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QM I - Vorlesungs-Script

Prof. Th. Gehrmann

Herbstsemester 07

Mitschrift:
Eveline Hardmeier

$Id$
Inhaltsverzeichnis

1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1 Teilchennatur elektromagnetischer Wellen . . . . . . . . . 1
1.2 Welleneigenschaften der Materie . . . . . . . . . . . . . . 3
1.3 Diskrete Energieniveaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2 Wellenmechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.1 Wellenfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Schrödinger-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.3 Lösung der freien Schrödinger-Gleichung . . . . . . . . . . 5
2.4 Orts- und Impulsraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.5 Hilbertraum und Operatoren . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.6 Messungen in der Quantenmechanik . . . . . . . . . . . . 9
2.7 Eigenfunktionen des Hamilton-Operators . . . . . . . . . 10
3 Elementare Systeme in der Quantenmechanik . . . . . . . . . . . 11
3.1 Teilchen im Kasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
3.2 Potentialstufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.3 Allgemeine Potentiale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
4 Formalismus der Quantenmechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
4.1 Dirac-Notation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
4.2 Orts-und Impulseigenfunktionen . . . . . . . . . . . . . . 17
4.3 Operatoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
4.4 Axiome der Quantenmechanik . . . . . . . . . . . . . . . 20
4.5 Kommutierende Observablen . . . . . . . . . . . . . . . . 20
4.6 Heisenberg’sche Unschärferelation . . . . . . . . . . . . . 20
4.7 Energiemessung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
4.8 Schrödinger- und Heisenbergbild . . . . . . . . . . . . . . 22
5 Harmonischer Oszillator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
5.1 Algebraische Bestimmung des Spektrums . . . . . . . . . 23
5.2 Hermite-Polynome . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
5.3 Messungen am harmonischen Oszillator . . . . . . . . . . 25
5.4 Kohärente Zustände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
5.5 Mehrdimensionaler Oszillator . . . . . . . . . . . . . . . . 27
6 Rotationssymmetrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
6.1 Drehgruppe SO(3) und Lie-Algebra . . . . . . . . . . . . 27
6.2 Unitäre Darstellung des SO(3) . . . . . . . . . . . . . . . 29
6.3 Bestimmung der Drehimpuls-Eigenfunktionen . . . . . . . 30
7 Das Zentralpotential . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
7.1 Drehimpuls . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
7.2 Das Wasserstoff-Atom: Coulomb-Potential . . . . . . . . . 34
8 Teilchen im elektromagnetische Feld . . . . . . . . . . . . . . . . 36
8.1 Hamilton-Operator im elektromagnetischen Feld . . . . . 37
8.2 Normaler Zeemann-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
8.3 Aharonov-Bohm-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
9 Spin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
9.1 SU(2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
9.2 Spin-1/2 Elektron . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
9.3 Anomaler Zeeman-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
10 Addition von Drehimpulsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
10.1 Clebsch-Gordon-Zerlegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

i
10.2 Bahndrehimplus und Spin-1/2 . . . . . . . . . . . . . . . 44
11 Spineffekte in atomaren Spektren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
11.1 Wigner-Eckart-Theorem: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
11.2 Zeitunabhängige Störungstheorie . . . . . . . . . . . . . . 48
11.3 Spin-Bahn-Kopplung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
11.4 Relativistische Korrekturen . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
11.5 Hyperfeinstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
12 Approximationsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
12.1 Brillouin-Wigner Störungstheorie . . . . . . . . . . . . . . 52
12.2 Wentzel-Kramers-Brillouin (WKB) Methode . . . . . . . 53
12.3 Variationsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
13 Quantenmechanische Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
13.1 Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon . . . . . . . . . . . . 56
13.2 Verdeckte Variablen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
13.3 Experimentelle Überprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . 58
13.4 Quanten-Teleportation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
14 Streutheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
14.1 Lippmann-Schwinger-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . 60
14.2 Born’sche Näherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65

ii
Inhaltsverzeichnis 25.09.2007

1 Einführung
• Klassische Physik (≤ 1900)
– Mechanik
– Elektrodynamik/Optik
– Thermodynamik/Statistische Mechanik
• Erfolgreiche Beschreibung makroskopischer Phänomene
• ∼ 1900 − 1920: Beobachtung unerklärter mikroskopischer Phänomene:
– Photoelektrischer Effekt
– Spektrum der Schwarzkörperstrahlung
– Diskrete Spektren bei Energieabsorption und -emission an Atomen
– Interferenz von Materiestrahlen (Beugung am Doppelspalt)
• Wechselseitige Unverträglichkeit der klassischen Theorien in Grenzgebie-
ten
– Mechanik/Elektrodynamik (Galilei-Transformation/Konstanz der
Lichtgeschwindigkeit)
→ Spezielle Relativitätstheorie
– Elektrodynamik/statistische Mechanik (Wellenmoden des Lichtes/
Schwarzkörperstrahlung)
→ Quantentheorie

1.1 Teilchennatur elektromagnetischer Wellen

Planck’sches Strahlungsgesetz Klassische Betrachtung der Strahlung von


schwarzen Körpern bei Temperatur T . Es sind nur stehende Wellen im Hohlraum

erlaubt.
~ k = 0, ∂n E⊥ = 0.
Randbedingungen: E

Ex1 (~x) = Ex01 cos(k1 x1 ) sin(k2 x2 ) sin(k3 x3 )

mit ki = π2 ni , ni ∈ N und zwei linear unabhängigen Eigenschwingungen zu


jedem ki mit Eigenfrequenzen ω = c|k|.
Betrachte die Zahl der Eigenschwingungen bis Frequenz ω (Modenkugel). Für
x, y, z positiv, ist
µ ¶3
1 4π ωL V ω3
N (ω) = 2 = 2 3
8 3 πc π c 3
und
dN ω2
= V 2 3.
dω π c

1
Inhaltsverzeichnis 25.09.2007

Energiedichte pro Frequenzintervall (Energie kT pro Oszillator):

1 kT
u(ω, T )dω = dN kT = 2 3 ω 2 dω
V π c
Die Gesamtenergiedichte ist
Z ∞
U= u(ω) dω → ∞ (UV-Katastrophe),
0

im Gegensatz zur empirischen Beobachtung (Wien’sches Gesetz)


(ω→∞)
u(ω) −→ Aω 3 e−gω/T , A, g konstant

Interpolation von Planck:

ω2 ~ω
u(ω, T ) =
π 2 c3 exp(~ω/kT ) − 1
h
mit k = 1, 34 · 10−23 J/K und ~ = 1.04 · 10−34 Js = 2π .

Mikroskopische Interpretation: Boltzmann-Formel für Phasenraumdichte


eines thermodynamische Systems:

e−βH(p,q)
ω(p, q)dp dq = dp dq
Z(β)
Z
1
β = , Z(β) = pe−βH(p,q) dqdp
kT
p2 1
H(p, q) = + mω02 q 2 (Hamilton-Funktion)
2m 2
Mittlere Energie pro Oszillator:
Z
∂ ¡ ¢
Ē = H(p, q)ω(p, q) dqdp = log Z(β) = kT,
∂p
unabhängig von der Eigenfrequenz ω0 .
Planck’sche Hypothese: Energien des Oszillators sind quantisiert:

En = ~ω0 n, n ∈ N0 .

Daraus folgt:

X
e−βn~ω0 1
ωn = , Z(β) = e−βn~ω0 =
Z(β) n=0
1 − e−β~ω0
∂ ¡ ¢ ~ω0
⇒ Ē = − log Z(β) = ~ω /kT
∂p e 0 −1
⇒ Energie des elektromagnetischen Feldes kommt in diskreten Energiepaketen
(Lichtquanten: Photonen) → Photonhypothese
Weitere Evidenz für Photonhypothese:
Photoeffekt: Licht kann (unabhängig von der Intensität) eine Metalloberfläche
nur oberhalb einer bestimmten Frequenz ω ionisieren. Die austretenden Elek-
tronen haben konstante kinetische Energie T .

T = ~ω − W, W : Austrittsarbeit

2
Inhaltsverzeichnis 27.09.2007

Compton-Effekt: Streuung von Licht an Elektronen.


Kinematik beschrieben durch relativistischen 2→2 Streuprozess

γ+e → γ 0 + e0
à ! µ ¶ à ! à q !
|~k| mc |k~0 | |p~0 |2 + m2 c2
~ ~k + → ~ + .
0 k~0 p~0

Viererimpulserhaltung und Massenschalen-Bedingungen:


~ ~ ~0
⇒ |~k| − |k~0 | = |k| · |k |(1 − cos θ)
mc
~
λ − λ0 = 4π sin2 (θ/2) (Compton-Formel)
mc
→ Licht besitzt Teilcheneigenschaften.

1.2 Welleneigenschaften der Materie

Doppelspaltesperimente mit Elektron- oder Atomstrahlen.


Empirische Beobachtung: Interferenzmuster können für nicht relativistische Teil-
h
chen mit Impuls p interpretiert werden, wenn eine Wellenlänge λ = angenom-
p
men wird.

Für Elektronen gilt:


hc 1, 22nm
λ= r ³ 2´=p
p Ekin [eV]
2mc2 2m

→ Materie besitzt Welleneigenschaften.

1.3 Diskrete Energieniveaus

• Franck-Hertz Versuche: Energie-Absorption in Hg-Dampf.


Interpretation: Elektronen können kinetische Energie nur in diskreten Pa-
keten von 4, 9eV an Hg-Atome abgeben.
(diskreter Übergang: Grundzustand → angeregter Zustand)
• Absorption: Atome absorbieren/emittieren Licht nur bei diskreter Energie.
Zum Beispiel H-Atom:
µ ¶
1 1
~ω = R − 2 , n, m ∈ N0 , R = 13GeV
n2 m

3
Inhaltsverzeichnis 27.09.2007

2 Wellenmechanik

2.1 Wellenfunktion

Interpretation der Beugungsexperimente mit Materie (de Broglie). Ein Teilchen


mit Energie E und Impuls p~ wird einer Welle mit ω = E/~ und ~k = p~/~
zugeordnet.
Ebene Welle:
~
Ψ(~x, t) = Cei(k~x−ωt)
In der Elektrodynamik:
~ B
• E, ~ ebene Wellen

• Lichtintensität (Energiedichte):
1 ~ ε0 ~
w(~x, t) = B(~x, t)2 + E(~ x, t)2 .
2µ0 2

Interpretation der Interferenz:


• Spalt 1 offen: |Ψ1 |2
• Spalt 2 offen: |Ψ2 |2
• Beide Spälte geöffnet: |Ψ1 + Ψ2 |2 = Ψ21 + Ψ22 + 2Re (Ψ?1 Ψ2 )

Anmerkungen:
• ρ(~x, t)d3 x = |Ψ(~x, t)|2 d3 x ist die Wahrscheinlichkeit, ein Teilchen im Vo-
lumenelement d3 x am Ort ~x zur Zeit t zu finden. Für 1-Teilchen Systeme
ist Z
ρ(~x, t)d3 x = 1.

• Auf dem Schirm werden einzelne punktförmige Teilchen nachgewiesen,


welche nach ρ(~x, t) statistisch verteilt sind.
• Interferenz ist kein Vielteilchenphänomen, sondern tritt auch bei sehr
schwachen Quellen (≤ 1 Teilchen gleichzeitig in der Apparatur) auf.

2.2 Schrödinger-Gleichung

Suche Bewegungsgleichung für Ψ(~x, t).


Anforderungen:
• Linearität in Ψ (=
b Superposition)
• erster Ordnung in t
(=
b Anfangsbedingung durch Ψ(~x, t = 0) eindeutig festgelegt)
R
• homogen (=b Erhaltung der Norm d3 x|Ψ|2 = 1)
p2
• nicht-relativistische Energie-Impuls Relation E = .
2m

4
Inhaltsverzeichnis 02.10.2007

Ebene Welle eines freien Teilchens:


“ ”
p2
i/~(~
p~
x−Et) i/~ p~~
x− 2m t
Ψ(~x, t) = Ce = Ce
∂ i p2 i ~2
⇒ Ψ(~x, t) = − Ψ(~x, t) = ∆Ψ(~x, t).
∂t ~ 2m ~ 2m
Daraus folgt die Schrödinger-Gleichung für ein freies Teilchen:

∂ ~2
i~ Ψ(~x, t) = − ∆Ψ(~x, t).
∂t 2m
Schrödinger-Gleichung für ein Teilchen in einem externen Potential V (~x):
µ ¶
∂ ~2
i~ Ψ(~x, t) = − ∆ + V (~x) Ψ(~x, t).
∂t 2m

2.3 Lösung der freien Schrödinger-Gleichung

• Ebene Welle:
1
Ψ(~x, t) = Cei/~(~p~x−Et) ⇒ ρ = C 2 konstant, C ∼ √
V

• Wellenpakete (analog zur Optik)


Z
1
Ψ(~x, t) = p)ei/~(~p~x−Et) d3 p.
ϕ(~
(2π~)3

Betrachte Gauss’sches Wellenpaket (1d)


2
(p−p0 )2 d2
ϕ(p) = Ae−1/~ .

Definiere:
d2 t d2 p 0 x d2 p20
a= 2
+i , b= 2
+i , c= .
~ 2m~ ~ 2~ ~2

Z µ (
¶2 )

A b b2
Ψ(x, t) = exp −a p − + − c dp
2π~ −∞ a a
r ½ 2 ¾
A π b
= exp −c
2π~ a a

ergibt Wahrscheinlichkeitsdichte
µ ¶2 ½ µ 2 ¶¾
A π b − ac
|Ψ(x, t)|2 = exp 2Re .
2π~ |a| a

5
Inhaltsverzeichnis 02.10.2007

Definiere:
p0 t~
v= , ∆=
m 2md2
und normiere
Z √
|Ψ(x, t)|2 dx = 1
4
⇒A= 8πd2 .

Erwartungswert und Varianz der Ortskoordinate:


Z ∞
hxi = x|Ψ(x, t)|2 dx = vt
−∞
q p
2
∆x = hx2 i − hxi = d 1 + ∆2 .

2.4 Orts- und Impulsraum

Fourier-Transformation verbindet Wellenfunktionen im Impulsraum und im Orts-


raum.
Z
1
Ψ(~x, t) = p, t)ei/~~p~x d3 p
ϕ(~
(2π~)3
Z
1
ϕ(~p, t) = Ψ(~x, t)e−i/~~p~x d3 x
(2π~)3
Definiere die Wahrscheinlichkeitsdichte im Impulsraum:
1
w(~
p, t) = p, t)|2 .
· |ϕ(~
(2π~)3
Aus dem Parseval-Theorem der Fourier-Transformation,
Z Z
1
|Ψ(~x, t)|2 d3 x = p, t)|2 d3 p,
|ϕ(~
(2π~)3
folgt: Z Z
p, t) d3 p = 1,
w(~ für |Ψ(x, t)|2 d3 x = 1.

Für Gauss’sche Wellenpakete in 1d (→ Übung) (freie Schrödinger Gleichung)


gilt:
r n o
2d 2
• w(~
p, t) = exp −2(p − p0 )2 ~d2
π~
• hpi = p0
~
• ∆p = .
2d

6
Inhaltsverzeichnis 02.10.2007

2.5 Hilbertraum und Operatoren

Wellenfunktionen der Quantenmechanik erfüllen die Normierungsbedingung


Z
|Ψ(~x, t)|2 d3 x = endlich.

Ψ(~x, t) ∈ L2 : Raum der quadratintegrablen Funktionen. L2 ist ein Vektorraum


(Banach-Raum).
Definiere das Skalarprodukt auf L2 :
Z
(Ψ, ϕ) = Ψ? (~x)ϕ(~x) d3 x = (ϕ, Ψ)? ,

• existiert für alle Ψ, ϕ ∈ L2


p
• definiere Norm auf L2 : kΨk = (Ψ, Ψ).
L2 mit Skalarprodukt und Norm heisst Hilbertraum.

Operatoren auf L2 : Abbildungen A : L2 → L2


Beispiel:
Ψ0 (x) = AΨ(x), Ψ, Ψ0 ∈ L2 .

Lineare Operatoren: Folgende Bedingungen müssen erfüllt werden:


¡ ¢
A λ1 Ψ1 (~x) + λ2 Ψ2 (~x) = λ1 AΨ1 (~x) + λ2 AΨ2 (~x).

