effektives Potential in Hartree-Fock Gleichung


• nicht mehr 1/r → εi = εn` (`-Abhängigkeit)
• annähernd rotationssymmetrisch
→ Ansatz:
Ψi = Rn` (r)Y`m` (θ, ϕ)χms
bestimme nur Rn` (r) aus Hartree-Fock Gleichungen.
Nomenklatur der Orbitale (0 ≤ ` ≤ n − 1) und Entartung (einschliesslich Spin)
`= 0 1 2 3
Nomenklatur s p d f
Entartung 2 6 10 14
Elektronenkonfiguration der chemischen Elemente:
Graphik 19.4.1 Periodensystem
Chemische Eigenschaften:
• teilweise gefüllte s- und p-Orbitale
→ weit ausgedehnte Orbitale
→ sehr reaktiv (insbesodnere (ns)1 (Alkalimetalle), (ns)2 (np)5 (Halogen))
• vollständig gefüllte Orbitale: inert (Edelgase)
• teilweise gefüllte d- und f-Orbitale:
chemische Eigenschaften bestimmt durch äusserste s- und p-Elektronen
(grösstes n)
→ Übergangselemente einer Gruppe chemisch sehr ähnlich
• magnetische Eigenschaften durch innere d,f-Elektronen beeinflusst.

19.5 Hund’sche Regeln


PN PN
Drehimpuls L = i=1 Li und Spin S = i=1 si einer Orbitalkonfiguration mit
N Elektronen
⇒ verschiedene Möglichkeiten, falls Orbitale nur unvollständig gefüllt sind.
→ suche Kombination mit niedrigster Energie.

Beispiel: Kohlenstoff (1s)2 (2s)2 (2p)2


2p-Elektronen: ` = 1, s = 1/2
 
|Ψim=1 µ ¶
  |↑i
|Ψi = |Ψim=0 ⊗ → 6 Zustände
|↓i
|Ψim=−1

53
Inhaltsverzeichnis 20.05.2008

Jedes Elektron kann jeden Zustand besetzen


→ n = 6 · 5 · 12 = 15 mögliche (2p)2 Zustände (1/2: identische Elektronen)
Addition der Drehimpulse:
½
0, 2 symmetrisch
D1 ⊗ D1 = D0 ⊕ D1 ⊕ D2 ⇒ L =
1 antisymmetrisch
Addition der Spins
½
0 antisymmetrisch
D1/2 ⊗ D1/2 = D0 ⊕ D1 ⇒ S =
1 symmetrisch

Erlaubte Kombinationen: nur (symmetrisch)·(antisymmetrisch)


2S+1
L S J LJ Entartung (2J + 1)
1
2 0 2 D2 5
3
1 1 0,1,2 P0 , 3 P1 , 3 P2 1+3+5=9
1
0 0 0 S0 1
Empirisch:
• je grösser S, desto stärker ist Wellenfunktion antisymmetrisch
→ grösserer Abstand zwische e−
→ geringere Coulomb-Abstossung
⇒ Niedrigere Energie
• Je grösser L, desto weiter ist der mittlere Abstand vom Kern
→ grösserer Abstand zwische e−
⇒ niedrigere Energie
• Spin-Bahn Kopplung
X A
ESB = A Li Si = ALS = [J(J + 1) − L(L + 1) − S(S + 1)]
i
2

A > 0 falls Orbital weniger als halb oder halb gefüllt ist,
A < 0 falls Orbital mehr als halb gefüllt ist.
Für Kohlenstoff: Daraus: Hund’sche Regeln für Grundzustand:

1. Wähle LS-Multiplett mit S maximal


2. Falls mehrere L bei gleichem S möglich wären:
Wähle L maximal bei S maximal
3. Wähle Gesamtdrehimplus J = |L − S| für Orbitale die halb oder weniger
als halb gefüllt sind und J = |L + S| für Orbitale, die mehr als halb gefüllt
sind.

