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4.12.

2020 SCHACHNOVELLE

    Stefan Zweig Schachnovelle


STEFAN ZWEIG (1881 Wien - 1942 Brasilien):

Schachnovelle (1941)
ZUM.DE
Auf dem großen Passagierdampfer, der von New York nach Argen nien fährt, reisen neben dem Ich-Erzähler,
einem Journalisten aus Wien, auch einige Prominente, z.B. Mirko Czentovic, der gerade 21-jährige
Schachweltmeister. Von seinem Freund erfährt der Erzähler mehr über diesen Menschen: Er ist der Sohn eines
armen und früh gestorbenen südslawischen Donauschiffers, wuchs beim Dorfpfarrer auf, lernte aber nichts, weil
unendlich begriffsstutzig, zeigte jedoch eines Tages sein monomanisches Schach-Talent, das ihn aus dem Dorf
heraus in die große weite Welt führte. Nun ist er ein eitler und habgieriger Mensch, dessen Horizont über 64
schwarz-weiße Felder nicht hinausreicht.

In den ersten Tage der insgesamt 12-tägigen Reise versucht der Erzähler vergeblich, in die Nähe des Meisters zu
gelangen. Dieser zieht sich zurück in seine Kabine und studiert Schachpar en. Als nächstes versucht ihn der
Erzähler dadurch anzulocken, indem er im Smoking-Room Schach spielt, und zwar mit einem kämpferischen, aber
unbegabten Amerikaner, McConnor. Der Meister wir zwar einmal einen Blick auf das Bre , zieht dann aber
gelangweilt ab. McConnor jedoch, als er erfährt, wer dieser Mann ist, setzt seinen ganzen Ehrgeiz darin, gegen
Czentovic zu spielen und ist sogar bereit, pro Spiel $ 250 zu bezahlen.

Am folgenden Nachmi ag kommt es dann zur Par e Czentovic gegen alle anderen und sie endet mit einer
kläglichen Niederlage. Durch die Niederlage ebenso wie die herablassende Haltung des Meisters gereizt, fordert
McConnor Revanche und die zweite Par e beginnt. Gerade als sie dem Meister in eine Falle zu laufen drohen,
schaltet sich ein blasser Herr von etwa 45 Jahren ein und übernimmt das Spiel. Mit seiner Hilfe erreichen sie ein
Remis, und der Meister beginnt sich für das Geschehen zu interessieren. Der blasse Re er aber ist zu keiner
weiteren Par e bereit, er habe seit 25 Jahren vor keinem Schachbre mehr gesessen, und verzieht sich auf sein
Zimmer. Der Ich-Erzähler wird beau ragt, den Herrn ausfindig zu machen und zu einem weiteren Match, natürlich
finanziert von McConnor, zu bi en.

Dieser Herr stellt sich als Dr. B. vor, ein Landsmann des Erzählers und von einer angesehenen Familie
abstammend. Dieser Dr. B. ist nun wirklich an der Fortsetzung des We kampfes interessiert, gleichzei g aber
benutzt er diesen Anlass, um zu berichten, wie er dazu kam, im Schachspiel so außerordentlich bewandert zu
sein, ohne prak zierender Spieler zu sein:

Mit seinem Vater zusammen führte er in Wien eine Anwaltskanzlei, deren Hauptaufgabe darin bestand, die
Schätze und Güter der Kirche und der Kaiserfamilie zu verwalten. Gleich bei der Machtübernahme der Nazis in
Österreich (März 1938) wird er von der Gestapo verha et und als 'Prominenter' im Hotel Metropole in Isolierha
gebracht. Nach vier Monaten der absoluten Isola on und der ständigen Verhöre (27. Juli) ist er dem Geständnis
nahe, da aber entdeckt er - wieder einmal in einem Vorzimmer auf das Verhör wartend -in der Tasche eines
aufgehängten Mantels die Umrisse eines BUCHES. Er bringt es heimlich an sich, aber zu seiner großen
En äuschung ist es ein Schachbuch, indem 150 Meisterpar en dokumen ert sind. Dennoch, er beschä igt sich
damit, formt sich aus Brotresten Figuren, faltet die karierte Be decke zu einem Schachfeld und beginnt die
Par en nachzuspielen, bis er sie in und auswendig kennt. Das waren drei glückliche Monate. Dann aber beginnt
er, mit sich selbst zu spielen und gerät zunehmend in eine pathologische Situa on: "Schachvergi ung".

Er spaltet sich auf, liegt ständig mit sich selbst im Hader, kann nicht mehr abschalten, vergisst zu essen, wird von
immerwährendem Durst geplagt (Schachfieber), grei schließlich seinen Wärter an und wacht in einem Lazare
wieder auf. Dort erholt er sich langsam, sein Arzt erwirkt seine Entlassung unter der Bedingung, dass er das Land
innerhalb von 14 Tagen verlässt. Ein Jahr war er in Isola onsha , jetzt fährt er nach Argen nien.

Dr. B. erklärt sich zu einer einzigen, letzten Par e bereit, gleichsam als Schlussstrich unter eine alte Rechnung.
Diese findet am nächsten Nachmi ag sta und tatsächlich zwingt er den Weltmeister zur Aufgabe. Sein Verhalten
zeigt jedoch zusehends jene pathologischen Symptome, die ihn erst vor kurzem ins Lazare gebracht haben. Vor
allem die langen Bedenkzeiten seines Gegners machen ihn so nervös, dass er während der Revanche-Par e

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wieder anfängt, in seinem Kopf weitere Spiele durchzuspielen, die er dann mit dem gerade laufenden Match
durcheinanderbringt. Der Erzähler bewirkt darau in den Abbruch derPar e, Dr. B. gewinnt schnell seine Fassung
wieder, entschuldigt und verabschiedet sich, während der Schachmeister ihm großmü g eine für Dile anten
ungewöhnliche Begabung zugesteht.

Klaus Dautel, 1999-2009

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Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bi e um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.

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