Beispiel:
• Ortsoperator ~x, Laplaceoperator ∆.
• Impulsoperator
Betrachte Impuls-Erwartungswert im Ortsraum:
Z
1
h~
pi = ϕ? (~
p, t)~
pϕ(~ p, t) d3 p
(2π~)3
Z µZ ¶µZ ¶
1 ~0 ? ~0 3 0
= e i/~~
p·x
Ψ (x , t) d x p~ · e −i/~~
p·~
x
Ψ(~x, t) d x d3 p
3
(2π~)3 | {z }
~ x e−i/~~
=i~∇ p~
x
Z µZ ¶ µZ ³ ´ ¶
i~ i/~~ ~0 ? ~0
p·x 3 0 ~ x e−i/~~p·~x Ψ(~x, t) d3 x d3 p
= e Ψ (x , t) d x ∇
(2π~)3
Z µZ ¶µ Z ¶
(?) i~ ~0 ? ~0 3 0 x~ 3
= e i/~~
p·x
Ψ (x , t) d x − e −i/~~
p~
∇ x Ψ(~
x , t) d x d3 p
(2π~)3
Z Z Z
i ~ 1 0
= − ? 0
Ψ (~x , t)∇x Ψ(~x, t) 3
ei/~~p(~x −~x) d3 p d3 x0 d3 x
~ (2π~)
| {z }
x0 −~
=δ(~ x)
Z
= −i~ ~ x Ψ(~x, t) d3 x
Ψ? (~x, t)∇
D E
= ~x
−i~ ∇

(?): Partielle Integration in ~x. Ψ ∈ L2 ⇒ Randwerte in ~x → ∞ verschwin-


den.
⇒ Impulsoperator p~ ist in Ortsdartellung gegeben durch
~~
p~ = ∇x .
i

7
Inhaltsverzeichnis 04.10.2007

Operationen mit Operatoren:


• (A + B)Ψ = AΨ + BΨ
• (AB)Ψ = A(BΨ)
• (λ · A)Ψ = λ(AΨ), λ ∈ C
• Spezielle Operatoren: 1 und 0
A1 = 1A, 0A = A0 = 0

Kommutator-Relationen: Im Allgemeinen ist die Reihenfolge der Anwen-


dung von Operatoren nicht vertauschbar. Das heisst:

ABΨ 6= BAΨ.

Definiere Kommutator:
[A, B] = AB − BA.

Beispiel:

[xi , xj ] = 0
· ¸ µ ¶
∂ ∂ ∂
xi , Ψ = xi − xi Ψ
∂xj ∂xj ∂xj
∂ ∂
= xi Ψ − δij Ψ − xi Ψ = −δij Ψ
∂xj ∂xj
· ¸

⇒ xi , = −δij .
∂xj

Definitionen:
• Erwartungswert eines Operators; Ψ ∈ L2 :
Z
hAiΨ = (Ψ, AΨ) = Ψ? (~x)AΨ(~x) d3 x.

• Adjungierter Operator: A†

(A† ϕ, Ψ) := (ϕ, AΨ), ∀ϕ, Ψ ∈ L2 ,

das heisst: Z Z
3
† ?
(A ϕ) Ψ d x = ϕ? (AΨ) d3 x.

• Hermitescher Operator: Selbstadjungierter Operator A† = A wird als her-


mitescher Operator bezeichnet.

Eigenwerte von Operatoren: (Analog zur LinAlg)


Ψi ist Eigenfunktion von A mit Eigenwert ai ∈ C, wenn gilt:

AΨi = ai Ψi .

Für hermitesche Operatoren gilt:


• Die Eigenwerte ai sind reell.
Beweis:

a?i (Ψi , Ψi ) = (AΨi , Ψi ) = (Ψi , A† Ψi )


(A=A† )
= (Ψi , AΨi ) = ai (Ψi Ψi )
⇒ a?i = ai .

8
Inhaltsverzeichnis 04.10.2007

• Ψi zu verschiedenen Eigenwerten sind orthogonal.


Beweis:
AΨi = ai Ψi , AΨj = aj Ψj

(A=A† )
aj (Ψi , Ψj ) = (Ψi , AΨj ) = (AΨi , Ψj ) = ai (Ψi , Ψj )
⇒ 0 = (ai − aj )(Ψi , Ψj )
⇒ (Ψi , Ψj ) = 0, für ai 6= aj .

Basis der Eigenfunktionen: Für einen hermiteschen Operator existiert im-


mer eine orthonormale Basis mit (Ψi , Ψj ) = δij .
• Es ist möglich, dass mehrere Eigenfunktionen zum gleichen Eigenwert exis-
tieren (Entartung).
Seien Ψa , Ψb Eigenfunktionen mit dem gleichen Eigenwert. Definiere ei-
ne Matrix Cab = (Ψa , Ψb ). Aufgrund der Definition des Skalarproduktes
† ¡
folgt: Cab = Cba . Daraus folgt, dass C † = C T )? eine hermitesche Matrix
ist.
⇒ C kann durch eine unitäre Transformation diagonalisiert werden. Das
heisst C D = U † CU ist diagonal.
X X
† D
⇒ (Uaα Ψa , Ψb Ubβ ) = Uaα Cab Ubβ = Cαβ diagonal
a,b a,b

P
• Ψb = b Ψb Ubβ sind orthogonal.
• Normierung: Ψa → Ψa · (Ψa , Ψa )−1/2

Entwicklung eines beliebigen Ψ(s) in eine orthonormale Basis, welche


durch Ψi gegeben sei.
X
Ψ(~x) = ci Ψi (~x), mit ci = (Ψi , Ψ)
i
XZ
= Ψ?i (~x0 )Ψ(~x0 ) d3 x0 Ψi (~x).
i

Da dies für beliebiges Ψ(x) gilt, erfüllen die Ψi


X
Ψ?i (~x0 )Ψi (~x) = δ 3 (~x0 − ~x) (Vollständigkeits-Relation).
i

2.6 Messungen in der Quantenmechanik

• Wir haben Observablen der klassischen Mechanik ausgedrückt durch her-


mitesche Operatoren.
• Der Erwartungswert und die Varianz der Messung dieser Observablen für
ein System mit Wellenfunktion Ψ(~x, t) sind gegeben durch

hAi = (Ψ, AΨ)


q
2
∆A = hA2 i − hAi .

Beispiel:
Operator Darstellung im Ortsraum
Ort ~x ~x
Impuls p~ −i~∇ ~
2
~
Energie H − 2m ∆

9
Inhaltsverzeichnis 09.10.2007

• Erwartungswerte von Observablen erfüllen klassische Bewegungsgleichung


(Ehrenfest-Theorem)
Beachte:
∂ ∂ ?
i~ Ψ = HΨ, −i~ Ψ = HΨ?
∂t ∂t
Z µ ¶ Z ³ ´
~2 ~2 ~ ? ·∇ ~ (AΨ) d3 x
− ∆Ψ? AΨ d3 x = ∇Ψ
2m 2m
Z
~2
= − Ψ? ∆(AΨ) d3 x
2m
Z
= Ψ? HAΨ d3 x

Daraus folgt:
Z · ¸
d ∂Ψ? ∂A ∂Ψ 3
hAi = AΨ + Ψ? Ψ + Ψ? A d x
dt ∂t ∂t ∂t
Z ·µ ¶ µ 2 ¶¸
i ~2 ~
= − ∆Ψ? AΨ + Ψ? A ∆Ψ dx3
~ 2m 2m
Z µ ¶
∂A
+ Ψ? Ψ d3 x
∂t
Z ¿ À
i ∂A
= [Ψ? HAΨ − Ψ? AHΨ] d3 x +
~ ∂t
¿ À
i ∂A
= h[H, A]i +
~ ∂t

• Vergleiche: Bewegungsgleichung der Hamilton-Mechanik:


d ∂f
f (p, q, t) = {H, f } +
dt ∂t
mit Poisson-Klammer:
∂a ∂b ∂b ∂a
{a, b} = −
∂p ∂q ∂p ∂q

Klassische Bewegungsgleichung im konservativen Kraftfeld:

d2 D E
m h~
x i = hF (~
x )i = − ~ (~x) .
∇V
dt2

2.7 Eigenfunktionen des Hamilton-Operators

Stationäre Lösungen der Schrödinger-Gleichung =


b Energie-Eigenfunktionen:

Ψi (~x, t) = e−iEi t/~ Ψi (~x)

• Ψi (~x) sind Eigenfunktionen des Hamilton-Operators:

HΨi (~x) = Ei Ψi (~x)

Entwicklung in Ψi ergibt eine Lösung für allgemeine Anfangsbedingung


Ψ(~x, t = 0) = Ψt=0
X
Ψ(~x, t) = cn e−iEn t/~ Ψn (~x), cn = (Ψ?n , Ψt=0 )
n

10
Inhaltsverzeichnis 09.10.2007

erfüllt Schrödinger-Gleichung.
∂ X X
i~ Ψ(~x, t) = En cn e−i/En t/~ Ψn (~x) = H e−iEn t/~ Ψn (~x)
∂t n n
= HΨ(~x, t)

⇒ Die Lösung der Schrödingergleichung entspricht dem Eigenwertproblem


des Hamilton-Operators:

~2
H(~x) = − ∆ + V (~x).
2m

3 Elementare Systeme in der Quantenmechanik


Zeitunabhängige Schrödigergleichung
· ¸
~2
En Ψn (~x) = HΨn (~x) = − ∆ + V (~x) Ψn (~x)
2m

beschreibt stationäre Zustände, welche harmonische Zeitabhängigkeit haben.


→ Wellenpakete durch Superposition.
Viele Systeme (Oberflächen, Übergänge, idealisierte Effekte) lassen sich in einer
Dimension betrachten, und sind durch ortsabhängiges Potential V (x) gegeben.

3.1 Teilchen im Kasten

Betrachte Potentialtopf mit unendlich hohen Wänden


Anforderungen an Ψ:

• Ψ(x 6∈ [0, a]) = 0


• Ψ(x) stetig
⇒ Randbedingungen: Ψ(0) = Ψ(a) = 0
Allgemeine Lösung der zeitunabhängigen Schrödinger-Gleichung:
 ³ p ´ ³ p ´

 A cosh x
2m|E| + B sinh x
2m|E| , E<0
 ~ ~
Ψ(x) = A + Bx,
³ √ ´ ³ √ ´ E=0


 A cos x 2mE + B sin x 2mE , E>0
~ ~

• Randbedingungen nur erfüllt für E > 0 : A = 0


• Energie-Eigenewerte aus Nullstellen von sin(. . .)

n2 π 2 ~2 ³ nπx ´
En = ,n∈N ⇒ Ψn (x) = Bn sin
2ma2 a

11
Inhaltsverzeichnis 09.10.2007

Normierte Eigenfunktionen:
Z a ³ nπx ´ r ³ nπx ´
2 2 a 2
1 = |Bn | sin dx = |Bn |2 ⇒ Ψn (x) = sin
0 a 2 a a

• diskretes Energiespektrum
π 2 ~2
• niedrigster Zustand: E1 = >0
2ma2

3.2 Potentialstufe

Betrachte: Stufenpotential (zum Beispiel Materialübergang) Allgemeine Lösung

der zeigunabhängigen Schrödinger-Gleichung für


• x < 0:
~2 d2 d2 2mE
Ψ = EΨ
− ⇒ Ψ=− 2 Ψ
2m dx2 dx2 ~
(Wellengleichung).

– Allgemeine Lösung mit k = 2mE:

Ψk (x) = Aei/~kx + Be−i/~kx .

– Oszillierende Lösungen nur für E > 0 (k reell).


– A : einlaufender Teilchenstrom in +x-Richtung
B: auslaufender Teilchenstrom in −x-Richtung.
Normiere A = 1, B = r.

12
Inhaltsverzeichnis 09.10.2007

Wahrscheinlichkeitsstrom:
µ ¶
i~ ∂ ? ? ∂
j− (x) = Ψ Ψ −Ψ Ψ
2m ∂x ∂x
k ¡ ¢
= 1 − |r|2 = jin − jrefl.
m
x≥0:
d2 2m
Ψ = − 2 (E − V0 )Ψ
dx2 ~
Betrachte zunächst: E > V0
p
Allgemeine Lösung mit ` = 2m(E − V0 ):

Ψ` = Cei/~`x + De−i/~`x

– keine Quelle bei x → +∞ ⇒ D = 0 (keine reflektierte Welle)


– C = Transmission ⇒ C = t (transmittierte Welle)
Übergangsbedingungen bei x = 0:
– Ψ, Ψ0 stetig
(falls Ψ0 ∼ Θ(x) ⇒ Ψ0 (x) ∼ δ(x), Ψ00 (x) ∼ δ 0 (x)
⇒ unvereinbar mit endlicher Stufe in V (x))
Ψ stetig ⇒ 1 + r = t
Ψ0 stetig ⇒ (1 − r)k = t`
Daraus folgt:
`
2 1− k
t= `
, r= `
.
1+ k 1+ k
Wahrscheinlichkeitsstrom für einlaufenden Strom in +x-Richtung:
` 2
j+ (x) = |t| = jtrans .
m
Reflexionswahrscheinlichkeit:
¡ ¢2
jrefl. 2 1 − k`
R= = |r| = ¡ ¢2
jin 1 + k`

Transmissionswahrscheinlichkeit:
jtrans ` ` 4
T = = |t|2 = ¡ ¢
jin k k 1+ ` 2
k

13
Inhaltsverzeichnis 11.10.2007

Diskussion:
• klassisch (E > V0 ): Teilchen verlangsamt sich am Übergang, bewegt sich
aber immer in +x-Richtung weiter.
Rklass. = 0, Tklass. = 1.
• Grenzfall E → ∞ (V0 unerheblich) ` → k, R = 0, T = 1
• Stromerhaltung j− (x) = j+ (x) ist erfüllt:

⇒ jin = jrefl. + jtrans.

Betrachte jetzt E < V0 :

d2 2m
Ψ = 2 (V0 − E)Ψ.
dx2 ~
p
Allgemeine Lösung mit κ = 2m(V0 − E):

Ψκ = Ce−1/~κx + De1/~κx .

Endliche Lösung: D = 0, C = t
Ψ stetig ⇒ 1 + r = t
Ψ0 stetig ⇒ ik(1 − r) = −tκ
Daraus folgt:
k − iκ 2κ
r= , t= .
k + iκ k + iκ
Wahrscheinlichkeitsströme:
R = |r|2 = 1: Totalreflexion
⇒ j+ = jtrans = 0.

3.3 Allgemeine Potentiale

Allgemein gilt:
• für E > V0 : oszillierende Lösung
• für E < V0 : exponentiell gedämpfte Lösung.
Vorgehen bei mehreren Potentialstufen:
1. Bestimmung der Lösung in jedem Bereich konstanten Potentials
2. Bestimmung der Koeffizienten aus Kontinuitätsgleichungen für Ψ, Ψ0 an
den Übergängen.

14
Inhaltsverzeichnis 11.10.2007

Beispiele:
a) Endlicher Potentialtopf
½
−V0 , |x| ≤ a
V (x) =
0, |x| > a

Lösungen:
– E < 0: gebundene Zustände (exponentielle Dämpfung für |x| > a).
– E > 0: freie Zustände
E > 0: Streuung am Potentialtopf
Allgemeine Lösung der Schrödinger-Gleichung:

x < −a : Ψk (x) = eikx/~ + re−ikx/~ , k= 2mE
i`x/~ −i`x/~
p
|x| ≤ a : Ψ` (x) = Ae + Be , ` = 2m(E + V0 )
x>a: Ψk (x) = teikx/~

Übergangsbedingungen:

x = +a : t = Aei(`−k)a/~ + Be−i(`+k)a/~
µ ¶
k
t = Aei(`−k)a/~ − Be−i(`+k)a/~
`
x = −a : e−ika/~ + reika/~ = Ae−i`a/~ + Bei`a/~
µ ¶³ ´
k
e−ika/~ − reika/~ = Ae−i`a/~ − Bei`a/~
`

ergibt:
e−2ika/~
t= ¡ 2`a ¢ 2 +k 2 ¡ ¢
cos ~ − i ` 2`k sin 2`a
~

Daraus ergibt sich die Transmissionswahrscheinlichkeit:


à ¡ ¢ 2 !−1
jtrans sin2 2`a V0
T = = |t|2 = 1+ ~
jin 4E(E − V0 )

– T ≤ 1: Ein Teil des einlaufenden Stromes wird vom Potentialtopf


reflektiert.
2`a
– T = 1: Für = nπ (resonante Transmission) =
b Resonanzenergien:
~
`2 ~2 π 2
En = − V0 = n 2 − V0 > 0
2m 8ma2
→ Energie-Eigenwerte eines unendlich tiefen Potentialtopfes mit Brei-
te 2a.
– T minimal für
2`a 2n + 1
= π
~ 2

15
Inhaltsverzeichnis 16.10.2007

b) Potentialbarriere ½
V0 , −a ≤ x ≤ a
V (x) =
0, |x| > a
Beachte: endliche Transmission auch für E < U0 ⇒ Tunneleffekt.
Transmission aus Betrachtung einer Potentialbarriere mit 0 < E < −V0
p
⇒` = 2m(E + V0 ) rein imaginär
 ³ ´ −1
sinh2 2|`|a
~ V02
T = |t|2 = 1 + 
4E(−E − V0 )
|`|a
16E(−V0 − E) ³ p a´
~ À1
' exp −4 2m|V 0 + E|
V02 ~

exponentiell unterdrückt.

Eigenschaften der Eigenfunktionen:


• Parität
P f (x) = f (−x).
Für symmetrische Potentiale gilt: P V (x) = V (x)

P Hf (x) = Hf (−x) = HP f (x)


⇒ [P, H] = 0.

Somit sind Ψ(x) und Ψ(−x) Eigenfunktionen von H zum gleichen Eigen-
wert E. Wähle diese als

Ψeo (x) = Ψ(x) ± Ψ(−x),


P Ψeven = +Ψeven
P Ψodd = −Ψodd

• Realität
HΨ(x) = EΨ(x) ⇒ HΨ? (x) = EΨ? (x)
so dass
1 1
(Ψ + Ψ? ) = Re Ψ und (Ψ − Ψ? ) = Im Ψ
2 2i
auch Eigenfunktionen sind.