20 Bosonische Vielteilchensysteme
Betrachte beliebigen bosonischen N-Teilchenzustand.

|φi = |Nk0 , Nk1 , . . .i

54
Inhaltsverzeichnis 20.05.2008

Teilchendichte:
­ ® 1 X −ikx+ik0 x D E
φ | Ψ† (x)Ψ(x) | φ = e φ | a†k ak0 | φ
V 0
k,k
1 X N
= Nk = =ν konstant.
V V
k

20.1 Bosonische Korrelationsfunktionen

Paarkorrelationsfunktion:
­ ®
ν 2 g(x − x0 ) = φ | Ψ† (x)Ψ† (x0 )Ψ(x0 )Ψ(x) | φ
1 X X −i(kx+qx0 −q0 x0 −k0 x) D † †
E
= e φ | a a
k q a q 0 ak0 | φ
V2 0 0 k,k q,q

Möglichkeiten: k = k0 , q = q0 oder k = q0 , q = k0 , ausserdem k = q, so dass

hφ |a†k a†q aq0 ak0 | φi


¡ D E
= (1 − δkq ) δkk0 δqq0 φ | a†k a†q aq ak | φ
D E¢
+ δkq0 δqk0 φ | a†k a†q ak aq | φ
D E
+ δkq δkk0 δqq0 φ | a†k a†k ak ak | φ
= (1 − δkq )(δkk0 δqq0 + δkq δqk0 )Nk Nq
+ δkq δkk0 δqq0 Nk (Nk − 1)

und
½X ³ ´
2 0 1 0
ν g(x − x ) = (1 − δkq ) 1 + e−i(k−q)(x−x ) Nk Nq
V2
k,q
X ¾
+ Nk (Nk − 1)
k
½X X X
1
= Nk Nq − Nk2 − Nk
V2
kq k k
¯ ¯2 ¾
¯X ¯
¯ −ik(x−x0 ) ¯
+¯ e Nk ¯
¯ ¯
k
¯ ¯2
1 X ¯1 X ¯
2 ¯ −ik(x−x0 ) ¯
= ν − 2 Nk (Nk + 1) + ¯ e Nk ¯ .
V ¯V ¯
k k

Betrachte:
a) Alle Bosonen im gleichen Zustand Nk = N δk,k0

1 N (N − 1)
⇒ ν 2 g(x − x0 ) = 2ν 2 − N (N + 1) =
V2 V2
– Wahrscheinlichkeiten unabhängig
Teilchen 1 in x: N/V
Teilchen 2 in x0 : (N − 1)/V
b) Gauss-Verteilung um k0

(2π)3 ν −(k−k0 )2 /b2


Nk = √ e
(b π)3

55
Inhaltsverzeichnis 22.05.2008

(b: Breite der Gausskurve)


so dass
Z µ ¶
2 0 2 1 −ik(x−x0 ) 1
ν g(x − x ) = ν + 3
e Nk + O
(2π) V
³ ´ µ ¶
2 0 2 1
= ν 2 1 + e−b /2(x−x ) + O
V

→ Erhöhung der Dichte bei kleinen Abständen

20.2 Zwei-Boson-Korrelationen

Allgemeiner Zwei-Boson-Zustand:
Z
|2i = ϕ(x1 , x2 )Ψ† (x1 )Ψ† (x2 ) d3 x1 d3 x2 |0i

mit Z
h2 | 2i = ϕ(x1 , x2 )ϕ? (x1 , x2 ) d3 x1 d3 x2 = 1.

Ansatz:
ϕ(x1 , x2 ) = Aϕ1 (x1 )ϕ2 (x2 )
mit Z
(ϕ1 , ϕ2 ) = ϕ?1 (x)ϕ2 (x) d3 x

ergibt Normierung
1
A=
(1 + |(ϕ1 , ϕ2 )|2 )1/2
Teilchendichte:
1 © ª
h2 | ρ(x) | 2i = 2
|ϕ1 (x)|2 + |ϕ2 (x)|2 + 2Re [(ϕ1 , ϕ2 )ϕ?2 (x)ϕ1 (x)]
1 + |(ϕ1 , ϕ2 )|

Für (ϕ1 , ϕ2 ) = 0 (Einteilchen-Zustände orthogonal) gilt:

h2 | ρ(x) | 2i = |ϕ1 (x)|2 + |ϕ2 (x)|2

Im realistischen Fall können wir die Teilchen aber nur mit einer gewissen Unschärfe
platzieren → Gauss-Verteilung!
Für Gauss-Verteilungen um x = ±a: Interferenz
1 −1/2(x−a)2 1 −1/2(x+a)2
ϕ1 = √ e , ϕ2 = √ e
4
π 4
π
2
(ϕ1 , ϕ2 ) = e−a
1 n 2 2 2 2
o
⇒ h2 | ρ(x) | 2i = √ −2a 2 e−(x−a) + e−(x+a) + 2e−2a e−x
π(1 + e )

und Teilchenzahl: Z
h2 | ρ(x) | 2i d3 x = 2.