16
Inhaltsverzeichnis 16.10.2007

4 Formalismus der Quantenmechanik


Wir haben Quantenmechanik bislang auf dem L2 -Vektorraum der komplexwer-
tigen, quadratintegrablen Funktionen formuliert.
• Skalarprodukt auf L2 :
Z
L2 × L2 → C : (Ψ, ϕ) = Ψ? (x)ϕ(x) d3 x

• Norm auf L2 : p
kΨk = (Ψ, Ψ)

• Observablen sind hermitesche Operatoren auf L2 .


L2 : unendlich-dimensionaler, separabler Hilbertraum
• abzählbar unendliche Basis Ψn .

4.1 Dirac-Notation

’Bracket‘-Schreibweise des Skalarproduktes:

hΨ | ϕi ≡ (Ψ, ϕ),

wobei
• ket-Vektor: |ϕi ∈ L2
• bra-Vektor: hϕ| ∈ L?2 (Dualraum von L2 )
bezeichnet Operation L2 → C
Z
hΨ| = Ψ? (~x) d3 x,

so dass Z
hΨ | ϕi = Ψ? (~x)ϕ(~x) d3 x ∈ C.

Verkürze Schreibweise in vorgegebener Basis Ψn

|Ψn i = |ni , hΨn | = hn|

mit hn | mi = δnm (Orthogonalität) folgt:


X
|Ψi = cn |ni ; cn = hn | Ψi
n
X X
= |ni hn | Ψi ⇒1= |ni hn|
n n

4.2 Orts-und Impulseigenfunktionen

Eigenfunktionen des Impulsoperators aus Eigenwertgleichung

b p (x) = ~ ∂ Ψp (x) = pΨp (x)


Ψ (1 dim)
i ∂x
⇒ ebene Wellen

Ψp (x) = (2π~)−1/2 ei/~·px → kontinuierliches Spektrum.

Normierung aus Orthogonalitätsbedingung im Kontinuum


Z
Ψ?p (x)Ψp0 (x) dx = δ(p − p0 )

17
Inhaltsverzeichnis 16.10.2007

ergibt Vollständigkeitsrelation
Z
Ψ?p (x0 )Ψp (x) dp = δ(x − x0 )

Eigenfunktionen des Ortsoperators:


ξΨξ (x) = xΨξ (x) ⇒ Ψξ (x) = δ(x − ξ)
Orthogonalität
(Ψξ , Ψξ0 ) = δ(ξ − ξ 0 )
Vollständigkeit: Z
Ψ?ξ (x0 )Ψξ (x) dξ = δ(x − x0 )

in Dirac-Notation:
|pi = Ψp , |ξi = Ψξ
cp = hp | Ψi , cξ = hξ | Ψi = Ψ(ξ)
Z Z
|Ψi = cp |pi dp, |Ψi = cξ |ξi dξ

hp0 | pi = δ(p − p0 ), hξ 0 | ξi = δ(ξ − ξ 0 )

4.3 Operatoren

Betrachte A : L2 → L2 Operatoren in vorgegebener orthonormierten Basis |ni.


• Matrixdarstellung (i.A. unendlich-dimensional)
Anm = hn | A | mi

• falls |ni Eigenbasis von A ist, ist Anm diagonal


Anm = an δnm , an : Eigenwerte

• für A = A† hermitesch gilt:


A?nm = Amn .
Beweis:
A?nm = (Ψn , AΨm )? = (AΨm , Ψn ) = (Ψm , AΨn ) = Amn
= hm | An i = hm | A | ni .
In Dirac-Schreibweise: hAm | ni.

Basistransformation |ni → |n0 i Operator S


X X
Ψ= cn |ni = c0n |n0 i
n n0

mit Snm = hm | ni so dass


X
|n0 i = Smn |mi .
m

S ist unitär:
SS † = S † S = 1 ⇔ S −1 = S †
X X
? ?
⇔ Smn Sm 0n = Snm Snm0
n n
X ZZ
= Ψ?m (x)Ψ0n (x) · Ψm0 (y)Ψ?n (y) dx dy
ZnZ
vollst.
= Ψ?m (x)Ψm0 (y) · δ(x − y) dx dy
orth.
= δmm0 .

18
Inhaltsverzeichnis 18.10.2007

Es gilt: X X
c0n = (S † )nm cm , cm = Smn c0n
m n

und

A0nm = hn0 | A | m0 i
X X
? ?
= S`n h` | A | ki Skm = S`m A`k Skm
`,k `,k
X †
= Sn` A`k Skm
`,k
0
⇒A = S † AS.

Projektoren: Projektionsoperatoren auf Unterräumen von L2 :

P 2 = P,

zum Beispiel Projektion auf normierten Eigenzustand |ai.

Pa |Ψi = ha | Ψi |ai = |ai ha | Ψi


⇒ Pa = |ai ha| ,
Pa2 = |ai ha | ai ha| = |ai ha| = Pa .

Aus Vollständigkeit folgt:


X X
Pn = |ni hn| = 1
n n

analog im Kontinuum:
Z Z
|ξi hξ| dξ = 1, |pi hp| dp = 1

Matrixdarstellung in kontinuierlicher Basis ist analog definiert. Zum


Beispiel
App0 = hp | A | p0 i , Aξξ0 = hξ | A | ξ 0 i .
Falls Probleme mit Eindeutigkeit bestehen, werden Operatoren durch einen ∧
gekennzeichnet. Zum Beispiel

p̂pp0 = hp | p̂ | p0 i

(Impulsoperator in Basis der Impulseigenfunktionen)

Spektralzerlegung aus Matrixdartellung des Operators A folgt in der Basis


|ni der Eigenfunktionen von A
X X
A= λn Pn = λn |ni hn|
n n

daraus: Erwartungswert von A für einen beliebigen Zustand |Ψi


X
hAiΨ = hΨ | A | Ψi = λn hΨ | ni hn | Ψi
n
X
= λn | hΨ | ni |2
n

19
Inhaltsverzeichnis 18.10.2007

4.4 Axiome der Quantenmechanik

1. Der Zustand eines quantenmechanische Systems wird zu jeder Zeit t durch


einen Zustandsvektor |Ψ, ti beschrieben. |Ψ, ti ist Element eines Hilber-
traums H, t ist nur ein Parameter.
2. Auf H ist ein hermitescher Hamiltonoperator H definiert, welcher die Zeit-
entwicklung des Zustandsvektors bestimmt.

i~ |Ψ, ti = H |Ψ, ti
∂t
(Schrödingergleichung).
3. Observablen werden durch hermitesche Operatoren A dargestellt.
4. Eine Einzelmessung von A ergibt immer einen Eigenwert an von A. Nach
der Messung ist das System im zu an gehörenden Eigenzustand |ni von
A.
5. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Messung von A an |Ψi den Eigenwert
an ergibt, ist | hΨn | Ψi |2 .

4.5 Kommutierende Observablen

Sofern für die Operatoren A und B zweier Observablen


[A, B] = AB − BA = 0
gilt, so haben A und B gemeinsame Eigenfunktionen.
Die Messung einer der Observablen beeinflusst nicht die Messung der anderen
Obersvablen.
Beweis: Sei A |αi = aα |αi.
[A, B] = 0 ⇒ AB |αi = BA |αi = aα B |αi
B |αi ist Eigenfunktion von A zum Eigenwert aα .

4.6 Heisenberg’sche Unschärferelation

Simultane Messung zweier nicht-kommutierenden Observablen A1 und A2 im


Zustand |Ψi.
Definiere hermitesche Hilfsoperatoren:
Āi = Ai − hAi iΨ
Schwarz’sche Ungleichung:
­ ®­ ® ­ ®
Ā1 Ψ | Ā1 Ψ Ā2 Ψ | Ā2 Ψ ≥ | Ā1 Ψ | Ā2 Ψ |2
Ā1 , Ā2 hermitesch
­ ®­ ® ­ ®
Ψ | Ā21 | Ψ Ψ | Ā22 | Ψ ≥ | Ψ | Ā1 Ā2 | Ψ |2
Zerlege Ā1 , Ā2 als Kommutator und Anti-Kommutator:
1¡ ¢
Ā1 Ā2 = {Ā1 , Ā2 } + [Ā1 , Ā2 ]
2
mit {A, B} = AB + BA (hermitesch) und [A, B] = AB − BA (antihermitesch).
­ ® 1 ¯¯­ ®¯2
| Ψ | Ā1 Ā2 | Ψ |2 = Ψ | {Ā2 , Ā2 } | Ψ ¯
4
1 ¯­ ®¯2
+ ¯ Ψ | [Ā2 , Ā2 ] | Ψ ¯
4
1 2
≥ |hΨ | [A1 , A2 ] | Ψi|
4

20
Inhaltsverzeichnis 23.10.2007

Varianz von A1 , A2 -Messungen:


q q­ ®
2
∆Ai = hA2i i − hAi i = Ā2i .

Somit ergibt sich:


1
∆A1 ∆A2 ≥
| h[A1 , A2 ]i |.
2
⇒ Produkt der Varianz der Messungen von A1 und A2 ist nach unten durch
den Erwartungswert des Kommutators beschränkt.
Betrachte:
Orts- und Impulsoperatoren:
~~
~x, p~ = ∇,
i
in Komponenten
~ ∂
xj , pj = .
i ∂xj

µ ¶
~ ∂ ∂
[xi , pj ] = xi − = i~δij
i ∂xj ∂xj
[~x, p~] = i~

Orts-Impuls-Unschärfe:
~
∆x · ∆p ≥
.
2
Ort und Impuls eines Teilchens können nur im Rahmen dieser Unschärfe gemes-
sen werden.

Beispiel: Freies Gauss’sches Wellenpaket


Z
1
Ψ(~x, t) = p)ei/~(~p·~x−Et) d3 p
ϕ(~
(2π~)3

und √ 2
/~2 (p−p0 )2
8πd2 e−d
4
ϕ(~
p) =
ergibt:
p0
hxi = v · t, v=
m
p ~t
∆x = d 1 + ∆2 , mit ∆ =
2md2
hpi = p0
~
∆p =
2d
so dass
~p ~
∆x · ∆p = 1 + ∆2 ≥
2 2
mit ∆x∆p = ~/2 für t = 0.

4.7 Energiemessung

• Ort x und Impuls p:


Hermitesche Operatoren, welche zu fester Zeit t simultan gemessen werden
können und deren Varianzen durch die Unschärferelation beschränkt ist:
~
∆x · ∆p ≥
2

21
Inhaltsverzeichnis 23.10.2007

• Energie E: Dynamische Variable des Systems


• Zeit t: Parameter
• Energiemessung: an Wellenpaketen, welche über ein Zeitintervall ∆t be-
p0
obachtet werden. In ∆t wird ein Wellenpunkt der Länge ∆x = ∆t
m
p0 ∆p
betrachtet, dessen Energie mit Varianz ∆E = bestimmt werden
m
kann
⇒ ∆t · ∆E ' ∆x · ∆p.

4.8 Schrödinger- und Heisenbergbild

Schrödinger-Gleichung:

i~ |Ψ, tiS = H |Ψ, tiS
∂t
hat die formale Lösung:
" ∞
#
X An
−i/~Ht A
|Ψ, tiS = e |Ψ, 0iS , e = .
n=0
n!

• H (und alle anderen Operatoren) sind zeitunabhängig, ausser eventuell


explizite Zeitabhängigkeit durch zeitlich veränderliches Potential V (t).
• Zustandsvektor |Ψ, tiS zeitabhängig.
⇒ Schrödingerbild
Definiere (ausgehend von Operatoren AS im Schrödingerbild) Operatoren im
Heisenbergbild
AH = ei/~HS t AS e−i/~HS t , H = HS = HH
Bewegungsgleichung für AH :
d i ∂A(xH , pH , . . . , t) −i/~·Ht
AH = (HAH − AH H) + ei/~·Ht e
dt ~ ∂t
i ∂AS (xH (t), pH (t), . . . , t)
= [H, AH ] +
~ ∂t
i ∂AH
= [H, AH ] +
~ ∂t
Zustandsvektor im Heisenbergbild:
|Ψ, tiH = ei/~·Ht |Ψ, tiS = |Ψ, 0iS , zeitunabhängig.
Observablen unverändert:
hAH iΨ = H hΨ, t | AH | Ψ, tiH
D E
−i/~Ht
= S Ψ, t | e | ei/~Ht AS e−i/~Ht | ei/~Ht | Ψ, t
S
= S hΨ, t | AS | Ψ, tiS
= hAS iΨ

Beispiel:
p2H
+ V (xH )
HH =
2m
mit pH , xH Operatoren im Heisenbergbild.
Bewegungsgleichungen:
i i 2pH pH
ẋH = [HH , xH ] = [pH , xH ] =
~ ~ 2m m
i ∂V (xH )
ṗH = [HH , pH ] = −
~ ∂xH

22
Inhaltsverzeichnis 25.10.2007

5 Harmonischer Oszillator
Viele Potentiale lassen sich in der Umgebung eines Minimums (Grundzustand)
lokal durch ein Potential V (x) ∼ kx2 beschreiben
⇒ Oszillatorpotenital
Hamilton-Operator eines derartigen Systems (1 dim):

p2 mω 2 2
H= + x .
2m 2

5.1 Algebraische Bestimmung des Spektrums

Suche die Lösungen der zeitunabhängigen Schrödinger-Gleichung

HΨ = EΨ.

Definiere Operatoren:
ωmx + ip ωmx − ip
a= √ , a† = √
2ωm~ 2ωm~
so dass r r
~ ~ωm
x= (a + a† ), p = −i (a − a† ).
2ωm 2
Aus [x, p] = i~ folgt [a, a† ] = 1 und Hamilton-Operator:
µ ¶
1 † † † 1
H = ~ω(a a + aa ) = ~ω a a +
2 2

Spektrum von H = b Spektrum von n = a† a


Eigenwertgleichung:

nΨν = νΨν in Dirac-Notation n |νi = ν |νi

aus ­ ®
ν hν | νi = ν | a† a | ν = haν | aνi ≥ 0
folgt ν ≥ 0. Somit ist der niedrigste Eigenwert von H ν = 0 zu E = 12 ~ω und
a |0i = 0.
• Differentialgleichung für ν = 0
µ ¶
1 ∂
a |0i = √ ωmx + ~ |0i = 0.
2mω~ ∂x
r
~
Definiere: x0 =
ωm
µ ¶
d x
+ 2 |0i = 0.
dx x0

Normierte Lösung:
x2
1 −
2x2
|0i = p 2
e 0
4
πx0
• Algebraische Relationen für ν > 0
Nutze: [n, a† ] = a† , [n, a] = −a.
Eigenwertgleichung für a† |νi:
¡ ¢ ¡ ¢
n a† |νi = (a† n + a† ) |νi = (ν + 1) a† |νi

23
Inhaltsverzeichnis 25.10.2007

⇒ a† |νi ist Eigenfunktion zum Eigenwert ν + 1 mit Norm


­ † ® ­ ®
a ν | a† ν = ν | aa† | ν
= hν | (ν + 1) | νi
= (ν + 1) hν | νi .

Somit: rekursive Definition der normierten Eigenfunktionen:


1
|ν + 1i = √ a† |νi .
ν+1
Lösung der Rekursion:
1
|νi = √ (a† )ν |0i .
ν!
Ausserdem:
– a |νi ist eine Eigenfunktion zum Eigenwert ν − 1. Die Normierten
Eigenfunktionen sehen folgendermassen aus:

a |νi = ν |ν − 1i .

– Zustände zu Eigenwerten ν 6∈ N0 verboten.


Beweis: durch Widerspruch: µ ∈ ν + α, ν ∈ N0 , α ∈ (0, 1)

n |µi = µ |µi ⇒ n (aν |µi) = α (aν |µi)


¡ ¢ ¡ ¢
n aν+1 |µi = (α − 1) aν+1 |µi

→ Widerspruch.
⇒ Spektrum des harmonischen Oszillators:
µ ¶
1
Eν = ~ω ν + , ν ∈ N0
2

• Grundzustandsenergie:

E0 = > 0.
2
• Eigenwerte nicht entartet
• a† : Aufsteigeoperator im Spektrum
a : Absteigeoperator im Spektrum
n: Besetzungszahl (’Teilchenzahl‘)-Operator
Eigenfunktionen:
1
|νi = √ (a† )ν |0i
ν!
mit µ ¶ 2
1 x d 1 − x2
a† = √ − x0 , |0i = p e 2x0

2 x0 dx 4
πx20

5.2 Hermite-Polynome
2
Orthogonalsystem zur Gewichtsfunktion ω(x) = e−x
Z ∞
2 √
e−x Hn (x)Hm (x) dx = π2n n!δmn
−∞

→ Hermite-Polynome:
2 dn −x2
Hn (x) = (−1)n ex e
dxn

24
Inhaltsverzeichnis 30.10.2007

n Hn (x)
0 1
1 2x
2 4x2 − 2
3 8x3 − 12x
mit
µ ¶n ¶n µ
−x2 /2 d 2 d
e x− ex /2 = (−1) n
dx dx
2
³√ ´n 2
Hn = ex /2 2a† |x0 =1 e−x /2

und somit µ ¶
x2
1 −
2x2
x
|ni = p √ e 0 Hn
2n n!x0 π x0

5.3 Messungen am harmonischen Oszillator

Für Oszillator in Energie-Eigenzustand ν gilt:


r
~ ­ ®
hxi = hν | x | νi = ν | a + a† | ν = 0,
2ωm
analog hpi = 0 (stationärer Zustand)
­ 2® ~ ­ ®
(∆x)2 = x = ν | aa + a† a† + aa† aa† + a† a + a† a† | ν
µ 2ωm ¶
2 1
= x0 ν +
2
µ ¶
­ 2 ® ~2 1
(∆p)2 = p = 2 ν+
x0 2

so dass µ ¶
1 ~
∆x∆p = ~ ν + ≥
2 2
• Unschärfe minimal im Grundzustand ν = 0

25
Inhaltsverzeichnis 30.10.2007

1
• E0 = ~ω ist die minimale Energie, welche die Unschärferelation
2
~
∆x∆p ≥
2
erfüllt.

5.4 Kohärente Zustände

Energie-Eigenzustände: stationäre Zustände, keine Oszillation.


Betrachte Eigenzustände von a:

aϕα = αϕα

entwickle in |νi
1 ­ † ν ®
hν | ϕα i = √ (a ) 0 | ϕα
ν!
1 αν
= √ h0 | aν ϕα i = √ h0 | ϕα i
ν! ν!
X∞ ν
α
⇒ ϕα = C √ |νi
ν=0 ν!

X (αa† )ν
= C |0i
ν=0
ν!

Normierung:

X
2 |α|2ν 2
1 = hϕα | ϕα i = C = C 2 e|α|
ν=0
ν!
−|α|2 /2
⇒C = e

Zeitentwicklung von ϕα :
X∞
2 (αe−iωt )ν
ϕα (x, t) = e−|α| /2
√ |νi e−iωt/2
ν=0 ν!

definiere α(t) = αe−iωt so dass

ϕα (x, t) = ϕα(t) e−iωt/2

(gleiche Phase in allen Termen)


Ortserwartungswert:
­ ® x0 ­ ®
hxi = ϕα(t) | x | ϕα(t) = √ ϕα(t) | (a + a† ) | ϕα(t)
2
x0 ?
= √ (α(t) + α (t)) , α = |α|eiδ
2

hxi = 2x0 |α| cos(ωt − δ)

Wahrscheinlichkeitsdichte
à √ !
2 1 (x − x0 2|α| cos(ωt − δ))2
|ϕα (x, t)| = √ exp −
πx0 x20

• Gauss’sches Wellenpakte
• Varianz zeitunabhängig
→ keine Verbreiterung mit der Zeit

26
Inhaltsverzeichnis 30.10.2007

5.5 Mehrdimensionaler Oszillator

Dreidimensionaler Oszillator:
p2 mω 2 2
H= + x = Hx + Hy + Hz
2m 2
• Energie-Eigenwerte:
µ ¶
3
En = ~ω νx + νy + νt + , νi ∈ N0
2

• Entartung der Eigenfunktionen, ausser für νi = 0 (Grundzustand).

6 Rotationssymmetrie
Symmetrie: Invarianz eines Systems unter Transformationen.
Rotation als Beispiel:
H (klassisch oder quantenmechanisch) hängt nur von |p|, |x| ab, nicht von ein-
zelnen Vektorkomponenten. ⇒ H ist rotationsinvariant.
Nutze Invarianz zur Bestimmung von
• Lösungen der klassischen Bewegungsgleichung
• Bestimmung der quantenmechanischen Eigenfunktionen
Mathematische Formulierung von Symmetrien:
Symmetriegruppe G mit Gruppenelementen g ∈ G: Gruppe der speziellen, or-
thogonalen Transformationen SO(3) mit Gruppenelementen R ∈ SO(3): reelle
3 × 3 Matrizen mit Determinante 1 und RT = R−1 (3 Parameter: Euler-Winkel)
(kontinuierliche Gruppe)
auf Hilbertraum:

Unitäre Darstellungen von G:

U (g) : H → H

und
• U (g1 )U (g2 ) = U (g1 · g2 )
• hU (g)Ψ | U (g)ϕi = hΨ | ϕi
⇒ U † (g) = U (g)−1 = U (g −1 )
U unitär.
Unitäre Darstellungen von SO(3):

(U (R)Ψ)(x) = Ψ(R−1 x)

6.1 Drehgruppe SO(3) und Lie-Algebra

SO(3): Lie-Gruppe (kontinuierliche Transformation)


Betrachte:
a) infinitesimale Rotation in R3

d ¯
Ω= R(t)¯t=0 mit R(0) = 1.
dt

27
Inhaltsverzeichnis 01.11.2007

– Ω bilden reellen Vektroraum


¯
α1 Ω1 + α2 Ω2 = R1 (α1 , t)R2 (α2 , t)¯t=0

⇒ ist Element des Vektorraums


Ωi bilden Lie-Algebra der SO(3)
Form der Ωi aus RT (t)R(t) = 1

⇒ ΩT + Ω = 0

(reelle, antisymmetrische 3×3 Matrizen, parametrisiert durch 3 reelle


Parameter)
 
0 −ω3 ω2
Ω(ω) =  ω3 0 ω1  , ω ∈ R3
−ω2 −ω1 0

Basis der Ω : Ωi = Ω(ei )


3
X
Ω(ω) = Ωi ωi
i=1

– endliche Drehungen, zum Beispiel um ei mit Winkel ωi t

R(ω, t) = eΩ1 ω1 t

Berechne Lie-Klammern:

[Ω1 , Ω2 ] = Ω3 , [Ω2 , Ω3 ] = Ω1 , [Ω3 , Ω1 ] = Ω2

b) infinitesimale Rotationen auf H

d ¡ ¢¯
U (Ω) = U R(t) ¯t=0
¡ ¢ dt
£ ¤
⇒ U [Ω1 , Ω2 ] = U (Ω1 ), U (Ω2 )
¡ ¢ ¡ ¢
aus U † R(t) U R(t) = 1 folgt:

U † (Ω) = −U (Ω), U anti-hermitesch

Definiere: hermiteschen Drehimpulsoperator:


¡ ¢
M (ω) = iU Ω(ω) .

Nutze: Basisvektoren ei
¡ ¢
⇒ Mi = iU (Ωi ) = iU Ω(ei )

so dass
3
X
M (ω) = Mi ωi
i=1

Lie-Algebra der Mi .
[Mj , Mk ] = iεjk` M`

28
Inhaltsverzeichnis 01.11.2007

6.2 Unitäre Darstellung des SO(3)

Definition: Irreduzible Darstellung


Eine unitäre Darstellung U (g ∈ G) von G auf Hilbertraum H heisst irreduzibel,
wenn es keine nichttrivialen Unterräume von H gibt, die unter U (g) auf sich
selbst abgebildet werden.
(triviale UR: K = H, K = ∅)
Zerlegung reduzibler Darstellung in irreduzible Darstellungen durch Zerlegung
von H in Unterräume:
0 0
H = K ⊕ K⊥ , K⊥ := Orthogonalraum zu K
0
→ K⊥ = K 0 ⊕ K⊥
00
.
Suche endlich dimensionale irreduzible unitäre Darstellung von SO(3).
Ausgangspunkt: Mi mit [Mj , Mk ] = iεjk` M` .
• Definiere Auf- und Absteigeoperatoren:

M± = M1 ± iM2 so dass
[M3 , M± ] = ±M± , [M+ , M− ] = 2M3 .

Eigenwertgleichung von M3 :

M3 Ψz = zΨz .

Aus
M3 M± Ψz = M± M3 Ψz ± M± Ψz = (z ± 1)(M± Ψz )
folgt dass M± Ψz auch Eigenfunktion von M3 ist.
• endlich-dimensionale Darstellung:
→ M± Ψz muss abbrechen: ∃ ein Ψj mit

M3 Ψj = jΨj , M+ Ψj = 0 und ein k ∈ N mit


M− Ψj−k = 0 → j ∈ N0

• Normiere Ψj dergestalt, so dass

M− Ψj = Ψj−1 , M+ Ψi = µi Ψi+1 ⇒ µi = 0.

Berechne µm aus −j ≤ m ≤ j

M+ Ψm−1 = M+ M− Ψm = [M+ , M− ]Ψm + M− M+ Ψm


= (2m + µm )Ψm = µm−1 Ψm .

Mit µj = 0 folgt:

µm = j(j + 1) − m(m + 1) = (j − m)(j + 1 + m)

mit µj−k−1 = 0 → k = 2j somit sind erlaubt:

1 3 4
j = 0, , 1, , 2, , . . .
2 2 2
Zu jedem j ∃ eine endlich dimensionale irreduzible unitäre Darstellung, Dj
von SO(3) mit Dimension 2j + 1.
Klassifizierung der Darstellung mit Casimir-Operator:
1
M2 = M12 + M22 + M32 = M32 + (M+ M− + M− M+ )
2
= M+ M− + M3 (M3 − 1)

29
Inhaltsverzeichnis 06.11.2007

mit [M2 , Mi ] = 0, i = 1, 2, 3

M 2 Ψj = (2j + j(j − 1))Ψj = j(j + 1)Ψj ∀ Ψ ∈ Dj


2
M (Ψ ∈ Dj ) = j(j + 1)(Ψ ∈ Dj )

[M2 , M3 ] = 0 ⇒ M2 und M3 haben gemeinsame Eigenfunktionen

|j, mi , 2j + 1, ∀ j.

Eigenwertgleichungen:

M2 |j, mi = j(j + 1) |j, mi


M3 |j, mi = m |j, mi

Normierung:

| j, mi = M− | j, m + 1i
so dass p
M± | j, mi = j(j + 1) − m(m ± 1)| j, m ± 1i

6.3 Bestimmung der Drehimpuls-Eigenfunktionen

Betrachte infinitesimale Drehungen um Winkel ωt

(U (R(tω))Ψ) (x) = (1 − t(ω × x) · ∇) Ψ(x)


⇒M = −ix × ∇

Vergleiche: Bahndrehimpuls
~
L=x×p= x × ∇ = ~M.
i
µ ¶
∂ ∂
Mx = −i y −z
∂z ∂y
µ ¶
∂ ∂
My = −i z −x
∂x ∂z
µ ¶
∂ ∂
Mz = −i x −y
∂y ∂x
wähle Kugelkoordinaten
 ∂   ∂ 
 ∂x   ∂r 
 ∂  ∂(r, θ, ϕ)  ∂ 
 =  
 ∂y  ∂(x, y, z)  ∂θ 
   ∂ 

∂z ∂ϕ
Daraus folgt:
µ ¶
∂ ∂
Mx = i sin ϕ + cot θ cos ϕ
∂θ ∂ϕ
µ ¶
∂ ∂
My = i cos ϕ − cot θ sin ϕ
∂θ ∂ϕ

Mz = −i
∂ϕ
M± = Mx ± iMy
µ ¶
∂ ∂
= e±iϕ ± + i cot θ
∂θ ∂ϕ
µ 2 ¶
∂ ∂ 1 ∂2
M2 = − + cot θ +
∂θ2 ∂θ sin2 θ ∂ϕ2

30
Inhaltsverzeichnis 06.11.2007

Eigenwert-Gleichungen:

Mz |j, mi (θ, ϕ) = −i | j, mi (θ, ϕ) = m| j, mi (θ, ϕ)
∂ϕ
⇒ | j, mi (θ, ϕ) = F (θ)eimϕ
Periodizität in ϕ:
| j, mi (θ, ϕ + 2π) = | j, mi (θ, ϕ)
⇒ m ∈ Z, ⇒ j ∈ N0 .
(hier: finden nur Eigenfunktionen zu ganzzahligen j)
|j, mi geben nur D| für ganzzahliges j
M2 |j, mi (θ, ϕ) = j(j + 1) |j, mi (θ, ϕ)
· µ ¶ ¸
1 ∂ ∂ m2
sin θ − + j(j + 1) |j, mi (θ, ϕ) = 0
sin θ ∂θ ∂θ sin2 θ
wird gelöst durch Kugelflächenfunktionen Yj,m (θ, ϕ) (Orthogonalfunktionen auf
der Einheitskugel)
Z π Z 2π
?
δjj 0 δmm0 = sin θ dθ Yjm (θ, ϕ)Yj 0 m0 (θ, ϕ) dϕ
0 0
s
2j + 1 (j − m)! m
Yj,m (θ, ϕ) = P (cos θ)eimϕ
4π (j + m)! j
P`m : assoziierte Legendre-Funktionen, erfüllen
· ¸ · ¸
d dPjm (z) m2
(1 − z 2 ) + j(j + 1) − Pjm (z) = 0
dz dz 1 − z2
gegeben durch
(−1)m dj+m
Pjm (z) =
j
(1 − z 2 )m/2 j+m (z 2 − 1)j
2 j! dz
m
d
= (1 − z 2 )m/2 m Pj (z)
dz
Pj (z): Legendre-Polynom.
| j, mi = Yj,m (θ, ϕ)

es gilt:
M+ Yj,+j = 0, M− Yj,−j = 0

Eigenschaften der Kugelflächenfunktionen


• Vollständigkeit
j
∞ X
X
? 1
Yj,m (θ, ϕ)Yjm (θ0 , ϕ0 ) = δ(θ − θ0 )δ(ϕ − ϕ0 )
j=0 m=−j
sin θ

• Additionstheorem:
j
X
? 2j + 1
Yj,m (θ, ϕ)Yj,m (θ0 , ϕ0 ) = P` (cos Ψ? )
m=−j

Ψ? <)(e, e0 )
• Raumspiegelungen
Yj,−m (θ, ϕ) = (−1)m Yj,m (θ, ϕ)
P Yj,m (θ, ϕ) = Yj,m (π − θ, ϕ + π) = (−1)j Yj,m (θ, ϕ)

Explizit:

31
Inhaltsverzeichnis 06.11.2007

7 Das Zentralpotential
Betrachte: rotationssymmetrische Probleme
V (x) = V (|x|) = V (r)
1 2
H = p + V (r)
2m

7.1 Drehimpuls

Nutze:
L2 = (x × p)2 = (x × p) · (x × p)
= x2 p2 − (x · p)2 + i~x · p
und
~ ~ ∂
x·p = x·∇= r
i i ̶r !
2
µ ¶2
1 2 ~ ∂ ∂
⇒ p2 = L − 2 r +r
r2 r ∂r ∂r
µ 2 ¶
1 2 ∂ 2 ∂ 1
= L − ~2 + = 2 L2 + p2r
r2 ∂r2 r ∂r r
mit
L2 Y`,m (θ, ϕ) = ~2 `(` + 1)Y`,m (θ, ϕ)
somit wird zeitunabhängige Schrödinger-Gleichung
· µ 2 ¶ ¸
~2 ∂ 2 ∂ L2
− + + + V (r) Ψ(r, θ, ϕ) = EΨ(r, θ, ϕ)
2m ∂r2 r ∂r 2mr2
gelöst durch Produktansatz: Ψ(r, θ, ϕ) = R(r)Y`,m (θ, ϕ)
· µ 2 ¶ ¸
~2 ∂ 2 ∂ ~2 `(` + 1)
− + + + V (r) R(r) = ER(r)
2m ∂r2 r ∂r 2mr2

32
Inhaltsverzeichnis 08.11.2007

Observablen:
[H, L] = 0, [H, L2 ] = 0
⇒ H, L2 , Lz haben gemeinsame Eigenfunktionen für jedes Zentralpotential V (r).
Ersetze: µ ¶
u(r) ∂2 2 ∂ 1 ∂2
R(r) = , 2
+ R(r) = u(r)
r ∂r r ∂r r ∂r2
so dass · ¸
~2 d2 ~2 `(` + 1)
− + + V (r) u(r) = Eu(r)
2m dr2 2mr2
⇒ eindimensionale Schrödinger-Gleichung mit effektivem Potential
~2 `(` + 1)
Veff (r) = V (r) +
2mr2
Zum Beispiel für V (r) = −α(r)

• Normierung:
Z Z ∞
1
|Ψ(x)|2 d3 x = r2 |u(r)|2 dr < ∞
0 r2
1
⇒ lim |u(r)|2 < √
r→∞ r

• Randbedingung: limr→0 u(r) = 0 für V (r) 6= δ 3 (x)


• allgemeine Lösungen für r → 0 und r → ∞,
betrachte Potential mit V (r) weniger singulär als r12 für r → 0 und V (r) →
0 für r → ∞ (Zum Beispiel Kastenpotential, 1/r, . . .)
a) Schrödinger-Gleichung für kleine r (V (r), E vernachlässigbar)
· ¸
~2 d2 ~2 `(` + 1)
− + u(r) = 0
2m dr2 2mr2
⇒ u(r) = Ar`+1 + Br−`
allgemein mit u(0) = 0 ⇒ B = 0
b) Schrödinger-Gleichung für grosse r (Veff vernachlässigbar)
~2 d2
− u(r) = Eu(r)
2m dr2
mit E < 0 für gebundene Zustände.
1p
⇒ u(r) = Ce−κr mit κ = 2m(−E)
~
Definiere: ρ = κr für zeitunabhängige Schrödinger-Gleichung:
" ¡ρ¢ #
d2 `(` + 1) V κ
− − − 1 u(ρ) = 0
dρ2 ρ2 |E|

33
Inhaltsverzeichnis 08.11.2007

7.2 Das Wasserstoff-Atom: Coulomb-Potential

Betrachte Coulomb Potential:


e2 Z k
V (r) = − =− (SI-Einheiten)
2πε0 r r
definiere: s
e2 Zκ 2m Ze2
ρ0 = =
4πε0 |E| |E| 4πε0 ~
so dass ¡ρ¢
V κ ρ0
=−
|E| ρ
und µ ¶
d2 `(` + 1) ρ0
− + − 1 u(ρ) = 0.
dρ2 ρ2 ρ
Ansatz:
u(ρ) = ρ`+1 e−ρ w(ρ), w(ρ) : Polynom
mit
N
X
w(ρ) = ak ρk
k=0

ergibt sich die Differentialgleichung für w(ρ):

d2 w dw
ρ + 2(` + 1 − ρ) + (ρ0 − 2(` + 1)) w = 0
dρ2 dρ
Es folgt:
N
X £ ¤
ak k(k − 1)ρk−1 + 2(` + 1)kρk−1 − 2kρk + (ρ0 − 2(` + 1))ρk = 0
k=0

Koeffizient von ρk :

[k(k + 1) + 2(` + 1)(k + 1)] ak+1 + [−2k + ρ0 − 2(` + 1)] ak = 0.