56
Inhaltsverzeichnis 22.05.2008

21 Quantenstatistik
Statistische Physik: Beschreibung (klassischer) Systeme, welche ständig mit ih-
rer Umgebung wechselwirken.
Quantenmechanik: Beschreibung isolierter Systeme
→ Zeitentwicklung ohne Energiezufuhr von aussen!
Entwicklung in stationären Zuständen:
X
Ψ(x, t) = cn Ψn (x)e−iEn t/~ hΨn | Ψm i
n
| {z }
δnm

Nur gültig, wenn das System nicht mit der Umgebung wechsewirkt.
Ansonsten: cn → cn (t, X), X: kompletter Satz der Umgebungsvariablen X,
cn (t, X): Wellenfunktion der Umgebung (quantenmechanische Beschreibung der
Umgebung)
Messung einer Observablen A:
P
hΨ | A | Ψi n,m hcn | cm i hΨn | A | Ψm i
hAi = = P .
hΨ | Ψi n hcn | cn i

Tatsächliche Messgrösse: Zeitmittel über den Zustand der Umgebung


P
­ ® n,m hcn | cm i hΨn | A | Ψm i
Ā = P
n hcn | cn i

21.1 Postulate der Quantenstatistik

Betrachte mikroskopische Observable eines mikroskopischen Systems (N Teil-


chen in Volumen V ) in Wechselwirkung mit der Umgebung; Energie des Systems
konstant im Intervall [E, E + ∆E] mit ∆E ¿ E (mikrokanonisches Ensemble),
Hamilton Operator H mit HΨn = En Ψn
Postulate der Quantenstatistik für zeitgemittelte Produkte der Umgebungswel-
lenfunktion
a) Gleichwahrscheinlichkeit
(
1, falls E < En < E + ∆E
hcn | cn i =
0, sonst

b) Zufallsphasen
für n 6= m gilt: hcn | cm i = 0.

Daraus: Effektive Wellenfunktion des Systems


X ½
1, falls E < En < E + ∆E
Ψ= bn Ψn mit |bn |2 =
0, sonst
n

und Phase von bn zufällig.

57
Inhaltsverzeichnis 27.05.2008

Interpretation:
• Kontinuierliche Wechselwirkung des Systems mit der Umgebung zerstört
auf Zeitskala der Mittelung die Kohärenz der Wellenfunktion.
• Die energetisch erlaubten stationären Zustände entwickeln sich unabhängig
voneinander und interferieren nicht im Messprozess.
Observable P
­ ® n |bn |2 hΨn | A | Ψn i
Ā = P 2
n |bn |

Zustand des Systems: Inkohärente Superposition von Eigenzuständen.

21.2 Dichtematrix

Definiere: Projektion auf den Unterraum der Zustände in E < En < (E + ∆E)
X
ρ= |Ψn i hΨn | |bn |2 Dichtematrix-Operator
n

Bewegungsgleichung:

i~ ρ = [H, ρ] (↔ Liouville)
∂t
Matrixelemente
ρnm = hΨm | ρ | Ψn i = δmn |bn |2
Observable P
­ ® hΨn | Aρ | Ψn i tr(Aρ)
Ā = Pn =
n hΨ n | ρ | Ψ n i tr(ρ)
mit tr(X): Spur des Operators X; Summe aller Diagnoalelemente bezüglich
Orthogonalbasis.
Eigenschaften:
• tr(ABC) = tr(BCA) = tr(CAB)
• tr(U AU −1 ) = tr(AU −1 U ) = tr(A)
Zeitmittel der Umgebungseinflüsse:
Definiere hcn | cm i = Rmn so dass
P
n,m Rmn hΨn | A | Ψm i tr(RA)
hAi = P =
R
n nn tr(R)

daher ρ = R̄.