Rekursionsformel:
2(k + ` + 1) − ρ0
ak+1 = ak
(k + 1)(k + 2(` + 1))
• für N → ∞ (k → ∞):
2 X 1
ak+1 = ak ⇒ w(ρ) ∼ (2ρ)k = e2ρ
k k!

• N endlich ⇒ aN +1 = 0 (N : ’radiale Quantenzahl‘)

⇔ 2(N + ` + 1) = ρ0

Daraus folgen die Energie-Eigenwerte:

2mZ 2 e4 mZ 2 e4
E=− 2 2 =−
(4πε0 ~) ρ0 2(4πε0 ~)2 (N + ` + 1)2
Definiere:
• Hauptquantenzahl: n = N + ` + 1
• Feinstrukturkonstante:
e2 1
α= '
4πε0 ~c 137
α ist dimensionslos und unabhängig vom Einheitensystem.

34
Inhaltsverzeichnis 13.11.2007

mc2 2 Z 2 Z2
⇒E=− α 2 = −RH 2 , n∈N
2 n n
RH = 13.6 eV (Rydberg-Konstante).
Aus N ≥ 0 folgt: ` ≤ n − 1
Entartung des n-ten Energie-Eigenwerts:
• 0 ≤ ` ≤ n − 1, n Werte für `
• −` ≤ m ≤ `, 2` + 1 Werte für m
Pn−1 2
• `=0 (2` + 1) = n

⇒ En ist n2 -fach entartet.


n ` m
2 0 0
1 ±1, 0
3 0 0
1 ±1, 0
2 ±2, ±1, 0
...
Spektroskopische Notation:
` = 0: s-Welle
` = 1: p-Welle
` = 2: d-Welle
` = 3: f -Welle
Allgemein:

• Zentralpotential immer in m entartet.


• `-Entartung ist nur für das 1/r-Potential gegeben.
Allgemeine w(ρ) durch Laguerre-Polynome gegeben:
· 2 ¸
d d
z 2 + (s + 1 − z) + (r − s) Lsr (z) = 0
dz dz

mit
r−s
X (r!)2 ds x dr −x r
Lsr (z) = (−1)k+s xk = e e x
k!(k + s)!(r − k − s) dxs dxr
k=0

mit Normierung:
Z ∞
2 (2r − s + 1)(r!)2
xs+1 e−x [Lsr (x)] dx =
0 (r − s)!

Abgleich der Koeffizienten ergibt:

w(ρ) = AL2`+1
n+` (2ρ) (Grad: n − ` − 1)

35
Inhaltsverzeichnis 13.11.2007

so dass
· ¸1/2
(n − ` − 1)!(2κ)3
Rn` (r) = − (2κr)` e−κr L2`+1
n+` (2κr)
2n((n + `)!)3
mit p
2m|E| mZe2 Z
κ= = 2
≡ .
~ 4πε0 ~ n an
Definiere: Bohr-Radius:
4πε0 ~2
a= = 0, 529 · 10−10 m
me2

Beispiele:
• n = 1, ` = 0 (1s Zustand)
µ ¶3/2
Z Zr
R10 (r) = 2 e− a
a

• n = 2, ` = 0 (2s Zustand)
µ ¶3/2 µ ¶
Z Zr Zr
R20 (r) = 2 1− e− 2a
2a 2a

Vollständige Wellefunktion:
Ψn`m (r, θ, ϕ) = Rn` (r)Y`m (θ, ϕ)
so dass Z
Ψ?n`m Ψn0 `0 m0 d3 x = δnn0 δ``0 δmm0

• Wahrscheinlichkeitsdichte im Raumelement drdΩ


|Ψn`m (r, θ, ϕ)|2 r2 dr dΩ

• radiale Wahrscheinlichkeitsdichte in dr bei Abstand r:


|Rn` (r)|2 r2 dr

8 Teilchen im elektromagnetische Feld


Betrachte Bewegung quantenmechanischer Teilchen in elektromagnetischen Fel-
dern.
Klassisch: Kraft auf bewegte Punktladung q0 in x0 (t):
F(t) = q0 E (x0 (t), t) + q0 ẋ0 (t) × B (x0 (t), t)
mit elektrischem Feld E und magnetischem Feld B.
Felder werden durch die Potentiale ϕ, A ausgedrückt:

E=− A − ∇ϕ, B=∇×A
∂t
Potentiale nicht eindeutig, Eichtransformation:

A → A + ∇Λ, ϕ→ϕ− Λ
∂t
lässt Observable E, B-Felder invariant.
Klassische Hamilton-Funktion:
1
H= (p − qA)2 + qϕ
2m
p: kanonischer Impuls

36
Inhaltsverzeichnis 13.11.2007

8.1 Hamilton-Operator im elektromagnetischen Feld

Poisson-Klammern der klassischen Mechanik gelten für kanonische Impulse.


⇒ ersetze p = −i~∇, so dass
1 2
H = (−i~∇ − qA) + qϕ
2m
~2 i~q q2 2
= − ∆+ (∇ · A + A · ∇) + A + qϕ
2m 2m 2m
Eichinvarianz der Schrödinger-Gleichung:
∂ (A,ϕ)→(A0 ,ϕ0 ) ∂ 0
HΨ = i~ Ψ −→ H 0 Ψ0 = i~ Ψ
∂t ∂t
mit Ψ0 = eiα(Λ) Ψ lässt Observablen |Ψ|2 invariant.
· ¸
1 2
eiα(Λ) HΨ = (−i~∇ − qA + i~ · i∇α(Λ)) + qϕ eiα(Λ) Ψ
2m
µ ¶
∂ ∂α(Λ) iα(Λ)
= i~ −i e Ψ
∂t ∂t
q
Wähle α(Λ) = Λ, so dass
~
∂ 0
H 0 Ψ0 = i~ Ψ forminvariant
∂t
⇒ Eichtransformation erfordert lokale Redefinition der (nicht messbaren) Phase
der Wellenfunktion.
Im Folgenden: Wähle Coulomb-Eichung: ∇ · A = 0.

~2 i~q q2 2
H=− ∆+ A·∇+ A + qϕ.
2m m 2m
In konstanten Magnetfeldern gilt:
1
A=− x×B
2
so dass
i~q i~q
(A · ∇) = − (x × B) · ∇
m 2m
i~q
= (x × ∇) · B
2m
q
= − L·B
2m
mit L = x × p (Drehimpulsoperator) und

q2 2 q2 (B=Bez ) q2 2 2
A = (x × B)2 = B (x + y 2 ).
2m 8m 8m
Abschätzung der Grössenordnungen:

|B| ∼ 1T, L ∼ ~ ∼ 10−34 Js, q ∼ 10−19 C, x, y ∼ 10−9


¯ q ¯ ¯ 2 ¯
¯ ¯ ¯q ¯
⇒¯ L · L¯ ' 103 ¯¯ B 2 (x2 + y 2 )¯¯
2m 8m

37
Inhaltsverzeichnis 15.11.2007

8.2 Normaler Zeemann-Effekt

Betrachte: Atom in konstantem, externen Magnetfeld B = Bez , Hamilton-


Operator des Elektrons:

e p2 e2 Z
H = H0 − BLz mit H0 = −
2m 2m 4πε0 r
nutze:

[H0 , Lz ] = 0 ⇒ [H, H0 ] = 0
⇒ Eigenfunktionen von H0 sind auch Eigenfunktionen von H

mit
H0 Ψn`m = En Ψn`m , Lz Ψn`m = ~mΨn`m
folgt: µ ¶
Z2 eB
HΨn`m = −RH 2 − ~m Ψn`m
n 2me
eB
Definiere: Larmour-Frequenz ωL = −
2me

Z2
En`m = −RH + ~ωL m
n2
eB~
⇒ Aufhebung der (2` + 1)-fachen m-Entartung ∆E = ~ωL = −
2me

8.3 Aharonov-Bohm-Effekt

B: messbares Magnetfeld B = ∇ × A
A: (unphysikalisches) Vektorpotential in Schrödinger-Gleichung.
Betrachte: unendlich lange Spule Aaussen 6= 0, weil

Z Z
A ds = (∇ × A) da = ΦB 6= 0
∂C C

38
Inhaltsverzeichnis 15.11.2007

möglich, so lange A = ∇Λ weil ∇ × ∇Λ = 0 mit


Z x
Λ(x) = A(x) ds
x0

A kann durch Eichtransformation aufgehoben werden


µ ¶2
1 ~ ∂
∇ − eA Ψ = i~ Ψ.
2m i ∂t

Wähle A0 = A − ∇Λ = 0
µ ¶2
1 ~ ∂ 0
⇒ ∇ Ψ0 = i~ Ψ
2m i ∂t

so dass ½ Z x ¾
ie
Ψ(x, t) = Ψ0 (x, t) exp A(s) ds .
~ x0

Interferenz-Experiment: Wellenfunktionen:

Ψ1,0 : nur Spalt 1, B = 0


Ψ1,B : nur Spalt 1, B 6= 0
Ψ2,0 : nur Spalt 2, B = 0
Ψ2,B : nur Spalt 2, B 6= 0
Interferenz auf Schirm:

Ψ0 = Ψ1,0 + Ψ2,0
ΨB = Ψ1,B + Ψ2,B

Es gilt:
½ Z ¾
ie
Ψ1,B (x) = Ψ1,0 (x) exp A(s) ds
~ Weg 1
½ Z ¾
ie
Ψ2,B (x) = Ψ2,0 (x) exp A(s) ds
~ Weg 2

Z Z Z
A(s) ds − A(s) ds = A(s) ds
Weg 1 Weg 2
Z
= (∇ × A) da
=ΦB magnetischer Fluss innerhalb der Spule
³ ´ ½ Z ¾
ie ie
⇒ ΨB = Ψ1,0 e ~ ΦB + Ψ2,0 exp A(s) ds
~ Weg 2
|ΨB |2 6= |Ψ0 |2 ⇒ messbare Verschiebung des Interferenzmusters durch einge-
schlossenes B.

39
Inhaltsverzeichnis 20.11.2007

9 Spin
Bislang: Drehimpuls-Eigenfunktionen nur für ` = j ∈ N0 betrachtet ⇒ Y`m (θ, ϕ).
• ergibt alle Darstellungen der Drehgruppe SO(3)
• Lie-Algebra [Mj , Mk ] = iεjk` M` erlaubt jedoch j = 0, 1/2, 1, 3/2, 2, 5/2, . . .
• Halbzahlige j: Darstellungen der SU(2)
(universelle Überlagerungsgruppe der SO(3)), SU(2) besitzt gleiche Lie-
Algebra wie SO(3)

9.1 SU(2)

Lie-Gruppe SU(2): Gruppe der speziellen, unitären Transformationen in 2 Di-


mensionen.
Gruppenelement A ∈ SU (2): komplexe 2 × 2 Matrizen A mit
• A† A = 1, det(A) = 1 wie für unitäre Darstellungen der SO(3).
• 3 unabhängige Parameter
⇒ gleiche Lie-Algebra und gleiche Anzahl Generatoren wie in SO(3). Darstel-
lung der SU(2) durch Pauli-Matrizen
µ ¶ µ ¶ µ ¶
0 1 0 −i 1 0
σ1 = , σ2 = , σ3 =
1 0 i 0 0 −1

mit Algebra
[σi , σk ] = 2iεik` σ`
1
⇒ Mi = σi erfüllen [Mj , Mk ] = iεjk` M` .
2
Eigenschaften der σi :
• σi σj = δij + iεijk σk
• Tr(σi ) = 0
• σi2 = 1 ⇒ M2 = 34 1 ⇒ j = 1
2 D1/2
• det(σi ) = −1
• σ1 σ2 σ3 = i1
• σ± = σ1 ± iσ2
µ ¶ µ ¶
0 1 0 0
σ+ = , σ− =
0 0 1 0

Beziehung SU(2) ↔ SO(3)


Definiere für x ∈ R3 : x̃
3
X µ ¶
x3 x1 − ix2
x̃ = xj σj = hermitesch
x1 + ix2 −x3
j=1

Umkehrung
1
Tr(x̃σ),
x= det(x̃) = −x2
2
Wirkung von A ∈ SU(2) auf x̃

x̃ → x̃0 = Ax̃A†

40
Inhaltsverzeichnis 20.11.2007

ergibt Drehung R(A) von x. Betrachte:


µ −iϕ/2 ¶
e 0
A3 =
0 eiϕ/2

µ ¶
x3 (x1 − ix2 )e−iϕ
x̃0 = A3 x̃A†3 = iϕ
(x1 + ix2 )e −x3
 
x1 cos(ϕ) + x2 sin(ϕ)
1
x0 = Tr(x̃0 σ) =  −x1 sin(ϕ) + x2 cos(ϕ 
2
x3

→ Drehung um Winkel ϕ um x3 -Achse.


Periodizität:

A3 (ϕ + 4π) = A3 (ϕ), A3 (2π) = 1, A3 (4π) = 1

aber
R (A3 (ϕ + 2π)) = R (A3 (ϕ))
⇒ SU(2) überlagert SO(3) zweifach

SU (2)/(±1) ' SO(3)

• Darstellungen der SU(2) sind im Allgemeinen keine Darstellungen der


SO(3), ausser für j ∈ N0
• aber: SO(3)-invariante Systeme sind im Allgemeinen auch invariant unter
SU(2)
⇒ alle Dj (j = 0, 1/2, 1, 3/2, 2, 5/2, . . .) können realisiert werden.

9.2 Spin-1/2 Elektron

Einfachstes Beispiel für Spin-1/2: Elektron.


Beobachtung: Stern-Gerlach-Experiment:

• Silber: rotationssymmetrische Verteilung der Elektronen, plus ein 5s - Va-


lenzelektron
• oder: Alkali-Metalle
∂B
F = ∇(µB) = µz ez
∂z
erwartet: keine Aufspaltung.
beobachtet: Aufspaltung in zwei Strahlen (nicht erklärbar duch 2`+1 Bahndrehimpuls-
Zustände)
⇒ Elektron hat Eigendrehimpuls (Spin) ~/2.
• Zustandsraum eines einzelnen Elektron

H = L2 (R3 ) ⊗ C2

41
Inhaltsverzeichnis 20.11.2007

• Wirkung einer SU(2)-Transformation

U (A) = U0 (R(A)) ⊗ A

~
• Spin-Operator: S = σ
2
• Kommutatoren: [S, x] = [S, p] = [S, L] = 0
• Basis des C2 : |j, mi: Spinoren (halbzahlige j)
¯ À µ ¶
¯1 1 1
|↑i = ¯¯ , = Spin-up
2 2 0
¯ À µ ¶
¯1 1 0
|↓i = ¯¯ , − = Spin-down
2 2 1
¯ À ¯ À ¯ À ¯ À
¯1 1 ~ ¯¯ 1 1 ¯1 1 ~ ¯¯ 1 1
¯
S3 ¯ , =+ ¯ , , ¯
S3 ¯ , − = − ¯ ,−
2 2 2 2 2 2 2 2 2 2

• allgemeiner Spinor:
µ ¶
α+
|χi = α+ |↑i + α− |↓i =
α−

Normierung:
hχ | χi = 1 ⇒ |α+ |2 + |α− |2 = 1
Vollständigkeit: µ ¶
1 0
|↑i h↑| + |↓i h↓| = =1
0 1

9.3 Anomaler Zeeman-Effekt

Erinnerung: normaler Zeeman-Effekt


Aufspaltung von Energieniveaus in externem Magnetfeld
e
H = H0 − BL
2me
⇒ Bahndrehimpuls erzeugt ein magnetisches Moment:
e
µ` = L
2me
Der Spin kann ebenfalls ein magnetisches Moment erzeugen, Propotionalitäts-
konstante a priori unbekannt.
e
µs = ge S
2me
Empirisch ist ge = 2 (Dirac), gp = 5, 58 (Proton), gn = −3, 83 (Neutron)
→ Substruktur
Daraus folgt eine anomale Aufspaltung der Energieniveaus:
e
H = H0 − B · (L + 2S)
2me
Beschreibung durch Bohr-Magneton
e~ eV
µB = = 5, 79 · 10−5
2me T
∆Ez = −µB |B|(me + 2ms )

42
Inhaltsverzeichnis 20.11.2007

10 Addition von Drehimpulsen


Problem: verschiedene Drehimpulse in einem System (zum Beispiel L und S);
welcher Gesamtdrehimpuls resultiert?
1
Vektoriell: für j1 = ` = 1, j2 = s = folgt: 2
µ ¶
3 1
m = m1 + m2 = ± , ± .
2 2
Spektrum:
m m1 m2 Entartung Produktzustände
|j,¯mi =® |j1 , m1 i ⊗ ¯|j2 , m
® 2i
3
1 1
1 ¯ 3 , 3 = |1, 1i ⊗ ¯ 1 , 1
2 2 2 2 2 2
1
2 1 − 12
1
0 2 2 Linear-
− 21 −1 1
2 kombinationen
0 − 12 2 ¯3 3® ¯ ®
− 23 −1 − 12 1 ¯ , − = |1, −1i ⊗ ¯ 1 , − 1
2 2 2 2
¯ À ¯ À ¯ À
¯3 1 ¯1 1 ¯1 1
¯ , = a |1, 0i ⊗ ¯¯ , + b |1, 1i ⊗ ¯¯ , −
¯2 2 2 2 2 2
¯ À ¯ À ¯ À
¯1 1 ¯1 1 ¯1 1
¯ , = c |1, 0i ⊗ ¯¯ , + d |1, 1i ⊗ ¯¯ , −
¯2 2 2 2 2 2
Suche a, b, c, d im allgemeinen Fall.

10.1 Clebsch-Gordon-Zerlegung

Gegeben: Drehimpulsoperatoren J1 , J2 mit Eigenfunktionen |j1 m1 i , |j2 m2 i

J2i |ji mi i = ~2 ji (ji + 1) |ji mi i


Ji,z |ji mi i = ~mi |ji mi i

und

J1 |j2 m2 i = 0, J2 |j1 m1 i = 0
£ 2 2¤
[J1 , J2 ] = 0, J1 , J2 = 0

Es existieren (2j1 + 1)(2j2 + 1) Produktzustände der Form

|j1 m1 i ⊗ |j2 m2 i ≡ |j1 j2 m1 m2 i .

Diese sind Eigenzustände von Ji,3 , J2i .


Definiere: Gesamtdrehimpuls:

J = J1 + J2

Es gilt:

43
Inhaltsverzeichnis 22.11.2007

• [Jj , Jk ] = i~εjk` J`
• J2 = J21 + J22 + 2J1 · J2
= J21 + J22 + J1+ J2− + J1− J2+ + 2J1,3 J2,1
nicht diagonal
• [J2 , Ji,3 ] 6= 0.
⇒ |j1 j2 m1 m2 i sind nicht Eigenfunktionen von J2 , J3
suche: Eigenfunktionen von J2 , J3 , J21 , J22 .
Mögliche Werte von j:
In Matrix-Schreibweise:
D(j1 +j2 ) = Dj1 ⊗ Dj2 nicht diagonal, reduzibel
|j1 −j2 |
M
U (Dj1 +j2 )U −1 = Dj blockdiagonal
j=j1 +j2
 
j1 + j2
 j1 + j2 − 1 
 
=  .. 
 . 
|j1 − j2 |
Dj : irreduzible Darstellungen.
Schreibweise:
j1 ⊗ j2 = (j1 + j2 ) ⊕ (j1 + j2 − 1) ⊕ . . . ⊕ |j1 − j2 |
Clebsch-Gordon-Reihe.

10.2 Bahndrehimplus und Spin-1/2

J = L + S hat 2(2` + 1) Produktzustände


¯ À
¯ 1
¯`, , m, ± 1 .
¯ 2 2
Erlaubt sind j = ` + 1/2, ` − 1/2.
Suche: Eigenfunktionen von J2 , J3 , L2 , S2 . Nutze:
p
• L± |`, m` i = (` ± m` + 1)(` ∓ m` )~ |`, m` ± 1i
• J2 = L2 + S2 + 2L3 S3 + L+ S− + L− S+
• |` + 1/2, ` + 1/2, `, 1/2i = |``i ⊗ |1/2, 1/2i
ist trivial:
¯ À µ ¶
¯ 1 1 1 1
J3 ¯¯` + , ` ± , ` − =~ `+ |. . .i
2 2 2 2
µ ¶µ ¶
1 3
J2 |. . .i = ~2 ` + `+ |. . .i
2 2
konstruiere Spektren von J mit j = ` + 1/2 durch wiederholtes Anwenden
von J− und Normierung.
¯ À r ¯ À ¯ À
¯ ` + mj + 1/2 ¯¯ ¯1 1
¯` + 1 , mj , `, 1 =
1 ¯
¯ 2 2 2` + 1 ¯`, mj − 2 ⊗ ¯ 2 , 2
r ¯ À ¯ À
` − mj + 1/2 ¯¯ 1 ¯1 1
¯ ,−
+ ¯ `, m j + ⊗ ¯2 2
2` + 1 2
1 1
mj = ` + , . . . , −` − .
2 2

44
Inhaltsverzeichnis 27.11.2007

Spalten von J mit j = ` − 1/2 ergibt sich ausgehend von orthogonalen


Zustand zu mj = ` − 1/2 als:
s
¯ À ¯ À ¯ À
¯ 1
¯` − , mj , `, 1 ` − mj + 12 ¯¯ 1 ¯1 1
¯
¯ = − `, mj , − ⊗ ¯ ,−
2 2 2` + 1 ¯ 2 2 2
s
¯ À ¯ À
` + mj + 12 ¯¯ 1 ¯1 1
¯
+ `, m + ⊗ , −
2` + 1 ¯ ¯2 2
j
2
Darstellung als Clebsch-Gordon-Tabelle
Tabellen

Beispiel: Ein-Elektron System mit ` = 1, s = 1/2, j = 3/2 im m = +1/2


Zustand präpariert.
¡ ¢
Was ist die Wahrscheinlichkeit, für e− -Spin + 21 − 12 zu messen.
j, m, j1 , j2 Zustand:
¯ À ¯ À r ¯ À
¯3 1 1 1 ¯ 1 1 2 ¯¯ 1 1
¯ , , 1, = √ ¯1, , 1, − + 1, , 0, +
¯2 2 2 3¯ 2 2 3¯ 2 2
Projektion auf Spin +1/2 h1, 1/2, 0, 1/2| und Spin −1/2 h1, 1/2, 1, −1/2|
⇒ Intensitäten:
I(1/2) 2/3
= = 2.
I(−1/2) 1/3

11 Spineffekte in atomaren Spektren


Betrachte: Elektronen mit Spin im Coulomb-Potential.
Eigenfunktionen: ¯ À
¯1 1
¯
Ψn`m ⊗ ¯ , ±
2 2
in j-Basis |njmj `si.

11.1 Wigner-Eckart-Theorem:

Beispiel: Zeeman-Effekt
e e
Hz = − B(L + 2S) = − B(J + S)
2me 2me
Berechne in j-Basis.

hnjmj `s | Jz | njmj `si = ~mj


h. . . | Sz | . . .i = ?

Nutze:

S(L · S) − (L · S)S = −i~S × L


S × J(LS) − (LS)S × J = −i~(J(SJ) + SJ2 )

LS = 12 (J2 − L2 − S2 ) diagonal in j-Basis

⇒ hS(LS) − (LS)Si = 0
­ ®
⇒ SJ2 = hJ(SJ)i

mit
1 2
SJ = (J + S2 − L2 )
2

45
Inhaltsverzeichnis 27.11.2007

folgt:
1
hSz i = (j(j + 1) + s(s + 1) − `(` + 1)) · hJz i
2j(j + 1)
⇒ Zeeman-Aufspaltung in j-Basis
e
Hz = − gJ B · J
2me
mit
j(j + 1) + s(s + 1) + `(` + 1)
gj = 1 +
2j(j + 1)
Landé-Faktor.
→ Einfachstes Beispiel des Wigner-Eckert Theorems.
Betrachte: Transformation von Operatoren unter Rotationen
i
A0 = U AU † = A + tωj [Jj , A].
~
Spezialfälle:
• [Jj , A] = 0: A skalarer Operator, rotationsinvariant.
Bsp.: H, L2 , S2 , J2 , p2 .
• [Jj , Ak ] = i~εjk` A` : vektorieller Operator,
⇒ A0 = A + tω × A transformiert wie ein Vektor.
Bsp.: x, p, L, S, J.
Matrixelemente in Standardbasis von J: |j, m, ki, k: weitere Quantenzahlen, zum
Beispiel `, s.
a) Für skalaren Operator A: gemeinsame Eigenfunktionen, A diagonal, m-
unabhängig.

hj, m, k | A | j 0 , m0 , k 0 i = aj (k, k 0 )δjj 0 δmm0 .

δjj 0 δmm0 : Auswahlregel für Matrixelemente.


b) Für vektorielle Operatoren V:

[Jx , Vx ] = 0, [Jx , Vy ] = i~Vz , [Jx , Vz ] = i~Vy

und zyklisch.
Definiere:
J± = Jx ± iJy , V± = Vx ± iVy ,
so dass
[J± , V± ] = 0, [J± , V∓ ] = ±2~Vz .
Auswahlregeln:
– [Jz , Vz ] = 0
⇒ hj, m, k | Vz | j 0 , m0 , k 0 i =
6 0 nur für j = j 0 , m = m0 .
– Jz V± = V± Jz ± ~V±

⇒ Jz (V± |j 0 , m0 , k 0 i) = (m0 ± 1)~V± |j 0 , m0 , k 0 i

Eigenvektor von Jz zu Eigenwerte (m0 ± 1)~.

⇒ hj, m, k | V± | j 0 , m0 , k 0 i =
6 0 nur für j = j 0 , m = m0 .

Matrixelemente von V (∆m = m − m0 ):

Vz : ∆m = 0; V+ : ∆m = +1; V− : ∆m = −1.

46
Inhaltsverzeichnis 27.11.2007

Matrixelemente:
hj, m + 2, k | J+ V+ | j, m, ki = hj, m + 2, k | V+ J+ | j, m, ki
mit Vollständigkeit:
X
|j 0 , m0 , k 0 i hj 0 , m0 , k 0 | = 1.
j 0 ,m0 ,k0

hj, m + 2, k | J+ | j, m + 1, ki hj, m + 1, k | V+ | j, m, ki
= hj, m + 2, k | V+ | j, m + 1, ki hj, m + 1, k | J+ |j, m, ki

hj, m + 1, k | V+ | j, m, ki hj, m + 2, k | V+ | j, m + 1, ki
= , j − 2 ≥ m ≥ −j
hj, m + 1, k | J+ | j, m, ki hj, m + 2, k | J+ | j, m + 1, ki
hj, j, k | V+ | j, j − 1, ki
=
hj, j, k | J+ | j, j − 1, ki
= α+ (j, k).
Analog:
hj, m − 1, k | V− | j, m, ki
= α− (j, k)
hj, m − 1, k | J− | j, m, ki
und
−2~ hj, m, k | Vz | j, m, ki = hj, m, k | J− V+ − V+ J− | j, m, ki
p
= ~ j(j + 1) − m(m + 1) hj, m + 1, k | V+ | j, m, ki
p
−~ j(j + 1) − m(m − 1) hj, m, k | V+ | j, m − 1, ki
= ~2 α+ (j, k)(−2m)
analog mit J+ V− :
−2~ hj, m, k | Vz | j, m, ki = ~2 α− (j, k)(−2m)
⇒ α+ (j, k) = α− (j, k) = α(j, k)
und
hj, m, k | Vz | j, m, ki = α(j, k) hj, m, k | Jz | j, m, ki
als Vektorgleichung
hj, m, k | V | j, m0 , ki = α(j, k) hj, m, k | J | j, m0 , ki
Wigner-Eckert-Theorem.
Innerhalb eines Unterraums H(j, k) sind alle Matrixelemente des Vektoropera-
tors V proportional zu den Matrixelementen des Gesamtdrehimpulsoperators
J− .
Bestimmung des Proportionalitätsfaktors
Projektor auf J (j, k): P (j, k) mit [J, P (j, k)] = 0
P (j, k)J · VP (j, k) = J · (P (j, k)VP (j, k))
= α(j, k)J2 P (j, k)
= α(j, k)j(j + 1)~2 P (j, k)
hJ · Vi = α(j, k)j(j + 1)~2
für alle Zustände in J (j, k)
hJ · Vi hJ · Vi
V= 2
J= J.
hJ i j(j + 1)~2
Innerhalb von H(j, k): Präzession aller Vektoren um Gesamtdrehimpuls j: nur
J·v
Vk = j
j2
beobachtbar.

47
Inhaltsverzeichnis 27.11.2007

11.2 Zeitunabhängige Störungstheorie

Betrachte: Quantenmechanische Systeme, in denen


H = H0 + λH1
mit λ klein, Eigenfunktionen zu H0 bekannt.
→ kann H1 -Beitrag als kleine Störung des H0 -Systems betrachten, und in λ
entwickeln mit
H0 |n0 i = En(0) |n0 i und H |ni = En |ni
gilt:
En = En(0) + λEn(1) + λ2 En(2) + . . .
|ni = |n0 i + λ |n1 i + λ2 |n2 i + . . .
Rayleigh-Schrödinger Störungsreihe.
a) Nichtentarteter Fall:
¡ ¢
(H0 + λH1 ) |n0 i + λ |n1 i + λ2 |n2 i + . . .
³ ´¡ ¢
= En(0) + λEn(1) + λ2 En(2) + . . . |n0 i + λ |n1 i + λ2 |n2 i + . . .
Koeffizienten einzelner Potenzen in λ:
⇒ H0 |n0 i = En(0) |n0 i
H0 |n1 i + H1 |n0 i = En(0) |n1 i + En(1) |n0 i etc.
normiere |ni, so dass hn0 | ni = 1 für alle λ
⇒ hn0 | ni i = 0, für i > 0
(1)
⇒ En = hn0 | H1 | n0 i
Energieverschiebung 1. Ordnung.
Entwickle |n1 i in Eigenzuständnen von H0 : |m0 i
X
|n1 i = cm |m0 i , cm = hm0 | n1 i
m6=n

und ³ ´
cn En(0) − Em
(0)
= hm0 | H1 | n0 i , m 6= n
so dass
X hm0 | H1 | n0 i
|n1 i = (0) (0)
|m0 i
m6=n En − Em
und
X |hm0 | H1 | n0 i|2
En(2) = hn0 | H1 | n1 i = (0) (0)
m6=n En − Em
Energieverschiebung 2. Ordnung.
Anmerkungen:

48
Inhaltsverzeichnis 29.11.2007

(2)
– Für Grundzustand bewirkt E0 immer Absenkung
– Dominierte Beiträge aus benachbarten Energieniveaus.
b) Entarteter Fall:

|na,0 i , |nb,0 i , . . . , |nk,0 i zu H0 |ni,0 i = En(0) |ni,0 i .

Definiere neue Basis in der H1 diagonal wird


(α)
hnα,0 | H1 | nβ,0 i = H1 δαβ für festes n.