21.3 Ensembles der Quantenstatistik

a) Mikrokanonisches Ensemble
N, V konstant, Energie in [E, E + ∆E]
Dichtematrix:
½
2 2 1, für E < En < E + ∆E
ρmn = δmn |bn | mit |bn | =
0, sonst
X
tr = δnn |bn |2 = Γ(E)
n

mit Γ(E): Summe der Zustände Ψn in E < En < E + ∆E.


Für kontinuierliches (oder quasi-kontinuierliches) Spektrum der Eigenwer-
te: Γ(E) = ω(E) · (∆E)

58
Inhaltsverzeichnis 27.05.2008

ω(E): Zustandsdichte bei Energie E


Definiere: Entropie ρ(E, V ) = k · log(Γ(E))
b) Kanonisches Ensemble (thermisches Gleichgewicht mit Umgebung)
N, V konstant, T konstant.
Aus klassischer statistischer Mechanik:
Relative Wahrscheinlichkeit für Zustand mit Energie E:
1
e−βE mit β=
kT
Daraus: Dichtematrix:
ρmn = δmn e−βEn → ρ = e−βH
(auf N -Teilchen Hilbertraum)
Zustandssumme: ¡ ¢
QN (V, T ) = tr(ρ) = tr e−βH
Spur hier über alle N-Teilchen Zustände in V.
Obersvable:
­ ® tr(Ae−βH )
Ā =
QN (V, T )
Freie Helmholtz-Energie:
1
A(V, T ) = − log QN (V, T )
β

c) grosskanonisches Ensemble
V, T konstant, Teilchenzahl variabel, chemmisches Potential µ vorgegeben.
Dichtematrixoperator (auf Fockraum)
ρ = e−β(H−µN )
H: Hamiltonoperator in 2. Quantisierung
N: Teilchenzahloperator in 2. Quantisierung
grosskanonische Zustandssumme:

X
L(z, V, T ) = z N QN (V, T )
N =0

mit z = eβµ ³ ´
L(z, V, T ) = tr e−β(H−µN ) = tr(ρ)
ergibt für Observablen:

X
­ ® 1 ­ ® tr(Aρ)
Ā = z N Ā N =
L(z, V, T ) L(z, V, T )
N =0

21.4 Mikrokanonisches Ensemble idealer Quantengase

Betrachte N nicht-wechselwirkende, identische Teilchen (Bosonen oder Fermio-


nen)
XN
p2i
H=
i=1
2m
System in Kasten V = L3 , so dass
 
m
2π~  1 
p= m2 , mi ∈ Z
L
m3

59
Inhaltsverzeichnis 29.05.2008

mit Kontinuumslimes Z
X (V →∞) V
→ d3 p
p
(2π~)3

Vielteilchenzustand in Besetzungszahl-Darstellung

p2
|Np1 , Np2 , . . .i , Ep =
2m
mit X X
E= Np Ep , N= Np
p p

Suche mikrokanonische Zustandssumme Γ(E).


Teile Spektrum des Einteilchen-Hamiltonoperators in Gruppen von Zuständen
(Zellen) mit mittleren Energie εi und Anzahl Zuständen gi Besetzungszahl Zelle

a: na
Definiere: ω{(n1 , n2 , . . .)}: Anzahl möglicher Zustände des Systems mit Beset-
zungszahlen {(n1 , n2 , . . .)} in Zelle 1, 2, . . .
Zustandssumme durch Summation über alle {ni } für welche gilt:
X
E = εi ni
i
X
N = ni
i
X
⇒ Γ(E) = ω({ni })
{ni }

a) Bosonen
mögliche Zustände in einer Zelle (ni Teilchen auf gi Niveaus verteilt)

(ni + gi − 1)!
ωi =
ni !(gi − 1)!

(Auswählen mit zurücklegen. Jedes Niveau darf beliebig besetzt werden)


Y Y ni + gi − 1)!
ω{ni } = ωi =
i i
ni !(gi − 1)!

b) Fermionen
mögliche Zustände in einer Zelle
µ ¶
gi gi !
ωi = =
ni ni !(gi − ni )!