Basistransformation:
Ausganspunkt: H1,ij = hni,0 | H1 | nj,0 i
X
|nα,0 i = ciα |ni,0 i
i
Hiαβ = hnα,0 | H1 | nβ,0 i

ciα aus linearem Gleichungssystem


X ³ ´
(α) (α)
H1,ij cjα = H1 ciα mit det H1,ij − Hi δij = 0.
j

11.3 Spin-Bahn-Kopplung

Elektron auf Bahn um Zentralpotential: Bewegte Ladung nimmt Magnetfeld


B = c12 v × E wahr, Spin koppelt an dieses Magnetfeld durch (aus rel. Dirac-
Gleichung)

e ∂
HSB = − 2
S(v × E), eE = ∇V = b
r V (r)
2me c ∂r
1 1 ∂
= S(r × v) V
2me c2 r ∂r
1 1 ∂V
= LS
2m2e c2 r ∂r
1 e2 Z
= LS
2m2e c2 4πε0 r3

für
e2 Z
V (r) = −
4πε0 r
Diagonalisierung von HSB :
Nutze:
1¡ 2 ¢
SL = J − L2 − S2
2
⇒ HSB diagonal in |n, j, m, `, si-Basis.
¯ À µ ¶¯ À
¯ 1 1 ~2 ¯
SL ¯¯n, ` ± , m` , `, =
` ¯n, ` ± 1, m, `, 1 .
2 2 2 −` − 1 ¯ 2

Nutze:
¯ À
¯ ¡ ¢
¯n, ` ± 1 , m, `, 1 = Rn` |ri α± Y`,m −1/2 |↑i + β± Y`,m +1/2 |↓i
¯ 2 2 j j

mit s
1
` ± mj + 2
α± = ± = ±β∓
2` + 1

49
Inhaltsverzeichnis 04.12.2007

so dass Korrektur 1. Ordnung ergibt:


`
∆ESB = hHSB in,j,`±1/2,m,`,1/2
µ ¶¿ À
` 1 e2 Z ` 1
→ ∆ESB = 2 2
2me e 4πε0 −` − 1 r3 n`

mit
¿ À
1 3c3 α3 Z 3
=
r3 n` ~3 n3 `(`+ 1/2)(` + 1)
µ ¶
` mc2 (Zα)4 `
⇒ ∆ESB =
4n3 `(` + 1/2)(` + 1) −` − 1

11.4 Relativistische Korrekturen

Entwickle relativistische Energie-Impuls-Beziehung


p p2 1 (p)2 )2
E= p2 c2 + m2 c4 = mc2 + −
2m 8 m3 c2
⇒ Korrektur zu H0 :
1 (p2 )2
HR = − .
8 m3 c2
Nutze:
µ ¶2 µ ¶2
4 2 e2 Z 1 e2 Z
p = 4m H0 + , HR = − H0 + .
4πε0 r 2mc2 4πε0 r

Korrektur 1. Ordnung (diagonal in |n`mi-Basis)


(1)
∆E` = hn`m | HR | n`mi
à ¿ À µ ¶2 ¿ À !
1 2 e2 Z 1 Ze2 1
= − 2
En + 2En +
2mc 4πε0 r n` 4πε0 r2 n`

mit
¿ À ¿ À
1 Z 1 Z2
= , = 2 3
r n` an2 n` r2a n (` + 1/2)
µ ¶
(1) mc2 (Zα)2 (Zα)2 n 3
∆E` = − −
2n2 n2 ` + 1/2 4

• Darwin-Term:
Dirac-Gleichung ergibt weiteren Beitrag zu H:

~2 ~2 Ze2 3
HD = ∆V = δ (x)
8m2 c2 8ε0 m2 c2
anschauliche Deutung auf Grund Ortsunschärfe spürt Elektron nur ’mitt-
leres Potential’.
• Beitrag in 1.Ordnung Störungstheorie:

(1) mc2 (Zα)4


∆ED = hHD in,j=`±1/2,m,`,1/2 = δ`0
2n3
somit: Feinstrukturaufspaltung

∆En,j=`±1/2,m,`,1/2 = ∆ESB + ∆ER + ∆ED


µ ¶
mc2 (Zα)2 (Zα)2 3 n
= −
2n2 n2 4 j + 21

50
Inhaltsverzeichnis 04.12.2007

– unabhängig von `, m
– Grössenordnung: En : O(mc2 α2 ), ∆E = O(mc2 α4 )
Spektrum der Energieniveaus
Tabelle
• Aufhebung der m-Entartung durch externes Magnetfeld (Zeeman-Aufspaltung)
• Aufspaltung unterschiedlich für verschiedene `.

11.5 Hyperfeinstruktur

Atomkern ist aus Ptrotonen und Neutronen aufgebaut (Spin-1/2-Teilchen)


⇒ Atomkern hat Kernspin I und magnetisches Moment
ZegN
M= I
2mc
ergibt Vektorpotential
³µ ´ µ0
0
A = −M × ∇ = M×x
4πr 4πr3
daraus: µ ¶
1 1
B = ∇ × A = µ0 M∆ − ∇(M · ∇) .
r r
Wechselwirkung mit Spin des Elektrons:
· ¸
e Ze2 gN 1 1
HHF S = − SB = S · −I∆ + ∇(I∇) .
m 8πε0 MN c2 r r
Betrachte t = 0:
Z · ¸ Z µ ¶
1 2 3 I 1 2
∇(I∇) (RN 0 (r)) d r = ∆ (RN 0 (r)) d3 x
r 3 r
und
1
∆ = −4πδ 3 (x)
r2
so dass
4 m 1 hSIi
hHHF S in,j=1/2,`=0 = gN (Zα)4 mc2 3 2 .
3 MN n ~
Diagonalisiere SI in Basis mit totalem Spin F = S + I
µ ¶
1 1 2 2 1 3
SI = (F − S − I ) = f (f + 1) − − i(i + 1)
~2 2~2 2 4
1 1
= i; f =i+ ↑↑ triplett, angeregt
2 2
1 1
(−i − 1); f =i− ↑↓ singlett, Grundzustand
2 2
Daraus: Hyperfein-Aufspaltung des n-ten Energieniveaus im s-Orbital (` = 0)
4 m mc2 2i + 1
∆EHF SM = gN (Zα)4 3
3 MN n 2
1
Für H-Atom gp = 5.59, i = 2

¡ ¢
∆EHF S 1S1/2 = 5.9 · 10−6 eV ≡ λ = 21cm(Wellenlänge)
Astronomische Beobachtung von Wasserstoff

51
Inhaltsverzeichnis 04.12.2007

12 Approximationsmethoden
Bislang: kennen Rayleigh-Schrödinger Störungstheorie (nicht entartet/entartet)
für Problem der Form H = H0 + λH1
→ systematische Entwicklung in λ, anwendbar für λ klein, keine oder gut ver-
standene Entartung
Suche alternative Methoden für λ gross oder Spektrum von H0 unbestimmt oder
entartet.

12.1 Brillouin-Wigner Störungstheorie

Allgemeines (nicht entartetes) störungstheoretisches Problem.

H = H0 + λH1 , H |ni = En |n0 i , H0 |n0 i = En(0) |n0 i

und Normierung hn | n0 i = 1 so dass

En(0) = hn | H0 | ni
En = hn | H | n0 i

daraus: exakte Niveauverschiebung:

En − En(0) = hn | λH1 | n0 i = hn0 | λH1 | ni .

• Projektionsoperator: Pn = |n0 i hn0 |


P
• Definiere: Orthogonalprojektion: Qn = 1 − Pn = m6=n |m0 i hm0 | so dass

[Pn , H0 ] = 0, [Qn , H0 ] = 0

und
Pn |ni = |n0 i |ni = Pn |ni + Qn |ni .

• führe Konstante D ein:

(D − H0 ) |ni = (D − H + λH1 ) |ni = (D − En + λH1 ) |ni

• falls D nicht Eigenwert von H0 : (D − H0 )−1 existiert


1
⇒ |ni = (D − En + λH1 ) |ni
D − H0
so dass
1
|ni = Pn |ni + Qn |ni = |n0 i + Qn (D − En + λH1 ) |ni
D − H0

Implizite Gleichung für |ni ergibt störungstheoretische Grundformeln:


a) Zustand
∞ µ
X ¶m
1
|ni = Qn Qn (D − En + λH1 ) |n0 i
m=0
D − H0

b) Niveauverschiebung

X µ ¶m
1
En − En(0) = hn0 | λH1 Qn Qn (D − En + λH1 ) | n0 i
m=0
D − H0

52
Inhaltsverzeichnis 04.12.2007

(0) (0)
durch Qn : D = En als einziger Eigenwert von H0 erlaubt → D = En ergibt
Rayleight-Schrödinger Störungstheorie.
Brioullin-Wigner-Störungsreihe, wähle D = En so dass
X· 1
¸m
|ni = Qn Qn λH1 |n0 i
En − H0
m6=n
X · ¸m
(0) 1
En − En = hn0 | λH1 Qn Qn λH1 | n0 i
E n − H0
m6=n

Auswertung:
a) Zustandskorrektur (1.Ordnung):
X hm0 | λH1 | n0 i
|ni = |n0 i + |m0 i (0)
m6=n En − Em

b) Energieverschiebung (2.Ordnung):
X hm0 | λH1 | n0 i
En − En(0) = hn0 | λH1 | n0 i + (0)
m6=n En − Em

– implizite Gleichung (löse iterativ)


– anwendbar auch auf entartetes H0

12.2 Wentzel-Kramers-Brillouin (WKB) Methode

Quasi klassischer Limes: hohe Energie


⇒ kleine de Broglie Wellenlänge
⇒ Potential über viele Wellenlängen quasi-konstant
Betrachte hier: 1D-Probleme
• parametrisierte Wellenfunktion als Ψ(x) = A(x)ei/~S(x) in zeitunabhängi-
ger Schrödinger Gleichung:

~2
− ∆Ψ = (E − V (x)) Ψ
2m
µ ¶2
dS d2 S dA dS 2
2d A
⇒A − i~A − 2i~ − ~ = 2m(E − V )A
dx dx2 dx dx dx2
quasiklassischer Limes: ~ → 0
µ ¶2 Z
dS x p
O(~0 ) : = 2m (E − V (x)) ⇒ S(x) = ± 2m(E − V (x0 )) dx0
dx
µ µ ¶ ¶
d2 S
1 1 dA dS d 1 dS C
O(~ ) : − 2 = 2 ⇒ log + log(A) = 0 ⇒ A = q
dx A dx dx dx 2 dx dS
dx

so dass
X C R
Ψ(x) = p ± e±i/~ p(x)dx
± p(x)
mit p
p(x) = 2m(E − V (x))

53
Inhaltsverzeichnis 06.12.2007

Beispiel: Tunneleffekt im α-Zerfall Potential für α-Teilchen im Feld ei-


nes Kerns
27e2 γ
V (x) = =
4πε0 r r
γ γ
V (r) = O(r − R), rc =
r E
• Transmissionswahrscheinlichkeit
µ Z ¶
|Ψ(rc )|2 2 rc p
T ' ' exp − 2m(V (x) − E) dx
|Ψ(R)|2 ~ R
Z rc r à Ãr ! s µ ¶!
2 ³ γ ´ 2rc √ π R R 2
I = 2m − E dr = 2mE − arcsin − γ
~ R r ~ 2 E rc rc
à r !
R¿rc 2rc √ π R
' 2mE −2
~ 2 rc
· ¸
β1
⇒ T (E) ' exp − √ + β2
E
mit

2me3 Z
β1 = = β̄1 Z
2~ε
r 0
4 mZR
β2 = = β̄2 Z 2/3
~ πε0
Berechnung der Lebensdauer eines Kerns:
– α-Teilchen oszilliert frei im Kern, Zeit zwischen zwei Wandstössen
r
2R 2E
tc = ; v=
v m

1
– Teilchen benötigt im Mittel Stösse, um aus dem Kern zu kommen.
T
t0
⇒ Lebensdauer τ '
T
Z
ln(τ ) = β̄1 √ − β̄2 Z 2/3 + ln(t0 )
E
in guter Übereinstimmung mit Beobachtung.

12.3 Variationsverfahren

Betrachte Eigenwertproblem eines beliebigen hermiteschen Operatoren (z.B. H)


A |ai = a |ai
für welches die exakte Lösung unbekannt ist. Erwartungswert von A im Zustand
|ϕi
hϕ | A | ϕi
hAiϕ =
hϕ | ϕi

54
Inhaltsverzeichnis 06.12.2007

ist Funktional von ϕ: hAiϕ : ϕ → x ∈ R.


Differential von hAiϕ (wie normale Diffraktion)

1 1
δ hAiϕ = δ hϕ | A | ϕi − 2 hϕ | A | ϕi δ hϕ | ϕi
hϕ | ϕi hϕ | ϕi
1 ³D E D E´
= δϕ | (A − hAiϕ 1) | ϕ + ϕ | (A − hAiϕ 1) | δϕ
hϕ | ϕi

da A hermitesch.
2 ³D E´
⇒ δ hAiϕ = δϕ | (A − hAiϕ 1) | ϕ
hϕ | ϕi
δ hAiϕ = 0 ⇔ (A − hAiϕ 1 |ϕi = 0 Erwartungswert

⇒ Extremalprinzip: Jeder Zustand |ϕi für den der Erwartungswert eines her-
miteschen Operators A, hAiϕ extremal wird (δ hAiϕ = 0), ist ein Eigenzustand
von A. Die Eigenwerte sind die Extremalwerte von A
→ numerische Verfahren
→ Ansatz der Zustände durch Testparameter (Ritz’sches Variationsverfah-
ren)
→ Abschätzung der Grundzustandsenergie

hϕ | A | ϕi
hHiϕ = ≥ E0 .
hϕ | ϕi

Beispiel: Grundzustand des He-Atoms (2 e− , Z = 2)

1 2 1 2 Ze2 Ze2 e2
H = p1 + p2 − − +
2m 2m 4πε0 r1 4πε0 r2 4πε0 |x1 − x2 |
= H1 + H2 + Vel

mit
1 2 Ze2
Hi = pi −
2m 4πε0 ri
2
e
Vel =
4πε0 (x1 − x2 )

• ohne Vel : Grundzustandsenergie

E 0 = E10 + E20 = −2Z 2 Ry = −8Ry = −108, 8eV

0
• experimentell Eexp = −74, 8eV = −5, 5Ry
• Zwei-Elektron-Wellenfunktion

|Ψi = |n`mi1 |n`mi2 Spin vernachlässigt

im GZ: |Ψi = |100i1 |100i2


µ ¶3/2
1 Z? ?
Ψ100 (x) = √ e−Z r/a
normiert
π a

Z ? : Variationsparameter (effektive Ladung)


¿ ¯ 2 ¯ À ¿ ¯ ¯ À
¯ e (Z − Z ? ) ¯ ¯ e2 ¯
hΨ | H | Ψi = 2E 0 (Z ? ) − 2 Ψ ¯¯ ¯Ψ + Ψ ¯ ¯
¯ 4πε0 |x1 − x2 | ¯ Ψ
4πε0 |x1 | ¯

55
Inhaltsverzeichnis 11.12.2007

mit E0 (Z ? ) = −Ry(Z ? )2
¿ ¯ ¯ À
¯ e2 Z ? (Z − Z ? ) ¯ (Z − Z ? )
100 ¯¯ ¯ 100
¯ = 2Ry(Z ? )2
4πε0 |x1 | Z? Z?
¿ ¯ ¯ À
¯ e2 ¯ 5
Ψ ¯¯ ¯Ψ = Ry Z ?
4πε0 |x1 − x2 | ¯ 4
µ ¶
5
hΨ | H | Ψi = −2Ry −(Z ? )2 + 2Z ? Z − Z ?
8
5
Maximum bei Z ? = Z − so dass
16
µ ¶2
5
E0 = −2 Z − Ry = −5, 7Ry = −77, 5eV
16

13 Quantenmechanische Systeme
• Quantenmechanische Systeme durch Wellenfunktion beschrieben, im All-
gemeinen Superposition verschiedener Eigenfunktionen.
• Messung ergibt immer einen Eigenzustand (mit statistisch verteilter Häufig-
keit)
Betrachte insbesondere: einfache Zweizustandssysteme
zum Beispiel Elektron-Spin ⇒ Stern-Gerlach Messung
Photon-Photon ⇒ Polarisationsfilter

13.1 Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon

Betrachte: Verschränkter Zustand zweier quantenmechanischer Teilchen, welche


sich in entgegengesetzer Richtung bewegen. (’entangled state’)
Zum Beispiel Emision zweier Elektronen im S = 0 Singlett-Zustand
S = 0: Spins der Elektronen sind entgegengesetzt

1
|0, 0i = √ (|↑↓i − |↓↑i) .
2
Elektron-Wellenfunktionen sind Superposition beider Zustände
aber: Messung eines Elektronspins entlang einer bestimmten Spinachse legt
den Spinzustand des anderen Elektorns eindeutig fest. ⇒ A muss im Zustand

Sz (A) = −~/2 sein (Messergebnis von B beeinflusst Zustand A)


Betrachte: Messungen zu unterschiedlichen Zeiten tB , tA
→ Information über Messergebnis B benötigt gemäss spezieller Relativitäts-
theorie
dA + dB
∆t =
c

56
Inhaltsverzeichnis 11.12.2007

um von B nach A zu gehen. Trotzdem ist A bereits für tA − tB < ∆t in defini-


tivem (durch Messung von B festgelegten) Zustand.
⇒ Messergebnis von B muss mit Überlichtgeschwindigkeit nach A gelangt sein
(Lorentz-Invarianz-Verletzung)
⇒ oder Messergebnisse A und B waren bereits bei der Emission eindeutig fest-
gelegt (verdeckte Variablen)
⇒ oder Kollaps der quantenmechanischen Wellenfunktion ist nicht lokal (EPR-
Paradoxon)

13.2 Verdeckte Variablen

EPR-Interpretation:
Quantenmechanik enthält verdeckte Variablen, die Messergebnisse bereits im
Voraus festlegen
→ Quantenmechanik ist nicht fundamentale Theorie.
Test dieser Interpretation:
• Beschreibe Detektor durch Einheitsvektor (Spin-Quantisierungsachse) in
Ebene senkrecht zur Bewegungsrichtung. Messergebnisse dann bestimmt
durch
Messung A: σA · a = A(a, λ) = ±1
Messung B: σB · b = B(b, λ) = ±1
ρ(λ): Verteilung der verdeckten Variablen λ
Betrachte nun: Erwartungswert des Produkts
Z
P (a, b) = ρ(λ)A(a, λ)B(b, λ).

Vorhersage der Quantenmechanik

P (a, b) = hσA · a σB · bi = −a · b

für Singlett-Zustand
Beweis: messe

σA · a = +1 ⇒ σB = −a
σA · a = −1 ⇒ σB = +a

somit
Z
|P (a, b) − P (a, c)|2 ≤ ρ(λ) [1 − A(b, λ)A(c, λ)]

|P (a, b) − P (a, c)| ≤ 1 + P (b, c) Bell’sche Ungleichung

dies steht im Widerspruch zur Vorhersage der Quantenmechanik.

|P (a, b) − P (a, c)| = |a(b · c)|; P (b, c) = −bc.