(Auswählen ohne zurücklegen)


Y Y gi !
ω{ni } = ωi =
i i
ni !(gi − ni )!

60
Inhaltsverzeichnis 29.05.2008

c) zur Erinnerung: klassisches Boltzmanngas

gini
ωi =
ni !

Annahme: System nimmt immer den Zustand {n̄i } ein, der ω({ni }) maximiert.
→ Variation mit Nebenbedingungen von
X X
H = log (ω{ni }) − β ni εi − µ ni
i i

mit β, µ: Lagrange-Multiplikatoren, a posteriori bestimmt aus


X X
εi n̄i = E, n̄i = N.
i i

Nutze Stirling-Formel: log(n!) ∼


= n log(n) − n
a) Bosonen
X X X
H = log [(ni + gi − 1)![ − log [n!] − log [(gi − 1)!] − β ni εi − µ ni
i i i
X X X X X

= (ni + gi − 1) log(ni + gi − 1) − ni log ni − (gi − 1) log(gi − 1) − β ni ε i − µ ni
i i i i i

Ableitung nach ni ergibt (z = eβµ )

n̄i = (n̄i + gi − 1)ze−βεi


gi
⇒ n̄i = −1 βε
z e i −1

b) Fermionen: analoge Rechung ergibt

n̄i = (gi − n̄i )ze−βεi


gi
n̄i = −1 βε
z e i +1

c) klassisches Boltzmann-Gas

n̄i = gi ze−βεi

Identifikation mit makroskopischen Grössen:


Nehme: gi → 1:
(
1 Bosonen
n̄p = für
z −1 eβEp ∓ 1 Fermionen
n̄p = ze−βEp für Boltzmanngas
1
→ β = kT inverse Temperatur
µ chemisches Potential
z = eβµ Fugazität.

21.5 Kanonisches und grosskanonisches Ensemble idealer


Quantengase

Zustandssumme für kanonisches Ensemble


X X
QN (V, T ) = e−βE({np }) mit np = N fest.
{np } p

61
Inhaltsverzeichnis 29.05.2008

Im Allgemeinen nicht direkt berechenbar. Statt dessen:


Zustandssumme für grosskanonisches Ensemble.

X ∞ X
X P
L(z, V, T ) = z N QN (V, T ) = z N e−β Ep np

N =0 N =0 {np }

X X Y¡ ¢np
= ze−βEp
N =0 {np } p

Nutze:
∞ X
X XXX
= ...
N =0 {np } n0 n1 n2
XX h¡ ¢n0 ¡ −βE1 ¢n1 i
L(z, V, T ) = ... ze−βE0 ze ...
n0 n1
" #" #
X¡ ¢n0 X¡ ¢
−βE1 n1
= ze−βE0 ze ...
n0 n1
" #
Y X¡ ¢
−βEp n
= ze
p n
P P∞
Bose Gas: n =
b n=0
P P1
b n=0 so dass
Fermi Gas: n =
½ Q 1
Bose
L(z, V, T ) = Qp ¡1−ze−βE−βE
p
¢
p 1 + ze p
Fermi

ergibt Zustandgleichung:
½ P ¡ −βEp
¢
pV − p log
¡ 1 − ze ¢ Bose
= log [L(z, V, T )] = P −βEp
kT p log 1 + ze Fermi

Berechne (für feste Teilchenzahl) Fugazität


(
∂ X ze−βEp Bose
N = z log [L(z, T, V )] = für
∂t p
1 ∓ ze−βEp Fermi

mittlere Besetzungszahlen der einzelnen Zustände



1 X NX P 1 ∂
hnp i = z np e−β Ep np = − log(L)
L n
β ∂Ep
N =0 p

−βEp
ze
=
1 ∓ ze−βEp
und X
N= hnp i
p

⇒ wie bereits aus Betrachtung des mikrokanonischen Ensembles.