Betrachte a ⊥ b, c beliebig.
µ ¶ µ ¶ µ ¶
0 1 cos(θbc )
a= , b= , c=
1 0 sin(θbc )

|a · (bc)| = | sin(θbc )| ≤ 1 · cos(θbc )


verletzt für kleine θbc
|θbc |2
|θbc | ≤
2
falsch.

57
Inhaltsverzeichnis 13.12.2007

13.3 Experimentelle Überprüfung

Betrachte: Detektoren A, B zufällig in relativen Winkeln θab = 0◦ , 45◦ , 90◦ mit


gleicher Wahrscheinlichkeit, dass Detektor A das entgegengesetze Ergebnis zu

Detektor B anzeigt
1
EAB = (1 − P (a, b)) .
2
Betrachte drei Detektorpositionen:

i : 0◦ , j : 45◦ , k : 90◦

P (i, i) = −1 (Erhaltung des Drehimpulses)


P (i, k) = 0 (Orthogonalität)
P (i, j) = P (j, k) (Rotationsinvarianz, gewährleistet durch zufällige Rotation der
Detektoren zwischen i und k)
Vorhersagen:
• QM:
1
P (i, j) = − cos(45◦ ) = − √
2
µ ¶
1 1 1 1
EAB = (1 − P (i, i)) + (1 − P (i, j)) + (1 − P (i, k))
3 2 2 2
µ µ ¶ ¶
1 1 1 1
= 1+ 1+ √ +
3 2 2 2

• verdeckte Variablen:

|P (i, k) − P (i, j)| ≤ 1 + P (j, k)


−P (i, j) ≤ 1 + P (i, j)
1
⇒ −P (i, j) ≤
2µ µ ¶ ¶
1 1 1 1 3
EAB ≤ 1+ 1+ + =
3 2 2 2 4
⇒ EAB ≤ 0, 75

• experimentelle Messung
– benutze verschränkte Photonen im Singlett-Polarisationszustand
– Detektoren lineare Polarisationsfilter
– Messung: EAB = 0, 7845
→ klare Evidenz gegen verdeckte Variablen
→ nicht lokaler Kollaps der Wellenfunktion.

13.4 Quanten-Teleportation

Nichtlokaler Kollaps der Wellenfunktion


• keine Verletzung des Kausalitätsprinzips, da keine Information übertragen
wird, die direkt durch den Experimentator beeinflussbar ist.

58
Inhaltsverzeichnis 18.12.2007

• kann jedoch benutzt werden, um einen vollständigen Quantenzustand (Su-


perposition) von einem Teilchen auf ein anderes zu übertragen, ohne den
Zustand durch Messung zu zerstören.
(Quanten-Informationsübertragung)
Betrachte: verschränktes EPR-Paar aus Teilchen 1 und 2
1
|Ψi = √ (|↑↓i − |↓↑i)
2
Zwei Beobachter Alice (Teilchen 1) und Bob (Teilchen 2).
Alice hat ein weiteres Teilchen 0, welches in unbekanntem Quantenzustand |ϕi
ist.
Ziel: Übertragung von |ϕi auf das Teilchen 2 (Quanten-Teleportation) durch
Übermittlung endlich vieler Bits von Information.
Gesamtzustand:
1
|ϕi ⊗ |Ψi = √ (|ϕ, ↑i ⊗ |↓i − |ϕ, ↓i ⊗ |↑i)
2
Basis für Teilchen 0,1:
1
|χ1 i = √ (|↑↓i − |↓↑i)
2
1
|χ2 i = √ (|↑↓i + |↓↑i)
2
1
|χ3 i = √ (|↑↑i − |↓↓i)
2
1
|χ4 i = √ (|↑↑i + |↓↓i)
2
mit
4
X
Pi = |χi i hχi | , Pi = 1.
i=1

Messung von Alice: Anwendung von Pi ⊗ 1, [(0, 1) ⊗ (2)]


Messergebnis i = 1, 2, 3, 4 (darstellbar als 2-bit Nachricht)
• Zustände nach der Messung
1
P1 |ϕi ⊗ |Ψi = |χ1 i ⊗ (− |↓i h↓| ϕi − |↑i h↑| ϕi)
2
1
P2 |ϕi ⊗ |Ψi = |χ2 i ⊗ (+ |↓i h↓| ϕi − |↑i h↑| ϕi)
2
1
P3 |ϕi ⊗ |Ψi = |χ3 i ⊗ (+ |↓i h↑| ϕi + |↑i h↓| ϕi)
2
1
P4 |ϕi ⊗ |Ψi = |χ4 i ⊗ (+ |↓i h↑| ϕi − |↑i h↓| ϕi)
2

• Alice übermittelt i an Bob, worauf Bob auf Teilchen (2) folgende unitäre
Operation (Spinrotation) anwendet:
Messergebnis Operation Zustand (2)
(Alice) (Bob)
1 1 − |ϕi
2 σ3 − |ϕi
3 σ1 |ϕi
4 σ2 −i |ϕi
⇒ Teilchen (2) wird von Bob (bis auf unmessbare Phase) im Quantenzu-
stand |ϕi wiederhergestellt.
• experimenteller Beweis mit Photonen.

59
Inhaltsverzeichnis 18.12.2007

14 Streutheorie
Quantenmechanischer Streuprozess

• Streuzentrum: Potential V
• Ein- und auslaufende Wellen: Kontinuumzustände H = H0 + V

14.1 Lippmann-Schwinger-Gleichung

Zeitunabhängige Streuprozesse:
• kontinuierliche Quelle
• klassisches zeitunabhängiges Potential
Ausgangspunkt:
p2
H0 = , H = H0 + V
2m
• Spektrum von H0 : |pi Impuls-Eigenzustand
• elastische Streuung → keine Änderung der Energie
→ suche Energie-Eigenzustände
Energie-Eigenwertgleichung für V = 0:

H0 |ϕi = E |ϕi ,

|ϕi: ebene Welle, Kugelwelle, E: Energie im Kontinuum.


Energie-Eigenwertgleichung für Streuprozess:
V =0
(H0 + V ) |Ψi = E |Ψi mit |Ψi → |ϕi

für E fest.
Formale Lösung (Lippmann-Schwinger)
¯ ±® 1 ¯ ®
¯Ψ = |ϕi + V ¯Ψ ± ,
E − H0 ± iε
1
ε > 0 infinitesimale Verschiebung von E in komplexe Ebene um wohl-
E − H0
definiert zu machen.
Lösung im Ortsraum:
Z ¿ ¯ ¯ À
­ ® ¯ 1 ¯ 0 ­ 0 ®
x | Ψ± = hx | ϕi + x ¯¯ ¯x
¯ x | V | Ψ± d 3 x 0 .
E − H0 ± iε
Integralgleichung mit Kern:
¿ ¯ ¯ À
~2 ¯ 1 ¯ 0
0
G± (x, x ) = x¯¯ ¯x
2m E − H0 ± iε ¯
Z Z * ¯µ ¶−1 ¯¯ +
~2 ¯ p02
0 ¯ ¯ 00
= 0
hx | p i p ¯ E − ± iε ¯ p hp00 | x0 i d3 p0 d3 p00 .
2m ¯ 2m ¯

60
Inhaltsverzeichnis 18.12.2007

Nutze:
* ¯µ ¶−1 ¯¯ + µ ¶−1
¯ p02
p02
¯ ¯ 00
p0 ¯ E − ± iε ¯p = 3 0
δ (p − p ) E − 00
± iε
¯ 2m ¯ 2m
1 0
hx | p0 i = 3/2
ei/~·p x
(2π~)
1 00 0
hp00 | x0 i = e−i/~·p x
(2π~)3/2

Z Z µ ¶−1
~2 1 i/~·p0 x 3 p02
⇒ G± (x, x0 ) = e δ (p 0
− p 00
) E − ± iε ·
2m (2π~)3/2 2m
1 00 0

3/2
ei/~·p x d3 p0 d3 p00
(2π~)
Z µZ ¶
~2 1 −i/~·p00 x0 3 0 00 3 00
= e δ (p − p ) d p ·
2m (2π~)3
µ ¶−1
0 p02
ei/~·p x E − ± iε d3 p0
2m
Z µ ¶−1
~2 1 i/~·p0 (x−x0 ) p02
= e E − ± iε d3 p0
2m (2π~)3 2m
~2 k 2
E = , p0 = ~q Wellenzahlvektoren
2m

Z ∞ Z 2π Z 1 00
0 1 eiq|x−x | cos(θ) 2
⇒ G± (x, x ) = q dq dϕ d cos(θ)
(2π)3 0 0 −1 k 2 − q 2 ± iε
Z ∞ iq|x−x0 | 0
1 1 e − e−iq|x−x |
= q dq
4π 2 i|x − x0 | 0 k − q 2 ± iε
2
³ ´
Z ∞
0
eiq|x−x | − e−iq|x−x |
0

1 1
= − 2 q dq
8π i|x − x0 | −∞ q 2 − k 2 ± iε
0
e±ik|x−x |
= −
4π|x − x0 |

r

q = ±k 1± = ±(k ± iε)
k2
G± (x, x0 ) ist die Green’sche Funktion der Helmholz-Gleichung

(∆ + k 2 )G± (x, x0 ) = δ 3 (x − x0 ).

Somit gilt:
Z 0
­ ® 2m e±ik|x−x | ­ 0 ®
x | Ψ± = hx | ϕi − 2 0
x | V | Ψ± d3 x0
~ 4π|x − x |
| {z }
Streubeitrag

61
Inhaltsverzeichnis 20.12.2007

Betrachte: lokale Potentiale V (x) (kein ∂x in V )


→ V diagonal im Ortsraum

hx0 | V | x00 i = V (x0 )δ 3 (x0 − x00 )


Z ±ik|x−x0 |
­ ® 2m e ­ ®
⇒ x | Ψ± = hx | ϕi − 2 0
V (x0 ) x0 | Ψ± d3 x0 .
~ 4π|x − x |
Interpretation: Potential von endlicher Ausdehnung. Beobachter weit entfernt:

|x| À |x0 | mit r = |x|, r0 = |x0 |, α = ](x, x0 )


p
⇒ |x − x0 | = r2 − 2rr0 cos(α) + r02 ' r − x
b · x0

Definiere: k0 = kb b-Richtung, |k0 | = |k|


x Wellenvektor in x
0 0 0
⇒ e±ik|x−x | ' e±ikr e∓ik x

Sei |ki normiert, so dass

hk | k0 i = δ 3 (k − k0 )
1
⇒ hx | ki = eikx .
(2π)3/2
Dann folgt:
Z
­ ® (x gross) 1 2m e±ikr 0 0 ­ ®
x | Ψ± = hx | ki − e∓ik x V (x0 ) x0 | Ψ± d3 x0 ,
4π ~2 r
Ψ+ : auslaufende Kugelwelle
Ψ− : einlaufende Kugelwelle.
µ ¶
­ ® (x gross) 1 eikr
x | Ψ± = e ikx
+ 0
f (k, k )
(2π)3/2 r
mit Streuamplitude
Z
1 2m 0 0 ­ ®
f (k, k0 ) = − (2π)3/2 2 e−ik x V (x0 ) x0 | Ψ± d3 x0 .
4π ~
Differentieller Wirkungsquerschnitt:
dσ Anzahl gestreuter Teilchen in dΩ pro Zeit
dΩ =
dΩ Anzahl einlaufender Teilchen pro Zeit und Fläche
r2 dΩ|jout |
= = |f (k, k0 )|2 dΩ
|jin |

⇒ = |f (k, k0 )|2 .
dΩ

14.2 Born’sche Näherung

Streuamplitude hängt von |Ψ+ i ab


→ kann nur implizit oder approximativ bestimmt werden.
Annahme: V parametrisch klein
0
­ ® eikx
⇒ x0 | Ψ+ ' hx0 | ϕi = hx0 | ki =
(2π)3/2

62
Inhaltsverzeichnis 20.12.2007

daraus Born-Amplitude (Näherung 1. Ordnung):


Z
1 2m 0 0
f (1) (k, k0 ) = − ei(k−k )x V (x0 ) d3 x0
4π ~2

→ Fouriertransformierte von V (x0 ) nach q = k − k0 .


Für rotationssymmetrisches Potential gilt V (x0 ) = V (r).
Nutze: |k − k0 | = q = 2k sin(θ/2)
Z
(1) 1 2m i ∞ r2 ¡ ¢
⇒f (θ) = − V (r) eiqr − e−iqr dr
2 ~2 q 0 r
Z
2m 1 ∞
= − 2 rV (r) sin(qr) dr
~ q 0

• reell, unabhängig vom Vorzeichen von V


1
• für À |x0 | (grosse de Broglie-Wellenlänge):
|k|
Z
1 2m
f (1) (θ) = − V (x) d3 x.
4π ~2

Beispiel:
a) Yukava-Potential
(Nukleon-Nukleon-Wechselwirkung im Atomkern, Streuung von Neutro-
nen am Atomkern)

V0 e−µr 1
V (r) = , ' Reichweite, µ: Masse
µr µ
µ ¶
2mV0 1
⇒ f (1) (θ) = − .
µ~2 q 2 + µ2

Mit q 2 = 4k 2 sin2 (θ/2) = 2k 2 (1 − cos(θ)) folgt:


µ ¶ µ ¶2
dσ (Bohr) 2mV0 1
⇒ ' .
dΩ Yukava µ~2 [2k 2 (1 − cos(θ)) + µ2 ]2

b) Coulomb-Potential
V0 Ze2
Betrachte Grenzfall µ → 0, = fest
µ 4πε0
µ ¶ µ ¶2
dσ (Bohr) (2m)2 Ze2 1
⇒ ' .
dΩ Coulomb ~4 4πε0 16k 4 sin4 (θ/2)

p2
Mit ~k = |p| und E = folgt die Rutherford-Streuformel:
2m
µ ¶ µ ¶2
dσ 1 Ze2 1
= .
dΩ Coulomb 16E 2 4πε0 sin4 (θ/2)

Korrekturen höherer Ordnung zur Born-Approximation:


Definiere Streuoperator, so dass
¯ ®
V ¯Ψ+ = T |ϕi .

Multipliziere Lippmann-Schwinger-Gleichung mit V :


1
T |ϕi = V |ϕi + V T |ϕi , ∀ |ϕi
E − H0 + iε

63
Inhaltsverzeichnis 20.12.2007

→ Operatorgleichung für T :
1
T =V +V T
E − H0 + iε
und exakte Streuamplitude, ausgedrückt in T
1 2m
f (k, k0 ) = − (2π)3 hk0 | T | ki .
4π ~2
Iterative Lösung:
1 1 1
T = V +V V +V V V + ...
E − H0 + iε E − H0 + iε E − H0 + iε
= T (1) + T (2) + T (3) + . . .

Analog:

X
f (k, k0 ) = f (n) (k, k0 )
n=1
1 2m
f (1) (k, k0 ) = − (2π)3 hk0 | V | ki (Born-Amplitude)
4π ~2 ¿ ¯ ¯ À
1 2m 0 ¯
¯ 1 ¯
f (2) (k, k0 ) = − 2
3
(2π) k ¯ V V ¯¯ k
4π ~ E − H0 + iε
Z Z
1 2m
= − (2π)3 hk0 | x0 i V (x0 ) ·
4π ~2
¿ À
1
· x0 | | x00 V (x00 ) hx00 | ki d3 x0 d3 x00
E − H0 + iε
Z Z
1 2m 0 0
= − 2
e−ik x V (x0 ) ·
4π ~
· ¸
2m 00
· 2
G+ (x , x ) V (x00 )eikx d3 x0 d3 x00
0 00
~

Graphik
(n)
Analog: f : n-fache Wechselwirkung.

64
Index

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 M

A Mittlere Energie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

Adjungierter Operator . . . . . . . . . . . . . . 8 N
Auswahlregel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Norm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
B
P
Bohr-Radius . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Born-Amplitude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Parseval-Theorem. . . . . . . . . . . . . . . . . . .6
bra-Vektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Photonhypothese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Poisson-Klammer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
C
R
Compton-Formel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Coulomb-Potential . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Rayleigh-Schrödinger Störungsreihe 48
Rutherford-Streuformel . . . . . . . . . . . . 63
D
S
de Broglie Hypothese . . . . . . . . . . . . . . . 4
Differentieller Wirkungsquerschnitt 62 Schrödinger-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . 5
Drehimpulsoperator . . . . . . . . . . . . . . . 28 Skalarprodukt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Spin-Operator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
E Spinoren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .42
Ehrenfest-Theorem . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Streuamplitude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Energiedichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2, 4
V
Erwartungswert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8 f
Varianz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
F
W
Feinstrukturkonstante . . . . . . . . . . . . . 34
Wahrscheinlichkeitsdichte . . . . . . . . . . . 6
H
Wahrscheinlichkeitsstrom . . . . . . . . . . 13
Hamilton-Funktion . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Wigner-Eckert-Theorem . . . . . . . . . . . 47
Hauptquantenzahl . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Hermite-Polynom . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Y
Hermitescher Operator . . . . . . . . . . . . . . 8
Yukava-Potential . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
Hilbertraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

irreduzibel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

ket-Vektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Kommutator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Landé-Faktor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Larmour-Frequenz . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

65