Koninuumslimes V → ∞:
X Z
V
→ d3 p
p
(2π~)3

a) Fermi Gas
Z ∞ ³ ´
p 1 2 1
= p2 log 1 + ze−βp /(2m) dp ≡ 3 f5/2 (z)
kT 2π 2 ~3 0 λ

62
Inhaltsverzeichnis 29.05.2008

mit z aus
Z ∞
N 1 1 1
ν= = p2 1 = f3/2 (z)
V 2π 2 ~3 0 z eβp2 /(2m) +1 λ3

wobei r
2π~2
λ=
mkT
thermische Wellenlänge
Z ∞ ³ ´ X∞
4 2 (−1)`+1 z `
f5/2 (z) = √ x2 log 1 + ze−x dx =
π 0 `=1
`5/2
X (−1)`+1 z ` ∞

f3/2 (z) = z f5/2 (z) =
∂z `3/2 `=1

b) Bose Gas
Beitrag des Grundzustandes p = 0 zu Zustandsgleichung und Teilchenzahl
¯
pV ¯¯ z
= − log(1 − z), Np=0 =
kT ¯p=0 1−z

→ divergent für z = 1.
⇒ Betrachte Kontinuumsübergang nur für |p| > 0, p = 0 ergibt zusätzli-
chen (Endpunkt-) Beitrag.
Z ∞ ³ ´
p 1 2 1
= − 2 3 p2 log 1 − ze−βp /(2m) dp − log(1 − z)
kT 2π ~ 0 V
1 1
≡ 3
g5/2 (z) − log(1 − z)
λ ZV ∞
N 1 1 1 z
ν = = 2 3
p2 1 βp2 /(2m) +
V 2π ~ 0 ze −1 V 1−z
1 1 z
≡ g3/2 (z) +
λ3 V 1−z
wobei
Z ∞ ³ ´ X∞
4 2 z`
g5/2 (z) = −√ x2 log 1 − ze−x dx =
π 0 `=1
`5/2
X z` ∞

g3/2 (z) = z g5/2 (z) =
∂z `3/2 `=1

gi (z): stetig, monoton steigend auf z = {0, −1}, gi (0) = 0, gi (1) = J(i)
(Riemann J-Funktion)

21.6 Bose-Einstein-Kondensation

Mittlere Besetzungszahl des Grundzustandes im Bose-Gas:


z
hn0 i =
1−z
so dass
hn0 i
λ3
= λ3 ν − g3/2 (z).
V
Im Allgemeinen: Grundzustand nicht deutlich stärker besetzt als andere Zustände

hn0 i
λ3 '0
V

63
Inhaltsverzeichnis 29.05.2008

¡ ¢
aber falls λ3 ν > g3/2 (1) = J 32 = 2.612...
⇒ Makroskopische Besetzung des Grundzustandes (Bose-Einstein-Kondensation)
Phasenübergang bei kritischer Temperatur (V konstant)
¡ ¢
J 23 2π~2
λc = ⇔ kTc = µ ¶2/3
ν J ( 32 )
m ν

oder kritischer Dichte (T konstant)


µ ¶µ ¶3/2
3 mkT
νc = J
2 2π~2

thermische Wellenlänge ' mittlerer Teichenabstand.

64
Index

C T

Casimir-Energie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Thomson-Streuquerschnitt . . . . . . . . . 33
Casimir-Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Totale Zerfallsrate . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Coulomb-Eichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
U
D
Übergangsrate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Dispersionsrelation . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Z
E
Zeitentwicklungsoperator . . . . . . . . . . 11
Euler-McLawrin Formel. . . . . . . . . . . .34

Fermi’s Goldene Regel . . . . . . . . . . . . . 25


Fermi-Energie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
Fermi-Kugel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Fockraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Gesamtteilchenzahloperator . . . . . . . . 41

Heisenberg-Operator . . . . . . . . . . . . . . . 11

Kramers-Heisenberg Formel . . . . . . . . 26
Kramers-Kronig-Relation . . . . . . . . . . 31

Lorentz-Eichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

Pauli-Ausschliessungsprinzip . . . . . . . 37

Rayleigh-Streuquerschnitt . . . . . . . . . 27

sphärische Bessel-Funktion . . . . . . . . . . 8
Sphärische Bessel-Funktion . . . . . . . . . 4
sphärische Hankel-Funktion . . . . . . . . . 8
Sphärische Hankel-Funktion. . . . . . . . .6
sphärische Neumann-Funktion . . . . . . 8
Sphärische Neumann-Funktion . . . . . . 6
Streulänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

65